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Autor Thema: Geschichten aus der Geschichte  (Gelesen 42544 mal)

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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #285 am: 08. Oktober 2018, 18:42:34 »

Onkel Wilhelm und sein Kreuz mit Hitlers Wunderwaffe

Je enger sich die Schlinge um das Deutsche Reich zusammenzog umso heftiger ruehrten
die Nazi die Propagandamaschinerie.

Von der Wunderwaffe wurde gesprochen,die die Kriegssituation aendern wuerde.

War damit gemeint die Reichsflugscheibe mit repulsinen Antrieb ?Oder die Heinkel He 162,
ein aus Holz und Leim gebauter Jagdflieger,der immerhin 960 Km/h erreichte.
War damit die Weiterentwicklung der V2 gemeint ?

Genaues wusste man natuerlich nicht.

Onkel Wilhelm war Bauer in Schrems und wortkarg. Mehr als "Hue und Hot" oder "Wuah und
Brrr" kam ihm nicht ueber die Lippen.

Undenkbar,dass er eine flammende Rede zum Ruhm des 1.000 jaehrigen Reiches halten wuerde.

Trotzdem wurde er zum "Ortsbauernfuehrer" ernannt.Der Grund dafuer war die prominente Ad-
dresse am Hauptplatz 26 in Schrems und weil er dort der einzige Landwirt war.
Daher prangte bald ein eindrucksvolles Schild neben der Eingangstuere,die mit der Aufschrift
versehen war,dass es sich bei dem Bewohner um ein Mitglied des "Reichsnaehrstandes" handle.

Ein unuebersehbares Hakenkreuz rundete das Ganze ab.

Onkel Wilhelm war zwar an Politik nicht interessiert,doch konnte er nicht verhindern,dass er in-
direkt dem Deutschen Reich zuarbeitete.

Zuerst scheute er nicht zurueck,dass seine Frau das Mutterkreuz erhielt und sah sich auch ge-
zwungen,seinen juengsten Sohn auf Adolf taufen zu lassen.Aber das war es auch schon.

Als sich das Kriegsglueck dem Deutschen Reich abwendete und der Einsatz der Wunderwaffe
auf sich warten liess,stattdessen der Iwan nah und naeher kam,wurde er unruhig.

Taeglich wurde sein Dilemma grosser.Nimmt er das Schild ab und die Wunderwaffe dreht die
Kriegssituation,erschiesst ihn die SS.Nimmt er das Schild nicht ab,erschiessen ihn die Sowjets.

Naechtlang hoerte er die Feindsender ab und verglich die Meldungen mit jener,die das Wehr-
oberkommando herausgab.

Nachdem klar geworden war,wer Sieger sein wird,montierte er das Schild neben der Haustuere
ab und versteckte es tief im Kartoffelkeller.

Die vier Bohrloecher liess er unverputzt,denn man weiss ja nie,was kommt.

Bis spaet in die 80ger Jahre waren sie so stumme Zeugen einer verworrenen Epoche.

Jock

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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #286 am: 10. Oktober 2018, 18:19:39 »

Die wahre Geschichte der Lufthansa

Jedes Jahr,so Mitte Maerz,veroeffentlicht die Lufthansa ihr Geschaeftsergebnis.

Stolze Zahlen werden dort genannt.Gewinn wieder gesteigert,die Effizenz signifikant erhoeht
und alle anderen wesentlichen kaufmaennischen Eckdaten weisen in die positive Richtung.

In 4-Farbendruck und auf Hochglanz stellten sich die Vorstandsmitglieder vor.Sie sehen ho-
norig aus und jedermann wuerde ihnen,ohne Bedenken einen Gebrauchtwagen abkaufen.

Kein Wort verlieren sie,dass die Lufthanssa ein dunkles Geheimnis birgt und ein Beweis da-
fuer ist,dass sich manchmal ein Verbrechen lohnt.

1926 kann man lesen,wurde die Lufthansa gegruendet.Zwischendurch von den Nazis aufge-
lassen und 1953 wiedergegruendet.

Das klingt alles unverdaechtig,doch @Jock weiss die Wahrheit ueber diese Airline.

Die Lufthansa wurde naemlich viel,viel frueher gegruendet.Der Gruender war ein Doppelmoer-
der und schaendete eine Koenigstochter,bevor er sich aus dem Staub machte.

Wieland der Schmied wurde er genannt und man kann schon verstehen,dass er einen Groll
auf seinen Koenig hatte,der ihm die Kniesehnen durchschnitt,damit er in seiner Schmiede bleiben
muss um fuer ihn die wertvollsten Kleinodien herzustellen.

Doch Wieland sann auf Rache und Flucht.

Heimlich schmiedete er eiserne Fluegel,die das Praedikat "Made in Germany" verdienten.Dann
ermordete er die zwei Koenigssoehne und machte aus ihren Gehirnschalen goldene Trinkge-
faesse.Schliesslich genusswerkelte er noch die Tochter des Koenigs und drehte ihr dabei ein
Kind an.

Als alles vollbracht war,loeschte er das Feuer in der Schmiede,schnallte sich die Fluegel an,stieg
in die Luefte und ward niemehr wieder gesehen.

Das war die richtige und wahre Geburtsstunde der Lufthansa.

So mancher Zeitgenosse,bedauert es sehr,dass an Bord des A380 das Bordmagazin nicht in
Runenschrift herausgegeben wird und wuenschen sich auch,dass der Kranich gegen den Vred-
foelnir ausgetauscht wird.Jener mystischen Vogel der Asen,der im Geaest eines Baumes sitzt.

Uebrigens,Wieland der Schmied war der erste Germane,der einen Flug ueberlebt hat.Anders
als der mediterrane Billigsdorfer mit seinen Federn und Bienenwachs.

Jock













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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #287 am: 12. Oktober 2018, 17:20:59 »

D'Zigeiner san do !

Die Nachricht :"Zigeiner san do " verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Ort und loeste eine un-
gewoehliche Betriebsamkeit aus.

Flugs wurde die Waesche von der Leine genommen und uns Kinder eingetrichtert,ja nicht zum
Zigeunerlager zu gehen.

Wahre Horrorstories wurden erzaehlt.Kinder sollen sie kidnappen,verschleppen und an andere
Zigeunerclans verkaufen.Kein Kind kaeme jemals zurueck.Ja,und stehlen wuerden sie wie die
Raben - nichts ist ihnen sicher.

