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Autor Thema: Wien,Wien,nur du allein  (Gelesen 30028 mal)

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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #300 am: 09. Dezember 2019, 19:07:05 »

Josefine Mutzenbacher und ihre Zeit

Was Rosemarie Nitribitt fuer Frankfurt ist,ist Josefine Mutzenbacher fuer Wien.

Beide waren im horizontalen Gewerbe taetig,beide kamen zu einer gewissen finanziellen Sub-
stanz ( 70.000 DM auf der Bank und 20.000 DM in bar,bei Nitribitt) und beide entstammten
keinen guten Familienverhaeltnissen.

Wo es einen Unterschied gibt,so liegt dieser darin,dass Frau Nitribitt (wahrscheinlich) kaum
irgendeinen koerperlichen Genuss bei ihreren Sexualakten gehabt haben wird,sondern diese
einem finanziellen Erfolg unterordnete und sich generalstabsmaessig darauf vorbereitet hat.

Es ist belegt,dass sie Englisch und Franzoesisch gelernt hat und Kurse fuer gutes Benehmen
buchte.Auch ihr Fahrzeug ( SL 190 ),mit dem sie auf Kontaktaufnahme mit besser gestellten
Maennern unterwegs war,deutet darauf hin.

Ein triviales Detail ist,dass eine unverdaechtige Frau eines Generaldirektors, Mercedes auf-
forderte,ihren ebenfalls schwarzen SL 190 gratis umzulackieren,weil sie bei Ausfahrten unter
Avancen fremder Maenner zu leiden hat,die dachten sie sei Frau Nitribitt.

Frau Nitribitt hatte ihre Zeit als Postituierte waehrend des Wirtschaftswunderzeitraums in Deut-
schland.

Der Krieg war ueberwunden und langsam kamen auch die "niedrigeren" Schichten zu kleinem
Glueck und bescheidenem Wohlstand.Die Moeglichkeiten "aufzusteigen und etwas zu werden"
mussten nur genutzt werden,denn sie lagen (sprichwoertlich) auf der Strasse.
Als Oswalt Kolle dann die Deutschen aufklaerte und sie hinwies,dass es so etwas wie Sex gibt
und dass er sogar Spass macht,waren sie nicht nur erstaunt,sondern es aenderte sich auch das
Rollen-und Frauenbild langsam damit.

Kinder und Jugendliche waren besonders davor geschuetzt,fruehe sexuelle Erfahrungen zu machen.
Sei es durch eine mindest 8 -jaehrige Schulpflicht,Jugendaemter,Gesetze oder durch eine moral-
ische Lebenseinstellung der Eltern.

Das alles fand Josefine Mutzenbacher nicht vor.

Zwar war in der Zeit von 1870 bis 1914 eine Phase,die man auch Wirtschaftswunderzeit(auch als"Gruenderzeit" bekannt),nennen kann,doch die Gesellschaftsklassen blieben stabil.

Die kleine Schicht der Aristokratie,die groessere Schicht des Buergertums und das unueberschau-
barte Heer des Proletariats.

Nur vereinzelt gelang es,Unterschichtige (m/w)in eine hoehere Klasse aufzusteigen.Die Familie
der Josefine Mutzenbacher gehoerte dem Proletariat an und es war unvorstellbar,aus diesem
Korsett zu entkommen.

Daher machte man sich auch keine grossen Gedanken,sondern war "zufrieden" in seinem gewohn-
ten Genre zu leben und halt irgendwie finanziell ueber die Runden zu kommen.

Heute ist es unverstaendlich,dass bei diesen Zustaenden nicht eine Revolution ausgebrochen ist.

Der naechste Beitrag beleuchtet das Milieu der Josefine Mutzenbacher und ihre Einstellung zum
Sex.

