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Autor Thema: Geschichten aus der Geschichte  (Gelesen 32580 mal)

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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #255 am: 11. April 2017, 11:15:45 »

In Deutschland wird eine Geiselnahme streng bestraft.

Und es ist wirklich niemanden zu wuenschen,in eine solche
Situation zu kommen,wo man nicht weiss,wie die Sache ausgehen
wird und ob man nicht dabei sein Leben einbuesst.

Vielen ist es jedoch unbekannt,dass es jaehrlich eine Geiselnahme
gibt,wo sich ehrwuerdige Persoenlichkeiten foermlich darum pruegeln,
Geisel zu werden.

Ort dieses Geschehnis ist London und seit 1643 ist zwischen dem House
of Commons und dem Buckinghampalast vereinbart,dass solange sich
der/die Monarch oder Monarchin im Parlament aufhaelt,ein Mitglied des
Parlaments als Geisel im Palast festgesetzt wird.

Er dient als Garant,dass der Koenig oder Koenigin unversehrt vom Parlament
in den Buckingham-Palast zurueckkehren kann.Sollte etwas passieren und
es einem Guy Fawkes-Anhaenger gelingen,die Anwesenden im Westminster-
Palace in die Luft zu jagen,so ist sein Leben verwirkt.

In frueheren Jahrhunderten war es von Zeit zu Zeit tatsaechlich eine Zitter-
partie fuer den Ungluecklichen,der in einer vergitterten Kammer eingesperrt
war und ungeduldig auf die Rueckkehr der koeniglichen Kutschen warten mus-
ste.

Heute geht es etwas kommoder zu.

Beim Eintreffen im Palast wird er freundlich begruesst,gebeten in einem hellen
Raum Platz zu nehmen,wo ein weiches Kanapee wartet.
Es wird ein Taesschen Tee gereicht und der Lesestoff umfasst alle Zeitungen
bis hinauf zum Playboy.

Waehrend die Geisel im Palast einsitzt,laueft gleichzeitig ein Spetakel ab,der
seinesgleichen sucht.

Zeremonielle Unhoeflichkeiten treten zutage,sogar der Streitkolben wird ge-
braucht, aber darueber ein andermal,so es jemanden interessiert.

Jock
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samuispezi

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #256 am: 11. April 2017, 14:41:04 »

nur zu.

Sind immer unterhaltsame und interessante Geschichtchen
die ich z.B. immer sehr gerne lese. ;}

Viele Grüße
Samuispezi
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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #257 am: 19. April 2017, 07:21:54 »

Nachdem Frau May Neuwahlen verkuendet hat,koennen wir uns schon
jetzt auf ein farbenpraechtiges Schauspiel freuen,dass anlaesslich der
Eroeffnung der Regierungsperiode ablaufen wird.

Es zeigt aber auch die jahrhundertealte Tradition im englischen Parla-
mentarismus,die ewige Gueltigkeit hat.

Die Machtlosigkeit der Krone,die Rivalitaet zwischen Unter-und Ober-
haus.

Frau May hat die Queen unterrichtet,dass sie Neuwahlen am 8.Juni an-
setzt.Das ist ein reiner Formalakt und es bleibt der Koenigin nichts anderes
ueber,als dem Wunsch der Frau May zuzustimmen.

Es ist der Queen auch untersagt,den Plenarsaal des Houses of Commons
zu betreten,sodass die Regierungserklaerung von ihr im Houses of Lords
vorgelesen werden muss.
Es ist die Regierungserklaerung des Premierminister und die Koenigin hat
keinen Einfluss auf den Inhalt.

Das Hausverbot fuer den Monarchen stammt aus dem Jahr 1643,als der da-
malige Koenig einige Abgeordnete verhaften wollte,die ihm laestig waren.

Ich glaube man hat ihm dafuer den Kopf abgeschlagen und das hat sich die
Krone gemerkt.

Am Tag der Parlamentseroeffnung hat man an eine derartige Fuelle von Zere-
monitaeten zu denken,dass man leicht die Uebersicht verlieren koennte.

