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Autor Thema: Geschichten aus der Geschichte  (Gelesen 39228 mal)

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jock

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Geschichten aus der Geschichte
« am: 23. Mai 2013, 09:04:20 »

Keine Angst,das wird kein Geschichtsunterricht !

Hier sollen nur Vorkommnisse,die im Laufe der Jahre passiert sind,nochmals
"in die Hand" genommen und daran erinnert werden.

Erzherzog Otto,auch genannt,der schoene Erzherzog,ist so eine Figur,dessen
Vita in Vergessenheit geraten wuerde,haette er die Bekleidungsvorschriften
beachtet.

Als Erzherzog zur Welt zu kommen,ist eine feine Sache.Die gesellschaftliche
Stellung ist von Geburt an da.Die Erziehung den damaligen Standards hoher
Persoenlichkeiten,angemessen.Finanzielle Sorgen sind unbekannt und es beibt
reichlich Zeit,fuer Muessiggang.

Und dem gab sich der Otto gerne hin.Es drohte kurze Zeit einmal die Gefahr,
Thronfolger zu werden,aber diese ging vorueber.

Sein Onkel Kaiser Franz-Joseph I konnte in Rage geraten,wenn er bei der
Abnahme einer Parade sah,dass bei einem Rekruten der oberste Uniformknopf
nicht geschlossen war.Ein fuerchterliches Donnerwetter fuer den Ungluecksraben
war die Folge.

Und dann geschah das :

Otto hatte sich mit seinen Saufkumpane im ehrwuerdigen Hotel Sacher zu einem
Gelage versammelt.Selbstverstaendlich in einem Separee,um vom gemeinen
Volk abgeschieden zu sein.
Im Suff torkelte Otto bei der Tuere hinaus und seine Kumpane verschlossen die
Tuere von innen.Verzweifelt trommelte,der an sich nackte,jedoch mit einem Saebel
und weissen Handschuhen bekleidete Erzherzog,gegen die Tuere.

Das herbeieilende Hotelpersonal,wurde zu strengsten Stillschweigen,verpflichtet,
doch was bleibt in Wien schon geheim ?
Bald erfuhr auch der Kaiser von dem Vorfall,war in erster Linie darueber empoert,
dass der Erzherzog nicht entsprechend bekleidet war und verordnete eine rasche
Heirat.
Eine Tochter des Koenigs von Sachsen war die Unglueckliche,die diese Ehe nur
auf Grund ihres starken Glaubens ertrug.

Otto scherte sich wenig um Etikette,und pflegte  weiterhin einen skandaltraechtigen
Lebensstil.Es gelang ihm zwar,dass seine Gattin beim Zeugungsakt,von Zweien seiner
vier Kinder anwesend war,naschte aber viel lieber im Nachbars Garten.
Bei seinen Ausschweifungen,steckte er sich mit Syphilis an und verstarb nach
einigen qualvollen Leidensjahren,in den Armen einer Kuenstlerin.

Sein erstgeborenen Sohn war der letzte Kaiser von Oesterreich,Karl I.

Aber davon bei Gelegenheit.


Jock
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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #1 am: 24. Mai 2013, 05:40:49 »

Sich Geld auszuborgen,kann einem teuer zu stehen kommen.

Die Banken scheren,die Schafe (Kreditnehmer) nicht nur mit dem
Zinssatz,sondern auch mit allerlei Gebuehren.

Private Kredithaie,erfreuen sich,wie wir gelesen haben,an einem
60 % Zinssatz und sind bei der Eintreibung der Schulden nicht
allzu zimperlich.

Aber das betrifft das gewoehnliche Volk !

Auch Koenig Ludwig II von Bayern haette sich ueberlegen sollen,
welche Auswirkung ein Kreditansuchen mit sich bringen kann.

Der Maerchenkoenig,Erbauer u.a. von Schloss Schwanstein,war
finanziell ein bisschen klamm.Also forderte er 6 Millionen vom
Landtag ein.Es kam eine Ablehnung.
Bismarck,den er um Rat bat,empfahl ihm,doch seinem Ministerium
zu befehlen,die benoetigte Summe aufzutreiben.

Ein fataler Rat,den statt Geld kam eine Aerztekommission und ent-
muendigte ihn.

Jock
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hmh.

