ThailandTIP Forum

Thailand-Foren der TIP Zeitung => Mein Tagebuch => Thema gestartet von: Profuuu am 08. Februar 2009, 16:53:18

Titel: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 08. Februar 2009, 16:53:18
8. Februar 2009

Reiseplanung

Er nimmt Formen, der Besuch meiner Holden im Wonnemonat Mai. Wie immer, voll durchorganisiert. Ohne detaillierte Planung würde sie sich gar nicht erst in den Flieger setzen. Das empfände sie als respektlos ihr gegenüber, wenn ich sie ohne vorherige Mühe hier empfänge. Sie ist auch damit einverstanden, dass wir an den Sonntagen ein bisserl länger im Bett bleiben. Geplant, wie gesagt.

Dieses mal benötigt sie nur ein Visum. Die Schweiz gehört nun zum Schengenraum. Sie hat gelernt, die Schweizer Botschaft in Bangkok der Deutschen vorzuziehen, obwohl sie bei letzterer auch nie Probleme hatte. Die Atmosphäre ist dort halt anders, weil so viele weibliche Wesen in den Schlangen stehen, die anders sind. Dann kommt sie sich selber immer anders als die anderen vor. Wo anders in Thailand muss man dies so als Thai über sich ergehen lassen? Ausserdem hält sie die Mädels, von denen die Farangs immer behaupten, dass gerade ihre anders sei, für völlig unpatriotisch. Wer als Thai anders als Thais sein möchte, möge doch bitte woanders in einem anderen Land seine unpatriotische Einstellung ausleben

Als einen der Höhepunkte ihres Besuches hat sie sich „Ost-Deutschland“ gewünscht. Dort hätten ja die Kommunisten gehaust, ähnlich wie in den Kalksteinhöhlen im Süden Thailands oder in den Wäldern Nord und Nord-Ost-Thailands in den 70ern. Es soll also ein echter Abenteuerurlaub werden. Von Dresden hatte sie mal was gehört. Dresden soll es sein.

Ich war sofort Feuer und Flamme. Wer meine Geschichte „Schwiegermütter“ kennt, ahnt warum. Dort kann ich ihr dann schon am Frühstückstisch die verkorkste Deutsche Seele erklären. Warum wir bis ins 7. Glied geschädigt sind und meine Vorfahren durch Feuerstürme, gegen die die Hölle gar nix ist, dafür bestraft wurden.

Ich werde ihr den neuen Bahnhof dort zeigen und ihr erklären, wie viele Menschen dort einmal umkamen. Sie wird ihn begeistert wieder verlassen wollen. Begeistert von den vielen Geistern der Toten, die dort unsichtbar immer noch auf die Züge aufspringen. Und falls ich dann in Hochform bin, werde ich ihr erklären, dass auch ihr Land eine Mitschuld trifft. Die Thais haben ja schliesslich damals Deutschland den Krieg erklärt. Ohne sie wäre es vermutlich nicht zu der totalen Zerstörung Dresdens gekommen, würde ich ihr dann rhetorische einwandfrei und logisch in sich geschlossen unterjubeln. Da sie ein einsichtsvoller Mensch ist, wird dann auch sie sich bis ins 7. Glied verkorkst fühlen. Ein weiterer Schritt in Richtung unserer Seelenverwandtschaft.   

Nicht genug damit. Ich werde ihr erklären wie die schwarz-weissen Geister auf den historischen Filmrollen mit den Schatten der Toten drauf, damals in der Gruft der Frauenkirche gestapelt, vom Glauben abfielen und Rache nahmen, indem sie das Gotteshaus mit ihrer Glut in Schutt und Asche legten. Das wird sie noch mehr begeistern.

Im patriotischen Sinne werden wir Hand in Hand entlang dem 101 Meter langen Fürstenzug stromern und den Reliefs von 35 sächsischen Herrschern die Ehre erweisen. Ich werde ihr das Wunder erklären, wie sie die Bombennächte fast unversehrt überlebten, obwohl der Rest von Dresden in Schutt und Asche lag. Das wird sie vor Ehrfurcht vor der sächsischen Elite erschauern lassen.

Im Zwinger werden wir dann ungezwungen lustwandeln, falls es das Wetter zulässt. Wir dürfen uns nur nicht erwischen lassen. Nebenbei werde ich dann versöhnlich verlauten lassen, dass all dies Ungemach nichts anderes als eine vorauseilende Vorstrafe für den späteren Kommunismus in diesem Landstrich war und damit den tröstenden Schleier der Gerechtigkeit über all dies Ungemach breiten. Das Gesetz des Karmas ist schliesslich universell. 

Wir werden, wie eingeplant, noch viel anderes ungeplantes unternehmen. Der Elbe lauschen und uns gemeinsam vorstellen, wie Siamesische Langboote mit Siamesischen Soldaten dahergeglitten wären, falls der Krieg noch ein paar Jahre länger gedauert hätte und wie meine Eltern dann eventuell als Landarbeiter und Strassenbauer in Thailand gelandet wären und mein Thai nun von der Sprache der Einheimischen dort nicht zu unterscheiden wäre. Dann wird sie fragen: „Warum habt ihr auch so schnell aufgegeben? Meine Vorfahren waren schon auf dem Weg nach Dresden.“   

Hier in der Schweizer Nord-Provinz hat es die ganze Nacht lang geschneit. Es ist noch lange hin. Ich freue mich schon auf den Mai.
     
Titel: Re: Tagebuch
Beitrag von: supawan am 08. Februar 2009, 17:41:10
@ profuu. http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,606050-2,00.html
Titel: Re: Tagebuch
Beitrag von: dii am 08. Februar 2009, 19:39:27
@ Profuu, wenn Du ins Grüne Gewölbe willst, dann ---> http://www.skd-dresden.de/de/museen/gruenes_gewoelbe/Online_Ticket_Buchung_HGG.html
Titel: Re: Tagebuch
Beitrag von: Profuuu am 08. Februar 2009, 20:02:24
Danke für den Tipp, dii
Titel: Re: Tagebuch
Beitrag von: † Jhonnie am 08. Februar 2009, 21:05:13
@dii

hmmmmmmmm? werbung anderer art?????

aber @Profuuu

musst du gesehen haben!!!! persoenlich !!!!!
nicht nur Internet.

da du ja bereist als auch belesen bist wirst du die Geschichte zu Wuerdigen.
Titel: Re: Tagebuch
Beitrag von: Profuuu am 08. Februar 2009, 21:40:50
War ja nie in Dresden, ei verpitscht noch a mol.
Titel: Re: Tagebuch
Beitrag von: juerken am 08. Februar 2009, 23:47:33
Mei Güdster  :-) :-)
Titel: Re: Tagebuch
Beitrag von: dii am 09. Februar 2009, 00:52:01
...ja was?  :-[  Dresden besuchen ohne Grünes Gewölbe  --C geht doch nicht  ;)

Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 12. Februar 2009, 20:56:41
Donnerstag, 12.2.09

Die Schweizer Nord-Provinz versinkt im Schnee. Die Geräusche sind gedämpft.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Tagebuch/2009-02-125.jpg)
 

Die zu frühen Vögel sind verstummt. Selbst die Krähen verzichten auf ihr lieblich krächzendes Lied 

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Tagebuch/2009-02-124.jpg)
 

Im Wallis ging eine gigantische Lawine runter. Bisher ein Toter.

Heute ist Home Office angesagt. Ein Dokument will fertiggestellt werden. Schreibarbeit. Die „secure connection“ zur Firma steht. Die interne e-mail hält sich in Grenzen.

Die Rentner-Band vergnügt sich im Stamm-Cafe.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Tagebuch/2009-02-123.jpg)
 
Aushang in einem Kunstgeschäft

Diese Bild hat es mir angetan, als ich kürzlich daran vorbeischlenderte. Warum im Alter nach Thailand schweifen? Vielleicht finde ich eines Tages die Vorlage für dieses Gemälde. Dann bleibe ich hier.

Die Stimmen in der Schweiz: „Unser Bankensystem ist das vorbildlichste in der Welt und uns wird es kaum treffen.“ sind verstummt. Das wahre Ausmass wurde gestern bekannt.

UBS: 19,2 Milliarden Verlust
Credit Suisse: 8,2 Milliarden Verlust
SWISS re: „nur“ 1 Milliarde

Die Boni werden weiterbezahlt. Über 2 Milliarden werden an die Mitarbeiter ausgeschüttet.

In einem Leserbrief an den „BLICK“ drückt ein Schweizer namens Jürg seine patriotische Meinung aus: „Die Schweizer Banker trifft keine Schuld. Die Amis haben alles vermasselt.“

Der Bauer Daniel Jud im Kanton Thurgau wendet sich an die Öffentlichkeit. Bisher hatte er sog. Bauernhanf an seine Schweine verfüttert. Eine THC-arme Variante, aber trotzdem nicht ohne Wirkung.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Tagebuch/2009-02-122.jpg)
 

Die Polizei hat es ihm und weiteren 50 Bauern in der Umgebung nun verboten. Daniel meint, das wäre eine Sauerei. Seitdem seine Säue auf Entzug wären, klappte es mit deren Sex nicht mehr so gut. Vorher seien seine Zuchteber zur Höchstform aufgelaufen und die Säue hätten die Begattung entspannt genossen. Schon fast zärtlich wären die Orgien im Schweinestall abgelaufen. Nun aber wäre die Agressivität wieder zurückgekehrt. Es käme wieder zu schlimmen Vergewaltigungs-Verletzungen.

Am anderen Ende der Welt in Australien rettet ein Feuerwehrmann einem Koalabär mit einer Flasche Wasser das Leben. Der bedankt sich lieb mit einem Handschlag.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Tagebuch/2009-02-121.jpg)
 

In einem deutschsprachigen Forum mit dem Thema Thailand fragte jemand, wann denn der Regen nach Bangkok kommt. Die TIP Webseite ist seit heute morgen von hier aus nicht mehr erreichbar. „Server does not respond“. Alle anderen Webseiten funzen wie immer.

Die Thailändische Regierung arbeitet intensiv an einem Rettungsprogramm in dieser verhehrenden Finanzkrise und fordert die Kaufhäuser auf, mehr Discount zu geben.

Mein Rechtfertigungs-Dokument für einen 2 Millionen Investment Business Case muss noch einen bisserl warten. Der Fall will ja schließlich gut überlegt sein.

Die Kaffeemanschine hat ausgeblubbert. Der Kaffee ist fertig.

Jetzt um 15 Uhr Ortszeit nach etwa 8 Stunden Ausfallzeit ist der TIP wieder erreichbar....       
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Low am 12. Februar 2009, 22:48:21
Hi Profuuu

Das Bild ist stark.
Erinnert etwas an Henri de Toulouse Lautrec.
Wie gross?
Welches Material? Oel, Acryl?
KFr?
Ich malte selbst etwas, Fahrräder, Gartenzäune und ich kopierte Gauguin weltweit, wenn es die Zeit erlaubte.

Grüsse
Low


Ich habe gelesen, dass bis 50% der Vögel erfroren oder verhungert seien.
Eisvögel, no food.
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 12. Februar 2009, 23:03:49
@Low,
irgendwie habe ich geahnt, dass dir das Bild gefällt.

Es ist in Wasserfarben gemalt. Etwa 0.5 m breit, wenn ich mich nicht irre. Ich habe es durch das Schaufenster fotografiert.

Original Digi-Bild ist unterwegs zu dir....

Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 30. März 2009, 05:07:41
Sonntag, der 29.3.2009

Jetzt ist es 9 Uhr Abends. Das Thermometer draussen funkt 8 C auf meine Innenstation. Tagsüber war es auch nicht viel wärmer. Was voriges Jahr schon hellgrün leuchtete, versteckt sich immer noch in den braunen geschlossenen Knospen. Wenn das mal gut geht. Aber was interessiert mich das Wetter draussen hier drinnen in meiner anheimelnden Bude in der Schweizer Nordprovinz und meiner neuen Errungenschaft, der BOSCH TASSIMO Kaffee- Tee- und Kakao-Maschine.

Mein Magen grummelt. Habe heute alle Sorten von den Tassimokapseln mal durchprobiert und dabei ganz den Alkohol vergessen. Mein lieber Schwan. Diese Maschine kann in die Trockensucht führen. Wehret den Anfängen.

In einem Anflug von Vernunft erinnerte ich mich an eine noch zu bewältigende Aufgabe. Am 31.3. ist letzter Abgabetermin für die Steuererklärung 2008. Bei meiner schlampigen Ordnung der relevanten Papiere und Unterlagen brauchte ich mir nicht lange den Kopf zu zerbrechen, wo ich die denn eingeordnet hatte. Nein. Ich begab mich einfach auf eine unsystematische Suche. Die ist in solchen Fällen am erfolgsversprechenden. Wer unsystematisch ablegt, findet am Besten nach dem Zufallsprinzip. Ist doch klar.

Vorher aber noch iTunes angeworfen und meine Lieblings-Playlist angeklickt. Classic Rock. Die Dinger sind sowieso zeitlos. Und Zeit habe ich nicht mehr so viel, wie früher. Zeit vergeht zwar mit fortschreitendem Alter schneller, aber meine Methode, mir dann einfach etwas mehr Zeit zu nehmen, hat bisher immer gut funktioniert.

Bei „Paranoid“ von Black Sabbath begab ich mich auf die Suche. Nach einiger Zeit wurde in einem Regal in einem Stapel Papier und Reklame fündig, den ich vor einer Woche im Ordnungswahn weggeräumt hatte, damit er nicht mehr als Blickfang wirkt. Diesen Stapel hatte ich in Reihenfolge der reinkommenden Post einfach aufgetürmt. Das war mir total entfallen, da ich das schon instinktiv ohne nachzudenken tue, nachdem ich die Schriftstücke überflogen habe. Ein zweiter Stapel auf dem Tisch nahm schon Höhe an. Der wird ein andermal versteckt. Die Briefumschläge hatte ich schon entsorgt. Mittlerweile war iTunes bei „Whiskey in a Jar“ von Thin Lizzy, aber ich warf meine BOSCH Tassimo zum zigsten Male heute an.

Ich ging den Stapel Blatt für Blatt durch. Und wie sollte es anders sein? Die Post meinte es gut mit mir. Sie hatte in weiser Vorraussicht alles nötige umsonst geliefert. Den Lohnausweis und alle möglichen Beiblätter zum Lohnausweis wie da sind: Einzahlungen in die 3.Säule bei meiner Bank, Treuhänderauskunft über meine Einkünfte durch Firmenaktien, Stand der Kapitalversicherung, Studiennachweis meiner Tochter, Bankauszüge für die Überweisung ihrer Unterstützung und dergleichen. Ich wusste es, mein System ist unschlagbar. Man braucht sich nur auf die Post zu verlassen. Insgeheim überlegte ich mir, ob ich diese Stapel nicht mit einem Schild versehe: Post von - bis. Aber das wäre viel zu aufwendig. Ausserdem, wenn meine Putzfrau die Schilder wegräumen würde, weil sie dann auf dem Deckblatt bequemer staubwischen kann, fände ich gar nichts mehr wieder. Auch sie als Thai hat einen unberechenbaren Ordnungsfimmel. Da befinden sich nach ihrem Putztag womöglich die Schilder schön geordnet an einem Platz und die Stapel woanders. Nee, nee. Das riskiere ich nicht. „Whole Lotta love“ von Led Zeppelin wummerte mit seinen Bässen. Da kommen Erinnerungen auf. An die Feten zu Schülerzeiten, wenn die reichen Eltern so mancher Kameraden auf Urlaub waren und wir deren Villa samt Swimming Pool auseinander nahmen, durch alle Schlafzimmer schnakselten (damals noch schüchtern zu zweit), die gesamte Hütte mit THC-Düften verpesteten und das Altbier in Strömen floss. Meine Putzfrau soll sich nur nichts darauf einbilden, dass ich im Zusammenhang mit ihr ans Schnakseln denke. Eine einmal geschnakselte Putzfrau ist nichts mehr wert. Die wechselt sofort ihren Beruf. Mit Saubermachen iss dann nichts mehr. Das musste ich leider mehrmals erfahren. Ihre bisherige konstante Liebe zu ihrem jetzigen Beruf werde ich mir wegen geiler Schülererinnerungen nicht vermasseln. Irgendwann muss man ja mal anfangen, aus Erfahrungen zu lernen. Wer das erst mit der Todeserfahrung macht, hat kaum noch Zeit, daraus zu lernen.

Gedanklich leicht angedröhnt machte ich mich an die Teilung des Stapels. Der nächste Song: „Purple Haze“ von Jimi Hendrix, konnte meine systematische Arbeit am Ruhetag des Herrn nicht mehr verwirren. Die Klassenaufsätze im Fach Deutsch hatten wir ja schliesslich auch strukturiert mit Einleitung, Haupteil und Nachgesang trotz einer „Geladenen“ in der grossen Pause hinter uns gebracht. Nun ja, die ein oder andere Klassenarbeit hat unser Herr Oberstudienrat dann trocken zurückgehen und wiederholen lassen. Die haben nämlich vor lauter hochtrabender Phantasie seinen geistigen Horizont überfordert. Auch Oberstudienräte sind nur Menschen. 

Die unrelevanten Blätter links, die steuerrelevanten rechts. Binäres System. Damit kenne ich mich schon rein beruflich aus und ich war mal wieder stolz auf mich, dass ich sogar in der Lage bin, berufliche Erfahrungen im Alltag zu meinem Vorteil anzuwenden. Nennt man das Intelligenz? Ich halte das eher für hochbegabt.

Bei „The Zoo“ von den Scorpions schaltete ich schliesslich meinen 2. PC ein, legte die „Easy Tax“ CD rein und bald erschienen die ersten höflichen Fragen auf dem Bildschirm.

„Möchten sie die aktuellen Aktienkurse laden?“ Ja

„Möchten sie in der Zwischenzeit eventuell geänderte Steuervorschriften laden?“ Ja

„Möchten sie ihre Steuerdatei vom letzten Jahr laden?“ aber Ja doch 

Die macht nämlich das Ganze besonders einfach. Man braucht dann fast nur noch die Einkommenszahlen in den schon vorhanden Rubriken ändern und fertig. Wenn keine neuen Vermögensquellen hinzugekommen sind, eine leichte Übung. Gedanklich bedanke ich mich beim Schweizer Finanzamt meiner Stadt, wo die „Easy TAX“ CD seit Februar auslag. Kundenfreundlich nennt man sowas. Überhaupt, das Finanzamt meiner Aufenthaltsstadt ist äusserst Service orientiert. Dort ist man Kunde. Und ich weiss auch, dass ich den Termin 31.3. nicht unbedingt einhalten muss. Aber das ginge gegen meine Ehre. „She’s a Beauty“ von The Tubes warnte mich in dem Augenblick gerade: „Don’t Fall in Love“.

...aber ja doch hatte ich gerade geantwortet. Leicht dahergesagt. Wo ist diese verdammte Datei nur? Ist ja schliesslich schon ein Jahr her. Wenn ich die nicht mal umgeräumt habe? Dateien in bestimmten Ordnern zwecks Ordnung zu verstecken, ist ein Hobby von mir, während meiner sporadischen Ordnungsanfälle. Und dann sah ich die erlösende Frage:

„Möchten sie die Datei suchen?“ klar doch

„Auf welchen Laufwerken? Alle? Ja, das wird wohl am Besten sein.

„Suche erfolglos“ ach du schei....

„Smoke on the Water“ von den Scorpions im stetig voranschreitendem iTunes bekam für mich plötzlich einen anderen Sinn.
 
Da fiel mein Blick auf ein ausrangiertes USB Kabel unter mir auf meinem Zweit-PC. Gut, dass sich meine Putzfrau dessen noch nicht angenommen hatte. Glück gehabt.   Da war doch noch was? Oh ja, da hing mal eine externe Disk dran. Und wo ist die jetzt? Hab ich wohl in einem Ordnungsanfall irgendwo versteckt. So alle 6 Wochen hasse ich herumliegende Sachen, besonders, wenn die noch nicht mal angeschlossen sind. Oh Mann! Da mir schon einige externe Hard Drives über den Jordan gegangen sind, wusste ich, dass ich sie irgendwo weich gebettet hatte. Im Bett oder unter dem Kopfkissen auf’m Sofa garantiert nicht. So soft mitfühlend mit Hardware bin ich nu auch wieder nicht. Wo ist das verdammte Ding nur? „Rock of Ages“ von Def Leppard scheint mir was sagen zu wollen. Wenn alte Rockmusik genauso vergesslich ist, wie ich, werde ich wohl doch noch auf „House“, „Dance Floor“ und „Hip Hop“ umsatteln müssen. Das soll ja gedächtnisschulend sein.

Wo gibt es in meiner Wohnung noch was Weiches, was vielleicht auch noch entfernt was mit Computern zu tun hat? Das war in dem Moment die Frage aller Fragen. Mein Blick fiel auf die Fächer unter meinem Übereck-PC-Tisch. Da liegen die PC-Welt Magazine und andere fein säuberlich gestapelt, weil ich die nach Erhalt durch die Post sowieso nur auf dem Klo durchblätter. Der Anblick des fein säuberlich geordneten Stapels gibt mir aber das Gefühl, meinen PC voll im Griff zu haben. Trotzdem erinnerte er mich mal wieder daran, dass ich die PC-Welt abbestellen sollte. Sollte etwa...? Tatsächlich. Einsam und verlassen ruhte die kleine Kiste weich gebettet auf den Magazinen. Da soll mal einer sagen, ich mache sowas gedankenlos. Ihr Anblick und  „Rock On“ von David Essex versöhnten mich wieder mit der Welt.

Also das Ding rangehängt, den Laufwerkbuchstaben als „M“ identifiziert und noch mal meine „Easy TAX“ suchen lassen. Bingo. Gefunden. Ab dann war alles nur noch eine leichte Übung. Ein paar Zahlen eingetippt und fertig.

„Endgültige Steuerklärung drucken? Yes, Sir.

Und schon fing mein HP Laserjet leise an zu tuscheln. Die Papiere mussten nur noch händisch abgezeichnet werden. Von „Ich schwöre bei Gott und den Eidgenossen“ war glücklicherweise nicht die Rede. Da kriege ich sonst immer einen leisen Schauer. Bin nämlich abergläubig. „Shaking all over“ von Guess Who läuft da gerade ganz umsonst. Erinnert mich eher an Lord Uli aus Berlin. Die langhaarigen, geschminkten Lords haben mit dem Ding vor langer Zeit ihren Durchbruch als erste Beat Band in Deutschland erlebt. Es war meine allererstes Beat-Konzert, dass ich je besucht habe. In der Stadthalle meiner Heimatstadt. Mann, was haben die Jungs abgerockt. Am nächsten Tag habe ich mir eine elektrische Guitarre von meinen Eltern gewünscht. Mit sonem Ding konnte man womöglich alle Weiber aufreissen. War zwar erst 14, aber ich wusste, dass da kommen wird, was kommen musste.               

Nun ist es fast Mitternacht. Bei „Two Minutes to Midnight“ von Iron Maiden bin ich endlich fertig mit diesem Tagebucheintrag. Morgen am Montag werde ich mich cool zu meinem Finanzamt begeben und mit dem Gefühl eines erfolgreich gemeisterten Sonntags, an dem ich nämlich alles gefunden hatte, was ich brauchte, die Unterlagen persönlich abgeben.

Gute Nacht liebe Forenkollegen. 
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: drwkempf am 30. März 2009, 14:41:59
Ich dachte, Du wärst zur Zeit in Thailand. Ich war vergangenen Donnerstag in Basel, hätte Dich gern besucht und zum Kaffee eingeladen. Na ja, dann eben nächstes Mal.
Deinen Steuerfleiß kann ich nur bewundern. Bei mir macht das ein Steuerberater.
Schöne Grüße aus der heute sonnigen Pfalz
Wolfram
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Samuitilak am 31. März 2009, 05:47:27

Hi Profuuu,

"Smoke on the water" von den Scorpions ??? ??? ??? ???

LG

Walter
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 31. März 2009, 10:56:23
Muss natürlich Deep Purple heissen. Wie konnte ich nur? :-[
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: thai.fun am 31. März 2009, 16:40:40
Hallo Profuuu: Da hab ich in 5 Minuten Deine Sonntags Geschichte gelesen und  nun hab ich hinterher das Gefühl Du hättest mir 5 Stunden der Tages- Zeit gestohlen. Wie machst Du das nur? ???

Grins und Gruss Max
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 31. März 2009, 22:52:22
Weiss ich nicht, thai.fun. Vielleicht weil du deine sorgfältig weggeräumten Sachen noch länger suchen musst als ich?  ;D
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 17. Mai 2009, 20:58:17
Hier mal eine wahre Geschichte aus meinem alten Tagebuch. Die Geschichte spielt um 1990 im Palm Garden Hotel am Pattaya Kreisel. Dort wohnten meine Ex und ich in unseren Sturm- und Drangzeiten, wenn unser Haus vermietet war. 
Titel: Mein Tagebuch - Communist Buddha
Beitrag von: Profuuu am 17. Mai 2009, 21:01:23
Nach der Osterweiterung der BRD und dem ungebremsten Ansturm unserer ehemaligen Brüder und Schwestern (heute Ossis genannt) auf die Forenlandschaft möchte ich hier mal schildern, wie die neue Freiheit von den ersten und mutigen Abenteurern der Ostdeutschen Rentnerband in Pattaya umgesetzt wurde.