Alle Abgeordneten und Lords haben sich vollzaehlig im Westminster- Palace
versammelt zusaetzlich alles was Rang und Namen in der englischen Gesell-
schaft hat.
Natuerlich die Commons und Peers getrennt.Die Commons in normalen An-
zuegen und Kostuemchen,die Peers in ihren uralten roten Roben und wenn die
weissen Peruecken nicht von den Motten gefressen worden waeren,haetten sie
diese auf.

Zuvor im koeniglichen Schlafzimmer,koennte es gemenschelt haben,wobei
folgender Dialog entstanden sein koennte :

Queen: Philip,steh jetzt endlich auf,ich muss ins Parlament und du kommst mit !

Philip: (leise) ,ausgerechnet heute,wo mir mein Kreuz eh so weh tut und
          (laut) 0k,ich komm schon.

Waehrend sich das Paar fertig macht,holt eine Kutsche,escortiert von Reitergarden
die Kroninsignien vom Tower ab.

Die Krone,mit dem grossen Brueller,das Schwert und die koenigliche Haube.

Die Koenigshaube ist eine mit Hermelin besetzte rote Zipfelmuetze,der nikolaus'
schen Kopfbedeckung nicht unaehnlich.

Schwert und Haube werden links und rechts vom Thron,waehrend die Regierungs-
erklaerung vorgelesen wird hochgehalten,die Krone selbst wurde der Queen in
Ankleideraum aufs Haupt gedrueckt und ihr die samtene Schleppe angelegt.

So betritt sie den Plenarsaal der Lords und ersucht einen Diener,die Abgeordneten
des Unterhauses moegen erscheinen.

Erhobenen Hauptes und steifen Schrittes macht der sich auf den Weg,als Zeichen
seiner Wichtigkeit traegt er dabei Stock.

Sobald er sich der Tuere des Plenarsaals der Commons naehert,wird ihm diese
vor der Nase zugeschlagen.Das gilt in England als grobe Unhoeflichkeit und zeigt
die Unabhaengigkeit des Unterhauses auf.

3 mal muss er klopfen und antworten wer,er denn sei.Dann oeffnet sich die Tuere
und er traegt den WUNSCH der Koenigin vor,die Abgeordneten zu sehen.
Waehrend er den Wunsch der Koenigin vortraegt,wird versucht,ihn an seinem Vor-
haben zu stoeren in dem er durch Zwischenrufe aus der Konzentration gebracht
werden soll.

So dann machen sich die Abgeordneten auf dem Weg ins Oberhaus,aber nicht
unbewaffnet.

Einer schultert den bereitliegenden,vergoldneten Streitkolben und wenn sie im
Oberhaus angekommen sind,wird ihnen kein Platz angeboten,sondern muessen
auf einer kleinen nur 10 Personen fassenden Balustrade stehen bleiben.

Einem Besuch keinen Platz anzubieten,gilt ebenfalls als grosse Unhoeflichkeit.

Nach Verlesen der Regierungserklaerung,kehren die Abgeordneten wieder in ihre
Raeumlichkeiten zurueck und diskutieren diese.

Die Queen,legt die Krone ab.Diese wird wieder in den Tower zurueckgebracht,
sie selbst besteigt wieder ihre Kutsche um in den Buckinghampalast zurueck-
zukehren und die Geisel wird freigelassen.

Hunderte Pferde sind im Einsatz,hunderte Garden in roter Uniform und zehn-
tausende Englaender und Touristen saeumen die Strassen.

Ein Schauspiel,das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Jock


p.s.Wenn die Koenigin den Westminster- Palast erreicht,wird der Unionjack
eingeholt und die Fahne des Koenigshauses aufgezogen.Selbstverstaendlich
die englische Ausfuehrung.

Es gibt naemlich verschiedene Ausfuehrungen davon,je nachdem ob sich die
Koenigin in England,Scotland oder Ulster befindet,unterscheiden sich diese
in Nuancen,auf die die Bewohner der Landesteile aber grossen Wert legen.



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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #258 am: 21. April 2017, 13:21:54 »

Was fuer die Automobilisten der Roll Royce ist,gilt auch fuer andere Er-
zeugnisse verschiedenster Branchen fuer deren Liebhaber.

Die Firma Bugari,ein Akkordeonhersteller aus Italien,hat diesen Ruf.

Die Spitzenprodukte siedeln sich preislich bei 8 - 9.000 EUROS an.

