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Geschichten aus Hinterindien

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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 328342 mal)

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Sonex

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #810 am: 24. Dezember 2009, 19:46:22 »

Also, für Suchenden, die sich von der Offerte von LOW nicht richtig angesprochen fühlen, hätte ich auch noch jemand  aus meinem weiteren Bekanntenkreis.

Frau um die Fufzig,
fett, faul und gefräßig,
auch finanziell fix und fertig,
sucht Finanzier fürs Leben.   



Bitte nur ernstgemeinte Anfragen als PM.

Und : Frohe Weihnachten allerseits.

SoneX
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Low

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Vom Winter, Flaschen, Kürbissen und Melonen
« Antwort #811 am: 27. Dezember 2009, 15:27:04 »

Vom Winter, Flaschen, Kürbissen und Melonen

Im Forum  fand ich unter "Gemüse und Gartenarbeit" interessante Bilder und dazu Texte, die überprüfenswert waren. (1)
Ein Bild zeigt möglicherweise Lagenaria siceraria. Das sind Flaschenkürbisse.
Die Früchte sind vielfältig in Formen und Grösse. Die Beschaffenheit reicht von breit, kugelig, birnförmig, keulenförmig, kellenförmig
bis zylindrisch. Auf Deutsch werden die Früchte oft Herkuleskeulen genannt.
Die kleinsten Sorten haben einen Durchmesser von fünf Zentimetern. Die grössten Kaliber erreichen drei Meter Länge. Die Farbe reicht
von hellgrün mit weissen Sprenkeln bis zu weiss. Die Rinde wird im Alter häufig hellbraun. Wie öfters beim Homo Sapiens anzutreffen,
sind die jungen Früchtchen behaart, zur Reife werden sie kahl. (2) Die Rinde ist dicht und verholzt. Sie ist haltbar und wasserdicht.
Reife Früchte dienen als Kalebassen zum Aufbewahren von Nahrung. In Kenia verwenden die Massai sie als Melkeimer.
Mehr als sechzig verschiedene Blas-, Zupf,- und Schlaginstrumente werden aus Flaschenkürbissen hergestellt.
In Neuguinea, Südamerika und Afrika wurden Flaschenkürbisse als Penisfutterale verwendet. Das wäre sicher für wahre Gartenfreunde
eine willkommene Alternative zu Baumwolle als Unterwäsche.
Das Fruchtfleisch in unreifen Früchten ist weiss und wässerig.
In Thailand ist die Nutzung seit 7000 v. Chr. bekannt, aus China seit 2000 BC.(3)

Kollege namtok meinte dazu, das Zeug heisse auf Thai Fak. Kenner könnten aus dem Fruchtfleisch möglicherweise Lao Fak destillieren.
Melonen und kürbisartige Gewächse heissen öfters Fak mit Zusätzen wie beispielsweise Fak Thong, Goldkürbis. (4)

Meiner bescheidenen Meinung nach ist der echte Fak, zumindest hier in Lannaland, die Wintermelone (Benincasa hispida).
Dieser Wachskürbis ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae), deren Früchte in Asien als Gemüse
verwendet werden. Sie ist die einzige Art der Gattung Benincasa.(5)  Wintermelonen können bis zu einem Jahr gelagert werden.
Im Spalierbau werden etwa zwei Kilogramm Samen pro Hektar ausgesät, die rund achttausend Pflanzen ergeben. Die Ernte beträgt
dann bis zu zwanzig Tonnen.

Wenn meine Leiterin des Ernährungsdezernat fragt: „Liebling, stehst du heute auf Fak?“ bin ich immer ganz heiss darauf.
Dazu gibt es einige Rezepte, (6) oder vegetarisch. (7)

Im Dorf schneiden die Frauen die gurkenähnliche Frucht in ungefähr zwei Zentimeter dicke Scheiben und entfernen die Kerne
großzügig. Das Loch wird mit Glasnudeln und Hackfleisch gestopft. Die Scheiben werden danach in einer mehr oder weniger
feurigen Brühe mit Kräutern und Gewürzen gegart.