Ja ich weiss. Alte Hasen kennen diese Geschichte schon längst.

Kommunist Buddha
 
Es war einer der Sommer nach der Wende, der innerdeutschen Wende. Die Welt war nicht mehr die gleiche. Der kalte Krieg schien eine längst vergangene und legendenhafte Mythologie zu sein. Die Mauer mit ihren Wachtürmen eine erhaltungswürdige Ruine, gleich dem Limes, der Verteidigungslinie zwischen den germanischen Barbaren und den zivilisierten Römern. Selbst junge Menschen fühlten sich auf einmal alt. Ertappten sie sich doch bei der Bemerkung: damals als es noch die Mauer gab...einer Redewendung, schwanger mit historischem Gewicht. 
 
Pattaya nahm, oberflächlich betrachtet, bis auf die ansässigen Expatriates keine besondere Notiz davon. Die Barmädels erweiterten allerdings auf ihre wie immer ganz besondere Art und Weise das Anbagger-Ritual um eine wesentliche Frage. Um welche, werden wir noch erfahren.
 
Familienurlauber bevölkerten die Strassen, erweckten den Anschein von mehr Umsatz. Einer Illusion, wie mir unzählige Barbesitzer erzählten. Die neuentstandenen Shopping Center strapazierten allerdings das Portmonee  des Ernährers, dem es dazu noch bei Strafe verboten war, sich alleine an einer der vielen Bierbars niederzulassen. Familien gab es viele Anfang der 90ziger Jahre. Trotz immer noch versauter Bay, trotz ständiger Baustelle auf der Beach Road, vieler Neueröffnungen von Bierbars, besonders auf der 2nd Road und in den vielen Sois zwischen Beach Road und derselben, hatte es die thailändische Promotion-Maschine verstanden, Farang-Pärchen und Familien an diesen Ort zu locken. Nicht zuletzt durch Package-Tours, die standardmäßig ein paar Tage und Nächte Pattaya beinhalteten.
 
Einige offen denkende Pärchen verbrachten so manches Schäferstündchen zusammen mit einer Thaiholden, zum Spaß und Vergnügen von Männlein und Weiblein. Ich kann nicht behaupten, dass solche Pärchen zu Primitivlingen oder Fieslingen gehörten. Im Gegenteil. Auch die auserkorene Thaifee zeigte sich in bester Laune in Gegenwart ihrer neuen Farang-Freundin und deren Göttergatten. Man konnte ihr oft förmlich ansehen, dass sie sich wohlfühlte und offensichtlich, nicht zuletzt wegen der führenden weiblichen Farang-Hand, gut behandelt wurde.   
 
Aber das war nicht die einzige Veränderung, die Pattaya Anfang der 90ziger durchmachte.
 
Das bunte Araberviertel war in Auflösung begriffen, wechselte die Besitzer. Es war eine einzigartige Chance für die lokalen Thais. Die chinesische Mafia hatte sowieso gehörig bei den Arabern mitverdient, aber auch sie verloren an Macht, da einer ihrer Geldhähne abgedreht war. Eine lokale chinesische Größe hatte sich endgültig todgesoffen. Die Karten wurden neu gemischt.
 
Die Saudiregierung verbot ihren Staatsbürgern bei Strafe,  Thailand zu besuchen, verwies 10tausende der Thai-Gastarbeiter des Landes. Zeitweilig fürchteten wir sogar um unsere Thaifrauen. Aber manch einflussreicher Saudi-Arbeitgeber sprach bei King Fahad vor und sagte ihm, er könne den Laden gleich zumachen, da er seine besten Leute verlieren würde, falls ihre Thaiehefrauen auch des Landes verwiesen würden. Ja, es stimmt. Es gab eine riesige Farang-Thai-Community in Saudi Arabien. Farangs aus aller Herren Länder und mit einem repräsentativen gehobenen Berufsquerschnitt. Doktoren und Engineure, Architekten und Finanziers, Computerspezialisten für die gigantischen und hochmodernen Rechenzentren und Wartungsspezialisten für die neu erworbenen englischen Tornados. Alle der asiatischen Weiblichkeit verfallen und trotz finanzieller Unabhängigkeit und eines gewissen Wohlstandes nicht gefeit vor den schmerzhaften Höhen und Tiefen der unergründlichen weiblichen Thaiseele.       
 
Der Gesichtsverlust auf Seiten beider Nationalitäten saß tief. Die von Thais geklauten Juwelen einer Saudiprinzessin, die die Diebe einfach mit der Post nach Thailand schickten, sorgten für weltweites Gelächter, das Auffinden der Juwelen und deren Zurücksendung nach Saudi Arabien für noch mehr. Denn über die Hälfte der Originalstücke war durch „Fakes“ ersetzt, wie man sie überall in Thailand für wenig Geld auf dem Bürgersteig und straffrei erwerben kann. Als wenn es nicht genug damit wäre, gab es Fotos in der nationalen und internationalen Presse, auf denen die Göttergattin des thailändischen Chief Investigators mit dem Originalschmuck auf diplomatischen Empfängen zu erkennen war. Polizeipräsidenten wurden abgelöst oder umgelegt, Angeklagte starben rätselhaften Todes, Zeugen erlagen „Unfällen“, bevor sie aussagen konnten. Aber das war eine reine Thaiaffäre. Alles im Archiv der „Bangkok Post“ und der „Nation“ nachzulesen. Es war ein Krimi in den Tageszeitungen, der täglich neue Nahrung fand.
 
Fast gleichzeitig gab es einen Arbeitsvisum-Skandal. Wieder zwischen Thais und Saudis. Dazu muss man wissen, dass ein einfacher Thai dafür etwa 30,000 Baht hinblättern musste. Für diesen astronomischen Preis sind so einige Töchter des Isaans oder der Reisschüssel nördlich von Bangkok mangels Cash mit dem Einverständnis der Familie in Freudenhäusern verschwunden, oder haben sich bestenfalls dafür in Pattaya oder Pukhet in einer Bierbar abgestrampelt, damit der Sohnemann steuerfreie Knete in Saudi machen kann.
 
„Where you come from?“
 
„From Saudi.“
 
Nach zwei Sekunden, in denen sie für sich entscheidet, dass ich kein Araber bin, die nächste Frage:
 
„You work?“
 
„Yes“
 
„Oh, my brother work there too. He work for driver, Lady, very rich.“
 
war eine nicht selten gehörte Antwort, wobei der „driver“ mit Mechaniker, Elektriker, Bauarbeiter, Wartungsarbeiter („fix air condition“) ersetzt werden konnte. In vertrauensvollen Minuten und weil ich eine journalistisch neugierige aber warme Seele habe, verriet mir die ein oder andere, warum sie wirklich Geld nach Hause schickte. Dabei war sie nie sauer auf ihren Bruder. Im Gegenteil. Sie liebte ihn besonders. Falls er allerdings der „husband“ war, sah die Sache schon ganz anders aus. Der schickte meistens nur die ersten paar Monate lang Geld, dann immer weniger, bis der Segen schließlich ganz versiegte. Sie würde es ihrem neuen Farang-Ehemann nie erzählen. Zu sehr hätte sie Angst davor, dass er ausklinkt, wenn sie ihm das mitteilen würde.
 
Ja, es ist wahr. Auch wenn wir es meistens nicht wahrhaben wollen. Diese Mädels haben oft eine sehr individuelle Geschichte, ihre spezielle Vergangenheit. Sie kommen nicht aus dem Nichts und haben nur auf den sie heirateten Götterprinzen in abgeschotteter lebensfremder Einsiedelei gewartet. Gehen völlig unbeschwert und unbefangen ihre Farang-Partnerschaft fürs „Leben“ ein. Nein. Sie alle tragen eine Last, haben Lebenserfahrungen gesammelt, die sie meist zuallerletzt ihrer Errungenschaft mitteilen. Sie wollen einfach ihre neues „Farang-Glück“ damit nicht belasten. Wie viele von uns haben schon einer westlichen Bardame Dinge erzählt, die unsere Holde und manchmal unser bester Freund nicht wissen durfte? Die westlichen Bardamen sind nicht stolz darauf. Genauso wenig wie ich, wenn mir mal ein Patty Girl was erzählt hat, was ihr Prinz nicht wissen durfte.   
 
„Mai put Farang“ (erzähl’s nicht dem Farang)
 
sagt sie dann mit einem Blick auf den in sie unsterblich verliebten Urlauber, der gerade vom Pinkeln zurückkommt und auf dem Pissoir, mit Blick auf seinen besten Freund in der Hand, den Entschluss gefasst hat, für den Pass, das Visum und das Ticket seiner Angebetenen zu sorgen.
 
Der offizielle, amtliche Preis für ein Arbeitsvisum in der Saudi Botschaft lag unter 5,000 Baht. Die wenigen Thaibroker, die sich das Geschäft teilten, steckten mit den Saudis unter einer Decke. Die Saudi Attaches kassierten den Löwenanteil von den 30,000. Der Thai Broker konnte sich glücklich schätzen, falls er ein paar tausend Baht von dem Batzen erhielt.
 
Falls jetzt jemand meint, so what? Was sind schon 30,000 Baht? erkennt vielleicht das Ausmaß nicht. Arbeitsvisa wurden immer zu Hunderten geordert, Vorauszahlung, versteht sich. 30,000 Baht mal hundert? Richtig! Wir bewegen uns im Millionenbereich. Ein paar besonders klevere Saudi Attaches fanden trotz pünktlicher Zahlung Gründe, nicht zu liefern. Sie lagen eines morgens bei Arbeitsbeginn tot und schweinisch blutend vor der Saudi Botschaft in Bangkok, umgelegt mit einem Schnellfeuergewehr von einem auf dem Rücksitz hockenden Killer eines artistisch fahrenden Mopedfahrers. Die wurden nie identifiziert.
 
Als Expatriate in Saudi Arabien, zu der Zeit, durfte ich in der lokalen Saudi Gazette lesen, dass diese Leute im Dienste des Vaterlandes gestorben seien. Da ich ein gutes Verhältnis zu meinen Saudi Kunden hatte, ja sogar mit einigen befreundet war, wagte ich zu fragen, was sie über diese ganze Angelegenheit denken würden. Ihre Antwort war ohne Ausnahme offen und eindeutig.
 
„Wusstest du etwa nicht, dass sich unsere Diplomaten um Jobs in Thailand, den Philippinen, Sri Lanka, Pakistan und Indien reißen? Die kommen alle als Dollar Millionäre zurück. Nämlich genau aus diesem Grunde. Die holen sich dort innerhalb von drei Jahren mit den Arbeits-Visa eine goldene Nase. Die Jungs in Thailand hatten halt Pech.“
 
Ja, glaubt es mir. Mit der jungen gebildeten Saudi Generation kann man arbeiten. Die blicken durch. Es fehlt nur der Funke Selbstbewusstsein, und der Fundamentalismus hätte in diesem Lande keine Chance mehr. Es wäre eigentlich nicht erwähnenswert, aber gerade in der aktuellen Situation (11.9.2001) scheint ein Verweis auf Bildung angemessen zu sein. Schon damals erzählten mir viele Saudis, dass sie unter der Verblendetheit ihrer Wüstentrampel, die wir romantisch verklären, leiden, die ungebildet und fanatisch den Hass sähen. Wasser auf meine Mühlen. Ich habe mich nie gescheut, meinen Anteil Cash rüberzurücken, falls es um die Weiterbildung einer Person im thailändischen Familien- oder Bekanntenkreis ging und habe es nie bereut.
 
Als ob das Problem Thailands mit Saudi Arabien ein Fass öffnete, blieben auch andere nicht verschont. Eine lokale Farang-Größe wurde zum Star in der „Bangkok Post“. Ihm wurde alles Mögliche angehängt. Er war als Farang zu erfolgreich in Pattaya, und die leichte Übernahme der Saudivergnügungsstätten machte Geschmack auf mehr. Er wehrte sich lange genug, vermeintlich zu seinen Gunsten, aber er verlor, wurde des Landes verwiesen. Seine herausragenden Go Go Bars und einiges andere konnten sich durch die aufmerksame Anteilnahme eines neuen “Paten“ zwar noch ein Weilchen halten, erreichten aber später unter verändertem und undurchsichtigem Management nie mehr wieder ihre alte Klasse.
 
Ein anderer Hotel- Restaurant- und Barbesitzer, mit einem professionellen Faible für High Speed auf Rennstrecken und dem besten Tartar und Kapern in  Süd-Ost-Asiens auf der Speisekarte, hatte nicht mehr lange zu leben. Er stand schon auf der Abschussliste. Sein Ego mag einiges dazu beigetragen haben.
 
Ein neuer „Pate“ fügte sich fast nahtlos in das entstandene Vakuum ein. Aber die „Bangkok Post“ schrieb auch schon damals über ihn, und es sah aus, als wenn auch er den Weg des Managers der besten Go Go Bars aller Zeiten gehen würde. Wie es scheint, war sein Einsatz riesig. Hunderte von Millionen ist nichts für die einfache Thaiszene, da trauen die sich wegen Unvorstellbarkeit nicht ran. Aber auch er machte einen klassischen Fehler. Den klassischen Fehler überhaupt. Er hat sich als Farang zu tief in das thailändische Zwielicht verstrickt. Hat sich, wie Eingeweihte munkeln, an dunklen Machenschaften einiger weniger Mächtiger beteiligt und hat nicht gemerkt, dass er damit sein Haupt als Opferschaf darbietet. Er hat die goldene Regel nie verstanden. Ehe ein Thai über die Klinge springt, ehe er sein vermeintlich immer noch bestehendes Gesicht verliert, geht der Farang-Partner über den Jordan.
 
Das  Nationalgefühl in Thailand wird leicht unterschätzt, hat allerdings eine angenehme Seite. Wir Farangs werden einfach als blöd, ungehobelt und als willkommene, möglichst geheime Finanziers betrachtet, befinden uns nicht in organisierter Lebensgefahr wie bei dem österreichischen Schnauzbart, der die Welt in Flammen setzte und eine ganze Volksgruppe kaltblütig und amtsmässig vernichtete.
 
Ja, des „Patens“ Weste mag vermutlich nicht zu den strahlend weißen gehören, aber er hat in allen Schichten Thailands Verbündete gefunden, eine Spielwiese, die sich einfach anbot, nicht nur auf Pattaya beschränkt. Er ist keine Ausgeburt Pattayas oder etwa typisch für diesen Ort. Nein. Er ist ein Abenteurer dieser gesamten Geografie, die ganz Süd-Ost-Asien umfasst. Seinen Stammsitz Pattaya hatte er nur wegen der sinnlichen Action dort gewählt. Seine Geschäfte, bei denen es vermutlich um unvorstellbare Summen ging, haben wahrscheinlich wenig mit Pattaya zu tun.
 
Seine beiden Schlemmertempel, mit zünftig bayrischer Speisekarte, waren womöglich nur bescheidene Fassade, der ich allerdings einige schöne Stunden verdanke. Thais in Lederhosen, jodelnd und Blasmusik trällernd sind einfach ein Erlebnis. Und Thaischönheiten im bayrischen Dirndl trieben mir immer wieder Sehnsuchtstränen in die Augen, was meiner Holden oft den Spruch: „dtaa wahn“ entlockte, wenn sie meinen entrückten Gesichtsausdruck bei dieser Gelegenheit betrachtete. Das heißt wörtlich übersetzt: „süßes Auge“. Ich liebe die Thaisprache.
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Buci am 18. Mai 2009, 14:53:21
Interessant! Das hatte ich bis etz noch nicht von dir gelesen.   :)

Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: thai.fun am 18. Mai 2009, 18:44:46
Ja, dass war ein langer Tag für Dich in dem Du ins Buch geschrieben hast. Aber es lohnt sich hier mehrere Seiten durchzukämmen.

MG
Titel: Mein Tagebuch - Communist Buddha
Beitrag von: Profuuu am 19. Mai 2009, 10:55:31
Communist Buddha

Teil II

 
Aber in dieser kleinen Geschichte geht es nicht um Saudis, Manager von Go Go Bars, rennfahrerisch begabten Hotelbesitzern und Paten, oder um hochherrschaftliche Landsitze von Bürgermeistern. Hier geht es um Nit und Noi, um Gung und Pat, um Nok und Pum. Hier geht es um den Fall der Mauer und wie auch er an diesen anschaffenden Landschönheiten nicht spurlos vorrübergegangen ist, während ein Farang, vielleicht zum letzten mal, ein Vakuum in Pattaya und über seine Grenzen hinaus ausfüllte, das von den Saudis, einem verstorbenen chinesischen Paten und einem ausgewiesenen Farang hinterlassen wurde.
 
Pattaya ist eine künstliche Stadt. Ja! Aber Thailand zeigt sich hier in all seinen Möglichkeiten. Pattaya ist wie die fokussierte Kraft eines durch ein Brennglas gebündelten Lichtstrahls. Hollywood Boulevard, Rotlichtmeile, Kneipen, Restaurants, moderne Shopping Centers, traditionelle Thaikunst, Mac Donalds, köstliche Thai Food, Absteigen und Fünf-Sterne Hotels mit angenehmem asiatischen Service, einheimische Landbevölkerung gemischt mit Grosstadtkindern, Diebesbanden und hart arbeitende Straßenverkäufer, Schneiderinnen und Bauarbeiterinnen, eine Orphanage, Kirchen und Moscheen, Golfclubs und Rotary Club, rege besuchte Schulen, Ämter, und Tempelanlagen, die zum Verweilen einladen. Mit vielen, vielen ganz normalen einheimischen Familien, die sich bemühen, ihren Kindern eine Ausbildung zu finanzieren und ihnen die traditionellen Thaiwerte vermitteln. Mit Expatriates, die versuchen, mit dem Thaistrom mitzuschwimmen, ihr ehrliches Geld verdienen und/oder ausgeben und ihrem Gastland den  Respekt erweisen, der sie überleben lässt. Mit Elefanten und Krokodilen, Tigern und Schlangen.
 
Pattaya entbehrt nicht einer gewissen Faszination. Daran können auch die oft erwähnten schlechten Begebenheiten nichts ändern. Es steht beispielhaft für die Sehnsüchte der Menschen aller Couleur. Es liegt Verzweiflung in der Luft. Eine Verzweiflung, der wir alle entrinnen möchten. Noch einmal richtig leben, noch einmal wie Kinder sein, immer wieder die leider viel zu kurze Illusion der Zuwendung erleben, auch wenn sie erkauft werden muss. Auf der anderen Seite die hoffnungsvollen Nutznießer unserer Verzweiflung. Die Thaimädels und die vielen anderen, die um ein Stück des Kuchens kämpfen. Es ist ein Paradebeispiel für das Leid, aus dem der Buddhismus sich begründet. Das Leid,  immer wieder hervorgerufen durch erneutes Verlangen nach mehr, nach Befriedigung der Sinneslust, zu der auch Gemütlichkeit und Anerkennung bei der einheimischen Bevölkerung, nach Frieden und einem Leben im vermeintlichen Paradies gehört. Party ohne Ende. 
 
Pattaya !
 
Dieses Wort hat sich schlagartig in den neuen Bundesländern herumgesprochen. Auch unsere Brüder und Schwestern aus der „ähemalschen De De Är“ wollen leben. Mal abgesehen von den jüngeren Leuten sind sie in diesem Jahr leicht zu erkennen. Die Verklemmtheit und das Misstrauen steht der ostdeutschen Rentnerband in dieser völlig ungewohnten Umgebung ins Gesicht geschrieben. Ein Barhocker wird zum Logensitz, wenn sich unsere dazu gewonnenen Pensionisten in eine Bierbar begeben. Dann heißt es still sein, zuhören und zuschauen.
 
„Where you come from ?“
 
„Was? Was willst du überhaupt?“
 
nach Übersetzungshilfe des Nachbarn
 
„Deutschland“
 
„Häh?“
 
nach Übersetzungshilfe einer Thaikollegin (Jörmanie)
 
„East or West?“
 
„Ost“
 
nicht gefolgt vom standardmäßigen: „I like“ sondern von einer Weitergabe dieser Information an die Kolleginnen hinter der Bar. Die wissen nun, dass es kein Trinkgeld gibt, der Humor abgesagt ist, eine Frage nach dem nächsten Drink als unhöflich empfunden oder gar nicht erst verstanden wird. Farang Jörman East spricht nämlich kein Englisch, schätzt noch die neu errungene D-Mark, ist knapp bei Kasse und sieht sich an diesem Ort von Dieben und Betrügern umstellt, was aber ihrer Geilheit keinen Abbruch bereitet.
 
Es ist erstaunlich zu welch feiner Differenzierung die Mädels fähig sind, wenn es um die Einschätzung der monetären Potenz und des Geisteszustands eines Gastes geht. Keine Farang  Verallgemeinerung mehr, sondern eine sehr genaue Unterscheidung der Leute aus einem sehr weit entfernten Land.
 
So hat der Fall der Mauer das Kennenlernen-Ritual der Thaimädels um eine wesentliche Frage erweitert.
 
Der noch recht naive Herr Professor neben mir, zum ersten mal in Thailand, ist voll des Lobes für die unerwartete politische und geografische Bildung dieser einfachen Mädels vom Lande, die ja bekanntlich alle erst seit drei Wochen und nur in den Sommerferien hier arbeiten. Dabei nimmt er wohlwollend in Kauf, dass einige der Mädels offensichtlich zu den Langzeitstudentinnen gehören, oder gar nach der langjährigen Bürde von zu erziehenden  Kindern das Studium der Sozialpädagogik wieder aufgenommen haben. Ihr überaus professioneller und zur Lebensbejahung ermutigende Umgang mit so manch völlig verkorkstem Farang lässt einfach keinen anderen Schluss zu.
 
„Nee, den kriegste wirklich nimmer hin“ singen die BAP im Angesicht dieser genialen Begabung völlig vergeblich. „Du kanns zaubere“ im selben Lied, haut das Vorhergesagte total vom Sockel. Abschlussnote: Summa cum laude. Das Land der Gelobten.
 
„Ist das Schulsystem wirklich so gut in Thailand?“
 
fragt mich der begeisterte Professor als vermeintlichen Thailandkenner, nachdem er die Frage der Mädels nach East oder West mitbekommen hatte.
 
„Eines der besten überhaupt.“
 
ist meine Antwort, und er sieht ab jetzt Thailand mit anderen Augen. Fühlt sich trotz schlechten Gewissens bestätigt, am richtigen Ort zu sein. Mit gebildeten Mädels rumvögeln ist ja schließlich standesgemäß. Die Intelligenznummern seien ihm gegönnt. Auch er wird sich, ohne meine Gegenwart,  das ein oder andere fachfremde Wissen angeeignet haben. Dafür werden schon die von Natur aus begabten angehenden Lehrerinnen gesorgt haben.
 
Dao, meine erste wirkliche Thailiebe, die ich aber wegen mir mittlerweile fast unverständlichen Bedenken nicht annehmen konnte, grinst uns beide mit leichtem Kopfschütteln von ihrem Platz hinter der Bar an. Sie hat unseren Wortwechsel verstanden, da sie inzwischen neben hervorragendem Englisch auch ein bisschen Deutsch gelernt hat. Auch das nicht zu wenig. Ja, ich bin ein Ar*****ch! Als ich zwinkernd zurück grinse, erhalte ich einen kalten, spröden Blick mit einer virtuellen Sprechblase, die sagt:
 
 „Hab ja schon immer gewusst, dass du ein Lügner bist.“
 
Der Professor schaut grübelnd zwischen uns beiden hin und her, aber Daos Blick ist schon wieder neutral. Meine Holde holt gerade Chicken Legs. Ich bin außer Gefahr. Thais haben für wortlose Blicke ein besonderes Gespür und die nächste eheliche Kampfszene wäre schon vorprogrammiert, falls meine Göttergattin das mitbekommen hätte, denn sie weiß von Dao und mir.
Titel: Mein Tagebuch - Profuuu - Communist Buddha
Beitrag von: Profuuu am 21. Mai 2009, 18:45:20
Teil III

Auch in unserem Standarthotel, dem Palm Garden, bahnen sich Veränderungen an. Der armlange Haifisch im runden Glasbehälter in der Lobby zieht zwar wie immer seine vergeblichen und notorisch verzweifelten Kreise, aber, obwohl einiges gewohnt, sollten sich für bislang unmöglich gehaltene Dinge ereignen. Davon bald mehr.
 
Dort verweilten wir regelmäßig, wenn unser Haus mal wieder Langzeit vermietet war. Die Chefin gehört zu unserem engsten Bekanntenkreis und unser Übernachtungspreis wird als Staatsgeheimnis gehütet. Die Gäste sind bunt gemischt. Fast alle aus Deutschland, vom halbseidenen Zuhälter aus Frankfurt, über gestandene und weniger gestandene Leute jeglichen Alters, bis zur Rentnerband, ist dort alles vertreten. In diesem Sommer gehörten wir zu dem üblichen Kreis. Ein Bundesliga Schiedsrichter aus Bochum, ein Frührentner aus Bayern, ein kölsche Jung und ein Westberliner. Wir alle kannten uns schon, denn sie sind Stammgäste und kommen immer wieder. Ich bin der einzig Verheiratete, die anderen alle mit ihren Langzeit-Susis, damit die Morgennummer gesichert ist.
 