Als ich vor ueber 33 Jahren in die Musikbranche einstieg,sassen die
Lieferanten rund um Castelfirdardo,ca 1.000 Km von Wien entfernt.
Bei den groesseren Unternehmen sprach man Deutsch oder Englisch,bei
den kleinen aber ausschliesslich Italienisch.

Da ich damals noch nicht die Sprache beherrschte,musste ein Dolmetsch
her,der mich fuer einen Tag bei meiner Geschaeftsreise unterstuetzte.

Es war eine Oesterreicherin,die seit Jahrzehnte in Castelfirdardo verheiratet
war und selbst in der Musikbranche als Vertreterin fuer Bugari taetig war.

Bei einem Abendessen sprachen wir ueber Gott und die Welt,Politik,Mafia,Kinder,
Leben in Italien u.s.w.

Dabei erzaehlte sie,dass sie in Kalabrien mit ihren Akkordeons auf Kunden-
besuch unterwegs war,schneller als geplant ihr Programm abarbeiten konnte
und die "freien" Tage noch auf Sizilien verkaufstraechtig nuetzen wollte.

Sie setzte nach Messina ueber und fuhr zum groessten Musikhaus der Stadt,
parkte vor dem Geschaeft und betrat dieses.

Groesstes Erstaunen und leichtes Befremden,dass sie so unangemeldet er-
schien.
Der Empfang war aber trotzdem herzlich,man kannte sich ja,ein Espresso wurde
serviert,die neuesten Fussballergebnisse diskutiert und Ferrari hochgelobt.

Frau Rita,so war ihr Name,wollte jedoch bald auf das Geschaeftliche zu sprechen
kommen,entschuldigte sich kurz,um vom Auto die Musterinstrumente zu holen.

Der Schreck war gross,Auto,Akkordeon,ihr Koffer - alles war weg.

Sie stuerzte ins Geschaeft zurueck,erzaehlte was geschehen war und bat, ihr den
Weg zur Polizeistation zu zeigen.

Der Geschaeftsinhaber bat um Geduld,liess sich haarklein erzaehlen,welches Auto,
welche Farbe und welche Autonummer.Nach einem Telefonat lud er sie zum Mittags-
essen ein.

Und als sie vom Mittagsessen zurueckkamen,stand ihr Auto vor dem Geschaeft.
Alles war da,das Auo gewaschen und vollgetankt.
Auf dem Beifahrersitz eine Suessigkeit und eine Karte,wo nur ein Wort drauf-
stand : "Scusi".

Beim Abschied wurde sie ersucht,doch vor dem naechsten Besuch anzurufen
und Automarke,Farbe und Nummer bekanntzugeben.

Sie hielt sich daran und konnte fortan in den grossen Staedten Siziliens ihr Auto
parken wo sie wollte,Halteverbot hin oder her,ja sie haette es nicht einmal
versperren muessen.

Jock



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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #259 am: 27. April 2017, 12:51:06 »

Die dritte Juliwoche,ist wie jedes Jahr,auf den Kalendern der Innung
der Tuchweber und Weinhaendler von London,rot eingekreist.

Schon Wochen zuvor erloschen die Lichter in ihren Sitzungszimmern
erst spaet in der Nacht.

Da galt es herauszufinden,wer integer genug ist und vor allem,wer als un-
bestechlich angesehen wird,eine hochheikle Angelegenheit uebertragen
zu bekommen.

Aber auch den Redakteuren von Forbe's Liste ist dieser Termin wichtig,weil
er einen kleinen Zipfel vom Vermoegen der Queen lueftet.

Wie hoch das Vermoegen der Queen ist,weiss man nicht so genau,Die Werte,
die herumschwirren,reichen von 400 bis 600 Mio Pfund.

Wenigsten die Wertgegenstaende die in dieser Woche gezaehlt werden,sind
sicher.

Swan Upping nennt sich diese Veranstaltung,die seit Jahrhunderten jeden Jahres
auf der Themse stattfindet.

Nach einem koeniglichen Privileg aus dem 13.Jhd. gehoeren alle freischwimmenden
Schwaene der Koenigin/dem Koenig.Zusaetzlich noch alle Wale und Delphine entlang
der englischen Kueste.

Einzige Ausnahme,auch die Innung der Tuchweber und die Innung der Weinhaendler
erstritt sich einst das Recht,ebenfalls einige Schwaene zu besitzen.

