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Autor Thema: Geschichten aus der Geschichte  (Gelesen 63230 mal)

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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #225 am: 17. Oktober 2016, 11:44:24 »

Die Indianer Nordamerikas zaehlten ihre Lebensjahre nach
Wintern.

Denn die Winterszeit war die gefaehrlichste Zeit im Jahres-
verlauf.
Wer da nicht vorgesorgt hatte,drohte an Hunger zu sterben.

Auch fuer die Bevoelkerung im oberen Waldviertel war der
Winter Anlass,rechtzeitig Nahrungsvorraete anzulegen.

Jetzt Mitte Oktober,war der Grossteil bereits geerntet,nur wenige
Feldfruechten waren noch auf den Feldern.

Kartoffeln,auch Erdaepfeln genannt.

Waren die Tage noch trocken,zog die Bauernfamilie zum Kartoffel-
feld.Fanni zog den Wagen,der Bauer und die Baeurin mit einer Schar
von Kindern in Begleitung machte sich daran,an den verdorrten
Kraut zu zerren und die Erdaepfeln auszugraben.

Sobald die spaete Sonne im Untergehen war,wurde es kalt und ein
Feuer aus dem Kraut entzuendet.

In die Glut wurden frisch geerntete Kartoffeln geworfen,bevor sie
total verkohlten, rasch wieder herausgeholt und aufgeschnitten.

Ein wenig Butter darauf,eine Prise Salz dazu und fertig war eine Koest-
lichkeit,von der ich heute noch traeume.

Fanni,die altgediente Stute wartete bis zur Abfahrt geduldig,am spaerlichen
Gras des Rains grasend und freute sich,bald wieder zu Max,ihren Lebens-
parter im warmen Stall zu kommen.

Bald ist die Zeit da,wo sie und Max wochenlang ihre Boxen nicht mehr
verlassen werden,da sich vor der Stalltuere eine meterhohe Schnee-
waechte auftuermen wird.

Langsam,fast unmerklich hat sich der Sommer verabschiedet.Den Sonnen-
strahlen schien die Kraft auszugehen,die Tage wurden kuerzer,die Schatten
dafuer lang und laenger.

Die ersten Nebel in den Wiesensenken und dann in der Fruehe das
erste Eis auf den Pfuetzen,das sofort wieder verschand,als die ersten
Sonnenstrahlen eintrafen,setzte eine hohe Betriebsamkeit in Gang.

Was auf den Feldern noch zu ernten war,wurde geerntet und dann musste
man noch in die Waelder und auf die Fluren.

Klaubholz wurde gesammelt,Hegedorn gepflueckt,Brennholz gespalten
und an der Hausmauer aufgeschlichtet,Knoblauchzoepfe vor die Ein-
gangstuere gehangen und die Vorratskammern gut versperrt.

Sobald der erste Schnee gefallen sein wird,wird sich das Blut der wohl-
genaehrten Sau darin vermischen,werden Blutwuerste produziert,Fleisch-
stuecke eingepoeckelt und geraeuchert,damit die vielkoepfige Familie
zu Weihnachten etwas zu Essen hat.

Wenn die Herbst - und Winterstuerme an der Haustuere ruetteln,ein kalter
Luftzug durch die nicht abgedichteten Fenster zieht,nur die meterhohe
Tuchent im Schlafzimmer vor dem Erfrierungstod schuetzt,ruecken Bauer
und Baeurin darin eng zusammen.

Und naechsten Sommer zaehlen sie verwundert die Koepfe ihrer Lieben,
verdammt,statt sechse sind es sieben.

Jock





« Letzte Änderung: 17. Oktober 2016, 11:49:47 von jock »
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Suksabai

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #226 am: 17. Oktober 2016, 12:27:30 »


@jock, ein Ferdinand Waldmüller der Worte!