Das Gastgelände ist weitläufig, der Swimming Pool hat offizielle Schwimmsportausmaße, eine kleine Bar, Pool Billard, weite runde Strohdächer spenden Schatten, bunt blühende Sträucher und Palmen erfreuen das Auge in dieser tropisch, farbenfrohen Gartenlandschaft. Einer der Kellner ist schwul mit einem recht mädchenhaften Gehabe. Die Mädels sagen: Lady Man, was aber bei ihm nicht bedeutet, sich hormonunterstützte *Brüste* wachsen oder seine Vorhaut nach innen umstülpen zu lassen. Er ist ein angenehmer Geselle, immer freundlich, meist humorvoll und spaßig. Die Mädels lieben ihn, reden mit ihm, wie zu einer Freundin, und wir Männer respektieren ihn. Er hat eine ganz besondere Gabe, die Stimmung aufzulockern und wird von uns deshalb geschätzt. In seiner Gegenwart fühlt man sich unausgesprochen als Gast. Er spielt seine Kellnerrolle mit viel Selbstironie und bühnenreif. Über mangelndes Trinkgeld, auch manchmal heimlich zugesteckt, damit er es nicht mit der Belegschaft zu teilen braucht, kann er sich nicht beschweren.
 
Die Langzeiterrungenschaften des Clubs sind nicht neu. Die Männer kennen Thailand seit über 10 Jahren, kommen jährlich zwei bis drei mal hierher und haben irgendwann mal aufgehört, permanent auf die Rolle zu gehen. Ihre Mädels haben nicht mehr das Problem, sich an einen fremden Farang gewöhnen zu müssen. Es sind fast schon ehemässige Verhältnisse. Wir wollen aber nicht verschweigen, dass der gelegentliche außerparlamentarische Seitensprung nicht verachtet wird. Die Clubmitglieder sorgen dann fürs Alibi. Wir verstehen uns alle gut, die Mädels sitzen friedlich im Schatten, schnattern und häkeln, da gut versorgt. Die fehlenden Sorgen um den nächsten Tag und wie man die paar Baht für eine Nudelsuppe zusammenbekommt, geben ihnen die Muße dazu.
 
Eine flüchtige Bierbarbekanntschaft hat mir mal erzählt, er hätte eine ganz Besondere gefunden. Die hätte hinter der Bar gehäkelt. Die müsse ja echt speziell sein. Ich habe mir verkniffen zu erwähnen, dass gerade diese Fee wohlmöglich einige Checks pro Monat erhält, die ihr die mentale Ruhe für solch kreative Tätigkeiten im hektischen Pattaya gäbe. Wahrscheinlich hat diese unbekannte Lady in ihm einen weiteren Geldgeber gefunden. Es sei ihr gegönnt. Häkeln hinter der Bar hat sich als unerwartete Geldquelle in Pattaya rumgesprochen, gestand mir mal eine Bardame während einer meiner unvermeintlichen, von Sucht nach Kommunikation getriebenen Interviewphasen, vertrauensvoll. Gewiss nicht wegen des Erlöses aus den Ergebnissen ihrer Fingerfertigkeit mit Nadel und Faden.
 
Wenn wir zu den Skatkarten greifen, fliegen Nadeln und Wollknäuelchen ins Körbchen und die Dominosteine klickern. Aus erfrischenden Thaigesichtern werden versteinerte Poker-Visagen. Aller Frohsinn zusammen mit ihrer herzerweichenden natürlichen Schönheit erloschen. Das sind die Momente, wo sich der ein oder andere Farang in unserer Runde fragt, warum er um Himmels willen mit so einem hässlichen Dorftrampel den Urlaub verbringt. Zwischen dem Reizen beim Skat werden dann vorsichtig Ränkeschmiede auf Deutsch durchgespielt, wie man seine Schnecke heute Abend wegen eines geplanten Short Time Abenteuers überlisten kann. Strafe muss sein!
 
Plötzlich herrscht Unruhe. Jemand schnauzt ganz in der Nähe unseren Lieblingskellner an. Das geht entschieden zu weit! Wir beenden unser Spiel und der nächste Geber wartet mit dem Austeilen. Es stimmt tatsächlich. Ein in den Fünfzigern, bierbäuchiger Herr mit Metzgerstatur beschwert sich preußisch über die „lausige“ Bedienung. Er hätte dies oder jenes nicht bestellt. Alles auf Deutsch.
 
„Was ist dir denn über die Leber gelaufen?“ ruf ich rüber.
 
„Der ist zu doof, meine Bestellung zu verstehen. Hier müsste mal der Mielke aufräumen, in diesem Scheißladen.“ kommt die empörte Antwort mit einem Augenzwinkern, wie unter Kumpels, zurück.
 
Die Luft knistert, als hätten die Schallwellen seiner Worte sie elektrisch aufgeladen. In einer Zehntelsekunde laufen hundert-tausende Computerinstruktionen in unseren Hirnen ab. Unsere vernetzten Rechner kommen in Rekordzeit zum gleichen Ergebnis. Der ist reif, aber ihm noch nichts verraten. Der muss ahnungslos voll ins Messer laufen. Müssen nur noch die richtige Gelegenheit abwarten.
 
„Na, beruhig dich mal. Wo kommste überhaupt her?“
 
frage ich, während die anderen schon gedanklich an allen möglichen Schweinereien arbeiten, die wir diesem Mielke Fan antun wollen. An Skatspielen ist nicht mehr zu denken. Die Mädels konzentrieren sich wieder auf ihr Dominospiel, nachdem sie festgestellt haben, dass hier keiner ausrastet.
 
„Aus Karl Marx Stadt. Hab dort ein Restaurant mit angeschlossener Metzgerei gehabt.“ sagt der und holt schon Luft zum weiterreden.
 
„Haste überhaupt wat zum Schlachten jehabt, mein Juutster? fragt unser kölsche Jung, dessen rheinländische Verarschungsstrategie langsam Gestallt annimmt.
 
„Mehr als genug. Bei mir sind die Stasi-Bonzen ein und ausgegangen. Mir hat es nie an etwas gefehlt. Die haben immer für den nötigen Nachschub gesorgt.“
 
anwortet der mit schwellender Metzgerbrust. Oh Mann, wie kann man nur so blöd sein! In Gedanken haken wir die Schweinereien als zu gnädig ab. Der ein oder andere konzentriert sich schon auf mögliche Foltermethoden. Er interpretiert unsere Sprachlosigkeit als Interesse und fährt gleich fort:
 
„Ich war einer der wenigen, die bis zum Schluss der DDR Eigentum besaßen. Ich hab alles verkauft und es sind 300,000 in D-Mark dabei rausgesprungen.“
 
Ein Mädel mit geringen Deutschkenntnissen und Dominozahlsymbolen in ihren Augen hebt versteinert wie bekifft ihren Kopf und fragt:
 
„tau lai?“ (wie viel?)
 
„sam roi pan (dreihunderttausend), der ist dem Mielke in den *Hintern* gekrochen und hat Gold gefunden.“
 
sagt unser Bayer in völliger Frustration, und als ob sie die Mielke-Information verstehen würde.
 
„Cannot believe“ sagt sie und spielt in Gedanken versunken weiter Domino, nicht ohne gelegentlich auf unseren Mielke Fan zu schielen.
 
Neben dem sitzt ein freundlicher älterer Herr, dem die Situation offensichtlich peinlich ist. Er sagt schüchtern:
 
„Prahl doch nicht so rum. Die müssen ja denken, wir wären alle Stasi-Generäle gewesen.“
 
Dann erzählt er mit brandenburgischem Dialekt, der dem Berlinerischen nahe kommt, dass er mit diesem ihm vorher unbekanntem Herrn in einem Zimmer schläft. Die Reisegesellschaft hätte davon vorher nichts erwähnt. Sie wären wohl reingelegt worden. Er hätte sein Leben lang auf dem Bau gearbeitet, seine Frau sei kürzlich leider verstorben und er lebe nun von seiner bescheidenen Rente, erfülle sich einen Traum mit dieser Reise. Und übrigens, nicht alle wären bei der Stasi gewesen.
 
Wir bitten ihn unter unser Strohdach, bestellen ein Bier für ihn, lassen ihn sein nicht einfaches Leben erzählen, geben ihm das Gefühl, dass er wohlwollende Zuhörer hat. Ab jetzt gehört er fast zu unserem Club. Später wurde er einer von uns.
 
Der Mielke Fan wirkt leicht beleidigt, da er nicht versteht, warum ein „Weichling“ so leicht bei seinen vermutlich bewunderten imperialistischen Faschisten Anschluss findet.
 
„Such dir doch ein anderes Zimmer.“ ruft er rüber und macht Anstallten sich in die Sonne zu legen, fragt mich aber vorher, ob die hier gefährlich wäre.
 
„Mach dir mal keine Sorgen. Es ist zwar heiß, aber das trügt. Völlig harmlos, nicht schlimmer, als an der Ostsee.“
 
An unserem Tisch sind plötzlich alle gänzlich unmotiviert mit irgendwas beschäftigt. Einer versteckt sich hinter der gestrigen Bildzeitung. Ein anderer sucht seine Geldbörse unter dem Tisch. Unser Berliner springt mit hinter einem Jodeln versteckten Lachen ins Wasser. Unser kölsche Jung verschluckt sich an seinem Bier und fängt an, fürchterlich zu husten, was aber niemanden davon abhält, darüber nachzudenken, wie man mich strategiemässig noch übertreffen könne.
 
Nach schon zwanzig Minuten ist der Bauch des Mielke Fans knallrot, selbst im strahlenden Sonnenlicht, das die Farben verblassen lässt, gut zu erkennen. Der „Cannot-Believe-300,000-D-Mark-Dame“ fällt es als erste auf.
 
Sie springt auf, gefolgt von den anderen Spielerinnen. Ihre Blicke und Zeigefinger auf den roten Bauch der Stasi gerichtet:
 
„Communist Buddha“
 
ruft sie. Die anderen wiederholen den Spruch im Chor, lachen und klatschen dabei in ihre Hände. Ich bin mal wieder überwältigt. Die klaren, treffenden und oft mehrsinnigen Worterfindungen der Thaimädels sind gigantisch. Ein Professor der Sprachwissenschaften hätte seine volle Freude gehabt und wahrscheinlich einige akademische Gedanken daran verschwendet, wie er solch eine geniale Sprachschülerin ins Bett kriegen könnte. Dazu muss man verstehen, dass die fetten, dickbäuchigen,  bunten, meist chinesischen Buddhafiguren, ein Synonym für Reichtum sind.
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Buci am 21. Mai 2009, 19:50:46
Ich muss in den Keller....   :D  :D  :D

Heute würden sie aber die rote Farbe eher anders interpretieren.   :-)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 21. Mai 2009, 21:39:15
Die Sozialpädagoginnen in den Bierbars sind eben auch politisch gebildet.  8)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Buci am 22. Mai 2009, 20:24:15
NaJa... sagen wir mal so: Die sind manchmal auch politisch.   ;D

Als ich im Februar in meiner Absackbar gegenüber meines Hotels in einem Gelben T-Shirt aufgetaucht bin, wurde ich freundlich aber doch irgendwie mit Nachdruck darauf aufmerksam gemacht, dass die Farbe meines T-Shits hier nicht so gerne gesehen würde. Da meine Lieblingspädagogin in diesem Fall auch nicht zu mir hielt und meinte: "Du hast ja auch ein Rotes" musste ich mir was einfallen lassen.

Da der Abend noch jung war fiel mir das nicht schwer. Ich beschloss der Crew dort mal ein bisschen Political Swissness beizubringen. Schnell über die Strasse gespurtet und im Zimmer mein blaues Hemd mit dicken gelben UND roten Streifen montiert.

Die eine Hälfte der Crew hat das sofort verstanden und ist in schallendes Gelächter ausgebrochen. Ein par der anderen Mädels bekundeten dann schnell mal Kopfschmerzen. Dabei habe ich mir wirklich Mühe beim Erkleeren gegeben....   ???  ;D


Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: digiffm am 24. Mai 2009, 00:59:45
„Communist Buddha“ ???

Ich dachte die Buddhas aus der SBZ sehen so aus:
(http://u1.ipernity.com/11/31/79/4923179.a79e7f9f.560.jpg)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu - Sommer 1991
Beitrag von: Profuuu am 13. Juni 2009, 23:11:39
Teil IV
 
„Keine von der Strasse!“ War mal das Motto in meinem Bekanntenkreis und meines schon vom ersten Thailandaufenthalt an in den 80zigern. Es war eine reine Vorsichtsmassnahme, die einem Alleinreisenden in unbekannter exotischer Fremde und ganz besonders mit Alk im Hirn so manch unangenehme Überraschung ersparen kann.
 
Wenn diese „Einzelgängerin“ dann auch noch ihre ID-Card verlegt, verloren, gerade beantragt hat, erhöht sich das Risiko erheblich. Das Risiko, dass sie aus dem Nichts kommt und wieder ins Nichts geht, aber nicht ohne manchmal gähnende Leere in der Brieftasche ihres Gönners zu hinterlassen, und/oder ihrem einzigartigen körpereigenen Bakteriencocktail einen neuen Wirt zwecks Weiterverbreitung schenkt, erhöht sich logarithmisch.
 
Dann ist mal wieder die medizinische Wissenschaft herausgefordert, darf versuchen, der regen Evolution dieser Winzlinge mit neuen kreativen Mixturen von Antibiotika ein Schnippchen zu schlagen. Zwei Bekannte haben es am eigenen Körper erfahren. Der eine diente der Ärztewelt im besten Mannesalter über ein ganzes Jahr lang als Versuchskaninchen, dem anderen half nach sechs Monaten nur noch der chirurgische Laser.
 
„Der sah wie ein Schweizer Käse aus, glaubst mir.“
 
war sein Lieblingsspruch, wenn er nach langer Enthaltsamkeit seine „von der Strasse Story“ mal wieder zum Besten gab.
 
So tragen also manche dieser „Einzelgängerinnen“ zur Weiterentwicklung der weltweiten Pharma-Industrie bei und tun so im übergeordneten Sinne ein gutes Werk. Entwicklungshilfe einmal anders rum. Es wird sich positiv auf ihr nächstes Leben auswirken. Wer weiß, vielleicht sind sie Zeitenwanderer aus einer fernen Zukunft, die uns Neandertalern die moderne Heilkunst auf diese Art und Weise nahe bringen.
 
Auch unserem Mielke Fan sollte geholfen werden. Wir werden noch sehen, wie. Der hatte sich nämlich für zwei Tage auf sein Zimmer verkrochen, auf dem Rücken im Bett liegend, eine ein Zentimeter dicke Schicht Niveakreme auf seinem Bauch. Nur manchmal ließ er sich wohlverhangen unter den Strohdächern am Pool blicken.
 
„Mensch, wat häst du ne empfindliche Haut. Hast dich wohl früher nur im Dunklen rumjetrieben, wat?“
 
sagt unser Kölsche Jung zynisch Mitleid heuchelnd.
 
drauf! Hab nur das Sonnenöl zu Hause vergessen. An das Zeug, was die hier verkaufen, trau ich mich nicht ran. Hier funktioniert ja sowieso nichts.“
 
antwortet der Stasi Macho. Aber sein Bauch scheint seine Sinne nicht mehr zu sehr zu reizen, denn er fährt fort:
 
„Wird Zeit, dass ich hier mal was erlebe. Die laufen einem sowieso schon auf der Strasse nach. Kenn mich da aus. Ich nehm mir einfach eine mit, und lass mal richtig die Puppen tanzen. Die wird sich wundern, wozu ich fähig bin. Muss mich nur noch mit dem alten Schnarchsack einigen, damit er mir mal das Zimmer überlässt.“
 
Der holt gerade Luft, aber wir halten den netten älteren Herrn, der nun zu unserem Kreis gehört, davon ab, etwas zu erwidern. Nennen wir ihn Hans. Unsere Gehirne laufen mal wieder auf Hochtouren. Aha, die Stasi kennt sich aus, schon nach drei Tagen in Pattaya, davon zwei fast nur im Bett. Seine Selbsteinschätzung ist schon mal eine gute Basis. Die Mädels von der Strasse haben es ihm angetan. Damit lässt sich arbeiten.
 
„Hast recht! Die von der Strasse sind wirklich gut drauf. Nicht so wie die von den Bier und Go Go Bars. Das sind alles Professionelle. Reine Abzockerei.“
 
kommt uns allen der Bochumer Bundesligaschiedsrichter zuvor. Ein häkelndes Mädel schaut auf und ich zwinkere ihr heimlich zu, denn sie versteht ein gerütteltes Maß Deutsch. Sie hält sich zurück. Wir anderen arbeiten am Guinness Rekord für Gesichts-Mimik-Kontrolle. Hans schaut noch ein wenig unschlüssig aus der Wäsche.
 
„Brauchst du mir gar nicht zu sagen. Hab ich schon bemerkt. Ist doch klar.“
 
sagt unser Stasi Heini, fast empört über diese vermeintliche Belehrung.
 
„Ist schon in Ordnung, war nur gut gemeint. Aber nimm nicht einfach jede beliebige von der Strasse..“
 
werfe ich die Angelschnur aus. Der schnuppert leicht am Köder, hängt aber noch nicht am Haken.
 
„Wie meinst du das?“
 
fragt der zurück, denn auch mein Ratschlag macht ja einen viel zu offensichtlich Sinn und ist einer Erwähnung  überhaupt nicht wert, besonders, wenn sie an einen erfahrenen Mann, der sich auskennt, gerichtet ist.
 
„Es gibt da eine Stelle in Süd-Pattaya, wo du die Besten findest. Die sehen sexy aus, angeln sich nur die gutaussehenden gestandenen Typen. Wenn dich eine von denen anspricht, kannste sicher sein, dass sie echt scharf auf dich ist  und mal wieder einen echten Mann braucht. Du machst ja was her, so wie du aussiehst.“
 
antworte ich im Thaistil (Bauchpinseln) und sehe, wie der Haken zuckt. Unser bayrischer Frührentner schielt schon auf den Köcher, geht in Bereitschaftsstellung, seine Augen aufs Wasser gerichtet, dort wo die Schnur in den unergründlichen Tiefen der menschlichen Schwächen versinkt.
 
„Hört sich gut an. Genau das Richtige für mich. Wo ist das genau?“
 
fragt die Stasi mit dem Angelhaken fest durch die Oberlippe und einem Teil der Nase gezogen, ohne es überhaupt bemerkt zu haben. Es funktioniert. Einfach sagen, was er hören will.
 
Eine neue Geschäftsidee nimmt Formen an. Eine Schule für die vielen osteuropäischen Service Damen, die neuerdings zum Straßenbild in Pattaya gehören. Die beherrschen die Kunst des Lobhudelns nämlich noch nicht. Da sind ihnen ihre einheimischen Kolleginnen weit voraus. 
 
„Kennst die Marine Bar, wo abends Thai Boxing ist?
 
fragt unser Bayer und übernimmt unseren Stasi Fisch in seinen Köcher, endgültig aufs lebensfeindliche Trockene, nachdem ich schnell die Schnur aufgerollt habe.
 
„Glaub schon. Bin dort mal am ersten Abend vorbei gegangen. Hab ja einen hervorragenden Ortssinn.“
 
sagt er stolz, aber noch nicht nach Luft schnappend. Der hat Sauerstoff getankt.
 
Hans kann sich aus all diesem noch keinen Reim machen, beobachtet alles mit unsicherem, zweifelnden Blick. Wir haben ihn während der zwei vorangegangenen Nächte unter unsere Fittiche genommen. Haben mit ihm an einigen Bier Bars so manches Bier gehoben und ihm dabei erzählt, wie das hier abläuft, worauf er achten soll.
 
Da er einer von der lieben, zurückhaltenden Sorte ist, erhielt er so manch freundliches Lächeln, sogar Streicheleinheiten. Er wurde zunehmend lockerer, legte einen Teil seiner Schüchternheit und Unsicherheit ab.
 
Wir mögen daran nicht ganz unschuldig gewesen sein. Zum einen gaben wir ihm Sicherheit, denn wir hätten nicht erlaubt, dass ihm irgendein Ungemach geschieht. Zum anderen dolmetschte eine unserer deutschsprechenden Thaidamen mit sichtlicher Freude für ihn. Eine Bier-Bar-Fee durfte sich neben ihn setzen, ihre „Lady Drinks“ heimlich von uns bezahlt. Sie war eingeweiht und himmelte Hans mit vornehmer mädchenhafter Zurückhaltung an, nicht ohne ab und zu ihre Hand auf seinen Unterarm oder Oberschenkel zu legen. Uns kamen fast die Tränen. Hans gewann sein Lächeln zurück und er begann sichtlich seinen Urlaub zu genießen.
 
Und das, obwohl sein Zimmergenosse ein Freund der Mächtigen der ehemaligen DDR ist. Der ist noch dazu wegen seines angeglühten Bauches, kurz vor der Selbstentzündung, schlecht gelaunt. Hans ist seelisch noch nicht bereit, sich eine ganze Nacht und einen Teil des nächsten Tages von einer dieser herrlich sanften Feen betütteln zu lassen. Die Trauer über den Tod seiner lieben Frau lässt das noch nicht zu. Short Time käme für ihn sowieso nicht in Frage. Außerdem teilt er ja das Bett mit der Stasi. Einen solch tiefen Einblick in sein Privatleben will er ihr nun doch nicht gewähren. Er ist froh, deren Akten kürzlich entronnen zu sein.
 
Mir kommt plötzlich eine Idee. Vielleicht können wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. In der absoluten Unberechenbarkeit des Lebens wurden es mehr als zwei, von den unerwarteten später mehr.
 
„Wie ich dich kenne, willste bestimmt nicht die ganze Nacht mit einer Susi verbringen, stimmts?“
 
frage ich einfach mal ins Blaue in Richtung Stasi.
 
„Wo kämen wir denn da hin! Ein, zwei Stunden, falls der Schnarchsack einverstanden ist.“
 
antwortet der Stasi Fan ganz in meinem Sinne. Hans weiß noch nicht, wie er darauf reagieren soll.
 
„Na komm Hans. Das muss ja mal drin sein. Gehst halt in der Zeit mit uns ein Bier in angenehmer Gesellschaft trinken“
 
Der lässt sich überreden, nicht ganz ohne ein fernes Leuchten in seinen Augen, wegen der Erinnerungen an die letzten zwei Abende. Wir wissen nun, dass wir nur noch an den Feinheiten unseres gemeinen Planes arbeiten müssen.
 
Zwischendurch übersetze ich alles für meine Holde ins Englische. Sie spricht nämlich kein Wort Deutsch. Sie lebt schon seit über zwei Jahren mit mir in Saudi Arabien. Unsere Nachbarn und Freunde dort kommen aus aller Herren Länder. Da bietet sich automatisch eine einzige Sprache zur Verständigung an. Englisch. Meine Muttersprache wäre dort reine Verschwendung für sie. Dafür hat sich ihr typisch sprachlich unvollkommenes Thai-Schulenglisch, das hauptsächlich aus Schreib- und Stumm-Leseübungen besteht, in Rekordzeit so verbessert, dass sie schon nach einem halben Jahr nicht mehr in thailändisch vordenken musste, sondern spontan in Englisch heraussprudelt.
 
Well, Gentlemen, das hört sich vielversprechend an, aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das meiner Gesundheit auf die Dauer gut tut. Durch ihren permanenten Umgang mit nachbarschaftlichen Ehefrauen, darunter manche aus USA oder UK, während Koch- Häkel- Stick- Schneider- Kosmetik und Tennisübungen beeindruckte sie schließlich nach zwei Jahren einige Urlaubsbekanntschaften, denen Englisch in die Wiege gelegt wird.
 
Sie kennt mich gut und merkt bald, wo der Hase lang läuft. Sie wird ganz zappelig, denn die Aussicht auf einen, wenigsten mittleren, Skandal, hautnah erlebt, ist die Krönung des Sanuk für eine Thailänderin mit Sinn für die Stolpersteine des Lebens.
 
„Hans, we take care of you tonight. Don’t worry. You will be in good hands. Remember yesterday?“
 
sagt sie lachend, ohne das der was versteht. Aber ich weiß jetzt, dass sie Feuer und Flamme ist und ausnahmsweise heute mal auf ihr Skandal-Rainbow-Press-Magazin verzichten wird.
 
„Darauf kannste dir verlassen.“
 
fügt unser Berliner noch hinzu. Kurz vorher beim gemeinsamen Pinkeln haben wir ein paar Einzelheiten besprochen. Radio freies Berlin setzt nun die Theorie in die Praxis um:
 
„Tschuldigung, muss dir noch wat sajen. Det kannste eijentlich nich wissen, da ene Thaispezialität.“
 
wendet er sich an unseren Stasi Fan. Nennen wir ihn Wilhelm. Der ist froh, dass wir alle so nett zu ihm sind, die Sache mit dem Zimmer geregelt haben und ist deshalb bereit, auch mal einen Rat anzunehmen. Er nickt wohlwollend.
 