So brechen sie in der genannten Zeit mit 6 Booten auf,um die Schwaene zu zaehlen.

Die zwei Boote der Koenigin sind mit der Koenigsflagge beflaggt,"Her Majesty's Swan-
Marker" selbstverstaendlich in roter Uniform.Je zwei weitere Boote entsenden die
Innungen.

Und sorgfaeltig achten sie darauf,nicht bei der Zaehlung ums Ohr gehauen zu werden.

1646 und 1807 waren Falotten als Abgesandte an Bord der Boote,die sich fuer ein
paar Judas- Silberlinge den einen oder anderen Schwan abkaufen liessen.

In frueheren Zeiten wurden die Schnaebel der Schwaene geritzt,um die Besitz-
verhaltnisse zu dokumentieren.Heute tut es eine Beringung auch.

Sehen die Bootsbesatzungen eine unschuldige Schwanenfamilie,ertoent der Ruf :
 "Swan up"

Die Schwaene werden dann eingekreist,aus dem Wasser gehoben,untersucht,be-
ringt und wieder ins Wasser gelassen.Bei Kuecken kein Problem.Aber einen aus-
gewachsenen Schwanenvater zu baendigen,gehoert Mut und Kraft.
Diese Voegel haben eine Spannweite von 2,30 m und wiegen bis zu 20 Kg.

Ein Schwan,gut gebraten und mit Thymian verfeinert reicht fuer eine kleine
Tafel und 30 Personen.Das war auch der Grund,dass 1491 der damalige Koenig
ein Gesetz beschliessen liess,das ihm alle Schwaene gehoeren moegen.

Das Protokoll ueber die Zaehlung wird veroeffentlicht und anschliessend fuer
die naechsten 800 Jahre im Archiv verwahrt.

Jock

« Letzte Änderung: 27. April 2017, 13:06:54 von jock »
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #260 am: 04. Mai 2017, 19:45:54 »

Fuer dieses Land habe ich gekaempf wie ein Loewe und habe mich
geschunden bis die Haende blutig waren.

Und was ernte ich ?

Weder Dank noch Anerkennung.Stattdessen wollen sie mich auch noch
finanziell ruinieren.

Die Gruenen in Oesterreich veranstalten ein richtiges Kesseltreiben gegen
mich und meinesgleichen.Nur deswegen weil das Land vor der Pleite steht,
wollen sie uns finanziell aussaugen bis auf's blaue Blut.

Die Rede ist vom Anti-Adelgesetz,das 1919 beschlossen wurde und Traeger
adliger Namen mit einer Geldstrafe bedroht.

Ich habe es auch damals schon fuer falsch gehalten,aber eine junge Republik
macht halt Fehler.

Fast 100 Jahre war Ruhe und jetzt wollen sie per Gesetz die Strafen womoeglich
verzehnfachen.Statt 14 Cent soll es in Zukunft 1,40 Euro kosten,wenn man mit
einem "von" unterzeichnet oder auf der Visitenkarte "Jock von Jockstein" zu lesen
ist.

Wenn schon Gerechtigkeit,dann ordentlich,so fordere ich die Behoerden auf,dass
sie eine schnelle Eingreiftruppe aufstellen,die in Kindergaerten,bei Faschingsveran-
stalten und bei den Weinkoeniginnen mit voller Haerte des Gesetzes die Strafen
kassieren.

                                                       gezeichnet

Jock von Jockstein                                                                    Muck von Jockstein
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #261 am: 15. August 2017, 16:43:48 »

Obwohl die Salzburger Festspiele noch bis Ende des Monats andauern,
ist man sich schon jetzt gewiss,dass der Hoehepunkt die Auffuehrung
der Aida gewesen sein wird.

Anna Netrebko gab in der Partie der Aida ihr Debuet dieser Verdioper
und die Erwartungen waren riesengross.

Diese Oper war ein Auftragswerk des damaligen aegyptischen Vizekoenigs,
der sich ein Werk mit altaegyptischen Inhalts fuer die neue "italienische"
Oper in Kairo wuenschte.
Gleichzeitig sollte die Oper auch die Eroeffnung des Suezkanals umrahmen,
doch dazu kam es nicht.