Dick schneidet je nach Grösse eine halbe Frucht in Stücke und gart sie in einer Fleischbrühe mit erlesenen Kräutern und Gewürzen.
Während dem machen wir Hackfleischbällchen mit Salz, Chili, Knoblauch, Koriander, Pfeffer, Paprika und möglicherweise einem
alleinstehenden, geschlagenen Ei. Die Bällchen werden kurz angebraten und baden anschliessend in der Suppe, je nach Laune mit
etwas Glasnudeln oder gekochten Bandnudeln ergänzt.
Nachher geht’s zur Sache.


(1)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=3418.msg91747#msg91747
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Homo_sapiens
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Flaschenk%C3%BCrbis
(4)
http://www.geo-reisecommunity.de/bild/93300/Thailand-Fak-Thong-Goldkuerbis
(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Wachsk%C3%BCrbis
(6)
http://www.daskochrezept.de/rezepte/suppe-mit-melone-und-schinkenstreifen_62834.html
(7)
http://derstandard.at/3173214/Rezept-Buddhistischer-Gemuesetopf


« Letzte Änderung: 27. Dezember 2009, 16:04:43 von Low »
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Laute Nacht
« Antwort #812 am: 29. Dezember 2009, 10:54:19 »

Laute Nacht                                                      28. Dezember 2009

In frommen Liedern werden stille Nächte und der heilige Geist besungen. Als Kind beeindruckte mich die fremde Wortwahl und die
festlich warme Stimmung bei Kerzenlicht, vor allem wenn es draussen bitter kalt war.
Keine zehn Jahre alt, musste ich feststellen, dass eine Menge Heuchelei, Falschheit und Berechnung die eigentlich heilige Zeit begleitet.
Es waren vielfach Kleinigkeiten, Nadelstiche, kaum spürbar, wenn überhaupt. Dennoch erhielt mein Eindruck von einer heilen Welt
einen weiteren tiefen Kratzer.

Grossvater baute in seiner Freizeit etwas Wein an. Blauburgunder. Mit viel Gefühl und Geduld kreierte er in der Nachkriegszeit im
Keller zusätzlich ein paar Flaschen Schaumwein, die er auf Weihnachten oder Sylvester den Gästen kredenzte.
Ich kannte das Geheimrezept nicht. Grossvater schien damit ebenfalls überfordert. Bei einigen Bouteillen zischte es kaum am Korken.
In einigen mit Draht gesicherten Flaschen war der Stoff hochbrisant. Der rote Traubensaft spritzte fast restlos bis an die frisch geweisste
Decke.
Im Versteckten kritisierten und bemängelten die geizigen Gäste Grossvaters Wein. Getrunken haben sie ihn alle. Keiner brachte je
eine Flasche oder einen Sekt mit. Keiner bezahlte je den Maler, der nach Neujahr die Decke ausbesserte. Alle Jahre wieder meckerten
sie erneut, angelockt durch verführerische Düfte aus Grossmutters kleiner Küche.
Ich schätzte die unvergesslichen Festtage bei meinen Grosseltern. Sie gehören zu meinen glücklichsten Kindheitserinnerungen.

Die letzte, wenig besinnliche, eher berauschende Feier, erlebten wir an Heiligabend unter Palmen im Garten des Gästehauses.
Anregungen für das Galadinner wurden anlässlich Dongs Willkommensparty für meine Tochter, bei Riesengarnelen in der Grösse von
Hummern und gegrilltem Krabbenfleisch geäussert.
Unsere Thaifreunde wünschten gegrilltes Schwein und Buccatini Carbonara. Poo wollte reichlich Gaeng, Curry, beisteuern. Zwei weitere
Parteien arbeiteten angeblich an einer Nudelsuppe. Wagenladungen Gläser, Geschirr und Besteck fanden den Weg zum Gästehaus.

