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Autor Thema: Geschichten aus der Geschichte  (Gelesen 58137 mal)

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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #405 am: 22. Oktober 2019, 10:11:36 »

Der "Niedergang" Castiglioni

Nach der ueberstuerzten und nicht geplanten Abreise,begab sich Castiglioni nach Italien,dessen Staatsbuergerschaft er bereits 1916 angenommen hatte.

Dort liess er verkuenden,dass sich niemand Sorgen wegen eines eventuellen Verlustes machen
muss und er alle Verbindlichkeiten ausgleichen werde,inklusive Zinsen.

Doch leider,leider kann er nicht nach Wien kommen um alles zu regeln,weil ein Haftantrag besteht.

Castiglioni war jedoch fuer den Staat Italien eine wichtige Person.So manche geheime Aktion lief
ueber ihn bzw. seine Banken.
Ausserdem hatte er Mussolini finzanzkraeftig unterstuetzt und war daher gut angeschrieben.

Der italienische Botschafter in Wien interventierte und der Haftantrag wurde aufgehoben.

Darauf kam Castolini nach Wien zurueck,allerdings weder mit Geld noch mit der Absicht irgend
etwas zu zahlen.
Doch da schlug die oesterreichische Verwaltung zu.

Man zwang Castiglioni alle inlaendischen Vermoegenswerte ( Firmen,Firmenbeteiligungen und
seine wertvolle Kunstsammlung)abzugeben,dafuer erspart er sich ein weiteres Verfahren.

Was ihm blieb,war sein Palais und sein Theater. Das Aktienpaket an BMW,sowie seine auslaend-
ischen Besitzungen blieben unangetastet.

Castiglioni ging daher nach Berlin und widmete sich zunaechst den Bayrischen Motoren Werke,
die in seinem alleinigen Besitz waren.

BMW hatte sich,nachdem die Siegermaechte den Bau von Flugzeugmotoren verboten hatten,
u.A. Motorraeder hergestellt und sich dabei einen Namen gemacht.
1924 just zum selben Zeitpunkt,wo Castiglioni in Deutschland sein Zelt aufgeschlagen hatte,
hob man das Verbot auf.

In kuerzerster Zeit lief BMW wieder auf Hochtouren und warf sehr gute Gewinne ab.Vor allem
mit Russland liefen die Geschaefte bestens.Russland brauchte die Motoren,da es nach den ver-
lorenen Krieg,aufruesten musste.
BMW stieg auch unter der Herrschaft von Castiglioni in den Automobilbau ein.Zuerst fertigte
man ein franzoesisches Modell in Lizenz,bald kam aber das erste selbstentwickelte Auto auf den
Markt.

Die deutschen Militaers jedoch bekamen steile Sorgenfalten,wenn sie an die Geschaefte von
BMW mit Russland dachten.

Sie beschlossen Castiglioni zu entmachten.

Sie drohten,alle militaerischen Auftraege zu stoppen,wenn er nicht 50 % seiner Aktien abgeben
wuerde.
Castiglioni dachte,dass eine halbe Taube in der Hand besser sei,als ein toter Spatz am Dach und
gab 50 % seiner Anteile ab.
Die Deutsche Bank erwarb das Aktienpaket und gab es zum Teil weiter.

Im Vorstand der Deutschen Bank sass jedoch ein gluehender Verehrer Hitlers,der entschlossen
war,den Juden und Finanzjongleur Castiglioni zu vernichten.
Am Besten verhaften und ins Konzentrationslager ueberfuehren.

Davor schuetzte Casiglioni seine Verbindungen zu Mussolini und ausserdem war Italien ein Buend-
nispartner Hitlerdeutschlands,den man nicht leichtfertig veraergern wollte.

Aber seine Schlitzohrigkeit wurde Castiglioni zum Verhaengnis.