Der Komponist Verdi zeigte sich nicht geneigt,so dass der Suezkanal mit dem
"Ringoletto" eroeffnet werden musste.

Die Aegypter liessen aber nicht locker und bearbeiteten Verdi weiterhin.

Verdi,nahm nach Zoegern den Auftrag an,verlangte aber eine gigantische
Summe als Honorar.

150.000 "Goldfranken",nach heutigem Geld etwa 750.000 Euro,war sein Preis.
Aber schlau wie er war,wollte er das Honorar in blankem Gold(barren),um der
Inflation ein Schnippchen zu schlagen.

Nach Vertragsabschluss machte er sich ans Werk und vier Monate spaeter
war die Oper komponiert.
Als Urauffuehrung war das Jahr 1870 angedacht,aber diesem Plan machten die
Deutschen einen Strich durch die Rechnung.

Im unpassenden Moment zettelten sie einen Krieg mit Frankreich an und die Ko-
stueme und Buehnausstattung,die in Paris hergestellt wurden,konnten nicht aus -
geliefert werden.

Am 24.Dezember 1871 endlich die Urauffuehrung und seither ist diese Oper ein
Kassenschlager und wird weltweit immer wieder aufgefuehrt.

Die Geschichte der Oper (aber das wissen ohnehin alle Leser) handelt von ver-
steckter Liebe,Vaterlandsverrat,Sehnsucht nach der Heimat und zu guter Letzt ein
gemeinsamer (Buehnen) Tod der der Hauptdarsteller.
(In der heutigen Zeit wuerden ein paar SMS die Eskalation des Geschehens ab-
mildern und vollends aus der Welt schaffen)


Dramatisch die Arien " O patria mio " ( die Nilarie) oder das fordernde "Qui radames
verra",welche schon manche beruehmte Sopranistin geschmissen hat.

Ein einziger Ton,das "Hohe C " ist der Messpunkt fuer eine Weltdiva. Anne Netrebko
meisterte diese Stelle hervorragend und dementsprechend war der Applaus nach
Ende der Auffuehrung.

Aber auch die Arie " O terra addio" ein Duett,sollte jeder Expat in Thailand in seinem
Repertoire haben, um seinem Abgang stilvoll zu begehen.

Riccardo Mutti,als Dirgent und Verdikenner,sass den Solisten auf der Zunge und fuehrte
sie ruecksichtsvoll ueber die fast 3 -stuendige Auffuehrung mit seinen Philharmonikern.

3.000 Euro bot man am Schwarzmarkt fuer eine Eintrittskarte und keine blieb ueber.

Ein grosser Abend !

Jock



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thai.fun

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #262 am: 15. August 2017, 21:36:51 »


Die Geschichte der Oper (aber das wissen ohnehin alle Leser) ...


Ich nicht! Lese lieber etwas von Dir ...  [-]
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #263 am: 05. September 2017, 15:38:31 »

Gestern war im oestlichen Teil von Oesterreich Schulanfang und
meine Enkelin war mittendrin.

Bilder habe ich noch nicht,aber ich kann mir vorstellen,sie im Kleid-
chen und einer riesengrossen Schultuete und ergonomischer Schul-
tasche.

Sofort stehen Bilder vor meinem geistigen Auge,die mich an meinem
ersten Schultag erinnern.

1951 war der Begriff von einer ergonomischen Schultasche unbekannt.
Ein gewoehnlicher Schulranzen tat es auch,gefuellt mit Heften und einem
Federpenal,das neben Bleistiften,Radiergummi und Bleistiftspitzer be -
stueckt war.Auch gab es damals noch keine Schultueten.

Die Muetter begleiteten die Kinder am ersten Schultag,der bei einigen mit
Traenen gefuellt war.(Vaeter hatten damals keine Zeit und mussten arbeiten).

Als sich die Klassentuere schloss,heulten die ersten los und riefen nach ihrer
Mama.

Besonders arg heulte ein Schulkollege,der spaeter als Leiter eines Zollamtes
an der tschechoslowakischen Grenze in Pension ging.
Andere wieder standen die eine Stunde tapfer durch und verliessen das Schul-
gebaeude mit dem festen Vorsatz,dass ein Tag genug fuers ganze Leben sei
und sie nie mehr wieder kommen werden.