Bereits am Tag zuvor marinierte ich ein Stück Schweinelende, an der wir einen Monat gezehrt hätten. Ab Mittag verbrachte ich die Zeit
an den Kochherden. Die eine Pfanne enthielt die Carbonara Sauce. Im andern Topf simmerte eine Art Bolognese, denn ich versuche stets,
das Zeug nur sanft zu köcheln.
Nach halb fünf zündete Dick das Feuer im Grill an. Das Schwein drehte sich kaum am Spiess, verlangten die Nachbarn nach Transport für
die Karaoke Maschine. Der Sohn sei leider mit ihrem Wagen in der Stadt unterwegs. Als Diktator beharrte ich darauf, das Grillgut sei
wichtiger als laute Musik und benötige fachkundige Überwachung. Als die eine fleischeslustige Coiffeuse des Dorfes vor dem Grill sass,
transportierte Dick Dongs neueste teure Errungenschaft, finanziert durch AEON, nebst Saucen und Paketen mit Buccatini zum Gästehaus.

Meine Tochter kehrte mit ihrer Freundin rechtzeitig von Chiang Mai zurück, um mir beim Schneiden und Drapieren des mit einer edlen Kruste
versehenen Fleisches zu helfen. Dann wanderten wir die zwei, vielleicht drei Minuten zum Festort, wo bereits die Bässe dröhnten und die stille,
warme Nacht verhöhnten. Ich setzte mich sofort in die Küche ab und kochte Wasser für die Pasta. Das Wasser war noch nicht warm, kamen
die jungen Frauen und klagten: „Daddy, du glaubst es nicht, das Schwein ist alle. Aber wir konnten ein Stück für dich retten.“

Während ich etwas später die Bucattini mit Saucen nach Wahl in die Teller bugsierte, lösten sich einige Liter Nudelsuppe in nichts auf.
Poos Gaeng sii daeng war traumhaft. Endlich konnte ich mit einigen Gästen anstossen. Solange es heisses Essen gab, vermissten die mich
gar nicht.
Kurz vor neun Uhr bereits, verabschiedete sich nach nur wenigen professionellen Gesangsdarbietungen unser etwas gealtertes Filmsternchen,
Töchterchen meinte  Cervelat-Prominenz, gestützt und geleitet von freundlichen Helfern. Kein Opfer des heiligen Geistes, sondern des
gnadenlosen Geistes der Schnapsflaschen, welchen sie zu reichlich huldigte.
Unser Ehrengast holte sich scheu die Speisen selbständig ab, um sie ein paar Meter weiter, zu Hause mit Muttern zu futtern. Ich spendierte
ihm zusätzlich ein anständiges Stück Panettone Piemontese, dem Knaben ohne Flieger.
Unter gesegneten Umständen hat er jetzt eine fragwürdige Erinnerung an Merry Christmas, wie ich vor langer Zeit.

Papierflieger:
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg90286#msg90286



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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #813 am: 29. Dezember 2009, 20:38:53 »

Dass die Hedonisten auch auf Weihnachten Deine Schmerzgrnze testen. Wirklich schade Low.
Wie sagtest Du kürzlich? "Sie wissen nicht, was sie tun" - oder doch?    Wissen wir es immer?

mfg n



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Low

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Aufklärung zum Jahresende
« Antwort #814 am: 30. Dezember 2009, 14:08:01 »

Aufklärung zum Jahresende

Nach einem Jahr scheinbar oberflächlicher Geschichten aus Hinterindien rühren wir trotz spärlichen Diskussionen langsam im Kaffeesatz des
exotischen Daseins. Kmr fand das treffende Wort: Hedonismus, gepaart mit einer kräftigen Prise Selbstherrlichkeit, welche sich in vielen Erzählungen,
nicht nur an Weihnachten, verstecken.

