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Autor Thema: Wien,Wien,nur du allein  (Gelesen 27027 mal)

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Benno

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #255 am: 27. September 2019, 22:42:24 »

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In einer Zeit des Universalbetruges ist die Wahrheit zu sagen eine revolutionäre Tat (George Orwell)

jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #256 am: 02. Oktober 2019, 11:36:34 »

Die Geschaefte an der Friedhofsmauer

In Traiskirchen, an der hinteren Friedhofsmauer steht auf einer kleinen Gruenflaeche ein
seit Monaten verlassener Kiosk.

Kein Mensch ist zwischen November und Ende August zu sehen und auf der vorbeifuehr-
enden Strasse bleibt kein Auto stehen,sondern faehrt im zuegigen Tempo daran vorbei.

An den letzten Tagen jedes Augusts,aendert sich alles und fuer 2 Monate kehrt Betrieb-
samkeit ein.

Der Kiost wird geoeffnet,gereinigt und eine einfache Sitzbank aufgestellt.
Die Wirtin hat leichte Sommerbekleidung an und klagt ueber die 28 Grad,die die letzten
Sommertage noch bringen.

Spaeter, Ende Oktober wird sie winterlich ausgeruestet und doch frierend,keinen Schritt
von der transportablen Gastherme weichend,den ersten Schneeflocken trotzen.

Dann ist die Weinlese in Traiskirchen vorbei.

Hat der Weinhauer mit Petrus gut verhandelt,hat er eine qualitative und quantitaetsan-
sprechende Ernte eingefahren,optimiert er den Ertrag,indem er an seinem Lokal einen
Buschen anbringt und somit kundtut,der "neue" Wein,will aus den "alten" Schlaeuchen.

In den vorangegangenen Monaten wurde an der Friedshofsmauer Most und Sturm,auch
Staubiger genannt,verkauft.
Spaziergaenger goennen sich eine kurze Rast und die Autofahrer stoppen und nehmen
sich,in 2 lt.Flaschen abgefuelltes "Blut der Erde" mit nach Hause.

Man kennt die Spaziergaenger,aber man kennt nicht die Autofahrer.Und so wird jedes stop-
pendes Fahrzeug zunaecht misstrauisch beaeugt.
Verlaesst der Fahrer sein Fahrzeug und kauft,scheint alles gut zu sein.

Doch parkt das Auto und der Fahrer verlaesst das Fahrzeug nicht,ist Gefahr im Verzug.

Da wird sofort fuer jedes "Achterl" Most eine Rechnung ausgestellt,jeder "Doppler" Sturm
penibel auf der Rechnung vermerkt und in der Registriekasse dokumentiert.

Wenn sich endlich das geheimnisvolle Auto in Bewegungs setzt,setzt unmittelbar Entspan-
nung ein.
Man verzichtet,die Gaeste mit einer Rechnung zu belaestigen und die Registrierkasse un-
noetig abzunuetzen.

Der Weinhauer hat es ohnehin schon schwer genug,denn der Weinbau ist eine reines Lot-
teriespiel.

Nicht nur der Boden ist entscheidend,besonders das Wetter in den vorvergangenen warmen
Monaten.

Ist es zu trocken,ist es nicht gut,ist es zu feucht,besonders vor der Lese,ist es noch schlim-
mer.

In dieser Zeit,wo die Weinlesen stattfinden,wird der Winzer genau seine lokale Wettersituation
studieren,Alarm schlagen,wenn sich zum unguenstigsten Zeitpunkt eine regnerische Kaltwet-
terfront anmeldet und seine Lesemannschaft,mit Methoden,die den Baumwollfarmen in den
USA nicht unaehnlich gewesen waren,antreibt.

Jeder Wassertropfen,der die Trauben erreicht,mindert die Qualitaet,dagegen ein hohes Oechsle-
Grad ist des Winzers Lust.

Ist die Lese vorbei verwaist der Kiosk wieder und die Winzerin gewinnt wieder an Temperatur.

In den Kellern nimmt der junge Wein langsam Gestalt an,wird,sobald er kredenzt wird,beroch-
en,gebissen und beurteilt.

Nur jene Trauben,die fuer den Eiswein vorgesehen sind,bleiben bis Jaenner an den Stoecken,
bevor Gestalten,deren Outfit an Eskimos erinnern,auch die ablesen.

