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ThailandTIP Forum

Thailand-Foren der TIP Zeitung => Mein Tagebuch => Thema gestartet von: jock am 01. Oktober 2016, 11:31:54

Titel: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 01. Oktober 2016, 11:31:54
Wien,Wien,nur du allein,sollst stets die Stadt meiner Traeume sein..

Immer,wenn diese schmalzige Hommage an Wien erklingt,denke ich
an die Zeit zurueck,wo ich innerhalb der Mauern dieser Stadt wohnte.

Dann und wann steigen Erinnerungsbilder auf,wie es damals war,als
ich jung und schoen war,die Stadt hingegen,haesslich,grau und furch-
bar langweilig, die Jahre an sich vorbeiziehen liess.

1960 gab es nicht viele Unterhaltungsmoeglichkeiten ausserhalb der
Heurigen,der Kaffeehaeuser und der Kinos.

Da gabs Kinopalaeste,die Filme spielten,die 40 Wochen und laenger
tagtaeglich am Spielplan standen und man die Karten 2 Wochen im
Vorhinein kaufen mussten,da bis dahin alle Vorstellungen ausverkauft
waren.

Spartacus,Ben Hur,Doris Day und Rock Hudson waren die Highlights,
die ein wenig Licht in den grauen Alltag brachten.

Nur das Rondell - Kino in der Riemergasse 11 war nie im Vorhinein aus-
verkauft.,obwohl es das erste Kino war,wo Pornofilme gezeigt wurden
und man im Kinosaal rauchen durfte.

Denn der Besuch einer Vorstellung dort war immer in bisschen kom-
pliziert.

Niemand ging bewusst ins Rondell - Kino.Meist war man rein zufaellig
dort, weil man sich in der Programmanzeige verlesen hatte und  mit
blankem Entsetzen feststellte,dass statt einem chineographisch wert-
vollen Film ueber die Schloesser an der Loire,ein von der Katholischen
Filmbewertungsstelle verdammtes Machwerk zu sehen bekam.

Schuld daran ist man natuerlich auch selber,wenn man kapp vor oder
nach Beginn der Vorstellung rasch eine Karte kaufte und ueberhastet in
das Dunkel des Kinosaals betritt.

Als dann die ersten weiblichen Geschlechtsteile,farbig und gut ausgeleuchtet
auf der Leinwand erschienen,war man zu hoeflich,das gebannte Publikum
durch einen uebereilten Aufbruch zu stoeren und blieb sitzen.

Der Inhalt der gezeigten Streifen war sicherlich fuer angehende Gynaekologen
interessant,beim gewoehnlichen Zuseher jedoch verstaerkte es das Minder-
wertigkeitsgefuehl betraechtlich.

In knapp 90 Minuten,10 Geschlechtsakte des Hauptdarstellers hinnehmen
zu muessen,hielten nur gefestigte Charaktere unbeschadet aus.

So manchen Zuseher,durchfuhr ein gehoeriger Schreck,wenn er im Halb-
dunkel seinen Blick herumstreifen liess und rechts vor ihm seinen ehe-
maligen Lateinlehrer zu erkennen glaubte und 5 Reihen hinter ihm,den
Obmann des Kirchenbeirats wiedersah.

Um eine,fuer beide Seiten unangenehme und erklaerungsbeduerftige Be-
gegnung zu vermeiden,brach der halbe Kinosaal knapp vor Ende der
Vorstellung auf und strebte der Anonymitaet der Grossstadt zu.

1991 schloss das Rondell - Kino seine Pforten und war Gegenstand einer
parlamentarischen Anfrage an den zustaendigen Minister.

Jock







Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Wiener am 01. Oktober 2016, 22:34:01
In den ersten 1960er Jahren waren noch keine versauten Filme im RONDELL-Kino zu sehen, da gab es Filme von "FUZZY" den Helfer vom Sheriff oder Eddi Constantine, oder "Stan&Olli", erst später, gegen Ende der 60er wurde es schmuddelig! Das damalige Rondell war für uns der Hit, weil man rauchen konnte und an den Tischen gabs Bier oder Cola. .... Manchmal drehte ich eine Runde durch die Kinos, begann im Opernkino,das war damals ein "Non-Stop-Kino", man konnte sitzen bleiben,  dann ins Krugerkino und weiter in das  Metrokino, wenn Zeit übrig war, eben ins Rondell! Auch am Bahnhof-Praterstern wurde ein Top-Kinopalast eröffnet mit dem Film "Der längste Tag", ein Kriegsfilm und wenn oben die Bahn drüberfährt wackelte der Saal.
Es gab auch hinter dem Rathaus das größte Kino Wiens, das Forum-Kino, wo Filme liefen wie "Brücke am Kwai" oder "in 80 Tagen um die Welt" mit der größten Leinwand Österreichs.  ....
In der Annagasse gab es die erste Discothek und am Graben das "Chatanooga" eine Mischung von Disco und Varietee, mit Auftritten von Hazy Osterwald Sextett. Aber leider sind alle diese Orte heute nicht mehr existent. ...
Ach ja, bald hätte ich es vergessen, König Bhumipol mit seiner Sirikit war damals eine Sensation, denn die Bevölkerung ging "König schauen"(!),sie wohnten im Imperial und zum Dinner waren sie im "Kerzenstüberl" geladen, und ich war heimlich dabei... ;D....ich war damals noch als Kochlehrling tätig! Und Kennedy mit Frau war auch im Kerzenstüberl gewesen.
Die 1960er bis Mitte 80er Jahre waren meine schönsten Jahre gewesen, heute ist Wien ein Tollhaufen geworden {/ {-- und die Stadt versinkt in Kriminalität
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 01. Oktober 2016, 23:28:42
@Wiener

Ich glaube deine Erinnerung taeuscht dich.

Das Opernkino war nie ein Non-stop  Kino.Das Non-stop-Kino
befand sich am Graben 29.

Das Forum - Kino hatte leider nicht die groesste Leinwand,sondern
die befand sich im Gartenbaukino.

Gerade fuer die Groesse des Zuschauerraums (ca 1.100 Sitzplaetze)
war die Leinwand zu klein.Konnte aber auch nicht vergroessert werden,
da die Tragepfeiler im Weg waren.

Deiner Einschaetzung,dass Wien in Kriminalitaet versinkt,kann nicht
einmal die Kronenzeitung folgen.
Noch im Dezember 2015 berichtet das Blatt,dass nur 13,7 % der befragten
Wiener sich unsicher fuehlen.

Beim Bereich "Lebenswerte Stadt" kommt eine Vergleichsstudie "Quality
of Living" zu dem Ergebnis,dass unter 230 internationalen Grosstaedten
Wien einen fuehrenden Rang einnimmt.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 02. Oktober 2016, 00:57:13
Zitat
1991 schloss das Rondell - Kino seine Pforten und...

der Billeteur Rudi wurde zum Taxifahrer.

Der "Top-Kinopalast" am Praterstern war's Panorama Kino.
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 02. Oktober 2016, 10:24:49

Legendär waren die kurzen Modeschauen im "Gartenbau" vor der eigentlichen Vorstellung.. . .

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Wiener am 02. Oktober 2016, 23:23:40
@Jock. ...das mit der Kriminalität stimmt so nicht wie Du denkst! Die öffentlichen Satistiken lügen wie auch die Medien, niemand wagt genaue Zahlen zu nennen. Ich kenne einige Polizisten und die Lügen sicher nicht! Außerdem, vor 3 Jahren wurde ich Nähe Lugnercity von "netten 3 Neubürgern, Albaner+Serben" brutal zusammengeschlagen mit den Worten "gib Handy A****** Österreichisches"   ICH konnte gerade noch den Notruf absenden, aber es dauerte 35 Minuten(!) bis aus der nahen Zollergasse die Polizei kam! Auf meine Frage, warum es so lange dauert, antworteten sie, wir hatten gerade 3 Einsätze in kurzer Zeit, und alle wegen Neubürgern, was laut Rathaus "Einzelfälle"sind. Diese brachten mich noch zur Notaufnahme ins AKH, so konnte ich mich etwas mit denen unterhalten! Und die berichteten was so los ist in Wien und was NICHT VERÖFFENTLICHT WERDEN DARF!!
Und was diese idiotischen Studien angeht, die kannst vergessen was eine "lebenswerte Stadt " sein soll. Ja Wien KÖNNTE lebenswert sein, nur, wer wird da befragt? Es sind internat.Konzerne und deren Expats, klar fühlen sich die wohl in Wien, Wien hat ja alles, aber frage doch Menschen auf der Strasse oder frage in Altenheimen, in Schulen die Lehrer usw. 
Ich bin jetzt 71 Jahre, aber die Jahre bis Mitte 1980 waren wunderbar, dann mit dem Balkankrieg und jetzt mit der Asylflut gehts bergab!
Die "lebenswertesten" Städte sind, Vancouver, Lissabon, Wellington und ganz Neuseeland sowie Australien und Panama-City, dort lebte ich einige Jahre.
Nachsatz: ich hatte mehr als 50 Jahre in aller Welt gearbeitet und gelebt, nirgends wurde ich belästigt, geschweige denn, überfallen! Nicht in Brasilien, obwohl in Rio hatte ich einiges Glück, weder in Nigeria noch in Bukarest, Istanbul, Mexico, nirgends in Europa, USa usw.  ..aber im ach so schönen Wien. Es war einmal.   ..
Der heutige Brennpunkt in Wien ist Donauinsel, Milleniumcenter, der Gürtel wie die U6+U3 und S-bahnen wo man sehr achtgeben sollte, besonders Nachts.
Ich will ja Wien nicht schlecht machen, es macht mich nur einfach traurig wohin diese Stadt gegangen ist und das darf ich schon behaupten, wenn man sich bewaffnen muß um sicher in die Stadt zu gelangen
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 03. Oktober 2016, 00:31:32
@Wiener

Nach deinem Bericht muss sich Wien bemuehen Chicago zu werden,
oder Rio.

Ich will dir nicht nahetreten,aber die Umgebung der Lugner - City
grenzt sehr an die Rotlichtmeile des Guertels.
Keine 10 Pferde wuerden mich dazu bringen,dort naechtens zu flan-
ieren.

Das haette ich aber auch nicht zu Zeiten gemacht,als von Auslaendern
noch keine Spur war.Die Luft in dieser Gegend war immer schon gefaehr-
lich und mitunter sogar bleihaeltig.

Das Ueberraschende an deinem Fall ist jedoch,dass die Polizei so freund-
lich war,dich ins Spital zu bringen.

Normal transportieren sie einen Verletzten nicht ,sondern rufen die Rettung.

Jock

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 03. Oktober 2016, 12:05:20

@jock

Dir wird hoffentlich nicht entfallen sein, dass mit der Wiener Stadthalle eines der grössten Veranstaltungszentren Österreichs in der unmittelbaren

Nähe von der "Umgebung der Lugner-City befindet... .

Und für meine Begriffe ist Chicago bereits in Wien eingetroffen, wenn es Gebiete wie diese gibt:
Zitat
Keine 10 Pferde wuerden mich dazu bringen,dort naechtens zu flanieren.

Und auch der "berüchtigte" Gürtel war vor der Ankiunft der "Neubürger" trotz der Asphaltschwalben und deren Strizzis für sog. "Normalbürger" sicher,
da wurde keiner überfallen, dafür sorgte das Rotlicht, das wäre geschäftsschädigend gewesen!

lg

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 03. Oktober 2016, 13:17:43
@Suksabai

Fuer die Heiligsprechung der russischen,serbischen,albanischen,
kosovarischen und tscheschenischen Banden, die die Rotlicht-
szene beherrschen,werden sie dir dankbar sein.

Ja,sie sorgten fuer "Ordnung",dass keinem Normalbuerger ein Haar
gekruemmt wurde.

Aber den bedauernswerten Vorfall,bei dem @Wiener zum Hand-
kuss kam,konnten sie trotzdem nicht verhindern.

Es ist wirklich schlimm,was ihm da passiert ist.Aber waere es halb
so schlimm gewesen,haette ihn ein waschechter Oesterreicher nieder-
geschlagen ?

Ich glaube nicht  !

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 03. Oktober 2016, 14:57:45
Es ist wirklich schlimm,was ihm da passiert ist.Aber waere es halb
so schlimm gewesen,haette ihn ein waschechter Oesterreicher nieder-
geschlagen ?

Tja, so ist das mit Wortgeplänkel, manches mal verliert man die Kausalität!

Ein waschechter Österreicher hätte ihn aller Wahrscheinlichkeit nach nicht niedergeschlagen!

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Wiener am 04. Oktober 2016, 20:22:14
Der Gürtel mit seinen Rotlichtbars war eigentlich immer irgendwie sicher, seit den Strizi-Tagen und ja, heute beherrschen die Balkanbanden das Rotlicht aber ohne direkte Probleme. Das Problem ist der Neuzuzug und dieser kennt keine Moral. Überfälle sind an der Tagesordnung in Wien, ob in der Tram, beim Bahnhof, beim Einkaufen im Supermarkt alles bei Tageslich zwischen 6 - 19 Uhr, nicht nur nachts. .. Da ich öfters ins Ärztezentrum Lugnercity gehe ( bei Tag ) darf man sehr viele "dunkle Typen" sehen die sich im Center bewegen.
Nebenbei bemerkt, Chikago ist sicherer geworden, nur Rio ist brandheiß!

Da jedoch dieser Thread "Wien,Wien nur Du alleine...." sich nennt, will ich auf die gute alte Zeit zurückgreifen! Als es noch den "romantischen" Franz-Josefs-Bahnhof gab, wo duzende Filme gedreht wurden, mit den alten Dampfloks.  Habe die Namen vergessen, aber einer handelte von der russischen Revolution. Der Süd-Ostbahnhof ist leider ebenfalls Geschichte und es wurde ein ungemütlicher Hauptbahnhof daraus. Der heute neue Bahnhof Landstrasse, ebenso umstritten ungemütlich, war vorher nur eine "Stadtbahnstation", des Vorgängers der heutigen U-bahn, und gegenüber gab es das "EKZ" mit dem Sendesaal vom ORF, wo die damals beliebte Sendung "Autofahrer unterwegs" ausgestrahlt wurde, mit Rosemarie Isop.

Und ja, Wiens Kaffeehäuser! Leider sind bereits sehr viele verschwunden und daraus Banken geworden oder sonstige Edelboutiken. Da war das Kaffee KORALLE in der Porzellangasse, welches die ganze Nacht offen war, wenn ich den letzten Zug nach hause verpaßt hatte, "übernachtete" ich dann mit einer Schale Gold und duzenden Gläser Wasser plus jede Menge Zeitungen, heute eine Bankfiliale. In der Nähe, also gegenüber vom franzlBahnhof war das Kaffee Brioni, auch eines meiner "übernachtungs"-Orte.
Da war dann in der Stadt das Kaffee-Museum, Tirolerhof, Brückel, aber das Landtmann hatte ich immer gemieden auch heute noch, weil dort der Kunde abgezockt wird!
Den HAWELKA mochte ich bis heute, auch wenn dort derartig gequalmt wird das die Decke und Wände rauchgeschwängert sind, nur die beiden Alten Hawelkas leben nicht mehr, sehr schade, denn die waren eine Wirte-Qualität  gwesen und soetwas kommt nie mehr wieder!
Leider sind viele Konditoreien verschwunden, nur der "Slutka" neben dem Rathaus lebt noch, dafür der Lehmann am Graben ist weg.


Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 04. Oktober 2016, 23:38:12
Der Gürtel mit seinen Rotlichtbars war eigentlich immer irgendwie sicher, seit den Strizi-Tagen und ja, heute beherrschen die Balkanbanden das Rotlicht aber ohne direkte Probleme.

Das rührt daher, dass noch immer Österreicher die wirklichen "Herrscher" sind und bestens kooperieren mit den "Kieberern".

Zitat
Und ja, Wiens Kaffeehäuser! Leider sind bereits sehr viele verschwunden und daraus Banken geworden oder sonstige Edelboutiken. Da war das Kaffee KORALLE in der Porzellangasse, welches die ganze Nacht offen war... . .

Naja, auch die "Gräfin vom Naschmarkt" war (oder ist noch?) beliebt bei Nachtschwärmern.
Eine Eigenheit gab es dort: um 6 oder 7 Uhr in der Früh mussten alle kurz raus, dann ging es wieder nahtlos weiter (wegen der Lizenz).. .

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 05. Oktober 2016, 17:11:01
Wiener Geschichte(n)

Andrej Kyrillowitsch Graf (später Fürst) Rasumofsky, der russische Gesandte am Wiener Hof,
erbaute Anfang des 19.Jahrhunderts eines der prächtigsten Palais seiner Zeit an der Grenze der Wiener
Vorstädte Landstrasse und Erdberg (im klassizistischen Stil, wenn es wen interessiert, ist aber für die Geschichte unerheblich.).

Da dies, wie damals so üblich, in ein riesiges Projekt ausartete, musste er zwangsläufig
auch eine kleine Heerschar an Bediensteten beschäftigen, das „niedere Gesinde“ hauptsächlich
natürlich aus der näheren Umgebung.
Unter diesen Menschen fand sich auch eine blutjunge, gescheite und ausnehmend hübsche Wäscherin,
die bald Karriere als Zimmermädchen machte – das war ein ganz schöner sozialer Aufstieg.

Naja, es kam, wie es kommen sollte:

der nicht mehr ganz taufrische Fürst verliebte sich in das Mädchen.
Er war zwar verheiratet mit seiner Konstantine – aber das war für seine Avancen kein Hindernis.

So kam es, dass das wiener Vorstadtmädchen eines Tages immer runder wurde und ihm nach den
berühmten neun Monaten einen Sohn gebar – einen Bankert, wie man damals sagte.
Natürlich konnte der Fürst den Sohn nicht legalisieren – das war zu der Zeit undenkbar!
Aber er liebte ihn trotzdem, zumal seine Ehe kinderlos blieb.

Das Kind wuchs heran, ihm wurde eine Lehre als Buchdrucker in einer der renommiertesten Druckereien Wiens ermöglicht
und als er im zarten Alter von 25 Jahren war finanzierte ihm sein Vater einen Handel mit Druckmaschinen,
der übrigens bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts existierte.

Der Fürstensohn heiratete eine Tochter aus gutbürgerlichen Haus,
die ihm wiederum einen Sohn – Eduard jun. - gebar – leider starb sie im Kindbett.

Junior Eduard hatte zwar den Arbeitseifer und die Auffassungsgabe seines Vaters geerbt,
nicht jedoch seine Vernunft dem weiblichen Geschlecht gegenüber.
Gross, blond und mit stahlblauen Augen ausgestattet eroberte er die Damenwelt.
Nach einer Sturm-und Drang- Phase verliebte er sich in eine Dorfschönheit aus Ungarn (dem heutigen Burgenland),
die er auch heiratete und mit der er auch zwei Mädchen in die Welt setzte.
Es dauerte allerdings nicht lange und man lebte sich auseinander – da prallten zwei
Welten zusammen: Wiener Bürgertum und Dorfleben.

Kurz entschlossen liess er sich scheiden – damals eine nicht gerade leichte Übung,
wir stehen inzwischen am Anfang des 20. Jahrhunderts.
Mit einer grosszügigen Abfindung zog seine Ex mit den zwei Mädeln wieder ins Dorf nach Ungarn,
nur um sich einige Zeit später wieder in Österreich zu finden ( da kam das Burgenland zu Österreich –
aber das ist eine andere Geschichte).

Eines der Mädchen hatte offensichtlich den väterlichen Elan und Durchsetzungskraft geerbt,
nach dem Besuch der Schule packte sie ihr Bündel und suchte ihren Vater heim.
Der war aber inzwischen wieder verheiratet – zwar war und blieb diese Ehe kinderlos,
aber die „Neue“ war irgendwie auf ihres Gatten Nachwuchs nicht gut zu sprechen.
Wie auch immer – trotz widriger Umstände blieb das Mädchen in Wien,
arbeitete als Haushälterin und Köchin und bildete sich in ihrer Freizeit weiter.
 
Ich hatte die Ehre, sie einige Jahrzehnte zu kennen, bevor sie im Alter von 96 Jahren verstarb.
Sie war in ihrer Umgebung als hochgebildete Dame sehr beliebt und geschätzt.
Ach ja, bevor ich es vergesse: sie hinterliess drei Kinder, drei Enkel und fünf Urenkel.

Wenn man in der Literatur nachsieht, wird angeführt, dass der Staatsmann und Kunstmäzen
Andrej Kyrillowitsch Fürst Rasumofsky hochbetagt, aber kinderlos starb.

Einige Wiener wissen es besser, ein paar Tropfen seines Blauen Blutes durchfliessen
die Adern noch heute lebender Menschen…..

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Bruno99 am 05. Oktober 2016, 18:52:36
Einige Wiener wissen es besser, ein paar Tropfen seines Blauen Blutes durchfliessen
die Adern noch heute lebender Menschen…..

Koennte es sein, dass auch bei Jock einige dieser Tropfen bei einer Blutuntersuchung zu finden sind  :-)   :D
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 05. Oktober 2016, 19:26:28
Lieber Dr. Wolfram !

Ich haette da eine Frage an dich.

Kuerzlich als ich mich boese geschnitten hatte,war nach kurzer Zeit
der ganze Verband blau und ich ....

Hoppla,falscher Thread - Entschuldigung !

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Kern am 07. Oktober 2016, 03:51:02
Das sind auch für relative "Nordlichter" herrliche österreichische Schmankerln.  :-) ...  ;D ...  :D

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Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: malakor am 07. Oktober 2016, 07:00:01
Das sind auch für relative "Nordlichter" herrliche österreichische Schmankerln.  :-) ...  ;D ...  :D

 ;}

Und fuer absolute Nordlichter herrlich zu lesen.
Ich war noch nie in Wien.
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 12. Oktober 2016, 08:42:16
Man koennte ein Buch darueber schreiben,wie sich Wien
staedtebaulich entwickelt hat.

Von der roemischen Legionaersanlage ueber die Residenz-
stadt zur europaeischen Vorzeigestadt,die Massstaebe im
sozialen Wohnungsbau setzte bis hin zum modernen Wien.

Jahrhundertelang war Wien als "Stadt" auf knapp 1 Km2 ein-
gepfercht,bis sich der Kaiser Franz Josef doch entschliessen
konnte,die Stadtmauern schleifen zu lassen und damit nicht
nur einen Bauboom ausloeste,sondern auch das Zusammen
wachsen der Stadt mit dem umliegenden " Doerfern" beguenstigte.

Wien sollte um 1900 vorbereitet werden,Lebensmittelpunkt
fuer 4 Millionen Einwohnern zu werden.

Das schaffte man zwar nicht,weil ungluecklicherweise die Monarchie
zusammenbrach,aber die Versorgung und Unterbringung von
etwas ueber 2 Millionen,fuehrte dazu,dass ein gemeindeeigenes
Wohnbauprogramm gestartet werden musste.

Das bekannteste Bauwerk war/ist der Karl-Marx-Hof und noch heute
eines der groessten "Wohnhaeuser" von Wien.

In der Architektur der damals entstandenen "Hoefe" kennzeichnet
sich die politischen Gespaltenheit ab.

Die Bauwerke wurden "burgenartig" angelegt um sie leichter ver-
teidigen zu koennen.Nicht etwa gegen Tuerken,sondern gegen die
Christlichsozialen,die dem Proletariat feindlich gegenueberstanden.

Der Zutritt zu den Wohnungen war nur hofseitig moeglich und in die
Hoefe kam man nur durch Torboegen,die leicht zu verrammeln waren.

Die Wohnungen zeichneten sich durch unglaublichen Luxus aus.

Wasser und Toilette alles in der eigenen Wohnung,dazu eine Wasch-
kueche im Souterrain und begruente Innenhoefe mit Sitzgelegenheiten.

Das stand ganz im Gegensatz zu den Wohnungen der (privaten) Haus-
besitzern,auch Bassenawohnungen genannt,mit Klo am Gang und mit
der Bassena ebendort.

Das gemeindeeigene Wohnbauprogramm wurde bis in die spaeten 70.
Jahre fortgesetzt und fand mit der Errichtung der Rennbahnsiedlung
einen fragwuerdigen Hoehepunkt.

Damals ganz weit draussen in Kagran,wo ein normaler Wiener nicht
einmal begraben sein wollte,entstand eine Wohnanlage mit 2.424 Wohn-
ungen und war ab den ersten Moment,wo sie bezogen wurde,ein so-
zialer Brennpunkt.

Drei Geschehnisse kennzeichnen dies.

Ein Mieter hielt sich in seiner Wohnung ein Pferd und in dieser Anlage
geschah ein Verkehrsunfall,der einzigartig in Oesterreich ist.

Im 3.Stock einer Stiege fuhr ein Mieter seinen Nachbarn mit einem
Moped nieder.Es ist der einzige Verkehrsunfall,der sich innerhalb eines
Gebaeude ereignete.

Auch das bekannteste Entfuehrungsopfer,Frau Natascha Kampusch
wohnte dort.

Der Aufbruch zum modernen Wien muss noch ein bisschen warten
und wenn man will,schreibe ich demnaechst darueber.

Jock



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: malakor am 12. Oktober 2016, 08:52:13
Ja, schreib weiter.

Kannst du auch ein paar Fotos bringen, ale und neue ?
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 12. Oktober 2016, 09:15:47

@malakor

alte und neue Bilder erübrigt sich, die Bauwerke haben sich in all der Zeit kaum verändert.

Hier der Karl-Marx-Hof (übrigens der längste zusammenhängende Wohnbau der Welt):

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Marx-Hof (https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Marx-Hof)

und hier der Rabenhof, auch eine ziemlich ansehnliche Wohnanlage (wo ich aufgewachsen bin)

https://de.wikipedia.org/wiki/Rabenhof_(Wien) (https://de.wikipedia.org/wiki/Rabenhof_(Wien))

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 12. Oktober 2016, 10:39:45
Rabenhof 270 Wohnungen weniger als der Karl-Marx-Hof  :P
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 12. Oktober 2016, 10:50:53

Danke, TW, hab ich nicht gewusst.
Aber der Rabenhof soll der zweitgrösste Gemeindebau Wiens sein (oder gewesen sein).

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Wiener am 13. Oktober 2016, 22:33:09
@Jock.  .draußen in Kagran ist der "Rennbahnweg" als diese Bauten neu eröffnet wurden wollte ich mit meiner damaligen Frau dort eine Wohnung, zum Glück wurde nix daraus, denn es wurde leider zu einem sozialen Brennpunkt. Davor gibt es ein "Kultlokal" das Kaffee-Falk wo besonders in der Nacht einiges los ist oder war, bin schon lange nicht mehr dort gewesen, wohne am südlichen Ende der Stadt.

Die "Gräfin vom Naschmarkt" hat sehr nachgelassen, zum Essen kann man nicht mehr hingehen, höchstens auf einen "Absacker" nach dem Kino oder Konzert. Dafür trauere ich um das alte Kaffee Drechsler wo man schon früh um 4 Frühstücken konnte, war zwar stark verraucht und die Wände braun aber es hatte etwas, das neue Drechsler ist leider ein Null-acht-fufzehn Lokal geworden. Am Beginn des Naschmarktes gab es in einem Durchgang 2 Würstelbuden, wo man die besten "Burenhäutl", für Nordlichter, heiße Schweinswürstel, am besten mit süßen Senf und eine Scheibe Brot bekommen hatte. Leider gibts den Wirten nicht mehr. Der Naschmarkt von heute ist nichts mehr, nur noch sogenannte "edellokale" für B+C Promis. Es fehlt das Flair der "Gemüseweiber", heute wird nur noch viel Ramscht verkauft.
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: samuispezi am 14. Oktober 2016, 12:37:09
als Urwiener bestellt man sich am Würstelstand,

a Eitrige mit an Bugl, dazuagschissn und an sechzena Blech. ;]

damit outet sich man dann als "Zuagraster"

Viele Grüße
amuispezi }}
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 14. Oktober 2016, 12:38:09
Mit einem scharfen "Heil Hitler" und gleichzeitigem Zu-
sammenschlagen der Hacken,betrat im Herbst 1938
eine Abordnung aus Berlin kommend das Buero des Bau-
stadtrates von Wien.

Sie unterbreiteten ihm den Befehl,eine Prachtstrasse zu
entwerfen,die schnurgerade vom Stephansplatz bis zum
Praterstern hinfuehren soll,gespickt mit Gebaeuden der
Nazi-Architektur.

Statt einem "Jawolll" hoerten sie nur ein nicht begeistertes
"Jawoi,moch ma".

Das haette sie alarmieren sollen !Damit wurde ihnen unmiss-
verstaendlich mitgeteilt,dass das Vorhaben keine Chance auf
Realisierung hat.

Die Nazis,die sich einbildeten,die ganze Welt unterwerfen zu
koennen,wussten damals noch nicht,dass sie an der Stadt-
verwaltung,besser bei einigen Beamten, scheitern werden.

Selbstverstaendlich wurde sofort begonnen Plaene zu entwerfen,
um sie sogleich zu Schubladisieren.Aufforderungen,die Plaene
nach Berlin zu senden,wurden nicht aufgefunden oder so ver-
zoegert,dass es zu keinen Entscheidungen kommen konnte.

Ja,und dann war ohnehin schon der Kriegsbeginn und kein Geld
mehr fuer das Projekt vorhanden.

Mit der Pracht-und Paradestrasse haette man sich zur Not ge-
rade noch abfinden koennen,aber dass die Nazis den 2. Turm beim
Steffl auch noch errichten wollten,nein Danke !

Jock

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 14. Oktober 2016, 12:44:22
Die Gräfin war leiwand, als noch der (warme) Eckerl Gesch.Fuehrer war! (bis ca. Mitte der 80er)

Spaeter hat's dann der Wolfram Karl gekauft und der ist auch noch selbst am ersten Tisch (mit Tuerentriegler) gesessen und hat Gesichtskontrolle durchgefuehrt.
1994 hat er mir noch gesagt, dass wenn ich das naechstemal nach Wien komme, es die Gräfin nimmer geben wuerde.
Es waeren naemlich Chinesen bei ihm gewesen und haetten ein nicht abzulehnendes Kaufangebot gemacht.
Wie man aber sieht, gibt es sie, in schlechter Form, immer noch!

"Drechsler" hab' ich mir (so wie der Taschner Pepi) selbst Lokalverbot verordnet. Immer so b'soffene Anpumperer drinnen g'wesen.

Neben dem Theater hat's auch noch den Mittermeier geben, der aber mehr fuer die Standler war, die in der Frueh um 4h schon am Markt waren.
Obwohl wir Freunde waren und 'ne zeitlang beim gleichen Verein gekickt hatten, wollte er nicht, dass ich mit meinem meist besoffenen Anhang bei ihm fruehtueckte.  :(  ;D

Da gab's dann noch das damalige "CP", das heutige "goodmann" oder daneben den Miloš mit seinem "M" oder die "Sopherl" mit dem Kellner, der wie der seelige E. Happel ausgschaut hat. Wennst den "Aschyl" g'rufen hast, ist er "schee haas wurn"!   ;D

Lang, lang ist's her

 seinerzeitiger Nochthackler TW   (http://www.cosgan.de/images/smilie/figuren/e050.gif)
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: arthurschmidt2000 am 14. Oktober 2016, 13:11:56
Zitat
Ja,und dann war ohnehin schon der Kriegsbeginn und kein Geld mehr fuer das Projekt vorhanden.

Vielleicht wurde die Planung ja nur deshalb zurückgestellt, um sie später mit der für sicher gehaltenen Kriegsbeute angemessen realisieren zu können.
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 14. Oktober 2016, 13:45:56
Zitat von: jock
Sie unterbreiteten ihm den Befehl,eine Prachtstrasse zu
entwerfen,die schnurgerade vom Stephansplatz bis zum
Praterstern hinfuehren soll,gespickt mit Gebaeuden der
Nazi-Architektur.

Den Praterstern durch eine Prachtstraße mit dem Stephansdom zu verbinden war aber nix Neues!

Alfred Riehl legte bereits 1895 ein Projekt mit dem Titel „Avenue Tegetthoff“ (http://666kb.com/i/dd8ceno1oouz5z77r.jpg) vor.
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 14. Oktober 2016, 13:54:17
@AS2000

Da kann was dran sein.

Manche Historiker vermuten,dass die Prachtstrasse vom
Stephansplatz ueber Praterstern,Reichsbruecke schnurge-
rade bis Moskau fuehren sollte.

12 spurig in jede Richtung und doppelreihig mit 1.000 jaehrigen
Eichen gesaeumt.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Pladib am 14. Oktober 2016, 14:15:26
Schön zu lesen was hier alles über Wien steht. Danke.
Beispiel von @jock: Die "älteste Ostmark des Deutschen Volkes"
hat sich vielleicht viel mehr gegen
die Nazis gewehrt als manche von uns denken. Oft nur nicht leicht erkennbar.
Hat einer noch schöne Bilder von Wien gern auch historische?


Daniel
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 14. Oktober 2016, 14:52:04
Zitat von: Pladib
Hat einer noch schöne Bilder von Wien gern auch historische?

G’schamster Diener   (http://www.cosgan.de/images/smilie/figuren/e050.gif)

http://wearevintagevienna.tumblr.com/
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 14. Oktober 2016, 14:54:03
Hier ein paar Nacht-Ansichten von Wien heute, die nicht unbedingt klischeeüberladen, aber trotzdem schön sind:

Wien bei Nacht mit seinen Donaubrücken

(http://up.picr.de/27119308kg.jpg)

das Nachtleben am Donaukanal

(http://up.picr.de/27119324nw.jpg)

Der Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz

(http://up.picr.de/27119326fh.jpg)

Historischer Strassenbahnzug (Tramwäu), von der Traditionsfirma Manner als Werbeträger verwendet
(http://up.picr.de/27119327nl.jpg)

 und schliesslich die Wiener Reichsbrücke über die Donau

(http://up.picr.de/27119332vz.jpg)

Die üblichen Bilder von Wien könnte man bei Bedarf leicht ergoogeln, aber Gloriette, Schönbrunn, Riesenrad und Stefansdom sind sattsam bekannt,
können aber bei Nachfrage gerne nachgeliefert werden.

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Pladib am 14. Oktober 2016, 15:20:59
Ihr seid ja richtig auf Zack. Vielen Dank. ;}


Daniel
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: arthurschmidt2000 am 14. Oktober 2016, 15:34:56
Hier ein paar historische Tag-Ansichten von Wien:

https://www.google.co.th/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.abaudine.org%2Fvirtunascosta%2Fvirtu%2FImage1.gif&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.abaudine.org%2Fvirtunascosta%2Fvirtu%2Fvirtu.htm&docid=Csl9ZJBs2Ic-RM&tbnid=_Jc4be-K5ofM9M%3A&w=450&h=311&client=firefox-b&bih=512&biw=1056&ved=0ahUKEwjtj6asztnPAhUQ1GMKHb0mCe04ZBAzCC0oKzAr&iact=mrc&uact=8 (https://www.google.co.th/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.abaudine.org%2Fvirtunascosta%2Fvirtu%2FImage1.gif&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.abaudine.org%2Fvirtunascosta%2Fvirtu%2Fvirtu.htm&docid=Csl9ZJBs2Ic-RM&tbnid=_Jc4be-K5ofM9M%3A&w=450&h=311&client=firefox-b&bih=512&biw=1056&ved=0ahUKEwjtj6asztnPAhUQ1GMKHb0mCe04ZBAzCC0oKzAr&iact=mrc&uact=8)
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 14. Oktober 2016, 17:48:50
Das letzte Foto,vom verehrenswuerdigen @ Suksabai einge-
stellt,zeigt auf der linken Seite einen Teil der Darkside von
Wien.