„Ja stimmt!“ mischt sich die Bundesliga ein. „Die baggern dich nicht so an, wie die Barmädels. Die lächeln nur. Dann kannste einfach hingehen, oder sie zu dir rüberwinken. Wenn sie dann noch sagt: handsome man, I like you, haste se schon am Wickel.“
 
Währendessen schreib ich das schon mal in Lautschrift auf einen Bierdeckel: „händsam män, ei leik ju“, damit er es sich besser einprägen kann und mach gleich weiter:
 
„Wenn se dat zu dir sagt, haste ne gute Chance, dass se nur ganz ganz wenig Geld will. Dann steht se auf dich. Sagst einfach was von Hotel, das Wort versteht sie, und bringst se hier her. Glänz bloß nich mit deinem Russisch! Das iss liebestötend in diesen Breitengraden. Außerdem müssen wir noch ne ungefähre Zeit ausmachen, damit du ungestört auf dem Zimmer bist.“
 
und ich schreibe zusätzlich auf den Deckel, was er sagen soll, damit auch sie happy ist: „ju ah werri bjutifull lädie“
 
Wilhelm ist ganz Ohr und übt sogar mit uns. Für eine billige Nummer mit den unzivilisierten Eingeborenen würde der Eroberer aus dem Osten sogar wieder in die Schule gehen. Wir erzählen ihm, dass vor 23 Uhr dort nichts läuft, aber er solle ruhig früher dort hingehen, sich mit der Ecke vertraut machen und sich den strategischen Überblick verschaffen. Wir warnen ihn noch einmal vor den Barmädels, damit nur ja nichts schief geht.
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: † Jhonnie am 14. Juni 2009, 01:57:23
uhhhhhhh.
 nachtijall ik hoer dir trapsen  ;D

Jhonnie
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 21. Juni 2009, 16:37:26
Baden 20.6.2009

Zur Einweihung des Schlossbergplatzes in Baden spielte Adrian Stern auf. Der Jung macht gar keine schlechte Mucke.

Hier meine Videos...

http://www.youtube.com/watch?v=vHLWAaKe798 (http://www.youtube.com/watch?v=vHLWAaKe798)

http://www.youtube.com/watch?v=CAZyhxXO2as (http://www.youtube.com/watch?v=CAZyhxXO2as)

...und ein paar Bilder...

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Adrian%20Stern/P6200874_1024x768_600x450.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Adrian%20Stern/P6200877_1024x768_600x450.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Adrian%20Stern/P6200917_1024x768_600x450.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Adrian%20Stern/P6200900_1024x768_600x450.jpg)


Handgefertigte Kubanische Zigarren gab es umsonst...


(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Adrian%20Stern/P6200870_1024x768_600x450.jpg)









Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 24. Juni 2009, 09:39:41
Ein verregneter Tag an der Jomtien Beach 1985

....aus gegebenem Anlass...als auch ich noch von dem 2. Kulturschock nichts ahnte...echt schöne Zeit....

Der Strand ruft und wir vier machen uns auf den Weg. Dao in der Kleiderordnung, wie wir ihr schon auf unserer Fahrt von Bangkok nach Pattaya am Strand von Bang Saen begegnet sind, Mariam bereits in sexy Strandmontur. Unser Baht Taxi gewinnt zwei kleinere Rennen gegen die Konkurrenz auf der abschüssigen Strasse hinab zur Jomtien Beach und Mama empfängt uns wieder mit einem "Assalamu Aleikum" auf den Lippen. Friede sei auch mit ihr und wir lassen uns auf unseren reservierten Plätzen nieder.

Die See ist heute etwas rauer und es weht ein kräftiger Wind vom Meer herüber. Die Kokosnuss tut uns allen gut, genauso wie gestern. Hannes kann sich nicht verkneifen zu erwähnen, dass der Saft gut für die Manneskraft ist. Bei ihm reicht wohl jegliche Art von Saft um seine Dampfmaschine wieder auf Flüssigkeit umzustellen. Ganz in unserer Nähe bearbeitet eine Frau in fußlangem Hüfttuch und langärmeligem Hemd einen etwas korpulenten Farang ohne Rücksicht auf Verluste. Der Massageteil kommt mir bekannt vor, aber die Dehnübungen für Beine und Rückrat sehen nach Folter aus. Das Geständnis des Farangs geht in seinem Stöhnen und Ächzen unter und bleibt unverständlich. Die Strandmasseuse gibt nicht auf, macht ihre Witze und führt den Farang zur Belustigung aller Umliegenden vor. Ich frage Dao, ob sie auch mal möchte und sie willigt gerne ein. In voller Montur macht sie die Masseuse auf ihre Problemzonen aufmerksam und die werkelt ganz ernsthaft, aber mit Dao in ein Gespräch verwickelt, eine Stunde lang inklusive Folter an ihr herum, bis Dao schließlich friedlich und völlig entspannt im Schatten entschläft.

Hannes und ich üben ein bisschen Wellenreiten und Weitspringen mit den Scootern. Dunkle Wolken kommen auf. Als es anfängt zu tröpfeln, kehren wir unter die Strohdächer zurück. Viele verlassen den Strand, aber wir entscheiden uns zu bleiben, obwohl der Wind den nun stärker werdenden Regen unter unsere Strohdächer drückt. Mama weiß Abhilfe und baut die bereits zusammen geklappten Liegestühle wie eine Wand vor uns auf. Es ist herrlich! Dao und Mariam haben sich mit ihren Badetüchern und einer Decke von Mama zugedeckt und sitzen mit eingezogenen Beinen auf ihren Liegestühlen. Hannes und mir reicht das T-Shirt. Leider gibt es keinen heißen Grog, aber für Barcadi Cola ist jetzt der richtige Moment. Dao bestellt einen Tee und Mariam einen Kaffee. Wir stoßen auf Hannes` letzten Tag in Pattaya an und zumindest er und ich genießen das Wetter, denn wir haben die letzten drei Monate in Saudi nur blauen Himmel, Trockenheit und Hitze erlebt.

Es kommt so etwas wie Pfadfinderlagerstimmung auf und ich bin auf einmal wieder ganz jung. Mama spürt wohl die anheimelnde Atmosphäre in unserer Runde und setzt sich mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern zu uns, denn fast alle Strandgäste haben ihren Bereich verlassen. Ich weiß schon, was noch zum Glück fehlt. Als wenn sie meine Gedanken gelesen hätte, fragt Mama, ob wir was essen möchten. Es wird eine ganz gemütliche Runde und gleichzeitig gegessen, getrunken, geredet und gelacht. Der Regen sorgt für eine beruhigende Geräuschkulisse. Mariam und Dao müssen sich viele lustige Anspielungen in bezug auf ihre jetzigen Liebhaber gefallen lassen. Hannes und ich kriegen auch unser Fett weg.

"You have to take good care of your Ladies. Make love not too much, because you are strong men."

Das ist wohl mehr an Hannes` Adresse gerichtet.

Mariam übersetzt für Dao in etwa: "Pam pam maak maak, mae dai."

Frei übersetzt: "Zu viel bumsen tut man nicht."

Was ich noch nicht verstehe. Wird schon stimmen. Pam, pam erweckt in mir Assoziationen, die gar nicht so falsch sind, wie ich später lernte. Es ist, als wären wir schon lange eine Familie und ich bin dankbar und angenehm berührt von der Gastfreundschaft, die uns entgegen gebracht wird. Mamas Gatte ist ein stiller, hagerer Mann, der freundlich in unsere Runde schaut. Ihre Töchter sind ganz lebendig, aber von Arbeit gezeichnet. Mama ist die unbestrittene Chefin und bestimmt, wo es lang geht.

Über viele Jahre hinweg blieb Mama die Königin in ihrem Reich an der Jomtien Beach. Als eines Tages die Polizei kam und sie aufforderte, die runden weit ausladenden Strohdächer zu entfernen, da sie nicht mehr dem Schönheitsideal entsprächen, ließ Mamas Energie sichtlich nach und sie wurde schließlich sehr krank. Diese neue Direktive war eigentlich auf die Pattaya Bay Beach gemünzt, wo die Strohdächer vor sich hin gammelten und reichlich zerfleddert wie angefressen aussahen. Die von Mama wurden immer gut gepflegt und befanden sich stets im besten Zustand, da unter ihnen die Stammplätze ihrer immer wiederkehrenden Gäste lagen. Mama erzählte mir später von dem Besuch der Polizei und zeigte auf die neue und verbaute Skyline an der Jomtien Beach.

"They think this looks nice ? They must be crazy."

sagte sie mir mit einem sehr traurigen Unterton.

Als wir aufbrechen und Mama uns die Rechnung präsentiert, fehlt das gesamte Essen in ihrer Aufstellung. Ich mache sie darauf aufmerksam, aber sie winkt lächelnd ab.

"You are my friends."

Wir bedanken uns herzlichst und verabschieden uns mit einem: "ma assalama" und der rechten Hand auf dem Herzen. Die Mädels machen den wai und wir winken einem Baht Taxifahrer zu, der gleich eifrig die Sitzbänke mit einem Tuch bearbeitet, das auch nicht mehr ganz trocken ist.


Jo so war's...die Jomtien Beach...
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 24. Juni 2009, 10:55:03
Communist Buddha

Teil V
 
Nach unserer Kalkulation dürfte Wilhelm schon ab 21:00 Uhr zwecks Mutantrinken unterwegs sein und dann frühestens um 23:30 Uhr wieder im Hotel sein. Hans käme spätestens um 2:00 Uhr morgens ins Bettchen. Solange, meistens auch länger, hat unser Coffee Shop auf. Falls Hans seine letzte Zurückhaltung wg. zwischenzeitlich sturmfreier Bude überwindet, darf auch er seine ersten exotischen Erfahrungen machen, bevor Wilhelm beweibt zurückkehrt. Das Schicksal dieser einen Fliege ist im Prinzip schon vorbestimmt. Das der zweiten Fliege ist noch unberechenbar, aber der Dünnschiss für sie ist schon ausgelegt. Er wird bald für sie unentrinnbar an ihren Beinen kleben, falls Wilhelm der Stasi Knecht in unserem Sinne mitspielt.
 
Es ist Wochenende. Heute spielt die Musik im Coffee Shop. Personal und Gäste werden eine lange Schicht haben. Wir sind alle ein wenig von den letzten Nächten geschafft und beschließen, es ruhig anzugehen. Werden uns hauptsächlich im Hotel aufhalten, dort am Abend was essen, dann gleich fünf Minuten zu Fuß zum Bierbarbereich am Sabai Land, 2nd Road pattern, damit der Hans unter die Haube kommt, falls ihn die laue Nacht, das Lächeln und Streicheln endgültig überzeugt. Und vor allen Dingen werden wir uns ab 23:00 Uhr im Coffee Shop treffen und dort der Dinge harren, die sich entwickeln werden.
 
Der Nachmittag am Pool wird noch ganz gemütlich. Ich werde aufgefordert, meine Erlebnisse während des Golfkrieges in Saudi Arabien zu schildern, denn es gäbe ja sicher viel zu erzählen, da die Nachrichten doch recht manipuliert gewesen wären. Stimmt!
 
Ich nehme unbewusst die Haltung meines Großvaters ein, der reinen Gewissens vom I. Weltkrieg erzählte, was meinem Vater bei seinen Anekdoten vom II. Weltkrieg nie genauso gelang.
 
Nachdem in der Nacht zum 2. August 1990 die Irakis in Kuwait einmarschierten, ließen die meisten Expatriates sich von ihren Arbeitgebern und ihrer Botschaft in Riyadh beschwichtigen. Es wäre nicht nötig, Frauen und Kinder nach Hause zu schicken, weil natürlich nicht die geringste Gefahr bestehe. Es wäre aber jedem freigestellt und auch bezahlt, wenn er sich anderweitig entschiede.
 
Jeder erfahrene Expatriate weiß, dass die Militärattaches der Botschaften eine Spezialausbildung im Beschwichtigen haben und an Selbstüberschätzung leiden. Die Phrase: „Keine Gefahr“ gehört zu der Kategorie: keine Panik aufkommen lassen, auch wenn es schon brennt. Ich gönne keinem, auf die Hilfe von diesen egoistischen, geistig umnachteten Karrieristen im Krisenfall angewiesen zu sein. Dabei möchte ich nicht verschweigen, dass einige wenige Ausnahmen den Service-Gedanken für ihre Landsleute in Not tatsächlich verinnerlicht haben. Wie später beschrieben, hilft oft nur Selbsthilfe, z.B. mit Reservetank im Garten. Ich bin gerne unterwegs, genieße mein Leben als unpatriotischer Expatriate mit einem Pass von zehnjähriger Gültigkeit.
 
Aber es ist alles relativ. Amis im Ausland werden von ihrer eigenen Botschaft förmlich verachtet. Die sind Verräter, alleine auf Grund der Tatsache, dass sie nicht zu Hause patriotisch ihren Rasen mähen. Die deutschen Botschaften tun wenigstens so, als ob der Aufenthalt im Ausland als Expatriate nicht als Landesverrat zu bewerten ist, und der ein oder andere Botschaftsangestellte ist echt in Ordnung um gerecht zu sein.     
 
Der von der Firma bezahlte Rückzug unserer Frauen in die Etappe, d.h. nach Thailand, lief im Laufe des Septembers reibungslos ab. Der Genuss von verbotenen und selbstgebrauten Feuerwassers für uns an der Front Verbliebenen nahm an den Wochenenden bisher unerreichte Höhen an, obwohl Peitschenhiebe als Strafe darauf standen.
 
Wir, mit Thailadies verheirateten Männer, genossen die Abwesenheit des nicht weniger schmerzhaften innerfamiliären Strafgerichts wg. Saufens, vermissten aber die Thaiküche. Jede unserer Frauen beherrscht eine bestimmte Spezialität ganz besonders und ein gemeinsames Treffen an den Wochenenden wurde immer ein Gaumenschmaus. Asia Geschäfte gibt es in Saudi wegen der vielen Gastarbeiter so viele, wie früher Tante Emma Läden bei uns, was nicht heißt, dass es dort billiger ist.
 
In nüchternen Momenten versiegelten wir vorsichtshalber unsere Badezimmer. Die Fenster mit Klebestreifen, die Türen mit speziellem Dichtungsmaterial. Die Badewanne war stets mit Wasser gefüllt. Im Garten standen die gefüllten Benzinkanister im Schatten, die uns erlaubten, non-stop nach Westen, den unerwartenden Reichweiten von gefährlichen Flugkörpern zu entrinnen, nicht etwa über die eventuell chaotisch verstopfte und „ich bin mir der Nächste, du im Gegensatz zu mir nicht lebenswertes Ar*****ch“ Autobahn, sondern quer durch die Wüste mit unseren Four Wheel Drives. Es kam nämlich das Gerücht auf, Saddam hätte mit Giftgas-Raketen gedroht. Auch in diesem Zusammenhang beruhigte uns unser deutscher Militärattache in Riyadh.
 
„Die kommen nicht bis hierher. Die Reichweite ist viel zu kurz. Falls doch, schießen wir die einfach aus der Luft. Alles im Griff!“
 
 Da wussten wir noch nicht, dass die Scuds mit deutscher Stabilisierungs-Kreisel-Steuer-Technik aufgerüstet waren, Riyadh ganz locker erreicht werden konnte, und die Wirksamkeit der Patriot-Abwehr-Raketen der US Firma Raytheon, die für relativ langsam fliegende Flugzeuge konzipiert sind, eine einzige Propagandashow war. Herrlich! Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein, auch wenn es mich eventuell umbringt. 
 
Die Jungs unter dem Strohdach lauschen fasziniert. Oh Mann! Abenteuer! Adrenalin.
 
„Haste keine Angst gehabt? Oder haste dich erfolgreich geweigert, je nüchtern zu werden?“
 
werde ich gefragt.
 
Tja, der Job lief weiter wie zuvor. Seine Herausforderung, die immer absolute Präzision verlangte, ließ nie Promille zu. Aber genug für „ununterbrochen unter Strom stehen“ hätte es schon gegeben. Im, an den Wochenenden geschätzten, Holzmann Compound gab es zwei Schnapsfabriken. Zwei große Schlafzimmer in zwei verschiedenen Bungalows waren als Brennerei umgerüstet. Dort tropfte 24 Stunden am Tag 96 prozentiger, reiner, von eventuellen Schadstoffen freier Alkohol aus dem dritten Durchlauf. Und das nicht nur aus einem einzigen Kessel. Ein Wunder, dass die nie in die Luft geflogen sind. Während einer der vielen wilden Parties dort hörte ich einmal wie ein Amerikaner in typischer Art antwortete, als er von einer schwedischen Krankenschwester am Swimming Pool gefragt wurde, ob es denn hier auch vielleicht was zu saufen gäbe:
 
„Lady, there is more Alkohol in this Compound than in some little towns in the western world.“
 
“Lady, es gibt mehr Alkohol in dieser Wohnanlage, wie in manchen Kleinstädten in der westlichen Welt.”
 
Ja stimmt. Auch das ist Saudi Arabien. Alles, was verboten ist, macht auch erwachsenen Männern Spass. Peitschenhiebe hin oder her. Der Holzmann ist nicht nur aufs Bauen spezialisiert. Nach der Pleite gibt es sicher auch einige arbeitslose Schnapsbrenner.
 
Wir bekommen Durst. Unser Lieblingskellner reagiert sofort. Das erste Bier dieses Tages ist fällig. Saudi ist schon wieder weit weg, obwohl der ganze Mist erst vor ein paar Monaten sein vorläufiges Ende gefunden hatte. Wilhelm hat sich aufs Zimmer verzogen um seinen Bauch endgültig auszukurieren. Wir benutzen die Gelegenheit, Hans auf die Schiene zu bringen.
 
“Heute verlierste deine Jungfräulichkeit, Jung.”
 
sagt unser Kölner. Eines der Mädels hat schon eine Idee, gegen wen. Sie sagt, sie kenne eine liebe Kleine, die dem Hans bestimmt nichts Böses antut, aber bei der Behandlung typischer Rentnergebrechen äußerst erfolgreich wäre. Geldgierig sei sie auch nicht. Sie sagt das mit Blick auf unseren bayrischen Frührentner, nennen wir ihn Rudolf.
 
“Same me” sagt sie laut und bricht in schallendes Gelächter aus um gleich darauf den anderen Begleiterinnen auf Thai zu erzählen, wie kinijau (geizig) Rudolf wäre. Hätte schon seit drei Tagen kein Taschengeld mehr erhalten. Soweit können wir “Oldtimer” das schon verstehen und wir frotzeln Rudolf ihn an. Der stöhnt:
 
“Hört’s bloß auf! Die liegt mir schon seit Wochen wegen eines Hauses in den Ohren. Sie kennt mich jetzt schon sechs Jahre lang und es wäre meine verdammte Pflicht, dass ich an ihre Zukunft denke. Sie wäre ja schließlich immer schön treu gewesen und jünger würde sie auch nicht mehr. Die iss wohl deppert.”
 
Hans sieht seine Felle davonschwimmen. Häuser kann er hier nicht verschenken um sein Leben neben einer tagsüber häkelnden und Domino spielenden Exotin im Urlaub verbringen zu dürfen. Außerdem, wofür braucht man hier schon eine warme Mütze. Zu Hause bei ihm stapeln sich die vielen gehäkelten Deckchen, entstanden in der gemütlichen DDR-Zeit. Davon braucht er auch keine mehr. So oder ähnlich mag es durch seinen Sinn gehen.
 
„Komm schon Hans. Anschauen tut nicht weh. Heute haste sturmfreie Bude, ehe deine persönliche Stasi-Bewachung wieder zurück ist.“
 
sage ich.
 
Hans ist noch unentschieden, bestellt sich aber jetzt auch ein Bier, was er kurz vorher abgelehnt hat. OK, so fängt es an. Die Weichen sind nun endgültig gestellt. Wir beschließen ein wenig zu ruhen und uns schon um 19:00 Uhr zum Essen zu treffen.
 
Am Abendtisch genehmige ich mir eine gefüllte Krebsrückenschale, darin fein gestampftes und gewürztes Krebsfleisch. Eine Spezialität des Hauses. Habe ich bisher nur hier in dieser Qualität gefunden. Das erspart mir die nervenaufreibende Rumpuhlerei und versauten Hände. Wir sind alle gut drauf. Hans genehmigt sich vorsichtshalber ein saftiges Steak. Es könnte ja was nützen. Wilhelm ist Gott sei Dank nicht dabei. Andernfalls hätten wir uns seine endlosen Tiraden über wirklich gutes Fleisch anhören müssen. Unserm Hans hätte er bestimmt den Appetit verdorben, selbst wenn wir unserem Stasi Metzger mit Kennerblick zugegebenermaßen hätten Recht geben müssen.
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Tscharly am 24. Juni 2009, 10:58:04
Ref JOMTIEN BEACH 1985 "....those where the days my friend, I hope(d) they never end ...."

(dann muesstest Du Dich ja auch an Vincent Fischer und die Morsbach Gang an der Cobra Cabana ebenfalls noch erinnern koennen - odrrr??)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 27. Juni 2009, 16:49:28
Hilf mir mal auf die Sprünge, Tscharly.... 
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 27. Juni 2009, 16:53:13
Es war einmal.


Es währte zwei Jahre lang - irgendwann zwischen 1986 und 1988...


Sie fiel mir durch ihre für meine Begriffe Souveränität auf. Wie sie mit den Farangs an der Gar-Küche umging. Selbst mit den nicht mehr ganz Nüchternen. Sie bediente alle mit Respekt und lächelte manchmal, wenn sie jemanden wiedererkannte. Ihr Wiedererkennens-Lächeln wurde zu einem Privileg der "Insider", sodass man es nicht mehr missen wollte.

Ihre nackten Arme verrieten eine fast haarlose Haut und der Glanz auf dieser selben, hervorgerufen durch den Küchendampf, sah recht verheissungsvoll erotisch aus.

Viele Go Go Mädels, einfach ein langes Hemd über ihre Bikinis gezogen, genossen gerne ihre Gaben während ihrer kurzen Pause und sie verhielten sich höflich ihr gegenüber, irgendwie mit Respekt. Respekt, den sie mit einem Lächeln zurückgab, aber ohne viele Worte.

Die Chefin, ihre Tante, wie ich später herausfand, köchelte mit einer gelassenen Beständigkeit vor sich hin, die ihre Arbeit mühelos erscheinen lies. Fast wie Meditation, oder wie eine widerstandslose Ergebenheit in ihr Schicksal, die ihr keine Schmerzen mehr bereitete.

****

Dann, eines Tages, muss der Floh im Ohr dieser Garküchenhelferin wohl die Überhand gewonnen haben. Denn ich traf sie als Tänzerin in einer meiner Lieblings Go Go Bars wieder.

Auch dort bewies sie eine Art Souveränität auf der Bühne, die nur wenige Menschen habe, egal was sie tun.

Sie beachtete mich nicht, kam aber wie durch Zufall oder auf ihrem routinemässigen Weg nach ihrer Stangenrunde an mir vorbei und lächelte.

Ich erwiderte ihr Lächeln. Kurz danach kam sie mit einem Glas Soda in der Hand zu mir zurück, fragte, ob sie sich neben mich setzen dürfte und erzählte mir, dass ihre Tante, die eigentlich nicht ihre Tante ist, sie rausgeschmissen hätte, da die Einkünfte nicht reichten.

Am nächsten Abend nannte ich sie "Sister" und sie mich "Brother". An anderen Abenden durfte ich beobachten, wie sie sich auf dem Schoss von Farangs unter ihrem BH befummeln liess. Nie verlor sie dabei ihre Kontenanz, sondern behielt ihre unschlagbare Souveränität, ihre Unverletzlichkeit durch äussere Dinge und Handlungen.

In meinen Folge-Urlauben wurde sie Stammgast auf meiner Veranda tagsüber und wir unterhielten uns über Gott und die Welt in dem typischen Kauderwelsch.

Meine Nachbarn hielten sie für meine neue Flamme und meine Hausverwalterin schüttelte mal wieder mit ihrem Kopf, da, nennen wir sie Gung, mit ihren Reizen in der Öffentlichkeit nicht geizte, und sich solche Offenheit am Nachmittag auf meiner Veranda, einsehbar von den anständigen Nachbarn, halt nicht ziemte. Sie trug nämlich tagsüber gerne diese an den Oberarmen weit offenen T-Shirts, die von der Seite einen Blick auf ihre herrlichen natürlichen Brüste erlaubten.

Irgendwann mal habe ich Gung gefragt, woher sie denn ihre Souveränität beziehe, egal in welchem Job und sie antwortete:

"It´s only my body. What counts is my mind and that I think the right thing. And that I care about other people duai."

„Ist ja nur mein Körper. Was zählt ist, dass ich das „Richtige“ denke“. Und dass ich mich auch um andere Leute kümmere.“

Woher sie das denn hätte, war meine naive Frage.

"Buddha told me." (Buddha hat mir das gesagt) antwortete sie.

Da begann mein ernsthaftes Interesse für den Buddhismus. Reiner Egoismus, he he.

Wieder einen Urlaub später sah ich sie wochenlang in ihrer Freizeit fröhlich einen querschittsgelähmten Farang Twen in seinem Rollstuhl durch die Walking Street schieben, manchmal am Jomtien Strand, manchmal an einer Bierbar. Für meine Veranda hatte sie nachmittags dann kaum noch Zeit. Nur einmal schlenderte sie alleine wieder herein, fröhlich und wie immer mit ununterbrochenem Redefluss behaftet.

„Hast du jetzt einen neuen Job als Krankenschwester?“ fragte ich grinsend. Sie verstand sofort, was ich meinte und antwortete:

„I like to help people, you know.“ (Ich helfe gerne Leuten, wie du weisst)

Gefolgt von der Frage: „You have beer nice cold?“     

Wir blieben noch zwei Urlaube lang „brother“ und „sister“, bis sie endgültig aus Patty verschwand. Auch ich habe sie nie wieder gesehen...   
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: hobanse am 28. Juni 2009, 15:53:05
War der Vincent Fischer der Partner von Norbert Verweyen?
http://www.tropicaldesignfz.net/
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: namdock am 28. Juni 2009, 19:17:46




ja in grauer Vorzeit...


mfg Dieter
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Tscharly am 02. Juli 2009, 10:01:06
Ref Vincent Fischer: War in den spaeten 80er Jahren als Manager auf der COBRA CABANA die wiederum von Bert und Karl Theododor Morsbach ....