 {* {* {*

lg
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Ich kann, wenn ich will. Und wer will, dass ich muss, der kann mich mal !

jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #227 am: 25. Oktober 2016, 12:42:12 »

Wenn die letzte Frucht von den Feldern abgeerntet ist,
werden die Erntedankfeste gefeiert.

In Nordamerika ist es ein Familienfest,wo alle moeglichen
Familienmitglieder,Freunde und Bekannte dazu eingeladen
werden,den Truthahn,der die Groesse eines Elefantenbabys
hat und stundenlange im Rohr schmorren muss,gemeinsam
zu geniessen.

Das ist auch die Zeit,wo sich auf den Schreibtischen nord-
amerikanischer Chirurgen Einladungen stapeln,die herzlich-
flehendlich zur Essensteilnahme bitten.

Man weiss,die Ausbildung zum Chirurgen ist eine lange.Zuerst
das gewoehnliche Medizinstudium,dann die Fachausbildung,bei
der der Doktor Erfahrungen sammelt,mit dem Operationsinstrument
gekonnt umzugehen.

Besonders ehrgeizige Chirurgen operieren,einem Schachgrossmeister
gleich,simultan an 4 Operationstischen gleichzeitig,um an dem
bestimmten Abend zu glaenzen und sich in dem Respekt und der Be-
wunderung zu sonnen,der/die ihnen zufliegen wird.

Fuer diesen einen Abend haben sie sich jahrelang geschunden,Freizeit
und Frauen fahren lassen,der der wichtigsten Tag des Jahres ist und
wo keiner versagen will.

Sitzt die hungrige 12 und mehrkoepfige Gesellschaft um den Tisch,
will jeder ein warmes Stueck vom Vogel haben und dafuer gibt es die
Chirurgen.Manche sagen sogar :ausschliesslich dafuer.

Nur sie haben die Faehigkeit,einen Truthahn in angemessener Zeit
zu tranchieren,damit alle zu einem warmen Essen kommen.

Also haltet mir die Chirurgen hoch.

Ein Bein abzunehmen kann bald ein Jeder,aber einen Truthahn zu
zerlegen,braucht es schon einen Doktor Wolfram oder einen Doktor
Prometheus.

Jock





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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #228 am: 03. November 2016, 07:45:00 »

Ist der Stephan bei Euch ?,die Stimme am Telefon war hektisch
und traenenumflort.

Nein,wir hatten Stephan das letzte Mal zu Silvester gesehen,als
er uns nervte,kurz vor Mitternacht ueber die Oberweite der Aphrodite
referierte und die Bizeps von Herkules besprach.

Wir waren einander bekannt,nicht gerade befreundet.Klara und meine
Frau waren Arbeitskolleginnen und ich wusste von ihm nur,dass er
Programmierer bei einer Firma war.

Das war damals 1972 ein aufreibender Job,wenn der Termindruck
taeglich groesser wurde und das Programm immer noch nicht lief.
Naechtelang wurde daran gearbeitet und die Nerven lagen blank.

Mitte Maerz,an einem Abend,war die Zigarettenpackung leer und Stephan
machte sich auf den Weg,eine neue Packung zu holen und kam nicht
mehr zurueck.

Erst 24 Stunden spaeter,nach einer durchwachten Nacht und einem
verheulten Tag,nahm die Polizei die Vermisstenanzeige auf.Das Fahrzeug
wurde in Schwechat im Parkhaus gefunden,er selbst blieb verschwunden.

Er blieb es im April,im Mai und im Juni.

Anfangs Juli die erste Spur,eine Visaabhebung auf Samos,dann eine weitere
von Mykonos und Ende August stand er ploetzlich vor seinem Weibe und
schloss sie in den Arm.

Aber er war ein anderer geworden.

Seine Koerpersprache strahlte Selbstbewusstsein aus,sein Gemuet  Ge-
lassenheit,keine Spur mehr vom Gehetzwerden war zu bemerken.