Unterschiedliche Zigeunerfamilien kamen zu unterschiedlichen Zeiten in unseren Ort.Ihre Zi-
geunerwagen,die mit einer hohen halbrunden Plane bedeckt waren,wurden von duerren Pferden
gezogen.Sie waren zahlreich und hielten zusammen,wie Pech und Schwefel.

Der Buergermeister wies ihnen einen Lagerplatz nahe dem Waldesrand zu und erlaubte ihnen
aus dem Wald Brennholz zu klauben und Beeren und Pilze zu sammeln.Manche Ortsbewohner
sollen sogar waehrend ihrer Anwesenheit,dann und wann,ein Buechslein knallen gehoert haben,
aber das liess sich nicht verifizieren.

Die Maenner machten sich,sobald sie ihr Lager eingerichtet hatten,auf,der Ortsbevoelkerung ihre
Dienste anzubieten.

Messer und Scheren wollen sie schleifen und loechrige Toepfe und Kessel flicken.Darin sind sie
Meister behaupten sie und bekamen ihre Auftraege.

Sobald sich die Maenner mit ihrern buschigen Schnurrbaerten und bunten Hemden ins Lager zu-
rueckgezogen hatten,um ihre Auftraege abzuarbeiten,kamen ihre Damen in den Ort.

Auch sie waren in bunten Kleidern gehuellt,ihre pechschwarzen Haare bedeckten sie mit einem
Kopftuch und ihre Ohren schmueckten sie mit goldene Ohrringe.

Sie baten um ein bisschen Brot,alte Kleidung und um ein wenig Kleingeld,dabei hatten sie ein
scharfes Auge auf herumliegende Dinge,die offensichtlich niemand mehr brauchte und froh ist,
wenn sie wegkaemen.
Erstaunlich war,dass waehrend ihrer Anwesenheit im Ort,so manches Huhn sich verlief und nicht
mehr in den heimatlichen Stall zurueckfand.

Auch boten sie Handlesen und Wahrsagen an und kaum eine der heimischen Hausfrauen konnte
ihre Neugierde bezaehmen und liess sich die Zukunft voraussagen.

Die Zigeunerinnen waren wahre Meisterinnen der angewandten Psychologie.In Sekundenbruch-
teilen konnten sie den seelischen Zustand ihrer Kundinnen erkennen und danach richteten sie
ihre Expertisen aus.

Gefestigten Personen hoerten eine positive Zukunftsperspektive.Das erhoehte das Honorar.
Labilen oder aengstlichen Frauen malten sie die Zukunft in schwarzen Farben,doch sie hatten
in solchen Faellen stets ein Mittel um drohende Ungluecke abzuwehren.

Es huelfe,redeten sie diesen Personen ein,eine geheimnisvolle Zeremonie oder bei hartnaeckigen
Faellen,ein Zaubertrank,der nach uralten Rezepten hergestellt wird.
( Eine Lebensmittelanalyse haette ergeben,dass es sich um gezuckertes Wasser handelt)

Beide Heilmittel waren natuerlich nicht gerade billig,doch sie wurde leicht an die Frau gebracht.

Wenn Tage spaeter,die Ehemaenner davon erfuhren,kam das Raufen ihrer Haare zu spaet,denn
die Zigeuner waren weitergezogen und keiner wusste wohin.

Deren Kinder beneideten wir sehr.Sie mussten nicht zur Schule gehen und konnten den lieben
langen Tag im Wald herumtollen und erlebten in vielen fremden Laendern Abenteuer ungeahnten
Ausmasses.

Manchmal denke ich mir,vielleicht haette ich mit ihnen mitziehen sollen.

Da waere ich jetzt bestimmt  der Clan-Boss,haette einen buschigen Schnurrbart,einige Goldblomben
im Oberkiefer,eine rassige Frau und siebenundzwanzig Kinder.

Jock

« Letzte Änderung: 12. Oktober 2018, 17:26:12 von jock »
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #288 am: 13. Oktober 2018, 19:18:21 »

Der Generalmusikdirektor

Nach dem Krieg gab es in Schrems so gut wie keine Moeglichkeiten der Zerstreuung oder
besondere Freizeitangebote.

Nur in der Ballsaison wurde getanzt oder man ging in das oertliche Kino,das allerdings nur
am Donnerstag und am Sonntag bespielt wurde.

Veranstaltungen,wie die Umzuege am Palmsonntag oder zu Fronleichnam,wurden von der
Arbeiterschaft gemieden,wie der Teufel das Weihwasser.

Daher freute man sich auf die Zeit,wenn das "Vereinsbergfest" im Sommer etwas Ablenkung
vom Alltag anbot.

Der Vereinsberg ist eine Anhoehe von vielleicht 30 Meter,wo oben ein paar Buden aufgebaut
waren und ein Podest fuer zwei Tage der Feuerwehrblasmusikkapelle zur Verfuegung stand.

Auf diese 2 Tage freute sich besonders ein Bewohner des "Armenhauses",denn dann kamen
die Stunden,wo er ueber sich hinauswuchs.

Dem Burschen hatte das Schicksal arg getroffen.Er war mongolide,konnte daher nicht zur Schule
gehen und wurde in diesem Heim von Nonnen betreut.
Manchmal sass er still am Stadtplatz auf einer Bank.Nur dann und wann,wenn ihm ein Gedanke
kam,lachte er lauthals und schuettelte sich vor Freude.

War er deswegen so gluecklich,weil niemand von ihm eine Steuererklaerung verlangte oder weil
er sich keine Gedanken weges Ablauf seines Reispasses machen musste ?
Wozu einen Reisepass ?Er konnte ohnehin in seiner Welt reisen wohin oder wann er wollte.

Er kam immer schon frueh zum Bergfest und wartete geduldig auf sein Orchester.

Sobald man anhob,ein gaengiges Musikstueck zu spielen,dirigierte er mit tiefen Ernst und war
sich sicher,ohne ihn wuerde die Musikkapelle keinen einzigen vernueftigen Ton zusammen bringen.

Den Applaus bezog er auf sich und ein feines Laecheln war in seinem Gesicht zu sehen.