In kleineren Flaschen wird der Eiswein zu guten Preisen angeboten und ich rate jeden davon
ab,den Inhalt als Durstloescher in groesseren Mengen zu trinken.

Das Schaedelweh,das folgt dauert garantiert bis Ostern an.

Jock



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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #257 am: 06. Oktober 2019, 09:10:42 »

Die Tapetentuere

Vom ehemaligen Schlafzimmer der (Kaiserin) Maria Theresia fuehrt eine rote Tapeten-
tuere in einen anschliessenden Raum,der heute als Buero des Bundespraesidenten
dient.

Die Tuere ist mit roter Seidentapete bespannt und die Klinke kindersicher in Augen-
hoehe eines Erwachsenen angebracht.Das Muster der gewebten Seidentapete ist gut
150 Jahre alt und die Weblehren werden bei der Firma Backhausen sorgfaeltig aufbe-
wahrt,denn womoeglich muss man,weil man ja nicht weiss,was dem Bundespraesident-
en noch einfaellt,neu tapezieren.

Als es sicher war,dass  Alexander Van der Bellen als Bundespraesident das Amt ueber-
nehmen wird,trat die Leitung des Bundesdenkmalamtes zu einer Krisensitzung zusam-
men.

Das erste Problem,das es zu besprechen war,ist seine Nikotinsucht.Van der Bellen ver-
qualmt pro Tag 2 Packungen Chesterfield rot und bevor er vom Laster abfaellt,verzichtet
er lieber auf das Amt.
In diesem imperialischen Gemaeuern der Hofburg ist allgemeines Rauchverbot,weil die
Hofburg,neben Belvedere oder Schoenbrunn als oeffentlicher Raum gilt.

Man loeste das Problem,indem man sein Buero zu einem nichtoeffentlichen Raum er-
klaerte und einen kristallglaesernen Aschenbecher auf seinen Schreibtisch stellte.

Sonst haette VdB entweder ins Freie gehen muessen oder auf dem Balkon rauchen.

Er muss ja ohnehin 2 x am Tag,ohne einen oeffentlichen Termin wahrnehmen zu mues-
sen,die Hofburg  bzw. sein Buero verlassen.
Schuld daran ist sein Hund,der das eine oder andere Geschaeftchen erledigen will.

Immer hat VdB bei der Gelegenheit ein "Sackerl fuer's Gackerl"mit,das er umweltfreund-
lich,seiner gruenen Herkunft erinnernd,entsorgt.

Ob sein Staatsgast,derweilen zu warten hat,weiss man nicht und die Besprechung wuerde
erst dann forgesetzt werden,wenn sich sein Hund wieder ins Hundebett begeben hat.

Der Bundespraesident hat ein grosses Pouvoir.Er ernennt die Bundesregierung,kann sie
andertags wieder absetzen,erklaert uneheliche Kinder zu ehelichen,verleiht Titel und
Orden,unterschreibt Gesetze und Kriegserklaerungen u.s.w.

Nur eines darf er,um Gotteswill,niemals tun.

Niemals,in seinem Buero,mit einen Hammer einen Nagel einschlagen und ein Bild daran
aufhaengen.
In dem Fall wuerde der Chef des Bundesdenkmalamtes Suizid begehen.

Praesidenten werden auch mit Autos gefahren.

VdB bevorzugte ja einen Alfa Romeo oder zumindest ein E-Mobil der Firma Tesla.Beides
wurde ihm aus Sicherheitsgruenden untersagt und muss sich daher mit einem 7- BMW
der schon sein Vorgaenger benuetzt hat,begnuegen.

Die Wahl der praesidentialen Fahrzeugen ist immer auch eine poltisch/wirtschaftliche
Entscheidung.

Die Praesidenten der I.Republik fuhren Fahrzeuge von Daimler und Graef & Stift.Dann
in der II.Republik einen Strassenkreuzer der Marke Chrysler Imperal,als Dank,dass uns
die Amerikaner in den Marshall - Plan miteinbezogen hatten um dann auf einen Mercedes
Pullman umzusteigen.
Dieses Fahrzeug wurde bald als zu protzig empfunden und man wechselte auf ein "kleineres"
Modell von Mercedes,das aber auch etwas "hergab".
BMW kam deswegen zum Zug,weil diese Firma ein Motorenwerk in Steyr betreibt.

