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Autor Thema: Ein Simpel in Pattaya  (Gelesen 10998 mal)

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madaboutsingha

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Ein Simpel in Pattaya
« am: 13. Februar 2009, 08:52:20 »

6. 9. 06

Ein Simpel in Pattaya

Heute ich muß euch von meiner Pattaya-Reise erzählen. Ich hab doch tatsächlich in der Sparkassen-Tombola den Hauptgewinn gezogen! „Eine Reise für zwei Personen ins tropische Thailand“, stand da geschrieben. Und mich haben Sie weiß Gott gezogen! Aber ohweh, kaum hatte der Sparkassendirektor uns den Gewinn gebracht, gingen die Probleme los, denn als meine Ursel auf den Bildern neben der weit geschwungenen Strandbucht von Pattaya auch noch die Altstadtbeizen mit den fröhlich winkenden einheimischen Bedienungen vor der Tür sah, fing sie sogleich zu zetern an. Es sei doch allgemein bekannt, weshalb die Männer nach Thailand fahren, und jetzt sei ihr auch klar, weshalb ich unbedingt an der Tombola teilnehmen wollte. Dorthin käme sie ja niemals mit, da solle ich mal schön alleine fahren. Sie sei eine anständige Frau und würde sich nicht in ein Flugzeug voller alter geiler Hammel setzen. Und ich, ich sollte mich schämen in meinem Alter. Ob ich denn nicht an meine Tochter denken würde und an die Leute im Ort, die sich nun über uns das Maul zerreissen würden? So sehr regte sie sich auf, dass die Nachbarn von dem Geschrei vor unserer Haustür zusammenliefen, und wissen wollten, wer denn schon wieder gestorben sei.

Ich hab das alles gar nicht verstanden. Im Prospekt stand nix davon, dass nur alte Männer nach Pattaya fahren. Zwar stand geschrieben, dass der unternehmungslustige Gast gegebenenfalls auch Unterhaltungsmöglichkeiten für die langen Abende fern der Heimat fände, doch im allgemeinen verspreche das Reiseziel in der warmen Sonne einen erlebnisreichen Erholungsurlaub für jedermann. Auch Familien mit Kindern würden an dem puderweichen Sandstrand ihren Alltag vergessen und ausspannen können. Pattaya sei ein beliebtes Ferienparadies für Alt und Jung. Ja, abends träfe man sich sogar in guten deutschen Restaurants, wo man bei Kartoffelsalat und Bratwurst oder Rouladen mit Rotkraut die Heimat nicht vermissen würde. Schließlich sei ja bekannt, dass die einheimische Kost wegen ihrer Schärfe von den empfindlichen europäischen Mägen nicht so gut vertragen würde, so daß man schon deshalb bei den gewohnten Heimatgerichten bleiben sollte. Und später am Abend sei ein kleiner Verdauungsbummel durch die Altstadtgassen empfohlen, wo man in urigen Kneipen sogar deutsche Schoppen serviert bekäme. Na, das hörte sich doch gut an. Daran war doch nichts Verwerfliches zu finden!

Da die Ursel nicht mitkommen wollte, hab ich den Fritz gefragt. Der war sogar schon mal dort gewesen und kannte auch die Örtlichkeiten. Der Fritz hatte noch Resturlaub aus dem alten Jahr abzufeiern und weil ihn ja die ganze Fahrt nichts kostete, war der gleich dabei.

Der Postheinz fuhr uns an den Flughafen. Beim Abschied schlug er mir auf die Schulter und zwinkerte mir zu. Ich solle es nicht zu doll treiben in der Fremde, raunte er vielsagend. Ich sei ja nun doch schon in den Sechzigern und ob ich auch gut vorgesorgt hätte, besonders in den Nächten.

Also, ich muß mich schon wundern, was sich die Leute für Gedanken machen. Das Schlafzimmer war schon lange gebucht und bestätigt. Was sollte ich mir da Sorgen machen, dass ich nicht unterkommen könne?