6 Jahre spaeter betrat ich das Schulgebaeude mit dem festen Vorsatz,die ver-
gangen Jahre vergessen zu machen und den Lehrkoerper mit meinem Uni-
veralwissen zu verblueffen.

Dazu hatte ich mich gut vorbereitet.

Die langen Sommerferien hatte ich genutzt,um mir Wissen anzueigenen.

Ich studierte Joern Farrow und Rolf Torring,Sigurd,Tarzan und zum Ueberstreuen
auch noch Tom Sawyer.Da es nicht schaden konnte,nahm ich in meine Lese-
liste auch noch Zorro und Prinz Eisenherz auf.

In der festen Absicht so die Basis fuer den zweiten Nobelpreis mit 25 Jahren ge-
legt zu haben,betrat ich das Schulgebaeude.

Es roch nach gekalten Waenden und frisch gespitzen Bleistiften.

Auch die Wetterlage bot die besten Voraussetzungen,sich der Wissenschaft zu
widmen.
Seit Menschengedenken ueberzog eine Schlechtwetterfront um den 25 August her-
um unser Gebiet.Danach war es zu kalt,um in den umliegenden Teichen Baden
zu gehen - kurz,der Herbst war ins Land gezogen und keinerlei Ablenkungen waren
mehr zu erwarten.

Aber es kommt immer anders,als man es sich wuenscht.

So zwei Wochen nach Schulbeginn,erging an mich der Ruf,mit der Fussballschul-
mannschaft aufzulaufen.

Man spielte gegen die Schulmannschaft von Aalfang.

Auf der Stelle checkte ich die Situation und kam drauf,dass ein 2:1 Sieg schwerer
wiegen wuerde als ein Nobelpreis.

Jock



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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #264 am: 19. September 2017, 13:09:33 »

In Oesterreich haelt sich hartnaeckig das Geruecht,dass am 25.Oktober
1955 der letzte sowjetische Soldat das Staatsgebiet verlassen hat.

Das ist unrichtig,wie auch @schiene in seinem "was geschah vor xxx"
schreibt.

Im Staatsvertrag war festgeschrieben,dass die Besatzungsmaechte inner-
halb von 90 Tagen abziehen werden.
Die Sowjets gingen am 19.September und als letzte die Englaender am
25.10.1955.
Mit der Uebergabe einer Kaserne in Kaernten war die Zeit der 4 -Teilung
vorbei und erst jetzt glaubten alle Zweifler daran,dass Oesterreich wirklich
frei geworden ist.

Mit den "Russen" wurde die Bevoelkerung in der Zone,wo sie die Besatzung
stellte,nie richtig warm.

Eher mit den Amis.Sie konnten aus einem schier unerschoepflichen Fundus
an Nylonstruempfen die Damenwelt erfreuen,obwohl der Guide fuer die GI
ueber die Charakteristik der Oesterreicher in Teilen falsch war.

Darin stand z.B.dass die Oestereicher keine Termine einhalten und sie Vor-
schriften kalt lassen wuerden.
Auch der Passus,dass sich die Oesterreicher an eiskaltem Bier laben und dabei
die betraechtliche Vernichtung von Weinen unterschlagen,verwundert.

Im viergeteilten Wien befanden sich die Hauptquartiere der Besatzer.

Das Hotel Imperial war das russische Hauptquartier,ins Gebaeude der National-
bank zogen die Amerikaner ein,ins Hotel Kummer die Franzosen.

Das praechtigste Hauptquartier war das Schloss Schoenbrunn,wo es sich die
Briten bequem machten.
Als Buero des Hochkommissars verwendete man das Zimmer,wo einst Napoleon
residierte und rief damit eine ernstliche Verstimmung zwischen den Alliierten
GB und Frankreich hervor.

Wo heute herrliche Blumenbeete sorgfaeltig betreut werden,tummelten sich
Pferde auf einem Springreiter Parcour,gleich neben einem Behelfsflugplatz.

In der Innenstadt occupierten die Briten das ehrwuerdige Hotel Sacher und machten
aus dem beruehmten Marmorsaal einen Pferdestall.

Zurecht ging daraufhin das britische Empire zu Grunde.