Den Praesidentenfahrzeugen  ( und Dienstfahrzeuge anderer Amtstraeger ) widmet sich
eine eigene Strassenverkehrsverordnung.

Wohl darf vorne am Fahrzeug ein Bundesadler statt eines Nummernschildes prangen,doch
auf der Rueckseite muss ein amtlich zugelassenes Kennzeichen montiert sein, ( W 1000)
da sonst ein Dorfgendarm einen Strafzettel  verpassen koennte.

"Vurschrift ist Vurschrift" darauf bremst die Republik und so ist es nicht verwunderlich,
dass die Oesterreicher,damals am 15.Mai 1955 beinahe vergebens auf den Augenblick ge-
wartet haben,wo ihnen der Aussenminister Figl am Balkon des Schlosses Belvedere den
unterschriebenen Staatsvertrag vorgezeigt hat.

Als Figl mit dem Staatsvertrag auf den Balkon treten wollte,wollte man ihn daran hindern,
weil der Balkon nicht bautechnisch kommissioniert war.

Von den zwei Hundebetten im Buero der Aussenministerin der Regierung Kurz I. wird noch
zu schreiben sein.

Jedenfall steht fest,dass die Regierungen in Oesterreich tierfreundlch waren und es auch sein
werden.
Viele Oesterreicher sind der selben Meinung und sagen es mit den Worten :" Die haben ja
einen Vogel".

Jock










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namtok

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #258 am: 06. Oktober 2019, 14:57:10 »

Das erste Problem,das es zu besprechen war,ist seine Nikotinsucht.Van der Bellen ver-
qualmt pro Tag 2 Packungen Chesterfield rot und bevor er vom Laster abfaellt,verzichtet
er lieber auf das Amt.

Nun letzteres wäre wohl die bessere Lösung gewesen, so ein zweifelsfrei demokratisches Mandat hat er ja durch die Umstände seiner Wahl schliesslich auch nicht, stattdessen bekommt er auch noch eine  rechtlich fragwürdige persönlich zugeschnittene "Ausnahmeregelung"...
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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #259 am: 06. Oktober 2019, 17:05:17 »

@namtok

Selbstverstaendlich hat VdB ein zweifelsfrei demokratisches Mandat.

Da widerspricht nicht einmal Ing.Hofer,der unterlegene Kandidat.

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Suksabai

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #260 am: 06. Oktober 2019, 20:40:06 »



Es bleibt abzuwarten, wie lange der "rote Heinzi" noch auf Erden wandelt -

aber sonst traue ich mich jetzt schon zu prophezeien, dass VdB als der österreichische Präsident in die Annalen eingehen wird, der Österreich am meisten gekostet hat.

Die Restaurierungskosten seiner Amts- und der angrenzenden Räume aufgrund seiner Qualmerei werden enorme Höhen erklimmen.

Bin selbst starker Raucher, aber hier fehlt mir das Verständnis...



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Ich kann, wenn ich will. Und wer will, dass ich muss, der kann mich mal !

Helli

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #261 am: 07. Oktober 2019, 16:01:20 »



Es bleibt abzuwarten, wie lange der "rote Heinzi" noch auf Erden wandelt -

aber sonst traue ich mich jetzt schon zu prophezeien, dass VdB als der österreichische Präsident in die Annalen eingehen wird, der Österreich am meisten gekostet hat.

Die Restaurierungskosten seiner Amts- und der angrenzenden Räume aufgrund seiner Qualmerei werden enorme Höhen erklimmen.

Bin selbst starker Raucher, aber hier fehlt mir das Verständnis...

Wie schnell sich doch die Zeiten ändern! Kohl war Raucher (Pfeife), Brand war Raucher (Zigarillos) und Schmidt war Kettenraucher. Hat das zu deren Amtszeiten jemand interessiert?
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Ein Moselaner regt sich nicht über Dinge auf, die er nicht ändern kann.

crazygreg44

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #262 am: 07. Oktober 2019, 17:00:27 »


Die Restaurierungskosten seiner Amts- und der angrenzenden Räume aufgrund seiner Qualmerei werden enorme Höhen erklimmen.