Der Flieger landete in Bangkok, und aus der Luft sah es so aus wie bei uns im Vogelsberg, nur lagen überall große Wasserpfützen herum, doch dazwischen war es grün und das Land war flach. Die haben die richtigen Äcker für unsere Kartoffeln, dachte ich mir gleich. Was mussten wir uns auf den buckligen Äckern plagen! Hier konnte man große Grubber, Eggen und Setzmaschinen einsetzen. Aber der Fritz sagte, hier gäbe es keine Kartoffeln, sondern nur Reis und Nudeln. Also dann, sagte ich zu ihm, will ich unbedingt einen Reis- und Nudelanbaubetrieb besichtigen, denn das hatte ich ja noch nie mit eigenen Augen gesehen.

Von Bangkok ging es mit einem sehr bequemen Reisebus weiter, der aber erstmal im Verkehr stecken blieb. Die Mopedfahrer überholten den Bus rechts und links und nahmen ihm die Vorfahrt. Und keiner da, der die Nummernschilder aufschreibt!!! Wie war das möglich! Klar, kann die Polizei nicht überall sein, aber das darf man doch nicht durchgehen lassen. Wo kämen wir denn da hin, wenn das jeder machen würde? Drum wühlte ich in meiner Tasche und reichte dem Busfahrer Papier und Bleistift, aber der lächelte nur und holte sein Handy heraus. Ach so ist das! Der macht gleich Beweisaufnahmen von den Mopedrowdies! Diese Thais sind aber clever!

Beruhigt lehnte ich mich in meinen Sitz zurück und schlief etwas ein. Als ich wieder aufwachte, fuhr der Bus eine Küstenstraße entlang, von der man das weite Meer und Palmen sehen konnte. Palmen hatte ich ja mein ganzes Lebtag noch nicht gesehen. Die Waltraut, die auf der Gemeinde schafft, war schon mal in Mallorca gewesen, und hat erzählt, dort gäbe es auch Palmen. Die wären das ganze Jahr grün und hätten auch gar keine Blätter, die im Herbst abfallen könnten. Na, wer weiß! Die Waltraut weiß auch nicht alles. Wie wollen die Palmen denn den harten Winter überstehen? Der schwere Schnee knickt ihnen doch die Äste ab.

Der Bus fuhr uns direkt zum Hotel. Sofort kamen zwei Boys mit einem Gepäckwagen herbeigeeilt und begleiteten uns zum Empfang. Dort standen fünf Damen hinter dem Tresen und legten wie auf Kommando ihre zwei Hände gegeneinander, so knapp unterhalb der Nasenspitze, und senkten ihre Köpfe darauf. Na, die haben aber eine raffinierte Art drauf, sich in der Nase zu popeln, dachte ich mir. Gut, wir nehmen gewöhnlich ein Taschentuch dazu und drehen uns auch höflich zur Seite. Merkwürdig auch, dass alle Damen zur gleichen Zeit einen Nasenkitzel verspürten. Ich wollte ihnen schon mein Schnupftuch reichen, da klärte mich der Fritz auf, dass dies die übliche Begrüßungszeremonie unter den Eingeborenen sei. Aha, die haben also gar nichts in der Nase! Sehr geschickt angetäuscht.

Nachdem wir die Formalitäten erledigt hatten, gingen wir auf unser Zimmer. Dies befand sich im fünften Stock und wir benutzten einen bequemen Lift. Der Fritz musste mit mir in einem Zimmer schlafen, wovon er nicht so sehr begeistert war, aber schließlich hatten wir nur ein Doppelzimmer gewonnen und keine zwei. Etwas mürrisch brummte er wie wir es denn nachts mit unserem Besuch halten sollten. Schließlich gebe es ja nur ein Bett und es wäre ja unpraktisch, wenn ich da schon drin liegen würde. Wie bitte? Ich fiel aus allen Wolken. Wieso kriegen wir hier nachts Besuch, wo uns doch niemand kennt und wieso sollte ich in meinem eigenen Bett nicht liegen können? Wer hat das Bett denn gewonnen? Ich oder er? Nix da. Mein Bett gebe ich nicht her. Zumal für wildfremden Besuch, den ich gar nicht kenne! Womöglich schnarchen die oder haben Schweißfüße, dass das ganze Zimmer stinkt! Dann, knurrte er, dass er sich eine „shorttime“ außerhalb sucht. Na, mir egal, was er sich sucht. Aber eigentlich ist unser Bett groß genug für uns beide, da braucht er sich nicht noch extra eine Pension zu suchen.