Jock



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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #265 am: 19. September 2017, 13:43:53 »

In der Innenstadt occupierten die Briten das ehrwuerdige Hotel Sacher und machten
aus dem beruehmten Marmorsaal einen Pferdestall.

Zurecht ging daraufhin das britische Empire zu Grunde.


 :D    :]
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #266 am: 03. Oktober 2017, 11:22:37 »

Wenn manche Member ueber Pattaya schreiben,sieht man den vor Empoer-
ung hochgeroeteten Kopf,wenn sie vom Rotlichtgewerbe berichten.

Die Damen werden veraechtlich Huren und <img src="Smileys/t3net/censored.gif" alt="" title="zensiert"/> genannt und sie wuerden
nicht einmal im Traum daran denken,ihnen ein Denkmal zu setzen.

Da waren die Vorfahren in Konstanz wesentlich realistischer und schaetzten
deren Leistungen und die von ihnen verursachte Umwegrentabilitaet so
hoch ein,dass man ihnen ein Denkmal errichtete und es Imperia nannte.

1414 - 1418 fand das Konzil von Konstanz statt und damit ist ein gewaltiger
Schub in der wirtschaftlichen Entwicklung verbunden.

Immerhin kamen in diesen Jahren 70.000 fremde Besucher in das 6.000
Einwohner zaehlende Staedtchen und stellte die Konstanzer vor Hoechstleist-
ungen.

Wo schliefen sie alle,wie konnten sie sich verkoestigen,reichten die Kapa-
zitaeten der heimischen Baecker,Fleischer und Gastwirte aus ? Und wo kon-
nten die Gunstgewerblerinnen ihren Taetigkeiten nachgehen ?

Da man bald an die Grenzen kam, mussten erlaubt werden,dass "fremde"
Baecker mit fahrbaren Backoefen herumzogen und Fleischer halt in einer stillen
Ecke schlachteten.
Denn Gastwirten erlegte man strenge Vorschriften auf und verpflichtete sie,
alle 14 Tage das Bettzeug zu waschen.

Da sich nach zwei Monaten niemand mehr darum scherte,musste man schon
eine abschaltbare Nase und auch keine Beruehrungsaengste haben,wenn man
sich mit einer, vor Monaten gewaschenen, Decke zudeckte und sich mit dem
Bettnachbar darum stritt.

Denn kein Gast konnte ein Bett fuer sich alleine beanspruchen,sondern musste
es mit einem anderen Fremden teilen.

Der Bauboom,der innerhalb der Stadtmauern entstand, ist den freundlichen
Damen zu verdanken.
Jeder frei verfuegbare Bauplatz wurde mit Holzhaeusern oder Baracken ver-
baut und stand gegen Mietzins den Fraeuleins zur Verfuegung.Aehnlich den Lauf-
haeusern,die heute mancherorts entstanden sind und auch frequentiert werden.

Das Konzil,das in Konstanz abgehalten wurde,hatte "weltgeschichtliche" Be-
deutung.

Das Schisma sollte beendet werden,von den 3 Paepsten,die regierten,sollten
zwei zuruecktreten,das Primat des roemischen Papstes wiederhergestellt und
Jan Hus verraten und verbrannt werden.

All diese Vorhaben gelangen auch und zwischen den Tagungen,die im alten Kauf-
haus stattfanden,war Zeit genug,sich Vergnuegungen aller Art hinzugeben,die
eigentlich von der Bibel her verboten waren.

Es lassen sich Parallelen zum G20 Gipfel in Hamburg herstellen nur die Konst-
anzer waren nicht so bloed und haben diese Veranstaltung gestoert.

Ja,auch der Tagungsort war hermetisch abgeriegelt und der Aufwand beim Ein-
treffen der Teilnehmer aehnlich.
Sind es heute schwere Limousinen,waren es damals stolze Pferde oder reichge-
schmueckte Saenften.

Waehrend man in Hamburg nach Abschluss des Gipfel die Schaeden zaehlte,
zaehlte man in Konstanz die prall gefuellten Geldsaecke.

Vielleicht sollten die Stadtvaeter von Pattaya daran denken,wer fuer den Auf-
schwung vom Fischerdorf zum Weltkurort verantwortlich ist,und den komischen
Delfin am Kreisel durch eine wohlgeformte Statue ersetzen.

Jock

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