In diesen Momenten war er ein Titan der Musik und stand auf gleicher Augenhoehe mit Karajan,
Boehm und Menuhin.
Haette Leonard Bernstein von ihm gewusst,waere er angeflogen und haette von ihm gelernt.

Irgendwann kam er nicht mehr zum Bergfest und man hoerte,er sei gestorben."Drueben" sei er
jetzt,sagten die Leute.

Dort "Drueben" fuehlt er sich wohl,dort wird er wirklich verstanden.Er dirigiert ein riesiges Orchester
und wenn er zum Taktstock greift,weinen die Violinen, tuten die Tuben,klagen die Oboen,schmet-
tern die Trompeten und zirpt das Camelium.

Himmlische Klaenge erfuellen die Spaehre und Leute,die die Nahtodeserfahrung gemacht haben,
erzaehlen mit Begeisterung davon.

Jock
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #289 am: 15. Oktober 2018, 09:08:02 »

Die Heilkraft des Wassers vom "Warzenstein"

Die Sage erzaehlt,dass vor vielen Millionen von Jahren,Bewohner des Antares sich auf
die Suche nach einem kuehlen Planeten aufgemacht haben und dabei im Waldviertel
gelandet sind.

Sie suchten deswegen einen neuen,bewohnbaren Planeten,weil ihnen der Antares mit
seinen 3400 Kelvin,auch an kuehlen Tagen,zu ungemuetlich geworden war.

Fuer alle die es nicht wissen,der Antares ist der hellste Stern im Sternbild des Skorpions
und etwa 600 Lichtjahre entfernt. Fuer intergalaxaer Reisende also ein Katzensprung.

Bei Harmanschlag waren sie gelandet und begutachteten die Gegend.Sie fanden sie recht
nett,denn es war ruhig,kuehl und in der Umgebung gab es genug Katzen.Sie beschlossen
ihre Regierung von dem Platz zu informieren.

Damit sie diesen Flecken Erde bei der Rueckkehr wiederfinden,haben sie eine Markierung
hinterlassen.

Tief im Wald schufen sie eine Steinformation,die das Sternbild des Skorpions abbildet,die
seit 1926 sogar in die Auflistung der Naturdenkmaeler eingetragen ist.

Diese Stelle ist seit jeher mystisch und geheimnisumwittert.Spricht man die dort lebenden
Einheimischen darauf an,werden sie wortkarg und wechseln das Thema.

Zwei Phaenomene sind unwidersprochen und jedermann kann sich selbst davon ueberzeugen.

Zunaechst die aussergewoehliche starke geomagnetische Erdstrahlung,die Rutengaenger die
Rute aus den Haenden schleudert.

Das zweite unerklaerliche Phaenomen ist der "Warzenstein" und sein Wasser.

In der linken Schere des Skorpions befinden sich zwei fast indentisch grosse "Badewannen"
Etwa 5 m lang,2 m breit und 1,5 m tief  gleich nebeneinander liegend.
Die Wannen bestehen aus reinsten Granit und sind Millionen von Jahren alt.

Eine dieser Wannen nennen die oertlichen Bewohner den Warzenstein und das aus gutem Grund.

Die links liegende Wanne ist immer,auch bei langanhaltender Trocken -und Hitzeperiode mit
Wasser gefuellt,waehrend die daneben liegende Wanne austrocknet.

Niemand kann sich das erklaeren.

Ausserdem hat das,genau um Mitternacht bei Vollmond geschoepfte Wasser,eine Heilkraft gegen
laestige Warzen.Ein paarmal die Warze betraeufeln und sie faellt ab.

Eine weitere,nicht unerhebliche Wirkung,die das Wasser erzeugt,soll nicht verschwiegen werden.

Frauen,die ein paarmal das Wasser anwenden,werden um 20-30 Jahre juenger.

Selbst in Thailand ist dieses Wasser kaeuflich erwerbbar.200 ml kosten knapp 5.000 THB und ist
erhaeltlich bei der "Muck von Jockstein-Vertriebsges.m.b.H. &Co KG".

Interessenten hinterlassen einfach eine Nachricht auf meiner PN.

Jock



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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #290 am: 16. Oktober 2018, 08:37:03 »

Der Sapeur von Schrems

Anno domini 1959 an einem Samstag gegen 11 h nachts in Daum's Cafe.

Es war das einzige Lokal in Schrems,wo die Musik aus der Musik-Box kam und daher der
Treffpunkt der oertlichen Jugend war.

In kleiner Runde sassen wir zusammen und Mittelpunkt war Franz,der verkuendete,dass
er Schrems verlassen wolle um in die weite Welt hinauszuziehen.Dabei nippte er am Eier-
likoer.

Er kam aus sehr prekaeren Verhaeltnissen.Seine Eltern hausten 2 Km fernab vom Ort,gleich
neben dem Steinbruch,wo sein Vater dort als Hilfsarbeiter schuftete und in der Nacht das
Dynamitlager bewachte.

Man kann nicht sagen,dass er ein guter Schueler gewesen war.Vielleicht lag es auch daran,
dass er auf dem langen Heimweg von der Schule,alles vergass,was er im Klassenzimmer ge-
hoert hat.
Daher schienen seine Zukunftsaussichten klar vorgezeichnet.Er wuerde ebenfalls Hilfsarbeiter
werden und bis zum Ende seiner Tage schuften und Schwielen an den Haenden haben.

Tatsaechlich fing er nach der Schulpflicht als Hilfsarbeiter im Steinbruch zu arbeiten an,bis man
ihn zur Fahne der Nation rief.Er rueckte beim oesterreichischen Bundesheer ein und blieb
9 Monate weg.

Als er wiederkam,war er ein anderer Mensch.

Er war sich sicher,dass das Heer Unterseeboote besitzt und an der Atombombe bastle.Ueber-
haupt war Schrems nicht mehr lebenswert,denn das Glueck liegt in der Ferne und dieses wolle
er zwingen.Schon morgens Frueh will er aufbrechen und sich auf den Weg machen.

Es war also unser Abschiedstreffen und er versprach,dass wenn er wiederkomme,werde er
sich kleiden wie ein Lord und weite Spendierhosen anhaben,die Taschen voller Geld.

Ich sah ihn niemehr wieder,denn auch ich zog kurze Zeit danach in die grosse weite Welt.

Aber der Satz,dass er sich" Kleiden werde wie ein Lord",blieb mir in Erinnerung.