Wir machten das Fenster auf und traten auf den Balkon hinaus. Das war also Pattaya, das verträumte Fischerdorf am Meer! Im Prospekt stand, dass der Strand 15 km lang sei und jedes Jahr 4,4 Millionen Ausländer hier Urlaub machten, davon alleine über 200 000 Deutsche. Na, das musste ja wirklich ein tolles Ferienziel sein, wenn so viele Menschen aus der ganzen Welt jedes Jahr hier herkommen. Doch leider konnten wir von unserem Zimmer das Meer nicht sehen, weil ein anderes Hotel davor stand. Und auch das im Katalog beschriebene Meeresrauschen konnten wir nicht hören, stattdessen zogen uns aus einem Bistro in einer schmalen Nebenstraße die leckersten Pizza- und Bratendüfte um die Nase, die uns sofort mächtig Appetit machten.


Am nächsten Morgen standen wir schon früh auf. Wegen der Zeitverschiebung waren wir wohl noch etwas durcheinander. Zuerst mal gingen wir frühstücken. Das Hotel hatte sich alle Mühe gegeben, um uns zu verwöhnen und hatte ein mehr als 10 Meter langes Frühstücksbüffet aufgebaut. Was es da nicht alles gab! Bratkartoffeln und Spiegelei, Schweinebraten und Spaghetti und Würstchen und Schinken. Eine einzige Frühstückswonne. Herz, was begehrst du mehr? Wenn ich das meiner Ursel erzähle, dann beißt die vor Wut in die Tischplatte, dass sie zu Hause geblieben ist. Aber das hat sie nun davon!

Wir aßen uns rappelsatt und machten anschließend einen Morgenspaziergang. Die engen Gassen waren noch wenig belebt und ab und zu kamen uns im Gänsemarsch ein paar merkwürdige Kerle entgegen, die wohl für eine anständige Hose und ein sauberes Hemd kein Geld hatten. Ja, manche hatten noch nicht mal Schuhe an! Doch jeder von ihnen steckte in so einem orangefarbenen Nachthemd, das aber nicht ganz über die Schultern reichte. Wahrscheinlich waren die auf dem Weg zum nächsten Faschingsumzug, denn manche trugen so eine Art Bongopauke mit sich herum. Das waren wohl die Trommler. Doch dann sahen wir, dass sie vor manchen Läden stehen blieben, und die Leute kamen aus dem Haus und legten den ulkigen Gesellen allerlei Almosen in ihre Taschen. Die dachten wohl auch, wenn sich die Kerle schon keine anständigen Klamotten leisten konnten, dann sollten sie sich wenigstens mal ordentlich satt essen. Seltsamer Trupp war das. Ich wollte ihnen schon hinterher laufen und fragen, ob sie es nicht mal mit ehrlicher Arbeit probieren wollten, es ist doch eine Schande, wenn kräftige arbeitsfähige Männer bettelnd durch die Straßen laufen! Doch der Fritz hielt mich zurück und klärte mich auf, dass dies thailändische Bettelmönche seien, die im Kloster lebten und keinerlei Arbeit nachgehen müssten. Ich war baff. In welchem Land gibt es das sonst, dass die Arbeitslosen eine einheitliche Uniform tragen und in Gemeinschaftslagern gehalten werden? Mir blieb die Luft weg. Das sollten wir in Deutschland auch mal einführen. Mir schien, dass wir Deutschen von diesen bauernschlauen Thais noch viel lernen können.

wird fortgesetzt...

boehm

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #1 am: 13. Februar 2009, 10:44:21 »

Hahahaha, das wird bestimmt wieder eine lustige Geschichte, freu mich schon auf die Fortsetzung!!! :-* :-* :D :D
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pomjau

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #2 am: 13. Februar 2009, 16:30:14 »

Köstlich geschrieben... bitte weiter machen :-)

