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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 327195 mal)

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Samuitilak

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #450 am: 29. Juli 2009, 16:46:33 »


Hallo Low,

da hast Du aber Glück gehabt.
Normalerweise braucht man für die Einfuhr medizinischer Produkte in
Thailand eine Zulassung der Food and Drug Administration. Die dauert lange
und ist teuer. Deshalb gibt es viele gute Produkte in Thailand nicht.

Hier ist die Zulassung meist mit dem Importeur verbunden und viele Firmen
finden es gar nicht toll, daß, wenn der Importeur bzw. Händler nichts taugt
und sie wechseln wollen, dann wieder eine neue Zulassung beantragt werden muss --C

Es kann aber sein, daß die Zöllner ein Auge zugedrückt haben, weil die Ware ja
nicht über einen Vertrieb oder ein Hospital eingeführt wurde, sondern privat.

Gute Besserung

Walter
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Wie man in den Wald hineinruft, hallt es zurück. .

Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #451 am: 29. Juli 2009, 22:23:19 »

@ Samuitilak

Danke für die freundliche Aufklärung.

Ich bin in meine Beiträgen immer etwas sarkastisch und akribisch übergenau und fühle mich so weit als möglich der Wahrheit verpflichtet.
Die Wünsche für gute Besserung sind willkommen.
Wenn ich aber ganz ehrlich bin, ist dies ausserhalb meiner Reichweite. Es handelt sich bei den Massnahmen bloss um eine Fristverlängerung.
Tage, Wochen, Monate?
Meine Zukunft wurde bereits 1957 von Spezialisten nach einem Unfall auf  sechs Wochen befristet.
Ich lernte, arbeitete, reiste um die halbe Welt, heiratete, baute ein Haus, pflanzte Bäume, zeugte Kinder
und wurde als letztes vom Schicksal nach Thailand torpediert. Was machte ich hier? Ähnliche Sinnlosigkeiten wie zuvor.
Wie mancher Junge beendete derweil sein Leben sinnlos mit einem Moped?
Wie viele sprangen von Balkonen, Brücken oder missbrauchten Plastiksäcke?

Vielleicht bleibt mir noch etwas Zeit, um meine Geliebte zu verwöhnen, ein bisschen Spass zu haben
und euch hoffentlich einige positive Geschichten zu erzählen.

Still going strong 
Low
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #452 am: 29. Juli 2009, 23:05:17 »

"Vielleicht bleibt mir noch etwas Zeit, um meine Geliebte zu verwöhnen, ein bisschen Spass zu haben
und euch hoffentlich einige positive Geschichten zu erzählen."

Wenn's nach uns geht, mußt Du es noch eine ganze Weile aushalten!
Mit diesem ansinnen stehe ich hier sicher nicht allein :-) ;)

Wolfram

"Meine Zukunft wurde bereits 1957 von Spezialisten nach einem Unfall auf  sechs Wochen befristet."
...was einmal mehr beweist, dß nicht alle Ärzteirrtümer zu Lasten der Patienten gehen :D
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Low

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Nachtruhestörung
« Antwort #453 am: 30. Juli 2009, 13:36:22 »

Nachtruhestörung         29. Juli 2009

Wenn ich mich des Nachts nach anstrengendem Tagewerk mit meiner Herzensdame zur Ruhe bette,
fühle ich mich wie im Paradies, mit einem Engel an meiner Seite.
Aber wenn ich des Morgens vor dem Augenöffnen mein Ohrensausen ohne Arpeggios (1)
und weitere Harfenklänge vernehme, weiss ich, dass ich trotz allem noch weit vom Paradies entfernt bin.
Zwischen diesen Ereignissen liegen Stunden. Stunden der Schmerzen. Stunden der Wahrheit.
Stunden seligen aneinandergekuschelten Schlafes.