Der Mexico - Platz,benannt aus Dank an Mexio,das 1938 als
einziges Land gegen den Anschluss an Deutschland protest-
iert hat.

Der Mexico-Platz war bis weit ins 20.Jhd.ein Schwarzmarkt-
paradies.

Es gab alles zu kaufen,was entweder schwer erhaeltlich und teuer
oder anruechig war.

Kaviar aus der Sowjetunion,Sekt von der Krim,Bleikristallvasen
aus der Tschechoslowakei,Revolver aus Bulgarien u.s.w.

Auch konnte man zu guenstigen Kursen Forint,Rubel,Lei und Lek
umtauschen.

So mancher Botschaftsangehoerige der US - Botschaft besorgte
einen Auftrag des Pentagons,wenn sie dort eine Strassenkarte von
Archangelst benoetigten.

Matrosen der Donauflotten diverser Laender machten am Mexico -
Platz ihr Schmuggelgut zu harten Devisen,die sie in ihrer Heimat
gut gebrauchen konnten.

Die Auslagen der Geschaefte dort zeigten unverfaengliches Zeugs,
wie Tischdecken aus Ungarn oder Strickwesten aus Rumaenien.

Aber in den hinteren Raeumen spielte die Musik und die nahe Donau
war behilflich,wenn man eine Leiche zu entsorgen hatte.

Seit die meisten Laender der EU beigetreten sind,ist dieses Viertel
ruhig geworden und die Darkside hat viel Aehnlichkeit mit der Dark-
side von Pattaya.Ueberall gesetzte Bewohner.

Sicher nicht so glamouroes wie der steuerlich- fragile Lebensmittel-
punkt eines forenmaessig zeitweilig verblichenen Members,der sich
hoffentlich bald wieder ins pralle Forenleben zurueckmelden wird,
aber doch.

Jock



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 14. Oktober 2016, 18:12:45

Noch eine Kleinigkeit zum Mexicoplatz:

der Platz wird beherrscht von der imposanten Franz-von-Assisi-Kirche, einem wuchtigen Bauwerk,  einer (ich glaube mich zu erinnern) Kölner Kirche nachempfunden, noch in der Monarchie anfangs des 20.Jahrhunderts erbaut.

Viele Jahrzehnte hat gerade der Kontrast zwischen der Kirche ("gut") und dem sie umgebenden Treiben ("böse") auf die Wissenden einen besonderen Reiz gehabt.

lg

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 14. Oktober 2016, 19:10:54

Schön zu lesen

Natürlich  die Geschichterln  wie immer von Jock in  seinem unnachamhmlichen Stil !
Oder  von Wiener, Suksabai  besonders auch  von TigerWutz  !
Tigerwutz  bin  vorraussichtlich in  14  Tagen  in Wien /  mehr in Baden...
Vielleicht  sieht man  sich mal   ?  Müß  ma  mal  reden per FB PN ;) :)
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Burianer am 14. Oktober 2016, 19:13:59
 ???  Es gibt ihn noch  ???
Unseren Bayer  }}
Gruss  aus Buriram, Helmut   }}
Lass bitte mal oefters von Dir hoeren .
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 15. Oktober 2016, 10:44:58
Wie schon vorher zu erkennen war,war die staedtebauliche
Architektur in Wien der zwanziger Jahre von politischen
Spannungen beeinflusst.

Die "Hoefe" von den herrschenden Sozialdemokraten er-
richtet,waren als "Burgen" angelegt.
Die Bauordnung,die eine Bebauung von maximal 26 m festlegte,
verhinderte,dass Wien New York wurde.

Dabei waren die Wolkenkratzer ein Symbol fuer das Moderne
und Fortschrittliche.

Endlich 1929 gelang es der Stadtverwaltung die Bauordnung zu
kippen und sogleich planten sie einen Wolkenkratzer,der aber
nicht hoch werden durfte.

Der Plan wurde nicht realisiert,weil die Christlichen,die die Regierung
beherrschten,es zu verhindern wussten und ihrerseits mit einem
Plan an die Oeffentlichkeit gingen,der ein Hochhaus in der Innen-
stadt vorsah.

Mit rund 50 m war das Hochhaus Herrengasse das hoechste profane
Gebaeude in Wien.
Oben auf dem Dach war ein Restaurant eingerichtet,von wo man einen
herrlichen Ausblick auf Wien hatte.225 Wohnungen im Ausmass von
25 m2 bis 140 m2 waren eingeplant.
Die kleinen Wohneinheiten waren fuer Ledige gedacht und hatten keine
Kueche,nur eine Kochnische.Die Miete betrug zwischen 80 und 380 ATS.

Fuer die damalige Zeit war die Miete extrem teuer und so kam es,dass nur
die Besserverdiener dort einzogen.Besonders bei den Opern-Theater-
und Filmstars war es eine Prestigesache,die Herrengasse als Adresse zu
nennen.

Dann kam,wegen des Krieges eine Phase des Stillstandes bei der Errichtung
von markanten Bauwerken in Wien.

Erst 1953-1955 schlugen die Sozialdemokraten zurueck und errichteten
den Ringturm.Das 73 m und mit dem Masten am Dach 93 m hohe Gebaeude
war lange das Hoechste in Wien,allerdings war es kein Wohngebaeude,sondern
der Sitz einer Versicherung.

Danach kam wiederum eine Phase,wo sich nichts Besonderes im Staedte (hoch)-
bau tat.

Aber dann kamen 3 Maenner,die das Tor in die Neuzeit oeffneten.

1962 errichtete der Architekt Karl Schwanzer das Philips- Haus.Ein markantes,
von weiten sichtbares (wenn man von Sueden kam)Buerogebaeude an der
Triesterstrasse.

Der Architekt Harry Glueck entwarf Wohngebaeude,die sich dadurch aus-
zeichneten,dass es am Dach einen Gemeinschaftsschwimmingpool gab,soziale
Begegnungsraeume und Geschaeftszeilen.

Die Wohntuerme Alt Erlaa sind eine gesuchte Adresse und ebenfalls weithin
sichtbar.

Den Vogel im Wohnungsbau schoss ein bunter Vogel namens Friedensreich
Regentag Dunkelbunt Hundertwasser (buergerlich Friedrich Stowasser) ab.

Ihm gelang es,der Stadtverwaltung die Erlaubnis zur Errichtung eines Wohn-
gebaeudes abzuschwatzen,das die Wiener noch nicht vorher gesehen haben.

Schief wirkende Waende,verzogene Fassaden,bunte,teils zerbrochene Fliesen
mosaikische Saeulen und Bepflanzungen,war und ist das Haus ein Besucher-
magnet.
Thailaendische Besucher finden hier einen hohen Grad an Wiedererkennung
im Hausbau.

Jock

Man moege mir verzeihen,dass ich nicht auf alle namhaften Architekten ein-
gehen will,die ihre Spuren hinterlassen haben und auch interessante Ge-
baeude errichtet haben.
Eine Folge der kleinen Exkursion haette ich noch,die sich mit der heutigen
staedtebaulichen Entwicklung beschaeftigt.



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Pladib am 15. Oktober 2016, 14:26:42
Ich verstehe dass man so eine schöne Heimatstadt liebt.
Aber ist die Sehnsucht dann nicht auch gross lebt man in Thailand.
Besucht ihr Wien?


Daniel
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 15. Oktober 2016, 14:48:34
Zitat von: Pladib
Besucht ihr Wien?

Ja, in 28 Jahren (=fast mein halbes Leben!) waren's ganze zwei Mal  (2x)   :)

Jetzt bin ich wieder seit 2 Jahren hier in Wien und moechte nicht mehr in TH leben.
Kurz u. Langzeiturlaube koennte ich mir aber nach wie vor schon noch vorstellen.

LG TW 

Nachtrag:  Bin hier in Wien gleich mal um 20 Kilo schwerer geworden!  Woran das wohl liegt?   (http://www.cosgan.de/images/smilie/nahrung/e065.gif)
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 15. Oktober 2016, 15:39:06
Besucht ihr Wien?

Nein, prinzipiell nicht!
Natürlich hat man relativ gerne in Wien gelebt, aber mit der Zeit glorifiziert man auch die Vergangenheit.

Ich habe immer nach dem Motto "ganz oder gar nicht" gelebt.. . .

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: rampo am 15. Oktober 2016, 16:12:15
LG TW 

Nachtrag:  Bin hier in Wien gleich mal um 20 Kilo schwerer geworden!  Woran das wohl liegt?   (http://www.cosgan.de/images/smilie/nahrung/e065.gif)


Gaunz  Ohfach nix  Hakln  und den gaunzen  Tog  , bei Wirt um  eck  hucka .

Hatte sehr viel  Beruflich in Wien  zu tun ,  auser  Tschuschn nur  Tschuschn   Alis und  Ludowickas   waren auch zu genuege  vorhanden .

Fg.

---

Änderung:
Zitatbereich korrigiert
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Pladib am 15. Oktober 2016, 16:49:17
- aber mit der Zeit glorifiziert man auch die Vergangenheit.

Da ist viel Wahres dran.
Schlimm wäre aber auch seine Gegenwart zu glorifizieren.
Die Frage kann sein hat man im Alter dann
noch die Kraft wieder zu beginnen? Alles nicht so einfach. Für die Jungen schon.


Daniel
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Pladib am 15. Oktober 2016, 16:53:09
Bin hier in Wien gleich mal um 20 Kilo schwerer geworden!  Woran das wohl liegt?

Alles nur Wasser denn in Thailand hast du viel mehr geschwitzt.


Daniel
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Burianer am 15. Oktober 2016, 17:03:07
 :-)  Pladib   ,   der Mensch soll  ja  angeblich zu 70 Prozent  aus Wasser bestehen   [-]

Die Verdunstung war wohl in Thailand hoeher  :]
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 15. Oktober 2016, 18:29:21
@Pladib

Auch ich war seit 10 Jahren nicht mehr in Wien.

Ich kehre erst zurueck,wenn ich der bekannten Wiener medi-
zinischen Schule ein reiches Betaetigungsfeld bieten kann.

Meine Schreiberei hat weniger mit Nostalgie zu tun,mehr mit Zeit-
zeugentum aus einer laengst versunkenen Welt.

Ich bin daher keiner,der beim Passieren der Spinnerin am Kreuz
Heimwehschuebe erleidet.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 19. Oktober 2016, 13:02:46
Einer der bekanntesten Architeken war Prof.Roland Rainer.

Er erbaute die Wiener Stadthalle und andere,damals zu-
kunftsweisene Wohngebaeude.

Dabei entwicklelte er einen besonderen Stil,der sich dadurch
auszeichnete,dass die Gebaeude Flachdaecher hatten,viel
Sichtbeton und das sonstige Mauerwerk weiss war.Als Kontrast
hatten die Fensterrahmen und Tueren schwarz zu sein.

Die Reihenhaeuser,wovon  ich eines  bewohnte,strahlten die
Gemuetlichkeit eines Operationssaals aus,obwohl die Raumauf-
teilung durchaus durchdacht war.Ein kleiner Garten lud sommers
zum Draussensitzen ein.

Ich und meine Familie waren gluecklich,heiter und froh.

Nicht so mein unmittelbarer Nachbar.Dieses Reihenhaus war so
gar nicht nach seinem Geschmack.

Die halbhohe Tuere zum Vorgarteneingang,aergerte ihn gewaltig,
dagegen war der Brieftraeger sehr erfreut,wenn er anlaeutete und
Nachbars Frau in ihrer Vergesslichkeit im Evakostuem oeffnete.

Also schritt er zur Tat,sein Heim zu einem gemuetlichen Heim zu
machen.

Gebluemte Tapeten,da und dort eine Geweihtrophaee,ein althoch-
deutscher,auf Eiche gebeizter Wohnzimmerschrank,bei dem die 
6 Leute des Moebelhauses ,ihre Mueh und Not hatten,ihn ins Haus
zu tragen und eine maechtige Sitzgruppe in den gedaempften Farben
Braun,Beige und Undefinierbar.

Das Wohnzimmer zeichnete sich dadurch aus,dass eine 5 m breite
und 2 m hohe Glasfront den Garten ins Haus  einbeziehen und
den Raum,speziell im Winter in einen sonnenueberfluteten Bereich ver-
wandeln sollte.

Das wurde erfolgreich durch eine dichte Gardine verhindert und abends
noch durch einen samtenen Dekor mit Seitenquasten,verstaerkt.

Eine funktionierende Kuckucksuhr liess uns immer wissen,wieviel es
geschlagen hat.
Die duennen,laermdurchlaessigen Waende informierten seine zwei
Nachbarn verlaesslich ueber das Nachkommen seiner ehelichen Pflichten,
da zuerst eine Platte mit Verdi- Musik aufgelegt wurde und hinterher
das Rauschen des Wassers im Badezimmer zu hoeren war.

Zur Abrundung seines haeuslichen Gluecks,und zum Stil der Einricht-
ung passend,wurde ein Dackel ,namens Ludwig angeschafft,der 3 x
einen Polizeieinsatz erforderte.

Das kam meistens so:

Die Gartentuere war offen und das verdammte Vieh bellte geschlagene
3 Stunden non-stop.
Da wir in Traiskirchen ja das "Fluechtlingslager" hatten,wo sicherlich
einige Muslime untergebracht waren,erfuellte uns die Sorge,dass ein
Verbrechen geschehen war.

Wir riefen die Polizei - sie kamen,laeuteten an der Tuere,droschen dann
mit der Faust drauf und da sich nichts ruehrte (ausser das Hundegebell)
oeffneten sie vorsichtig,die Hand an der Pistole,die mittlerweile wald-
gruen gestrichene Tuer und drangen,sich absichernd, ins Haus ein.

In der Kueche fanden sie die Hausfrau.

Sie war voll mit der Zubereitung eines koestlichen Abendessen be-
schaeftigt und verlor dabei jeden Bezug mit der Umwelt.

Da die Wohnanlage "beruehmt" war,zogen immer wieder Architekt-
urstudenten mit Ihren Dozenten in der Anlage herum,und baten,
doch einen Blick in das Innere der Haeuser werfen zu duerfen.

Bei meinem Nachbarn blieben sie nie lange und auf der Heimfahrt
ueberlegten sicherlich manche Studenten,ob ihre Architektur denn
wirklich einst gewuerdigt werden wird und ob sie nicht doch die
Studienrichtung aendern sollten.

Jock




Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 21. Oktober 2016, 10:28:06

Eine Wiener Ansicht habe ich noch:

Wien wird immer andersrum fotografiert, vom (Hausberg) Kahlenberg herunter. Nun einmal die andere Richtung.
Dieser "Berg" ist 494 m hoch und der absolut beliebteste Aussichtspunkt über Wien.

Hier auf dem Bild mit Donau, Millenniums-Tower und Brigittenauer Brücke bei Nacht.. . .

(http://up.picr.de/27184353pd.jpg)

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 21. Oktober 2016, 12:01:21
Wie das Foto zeigt- das heutige Stadtbild ist modern.

Die " Tuerme" wurden nicht willkuerlich ueberall in der Stadt
errichtet,sondern an bestimmten Stellen.

Am Wienerberg,entlang der Donau,neben der Uno - City. Mittler-
weile mehr als ein Dutzend.

Wie sehr die Stadt gut ueberlegt verwaltet wird,erkennt man,wenn
man mit der Strassenbahnlinie 49 faehrt.

Sie passiert die naheliegende Stadthalle,wo Hans Orsolics Triumphe
feierte,also wo das pure Leben stattfindet,sodann,gegen Ende des
Lebens das Hanuschkrankenhaus,gleich darauf die "Versorgung Baum-
garten" um 1 Station weiter beim Baumgartner Friedhof zu halten.

Kein Vergleich mehr mit der muffigen,finsteren Stadt,die Napoleon
veranlasste,lieber in Schoenbrunn sein Quartier aufzuschlagen,da ihm
die (Innen)stadt zu unheimlich erschien.

Heute koennte er mit der U-Bahn bequem zum Steffel fahren und beim
Demel auf Kaffee und Torte einkehren und mit den vielen russischen
Oligarchen die Einnahme von Moskau diskutieren.

Auch fuer Fitness der Buerger sorgt Wien.Die Donauinsel bietet Radfahrern,
Schwimmern und Skater viel Platz fuer Bewegung.
Der neue Zentralbahnhof mit der interessanten Architektur hat sogar
einen eigenen Weitwanderweg anzubieten,denn die naechste U-Bahn-
haltestelle ist gut 300 m entfernt.

Wien ist in und laesst manche nicht mehr los.

Selbst Mozart ist wieder auferstanden und verkauft vor der Oper Opern-
karten und Josefine Mutzenbachers Toechter sollen genauso tuechtig
sein,wie ihre Mutter. (Manche sprechen sogar ungarisch,unkrainisch und
tschechisch)

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Vimana am 21. Oktober 2016, 17:41:57
@ Jock

"Der neue Zentralbahnhof mit der interessanten Architektur hat sogar
einen eigenen Weitwanderweg anzubieten,denn die naechste U-Bahn-
haltestelle ist gut 300 m entfernt."

Immer wieder köstlich, bei dir zwischen den Zeilen zu lesen. {*
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 22. Oktober 2016, 00:48:31
..
Wenn einer eine Reise tut, so weiß er zu erzählen
Wien, Wien nur du allein.

auf was nicht alles wird dieser Spruch angewendet. .

Ich brachte den Regen mit nach Wien, denn seit der Grenze regnete es unaufhörlich und recht stark.Und die meisten Städte wirken trostlos  wenn es regnet und sind dann alles andere als hübsch und anheimelnd,  egal ob Mailand, ob Madrid oder Paris.                    Paris erstrahlt nur in Schönheit  bei strahlendem Wetter, ansonsten forgett it….

Nur Wien nicht, Wien kann man sogar im November bei Regen ertragen, wie ich wieder einmal feststellen konnte.

Und so machte ich mich auf zu einem Stadtbummel

(http://up.picr.de/20218831zr.png)
Hier der Steffel ,  Wiens Stefansdom


Wer wie ich aus einer im Krieg völlig zerstörten Stadt kommt, den erfreuen diese stilvollen
Häuser einer anderen Epoche. Und wenn man dann im Zentrum Wiens die herrlichen Häuser sieht , teilweise mit wunderbaren Ornamenten geschmückt, oder eben in vollendeter Steinmetzkunst  gestaltet, allesamt mit dem sogenannten “goldenenSchnitt“ am Reißbrett entworfen.

(http://up.picr.de/20218823rm.png)

(http://up.picr.de/20218824pz.png)

(http://up.picr.de/20218826mp.png)

(http://up.picr.de/20218824pz.png)

(http://up.picr.de/20218830kl.png)

(http://up.picr.de/20218828pj.png)




In vielen dieser  schmucken Häuser residieren heute die Nobel und Luxusmarken dieser Welt,
ein klangvoller Name ein luxuriöses Label neben dem anderen. Und eigentümlicherweise stehen vor und in jedem Laden  Wachpersonal: wer wird da beschützt:
Der einkaufende Kunde?
Das Personal des Ladens ?
Oder gar die Ware?

(http://up.picr.de/20218833rh.png)

(http://up.picr.de/20218832yn.png)

(http://up.picr.de/20218840gh.jpg)

(http://up.picr.de/20218835fx.png)

(http://up.picr.de/20218834pl.png)



Und nachdem ich in den  20.sten , 30 sten Kunden leeren Laden gesehen habe, stelle ich mir die Frage, wie sich diese Läden rechnen?
Toplagen.
Top Preise und nirgends wo Kunden zu sehen :
(http://up.picr.de/20218838yq.jpg)(http://up.picr.de/20218837kb.jpg)

(http://up.picr.de/20218836vc.png)

(http://up.picr.de/20218841kj.jpg)

(http://up.picr.de/20218842gi.jpg)



Ende  Teil  1
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 22. Oktober 2016, 01:17:10
.
Wenn einer eine Reise tut, so weiß er zu erzählen

Wien, Wien nur du allein.

Und so machte ich mich auf zu einem Stadtbummel.
Und mitten in der Stadt  steht man dann urplötzlich vor einem sehr gepflegtem Haus
das aber eher unscheinbar  und wenig aufdringlich wirkt.  Man muß schongenauer auf  den dunklen Ausleger schauen  der schlicht einen Hinweis gibt :

(http://up.picr.de/20226320jv.jpg)
Eine Institution öffnet  sich, aber dann beim eintreten in die Geschäftsräume des ehrwürdigen Hauses. Und wohltuend, daß man  auf modernen schickschnack verzichtet,   sondern  die stilvollen Räumlichkeiten wirken läßt, die nur der ecellenten Ware  verpflichtet sind.

Bereits 1786 wurde der Betrieb  am Michaelerplatz eröffnet. Später dann  vom Erstgesellen Demel übernommen ehe er erneut umzog  an den Kornmarkt, den jetzigen Standort.
Stilvoll  im Rococo ausgestattet, mit vielen Spiegeln ist es noch heute so  erhalten.

(http://up.picr.de/20226743py.png)

(http://up.picr.de/20226444ck.png)

(http://up.picr.de/20226349tf.png)

(http://up.picr.de/20226431dm.png)


Heute gehört es einem türkischen Konsortium und  ein Umbau ist in Planung. .
daher seht es euch noch in der jetzigen Form an.

(http://up.picr.de/20226350lm.jpg)

(http://up.picr.de/20226352hn.jpg)(http://up.picr.de/20226351gi.jpg)

(http://up.picr.de/20226356jn.jpg)

Schokoladen aus dem Hause Demel

(http://up.picr.de/20226357wl.jpg)

(http://up.picr.de/20226683uu.jpg)

(http://up.picr.de/20226660ft.jpg)


Und inmitten derAuslagen sah ich feine runde Schächtelchen , auf denen  stand:
„Kandierte Veilchen“

(http://up.picr.de/20226719kr.jpg)


und diese waren eines der Lieblings Näschereien meiner verehrten Mutter.
Und wann immer sie in Wien war,  hat sie sich und uns allen ein Döschen dieser Köstlichkeit mitgebracht.
Also habe auch ich selbstverständlich einige dieser Döschen erstanden,
eine Spezialität des Hauses Demel.

Und im Demel kann man dem Zuckerbäckerpersonal  getrennt durch Glasscheiben bei der Arbeit zusehen,
wie  sie die Köstlichkeiten bereiten.
So bekommt der Laie auch einen Eindruck von euner Manufaktur, von Man-Power, von liebevoller  Handarbeit.

(http://up.picr.de/20226705ym.jpg) (http://up.picr.de/20226706ew.jpg)

(http://up.picr.de/20226713st.jpg)(http://up.picr.de/20226709ry.jpg)

(http://up.picr.de/20226708hm.jpg)(http://up.picr.de/20226707ii.jpg)

Und es gibt Leute die sich die Nase platt drücken  und unentwegt zusehen,
wie die schmackhaften Kunstwerke entstehen.


(http://up.picr.de/20226714fr.jpg)

(http://up.picr.de/20226715ax.jpg)

Adjeu  K&K  Hoflieferant   Demel

weiter gehts zum  K&K  Weihnachtsmarkt  am  Michaelerplatz,

das gibts dann in der 3.Folge 







Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Isan Yamaha am 22. Oktober 2016, 01:37:04
Bist du in Wien?
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 22. Oktober 2016, 08:16:31
Vor 100 Jahren,mitten im WK I setzte langsam die Inflation ein.

Dinge des taeglichen Bedarfs stiegen und gleichfalls der Mietzins.

Die damalige Regierung reagierte mit einem "Mieterschutzgesetz",
das den Hausbesitzern verbot,Mietzinse zu erhoehen und sie quasi
einfror.

Man wollte damit den Delogierungen weiterer Bevoelkerungskreise
entgegenwirken.

Dieses Gesetz ist zwar in den 1990  Jahren aufgeweicht worden,hat
aber bei Altmietvertraegen immer noch Gueltigkeit.

So kommt es,dass traditionelle Geschaeftsinhaber,dessen Familie
in der Innenstadt in bester Lage,seit 100 oder 150 Jahren einen
Betrieb fuehrten,verhaeltnismaessige geringe Miete fuer ihre Geschaefts-
lokale zu zahlen hatten.

Jetzt sind sie alt geworden und wollen in den Ruhestand.Ihre Kinder
haben kein Interesse den Betrieb weiterzufuehren,da sie vom Ertrag
nicht gut leben koennen.

Geben sie daher ihren Betrieb auf,freuen  sich sowohl der Hausbe-
sitzer als auch der zukuenftige Ruhestaendler.

Die Abloese fuer ihren Betrieb lassen sie sich,je nach Groesse und Lage
mit bis zu 1 Million vergolden.Der Hauseigentuemer,bei dem die inter-
nationalen Ketten,die noch keinen Flagshipstore in Wien haben und
Schlange stehen,kann bei der Weitervermietung statt der vielleicht
monatlichen 1.500 Euro,locker jetzt 40.000 Euro einstreifen.

Die Mietpreise in der Innenstadt betragen zwischen 5.000 und 15.000
Euro pro m2 im Monat.

Wie Bernd richtig bemerkt hat,werden die Flagshipstores keinen Ge-
winn erwirtschaften.
Starbucks zog sich aus der Innenstadt zurueck und wie ich gelesen
habe auch Giorgio Armani.

Die kaufkraeftige Schicht der Russen verduennt sich und die reichen
Araber bleiben auch langsam aus.

Dabei sind die Margen bei den Edelmarken atemberaubend.

Handtaschen von Hermes sind zwischen 8.000 und 100.000 Euro
wohlfeil.Eine Jean kostet am Kohlmarkt ab 600 Euro u.s.w.

Aber ich freue mich schon auf die weiteren Berichte von Bernd,wenn
er den Meinl am Graben besucht und im Sacher eine Torte mit steinharter
Glasur zu essen versucht hat.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 23. Oktober 2016, 03:45:57


Für alle  die in alten Erinerungen schwelgen

und gestern und heute vergleichen wollen :



(http://up.picr.de/27202147nv.jpg)

Um 1980, Favoritenstraße, Wien 10
heute eher  etwas  heruntergekommen..



(http://up.picr.de/27202152gi.jpg)

Okt. 1979, Eichenstraße/Philadelphiabrücke, Wien 12

(http://up.picr.de/27202153zo.jpg)

1900, Neuer Markt, Wien 1
(damals auch Endstation der Straßenbahnlinie 58)


(http://up.picr.de/27202155vx.jpg)

ca  zwischen 1963/ 1970, ein Kontrollor der Wiener Verkehrsbetriebe steigt beim Einstieg aus einem Bus der Linie 13A.
Von da her stammt der bis heute gängige Wiener Ausdruck
"Schwarzkappler", da die Kontrollore komplett schwarz uniformiert waren.

(http://up.picr.de/27202206dn.jpg)

1910, "Milchfrau" in Wien 1.,
"Steirische Milch-Wirtschaft"


(http://up.picr.de/27202251nr.jpg)

Wienfluß  Riviera  um  1935

(http://up.picr.de/27202324cu.jpg)

Grinzing 1965

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 23. Oktober 2016, 04:16:21

(http://up.picr.de/27202519ui.jpg)

Wenn einer eine Reise tut, so weiß er zu erzählen...


Wien , Wien, nur du allein (Teil 3)


Und so machte ich mich auf zu einem Stadtbummel.
Durch Wiens Zentrum und in Nähe der Hofburg herum zu schlendern macht riesigen Spaß.
Und die ganze Architektur, die Bausubstanz  erfreut das Auge Haus um Haus.

Da sieht man erst mal, was alles bei uns durch den Krieg zerstört wurde,
Aber nicht nur das,  man sieht auch und bekommt vor Auge geführt,   wie konzeptlos in den meisten Städten die Stadtplaner und die Baumeister sich austoben , austoben dürfen.

Da mach Wien sicher Spaß und Freude, all denen die  Stil und Ästhetik mögen !

Und eines dieser wunderschönen Häuser befindet sich am  Ende vom Graben, dort wo er auf den Kohlmarkt stößt und es links weg zum  Michaelertrakt an der Hofburg geht.
Der Meinl

eine Institution in Wien

(http://up.picr.de/20231506ck.jpg)

http://www.meinlamgraben.at/Delikatessen

(http://up.picr.de/20231516pr.jpg)


Vergleichbar nur dem Dallmayr in München, ebenfalls ein Hoflieferant, allerdings bei  Kaisers und nicht wie in München beim Königshaus.

Dann also nichts wie  hinein  in den Tempel der Gaumen – Lust,
hinein  und eintauchen in einen Rausch der Sinnesfreuden , und ihr seid dabei:

Bier ,direkt am Eingang zu finden.
Wenn schon, denn schon,  aber nicht Bier, sondern  Bier aus aller Herren Länder:


(http://up.picr.de/20231519db.jpg)

(http://up.picr.de/20231523um.jpg)(http://up.picr.de/20231521hd.jpg)

(http://up.picr.de/20231620pc.png)(http://up.picr.de/20231623ci.png)



Daneben deckenhoch:

Weine aus aller Welt:


(http://up.picr.de/20232091od.png)(http://up.picr.de/20231625qm.png)


aber seht selbst, was  alles an Kostbarkeiten angeboten wird:

(http://up.picr.de/20232115wd.jpg)

(http://up.picr.de/20232116ab.jpg)(http://up.picr.de/20232129nu.jpg)

(http://up.picr.de/20232125yu.jpg)(http://up.picr.de/20232117yx.jpg)


etwas weiter beim Rundgang  erfreut sich das Auge  auch an frischem Obst und Gemüse:

(http://up.picr.de/20232238ab.jpg)(http://up.picr.de/20232238ab.jpg)

(http://up.picr.de/20232234oe.jpg)(http://up.picr.de/20232233mj.jpg)

(http://up.picr.de/20232241yo.jpg)(http://up.picr.de/20232231vg.jpg)


und an frischen Kräutern aller Art mangelt es sich auch nicht

und auch Kartoffeln aller Art finden sich für die Schmankerlküche und jeden Zweck:


(http://up.picr.de/20232097pp.png)(http://up.picr.de/20232099xm.png)


und  selbst Weihnachtskalender  kannst  bereits haben :

(http://up.picr.de/20232099xm.png)


Also,  bis  zum nächsten Teil ! 
Pfiad  eich !




Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 23. Oktober 2016, 10:50:35

Oiso i find des klass!

(Also ich finde das super). Als eingeborener Wiener ist man ja manchmal "betriebsblind",
ich sehe mir mit Begeisterung den Bericht von Bernd an.

Danke und weiter so!

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 24. Oktober 2016, 08:59:33

(http://up.picr.de/27219826fd.jpg)


Wien , Wien, nur du allein
[/size]


Weihnachtsmarkt am Michaelerplatz in Wien

Und so machte ich mich auf zu einem Stadtbummel.

geht man vom Stephansdom und Stephansplatz,     Am Graben und dann  über  den Kornmarkt, vorbei  am  Feinkost  Josef Meinl,  dann am  K&K  Hoflieferanten Demel  vorbei , dann gehts weiter zum  K&K  Weihnachtsmarkt  am  Michaelerplatz.

Ein wunderschönes Ensemble , ein wunderschöner Platz.

Man hat sich etwas einfallen lassen  und  dort einen Weihnachtsmarkt aufgebaut .
Nun was man davon halten soll ?
Ich weiß nicht recht .
Wäre es nicht die  Originalkulisse Wien , könnte man meinen  es sei Disneyworld.
Mir ist das zu kitschig,  zuwenig urban sondern künstlich aufgepfropft.

Aber schaut euch das doch selbst an und bildet euch euer eigenes Urteil:


(http://up.picr.de/20241856gp.jpg)


(http://up.picr.de/20241857rs.jpg)


(http://up.picr.de/20241962kv.jpg)


(http://up.picr.de/20241964ug.jpg)


(http://up.picr.de/20241963zb.jpg)


(http://up.picr.de/20241861ak.jpg)


Also geht es wieder  zurück  Richtung Stephansplatz


und  zum Kaffeetrinken ins Sacher


(http://up.picr.de/20241955tq.jpg)


(http://up.picr.de/20241954ak.jpg)


(http://up.picr.de/20241960ae.jpg)



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 24. Oktober 2016, 12:13:00
Es haette mich ja sehr gewundert,wenn Bernd nicht den
Meinl am Graben besucht haette.

Der Vergleich mit Dallmayr trifft vollstaendig zu.Edle Kaffee-
und Teesorten und ausgesucht hoefliche Bedienung.

Dabei ist der Meinl am Graben das letzte Geschaeft in Oesterreich
eines, einst ueber 1.000 Filialen grossen Netzes in halb Europa.

1862 wurde von Julius Meinl I. die Firma gegruendet.Sein Sohn
Julius II.erweiterte die Geschaeftsstellen und fuegte einige Fabriken
hinzu,die sich mit der Lebensmittelerzeugung beschaeftigten.

Julius II. heiratete 1931 eine um 40 Jahren juengere Japanerin,die
somit ihrer Aufforderung nach Japan zurueckzukehren entgehen
konnte.

Julius II, war ein Gesellschaftsmensch und hatte in seinem Freundes-
kreis auch den beruehmten Filmstar Victor de Kowa.
Eines Tages sprach Victor de Kowa bei Julius vor und bat um die Hand
seiner Frau.
Er bekam sie und die Maenner blieben trotzdem Freunde.

Als die Nazis naeher rueckten und die Gefahr,dass die mit juedischen
Wurzeln belastete Familie, ihr Leben und ihre Betriebe verlieren
koennte,adoptierte Julius II. " Fritz" und uebergab ihm den gesamten
Besitz.
Ueber "Fritz" weiss die Chronik nicht allzuviel,man munkelt,er sei der
Prokurist gewesen.
1938 floh Julius III.mit seinen Soehnen nach England,von wo er erst nach dem
Krieg wieder nach Wien zurueckkam.

"Fritz" uebergab seinem Adoptivvater den mittlerweie restituierten Betrieb
wieder und dabei stellte man fest,dass er all die Jahre ausschliesslich nur
seinen angemessenen Gehalt bezogen hatte.

Er wurde grosszuegist abgefunden,zog nach Suedamerika wo er eine Kaffee-
farm betrieb.

Auf Julius III.folgte Julius IV.der weiterhin am Erfolg arbeitete,doch war der
Zenit der Dynastie im Lebensmittelhandel bereits ueberschritten und die
ersten Supermaerkte traten in Erscheinung.

Julius V. ( der ,der mit "Spaengli" verheiratet war) verkaufte die Filialen
und behielt sich nur den Meinl am Graben.
Der Fuenfer war ein Bankmann und managte die familieneigene Bank,mit
anfangs hervorragenen Ergebnissen viele Jahre lang.

Als er vor einigen Jahren in Untersuchungshaft genommen wurde,kam er
innerhalb von 2 Tagen wieder aus der Haft  heraus.In dieser kurzen
Zeit war es ihm gelungen eine Kaution von 100 Millionen Euro aufzustellen.

Das Logo der Firma wurde 1924 geschaffen und zeigt einen,demutsvoll
nach unten blickenden Mohr mit einem roten Fes.

2004 endlich entschloss man sich,das Logo zu aendern.

Seit dieser Zeit ist auf rotem Untergrund ein weisser Scherenschnitt eines
Kopfes mit Fes und Quaste zu sehen.Und er blickt nicht mehr so sehr nach
unten.

Jock



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 25. Oktober 2016, 22:37:59

Wunderschön  deine  erzählten  Erläuterungen,Jock !

Da  bist  du unübertrefflich !