Er hatte eine geheime Vereinbarung mit Russland,nachdem er fuer jeden verkauften Motor eine
Provision bekam,die auf sein privates Konto ueberwiesen werden soll.
Damit schaedigte er die anderen Aktienbesitzer.Er wurde vor die Wahl gestellt,die restlichen An-
teile ebenfalls abzugeben oder sich vor dem Richter zu verantworten.

Castiglioni gab nach und verkaufte das restliche Aktienpaket und zog in die Schweiz.

Ein grosses Rat,dass er von Deutschland aus drehen wollte,war eine Spekulation gegen den franz-
oesischen France.
Er schien ueberbewertet zu sein und ausserdem hatte Frankreich keine stabile Regierung.
Die Kabinette wechselten im Monatstakt,die linke Hand wusste nicht was die rechte Hand vorhat.

Ideale Voraussetzungen gegen eine Waehrung zu arbeiten.Ein gewisser Herr Soros hat viele Jahre
spaeter,mit der gleichen Methode ein Vermoegen verdient.

Das Rad stoppte allerdings jeh,weil es Frankreich gelang einen riesigen Kredit aus den USA zu
bekommen,der den France stuetzte.

Castiglioni,in der Schweiz angekommen,dachte sofort an grosse Geschaefte.Er wollte dort eine
Erdoelraffinerie errichten und dachte dabei weit voraus.

Um das Genehmigungsverfahren zu beschleunigen,sparte er nicht mit Bestechungsgelder.
Das flog auf und Castiglioni wurde nach Italien ausgewiesen.

Doch dort war er nicht sicher,denn Mussolini hatte ebenfalls "Rassengesetze" eingefuehrt und war
gegenueber ehemalige Freunde,Weggefaehrten und Finanziers sehr vergesslich.

So kam es,dass Castiglioni,ueber Umwegen, im kleinen Kloster in San Marino den Weltkrieg ueber-
lebte.

Einmal noch bekam er Gelegenheit ein grosses Rad zu drehen.

Marschall Tito hatte sich vom Ostblock abgespalten und benoetigte dringend westliche Kredite.

Castiglioni wurde beauftrag,gegen eine Provision von 2 % einen Milliardenkredit aufzustellen.

Die USA waren nur zu gerne bereit,den Kredit zur Verfuegung zu stellen,alleine schon um Stalin
eines auszuwischen.

Sobald das Geld fuer Jugoslawien bereit stand,vergass Tito die ausgemachte Provision und be -
antwortete Schreiben,die so begannen : " Bei Durchsicht meiner Buecher,stellte ich mit Be-
dauern fest ...",nicht.

Tito hatte aber uebersehen,dass Castiglioni nicht auf der Nudelsuppe geschwommen kam,und
der besorgte sich einen Rechtstitel,der ihm ermoeglichte,alle Besitzungen und Vermoegen Jugos-
lawiens in Italien pfaenden zu lassen.

Das waere eine riesige Blamage fuer Jugoslawien gewesen und Tito liess den Betrag ueberweisen.

Angelblich waren es 20 Millionen Dollar,die damals einen wesentlich hoeheren Wert als heute
hatten.
Selbst ich wuerde mit diesem Betrag bis Ende naechsten Jahres auskommen.

Das war das letzte Meisterstueck Castiglioni.Spaeter hoerte man fast nichts mehr und starb als
reicher Mann in Rom.

Castiglioni war nie Angeklagter oder wurde verurteilt.Keinen einzigen Tag sass er im Gefaeng-
nis und seine Weste blieb bluetenweiss.
Bei BMW ist er heute noch hochgeschaetzt,weil es ihm zu verdanken ist,dass es den Konzern
ueberhaupt noch gibt.

Jock



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Kern

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #406 am: 22. Oktober 2019, 13:05:05 »

Sehr interessant und vielseitig geschrieben!   {*   {*   {*
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Arthur1368

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #407 am: 22. Oktober 2019, 16:32:20 »

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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #408 am: 30. Oktober 2019, 13:52:12 »

Des Dachdeckers tiefer Sturz

Irgendwann im Fruehjahr 1984 rief mich mein oberster Chef an und teilte mir mit,dass er ein
Aviso bekam,dass die "Deutschen " 10.000.000 ATS anweisen wollen.