Fern von Schrems in Brazzaville,der Hauptstadt des Congos waren und sind seine Vorbilder,
was "Kleiden wie ein Lord" betrifft.

Die Suburbs von Brazzaville sind keine Visitenkarte der Hauptstadt.Unverputzte Ziegelwaende
der Haeuser,Blechdaecher,die den Regen abhalten sollen und geplaettete rostige Fassbleche,
als Sichtschutz vor neugierigen Nachbarsblicken aufgestellt,saeumen die staubigen Strassen.
Tristesse wie aus dem Lehrbuch und keine Aussicht auf Verbesserung der sozialen Umstaende.

Doch fuer einige Stunden am Sonntag Nachmittag,oeffnet sich ein Spalt aus dem Elend und
laesste einen Blick auf eine gaenzende Zukunft zu.Es sind die Stunden,wo Sapeure durch die
Strassen ziehen.

Gekleidet sind sie wie die Lords.Ihre Anzuege spielen in allen Farben von rosarot,zu zitronen-
gelb,tuerkis und dunkelgruen.Dabei achten sie das ungeschriebene Gesetz,dass nicht mehr als
3 Farben fuer ihr Outfit verwendet werden.

Wenn sie so durch die Strassen stolzieren und taenzeln,ernten sie hoechsten Respekt und viel
Applaus.Sie kontakarieren damit die Kolonialherren und stellen sich ueber sie.

Genau das wollte unser Franz auch erreichen.Respekt zu erhalten,Applaus zu ernten und sich
hoeher gestellt zu fuehlen.

Konnte er sich seinen Traum erfuellen ?

Man weiss es nicht,doch sicher ist,dass wenn er in den Sarg gelegt wird oder schon gelegt
worden ist,war er gekleidet wie ein Lord und hatte weite Spendierhosen an.

Nur Geld duerfte er keines in den Taschen gehabt haben.

Jock






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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #291 am: 17. Oktober 2018, 12:54:06 »

Das Traumauto

In den 60ger Jahren dominierten gedaempfte Farben bei den Automobilen.

Schwarz war die bevorzugte Farbe,gefolgt von dunkelgrau,dunkelrot,dunkelgruen und selbst
weiss strahlte nicht,sondern war gebrochen.

Zu dieser Zeit war ich bei der Bally Schuhfabrik beschaeftigt und konnte jeden Werktag
beobachten,das wenn die Autos der Direktoren und deren Prokuristen vorfuhren,diese
alle schwarz lackiert waren.

Egal ob Finanzdirektor,Einkaufsdirektor,Werksdirektor oder Generaldirektor,alle fuhren
Mercedes Benz und die waren in der Farbe der Leichenwaegen gleich.

Der Portier,dessen vornehmste Aufgabe es war,zu spaet gekommene Kollegen zu vernadern,
wieselte dann um die anfahrende Kolonne herum,riss die Tueren auf,zog die Kappe vom
Kopf und wuenschte Guten Morgen.

Nur der Verkaufsdirektor Mueller war anders.Sein Wagen,ein Mercedes Benz 250 SE Coupe',
Bj 1965 hatte eine Speziallackierung und stand aprikosen da.

Eines Tages fiel dem Direktor auf,dass ich grossen Gefallen an seinem Fahrzeug hatte und
frug mich,ob ich auch so einen Wagen gerne haette.

Direktor Mueller stand bei mir in hohen Ansehen.Umgekehrt war es ebenso,nur das wusste
er nicht.Er spuerte nur,dass sein Job von meiner Arbeit abhing.Daher offerierte er mir,doch
in seinem Auto Platz zu nehmen.

Da war es um mich geschehen.Der betoerende Duft der Ledersitze,das mit Edelholz furn-
ierte Armaturenbrett und das chromblitzende Gestaenge der Hebel,raubte mir den Verstand.

So ein Auto wollte ich haben.

Damals kostete der Wagen sicherlich um die 100.000 ATS - eine Menge Geld.Trotztdem rechnete
ich.Monatlich koennte ich mir 200 Schillinge auf die Seite legen und schon ca.2006 haette ich
den Betrag zusammen.

Leider wurde nichts daraus.

Eine Frau trat in mein Leben,dann kamen die Kinder und alle Anschaffungen waren noetiger als
dieses Auto.

Mit der Zeit verraeumte ich den Maennertraum und schliesslich vergass ich ihn ganz.

Bis jetzt,vor ein paar Tagen.Zufaellig fand ich ein Angebot genau fuer dieses Fahrzeug.

MB 250 SE Coupe',bestens erhalten und wenig Kilometerleistung.Kostenpunkt 98.980 Euros.

Und schon rechne ich wieder. Jaehrlich koennte ich 2.000 Euro dafuer eruebrigen und in 50 Jahren
wuerde es soweit sein,das Gebuendelte auf den Tisch des Verkaeufers zu legen und die Auto-
schluessel an mich nehmen.

Auf diesen Moment freue ich mich schon jetzt.

Jock





« Letzte Änderung: 17. Oktober 2018, 13:27:37 von jock »
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #292 am: 20. Oktober 2018, 12:11:59 »

Die Brauerei von Schrems

Die Brauerei von Schrems wird erstmals urkundlich 1410 erwaehnt.Die Gruendung selber
war bereits fast 100 Jahre frueher.

Damals,erzaehlt die Chronik,dass ein Grossfeuer die meisten Haeuser vernichtete,nur die
Brauerei blieb verschont.

Offensichtlich haben beherzte Feuerwehrmaenner an der richtigen Stelle das Feuer bekaempft.

In den naechsten Jahrhunderten wechselten die Besitzverhaeltnisse einigemale,bis anno
1860 ein "Behm" kam und die Brauerei aufkaufte.
Jokob Trojan muss ein vermoegender Mann gewesen sein,da es ihm moeglich war 10.200
Gulden auf den Tisch des Hauses zu legen.

Diese 10.200 Gulden wuerden heute einen Wert von 1,400.000 Euro entsprechen.

Seither ist die Brauerei im Besitz der Familie,die zu den angesehendesten und wahr-
scheinlich vermoegesten Einwohner von Schrems zaehlt.

Um die Jahrhundertwende ins 20. wurde ein neues Betriebsgebaeude errichtet,das sich
durch zwei markante Besonderheiten auszeichnete.