Unter dem Begriff Hedonismus versteht man allgemein eine nur an materiellen Genüssen orientierte egoistische Lebenseinstellung. In diesem Sinne
wird der Begriff Hedonismus abwertend gebraucht und als Zeichen der (kapitalistischen?) Dekadenz interpretiert.
Aristippos von Kyrene, 435 v. Chr. bis ca. 355 v. Chr., ein Zeitgenosse von Sokrates und Gründer der kyrenaischen Schule, gilt als geistiger Vater
des Hedonismus.
Während der französischen Aufklärung erhielt der Hedonismus eine Aktualisierung durch das Buch „L'art de jouir“ von Julien Offray de La Mettrie.
Sein Schüler, Donatien Alphonse François de Sade, radikalisierte den Hedonismus erstmals zum Amoralismus, indem er das Ideal der Gelassenheit
in Gefühlskälte gegenüber Mitmenschen umformulierte. De Sade, *2. Juni 1740 in Paris; † 2. Dezember 1814 in Charenton-Saint-Maurice; war ein
französischer Adeliger. Er verfasste eine Reihe von Romanen, in denen philosophische Thesen vor dem Hintergrund pornografischer Handlungen
vertreten werden.

Dagegen beschreibt Epikur, * um 341 v. Chr. auf Samos; † 270 v. Chr. in Athen; die Lust als Prinzip gelingenden Lebens. Diese Lust kann nach Epikur
als ein Freisein von Unlust beschrieben werden. Ziel ist hier nicht Lust, sondern ähnlich der Lehre Buddhas, die Befreiung vom Leid. So geht es in der
epikureischen Glücksphilosophie darum, durch Freisein von Unruhe und Schmerz, Glück zu erlangen. Dies nicht durch übermässigen Genuss weltlicher
Güter, sondern durch die Konzentration auf die wirklichen Bedürfnisse. Zu ihnen zählt Epikur Freundschaften. Zur Zeit für mich absolute Mangelware,
denn ich beschränke mich eher auf Qualität als auf Quantität.
Ebenso bemühte sich Epikur um die Eliminierung der Furcht vor dem Tod. Er argumentierte: „Das schauerlichste aller Übel, der Tod, hat keine Bedeutung
für uns; denn solange wir da sind, ist der Tod nicht da, wenn aber der Tod da ist, dann sind wir nicht da.“
Epikurs Ethiklehre zielt im Kern auf Erhöhung und Verstetigung der Lebensfreude durch den Genuss eines jeden Tages, womöglich jeden Augenblicks,
wie es das Motto des Horaz: carpe diem, nutze den Tag, besagt.
Horaz erwähnte ich bereits irgendwann, irgendwo. (1)

Wird hier hedonistischer Buddhismus oder buddhistischer Hedonismus praktiziert? Ist es in zahlreichen Fällen gar reiner Hedonismus? Wieviel davon ist
angeborene oder angewandte Blödheit und schiere Gedankenlosigkeit?
An Bosheit mag ich gar nicht denken!
Antworten gibt es von mir keine. Ich bin nicht Philosoph, bloss biederer Berichterstatter.
„Die Dummheit hat viele Kinder, männliche und weibliche, den Neid und den Geiz, die Lüge und die Selbstsucht, den Zorn und die Bosheit." 
August Lämmle. (2)

In diesem Sinne

Sawas dee pimai krap.
Mit den besten Wünschen zum Jahreswechsel.
Low

Khob khun krap, phra kmr.

Am Ende, Ende 2009.

(1)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg74550#msg74550
(2)
August Lämmle, * 3. Dezember 1876 in Ludwigsburg/Oßweil; † 8. Februar 1962 in Leonberg; war ein schwäbischer Mundartdichter.
http://de.wikipedia.org/wiki/August_L%C3%A4mmle



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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #815 am: 30. Dezember 2009, 15:50:00 »

Ich hätte das etwa so formuliert:

Buddhisten vertreten eine ganze Menge epikuräischen Gedankengutes, Eikuräer sind sie aber deswegen noch lange nicht.
Den hohen Wert, den Epikur gerade der Freundschaft beimisst, erkenne ich om Buddhismus nicht wieder, also fehlt  ein ganz wichtiger Pfeiler des epikuräischen Weltbildes.

Thais fröhnen tatsächlich dem Hedonismus.
"das diesem Ausdruck zugrunde liegende Wort "hedone" kann durchaus als der griechische Begriff für den Thaibegriff "sanuk" verstanden werden.
Allerdings dürfte der Mehrzahl der sanukverliebten Thais der philosophische Background fehlen, der sich mit dem philosophischen Gesamtbegriff des Hedinismus verbindet.
Allein die Idee, über etwas, und sei es "sanuk", nachzudenken, könnte ja Kopfschmerzen verursachen, absolutely "mai sanuk"!