LG  Bernd
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: malakor am 26. Oktober 2016, 06:29:39
Wiener Kneipen in Bildern
(von einem, der noch nie in Wien war)

http://www.sueddeutsche.de/kultur/wiener-kneipen-in-bildern-wiener-unterwelt-1.3087161
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 26. Oktober 2016, 08:23:04
.
Wien, Wien nur du allein.

Der Meinl
Julius Meinl am Graben
Teil   2

(http://up.picr.de/20231506ck.jpg)
 
http://www.meinlamgraben.at/Home

eine Institution in Wien

(http://up.picr.de/20231516pr.jpg)


Nun könnt ihr mit mir weiter durch die heiligen Hallen des Julius Meinl schlendern.


(http://up.picr.de/20241982ll.jpg)

(http://up.picr.de/20241984re.jpg)(http://up.picr.de/20241985ck.jpg)

und nun auch mal einkehren, sich etwas gönnen:
etwas Gebäck aussuchen,
ein Gläschen Champaign,
einen Kaffee


(http://up.picr.de/20241989yz.jpg)

(http://up.picr.de/20241990tf.jpg)

(http://up.picr.de/20241991um.jpg)

dann geht es  gestärkt  weiter:

Eingelgte Oliven etc 


(http://up.picr.de/20241994fm.jpg)

hier nun eine reiche Auswahl verschiedener  Ravioli und Pastaspezialitäten

(http://up.picr.de/20241995ar.jpg)

hier  die Käsetheke :

(http://up.picr.de/20241996ce.jpg)

dem schließt sich  die Brottheke mit großer Auswahl an
(http://up.picr.de/20241997sy.jpg)

(http://up.picr.de/20241999mi.jpg)

oben nun  Packerl Tee
unten die Bedientheke mit seltenen Teespezialitäten aus aller Herren Länder


(http://up.picr.de/20242000bd.jpg)

(http://up.picr.de/20242001if.jpg)

Hier ein großes Regal mit Essigen aus aller Welt und aller Art:


(http://up.picr.de/20242002mo.jpg)(http://up.picr.de/20242003ul.jpg)

(http://up.picr.de/20242004az.jpg)

jetzt wird es für mich wiederinteressant :
die Trüffeltheke , da könnte ich drin baden ..


(http://up.picr.de/20242005qm.jpg)

hier Fischmarinaden etc


(http://up.picr.de/20242006el.jpg)

Hier nun Kaviar  aus allen Provinenzen
und in allen Gebindegrößen

(http://up.picr.de/20242008gp.jpg)

(http://up.picr.de/20242009uy.jpg)
die Preise dazu :

abschließend in der Fischabteilung noch Fischsalate

(http://up.picr.de/20242016yf.jpg)

Das hier liebe ich besonders: Französische Pasteten aller Art,
deren Machart ich selbst recht gut beherrsche


(http://up.picr.de/20242017cu.jpg)

weiter gehts mit Schinken und Salami Spezialitäten aus aller Herren Länder


(http://up.picr.de/20242018hk.jpg)

(http://up.picr.de/20242019ek.jpg)(http://up.picr.de/20242020by.jpg)

(http://up.picr.de/20242021zu.jpg)(http://up.picr.de/20242024uk.jpg)
Hier nun die verschiedensten Gefügelarten und Sorten
alles frisch, nichts gefrorenes


(http://up.picr.de/20242026jk.jpg)

und hier könnte ich über die Theke hüpfen:
Gänseleber, Entenleber,Enten ud Gänsestopf  oder Fettlebern"

(http://up.picr.de/20242027re.jpg)

Anschließend  die Fleischtheke
( trotz der Optik  für mich ein wenig enttäuschend)


(http://up.picr.de/20242028zm.jpg)

also schaue ich mir nochmal an, was meine Spezial Whiskeys kosten:

(http://up.picr.de/20242030yz.jpg)

zu teuer, ich trete die Flucht an...  ;)

(http://up.picr.de/20242031di.jpg)[/center]

Ich hoffe euch hat der Bummel mit mir  durch den Meinl  genauso
viel Spaß  und Freude gemacht wie mir.
Andere gehen in Theather, gehen  in Museen, in Gallerien.

Solche Geschäfte , Märkte , sind die Orte wo ich in Verzückung gerate,
mich  unwahrscheinlic erfeuen kann.
Und manche Mitbringsel mit nach Hause schleppe und das mich dann daheim
nochmals erfreut und andere auch.

Liebe Grüße ,euer Bernd
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 26. Oktober 2016, 08:39:51
Kurze Zwischenfrage.

In der Fischabteilung beim Meinl ist angegeben,mit welcher
Fangmethode der jeweilige Fisch gefangen wurde.

Ist das nur freiwillige Information oder Vorschrift ?

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 26. Oktober 2016, 10:58:36
Für alle  die in alten Erinerungen schwelgen
und gestern und heute vergleichen wollen :
(http://up.picr.de/27202152gi.jpg)
Okt. 1979, Eichenstraße/Philadelphiabrücke, Wien 12

Sorry, Bernd, wollte deinen Bilderreigen über meine Heimatstadt nicht unterbrechen - aber eine Klitzekleinigkeit:

Der J-Wagen fuhr von Ottakring nach Erdberg, der kam nicht einmal ansatzweise bei der Philadelphiabrücke vorbei,
ich nehme mal an, das Foto stammt von der Josefstädter Strasse im 8. Wiener Bezirk.

Aber sonst - TOLL! Auf den Spuren eines Gourmets!
 {*  [-]
lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 26. Oktober 2016, 18:05:45
Zitat von: Suksabai
Der J-Wagen fuhr von Ottakring nach Erdberg, der kam nicht einmal ansatzweise bei der Philadelphiabrücke vorbei,
ich nehme mal an, das Foto stammt von der Josefstädter Strasse im 8. Wiener Bezirk.

YO! > Josefstädter Straße / Albertgasse   (beim Café Hummel, wo der 5er abbiegt)

Übrigens:
(http://666kb.com/i/ddkp1cde0f5jfd4cc.jpg)

TW
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 28. Oktober 2016, 04:17:16

@  Jock

das ist  freiwillig !

ABER  : Wer nichts  zu verbergen hat und  die Fangart, Fangort  nachweisen kann,
so ist  das  ein Qualitätsmerkmal, 
das  sich auch  preislich  von anonymer Massenware
unbekannter  Herkunft und Fangart sehr unterscheidet.
Qualitäts und Umwelbewußte  Kundschaft  achtet  darauf !
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 29. Oktober 2016, 19:48:12

Wie ich schon in einem anderen Thread  beschrieb, gab es seit jeher an der Adresse „Baumgasse 1“ den Italienischen Eissalon.

Aber auch auf der anderen Strassenseite existierte lange Jahre eine typische Wiener Institution:
Ein ambulanter Würstelstand.

Meines Wissens sogar der letzte mobile Wiens, denn in den 80ern des vorigen Jahrhunderts wurden alle Wursterhitzer genötigt, fixe Hütten zu beziehen.

Es war ein Wunderwerk an Ergonomie, wie der Mann diese 2,5 qm ausnutzte, einzig das Leergebinde der Gertränke und der Abfall mussten draussen vor der Türe bleiben.
Die Fenster waren bis auf eine kleine Durchreiche vollgeschlichtet mit sauren und scharfen Gemüsekonserven, Gertränken (je eines), und natürlich mit den zwei grossen Senfeimern.
An drei Seiten gab es schmale Borde, an denen man stehend das Menü einnehmen konnte.

Täglich 17 Uhr kam der Betreiber, ein hagerer älterer Mann, schütteres, weisses Haar streng zurückgekämmt, Nickelbrille und immer im braunen
Arbeitsmantel und lud aus seinem betagten DKW 1000 die Vorräte für das zu erwartende Geschäft um.
Bei der Gelegenheit hat er auch gleich den grossen Wurstkessel angeworfen,
denn pünktlich um 18 Uhr hob er die Fensterläden, sodass sie ein Vordach bildeten, und das Geschäft konnte beginnen.

Bei den Feinschmeckern unter den Wurstessern war dieser Würstelstand sehr beliebt.
Das Brot war zwar nicht immer das frischeste, aber man bekam, soviel Brot man wollte.
Aber die Besonderheit war: es gab dort heisse Kabanossi!

Natürlich gab es – wie überall auch – Leberkäse,  a „Haasse“ (Burenwurst), a „Eitrige“ (Käsekrainer) und a „Woidviatla“ (Waldviertler), auch eine „Beamtenforelle“ (Knackwurst) wurde feilgeboten,
aber die Feinspitze kamen extra wegen der Kabanossi: kernig bissig mit einer gewissen Grundschärfe erzeugte sie ein ganz besonderes Gaumenerlebnis.
Aber auch die anderen Wurstsorten bereiteten beim Verzehr Vergnügen.

Manch einer wollte sich diese lukullische Freude auch zu Hause bereiten,
aber auch bei heftigsten Frageattacken blieb der Mann standhaft und verriet (wie übrigens die meisten Würstelstandler)
die eifersüchtig gehütete Quelle seiner Speisen nicht.
So blieb ihnen nichts anderes übrig, als für das „Zehnermenü“ zur Baumgasse zu pilgern.

Jahre später, den Stand gab es schon lange nicht mehr, traf ich durch Zufall den Mann wieder – ich wähnte ihn bereits auf dem Zentralfriedhof.
Er war da bereits weit über 80 Jahre alt und sass bei einem „Verlängerten“ in einem kleinen Kaffeehaus im 20. Wiener Bezirk.
Ich fasste mir ein Herz und sprach ihn an – ob ER der Würstelmann von der Baumgasse gewesen sei, was er bejahte.
Bei einem Achterl Weissen schwelgten wir in Erinnerungen, schliesslich kam ich auf das Geheimnis seiner Wurstware zu sprechen.

Als „emeritierter Diplomwursterhitzer“ fiel dann sein Schweigegelübde:
Die Wurstware war zwar die an sich hochwertige, aber nicht herausragende Produktion eines bekannten mittelständischen Fleischereibetriebes.
Was die besondere Geschmacksnote angeht:
In jeden Wurstkessel gehört eine sogenannte „Opferwurst“, das ist ein Stück Wurst – nicht zum Verkauf bestimmt – die nur dazu da ist, dass die Verkaufsware nicht auslaugt.
Eines Tages wurde ihm ein grösserer Posten überlagerter, sehr harter und trockener Kabanossi angeboten.
Er dachte sich, wenn die lange genug im heissen Wasser simmert, wird sie schon wieder weich.

Gesagt – getan.

Der angenehme Nebeneffekt war, dass seine gesamte Wurstware diese ganz eigene Geschmacksnote bekam, auf die die Wurstgourmets so scharf waren.. . .

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 30. Oktober 2016, 14:50:14
Als der WK II vorbei war,zaehlte man die Schaeden die die
Bombenangriffe und Kaempfe hinterlassen hatten.

Zwischen 12.April 1944 und 28.Maerz 1945 geb es 115 Warnungen
vor feindlichen Luftangriffen,die 8769 Todesopfer forderten und ueber
21.000 Haeuser zerstoerte oder beschaedigte.

Auch der Steffel bekam einen Bombentreffer ab und brannte aus.

Weiters wurden die Ver - und Entsorgungseinrichtungen beschaedigt,
769 Waggons der Strassenbahn in Leidenschaft gezogen und 86.000
Wohnungen total oder teilweise unbewohnbar gemacht.

Die Stadt war in vier Besatzungszonen aufgeteilt und die legendaeren
"Vier im Jeep" patrouillierten in der Stadt.

Alle oeffentlichen Gebaeude waren schwarz gestrichen,Tristesse herrschte
ueberall und der Zitherklang mit der Melodie des 3. Mannes hing allgegen-
waertig in der Luft.

Das weltpolitische Klima hatte sich so stark abgekuehlt,dass nur eine Funke
genuegt haette,den 3. Weltkrieg ausbrechen zu lassen.

Eine dieser schicksalhaften Stunden war im Spaetherbst 1947.

Nur durch die Kaltbluetigkeit zweier,rasch handelnder Personen konnte
der Weltenbrand gerade noch verhindert werden.

Ich war gerade in Wien,um mein erstes Fahrzeug zu uebernehmen und
auf dem Nachhauseweg mit der Franz-Josefs- Bahn,als es galt die Kata-
strophe abzuwenden.

Ich "radelte" gerade mit meinem neuen Dreirad den Perron des Bahnhofs
entlang,als mir ein russischer Soldat in den Weg sprang.Nur einer Not-
bremsung meinerseits und einem kuehnen Sprung von Ivan Ivanowitsch
Vodkaowitsch ist es zu verdanken,dass Stalin und Truman keinen Einsatz-
befehl fuer ihre Streitmaechte geben mussten.

Dankesworte erreichten uns nie,doch das ist verschmerzbar.

Erwartet haben wir jedoch ein eindrucksvolles Denkmal oder die Benennung
eines Platzes auf den Namen Jock - Vodkaowitsch - Platz.

Doch nichts dergleichens ist bislange geschehen.Aber vielleicht braucht
gut Ding,gut Weile.

Jock

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 31. Oktober 2016, 05:01:32
Kind - Dreirad - Russe - 3. Weltkrieg

Wie jedermann erkennen konnte,ist diese Beschreibung eine
Allegorese auf einen Zeitabschnitt in Nachkriegswien.

Befreit wurde Wien durch die Rote Armee,was nicht notwendig gewesen
waere,haette Eisenhower auf Churchill gehoert.

Nachdem die Alliierten in Sizilien gelandet waren und nordwaerts vor-
rueckten,war der Plan Churchills,rasch ueber Nordjugoslawien Richtung
Ungarn und Ostoesterreich die Russen davon abzuhalten,sich in der
Slowakei 'festzusetzen".

Er roch foermlich die Absicht der Sowjets,sich mit der Bildung des Ost-
blocks eine Reihe von Satellitenstaaten einzurichten.

Eisenhower jedoch war anderer Ansicht,schwenkte die Truppen west-
waerts und ueberliess Wien und Ostoesterreich der Roten Armee.

Von Ungarn her kommend,wurde Wien von Osten,Sueden und Westen
eingekreist,nur nach Norden war noch ein Fluchtweg offen,den Baldur
von Schirach auch ausnuetzte.

Die Vereinbarung ueber die Besatzungszonen sah vor,dass Niederoesterreich,
Teile Oberoesterreich und das Burgenland sowjetische Besatzungsge-
biete waren und Wien in vier Zonen aufgeteilt wurde.

Die Freude ueber die "Befreiung"war von kurzer Dauer,denn die "Russen"
gingen mit den Befreiten nicht fuersorglich um.

240.000 Vergewaltigungen vermutet man im russischen Besatzungsgebiet,
dazu Pluenderungen,Verschleppungungen,Morde und sonstige Uebergriffe
erzeugten einen Angstzustand in der Bevoelkerung,der eine rasche Normal-
itaet hemmte.

Dazu kam noch,dass die Russen,alles was sie dachten,zu Hause brauchen
zu koennen,abmontierten,auf Eisenbahnwaggons verluden und hinter der
ungarischen Grenze verrosten liessen.

Was sie sofort in ihren Beschlag nahmen,waren Industriebetriebe,die in
irgendeiner Form dem Deutschen Reich gehoerte oder sie es vermuteten,
und als USIA - Betriebe produzieren liessen.

Fuer die Sowjetunion versteht sich.Ausschliesslich !

Die,die davon profitierten,waren die Arbeiter in diesen Betrieben,die ausser-
ordentlich gut bezahlt wurden.

Gegenueber den westlichen Bundeslaender,bedeutete das einen wirtschaftlichen
Rueckschlag,der erst nach vielen Jahren wieder aufgeholt werden konnte.

Die Bally - Schuhfabrik A.G. betrieb in Wien seit 1920 ein Werk,das ebenfalls
unter das Dach der USIA - Holding kam.
Die Schweizer konnten jedoch den Betrieb rasch wieder in ihre Haende be-
kommen und das schweizerische Management veranlasste,dass das Mutter-
werk einen Eisenbahnwaggon mit Lebensmittel nach Wien sandte.

Mehl,Zucker,Nudel,Dosengerichte,sogar Schokolade etc. waren dabei und die
Waren wurden an die Beschaeftigten verteilt.Noch 1968 erzaehlte man sich im
Werk davon.

30.000 Kinder wurden in die Schweiz "Landesverschickt"damit sie sich satt-
essen konnten und das Trauma der Kaempfe und Bombenabwuerfe abarbeiten
konnten.

Die Bezirke von Wien,wo die Russen das Sagen hatten,waren in den Nacht-
stunden menschenleer.Niemand war sicher,wenn er sein Haus  morgens ver-
liess,dass er abends wiederkam.Bei Nacht war es noch um einen Grad ge-
faehrlicher.

Frau Dr.Margarete Ottilinger war die Sekraeterin eines Ministers und wurde
1948 nach Russland verschleppt und kam erst 1955 wieder zurueck.
7 Jahre verbrachte sie in einem Arbeitslager in Sibirien.

Auf der Schwedenbruecke,Mitten in Zentrum von Wien,wurde ein Mann von
zwei Russen zu ihrem Auto gezerrt um entfuehrt zu werden.In dem Fall,
es war am Tag,verhinderten eine Menschenmenge das Vorhaben.

Frauen,die die relativ sicheren Wohnungen verlassen mussten,erkrankten
auf dem Weg zum Einkauf oder zu ihren Arbeitsstellen an der "Erdbeer-
krankheit",um sich vor Verschleppungen und Vergewaltigungen zu schuetzen.

Der rasch entstehende Schwarzmarkt konnte nur einen Teil der Bedarfs-
gueter abdecken.An Sonntagen fuehren die Wiener in den Wienerwald und
kamen mit Brennmaterial wieder zurueck.

Oder sie fuhren aufs Land zu den Bauern,um sich mit Lebensmittel einzu-
decken. Ein goldener Ehering fuer 10 Eier,eine goldene Halskette fuer ein
paar Kilo Schweinefleisch.

Zwar gab es 1947 bereits wieder Lebensmittel gegen Lebensmittelkarten
zu kaufen,doch war damit der notwendige Kalorienbedarf nicht abzudecken.

Jede schreckliche Zeit geht vorueber.Ab 1952 war die Angst vor den Russen
abgeflaut,denn die Uebergriffe wurden seltener,die Versorgungslage ver-
besserte sich und die Wiener begannen wieder Hoffnung zu schoepfen.

Jock



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 31. Oktober 2016, 10:15:03

Aus dieser Zeit stammt der in Wien oft gebrauchte Ausdruck

"Fleisch ohne Marken".

Fleisch bekam man nur auf Bezugsmarken, doch auch die Hülsenfrüchte russischer Provenienz

waren reichhaltig an tierischen Proteinen  :-)

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 31. Oktober 2016, 11:16:37
1965 trat ich meinen Dienst bei der Bally- Schuhfabrik an.

Das war zu einer Zeit,als die Personalchefs aengstlich auf die Ant-
wort eines einzustellenden Arbeiters oder Angestellten warteten,ob
der angebotene Lohn auch akzeptiert wird.

Man war fair,das Angebot in Ordnung und ich beschloss ebenfalls fair
zu sein und meine Arbeitskraft mit vollem Einsatz einzubringen.

Ich bekam einen Schreibtisch im Expedit,aber keinen Arbeitsmantel.
In der Firma war es ueblich,dass Angestellte weisse Arbeitsmaentel
trugen,Arbeiter blaue.
Man vertroestete mich,ich bekaeme bald einen weissen Arbeitsmantel,
aber derzeit sind alle ausgegangen.

So sass ich in meinem eleganten 3 - Reiher einige Wochen an meinem
Arbeitsplatz und langweilte mich,da meine Tagesarbeit in 2 Stunden zu
erledigen war.

Als es mit zu bloede war,darauf zu warten,bis der Arbeitsschluss gekommen
war,sprach ich meinem Vorgesetzten an und verlangte mehr Arbeit.

Die hatte er aber nicht,aber er werde mit der Direktion reden.

Die Direktion bestand aus einem Generaldirektor,einem Einkaufsdirektor,
einem Finanzdirektor ( der einzige Oesterreicher) ,einem Verkaufsdirektor
und einem Werksdirektor.
Ein halbes Dutzend Prokuristen unterstuetzten sie und daneben gab es
noch einige hohe Herren aus der Schweiz,die mit wichtiger Miene herumliefen,
wo keiner genau wusste,wozu sie eigentlich da sind.

Sie wohnten in Mietvillen,fuhren Benz und bezogen Gehaelter ( ab, 17.000 ATS)
von denen ich nur traeumen konnte.( 3.500 ATS war mein schmales Salaer)

Im Hauptwerk waren ca. 500 Arbeiter und 250 Angestellte beschaeftigt.
Manche von Ihnen waren knapp vor der Pension und ihr ganzes Leben lang
schon dort.
Damals war die Produktion fast ausschliesslich noch Handarbeit und die Ver-
waltungsabteilungen mit museumsreifen Rechenmaschinen ausgestattet,die
taeglich,die handschriftlich erstellten Statistiken,addierten und die Ergebnisse
weiterreichten,wo sie niemand mehr beachtete.

Auf mein Ersuchen versetzte man mich vom Expedit im Erdgeschoss in den
Verwaltungstrakt im 1. Stock des Werkgebaeudes in die Dispostion.

Ein unendlich langer Gang,links und rechts Tueren.Die Buchhaltung war dort
untergebracht,die Kalkulation,der Einkauf,die Direktionsbueros u.s.w.

Die neue Arbeit lastete mich ebenfalls nicht aus und ich wurde ungluecklich,
da ich 1.) keine tagesfuellende Arbeit hatte und 2.) noch immer keinen weissen
Arbeitsmantel und im 3 - Reiher,mit Krawatte und Stecktuch herumspazieren
musste.

Eines Tages,war ich gerade auf dem Weg zur Toilette,als ich den Verkaufsdirektor
am Gang traf.Er blieb stehen,gruesste hoeflich,schuettelte mir sogar die Hand,
stellte sich als Verkaufsdirektor vor,was ich ohnehin wusste und frug mich,wie es
mir ergehe und ob die Geschaefte laufen wuerden.

Ich guesste ebenso hoeflich zurueck,aeusserte mich zu meinem Befinden,dass
soweit alles in Ordnung sei und wir trennten uns.
Er,im weissen Arbeitsmantel eilte zu seinem Buero im 2.Stock und ich zu der
kleinen Abteilung,wo man Wasser abschlagen konnte.

2 Wochen spaeter wiederholte sich die Begegnung,doch diesmal war sein Gruss
erstaunlich kurz  und er verschwand im Buero des Einkaufsdirektors.
Sekunden spaeter oeffnete sich die Tuere wieder und zwei Direktorenkoepfe
blickten mir nach.

Was soll ich sagen,naechsten Tag bekam ich einen weissen Arbeitsmantel und
der Direktor verwechselte mich niemals mehr mit einem wichtigen Kunden.

Jock

Wenn es gewuenscht wird,schreibe ich gerne ueber die Ursachen des Nieder-
ganges der Bally - Schuhfabrik weiter.



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 31. Oktober 2016, 11:56:34

Zitat
Wenn es gewuenscht wird,schreibe ich gerne ueber die Ursachen des Niederganges der Bally - Schuhfabrik weiter.

 {* ;} {*

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 31. Oktober 2016, 21:57:19
Der Bally - Schuh war ein Produkt fuer die halbe Ewigkeit.

Der Bekanntheitsgrad unschlagbar,die Qualitaet das Beste,was ein
Konfektionaer herzustellen vermag,also alles Grundvoraussetzungen
fuer eine lange Marktteilnahme.

Und trotzdem ging es innerhalb von 10 Jahren derartig bergab,dass
die Produktion in Oesterreich eingestellt werden musste und selbst am
Heimatmarkt,die Produktionszahlen so im Sinken begriffen waren,dass
auch dort in einigen Produktionsstaetten die Produktion wegen der davon-
laufenden Kosten auslief.

1965 - 1968,(in der Zeitspanne war ich dort taetig),war die Welt von Bally
noch in Ordnung und diese Ordnung galt es aufrecht zu halten.

Es war eine Ehre fuer das Unternehmen,mit teurem Geld Verluste auszu-
gleichen,als mit billigen Schuhen Geld zu verdienen.

Das Management in Wien bildeten hauptsaechlich Schweizer.In Ehren ergraute
Herren,die schon ein Menschenleben lang im Unternehmen taetig waren und
die Zeichen der Zeit nicht erkannten.

Sie dachten und handelten auch danach,dass die Welt im Schuhhandel stehen
geblieben sei und sie mit einem Dutzend Grundmodellen je fuer den Herren
und fuer die Dame noch ein Jahrhundert bestehen koennten.

Das Grundmodell,dessen erster Entwurf dem Modebewusstsein und dem
Beduerfnis der 30 Jahre entsprach,in den Farben Schwarz und einigen Schat-
tierungen in Braun erhaeltlich war,fuer das man oberdrein noch einen ver-
haeltnismaessig hohen Preis zu bezahlen hatte,stellte sich als ueberholt her-
aus.

Zwar entwarf die Designabteilung jedes Jahr zwei Kollektionen,die durchaus
zeitgemaesse Farben und Formen aufwiesen,die jedoch durch die Konzern-
interessen zu teuer fuer den Markt in Oesterreich waren.

Den Konkurrenten freute das riesig. Humanic und Salamander warfen sowohl
fuer den Fruehling/Sommer als auch fuer Herbst/Winter modische Schuhe
auf den Markt,die zwar nicht die Qualitaet eines Bally - Schuhs hatten,dafuer
aber billig zu kaufen waren.

Das entsprach dem Trend der Zeit.Vorbei die Zeiten,wo ein Schuh ein viertel
Jahrhundert zu halten hatte,bevor man ein neues Paar kaufte.

Unsere Designabteilung war wohl in der Lage 200 Entwuerfe zu creieren,wo-
von 50 Paare als Modelle auch angefertigt wurden,ueber die eine Kommission
entschied,welche auch in die Produktion kommen sollten.

Das war zwei Mal im Jahr ein Auftrieb.Unser oertliches Management wurde
durch eine Abordnung aus der Schweiz vestaerkt,die zwei Tage lang sich in
einer undefinierbaren Sprache unterhielten und mit sicherer Hand,die kauf-
traechtigen Modelle ausschieden.

So war natuerlich kein Blumentopf zu gewinnen.

Aber auch die innerbetrieblichen Strukturen waren nicht mehr zeitgemaess
und kosteten viel Geld.

Alleine das Missverhaeltnis zwischen (unproduktiven) Angestellten und (pro-
duktiven) Arbeitern (250:500) zeigt,dass es aus der sich zusammenziehenden
wirtschaftlichen Schlinge kaum ein Entrinnen gab.

5 Direktoren und 5 Prokuristen bildeten den Board.Betrat ich das Buero
(meines) Prokuristen,fand ich ihn mit verschraenkten Armen am Fenster stehen,
und sein Schreibtisch war blitz- blank.Und ich besuchte ihn oft !

Nie sah ich ihn telefonieren oder ueber ein Papier brueten.

Mitte 1975 war es dann mit der Bally - Schuhfabrik in Oesterreich.Das Werk wurde
geschlossen und das Gebaeude verkauft.Die Maschienen wurden wahrscheinlich
entweder einem technischen Museum angedient oder landeten in der Metall-
schmelze.

Daneben gab es allerdings,als eigene Gesellschaft,die Bally - Handelsges.m.b.H

Diesse Gesellschaft betrieb und betreibt,als Luxus - Label, weltweit ihre Schuh-
geschaefte und laesst wahrscheinlich in Indien oder sonstwo fertigen.

Jock




Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 01. November 2016, 09:27:32
Wo liegt Wien ?

Genau zwischen Allerheiligen und Allerseelen,spottete Andre'
Heller einmal.

Und heute ist Allerheiligen. An diesem Tag wird der Heiligen der
Roemisch -katholischen Kirche gedacht.

Papst Gregor IV. sah sich bereits 835 veranlasst,den 1. November
zum Gedenktag der Heiligen festzulegen,weil es einfach nicht mehr
genug Tage im Jahr gab,an denen jeden Heiligen ein Tag gewidmet
werden konnte.

Dieser Tag ist traditionell ein arbeitsfreier Feiertag und wird zum Besuch
der Graeber auf den grossen Wiener Friedhoefen verwendet.

Die oeffentlichen Verkehrsmittel fahren in Kurzintervallen zum Zentral-
friedhof,jener Einrichtung,die halb so gross ist wie Zuerich,aber doppelt
so lustig.
Blumen,-Kranz und Kerzenverkaeufer machen in diesen Tagen beste Um-
saetze und den Wienern wird bewusst,dass auch sie eines Tages Besuch
von Bruder Hein bekommen werden.

Dieser kurze Gedankenschatten ist bald vorueber,den der Tod ist ein Wiener
und mit dem geht man gerne vorher noch zum Heurigen.

Sterben ist den Wienern nicht so wichtig.Wichtig ist, wie danach das Be-
graebnis gestaltet wird,denn " a scheene Leich ' ist lebenswichtig.

Es ist ewig schade,dass es die Monarchie nicht mehr gibt.

Als Kaiser Franz Joseph zu seiner letzten Ruhestaette ueberfuehrt wurde,
6- spaennig und von einer Menge Pompfueneberer begleitet,die Musikkapelle
Trauermusik blasend,mieteten reiche Wiener Fensterplaetze entlang des
Trauerzuges und beobachteten,mit einem Glas Champagner  in der Hand den
Trauerkondukt. (Aehnliches kann man heute in Monaco waehrend eines
Formel 1 - Rennens sehen).

Die letzte "scheene Leich" war das Begraebnis von Ex- Kaiserin Zita.

Persoenlich und visuell sahen das Leichenbegaengnis mehr Wiener als das
Endspiel in der Champios Leaque.

Die Angst,als Scheintoter begraben zu werden sitzt den Wienern tief in den
Knochen.
Es wurde hier schon berichtet,welche Vorkehrungen getroffen wurden,um
ein unfreiwilliges Begrabenwerden zu verhindern.Eine Leitung zur Glocke
in der Friedhofsverwaltung war ein beliebte Vorsorge.
Damit war die Erwartung verbunden,dass wenn an der Glockenschnur ge-
zogen wurde,der Friedhofswaerter  mit Schaufel und Krampen angerueckt
kommt und den Lebenden ausgraebt.

Und es kam tatsaechlich vor,dass um Mitternacht die Glocke bimmelte,
denn ein herabfallender Arm oder das Enstehen von Verwesungsgasen,loesten
den Alarm aus.
Die Reaktion des Friedhofwaerter war allerdings meist,dass er vor Schreck
zum bereitstehenden Doppler griff und sich vollsoff.
Es ist nicht bekannt,dass jemals jemand nach dem Alarm ausgegraben wurde.

Um aber der Besorgnis,als Scheintoter begraben zu werden,entgegen zu steuern,
hat der Gesetzgeber es ermoeglicht,einen "Herzstich" durchfuehren zu lassen.

Zuerst ist eine Genehmigung beim Magistrat einzuholen,sodann dem Bestatter,
der mit einem Stilett das Herz durchbohrt,fuer seinen Dienst 300 Euro zu be-
rappen.

Jock

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 01. November 2016, 10:30:59

A propos "scheene Leich":

Dieses Thema hätte in Österreich schon einmal die Monarchie in ernste Bedrängnis gebracht.

Kaiser Josef der Zweite, Sohn der berühmten Maria Theresia, ein aufgeklärter, rational denkender Monarch,
verordnete seinen Untertanen ein sog. "Sparbegräbnis".

Dabei wurde der Sarg, ausgestattet mit einem falltürartigen Klappboden, mehrmals verwendet.
Über der Grube angekommen wurde der Mechanismus betätigt und der Körper plumpste hinein.
Der/die Verschiedene wurde nur im Leichentuch beerdigt.

Das empörte die Volksseele! Das geht ja gar nicht! Wo kommen wir da hin?
Mit uns kann man ja viel machen, aber wenn es um das Begräbnis geht.. . . .

Selbst die traditionell dem Kaiserhaus sehr zugetanen Wiener rebellierten.

Ziemlich schnell revidierte der Kaiser seine Meinung und strich den Erlass wieder.. . .

Der Zorn des Volkes ebbte wieder ab, man hatte wieder die "scheene Leich".. . .

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 01. November 2016, 11:11:45
Zitat von: Suksabai
A propos "scheene Leich":

(http://666kb.com/i/ddqhd6b9uyzmzh5oc.jpg)

 ;)

(http://666kb.com/i/ddqhj0kl2o89fy58c.jpg) (https://www.youtube.com/watch?v=6-8jNEyWJ80)
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 02. November 2016, 17:59:27
weiter  Jock !


du   hast  auch bei  mir  Fans  für  deinen  Gschichterln.
Selbst aus  den USA   schreibt mir  eine, 
du  mögest weitere  Fortsetzungen  schreiben !

LG  Bernd
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 02. November 2016, 19:14:24

Das  mit  der  " Schönen Leich  "  ist  auch hier  den  älteren Leuten  noch  recht geläufig.
Als  ich  eine  meiner  Schwestern  mal  darauf  ansprach  und ihr  ans Herz legte, 
daß  sie mal  dafür  sorgen müsse,  daß  es  bei  mir  mal  a  "  Schöne Leich"  gibt,  verstand  sie  nur  Bahnhof..
Hoffe  sie  hält  das  Versprechen  für  a  schäöne  Leich !

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 03. November 2016, 10:49:23
Es wird anmit jedermaniglich kundgemacht,wasmassen Se.kaiserl.
Majest.aus allerhoechst zu dem hiesigen Publico allermildest hegenden
Zuneigung Sich allergnaedigst entschlossen ....hat,das Pratergelaende
fuer die Wiener freizugeben.

Weiter unten heisst es dann im Dekret:...allergnaedigst verstatteten
Freyheiten sich geluesten lassen werde...und Anlass zu allerhoechsten
Missfallen Anlass zu geben.

Den letzten Abschnitt haben die Wiener seit 1762 nicht beachtet und werden
es auch in Zukunft nicht tun.

Der Prater war von Anfang an ein Publikumsmagnet.Ein Schmelzpunkt von
Spektakeln,Einkehrmoeglichkeiten,Schaustellerei und schluepfriger Unter-
haltung.

Schwebende Jungfrauen wurden vorgefuehrt und Damen ohne Unterleib,den
gaffenden Publikum gezeigt,die dann darob verwundert waren,wenn sie in
der Zeitung lasen,dass die eine oder andere Dame Mutter eines gesunden
Nachwuchses wurde.

In der Geisterbahn,naeherte sich manche Hand dem Oberschenkel der
eben erst kennengelernten Begleiterin,die dies nur zuliess,wenn man ihr
versprach,Zuckerwatte oder ein Langos zu kaufen.

Schiessbuden,Ringelspiele,Hochschaubahnen und vor allen die Autodrom-
Buden und jetzt die Go-Kartbahnen,alles mit betaeubender Musik untermalt,
am Abend von bunten Lichtern erhellt,erleichtern den Griff zur Geldboerse
was damit zum Wohlergehen der "Praterfamilien" die seit Jahrzehnten die
Betriebe beherrschen,beitraegt.

Die Praterfamilien sind eine eingeschworene Gemeinschaft,die untereinander
heiraten,damit niemand Fremder in den erlauchten Kreis eindringen kann und
die eines eint - ihre Abneigung zur Einfuehrung der Registriekassen,die dieser
Blutsauger von Finanzminister durchgesetzt hat.

Vis a vis ,jenseits der Ausstellungsstrasse das Stuwerviertel - auch Babystrich
genannt,da dort sehr junge Damen ihre Dienste anboten und fuer ein ueber-
hoehtes Verkehrsaufkommen, abends fuer abends,verantwortlich waren.