Ein hohe Fabriksschlot und ein turmartiger Anbau,an dem ein Trogpaternoster ange-
bracht war.

Fuer die Herrstellung von Bier benoetigt es einerseits Waerme und andererseits Kaelte.

Die Erzeugung von Waerme ist in einer waldreichen Umgebung kein Problem.Jedoch
Kaelte in den heissen Sommermonaten,wenn man,nachdem das "MAERZEN" vertrunken
war,auch im August sich ein Bier hinter die Binde giessen will.

Da musste ein Brauer schon im Winter Vorsorge treffen,damit er zur Sommerszeit Kaelte
zur Verfuegung hat.

Die ersten Wochen eines neuen Jahres war die beste Zeit sich Vorrat an Kaelte zu besorgen.

In den Inversionslagen sankt,damals als die Winter noch Winter waren,die Temperaturen
auf Minus 25 Grad.Alle stehenden Gewaesser froren zu.

Zu dieser Zeit war auf den Karpfenteichen tief im Wald eine erstaunliche Betriebsamkeit zu
beobachten.Dick vermummte Maenner,brachen das,bis zu 40 cm dicke Eis auf und verluden
es auf Fuhrwerke,die die Eisbloecke zur Brauerei transportierten.

Dort angekommen,waren fleissige Haende taetig,die das Eis in die Troege des Paternosters
umluden,der sie an die Spitze des "Turms" hievte und von dort in den Eiskeller plumpsen
liess.

Von dort konnte der Brauer die benoetigte Kaelte auch im Sommer beziehen.

Fuer uns Kinder war das ein aufregendes Ereignis.

Wenn die Fuhrwerke ankamen,wurden die dampfenden Pferde abgedeckt und wir schauten
zu,wie Eisladung um Eisladung im Turm verschwand.
Wir hoerten die derben Scherze der Arbeiter und die Flueche,wenn der Motor ausfiel.

Kalt war es und damals war Gore-tex Kleidung und Wolfskin noch nicht erfunden.Wir mussten
uns daher andersweitig vor dem Erfrierungstod schuetzen.

Eine Pudelhaupte auf dem Kopf,3 Pullover unter dem duennen Anorak und eine,von Mutter
selbstgestrickte lange Unterhose tat es auch.
Nur Schuhe waren ein leidiges Problem.Moonboots gab es noch nicht und unsere Schuhe
sogen sich wie ein Schwamm auf,wenn die Koerperwaerme den Schnee schmolz.

Nach einer ausgiebigen Schnellballschlacht,blaugefroren und mit roten Nasen und Wangen
kehrten auch einmal die Haertesten von uns nach Hause.

Dort,wo die Eiszapfen von den Daechern hingen und die Eisblumen den Blick hinaus ver-
sperrten,erwartete uns ein rotgluehender Ofen,dessen Waerme nur im Umkreis von 2 m
zu verspueren war.
Doch nach einer Tasse heissen Kakao oder einem Glas Milch mit "Nestle'" und Zimt fuehlten
wir uns sicher und geborgen.

Wir mussten die kryptische Botschaft,der als rotgluehender Ball untergehenden Sonne, nicht
beachten und es war uns auch wurst.

Die Botschaft die da verkuendet wurde lautete - Seit euch nicht sicher,dass ihr Morgen noch
lebt,denn Vaeterchen Frost ist bei Nacht unterwegs,und versucht euch zu holen.

Tatsaechlich,kurz nach 18 h nachdem die letzten Geschaefte geschlossen waren,war keine
Menschenseele mehr auf den Strassen zu sehen.Alle waren zu Hause.

Nur dann und wann bellten die Hunde,wenn sie auf das Heulen der herumziehenden Woelfen
Antwort gaben.

Diese Romantik ist laengst vorbei.Die Winter sind keine Winter mehr und der Brauer stellt
seine Waerme-und Kaeltemaschinen auf das Grad genau ein.Es ist ihm egal,ob die Eisdecke
3 cm dick ist oder ob ueberhaupt eine entsteht.

Viele Kinder im Waldviertel stapfen nicht mehr durch den Schnee,sondern baden in den
Weihnachtsferien in der Andamansee oder liegen in der Karibik in der Sonne.

Jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #293 am: 21. Oktober 2018, 11:30:31 »

Der Gemeindearzt

Die Adresse war Bahnstrasse 44.Dort war die Praxis,besser gesagt das Gruselkabinett
von Dr.med.Fritz Siller.

Dr.Siller war Gemeindearzt und hatte die Ordination 1938 von seinem Vorgaenger,einem
beliebten juedischen Arzt uebernommen,nachdem dieser eines Tages als verschwunden
galt.

Dr.Siller war kein Sympatler.Er war schroff und kurz angebunden.Sein bedrohliches Aussehen
verstaerkte er noch durch eine graue Igelhaarfrisur.
Er hatte zwar Familie mit Frau und zwei Toechter,doch nur einen einzigen Freund.

Die Raeumlichkeiten der Praxis bestanden nur aus einen Wartezimmer und dem Behandlungs-
raum.

Lange galt er als Wunderarzt,denn seine Patienten genasen schon,bevor sie dem Arzt gegen-
uebertraten.

Vielleicht lag es am "Duft" der in der Luft hing und von der Sterilisierungsfluessigkeit stammte,
die versprueht wurde.
Oder von der Einrichtung des Behandlungsraums ?

Betraten Todkranke diesen Raum,erwachten sofort die Lebensgeister,denn sie ahnten,dass die
Waende nur deswegen verfliest wurden,damit sich das Blut besser abwaschen liess.

Das Stetoskop war ungefaehrlich,die Stirnbandlampe ebenfalls und die Waage konnte man hin-
nehmen.Aber der Rest !

In einem Glasschrank lagen die Knochensaege,die Geburtszange,Messer,Scheren und Skalpelle
und Spritzen,deren Kolben einen halben Liter fassen konnten.
Besonders die spitz zulaufenden Bakelitduesen,an denen ein Gummiball angebracht war,erregte
grosses Misstrauen.
Sie waren dafuer bestimmt,dass man damit Luft, entweder in die Nase oder in das Hinterteil ge-
blasen bekam um irgendwelche Blockaden zu loesen.