Waehrend die Polizei in Oesterreich in jeden Winkel leuchtete,die Waelder
durchstreifte,sass unser Stephan in einer kleinen Taverne am Fischerhafen,
nahm Souvlaki zu sich,spuelte diese mit geharztem Wein hinunter um
andertags seine Fuesse in den weissen Sand zu streckten und eine Bottle Rot-
wein zu vernichten.

Irgendwann hoerte er auf,sich die Tage zu merken und als Zeitmass galt
der Tag und die Nacht.Die Musik spendeten die Zikaden und die Klaenge,die
die Musikanten der Bouzouki entlockten,wenn sie zum Tanze des Sirtakis
einluden.

Stephan nahm spaeter wieder einen Job als Programmierer an.

Doch diesmal machter er alles anders.Wenn der Stress zu gross wurde,sein
Boss darauf draengte,dass er naechsten Tag Ergebnisse erwartet,lehnte er
sich in seinem Sessel zurueck,verschraenkte die Arme hinter seinem Kopf
und schloss die Augen.

Augenblicklich standen dann die Bilder vor ihm,mit den weissen Haeusern,
deren Tueren und Fensterrahmen hellblau gestrichen waren,hoerte das
Anschlagen der Wellen am Strand und sah die blauen Umrisse der unweiten
Inseln,die draussen im tuerkisenem Meer schwammen, waehrend Helios den
Sonnenwagen lenkte.

Er hatte sich gefunden und gab sich nicht mehr her.

16 Jahre spaeter,war auch Jock beinahe so weit,alles liegen und stehen zu
lassen und in eine andere Welt abzutauchen.

Schuld daran war ein hungriger Baer,aber das interessiert wahrscheinlich
niemanden.

Jock


« Letzte Änderung: 03. November 2016, 08:14:33 von jock »
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Kern

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #229 am: 03. November 2016, 14:36:00 »

... aber das interessiert wahrscheinlich
niemanden.


Auch ich bin einer der Jock-Geschichten-Süchtigen und sehe das anders.  :-)
« Letzte Änderung: 03. November 2016, 15:25:53 von Kern »
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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #230 am: 05. November 2016, 09:45:41 »

Wer war nicht schon einmal nahe daran,alles hinzuschmeissen
und ein neues,freies Leben zu beginnen ?

Der Druck in den letzten Wochen war ungeheuerlich,die Arbeits-
stunden summierten sich,ein Ungemach folgte dem naechsten.
Kunden,die einen Jahresumsatz von 3.870 ATS erreichten,benahmen
sich als seien sie Goetter und furchbar wichtig.

Wir hatten an jenem Freitag die Nase gestrichen voll und beschlossen,
Fruehschluss zu machen.

Meine Frau war bereits nach Hause aufgebrochen,mein Sohn und ich
erledigten noch ein bisschen was und wollten dann ebenfalls gehen.

Da laeutete das Telefon.Wir stellten uns tot.Das Telefon verstummte um
nach einer Minute wieder zu laeuten zu beginnen.So ging das noch 2 x
dann hoben wir ab.

Gott sei Dank,meldete sich die Stimme eines Kunden,bin ich froh,dass
ich euch noch erreiche,denn ich habe ein Problem.

Ein Zirkus war seit ewigen Zeiten Stammkunde bei ihm und der rief so-
eben an,sie haetten kein Futter fuer den Baeren.Und mit einem hungrigen
Baeren koennten sie nicht auftreten.Habt ihr Trockenfutter fuer Hunde ?

Haben wir ! Und Heu auch und Saegespaene ebenfalls.

Super,war die erleichterte Anwort,ladet zwei Autos voll und liefert es mir
nach Wr.Neustadt,denn dort gastiert der Zirkus gerade.

Das war ein huebscher Umsatz,den wir uns nicht entgehen lassen wollten.