Weiter unten am Prater,wo das "fahrende Gewerbe" sich ausduennt,die legend-
aere Prater - Sauna.

Treffpunkt der russischen Mafia in Wien,die dort ungestoert ihre Geschaefte
besprechen konnte,bevor sie unter einem kraeftigen Aufguss wimmerten.
Spaeter war dort einer der ersten Swinger- Clubs.
(Swinger - Clubs sind Zusammenkunftsorte,wo unbekleidete Erwachsene
beiderlei Geschlecht sich in Verkehrsuebungen ergehen)

Dies war natuerlich ein Dorn im Auge des Gesetzes und so beschloss die
zustaendige Polizeiinspektion einen "Undercover- Agenten" einzuschleusen.

Nie zu vor,meldeten sich freiwillig so viele Kollegen zu diesem koerperlich
anstrengenden Einsatz.

"Im Prater bluehen wieder die Baeume" ein bekanntes Wienerlied,besingt
die alten Kastanienbaeume die die Allee zum Lusthaus saeumen.

Die ca. 5 Km lange Strasse ist autofrei,Hunde fuehren ihre Frauchen und
Herrchen aus,dann und wann vielleicht ein einsamer Reiter.Jogger in allen
Altersklassen bewegen ihr Muskeln um fit  zu sein,wenn der Wien Marathon
durch diese Gegend fuehrt

Die Vernuenftigen unter der Schar der Laeufer bricht dort ein und stattet
dem nahen "Schweizer Haus" einen Besuch ab und verschiebt die Absicht,den
Lauf zu gewinnen um ein weiteres Jahr.

Weltweit war in Wien das Lokal "Waldfisch" bekannt,wo man essen konnte,
bevor man weiterwanderte zum "Eisernen Mann".

Dort spielt eine Musikapelle die alten schmalzigen Schlager, zu deren Takt,
in die Jahre gekommenen blondierten Damen sich an die Bierbaeuche ihrer
Begleiter schmiegen und in Seligkeit versinken.

Besonders dann,wenn der Saenger anhebt um sein : " Geh Oide schau mi
net so teppert au" zum Besten zu geben.

Da swingt das Wienerherz und so soll es bleiben.

Jock






Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 03. November 2016, 11:53:05

Werter @jock,

diesmal hast du aber mit der Fass-Schaufel in die Klischeekiste gegriffen  ;]

 [-]
lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 03. November 2016, 18:58:50
@Suksabai

Ich kanns kuerzer auch !

Linzer Tiergarten : Wald,Wiesen,Wege und Wild.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: namtok am 04. November 2016, 04:17:11
Auch wenn die wenigsten von uns je am Wiener Zentralfriedhof gewesen sind, den kennt jeder ...  }}

https://www.youtube.com/watch?v=Prloh05Np4U
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 08. November 2016, 14:14:08
1881 brannte das Ringtheater.

Offiziell kamen 400 Besucher ums Leben,inoffiziell bis zu 1.000.

Schuld an der Katastrophe war eine explodierende Gasbeleuchtung.

Diese Art von Beleuchtung gibt es schon seit fast hundert Jahren nicht
mehr,doch die Sicherheitsvorschriften,die nach und wegen des Brandes
eingefuehrt wurden,wurden erst dieser Tage aufgehoben.

Man rechnet mit Ersparnisse von 400.000 Euro jaehrlich und Vereinfachung
des buerokratischen Hindernislaufs.

So war es seit 1881 Gesetz,dass bei jeder Vorstellung ein Beamter
dienstlich der Auffuehrung persoenlich,im Zuschauerraum sitzend,bei -
wohnen musste.

Zudem war vorgeschrieben,dass vor Beginn der Auffuehrung,ueberprueft
werden musste,ob die Notausgaenge frei seien u.s.w.
Ueber das Ergebnis der Begehung war vor JEDER Auffuehrung ein Bescheid
zu erlassen,natuerlich mit Einspruchsfrist und Einspruchsmoeglichkeit.

90 Beamte waren fuer die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften beschaeft-
igt.Zukuenftig sollen es nur mehr 8 Beamte sein,da man doch mehr als frueher
dem technischen Fortschritt vertraut,als einen beamteten Auge.

Der Ringtheaterbrand war die groesste Katastrophe,die Wien heimsuchte.

Ein Ungluecksfall,der sich im August 1960 ereignete kostete 19 Menschen das
Leben und weitere 100 Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

Ein Strassenbahnzug,stiess mit einem anderen Zug zusammen.Die Waggons
hatten hoelzerne Aufbauten,die beim Zusammenprall zerbarsten und die
Splitter die schweren Verletzungen verursachten.

Unter den Toten war auch einer der Strassenbahnfuehrer,der mit satten
2,6 Promillen den Zug lenkte und den Unfall ausloeste.

Trotzdem dauerte es noch bis 1978,bis alle "hoelzernen" Waggons ausgetauscht
waren.

1960 war die Arbeitslosenrate extrem niedrig und dafuer sorgten auch die
Wiener Verkehrsbetriebe.

Ein Strassenbahnzug bestand meist aus einem Triebwagen und zwei Tender.

Jeder Wagen war mit je einem Schaffner besetzt und dazu kam noch der Fahrer,
sodass 4 Beamte Arbeit und Brot hatten.Pro Garnitur versteht sich.

Als nach und nach neue Garnituren in Betrieb genommen wurden,die mehr
Fahrgaesten Platz boten,waren Schaffner noch mit an Bord,die peinlichst da-
rauf achteten,dass die "Befoerderungsfaelle" sich an die Vorschriften hielten.

Es war vorgesehen,dass nur die hintere Tuere als Zustieg benuetzt werden
darf und durch die 2 vorderen Tueren der Waggon wieder verlassen werden
sollte.

Zurechtweisungen an die Fahrgaeste,die falsche Tueren benuetzten,waren
an der Tagesordnung und erhoehten das Selbstwertgefuehl des Personals
ins Unermessliche.

Bei einen Flugzeugabsturz der sich am 10.Oktober 1955 ereignete starben
7 Menschen.

Eine Maschine der juoslawischen Airline wollte von Belgrad mit Zwischen-
landung in Wien nach London fliegen.29 Passagiere und 4 Besatzungsmit-
glieder waren an Bord.

Das Wetter war schlecht,als die Maschine am Leopoldsberg in die Baum-
wipfeln krachte.6 Personen starben gleich und der 7.im Spital.

Unter den Verletzten war ein Passagier,der sich weigerte,seine angekettete
Aktentasche abzulegen um sich operieren zu lassen,bevor nicht ein Ange-
hoeriger der Britischen Botschaft anwesend ist,dem er die Tasche uebergeben
konnte.

Es war nicht James Bond,der so heldenhaft, seinen letzten Bluts-
tropfen opfernd, bereit war,die Interessen ihrer Majestaet zu wahren,sondern
ein Botschaftskurier,der Brisantes in seiner Aktentasche transportierte.

Sonst blieb Wien von groesseren Katastrophen verschont,sieht man davon
ab,dass die Reichsbruecke einstuerzte und beim "Weihnachtswunder'nur
die Versicherung zum Schaden kam,die die ausgebrannte Maschine ersetzen
musste.

Jock


Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: malakor am 08. November 2016, 14:57:39
Haben die beiden Tuerkenbelagerungen Wiens 1529 und 1683 denn auch Menschenleben auf Seiten Wiens gefordert ?
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 09. November 2016, 09:17:47
@malakor

Natuerlich kamen bei den Tuerkenbelagerungen auch Wiener ums
Leben.

Mehr jedoch hatte die Bevoelkerung der umliegenden Doerfer zu leiden,
die,wenn ihnen nicht die rechtzeitige Flucht gelang,aus taktischen
Gruenden massakriert wurde.

Und zwar nicht von den "Tuerken" sondern von den vorausreitenden
Akinci,die bewusst eingesetzt wurden,um Angst,Schrecken und Wider-
standswillen zu brechen.

Das bekannte Kinderlied "Aber Heidschibummbeidschi bumm bumm"
bezieht sich,nach Meinung von Musiktheoretikern auf diese Zeit.

Des Ur-Text,wird heute in den Shows nicht mehr vorgetragen und be-
sorgte Muetter singen ihre Sproesslinge mit einem entschaerften Text
in den Schlaf.

Im Maerz 1529 machte sich das tuerkische Heer auf den Weg nach Wien,
wo sie im September,die Stadt einschlossen.

Der Tross,der aus ca 150.000 Mann bestand,darunter aber nur ca.100.000
Kaempfer,standen innerhalb der Stadtmauern etwa 15.000 Verteidiger,
davon 3.000 Wienern gegenueber.

Dass es trotzdem dem tuerkischen Heer nicht gelang die Stadt einzu -
nehmen,ist der Groesse,dem Wetter und der Jahreszeit zu verdanken.

In Ungarn gab es quasi keine Strassen,wo sich ein derartiger grosser Tross
rasch bewegen konnte.Dazu war der Sommer verregnet und weichte das
Gelaende auf,sodass der Nachschub an Verpflegung stockte.
Die vorausreitenden Akinci hatten alles bereits gepluendert,sodass aus dem
"Feindesland" keine Nahrungsmittel mehr zur Verfuegung standen.

Und als die Tuerken einsahen,dass Wien auf laengere Zeit belagert werden
muss,aber der Winter vor der Tuere stand,gaben sie auf und zogen sich zurueck.

Jock



 
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: arthurschmidt2000 am 09. November 2016, 10:08:01
Ja, viele beklagen, dass es heute keine richtigen Winter mehr gibt.
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 09. November 2016, 12:09:16
Schöner thread !

Hatte schon die Befürchtung, dass "Frankisten" weiter über die Gürtelpartie usw. schreiben würden.  >:

TW
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 22. November 2016, 23:55:59

Gestern  war   es mir wieder mal  darnach....

Nein....   

nicht  was  du gleich  wieder  denkst.
Nach schönen Texten  tiefsinnigem, Balladen und  Liedern.
Und  kaum  einer  hat  schönere Lieder in Wiener  Mundart geschrieben wie  der " Schuri ",
so  nennen  ihn  die Wiener  liebevoll,  ihren Georg  Danzer ein  Wiener  Original


Schau  Schatzi

Aba Schatzi und jetzt bist baff, bei mir stehst a
auf da Saf.
Du glaubst vielleicht du kannst me rolln,
des ham schon andere vor dir wolln.
aus  Schau  Schatzi.

(http://up.picr.de/27507670ml.jpg)

Wer hat nicht  schon in tiefer Nacht Schuris  " Lass mi amoi no d´Sunn aufgeh sehn. " 
https://www.youtube.com/watch?v=X_tB6cTKVTM
anghört,  oder gar  " A alte Drecksau  "
https://www.youtube.com/watch?v=uv58lsLjZGE
Aber  auch sein legendärer Wixerblues  ist jedem  geläufig ,  der  ein  einigermaßen reales  Leben  führt ,
oder geführt  hat :  was  soll i  machn  ?
Und das   hat  Georg Danzer  auch,  das  beschreiben  seine  Texte  zu genüge.

oder  sein Sado Maso Liadl :  https://www.youtube.com/watch?v=Vubx0WkD-H4

Eines   seiner  schönsten  Stücke  ist  die  Ballade  vom   "Tschuri Fetzen ", 
vielen  Neuwienern  ist  dieser  Ausdruck  völlig fremd , oder unbekannt.
Da  Schuri  kramt ihn unter  dem Bett  hervor ,  macht  den Tschurifetzen  menschlich.

Georg Danzer und die Ballade vom versteckten Tschurifetzen:  https://www.youtube.com/watch?v=B5Y9ljsErmc
https://www.youtube.com/watch?v=Vubx0WkD-H4

Hier   ein  Auftritt  in  Wien  mit seinem   großen  Repertoire:
https://www.youtube.com/watch?v=j2c7I28U0AU&t=4482s


Es  tut  immer  wieder  gut, 
diesen  großartigen  Wiener  Buam  zu hören,  der  leider  viel  zu  früh verstarb.
An  Lungenkrebs,  nein nicht  als  Marlboro Man,  sondern  er  war  KENT  Raucher. 
Aber  das  hilft  ihm  auch nicht mehr !

Aber  anhören  tu ich ihn mir noch immer  gerne, manchmal  ne ganze  Nacht lang !


Der legendäre Wixer Blues Songtext
I hab ka Feundin
i hab ka Frau
I hab bei'd Weiber den Dauerhahn
auf mi steht kane, ja kruzifix,
Was soll i machen? i wix, sonst nix

Im ganzen Gräzl wird's scho dazöd,
dass mir da Biss bei de Hasen fehlt
Sogar de Blade aus der Trafik
hab i verärgert durch ein Misgeschick.
I kauf ma bei ihr a Packl Kent
und denk ma machst ihr ein Kompliment
I sog "heast Gfühde, du bist a Wüde"
Daruf gibst's ma ane und spielt di Prüde.

I hab ka Feundin, i hab ka Frau
I hab bei'd Weiber den Dauerhahn
auf mi steht kane, ja kruzifix,
Was soll i machen? i wix, sonst nix

Erst neulich bin i beim Wirtn g'wesen
Und auf der Klowand da hab i g'lesen:
"Die geile Sissi aus Margareten",
daneb'n de Nummer, "Anruf erbeten".
Na i ned feig, ruf durtn an.
Und wirkich woa die Sissi is glei dran.
I sag: "wast eh, du stehst bei uns am Häusl"
Drauf gibt's ma glei telephonisch den Weisl.

I hab ka Feundin
i hab ka Frau
I hab bei'd Weiber dauernd den Hahn
auf mi steht kane, ja kruzifix,
Was soll i machen? i wix, sonst nix

Sogar de schirchsten Praterhuren
Sagen, 'schleich di Burli, bei uns hast nix verluren?
Es is als wann i die Grezn hätt,
I mach was falsch, nur was, weiß i ned.

Und die Moral, wanns ane gibt:
Es geht nix eine, weil keine mich liebt.
Drum mei Devise: Ich streng mich gar ned an,
auf die Weiber? selbst ist der Mann.
Drum mei Devise: Ich streng mich gar ned an,
auf die Weiber? selbst ist der Mann.

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 23. November 2016, 09:51:13

Kleine Ergänzung:

https://www.youtube.com/watch?v=c6KoPKrOsnw&list=PLc4QXGDBK7eedv2mKZ-HUC4PuxhmrF-LV&index=3 (https://www.youtube.com/watch?v=c6KoPKrOsnw&list=PLc4QXGDBK7eedv2mKZ-HUC4PuxhmrF-LV&index=3)

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 23. November 2016, 10:31:49
Zwischen 1970 und 1980 war die Hochzeit des Austropops.

Die Kuenstler,die diese Periode besonders gepraegt haben,sind
Fendrich,Ambros,Danzer und Falco.Ludwig Hirsch,ebenfalls mit
seinen Liedern am Markt,doch bediente er ein etwas anderes Genre.
Etwas spaeter,aber doch noch in diese Zeit fallend,EAV und STS.

Das besondere Merkmal am Austropop sind die in der Mundart
(wienerisch) vorgetragene Texte,obwohl sich die Mundart zuvor
schon im Wiener(heurigen)lied und in der aelplerischen Folklore
abbildete.

Marianne Mendt,war die Urmutter mit ihrer "Wira a Glockn" und dann
folgten schon bald eine Reihe von Barden,die auf dieser Welle schwam-
men.

Zu einem ueberseeischen Erfolg schaffte es,als zweiter Oesterreicher,Falco,
sich an die Spitze der US - Charts zu setzen.Der erste Oesterreicher,
dem das Kunststueck gelang war,Anton Karas mit seiner "gezitherten"
Filmmusik aus dem "Dritten Mann".

Leider ist diese Zeit schon lange vorbei.

Danzer,der fuer eine Vielzahl von Liedtexten verantwortlich war,ist an
Lungenkrebs verstorben.Der letzte Hit von Fendrich,ist mehr als 15 Jahre
her und Ambros,ein unbeugsames Original,wird langsam alt.

Hirsch hat sich aus dem Fenster gestuerzt,von Peter Cornelius,Bilgeri,
EAV und STS,sowie einige Andere,ist fast nichts mehr zu hoeren.

Hubert von Goisern,der den Alpinrock kreierte ist nach wie vor eine
gute Alternative zu Hansi Hinterseer,aber er sollte creativer sein.

Aber schon bevor der Austropop seinen Zenit erreichte,gab es einen
Kuenstler,der auf Mundart einen Leibsong fuer unsere rueckwaertsge-
wandten,Euro- und Europaskeptischen Freunde,veroeffentlichte.

Kurt Sowinetz mit seiner Europahymne " Olle Menschen san ma zwida,
in die Goschen kennt is haun ".

Jock





Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 23. November 2016, 11:29:17
dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=WXVupGhPVOg (https://www.youtube.com/watch?v=WXVupGhPVOg)

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 25. November 2016, 13:51:09



Uiiii  Jock.

was  soll ich  sagen.... ;)
Ist  dir da  jetzt  ein  Fauxpas unterlaufen,
oder  bist  du nur  zu  weit  oder zu lange weg,  aus  Wien  oder  aus der  Scene. ;)  laaach

Du  hast  den  Nachfolger  all  der  von  dir  beschriebenen Ex  Größen  einfach
unterschlagen,   

Andreas Gabalier

der   auch  den letzten  Wiesnhit  auf  dem Oktoberfest  geliefert  hat:
https://www.youtube.com/watch?v=lHZtcC67yrY

aber  auch  Herzschmerz bedient :
Andreas Gabalier -
Amoi seg' ma uns wieder 2012 - YouTube
https://www.youtube.com/watch?v=IpdCZgmSlDg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 25. November 2016, 14:16:44
@.derbayer.

Nein,vergessen habe ich ihn nicht,aber sein Stern ging erst 2006
(oder so) auf und er praesentiert sich eher als "Alpenrocker".

Zaehle man alle die Einzelsolisten oder Gruppen auf,sollten Namen
wie Stefanie Werger,die Schuerzenjaeger oder Waterloo und Robinson,
sowie DJ Oetzi etc.etc. nicht fehlen.

Aber das wuerde die Bits und Bytes zu sehr in Anspruch nehmen,die
vielleicht fuer "Teutsches Liedgut" gebraucht werden.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 25. November 2016, 14:57:20
Ich war von 1985 bis 1995 in der Musikbranche als Gross-
haendler taetig.

Meine Frau und ich hatten keine Ahnung von der Branche und
sind/waren auch vollkommen unmusikalisch.

Als serioese Unternehmer,die wir nun waren,stellten wir uns vor,
dass wir uns auch so zu kleiden haetten,wenn wir Kundenbesuche
machten und dabei viele Auftrage ans Land ziehen wollten.

Nix,davon ! Waere ich mit Anzug,Krawatte und Stecktuch bei einem
Kunden aufgekreuzt,haette unsere Firma in einem Jahr den Konkurs
anmelden muessen.

Als Berufskleidung war angesagt,Jeans,T-Shirts.

Nur einen Kunden hatten wir durch unser Outfit so verprellt,dass er
nichts mehr bei uns eingekauft hat.

Das Musikhaus Strobl in St.Poelten.Der Inhaber,Herr Strobl,den ich
wiederholte Male von unseren Produkten ueberzeugen wollte,wehrte
immer ab - standesgemaess im dunklen Anzug mit silbergrauer Kra-
watte und blitzblanken Schuhen.

Dafuer war ein Kundenbesuch bei "For Music" in Wien eine Freude.

Um 10 h sperrte das Geschaeft auf und sogleich waren einige, unter
Kater leidende,Musikgroessen da,mit denen ich Kaffee trank.

Fendrich,Danzer,Uli Baer u.s.w.kein bisschen abgehoben oder arrogant.

Es war meine schoenste Zeit im ganzen Berufsleben.Ein Branche,die
keine Hektik kannte und viel Verstaendnis aufbrachte,wenn irgend etwas
mal nicht klappte oder nicht vorhanden war.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 26. November 2016, 18:40:40
Jänner 1987 in der Schlachthausgasse.

(http://666kb.com/i/deg5ceno5fyy9h4e4.jpg)

Da war ich schon in Koh Samui unter den Palmen!   :P

LG TW
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 26. November 2016, 22:47:40

Der Schienentraktor verdeckt genau den Gasthof Amon!

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 26. November 2016, 23:51:30

Der Schienentraktor verdeckt genau den Gasthof Amon!

lg

Da Amon is doch hinter der Bim, de grod in de Erdberger eibiagt!? Oder?   ???

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 27. November 2016, 09:05:54

Teiga, "Schienentraktor"  =  Service - Bim!
Habens zumindest in der Remise immer gesagt.. . .
 ;] C--
 [-]
lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 07. Dezember 2016, 11:50:47
Erzaehlt ein Tourist zu Hause,er sei im Cafe Central freundlich be-
handelt worden,stimmt mich das traurig.

Wieder scheint ein Stueck altes Wien verloren gegangen zu sein,denn
ein Ober in einem Wiener Kaffeehaus hat nicht freundlich zu sein,sondern
grantig.

Dies allerdings mit seiner gesamten beruflichen Professionalitaet.

Viele Jahre gehen ins Land,bevor ein Ober seine unvergleichliche Stellung
erreicht,um seinesgleichen,wie z.B. Dr.Sigmund Freud oder Peter Altenberg
das Privileg einraeumen kann,anschreiben zu lassen oder kleinere Geldbe-
traege zu verleihen.

Schon als Piccolo hat er gelernt,dass Gaeste zwar unwillkommen sind,aber
wenn sie denn schon mal da sind,ein Anrecht haben,mit aeusserster Praezision
bedient zu werden.
Die Ohrfeige die er bekam,als er erwischt wurde,dass er das Paar Wuerstel mit dem
Daumen am Teller beim servieren festhielt,brannte noch lange auf seiner Wange.

Jahre der Reife spaeter,durfte er dann schon ein Schnitzel zu Tisch bringen oder
einen Gast zu seinem Sessel fuehren.
Erst wenn das Haar begann sich grau zu verfaerben,hat er sie letzte Stufe seiner
Berufslaufbahn erreicht.

Bis es soweit ist,hat er schon vieles gehoert,gesehen und erlebt.Er wusste um den
Ehebruch des Herrn Kommerzialrats Bescheid,kannte die Abneigung,die die Herren
Graf Moderbrugg- Feldhall und Ritter von der Ebelsweiden verband und stand der
bekundeten Absicht des Herrn Bronstein,das Zarenreich zu stuerzen mit Skepsis
gegenueber.

140 Jahre sind seither seit der ersten Eroeffnung des Cafe Central vergangen.

Das Zarenreich existiert schon lange nicht mehr,Stalin tot,Trotzki tot, Adolf lebt
jetzt in Argentinien und war schon lange nicht mehr da,nur das Cafe hat nach wie
vor 365 Tage im Jahr geoeffnet.

Um 3 h frueh beginnt das Tagwerk in der Patisserie um die Mehlspeisen herzustellen.
Ab 7 h werden die ersten Gaeste erwartet und so geht es bis 22 h.
An die 500.000 Gaeste sollen im Jahr die Lokalitaet besuchen und viele die das Allein-
sein suchen,dazu aber Gesellschaft brauchen,finden sie dort.

Selbst der Tod kann nicht schoener sein als im Kaffeehaus.

Friedrich Torberg verstarb in einem anderen Traditionskaffeehaus.Entdeckt wurde
sein Dahinscheiden,als der Ober ein frisches Glas Wasser(selbstverstaendlich mit
umgedrehten Kaffeeloeffel) servierte und dabei den Leichnam fand.

So ein Vorkommnis warf ihn nicht aus der Balance.Zuerst kassierte er den Nach-
bartisch ab und verstaendigte dann erst die Rettung.

Jock

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: samuispezi am 07. Dezember 2016, 17:04:58

Und die Meister dieses Faches sind wohl in die "Universität "
Schweizerhäusl gegangen. ;]

VG
Samuispezi }}
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 09. Dezember 2016, 08:32:34

So,

Wien, Wien ,  nur  du  allein.....

in  wenigen Stunden geht  es  ab nach Wien.
Vor  allem  aber nach  Baden.
Was  nimmt man  alles  auf  sich,  für  die  holden Damen :)


Vielleicht  schickt mir  Tigerwutz per  FB Pn  seinen  Telefon Nr  ?

Euch allen  schönes  Wochenende >>> mir  auch  :)
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: franzi am 09. Dezember 2016, 10:28:02
In Baden kuren, um fuer Damen 100prozentig fit zu sein, oder eine Dame konsultieren?
Da intim, brauchst das natuerlich nicht zu beantworten.
Dann duerften wir unsere Phantasie walten lassen ;)

fr

NS-Unserem Vater, der vor zig-Jahren dort gekurt hatte, wurde von einem freundlichen Gendarmeriebeamten verboten, vom zuvor besuchten Gasthaus mit dem geliehenen Fahrrad ins Kurhotel weiterzufahren.
Daher torkelte er dorthin zu Fuss.
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 09. Dezember 2016, 11:46:41
Baden bei Wien,eine Stadt mit ca.25.000 Einwohnern hatte schon
viele prominente Herrschaften in seinen Mauern zu Gast.

Die Thermenquellen,die seit Kaiser Claudius (45 n.Ch.)bekannt sind,
zogen immer wieder Personen an, die sich von den Schwefelquellen
Heilung von ihrer Kinderlosigkeit versprachen.
Die ungarische Koenigin Beatrix zum Beispiel oder ein Herr aus Deutsch-
land,der namentlich nicht genannte werden will.

Die Stadt liegt an der Thermenlinie und entlang dieser entspringen eine
Reihe von Thermalquellen (Baden,Bad Voeslau,Bad Fischau u.s.w.)

Da auch die kaiserliche Familie es schaetzte im warmen Wasser zu suhlen,
sich dort Schloesser bauten,zogen sie auch die gesellschaftliche Ober -
schicht in diese Stadt.

Der Biedermeierstil praegt das Stadtbild und die wunderschoenen alten
Herrschaftsvillen waren zwischen 1945 und 1950 um 70.000 ATS zu haben,
weil sich in Baden das Hauptquartier der sowjetischen Besatzungsmacht be-
fand und Uebergriffe auf die einheimische Bevoelkerung an der Tagesordnung
waren.

Mittlerweile sind die Preise derart in die Hoehe geschnellt,dass sie fuer Otto
Normalverbraucher unerschwinglich wurden.

Neben den Kur-und Thermalbaedern ist das Casino,das es bereits seit 1934 gibt,
der Anziehungspunkt der Stadt.

Gleich neben dem Kurpark gelegen und unweit des Stadttheaters,kann man
dort sein Glueck versuchen.
Alle bekannten Gluecksspielarten werden angeboten aber auch ein Automaten-
saal ist im Programm.
(Nie werde ich die gluecklich-strahlenden Augen vergessen,als dort meine Frau
500 ATS gewann und sich vornahm,mit 5.000.000 nach Hause zu gehen.
Bei einem Glas Sekt (15 Minuten spaeter) musste ich sie ueber den Verlust von
500 ATS troesten,der erwartbar war.

Verlaeuft der Casinobesuch nicht den Erwartungen entsprechend,boete sich der
Kurpark an,den Revolver dort anzusetzen.Nur ist leider dieser selber mitzu-
bringen,da sich der Portier ausserstande sieht,diesen kurz zu verleihen,wie es in
frueheren Zeiten gute Sitte war.

Ich hoffe nicht,dass es unser @.der bayer.einen derart rabenschwarzen Tag er-
wischt,sodass man in der Rubrik "Von uns gegangen" einen Nachruf lesen wird
muessen.

Jock





Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Wiener am 10. Dezember 2016, 23:07:06
Ja,ja, nach Baden mit der Badner-Bahn, nur leider wird diese "Elektrische" in letzter Zeit von ungewollten Neubürgern zum Grabschen mißbraucht, sodaß die Fahrt mit der Schnellbahn schneller und besser zu bewerkstelligen ist. Vor 5 Tagen war ich noch im Kurkaffee dort, heute sitze ich wieder hier in Bankrut unter meiner Cocospalme. ..einfach herrlich wenn die Sonne scheint, vorher waren es noch -1 Grad mit kaltem Wind.
Falls ich hin und wieder mal in Baden bin, überkommt mich eine "Nostalgiestimmung", da ich in den 1960er Jahren sehr oft da war mit meiner damaligen Freundin, denn Baden war von Wien weit weg und wir waren "ungestört"  ..und die Torte in der konditorei schmeckt heute wie damals
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 15. Dezember 2016, 09:44:55
Haette man vor 60 Jahren eine Wienerin gefragt,was sie ihren
Lieben am 24.Dezember als Weihnachtsessen bereiten wuerde,
waere die hunderttausenfache Antwort gewesen,:natuerlich einen
Waldviertler Karpfen,was sonst ?

Die Antwort ist nicht ganz vollstaendig,denn an diesem Festtag
wurde eine Menge Quecksilber und sonstige toxische Schadstoffe
verfuettert.

Die lieben Koechinnen waren aber nicht von einer Manie besessen,
es Lucrezia Borgia nachzumachen,sondern sie wussten es einfach
nicht,dass sie knapp dran waren,Wien auszurotten.

Der Weihnachtskarpfen ist das traditionelle Essen am Weihnachtsabend
als Abschluss der vorweihnachtlichen Fastenzeit.

Portioniert,paniert,in Oel herausgebacken und mit einigen Scheiben Zitrone
serviert,dazu Kartoffelsalat,so wird der Karpfen seiner Bestimmung zuge-
fuehrt.

Noch im Sommer schwamm er friedlich in einem der Waldviertler Teiche,die
die Namen wie Haferdeck oder Schleiferteich tragen und liess sich seinen
Ruecken von der untergehenden Sonne waermen.

So ab Ende Oktober grosse Aufregung im Teich.Das Wasser kocht,so nannte
man den Vorgang,als die Fische mit Netzen gefangen wurden und in grossen
Bottichen nach Wien verfrachtet worden sind.

Da es bis zum Weihnachtsfest noch hin ist,stellte sich die Frage wohin mit dem
Festschmaus ?

Der Donaukanal bot sich als Loesung an.Dort waren Reusen angelegt,worin sich
die Fische tummeln konnten,bis der Tag ihrer Schlachtung gekommen war.

Damals jedoch waren die Wasser der Donau und des Donaukanals hoch toxisch
und die Schadstoffe reicherten sich in den Fischen an.

Zwar kam niemand deswegen um,aber die Sargtraeger hatten einige Mikro-
gramm schwerer zu tragen,wenn sie zum Beispiel Onkel Hans zur letzten Ruhe
betteten.

Heute,wo die Gewaesser die Gueteklasse II und III haben,gibt es keine Reusen
im Donaukanal mehr.Die Karpfen finden einen anderen Weg in die Kuechen und
sind so gut wie toxinfrei.

Das ist gut so,denn jeder will Gesund sterben.

Jock

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Wiener am 15. Dezember 2016, 21:49:38
Neben dem gebackenen Karpfen gab es bei meiner Mutter noch das sogenannte "FISCHBEUSCHEL" ...., das ist das weiße Fleisch ähnlich einem Kalbsbries, das auch gebacken wurde und mit Kartoffelsalat serviert. Es war mein Lieblingsstück vom Karpfen. Manchmal bereitete meine Mutter auch die Fischbeuschelsuppe mit Brotkrutons zu, sehr lecker!  ;}
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: malakor am 22. Dezember 2016, 07:39:32
Wien, Wien, nur du allein, was waerst du ohne den Sacher und seine Torte ?

http://www.sueddeutsche.de/stil/beruehmte-torte-sacher-selbstgemacht-1.3292407
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 22. Dezember 2016, 11:59:12
Wer glaubt, dass seine Torte  im Keller des Luxushotels in der Wiener Innenstadt gebacken wird,
ist am Holzweg!

Die Torte kommt aus Simmering!
Aus einem Gebaeude (schmuckloser Flachbau) zwischen Gärtnerei Bolzer und der Hundezone (!) Leberberg.
Gegenueber der Israelitische Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes. (4er Tuerl)

2x am Tag wird in die Konditorei im Hotel geliefert.

So, jetzt wisst sas! (ihr es)  ;)

LG TW
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 24. Dezember 2016, 09:19:05

Ich darf euch enttäuschen,

mir  ist  nichts geschehen nur  verlaufen hätte ich mich  beinahe.
Und  das  kam  so:  Aus  dem Bahnhof  herausgetreten  wollte ich
sogleich  eines  der Taxis  besteigen.

Der  Taxler mit  Jugo  Akzent  war not  amüst  als ich  ihm  das
Ziel  der Fahrt nannte. Und  sang mir sofort  ein Lied  wie nah das
doch  sei  und  zeigte  sich  trotz meines  Gepäcks völlig unwillig
die Fahrt  anzutreten.

Also  ging  zu Fuß  weiter;  Helfersdorfer Straße  neben  dem Polizeirevier
das  wußte ich. Und ein Polizeirevier  fand  sich  sogleich.
Einmal ums  Carree  geschleppt :  Nix

Bis mir eine junge  Dame  per  Handy Navy half. 
Es gab  direkt  daneben ein  2. Polizeirevier  . Auch hier noch einmal
im Carree  herum und  endlich war ich am Ziel.

Erschöpft ob  der  Busanreise,  einer einstündigen Fahrt  mit U und Schnellbahn
von Erdberg ans andere  Ende und  vor  allem wegen  des  Taxlers  dem  die 
Fahrt nicht  einträglich genug  erschien.

(http://up.picr.de/27804062hh.jpg)

(http://up.picr.de/27804063vh.jpg)(http://up.picr.de/27804066lv.jpg)

(http://up.picr.de/27804065sr.jpg)
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 26. Dezember 2016, 12:08:00
Geich morgens in der Frueh,wenn die Geschaefte oeffnen,geht es los !

Die verpatzten Weihnachtsgeschenke muessen umgetauscht werden.

Der Pullover,der zu lange ist,das Kleid,das zu eng ist und eine grauen-
volle Farbe hat,sowie die Dessous,wo zwischen Anspruch und Realitaet
einige Kleidergroessen liegen.

Wer kann,tauscht um,aber nicht allen glueckt dies,wie zum Beispiel einem,
nach jahrelanger Ehe noch immer verliebten Gockel,der seiner Frau ein
besonderes Geschenk machen wollte.

Es musste etwas besonderes sein.Gleich ein kleines Schloss mit allen drum
und dran.

Die besten Materialien wurden verwendet,die modernsten Errungenschaften
eingebaut und das Mobilar von weit her geholt.
Selbst auf die Stallungen fuer die Reitpferde wurde gedacht und der Ausritt-
parcour von jedem einzelnen Maulwurfshuegel befreit.

Als die Beschenkte zum erstenmal das Geschenk besichtigte und durch die
Raeumlichkeiten wanderte,kam sie auch in das Schlafzimmer,wo sie ein pom-
poeses Bett vorfand,in dem einst "Kaiserin" Maria Theresia schlummerte.

Sie blieb davor stehen,schuettelte wortlos den Kopf und als sie schlafen ging,
schnappte sie sich eine Matratze,legte sie unter ein geoeffnetes Fenster,be-
trachtete eine Zeit lang den Sternenhimmel,bis sie einschlief.

Auch in der Folgezeit blieb sie immer nur kurze Zeit in dem prachtvollen
Anwesen,sehr zum Kummer des Schenkers.

Ja das ging gewaltig schief.Umtauschen konnte man das Geschenk nicht und
kostete jedes Jahr eine Umsumme an Geld.