Jetzt sind wir zum Jahresende aber ganz schön viehlosofisch geworden  :D
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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #816 am: 31. Dezember 2009, 17:11:25 »

Lieber Low,

Dir und allen Forenmitgliedern wünsche ich fröhliche Silvesterfeiern und ein gutes neues Jahr.
Danke für so viele bemerkenswerte Geschichten aus Hinterindien.

kmr (ohne phra)
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khon_jaidee

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #817 am: 31. Dezember 2009, 17:39:01 »

Den Wünschen von @kmr schließe ich mich vollständig an.
Über 62000 Klicks können nicht irren - die Geschichten aus Hinterindien sind eine, wenn nicht gar die Bereicherung des Forums.

Alles Gute für dich und deine Dick im neuen Jahr und mögen dir die Geschichten nicht ausgehen!
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Profuuu

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #818 am: 31. Dezember 2009, 22:47:50 »

Wer in der Krise steckt, kann diese leicht ueberwinden, indem er Spucke auf sein Ohrlaeppchen friemelt und dabei durch die Nase tief ausatmet.

Dies ist eine geheime Angelegenheit.

Weiterhin, wer eine rote Birne bekommt und ein bisserl Spucke auf den oberen Rand des Ohres schmiert, wird wieder zum Weissgesicht."


Zitat: Hagakure, The Way of the Samurai. Von Yamamoto Tsunetomo

Wem allerdings zur Anzahl der Klicks gratuliert wird, moege sich vor dem Nitty-Syndrom hueten.   C--
« Letzte Änderung: 31. Dezember 2009, 22:52:06 von Profuuu »
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mfG
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peter51 †

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #819 am: 31. Dezember 2009, 23:01:08 »

naja, wir wollen Ihm ja nicht gleich das
schlimmste wünschen  :]
auch von mir ein dickes thanks, Low  ;}
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Low

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Null Kalorien Diät
« Antwort #820 am: 01. Januar 2010, 19:18:32 »

Null Kalorien Diät                                                               30. Dez. 2009

Heute früh entführte Dick die letzte schöne grosse Tomate,
um das Zeug einer zahlenden Kundin in die Fresse zu schmieren.
„Tut nichts zur Sache,“ sagte ich mir gut gelaunt.
„Da ist ja noch der bereits gewaschene, knackig grüne Salat.“
Der wartete auf mich, bis ihn die Putzfrau am Vormittag ungefragt wegschmiss.
Auf meine Frage, wo denn das Grünzeug sei, griff sie beherzt in den Kehrichtsack und wollte mir das Zeug verfüttern.

Etwa sechs Stunden danach kontrollierte ich ungeachtet frustriert knurrender Eingeweide die Temperatur im Weinkühlschrank im Beautysalon.
Dort gab es Kiloweise Tomaten, Papaya, Fleisch, Garnelen, Gemüse und Glasnudeln. Mehrere knusprig zarte Frauen bereiteten Häppchen und
Plättchen für eine Party bei Poo.
Viertel nach sechs Uhr machte ich mich auf den Weg zu Poo, währen Dick zusammen mit der Haushalthilfe immer noch emsig arbeitete. Wegen
der mir unbekannten und grossen Gästeschar brachte ich ausnahmsweise keinen Wein mit. Landesüblich führte ich eine Flasche sogenannten
Blended Scotch spazieren.

Poos Gäste aus Bangkok, annähernd zwei Dutzend, flegelten bereits kauend an den Tischen und bedienten sich lässig weltmännisch am Buffet,
das immer noch im Aufbau begriffen war. Während dessen watschelte unsere Hilfskraft mehrmals herbei und ergänzte die Tafel mit weiteren
Delikatessen. Als Dick aus dem Dunkel mit ihrer letzten Schüssel in den Händen heranspazierte, fühlten sich die Herrschaften aus Bangkok bereits
gesättigt und räumten demonstrativ ihre Teller zusammen.