Das Geraet,wo man gebrauchte Injektionsnadeln sterilisieren konnte oder die Auswurfschalen
in Edelstahl,bewirkten nicht,dass man in vertrauensvoller Atmosphaere sein Leiden besprechen
konnte.

Daher zogen es viele Grippekranke vor,sich heisse Grammeln mit Ziegenfett auf die Brust zu
legen und mit einem heissen Umschlag abzudecken und Essigpatscherln bei Nacht zu tragen.

Ach ja,Dr.Sillers bester Freund.

Er war Totengraeber am Friedhof und was die zwei Maenner bei einem Glas Wein besprachen,
erfuhr man nicht.

Spaeter kam ein zweiter Arzt in den Ort - Dr.Besenboeck.

Er war ein junger jovialer Mann,der seine Praxis in beruhigendes Lindengruen gestrichen hatte
und schon in wenigen Jahren sich eine beeindruckende,geraeumige Villa errichten lassen konnte.

Jock





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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #294 am: 22. Oktober 2018, 20:24:05 »

Cheeseburger - die ganze Wahrheit

Die Systemgastronomieketten "Burger King" und " McDonald's" wetteifern darum,wer von
ihnen den Cheeseburger erfunden hat.

Sie,die erst seit vor knapp 60 Jahren gegruendet wurden,luegen wie gedruckt,wenn sie wechsel-
seitig behaupten,sie waren jene,die die grandiose Idee hatten,zwischen zwei Broetchenhaelften
ein Blatt Kaese zu legen und damit Millionenumsaetze zu machen.

Laut WIKI soll es ein gewisser Lionel Sternberger 1924 gewesen sein,der den Cheeseburger
"erfunden" hat.

Aber auch das ist nichts anderes als eine faustdicke Luege und geeignet,von der Wahrheit
abzulenken.

Jetzt ist die Zeit gekommen,dass die Welt die Wahrheit erfaehrt und dazu wird mein jahr-
zehntelanges Forschen in dieser Sache beitragen.

In der heutigen Wohlstandsgesellschaft werden taeglich Tonnen von noch genussfaehigen
Lebensmittel in die Tonne entsorgt oder einfach weggeschmissen.

Dieses Verhalten ist keine neuzeitliche Erscheinung.Schon lange vor aller Zeitrechnung war
es so und es ist auch beweisbar.

In der nordischen Mythologie erschlugen die 3 Asen den Riesen Ymir und bildeten aus seinen
Resten einige Kontinente.

Danach waren sie hungrig und kehrten im Staedtchen Schrems ein.

Ein freundlicher Gastwirt namens Gruber,der ein Urahn mult.meines Schulkollegen Karl Gruber
war,servierte ihnen je einen Cheeseburger.

Zwei verspeisten ihn mit Genuss,nur dem dritten Asen schmeckte er nicht und warf den Burger
im Wald weg.

Und da liegt er noch heute.Die Einheimischen nennen ihn "Koas in Loab" (Kaese im Laib)und
er ist genauso frisch,wie vor Millionen von Jahren.

Gut ja,ein bisschen Moos hat er angesetzt aber sonst sieht er noch tadellos aus.

Jetzt muss sich endlich die Gerechtigkeit durchsetzen und habe Karl empfohlen,Burger King
und McDonald's auf einige hunderte Millionen Dollars zu klagen wegen der falschen und irr-
fuehrenden Behauptungen.

Gewinnt er den Prozess,darf er mich auf ein paar Biere einladen.

Jock

Ein Foto des Ur-Cheeseburger findet man unter "Naturdenkmaeler im Bezirk Gmuend"

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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #295 am: 24. Oktober 2018, 07:32:53 »

Die Eiserne Hochzeit

Dann und wann rufe ich via Internet die Gemeindepost von Schrems auf und richte meinen
Blick zuerst auf die Partenanzeigen.

Immer oefter scheinen dort bekannte Namen auf.

Vor ein paar Wochen musste ich lesen,dass ein Schulkamerad mit jugendlichen 73 Jahren
seiner Familien entrissen wurde und zu Grabe getragen worden ist.

Mit leichten Schauern stelle ich dabei fest,dass die Einschlaege immer naeher kommen.

Daher blaetterte ich schnell weiter und kam zu der Seite wo Ehrungen bekannt gegeben werden.

Als ich das Foto eines Paares sah,dem zur Goldenen Hochzeit vom Buergermeister Gratulat-
ionen ueberbracht wurden,fiel mir auf,dass eigentlich ich anstelle des Ehemannes sitzen sollte/
koennte.

Und wir wuerden sogar die Eiserne Hochzeit feiern,die fuer 65 Jahre Ehe angebracht ist.

Auf dem Foto sah man den Ehemann sitzen,dahinter eine aeusserst gut aussehende,elegante
Frau,die liebevoll ihre Hand auf der Schulter des Mannes ruhen laesst.

Ja,diese Frau wollte ich einst heiraten,wobei ich zugeben muss,dass es nicht unbedingt eine
Liebesheirat gewesen waere.
Ich muss mir eingestehen,dass mehr kaltes Kalkuel und eine finanzielle Notlage mich vor den
Altar getrieben haette.

Sie war die Tochter des oertlichen Rauchfangkehrermeisters,der durch seine Monopolstellung
zu gutem Geld gekommen war.

Die Familie wohnte in einer schmucken Villa und davor stand (1953) ein funkelnagelneuer Re-
nauld C4-DR 68 in grau.

Doch mich interessierte weder die Villa noch das Auto.

Mein Interesse galt dem neuen Tretroller der Tochter,der der einzige in Schrems mit Luftreifen
war.

Nach einer Runde Fahrt damit,war mir klar.So einen muss ich haben,koste es was es wolle.

Zuhause bearbeitete ich mit einem Messer meine Sparbuechse,um durch den Schlitz das Geld
herauszuholen.Gleich naechsten Morgen wollte ich zum Fahrradhaendler eilen um meine Kauf-
absicht in die Tat umzusetzen.

Als die Sparbuechse leer war,zaehlte ich nach und stellte betruebt fest,es reicht bei weitem
nicht.

Aber aufgeben kommt nicht in Frage.Lange gruebelte ich und konnte beinahe nicht einschlafen,
bis mir die Idee kam.

Warum nicht einfach Gerda heiraten ?

