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Autor Thema: Wien,Wien,nur du allein  (Gelesen 21356 mal)

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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #210 am: 24. April 2019, 13:18:59 »

Wenn voraussichtlich im Herbst 2020 blank gewienerte schwere Limousinen am Berliner
Flughafen vorfahren,wird die hochverehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel und einem
Tross Minister die Honoratioren von Berlin und Brandenburg antreffen,um das Jahrhundert-
bauwerk eroeffnen.

Man wird das hochmoderne Gebaeude preisen und Berlin als an die Welt angebunden erklaeren.

Damit wird Berlin endgueltig,wenn auch mit kleiner Verzoegerung Weltmetropole.

Ein epochales Ereignis,das Wien schon lange hinter sich hat,denn was "Flughaefen" betrifft,
ist Wien einsamer Spitzenreiter,denn keine andere Weltstadt hatte mehr Flughaefen und
" Flughaefen"als diese Stadt.

Begonnen hatte es bereits 1909 als am Flugfeld "Simmeringer Haide"das erste Flugzeug ab-
hob und bereits ein Jahr spaeter zu einem Langstreckenflug startete.Die Strecke war Wien-
Wr.Neustadt-Wien - immerhin waren rund 90 Km zurueckzulegen.
Das Streckennetz reichte spaeter bis bis Lemberg und Kiew und wurde planmaessig beflogen.

1912 ging man das Projekt "Grossflugfafen Aspern" an.Als er ein paar Jahre spaeter eroeffnet
wurde,war er der modernste Flughafen Europas und hatte 3 Start und Landebahnen.

Das Flugfeld Fischamend,knapp ausserhalb aber im Einzugsbereich Wiens gelegen,war der
naechste Flughafen,der errichtet wurde.1917 wurde an diesem Standplatz der erste Windkanal
fuer Flugzeugentwicklung eingerichtet.

Der Flughafen Hennersorf haette der Ausgangspunkt fuer einen globalen Aviatikriesen werden
koennen,der Boeing oder Airbus als Hinterhofbastelstube erscheinen liesse.
Denn 1913 nahm die "Karosserie - und Flugzeugfabrik" Dr.Wilhelm von Gutmann die Produktion
von Flugzeugen auf,wo die Erprobungsfluege vom Flughafen Hennersdorf durchgefuehrt wurden.

Leider musste nach den Vertraegen von St.Germais alle Flugzeugfabriken eingestellt werden und
alle technischen Einrichtungen waren zu demontieren.

Nur der Flughafen Aspern blieb in Betrieb,weil die Entente-Maechte die Kontrolle uebernahm.

Die Wiener liessen sich nicht unterkriegen und eroeffneten im Mai 1923 den Flughafen Jedlesee
und fast gleichzeitig den Flughafen "Nussdorf".
Waehrend vom Flughafen Jedlesee die Strecke Wien - Muenchen geflogen wurde,war der Flug-
hafen Nussdorf auf der Strecke Wien - Budapest im Einsatz.
Man sollte jedoch hervorheben,dass Wien- Budapest mit Wasserflugzeugen bedient wurde und
z.B. in Budapest gleich neben den Hotel "Gellert"auf der Donau landeten.

Neben den "Flugplaetzen"Reichsbruecke,Winterhafen und Kahlenbergdorf ist noch der "Inter-
nationale Flughafen Mauer" zu erwaehnen.
Dieser hatte allerdings kein langes Leben,denn 1929 wurde ihm die Betriebsbewilligung entzogen.

Als Ersatz wollte man den Flughafen Inzersdorf errichten,doch das Projekt verlief sich.

Am 14.Mai 1938 war Hermann Goering bester Laune,da er den Spatenstich fuer Wien-Schwechat
vornahm.Gerne haette er,dass sein Name den Flughafen traegt und einige Spaet -und Neonazi
traeumen heute noch davon.
Konzipiert war er damals als Militaerflughafen,wurde aber nach dem Krieg als Zivilflughafen aus-
gerichtet und ist heute der groesste Internationale Flughafen Oesterreichs.

Die Tausendjaehrigen errichteten weitere Flugplaetze,wie Langenlebarn,Zwoelfaxing,Seyring,
Muenchendorf und Ebergassing,wobei nur Langenlebarn als Militaerbasis ueberlebt hat.

Nicht nur die Wiener haben an Flughaefen einen Narren gefressen,auch die Besatzungsmaechte
die da ab 1945 bis 1955 das Sagen hatten.

Flugs errichteten sie weiter Flughaefen,an die sich heute nur die Graubartigsten und Weisshaar-
igsten erinnern.

Zum Beispiel an den Flughafen Schoenbrunn oder an den Flughafen Heiligenstadt.Oder an das
britische Flugfeld Kuenigelberg,das zu einer Verstimmung im Alliierten Rat zur Folge hatte.

Die obigen Flugplaetze waren alle in Betrieb doch es reichte noch immer nicht.

Das Projekt "Grossflughafen Simmering" wurde in Angriff genommen.Ausschlaggebend dafuer war
die Blockade Berlins und man fuerchtete,dass die Sowjets Wien ebenfalls blockieren wuerden.

Um die Versorgung der Bevoelkerung Wiens durch die Luft sicherzustellen,wollte man schnell
diesen Flughafen bauen.Ganz konnte man sich nicht einigen,wo er errichtet werden sollte und
schlug vor laengs des Zentralfriedhofs das geeignete Gelaende zu nutzen.