Vincent Fischer ging anschliessen nach Phuket .... wo seine Spuren (fuer mich) im Sand verliefen.

Auch nicht wichtig.

PROFUUU - erzaehl uns lieber wieder was "schoenes" aus der "guten alten Zeit"   :-)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: † Jhonnie am 06. Juli 2009, 02:48:53
yeap tue das Profuuu.

mich wuerde ja interessieren wie der "jute Stasi Fleischer" abgehandelt wurde von eurer seite aus.
hat er nu Strassen girly ( dann bitte auch welcher art) order net?

Jhonnie
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 13. Juli 2009, 15:20:29
Jo, Jhonnie, der "Communist Buddha" wird fortgesetzt. Aber vorerst....

Montag, der 13.7.2009

Nach 3 Tagen Ubon Ratchathani (Kerzen und Wachs Festival) und 3 Tagen Sued-Laos (Champasak Provinz) und den Mekong Stromschnellen und Wasserfaellen, nun wieder in Bangkok. Der Taxifahrer vom Suvarnabhum Airport nach Hause erzaehlte uns stolz, dass er mit nur 350 Baht Gas-Kosten von bangkok nach Ubon fahren kann, seitdem er umgeruestet hat. Der Kofferraum faellt dadurch natuerlich fuer schon normale Koffer aus.

Zur Zeit angenehm windig in Bangkoks Norden. Aussentemperatur 28 C. Gefuehlt nur 25 C. Ab und zu leichter Nieselregen. Da laesst es sich auf der Veranda beim mitgebrachten Lao-Bier aushalten. Wie immer um 17:00 Uhr herum, schuettet es dann fuer eine halbe Stunde.

Drueben, im Don Mueang Domestic Terminal am Morgen die Bangkok Post besorgt, einen Eiskaffee dort getrunken und die wenigen Reisenden beobachtet. Lediglich Nok Air und One 2 Go Schalter geoeffnet. Die One 2 Go gar nicht schlecht besucht. Hat Yai und Pukhet. *grusel, grusel*

Die Stadt faszinierend wie immer. Das Hard Rock Cafe, Siam Square, am Nachmittag zu empfehlen. Gemuetlich und die Bedienungen gut drauf. Easy going. Die meisten hochherrschaftlichen Hotels bieten Lunch und Dinner zu Sonderkonditionen an. Da laesst es sich schonmal ab und zu gediegen und erschwinglich speisen. Das Personal aufmerksam und freundlich.

Der Aussenminister Kasit hat laut Abhisit nicht gegen den Ethik Code der Politiker verstossen und soll trotz vorbereiteter Anzeige wg. Terrorismus im Amt bleiben. Die Staatsanwaltschaft will nicht bestaetigen, dass eine Anklage gegen ihn erhoben wurde, noch dass ueberhaupt eine Anzeige eingegangen sei.

Die SRT (State Railway of Thailand) weiss nicht, wie sie die explodierenden Kosten fuer die pensionierten Eisenbahnangestellten bewaeltigen soll. Die belaufen sich dieses Jahr auf 2,77 Milliarden Baht mit der Tendenz, sich fast in den naechsten 20 Jahren zu verdoppeln.

Also alles normal hier...   

 



Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: peter51 † am 13. Juli 2009, 23:18:06
 .hier aucdh
also stay there mate 8)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 27. Juli 2009, 03:41:01
Communist Buddha

Teil VI

 
So gegen 20:00 Uhr beobachten wir Wilhelm, wie er das Treppenhaus verlässt, das wir von unseren Sitzen teilweise einsehen können. Das ist schon mal wichtig und für heute Abend von ganz entscheidender Bedeutung. Er verabschiedet sich aber ganz brav von uns, denn er stellt noch mal sicher, dass das Zimmer später frei ist. Er trägt ein geschmackvoll gemustertes Hemd, das nicht auf phantasielose einfarbige Altersvorlieben hindeutet, eine lange Hose, richtige Schuhe und macht echt was her. Trotz eingezogenem Bauch schafft er es nicht, ihn in seiner Ausdehnung unter seiner Brust zu platzieren. Das macht aber nichts, denn seine gesamte Erscheinung sagt: hier sind die Dollars, Mädels. Das kann ja noch interessant werden! Die Musikband rödelt auf, wir machen uns auf den Weg und hoffen, dass wir später wieder alle einen Platz bekommen.

Eines der Mädels, das mit dem Gedanken spielt, eine Immobilie mit bayrischer Staatshilfe zu erwerben, steuert zielstrebig eine der Bier Bars im 2nd Road Komplex neben dem Sabai Land an, wird dort freudig von den Damen begrüßt und wir lassen uns nieder. Ihre Gesichtszüge verdunkeln sich, denn ihre für Hans Auserkorene ist nicht da. Sie interviewed ihre „Kusinen“ ausgiebig. Rudolf denkt beim Anblick der zum Teil schnuckeligen Service Damen: , wäre ich doch alleine losgezogen! Der ein oder andere von uns versucht diese Art von Gedanken einfach zu verdrängen. Wir bestellen erst einmal. Die meisten ein Bier, meine Holde einen Gin Tonic, ich meinen Black Nam ohne Nam Käng (Eis), welches hier problemlos verstanden und ausgeführt wird.

Auf einmal verstummt unsere der bayrischen Wohlfahrt ausgelieferte Fee und schaut erleichtert in eine andere Richtung. Aus der nähert sich ein etwa dreißigjähriges Mädel. Sie ist nicht dick, nicht dünn, hat ein freundliches, offenes und erfrischendes Gesicht und verändert ihren, mit nach außen gestellten Füssen, schaukelnden Watschelgang in den einer Dame würdigen Schrittes, als sie merkt, dass wir sie alle anstarren. Sie war auf dem Hong Nam, Toilette und trägt eine lange Hose, Jeans, und eine weiße Bluse, deren Inhalt die kindliche Sehnsucht nach Muttern aufkommen lässt. Ihre gesamte Erscheinung ist ziemlich dezent, hat nichts disco-haftes oder gewerbliches an sich. Sie trägt nur eine dünne Goldkette mit einem Medaillon von Rama V und drei unauffällige Ringe. Nach Short Time sieht sie nicht aus. Sie unterhält sich sanft und freundlich mit ihrer Freundin.

Hans sitzt gleich daneben und nach einiger Zeit darf er die unerwartete Wohltat der unbeabsichtigten Berührungen über sich ergehen lassen. Nein, nicht mit der Hand. Es sind ihre schicksalhaften körperlichen Bewegungen, mit der sie Hans, natürlich völlig ungeplant und unmotiviert, angenehm auf die Pelle rückt, jedes mal von einer freundlich warmen Entschuldigung begleitet, einmal sogar von einem Wai. Es ist, wie die amerikanischen Marines sagen, das „full metal jacket“, das voll geladene Magazin. Wer kann dem schon widerstehen? Wer könnte diese vermeintlich einmalige Chance seines Lebens an sich vorüber gehen lassen?
 
Ich bin mal wieder fasziniert. Nach sechs Jahren Thailandaufenthalten damals, meist vier mal im Jahr, kann ich meine Augen immer noch nicht von dieser sinnlichen Kunst abwenden. Meine Holde hat natürlich sogleich alles geblickt. Hat ihre helle Freude, auch für Hans, denn sie weiß nun, dass an seiner Jungfräulichkeit gearbeitet wird. Die Interpretation der Bedeutung dieser einheimischen Mimik, Körpersprache und der unausgesprochenen Worte fällt ihr natürlich leicht. Das hat sie im Blut. Ich beginne zu verstehen, warum manche Farangs gleich im ersten Urlaub total verfallen, all ihre Prinzipien über den Haufen werfen. Ab jetzt verachte ich sie etwas weniger. In späteren Jahren ist der Rest immer noch vorhandener Verachtung endgültig wohlwollendem Mitgefühl gewichen.

Hans wird ganz ruhig und bestellt sich vorsichtshalber noch ein Bier. Er scheint eine innere Entscheidung getroffen zu haben, denn er lächelt zurück, falls sie ihn mal wieder unbeabsichtigt mit ihrer vollen Breitseite ganz sanft berührt.

„Ich find sie nett. Du auch?“ frag ich ihn um die Lage zu erkunden.

„Ich weiß nicht. Die scheint ganz in Ordnung zu sein. Nicht so, wie die anderen.“

sagt er ganz klassisch und mit einem Anflug von Unentschlossenheit, was aber wahrscheinlich Unsicherheit bedeutet, denn er schämt sich, ihr die plumpe Schlüsselfrage zu stellen, nämlich: kommste mit? Er ist schon gefangen, verstrickt in diese nie erfahrene, weil unwestliche Einheit von Körper und Geist. Ihre körperliche Nähe lässt sich in seinem Hirn nicht rational erfassen. Seine Gedanken rasen im Kreis, aber seine Sinne verlangen schon nach mehr und nach der Ewigkeit des Augenblicks einer flüchtigen Berührung.

Die anderen schmunzeln wohlwollend. Meine Göttergattin erkennt die Situation.

„Why don’t you ask her what she likes to drink. It does not hurt.“

Nach meiner Übersetzung nimmt er Haltung an, räuspert sich und fragt sie auf Deutsch. Ich gebe mein: „Khun dümm alai khap?“ von mir, sie bedankt sich mit einem Wai und einem leichten Knicks bei Hans und wir rücken alle einen Hocker weiter, damit sie sich neben ihn setzen kann.

Mir wird etwas mulmig, denn ich weiß nicht, ob diese zwar wohlgemeinte Therapie für einen Hans, der sein Leben lang hart gearbeitet, und seine, wie er sagt, geliebte Frau kürzlich verloren hat, nicht ein wenig zu weit geht. Aber morgen ist auch noch ein Tag. Den Jung kriegen wir schon wieder hin, falls alle Stricke reißen. Dieser Augenblick sei ihm gegönnt. Alles ist vergänglich. Wenn wir nur auf die rational wohldurchdachte Möglichkeit der Ewigkeit bauen würden, verpassten wir viele kurze glückliche Momente in unserem Leben.

Unsere deutschsprechende Bayernliebhaberin übernimmt die Rolle der Dolmetscherin zwischen Hans und dem Mädel. Rudolf hat dadurch etwas Luft und schäkert mit angenehmem bayrischem Charme mit den Mädels hinter der Bar. Meine Holde ist ganz gerührt und begeistert von dem frischen Glück. Es geht gegen 21:00 Uhr und wir machen der Dame klar, dass sie Hans ganz vorsichtig und lieb nach seinem Hotel fragen soll. Versprich ihm am besten eine Massage, dann ist es nicht so offensichtlich.

Es klappt! Hans und, nennen wir sie Äh, verlassen das Gelände. Die 120 Baht Auslöse hat er widerspruchslos und ohne Scham bezahlt. Er hat uns gut zugehört während der letzten beiden Nächte und es war keine Überraschung für ihn. Wir Zurückgebliebenen wissen nicht, wer zuerst die nächste Runde schmeißen soll. Nicht alle auf einmal! Wir müssen noch einigermaßen nüchtern bleiben. Da kommt noch was!

Es wird einer dieser absolut friedvoll und lustig verlaufenden Bierbarbesuche, trotz der Begleitung unserer langjährigen Beziehungen. Die Mädels unterhalten sich angeregt auf Thai, absolut gemischt, egal, ob vor oder hinter der Bar, egal welch geografischer Herkunft, egal welch Hautfarbe, egal welch gesellschaftlichen Status. Es menschelt und es scheint, als wäre alles vordergründige Kastendenken der Thaimädels außer Kraft gesetzt. Selbst meine Holde schwingt jubelnd und froh mit der wohltuenden, vermeintlich nicht standesgemäßen Umgebung mit. Sanuk ist die alles überschreibende Stimmung. Sanuk ist grenzüberschreitend, auch in dieser undurchsichtigen mit Statussymbolen und strikter Hackordnung durchdrungenen Thaigesellschaft. Wir Farang-Männer dürfen mit den Damen hinter der Bar schäkern, da ja total unter kontrollierter Aufsicht. Die Dominosteine bleiben in der Schachtel.

Es ist Zeit. Hans ist hoffentlich noch nicht an einem Herzinfarkt gestorben, seine sinnliche Therapeutin hat hoffentlich noch nicht ihren weichen mütterlichen Charme an einem Zweifler oder total Verfallenem verloren, und Wilhelm hat hoffentlich meinen Bierdeckel mit der Lautschrift konsultiert um die Richtige zu finden und unsere unaufrichtige Warnung vor Bierbarmädels ernst genommen. Wir begeben uns erwartungsvoll aber im lästernden spekulierenden Übermut zurück zum Hotel.

Alle unsere Bedenken entpuppen sich als energieverschwendendes negatives Denken. An der Rezeption hören wir vertraulich, dass Hans mit seiner „registrierten“ Flamme noch auf seiner sturmfreien Bude ist, sie das Haus noch nicht verlassen hat, und ein Krankenwagen nicht angefordert wurde.
 
Eine Nachtschichtdame stellt gutmütig lächelnd, als hätte sie nur auf uns gewartet, drei Tische für uns im Coffee Shop zusammen. Wir begrüßen die immer noch nicht warmgespielte Band, die eine einmalige Gabe hat, auch dem langsamsten Song noch ein zusätzliches Viertel des schon geruhsamen Tempos zu nehmen. Der Song: „Angelina“, bei dem sich die Damen in der Baby Go Go unmoralisch nackt aber herzerwärmend bewegen, entartet fast zum Stillstand. Bei dem Tempo würde auch die beste Go Go Dancering ohnmächtig in Trance von der Stange fallen. Auch eine Kunst, die Musik so langsam zu spielen!

Wir lassen uns nieder und geben unsere Bestellungen auf. Der Bochumer Bundesligaschiedsrichter macht uns darauf aufmerksam, nennen wir ihn ab jetzt Werner, dass Wilhelm der Eroberer, mit Stasivergangenheit, das Treppenhaus mit einer Susi im absoluten Discostil, mit langen schwarzen Haaren bis hinunter zum sexy kleinen Hintern, beschleicht. Wir halten für einen Moment den Atem an. Meine Holde wird trotz drei Gin Tonic hellwach und bestellt einen Kaffee. Ich bekomme nach mehreren, dem Körper flüssigkeitentziehendem Black Nam, Durst auf ein Bier.
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: drwkempf am 27. Juli 2009, 17:28:23
Ich bin entzückt und schon gespannt, wie's weitergeht.

Wolfram
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: khun mai ru am 28. Juli 2009, 20:02:34
@profuuu

Communist Buddha...Eine tolle Geschichte, klasse geschrieben!
Das Trapsen der Nachtigallen ist nicht mehr zu überhören.  :)

mfg kmr
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 28. Juli 2009, 23:15:49
Danke, khun mai ru.

Kommt drauf an, welche Nachtigallen da trapsen. Das wahre Leben ist da unberechenbar. So auch das Ende dieser absolut wahren Kurzgeschichte.

Bald geht es weiter....   
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: khun mai ru am 28. Juli 2009, 23:38:35
Ich tippe mal auf die Nachtigallen mit den etwas
tieferen Trapstönen...;-)

mfg kmr
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 28. Juli 2009, 23:44:14
Das hatte ich befürchtet. Aber ich bediene nicht so gerne Klischees und das Leben schon lange nicht.  ;)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: khun mai ru am 29. Juli 2009, 00:56:38
OK - ist angekommen.

mfg kmr
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: heitzer am 29. Juli 2009, 01:31:26
hallo profuuu gibt es diese kurzgeschichte in buchform oder kommt so was mal? ich liebe solchen  geschichten.mach bald weiter
gruss berthold
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 29. Juli 2009, 10:38:48
@heitzer,

es gibt da ein paar Ideen dafür....  8)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 29. Juli 2009, 10:41:15
Teil VII, Kommunist Buddha
 
„Wise men say...only fools rush in...but I can’t help...falling in love with you..“ spielt und singt die Band. Elvis in absoluter slow motion. Langsamer geht’s nimmer.
 
Wilhelm ist schon mit seiner Disco-Susi außer Sicht. Ob der Hans ihn überhaupt reinlässt? Oder macht die Susi gleich auf dem Absatz kehrt, weil sie Angst davor hat, dass Wilhelms Göttergattin hinter der verschlossenen Zimmertüre lauert? Fragen über Fragen. Unsere Mädels lassen ihrer Phantasie freien Lauf. Das große Kichern bricht aus. Rudolf schmeißt vorsichtshalber noch eine bayrische Runde, ehe der Ärger losgeht.
 
Wir sind alle in froher Erwartung. Gleich kommt das Christkind. Doch wer kommt? Stasi Wilhelm! Alleine! Er fragt, ob er sich zu uns gesellen darf, was wir alle mit heftigem Kopfnicken bestätigen.
 
„Was iss los, mein Guutster?“ fragt die Bundesliga.
 
„Oh nichts. Die Kleine ist nur mal eben Pinkeln. Weiß der Himmel, wie lange die braucht. Ich trink mir jetzt erst ein Bier mit euch.“ sagt Wilhelm, ganz Mann.
 
„Wie, wo, pinkelt die hier unten oder aufm Zimmer?“ frage ich, weil ich mir keinen Reim aus seiner Antwort machen kann.
 
„Aufm Zimmer. Der alte Schnarchsack liegt mit seiner noch im Bett. Meine Kleine ist gleich ins Badezimmer. Das hat mir zu lange gedauert. Deswegen bin ich noch mal runtergekommen. Die soll sich bloß nicht einbilden, dass ich auf sie warte. Der zeig ich gleich von Anfang an, wo’s bei mir langgeht. Die soll sich bloss nicht einbilden, dass ich warte, bis sie ausgepullert hat.“ klärt Wilhelm uns vorläufig auf.
 
OK, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Mal sehen, wie es weitergeht. Die Zeit rinnt dahin. Unsere Gespräche werden immer schlüpfriger, die Witze immer erwachsener. Der Flur wird im Schichtdienst im Auge behalten, damit wir ja nicht verpassen, falls sich Hans oder eines von den zwei Mädels oben auf dem Zimmer davonschleicht. Nach einer halben Stunde etwa sagt unser Kölsche Jung in einem ganz fürsorglich klingenden Ton:
 
„Du Wilhelm. Geh mal hoch und schau nach, was der Hans macht.“
 
Der schaut auf seine Uhr, wundert sich selber, wie viel Zeit schon vergangen ist, springt auf und rennt die Treppen hoch. Bei uns am Tisch hat die Spekulation Hochkonjunktur. Wie geht’s jetzt weiter? Solange pullert doch keine Hure von der Strasse. Warum ist die Susi nicht einfach abgehauen? Warum kommt Hans nicht herunter? Er weiß ja, dass er das Bett freimachen soll, wenn der Wilhelm kommt.
 
Nach ungefähr 10 Minuten rauscht der Disco-Engel durch den Flur. Sie scheint das Hotel nicht zu verlassen, denn aus Richtung  Rezeption hören wir eine laut zeternde Frauenstimme, die total empört auf jemanden einredet. Meine Holde und die anderen Mädels fordern uns auf, mal ruhig zu sein. Sie lauschen angestrengt, manchmal von einem Prusten hinter vorgehaltener Hand unterbrochen.
 
„Was ist los? Nu rückt schon raus damit!“ lassen wir uns nicht länger auf die Folter spannen.
 
„panhaa“, Problem
 
kommt die kichernde Antwort. Wilhelm, Hans und seine „Full Metal Jacket“ kommen auch. Die letztere redet kurz mit ihrer Freundin, die auf bayrische Finanzhilfe zum Hausbau besteht, und verschwindet. Sie ist in unerklärlicher Eile.
 
Wilhelm sieht echt sauer aus, würdigt Hans keines Blickes und sie nehmen weit voneinander entfernt an unserem Tisch platz. Hans ist in seine eigene Welt abgetaucht, sieht aber gar nicht unzufrieden dabei aus. Wilhelm explodiert:
 
„Ich glaub es nicht! Geh ins Zimmer und da liegt der Hans mit beiden Mädels im Bett. Alle pudelnackt und der alte Gockel fummelt an beiden rum.“
 
Wir stehen fast wie verabredet auf, erheben unsere Gläser und singen:
 
„Happy birthday...lieber Hans. So ein Tag, so wunderschön wie heute.“
 
Der blickt verschämt auf, so, als ob er sich über sich selber wundert. Seine Augen auf sehnsuchtsvolle Fernsicht gestellt.
 
Wilhelm poltert laut weiter. Hätte er besser nicht getan, denn sein Rauschengel steht plötzlich am Tisch und knallt ihm die übelsten Isaan-Schimpfworte um den Latz. Unsere mittlerweile auch etwas angeheiterten Mädels kichern vor sich hin, nachdem sie den ersten Schock über diese Sprache verloren haben. Die Disco-Susi steigert sich immer mehr in Rage, zieht vorne ihr Top hoch und sagt in gar nicht schlechtem Englisch:
 
„Glaubst du etwa, dass ich so einem alten stinkenden Sack wie dir erlauben würde, meine wundervollen *Brüste* ohne Bezahle anzufassen?“
 
Wir klatschen Beifall für den eintrittsfreien Strip Tease. Ein Jodeln und Juchzen geht durch die Zuschauerschaft. Die Mädels rufen freudestrahlend: „Ui“ und „oy oy“. Die Band verspielt sich fürchterlich. Das gesamte Personal bleibt wie angenagelt gerade dort stehen, wo es sich gerade befindet. Gäste werden im Augenblick nicht bedient. Wilhelm der Stasiknecht brüllt zurück:
 
„Halt deine dumme Fresse, du blöde !“
 
und noch vieles mehr. Schließlich kommt die Managerin des Hotels, begleitet von zwei Security Thaimännern, und Wilhelms Eroberung wird zum Ausgang begleitet. Wir werden mit dem Blick einer strafenden Mutter bedacht. Jetzt hat sie wohl auch mit uns endgültig die Geduld verloren.
 
Wir glauben, dass damit alles gegessen ist und wollen nun wissen, was denn da oben auf dem Zimmer wirklich vorgefallen ist. Die Band macht eine Pause. Das Personal muss weiterarbeiten.
 
„Der ist ausgerastet, hat die Klamotten seines Mädels auf den Gang geworfen, hat trotzdem an ihren Tuddeln gespielt und sie nackisch wie sie war vor die Türe gesetzt.“
 
sagt Hans wie ein Bub, dem jemand das Spielzeug weggenommen hat.
 
„Warum wohl, du alter Affe? Haste da nich was vergessen? Meinste etwa, ich lass mich von so einer beklauen? Ich nehm’ dir echt übel, dass du das fast zugelassen hast.“
 
kommt Wilhelm’s Retourkutsche.
 
„Moment, Moment, von vorne bitte!“ sagt Radio West-Berlin und tut uns allen einen Gefallen damit, denn die Geschichte scheint verworrener zu sein, als wir in unserer Unschuld glauben. So nach und nach können wir uns ein Bild machen.
 
Also, der Wilhelm ist rauf und platzt in den ersten flotten Dreier seines brandenburgischen Bettgenossen. Beide sagen übereinstimmend: kein Problem. Im Gegenteil, Wilhelm machte Anstallten, mitzumischen und fummelte an seiner Susi gleich rum.
 
Man stelle sich mal diesen Vierer vor. Ein Macho-Stasi-Metzger, dessen verbrannte Haut sich auf seinem Bauch kringelt, ein schüchterner und leidend verwitweter ehemaliger DDR-Untertan, ein „Full Metal Jacket“ made in Thailand und ein offensichtlich erfahrenes „streetwise“ Girl, der es egal ist, wer gerade an ihr rumfummelt, Hauptsache die Toleranz-Löhnung stimmt, welche Wilhelm jedoch verweigert, denn SIE hätte ihn ja schliesslich aufgegabelt und nicht ER sie.
 
Letztere schickt aber den Wilhelm taktisch hinterhältig umgehend unter die Dusche. Der beeilt sich. Als er aus dem Badezimmer kommt, sieht er wie sein Rauschengel im Evakostüm in seiner Jackettinnentasche rummacht. Seine von Hans schon beschriebene Rausschmissaktion folgt auf dem Fuße.
 
Unsere Reaktion ist zwiespältig. Beklauen gilt nicht. Auch wenn der Beklaute ein Mielke-Fan ist.
 
„Fehlt dir denn was?“ frage ich vorsichtshalber um den Schaden abschätzen zu können.
 
„Nein, nichts. Aber die hatte meinen Pass schon in der Hand und hat ihn aufmerksam studiert. Was geht die an, wer ich bin?“
 
antwortet Wilhelm, als fühlte ER sich zur Abwechslung verfolgt und bespitzelt. Wir sind fast zufrieden. Aber nur fast. Wilhelm hat seine Abreibung bekommen. Ein streetwise Girl hat ihn mal gehörig bei den Hörnern gepackt und ihm gezeigt, wo es wirklich lang geht. Hans hat das erste mal in seinem Leben einen Blick in seine völlig verschütteten sexuellen Phantasien werfen können. Erfüllung inbegriffen.
 