Ein Dutzend Dorfbewohner begannen nun gemächlich ihr Essen zu organisieren. Das Angebot war reichlich und es gab von allem mehr als genug.
Vier verschiedene Suppen, mehrere Curries, Salate - darunter Glasnudeln und Papaya, Reis und Nudeln, Berge von Fleisch. Sachen, von denen ich
nicht einmal die Namen kannte. Poo brachte gefüllte Schälchen, während mir Dong zuprostete.

Die Gäste aus dem Süden froren trotz der milden Nacht und zogen sich wärmer an. Sie sassen und standen sichtlich gelangweilt herum. Karaoke
interessierte sie nicht im Geringsten. Die nähere Umgebung ohne Bars, Menschenmassen, Verkehrslärm und städtische Unterhaltung wirkte eher
abstossend. Sie beschlossen, zu einem Markt zu fahren.

Poos Curry war wieder gut. Aber mir schmeckte diesmal die Suppe mit den Schweinerippchen besonders. Die junge Witwe neben mir, ein hübsches
einheimisches Püppchen, labte sich ebenfalls am Süppchen.
Dong sang eine Runde oder zwei und überreichte dann die Mikrofone an die Frauen. Die gaben sich alle Mühe, sangen, schwangen Hüften und
weitere Körperteile. Eine Stimmung wie bei uns im Garten kam trotz der Mitwirkung der in letzter Minute angeschleppten Schauspielerin nicht auf.

Die Gäste kehrten vom Markt zurück. Sie, die nicht einmal die Hälfte der Speisen vom Buffet versuchten, kauften dort weitere, vielleicht besser
schmeckende Verpflegung und verlangten nun wieder nach Tellern und Besteck.
Obwohl eine Menge angebrochene Flaschen auf ihren Tischen standen, heischten sie Schnaps von Dong und wollten sich damit ins Hotel
zurückziehen. Doch Dong trennte sich nicht von seinem Freund Johnny. Die Stimmung zwischen Rot und Gelb hätte nicht wesentlich kühler
sein können. Die benötigten nicht einmal Eis zum nicht gespendeten Scotch.
Mein Tinnitus im einen Lauscher klingelte warnend. Die Ohren waren steif und kalt. Zeit für mich, die häusliche Wärme aufzusuchen.
« Letzte Änderung: 01. Januar 2010, 19:23:49 von Low »
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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #821 am: 01. Januar 2010, 20:31:37 »

HalLow & @all

Bevor Du leidest wie ein Tier,

sei so frei und klick mal hier:   :) :)  <

mfg kmr
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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #822 am: 03. Januar 2010, 12:16:01 »

Besten Dank für die Beiträge von drwkempf und Profuuu
und die Wünsche von khon_jaidee, peter51 und kmr.

Die Gefahr, meine Geschichten zu häkeln, anstatt zu schreiben, dürfte relativ klein sein.
Meine Grossmutter mütterlicherseits behandelte sämtliche Haut, die aus meinem Hemd hervorguckte, nach Hexenart mit ihrer Spucke,
dass ich ähnlich Achilleus und Siegfried vor den meisten Syndromen geschützt bin.

Ich erlaube mir, den vorweihnachtlichen Aufsatz „Nachbarn in Not“ später noch einmal zu bringen. Neuere Recherchen warfen ein anderes
Licht auf die Ereignisse. An der Endaussage änderte sich jedoch nichts.
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Finale mit Pedalen
« Antwort #823 am: 03. Januar 2010, 14:25:49 »

Finale mit Pedalen                                                       2. Januar 2010

Neujahrsfeiertage. Verkehrstote. Trunkenheit am Steuer. Besoffene Mopedfahrer in Reihen und Mengen. Unser Dorf wurde abgeriegelt.
Abbiegen nach Hangdong unmöglich. Einbiegen von Chiang Mai aussichtslos. Die Schikane dient angeblich zur Hebung der Verkehrssicherheit
über die Festtage. Warum blockierten die verantwortlichen Herren nicht sämtliche U-Turns zwischen Chiang Mai und Chom Thong?
Die Übung wird wenig bringen. Die Unfälle werden nicht verhindert, sondern verlagert, denn jeder zusätzliche Meter, den diese Idioten im
Delirium Tremens zurücklegen, während des Fahrens saufen sie ja selten, bedeutet zusätzliche Gefahr. Ende. Darüber berichte ich in diesen
Tagen nicht, trotz Finale mit Pedalen.