Und zwar fuer eine Anlage,die erst in einem Jahr vertragsgemaess zur Auslieferung vorge-
sehen war.

Er als Techniker fragte,ob er das Geld annehmen soll. Ich,als Kaufmann sagte : "Her damit"
und legte den Betrag als Festgeld an,weil unser Betrieb die Geldmittel nicht zum "Normal-
betrieb" benoetigte.

Die von ihm,der Westdeutscher war,als "Deutsche" bezeichneten,war die DDR gemeint und
damals dachten wir mit keinem Gedanken daran,dass in ein paar Jahren,die DDR untergehen
wird.

Immerhin war die DDR mittlerweile ein voelkerrechtlich anerkannter Staat,der in 180 ver-
schiedenen Laendern Botschaften eingerichtet hatte und als vertragstreu galt.

1989 war ich,wie jedes Jahr im Sommer fuer ein Wochenende am Plattensee.Es war ueblich,
dass wir es krachen liessen.
Beef Tartar zur Vorspeise,dann eine vorzueglich gekochte Hauptspeise und als Dessert,die
Qual der Wahl,Somlauer Nockerl oder Strudel.

Abends,der "Schwarze Zigeuner" spielte stirnnass " Schwarzer Zigeuner",auf deren Stirnen
20 ATS Noten klebten und der Krimsekt wie auch der Tokajer floss in Stroemen.

Im Hotel war eine Unzahl von Ostdeutschen Familien und Einzelpersonen,die ihren Jahres-
urlaub dort verbrachten und auf uns neidisch waren,wenn wir ihnen erzaehlten,dass wir unser-
en Haupturlaub in Griechenland,Spanien oder Italien verbracht haben,wovon sie nur traeumen
konnten.

Es war ein schoenes Wochenende und niemand von uns dachte daran,dass es ein heisser Herbst
werden wuerde.

Die erste "grosse" Fluchtbewegung gab es anlaesslich des "Paneuropaeischen Picknicks" am
12. August 1989.An die 600 - 700 Ostdeutschen "gelang" die Flucht.

Der Druck auf die Staatsfuehrung der DDR wuchs und wuchs.Die Menschen in der DDR wollten
eine Aenderung der Reisebestimmungen.
Die (West)deutsche Botschaft in Prag wurde ein "Auffanglager" fuer nichtrueckreisewillige
Ostdeutsche und es war eine diplomatischer Gratwanderung,die anstehenden Probleme,ohne
Gewaltanwendung zu loesen.

Zusammen mit den ersten Demonstrationen ( Wir sind das Volk) und der " Fluechtlingswelle"
geriet die Staatsfuehrung der DDR zunehmend zu der Ueberzeugung,dass nur radikale Aender-
ungen,die DDR retten konnte.

Im ZK der SED wussten einige Mitglieder,dass Erich Honecker als Bremser galt,den man aber
erst stuerzen muss,bevor man Reformen einleiten konnte.

Das war eine sehr heikle Angelegenheit,denn er war der erste und auch maechtigste Mann an
der Spitze.Doch er war alt und nach einer schwierigen Operation rekonvaleszent.

27 Mitglieder umfasste das Zentalkomitee der SED und keiner traute keinem.

In inspiritativ-vorsichtigen Gespraechen versuchten einige ZK - Mitglieder herauszufinden,auf
welcher Seite das jeweilig andere Mitglied stand.
7 - 8 Persoenlichkeiten,aber wichtige Amts- und Parteiinhaber fanden sich,und beschlossen den
Sturz Honeckers und hofften,dass auch andere,nichteingeweihte Mitglieder,sich dem Sturzge-
danken anschliessen werden.

16.Oktober 1989 in Wandlitz.