Trotzdem. Hier stimmt was nicht. Nicht, dass wir den beiden unterstellen, sie flunkern. Nein. Es besteht der Verdacht, dass ihre beschränkte Sicht der Dinge nicht den vollen Umfang der Wahrheit erkennt. Die Kleine von der Strasse wäre ja schön blöd, einfach so als Hobby unter den Augen von Leuten in fremden Taschen zu stöbern. Die hatte einen Grund. Irgendwas hat sie missverstanden.
 
Kein Wunder, denn „Farang-Jörman-East speak no English.“ Das hat sie wahrscheinlich nicht geschnallt und, mal andersrum, geglaubt, dass ihr Freier sie versteht. Eine verdrehte Welt.
 
Wie viele Farangs sind überzeugt, verstanden zu werden, weil ihre auserkorene in Patty immer freundlich nickt? Der Wilhelm wollte sich wahrscheinlich keine Blöße geben, als sie an der Marine Disco mit ihm sprach. Wahrscheinlich hat er instinktiv gemerkt, dass es nicht gut ist, sich als Ossi zu outen. Hat einfach so getan, als wenn er alles versteht und dabei einige male zu oft genickt, als sie ihm ihre Bedingungen nannte. Umgekehrte Rollen. Er kann froh sein, dass sein Anbaggergespräch nicht vor einem Autosalon oder Goldgeschäft stattfand.
 
Ich ahne Schlimmes. Die hat nicht nach Geld gesucht, sondern nach seinem Namen. Ich frage meine Holde, was sie denn so von dem Gezeter an der Rezeption mitbekommen hätte.
 
„She says, she will take care he goes to kuck.“ antwortet mein nicht mehr ganz volles „full metal jacket“ in unserer eigenen individuellen Mischung von Englisch und Thai. „kuck“ bedeutet Knast.
 
Einige haben genug und wollen bezahlen. Ich mache den Vorschlag, noch einen Augenblick zu bleiben. Da kommt noch was. Noch heute und zwar bald.
Ich sehe sie schon vor mir, wie sie in einer nicht weit entfernten Polizeistation ihre Uniformen zurechtzupfen, eventuell die Helme aufsetzen, sich halt für eine offizielle Diensthandlung bereit machen ...
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 01. August 2009, 13:39:07
Teil VIII, Kommunist Buddha
 
„Ja, die Polizei in Pattaya. Nicht zu verwechseln mit gleichgeschalteten Klonen. Die haben alle ihre individuellen Eigenschaften. Sie sind unterbezahlte Familienväter auf der permanenten Suche nach einem Nebenverdienst, geile Singles mit dem Drang zu einer Bonus-Nummer, manchmal Freund und Helfer, ein anderes mal hinterhältige Lumpen, sogar faszinierte Beobachter und Lipo-Trinker an einer Bierbar, mit denen man philosophieren kann.
 
Sie lieben die Einsätze, die durch Farangs ausgelöst werden, spielen dann, von westlichen Schauspielern unerreicht, die besonders Coolen, Hollywood reif. Sie können sauer werden oder ansteckend lachen. Während des Sonkrans lassen sie die besonders gehässigen Wasser- und Puderangriffe stoisch über sich ergehen.
 
Ihnen wird in der Thaigesellschaft genauso viel Respekt entgegen gebracht, wie den vielen Buddhas (Mönchen). Nur, man geht ihnen lieber aus dem Wege. Kann keine religiösen Verdienste fürs nächste Leben erringen, indem man ihnen Gaben übergibt. Aber für das jetzige Leben schon. Kleine oder große „freiwillige“ Aufmerksamkeiten bewirken ein jetziges Leben in Frieden oder, eigentlich unerlaubt, an den Gesetzen vorbei.
 
Ihre Uniformen sind maßgeschneidert und immer adrett. Die jüngeren und unteren Chargen sind meist gut gebaut, unwiderstehliche Traummänner. So manche Pattaya-Holde zählt einen von ihnen zu ihrem geheimen Freund, unsichtbar für den verliebten Urlaubsromantiker während seiner paar Wochen im Paradies und in Ewigkeit vor dem europäischen Ehemann verborgen, der glaubt, den kranken Schwiegervater mit seinen Dollars zu heilen. Oft bessert er nämlich das Gehalt der Polizei auf. Der unsichtbare Draht zur Exekutive gibt ihr nämlich eine gewisse Sicherheit in der unsicheren und unberechenbaren Welt und Gesellschaft der Farangs.

Manch Schultersternträger macht aus seinem Beruf eine Berufung. Anfang der 90ziger verloren einige chinesische Paten zwischen Pattaya und Chonburi ihre Lebensfreude, weil ein Polizeipräsident seine Aufgabe als Sheriff ernst nahm, mussten einsehen, dass nicht jeder Polizeipräsident seinen Preis hat. Den Namen dieses Chonburi Polizei-Präsidenten habe ich leider vergessen. Er wurde irgendwann wegbefördert.
 
So brachten sie sich vorsichtshalber selber gegenseitig um, nämlich frei nach dem Taksin Motto: „Better to die than to live like a loser“, (Zitat: Bangkok Post). Pickups mit bewaffneten Profis auf der Ladefläche, spezialisiert auf Gestallten, die in fahrenden Objekten sitzen, sorgten Anfang der 90ziger auf der Sukhumvit-Landstrasse Bangkok-Chonburi-Pattaya für kurzweilige Wild-West-Unterhaltung. Über die Jahre wurde das hinterlassene kriminelle Vakuum  wieder gefüllt, aber die Macht wurde breiter gestreut und verlor damit an konzentrierter Kraft. Die geballte Macht einiger weniger verteilte sich auf viele kleine Möchtegerns.
 
Ja, es stimmt. Zu dieser Zeit, in der diese Geschichte spielt (August 1991), gibt es eine Thai-Bewegung und ehrlich gemeinte Motivation, zumindest in der Eastern Region, für Ordnung zu sorgen, vor der eigenen Türe zu kehren. Mir wird beim Schreiben ganz warm ums Herze, wenn ich daran denke.
Wer die Versuche des Thailand-Chefs Thaksin verfolgt, wie er die Probleme seines Landes durch eine erzwungene moralische Komponente zu lösen versuchte, der könnte zu dem Schluss kommen, dass der dem Model Singapur nacheiferte. Allerdings scheint er etwas wichtiges zu vergessen zu haben. In Singapur gibt es eine vorbildliche Infrastruktur, Schulen, Krankenversorgung, korrekte Staatsbeamte und relativ hohe Rechtssicherheit. Die Korruption ist zumindest nicht bei oberflächlicher Betrachtungsweise sichtbar.
 
Wilhelm hat sich fast wieder beruhigt und macht Anstallten, wieder auf die Rolle zu gehen. Ich halte ihn mit einem Freibier davon ab, denn ich bin heute Abend in einer Hellseher-Phase. Die anderen werden auch unruhig.
 
Dann kommt es, wie es kommen muss. Vier gutgekleidete Herren, mit maßgeschneiderten braunen Uniformen  lugen noch zögernd um die Ecke.

Nur vier? Das kenn ich aber anders. Ist  schließlich ein Farang-Auftrag. In den Genuss wollen normalerweise mehr als nur vier Polizisten gleichzeitig kommen.

Mir geht der Heinz aus der Sunshine Bar durch den Kopf. Er war Nachbar eines schwulen Schweizers mit Dackel in der Garden Villa. Dieses Hündchen war sehr mitteilungsbedürftig und konnte das Maul nicht halten. Heinz hatte seinen freien Tag und genoss sein Bier auf der Veranda. Nach einiger Zeit ist er ausgerastet und schmiss die leere Bierflasche nach dem kläffenden Viech. Unser einziger Schwuler im Dorf „Garden Villa“ fühlte sich persönlich angegriffen, denn Polterabend ist in Thailand unüblich, außerdem nur eine Hetero Angelegenheit. Er stürmte heraus und beschimpfte Heinz in seiner von anderen Gelegenheiten her bekannten cholerischen Art. Dabei wich er wie immer vom Thema ab. Mit voller Lautstärke auf Hochdeutsch. Das halbe „Dorf“ durfte mithören:

„Wie blöd seid ihr eigentlich? Behängt eure Weiber mit Gold bis zum Geht-Nicht-Mehr und wenn sie euch dann fortlaufen, seid ihr das reine Jammern. Ihr seid doch keine Männer.“

Das Eheweib vom Heinz, die früher in derr Schweizer Bier Bar "Peter Bar" (heute Swiss Bar) gearbeitet hatte, kam nun auch heraus. Sie war vor 14 Tagen wieder einmal ausgezogen, was wir durch die mit ihren Klamotten gefüllten Plastiktüten vor der Türe und einigem begleitenden Zetern am Vorabend schlossen. Sie kam aber genau nach einer Woche mit den gleichen Plastiktüten wieder zurück. Sie wollte gerade was sagen, als ihr Heinz nur halb so laut zuvorkam:

„Stell den Hund ab, dann fliegen auch keine Flaschen.“

„Ihr seid nicht nur bescheuert mit euren Weibern, ihr seid auch den ganzen Tag besoffen und wollt meinen lieben Hund umbringen.“ brüllte der zurück.

Dann ging es lautstark weiter, ab und zu von einer schrillen Frauenstimme unterstützt, damit der Dreiklang aufrecht erhalten blieb. Der 18-jährige Lieblingsjüngling unseres Schweizers suchte vorsichtshalber auf seinem Moped das Weite. Als Thai wusste er, dass die „Braunen“ bald zur Stelle sind, wenn das so weiter geht, denn eine alleinstehende Schweizer Nachbarin in den Fuffzigern war berühmt dafür, jegliche Art von Ruhestörung mit einem Anruf an die Exekutive zu ahnden, denn auf diese Jungs war sie echt geil. Plötzlich war Ruhe.

Nach einer halben Stunde ging das Gebrülle weiter. Acht Polizisten standen als schweigende Mehrheit vor den beiden Grundstücken und versuchten, sich einen Reim zu machen. Heinz machte schnell eine Hochrechnung, gab jedem einen Hunderter als Entschuldigung für seinen Beitrag an der Lärmbelästigung, und die Sache war erledigt. Aber nicht ohne heimlich an Rache zu denken.´

An dieser Stelle möchte ich ein kleines Intermezzo mit dem Titel: „der Lauf der Zeit“, einfügen. Unser Schweizer Schwuler ist an Aids verreckt, sein Hund ist eines natürlichen Todes gestorben. Heinz hat eine Flasche „Black“ zu viel getrunken, seine Leber versagte. Seine Holde ist für immer aus Pattaya verschwunden. Was aus den einzelnen Polizisten geworden ist, weiß ich nicht. Die sehen alle so gleich aus. Mein Haus in der Garden Villa ist schon längst günstig verkauft.

Plötzlich kommt die Disco Fee immer noch wutentbrannt herangerast, zeigt mit dem Finger auf Wilhelm und sagt: „das isser“, auf Thai...
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: khun mai ru am 01. August 2009, 17:33:56
...das isser...! (und nu ??)

@Profuuu - Auch was die Dramatugie betrifft würde ich eher sagen: "Profiii"  :)

mfg kmr

Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 02. August 2009, 04:02:13
Die Auflösung wird nicht lange auf sich warten lassen...  :P
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 08. August 2009, 03:59:45
Kommunist  Buddha

Teil IX
 
Einen der Polizisten kenne ich. Er bleibt etwas schmunzelnd im Hintergrund. Durch Zufall saß ich mal im Bar Komplex am Sabai Land neben ihm. Wir kamen ins Gespräch, ich gab ihm eine Lipo aus und er bestand darauf, mir einen Black Nam zu bezahlen. Als er ging, beglich er die Rechnung, auch die Drinks, die ich vorher hatte. Damals habe ich mir tierisch was darauf eingebildet.
 
Ein anderer fummelt an seinem mit Statik knackendem Walkie Talkie herum. Der Dritte baut sich furchterregend auf und der Chef von der Truppe spricht Wilhelm auf Englisch an:
 
„Tell me what happened.“ (Erzähl mir, was passiert ist)
 
Der will gerade auf russisch antworten, da er die vermeintlich in Thaisprache geäusserte Frage nicht versteht. Man ist ja schließlich im Ausland. Da muss man eine Fremdsprache benutzen. Besinnt sich dann aber einfach auf seine deutsche Sprache.
 
Von uns übersetzt erzählt er seine Version der Story. Sie hätte ihn beklauen wollen, seinen deutschen Pass mit ihren Eingeborenenfingern beschmutzt, wäre untreu gewesen und übrigens freiwillig mitgekommen. Von Bezahle wäre keine Rede gewesen. Sowas hätte er nicht nötig. Sie sei nur eine blöde und er verstehe nicht, warum sich vier Polizisten um solch einen kümmern würden.
 
Das letztere und ein paar unwesentliche Einzelheiten haben wir nicht auf Englisch übersetzt, auch unsere Mädels nicht in Thai. Gutes Team.
 
Das sei alles Quatsch, erfunden von einem alten stinkenden Bock. Er habe ihr 1000 Baht für Short Time versprochen, sie hierher gelockt, wollte dann nicht zahlen, woraufhin sie seinen Duschaufenthalt dazu benutzte, vorsichtshalber seine Personalien festzustellen. Deswegen der Griff in sein Jackett.
 
Ihr Verdienstausfall, sie hätte ja ihren Arbeitsplatz an der Bar verlassen, sei jetzt schon unermesslich und außerdem, das sei überhaupt seine größte kriminelle Straftat, hätte er ihren Schlüpfer geklaut, denn der war nicht bei ihrer Wäsche, die er auf den Gang geworfen hatte, dabei gewesen. Den solle er jetzt ruhig behalten, sich einen damit runterholen „tschak wau“, aber sie wolle ihn ersetzt haben, da er nicht billig war. Mit 1500 Baht wäre sie zufrieden.
 
Dies alles wird mir von meiner Holden übersetzt. Wir müssen lachen, stellen sie uns in unserer sexuellen Phantasie ohne Höschen vor und möchten sie im Grunde genommen alle auf der Stelle vernaschen. Nüchtern ist keiner mehr. Ich habe einen Flash Back. Fühle mich wieder an das ungelöste Rätsel erinnert. Wie an anderer Stelle in meinem Bericht über meinen ersten Thailandaufenthalt erwähnt, wusste ich ja schon, wie wichtig die Höschen für ein Thaimädel sind, besonders nachts im Schlaf. Da läuft sie hautvertraut mit mir den ganzen Tag nackisch in der Wohnung rum, bei der „Arbeit“ sowieso und wenn das Gutenachtbussi kommt, zieht sie sich wenigsten den Schlüpfer wieder an. Mir wird das ewig ein Rätsel bleiben.  
 
Der Chef schreibt irgendwas mit. Sehr langsam und bedächtig. Man sieht, wie es in ihm arbeitet. Was soll er bloß aus dieser Geschichte machen? Geklauter Schlüpfer, aha, und unerlaubte Einsicht eines Eingeborenen in einen heiligen deutschen Pass deutscher Nationen.
 
Der Notizblock des verbeamteten „Verhörers“ verwandelt sich zum Taschenrechner auf dem er den Betrag ermittelt, der nötig ist um zusammen mit seinen Kumpels nach Dienstschluss mal wieder so richtig einen zu saufen und den Weibern an die Tuddeln zu gehen, wie Hans sagen würde.
 
Mein bekannter Polizist kann seinen Frohsinn kaum verbergen. Durch meine Gespräche mit ihm weiß ich, dass er über den Dingen steht und in diesem Fall nur eine willkommene Unterbrechung seines manchmal viel zu langweiligen Alltags sieht. Für ihn stehen wir Touristen und die Mädels auf der Bühne des Komödienstadels. Er hat ein Jahresabo in der ersten Reihe mit automatischer Verlängerung. Fehlt nur noch, dass er Beifall klatscht.
 
Die Diskussion wird immer heißer. Wir beschwichtigen. So weit geht unsere Rache an unserem Mielke Fan nun doch wieder nicht. Ich sinne die ganze Zeit nach einer Lösung. Stehe auf und gehe in Richtung Hong Nam. Auf dem Rückweg schaffe ich es ohne Aufsehen, mich zu meinem bekannten Uniformträger etwas abseits vom Verhör zu gesellen.
 
„What do you think is the best solution to end this joke?“ (was glaubst du wohl, was die beste Lösung für Beendigung dieses Kommödienstadel ist?)
 
frage ich ihn. Er lacht und sagt ganz verschmitzt, dass eigentlich er Eintrittsgeld für diese Kommödie bezahlen müsse. Nennt aber sogleich die Summe, die alles regeln könnte. 500 Baht für die Einzelgängerin, damit sie Ruhe gibt und 800 für die Kegelkasse. Mir kommt das zu hoch vor und versuche ihn auf 500 runterzuhandeln. Der Wilhelm sei ja nur ein Farang-East-Germany. Er besteht letztendlich auf 600 Baht für die Polizei, da sie ja nicht weniger oder gleichviel wie das Mädel erhalten dürften. Ich erkundige mich vorsichtshalber, wie die Übergabe stattfinden soll und höre das erste mal in meinem Leben den Satz:
 
Khun Farang-Thai, djin djin. Frei übersetzt: du denkst als Ausländer wie ein Thai, soviel steht fest. Auch das habe ich einmal als Kompliment gesehen. Aber diese Tage sind schon lange gezählt. Damals gehörte Gebauchgepinseltwerden noch zur aufrichtigen Bestätigung der eigenen Überlegenheit und Besonderheit. Sie war ja schliesslich berechtigt, oder? Entschuldigung, wir haben ja alle mal irgendwie ähnlich in Thailand angefangen.  
 
Später haben wir zusammen so einige Lipos im Dienst zusammen getrunken und manchmal auch ein Bier auf meiner Veranda in der Garden Villa. Seine Familiengeschichte ist sehr interessant, aber das ist eine andere Story.
 
Ich setze mich wieder hin und die anderen wundern sich, was ich denn mit einem der Polizisten gemauschelt habe. Meine Holde ahnt es.
 
Der wendet sich an seinen Chef und spricht leise mit ihm. Ich erkläre Wilhelm, dass er mit 1100 Baht verhindern könne, die Polizeiwache oder auch die Sammelzelle in Pattaya von innen zu betrachten. Dort dürfe er dann in stickig feuchter Hitze die Nacht mit anderen zwielichten Gestallten, meistens Thais, verbringen.
 
Wenn es dann sogar noch zu einer Anzeige wegen Schlüpferdiebstahls käme, wäre der Betrag, der seine Susi davon überzeugen würde, die Anzeige zurückzuziehen, wesentlich höher. Und aus einer Nacht würden mehrere Tage, da sie sich mit ihrer Entscheidung, auch wenn sie mit der Summe schon längst einverstanden wäre, aus lauter Rache Zeit lassen würde.
 
Wilhelm platzt fast. Aber da er die Stasivergangenheit noch frisch im Sinn hat und weiss, dass er die Thaipolizei vermutlich nicht mit zarten Rinderfilets bestechen kann, weiß er, was es heißen kann, in die Fänge einer Staatsmacht zu geraten. Dazu noch in die eines unbekannten Regimes. Sein Ego wirkt ganz schön angekratzt. Seine Körpersprache verrät es. Die Luft aus der Brust ist raus und sein Bauch darf sich endlich mal so zurechtlegen, wie er es schon immer wollte. Seine Wangen fallen runter wie bei einem Dackel.
 
Wie verabredet, nicke ich meinem neuen Freund zu und Wilhelm begibt sich völlig geknickt, begleitet von der Exekutive, zur Rezeption und fragt nach dem Inhalt seiner Safety Box. Er hat nicht wenig Cash dabei, denn er ist mit Traveller Checks oder Plastik noch nicht so vertraut. Er übergibt dem Chef 1100 Baht und erhält sogar eine Quittung, die bei uns aus einem Wirtshaus stammen könnte, damit alles offiziell aussieht. Die Disco Susi, die die ganze Zeit daneben stand und die Unmengen von Cash sah, sagt sich: ich Dummkopf. Hätte ich es cleverer angegangen, könnte ich mir glatt ein Moped kaufen. Die gab es damals für 26,000 Baht.
 
Später erfuhr ich, dass sie nur 300 Baht aus dem Batzen erhielt. Die Kameradschaftstruppe hatte offensichtlich genau berechnete Pläne für den Dienstschluss.
 
Wilhelm heißt ab jetzt nur noch Mielke. Jedoch ein Mielke, der noch mal soeben dem Knast entgangen ist. Fast hätte er gesagt: „Ich liebe euch doch alle“, weil wir ihn vor der Zelle gerettet haben. Wir wundern uns selber über unsere plötzliche Nachsicht mit ihm, aber jeder weiss im tiefsten Innersten, warum. Vor den Braunen in Pattaya zeigen wir Wessis Solidarität mit den Ossis, auch wenn sie Mielke-Knechte waren Wir waren eine gute Truppe.  
 
Die Nacht ist noch lang und wir brechen auf. Meine Holde und ich seilen uns ab, nehmen ein Baht Taxi, fahren bis zur verkehrsberuhigten Zone vor und schlendern durch Süd-Pattaya. 10Baht für uns beide, da meine Göttergattin bezahlt.

Als wenn es der absolute Polizistenabend werden soll, sehe ich Reinhard (Name geändert) in seiner Lieblingsbar. Er ruft uns herein und fragt sofort, was wir trinken möchten. Reinhard ist ein body building Typ mit einem gestählten Körper und ein Motorrad Fan.
 
Rückblick: Ich habe ihn als Manager der kleinen Restaurant-Bar am Swimming Pool der Garden Villa kennengelernt. Dazu gehörte ein Trakt mit Einzelzimmern, die auch für Short Time von den Bedienungen genutzt wurden. Für mich als Bewohner der Anlage natürlich unerreichbar. Meine Frau hätte ihr Gesicht verloren und ich, was Männlein und Weiblein unterscheidet. Nachdem er pleite ging, wie man sagte, wurde der Laden nie wieder eröffnet, der Swimming Pool eine Zeit lang nicht mehr betreut, sodass er ziemlich versiffte.
 
Aber wir verloren uns nicht aus den Augen. Manchmal kam er mit seiner Harley bei mir vorbei. Immer telefonisch angekündigt. Bei diesen Gelegenheiten fragte er vorsichtig, ob ich davon gehört hätte, ob mein holländischer Nachbar in Drogengeschäfte verwickelt sei. Nein, hatte ich nicht. Einmal zog er eine Tüte mit Thai-Stick (pures Thai Haschisch) aus der Satteltasche, pulverisiertes Dope. Mindestens 100 Gramm, prall gefüllt.
 
„Für dich, ein Geschenk, kannste behalten, aber eine rauchen wir gleich jetzt.“
 
sagte er und legte sie in Reichweite auf den Steintisch auf meiner Veranda. Ich hatte einen Hang Over von der letzten Nacht und wusste, das Zeug tut mir jetzt nicht gut. Es hat mich über zwanzig Minuten Ablehnungskünste gekostet, ehe er aufgab. Und, obwohl gewohnt aus Schüler- und Studentenzeiten und auch gelegentlich heute nicht abgeneigt, verweigerte ich die Annahme der Tüte, holte mir ein Bier aus dem Kühlschrank und pflegte meinen Affen, den ich mir am Vorabend eingefangen hatte, auf die sanfte Art und Weise.
 
Reinhard versuchte es nie mehr wieder, aber wir begeisterten uns gegenseitig von Zeit zu Zeit an philosophischen Gesprächen, die es in sich hatten, denn er hatte einen Fundus von Wissen, welches vielleicht vorhandene Voreingenommenheit gegen Body Builder vergessen ließ. Er war eine faszinierende Persom.
 
Als wir durch die Walking Street pattern und rechts eine schmale Bar passieren, sehen wir Reinhard in seiner Lieblingsbar von halbseidenen Farangs aus der Szene umringt und mir scheint, dass er hofiert wird. Wir kehren ein und albern ein wenig rum. Die halbseidenen Gesellen, wissen nicht, was sie von mir halten sollen. Ich gehöre nicht zu ihrem Kreis. Als einer von ihnen meine Frau unanständig anmacht, packt ihn Reinhard mit eisernem Griff am Kinn, bis seine Lippen einen Entenschnabel formen und ermahnt ihn zu einer gewählteren Wortwahl. Als wir gehen, erlaubt er mir nicht zu zahlen.
 
Eines Tages sah ich ihn im Dong Muang Airport Bangkok mit einem Walkie Talkie in seiner Hand. Er tat so, als ob er mich nicht sähe. Wie sich heraus stellte, war er ein undercover Agent der deutschen Drogenpolizei. Einer von denen, die sich mit Freuden in die Szene stürzen, nichts sinnliches auslassen, mit der Entschuldigung, dass sie ja alle Schweinereinen mitmachen müssen, damit sie nicht enttarnt werden.
 
Im Flugzeug wurde mir heiß. Was wäre passiert, wenn ich die Tüte Thai Stick angenommen hätte? Meinem holländischen Nachbarn (grosser Fisch) konnte nie was angehängt werden, aber er verließ Thailand freiwillig. Zu viel Stress und aus reiner Vorsicht.
 