Jock




« Letzte Änderung: 09. Dezember 2019, 19:12:13 von jock »
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Don Patthana

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #301 am: 09. Dezember 2019, 21:53:18 »

Mutzenbachers Josephine war eine Romanfigur-
Maria Rosalia Auguste Nitribitt hingegen gabs wirklich

Auch nicht wichtig

Die sogenannten Wiener Würstchen wurden von einem Frankfurter erfunden
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Say_What??

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #302 am: 09. Dezember 2019, 22:48:35 »

war am Würstelstand am Graben. Und dort stand wirklich Wiener Würstchen auf der Karte statt Frankfurter für Frankfurter. Fragte sogar den Verkäufer dort. Was total sinnlos war. Denn der, scheinbar eine billige Kraft von auswärts, konnte das nicht beantworten, wusste gar nicht um was es geht.         
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schiene

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #303 am: 09. Dezember 2019, 22:58:39 »

wie @Don Patthana schon schrieb.
Die Josefine Mutzenbacher ist eine Romanfigur was aber scheinbar @jock (wie auch
im realen Leben) nicht stört alles zu vermischen und nach seinen Wünschen und Vor-
stellungen zu gestalten.
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das ist und bleibt der Denunziant.

TeigerWutz

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #304 am: 09. Dezember 2019, 23:02:32 »

.
Die "Josefine" (Club-Bar) war im Erschtn, in der Sonnenfelsgasse 9 !!    :-)


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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #305 am: 09. Dezember 2019, 23:21:24 »

@Don Patthana

Das ist voellig richtig - Josefine Mutzenbacher ist eine Romanfigur.Ich bin aber schon
davon ausgegangen,dass man das weiss.

Warum ist der Roman so bekannt ?

Zunaechst wird als Autor Felix Salten genannt,obwohl das Buch 1906 anonym er-
schienen ist.Salten war ein durchaus ein anerkannter Schriftsteller und Journalist,der sich
zwar nicht als Autor bekannte,aber auch nicht die Urheberschaft dementierte.

Zweitens gilt der Roman als herausragendes Werk der erotischen Literatur.( Ich selbst
habe ich das Buch nie gelesen,auch Lolita nicht).

Der Grund,warum ich mich damit beschaeftige,ist die ausgezeichnete Milieustudie einer
sozialen Unterschicht und wirft auch ein Schlaglicht auf das Sexualverhalten dieser.

Als Kontrast dazu,stelle ich die Behandlung dieses Themas im Buergertum und in der
Aristokratie vor und moechte die Stellung der Frau in diesen Kreisen streifen.

Wenn man danach die Schablone der frueheren Begebenheiten ueber die heutigen,in
Europa herrschenden Zustaende legt,wird man sehen,dass sich doch einiges zum Bes-
seren der Situation von Maedchen und Frauen in diesen knapp 100 Jahren getan hat.

Jock

@schiene

Tut mir leid,aber du schreibst Unsinn.



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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #306 am: 09. Dezember 2019, 23:36:15 »

Interessante Milieustudie der Jetztzeit
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TeigerWutz

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #307 am: 10. Dezember 2019, 09:55:57 »

Wien, Wien, nur du allein .... Spione in Wien

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Kern

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #308 am: 10. Dezember 2019, 10:41:57 »

Genial und  :D   :D
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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #309 am: 10. Dezember 2019, 11:49:45 »

Josefine Mutzenbacher und ihre Familie lebten (nach der Romanvorlage) in Wien Ottakring.

Ottakring war ein grau-schmutziger Arbeiterbezirk mit unzaehlichen Zinskasernen,wo der Bestand
an Wohnungen sich auf "Zimmer,Kueche,Klo auf dem Gang und Bassena"erstreckte.

Errichtet wurden die Zinskasernen von finanziell begueterten Buergerlichen.Der Gassenhauer:
" Mei Voter woar a Hausherr und a Seidenfabrikant" unterstreicht dies.