Cheers
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Taurus †

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #3 am: 13. Februar 2009, 18:55:26 »

Wenn das in dem Stil so weitergeht....Spitzenklasse.
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dii

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #4 am: 13. Februar 2009, 19:35:20 »

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...Alkohol macht langsam dumm - egal,wir haben Zeit... kein Sklave mehr  >:

Profuuu

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #5 am: 13. Februar 2009, 22:35:41 »

Herrlich politisch unkorrekt.  8)
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mfG
Professor Triple U

Sonex

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #6 am: 14. Februar 2009, 00:29:34 »

6. 9. 06
... gingen die Probleme los, denn als meine Ursel auf den Bildern neben der weit geschwungenen Strandbucht von Pattaya auch noch die Altstadtbeizen mit den fröhlich winkenden einheimischen Bedienungen vor der Tür sah, fing sie sogleich zu zetern an. Es sei doch allgemein bekannt, weshalb die Männer nach Thailand fahren, und jetzt sei ihr auch klar, weshalb ich unbedingt an der Tombola teilnehmen wollte. Dorthin käme sie ja niemals mit, da solle ich mal schön alleine fahren. Sie sei eine anständige Frau und würde sich nicht in ein Flugzeug voller alter geiler Hammel setzen. Und ich, ich sollte mich schämen in meinem Alter. Ob ich denn nicht an meine Tochter denken würde


Mit solch haltlosen Vorurteilen habe ich auch immer zu kämpfen.  :'(
Nicht umbedingt mit meiner Holden, obwohl die gegenüber nahezu allen weiblich Thais Vorbehalte hat.
Auch habe ich keine Tochter, sondern einen Sohn, der immer mal wieder gerne mit seinen durchgeknallten Alten nach Thailand fliegt.

Aber zum Beispiel unsere Steuerberaterin:
Die meint in Thailand sei es überall schmutzig und es werden bevorzugt gebratene Hunde gegessen.
Hinfliegen -so glaubt sie - wuerden nur Kinderschänder. Wenn sie das sagt, schaut sie mich immer so merkwürdig an.  :o
Ihr zu erklären, dass die Thailänder Hundefreunde sind, die ihren Lieblingen was zum anziehen geben, und dass es dort auch ganz normale Frauen gibt, die in sehr sauberen Häusern wohnen ist zwecklos!

SoneX
« Letzte Änderung: 14. Februar 2009, 00:44:10 von Sonex »
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hmh.

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #7 am: 14. Februar 2009, 00:42:35 »

Madaboutsingh:       
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sabeidi

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #8 am: 14. Februar 2009, 01:15:44 »

wieder einsame Klasse. :D ich dachte hier kann nur der Profuuu, so lustig schreiben. ;D

super, weiter. :D
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crazyandy

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #9 am: 14. Februar 2009, 05:52:23 »


 ??? ;D ;D ;D
finde es auch ganz große Klasse

bitte bitte weiterschreiben
freue mich schon auf die Fortsetzung   yeahh auch das ist der TIP
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hobanse

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #10 am: 17. Februar 2009, 18:56:57 »

Nun aber weiter, madaboutsingha, alles wartet auf die Fortsetzung!!!
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Boersengauner, Bankster und Schieber knechten die Welt

madaboutsingha

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #11 am: 17. Februar 2009, 19:11:45 »

17. feb. 09


Geduld - Geduld!

Und langsam mit den alten Gaeulen.

Bin unterwegs und der Internetzugang ist ein wenig erschwert.

Doch im Anschluss kommt nun der zweite Teil.

Der dritte Morgen oder Uebermorgen, versprochen.

Vorab schon mal vielen Dank fuer die Aufmerksamkeit.

Ihr seid wirklich ein tolles Lesepublikum!