Vor etwa fünfzig Jahren erfuhr ich zufälligerweise eine im Grunde banale, für mich jedoch erschreckende Tatsache.
Obwohl ich tief verletzt war, sprach ich nie mit jemandem darüber. Schamgefühle? Eigentlich war es Nonsens.
Ich vergass und verdrängte den Vorfall. Während Jahrzehnten dachte ich nie daran. Aber irgendwo
in meinem Körper nistete sich unbemerkt das Gift ein.
Letzte Nacht plötzlich erinnerte ich mich an diese Episode. Gefühle der Leere, des Ausgeliefert seins, absoluter Ohnmacht,
überfielen mich. Dagegen gibt es in den Flugzeugen dieser Welt Kotztüten. (2) Aber ich sass ja nicht im Flugzeug.
Ich lag im Bett. Verraten und verkauft.
Da umschlangen mich zwei zärtliche Arme. Ein warmer, weicher und sanfter Körper schmiegte sich an mich.
Das Toxin floss über die zarten Rundungen der Partnerin ins gegenstandslose Nichts. Ich konnte verzeihen,
vergeben und weiterschlafen.

(1)

Yngwie Malmsteen (Guitar Solo): Arpeggios From Hell   


(2)

http://www.kotztuete.net/
http://de.wikipedia.org/wiki/Spuckbeutel
Otto-Rieke, Gerd. Izmirübel. Das Buch zur Tüte. Verlag : Alabasta

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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #454 am: 31. Juli 2009, 11:50:24 »

Die Virtuosität von
Yngwie Malmsteen: Arpeggios From Hell   

verblüffte offenbar niemanden?
Ich frage ja nicht, ob euch der Lärm gefallen hat.
Ich erkundige mich auch nicht, ob sein Haartracht Anklang findet.
Aber ich dachte, anstatt eines Verweises auf Wikipedia  (Arpeggio), wäre ein Link
auf youtube sinnvoller.
Auf 200 Klicks erwartete ich eigentlich Kritik und wenn es nur eine Einzige ist.
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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #455 am: 31. Juli 2009, 17:09:02 »

@Low

Nach meiner unmaßgeblichen Meinung ist ein Nichtantworten nicht unbedingt ein Indiz für mangelndes Interesse. Ich denke, die Menge der Klicks beweisen eigentlich das Gegenteil.
Abgesehen von sehr wortgewandten Vielschreibern haben sicherlich etliche Leute
 - wie auch ich - manchmal Probleme sich adäquat zu Postings zu äußern, die neben
einer sprachlichen Brillianz nun auch sehr persönliche Not deutlich werden läßt.

Ich kann es nicht besser ausdrücken, aber manchmal sind Menschen einfach sprachlos,  aber deswegen keineswegs teilnahmlos.

Die gleiche Erfahrung mache ich übrigens auch in einem Luftfahrtforum, wo es zwar nur um Technik, Fakten und Einschätzungen geht, aber das Verhältnis von Postern zu "Sehleuten" ist vergleichbar.

Low, ich wünsche Dir alles Gute,

mfg kmr
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #456 am: 31. Juli 2009, 17:33:22 »

Brilliante Anmerkung, Khun Mai Ru,

Ich hätte das ganz ähnlich gesagt.
Was musikalische Vorlieben oder Abneigungen angeht (zumal in der Zusammenschau mit der Frisur? des Dirigenten), enthalte ich mich gern irgendeiner Bewertung,
zumal ich die Werke des Herrn M. nicht besonders mag (ganz vorsichtig ausgedrückt!).

Lieber Rolf,
die Anzahl Deiner Fans ist ja nachgerade schon phantastisch, Du näherst Dich unaufhaltsam der 30000, das muß Dir erst mal einer nachmachen.
Selbst die Bibelkundigen und sonstigen Schriftgelehrten können da nur (natürlich nur ohne unchristlichen Neid) bewundernd nach Thailands Nordwesten aufschauen ;)

Wolfram
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Low

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Arpeggio
« Antwort #457 am: 31. Juli 2009, 22:50:32 »

Ich danke für die Stellungnahmen.

