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Autor Thema: Malaria (Medikamente, Behandlung)  (Gelesen 5089 mal)

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KhunBENQ

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Malaria (Medikamente, Behandlung)
« am: 18. Januar 2012, 13:40:28 »

Das zur Zeit wirksamste Medikament "Artemisinin" kann bald wesentlich billiger hergestellt werden.
Forscher des Max-Planck-Instituts Potsdam und der FU Berlin haben ein entsprechendes Verfahren entwickelt und die Ergebnisse gestern (17.1.2011) vorgestellt:

http://www.n-tv.de/wissen/Wirkstoff-effektiver-herstellbar-article5238756.html

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Ich habe einen neuen Thread aufgemacht, da mir die anderen nicht passend erschienen.
Hier könnten andere Nachrichten zum Thema Malaria gesammelt werden.
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drwkempf

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Re: Malaria (Medikamente, Behandlung)
« Antwort #1 am: 18. Januar 2012, 14:03:24 »

Super Beitrag, mein Lieber!! ;}
Jetzt bleibt zu hoffen, dass das Forschungsergebnis schnell umgesetzt wird und dass der Arzneimittelpreis dem stark vereinfachten Herstellungsverfahren auch angepasst wird.

Danke für die superschnelle Recherche
Wolfram

PS: Was bleibt, ist allerdings, dass auch das "Wundermittel" nicht gegen jede Malariainfektion hilft. :'(
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hmh.

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Re: Malaria (Medikamente, Behandlung)
« Antwort #2 am: 18. Januar 2012, 14:27:33 »

Ich verstehe nicht ganz, warum das halbsynthetische Zeug jetzt unbedingt vollsynthetisch und in Deutschland "billiger" hergestellt werden muß. In Wirklichkeit geht es wohl eher darum, daß der Topf der Krankheitskosten weiter aufgeteilt werden soll.

Den Wirkstoff, Artesunat, bekam man auch bisher schon in Thailand günstig.

Meine Tante lebte lange in Nigeria, wo ihr Mann für Bilfinger & Berger arbeitete. Beide hatte eine schwere Form der Malaria. Die Deutschen Ärzte und Krankenkassen verweigerten ihr die Behandlung mit Artesunat,  >: sie litt schwer an ihren Malariaschüben.

Ich besorgte darauf zweimal je ein paar Packungen Artesunat in Thailand über einen befreundeten Arzt (über Apotheken hier nicht erhältlich, nur in zugelassenen Kliniken) und sie behandelte sich selbst. Sie ist seit der zweiten Behandlung symtomfrei. Das war vor etwa 8 Jahren.

Ich weiß den Preis nicht mehr, aber das Zeugs war überhaupt nicht teuer, kostete weniger als die Medikamentation in Deutschland, die nicht half.
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KhunBENQ

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Re: Malaria (Medikamente, Behandlung)
« Antwort #3 am: 18. Januar 2012, 21:05:09 »

Es geht hier nicht um Artesunat, für das offenbar schon viele Resistenzen entstanden sind (seit 2009 z.B. in der berüchtigten Pailin Region in Kambo).
Es geht um Artemisinin, das laut den Beschreibungen das letzte Mittel in diesen Fällen ist und bisher NICHT synthetisch hergestellt wurde.
Hast du den Artikel überhaupt gelesen?
---
Für uns mag eine Therapie für 10 USD wohl billig erscheinen.
Mit dem neuen Verfahren lassen sich die Kosten evtl. auf ein Drittel senken.
Auf das Thema bin ich über einen TV Beitrag im RBB gekommen, der hier zu sehen ist:
http://www.rbb-online.de/nachrichten/wirtschaft/2012_01/neuer_ansatz__malaria.html
« Letzte Änderung: 18. Januar 2012, 21:13:28 von KhunBENQ »
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hmh.

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Re: Malaria (Medikamente, Behandlung)
« Antwort #4 am: 18. Januar 2012, 21:47:55 »

Mach Dir mal keine Sorgen um meine Recherchen. :-)

Artesunat ist ein Artemisinin-Derivat.

Du hältst es für Fortschritt, wenn Artemisinin jetzt, genau so wie das nicht zugelassene Derivat Artesunat, wegen der paar Kröten in Deutschland künstlich hergestellt wird.

Die Kosten der Behandlung sinken insgesamt um, sagen wir mal, 3 Euro, angeblich, weil das Medikament jetzt vielleicht nicht mehr 10 Euro, sondern 7 kostet.  Großartig.  {+

Für diesen riesigen Fortschritt gibt es dann natürlich EU-Patente und man kann damit dann sehr schön die nichteuropäischen Hersteller weiter draußen halten, zum Beispiel die, die weiterhin das natürliche Mittel herstellen, oder diejenigen, die schon bisher die Derivate wie zum beispiel Artesunat herstellten.

Ich halte das, wie gesagt, nicht für Fortschritt, sondern lediglich für knallharten Verteilungskampf in der Pharmaindustrie um unseren Geldbeutel.