In Wr. Neustadt angekommen,standen wir vor einem Schranken und der
Schrankenwaerter der Messegelaendes,richtete uns aus : "Do fohrts es net
eini".
Wieder neuer Stress und nach laengerm Zureden und Erklaerungen durften
wir dann noch. (Wieso ist die Welt so kompliziert ?)

Am Platz wo der Zirkus sein Zelt aufgebaut hatte und wo die vielen Zirkus-
wagen standen,wurden wir von offenen Armen der Zirkusdirektorin be-
gruesst,die sofort die Entladung organisierte und uns zu der Runde der Feuer-
schlucker,Jongleure,Trapezkuenstler,Loewenbaendiger,Hundedompteure
und Elefantenabrichter geleitete.

Alle waren freundlich,offen,gelassen.Eine aeltere Frau wollte uns aus der
Hand lesen ein ausgesprochen huebsches weibliches Wesen laechelte ver-
fuehrerisch und machte uns das Angebot,doch beim Zirkus zu bleiben und
mit ihnen weiter bis Sizilien zu fahren,wo sie das Winterquartier aufschlagen
wollten.In zwei Jahre oder so,waeren sie wieder zurueck.

Das sass, und in tiefen Gedanken versunken fuehren wir in die Firma zurueck.

Bei einer Tankstelle am halben Weg mussten wir tanken.Als wir aus unseren
Autos ausstiegen,sagte mein Sohn:,Also am liebsten waere ich dortgeblieben.
Die Ruhe,keine Sorgen,keine Hektik,nachmittags im Schatten sitzen,freundliche
Menschen rundum.

Mir gehts genauso,antworte ich,fahren wir einfach zurueck und heuern wir dort
an.

In dem Moment laeutete das Handy und meine Frau war dran.

Wo seid ihr,wann kommt ihr ?frug sie.

Ich erklaerte ihr,dass wir nicht mehr kommen werden,sondern jetzt beim
Zirkus sind und sie die Autos abholen lassen kann.

Sie tobte nicht,sie schrie nicht,sie bettelte nicht,sie brach auch nicht in
Traenen aus,sie sagte nur einen einzigen Satz und wir sassen in den Autos
und fuhren mit leicht ueberhoehter Geschwindigkeit zu ihr.

Sie sagte nur : Schade,dann muss ich wohl den frischen Schweinebraten
an die Hunde verfuettern.

Jock


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Kern

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #231 am: 06. November 2016, 06:21:29 »

Grandios  ;}   :D   {*
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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #232 am: 06. November 2016, 16:23:10 »

Es war nicht das erste Mal,dass meine Frau es verhinderte,
meinem Leben eine neue Perspektive zu geben.

1967 war es,als der "Grande" in unserem Familienclan einbrach
und einen Duft der grossen weiten Welt in unseren Stuben ver-
breitete.

Der "Grande",zwar Oesterreicher,aber ganz nach der spanischen
Art lebend,streng katholisch und sittenstreng,trat an Stelle des
verstorbenen Mannes meiner Cousine.

Deren guter Mann hiess Helmut und entseelte sich,als er gerade dabei
war,das Planschbecken seiner Kinder mittels Staubsauger aufzublasen
und dabei in den Stromkreis geriet.

Als die junge Witwe unter seinem Nachlass eine Adresse aus Sued-
amerika fand,sandte sie einen Partezettel zu und vergass die Sache.

Gross war ihr erstaunen,als ein halbes Jahr spaeter eine schwarze
Limousine vorfuhr und der "Grande" seinen Kondolenzbesuch machte.

Sie verliebten sich und zogen nach einiger Zeit nach Chile.Er war ein
reicher und erfolgreicher Geschaeftsmann,der in Suedamerika einige
deutsche Firmen vertrat und Geld wie Heu hatte.

Irgendwie hatte er einen Narren an mir gefressen und machte mir,an-
laesslich eines Besuchs, ein Angebot,dass ich nicht ablehnen konnte.