Bevor jedoch noch die Planungen abgeschlossen waren,hatte sich die Blockade Berlins aufgehoben
und darauf verzichtete man diesen Versorgungsflughafen zu errichten.

Damit die Projektplaner nicht arbeitslos werden,wurden weitere "Flughafenprojekte" iniziiiert.

Der Flugplatz Dornbach,der Flugplatz Nussberg,der Flugplatz Krottenbachstrasse und der Flug-
platz "Schoenbrunner Schlosspark" standen am Pruefstein.

Gottseidank wurde keines der Projekte ausgefuehrt.

Heute ist Wien das einzige Bundesland,das keinen eigenen Flughafen auf seinen Territorium hat,
denn Schwechat liegt in Niederoesterreich.

Jock

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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #211 am: 09. Mai 2019, 09:32:06 »

Der bemerkenswerte Harndrang im Cafe Kolonitz

Das Cafe Kolonitz war im 3.Wr.Gemeinebezirk beheimatet.Der 3.Bezirk ist an und fuer sich ein "Nobelbezirk",denn Prinz Eugen von Savojen liess sich dort ein "Haeuschen" errichten und viele
auslaendische Botschaften haben entlang des Rennweges und Abseits ihre Adresse.

Nur an den Raendern franst das "Noble" etwas aus.Im Erdberg waren einst einige drollige und
auffaellige Figuren zu Hause und in der Gegend zur Weissgerberlaende vermeint man heute noch
den Kohldampf zu riechen.

Genau dort,Naehe Weissgerberlaende,ereigneten sich vor 51 Jahren,am 9.Mai im Cafe Kolonitz
zwei bemerkenswerte Ereignisse.

Zuerst eine Schiesserei und im Laufe dieser,diesen bemerkenswerten Harndrang.

Der Schauplatz hinterliess eine tote Frau und schwerverletzte Unterweltkoenige,sowie 20 Maenner
die das Ereignis allerdings verpassten,da sie alle,wie sie dem Gericht berichteten,gleichzeitig auf
der Herrentoilette waren.

Schiessereien,zum Zwecke geschaeftliche Auseinandersetzungen zu regeln,waren zu dieser Zeit
nicht ungewoehnlich.

Unvergessen die Schiesserei in der Ausstellungsstrasse,wo 2 Unterweltler 37 Mal aufeinander
schossen,ohne zu treffen.
Nach dem 37.Schuss beendeten sie die Schiesserei und begaben sich wahrscheinlich zu ihren
Augenaerzten um ihr Sehvermoegen ueberpruefen zu lassen.

Alle,der Schoene Ederl,der Gschwinde,der Notwehrkrista,die Schmutzer Buam u.v.a. trugen statt
eines Haarkammes eine Puffn in der Tasche und eine goldene Rolex am Arm.

Ein mittlerweile verstorbener Bekannter,der in Thailand lebte,verdiente sich eine vergoldete
Nase,indem er bei seinen Wienbesuchen,gefakte "goldene" Rolexuhren mitbrachte und sie an
die Zuhaelter,den Saugern und den Gorillas verkaufte,die damals noch nicht die Bonitaet hatten,
eine originale Rolex zu kaufen.

Die Schuesse im Cafe Kolonitz markierten aber auch den Anfang des Endes der Platten.Ein Stru-
kturwandel erfasste die Unterwelt und Mitglieder der osteuropaeischen Unterwelt eroberten nach
und nach das suendige Nachtleben am Guertel und im Prater.

1978 erschien ein Werk mit dem Titel "Der Minusmann".Der Autor,ein Unterweltler mit dem Namen
Heinz Sobota,beschrieb nicht nur das Milieu sondern auch sein Leben als Krimineller.

Besonders realistisch beschreibt er,wie eine junge Frau zur Prostituierten "abgerichtet" wird
und sparte dabei nicht die sexuelle Methode dazu aus.

Da diese Methoden Katholiken unbekannt sind,war zu erwarten,dass das Buch ein Renner wird.

Und tatsaechlich,die Erstauflage von 600.000 Exemplaren war innerhalb eines Tages ausverkauft.

Herr Sobota,der oft im Gefaengnis sass und substandardig wohnte,wurde bei seiner Lesereise in
Luxushotels untergebracht und kam kaum mit dem Geldzaehlen nach.

Zudem verliebte sich eine reiche Frau aus Muenchen in ihn,sodass er "ausgesorgt" hatte.Er
wohnte in einer Villa,hatte zwei Jaguars in der Garage,doch ganz konnte er sein Milieu nicht ab-
streifen.

Die schwere goldene Panzerkette war immer am weit aufgeknoepften Hemd sichtbar und nach wie
vor rauchte er filterlose Gitanes.

Er war einer der letzten bekannten Unterweltler,nach dem sich der "Rote Heinzi" aus dem Fenster
gestuerzt hat und auch das "Cafe Kolonitz" gibt es so nicht mehr.

Heute nennt sich das Lokal " Kolonitz Beisl "und wirbt mit Hausmannskost.

Man sieht - Alles wird wieder gut.

Jock
« Letzte Änderung: 09. Mai 2019, 09:37:29 von jock »
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