Anstatt rein theoretisch auf Arpeggios zu verweisen, wollte ich eher mit einem krassen Beispiel die Spielweise aufzeigen.
Yngwie Malmsteen ist einer der schnellsten auf seinem Instrument.
Mir persönlich gefällt die elektrische Gitarre nicht. Was ich damit demonstrieren wollte,
war die Fingerfertigkeit.
Es gibt Leute, die behaupten Malmsteen sei ein begnadeter Techniker, aber ein seelenloser Interpret.

In Zukunft werde ich Wikipedia sowohl als youtube zitieren. Auch die Bibel werde ich in nach Möglichkeit nicht vergessen.
Dann haben alle etwas davon.

Mir steht die Klassik wesentlich näher. Ein schönes Harfenstück zum Einschlafen ist eine Bearbeitung von Pachelbel:

oder

Hier stimmen Technik und Interpretation.

Das selbe Werk auf dem Klavier:


Im nächsten Aufsatz geht es dann wieder bedeutend weniger harmonisch zu.


« Letzte Änderung: 31. Juli 2009, 22:53:46 von Low »
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Low

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Tempel und Selbstbetrug
« Antwort #458 am: 01. August 2009, 04:54:51 »

Tempel und Selbstbetrug

In der gedruckten TIP Ausgabe vom 27. Juli 2009  las ich auf Seite 9 unter dem Titel „Eine Nation von Gaunern?“:
„Eifersucht ist vielleicht nicht so offensichtlich, aber es ist Thais unmöglich kooperativ zusammenzuarbeiten,
obwohl dies bereits König Rama VI vorschlug.
Das beste Beispiel sind die Zehntausenden von Tempeln, die quasi nur Steinwürfe von einander entfernt gebaut wurden.
Anstatt sich in der Gemeinde auf den Standplatz für einen Tempel zu einigen, werden lieber zwei oder mehr Tempel gebaut.“ (1)

Dabei geht es kaum nur um Kooperation, sondern vielmehr darum, unsterbliche Verdienste im Jenseits zu erwerben.
Wenn einer skrupellos ein Riesenvermögen ergaunert und zusammengerafft hat, ist es oft die letzte Möglichkeit,
sich durch den Bau oder wenigstens an der Beteiligung am Bau eines Tempels, einen saubere Weste zu verschaffen.
Ich erlebe, wie sich zahlreiche Menschen keinen Deut um die Gebote Buddhas kümmern. Wie ungesühnter Mord, Totschlag,
Raub, Diebstahl und Ehebruch praktisch alltäglich sind. Fehlenden Respekt vor Lebewesen und auch von Sachwerten,
beobachten wir leider schon bei manchen Schulkindern. Morddrohungen und Betrug gehören zum üblichen Umgang,
nicht nur mit Ausländern. Die einzigen gepflegten Heiligtümer und stattlichen Denkmäler des Dorfes sind die Autos.
  
Die fehlende Moral im Lande wird eindrücklich dadurch demonstriert, dass die Regierung den Chef der Polizei, General Patchawarat
für einen Monat beurlauben will, um währenddessen wenigstens zu versuchen, den stümperhaften Attentatsversuch auf einen
der Anführer der Gelben, Sondhi, zu klären.
Nach letzten Meldungen unternimmt der Herr Polizeigeneral nun eine offizielle Auslandsreise. (2)

Einmal im Jahr wird Geld gesammelt. Jedes Mittel dazu ist recht, sogar das eigentlich unerlaubte Glücksspiel. Mit einer Art
Prozession wird dann das Zusammengescharrte möglichst werbewirksam mit zierlichen Geldbäumen, Musik, Lärm und Tanz
zum Tempel gebracht. Und die Götter staunen, ob soviel Barmherzigkeit, Wohltätigkeit, Herzensgüte und Nächstenliebe
und notieren im ewigen Buch die Namen der edlen Spender und die Beträge feinsäuberlich.
Je grösser und prunkvoller der Tempel ist, desto imposanter sind die Unterstützungsbeiträge, während kleinere,
ältere Tempel vergessen werden und oft leer ausgehen.
Ähnlich wie wir Bier kaufen, sichern sich viele Thais so zu Lebzeiten ihren Platz im Nibbana oder investieren mindestens
in einen zukünftigen Lotteriegewinn.