Wir sollten doch mit ihm nach Suedamerika gehen.Er wuerde die Tickets
bezahlen und ich koennte in seiner Firma mitarbeiten.
Er war sich sicher,dass ich nach kurzer Zeit eine Traumvilla am Meer
mein eigen nennen koennte,dazu ausreichend Hauspersonal und einen
aprikosenfarbenen Benz in der Garage stehen haben werde.

Und dann noch die Geschaeftsreisen.Zum Carneval nach Rio,im Vorbeigehen
einen lukrativen Vertrag abschliessen,der eine hohe Provision erwarten liess,
andertags weiter nach Caracas zum Vertragsabschluss eines weiteren
Vertrages,der bei einem Mittagsessen mit hohen Vertretern des Ministerium
unterzeichnet wird.

Er versprach auch,uns in die hohe Gesellschaft von Santiago de Chile einzu-
fuehren u.s.w.

Ich muesste mich allerdings rasch entscheiden,da er bereits am Dienstag
morgens wieder nach Suedamerika zurueckfliegen wuerde und da muessen
wir dabei sein.

Der Floh in meinem Ohr wurde gross und groesser.Was hatte ich denn schon
zu verlieren ?

Zu Haus angekommen,setzte ich mir meine Frau gegenueber und erzaehlte
ihr von dem Angebot.

Ihre Augen wurden gross und bekamen den Glanz,der auftritt,wenn man
ueberraschend den Jackpot gewinnt.
Besonders eingenommen war sie von der Aussicht,zukuenftig mit Dona Finni
angesprochen zu werden und dass taeglich sich eine Manikeurin um ihre
Fingernaegel kuemmern wuerde.

Paesse haben wir,sagte sie und die Koffer sind schnell gepackt.

Sie entschwand um die Koffer zu holen und die Sachen herauszulegen,die
unbedingt mitgenommen werden muessen.

Ich schloss mittlerweile meine Augen und traeumte von der grosszuegigen
Villa mit dem prachtvollen Garten und den gekiesten Wegen und von den
opulenten Partys die wir geben wollen,die Tagesgespraech sein sollen,als
sie ploetzlich vor mir stand und mir mitteilte,dass wir doch nicht fahren koennen.

Warum nicht,um Gotteswillen ?

Schau,sagte sie,heute ist Sonntag und Morgen Montag haben die Friseurge-
schaefte geschlossen und ich muss unbedingt vor der Abreise noch zum Friseur.

Jock






« Letzte Änderung: 06. November 2016, 16:33:32 von jock »
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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #233 am: 19. November 2016, 14:29:20 »

Joseph von Herzl war seit 1897 Leibarzt von Kaiser Franz Joseph I.

Als solcher hatte er die Pflicht,taeglich fruehmorgens in Schoen-
brunn zu erscheinen und sich beim Obersthofmeister zu melden.

Selbstverstaendlich war er dabei standesgemaess bekleidet.Aus Frack
und peinlich geputzten Schuhen,sah ein frisch rasiertes Gesicht,der
Begegnung mit dem Monarchen entgegen.

Der Obersthofmeister uebergab den Leibarzt Eugen Ketterl,der Leib-
diener bei seiner Majestaet war,der ihn zum Kaiser begleitete.

Die Herren kannten sich schon seit Jahrzehnten und auch den Ab-
lauf der folgenden halben Stunde.

Der Kaiser ueberreichte dem Leibarzt eine Zigarre und waehrend sie
rauchten unterhielten sie sich ueber das Wetter und die Neuigkeiten,
die sich in Wien ereignet hatten.

Anschliessend verabschiedete sich der Doktor und der Kaiser ging
zu seinem Schreibtisch,um Akten,die aus allen Teilen der Monarchie
seinen Arbeitsplatz erreichten,zu bearbeiten.

Eines morgens,wurde der Leibarzt nicht vorgelassen und als er sich
nach dem Grund erkundigte wurde ihm beschieden,dass der Kaiser
sich nicht wohlfuehlt und noch zu Bette sei.