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #2 am: 24. Mai 2013, 05:54:22 »

Das war die absolut richtige Entscheidung! }} Man sollte so eine Ärztekommission mal in den Hauptstädten Europas herumschicken  [-]  :]
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.derbayer.

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #3 am: 24. Mai 2013, 06:10:09 »


Heute jedoch sind des Königs neue Kleider Häuser,

Touristenmagneten ohnegleichen ,
mit denen sich die Republik,  das Land Bayern , insbesondere aber  die heutige bayrische Obrigkeit  gerne schmückt.

Ludwigs Neuschwanstein, Hohenschwangau, Schloß Linderhof und  Herrenchiemsee   haben  Bayern schon das mehrfache  dessen eingebracht,  
als das, auf was sich die ursprünglichen Kosten und Kredite beliefen.

Etwas überspitzt könnte man auch sagen : Ludwig war damals schon einem Walt Disney weit voraus  .

Wiggerl  baute Originale, Disney nur Copien  
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Es gibt kaum etwas Besseres, als mit einem Freund über ein interessantes Thema zu schweigen.

hmh.

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #4 am: 24. Mai 2013, 15:26:11 »

Das ergibt meiner Meinung nach keinen Sinn. Seit wann ist denn die Tatsache, daß Neuschwanstein Kohle bringt, und daß sich irgendwelche Ewiggestrigen mit sowas "schmücken", ein Beweis dafür, daß das auch nur entfernt etwas "Originales" sei.

Das genaue Gegenteil ist doch richtig: Der Kitsch und der Abklatsch zieht die Massen an. Dafür ist es ein Beweis!

Was ist an Neuschwanstein denn "original"? Das arme kranke, syphillitische Hirn des Herrn Ludwig hat doch nur einen Abklatsch seiner düsteren Phantasie von mittelalterlichen Burgen bauen lassen und kitschige naive Bildchen im Inneren aufpinseln lassen. Burgen waren zu seiner Zeit schon seit 300 Jahren kulturell und politisch wertlos, und die Bildchen sind Kitsch-as-kitsch can.

Genauso wie es vollkommen irre war, dem Nichtsnutz, Schuldenmacher, Bankrotteur, Schmarotzer, Einschleimer und Antisemiten Richard Wagner das Geld für fünfstündige Opern in den Hintern zu schieben, die ebenfalls schon damals eigentlich kein Mensch brauchte. Lehrreicher ist es jedenfalls auch heute noch, diese alten Geschichten in der Fassung von Gustav Schwab zu lesen.

Disney ist nochmal ein Abklatsch dieses irren Abklatsches der Vorstellungen eines kranken und bedauernswerten Hirnes.

Originale, das sind, um ein Beispiel zu nennen, das Du kennen müßtest, Tiepolos Deckenfresko in der Würzburger Residenz oder fast jeder erhaltene alte Straßenzug in den historischen Dörfern, die sich wie Perlen entlang der deutschen Flüsse aneinanderreihen.

Das hat auch jeder unserer Thailand-Gäste bisher von selbst gemerkt, wenn wir ihnen erst mal (vorher) das gezeigt haben, was wirklich Kultur ist:

http://www.thailand-tip.com/nachrichten/news/was-tun-mit-dem-muell-samuis-buergermeister-informierte-sich-in-europa/ (siehe 2. Teil des Artikels)

Auf dem Weg in die Schweiz haben wir im Vorbeifahren damals auch Hohenschwangau besucht. Nach der Würzburger Marienburg und dem Rheingau war das für unsere Gäste nur noch eine Enttäuschung.
« Letzte Änderung: 24. Mai 2013, 15:56:43 von hmh. »
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Burianer