Dick sah bei ihrer Mahlzeitenaktion teilweise prekäre Situationen. (3) Es gibt zu viele Tempel. Ich fotografierte schon
vor Jahren Gebäudekomplexe ohne jeglichen Mönch. Wozu sollen die sich in abgelegenen Lokalitäten ohne namhafte  
Unterstützung durch die Bevölkerung für den Unterhalt abrackern und dazu mit schlechter oder gar ohne Nahrung darben?
Vor allem, wenn in der Nähe neue, farbenprächtige, glitzernde und gleissende Anlagen mit beinahe luxuriösen Lebensbedingungen
erstellt wurden.
Dazu fehlt es an qualifizierten und disziplinierten Mönchen.
Der beste Nachwuchs stammt oft aus den Hügeln, wo die Lebensbedingungen unter den armen Bewohnern sehr hart sind.
Diese Safranrobenträger bringen oft Kindermönche mit. Kleine, schlecht ernährte Buben aus ärmsten Verhältnissen,
zum Teil Waisenkinder, welche ihre Eltern bei Bränden, durch Krankheiten oder Waffengewalt verloren.
Wo sind ihre kleinen Schwestern?

In einem sehr alten und kleinen Tempel, fand Dick Neuzuzüger, die erst seit zwei Monaten dort lebten. Von unzähligen
Gebrauchsgegenständen hatten die neuen Bewohner keine Ahnung. Dick zeigte ihnen, wie man einen Staubsauger benutzt
und gab Anleitungen, wie man Zellen und Toiletten mit zeitgemässen Mitteln sauber hält.

In einem andern älteren Andachtsort mit Krematorium klagte ein fragiler ehrwürdiger Abt, es seien nicht genug Särge
für verstorbene arme Leute vorhanden und bat um Spenden. Wegen mangelnden Totenkisten könnten mehrere Leichname
nicht kremiert werden. Es bestehe eine Warteliste.
Warum ist die Sangha nicht in der Lage oder nicht bereit, wenigstens auf diesem Gebiet zusammen zu arbeiten? (4)

In einem weiteren Tempel fand Dick einige Frauen beim WC reinigen. Von Reinigung kann man kaum sprechen.
Die ungebildeten Weiber gossen pro Toilette eine Flasche zwanzig protzentiger Säure aus. Das war’s. Für solche Belange
benötigen wir in Euroland einen Giftschein.
Ob später den Mönchen beim Verrichten der Notdurft die Haut and den Füssen zerfressen wird, kümmert niemanden
und dass die Säure irgendeinmal ins Wasser gelangt, lernte man in der Schule nicht.

Aus Dicks einfachem Mahlzeitenservice entstand ein gewaltiges Anforderungsprogramm, dem die zarte Frau kaum
mehr gewachsen ist. Die Äbte scheuen sich nicht, Dick anzurufen und um Hilfe zu bitten.
Einer der Herren erkannte die Zeichen der Zeit und erwähnte in seiner Ansprache die anonymen, limitierten Dienstleistungen
einer Frau und bat die Gemeinde um weitere tatkräftige Unterstützung. Da kann er wohl lange warten.
Die Mentalität dieser Menschen zu verändern ist nicht einfach. Aber in ein paar Wochen überbringen sie mit viel Lärm
und Brimborium wieder ihre Geldbäume. (5)


Anmerkung: Sämtliche Fragen sind rhetorisch.


(1)
TIP 27.Juli 2009, Seite 9
http://www.bangkokpost.com/business/economics/19913/even-for-a-nation-of-thieves-it-s-never-too-late
(2)
http://www.bangkokpost.com/news/politics/150741/pm-patcharawat-to-go-abroad
(3)
Der Weg ins Nirwana (Nibbana) wäre mit Mahlzeiten gepflastert
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg62383#msg62383
(4)
http://de.wikipedia.org/wiki/Sangha
(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Brimborium



« Letzte Änderung: 01. August 2009, 05:07:14 von Low »
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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #459 am: 02. August 2009, 05:19:36 »

@Low

Der Geist ist willig,        ABER WO?
Das Fleisch ist schwach - UND WIE!