Ich weiss nicht mehr,welche misslichen Umstaende es verhinderten,um die Hand des Toechter-
chen anzuhalten.Jedenfalls kam es weder zur Hochzeit noch kam ich zum Tretroller.

Ich muss es wohl hinnehmen,dass statt mir ein dahergelaufener Mann aus dem Foto laechelt,
der den wertvollen Tretroller wohl eines Tages zum Alteisen geworfen hat.

C'est la vie.

Jock





« Letzte Änderung: 24. Oktober 2018, 08:02:25 von jock »
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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #296 am: 25. Oktober 2018, 08:47:59 »

Eifersucht

Als im Jahre 2009 Herr Josef Pfandler (mein Onkel) seine Augen fuer immer schloss,
war er 101 Jahre alt geworden.

Ein ehrsames,gottglaeubiges und sparsames Leben hatte er gefuehrt und es zu einem
kleinen Vermoegen gebracht.

Schon als junger Mann legte er die Meisterpruefung der Polsterer ab und eroeffnete
eine Werkstatt,wo er "Bettbaenke",Pferdegeschirre produzierte und Treibriemen re-
parierte,die ihn die umliegenden Bauern nach dem Hochamt brachten und naechsten
Sonntag wieder abholten.

Fuer seine Werkstuecke gab er eine 100 jaehrige Garantie und Pferde waren stolz seine
Kummet zu tragen und legten sich doppelt ins Zeug.

Nach einigen Jahren kam der Krieg der ihn ins ferne Russland fuehrte,was seine erste
und vorletzte Auslandsreise war.Der Kriegsgefangenschaft entkam er und schon im Mai
1945 eroeffnete er seine Werkstatt wieder.

Rohmaterial allerdings gab es nur in Wien zu kaufen und so war er und auch die anderen
Geschaeftsleute aus Schrems gezwungen,nach Wien zu reisen um die benoetigten Ein-
kaeufe zu taetigen.

Zwischen Schrems und Wien jedoch liegt ein grosses Waldstueck,das verrufen war.

Dort,am nahen Truppenuebungsplatz waren russische Soldaten stationiert,die Reisende
ausraubten,verschleppten oder auch ermordetet.
Daher war es ueblich geworden,bei den beiden "Eingaengen" des Waldes,in Goepfritz
und in Wild Sammlungspunkte einzurichten.

Das Waldstueck querte man nur im Konvoi und hoffte die kurze Strecke von 15 Km zu
ueberleben.

Unsere Schremser mieteten einen Bus,wenn sie 1 x monatlich nach Wien fuhren.Schon
um 4 h frueh brachen sie auf,um die 140 km entfernte Hauptstadt so gegen 8 h zu er-
reichen.
In Wien angekommen zerstreuten sich die Maenner und gingen ihren Taetigkeiten nach,
um sich um 18 h wieder am Schwarzenbergplatz zu treffen,damit die Heimreise ange-
treten werden kann.

Dutzendemale ging da gut,nur einmal streikte der Bus und verlangte eine Reparatur,
die erst naechsten Tag in Angriff genommen werden konnte.

Die Mitglieder der Reisegruppe suchten ein Nachtquartier bei in Wien wohnenden Ver-
wandten,da ihnen die Hotels zu teuer waren.
Mein Onkel rief seinen Schwager im Buero an und ergatterte so eine Bettstatt.

Einigen der  ehrsamen Kaufleute stach angesichts der unverhofften Freiheit der Hafer
und wollten die Gelegenheit nuetzen in das suendige Nachtleben einzutauchen.

Zu diesem Behufe suchte man die Telefonbar im 8.Bezirk auf.Dort stand auf jeden Tisch
ein Telefonapparat und einsame Frauen,die sich zufaellig in der Bar aufhielten,waren nicht
zoegerlich,die fremden Herren anzurufen und ihre weiblichen Dienste anzubieten.

Onkel Josef war ein gutmuetiger Kerl und als reiner Hoeflichkeit begleitete er die Herren-
runde,als sie sich auf den Weg in die Bar machte.
Kaum Platz genommen,sah er sich einer blondierte Bruenetten gegenueber,die ihm Avancen
machte.

Der Onkel blieb standhaft.Zusehr droehnten die Worte des Pfarrer in den Ohren,ja die 10 Ge-
bote einzuhalten,da sonst ewiges Schmorren in der Hoelle droht.

Zaehneknirrschend zahlte er fuer das Glas Wein der Dame,fuer das man ihn 2 ATS abnahm
und suchte seinen Schwager auf um dort zu uebernachten.

Naechsten Tag abends waren sie alle wieder zu Hause und es schien alles in Ordnung.

Doch seiner Frau kam zu Ohren,dass ihr Mann die verruchte Bar besucht und dort ein Ver-
moegen verprasst hat.
Der Onkel beteuerte,dass er sich nichts vorzuwerfen haette,doch die Tante hoerte nicht zu.

So begann fuer ihn eine jahrzehntelange Passion.

In den Fuenfzigerjahren warf sie ihn stuendlich sein Verbrechen vor,in den Sechzigern taeg-
lich,in den Siebzigern woechentlich und in den Achtzigern einmal im Monat.

Der Onkel wurde immer schweigsamer und sprach nur mehr dann,wenn er gefragt wurde.

1990 starb seine Frau und er uebersiedelte ins Pensionistenheim.

Dort wurde er ein Star.Er flirtete mit den alten Damen,erzaehlte ihnen Witze,sang ihnen
alte Schlager vor und spielte mit ihnen Karten.

Die Seniorinnen lagen ihm zu Fuessen,die Senioren drohten ihn mit den Kruecken,doch er
genoss die paar Jahre die er dort lebte.

Als er mit den Fuessen voraus aus der Kirche getragen wurde und zur letzten Ruhe gebracht
wurde,folgten dem Sarg,gleich einem Rockstar,traenenueberstroemte Omas.

Ich war beim Begraebnis dabei und hoffte instaendig,dass die Tante das nicht gesehen hat.

Jock






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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #297 am: 27. Oktober 2018, 09:57:09 »

Das Traumhaus im Gruenen

Ende der 60ger Jahre verdichteten sich die Wuensche der Staedter nach einem Wochenendhaus
im Gruenen um die Seele baumeln zu lassen.