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #5 am: 24. Mai 2013, 15:36:15 »

hmh, ja sicher hast Du Recht, nur Neu Schwanstein kennen die Amis, kennen die Japaner und Koreaner  und kennt die ganze Welt. Eben ein schoenes Disney .
Wer die Residenz, das Kaepele  und die Marienburg sieht, ist natuelich viel besser dran.
Habe allerdings kaum diese Sorte von Touristen dort gesehen.  Wird sicher noch kommen, wenn Wuerzburg  sich der Welt erschliesst.  {*
Zitat
Genauso wie es vollkommen irre war, dem Nichtsnutz, Schuldenmacher, Bankrotteur, Schmarotzer, Einschleimer und Antisemiten Richard Wagner  
Waren das nicht alle Koenige  :-X  oder der irren Wagner ? , die sich der Welt offenbarten :]  H   :-X  Hi :-X    besuchte das doch jedes Jahr   {+
Wieso gibt esHeute noch die Wagner Festspiele ?
   Die sind so  :-X
Zitat
    Ludwigs Neuschwanstein, Hohenschwangau, Schloß Linderhof und  Herrenchiemsee
degegen sind diese Orte doch Weltoffen und Gedankenfrei  {*
« Letzte Änderung: 24. Mai 2013, 15:43:21 von Burianer »
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hmh.

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #6 am: 24. Mai 2013, 15:52:17 »

 ;} Im Vergleich zur düsteren Wagner-Welt auf jeden Fall!
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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #7 am: 24. Mai 2013, 20:12:03 »

Einige Angaben zu Neuschwanstein.

Der Bau wurde von Ludwig II privat errichtet und kostete rd.6.5 Mio
Goldmark.Dies entsprichte etwa 60 Mio Euro.

Viel Geld fuer eine Junggesellenbude,koennte man meinen.

Jaehrlich besuchen etwa 1.3 Mio Besucher das Schloss und zahlen rd.
6 Mio Euro an Eintrittsgeld.(Angaben aus WIKI)
Grosso modo gesehen hat sich der Bau in rd. 15 jahren amortisiert.
Das Schloss gehoert heute dem Freistaat Bayern.

@hmh,s Kritik hat etwas an sich.

Aber man soll nicht uebersehen,dass ein Architekt das plant,was der Bauherr
will.Ludwig wollte eben eine Rittersburg,und sie passt in die Landschaft.

Die Finanzierung erfolgte privat bzw.aus den Eintrittsgeldern.Worueber
sich diskutieren laesst,ist,wieso verfuegt ein Monarch ueber soviel Kapital.
Seine Einkuenfte bezog er aus der" Zivilliste" und aus den Ertraegen seiner
privaten Betriebe.(Meist sind das Forstbetriebe,Brauereien u.aeh.)

Die Zivilliste verguetete seine Taetigkeit als Koenig.Nicht ungewoehnlich,
sondern wird in den Monarchien des heutigen Europas immer noch so ge-
handhabt.

In noch frueheren Zeiten wurde nicht unterschieden,zwischen privaten
Vermoegen und staatlichen.Man erinnere sich nur an Kaiser Augustus,
der alle Staatseinnahmen in seine Schatulle nahm,dafuer aber auch die
Ausgaben fuer das Heer zahlte.

Seit Mitte des 18.Jhd.wurde begonnen,Privat-und Staatsvermoegen fein
saeuberlich zu trennen.
In Oesterreich wurde der Adel 1919 abgeschafft,doch die Besitzungen nicht
enteignet,eben,weil man differenzierte.

Jede Zeit hat ihre Architektur.Sogesehen war die Errichtung von Neuschwan-
stein ein paar hundert Jahre zu spaet.
Wenn das eine "Suende" ist,so sind die Bauwerke entlang des Ringes zu
Wien sogar "Totsuende"
Das Parlament griechisch,das Rathaus neugotisch,die Uni Rennaisance,die
Kaserne maurisch u.s.w.

Aber man gewoehnt sich an alles !

Jock
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hmh.

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #8 am: 24. Mai 2013, 21:13:24 »

Auch die Würzburger Residenz und damit auch das größte Deckenfresko der Welt von Tiepolo ist mit Mitteln entstanden, die die frommen Landesherren zum Beispiel den Bauern im Ochsenfurter Gau und anderen abgenommen haben.

Bei 25 % aller kirchlichen Schenkungsurkunden kann man zum Beispiel heute noch ganz einfach nachweisen, daß sie gefälscht wurden. Die Mehrheit der Bevölkerung waren Analphabeten und konnten sich gegen die Manipulationen der Schreibkundigen (fast ausschließlich Kirchenvertreter) gar nicht wehren. (Ich habe mich damit vor ca. 20 Jahren intensiv beschäftigt, als ich mit einem Freund eine Chronik meines Geburtsortes zusammenstellte: Unter anderem ist die Schenkungsurkunde, in der mein Geburtsort das erste Mal erwähnt wurde, eine Fälschung der frommen Mönche eines Würzburger Stifts gewesen  >: )

"Wer Geschichte nicht als Kriminalgeschichte versteht, hat sie gar nicht verstanden" (sinngemäß nach Karlheinz Deschner).