Nicht nur in Thailand und nicht nur im  Buddhismus.
Danke auch für diese hinterindische Realgeschichte!

Allerseits einen guten Sonntag,

mfg kmr
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Grünfrieden gegen das Land der aufsteigenden Sonne
« Antwort #460 am: 03. August 2009, 10:31:57 »

Grünfrieden gegen das Land der aufsteigenden Sonne            Anfangs August 2009

Greenpeace ist eine 1971 von Friedensaktivisten in Vancouver, Kanada gegründete internationale politische
Non-Profit-Organisation. Sie hat den Umweltschutz zum Gegenstand. Sie wurde vor allem durch Kampagnen
gegen Kernwaffentests und Aktionen gegen den Walfang bekannt. Später konzentrierte sich die Organisation
darüber hinaus auf weitere ökologische Probleme wie Überfischung, globale Erwärmung, Zerstörung von Urwäldern
und die Gentechnik. Mit dieser teilweise problematischen Diversifizierung wurden mir die Aktivisten zunehmend
unsympathischer, obwohl für ich für gewisse Aktionen volles Verständnis habe.

Japan ignoriert ein Walfangverbot von 1986. Die Fischereiflotte tötete seitdem über 13.000 Grosswale.
Für 2007 setzte Japan eigenmächtig eine Fangquote für 1.010 Minkewale (160 im Nordpazifik + 850 im
Antarktis-Schutzgebiet), 50 Bryde- und 100 Seiwale, 10 Pottwale sowie je 50 Finn- und Buckelwale fest.
Die Fangquoten werden seit Jahren erhöht, und immer neue Arten, wie die bedrohten Finn- und Buckelwale, werden abgeschlachtet.
Walfleisch ist in Japan nicht ein dringend benötigtes Nahrungsmittel, sondern eine teure Delikatesse.
In japanischen Feinschmecker-Restaurants lässt sich nahezu jeder Teil eines Wales zu Geld machen.
Die Verkaufspreise betragen ungefähr 350 US$ pro Kilogramm Walfleisch. Wer isst denn schon ein Kilogramm?

Preise spielen für gewisse Leute schon lange keine Rolle mehr. Oder würdest du für ein Glas Bier aus dem schweizerischen
Jura in einer New Yorker Bar 25 Dollar hinlegen? Da fand ein findiger Brauer eine Geschmackslücke, dass sogar Leute in der
Schweiz für ein Fläschchen ab Brauerei 2400 THB bezahlen. Nur das Bier, die Aufwärterin nicht inbegriffen.
Zum Glück lebe ich in Chiang Mai. Bei der Wirtschaftsflaute kannst du zur Zeit für den Preis eine ganze Bar flachlegen.

Wir waren abends vom Spital auf dem Weg nach Hause. Mia parkierte den Wagen mehr schlecht als recht,
denn sie fühlte sich hungrig. Ich hätte auch gerne eine regionale Speise eingeworfen. Keine Chance, das nächste
Thai Restaurant war im ersten Stock. Für mich unerreichbar, etwa wie der Gipfel des Matterhorns.
Im Erdgeschoss vertrieb ein Japaner Sukiyaki, Teriyaki, Okonomiyaki,  Maki, Saki und andere kulinarische Spezialitäten,
womöglich aus Nagasaki. Der Mann war so liebenswürdig, uns in seinem Laden einen Tisch zur Verfügung zu stellen,
mit der freundlichen Aufforderung, wir sollen doch Thaiessen bestellen. Er rief die Bedienung im ersten Stock gleich selbst.