Der Schenker : Kaiser Franz Joseph I.
Die Beschenkte:Kaiserin Elisabeth
Das Geschenk: Die Hermesvilla im Lainzer Tiergarten.

Jock



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Gerdnagel am 26. Dezember 2016, 19:49:01
Kann man das auch abreissen ?  dann spart man sich die jaehrlichen Kosten  >:

Zitat
  Ja das ging gewaltig schief.Umtauschen konnte man das Geschenk nicht und
kostete jedes Jahr eine Umsumme an Geld.

Der Schenker : Kaiser Franz Joseph I.
Die Beschenkte:Kaiserin Elisabeth
Das Geschenk: Die Hermesvilla im Lainzer Tiergarten.
 
    :]
oh sorry, ist ja Kulturgut.
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: franzi am 12. Januar 2017, 15:56:25
solltest am Besten ohne Gruene sein!

Seit Bestehen der Fußgängerzone: Mariahilfer Straße verliert namhafte Geschäftsketten

Das Geschäftesterben auf der Wiener Mariahilfer Straße (Rot-grün taufte sie vorausschauend in "Mahü" um) – DER Einkaufsstraße Österreichs – beschäftigt mittlerweile die Medienberichterstattung


Mehr:

https://www.unzensuriert.at/content/0022862-Seit-Bestehen-der-Fussgaengerzone-Mariahilfer-Strasse-verliert-namhafte (https://www.unzensuriert.at/content/0022862-Seit-Bestehen-der-Fussgaengerzone-Mariahilfer-Strasse-verliert-namhafte)

fr
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 09. Februar 2017, 12:01:27
Wien darf nicht Chicago werden !

Das war die Wahlkampfparole einer strammen Partei,der man nur
zustimmen kann.

Und schon werden Stadtplaene entworfen,die die Gefahrenpunkte der
Stadt aufzeigen.

Frueher,in der guten alten Zeit,verzeichneten Stadtplaene die Sehenswuerdig-
keiten der Stadt,wie Schloss Schoenbrunn,das Belvedere oder den Steffl.

Jetzt ist alles anders.In grellen Farben werden Gaeste davor gewarnt,ja nicht
die markierten Stellen aufzusuchen,damit sie mit Leib und Leben davonkommen.

Das sind naemlich die Sammelpunkte,wo sich Afghanen treffen,Tschetschen oder
Nigerianer,die das Schicksal nach Wien verschlagen hat.

Bedauerlicherweise ist dieser "Stadtplan" nicht vollstaendig.Er zeigt nicht alle
neuralgischen Punkte,wo Auslaender sich konzentrieren.

Die Thaliastrasse,die in balkanesischer Hand ist,nicht die "Please to go area"
Quellenstrasse,wo sich ein tuerkischer Laden neben den anderen befindet und
nicht den Sammelpunkt thailaendischer Frauen,die sich sommers auf der Donau-
insel versammeln.

So Mancher ueberlegt es sich,ob er nicht nach Chicago auswandern sollte um der
ausgreifenden Kriminalitaet in Wien zu entkommen.

Ein vor kurzem stattgefundener Entfuehrungsfall,verstaerkt das Bestreben,in Sicher-
heit leben zu wollen.

Als ein Strassenbahnfahrer (wahrscheinlich Oesterreicher)nach kraeftigen Schuetteln
seines besten Freundes die Beduerfnisanstalt verliess,stellte er fest,dass sein,vor-
schriftgemaess abgestellter Strassenbahnzug verschwunden war.

Da dieser auch nach zweimaligen Reiben seiner Augen nicht zum Vorschein kam,rief
er in der Zentrale an,wo sich folgendes Gespraech entwickelte :

Fahrer : Hearst,mei Strossenbauhn haums gstohln :
Zentrale: Wos ? Nu a moi ! Dein Zug haums g'faddert ?
Fahrer: Jo,I woas a net .

Der Mann in der Zentrale,ein gestandener Gewerkschafter entsann sich des uralten
Kampfspruchs der Gewerkschaft,der da lautet : "Wenn dein starker Arm es will,
stehen alle Raeder still ! ",und stellte den Strom ab und brachte damit die entfuehrte
Strassenbahn zum Stillstand.

Tage spaeter wurde der entmenschte Taeter von der Polizei dingfest gemacht.
Ihm droht ein Verfahren,wegen der unbefugten Inbetriebnahme eines Fahrzeugs eine
strenge Strafe,die jedoch abgemildert werden wird,da er den Strassenbahnzug ordnungs-
gemaess als "Sonderzug" kennzeichnete und niemanden einsteigen liess.

Dieser schaendliche Vorfall geht selbstverstaendlich in die Kriminalstatistik von Wien
ein.Genauso,wenn Herr Nawratil Frau Nawratil eine klaescht und die ihr blaues Auge
der Polizei vorfuehrt.
Auch der Auffahrunfall,mit leichten Personalschaden findet Eingang in die Statistik.
u.s.w.

195.000 solche Anzeigen verzeichnete die Polizei in Wien 2015.Ein Rueckgang von 3,6 %
gegenueber des Vorjahres.

Der Rueckgang waere noch staerker ausgefallen,koennte man sich entschliessen,den
Verkauf von "Gras"zu entkriminalisieren,wie es auch hier im Forum schon gefordert wurde.

Die Gentlemen aus Nigeria,die den Handel bevorzugt betreiben, wuerden damit sofort ihren
fragwuerdigen,kriminellen Status verlieren und zu ehrsamen Kaufleuten mutieren.

Sonst bin ich ganz auf Seite der "law and order"- Fraktion,die dafuer plaediert,straffaellig
gewordene Auslaender gnadenlos abzuschieben.

Beginnend von der Spitze absteigend und das sind(auf ganz Oesterreich bezogen)in 2015

9.624 Rumaenen
9.161                    (mein Geraet verweigert den Dienst,weil es 'Deutsche' schreiben soll)
8.568 Serben
6.398 Tuerken
5.232 Bosnier
4.348 Ungarn
3.543 Slowake
3.269 Afghanen
3.171 Polen
3.008 Russische Foederation

Ist die Aktion abgeschlossen,wird alles wieder gut.Selbst die Mariahilfer-
Strasse wird rueckgebaut zu einem verstauten,verkehrsreichen Strassen-
zug,der Autofahrer den letzten Nerv zieht.

Alle,die heute gegen die Gruenen protestieren,protestierten auch damals schon,
als die Eisenbahn die Pferdegespanne verdraengte.

Jock






Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 13. Februar 2017, 06:10:45
(http://666kb.com/i/dgnpkzcmdisibqfgy.jpg)

http://www.janko.at/Wienerisch/Artikel/eignungstest.htm
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 24. Februar 2017, 18:06:09
Es gibt Accessoire die sofort verraten,welcher Profession der Traeger
nachgeht.

Ein Beispiel : Kaeme unser hochgeachteter Dr.Wolfram zu einem Tipianer-
treffen und truege er um den Hals ein Stethoskop,wuesste jeder Bescheid.

Der Willkommensgruss : "Servas Oida" bliebe im Hals stecken und jederman
spraeche ihn mit Herr Professor oder Herr Primarius an.Die Herzen junger Frauen
floegen ihm zu und so manche Erbschaft wird ihm wohl in Aussicht gestellt worden
sein.

Das Massband um den Hals des Herrenmassschneders erzeugt dieselbe Aura und
der Traeger ist wohl eine der vier Personen,die der Gentleman an sich heranlaesst.

So auch bei Herrn Niedersuess,dem Inhaber der Firma Knize,Am Graben zu Wien.

Oben,auf dem mit schwarzen Marmor gefassten Portal,stehen die Weltstaedte
New York-Paris-Bad Gastein,wo Filialen betrieben wurden.

Grob gesprochen ist das eine faustdicke Luege,denn die Filialen wurden schon vor
Jahrzehnten aufgelassen.Nur mehr in Wien kann man sich seit mehr als 150 Jahren
in die Haende eines verlaesslichen Schneiders begeben.

Es ist ein Hauch der Savile Row,die einem innerhalb der Raeumlichkeiten umgibt.

Zugegeben,billig ist es bei Knize nicht und fuer einen Massanzug blaettert man schon
7.000 Euros hin,dafuer kann man aber sichergehen,dass feinster Kammgarn ver -
wendet wird und dass Linkstraeger auch links tragen.

Die Kundenliste ist lang und exquisit.Der Hochadel,voran der Ex-Koenig von Spanien
ist vertreten,Kuenstler  und auch Politiker.

Der ehemalige Finanzminister Androsch von den Sozialdemokraten soll 100 Anzugteile
in seinem Kleiderschrank gehabt haben,wie das verblueffte Proletariat anfangs der
Siebziger  zu Lesen bekam.

Davon konnte @Jock von Jockstein immer nur traeumen,den widrige Umstaende ver-
hinderten einen Besuch bei den Meistern von Knize.

Ein,seit 1944 bestehender finanzieller Engpass,veranlasste ihn,statt bei Knize ein-und-aus
zugehen,bei C & A fuendig zu werden.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 11. März 2017, 12:03:04

Das "Nationalgericht" der Wiener:

(http://up.picr.de/28552213co.jpg)

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Wiener am 11. März 2017, 21:56:23
Noch 2 Monate, dann darf ich wieder einmal "a Burenhäutl" essen aber mit süßen Senf.   oder seit einem Jahr gibts in Wien eine Filiale vom "Leberkas-Pepi" aus Linz, der schmeckt grandios ! ;}
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 12. März 2017, 03:14:03


Iss bitte die eine oder andere Portion für mich mit  :'(

 [-]

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 15. März 2017, 20:32:54
Am Samsag im Kurier > Was vom Naschmarkt übrig ist!

(http://666kb.com/i/dhiqcgs700qttv00e.jpg) (http://up.picr.de/28599591vt.jpg)

LG TW

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 03. April 2017, 13:32:19
.

(http://666kb.com/i/di1p6cpw1iotcptoa.jpg)

 ;)  TW
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 03. April 2017, 17:48:42
Frau Nina ist im doppelten Sinn eine gewichtige Person.

Als sie vor 30 Jahren ihre Bar in Wien eroeffnete,mussten fuer
ihren Nerzmanten die uebliche Anzahl der possierlichen Tierchen
sterben.

Als sie die Bar letztes Jahres schloss,schon die 4 -fache Anzahl.

Jetzt stellt sie in einem Buch ihre Erinnerungen vor und gibt an,
aus dem "Naehkaestchen" zu plaudern.

Natuerlich war die Neugierde gross und Journalisten draengten sich
bei der Praesentation.

Zu hoeren bekamen sie,dass in ihrem Etablissement ein Bundes -
praesident verkehrte,Kardinaele sich die Klinke in die Hand gaben und
Bischoefe zur kurzen Verweil begruesst werden konnten.

Filmschauspieler und Saenger waren gerne gesehene Gaeste,die schon
bei der Eintrittstuere 5,6 oder 7 Flaschen Schampus zu je 500 Euro be-
stellten und hinterher auf den Teppich pinkelten.

Die Maedchen,die zu Diensten waren,feiern ein Wiedersehen,wenn sie
am Arm ihrer einflussreichen und reichen Ehemaenner den roten Teppich
beim Opernball entlang schreiten u.s.w.

Liebe Frau Nina,ich glaube,dass Sie ein klein wenig mogeln,denn von den
4 Bundespraesidenten sind 3 von Haus aus unverdaechtigt und der vierte
Bundespraesident,dem man so etwas zutrauen koennte,stand unter den
Pantoffeln seiner Ehefrauen.

Auch bei den Kardinaelen duerften Sie einer Fantasie zum Opfer gefallen sein.

Kardinal Koenig starb mit 101 Jahren und war mit knapp 80 Jahren sicherlich
kein Stammgast.Sein Nachfolger hatte es mehr mit den jungen Knaben und
faellt auch aus.Kardinal Schoenborn weiss ueber die verschwiegene Stiege im
erzbischoeflichen Palais Bescheid und kam,ausser beim Fronleichnahmsumzug
nicht in die Naehe des Bauernmarktes,wo Sie die Bar hatten.

Bleibt also nur die geheimnisvolle Dame,die strengen Sex bevorzugte und heute
eine prominente Politikerin ist.

Geben Sie doch ihrem Herzen einen Stoss und sagen Sie uns wenigstens das
Bundesland.

Es ist Niederoesterreich, stimmst ?

Jock


p.s. Waren Sie auch so mitteilsam,als es darum ging,bei der Steuerpruefung
die Einnahmen zu deklarieren ?
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 12. April 2017, 11:11:12
So um 1950 herum war die Zukunft von Oesterreich und damit
auch Wiens nicht ganz sicher.

Die Kommunisten scharrten mit den Hufen und probten sich im
Einvernehmen mit den Sowjets,die Staatsmacht zu uebernehmen.

Dadurch fielen die Grundstueckpreise und die Geschaeftsmieten
auf historisch niedrigste Staende.

Genau zu dieser Zeit gruendete Frau (Dr. Antoinette) Greiler vulgo
Antonia Greiler ihre Moebelfirma.

Sie war gebuertige Polin juedischer Herkunft und hatte den Holocaust
ueberlebt.

Auf der Suche nach einem geeigneten Standort bot man ihr Raeumlich-
keiten im Trattnerhof (erster Bezirk) an.Das war wichtig,denn vertrauens-
wuerdige Fimen hatten damals in der City ihre Adresse.

Um den vergleichsweise niedrigen Monatszins aufzubessern,ueberredete
man sie,doch auch das Kellergewoelbe anzumieten.

So geschah es und der Keller diente ueber Jahrzehnte als Rumpelkammer,
wo alles,im wahrsten Sinne des Wortes,hineingeworfen wurde,was nicht
mehr brauchbar schien.

Die Etage die Frau Greiler anmietete,diente zuvor den sowjetischen Besatz-
ern als Verrechnungsstelle fuer die USIA - Betriebe.Ein begehbarer Tresor
mit einer 50 cm dicken Stahltuere zeugte davon.

1974,Frau Greiler war mittlerweile in die Jahre gekommen,und wollte ihr sehr
gut gehendes Geschaeft verkaufen.Die Firma Gordis war inzwischen die erste
Adresse fuer Designermoebel geworden,alle Architekten waren gezwungen
bei ihr einzukaufen und die Preise,die ausgelobt waren, waren astronomisch.

Ich war damals bei den zaehen Verhandlungen dabei,als Hans Taus die Firma
kaufte.

Die 3  Mio ATS als Abloese fuer das Lager,ok.Der Goodwil von nochmals 3 Mio
ATS kaufmaennisch nicht mehr vertretbar,zumal noch ein 60 Monate laufender
Konsulentenvertrag mit 30.000 ATS p/m gefordert wurde.
Denn Goodwill konnten wir allerdingsauf eine Leibrente umbiegen.Weitere
40.000 ATS als Kostenfaktor in der G/V Rechnung.

Allen Warnungen zum Trotze,Herr Taus schlug zu.

Seine Argumentation war,dass ihm Frau Greiler gebeichtet hat,sie haette nur
mehr 2-3 Monate zu leben,mehr wuerden ihr die Aerzte nicht mehr zubilligen.
Und mit ihrem Tode,erlischt der Konsulentenvertrag und auch die Leibrente.

Sobald der Kaufvertrag unterschrieben war,gesundete Frau Greiler auf wunder-
same Weise und starb erst in den spaeten 90ern.

Nach der Firmenuebernahme machte sich unsere Mannschaft daran,den Keller
zu entmisten. Er war 400 m2 gross und es dauererte Tage,bis er geleert war.
Als er leer war und man die Tuere im hinteren Teil oeffnete,fand man darunter
einen weiteren Keller mit 400 m2,der ebenfalls vollgeraeumt war.

Als auch dieser Keller endlich frei lag,eine weitere Tuere ,die zu einem 3.Keller
fuehrte,der genauso gross war aber nicht so vollgeruempelt.

Dafuer wartete eine andere Ueberraschung.

Auf einem vermoderten Sessel fand sich ein Gerippe mit den Resten einer sow-
jetischen Uniform.

Das hatte zur Folge,dass das weibliche Raeumungskommando fluchtartig die
Katakombe verliess und seither wahrscheinlich niemehr eine weibliche Person
da unten war.

Ja,das unterirdische Wien ist geheimnisvoll und noch lange nicht vollstaendig
erforscht.

Da gibt es Strecken fuer die U-Bahn,die noch nie ein Passagier befahren hat,
da gibt es Gaenge,die vor Jahrhunderten angelegt wurden,irgendwann zuge-
mauert und vergessen wurden.

Da gibt es Keller,die 3 stoeckig tief reichen,Verbindungsgaenge untereinander
haben,verschwiegene Fluchtwege fuer die Kaiserfamilie,oberirdische Strassen,
denen unterirdische Strassen genau folgen u.s.w.

Die Kanalisiation von Wien,war nicht nur im Film "Der Dritte Mann" Hintergrund
gewisser Geschaefte,sondern spielte auch im realen Leben der Wiener eine Rolle.

Die "Strotter" eine Gemeinschaft von 150 - 200 Koepfe gross,lebte und 'arbeitete"
im Verborgenen da unten.

Sie fischten Leichenteile,Tierkoerper und Knochen aus dem Abfluss und verkauften
sie an Seifenfabriken.

Unter der Michaelerkirche ist Aschenputtel begraben.Eine weibliche Leiche,der ein
Schuh fehlt.Tausende von Totenschaedel grinsen den Besucher an und werfen ihm
die Botschaft zu : Bald bist du einer von uns !

Aber bis es so weit ist,laesst man sich das Bier im oberirdischen Schanigarten noch
schmecken.

Jock


Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Lung Tom am 21. April 2017, 19:46:41
Hallo @jock,

lese Deine Geschichten über Wien sehr gerne.

Als Gruss sende ich Dir eine musikalische "Liebeserklärung" an Wien, die ich gerade im Netz gefunden habe. Hoffe Dir und allen Freunden Wiens gefällt sie, für mich ists halt a bissl zu hektisch (die Musik  ;D):

https://www.youtube.com/watch?v=QkvWHRmHEVk&feature=youtu.be

"Hinreissende Liebeserklärung an Wien"
An 281 Orten in Wien packte das Streichduo Bartolomey/Bittmann seine Instrumente aus. Das Ergebnis ging viral und wurde zum Hit. Aber sehen Sie doch selbst!

In der Steiermark muss man sie niemanden mehr vorstellen: BartolomeyBittmann. Als größter Hit entpuppte sich für das Streichduo Matthias Bartolomey und Klemens Bittmann ihr Video „Les Pauli“, für das sie an verschiedenen, exakt an 281,  Schauplätzen in Wien ihre Instrumente auspackten. U.a. wurden Schloss Schönbrunn, Hofburg, Volkstheater, aber auch diverse Kaffeehäuser, auf der Verkehrsinsel der 2er-Linie, in der 49er-Straßenbahn oder den Katakomben von St. Stephan zum Drehort.

Und: Auch der Burgtheatermime Cornelius Obonya und Charakterdarstellerin Ursula Strauss kommen in dem Video vor. Mehr als eine Million Klicks erreichte die Liebeserklärung an Wien bereits bei Facebook.

Klemens Bittmann im "Wien heute"-Interview: „Ich bin ein gebürtiger Grazer und hatte die Freude mit den zwei Wienern, mit dem Max Parovsky, unserem fantastischen Fotografen und Videokünstler, mit dem wir gemeinsam dieses Video geschaffen haben, und dem Matthias, durch ganz Wien an den verschiedensten Tagen an den verschiedensten Jahreszeiten an den verschiedensten Tageszeiten herumzufahren.“

Und Bartolmey sagt: „Wir haben uns zwar erhofft, dass es viele Leute sehen -  und dann hat das eine Eigendynamik bekommen, die erstaunlich ist und uns wirklich überrascht hat.“

Quelle: http://t1p.de/s1c5

Schönen  Abend
Lung Tom
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Kern am 22. April 2017, 02:48:11
https://www.youtube.com/watch?v=QkvWHRmHEVk&feature=youtu.be

Diese Video ist ein Kunstwerk  ;} , aber so hektisch und verrückt, dass ich wahrscheinlich schon morgen wieder ins sitanja ziehen muss.

Zur Info:
sitanja (mit langem "a"; thailändisch) = Irrenhaus  ;D
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 22. April 2017, 08:55:56


(http://up.picr.de/28979005vd.jpg)
 C--

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 28. April 2017, 12:46:49
Wer jemals Paris besucht hat,war auch beim Arc de Triomphe und hat
die sternfoermig zulaufenden grossen Strassen von Paris bestaunt.

Champs d'Elysees,Avenue Foch,Avenue Victor Hugo u.s.w. die die
Eleganz einer Weltstadt zeigen und beste Adressen fuer die Eliten sind.

Auch Wien hat einen grossen Platz,wo Strassen sternfoermig ausgehen
und Namen tragen,wie Heinestrasse,Ausstellungsstrasse,Praterstrasse
und Franzenbrueckenstrasse.

Die Mitte ziert kein Triumphbogen,sondern ein Denkmal,wo die Wiener
spotten,es sei dem Erfinder des Kleiderstaenders gewidmet.Keine eleganten
Juweliere haben dort ihre Geschaefte,keine Boutiquen bieten Designermode
an,nur ein Elektrogeschaeft und ein Gasthaus lockern die graue Einoede
etwas auf.
Der moderne Bahnhof,der von der OBB errichtet wurde,ist Anziehungspunkt
fuer Alkoholleichen,Punker,Drogendealer und Obdachlose.

Der starke Strassenverkehr,der den Platz umrundet,verleidet ein Flanieren.

Nicht einmal,wenn Kaiserwetter herrscht,kommt Lebensfreude auf oder Hoffnung
auf eine Besserung des eigenen Lebens.

Im Gasthaus Hansy findet man die "Verdammten dieser Erde".Im zu gross ge-
wordenen Parka mit zerknitterter Hose kehren sie dort ein und laben sich an einem
Stehachterl.
Versunken stehen sie vor dem Glas und sinnieren ueber ihr verpfuschtes Leben.

Die Enge ihrer Wohnungen,die Ehefrau,mit der sie vor mehr als 10 Jahren das letzte
Mal richtig gesprochen haben.Der Geruch vom Kohlgericht,der noch immer irgend-
wie in der Lueft haengt,die tropfende Bassana,der abfallende Verputz,die tuerkische
Familie mit den sieben Kindern,darum kreisen ihre Gedanken und verstaerken den
Wunsch nach Sterben,Tod,Abschied und Vergessen.

Doch von Zeit zu Zeit gelingt es,vom Caroussel des Depressionen abzusteigen -
dann,wenn ein Heurigenbesuch ansteht.

Vergessen ist dann der zu hohe Blutdruck,die beaengstigenden Werte des Cholesterin-
spiegels und die bevortehende Operation der Krampfadern.

Dort wird man wieder jung und Heiterkeit breitet sich ueber die Seele aus.

Frohgemut singt man mit,wenn ein Lied erzaehlt,wie es ist,die Pferde in den Stall
zu stellen,dass man aus dem Liechtental sei und dass man jener ist,der immer das
Bummerl hat.

Viele der Wienerlieder besingen die Todessehnsucht und suhlen sich im Abschieds-
schmerz.Aber das faellt beim Klang der Gitarre,der Zither und dem Excelsiorak-
kordeon nicht auf.

Jock







Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 04. Mai 2017, 10:35:06
Dem Nichtwiener faellt es gar nicht auf.

Er kennt nicht den Unterschied zwischen Hansiiiii und Hanseeee und
doch liegen Sportwelten dazwischen.

Hier Boxen dort Fussball.Hier ein Leben im prekaeren Bereich,dort ein
Leben im Gutbuergerlichen.

Von Hans Orsolics (Hansiiiii) und Hans Krankl ( Hanseee) ist die Rede.

Beide waren Stars und verdienten gutes Geld.Dem einen verrann es
zwischen den Fingern,der andere behielt es und kann noch immer davon
zehren.

Hanseee versuchte,wie so viele ehemalige Fussballer die Trainerlaufbahn
einzuschlagen.
Das Ergebnis ist ueberschaubar.Auch als er Nationaltrainer wurde,half es
wenig,beim Abspielen der Nationalhymnen die Hand aufs Herz zu legen,die
Niederlage war gewiss.
Etwas erfolgreicher war seine Musikband,wo er als Saenger hervortrat und
seine Dressmankarriere,wo er von den Plakatwaenden herunterlaechelte.

Sonst fuehrte er ein unspetakulaeres Familienleben.

Da war das Leben von Hansiiii etwas verrueckter.

Als Boxer eroberte er die Herzen der Wiener.Wenn ein Boxkampf anstand,
fuellten sich in den sechzigern Jahren die Gast- und Kaffeehaeuser,denn
private Fernseher waren noch nicht so haeufig zu finden.

Europameister war er bald und als sich die Chance ergab,nach der WM-
Krone zu greifen,verpatzte sein Management alles.

Die Beschwoerungen waehrend des Kampfes " Hansiii tua d'Haend aufi "
fruchteten nichts,Hansiiii ging k.o. und das war's dann.

Die Riesenschar an Freunden verlief sich,sein Gasthaus,das als buergerliche
Existenz gedacht war,ging in Konkurs,er selbst verfiel dem Alkohol und
sass bald im Gefaengnis.

Seine damalige Frau war samt dem Wellensittich schneller weg,als sein Geld.

Als er ganz unten war,nahm ihn ein Fernsehjournalist unter die Fittiche und
verschaffte  Hansiiii einen Hilfsarbeiterjob in der Hausdruckerei.
Einem Engel zuliebe,schwor er dem Alkohol ab und heiratete sie.

Dann folgte ein kurzer heller Schimmer,der die Tristesse seines Daseins unter-
brach.

In einem Liedchen besang er sein potschertes Leb'n.Ein Gassenhauer,der sogar
Falco auf der Hitliste verdraengte.

Mit dem eingenommenen Geld konnten alle Restschulden bezahlt werden und die
Wohnungseinrichtung erneuert.

Heute ist er Pensionist,weisshaarig und von Parkinson gezeichnet.Auch der
Alzheimer macht Fortschritte.

Aber etwas hat sich zum Guten veraendert.

War frueher in der aktiven Zeit der Boxring mit 36 m2 seine Welt,so ist es heute
seine Gemeindewohnung die 37 m2 umfasst.

A Wauhnsinn normaeu!

Jock


Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 05. Mai 2017, 18:25:50


Heast Oida!

Nur wenn du 9/10 in diesem Quiz schaffst, bist du wirklich aus Wien

Zum Quiz geht es hier (https://www.buzzfeed.com/karstenschmehl/heast-oida?utm_term=.amW6gLMok&ref=mobile_share#.eh4mPWlNO)

Viel Spass!

lg
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Lung Tom am 05. Mai 2017, 18:44:11
Resultat:

Du bist ka echta Weana !

6 von 10, naja besser als ein Stock ins Auge  ;D
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 22. Juni 2017, 09:23:07

(http://up.picr.de/29557346yx.jpg)



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Lung Tom am 28. Juni 2017, 19:29:16
Hier das - nach dem Bericht - wichtigste Wort, das man in Wien können muß:

https://youtu.be/iuXR53ex4iI

Ick hab det nur jelesen und jehört, aba det kann schon sein  ;]
Wennet nich stimmt, laßt et mir mal wissen  :]
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 28. Juni 2017, 19:35:37
Wennet nich stimmt, laßt et mir mal wissen  :]

Ist tatsächlich eines der gebräulichsten Worte, allerdings für Nichtwiener schwierig richtig anzuwenden.. . .

 [-]
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Lung Tom am 28. Juni 2017, 19:50:23

...gut zu wissen. Leider hat mich mein Weg bisher nicht nach Wien geführt. Außer beim Umsteigen im Flughafen. Das war auch ne lustige Geschichte:
Da hatte ich in Bangkok eine Flasche Gin gekauft, die wurde damals auch eingetütet und gut verschlossen, in Wien wurde diese Maßnahme der Bangkoker Duty-Free Händler aber nicht anerkannt. Mir wurde angeboten: a) gleich austrinken, b) in den Abfall werfen oder c) in meiner Tasche als Aufgabegepäck neu einchecken, letzteres habe ich dann auch gemacht, 1 Liter war mir nen bischen viel  ;] Mußte dazu aber den Transitbereich verlassen, naja hat ja alles noch geklappt  ;]
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 24. Juli 2017, 14:35:52
In den 50gern und anfangs der 60ger Jahren war es ein woechentliches
Schauspiel in den grauen Vorstaedten Wiens.

Das Proletariat bekam seinen Wochenlohn ausbezahlt und bereitete
sich vor,diesen in Alkohol zu veredlen.

Ueberall sah man an Freitagen (frueher Samstagen) torkelnde,sich
uebergebende oder schlafende Gestalten,die auf dem Weg zur ehelichen
Zimmer-Kueche - Wohnung waren,um ihren Frauen eine Tracht Pruegel
zu verabreichen,weil sie zeterten,dass der Lohn versoffen wurde.

Wie soll dann die Familie verkoestigt werden,laesst der Greisler noch "auf-
schreiben" ?waren Sorgen,die die Ehefrauen plagten.

Mit der Einfuehrung des Girokontos und der Moeglichkeit den Wein im Super-
markt kaufen zu koennen,verschwanden nach und nach die Frauen vor den
Fabrikstoren und damit auch haessliche Debatten um brisanten sozialen
Gespraechsstoff.

Ja in dem unteren Bereich der Sozialskala mag das so stimmen,aber ist das
ueberall so angekommen ?

Wie sieht es damit bei den "Besserverdienenden" aus ?

Ich behaupte,dort hat sich nichts geaendert.Dort sind immer noch die Frauen
zur richtigen Zeit zur Stelle,um das hart verdiente Geld ihrer Ehemaenner zu
kassieren und ihnen nur ein kleines Taschengeld zu ueberlassen.

Zu sehen war es am vorvergangenen Sonntag,als um ein hohes Preisgeld in
Wimbledon Tennis gespielt wurde.

Frau Mirka,von Sorge getrieben,wie sie die Lebensmittel fuer ihre Familie wohl
bezahlen wird koennen,war zugegen,als Roger Federer ein hoeheres Preis-
geld gewonnen hat.

Sie war auch zugegen,als er in Australien gewann und all die Jahre zuvor.

Die Preisschecks hatte er nur kurze Zeit in der Hand,dann waren sie weg.

Aber nicht nur Roger Federer ergeht es so.Auch seinen Kollegen ereilt das selbe
Schicksal.
Ob sie nun Nadal,Murray,Djokovic oder sonst wie heissen.

Kein Wunder,wenn die beliebteste Lied in diesen Kreisen "Brueder zur Sonne,
zur Freiheit"heisst.

Aber da werden sie noch lange warten muessen.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: franzi am 26. Juli 2017, 12:30:55
Wien, wies heutzutage leibt und lebt ???.
Das Video duerfte zuviel in die Breite verzerren ;D

https://www.youtube.com/watch?v=0XU_yxTmhjk (https://www.youtube.com/watch?v=0XU_yxTmhjk)

fr
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 11. August 2017, 06:39:01
Mit ernstem Gesicht ueberreichte im Jahre 1961 ein Brieftraeger
Herrn Friedrich Torberg ein amtliches Schreiben und liess sich die
Uebergabe bestaetigen.

Eine Zeugenladung zu einem hochbrisantem Gerichtsfall war der
Inhalt.

Streithaehne waren die Chr.Demel's Soehne und das Hotel Sacher.
In der Sache ging es darum,wer von beiden,die richtige,echte "Sacher-
torte"verkaufen darf.

Klar war nur,dass das Schokoladenstueck von Herrn Sacher sen.erfunden
wurde und zwar waehrend seiner Ausbildungszeit beim Demel.

Nach Jahren,als Herr Sacher im "Sacher" arbeitete,wurden die kalorieren-
reichen Koestlichkeiten im "Sacher" angeboten und in guten Stueckzahlen
verkauft.

1929 ging das Hotel Sacher in Konkurs und Herr Eduard Sacher(der Sohn
des Erfinders)verkaufte das Rezept und das Recht an der "Sachertorte" an
die Konditorei Demel.

Die Familien Guertler und Siller kauften aus der Konkursmasse das Sacher
auf und begannen wieder mit der Produktion der "Sachertorte".

Da pro Tag an die 300 bis 400 Torten verkauft werden konnten,war dieses
Produkt eine verlaessliche Cashcow,zumal der Preislevel sehr hoch angesetzt
war ( und ist).

Das stoerte natuerlich die Geschaeftsinteressen des Demels und so begann
der Hickhack,wer denn nun sein Produkt als Original bezeichnen durfte.

Herr Friedrich Torberg,der Stammgast sowohl beim Demel als auch im Sacher
war,war ausersehen,als Experte Zeugnis darueber abzulegen,ob das Original
einfach oder zweifach aprikotiert war.

Darunter versteht man,ob die Marillenmarmelade nur unter dem Schokoladen-
ueberzug zu finden ist,oder ob die Torte noch in der Mitte durchschnitten war
und ebenfalls mit Marmelade bestrichen sein muss.

Obwohl seine Aussage bei Gericht eindeutig war,konnte der Streit erst Jahre
spaeter beigelegt werden.

Seither verkaufen beide Haeuser "Sachertorten" und biedere Haufrauen backen
ebenfalls "Sachertorten" - manchmal munden sie sogar besser.

Egal,ob Sacher,Demel,Groisboeck oder Frau Navratil die Torten backen.Mit Schlag-
obers serviert und dazu einen Kaffee von "Helmut Sacher" senden einen Gruss
vom Himmel.

Jock

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: thai.fun am 11. August 2017, 16:23:11

Wien, wies heutzutage leibt und lebt ???.


Liegt aber im Trend der Zeit. Wenn ich mich heute so in der Nachbarschaft umsehe ...  ???
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 28. August 2017, 14:02:39
Der Sabbat beginnt am Freitag Abend und dauert bis Samstag,wenn
die Dunkelheit anbricht.

Es ist der wichtigste Wochentag der juedischen Glaubensgemeinschaft
und wird gerne zum Besuch einer Synagoge verwendet.

Dann sieht man sie,die glaeubigen orthodoxen Juden in ihren schwarzen
Kaftanen,fallweise schwarzen Knickerbockern und den schwarzen Hueten
auf den Weg ueber die Schwedenbruecke entweder zum Tempel oder wieder
nach Hause in die "Neue Judenstadt" eilen.

Die "Neue Judenstadt" ist der 2.Wr.Gemeindebezirk und traegt den Namen
"Leopoldstadt" nach Kaiser Leopold I.,der die Juden aus Wien 1670 vertreiben
wollte.

Die Beziehungen zu den Juden war ueber Jahrhunderte ein staendiges Auf und
Ab.

Der eine Monarch umwarb sie und gab ihnen bestimmte Rechte,der naechste
nahm ihnen die Rechte wieder weg und verfolgte sie.

Trotzdem wuchs der juedische Bevoelkerung bis 1923 auf ueber 200.000
Personen an,was einem Bevoelkerungsanteil von etwa 10 % entsprach.

Da nicht alle Juden in der Leopoldstadt Wohnung fanden,breiteten sie sich auf
die Brigittenau und dem Alsergrund aus.
Aber es waren Juden,die der unteren und mittleren Sozialschicht zugehoerig waren,
denn die Reichen unter ihnen,besiedelten schmucke Villen in den Nobelbezirken,
wie Hietzing,Doebling oder wohnten in Patrizierwohnungen in der Innenstadt.

1951 waren gerade ca.6.000  uebrig geblieben.Man schaetzt,dass 130.000 dem
Holocaust entkommen konnten und etwa 60-70.000 von den Nazi's deportiert
wurden und dabei umkamen.