Friedliche Stimmung in Haus und Garten. Ich sass auf unserer „Bridge over troubled water“:

„When you're weary feeling small
when tears are in your eyes I will dry them all
I'm on your side oh when times get rough and friends just can't be found
like a bridge over troubled water I will lay me down“, (1)

wie beim Tsunami-Beben vor fünf Jahren, das mich seinerzeit ordentlich schüttelte. Das Brücklein führt über einen schmalen Teich zum Hauseingang.
Leider ging beim Bau die sichernde Zugbrücke vergessen, die ich als militanter Bösewicht, inspiriert durch 007, täglich vermisse. In Folge verzichtete
ich auf hungrige Haustiere wie Haie und beissende Barrakudas. (2)

Vom Haus her ertönten gediegene Orgelklänge. Jean Jacques Beauvarlet-Charpentier 1734 – 1794, Journal d’ Orgue, interpretiert von Jan van Mol
auf der Orgel der Abtei von Mouzon in den Ardennen. (3)
In der Literatur entdeckte ich, dass Jean Jaques anno dazumal ein gefeierter Organist war. Die Orgel, erbaut durch Christophe Moucherel 1723 - 1725,
renoviert von Barthélémy Formentelli 1988 - 1991, ist ein Meisterwerk. Die Akustik der Kirche, mit einem Innenraum von sechzig Metern Länge, bei
einundzwanzig Metern Gewölbehöhe, ist unglaublich. (4) Die Wiedergabe im grossen, praktisch deckenlosen Haus in Nordthailand über ausgewogene  
AAD Boxen ist wesentlich besser als alles Vergleichbare, was ich während Jahren in High End Studios in Europa hören durfte.

Ein Steinelefant spie pausenlos Wasser in den Papyrus. Der ragte drei, vier Meter über den Teich bis unter die wuchtigen graugrünen Wedel einer Palme.
Zahlreiche Wasserpflanzen und Farne wucherten von der Papyrusinsel aus. Sogar ein Zwergbambus trieb schüchtern erste Zweige.
Meist unsichtbar in den Wurzeln des Papyrus verkrochen sich Aale. Zwei riesige Speisegurami von siebzig Zentimetern bekämpften sich dort.
Dem Unterlegenen war es kaum vergönnt, im langen Teich hie und da etwas Trockenfutter zu schnappen.
Ein neugieriger, grün glänzender junger Frosch wagte sich vorsichtig in das glitzernde Pflanzengewucher und blinzelte halb im Wasser sitzend träge in
die Gegend. Wölbt sich Wasser? Wellen schlugen sanft um einen Strudel, erzeugt durch einem mächtigen Gurami. Der Frosch war verschwunden.
Dazu dröhnten die mit Pedalen getretenen Bässe aus „Marche pour les rentrees de processions“.
Der mehr als würdige Abgang eines Frosches. Mein Traumfinale.

(1)


(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Barrakudas
(3)
http://www.amazon.de/Journal-dorgue-Jan-Van-Mol/dp/B000027BKH
(4)
http://miagep5.free.fr/deutsch.html


« Letzte Änderung: 03. Januar 2010, 14:35:38 von Low »
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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #824 am: 03. Januar 2010, 23:08:08 »

Tja Low, ob der Frosch das auch zu würdigen wußte...?

Ich hoffe, Du hast bald wieder allen Grund solche finalen Szenarien zu vertagen.
Orgelmusik, gut und schön, aber es gibt doch auch noch Dick und u.a. auch Musik von M. Ravel.

mfg kmr

P.S.: Dass Guramis auch "anders können"  ist hier zu sehen.

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