In diesen Wohnungen lebten die 5-8 koepfigen Familienmitglieder,die zusaetzlich noch einen
"Bettgeher" aufnahmen,damit sie sich den Mietzins leisten konnten.
(Bettgeher waren Einzelpersonen,die sich dort ein Bett mieteten,damit sie wo schlafen konnten).

Nach der Eroeffnung der "Vorortelinie",siedelten sich Gewerbe und Industriebetriebe an,die
durch die Bahn gut mit Kohle versorgt werden konnten. (Ottakringer Brauerei,Manner,Meinl,
das Wilhelminenspital etc.)

Durch den Zuzug von Arbeiterfamilien wuchs der Bezirk Ottakring bis auf 170.000 Bewohnern
an,wo die Maenner leicht Arbeit fanden.(Heute sind es ca.90.000)

Die bedrueckende Enge in den vielleicht 30- 40 m2 grossen Wohnungen,verhinderte jede Privat-
sphaere und schon Kinder kamen frueh mit dem Sex in Beruehrung und nahmen dies als normal-
es,nicht beklemmendes oder sittenwidriges Verhalten auf.

Daher empfand Josefine Mutzenbacher,an den,auf der Strasse/Plaetzen stattgefunden "Doktor-
spielen" durch Gleichaltrige oder den praktizierenden Sex mit ihrer Bruedern,sowie Vater und
Bettgeher,nichts Aussergewoehnliches.

Sie und andere Maedchen haetten auch nichts dagegen unternehmen koennen.

Der Familienvater war der Ernaehrer und wuerde er nach einer Anzeige verhaftet und verurteilt
werden,stuende die Familie vor dem Nichts.Also schwieg man und nahm es nicht so tragisch.

Auf der anderen Seite wurde die Hilflosigkeit der Maedchen und jungen Frauen natuerlich aus-
genuetzt.Sowohl von einzelnen Polizeibeamten als auch von kirchlichen Beichtvaetern oder vom
Lehrkoerper einer Schule.
Das geheime zuegellose Treiben,hatte aber zur Folge,dass sich Geschlechtskrankheiten ver-
breiterten,denen die Aerzte nichts entgegenzusetzen hatten und einer verkorksten Moralvor-
stellung nach,oftmals eine Behandlung verweigerten.

Ein Vergehen an Maedchen und jungen Frauen,konnte auch von den Muettern nicht verhindert
werden.Er hatte die Hose an und konnte kraeftig Zuschlagen,wenn sich Widerspruch erhob.

Die Unterordnung der Frau gegenueber des Ehemannes war aber nicht nur bei dem Proletariat
an der Tagesordnung,sondern auch in buerglichen Kreisen.
Nur bei der Aristokratie weicht das geschilderte,strenge gesellschaftliche Verhaltensmuster auf.

Im Roman erzaehlt Josefine Mutzenbacher ziemlich detailiert,wie es ihr mit Bruedern,Vater,
Bettgeher und anderen Sexpartner ergangen ist und laesst durchschimmern,dass ihr das alles
nicht unangenehm gewesen ist,ja es sogar genossen hat.

Ihrer Karriere als Prostituierte stand nichts mehr im Wege.

Jock
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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #310 am: 11. Dezember 2019, 11:56:03 »

Das relativ ausschweifende Sexualverhalten im Proletariat,war in den buergerlichen Kreisen
undenkbar.

Dort herrschte Zucht und Ordnung - zumindest tat man so.

Die Frauen waren zufrieden,dass sie "versorgt" sind und wenn sie einen Stammhalter geboren
hatten,hatten sie ihre Pflicht erfuellt.

Ein im Jahre 1904 erschienener Ratgeber der amerikanischen Pastorenfrau Ruth Smyther fuer
eine gute buergerliche Ehe,wo u.a. empfohlen wird,dass hoechstens woechentlich 2 x Sex (von
der Frau) zu gestatten sei und spaeter diese Frequenz verringert werden soll,wurde zwar kein
Bestseller,doch zeigt dies die Moralvorstellung der damaligen Zeit auf.