Paul

madaboutsingha

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #12 am: 17. Februar 2009, 19:12:33 »

Nun wollte ich aber endlich das Meer sehen. Wir überquerten eine belebte Fahrstraße und kamen zu einer herrlichen Strandpromenade. Die war wie aus dem Katalog. Im Schatten hoher Kokospalmen schlenderten wir gemütlich über einen schön gepflasterten Gehweg und genossen die Aussicht auf den nahen Strand. Dort gab es überall Liegestühle, die unter schattenspendenden Schirmchen aufgebaut waren. Man konnte sich sonnen und den kleinen sanften Wellen zugucken wie sie über den Sand liefen. Es war herrlich! Dieser Moment machte alles wett. 40 Jahre Schufterei waren vergessen. Die Schichtarbeit auf dem Kran des Betonwerkes und die Schinderei mit unserer elenden Feierabendlandwirtschaft. Und nie einen Urlaub in all den Jahren und das Geld war immer knapp. Nie hat es gereicht. War das etwa der Garten Eden, von dem der Pfarrer sonntags immer sprach? Das Meer kannte ich ja nur aus dem Fernsehen und die Sonne scheint bei uns ja auch nicht alle Tage. Und dann all diese freundlichen Eingeborenen. Besonders die Frauen. In diesem Klima wächst ja alles von selbst, so dass sie offenbar nicht zu arbeiten brauchten. So saßen sie längs des Strandweges auf gemauerten Bänkchen und winkten uns lächelnd zu. Einmal stand eine sogar auf und ergriff meinen Arm und wollte mich zu sich aufs Bänkchen ziehen. Der Fritz lachte ein bisschen gequält wie er sah, was ich bei der hiesigen Frauenwelt für Chancen hatte. Den hat noch keine aufs Bänkchen gezogen. Spaßeshalber setzte ich mich mal zu ihr. Nun knetete sie meinen Oberarm und meinte ich sei ja ein gar kräftiger junger Mann und ob sie mich nicht ein wenig massieren sollte. Sicherlich täte mir der Rücken weh oder der Hals oder die Arme. Ich war wie vom Donner gerührt. Woher wusste diese wildfremde Eingeborene von meinem Reißen in den Gliedern? Die musste über einen siebten Sinn verfügen. Dann begann sie an den Oberschenkeln herumzudrücken und fragte mich, ob mir das gut täte. Und ob mir das gut tat! Sie sagte, sie würde mich ja so gerne massieren, sie würde fühlen wie sehr ich verspannt wäre, und ob wir nicht in mein kühles Hotelzimmer gehen könnten. Sie hätte nur eine einfache Bastmatte, und sie würde mich ungern vor all den vorbeispazierenden Leuten hier massieren. Das leuchtete mir ein, doch sagte ich ihr, daß ich leider nicht sehr viel Geld für so eine teure Massage hätte und dass sie es lieber mit jemand anderem probieren sollte. Aber eine Massage sei doch gar nicht teuer, gab sie zurück, nur 200 Baht, also umgerechnet 4 Euro, für eine ganze Stunde. Das darf doch alles nicht wahr sein, allmählich fange ich wirklich an zu glauben, dass ich im Paradies gelandet bin. Die Massageliesel in unserem Ort nimmt 25 Euro die Stunde, dabei hat sie immer so kalte Hände und freundlich lächeln tut die auch nie. Allmählich wurde der Fritz unruhig und drängte zum Gehen. Na ja, eigentlich wollten wir ja auch eine Strandwanderung machen. So verabschiedete ich mich von der sehr freundlichen Frau und versprach später noch einmal wieder zu kommen.

Aber wir kamen nicht weit. Schon bald stand wieder ein nettes junges Frollein an unserer Seite, doch diesmal packte sie den Arm von dem Fritz. Ich sagte ihr, dass wir schon bei ihrer Kollegin waren und ihre Massage nicht in Anspruch nehmen könnten, doch sie bot gar keine Massage an. Ob wir nicht auf eine „shorttime“ mitkommen wollten. Nun fing ich aber wirklich zu stutzen an. Der Fritz hatte doch gestern auch schon von einer „shorttime“ gefaselt. Wie konnte sie wissen, dass der Fritz genau eine solche Pension suchte? Das kam mir nun doch nicht mehr geheuer vor und ich fragte den Fritz, ob er denn nicht meint, dass, wenn wir uns ein bisschen Mühe geben und uns im Bett nicht allzu breit machen, ob es dann nicht doch geht mit uns beiden. Er muß doch deswegen nicht ausziehen! Der Fritz lachte übers ganze Gesicht und sagte, da hätte ich etwas völlig verkehrt verstanden. „Shorttime“ sei nicht der Name einer Pension, sondern etwas ganz anderes. „Shorttime“ würde bedeuten, dass man kein rechtes Zuhause hätte und sich deswegen zeitweise eine günstige Übernachtungsgelegenheit suchen würde so wie diese Frau hier. Hier gäbe es viele Frauen, die von ihren Männern verlassen worden wären und für ein vorübergehendes Dach über dem Kopf dankbar wären. Ach, wenn das so ist, sagte ich, dann kann sie doch mitkommen und auf unserem Wohnsofa schlafen. Doch der Fritz guckte mich ein wenig schräg von der Seite an und meinte dann, dass wir ja abends noch mal vorbeikommen könnten.