Der Patient in Deutschland hat dann zwar endlich, endlich das Mittel, daß ihm hier seit Jahrzehnten willkürlich vorenthalten wird, er darf sich aber nur von heimischen Pharmafirmen zu selbstverständlich erst mal willkürlichen Patentpreisen abzocken lassen.

Denn die ausländischen Hersteller schaffen die willkürlichen EU-Marktvorraussetzungen garantiert auch weiterhin nicht.

Wenn Du glaubst, daß die Behandlung dadurch billiger wird, kann es dann vielleicht sein, daß Du auch an den Osterhasen und an den Klapperstorch glaubst?

Der Wirkstoff Artesunat wurde schon 2002 von der WHO als unentbehrliches Arzneimittel anerkannt. Das war zu der Zeit, als meine Tante ohne das Mittel wahrscheinlich über kurz oder länger an den Folgen ihrer schweren Malaria gestorben wäre. (Mein Onkel hatte Glück, bei ihm schlug die normale "Kassenbehandlung" an)

Das EU-"eigene" Mittel wird wahrscheinlich erstaunlich schnell zugelassen werden. Und die ahnungslosen Schafe jubeln auch noch darüber.

Frage: Hat es dem einzelnen Menschen schon jemals etwas genützt, wenn man natürliche Heilmittel oder sonstige Produkte plötzlich künstlich herstellt und sich, wie in solchen Fällen üblich, das ganze Verfahren patentieren läßt?

Wers glaubt, darf dann bitteschön ab sofort konsequenterweise nur noch patentierte Tofu-Schnitzel und garantiert aus Fischabfall hergestellte Surimi-Garnelen essen.  {/
« Letzte Änderung: 18. Januar 2012, 21:52:59 von hmh. »
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drwkempf

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Re: Malaria (Medikamente, Behandlung)
« Antwort #5 am: 18. Januar 2012, 21:57:59 »

Da hat der HMH wohl einfach sehr schnell gelesen. Seinen Argumenten kann ich aber zum Teil durchaus folgen.
Artesunat und Artemisinin sind nicht völlig identisch, aber sehr wohl verwandte Substanzen.

Die Behandlung der Malaria tropica  mit dem Wirkstoff des "einjährigen Beifusses" ist nicht neu, sndern in der klassischen chinesischen Medizin schon länger bekannt.
Aber auch in europäischen Malariamedikamenten kommt es zur Anwendung ("Riamet" der schweizer Firma Novartis).

Neu ist jetzt die rein chemische Synthese des bisher aufwändig aus Pflanzen (s.o.) zu gewinnenden Wirkstoffs Artemisinin, der alle Artemisinin-haltigen Medikamente billiger machen sollte.
Gerade in den Drittweltländern besteht ein großer Bedarf an billig herzustellenden Medikamenten (gegen was auch immer).

Ich halte die Entdeckung daher durchaus für wesentlich.

Zum Artesunat: ist vom Artemisinin abgeleitet. Wird vielfach auch als neues Mittel gegen einige Krebsarten ausprobiert.

Wolfram
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drwkempf

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Re: Malaria (Medikamente, Behandlung)
« Antwort #6 am: 18. Januar 2012, 22:11:17 »

@#4

Lieber HMH,

die rein chemische Synthetisierung des Artemisinin wird auch dem Artesunat wohl bekommen, auch dieser chemische Bruder wird billiger herzustellen sein.
Es besteht meines Wissens derzeit noch gar kein exaktes Wissen darüber, wo die o.g. Stoffe oder mögliche chemische Varianten in der nahen Zukunft erfolgreich eingesetzt werden können.
Warten wirs doch einfach ab.

Ich erwarte im Gegensatz zu Dir aber tatsächlich, dass die Medikamente auf dem Weltmarkt billiger werden, die Inder, die keine medizinischen Patente anerkennen, werden die Substanz zu Dumpingpreisen auf den Markt bringen, wie so viele ander überteuerte Medikamente aus der internationalen Medikamentenküche auch.
Als Beispiel nenne ich hier stellvertretend für viele ander Medikamente die in Indien für Pfennigbeträge hergestellten und (z.B. nach Südafrika) verkauften Anti-AIDS-Medikamente, die die Tagesbehandlungsdosis auf unter einen Euro gedrückt haben. Hier handelt es sich übrigens um absolut hochwertige Präparate und nicht um Mist!
(Die Tagesdosikosten in Europa liegen zigfach höher.)

Keiner von uns weiß aktuell, wie der Markt in Zukunft reagieren wird. Ich sagte es schon - wir werden es abwarten müssen.
Eines steht aber wohl fest: Die gesammte Menge an einjährigem Beifuss weltweit würe nicht ausreichen, um den geschätzten möglichen zukünftigen Bedarf an Artemisinin zu decken.

Wolfram
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hmh.

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Re: Malaria (Medikamente, Behandlung)
« Antwort #7 am: 19. Januar 2012, 00:34:28 »

Du bestätigst eigentlich meine Argumentation. Von den indischen hochqualitativen Nachbauten wird der "mündige" Patient in Europa absolut nichts haben.