Nach dem Essen bedankten wir uns für die ausserordentliche Gastfreundschaft mit dem Versprechen, beim nächsten Besuch
japanisch zu Tafeln.
Letzte Woche war nihonesiche Küche angesagt. Auf dem Weg zum Restaurant akquirierte in dessen Nähe an einem Stand
Greenpeace neue Mitglieder.
Unvermittelt erkannte ich meine Gewissens-Probleme: Bei Greenpeace unterschreiben und ein paar Meter weiter bestelle ich
beim Japaner ein delikates Baby-Wal-Sandwich!
Nein bitte, eine Kawasaki. (2)

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Japan
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kawasaki_Heavy_Industries
(3)
Matthäus12,40-41
http://www.jesus.ch/index.php/D/article/317-Bibel/6364-Glauben_Sie_die_Geschichte_von_Jona_und_dem_Wal_wirklich/








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Low

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Ein Fremdkörper oder zwei?
« Antwort #461 am: 05. August 2009, 10:55:40 »

Ein Fremdkörper oder zwei?         Ca. 2003

Von britischen Biertreffen her kannte ich den Mann in mittleren Jahren als starken Trinker und qualifizierten Lügner.
Seine stets gleichen Geschichten erzählte er je nach Bierpegel in Dutzenden von Variationen.
Zu Hause erledigte er jede Woche ein paar Karton Bier und eine Kiste Schnaps. Dabei war er als gut bezahlter Lehrer
dauernd in finanziellen Nöten.
Überall, wo ihm ein Bier offeriert wurde, fragte er nach kürzester Zeit nach einem Darlehen.
Seine Frau arbeitete bei anderen Farangs als Reinemacherin. Oft schaute er stets seine Kehle befeuchtend stundenlang zu,
wie sie arbeitete. Er scheute sich nicht, unaufgefordert als versierter Testtrinker die Kühlschränke ihrer Arbeitgeber
auf Tranksame zu untersuchen, bis sie ihn hinausschmissen.

Glücklicherweise konnte ich direkten Begegnungen meistens aus dem Wege gehen. Wenigstens bis an dem Tage,
wo er meine erste Unterkunft im Dorfe mietete. Er schleppte einige Kübel Farbe heran und ersetzte die teuren
Sanitärinstallationen, welche ich ungefähr ein Jahr zuvor austauschen liess, gegen Billigstangebote.
Ich fragte mich, wie er seine Investitionen wohl abwohnen würde, denn ich konnte an meinen Fingern abzählen,
mehr als drei Monate würde er es im Ort nicht aushalten.

Zwischen dem Gästehaus und dem Neubau blieb ich öfters bei Freund Dong hängen. Nach siebzehn Uhr sass
er am Steintisch am Strässchen, trank Scotch und wünschte sich Geselligkeit. Wir prosteten uns zu, während
Frau Pu in der Küche Leckereien richtete.
Da musste ich dann wacker mithalten. Pu ist keine Schnapstante. Aber einem Glas Wein war sie nie abgeneigt.
Einen guten Tropfen besorgte ich jeweilen in Minuten aus meinen Unterkünften. Schlussendlich ass und trank
das halbe Dorf mit. Einige Frauen brachten mit Schüsseln und Pfannen weitere Köstlichkeiten. Anstatt Behälter
und Gefässe brachten sie später mich nach Hause.

Das ging so lange gut, bis sich der angesäuselte Zweitfarang Gastrecht verschaffte. Dong wies nie jemanden weg.
Anfänglich hielt der Mann beim Schnaps mit. Auf Befehl schleppte danach seine Frau Bier an.
Dong ist Alkoholiker. Bier erträgt er trotzdem nicht, aber er spielte den starken Mann und hielt eifrig mit. Starke Schmerzen
trieben ihn am nächsten Tag ins Spital.