Er,Herzl soll doch so gut sein und naechsten Tag wiederkommen,liess
ihm der Kaiser ausrichten.

Gesunde Distanz zu Medizinern ermoeglichen vielleicht ein langes Leben,
koennte man daraus schliessen.

Jock



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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #234 am: 19. November 2016, 15:42:01 »

Muss mich berichtigen,

Der Name des Leibarztes ist Kerzl und nicht Herzl.

Bitte um Entschuldigung.

Jock
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #235 am: 27. Dezember 2016, 10:56:37 »

Eine Liebesbeziehung,die sich leider aufgeloest hat.

Ihre Rundungen haben mich in den Bann gezogen und jedesmal
wenn ich sie sah,wurde mein Begehren staerker.

Elegant sah sie aus und grazil ihr Profil.Ich stellte mir vor,wie
sie anschmiegsam in meinem Haenden liegen wuerde und es doch eine
Herausforderung sein wird,sie zu beherrschen.

Sie schrie solange:" nimm mich",bis ich eines Tages nicht mehr wider -
stehen konnte und bereit war,eine kleine Summe dafuer hinzulegen.

Die aeltere Dame,der ich 1.500 ATS hinblaetterte,war freundlich und
meinte,dass ich viel Freude haben werde,aber ich muesste mit ihr sorg-
sam umgehen.

Am selben Abend hatte ich vor,sie zu entjungfern,wozu einige Vorbe-
reitungen notwendig sind.

Zuerst ein gutes Abendessen mit einer guten Flasche Wein.Dann das
notwendige Besteck mit dem Loeffelchen und dem spitzen Dorn bereit-
legen,darauf achten,dass das Feuer griffbereit ist und aufpassen,dass
falsche Humilitaet des Stopfguts die anzugehende Sache nicht verdirbt.

Es war nicht das erste Mal,dass ich diese Zeremonie vollzog.

Meine Finger hatten das "Fingerspitzengefuehl" zu spueren,wenn der Wider-
stand zu stark wurde,durch das Probesaugen wurde angezeigt,wann der
Moment gekommen war,das Feuer zu entzuenden.

Langsam,ganz langsam vollendete sich die naechste 1/2 Stunde,wonach ich
sie mit grosser Sorgfalt reinigte und sie 24 Stunden ruhen liess.

Oft noch in den folgenden Jahren vergoennten wir uns eine vergnuegliche
1/2 Stunde,bis ich sie,durch eine Uebersiedlung, aus den Augen verlor.

Die beschriebene Schoenheit hatte ich in einem kleinen Laden in Wien,Am
Hof erstanden.

Josef Ostermann stand auf dem Schild und daneben die Jahreszahl 1811.

205 Jahre wurde das Geschaeft alt und wurde heuer geschlossen.Es handelte
sich um das aelteste Pfeifenfachgeschaeft von Wien,ein Paradies fuer den
passionierten Pfeifenraucher.

Man konnte unter hunderten Pfeifenmodellen waehlen.Zwischen Brent und
Straight,zwischen Meerschaum und Bruyere.Zwischen zierlich und wuchtig.

Leider ging mit der Schliessung wieder ein Traditionsgeschaeft dahin.

Pfeifenrauchen gilt heutzutage als altmodisch und ausserdem hat heute
kaum jemand Zeit,die Muse aufzubringen,eine Pfeife zu geniessen.

Die schnelle Zigarette zeichnet heute fuer den modernen Mann,der gehetzt
ein paar Zuege nimmt,wenn er zwischen zwei Sitzungen ein paar Minuten
Zeit findet.

Vielleicht sehe die Welt heute anders aus,haetten die heiligen Drei Koenige,
statt Weihrauch und Myrthe,Pfeifentabak und eine "Vauen" nach Bethlehem
gebracht.