Reichlich verschwitzt kamen wir von unserem Strandspaziergang zurück. Wir nahmen eine erfrischende Dusche. Dann zogen wir uns um und traten in den lauen Abend hinaus. Heute wollten wir mal probierweise in einer originellen alteingesessenen Fischerschaenke ein deftiges Abendmahl zu uns nehmen. Ich hatte mal so richtig Appetit auf einen gebratenen Seehecht oder einen geduensteten Kabeljau in Buttersosse. Denn Meerestiere gibt es bei der Ursel ja nur in Form von Fischstaebchen, weil die keine Graeten haben. Der Fritz meinte aber, hier gaebe es schon lange keine Fischerkneipen mehr, und ob wir nicht lieber in ein Lokal gehen wollten, wo es sowohl die eingeborene Bekoestigung als auch die gewohnten heimatlichen Gerichte gaebe. Ich wars zufrieden. Auf diese Weise konnte ich mich immer noch entscheiden wie ich wollte. Das Lokal hiess “Beer Garden” und war direkt ans Meer gebaut und man sass auf rohen Baenken an dunklen Tischen ohne Licht. Die Bedienung brachte die Speisekarte und zwei Taschenlampen vorbei. Nanu, dachte ich, was sind das denn hier fuer Nassauer! Beim Strom knausern sie und Geld fuer Kerzen haben sie auch nicht! Haetten sie nicht wenigstens eine alte Stalllaterne aufhaengen koennen? Missmutig leuchteten wir in der Speisekarte herum und wenn es keine Bilder darin gegeben haette, dann waere ich sicherlich gleich wieder abgezogen. Beherzt entschied ich mich fuer ein paar einheimische Speisen, und bestellte eine Tom Yam Talee, die als appetitanregende Meeresfruechtensuppe angepriesen wurde, aber so aussah wie der Samstagsmoehreneintopf von der Ursel, und dazu einen Bratreis mit Krebsfleisch. Nach der Bestellung kassierte die Bedienung die Taschenlampen wieder ein und liess uns im Dunkeln sitzen. Hinter unserem Ruecken zog im Kreise silbrig schillernder Sterne ein rosafarbener Glutmond auf, der aussah, als drohte er jeden Moment ins Meer zu stuerzen, was die duestere Szenerie noch gespenstiger machte. Wir sahen uns um und gewahrten auf den Nachbarbaenken die schwarzen Schatten weiterer Gaeste, denen die Stromknauserei augenscheinlich nichts auszumachen schien. Unbeirrt stocherten sie in ihren finsteren Schuesselchen und Tellern herum, aus denen sie ungewisse Happen fischten, die sie tapfer zum Mund fuehrten. Doch wieso benutzten sie Loeffel dazu? Hatten die etwa alle die gleiche Suppe bestellt? Musste wohl so sein, denn Reis essen die Eingeborenen laut Reisefuehrer doch mit Staebchen. Aber der Fritz klaerte mich auf, dass die Eingeborenen  ihren Reis ueblicherweise mit dem Loeffel essen. Na, das hatte ich mir gleich gedacht, dass der Reisefuehrer spinnt. Wie kriegt man denn auch die Reiskoerner auf die Staebchen! Der Kochbeutelreis von der Ursel war jedenfalls immer sehr bequem mit der Gabel zu essen.