Es liess sich kaum verhindern, anfänglich bei einigen Bierorgien dabei zu sein. Als ich einige Zeit danach mit dem kranken
Dong sprach, der gegen seine Schmerzen bereits einige Zehntausend Baht im Spital ablieferte, stellte ich den
biergeeichten Engländer zur Rede.
In seiner verwahrlosten alkoholisierten Beschränktheit wollte er nicht einsehen, dass Dong kein Bier vertrug.
Ich bat Dong eindringlich, mit keinem Gast Bier zu trinken, weil es ihn krank mache.
Der Brite wurde wütend und meinte, ich könne keinem Thai verbieten mit ihm Bier zu bechern. Ich erklärte ihm, ich würde
noch im Dorfe leben, wenn er längst gegangen sei. Mir seien die Bewohner lieb und teuer. Einen Kranken mit Bier zu vergiften
sei strafbar, oder ob er sich mit Ärzten und der Polizei anlegen wolle.

Ich spekuliere, er verlor seine Stellen an den Schulen wegen seinen chronischen Bier- und Schnapsfahnen. Nach etwas mehr
als zwei Monaten zog er mit seiner Frau weg vom Dorf. Er eröffnete nicht all zu weit entfernt seine eigene Sprachschule im
neuen Mietobjekt, unmittelbar an der lärmigen Hauptstrasse.
Er macht eifrig Werbung für sein Projekt und zog dann gleich Schulgelder für drei oder mit Riesendiscount für sechs Monate ein.
Wenn mich jemand fragte, was ich denn von der Schule hielt, warnte ich die Leute, dass sie sicher betrogen würden,
denn die Schule würde keine drei Monate existieren. Meine Prognose war richtig.

Eine Schulgeschichte blieb in meinen Erinnerungen frisch. Dieser Englischlehrer
vergnügte sich eines schwülen Abends in mehreren Etablissements in der Loy Kroh Road. Er war schwer angetrunken
und lallte etwas von einem flotten Dreier bei sich im Hause.
Er fand eine mehr abgebrühte als abenteuerlustige Frau, welche sich mit dem überalkoholisierten Mann per Motorrad
Richtung Hangdong aufmachte.
Aus dem flotten Dreier mit Frau und Bargirl wurde nichts, weil er annähernd bewusstlos in die Falle kippte und gleich bis
am nächsten Morgen durchschnarchte, dass die Fenster zitterten.
Am Morgen wollte das Girl trotzdem Bares. Doch da war kein Satang im Hause. Sie musste sich gedulden, bis die Banken
öffneten und die blamierte Frau des geilen Säufers ein paar Baht Löhnung von ihrem Konto abheben konnte.

Kurz nach dieser Episode verschenkte er das Mobiliar an eine bedürftige Schule in den Hügeln. Der Schluckspecht wurde
danach weder an Bierfesten noch in der Loy Kroh je wieder gesehen. (1)

(1)
http://de.wiktionary.org/wiki/Schluckspecht





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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #462 am: 05. August 2009, 22:56:12 »

@Low

Das schöne Porzellan...Manche Spechtarten  SIND SO !

Apropos teures Porzellan; hast Du eigentlich schon die
Thai/DACH/Speisekarte in Arbeit?

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #463 am: 05. August 2009, 23:22:45 »

Thai/DACH/Speisekarte in Arbeit?

Wir sind am Arbeiten.
Heute gab es Yam Nüah, nachdem wir vor zwei Tagen ein schönes Stück Rind ergattern konnten.
Ausnahmsweise war das Fleisch zart und delikat. Auch die verschiedenen Kräutlein, Salate, Chilis aus chemiefreiem
biodynamischem Eigenanbau, gedüngt mit frischem Kaninchenkot, waren blumig bombig.
Meine Frage an Mia dazu war, braucht es dazu die Fischsosse, oder nicht?

Aber bis alles gut zusammengestellt ist, dauert es, im ungünstigsten Fall zehn Jahre.
Ich kann nicht mehr als drei oder vier Speisen pro Tag verdauen.
Ich will auch nicht mit grossem Speichelfluss, vor Hunger in die Tastatur sappernd, am PC sitzen.
Für jede Hilfeleistung und Anregung bin ich deshalb empfänglich und dankbar.

Ein Bar Girl Report in den verschiedenen Lokalitäten im Vergleich wäre sicher weit erholsamer.
Krap
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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #464 am: 05. August 2009, 23:44:49 »

Reiß Dich halt mal was zusammen !!

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