Oder mit anderen Worten: Unter den Vorfahren der heute immer noch herrschenden Könige und Kaiser, Fürsten, Päpste usw. waren an entscheidender Stelle immer auch Raubritter, Totschläger, Blutsauger, Fälscher, Mörder und sonstige Verbrecher.

Dennoch ist es erlaubt, Unterschiede zu machen, was den Wert der mit dem zusammengerafften Geld dieser Leute entstandenen Kunst und Kulturgüter betrifft.

Neuschwanstein lohnt sich heute für den Staat. Na gut, das ist mir als Steuerzahler dann schon recht. Aber keiner soll mir den historisierenden Abklatsch Neuschwanstein als baugeschichtlich und künstlerisch gleichwertig mit der Festung Marienberg oder mit der Würzburger Residenz in diesselbe Reihe stellen.  {;

PS: Interessantes Geschichtsthema, Jock! Kennst Du auch ein paar interessante Thai Geschichten aus der Geschichte?
« Letzte Änderung: 24. Mai 2013, 21:20:57 von hmh. »
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pattran

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #9 am: 24. Mai 2013, 21:36:47 »

Oder mit anderen Worten: Unter den Vorfahren der heute immer noch herrschenden Könige und Kaiser, Fürsten, Päpste usw. waren an entscheidender Stelle immer auch Raubritter, Totschläger, Blutsauger, Fälscher, Mörder und sonstige Verbrecher.

Und ist das in Thailand heute besser?
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Die Frau ist ein Mensch, bevor man sie liebt, manchmal auch nachher; sobald man sie liebt, ist sie ein Wunder.

Max Frisch

hmh.

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #10 am: 24. Mai 2013, 23:48:13 »

Bemerkenswert "sinnvolle" Nachfrage zu einem offenbar gar nicht gelesenen Beitrag.  {[  {+
Auf die Verhältnisse in Monaco, Brunei und Tonga wurde übrigens auch nicht explizit eingegangen...  :]
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.derbayer.

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #11 am: 25. Mai 2013, 02:14:57 »


Schön daß wir da gleiche Wellenlänge haben:

Zitat
Neuschwanstein lohnt sich heute für den Staat. Na gut, das ist mir als Steuerzahler dann schon recht.
Zitat
Touristenmagneten ohnegleichen.  das mehrfache  dessen eingebracht,  als das, auf was sich die ursprünglichen Kosten und Kredite beliefen....

Zitat
Aber keiner soll mir den historisierenden Abklatsch Neuschwanstein als baugeschichtlich und künstlerisch gleichwertig mit der Festung Marienberg oder mit der Würzburger Residenz in diesselbe Reihe stellen.   {;
Hat das wer ?
Zitat
Etwas überspitzt könnte man auch sagen : Ludwig war damals schon einem Walt Disney weit voraus  

@Jock

wenn ich mir erlauben darf,
ich lese hmh schon gerne,
auch seine ersten,  mit  "Wucht" , geschriebenen Beiträge.  Richtig mögen tue ich ihn dann im "wuchtlosen"  und unaufgeregten  Hinterher.

Er kommt halt immer wie ein Unwetter, mit Wucht und Vehemenz. Läßt sich aber in der Sprache eines Frankenweinliebhabers im Abgang gut verdauen !




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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #12 am: 25. Mai 2013, 17:41:21 »

Heute,genau vor 100 Jahren hat sich Oberst Redl erschossen.

Da der Fall hinlaenglich bekannt sein duerfte,erspare ich mir,
nochmals alle Details anzufuehren,sondern will nur auf die
Kuriositaet hinweisen,wie aus einer versuchten Vertuschung,erst
recht,die Oeffentlichkeit davon erfuhr.

Conrad von Hoetzendorf war der oberste Militaer des k.u.k.Heeres.

Die kaiserliche Gnadensonne stand nicht mehr ueber ihn,sondern schon
recht tief.Zuoft ist er dem Kaiser und auch dem Thronfolger auf die
Nerven gegangen,wenn er wieder und wieder mit seinen (praeventiven) Kriegs-
plaenen daherkam.