Wie breit die Schneise war,die den Wienern durch die Nazi's zugefuegt wurde,
bemerkt man,wenn man einen Blick auf das Wirtschaftsleben 1934 wirft.

85 % der Anwaelte waren Juden,51% des Aerztestandes,85 % der Moebeler-
zeugung -und Handel war in juedischer Hand,und 75 % der Geldwirtschaft.

Es war in der NY - U-Bahn,als eine moderne Juedin auf einen schwarz gekleideten
Kaftan tragenden Herrn mit schwarzem Hut und Vollbart zuging und ihn zu be-
schimpfen begann.

Warum er denn so offensichtlich den orthodoxen juedischen Glauben zur Schau
stellen muesse ? Kein Wunder,dass alle Welt den Juden mit Skepsis begegnet !

Der bedraengte Herr antwortete jedoch freundlich,dass er kein Jude sei sondern
ein Amish.
Und ob sie das nicht gleich gesehen haette,da er zwar Vollbart traegt aber dazu
keinen Schnurrbart ?

Ja es sind die kleinen Unterschiede,die eine Welt ausmachen koennen.

Bei den Juden ganz besonders.

Woran erkennt man,ob der Betreffende ein "Litauer" ist oder ob er vielleicht
den "Lubawischer- Chassiden" angehoert ?

Um es kurz zu sagen - am Hut !

Ist die Krempe breit oder schmal,ist sie nach oben oder nach unten gebogen ?
Wie breit ist das Hutband ? und,und,und.

Das alles hat in der juedischen Gemeinde eine grosse Bedeutung,die Ehe schliessen
laesst oder absolut verhindert.

Dabei ist der Hut fuer juedische Herren gar nicht so billig.Zwischen 250 und 350
Euros muss man schon auf den Tisch legen.

Dafuer gibt es allerdings 2 Jahre volle Garantie.Voraussetzung ist,dass der Hut in
dieser Zeit nicht getragen wird und verpackt im Geschaeft verbleibt.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: .derbayer. am 31. August 2017, 20:26:09

Wien Wien nur  du allein....
Was  Rungis  für  Paris und  den Rest  der  Welt,  das  ist  der

"Groß  Grünmarkt "

wie er  inzwichen genannt  wird,  für  Wien.

(http://up.picr.de/30231838ov.jpg)(http://up.picr.de/30231840ad.jpg)

Märkte interessieren mich im allgemeinen,  also  auf,  den  Bauch  von Wien einmal zu erkunden.
Am besten  helfen Bilder  einem einen Eidruck  zu  vermitteln, denn alle  Märkte  sind  anders, 
besonders  die ohne  viel  Publikumsverkehr,  wie  der in  Wien.

Es  aht  sich  eben  viel  gewandelt,  die  ware  wird nicht mehr  nach Ansicht gekauft ,
sondern  annonym   also  per Phone ,  per netorder oder auch  dem guten  alten Fax.
 Das  war  früher  undenkbar,  gerade  Ogst Gemüse, Feisch  mußte  gesehen,  betastet  , gerochen
berührt  werden um  die Beschaffenheit und  damit  den Wert  zu  bestimmen.

Es  gibt  aber auch  immer  weniger  Händler  die zum einkaufen  fahren, sie  sind eine  aussterbende Rasse,
denn  die  Konzentration im Handel  fürhte  dazu  daß, heute ein  Einkäufer  für  30,  40 ,  ja  hunderte  Filialen einkauft.
Da  kauft einer  dann so  viel  ein  wie  früher  400  Händler ,  die  einzeln  zum Markt  fuhren und  sich ihre  Ware aussuchten und nach Hause  in den eigenen Laden brachte.

Vorbei !  Das  gibts allenfalls nochbei  einigen türkischen Händlern.

(http://up.picr.de/30231950vz.jpg)(http://up.picr.de/30231951xz.jpg)

(http://up.picr.de/30231952gr.jpg)(http://up.picr.de/30231953hk.jpg)

(http://up.picr.de/30231954ao.jpg)

Dort  sind  riesige  Lagerhallen in denen  all  das  eingelagert ist  was  wir  auf unseren Tellern  wünschen

(http://up.picr.de/30231958xj.jpg)

(http://up.picr.de/30231959pl.jpg)

Palettenweise  warten  hier  Gemüse,  Salate, Obst  darauf verladen und an  die  Handelsriesen ausgeleifert  zu  werden.

(http://up.picr.de/30231989nl.jpg)(http://up.picr.de/30231992rl.jpg)

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(http://up.picr.de/30232042nr.jpg)(http://up.picr.de/30232047pn.jpg)

Man kan nicht  so ohne  weiteres  die Hallen  betreten, denn in  Wien  sind  das  keine  Auktionshallen, 
sondern  das  sind  Firmensitze, Hallen und Lagerräume  einzelner  Firmen.  Aber mit einem  freundlichen  Wort  und als  Koch /  Gastronom ist man  da immer  gerne  gesehen und  bekommt Lager und  Räume  geöffnet,  wie hier  beim  größten Schwammerlhändler  in Österreich.
Bei ihm  gibts  Schwammerl  aus  den Billiglohnländern  des  Ostens,  also  Littauen Estland, Moldawien, Ukraine, Weißrussland,  Kroatien, Serbien usw. Und  er zeigte mir  vor Ort mal  sogleich  die  Unterschiede  an  Qualität  also  Eigenschaften.  Besonders war dieser Unterschied  bei  Pfifferlingen  zu  sehen:  da  ausländische Ware,  da  beste  Ware  aus   der  Steiermark.  Das  sind  welten an Unterschied  und  ein doppelter Preis 

(http://up.picr.de/30232155tp.jpg)(http://up.picr.de/30232157sn.jpg)

(http://up.picr.de/30232161xw.jpg)(http://up.picr.de/30232164er.jpg)

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(http://up.picr.de/30232172xy.jpg)


Aber  Berge  von leeren Steigen  warten  auf neue  Ware ,  warten auf  Nachschub,  denn  ein
Moloch  wie  eine Millionenstadt  braucht ständig Massen  an frischen Lebensmtteln
(http://up.picr.de/30232252bb.jpg)

Natürlich fällt  auch viel  Ausschuß,  Abfall oder nicht mehr  verkehrsfähige  Ware  an

(http://up.picr.de/30232253hd.jpg)(http://up.picr.de/30232255oe.jpg)

(http://up.picr.de/30232258cf.jpg)

Dann gibt  es auch noch eine  besondere Halle,  es ist  die  Blumenhalle,
gleich  neben  dem Eingang  .
Ein  riesiger  Komplex mit  Auktionshalle  und  vielen  Händlern


(http://up.picr.de/30232289qc.jpg)

(http://up.picr.de/30232292eb.jpg)


Den Blumenhändlern muß  es  recht gut  gehen,  wie  sich in  der Vorhalle  zeigte,
die  aussah  wie  ein  Autosaloon  nur  das beste  was  es  auf dem Automarkt  gibt !
(http://up.picr.de/30232313kg.jpg)

(http://up.picr.de/30232319vq.jpg)



Pfüad  euch  miteinand,
euer Bernd







Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 01. September 2017, 09:34:52
Wien ist anders  :)

Street View auf Wienerisch: Stadt schickt eigene Kameraautos los

http://derstandard.at/2000063409568-635/Street-View-auf-Wienerisch-Stadt-schickt-eigene-Kameraautos-los


https://youtu.be/aayhZ8i7X58

Jo kloar!   ;D
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 01. September 2017, 13:26:59
Fast 60 Jahre waren sie aus dem Stadtbild verschwunden,jetzt sollen sie 
eine Wiedergeburt erleben.

Die Rede ist vom (Hallo) Dienstmann.

Die Geburtsstunde dieses konzessionierten Gewerbes war 1859,als ein
kaiserliches Patent,diesen Berufszweig ins Leben rief.

1862 warben schon zwei Unternehmungen um die Gunst der Kunden.

Bald waren die Dienstmaenner an 180 markierten Stellen zu mieten.Eine
Stellung als Dienstmann war begehrt,denn eine Uniform erzeugt Respekt
und Ansehen.
Neben den Haenden zum Tragen von Reisegepaeck,waren auch viele mit
Schreibutensillien ausgestattet,sodass man von unterwegs eine Nachricht
verfassen,sie versiegeln und gleich zum Empfaenger transportieren lassen
konnte.

Wer meint,die Arbeit eines Dienstmannes sei eintoenig gewesen,so ist das
ein Irrtum.

Die Arbeit eines Dienstmannes streifte philosophisch-praktische Fragen (wie
nehmen wir ihn denn ?)und fuehrte zu physikalischen Grenzwerterfahrungen,
da sich immer herausstellte,dass ein Kofferstueck "hinten leichter sei,als vorn".

Ab heute gibt es die Dienstmaenner wieder.

Die Bundesbahnen haben sich entschlossen,diesen Service am Wiener Haupt-
bahnhof ( versuchsweise) zur Verfuegung zu stellen.

7 Euronen sind fuer ein Kofferstueck bis 25 Kg.zu berappen,nicht mehr als
2 Stueck Reisegepaeck koennen zu oder von Taxi,Strassenbahn oder U-Bahn
transportiert werden und das ganze darf 15 Minuten Zeitlimit nicht ueberschreiten.

Warum die Bundesbahnen erst am Ende der Sommerreisezeit damit beginnen,
ist noch Betriebsgeheimnis.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: namtok am 02. September 2017, 02:08:31
Der berühmteste Vertreter dieses Berufszweiges - "leider" nicht in Wien beheimatet, sondern...  ]-[  na ihr wisst schon   [-]

https://www.youtube.com/watch?v=Dq3c6tPgCLc
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 02. September 2017, 10:13:47
Der berühmteste Vertreter dieses Berufszweiges - "leider" nicht in Wien beheimatet, sondern...  ]-[  na ihr wisst schon   [-]

Naja, das wage ich zu bestreiten:

https://www.youtube.com/watch?v=e2AWb1q57_8 (https://www.youtube.com/watch?v=e2AWb1q57_8)

 [-]
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 07. September 2017, 14:50:02
Wenn man samstags Nachmittag in der Wiener Innenstadt unterwegs ist,sieht
und hoert man sie.

Angehoerige der Staemme  der Zapotheken,der Thauhiken,der Lakadones und
der Mixtheken.

Seit 1992 spielen sie auf Trommeln,blasen auf Muschelhoernern,egal ob Schnee-
flocken fallen oder die Sonne vom Himmel brennt.
Auf dem Kopf tragen sie Federschmuck und ihre Kleidung besteht aus Leder.

Irgendwo nahe der Gruppe haelt einer ein Plakat,wo draufsteht,dass man die
Rueckgabe der Federkrone Montezuma's fordert.

Es gibt nur mehr ein einziges originales Stueck davon und das ist im Voelker-
kundemuseeum in Wien aufbewahrt und fallweise zu sehen.

Etwas nach 1500 herum kam die Krone des Herrschers der Azteken,als Ge-
schenk oder als Raubgut in den Besitz Kaiser Karl V.
Der verwahrte sie erstmals in Innsbruck auf,bevor sie 1700 irgendwas nach
Wien transportiert wurde um sie vor dem Zugriff Napoleons zu bewahren.

Dann verschwand sie,in einem Archiv lagernd,ueber Jahrhunderte aus dem Ge-
daechtnis bis 1992 eine Gruppe Mexikanern musikreich die Rueckgabe anfordert-
en.

Aber was der Staat in seinen Krallen hat,gibt er nicht wieder her,da koennen sie
Tanzen und Spielen,wie sie wollen.

Den aelteren Herrschaften ist der Name "Montezuma" ein Begriff,da er,speziell bei
Reisen in tropische Laender,buchstaeblich manchmal in die Hose gegangen ist.
Juengere Herrschaften,denken bei dem Namen eher an einen Rockstar oder an eine
fernoestliche Automarke.

Jedenfalls ist mittlerweile die Federkrone in einem derartig filligranen Zustand,dass
an einen Transport nach Mexico ohnehin nicht mehr gedacht werden kann.

Dazu wuerde man einen Flieger mit einer Laenge von 350 m benoetigen um die
Schwingungen auszugleichen bzw. einen Container,der die ideale Luftfeuchtigkeit
und Temperatur gewaehrleistet,wenn sie auf See transportiert werden soll.

Nur weder Oesterreich noch Mexico wollen die mehrere 100.000 Euro teure Aktion
finanzieren und so wird die Krone Montezumas wohl in Wien verbleiben.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Bruno99 am 07. September 2017, 16:35:22
Angehoerige der Staemme  [...] der Lakadones ...
der Mixtheken.

Die nennen sich aber Lakandones, sind im Sueden von Mexico, in den Urwaeldern von Chiapas beheimatet.
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 15. September 2017, 10:46:46

Der werte @jock möge mir bitte verzeihen, dass ich seinen Thread für mein Geschreibsel missbrauche,
aber ich wüsste nicht, wo es besser passen könnte. . .

Politisch absolut unkorrekt!

(http://up.picr.de/30361444uc.jpg)

Manchmal überkommen mich so seltsame Gefühle, von manchen auch als Heimweh wahrgenommen.
 Dann fallen mir die unmöglichsten Dinge ein, so auch ein klassischer Sketch aus den Sechzigern
von den legendären "3 Spitzbuben", weltbekannt weit über die Wiener Stadtgrenze hinaus,
eine weltklasse Blödeltruppe mit Tiefgang.

Für Nicht-Wiener vorerst ein paar Erläuterungen zum besseren Verständnis:
der Josefsplatz, benannt nach Kaiser Josef II., liegt in der Wiener Hofburg. Dort befindet sich
auch das Reiterstandbild des Kaisers (siehe Bild).

Bruno Pittermann war ein tonangebender sozialistischer Politiker der Nachkriegszeit und
zum Zeitpunkt, als dieser Sketch entstand, Vizekanzler von Österreich.

Bruno Kreisky - den werden mehrere Leser hier kennen - war auch Sozialist, zu der
Zeit Aussenminister und ausserdem Halbjude.

So, los geht's:

Pittermann geht in Gedanken versunken über den Josefsplatz.
Plötzlich hört er eine Donnerstimme:

"Pittermann, bring mir einen Hengst aus Lipizza!"

Er schaut sich etwas verwirrt um - er ist mutterseelenallein auf diesem Platz....
"Naja", denkt er, "werde ich wohl geträumt haben."

Akkurat meldet sich wieder die Donnerstimme:
"Pittermann, bring mir einen Hengst aus Lipizza!"

Er schaut sich genauer um - nach wie vor keine Menschenseele ausser ihm auf dem Platz.
Es wird doch nicht die Statue ?!
"Pittermann, bring mir einen Hengst aus Lipizza!"

Er bekommt es mit der Angst, läuft davon, an der nächsten Ecke prallt er mit Bruno Kreisky zusammen.

"Was ist los? Du wirkst so echauffiert!"
"Stell dir vor, Bruno, gehe ich nichtsahnend über den Josefsplatz, sagt der alte Kaiser zu mir,
ich solle ihm einen Hengst aus Lipizza bringen!"
"Geh, Blödsinn, ein Denkmal kann doch nicht sprechen!"
"Aber wenn ich es dir doch sage..."
"Na komm, DAS schaun wir uns gemeinsam an."

Gesagt, getan.

Gemeinsam betreten sie den Josefsplatz und gehen zum Denkmal.
Auf einmal wieder die Donnerstimme:

"Pittermann, ich habe gesagt, einen Hengst aus Lipizza!
Was du bringst ist ein Esel aus Jerusalem!"


 :)

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Lung Tom am 15. September 2017, 19:28:06


So gehts mir mit dem folgenden Beitrag auch:

Das Kaffeehaus – in Wien kein gewöhnliches Lokal, sondern legendäre Institution

Das Wiener Kaffeehaus ist kein banaler Gastronomiebetrieb, in dem man schnell seinen Kaffee trinkt und gleich wieder geht, sondern ein Symbol traditioneller Wiener Lebensart. Nicht umsonst zählt die Wiener Kaffeehauskultur zum immateriellen Kulturerbe der Unesco.

Tradition seit 1685

Um die Anfänge des Wiener Kaffeehauses ranken sich Mythen und Legenden. Lange Zeit wurde der Offizier und Dolmetscher Georg Franz Kolschitzky als „Erfinder“ des Wiener Kaffehauses gehandelt. Der Legende nach soll er für seine Dienste nach der Türkenbelagerung 1683 unter anderem mit einigen Säcken Kaffebohnen belohnt worden sein, welche die Türken auf ihrer Flucht zurückgelassen hatten. In der Nähe des Stephansdoms soll er dann das erste Kaffeehaus in Wien eröffnet haben. Diese Legende erwies sich allerdings als historisch nicht haltbar.

Tatsächlich handelt es sich beim ersten Wiener Cafetier um den armenischen Geschäftsmann und Kurier Johannes Diodato. Am 17. Jänner 1685 erhielt dieser zum Dank für seine Kurierdienste auf 20 Jahre das Monopol, in der Stadt Kaffee als Getränk verkaufen zu dürfen. Das erste von ihm gegründete Wiener Kaffeehaus stand in der heutigen Rotenturmstraße 14. Aufgrund seiner Herkunft wusste Diodato über die Zubereitung der damals in unseren Breiten exotischen Kaffeebohnen wohl bescheid.

Von der einfachen Kaffeestube zum „verlängerten Wohnzimmer“

Lange Zeit war der Kaffehausbesuch allerdings nur Männern vorbehalten. Bis ungefähr zum Jahr 1840 war neben dem Küchenpersonal die Sitzkassierin die einzige Frau, die sich in einem Kaffeehaus aufhalten durfte. Seinen Kaffee bestellte man beim Kellner nicht wie heute üblich als „Mocca“ oder „Kleiner Brauner“, sondern mittels Farbpalette.

Für die Wiener Bevölkerung entwickelte sich das Kaffeehaus im Lauf der Zeit zum zweiten Wohnzimmer, in dem man sich bei einer Schale Kaffee stundenlang aufhalten kann, seinen Gedanken nachhängt, gemütlich Zeitung liest, mit Freunden und Bekannten plaudert oder Billard spielt. Ein Grundpfeiler Wiener Lebensart, der sich bis heute erhalten hat.

Künstlertreff Kaffeehaus

Eng verbunden mit dem Wiener Kaffeehaus sind und waren die Kunst- und Kulturschaffenden der Stadt. Legendär sind die Literatencafes wie das Café Griensteidl oder das Café Museum, in denen um die Jahrhundertwende und zu Beginn des 20. Jahrhunderts Literaten und Künstler wie Arthur Schnitzler, Karl Kraus, Peter Altenberg, Gustav Klimt oder Egon Schiele zu den Stammgästen zählten.

Zur weit über die Grenzen bekannten Institution wurde das nach seinem Gründer und Betreiber, Leopold Hawelka, benannte Café Hawelka, das bis heute in seinem Originalzustand erhalten ist. Die Innendekoration soll von Adolf Loos stammen. Auch das Hawelka galt im 20. Jahrhundert als Künstlertreff. Besonders in den 1960er und 1970er - Jahren diente das Hawelka der Wiener Künstlerszene als Stammlokal. Zu den Gästen zählten unter anderen Helmut Qualtinger, HC Artmann und Oscar Werner. Berühmt waren die von der Gattin Hawelkas hausgemachten Buchteln. Josef Hawelka verstarb 2011 im 101. Lebensjahr.

Das Konzertcafé

Eine Sonderform des Wiener Kaffeehauses ist das Konzertcafé. Das erste Konzertcafé wurde von Martin Diegand im Jahr 1788 eröffnet. In der Frühzeit kamen in derartigen Cafés etwa Musikstücke von Wolfgang Amadeus Mozart oder Ludwig van Beethoven, auch im Beisein der Künstler, zur Aufführung. Mozart soll im Kaffeehaus auch so manche Partie Billard gespielt haben.

Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Musikdarbietungen im Casino Dommayer berühmt, wo Josef Lanner, Johann Strauss Vater und der Walzerkönig Johann Strauss Sohn Konzerte gaben. Das Publikum stürmte die Veranstaltungen geradezu. Bis heute hat sich die Tradition der Konzertcafés erhalten.

Quelle:
https://www.unzensuriert.at/content/0024942-Das-Kaffeehaus-Wien-kein-gewoehnliches-Lokal-sondern-legendaere-Institution

Hoffe, der Beitrag findet, trotz obsukrer Quelle  ;), den Wohlwollen unserer österreichischen Kollegen  ;D ist auch ein schönes Bild vom Cafe Griensteidl 1896 dabei..
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 15. September 2017, 20:02:37

Zitat
Besonders in den 1960er und 1970er - Jahren diente das Hawelka der Wiener Künstlerszene als Stammlokal. Zu den Gästen zählten unter anderen Helmut Qualtinger, HC Artmann und Oscar Werner. Berühmt waren die von der Gattin Hawelkas hausgemachten Buchteln.

Nahezu 100%ige Berühmtheit in Österreich und angrenzenden Ländern erlangte das Hawelka durch den unvergleichlichen Georg Danzer anno 1975:

https://www.youtube.com/watch?v=YY4LNIO81gU (https://www.youtube.com/watch?v=YY4LNIO81gU)

 ;}
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 16. September 2017, 16:22:48
Die Wiener haben eine besondere Beziehung zum Tod,Sterben und Be-
graebnisse.

Wenn die letzte Schaufel mit Graberde auf den Sarg gefallen,der letzte
"Schmattes" in der Hand des Pompfueneberers verschwunden und sich
der Pfarrer mit seinen Ministranten verdrueckt hat,ist es Zeit,sich wieder
dem Leben zuzuwenden.

Wo ist eine bessere Gelegenheit dazu,als dies beim Leichenschmaus zu
versuchen ?

Der Leichenschmaus hat eine jahrhundertalte Tradition,wovon bereits
die alten Roemer wussten und sogar einen eigenen lateinischen Be-
griff schufen.
Epulum funebre lautet er,und ist die Zusammenkunft der engeren Trauer-
gaeste,meist in einem der naheliegenden Gasthaeusern.

Die servierten Speisen und der sueffige Wein oder frisch gezapftes Bier,
lassen den Schleier der Trauer durchsichtiger werden und wenn dann
noch ein Onkel launige Zoten erzaehlt,kann es schon sein,dass aus der
gramgebeugten Witwe so etwas wie Lebenslust durchschimmert.

Genau das ist der Sinn eines Leichenschmauses.Einerseits zeigt man
der hinterbliebenen Familie,dass sie nicht alleine ist und andererseits will
man den Nachfahren dabei Mut machen.

Da der Weg vom offenen Grab zur gedeckter Tafel nicht weit sein soll,hat
der Wiener Zentralfriedhof innerhalb der Friedhofsmauern eine Gaststaette
eroeffnet und erwartet sich regen Zuspruchs.

Ich bin ueberzeugt,dass der Geschaeftsplan aufgehen wird,obwohl man auf
Gaeste,die traditionell nur zwischen 00.00 und 01.00 "Ausgang haben ver-
zichtet.

Jock


Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 16. September 2017, 16:34:07

Zitat
Da der Weg vom offenen Grab zur gedeckter Tafel nicht weit sein soll,hat
der Wiener Zentralfriedhof innerhalb der Friedhofsmauern eine Gaststaette
eroeffnet und erwartet sich regen Zuspruchs.

Da wird sich das "Zentral" oder das "Gasthaus Brigitte" aber nicht freuen!

Andererseits - der neue Mitbewerber muss einmal das Ambiente bingen. . .

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Lung Tom am 16. September 2017, 18:48:08
Pompfueneberers

...interessante Anleihe bei den Franzosen  ;)
Hab früher mal historische Wertpapiere gesammelt, daher ist mir das ein Begriff, gabs graphisch sehr schöne Stücke.
Oder gibts für den Namen eine andere Erklärung?

http://woerterbuch.reverso.net/deutsch-franzosisch/Leichenbestatter
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 16. September 2017, 19:18:59

Nein, Tom, du liegst schon richtig!

Da am Wiener Hof vom Adel französisch gesprochen wurde, haben sich viele französische Vokabel über das Personal auf den Wiener Strassen verbreitet.

So z. B. Fauteuil, Trottoir, Pissoir, aber auch eben leicht bis mittelschwer verballhornte wie Pompfineberer, Gouvernail, Lavur (Lavoire) etc.

Genau deswegen, und weil auch Lehnworte aus englisch, jiddisch, rotwelsch und natürlich noch Vokabel aus den Kronländern dazukommen, tun sich Leute, die an sich der Deutschen Sprache mächtig sind, so schwer, den Wiener Dialekt zu verstehen.

 C--
Titel: Wien, Wien, nur du allein
Beitrag von: Helli am 17. September 2017, 18:24:47
Nein, Tom, du liegst schon richtig!
Da am Wiener Hof vom Adel französisch gesprochen wurde, haben sich viele französische Vokabel über das Personal auf den Wiener Strassen verbreitet. So z. B. Fauteuil, Trottoir, Pissoir, aber auch eben leicht bis mittelschwer verballhornte wie Pompfineberer, Gouvernail, Lavur (Lavoire) etc.
Genau deswegen, und weil auch Lehnworte aus englisch, jiddisch, rotwelsch und natürlich noch Vokabel aus den Kronländern dazukommen, tun sich Leute, die an sich der Deutschen Sprache mächtig sind, so schwer, den Wiener Dialekt zu verstehen.
 C--
Bis auf die Vokabeln aus den "Kronländern" dürfte das im Rheinland (besonders die linke Seite) wegen der häufigen Besetzungen durch die Franzosen nicht viel anders sein!
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 18. September 2017, 07:34:09
Zitat
Fauteuil, Trottoir, Pissoir, Pompfineberer, Gouvernail, Lavoire

Hob mi grod zum büsln auf'd Schaslausch (Chaiselongue) g'flackt u. storr auf'n Plafond!   C--

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 18. September 2017, 08:39:56

@TW

Do host oba a Masl, dass da mit da Schaslausch no kana saprale gmocht hot und mit da Tramwäu stiften gangen is...

 [-]

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: malakor am 18. September 2017, 09:19:48
kannit verstaan
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 18. September 2017, 09:41:35

@malakor

TW:

Ich habe mich gerade zum Schlafen auf das Sofa gelegt und sehe auf die Zimmerdecke

ich:

Da hast du aber Gück, dass dir noch niemand das Sofa gestohlen und mit der Strassenbahn die Flucht ergriffen hat...

Tja, dafür gibt es kein Übersetzungsprogramm  :D

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 04. Oktober 2017, 13:06:06
Faehrt man von der Spinnerin am Kreuz die Triesterstrasse hinunter,faellt einem
genau an der Stelle,wo die Ebene beginnt ein altes Amtsgebaeude auf,das einen
leicht verwahrlosten Eindruck macht.

Es ist das alte Linienamt und hatte die Funktion,Einnahmen fuer die Stadt zu ge-
nerieren,indem es Getraenke -und Verzehrsteuern einnahm.

Diese Linienaemter gab es zwischen 1829 und 1921 an allen Einfallsstrassen.Die
meisten wurden inzwischen abgerissen und von den noch bestehenden stehen zwei
unter Denkmalschutz.

Eine Stadt braucht Geld um den Anforderungen seiner Bueger gerecht zu werden.
So ersannen die Stadtkaemmerer eine Reihe von Abgaben und Steuern,damit die
Stadtbefestigungen finanziert werden konnten,Strassen gepflastert, Bruecken ge-
baut und erhalten wurden.

Der Preis einer Ware,die von Ulm nach Bratislava transportiert werden sollte,ver-
teuerte sich zusehens,da Brueckenzoll,Strassenbenuetzungsgebuehren,das Stapel-
recht eingepreist werden mussten oder gar das Umschlagsrecht, einer am schiff-
baren Fluss gelegenen Stadt zuschlug.

Eine grosse Herausforderung fuer Staedte war die Beschaffung von Energie und
Baumaterialien.

Da bot sich der Wald an und Wien hatte den "Wienerwald" in der Hinterhand.Auch
andere Staedte hatten Gemeindewaelder und konnten so den Hausbrand (Kochen
und Heizen) und Bauholz sicherstellen.
Natuerlich konnte nicht jeder,dem das Heizmaterial ausging einfach in den Wald
gehen und ein paar Baeume schlagen,sondern das war nur gegen Lizenzgebuehren
Auserwaehlten erlaubt,die dann das Material an die Konsumenten weiterverkaufte.

Schon bald kam man drauf,dass nach dem Einschlag auch an die Aufforstung zu
denken ist.Da der Zyklus gut und gerne 30 Jahre lang ist,versuchte man mit schnell-
wachsenden Monokulturen das Auseinanderklaffen der Schere einzubremsen.

Monokulturen sind allerdings auch fuer Schaedlinge reich gedeckte Tafeln und daher
entwickelte sich bereits im Mittelalter so etwas wie Forstwirtschaftskunde.

Diese Gegensteuerungsmassnahmen,die von den Landesherren mit entsprechenden
Dekreten unterstuetzt wurden,verhinderten z.B.,dass ganz Bayern abgeholz wurde.
Der Waldbestand in Bayern reduzierte sich naemlich innerhalb eines Jahrhunderts
um 50 %.

Aber auch der Wienerwald lief in Gefahr abgeholzt zu werden.

In den Kriegszeitenjahren und danach,sowohl nach dem WK I als auch WK II fuhren
die Wiener mit Saegen bewaffnet in den Wald und besorgten sich Brennmaterial.

Ja, man dachte seitens der Gemeinde sogar daran,den ganzen ( zu Wien gehoerenden)
Wienerwald abzuholzen,was am Widerstand eines gewissen Herrn Josef Schoeffel
scheiterte.

Mangels Geld in der Stadt und Staatskasse wollte man ein Viertel der Waldflaeche an
einen Holzhaendler verkaufen,wogegen Herr Schoeffel mobilisierte.

X-Mal wurde er vorgeladen,Schweigegeld in beachtlicher Hoehe wurde ihm angeboten
und als das nicht zum gewuenschten Ergebnis fuehrte,liess man ihn wissen,dass ein
Jaeger mit keiner Strafe zu rechnen hat,wenn er ihn im Wald antrifft.

Herr Schoeffel nahm daraufhin an keiner Jagd mehr teil,blieb am Leben und rettete
so den Wienerwald.

Jock





Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 29. Oktober 2017, 10:54:01


Ein  atemberaubendes Video von Expedia Australien zeigt Wien aus einer ganz neuen Perspektive:

https://www.youtube.com/watch?v=9Lu56UwZiOA (https://www.youtube.com/watch?v=9Lu56UwZiOA)

 {*   {*  {*
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 03. April 2018, 10:51:45
Faehrt man die Triesterstrasse Richtung Sueden,sieht man nach der Spinnerin am
Kreuz,an klaren Tagen,einen der Hausberge von Wien.

Am Horizont erhebt sich everestgleich der Schneeberg,so knapp 2.000 m hoch.
Den zweiten Hausberg,die Rax sieht man nicht und ebenfalls nicht den Semmering.

Kahlenberg,Leopoldsberg und Bisamberg sind innerhalb der Stadtgrenzen von Wien
und die lasse ich mal vor,obwohl sie eher dem Begriff "Hausberge" entsprechen.

Obwohl Rax und Schneeberg auch Ziele der,meist Tagesausfluegler sind,sind sie nicht
historisch oder gesellschaftlich so interessant,wie der Semmering.

Einst war der Semmering,besser die Ortschaft Semmering ein verschlafenes Gebiet,
bis die Semmeringbahn eroeffnet wurde.Dadurch wurde der Semmering wachge -
kuesst und schwang sich zu einem der modensten Kurorte auf,der gleichrangig mit
St.Moritz oder anderen Hotspots um die Gunst der gehobenen Staende warb.

Die Errichtergesellschaft der Bahn eroffnete das "Suedbahnhotel" und bald darauf
erfolgte der Bau des "Panhans".
Das Suedbahnhotel ist schon lange geschlossen,nur das Panhans wehrt sich bisher
erfolgreich gegen einer Schliessung.

Es war 1880/ 1882 als die goldene Zeit des Semmerings und des Panhans begann.

Durch die Errichtung der Bahn,die alleine schon als Weltwunder galt,war von Wien aus
der Semmering leicht und in kurzer Zeit erreichbar und die glasklare gute Luft zog
die gute Gesellschaft in Scharen an.

Sie fanden dort alles,was man so gewohnt war.Grossartiges Ambiente,vorzuegliche
Kueche und einen gesellschaftlichen Rahmen,der sie "zwang" sich 3 x umzukleiden
und den Champagner nur im Abendkleid und Smoking zu geniessen.

Aber noch interessanter war fuer diese Klientel der Heiratsmarkt,der sich bot.

Die Tochter des Hauses,die schon leicht Moos angesetzt hat,bekam,dank grosszueg-
igster Mitgift,dort noch eine Chance.

Also das Panhans war "in" und so alle Schriftsteller,Kuenstler der damaligen Zeit ueber-
nachteten Zimmer an Zimmer mit dem juedischen Grossbuergertum aus Wien.
Dort trafen sie aber auch die selbe Gesellschaftsschicht aus Ungarn,Boehmen u.s.w.,
sodass man unter sich blieb und das oft wochenlang,denn kuerzer war eine Sommer-
frische nicht denkbar.

Nach dem ersten Weltkrieg war die Hausse vorbei.Teile der Gaeste waren verarmt,hat-
ten Amt und Wuerde verloren oder wurden durch Staatsgrenzen gehindert den Sem-
mering zu besuchen.
Nur dann und wann suchte ein Generaldirektor die Abgeschiedenheit und Ruhe auf,um
mit seiner Sekraeterin bis spaet in die Nacht an einem Projekt zu arbeiten.

Springen wir in die heutige Zeit.

Noch immer floesst die gewaltige Fassade des Panhans Respekt ein.Noch immer haelt
sie 4 Sterne,doch die Auslastung ist zu gering um wirtschaftlichen Erfolg zu feiern.

Oft und oft haben unterschiedliche Besitzer und Investoren versucht an die glorreiche
Zeit anzuknuepfen.Derzeit ist das Panhans und anderes rund um den Semmering im
Besitze einer ukrainischen,etwas undurchsichtigen Gesellschaft.

Die versprochenen Geldfluesse sind spaerliche Rinnsale und zum Verdruss stellt sich
mancher in der Gemeinde die Frage,ob es wirklich Kaufleute sind,die sich hier einge-
nistet haben oder sind es eher Ornithologen,da immer haeufiger ein Pleitegeier an-
sichtig wird.

Eine einzige Chance auf Wiederauferstehung hat das Panhans noch.Aber da muss sich
"Basti" einen Ruck geben.

Das Verhuellungsverbot muesste im Umkreis von 25 Km aufgehoben werden und nach
ein bisschen Werbung in den Emiraten sprudelt das Geld nur so.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 02. Mai 2018, 13:59:50
Auch wenn es die Macher des Tip-Forums hartnaeckig unterschlagen - aber auch in
Oesterreich wird der 1.Mai als Feiertag des Proletariats gefeiert.

Besonders in Wien,wo einst 200.000 aus allen Bezirken,im Sternmarsch vor das Rat-
haus zogen,andaechtig den Reden der Granden zuhoerten,die sozialdemokratischen
Fahnen schwenkten und abschliessend zu der Kundgebung die "Internationale" an-
stimmten.

Da an diesem Tag bis 15 h keine oeffentlichen Verkehrsmittel fuhren,hatten die soz-
ialen Krankenschwester,sozialdemokratischen Mistabfuehrer und Strassenreiniger,so-
wie die Abordnungen aus den Bezirken inklusive der "Roten Falken" weite Fussmaersche 
zurueckzugelegen.
Auch nach Hause gingen sie zu Fuss,da die ersten Strassenbahngarnituren oder die Bus-
se,geschmueckt mit Tannenreisig  und der Aufschrift "Hoch dem 1.Mai" erst Nachmittag
den Betrieb aufnahmen.