Maenner haetten mit dieser Rationierung Probleme bekommen und suchten Auswege.

Sie hatten es ohnehin leichter,abseits des Ehebettes zu Abschuessen zu kommen,denn sie waren
meist beruflich ausser Haus in ihren Bueros oder eigenen Betrieben und bekamen dadurch Ge-
legenheiten,mit anderen Frauenzimmern in Kontakt zu treten.

Der eigene Nachwuchs wurde wie ein Augenapfel behuetet und streng darauf geachtet,dass die
Toechter jungfraeuich in die Ehe gingen.Hingegen war man mit dem maennlichen Nachwuchs
weniger strikte.

Toechter bekamen entweder Hausunterricht oder wenn sie ausserhaeuslich unterrichtet werden
sollen,stand am Schulgebaeude,dass die Schule fuer "Hoehere Toechter"eingerichtet wurde.

Religiositaet,Sittenstrenge,bisschen Kochen wurden hoeher gewertet als Allgemeinwissen oder
Sexualaufklaerung.

Die Achillesferse auf dem Weg zur Mannbarkeit,der mit der "Einfuehrung in die Gesellschaft(meist
eine Ballveranstaltung oder Soiree)begann,war oftmals der ins Haus kommende Klavierlehrer.

Fuer das Ueben eines Werkes von Chopin wurde er bezahlt,fuer das Ueben an seiner mozartischen
Zauberfloete,spendete er sogar.

So sehr man auch versuchte,jede sexuelle Verfuehrungen von den Toechtern fernzuhalten,ging
man mit den Soehnen anders um.

Sobald sich der Flaum im Gesicht zum Bart wandelte,war man bestrebt,dass sich der junge Mann
die "Hoerner"abstossen kann.

Nachdem man sich die Adresse einer,in buergerlichen Kreisen bekannten Dame beschafft hat,wo
man wusste,dass sie ein paar Kronen zu verdienen nicht abgeneigt war,lud man sie ins Haus ein.

Einige Zeit spaeter war der junge Mann leicht ermattet,hatte rote Ohren und war eine Erfahrung
reicher.

Auch weiblichen Dienstpersonal fiel fallweise diese Aufgabe zu,neben der Dienstgefaelligkeit fuer
den Hausherren.

Dass buergerliche Ehefrauen ebenfalls zu ausserehelichen Sexualerkehr kamen,war sehr selten,
obwohl sie meist in der Ehe diesbezueglich zu kurz kamen und oftmals wegen der,aus Vernunft
heraus geborenen Verbindung,die emotionelle Vertrautheit fehlte.

Nur Frauen,die einen starken Charakter hatten und in exponierten Berufen taetig waren,z.B.
Schauspielerinnen,Taenzerinnen oder Malerinnen,konnten die starre Konvention unbeschadet durch-
brechen.

Jock




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Suksabai

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #311 am: 11. Dezember 2019, 12:47:02 »



War es nicht gerade zu dieser Zeit so, dass sog. "Psychiater und Seelendoktoren" im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun hatten, um die

gutsituierten, aber vernachlässigten Ehefrauen in Behandlungssitzungen natürlich gegen entsprechendes Salär von ihrer "weiblichen Hysterie" zu befreien, sprich sie "entspannten"?

Ich meine, darüber gelesen zu haben...

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Ich kann, wenn ich will. Und wer will, dass ich muss, der kann mich mal !

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #312 am: 11. Dezember 2019, 19:34:14 »

Wien war ab 1955 bis Ende der 70er Ostblock pur.
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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #313 am: Gestern um 14:00:04 »

Kommt die Rede auf beruehmte Badeorte,fallen Namen wie Biarritz,Monaco,Abbazia oder der
Lido von Venedig.