Es passte ihm schon gar nicht,wenn jetzt der Skandal um Oberst Redl auf-
fliegen wuerde und er befahl,strengste Geheimhaltung und Vernichtung
aller Spuren.

Der erste Teil des Planes war leichte Uebung.Redl wurde in seinem Hotel-
zimmer gestellt,mit den Fakten konfrontiert,worauf er ein Gestaendnis ab-
legte.
Danach legte man ihm eine Pistole und ein Saeckchen Gift auf dem Tisch
und ersuchte,doch eines davon in den naechsten Stunden zu gebrauchen.
Er tat,wie ihm empfohlen und man fand seine Leiche naechsten Morgen.

Zur selben Zeit war eine weitere Untersuchungskommission nach Prag
aufgebrochen,um die Privatwohnung zu durchsuchen.
Kurz vor Mittags wollte man den beamteten und zur Verschwiegenheit
verpflichteten Schlosser beauftragen,die Wohnungstuere aufzusperren.

Leider war er nicht auffindbar.Entweder roch er den Sonntagsbraten im
Rohr,den er sich nicht entgehen lassen wollte oder er besann sich darauf,
dass Beamte an einem Sonntag nicht zu arbeiten pflegen.

Daher blieb der Untersuchungskommission nichts anderes ueber,als einen
zivilen Schlossermeister mit dem Aufsperren zu beauftragen.
Der Meister sperrte die Tuere auf - und blieb.Die Augen offen und die Ohren
spitz.
In kurzer Zeit bekam er mit,worum es ging.Doch das nuetzte vorerst nicht viel.

Das Pech,dass Conrad von Hoetzendorf hatte,liegt darin begruendet,dass der
Schlosser eine Stuetze seiner Fussballmannschaft war.Durch den Einsatz in der
Wohnung des Redls,versaeumte er das nachmittaegige Match.
Naechsten Tag wurde er vom Vorsitzenden des Fussballvereines zur Rede ge-
stellt,warum er gestern nicht anwesend war.
Jetzt erzaehlte er,wo er gewesen sei und worum es dabei gegangen ist.

Das Pech des Conrads von Hoetzendorf verdoppelte sich,den der Vorsitzende
des Vereines war niemand geringerer als Egon Erwin Kirsch,der "rasende" Reporter
und bei der Tageszeitung "Bohemia" angestellt.

Der zaehlte 1 und 1 zusammen und hatte bereits die Schlagzeile fuer seine Zeitung.

Doch HALT,so einfach war das nicht.Die Gefahr,dass die Zensur das Erscheinen ver
hindern wuerde war  zu gross,wenn er die Fakten einfach so niederschreiben wuerde.

Also entschloss er sich,den Sachverhalt in der Form eines Dementis,zu veroeffentlichen.

Die Zeitungsleser konnten daher lesen,das es ein Geruecht sein,dass Oberst Redl als
Spion fuer Russland gearbeitet haette und dass er sich daher erschoss.Es sei auch ein
Geruecht,dass Redl homosexuell veranlagt war,vielleicht deshalb erpresst wurde u.s.w.

So erfuhr nicht nur die Oeffentlichkeit von dem Vorfall,sondern auch der Kaiser und der
Thronfolger.

Der Kaiser war,wie immer bei solchen Vorfaellen, empoert,der Thronfolger jedoch tobte.

Jock



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schiene

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #13 am: 25. Mai 2013, 23:54:48 »

Wie Seligenstadt (Hessen) zu seinem Namen kam

Legende von der Umbenennung Seligenstadts
Einer Legende zufolge soll die Umbenennung der Stadt nicht aufgrund der Lagerung der Gebeine von St. Petrus und St. Marcelinus geschehen sein, sondern weil der bereits erwähnte Einhard, der Berater und Biograf Karls des Großen war, mit dessen Tochter Emma geflüchtet war. Er lebte mit ihr in Obermulinheim. Der Kaiser zog eines Tages durch diese Stadt und betrat dort das Gasthaus, in dem seine Tochter Emma mittlerweile arbeitete. Sie servierte ihm Pfannkuchen, und der Kaiser erkannte den unvergleichlichen Geschmack. Daraufhin soll der bekannte Ausspruch Selig sei die Stadt genannt, da ich meine Tochter Emma wiederfand entstanden sein, der auch heute noch auf dem Erker des so genannten Einhardhauses (erneuert 1596) in Seligenstadt zu finden ist. Infolgedessen wurde die Stadt selig genannt, der Name Seligenstadt war entstanden.