Leider ist von dieser alten Tradition nicht mehr viel geblieben.

Die Arbeitermassen bleiben heute lieber zu Hause oder fahren ins Gruene,die stolzen
Fahnen mit den 3 nach unten weisenden Pfeilen und Ring,sieht man kaum noch mehr.
Dabei ist die Symbolik,1.Pfeil gegen den Faschismus,2.Pfeil gegen das Klerikalismus und
3.Pfeil gegen den Kapitalismus,heute wieder aktuell.

Auch die Granden der Sozialdemokratischen Partei,die sich den defilierenden Arbeiter-
massen stellen,sind nicht mehr das,was sie frueher waren.

Feinster Zwirn umspannt maechtige Baeuche,das ist ja o.k. ,denn niemand erwartet sich
heute,dass der Herr Buergermeister und andere Amts-und Wuerdentraeger in Sack und
Asche auftreten,niemand beneidet sie um die praechtigen Karossen,die von Chauffeueren
von jedes,noch so kleines Staubkorn freigehalten wird.

Aber ein wenig Einfuehlungsvermoegen fuer die Noete des Kleinen Mannes koennte man
schon erwarten.

Die Reden hoert man ja gern,obwohl ich mir als kleiner Pensionist gewuenscht haette,dass
sie sich endlich dafuer einsetzen wuerden,meine schmale Pension etwas aufzufetten.

Der Abschluss der Kundgebung wird musikalisch umrahmt.

Das "Lied der Arbeit" und die "Internationale"aus vielstimmigen Chor.

Ein bisschen hat es mich schon verstimmt,dass wohl die 1.Strophe der Internationalen
flott von den Lippen der Genossen ging,bei der 2.Strophe viele Muender geschlossen
blieben und bei der 3.Strophe man gar den Teleprompter zur Hilfe nehmen musste.

Grimmig dachte ich mir dabei,wenn sie uns,dem Proletariat,schon nicht aus der Knecht-
schaft befreien wollen oder koennen,zumindest etwas vorsingen sollten sie uns koennen.

Jock



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 08. Mai 2018, 15:41:22
(http://up.picr.de/32625057uc.jpg)
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 13. Mai 2018, 21:51:27

Ein Bilddokument aus den Siebzigern:

https://youtu.be/YhMt8F8chn8 (https://youtu.be/YhMt8F8chn8)

Viel Vergnügen!
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Lung Tom am 19. Mai 2018, 22:03:25

Kleener Gruss vom Koepenicker:

Wiener Blond - Der Letzte Kaiser


https://youtu.be/qvF2iA_fk98
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 16. Juni 2018, 15:54:56
H. C. Artmann
Wos an Weana olas en s Gmiad ged

A faschimpöde Fuasbrotesn
A Finga dea wos en Fleischhoka, en Woif kuma is
Drei Wochleid un a Drafik
A Giatlkafee med Dischbost
A Schas med Quastln
A Eadepfösolod
Da Rudoif Koal en da Gatehosen
De Schdossenbauinlustriade
A Schachtal Dreia en an Bisoaa
A Söbstbinda zun aufhenkn
A zqwetschta Rola en an Autoküla
De Muzznbocha med an Nosnraumö oes Lesezeichn
A Schrewagatal en Otagrin
A foeschs Gebis en da Basena
A zbrochns Nochtgschia
A r ogschöde Buanwuaschd
A Daunaschdrom zun Fiassbodn
A Gashau zuan aufdrahn
A Kindafazara
Wossaleichn
Foxln
Wimmalagentn
Radeschöla
Kinokoatn
A Saffalade zun umhenkn
De Frau Nowak
En Hean Leitna sei Schwoga
En Mozat sein Notnschtenda
Quagln Enessechundöö
Des Gensahäüfl
A Rodlbadii med Dode
Es Geschbeiwlad fua r ana Schdeeweinhalle
Und en Hintagrund auf jedn Foe:

Da liawe oede Schdeff!

Ausgedeutscht  (http://666kb.com/i/duev47vfhfll9pr42.jpg)(lt. Duden: Jemandem etwas erklären, sodass er es versteht)

LG TW  ;)
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Lung Tom am 08. Juli 2018, 23:21:58
Schoenen Abend wünscht Lung Tom  ;]

KREIML & SAMURAI feat. MONOBROTHER - Wiener

https://youtu.be/A-nK-UZj1tc

I werd narrisch !!!
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Lung Tom am 30. August 2018, 18:52:18

Den zuletzt eingestellten Song hoer ich ab und an, 555, immer wieder schoen.

Weiß ja nicht, wie der Wiener an sich, seine Heimalstadt einschätzt, hier folgender Bericht:

Vergnügungspark
Die schönste Runde Wiens – das Riesenrad im Prater

Eine britische Zeitschrift hat Wien zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt. Eine ihrer Attraktionen ist der große Vergnügungspark.

Wien.  Der Kuss am späten Abend hoch über dem Wiener Prater in Kabine 10 dauerte sechs Sekunden, und gleich danach gab es einen Mord. 20-mal haben sie sich küssen müssen, bis die Szene im Kasten war. Angeblich hat sich keiner der beiden beklagt, und von Mal zu Mal geriet der Kuss inniger.

Drei Tage haben sie insgesamt für ein paar Einstellungen im Prater gedreht, die im Kino später zusammengenommen zwei Minuten und 29 Sekunden ausmachen sollten, erst in der Achterbahn, dann im Auto-Scooter, schließlich im Riesenrad: James Bond zu Besuch an der Donau – damals, als Timothy Dalton in „Der Hauch des Todes“ den Geheimagenten Ihrer Majestät spielte. Und Maryam d’Abo sein Bond-Girl war. Über 30 Jahre ist das jetzt her.

Bei all dem Stress damals kam es zu keinem Handschlag mit dem jungen Peter Petritsch – und ein Autogramm von 007 hat er auch nicht. Er kann es gut verschmerzen. Sein Großvater hat das Rad 1961 gekauft, heute gehört es zwei Enkeln. Einer davon ist er. Vor ihm war seine Mutter die Chefin am Wiener Riesenrad, diesem Koloss, der bereits 1897, zum Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph I., eingeweiht wurde.

Hier gehts weiter:
https://www.morgenpost.de/reise/article215168797/Die-schoenste-Runde-Wiens-das-Riesenrad-im-Prater.html

Verbunden mit einem kleinen Gruss an unsere Oessi-Schreiber und Leser....

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 05. September 2018, 19:51:06
.

https://www.youtube.com/watch?v=SpbMeFnys40
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 16. September 2018, 08:19:02

Na, wo würde man so ein Gebäude vermuten?

(https://up.picr.de/33831639kx.jpg)


https://de.wikipedia.org/wiki/Zacherlfabrik (https://de.wikipedia.org/wiki/Zacherlfabrik)

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Helli am 16. September 2018, 18:58:16

Na, wo würde man so ein Gebäude vermuten?
Ich hatte schon mal diesen Zigarettenladen in Dresden gesehen und kam beim Nachschlagen auch auf dieses Gebäude in Wien. Mir gefällt das sehr gut, jedenfalls besser als die hingeklotzten niveau- und seelenlosen Neubauten nach dem Krieg!
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Mai Uan am 19. September 2018, 15:29:15
Die Geschichte:

http://www.zacherlfabrik.at/all/geschichte.html (http://www.zacherlfabrik.at/all/geschichte.html)


Fotos dazu:
https://www.google.at/search?q=zacherlfabrik+1190&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=2ahUKEwjgtNSg0sbdAhWyz4UKHejhCcMQsAR6BAgFEAE&biw=1280&bih=918 (https://www.google.at/search?q=zacherlfabrik+1190&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=2ahUKEwjgtNSg0sbdAhWyz4UKHejhCcMQsAR6BAgFEAE&biw=1280&bih=918)
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 04. Oktober 2018, 09:42:07
In vielen Grossstaedten findet man sie - in Graz,Salzburg,Lampang oder in Wien.

In Wien werden sie Fiaker genannt und haben eine lange Tradition.

1693 vergab der Kaiser Leopold I. die ersten Lizenzen fuer den lohnpflichtigen Trans-
port von Personen in Wien,mittels Pferdewagen.

Die ersten Fiaker hatten ein schweres Leben,denn sie waren gegenueber den Saenften-
traegern zu teuer.Und der Adel und das Grossbuergertum hatte ohnehin ihre eigenen
Fuhrwerke.
Doch langsam wandelte sich die Offerte :Trag ma,aller Gnaden"zu "Fahr
ma,aller Gnaden" ab,denn auch damals,in der guten alten Zeit ,galt "Time is Money" und
8 Beine sind nun mal schneller unterwegs als jene der 4 von den Traegern.

1860 waren in Wien 1149 Fiaker,1352 Einspaenner und 890 Einstellwagen in den Strassen
Wiens unterwegs.

Der Beruf eines Fiakers hatte hohes Ansehen und unterlag aber strengen Standesregeln.

Sie mussten ordentlich gekleidet sein und einen Zylinder tragen,durften waehrend der Fahrt
nicht rauchen und es war ihnen auch verboten,einen Nebenberuf auszuueben.

Sollte er einem Fahrgast zuviel verrechnet haben,drohte ein Tag Gefaengnis,fuhr er zu
schnell und die Polizei erwischte ihn in flagranti,wurde er an Ort und Stelle geohrfeigt oder
sogar geschlagen.

Einer der bekanntesten Fiaker war Josef Bratfisch,wegen seiner Leibesfuelle auch "Nockerl"
gerufen.
Sein unnummeriertes Zeugl stand dem Kronprinzen Rudolf zur Verfuegung,wenn er und seine
Freunde inkognito ins Nachtleben von Wien eintauchen wollten.Er wusste auch die Tuer in der
Hofburg,wo die dahinterliegende Treppe in die Gemaecher des Kronprinzen fuehrte.Dort
lieferte er die Damen ab,die die Absicht hatten,eine Nacht mit dem Kronprinzen zu verbringen.

Am 30.Jaenner 1889 absolvierte er eine seiner letzten Fahrten und fuhr die Graefin Mary
Vetsera nach Mayerling,wo der Rudolf schon wartete.

Er sang ihnen noch ein paar Wienerlieder vor,bevor er sich auf den Heimweg machte.

Stunden spaeter fielen die Schuesse und am Morgen fand man zwei Leichen,die Anlass fuer
ein hektisches Treiben im Staatsapparat war.

Alles was der Kronprinz mit "Rudolf" unterzeichnet hat,verschwand.Das umfangreiche Konvolut
soll sich im Familienschloss der Taaffe in Schottland befinden. Bis heute verweigert die Familie,
dass Historiker Einsicht nehmen und so bleibt das Geheimnis um Rudolfs Staatsstreichsplaenen
ungeloest.

Auch Bratfisch wurde aus dem Verkehr gezogen.Der Hof "pensionierte" ihn und zahlte ihm einen
hohen Geldbetrag,damit er seinen Mund haelt.

Es war soviel Geld,dass er ein "Schloessel" kaufen konnte.Das Schloessel war zwar nur ein kleiner
Gutshof,doch der wird heute noch von seinen Nachfahren bewirtschaftet.

Seither ist viel Wasser die Donau hinuntergeflossen und die Fiaker sind heute andere.

Kaum einer traegt noch Zylinder und die Pferdchen tragen modische Poohbags und haben an
heissen Tagen hitzefrei.

Auch mit der Moral ist es hin und wieder schlecht gestellt.So soll es vorkommen,dass ein Fiaker
unbedarften amerikanischen Touristen,den Donaukanal  als die "schoene blaue Donau" ausgibt
um sich die Fahrt in den 2. oder 20.Bezirk zu ersparen.

Und das Schlimmste - Auch Frauen duerfen als Fiaker am Kutschbock die Pferde lenken.

Seither weiss man - die Welt steht auf keinen Fall mehr lang.

Jock



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 14. Oktober 2018, 03:31:45
Aus dem standard.at

Leserantwort auf "Was ich an der Wiener Küche liebe":
(http://666kb.com/i/dxrztf2gd8gqfb4g9.jpg)

  (Eigena Hamua hoit, in Wean)
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: malakor am 14. Oktober 2018, 10:24:31
In Wien ist so manches moeglich

https://www.focus.de/immobilien/wohnen/220-000-schilder-wiener-mieter-verlieren-klingelschilder-wegen-datenschutz_id_9749709.html


 }} }} {+ {+
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 16. Oktober 2018, 11:15:48
@malakor

Nicht nur die von "Wiener Wohnen" errichteten und betreuten Wohnhausanlagen
muessen die Namensschilder bei den Klingelknoepfen entfernen,sondern auch bei allen
anderen Wohnhaeuser,wenn es nach der DSGVO geht.

Steht ein Name auf dem Tuerschild,ist offenbar die Privatspaehre der Inwohner nicht
mehr gewaehrleistet.

Damit hat man die Buechse der Pandora geoeffnet und langsam kommt man drauf,dass
diese  DSGVO auch andere Bereiche betrifft und anzuwenden ist.

Wie die "Tagespresse" gestern berichtet hat,plant die Post bei allen privaten Poststuecken,
also Briefe und Pakete,die Empfaengernamen und Adressen zu schwaerzen und unleserlich
zu machen.

Da der zusaetzliche Arbeitsaufwand Kosten verursacht,wird wohl oder uebel das Porto an-
gehoben werden muessen.

Absender,die von sich aus Empfaengernamen und Adresse vor Einwurf in den Postkasten
schwaerzen,ersparen sich die zusaetzliche Gebuehr.

Auch bei den beliebten Todesanzeigen,auch Parten genannt,werden Veraenderungen fest-
zustellen sein.

Der Name der/die Verstorbenen muss weggelassen werden,ebenfalls das Alter und das Sterbe-
datum.Auch darf dabei der Begraebnisort und das Datum der Zeremonie nicht mehr angefuehrt
werden.

Um sicherzugehen,dass man der DSGVO entspricht,empfiehlt man,auch die Namen der Hinter-
bliebenen zu verpixeln.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: malakor am 16. Oktober 2018, 11:26:26
Ueber diesen Quatsch kann man schon gar nicht mehr lachen.


Die sollen alle Briefe und Pakete doch gleich in die Donau schmeissen, wer was haben will, soll tauchen.   C--


Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 22. Oktober 2018, 22:36:18
Hab' vorhin etwas Lustiges in einem alten "profil" Heft gelesen!

Wege aus der Ananas Küche von Klaus Kamolz  ;)
(http://666kb.com/i/dy0wxect2hnnhy9og.jpg) (https://up.picr.de/34140243pk.jpeg)
https://up.picr.de/34140243pk.jpeg

LG TW
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 23. Oktober 2018, 10:44:53
Wie jeder weiss,ist Wien die Hauptstadt der Bundesrepublik Oesterreichs.

Zum Gueck,denn es haette anders kommen koennen.

Als die Zeit gekommen war,die Monarchie auf den Misthaufen der Geschichte zu werfen
und etwas Neues zu etablieren,stellte sich die Frage,wie nennen wir es.

Seltsame Namenskreationen waren im Umlauf.

"Suedostdeutschland" soll die neue Republik heissen,meinen die einen.Nein,besser "Hoch-
deutschland",die anderen.
Vielleicht ist "Deutsches Bergreich" passender, oder "Donau- Germanien" ?

"Ostass","Ostdeutscher Bund","Deutschmark","Teutheim","Treuland",und "Friedeland" oder
"Deutsches Friedland" waren in der Diskussion.

Mit keinem dieser Namensvorschlaege koennte ich mich anfreunden.Schon gar nicht,wenn
mein Land "Ostass" hiesse und ich Antwort auf die Frage geben muesste,von wo ich herkaeme.

Schlussendlich wurde beschlossen,dass die neue Republik "Deutsch-Oesterreich" heissen soll.

Dieser Name bestand allerdings auch nicht lange und die Briefmarken,mit dem Aufdruck "Deut-
sch-Oesterreich"mussten bald darauf eingestampft werden.

Bei den "Friedensverhandlungen"machten die Siegermaechte vieles falsch.

Nur eines machten sie richtig und ich bin heute noch dankbar dafuer.

Sie verboten den Namen "Deutsch-Oesterreich" und versagten die Erlaubnis,dass Oesterreich
sich an Deutschland anschliesse oder vereine.

Jock



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 25. Oktober 2018, 11:33:19
Der Hof zu Wien

Von aussen unterschied sich der Hof zu Wien kaum von den anderen Herrscherhaeusern
in Europa.

Prachtvolle Schloesser standen dem Kaiser zur Verfuegung und die Zeremonien waren
genauso eindrucksvoll,wie woanders.

Doch im Herzen waren die Habsburger friedliebend und kleinbuergerliche Biedermaenner.

Als Kaiser Franz der Gute,nach einem verlorenen Krieg zum Treffen mit Napoleon einbe-
stellt wurde,war er aeusserst ungluecklich.

Er war es nicht gewohnt,in einer eiskalten Nacht unterm freien Sternenhimmel am offenen
Lagerfeuer Verhandlungen ueber die Friedensbedingungen zu fuehren.

Waehrend der Gespraeche,sehnte er sich noch einem gepolsterten Sessel in einem wohlge-
heizten Schloss.

Um in dieses bald zurueckkehren zu koennen,verzichtete er auf ganze Laendereien,gab sogar
seine Tochter dem verhassten Napoleon zur Frau und akzeptierte eine gewaltige Geldsumme
als Kriegsentschaedigung.

Dann durfte er gehen.Auf der Rueckfahrt in der Kutsche,beschwerte er sich weinerlich,dass er,
seit er Napoleon gesehen hatte, "ihn nimmer leiden kann".

Aus dieser biedermeierlichen Gesinnung heraus,ist es kein Wunder,dass Oesterreich- Ungarn
es zu keinen Kolonialreich gebracht hat.

Versuche gab es ja,doch die wurden nicht mit entsprechenden Nachdruck verfolgt.

Einmal wollte man,mit Hilfe eines Abenteurers Madagaskar erobern,spaeter sogar China unter-
werfen.( Die Geschichte dazu interessiert wahrscheinlich hier niemanden)

Geblieben ist der Ohrwurm " Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord".

Und selbst das ist falsch !

Die besungenen Seeleute waren Matrosen der russischen Flotte,die wegen Reparaturen der
Schiffe nach einem Sturm,einen Hafen auf Madagaskar anlaufen mussten.

Auch an Pest ist keiner gestorben,sondern an Typhus.Der Schlager selbst wurde erst in den
dreissiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts komponiert und getextet.

Um das Habsburgerrreich zu vergroessern,setzte man gerne die Unterleiber der Toechter
des jeweiligen Herrschers ein,anstatt mit der Waffe in der Hand andere Reiche zu erobern.

Diese Methode hatte Erfolg und so konnte man das Angebot des spanischen Koenigs,der die
verheissungsvolle Kolonie Rio de Oro ( Fluss des Goldes) ausschlagen und hatte dabei einen
guten Riecher.

Das angebotenen Gebiet heisst heute Westsahara um ist ca.180.000 Km2 gross.

Von Gold findet man dort nicht einmal ein Staeubchen,dafuer gibt es jede Menge Sand,den
man jedoch nicht zum betonieren verwenden kann.

Was es allerdings in grosser Zahl gibt,sind die Wuestenspringmaeuse und Dornschwanz -
Agamen.

Und die wuerden die Wiener Kueche auch nicht aufpeppen.

Jock




Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 27. Oktober 2018, 23:49:55
Der Winter steht vor der Tuer

Laengst hat man das Mobilar der Schanigaerten in die Keller geraeumt und ueber-
wintert bei den Kuebeln wo der Oleander eingepflanzt ist.

Wenn die Aussentemperatur 3 Grad anzeigt und die Schneegraupel vom Himmel
faellt,empfindet mancher sibierische Kaelte von minus 15 Grad.

Aus dieser Begebenheit entsteht so mancher freundliche Dialog,wenn jemand zu
langsam ein Wiener Kaffeehaus betritt.

Gast,der in der Naehe des Ofens sitzt :"Hearst bist deppat ? - Moch de Tiar zua ! "

Der Eintretene : "Oida sei net so haglich,i bin jo scho do "

Gast der in der Naehe des Ofens sitzt und leichte Erfrierungen davon getragen hat,
zieht eine betruebliche Erkenntnis ueber die ganze,auf dem Planeten lebende Mensch-
heit : " Lauta Trotteln !" 

Grund fuer die Auseinandersetzung ist die nicht choreographierte Handhabung von
Eingangstuere und Kotze.

Die Kotze ist eine wichtige Einrichtung eines Kaffeehauses zur Winterszeit,die den
Geschaeftsgang stark beeinflussen kann.

Eigentlich sind es zwei Stoffbahnen aus Filz,die dazu dienen sollen,den kalten Luftzug
von draussen abzuhalten und die Temperatur im Inneren ertraeglich  zu halten.

Der neu eingetretene Gast hat mittlerweile Platz genommen und seine Melange ser-
viert bekommen und wollte sich eben in die Kronenzeitung vertiefen,als ein weiterer
Gast das Kaffeehaus betritt.

Und schon kann er sich nicht zurueckhalten und ruft ihm zu:"Hearst bist deppat ?-
Moch die Tiar zua,es geht jo koit eina ! "

Jock


Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 31. Oktober 2018, 12:40:17
Wien ist anders,

und das wollte Wien auch beweisen und stellte sich jahrelang stur,den Rechtsverkehr ein-
zufuehren.

Erst als ein gewisser Adolf kam,mussten alle Strassenbahnen,die noch nicht auf Rechts-
verkehr umgebaut waren,dies endgueltig erledigen.
Nicht nur die Garnituren auch die Signalanlagen mussten den neuen Begebenheiten an-
gepasst werden,was sich schmerzlich in der Stadtkasse bemerkbar machte.

Seit jeher war der Linksverkehr in Europa ueblich,bis Robespierre,um die Gleichheit aller
franzoesischen Buerger bemueht,eine einheitliche Regelung der Verkehre verordnete.

Ab da wurde an der rechten Strassenseite gefahren und Napoleon zwang die bezwungenen
Laender ebenfalls,diese Verkehrsregelung zu uebernehmen.
Nach der Vertreibung Napoleons,blieben viele Laender auch Deutschland beim Rechtsverkehr.

Nur die oesterreichisch - ungarische Monarchie nicht.Sie fuehrte sofort nach der napoleon-
ischen Zeit wieder den Linksverkehr ein.

Ausser Tirol und Vorarlberg,dort fuhr man auf der rechten Strassenseite weiter.

1921 endlich,wurde der Rechtsverkehr amtlich.Es dauerte allerdings noch 17 Jahre bis ueber-
all der Rechtsverkehr gang und gaebe wurde.

Dadurch entstanden zwischen 1921 und 1938 Gebiete,wo man auf unterschiedlichen Seiten
fahren durfte.

Wien links,Niederoesterreich rechts,ausser auf den Ausflugsstrecken z.B nach Mariazell,wo
man,wie gewohnt,die linke Seite befuhr.

Warum sich ueberhaupt der Linksverkehr eingebuergert hat,erklaert sich aus der Tatsache,
dass die meisten Menschen Rechtshaender sind.

So besteigt man das Pferd auf seiner linken Seite,so besteigt man das Fahrrad oder das
Motorrad ebenfalls links.
Ist Linksverkehr angesagt,ist die Motorradtour ein Aeutzerl sicherer,da man beim Auf -
oder Absteigen nicht so sehr auf den vorbeifahrenden Verkehr achten muss.

Als letztes Land Kontinentaleuropas stellte 1967 Schweden auf Rechtsverkehr um.

Anfangs waren ein paar Verkehrstote mehr zu beklagen,doch das hat sich eingependelt.

Nur die Briten,Irlaender,Maltesen und Zyprioten haben noch Linksverkehr und muessen
sich von den Kontinentaeuropaeern vorwerfen zu lassen,dass sie stets auf der falschen
Strassenseite unterwegs sind.

Jock








Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: arthurschmidt2000 am 31. Oktober 2018, 14:17:27
Schon die alten Roemer hatten Linksverkehr!

Wie man auf deren Reliefs sehen kann, trugen die Soldaten ihr Schwert links und mussten es mit der rechten Hand ziehen.

Sinnvoll einsetzen kann man das nur bei Linksverkehr!

Für Thailand spielt das natürlich keine Rolle, die hier unbedingt mitzuführende Pistole kann sowohl bei Links- wie auch bei Rechtsverkehr eingesetzt werden.


Titel: Wien, Wien, nur du allein
Beitrag von: Helli am 31. Oktober 2018, 14:48:12
Dadurch entstanden zwischen 1921 und 1938 Gebiete, wo man auf unterschiedlichen Seiten
fahren durfte.
Kann man heute noch in Ostfriesland ausprobieren!
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 04. Januar 2019, 11:56:32
Der Hutnadelerlass in Wien

Fast nicht zu glauben,dass eine 10 Jahre alte EU - Verordnung ueber eine bestimmte Pizza,
einen Herrn Kern,derart aus dem Gleichgewicht bringt,dass er sogar die bestehende EU ab-
schaffen will.

Da kann ich mir gut vorstellen,was fuer einen Aufstand er gemacht haette,als der Hutnadel-
erlass verfuegt wurde.

1880 hatte Wien eine Einwohneranzahl von 750.000.Bis 1918 wuchs diese bis auf 2,3 Mio Ein-
wohnern an.

Nicht nur die Stellung Wiens als Haupt-und Residenzstadt war fuer den Zuwachs verant-
wortlich,sondern auch die Eingemeindung umliegender Staedte,wie Klosterneuburg,Schwechat
oder Floridsdorf.

Spaeter,im Laufe des Krieges kamen noch hunderttausende Fluechtlinge,Vertriebene und
Verwundete hinzu.

Diese Entwicklung stellte die Stadt vor grosse Herausforderungen,denn es musste gesorgt
werden,dass genug Wohnraum vorhanden ist,die Lebensmittelversorgung klappt und die
Menschenmassen transportiert werden koennen.

Bis zum Kriegsbeginn 1914 konnten die Stadtvaeter den Herausforderungen noch halbwegs
gerecht werden.

Aber nach der Kriegserklaerung sank jedoch die Bauleistung gegen Null und die Schatten des
Krieges legten sich mehr und mehr auf die Stadt.
Je laenger der Krieg andauerte,brach die Lebensmittelversorgung aus der Kornkammer Ukraine,
der Fleischkammer Ungarn und aus der umliegenden Landwirtschaft,ein.

Die umliegenden Bauern verdienten sich eine goldene Nase,indem sie zu ueberhoehten Preisen
ihre Produkte an die "Hamsterer" verkauften,anstelle sie den normalen Versorgungskanaelen
zur Verfuegung zu stellen.

Da bald nach Kriegsausbruch die Industrien mehr und mehr auf Kriegswirtschaft umgestellt
worden waren und davon war auch die Lebensmittelindustrie betroffen,deren Produktion zu gros-
sem Teil der Verpflegung der kaempfenden Truppen zur Verfuegung gestellt wurde,war Schmal-
hans in den Kuechen allgegenwaertig.
Frauen hatten ohnehin wenig Zeit,sie in der Kueche zu verbringen,da sie in den Fabriken die
Maenner,die im Feld waren,ersetzen mussten.Der Frauenanteil in der Wirtschaft war in diesen
Jahren sehr gross und nahm nach Kriegsende wieder rapide ab.

Dann hiess es wieder "Frauen zurueck an den Herd".

Bis 1914 war die Stimmung in der Bevoelkerung ausgezeichnet und man war es auch noch kurz
als ein unannehmbares Ultimatum den Krieg ausloeste und Truppen ausgehoben wurden.

Die Mariahilferstrasse war mit Girlanden geschmueckt und allerorts hoerte man den Schlacht-
ruf" Serbien muss sterbien" oder  " Jeder Schuss,ein Russ,jeder Tritt,ein Brit".
Beim Abtransport zur Front rief man sich noch begeistert zu " zur Weihnacht san ma wieder da-
hoam".
Keiner dachte daran,dass der Krieg vier Jahre dauern wuerde und mit einer Niederlage endet.

Doch bald darauf kamen die ersten Fluechtlinge und Kriegsversehrten an und verschaerften die
Wohn-Lebensmittel- und Transportprobleme.

Viele der Fluechtlinge waren Juden,was ein Spannungsfeld auftat und den,in der Stadt beheimar-
enden Antisemitismus,Auftrieb gab.
Jedoch diese und auch die Kriegsversehrten mussten irgendwie versorgt werden.

Die Stadt funktionierte das Parlament und die Universitaet,wie auch weitere oeffentliche Ge-
baeude zu Notschlafstellen um und errichtete zudem in den Flaechenbezirkten Simmering,
Favoriten und Meidling ausgedehnte Barakensiedlungen.
Die Massenausspeisungen von, immerhin 375.000 taeglich verabreichte Portionen,erfolgte in schnell
errichteten Hallen,wovon es 19 in Wien gab.
Nebenbei waren auch kirchliche und private Einrichtungen eingebunden,den Hunger nicht ueber-
hand kommen zu lassen.

260.000 Kriegsverwundete mussten ebenfalls versorgt werden,was in 7 Kriegsspitaelern,in 91
Hilfsspitaelern des Roten Kreuzes und 11 Notspitaelern,geschah.

Die Probleme beim Massentrasport waren ebenfalls eklatant.Die Verkehrsbetriebe hatten einfach
nicht genug Kapazitaet die notwendigen Leistungen zu erbringen.

Daher ergingen (erfolglos) Aufrufe,Uberfuellungen der Garnituren zu vermeiden und sich nicht
an jene Strassenbahngarnituren anzuhaengen,die die Verstorbenen transportierten.

Diese Garnituren fuhren meist zeitig in Frueh oder in der Nacht,trotzdem wurden sie von den
Schwarzfahrern gerne genutzt.
Die Verkehrsbetriebe haben angesichts des Umstandes,dass die Verstorbenen in den allermeisten
Faellen,ohnehin keine Fahrkarten haben,darauf verzichtet,Schaffner den Waggons mitzugeben.

Grosse Empoerung und Aufregung loeste jedoch der "Hutnadelerlass" aus.

Damals verliessen die Damen der oberen Staende ihre Wohnungen nur mit vollstaendiger Be-
kleidung.Dazu gehoerte selbstverstaendlich Hut und Handschuhe.

Ihre Hutcreationen waren jedoch nicht gegen Windboeen gefeit und damit die teuren Produkte
der Modistinnen nicht fortgeweht werden koennen,wurden sie mit langen Hutnadeln im Haar be-
festigt.

Bei Draengereien in der Strassenbahn,gab es daher lautes "Auweh" und " Bist deppat ?",wenn
durch die Nadel ein Auge verletzt oder ein Gesicht zerkratzt wurde.

Die Haeufung solcher Unfaelle zwangen die Stadtvaeter einen Erlass herauszugeben,worin der
Gebrauch von Hutnadeln verboten wurde.

Dagegen wurde das Buergertum rebellisch und erreichte,dass der Erlass entschaerft werden mus-
ste und fortan Hutnadeln dann erlaubt wurden,wenn die Nadelspitze gesichert werden konnte.

Der Hutnadelerlass war aber keine "Spezialitaet" der Wiener Stadtregierung.

Auch in Berlin gab es einen aehnlichen Erlass,der Hutnadeln verbot.

Traf ein Polizist eine Dame mit Hutnadel an,gab es eine Strafe von 60 Mark.

Und 60 Mark waren immerhin der Wochenlohn eines Arbeiters.

Jock



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 04. Januar 2019, 17:54:04
@Malakor stellt die Frage,was waere gewesen,haette es keinen Thronfolger gegeben.

Nun,es haette immer einen Thronfolger gegeben.

War zuerst Kronprinz Rudolf der natuerliche Thronfolger,kam nach seinem Suizid Erz-
herzog Franz Ferdinand an die Reihe.

Nachdem dieser ermordet worden ist,kam ein weiteres Familienmitglied zum Zug - der
spaetere Kaiser Karl.

In der "engeren" besser weiteren Familie,waren fast 2 Dutzend Erzherzoegeda ,die als Nach-
folger des Kaisers Franz-Joseph in Frage gekommen waeren.

Die interessantere Fragestellung ist,wie waere die Geschicke der grossen Monarchie ausge-
fallen,wenn Kaiser Franz-Joseph zu Lebzeiten Kronprinz Rudolfs gestorben waere.

Bekanntlich haben sich die politischen Einschaetzungen zwischen Vater und Sohn,der-
art unterschieden und die wenigen schriftlichen Unterlagen zeigen es,dass man den vorsicht-
igen Schluss ziehen kann,dass die Monarchie wohl umgebaut worden waere,aber vielleicht als
" Bundesstaat "als Gesamtgebilde erhalten haette werden koennen.

Der Kaiser Franz Josef war gepraegt aus einer anderen Zeit und hatte nicht erkannt,dass
sich ein absolutistischer Regierungsstil ueberholt hat.

Zugestaendnisse die der Palast nach der Maerzrevolution 1848 machen musste,hob er klein-
weise wieder auf.Dabei wurde negiert,dass die Unzufriedenheit speziell bei den Ungarn und
Boehmen und in der italienischen Provinz stets anstieg.

Es war die Zeit,wo sich die Bestrebungen zum Nationalstaat besonders bemerkbar machten,
und nur ein Wort auschlaggeben war,diesen Trend noch zu verstaerken.

"Zde" war das Wort,dass dem alten Kaiser viel Kopfzerbrechen bereitete.

Zde ist tschechisch und bedeutet "hier".Die Kommandosprache der k.u.k - Armeee war je-
doch deutsch und es musste beim Zaehlappell so geantwortet werden.

Die tschechischen Soldaten und Truppenteile jedoch antworteten auf tschechisch,was als
Retourkutsche allerlei Sanktionen zur Folge hatte- bis hin zur Nichteinberufung des Parla-
ments durch den Kaiser.

Auf Kronprinz Rudolf folgte Erzherzog Franz-Ferdinand,der die politische Lage ganz anders
sah,als der Kaiser.

Er erkannte die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Monarchie und hatte allerlei Plaene
im Schreibtisch,durch Aenderungen im Regierungsstil oder einer Staatsreform mit besonderer
Zielrichtung auf den Balkan,den absehbaren Zerfall hintanzuhalten.

Alle Bemuehungen,den Kaiser umzustimmen schlugen fehl.Wenn sich die Herren nach ent-
sprechenden Gespraechen trennten,hatten beide vor Zorn einen roten Kopf.Den Ordonanzen
droehnten nach lange die Ohren vom gegenseitigem Geschrei.

Der "richtige" Nachfolger auf dem Thron war Karl. Der arme Kerl war auf eine Regentschaft
in keinster Weise vorbereitet.Auch als schon feststand,dass er Franz-Joseph folgen wird,wurde
er von Kaiser von den Staats-und Regierungsgeschaeften ferngehalten.

1916,als er Kaiser wurde,war es fuer Aenderungen oder Reformen zu spaet.

Der Krieg war im Gange und Europa,ausser Deutschland,war nicht auf der Seite der Monarchie.

Die Folgen kennt man und vorher dachte niemand daran,dass innerhalb 1 1/2 Jahren drei
bestimmende grosse Monarchien untergehen koennten.


Jock





Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 08. Januar 2019, 13:53:51
Die Mandolinen von Penzing

Als junger Mann wohnte ich in einem Vorstadtbezirk in der Goldschlagstrasse.