Ich wäre wahrscheinlich das kleine Erfolgserlebnis gewesen, ohne den ein Zivilfahnder im Paradies wegen fehlendem großen Wurf den Rückruf in die triste Heimat riskiert. Am nächsten Tag wäre wahrscheinlich die Polizei in meinem Hause gewesen, hätte alles auf den Kopf gestellt und mir die Tüte als Beweis vor die Nase gehalten. Oh Mann, 100 Gramm, mir wird immer noch schlecht, wenn ich heute daran denke. Die fehlende Gier und mein Kater haben mich noch einmal vor Schlimmeren bewahrt. Ich liebe Black Naam und das Bier am Morgen zur Erholung und bin ihm zu Dank verpflichtet.
 
Als ich einmal später nach Reinhard fragte, da ich ihn lange nicht mehr gesehen hatte, wurde mir erzählt, dass er auf der Sukhumvit motorradfahrend von einem LKW plattgemacht worden sei. Aber auch das mag zu seiner Legende gehören. Ich habe ihn nie wieder gesehen. Vermutlich geht er irgendeinem langweiligen Job ib Deutschalnd nach.Rückblick Ende
 
Meine Holde und ich begeben uns zur Karussellbar in der Soi Diamond, trinken und schwätzen mit den Mädels, bis uns schwindelig wird. Als der Antriebsmotor mal kurzzeitig den Geist aufgibt, was ab und zu einfach passiert, das Kurussel ruckartig stehenbleibt, fällt ein Farang mit elegantem Schwung vom Hocker. Nichts passiert, da der Alkohol eventuell verkrampfte Muskeln schon entspannt hat. Er fällt wie eine Katze. Wir heben ihn auf, helfen ihm wieder auf den Hocker und er trinkt munter weiter ohne sich zu schämen. Das ist die richtige Einstellung.  
 
Nach einer Nudelsuppe geht’s zurück Richtung Hotel. Wir nehmen uns vor, am nächsten Tag der Hotel Managerin einen Blumenstrauß zu kaufen. Haben wir auch getan. Sie hat sich riesig gefreut und unsere infantilen Späße mit Mielke waren auf der Stelle und für immer vergessen, obwohl sie die Polizei im Hause hatte. Als wir am Barkomplex der Soi 2 am Sabai Land vorbeifahren, darf ich die Klingel im Baht Taxi nicht drücken. Sperrstunde, hat meine persönliche Regierung beschlossen.
Wir befinden uns im Jahre 1991 und es ist 2:00 Uhr nachts. Später unter Taksin wurde diese Sperrstunde höchstamtlich verordnet.

Die Mädels in Patty stellen die Zusatzfrage nach East oder West schon lange nicht mehr, wenn sie erfahren, dass ihr potentieller Versorger aus Deutschland kommt. Ihre geografische und politische Bildung hat in den letzten Jahren sehr gelitten. Ein Professor wird es schwer haben, heutzutage eine geografisch gebildete Intelligenznummer zu finden  
Den Kommunisten Buddha Willhelm haben wir nie wieder gesehen. Hans der ehemalsche trauernde DDR-Witwer wurde einer von uns. Eine echte Bereicherung für unsere Truppe. Unser bayrischer Pensionist entschied sich, permanente Partnerschaften, die ja doch nur zu unverschämten Forderungen zum Häuslebauen führen zu meiden, seine  ehemalige Langzeitfreundin häkelte daraufhin recht erfolgreich hinter verschiedenen Bierbartresen. So ein Mädel mit solch handwerklichen Fähigkeiten im Sumpf der Sünde ist halt „anders“ kombinierten erfahrene Pattaya-Urlauber und schickten frohen Mutes regelmässig Geld in die Häkelstube.  Radio Berlin blieb locker wie immer, ein geborener Single halt, und unser Bundesligaschiedsrichter fand schliesslich wieder den Weg zurück zu seiner deutschen Frau und grillte fortan nur noch im trauten Familienkreise und Schrebergarten von Wanneeikel. Angeblich soll er noch jahrelang so manchesmal im Traum gelächelt haben. Eines Tages gab seine Frau es auf, ihn währenddessen zu wecken und ihn eifersüchtig zu fragen, von welcher Susi er denn gerade träume. Ab da soll die Ehe wieder glücklich gewesen sein.

Ich bin schon lange von meiner damaligen Flamme geschieden und bereue nichts. Wir hatten eine gute Zeit während der Wende.


Ende
               
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu - Loso in Bülach
Beitrag von: Profuuu am 16. August 2009, 20:30:44
Samstag, 15.8.2009

Loso war in Town. Dieses mal in der Stadhalle Bülach in der Schweiz. Er kreuzt so alle zwei Jahre hier in der Gegend auf.

Vorbei an der Security...

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Others1.jpg)

...an der obligatorischen Fresstheke...

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Others2.jpg)

...sahen wir schon die Mädels auf den Stühlen stehen

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Guests9.jpg)

 

Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 16. August 2009, 20:31:38
 8)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 16. August 2009, 20:31:56
 8)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu - Loso in Bülach
Beitrag von: Profuuu am 16. August 2009, 20:34:20
Loso und Band. Der Schlagzeuger ist ein farang.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Loso1.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Loso2.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Loso3.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Loso4.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Loso5.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Loso6.jpg)




Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 16. August 2009, 20:35:15
 8)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu - Loso in Bülach - die Gäste
Beitrag von: Profuuu am 16. August 2009, 21:44:55
Das Konzert war miserabel. Nicht, dass er sich verspielt hätte, aber es war null Pepp drin. Loso voll zugedröhnt. Einmal, als irgendwas mit dem Sound nicht stimmte, geriet er ausser sich, schmiss seine Gitarre hin und hechtete ins Publikum, wie man es von Punk-Konzerten her kennt.

Seine body guards wirkten nervös und sahen schon das Ende des Konzertes, holten ihn aber da raus und stellten ihn wieder gerade auf die Bühne hin. Wenn Loso weiter S.cheisse gebaut hätte, hätten sie ihn gleich von der Bühne getragen. Es ging noch mal gut.

Als Entschädigung für ein schlechtes Konzert, wanderte ich durch den Saal auf der Suche nach Fotomotiven. Das war eine leichte Übung, denn das gesamte Thai-Panoptikum war versammelt. Meine schwarze Spiegelreflex tat voll ihre Dienste. Mit der in der Hand sehe ich immer so "offiziell" aus. Alle Mädels und Jungs posierten von sich aus für den Herrn Fotografen, he he

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Guests5.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Guests6.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Guests7.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Guests8.jpg)



.        
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 16. August 2009, 21:45:40
 8)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 16. August 2009, 21:45:52
 8)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu - Loso in Bülach - die Gäste
Beitrag von: Profuuu am 16. August 2009, 21:51:16
Hier noch ein paar ganz spezielle VIPs...

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Guests1.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Guests3.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Guests4.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Guests2.jpg)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: markusz am 16. August 2009, 22:31:48
He he, da hat sich wohl halb Pattaya nach Bülach verlaufen...   ;D
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: thai.fun am 16. August 2009, 22:32:38
Hei Profuuu, Danke für die Bilder und Beschreibung des Konzerts. Auf einem Deiner Bilder ist die Ex-Frau meines Sohnes. Immer noch eine der schönsten Thaifrauen, wie so viele sagten. Sie Arbeitet im Konsulat in Zürich.
Wenn Du wissen möchtest welche, PN?

Gruss Max
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 16. August 2009, 23:01:42
@Markusz,
Ich war im Juli ganz kurz in Pattaya und muss sagen, dass in der Stadthalle Bülach mehr los war. Natürlich gab es auch ein paar ganz Liebe. Bei Loso-Konzerten isses halt immer so, dass die gesamte Züricher Szene auftaucht. Die Mädels verstellen sich dann nicht. Nix Madam und so. Dann wird wie in alten Tagen auf ihrer ehemaligen Arbeitsstelle einfach ohne jede Hemmungen abgehext.

@Thai.fun,
danke für das Angebot. Ich möchte dir empfehlen, keinem auch mir nicht, diese Info weiterzugeben. Die Mädels sollen anonym bleiben und ich will nicht der Auslöser für irgendwelche Unannehmlichkeiten für diese selben sein. Wenn jemand unter unseren Schweizer Forenkollegen eine erkennt, OK.

P.S.heute morgen habe ich eine Handvoll Zettel in meiner Hosentasche gefunden. Alles e-mail-Adressen mit der Bitte, Fotos zu schicken.  ;)     
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: thai.fun am 17. August 2009, 00:09:37
Wenn jemand unter unseren Schweizer Forenkollegen eine erkennt, OK.
Ja ich weiss, Du bist einiges Intelligenter als ich, daher versteh ich Dein Hinweis, "Sie" soll anonym bleiben gut, jedoch Deinen letzten Satz versteh ich nicht so recht? Widerspricht sich irgendwie?
Ich bin eine Schweizer Forenkollege und hab eine erkannt, was soll nun anders oder Ok sein?

MG
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 17. August 2009, 00:10:51
OK, ja, aber Einzelheiten besser für sich behalten.
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu -
Beitrag von: Profuuu am 17. August 2009, 10:51:35
In der Gaderobe gab Loso ein paar wenige Autogramme und weg war er.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Loso/Gaderobe1.jpg)


Danach ging es bis in der Früh ins "Thai Thai" an der Limmatstrasse in Zürich. Der Laden war rappeldicke voll. Aber das ist eine andere Geschichte.  8)

http://www.thaithaiclub.ch/ (http://www.thaithaiclub.ch/)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: astronaut007 am 17. August 2009, 10:59:28
profuuu, herzlichen Dank für den link thaithaiclub in meine wunderschöne Geburtsmetropole.
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Ozone am 17. August 2009, 11:14:17
Ein Konzertauschnitt aus Bülach.  grauenhaft :'(

http://www.youtube.com/watch?v=5dPkO3zf2i0


Es gibt irgendwo in Youtube noch ein Mitschnitt aus der Schweiz von früher, wo er stockverladen auf dem Sack landet. Mal schauen ob ichs finde. Der inhaliert womöglich zuviel Swiss-Indoor Kraut. :o
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: markusz am 17. August 2009, 15:22:56
...Nix Madam und so. Dann wird wie in alten Tagen auf ihrer ehemaligen Arbeitsstelle einfach ohne jede Hemmungen abgehext.

Es gibt auch andere Landsleute, die im Ausland an bestimmten Orten erst wieder so richtig auf Touren kommen, - siehe Ballermann 6 und so...!   ;D

Danke jedenfalls für die Bilder Profuuu, habe wieder mal herrlich schmunzeln können...  :D

Kennst Du die Tour-Liste von Loso?
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: farang am 17. August 2009, 16:08:44
[quote
Kennst Du die Tour-Liste von Loso?
[/quote]

Markusz
schau mal hier.

www.sekloso.net (http://www.sekloso.net)
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: namtok am 18. August 2009, 13:39:23
Einmal, als irgendwas mit dem Sound nicht stimmte, geriet er ausser sich, schmiss seine Gitarre hin und hechtete ins Publikum, wie man es von Punk-Konzerten her kennt.

Einen ähnlichen Stunt muss er vor etwa einem Jahr bei einem Konzert in Amiland schon mal hingelegt haben, das ging lange durch die Thaipresse , als er mitten im Konzert gegenüber seiner Crew handgreiflich wurde...  --C

Einen aus besseren Tagen...

SEK LOSO - Incredible Guitar Solo


http://www.youtube.com/watch?v=uYXfxXz1W1Y


 ...und eine flapsige Bemerkung zu den Foddos nebenbei  :-), die Thaimädels werden auch bei langem  Schweizaufenthalt  nicht schlanker....
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: max am 19. August 2009, 08:34:32
@profuuu,

Danke für deine Beiträge und manch pers. Hilfestellung! ;)

lg
max
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: WaltiTH am 27. August 2009, 21:08:37
guter Bericht, auf unseren Rockopi ist eben immer Verlass ....

er sieht ja wirklich zugedroehnt aus wenn man sich so mal die Augengegend betrachtet
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 28. August 2009, 00:53:47
Ein echter Rockn Roller wird nie Opi im Herzen und Hirn.

Biologisch schon. Mein Enkelsohn wird bald seine Lieblingsmucke entdecken. Da sein Vater nach mir kommt, weiß ich schon, was kommt, he he. Mein Enkel und ich als sein Opi werden sich wohl bald die Mucke gemeinsam reinziehen. Da freue ich mich schon drauf.  ;D   
Titel: Es war einmal in Saudi
Beitrag von: Profuuu am 25. Oktober 2009, 03:45:43
  Wir hatten ein Problem. Ein Problem mit unserer Corporation.

Das Innenministerium in Saudi Arabia hatte uns kontaktiert und nach einer Offerte für die Modernisierung ihres Computer Systems gefragt. Dieses enthält die Daten aller Mitbürger und Expats, Visa records aller Ein- und Ausreisenden, criminal records, Waffenbesitzer, eine Schiiten-Datenbank (denn sie könnten ja mal irgendwann zuschlagen), und die berühmte "black list".

Über letztere haben die Saudis mit mir oft rumgealbert, und mich des öfteren gefragt, ob ich geheime Rachegedanken gegen irgendjemand hege.  Andererseits haben sie mir im Spass damit gedroht, mich auf dieselbe zu setzen, falls ich nicht ab und zu eine Quelle für den allseits beliebten, weil verbotenen Alkohol aufmache.

Das Innenministerium war 3 Jahre lang mein Kunde und ich nahm freudestrahlend die Anfrage für eine Offerte entgegen. HW/SW und die Migration der Daten in eine moderne Datenbank waren so ungefähr USD 10Mio wert.

Aber meine Corporation sperrte sich. "Wir machen keine IT Deals mit Institutionen, die im Verdacht stehen, gegen die Menschenrechte zu verstossen." waren deren hehre Worte. Betreuen durften wir sie schon. Hier und dort eine kleinere "Main Frame" Installation. Aber nur zu "Trainings und Testzwecken." Die reinste Heuchelei.

Aber die Karotte hing an der Angel, mittlerweile genau vor der Nase unseres ach so moralisch gesinnten HQ's in den USA. USD 10Mio bei einer Profit-Marge von bis zu 70% sind ein unwiderstehliches Argument.

70% ? Ja, Das waren mal die Margen bei den "Main Frames." Da kommen jedem PC Händler die Tränen in die Augen heutzutage.

So kam es, dass hoher Besuch aus unserem HQ eintraf. Seine Aufgabe war, den Zweck dieses Deals so unschuldig zu formulieren, dass er bedenkenlos irgendwelche moralischen Prinzipien passieren konnte.

Ein schlanker, grauhaariger Gentlemen aus Texas, der mit den CEOs von Boing, Ford und Amex schon oft genug an irgendwelchen Hotel Bars einen durchgezogen hatte, stellte sich recht symphatisch bei uns vor. Ich kleines Licht durfte ihn in die Geheimnisse unseres Kunden einweihen.

Sein Aufenthalt in Saudi war zunächst für 6 Wochen geplant. Eine Ewigkeit in der Hölle, wie er mir schon am zweiten Tag gestand. Ihm ging dieses ganze Gehabe in der Öffentlichkeit gehörig auf den Geist. Geschäfte schliessen während der "Prayers Time." Unartige Kunden werden von den Motauwas per Stockhiebe auf die Unterschenkel hinausbegleitet, falls sie nicht freiwillig Folge leisten. Die meisten Saudi Damen liefen schwarz verschleiert umher. Damals allerdings die wenigsten noch mit absoluter Gesichtsverschleierung. Es gab keine Kneipen, kein Glas Wein zum Dinner, und an den Hotel Bars nur Saudi-Champagne. Sprudelwasser mit Apfelsaft gemischt und ein paar Minzeblättern darin.

Aber unser Spezie, nennen wir ihn Jack, wäre nicht in diese Position gelangt, ohne ein Schlitzohr zu sein.

Schon am zweiten Abend fragte er mich, wie ich denn wohne. Wie gross mein Apartment wäre und wie sturmfrei.

"Ich wohne hinter Mauern." War meine Antwort. "Die Villa ist zweistöckig mit etwa 200 Quadratmetern Wohnfläche. Vier Schlafzimmer, Pool vor der Türe."    

"Hast du auch eine Hausbar?" fragte er weiter. Ich wusste schon, worauf er hinaus wollte.

"Weisst du was? Warum kommste am Wochenende nicht zu mir und probierst mal unser selbstgebrautes. Wir setzen uns auf meine Veranda und schauen auf den Pool." machte ich ihm den Vorschlag.

"Hört sich gut an. Hättest du was gegen zwei weitere Gäste?" fragte er grinsend.

Ich hatte durchaus nichts dagegen. Solch ein hohes Tier in unserer Corporation hat sicher schon Verbindungen zum CIA hier in Saudi geknüpft, und ich stellte mir das recht interessant vor, mit solchen Hechten ein vergnügliches Gespräch bei mir zu Hause zu führen. Kontakte sind wichtig in der Fremde. Und wer weiss, wozu man sie in der Zukunft noch mal braucht.

Ich willigte also sofort ein, zeigte ihm in der Mittagspause "meine" Villa, damit er weiss, wo's lang geht (er bewertete sie als geeignet) und liess in froher Erwartung das Wochenende auf mich zukommen.

Ich gab ihm auch eine Ersatz-Remote-Control, mit der sich das Tor in den Compound (Expat-Ghetto) aus dem Wagen durch die Windschutzscheibe öffnen liess.

Am Donnerstag Mittag trudelte er in seinem geliehenen Chevy ein. Donnerstag? Ja, das Wochenende liegt in Arabien anders, als bei uns. Dort ist der Donnerstag unser Samstag und der Freitag unser Sonntag. Deswegen übrigens das in den Nachrichten oft erwähnte Freitags-Gebet, welches das wichtigste der Woche ist und zu dem "alle" in ihre Moschee strömen. Es ist mit unserem Sonntagsgottesdienst vergleichbar.

Als sich die Türen seines Chevy's öffneten, traute ich meinen Augen nicht.

Zwei Damen mittleren Alters stiegen aus und ein grinsender Jack führte sie an ihren Händen auf meine Veranda, auf der ich wohl wie angewurzelt und mit offenem Mund sass.

Die Damen begrüssten mich im besten texanischen Akzent und hielten ihre Wangen sogleich zum (wienerischen) Begrüssungsbussi hin.

Mir wackelten die Knie.

Wie sich herausstellte, waren sie Krankenschwestern im King Khalid Hospital.Dort wird vier Tage fast durchgearbeitet und dann haben sie drei Tage frei.

Jack hat das hinter unserem Rücken sofort geschnallt. Wie? Ganz einfach. Er hat lediglich ein paar alte "Marines" in Riad bei der amerikanischen Botschaft kontaktiert und sie haben ihn "eingewiesen."    

Marines-Bande halten ewig !

Und da war noch, was ich "noch" nicht wusste. Im King Khalid Hospital liess sich die Abwesenheit über Nacht mit ein paar Tricks, unterstützt durch wohlgesinnte Kolleginnen, verschleiern.

Abwesenheit über Nacht ist alleinstehenden Damen, auch Expats, strengstens verboten.

So kam es, dass wir vier auch die Nacht in "meiner" Villa verbrachten. Was dort abging, überlasse ich der Phantasie der Leser.

Am nächsten Morgen sassen Jack und ich auf der Veranda und beobachteten das Treiben am Pool, während unsere temporären Holden noch schliefen. Manch äusserst hübsche und sexy Ehefrau meiner zum Teil libanesischen Nachbarn vergnügten sich im Pool. Nicht ganz ohne ihre weiblichen Reize im Bikini für unsere Augen zur Schau zu stellen.

Jack sagte: "Mann, was bin ich froh, hinter Mauern zu sein. Das erste mal in meinem Leben. Ich liebe das Ghetto."  

P.S. wenn wir erwischt worden wären, nämlich mit nicht mit uns verheirateten Weibern und Alkohol,  wären wir sofort des Landes verwiesen worden, vielleicht nicht ohne ein paar Peitschenhiebe vorher.  

Hat sich das Risiko gelohnt? Defininitiv!  

Kam der "main frame" Deal mit dem Innenministerium zustande? Ja. Wurden meine illegalen Alkoholvorräte vernichtet? Ja. Haben wir uns die Seele aus dem Leib gepudert? Ja. Alles in allem ein gelungener Deal.  Damals liebte ich meinen Job über alles.  ;D 
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Louis am 26. Oktober 2009, 14:08:06
wenn wir erwischt worden wären...

... von der Behörde für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,657248,00.html
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: khun mai ru am 26. Oktober 2009, 19:05:10
Da kann man nur hoffen, dass die Häuser hinter den Mauern nicht aus
"russischem Beton" sind.

Habe schon einiges über die Scharia gelesen, aber dass sie SO drastisch,
besonders mal wieder  gegen Frauen, angewendet wird, ist kaum zu fassen.

Ich frage mich, wie die Auspeitscher für ihre Mühe entlohnt werden. Kriegen
die dann Freiflüge nach BKK?

kmr

 
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 04. Dezember 2009, 22:33:27
Freitag Nachmittag, 4. Dezember, 2009

Da ich gerade vor drei Minuten in ein tiefes Loch gefallen bin und nicht weiß, was ich mit mir anfangen soll, bin ich auf die glorreiche Idee gekommen, doch mal mein Augenmerk auf die Welt dort draußen zu werfen. Mir war ganz entfallen, wie interessant das sein kann. Die Schweiz ist voller unentdeckter Überraschungen.

Zunächst die aktuellen Nachrichten, die sich hervorragend für die gerne „Betroffenen“ eignen, obwohl sie gar nicht betroffen sind.


Instant Karma oder die Tragödie eines glücklosen Automechanikers

Die Überschrift stimmt so nicht, denn die Person um die es geht, ist ein Automatenmechaniker. Endlich pensioniert freut er sich seines Lebens. Als er auf der A3, aus Zürich kommend, sein wohlverdientes Ferienhaus zu besuchen gedenkt, geht ihm der Sprit aus. Als zunächst glücklicher Wink des Schicksal ist gerade an dieser Stelle eine Tankstelle. Nur leider auf der anderen Seite der Autobahn.

Obwohl er kein Geld in der Tasche hatte, wie sich später herausstellte, überquert er schadlos die Autobahn zu Fuß und füllt einen 5-Liter-Kanister heimlich im toten Winkel der Überwachungskamera auf. Verlässt daraufhin die Tankstelle, ohne zu bezahlen, überquert zu Fuss die Autobahn und....patsch!!! Vermutlich hat er es gar nicht mitbekommen, denn ein BMW nimmt ihn voll auf die Schüppe.

Die Moral von der Geschicht? Karma gilt auch für die anderen Religionsanhänger. Wer Sprit klaut, wird bestraft. Manchmal erst im nächsten Leben, was ja viele hoffen, in diesem Fall allerdings innerhalb von Minuten. Instant Karma halt. Innerhalb der Zeitspanne für eine Zubereitung eines Instant Kaffees von Nestle. Die Wege des Karmas sind geheimnisvoll, was die Wirkung einer Tat betrifft. Ein bisserl hart schon, möchte ich noch bemerken. Aber Karma ist halt neutral, ohne Mitleid oder moralische bedenken.

Damit nicht genug. Wie sich nach dem tödlichen Unfall herausstellte, war der BMW-Fahrer ein Verwandter. Die Wege des Karmas sind also nicht nur geheimnisvoll, sondern auch noch verwurschtelt. Möge er im nächsten Leben als Raffinerie-Manager auferstehen.



Rentner-Fondue

Lodernde Flammen im Dunkeln. Ein gelungenes Foto. Überschrift: „Hier hat ein Rentner Fondue gemacht.“ Die Feuerwehr hat es schwer, den Ort des Brandes zu erreichen. Schläuche müssen über hunderte von Metern verlegt werden, ehe es überhaupt heisst: „Wasser marsch.“ Die Hütte brennt vollständig ab. Der alte Mann wird nur leicht verletzt, d.h. gar nicht. Vermutlich hat er nur ein bisserl gehustet. Bei der Befragung sagt er nur non-chalant: „mein Fondue war Schuld.“

Deswegen meine Bitte an alle Rentner in Thailand. Versucht bitte nicht, eure Schwiegermütter mit einem Fondue in deren Holzhütten zu überraschen. Ladet sie besser in eure Steinhäuser mit Steintischen ein, wenn ihr schon zündeln müsst. Allerdings nicht vergessen, sie wieder auszuladen. Der permanente Aufenthalt der verwandtschaftlichen Bagage im eigenen Heim bedeutet nur schlechtes Karma.

Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass sich Rußgeruch nach einem Brand in einem Steinhaus über Jahre festsetzt, obwohl die Mauern noch stehen.

Später geht es weiter mit erfreulicheren aber nicht destotrotz schweizerischen Nachrichten des Tages weiter. Mittlerweile habe ich mein tiefes Dreiminutenloch überwunden....    
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 04. Dezember 2009, 23:06:27
Immer noch Freitag Nachmittag, 4. Dezember, 2009

Der siebenköpfige schweizer Bundesrat hat gewählt, nämlich den Leitwolf. Dieser ist vergleichbar mit einem Kanzler oder Premier in anderen sog. Demokratien.  In der Schweiz nennt sich diese Person Bundesratspräsident.

Schön und gut. So what? Aber...

Es ist eine Dame, Nachfolgerin des total verschwurbelten Herrn Merz. Dazu noch aus dem Aargau, wo ich mich gut auskenne. Die Merkel der schweizer Nordprovinz sozusagen.