 . . die Nachfolger in den Amtsräumen sollen sich mal nicht so anstellen! Ein paar Sprühdosen Veilchenduft tun es auch
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Suksabai

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #263 am: 07. Oktober 2019, 17:59:09 »

Wie schnell sich doch die Zeiten ändern! Kohl war Raucher (Pfeife), Brand war Raucher (Zigarillos) und Schmidt war Kettenraucher. Hat das zu deren Amtszeiten jemand interessiert?

Hier geht es ja primär nicht ums Rauchen, somdern seine Folgeerscheinungen. Unser Präsi residiert in historisch schützenswerten Räumen aus der Kaiserzeit,

auch die dort aufgehängten Gemälde sind von beachtlichem Wert.

Kann mir absolut nicht vorstellen, dass der Teerfilm auf Stuck, Seidentapeten und Gemälden wertsteigernd sein sollte.

Da werden dann Experten des Bundesdenkmalamtes anrücken müssen...

Aber das ist nur ein Aspekt bei der Sache.

Der andere ist dieser, dass man dem "kleinen Mann" in Extremfällen sogar das Rauchen auf dem Balkon verbietet, nur weil sich die Nachbarin oberhalb belästigt

und gesundheitsgefährdet sieht (vom Rauchverbot in der Gastro ganz zu schweigen) - das Personal der Präsidentschaftskanzlei hingegen ist "wurscht"...

Tja, wie man sieht, auch in Österreich gibt es "gleiche" und "gleichere" Bürger...

Btw. gab es bei Kohl, Brand und Schmid noch keine Anti-Raucher-Hysterie...




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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #264 am: 12. Oktober 2019, 12:52:19 »

Die Tabak- Trafik von der Existenzbasis zur Goldgrube


Seit jeher hatte der Staat das Tabakmonopol und war daher berechtigt "Lizenen"
fuer den Verkauf von Tabakwaren zu verleihen.

Betreiber einer Tabak- Trafik waren,nach dem 1. und 2. Weltkrieg fast ausschliesslich
Kriegsversehrte und Kriegswitwen,um ihnen eine Existenz zu gewaehrleisten.

Nach 1945 war  Oesterreich vor das Problem gestellt,sich um ca. 400.000 Kriegs-
opfer zu kuemmern.Die Rentenleistungen war die eine Moeglichkeit,die andere Moegl-
lichkeit war,ihnen eine Ueberlebensbasis zu verschaffen,indem man ihnen eine Tabak-
Trafik zuwies.

Alleine in Wien gab es zu dieser Zeit einige Tausend Tabak-Trafiken,die Rauchwaren, Zeitungen,Ansichtskarten,Briefmarken, Stempelmarken und sonstige Papierkleinwaren
anboten.

Reich wurde dabei niemand aber es half,bei einigen Versehrtenfamilien den sozial - ge-
sellschaftlichen Druck zu nehmen,der meist nach einem verlorenem Krieg ans Tages-
licht kommt.

Von der Vorkriegszeit her,schwappte noch die patriachalische Einstellung zur Familien-
hirachie ueber,dass viele Probleme interfamiliaer bedeutete.

Das Familienoberhaupt und Ernaehrer seiner Familie kam als "Krueppel" aus dem Krieg.
Bein-Armamputierte,Blinde und Traumatisierte (Kriegsschuettler)war oftmals angewiesen,
von ihren Frauen gepflegt zu werden.
Diese Abhaengigheit auf seitens des Mannes und der Ueberforderung der Frau,die nun
die ganze Last der Erziehung,Ernaehrung,Versorgung und Pflege aufgebuerdet bekam,
waren Gruende,dass die Scheidungsraten in die Hoehe gingen.
Dabei war Kriegsinvaliditaet kein Scheidungsgrund.

Damals waren Kriegsinvalide im staedtischen Strassenbild eine taegliche Erscheinung.
Beidseitige Beinamputierte sassen auf selbstgebauten,mit Raedern versehene Holzunter-
gestellen und bewegten sich mittels abgeschnittener Skistoecken weiter.Blindenhunde
fuehrten ihre Herrchen sicher durch die Stadt und die Stadtverwaltung sorgte dafuer,
dass diese bevorzugt Wohnungen bekamen,wenn sie keine hatten,weil ausgebombt.

Mit der Zeit wurden die Verhaeltnisse besser.