Als das Essen kam, brachte die Bedienung auch die Taschenlampen wieder zurueck. Aber wie sollte ich gleichzeitig leuchten und essen? Damit kam ich ueberhaupt nicht klar. Ich fuhr mit dem Loeffel durch die kraeftig riechende Fischsuppe, in der in Umrissen ein paar vereinzelte Krabbenschwaenze auftauchten. Auch kam es mir in der Dunkelheit so vor als trieb eine schuppige Fischshaut mit etwas blassem Fleisch dran vorbei und auch ein wolliger Tentakelkopf eines Tintenfisches schien mit von der Partie zu sein. Na, egal, der genussvolle Duft stimmte mich sehr zuversichtlich und steigerte mein Essverlangen. Zu dem Bratreis hatte die Bedienung ein Schaelchen mit einer weiteren Suppe gestellt, die aber sehr geizig bemessen war. Das war wohl so die Art des Hauses. Geizen, wo es geht. Und warm war das frugale Sueppchen auch nicht. War wohl eher so eine Art Kaltschale. Na, die kennen wir ja aus unseren heissen Sommern. Ich fuhr mit dem Loeffel durch die duenne Bouillon, die etwas widerlich nach alten Fischen roch und in der rote und gruene Linsen herumschwammen, und genehmigte mir einen gehoerigen Schluck davon. Sie war graesslich salzig und klammerte mir fuer einen Moment den Mund zu einem duennen Streifen zusammen. Ich biss auf die Linsen und augenblicks setzte ein fuerchterliches Brennen ein als haette jemand eine lodernde Feuersbrunst in meinem Mund entfacht. Die Gluthitze schien schier die Schleimhaeute wegzuaetzen, was Hoellenschmerzen freisetzte, von denen ich niemals gedachte haette, dass man sie ausserhalb eines Zahnarztstuhls kriegen kann. Gottlob loeste die salzige Bruehe einen Wuergereflex aus, sodass ich mit schmerzverzogenem Gurgeln und Fauchen die Reste in hohem Bogen ueber den Tisch spuckte. Panisch griff ich zu einem Glas kalten Wasser und leerte es in einem Zug, doch das Brennen wollte nicht aufhoeren. Der Fritz, der sich vor Lachen kaum auf dem Baenkchen halten konnte, reichte mir den Eiskuebel, den ich mir prompt an den Mund setzte. Das sei weder eine Kaltschale noch Bouillon, erklaerte er mir, sondern eine Fischsosse mit gehackten Chillies, mit der sich die Einheimischen den Bratreis nachwuerzen.


Nach dem Essen brachen wir zu einem kleinen Rundgang durch das Örtchen auf, von dem es doch hieß, dass ein Bummel durch die alten Fischergassen sehr lohnenswert sei. Doch scheinbar war die Hafengegend woanders, denn wir gingen ausnahmslos durch Straßen, in denen sich Bars und Musikkneipen niedergelassen hatten. Na ja, jede Hafenstadt von Welt hat ihr Vergnügungsviertel. Aus den Kneipen hörten wir moderne Musik, und obwohl es doch schon zu vorgerückter Stunde war und es kühl zu werden drohte, saßen die jungen Kellnerinnen in sehr freizügiger Bekleidung herum und riefen uns zu. Vielleicht wollten sie, daß wir sie zu einem Stadtbummel einladen, aber der Fritz wusste es wieder mal besser und meinte, sie würden gerne ein paar harmlose Spielchen mit uns in ihrer Bar spielen. Dies schien offenbar auch zu stimmen, denn sie riefen uns zu, dass wir doch "handzahme" Männer seien, womit sie uns wohl signalisieren wollten, dass sie uns für ritterliche Kerle hielten, von denen keine Gefahr für sie ausgehe.



boehm

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #13 am: 17. Februar 2009, 20:45:04 »

 :D :D :D :D :D :-) :-) :-) :-)

coole Geschichte. ..
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sabeidi

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Re: Ein Simpel in Pattaya
« Antwort #14 am: 18. Februar 2009, 05:50:45 »

einach weiter, ich lach mich kaputt. ;D :D
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