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Heute sind wir tolerant,morgen fremd im eigenen Land.

jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #14 am: 28. Mai 2013, 10:02:08 »

Kollege @hmh hat hier im Forum einige despektierliche Aeusserungen ueber
altehrwuerdige Berufe und Staende,abgesetzt

Das war unbedacht ! Denn sofort wurde er von der Einladungsliste,der dem-
naechst anstehenden Verlobungen,Heiraten,Taufen,Kroenungen und Begraebnisse,
der Blaubluetigen gestrichen.

Auch der Klerus ist aus dem Haeuschen und studiert in uralten,noch handschriftlich
gefuehrten,Aufzeichnungen,ob es moeglich ist,eine Exorzission aus der Ferne durch-
zufuehren.

Aber auch der alte Jock ist jetzt unsicher geworden.Zugerne haette er von der Strahl-
kraft des Adels gekostet,wenn er seine Beitraege mit dem" Pluralis Majestatis",beginnen
koennte,oder zumindest mit "Graf Jock von Jockstein,einer derer aus dem Geschlecht der
Jocks von und zu Jocksdorff, zu unterzeichnen.

Die Strahlkraft des Adels soll uns folgende (wahre) Geschichte vor Augen fuehren.

Da ist mal Rosa Jochmann.Sie kam aus einer armen Arbeiterfamilie und war seit
fruehen Jugendtagen mit der Sozialdemokratie  stark verbunden.Sie nahm,verschiedene
Funktionen ein,wurde verhaftet,wieder freigelassen,von den Nazis wieder verhaftet und
mit dem Begleitbrief " Rueckkehr "unerwuenscht in ein KZ abtransportiert.

Sie ueberlebte,wurde nach dem Krieg Parlamentsabgeordnete und scheute sich nicht,
auch noch in hohen Jahren,in den Schulen vom Kampf der Arbeiterschaft,der Zwischenkriegs-
zeit und der Zeit waehrend des Nationalsozialismus zu erzaehlen und zu warnen.

Und da ist noch Erzherzogin Elisabeth,die Tochter des Kronprinzen Rudolph und seiner
Frau Stephanie.Also alleredlestes blaues Blut.

Erzherzogin Elisabeth,wuchs ihrem Stande entsprechend auf.Als sie mannbar wurde,
heiratete sie,gegen den Wunsch ihres Grossvater,Fuerst Windischgraetz.
Da selbst der Fuerst,seiner eigenen Hochzeit skeptisch gegenueberstand,war es
unausbleiblich,dass die Ehe unter keinem guten Stern stand und scheiterte.

Das Paar trennte sich und Elisabeth ging eine Lebensgemeinschaft mit einem ge-
wissen Herrn Petznek ein.Herr Petznek war Lehrer und Sozialemokrat und bald
konnte er seine Lebensgefaehrtin (und spaetere Ehefrau) von den Idealen der Sozi
ueberzeugen. Elisabeth wurde Mitglied der Sozialdemokraten und erfreute sich
bald des Rufes " die rote Erzherzogin ",da sie aktiv in der Partei mitarbeitete.

Nicht nur beim jaehrlichen Maiaufmarsch,sondern auch sonst bei Parteiveranstaltungen,
begegneten sich Frau Jochmann und die Erzherzogin.Es reichte zwar nicht fuer eine
Freundschaft  zwischen den Damen,aber doch zu einer gegenseitigen Hochachtung.

Als Rosa Jochmann den 85.Geburtstag feierte,brachte der ORF ein Portrait ueber sie.

Sie erzaehlte aus ihrem Leben und als der Reporter hoerte,dass die hochherrschaftliche
Elisabeth mit Rosa Jochmann bekannt war,frug er sie :"Ja,wie haben Sie denn die Erz-
herzogin angesprochen ?"

Und Rosa Jochmann antwortete,mit dem Brustton der Ueberzeugung :"Natuerlich mit
Kaiserliche Hohheit ,wie den sonst ?"


Jock
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