Jock
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #236 am: 31. Januar 2017, 12:43:32 »

Jayne Mansfield war nicht nur ein amerikanisches Sexidol sondern
auch eine Diva.

ihr Busen (103 cm) war in den 50 und 60gern weltbekannt und sie ver-
stand es auch,diesen einkommenstraechtig zu vermarkten.

1960 schlenderte sie in Pelz gehuellt durch Squaw Valley,als ploetzlich ein
Herr auf sie zustuerzte,ihr ein Paar Skier in die Hand drueckte,sich neben ihr
stelle und ein Fotograf Aufnahmen machte.

Sodann entriss er ihr wieder die Skier,sagte "senk ju" und entschwand.

100 Meter weiter.Ein anderer,ihr voellig unbekannter Herr,stuerzte auf sie zu,
drueckte ihr ein Paar Skier in die Hand,stellte sich neben sie und eine Fotograf
machte schnell ein paar Aufnahmen.

Auch er entriss,der verdutzten Jayne Mansfield die Skier,sagte "senk ju" zu ihr
und entschwand.

Zurueck blieb eine fassungslose Frau Mansfield,die lange gruebelte,welcher Sprache
sich die Herren bedienten,waehrend zwei glueckliche Herren aus Oesterreich mit
den gemachten Fotos ihre Firmenimperien auszubauen gedachten.

Die Herren waren Franz Kneissl und Anton Kaestle,die jeweils eine Skifabrik betrieben
und so Werbung fuer ihre Produkte machen wollten.

Es waren die goldenen Jahre der Herren Kneissl,Kaestle,Arnsteiner,Fischer und Rohr-
moser,die auf der Welle des Volkssport Skifahren zu Ansehen gekommen waren und
die sich als Industriekapitaene empfanden.

Einst waren sie kleine Wagnermeister oder hatten einen Tischlereibetrieb.Jetzt wurden
sie Kommerzialraete genannt,zu Vizebuergermeister ernannt und mit Orden ausge-
zeichnet.

Statt ueber 2- 3 Gesellen zu befehlen,kommandierten sie hunderte Mitarbeiter und ihre
Invovativvermoegen war unerschoepflich.

Sie fertigten Skier aus Holz,Metall oder Kunststoff.

Produzierte der eine Skier mit Loechern an der Skispitze um den Luftwiderstand zu ver-
ringern,montierte der andere Pressluftflaschen an den Skienden,um durch die aus-
stroemende Luft,den Ski schneller zu machen.
(Letzteres hat allerdings die FIS verboten).

Die Kommerzialisierung des Skisports hatte zwar schon begonnen,hatte aber noch nicht
alles so im Griff.
1956 war es noch moeglich,dass der Toni Sailer sein Abfahrtsrennen auf Kaestle ge-
wann und seinen Sieg beim Slalom auf Kneissl feiern konnte.

Undenkbar heute !

Apropos heute !

Die genannten Altspatzen ruhen schon laengst in ihren Graebern und ihre Lebenswerke
sind  laengst in fremder Hand.
Konzerne haben heute das Sagen und Al Jaber,ein arabischer Scheich,irrlichtert in der
Branche.(Es empfiehlt sich,die Finger nachzuzaehlen,wenn er einem die Hand geschuettelt
hat.)
Skier werden kaum mehr in Oesterreich produziert,sondern in Tschechien,Ukraine und
anderswo.

Auch die Erfolge lassen nach.

Das meint auch Annemarie Moser-Proell,wenn sie sagt,dass frueher die Maedels zum
Weltcup mit der Handarbeit angerueckt kamen und heute mit dem Laptop kommen.

Angesichts der spaerlichen Erfolge unserer Skimannschaften,koennte man ueberlegen,ob
wieder Stricknadeln bei den Damen und "Quetschen" bei den Herren ins Gepaeck ge-
hoeren um den Sieg zu erzwingen.

Denn nichts mehr liebe ich,als wenn ein Sieger(innen) Interview mit den Worten beginnt :
"Jo mei " .