Sie tritt ihr Amt während interessanter Zeiten an. Sie wird Stellung beziehen müssen in Bezug auf die Minarette, die ja bekanntlich Penis-Symbole sind. Als nicht gerade unattraktive Frau im reifen Alter, in dem sie ihren eigenen Körper und ihre persönlichen sexuellen Bedürfnisse wohl mittlerweile ohne Scham akzeptieren kann, bin ich mal auf die weitere Entwicklung gespannt.

Die nächsten hundert Tage werden zeigen, ob sie eine Penisverdrängerin oder Anbeterin ist. Noch schlimmer wäre allerdings ein Penisverbot so nach dem Motto: wenn immer du denkst es kann nicht schlimmer kommen dann...



Worte und Sätze des Jahres 2009

Wie jedes Jahr kürt die Schweiz intern die Gewinner in diesen Disziplinen...and the winner is....

Minarettverbot als Wort

und

„Ich bin nicht gut integriert – ich bin Schweizer“ als der Satz des Jahres.

Soweit meine kurzweiligen Erkenntnisse über die Aussenwelt, angetrieben durch meine dreiminütige total gelangweilte Verzweiflung mit mir selber. Alles wird gut.  ;D
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 05. Dezember 2009, 16:05:09
Samstag, 5.12.2009 - Die Evolution im vollen Schwung

Heute erst entdeckt. Wer hätte das gedacht, dass wir das noch erleben werden. Evolution vollzogen vor unseren Augen und dann auch noch online.

Ein Orang Utan Weibchen im Wiener Tiergarten hat das virtuelle soziale Netzwerk Facebook entdeckt. Nicht nur das. Als Hobby-Fotografin beglückt sie die globale Menschheit mit ihren Fotos.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/facebook021209_726fb.jpg)


Mittteilung aus der "Kleine Zeitung"  

Facebook hat einen neuen Star: Orang-Utan-Dame Nonja
Von manchen wird das soziale Internet-Netzwerk Facebook angesichts seiner vor allem zu Beginn sehr jungen Anhängerschaft liebevoll "Fratzennet" genannt - doch jetzt kommt das "Affennet".

Die künstlerische Orang-Utan-Dame Nonja des Wiener Tiergartens Schönbrunn schickt sich an, einer der neuen Stars bei Facebook zu werden, wie oe3.orf.at am Mittwoch berichtete.

Wer ein Facebook Account hat, kann die Dame hier bewundern und ein Fan von ihr werden

http://www.facebook.com/pages/Nonja/190010092116?ref=search&sid=100000223715275.1686891949..1 (http://www.facebook.com/pages/Nonja/190010092116?ref=search&sid=100000223715275.1686891949..1)
Titel: Home
Beitrag von: Profuuu am 06. Dezember 2009, 00:02:38
HOME - ein wunderbarer Film über unseren Planeten. Phantastische Aufnahmen, sehr spirituell. Toller Sound und Musik. Wer mal wirklich einfach für eineinhalb Stunden abschalten und relaxen möchte, möge sich diesen Film runterladen, oder einfach nur auf youtube ansehen. Es lohnt sich.

http://www.youtube.com/watch?v=jqxENMKaeCU (http://www.youtube.com/watch?v=jqxENMKaeCU)

Der Film ist im Großformat und entfaltet seine Wirkung schon auf einem 21zoller, besser noch auf einem 24zoller.  

Die Software zum Runterladen ist frei und kann man sie hier als Gesamtpacket ziehen. Mit dieser SW kann man auch das Format umwandeln.

http://www.dvdvideosoft.com/ (http://www.dvdvideosoft.com/)


Aber seid gewarnt. Der Film hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

 
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 06. Dezember 2009, 07:06:09
Freitag Nacht, 4.12.09


Frauen? Wer kennt die schon. Es gibt sogar Frauen,  die nie Frauen sein durften.

Gestern Nacht in meinem Lieblingsrestaurant hatte ich eine Erfahrung der Sonderklasse. Eine der Bedienungen ist Chinesin.  Gestandene Frau und keine besonderen Bedenken, wenn sie mich sieht. Zwar Ende 40 aber immer in Jeans und Top mit aufgesticktem Glitzerkram, wenn sie sich nach dem Dienst umzieht. Darin sieht sie bezaubernd aus, auch wenn Europäerinnen dies als total unaltersmässig empfinden würden. Ich nicht. Steht ihr gut, weil sie lebendig geblieben ist und wie bei Asiatinnen üblich, sowieso jünger aussieht, als die meisten ihrer kaukasischen Altersgenossinnen im gleichen Alter. Kein Gramm Fett sowieso.

Die Besitzerin des Restaurants, eine Thai, hatte beschlossen, dass ich als Stammgast wichtig für ihre chinesische Bedienung in dieser Nacht sein sollte und alberte rum. "Geh doch mit Uwe schlafen. Der wohnt ja gleich um die Ecke. Brauchste nicht mit dem Bus fahren. Spät genug ist es ja schon." lol

Da ich aber kein Mann für eine Nacht bin, habe ich nach einer Minimallösung gesucht. Hier kommt hobanses Weisheit zum tragen, dass ein Quicky im alkoholisierten Zustand ungefährlicher ist als unter Drogen.  :D

Also habe ich mich auf die alte Gentleman Schule besonnen und ihre Winterjacke gefasst um ihr darein zu helfen. Etwas, was ich noch nie bei ihr vorher nach ihrem Dienstschluss gemacht habe.

Mein lieber Schwan. Sie hätte sich fast die Schultergelenke ausgerenkt und hat mit ihren Armen rumgefuchtelt wie ein aus dem Nest gefallener Vogel um die Ärmellöcher zu finden. Und das bei mir, wo ich doch in im in den Mantel oder in die Jacke helfen ein Spezialist der alten Schule bin.

Nach allgemeinem Gekicher stellte sich heraus, dass ich der erste Gockel war, der ihr je in die Bekleidung geholfen hat. Verschämt gestand sie, dass ich der erste Mann in ihrem Leben sei, der ihr hinter ihrem Rücken die Jacke hingehalten hat.

Nicht zu fassen. Sie ist seit vielen Jahren mit einem Schweizer verheiratet. Ihm wäre es nie im Traum eingefallen, sie dermassen zu bedienen. Nichts besonderes und kein Grund je darüber sauer zu sein, denn in China wäre so was sowieso unüblich.

Man lernt nie aus.

Sie ist gerührt alleine mit dem Bus nach Hause gefahren, da meine Hilfestellung ihr ein Erlebnis als vermeintlich geachtete Frau beschert hat was sie vorher so nicht kannte. Früher hätte ich das ausgenutzt. Gestern war mir das einfach zu blöd, mal wieder den edlen Ritter und Retter einer vernachlässigten Frau auch in meinem Bett zuspielen. Wie sich sowas entwickelt, ist sowieso immer das selbe.

Ihr Alter musste thaimässig danach, in Abwesenheit, alle möglichen Lästereien über sich ergehen lassen. Die Thaibesitzerin meines Lieblingsrestaurants hat keine gute Meinung von ihm. Wer bin ich denn schon? Wenn ich jede vernachlässigte asiatische Holde beglücken müsste, wäre ich doch ein Vollidiot.

Was bleibt, ist die Verwunderung und die Aufnahme von "in die Jacke helfen" als taktische Übung, wenn mal wirklich Not am Mann ist.  8)                       


       
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Low am 06. Dezember 2009, 09:35:28
Profuuu,
ich gestehe,
ich habe Dick auch noch nie in die Jacke geholfen!

Bin ich jetzt ein taktischer Sauhund?
Low
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 06. Dezember 2009, 09:40:39
nein, dafür ist es bei euch nie kalt genug, nehme ich mal an.  ;D

Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: peter51 † am 06. Dezember 2009, 14:49:19
ich werde meiner Holden heute abend mal
temperaturbedingt aus dem Mantel helfen
 ;D
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: rh am 06. Dezember 2009, 15:08:40
ich werde meiner Holden heute abend mal
temperaturbedingt aus dem Mantel helfen
 ;D

Du solltest ihr vielleicht auch noch aus den anderen Sachen helfen, nicht nur aus dem Mantel.   :-X :-X :-X
rh
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Sonex am 06. Dezember 2009, 15:29:58
Oftmals ist es doch so,

falls einer Frau diese Art der  Hilfestellung zuteil kommt,

ist  entweder die Jacke (der Mantel) neu ist oder die Dame  :-* .


SoneX
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: peter51 † am 06. Dezember 2009, 15:52:20
ersterer ja, zweitere nicht  :D
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 03. Januar 2010, 19:23:40
3.1.2010 Sonntags am Steintisch

Seit ueber 25 Jahren stelle ich mir nun die Frage wenn ich in Thailand bin, ob ich denn nun endlich angekommen waere. Die Antworten entlang der Zeitschiene sind wie so oft "same same but different."

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Bangkok/600DSC01857.jpg)

Viel hat sich neben meiner Haut in den 25 Jahren veraendert. Heute klingt meine Lieblingsmucke (deren 5000) aus einem iPod mit Docking Station, damals war es ein Sony Walkman mit Dolby, Bassverstaerker und Reiselautsprechern und gerade mal 100 Songs auf mehrere Kasetten verteilt.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Old%20Pattaya/Scan2small.jpg)

Don Mueang war damals sehr busy. Heute treiben sich nur noch ein paar Leutchen am Domestic Terminal rum.

Bangkok hat inzwischen mehrere Skylines. Damals 1985 waren die Tempel die hoechsten Gebaeude, mal vom Dusit Thani Ecke Silom / Rama IV abgesehen.

Bangkok war derzeit ein unausstehlicher Moloch fuer mich. Meine beiden Haeuser in Patty meine Oasen der Unzucht. Das erste Haus kaufte ich mir, weil eine Kokosnusspalme im Garten stand. Ich wollte schon immer eine eigene Kokosnusspalme haben. Die Rentnerband und Frankfurter sowie Amsterdamer Rotlichtgroessen meine Nachbarschaft. Der obligatorische Steintisch schon im ersten Urlaub mein Ersatz fuer meine koelsche Stammkneipe.  

In jedem Urlaub fragte ich mich an meinem Steintisch: "Bist du jetzt in Thailand angekommen?" Eine Palme hast du ja schon.

Da war mein schwuler schweizer Nachbar mit diesem ewig klaeffenden Dackel, und Henk der Totschlaeger und oberster Amsterdamer Zuhaelter, der sich hier verkroch, Werner, der Frankfurter Lude, der sich hier unsterblich verliebte, alles verlor und mit seinem Motorrad feiwillig gegen eine Mauer fuhr, weil er die naechste Tankfuellung nicht mehr bezahlen konnte.

Nach seinem stilgerechten Freitod fragte ich mich wieder einmal: "Bin ich jetzt angekommen?"

Dann meine langjaehrige Lebensabschnittspartnerin, die ich irgendwann mal heiratete, weil sie sich sooo nett um meine Haeuser kuemmerte. War ich angekommen? Jetzt hatte ich eine Palme und eine thailaendische Frau.

Spaeter ein Wintersturm und die Angst meiner damaligen Frau, dass die Palme aufs Dach krachen koennte, die Saeger am naechsten Tag und eine kahle Stelle, wo mal eine Palme stand.

Ein paar Jahre spaeter die Scheidung. Kurz und schmerzlos in Naklua. Unterschrift und herzlichen Glueckwunsch. Punkt. War ich jetzt in Thailand angekommen? Keine Palme mehr, keine Ehefrau, aber immer noch zwei Haeuser, die sich leider nie wegen Ueberangebot ein-cashen liessen.

Was solls. Das war damals. Heute ist heute. Mai pen lai. Bin ich jetzt in Thailand angekommen?

Bangkok hat nun eine Skyline und eine Skytrain. Die Stadt wird mir immer vertrauter. Meine neue Familie besteht aus ehemaligen Lamettatraegern, die umsonst auf dem Don Mueang Flughafen Golf spielen. Das Haus, in dem ich wohne gehoert meiner Holden. Im Garten steht keine Kokosnusspalme, dafuer aber andere Palmensorten und sonstige Obst- und Bluetenbaeume.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Bangkok/600DSC01844.jpg)

Heute haben wir Haus-Tambun gefeiert. Wie immer kam der Abt vom Don Mueang Airport-Wat und Freund der Familie mit acht seiner Moenche. Zum zichsten Male weigerte er sich, mit mir zu sprechen. Zum zichsten Male sagte er mir grinsend: "put Thai". Das ist inzwischen unser persoenliches Ritual miteinander.  ;)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Bangkok/600DSC01815.jpg)

Wenn der wuesste, was ich mittlerweile von ihm und seiner Sangha halte. Bin ich jetzt in Thailand angekommen? Und der Steintisch im Garten? Wenn der sprechen koennte. Ein Sohnemann eines beruehmten Hauses ist an diesem selben das Hauptthema unter den Thais in meiner Umgebung. Eine meiner Nichten ist Stewardess bei Thai Air. Die anderen gehoeren zum militaerischen Fliegerclub. Mehr sei hier nicht verraten. Ein guter Steintisch schweigt.

Die Musik bleibt die gleiche. Das Bier auch. All die neuen Marken koennen mich nicht beeindrucken. Bin ich jetzt in Thailand angekommen?

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Bangkok/600DSC01858.jpg)

Diese Frage werde ich mir noch am letzten Tag stellen.

Vielleicht hatte Paul Young schon 1985 waehrend meines allersersten Urlaubes die Antwort. Damals sang er neben seinem Ober-Hit: "Everytime you go away, you take a piece of me with you." einen anderen Song auf der gleichen LP/Kasette: "My home is where I lay my head"

Wenn ich zum letzten Mal meinen Kopf niederlege, bin ich dann angekommen?

  

  



 

 
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Blackmicha am 03. Januar 2010, 19:30:11
wie heißt es doch so Geistreich  


Der Weg ist das Ziel !

 }}
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Burianer am 03. Januar 2010, 19:37:41
 :-* Was soll er denn sonst machen,, :'(
zuerst muss der Mantel her,   danach  kommt das andere :-* :-*
oder :'(
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Sonex am 03. Januar 2010, 19:49:34
Du bist schon lange angekommen .
Du kannst es nur nicht glauben.

Und du bist zerrisen.
Stellst dir die Frage: Hätte ich eher ankommen sollen?
War es früher besser?
 Geht was vom thailändischen Charakter verloren, was nicht einzufangen ist.
Und du weißt, du bist in Thailand, kennst das Land besser als die meisten Thailänder,  aber wirst nie ein Thailänder sein .
 
Das hat abe auch Vorteile .
Denn du wirst sie immer mit einem gewissen Abstand betrachten und Sachen sehen, die sie nicht sehen (wollen).
Und man wird dich immer mit einem gewissen Abstand betrachten - denn du wirst nie einer von ihnen sein.

SoneX
 
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: crazyandy am 03. Januar 2010, 20:11:47
@ Profuuu wenn jemand freiwillig in ein Buddistisches Kloster einzieht, und wenn auch nur zeitlich begrenzt so ist derjenige doch weit mehr in Thailand angekommen als die unmengen von Steintisch Thais mit langen Nasen.
 ??? ??? ??? sorry Prof ich beneide Dich sehr, und wünsche allen TIPianer die es wollen das Ihr bleiben könnt wo immer Ihr es wünscht  [-] }}

 ??? {+ {+ ich habe jetzt Windows 7 drauf und merke gerade das mir die Rechtschreib korrektur fehlt solly  {:} C-- :]
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 03. Januar 2010, 20:48:05
Danke fuer eure Antworten so weit.

Habe heute meinen philosophischen.  :P Der entwickelte sich mehr zufaellig, naemlich als ich das Stillleben auf dem Steintisch sah, meine Kamera zueckte und das Resultat betrachtete.

Da war sie ploetzlich. Die 25-jaehrige Konstante. Steintisch, meine Musik und Singha. In dem Sinne bin ich schon damals angekommen. Alles andere zwischendurch diente lediglich dazu, diese Konstanten aufzumoebeln und mehr Farbe hinzuzufuegen. Naemlich um die Leere dieses Stilllebens mit Sinn zu fuellen.

Wenn ich mir jetzt noch abgewoehnen koennte, einen Blick in die Bangkok Post oder The Nation zu werfen, koennte ich tatsaechlich bald ankommen.  8)  

P.S. und nein, sonex. Die Frage, ob frueher alles besser war, hat sich mir nie gestellt. Leben ist Veraenderung. Nichts ist permanent. Das wusste ich schon, bevor ich temporaer unter buddhistische Moenche ging. Da konnten die mir nichts neues erzaehlen. Und Trost deswegen brauchte ich auch nicht. Trost braeuchte ich nur, falls das Leben ploetzlich stagnieren wuerde und sich keine Veraenderung mehr einstellen wurde.   

Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: peter51 † am 03. Januar 2010, 20:52:36
fang mal mit der Nation an, das fällt am leichtesten  }}
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 03. Januar 2010, 20:58:15
Jo, dat stimmt. Ausserdem so duenn wie die geworden ist, reicht die noch kaum als Packung fuer ein Butterbrot. Fuer ne groessere Sitzung im Dschungel geht's noch gerade so.  ;D
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: khun mai ru am 04. Januar 2010, 03:31:52
Hallo @ Profuuu

Wenn, wie Du richtig sagst, das Leben ständige Veränderung bedeutet - würdest Du dann evtl. auch
eine spezielle Konstante auf dem Steintisch überdenken? Was hälst Du z.B. vom Ankommen  "auf Kölsch"?  (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/33/Flasche_Fr%C3%BCh_K%C3%B6lsch.jpg)

Ich wünsche Dir und alen Lesern noch ein gutes neues Jahr!

mfg kmr
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: solliz666 am 04. Januar 2010, 04:15:51
Hello Profuuu

Ich lese mit Begeisterung und mit ein wenig Neid deine (eure) Beiträge.
Wie es @ Sonex so sehr treffend beschrieben hat

Zitat
Das hat abe auch Vorteile .
Denn du wirst sie immer mit einem gewissen Abstand betrachten und Sachen sehen, die sie nicht sehen (wollen).
Und man wird dich immer mit einem gewissen Abstand betrachten - denn du wirst nie einer von ihnen sein.

Du siehst Thailand aus deiner--aus einer ganz anderen Sicht. Du kennst dieses Land sicher besser!! als die meisten Thais.
Das selbe würde sicher für D-A-CH  gelten wen ein Asiate hier in deiner Position währe.
Und ich werde diese Beiträge auch weiterhin sehr sorgfältig verfolgen.
Es gibt einfach keinen besseren Reiseführer---als jemanden der es "lebt"!!
Danke
mfG Olaf

Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: sanukk am 04. Januar 2010, 05:37:48
Zitat
Die Musik bleibt die gleiche. Das Bier auch. All die neuen Marken koennen mich nicht beeindrucken. Bin ich jetzt in Thailand angekommen?



Das Bier auf Deinem Steintisch-Foto ist eindeutig zu warm. Du bist noch nicht in THAILAND angekommen.
Dein Tagebuch gefällt - weiter so. (Ein bisschen Herzschmerz bekomme ich schon dabei!)



Zitat
Wenn ich zum letzten Mal meinen Kopf niederlege, bin ich dann angekommen?

Lieber Prof., bitte nicht aufgeben.
 Dein Beitrag macht mich nachdenklich.
 Ich hoffe, es geht Dir gut.
Oder bist Du unter die Philosophen gegangen?
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 04. Januar 2010, 08:57:15
Danke, khun mai ru, fuer das Frueh Koelsch. Da melden sich gleich meine Geschmacksknospen mit altbewaehrtem Feeling.  [-]

Ja, solliz666 und sonex. Es ist der persoenliche Blick, der einen von diesem Lande entfernen oder es auch naeherbringen kann. Um aber in der Bhuddistischen Philosophie zu bleiben, ist beides vermutlich das gleiche, und nicht nur die zwei Seiten einer Muenze. Naehe kann man nur erleben, wenn man die Entfernung kennt und ab und zu einen Schritt zuruecktritt.

Ich persoenlich halte allerdings nicht viel von einer "Bewertung" wie "besser kennen als ..." und so. Ich kenne Thailand auf meine eigene persoenliche Art. Setze mir mein eigenes Puzzle zusammen. So wie es jeder andere auf seine eigene Weise auch tut. Falls jemand anderes, so wie ihr, damit was anfangen kann, freut mich das.

Zu guter letzt noch eine Bemerkung zum Schluss. Nein, ich habe keine Schlussgedanken. Mir geht es gut und ich sehe mit Freuden in die Zukunft. Aber...

Ein philosophisch veranlagter Samurai (Tsunetomo Yamamoto) hat mal vor hunderten von Jahren geschrieben:

"Bei allem, was wir tun, sind der Anfang und das Ende Wichtigste."

In dem Sinne ist es aus meiner Sicht sinnvoll, auch das absolute Ende im Auge zu behalten, naemlich damit es gut gelingt.

 

  
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Roy am 10. Januar 2010, 19:40:11
1 Beitrag geloescht. So viel Werbung machen wir nicht für uns. und für den Farang gar nicht.
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: dii am 10. Januar 2010, 21:55:57
...Roy, auf diese Seite   http://www.thailandtip.de/tip-shop/    geht kaum einer, hab ich auch schon oft beim Reiseführer gesehen {+

...dann kommen die Fragen,  wo bekomme ich... wo kann ich bestellen...   {:}
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: illuminati am 11. Januar 2010, 04:14:43

Ein philosophisch veranlagter Samurai (Tsunetomo Yamamoto) hat mal vor hunderten von Jahren geschrieben:

"Bei allem, was wir tun, sind der Anfang und das Ende Wichtigste."

In dem Sinne ist es aus meiner Sicht sinnvoll, auch das absolute Ende im Auge zu behalten, naemlich damit es gut gelingt.   

dem ist nichts hinzuzufügen - wenn das nur jeder so sehen würde  ...
Gruss
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: hmh. am 11. Januar 2010, 08:13:05
Für solche Weisheiten muß man nicht nach Japan. Das hatten sie schon bei den Ägyptern und auch bei den Römern.

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem

Was immer du tust, tue es klug und bedenke das Ende.

Leider hält sich damals wie heute keiner dran.
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: sitanja am 11. Januar 2010, 08:16:51
Warum keiner,etwas pauschal geschrieben denke ich.


Gruss Sitanja
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Gerro am 11. Januar 2010, 09:45:33
Ich habe erst kuerzlich gemerkt, wie weit weg man sein kann, obwohl der Koerper mitten drin ist, nachdem mir auffiel, dass ich nach fast 2 Jahren nicht mal die Namen und verschachtelten Verwandschaftsverhaeltnisse unserer Nachbarn kenne und von dem, was von unter deren Baeumen rueberklingt, wenn ich unter unseren Baeumen auf der Haengematte liege nur maximal ein Viertel verstehe.

 „Angekommen sein“ ist m.M. nach ein willkuerlich geschaetzter Zustand. Man koennte z.B. sagen: Ich bin angekommen, wenn ich mich hier so gut auskenne, wie als waere ich in Deutschland schon lange an einem Ort. Aber auch da kommt man nie endgueltig an. Es gibt immer noch Raum in die Tiefe. Das hoert nicht auf, die lotet man so schnell nicht aus.

Und dann gibt es ja auch noch eine groessere Tiefe zu erforschen, die nach innen geht. Das Gehen in die Tiefen nach innen und nach aussen bedingen sich gegenseitig -so jedenfalls meine Theorie- und sind vielleicht sogar am Ende identisch.

Egal in welchem Land ich lebe –und wenn ich mein ganzes Leben in meinem Heimatland verbringe- kann ich mich doch immer fragen: Wann bin ich endlich angekommen auf dieser Welt? Oder besser: ‚In dieser Welt‘.

Die Intensitaet und Differenziertheit des Erlebens kann ueberall sehr unterschiedlich sein.
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 11. Januar 2010, 14:13:17
@Gerro,

wie ich lese, hast du meine Frage sehr gut verstanden. Die Antwort muss jeder selber finden und auch ich vermute, dass sie nie befriedigend beantwortet werden kann.
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Gerro am 11. Januar 2010, 14:48:15
@Profuuu

Tja, beim Notengeben bin ich nicht so gut. Das ueberlasse ich am liebsten anderen.. ;)

Vielleicht war meine Antwort nicht so gut, aber fuer mich heisst ankommen eben: Im Hier und Jetzt ankommen.

Ob man damit zufrieden ist, haengt davon ab,was man will.

Ich finde die Details, die erst nach und nach sichtbar werden eben interessanter, als das 'ueberall-mal-druebergehuschtsein'.
Das nannte ich "Tiefe". Man redet ja auch von "Tiefenschaerfe" z.B. in der Fotografie. (Wird das wirklich so geschrieben?)

Im Grunde kann ich dieses "Hier und jetzt sein" aber ueberall ueben, ob zuhause oder auf Reisen. Das koennte beim Thema "ankommen" ja auch interessant sein. Wann bist Du denn irgendwo angekommen, wenn Du auf einer Tour bist?

Und wo willst Du lieber ankommen? Da oder zuhause wo Du Dich nach und nach immer besser auskennst?




Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Profuuu am 11. Januar 2010, 15:09:57
Das war keine Zensur von mir Gerro, sondern erleichterte Zustimmung.

Ich bin eigentlich immer dann angekommen, wenn ich den Moment so erleben konnte, als wenn es keine Vergangenheit und Zukunft gäbe. Einfach nur hier und jetzt.

Geschieht leider selten genug.
Titel: Re: Mein Tagebuch - Profuuu
Beitrag von: Gerro am 11. Januar 2010, 15:13:35
Is Klaa!  8)