Raucher stopften immer weniger ihre Zigaretten selbst,sondern kauften sie fertig.Erst
einzelne,dann schon ganze Packungen oder gar stangenweise.
Die Umsaetze in den Trafiken steigert sich mit den Jahren,weil neben Toto auch Lotto
scheine dort angenommen wurden,Fahr - und Parkscheine kaeuflich erworben werden
konnten,das Zeitungs-und Magazinenangebot groesser wurde  u.s.w.

Heute gibt es in Wien nur mehr ca. 500 Trafiken und es werden immer weniger.

Obwohl die Beschraenkung der Zuteilung nur an Invalide schon laengst aufgehoben
wurde,sind kleine,nur ein paar Quadratmeter grosse,in Seitengassen liegende Trafiken
ein Auslaufmodell.

Und trotzdem sind Trafiken an exponierten Lagen Goldgruben,um die hart gekaempft
wird.

Otto Normalverbraucher,beidseitig arm-und beinamputiert,dazu blind,traumantisiert
und mit Leberzirrhose hat keine Chance,auch nur in die Naehe einer Zuteilung zu kom-
men.

Dafuer muss man schon sehr gute Verbindungen zum Finanzminister haben,wenn man
z.B. eine Trafik in einem grossen Einkaufscentrum oder am Hauptbahnhof betreiben will.

Jock




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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #265 am: 17. Oktober 2019, 12:34:31 »

Buergermeister von Wien

Es ist der Traum von H.C.Strache einmal Buergermeister von Wien zu werden.

Zu diesem Behufe koennte er nochmals in die politische Arena einsteigen,doch die
Chancen stehen derzeit schlecht.

Er wuerde sich in die lange Reihe der Buergermeister von Wien,die mit Konrad Poll
im Jahre 1282 beginnt und nun bei Herrn Ludwig angekommen ist,einreihen.

Fast alle Buergermeister,die seit 1945 im Amt waren,koennen auf eine gute Weile an
Amtsjahren zurueckblicken,bis auf einen.

Rudolf Prikryl ist sein Name und seine Amtszeit dauerte gerade mal 3 Tage.

Im April 1945 ging es in Wien drunter und drueber.Die NAZI - Amtsinhaber machten
sich teils aus dem Staub,teils tauchten unter oder beschworen,beim Augenlicht ihrer
Kinder,niemals Nazis gewesen zu sein.
Viele der Beamten waren noch im Krieg,Wien war zerbombt,die Bevoelkerung fuerchtete
die Sowjets,nichts funktionierte - kurz es herrschte Chaos.

Am 13.April 1945 tauchte ein Mann in Begleitung seiner Tochter,die eine Schreibma-
schine mitschleppte im Rathaus auf und gab sich als,von den Sowjets ernannter Buerger-
meister aus.

Er besetzte ein Buero und begann sofort mit der amtlichen Arbeit.

Auf Briefbogen der Stadt,teilte er Wohnungen zu,stellte Genehmigungen und Passier-
scheine aus und schmueckte sie mit einem eindrucksvollen Stempel samt Unterschrift.

Am 16.April 1945 endete seine Amtszeit schon wieder und er verschwand von der Ober-
flaeche.

Wer war dieser Mann ?

Erlernt hat er den Beruf eines Installateurs,ging nach der Pleite seines Betriebes nach
Spanien,kaempfte dort bei den Internationalen Brigaden,wo er einen Sowjet als Kamer-
aden kennen lernte.
Irgendwann kam er wieder nach Wien zurueck und traf zufaellig den damaligen Kampfge-
faehrten,der inzwischen eine hoeherer Offizier geworden war.

Nach der Erzaehlung von Prikryl ernannte dieser ihn zum Buergermeister.Eine Geschichte,
die allerdings nicht authentisch sein duerfte und eher nach einem "Hauptmann von Koep-
enik" - Vorgang erinnert.

Nach der kurzen Zeit als Buergermeister,wobei er keine Pensionanspruecher erwerben kon-
nte,eroeffnete er wiederum einen Installateurbetrieb,starb aber verarmt 1965.

Ein kleines Dankeschoen fuer sein verdienstvolles Wirken als Buergermeister gab es aber
schon noch.

Sein Grab im Urnenhain in Simmering hat die Gemeinde Wien ehrenhalber gewidmet.

Jock
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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #266 am: 21. Oktober 2019, 11:12:09 »

Kammerschauspieler,Kammersaenger u.s.w.