Nie wird hierbei Kritzendorf erwaehnt,das damals ein Teil des 26.Bezirkes von Wien war und an
der Donau liegt.

Modaen war es und alle gesellschaftlichen Schichten aus Wien besuchten das Bad sonntags.

Bei schoenen Wetter im Sommer besuchten 12.000 Badegaeste das Strombad,wo im sicheren
Gewaesser Maenner und Frauen zu getrennten Zeiten ins Wasser durften.

Die Damen vom Hals bis zu den Knoecheln in Textilien gehuellt,manchmal mit Sonnenschirm
ausgestattet,versuchten sie Schwimmen zu lernen.
Maenner mit aufgezwirbelten Baerten trugen vorteilshafte quergestreifte Badebekleidung und hatten
ein,an vier Ecken verknotetes Taschentuch,am Kopf.

Schwamm man nicht,so konnte man flanierend den Wr.Symphonieorchester zuhoeren,waehrend
man eine Kleinigkeit zu sich nahm.

Die besser gestellte Schicht baute sich,auf Stelzen errichtete, Wochenendhaeuser,die sogar Zuege
von Villen annahmen.Eine Kabane dort zu haben,war im 7.Himmel zu sein.

Alles war o.k.,bis die Nazis kamen.Die meist juedischen Besitzer der Villen und Kabanen,wurden
1938 enteignet und die immobilien den Altnazis uebereignet.

Eine Rueckstellung nach dem Krieg,wozu man sich sehr einsetzte,war kaum Erfolg beschieden.
Die ehemaligen Besitzer kamen entweder im Konzentrationslager um oder sie hatten fuer immer
ihre Heimat verlassen.

Der gewaltige Zustrom zum Bad wurde durch die "Baederzuege" bewerkstelligt.

Die Strecke begann in Huetteldorf - Hacking,fuehrte ueber Breitensee,Ottakring u.s.w. nach
Kritzendorf,das an der Franz-Josephs - Bahn liegt.
Zwischen Wien und Kritzendorf fuhren die Zuege (eine Dampflok 2 Waggons) in 10 minuetigen
Takt hin und her.

Die Vorortelinie,die errichtet wurde um eine Spange zwischen Westbahn und Franz-Josephsbahn
zu schliessen,war einseits fuer den Gueterverkehr gedacht,aber auch um schnell Truppen zu ver-
legen,sollten die Wiener gegen den Kaiser rebellieren.
Nicht unweit der Linie lag die Radezkykaserne und auch die Breitenseerkaserne.

Geplant hat Bahnlinie Otto Wagner,der grosse Stadtbaumeister,der auch architektonisch wert-
volle,im Jugendstil  gehaltene Stationsgebaude errichten liess,die z.Teil leider bereits abgerissen
wurden.

In spaeteren Jahren wurde der Personenverkehr auf der Strecke eingestellt und erst vor 2 oder 3
Jahrzehnte wieder reaktiviert.

Als ich und Freunde von mir, uns lagsam genierten,zur Pfadfinderuniform kurze Hosen zu tragen,
stiegen wir auf zu den alteren Pfadfindern,den Rovern der Roverrotte "Stella Maris".Im Gedaecht-
nis war noch immer der Leitspruch Baden-Powells lebendig,der da lautet:"Taeglich eine gute Tat"
zu verrichtet.

Statt die gute Tat den Hilflosen,Kranken,Siechen,Blinden und Armen zukommen zu lassen,wollten
wir uns um junge knackige Teenager der katholischen Jungschar kuemmern.

Als Gruppe fuhren wir nach Kritzendorf,um in den Fluten  der Donau oder in den Auen ringsum
unseren Geloebnis Rechnung zu tragen.

Wir wurden sehnsuechtig dort schon erwartet.Myriaden von Gelsen,Muecken und Bremsen
stuerzten sich auf uns und verhinderten,dass die Jungscharmaedchen spaeter voller Hochachtung
von uns sprachen.

Jock



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