In der streng bewachten und abgeschlossenen Waldsiedlung hatte die Nomenklatura der DDR
ihre Wohnsitze.
Obwohl es dort vieles gab,wovon die normale Arbeiterklasse nur traeumen konnte,gemuetlich
war es dort nicht,trotz Schwimmbad,Tennisplaetze,kleine Klinik und einem Shop,wo die erlesen-
sten Waren aus dem Westen angeboten wurde.

Als ein neu hinzugezogener Bonze zum Einstand eine Grillparty veranstalten wollte,um gut -
nachbarliche Beziehungen herzustellen,erlebte er eine Ueberraschung.Die Party musste er ab-
sagen,weil niemand kommen wollte.

16.Oktober 1989 6 h am Morgen.

Zuerst wurde die Beleuchtung im Schlafzimmer Erich Honeckers eingeschaltet,dann brannte
das Licht im Badezimmer und Erich rasierte sich so sorfgaeltig,wie immer.
Auch im Schlafzimmer Margot Honeckers wurde das Licht eingeschaltet und etwas spaeter be-
gab man sich zum Fruehstueck ins Erdgeschoss,wo die Bedienung schon aufgelegt hatte.

Beide hatten keine Ahnung,dass die folgenden Stunden fuer ihr Leben einen katostrophalen ein-
schneidenden Lauf einleiten wuerden.

Mit dem Lieblingsauto,einem Citroen,der extra verlaengert wurde,fuhr Honecker zu seinem
Buero.

Der Tag war,wie immer durchgetakt und um 10 h stand eine Sitzung des ZK auf der Liste.

Die Sitzung hatte Honecker selbst einberufen und auch die Tagesordnung festgelegt.

Als die Teilnehmer vollstaendig versammelt waren,eroffnete er die Sitzung und wollte den
ersten Punkt eroertert wissen.

Da meldete sich Herr Stoph,der Vorsitzende des Ministerrates war und wollte,statt Punkt 1
der Tagesordnung ueber den Ruecktritt Honeckers diskutieren.

Fuer ein paar Sekunden war gespanntes Schweigen und alle warteten darauf,wie Honecker
reagieren wird.
Nach den paar Sekunden,ergriff wieder Honecker das Wort und wollte den Punkt 1 behandelt
wissen.Entweder hatte er absichtlich die Wortmeldung Stoph ueberhoert oder tatsaechlich die
Brisanz des Antrags nicht mitbekommen.

Aber nach dem Herr Mittag und spaeter Herr Mielke ebenfalls die Absetzung Honeckers diskut-
ieren wollten,gab er nach und erteilte jeden das Wort um ihre Meinung zu erfahren.

Alle,ausser er,stimmten dafuer,dass er zuruecktritt.

Honecker unterbrach die Sitzung,ging in sein Buero,sagte alle Termin ab,informierte seine Frau
und liess sich nach Wandlitz zurueckfahren.

Dort wechselte er die Kleidung und zog sein Jagdgewand an,nahm das Gewehr und verschwand
fuer viele Stunden im Wald.

Abends brannten noch lange die Lichter in seinem Haus.Er wurde von niemanden angerufen
und auch er rief niemanden an.

Naechsten Tag,wurde die unterbrochene Sitzung wieder aufgenommen und alle,einschliesslich
Honecker,stimmten seinem Ruecktritt zu.
Neuer Staatsratsvorsitzender wurde Egon Krenz,dem er sein Buero und den Schluessel zum
Tresor ubergab.

Am 18.10.1989 wurde seine Ruecktrittserklaerung verlesen und war damit ein Kapitel der ost-
deutschen Geschichte abgeschlossen.

Damit konnte man allerdings nicht den Buchdeckel ueber die Person Honeckers zuklappen.

Die beschaeftige in der nachfolgenden Zeit,Regierungen,Gerichte und Aerzte bis zu seiner Ab-
reise nach Chile.

Der Aufprall des Dachdeckers war heftig und nicht unbedingt alternativlos.

Jock









« Letzte Änderung: 30. Oktober 2019, 14:04:41 von jock »
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