Das Seniorenheim fuer alte Kuenstler in Baden meldete einen Todesfall.

Lotte (von) Tobisch- Layotin ist 93 jaehrig verstorben.Diese Tatsache wird allgemein von der (bes-
seren) Presse als Skandal empfunden.

Sie war Kammerschauspielerin und glaenzte 1 1/2 Jahrzehnte als Organisatorin des Opernballs.
68 Jahre wohnte sie unweit der Oper und zog erst in hohen Jahren ins Seniorenheim nach Baden,
wo sie eine Suite bewohnte und dafuer ca.2.400 Euros pro Monat zahlte.Allerdings ist da alles
(Wohnen,Essen und medizinische Betreuung) inbegriffen.

An ihre Karriere als Schauspielerin koennen sich nur ganz alte Burgtheaterbesucher erinnern,
da ihr letzter Auftritt auf der Buehne in den 60ger Jahren stattfand.

Zoege es mich auf die Buehne oder zum Film,und waere ich ueberzeugt ein Weltstar zu werden,
ginge ich nach Hollywood.
Reicht es dazu nicht,dann zum Burgtheater.

Sind meine Stimmbaender geeignet,Placio Domingo vor Neid erblassen zu lassen,hoerte man
mich in der Scala oder in der Metropolitan Opera.
Wenn das nicht zutrifft,dann reihe ich mich in das Ensemble der Staatsoper in Wien ein.

An diesen Haeusern ist man bestens aufgehoben und erfreut sich Privilegien,von denen der ge-
meine Arbeiter nur traeumen kann.

Endgehaelter bei (alten) Vertraegen monatlich zwischen 6.000 und 9.000 Euros ( 14 x pro Jahr)
Keine Verpflichtung zur Buehnenleistung,wenn der Direktor oder Regisseur,einem nicht ein -
setzt.
Ein bisschen Nebengeld kann man noch verdienen,wenn man an einer anderen Buehne enga-
giert wird.
Mit dem Krankenschein (heute E-card) kann man zum Arzt und mit 65 wird man pensioniert,wo
80 % des Letzbezuges als Pension ueberwiesen werden.

Johanna (Hannerl) Matz war in den 50 gern Volksschauspielerin und ihre Rolle als "Wiener Maedl)
gerne gesehen.
Nach kurzen Aufenthalt in Hollywood,hatte sie 1960 ihren letzten Buehnenauftritt und spaeter
noch einige Mitwirkungen in Fernsehfilmen.

Dann wurde sie vergessen,doch sie lebt.Zwar zuerueckgezogen,aber nicht am Hungertuch nagend.

Privilegienstadl nennt der Boulevard das Burgtheater oder die Oper.,dabei bemueht man sich,das
Geld der Steuerzahler mit vollen Haenden beim Fenster hinauszuwerfen.

Mit vollem Erfolg muss man neidlos eingestehen.

So wurde einer Schauspielerin,die nicht an der Burg eingesetzt wurde,40.000 Euro in bar ausbe-
zahlt und dies unter "Regieassistenz" verbucht.
Da zahlte man einen Buehnenmacher (Schlingensieg) noch Jahre nach seinem Tod 6.000 Euros
aus.
Da wurde einem zukuenftigen Burgtheaterdirektor bar auf die Hand betraechtliche Betraege aus-
bezahlt und dies mit Vorschuesse auf Regietaetigkeit begruendet.
Bei seinem Jahresgehalt von 220.000 Euros waeren ja Regiearbeiten mit eingeschlossen gewesen
sein.

u.s.w.

Angesichts dieser paradiesischen Zustaende versuchte ich,mein bescheidenes Dasein kuenstlerisch aufzufetten - als Opernsaenger.

Als ich gerade tremolierte "Ach ich hab sie ja nur auf die Schulter gekuesst",frug meine Frau spitz,
wie denn sonst die Lady gewesen sei.
Und als dann die Hunde mitjaulten,gab ich auf.

Jock



« Letzte Änderung: 21. Oktober 2019, 11:24:29 von jock »
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Arthur1368

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #267 am: Gestern um 16:40:45 »

Ja das erinnert mich frappant an einen Besuch des Burgtheaters bei mir wars "Hamlet" aber die Erkenntnis war ok das wars...
brauch ma nimmer machen  :]
MfG
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