Im Gegenteil wird man im abgeschotteten EU-Markt weiterhin peinlich genau darauf achten, daß auch nur ja keine Online-Apotheke oder gar ein Medizintourist im Einzelfall diese "Billigware" etwa "illegal" nach Europa einführen wird.

Es werden bei uns ja schon Leute kriminaliisert, die sich im Supermarkt in Las Vegas oder San Diego mal eine 1000er Vorratspackung Melatonin o. ä. für 17.99 Dollar eingepackt haben. Aber nicht etwa, weil es gefährlich für irgendjemanden wäre, sondern letztlich einzig und alleine deshalb, weil dasselbe Produkt dank unseres Absahner-"Gesundheits"systems in Teuroland locker das zehn- oder 20fache kostet.

Ich garantiere, daß absolut nichts wegen dieser neuen Erfindung für irgendeinen Patienten in Europa auch nur einen einzigen Cent billiger wird.
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drwkempf

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Re: Malaria (Medikamente, Behandlung)
« Antwort #8 am: 19. Januar 2012, 01:39:33 »

Lieber HMH,

mit Garantien wäre ich vorsichtig ;), obwohl ich Deinen Verdacht grundsätzlich teile.

Allerdings gehen europäische Preise für Atremisinin am Problem etwas vorbei.
Die Hauptgruppe der Gefährdeten sind Kinder in Ländern Afrikas und Asiens, die von günstigen Arzneimittelpreisen durchaus profitieren können.
Europäische Touristen können notfalls die überhöhten Pharmapreise europäischer Provenienz ertragen, wenn sie (hoffentlich selten genug) betroffen werden.

Wolfram
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KhunBENQ

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Re: Malaria (Medikamente, Behandlung)
« Antwort #9 am: 19. Januar 2012, 10:18:36 »

Beitrag (Video) dazu aus 3sat nano (18.1.2011):
http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=28901
(ab 2:00min)
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dart

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Thailand - Multiresistente Malariastämme bestätigt
« Antwort #10 am: 06. April 2012, 05:58:53 »

Ausbreitung der neuen Stämme wäre eine Katastrophe

"Mehr als ein Mensch pro Minute stirbt an Malaria. Allein 2010 forderte die Krankheit 655.000 Tote, neue Schätzungen kommen sogar auf 1,2 Millionen jährliche Opfer. Es könnte aber noch schlimmer kommen: Forscher konnten nämlich eine erstmals 2009 geäußerte Vermutung bestätigen, dass es im Westen Thailands einen neuen Malariastamm gibt, der gegen Artemisinin resistent ist.
 
Diese Erkenntnis lässt auch die Alarmglocken der WHO schrillen. Denn der aus dem Einjährigen Beifuß gewonnene Wirkstoff war das einzige Mittel, das gegen multiresistente Malariaparasiten wirkte. Wie nun allerdings Forscher im britischen Fachblatt The Lancet berichten, nahm die Wirksamkeit des Medikaments in der Region seit 2001 dramatisch ab....."

http://derstandard.at/1333528502505/Thailand-Multiresistente-Malariastaemme-bestaetigt
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dart

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Re: Malaria (Medikamente, Behandlung)
« Antwort #11 am: 06. April 2012, 19:25:38 »

Hier noch ein interessanter Bericht aus dem Tip, zur Verbreitung des resistenten Malariaerreger.

"Thailand. Eine Studie über Malaria hat ergeben, daß sich eine gegen Medikamente resistente tödliche Malaria rasend schnell von Kambodscha über die Grenzen zwischen Thailand und Myanmar verbreitet. Wissenschaftler befürchten jetzt, daß eine unkontrollierte Epidemie aufkommen könnte. "

http://www.thailandtip.net/tip-zeitung/nachrichten/news/wissenschaftler-befuerchten-eine-unkontrollierte-malaria-epidemie-in-thailand/
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drwkempf

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Re: Malaria (Medikamente, Behandlung)
« Antwort #12 am: 06. April 2012, 23:07:27 »

Du hast leider nur zu recht!
Die neuen Malariaerreger sind gegen den derzeitigen Behandlungsstoff ARTEMISININ resistent, damit ist dieses Malariaform wieder unmittelbar lebensbedrohend.
Hier helfen nur gut funkrionierende Klimaanlagen, Mückensprays in den Zimmern und weitestgehend geschlossene Kleidung. Auch die in Thailand überall erhältlichen Mückenprays und Salben machen absolut Sinn.
In der Trockenzeit ist das Malariarisiko allerdings gering, wer unbedingt zum Dschungeltrecking will, muss allerdings alle oben genannten Maßnahmen treffen.

Wolfram


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crazyandy

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Re: Malaria (Medikamente, Behandlung)
« Antwort #13 am: 06. April 2012, 23:09:21 »

ergänzend dazu vielleicht, dunkle Kleidung ziehen die Mücken an.
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goldfinger

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Re: Malaria (Medikamente, Behandlung)
« Antwort #14 am: 22. April 2014, 11:01:47 »

Thailändische Forscher entwickeln neue Anti-Malaria-Medikamente

http://thainews.prd.go.th/centerweb/newsen/NewsDetail?NT01_NewsID=WNSOC5704210010007
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