Genau vor der Verbindungsbahn steht eine der "Trutzburgen",auch genannt Gemeindebau,der in
den 20gern Jahren des vergangenen Jahrhunderts errichtet worden ist.

Eines Tages im Mai,war ich auf dem Weg zu meiner Wohnung,als ich aus einem Souterainlokal
suedlaendisch klingende Musik hoerte.

Ich blickte durch das offenstehende Fenster und war erstaunt.

Darin bildeten 20 Leute ein Orchester und uebten ein Musikstueck, das auf /mit Mandolinen ge -
spielt wurde.

Das war fuer mich ungewoehlich,denn mit Wien verbindet man die Violine,die Gitarre oder das
Akkordeon,wenn man nicht gerade an philharmonische Konzerte denkt.

Die Assoziation,die eine Mandoline und ihr Klang hervorruft,verbindet man mit suedlichen Ge-
filden,wie Italien,Palmen,silbernes Meer und bluehende Zitronenbaeume.

Nur,in Wien gibt es kein Meer,und Palmen findet man nur im Palmenhaus in Schoenbrunn und stellt
sich daher die Frage,wieso findet man ausgerechnet hier ein Mandolinenorchester ?

Und zwar nicht nur eines,sondern zu dieser Zeit gab es in den Arbeiterbezirken an die 20 da-
von."Das "Erste Favoritner Mandolinenorchester",das aus dem"Ersten Laaerberger Mandolinen-
orchester" entstanden ist,gibt heute noch Konzerte.Leider fast unbemerkt von der breiten Masse.

Eine Erklaerung,warum die Mandoline in Wien grosse Beliebtheit errang,liegt darin,dass das
Instrument,nicht nur leicht und somit einfach zu transportieren ist und andererseits man es damals
relativ billig zu erwerben konnte.

Es war vor allem die Arbeiterschaft,die zur Mandoline griff und das war gleichzeitig eine Auswirk-
ung der Bildungsoffensive,die um 1900 herum gestartet wurde.

Nicht nur vor 1900 sondern auch nach dem WK I,trachtete die Bourgeoisie bei der Arbeiterschaft
die "Arme getrennt vom Kopf" zu halten.Also sie ungebildet zu lassen,damit man billige Arbeits-
kraefte rekrutieren kann.

Da griff vor allem,aber nicht nur,die Sozialdemokratie ein und richtete Bildungsstaetten in den
Bezirken ein,dessen Angebote von der Arbeiterschaft regelrecht gestuermt wurden.

Die Offerte waren breit gestreut.Von allerlei praktischen Kursen,Fremdsprachenunterricht u.s.w.
wurde auch nicht auf die "Schoenen Kuenste"vergessen,die sich von Musikunterricht ueber Origami
und Modellieren von Skupturen,erstreckte.
Damals wurden auch eine Reihe von Volksbibliotheken eroeffnet,wo man sich Buecher leihen konnte,
die damals sich breite Masse nicht geleistet haette.

Die Urania,fuer deren Erbauung Kaiser Franz Josef aus seiner Privatschatulle einen ansehlichen Be-
trag beisteuerte,ist heute noch in Betrieb.
Neben Vortragssaal,Kino und Sternwarte gibt es auch etwas fuer die Kleinsten - das Kasperltheater.

Heute heissen diese Bildungseinrichtungen Volkshochschule,wo Interessierte zwischen 70 Fremd-
sprachenkurse waehlen koennen und jaehrlich  150.000 Wiener die diversen Kurse besuchen.

Der alte Kalauner,wo der Politiker zum Bischof sagt:"also ihr haltet sie dumm und wir halten sie arm"
wurde durch diese Initiative unterlaufen,aber dafuer der Spruch:"Wissen ist Macht"unterfuettert.

Jock



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 15. Januar 2019, 09:22:32
Die Wiener und ihr Verhaeltnis zum Scharfrichter

Oft vermittelt der Wiener,er sei ein Grantscherm,dem alles Zwider ist und er stets das
Bummerl hat.

Uebersehen wird dabei,dass in seinem Inneren ein goldenes Herz schlaegt,das sich da-
hingehend aeusssert,dass er nicht verstehen kann,wenn nicht die halbe Berufsfeuerwehr
ausrueckt,um ein verstiegenes Kaetzchen vom Baum zu holen.

Die Ambivalenz kam besonders zum Ausdruck,wenn wir das Verhaeltnis der Wiener zum
Scharfrichter/Henker beleuchten.

Als vor knapp dem Jahre 1900,Herr Josef ( Pepi) Lang,der schon einige Jahre seinem Schwager
bei Hinrichtungen geholfen hatte,gefragt wurde,ob er denn nicht als Hauptberuflicher Hin-
richtungen ausueben wolle,schlug er ein.

Herr Lang betrieb in der Simmeringer Hauptstrasse ein Kaffeehaus,das stets gut besucht war,
denn er war ein umgaenglicher freundlicher Mann,der die Strasse  nur mit seinem "Stoesser"
am Kopf betrat und den Eindruck vermittelte,mit ihm sei gut Kirschen zu essen.

Allerdings ergab sich da ein kleines Problem,das man loesen musste,bevor man ihm das Amt
anvertraute.

Er war zu diesem Zeitpunkt bereits ueber 40 Jahre als und eigentlich durfte er mit diesem
Alter nicht mehr Beamter werden.
Nach einigen Hin-und Her fand man eine Loesung und er wurde in den Staatsdienst uebernom-
men.Das Kaffeehaus jedoch musste er dafuer aufgeben.

Er gab das Kaffeehaus auf,wurde Scharfrichter und die Herzen der halben Monarchie flogen
ihm zu.

Reiste er zu einer Hinrichtung an,wurde er am Bahnhof mit der Musikkapelle empfangen und
der Buergermeister begruesste ihn mit herzlichen Worten.
Die Haute Volee riss sich um ihn und ueberschuettete ihn mit Einladungen zu vornehmen Abend-
veranstaltungen,wo man ihm Schampus und Kanapees reichte.
Alle Aufmerksamkeit war ihm sicher,wenn er von seiner Arbeit berichtete und aus dem Naeh-
kaestchen plauderte.
Erwartungsgemaess fielen dabei Damen des ersten Ranges standesgemaess in Ohnmacht und
mussten mit Riechsalz wieder ins Leben zurueckgerufen werden.

Am naechsten Tag erledigte er sein Staatsgeschaeft,indem er einen Verurteilten aufknuepfte,
verfasste darueber einen Bericht an das Justizministerium und reiste zufrieden wieder heim.

Nie gab es eine Beschwerde ueber ihn,denn er arbeitete sauber und gewissenhaft.

Seine hervorstechenste Hinrichtung vollzog er an Cesare Battisti.

Battisti war in Trient geboren und oesterr.-ungarischer Staatsbuerger,der im WK I.nachdem
Italien in den Krieg eintrat,die Seite wechselte und in der italienischen Armee fuer die Italiener
kaempfte.

Er wurde am 10.Juli 1916 gefangen genommen und nach Trient verbracht und zum Tode ver-
urteilt.
Als er im Gefaengnis sass und auf sein Verfahren wartete,hoerte er schon den Zimmermann,
der an seinem Galgen arbeitete.
Auch Josef Lang,stieg in einen Schnellzug um rechtzeitig die Hinrichtung zu vollziehen.

Nach getanem Werk,liess er sich hinter dem Hingerichteten fotographieren,wobei er darauf
achtete,breit zu Grinsen und den Stoesser am Kopt zu behalten.

Von der Fotographie wurden Postkarten angefertigt,die reissenden Absatz fanden und mit
lieben Gruessen an die Anverwandten zu Hause,zur Post gegeben wurden.

1918 schaffte die junge Republik die Todesstrafe ab und Herr Lang wurde pensioniert.

Da er von der schmalen Pension nicht leben konnte,verdingte er sich als Hausmeister bis er
1925 starb.

Nochmals kam dabei seine Popularitaet zum Ausdruck,denn 10.000 Wiener begleiteten ihn
zum Grab.

Jock




Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Kern am 15. Januar 2019, 12:00:30
Nach getanem Werk,liess er sich hinter dem Hingerichteten fotographieren,wobei er darauf
achtete,breit zu Grinsen und den Stoesser am Kopt zu behalten.


Das Foto dazu:

(https://up.picr.de/34843805wh.jpg)
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 16. Januar 2019, 09:50:12
Die Tante Dorothee


Zeitlebens habe ich jeden Kontakt mit ihr vermieden,doch einmal vor 12 Jahren hatte ich sie
doch besucht und ich staunte nicht schlecht.

Ihr Haus,das durchaus als Palais durchgehen kann,wurde von einem beruehmten Architekten
erbaut.Die Raeumlichkeiten mit meterhohen Decken gleichen Saelen und jede Menge Marmor
und Stuck ist an den Waenden und Boeden.

Wertvolle Teppiche,Gemaelde,goldene Uhren und sonstiges Geschmeide fand sich zuhauf.

Tante Dorothee bevorzugt ein offenes Haus.Jeder ist ihr willkommen,egal ob gross oder
klein,alt oder jung und sie ist bekannt,dass sie immer ein offenes Ohr fuer finanzielle Noete
hat.

Allerdings hat sie sich ein kaufmaennisches Empfinden bewahrt und Geld gibt sie nur dann
her,wenn sie dafuer ein kleines Pfand entgegennehmen kann.
Genaugenommen ist sie eine Wucherin,denn umgerechnet aufs Jahr,verlangt sie geschmalz-
ene 40 % Zinsen und Gebuehren.

Wird das Pfand nicht rechtzeitig eingeloest,wird sie kaltherzig und versteigert die Kuckucksuhr,
den Ehering mit Gravur oder auch die Briefmarkensammlung mit der roten Merkur.

Damit wurde sie reich und trotzdem ist sie wohlgelitten und niemand verliert ein boeses Wort
ueber sie.

Heute ist Tante Dorothee schon ueber 200 Jahre alt und noch immer im Geschaeft.

Damals ermoeglichte ihr ein kaiserliches Patent die Ausuebung dieses Gewerbes und je schlechter
die Zeiten sind oder noch werden,um so besser laufen ihren Geschaefte.

Tante Dorothee ist das groesste und bekannteste Pfandleihaus von Wien und ihre Auktionen
sind weltweit beachtet.

Weniger beachtet werden die thailaendischen Pendants zur Tante Dorothee,obwohl sie ebenfalls
eine wichtige Funktion im Zusammengefuege der Gesellschaft leisten.

So wie jene Dame aus Samut Prakan,deren Bekanntschaft ich gemacht habe.

Sie war eine alte ungepflegte Frau,billigst angezogen und ihre Haare standen straehnig vom
Kopf ab,die von meiner Frau,die offenbar einst Kundin gewesen war besucht wurde.

Sie und meine Frau,die mittlerweile Millionaerin geworden ist,verstanden sich gut und tauschten
Neuigkeiten aus.
Ich sass dabei,verstand kein Wort wovon gesprochen wurde und beobachtete die Szene.

Da kam ein Mann vorbei,der sich mit einem tiefen Wai einfuehrte,ein schmerzvolles Gesicht auf-
zog und der guten Frau seine Not schilderte.
Nach kurzem Palaver,hob die die gute Frau ihren Haengebusen an,zog ein paar Geldscheine her-
vor und ueberreichte sie dem armen Teufel.
Auf Papierkram wurde verzichtet und mit einem weiteren tiefen Wai zog der Mann ab.

Noch waehrend der Besuchsdauer erschien eine Frau,die sich ebenfalls mit einem tiefen Wai ein-
fuehrte und uebergab Banknoten an die alte Hexe.
Die zaehlte kurz nach,dann nickte sie und gab das Geld in den einbruchssicheren Tresor zur Ver-
wahrung.
Wie vorhin musste ebenfalls der Busen dabei angehoben werden um sicherzugehen,dass durch
Verlieren oder Verstreuung Verluste entstehen.
Dank des Gravitationsgesetzes und des Volumens des Haengebusen,war ich sicher,dass nicht
einmal Fort Knox mehr Sicherheit bieten koennte.

Tante Dorothee und ihre thailaendischen Schwestern erfuellen daher eine wichtige Erfordernis der
Bevoelkerung.

Braucht jemand,der in kurzfristige monetaere Klemme gekommen ist,Geld,wendet er sich an die
Tante Dorothee.Sie ist immer zur Stelle.

Ohne besonderen buerokratischen Aufwand,ohne hypothekarischer Verbuecherung - ruckzuck-
und in ein paar Minuten ist alles erledigt und man geht zufrieden seiner Wege.

Nach der Auszahlung des Arbeitslosengeldes sieht man sich wieder.

Die eigentlich bedauernswerten Besuche bei Tante Dorothee setzen die Wiener,die gezwungen
sind sie aufzusuchen,in einen golden Rahmen.

Sie sprechen davon,dass SIE der Tante Dorothee Geld geliehen haben.

Jock





Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 16. Januar 2019, 11:39:05


Wobei ich dazu anmerken darf, dass die "Tante" mir persönlich zu einem schönen Batzen Geld verhalf.

Sie beschäftigt nämlich auch Experten, die Dinge, die man bringt, professionell wertmässig einschätzen (klar, sonst könnte man die auch nicht belehnen),

und es steht einem frei, diese Gegenstände zum Zwecke der Versteigerung zu deponieren.

Da war das eine oder andere Stück Porzellanfigur aus der Erbschaft meiner Oma, die ein für mich angenehmes Echo bei der Auktion erzeugten,

und nach Abzug einer (zugegebenermassen saftigen) Provision für die Tante blieb mir ein erklecklicher Betrag, der die Kasse zwecks Auswanderung

damals wohltuend füllte...


Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 18. Januar 2019, 09:10:19
Die Spanische Hofreitschule

Die Spanische Hofreitschule ist eine Institution,die zu Wien gehoert,wie der Wuestel-
stand neben der Oper.

Und uralt ist sie auch noch.

Bereits 1565 wurde sie erstmals urkundlich erwaehnt,doch der Bestand reicht sicherlich
noch laenger zurueck,denn an den Koenigshoefen war es ueblich,koenigliche Reitstaelle
zu haben.

Da konnten die Kaiser in Wien nicht zurueckstehen und importierten geeignete Pferde
erst aus Spanien,da zum spanischen Regenten verwandtschaftliche Beziehungen bestanden,
dann aus anderen Weltgegenden bis man endlich aus dem Gestuet Lipizza Pferdematerial,
die sich als gut trainierbare Tiere erwiesen und oberdrein,als erwachsene Hengste als
Schimmel stolz ihr Koennen dem Publikum zeigen,zurueckgriff.

Dort wo dem zahlenden Publikum ihre Kuenste vorgefuehrt werden,naemlich der Hofreit-
saal,mitten in der Innenstadt von Wien gelegen,gilt als schoenster Reitsaal der Welt.

Fischer von Erlach hat die Plaene fuer den lichtdurchflutenen Auffuehrungsort entworfen und
sein Sohn hat ihn erbaut.Auftraggeben war Kaiser Karl VI,der dafuer tief in die Tasche griff.

Noch heute danken die Bereiter dem Erbauer,wenn sie in die Bahn einreiten und ihren Zweispitz
von Kopf ziehen.
Das zusehende Publikum fuehlt sich geschmeichelt und denkt,der Gruss geht an sie.
Nein,das ist ein Irrtum.Die Bereiter ziehen ihr Gehuet vor dem angebrachten Bildnis des guten
Kaiser Karl VI.

Nach Zusammenbruch der Monarchie,stand es um die Spanische Hofreitschule schlecht.

Die junge Republik hatte kein Geld und andere Sorgen,als ein paar Aspiranten fuer eine Leber-
kaessemmel,am Bestand zu erhalten.

So ueberlegte man tatsaechlich,in das Gebaeude der Hofreitschule entweder ein Kino einzu-
richten oder als staedtisches Schwimmbad weiterzufuehren.

Dieser Kelch ging gottseidank vorueber,die Spanische Hofreitschule kam an den Staat und das
Personal wurden Staatsbeamte und erwirtschafteten verlaesslich jedes Jahr Verluste.

Durch viele Jahrhunderte hindurch,waren es nur Maenner,die mit den Pferden arbeiteten.
Als es in neuerer Zeit unumgaenglich wurde,dass man auch Frauen,die Karriere von der Eleven
bis zur Oberreiterin,eroeffnete,standen Vielen die Sorgenfalten an der Stirn.

Aber es half nichts,Frauen eroberten die maennliche Domaene und das Bundesdenkmalamt
ueberwachte die Einrichtung der notwendig gewordenen Toiletten fuer die weibliche Belegschaft.

Ab nun tragen die Schimmel der Hofreitschule Trauer.

Bei der notwendigen Besetzung der Leitung der Hofreitschule,wurde nicht der bestqualifizierte
Mann bestellt,sondern die Frau eines ehemaligen Bundeskanzlers,die bei dem Hearing nicht
die beste Benotung bekam.
Sie,die nichteinmal mit dem Familienhund umgehen kann,wie die Kronenzeitung vor Jahren be-
richtete,hat von Pferden keine Ahnung und wurde trotzdem bestellt.

Wie man hoert,soll der sonst schweigsame Bundeskanzler heftig interveniert haben.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 18. Januar 2019, 09:17:06

Klugscheixxermodus an:

Zitat
sondern die Frau eines ehemaligen Bundeskanzlers

... die ehemalige Frau eines ehemaligen Bundeskanzlers...

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: franzi am 18. Januar 2019, 09:27:58
@jock

Zitat
Wie man hoert,soll der sonst schweigsame Bundeskanzler heftig interveniert haben.

Fuer wen? Fuer die Ex-Lehrerin oder fuer den bestqualifizierten Mann (dann erfolglos).

Kleine Anmerkung: Der Wasserkopf Wien ist tatsaechlich anders (als Restoesterreich) da von Linken "regiert". Vergleichbar mit Berlin, der allerdings kein Wasserkopf in D ist.

fr

NS-Mir ist nachtraeglich eingefallen, Tirol wir von Schwarzgruen, Innsbruck von einem gruenen Buergemeister regiert. Allerdings sind die Gruenen in diesem Gebiet noch nicht so unsaeglich wie in vielen Regionen anderswo.
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: malakor am 18. Januar 2019, 09:50:28
Als Nicht-Wiener seien 2 Fragen erlaubt:

Kann die Dame denn reiten ?

Kann sie mit der Peitsche umgehen ?
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 18. Januar 2019, 09:51:00
@Suksabai

Richtig - die ehemalige Frau des ehemaligen Bundeskanzlers !

(seufzs) Ich werde alt.

@franzi

Bundeskanzler Kurz verwendete sich fuer Sonja Klima - die es auch geworden ist.

Bei der Gelegenheit moechte ich dir mein Beileid ausdruecken.Es muss eine furchbare
Zeit fuer dich sein,nicht nur mit der Tatsache zu leben,dass Wien "links" regiert wird,
sondern,dass Innsbruck sogar einen gruenversifften Buergermeister  hat.

Kann dir nachfuehlen,dass ob diesen unertraeglichen Zustands,es dich schmerzt,dass
du die naechsten Jahre Innsbruck nicht besuchen wirst koennen.

Jock
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: franzi am 18. Januar 2019, 10:12:12
Lieber jock, du hast diese fuer mich wirklich traurige Absaetze

Bei der Gelegenheit moechte ich dir mein Beileid ausdruecken.Es muss eine furchbare
Zeit fuer dich sein,nicht nur mit der Tatsache zu leben,dass Wien "links" regiert wird,
sondern,dass Innsbruck sogar einen gruenversifften Buergermeister  hat.

Kann dir nachfuehlen,dass ob diesen unertraechlichen Zustands,es dich schmerzt,dass
du die naechsten Jahre Innsbruck nicht besuchen wirst koennen.


eine Minute und fuenf Sekunden vor meiner Ergaenzung eingestellt. Hatte also das Glueck, dass mir ein paar Minuten vor deiner Retourkutsche das selbst eingefallen ist.
Ist wirklich grausam, was da in Tirol und Innsbruck politisch abgeht :'(.

Werde zum 94ger unserer Mutter dorthinfliegen/fahren und habe der woechentlichen Herrenrunde (Sozi und Gruene-pensionierte Eisenbahner halt) in Innsbruck ueber einen Bruder (der ist daran beteiligt) anfragen lassen, ob ich sicherheishalber ein langes Messer dabei haben soll.
Der Brueder meinte nein, aber dem glaub ich ja nix mehr, wenns darum geht.

fr


Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: franzi am 18. Januar 2019, 10:29:15

(seufzs) Ich werde alt.

@franzi

Bundeskanzler Kurz verwendete sich fuer Sonja Klima - die es auch geworden ist.
"


Ganz kurz: Kurz soll interveniert haben. Wer behauptet das?
Und ob diese Kuh die Chefin wird, ist das sicher?
Aus der Krone

Zitat
Bestellung könnte für Turbulenzen sorgen
Die Bestellung von Klima könnte nun insofern für Turbulenzen sorgen, weil der Beirat der Hofratschule bereits im Vorfeld angekündigt hatte, im Falle dieser Entscheidung geschlossen zurückzutreten. Das Gremium hatte sich dezidiert für Radnetter ausgesprochen.
https://www.krone.at/1845995 (https://www.krone.at/1845995)

fr
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: franzi am 18. Januar 2019, 10:36:33
Als Nicht-Wiener seien 2 Fragen erlaubt:

Kann die Dame denn reiten ?

Kann sie mit der Peitsche umgehen ?

Du solltest die Frage praezisieren: Auf wem reiten, wen peitschen.

fr
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: malakor am 18. Januar 2019, 12:16:45
Als Nicht-Wiener seien 2 Fragen erlaubt:

Kann die Dame denn reiten ?

Kann sie mit der Peitsche umgehen ?

Du solltest die Frage praezisieren: Auf wem reiten, wen peitschen.

fr


Wo ist mein Beitrag geblieben  ?    {+
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: shaishai am 18. Januar 2019, 13:27:20
auf der vorherigen seite ?  {+

 ;]
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: malakor am 18. Januar 2019, 13:46:50
auf der vorherigen seite ?  {+

 ;]

tatsaechlich.     :]
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 23. Januar 2019, 11:11:55
So a Sandler !

Will man in Wien jemanden abwerten,so tituliert man ihn als Sandler.

Die Sandler waren jene Arbeiter in den Ziegelfabriken rund um den Wienerberg,die man zu
nicht anderes gebrauchen konnte,als Sand in die Ziegelformen zu streuen,damit der Lehm
nicht kleben blieb.

Als Kaiser Franz- Joseph verfuegte,dass die Stadtmauer abgerissen wird,entstanden damit und
an den nicht mehr gebrauchten Glacien,Bauflaechen und sofort setzte ein Bauboom ein.

Jaehrlich benoetigte man fuer die Ringstrassenbauten,Palais etc. 330 Mio.Stueck Ziegel,die
fast alle aus den Ziegelfabriken rund um den Wienerberg kamen.

Wien war sowieso ein Magnet fuer Arbeitssuchende,aber der erhoehte Bedarf an Arbeitskraeften
in den Ziegelfabriken,loeste einen Ansturm von den noch aermeren Gegenden in Boehmen
und Maehren aus.400 Km Fussmarsch nahmen sie auf sich,um ein sklavenartiges Arbeitsleben
bei Herrn Drasche zu fristen.

Die Arbeitsbedingungen waren verheerend.18 stuendige Arbeitstage waren ueblich,egal,ob fuer
Kinder oder Frauen.
Untergebracht waren sie in Baracken,Maennlein und Weiblein gemischt,die ledigen Maenner
schliefen in stillgelegten Ziegeloefen.Geburten waren coram publico normal und die hygienischen
Zustaende,sorgten fuer allerlei ansteckende Krankheiten,die ofmals wegen fehlender medizin-
ischer Behandlung zum Tode fuehrten.

Als Schlimmstes empfunden wurde,dass der Lohn als "Truckerlohn" bezahlt wurde,das heisst,
es wurde fabrikseigenes Geld ausbezahlt,dass jedoch nur ein den fabrikseigenen Geschaeften
oder Kantinen akzeptiert wurde.
Es versteht sich von selbst,dass alle Waren dort um 30 % teurer waren,als in den normalen Ge-
schaeften der Umgebung.

Erst als sich der Arzt Victor Adler in das Werk einschlich und seine Erlebnisse veroeffentlichte,
wofuer er eine Geldstrafe erhielt,konnten die Behoerden nicht laenger beide Augen zudruecken,
und verboten nach und nach die Ausbeutung.

Der Besitzer der Ziegelfabriken,ein gewisser Heinrich Drasche wurde reich,erbaute sich gegen-
ueber der Staatsoper ein Palais,das im WK II.zerbombt wurde und als "Heinrichshof" wieder
nach dem Krieg neu erbaut wurde,allerdings in einem Stil,der sich unangenehm von den anderen
Prachtbauten abhebt.

1909 kaufte er die Herrschaft samt Burg Ebreichsdorf,wo die Familie heute noch den Wohnsitz hat.

Heinrich Drasche,hatte offensichtlich eine unansehliche Tochter,die er schwer unter die Haube
bringen konnte und ersuchte den Kaiser um Nobilitierung.
Sein Ansuchen begruendete er,dass er gerne seine Tochter standesgemaess verheiraten will,aber
ohne Adelstitel sind die Chancen gering.( Wie die Tochter wohl ausgesehen haben mag,wenn sie
trotz einer gewaltigen Mitgift "sitzen" blieb. ?)

Der Kaiser genehmigte die Nobilitierung und seither tragen die "Heinrichs" (Drasche)den Titel Ba-
ron und koennen ein "von" dem Namen hinzufuegen.

Nun ja,seit 1919 gilt das Adelsaufhebungsgesetz und die Kommunisten sind ueberhaupt fuer die
Gleichmacherei.

Als das Gruendungsmitglied der KPOE mit der Mitgliednummer 4 zu einen Kongress nach Moskau
fuhr,um sich in die Dogmen der Kommunisten zu vertiefen,sandte er einen Brief an den Herrn H.
Drasche.

Am Kuvert stand "Herr Heinrich Drasche,dann Adresse und Wohnort".Der Inhalt des Briefen be-
ginnt aber mit der Anrede " Hochwohlgeborener Herr Baron von Drasche-Wartinberg ".

Daran sieht man,dass auch die oesterreichischen "Kummerln" situationselastisch sind.

Jock

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 23. Januar 2019, 11:33:37
Speziell aus dieser Zeit (natürlich auch schon vorher, aber nicht in diesem Ausmass) stammen die wohlklingenden Familiennamen

im Wiener Telefonbuch wie

Navratil.
Pospischil,
Przibawlitsch,
Pohoralek,


um nur ein paar zu nennen. Die ersten Träger dieser Namen in Wien waren unschwer zu erkennen an ihren unverwechselbaren Akzent,
der natürlich nach ein paar Generationen verschwand.

In Wien sind (waren) sie auch bekannt als "Ziegelböhm".

Geblieben sind einige Worte der Wiener Sprache, wie Bramburi, Tschoperl, Buchtel und Golatsche (Aufzählung keineswegs vollständig) ..

Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 20. Februar 2019, 10:20:28
Ueber die Kommentare um das Ableben des Modezars Karl Lagerfeld kann ich mich nur
wundern.

So etwas Aehnliches haben wir Wiener schon lange hinter uns.

Ja,auch Wien ist eine "Modestadt" oder besser war einmal.Einst konkurrierte Wien natuerlich
mit Paris,dann Mailand und jetzt  ? naja.

Bereits anlaesslich des Wiener Kongresses,damals 1814/15 war Mode,speziell die Damen-
mode ein wichtiges Element um aufzufallen,den modischen Glanz der weiblichen Begleiter-
innen der damaligen Politiker,auf sich selber abstrahlen zu lassen und somit bei den Ver-
handlungen um die Neuordnung Europas,ernst genommen zu werden.

Dekaden grauer modischer Jahre zogen ins Land,bis fast 100 Jahre spaeter,dann gleich
zwei international bekannte Modeschoepfer in Wien arbeiteten.

Alfred Adlmueller,ebenfalls Modezar,Homosexuell und fuer verschwenderische Pracht bei
seinen Kollektionen,bei seinen Kundinnen geliebt  und verehrt

und

Gertrud Hoechsmann,welche bekannt fuer ihre persoenliche Introvertiertheit und Schlicht-
heit bei ihren Entwuerfen,war.

Im Gegensatz zu Fred Adlmueller,der verschwenderische Pracht und Farbenvielfalt bei seinen
Kreationen einsetzte,war Gertrud Hoechsmann die "graue Maus" .Gedaempfte Farben und
Weglassen aller ueberfluessiger Applikationen,wurde ihr Markenzeichen.

Gerade Fred Adlmueller verstand es,Filmstars,Politikergattinnen bis hin zur Koenigin von
Thailand,als Kundinnen zu gewinnen.
Dass er dabei auch zu einem ansehlichen Wohlstand gekommen war,ist nicht verwunder-
lich,da seine Kreationen sich preislich von H&M oder Kik doch gewaltig abhoben.

Beide Persoenlichkeiten ruhen schon lange in ihren Graebern und hinterliessen ein modisches
Vakuum.

Dann und wann versuchen einzelne Label ihr Glueck.Diese Designerinnen,werken z.B. in
der Pouthongasse in einem Vorstadtbezirk oder leisten sich,nicht lange,die horrenden Mieten
in der City,bis sie aufgeben oder nach Paris,Mailand oder London ziehen um dort auf den
"Durchbruch" zu warten.

Ein einziges Modehaus in Wien reuessiert - Popp & Kretschmer,gleich neben der Oper und
in diesen Tagen ist dort Hochbetrieb.

Der Opernball steht an und viele Damen der besseren Gesellschaft geben sich jetzt dort die
Klinke in die Hand.
Besuchen sie den Salon um sich die passende Garderobe auszuwaehlen,wird dies zu einem
"Top secret " Ereignis.
Abgeschirmt wie es bei einem Ebolafall ueblich ist,wird mit den Damen bei der Anprobe um-
gegangen.Das Geheimnis,was sie zum Opernball tragen werden,darf unter keinen Umstaend-
en vorher bekannt werden.

Sonst kann die Besitzerfamilie einen Umsatz in 5 -stelliger Hoehe abschreiben.

Ja 10.000 bis 20.000 Euro kostet so ein gutes Stueck,das wahrscheinlich nur einpaarmal ge-
tragen wird,bis es im Kleiderschrank unmodern wird oder nicht mehr "weiter gemacht"
werden kann.

Die Goettergatten der Kundinnen sind aber ohnehin Kummer gewoehnt,haben gelernt zu
Kuschen,wenn es um Mode geht und zuecken,ohne merklicher Schmerzensanzeichen, die Kre-
ditkarte.

Jock










Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 21. Februar 2019, 21:02:44
Wr.Humor - Beispiel

(https://up.picr.de/35121708uu.jpg)

Lg Tw 
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Suksabai am 21. Februar 2019, 21:34:34

Wann ma scho dabei san:

(https://up.picr.de/35121944su.jpg)


 ;)
Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: Lung Tom am 02. März 2019, 18:56:53

Hier ein Artikel aus der MoPo - vielleicht kennt ja Kollege @jock - noch einen Fall ala "Mord im Orientexpress", der sich mit dem...

Hofsalonzug  in Verbindung bringen läßt  ;D
Zugreise mit dem Majestic Imperator von Wien nach Opatija

In der Kaiserzeit fuhren die Majestäten mit dem noblen Hofsalonzug zur Sommerfrische an die Adria. Das geht heute immer noch genauso.

Wien.  Wien, Franz-Josefs-Bahnhof. Geräuschvoll schiebt eine schwarze Lokomotive sieben auf Glanz polierte Waggons zum Bahnsteig 3 des Sackbahnhofs. Es ist Sonntag früh, kurz vor acht. Die S-Bahnfahrer am Gleis nebenan reiben sich die Augen, denn vor ihnen lebt die K.-u.-k.- Zeit neu auf. Die Lok ist von 1905. An den Fenstern der Wagen hängen Rüschengardinen, auf dem Lack prangt in Goldlettern „Majestic Imperator“ samt Doppeladler. Vor den Einstiegstüren sind rote Teppiche ausgerollt.

Eingefahren ist ein Hofsalonzug, in dem Kaiser Franz Josef, Sisi und andere Majestäten gesessen haben könnten, um sich an die Adria zu verfügen. Heute kann jeder mit dem Oldtimer reisen und das einstige Reisegefühl nacherleben. Das Ziel ist Opatija, das Abbazia hieß, als es noch das hippe Seebad der österreichisch-ungarischen Oberschicht war. Damals lag Österreich noch am Meer.

Abfahrt 8.20 Uhr. In den Abteilen sind die Tische für das Frühstück eingedeckt. Aus den Lautsprechern tönt der „Wiener Walzer“. Der kroatische Bordkellner Nikola Psarić ist zu jung, um auch nur irgendeine Meinung zur Epoche der Donaumonarchie zu haben, aber ihm gefällt seine fesche Uniform.

Und hier gehts weiter bzw. komplett:
https://www.morgenpost.de/reise/article216454091/Zugreise-mit-dem-Majestic-Imperator-von-Wien-nach-Opatija.html


Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: jock am 02. März 2019, 20:48:06
@Lung Tom

Hofsalonzug ist ein bisschen uebertrieben,denn vom tatsaechlichen Hofsalonzug,der uebrigens
letztmalig 1919 im Einsatz war,sind nur 2 Waggons uebrig geblieben,die im Museum stehen.

Der als "Hofsalonzug"verkaufter Zug,ist eine Remake und hat mit dem Original nichts zu tun.

Ein bisschen wird die Nostalgie schon befeuert,wenn man sich,die in den Werbeunterlagen
vorgestellte Lokomotive ansieht.
Es ist die Lok der Baureihe 310.23,die 1956 ausser Dienst gestellt wurde und die wenigen
Exemplare dieser Lok,verweilen in den Museen.
Beim Majestic Imperator ist eine E- Lok vorgespannt und keine Dampflok.Das mag vielleicht
fuer die Passagiere eine kleine Enttaeuschung sein.

Angeblich ist erst seit 2013 der Nostalgiezug von einem Unternehmen zu buchen,davor scheint
er(hobbymaessig)nur fuer relativ kurze Strecken im Einsatz gewesen zu sein.

Die "Hall of Fame " verzeichnet prominente Persoenlichkeiten,darunter sogar eine Prinzessin
aus Thailand,den angeblichen Kinderschaender Pater Paterno(gest.2007) oder Franz Antel,
(ebenfalls gest.2007),oder Dr.Christiaan Barnard,(gest.2001),um 1979 war Jimmy Carter in Wien,
aber vielleicht war er spaeter inoffiziell nochmals da,um den Hofzug kennenzulernen.

Dass eine Reihe von Persoenlichkeiten der Habsburgfamilie,einzelne Waggons "tauften", ist
klar.

Etwas fuer Leute,die Geld und Zeit haben und den "Venice-Simplon - London Orientexpress"
schon kennen.

Jedenfalls wird den Passagieren des Majestic Imperator nicht empfohlen,Faustfeuerwaffen mit
zu nehmen,wie es beim "richtigen" Orientexpress zugetroffen hat.

Jock



Titel: Re: Wien,Wien,nur du allein
Beitrag von: TeigerWutz am 26. März 2019, 09:12:53
Aufgeschnappte Erinnerungen an die Lehrzeit

Kellner Fritz beim Vacek-Wirtn (V.Adler-Markt) in Favoriten:

Wos kriangs'n?

Wos hobn's n?

Waun sie mir sogerten wos kriagn, daun kaun i eahna sogn, ob i's hob!

Ein Schitzel mit Erdäpfesolod, bitte.

Na oisdann!

 ;D