Jock










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samuispezi

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #237 am: 31. Januar 2017, 19:50:24 »

Endlich wieder mal ein Geschichtchen, dass man mit
Freude liest, und gerade als "Waschechter" mitfühlen kann.

Wegen der Produktion kann ich Dich allerdings beruhigen,
der Großteil der Skis wird immer noch von jedem Werk
in Österreich durchgeführt.
Das kann ich Dir als Lieferant einer Komponente, die bei
jedem Ski von jeder Firma gleich ist, :-X mit 100% iger
Sicherheit garantieren.

Schön wieder mal was zu lesen von Dir.

Viele Grüße
Samuispezi }}
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #238 am: 07. Februar 2017, 14:41:05 »

Solche Weichlinge,denke ich mir manchmal,wenn sich wieder ein Member
darueber beschwert,dass er noch 3 oder 4 Jahre bis zur Rente arbeiten muss.

Er hat dann 40 oder 45 Jahre gearbeitet und was ist das schon gegen das
65 jaehrige Malochentum der Koenigin Elisabeth II. ?

Nie hat sie sich darueber beschwert und nie hat sie daran gedacht,die 6 Raben
im Tower vergiften zu lassen,damit das Koenigreich einstuerzt und sie frei wird.

Die Maer erzaehlt naemlich,dass,solange Raben im Tower wohnen, das Koenigreich
Bestand haben wird.

Nur einmal in der jahrhundertelangen Geschichte waere es beinahe soweit ge-
kommen,dass es keine Raben mehr im Tower gegeben haette.

Die Bombenangriffe des Herrn Hitlers haben 5 der Raben veranlasst,das Weite zu
suchen,nur einer blieb unbeeindruckt vom Hoellenlaerm und rettete so die Krone.

Herr Hitler bliess daraufhin die Invasion der Insel ab und sein weiteres Schicksal ist
ja bekannt.

Die Raben im Tower sind Angehoerige der Armee mit Dienstgrad.Sollte,was manch-
mal vorkommt,einer wegen unehrsamen Verhaltens entlassen werden muessen,so
natuerlich erst nach Ausfertigung der entsprechenden Entlassungspapiere.

Der Rabe Georg war ein solcher Fall.

Nachdem er sich zum zweitenmal an einer Fernsehantenne zu schaffen machte und eine
wichtige Uebertragung eines Pferderennens vereitelte,wurde er entlassen.

Seither lebt er/sie in einem Zoo und entwickelte auffaellige Parallelen zu der eben von
Herrn Obama begnadigten Chelsea Manning (frueher Bradley Edward Manning).

George legte dort ein Ei und nahm den Namen Georgina an.

4.000 Pfund kostet pro Jahr und Vogel der Unterhalt und Pflege der Raben,den eng-
lischen Steuerzahlern.
190 Gramm frisches Fleisch wird taeglich gereicht und dazu in Blut getraenke Bisquits.

Frueher verwendete man das Blut jener,die bei einer notwendig gewordenen Regierungs-
umbildung um einen Kopf kuerzer gemachten Blaubluetigen,aber seit dieser schoene
und nuetzliche Brauch unmodern geworden war,Blut von Schweinen.

Ma'am,ich erlaube mir,zu Ihren Ehrentag ein Glas,gefuellt mit einem steifen (Beefeater)-
Gin Tonic zu Ihrem Wohle zu erheben und wuensche Ihnen,dass sie es schaffen,die laengste
bekannte Regierungszeit eines Monarchen zu ueberbieten.

Ich denke dabei an Herrn Sobuza II. der das Swasiland 83 Jahre regierte und als er starb,
ca 70 Witwen und ca 210 Kinder hinterliess.

Cheers !

Jock

« Letzte Änderung: 07. Februar 2017, 14:56:54 von jock »
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #239 am: 07. Februar 2017, 15:34:06 »

Grandios und mit feinstem Humor   {*   {*   {*
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