Das Waldviertel war eine Gegend,wo man fuendig werden konnte,denn dort leerten sich die
Doerfer und alle die konnten zog in die Grosstaedte Wien oder Linz.

Jobs gab es genug und die Wohnungen waren trocken,hell und hatten moderne Toiletten.Manche
Waldviertler sahen dabei sogar das erste Mal eine Badewanne. Billa und Hofer als Nahversorger
waren weitere Pluspunkte.

Eine staedtische Familie aus Wien,namens Mayer hingegen traeumte von einem Haeuschen im
Gruenen,der maerchenhaften Ruhe,der gesunden Luft und dem verkehrsarmen Aufkommen.
Wo man zur Daemmerung die Rehlein am Wadesrand aesen sieht und wo man am Samstag in
aller Ruhe die Kronenzeitung und das Goldene Blatt unter einem Apfelbaum lesen wird koennen.

Der Entschluss,sich ein Haeuschen zuzulegen war schnell gefasst,zumal das Gespraech mit der
Hausbank zufriedenstellend gewesen war.

Danach studierte man die entsprechenden Inserate und fuhr im langsamen Tempo die Gegend ab,
bis man fuendig wurde.

Etwas abseits vom Ort,am Waldesrand und 200 m vom Nachbarn entfernt,fand man eine Im-
mobilie die den Eindruck mache,den Wunschvorstellungen zu entsprechen.

Ein aelteres Haueschen stand da zum Verkauf und vor lauter Euphorie ueberlas man,dass es sich
um einen Bastlerhit handelt.

Es handelte sich um eine,von den Bewohnener vor 10 Jahren verlassene Bauernkeusche mit un-
dichtem Dach und herabfallenden Mauerwerk.Wenigstens das Plumpsklo war innen und nicht
ueber dem Hof.

Der Eigentuemer und sein Makler konnten ihr Glueck kaum fassen,dass sie die Bruchbude gegen
gutes Geld doch noch verkaufen konnten.

Die Tinte unter den Kaufvertrag war noch nicht ganz trocken,als sich Familienvater ein anseh-
liches Arsenal an Werkzeugen zulegte,was ganz schoen ins Geld ging.
Aber er fuehlte sich als Universalhandwerker und wollte fuer seine Familie einheimeliges Heim
schaffen.

Der Sommerurlaub war viel zu kurz um bei der Sanierung wirklich voranzukommen.Gerade das
Dach konnte neu eingedeckt werden,allerdings mit Hilfe eines Professionisten,der hinterher eine
geschmalzene Rechnung legte.

So ging es weiter,die Wochenende und Urlaube gingen fuer Arbeiten am Haus drauf ,aber eines
Tages kamen sie ihren Traum nahe.

Ein schmuckes Haeuschen mit modernem Klo,liebevoll angelegtem Gemuesegarten und frischge-
strichenen Gartenzaun erwartete die Familie,wenn sie Freitag nachts aus Wien angereist kamen.

Die Familie hatte sich auf Vater und Mutter verkleinert,da der Nachwuchs,der jahrelang auf seine
Grossjaehrigkeit gewartet hatte,es vorzieht,ihre Freizeit und Urlaube an den Straenden des Mittel-
meeres knusprig braun zu werden oder in der Discothek zu tanzen.

Vater und Mutter gingen stets nach ihrer Ankunft zeitig schlafen,denn sie brauchten Kraefte,wenn
sie am Samstag die Augen aufschlugen.

Viel Arbeit wartete auf sie.Die Wiese war zu maehen,die Raeumlichkeiten sauberzumachen,das
Unkraut aus dem Gemuesegarten zu entfernen und die unnoetige Thujenhecke,die als Sichtschutz
gepflanzt wurde, zu stutzen.

Wenn dann alle anfallenden Arbeiten erledigt waren,konnte man sich dann und wann eine Stunde
Zeit nehmen um den Kuchen und Kaffee zu geniessen.
Gleich danach brach man zur Rueckfahrt auf,denn man wollte den Rueckreiseverkehr entgehen.
Immer wieder staunte man dabei,dass auch andere Familien dieselbe Idee hatten.

Jahre spaeter nach einem unverhofft fruehen Wintereinbruch,der Vater Mayer zwang,den 200 m
langen Zuweg freizuschaufeln und sich dabei einen Bandscheibenvorfall einhandelte,fiel der erste
Schatten auf das kleine Glueck.

Man stellte fest,dass man all die Jahre kein Rehlein am Waldesrand sah,stattdessen eine Rotte
Wildschweine vorbeikam und den Gemuesegarten nach ihren Vorstellungen aenderte.

Die Besuche im Hause wurden selten und seltener und eines Tages stand ein Schild an der Grund-
stuecksgrenze,wo draufstand " " ZU VERKAUFEN".

Bis 2018 musste das Schild schon 3 x wegen Unleserlichkeit getauscht werden.

Kein einziger Interessent verirrte sich in die gottverlassene Gegend und das Haeuschen naehert
sich langsam dem urspruenglichen Zustand,der war,bevor es Herr Mayer gekauft hat.

Jock







« Letzte Änderung: 27. Oktober 2018, 10:31:05 von jock »
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #298 am: 29. Oktober 2018, 13:20:37 »

Schneechaos

Lebt man laengere Zeit in der Naehe des Aequators,verblasst die Erinnerung,wie es
ist,durch den Schnee zu stapfen.

Vor einigen Tagen habe ich Frostnaechte bei Vollmond beschrieben,wo man mit freien
Auge das Mare Tranquilliatis vom Mare Oceanus Procellarum unterscheiden kann.

Heute beschreibe ich ein anderes winterliches Wetterphaenomen.

Die Temperaturen in Schrems sind angestiegen,liegen aber immer noch unter der Null-
gradgrenze.
Der Altschnee war bereits schmutzig und meine Schneeburg schrumpfte zusammen.

Viele hofften,das war es mit dem Winter,doch sie irrten.

Eines Tages,meist Ende Feber,lag ein eigentuemlicher Geruch in der Luft.Die Alten wussten
genau,was auf uns zukommt,denn es roch nach Schnee - nach viel Schnee sogar.

Meist begann es um die Mittagszeit,wo ein dunkelgraues,fast schwarzes Wolkenband von
Westen hereinkam und die Sonne dahinter verschwand.

Eine Stimmung wie vor der Apokalypse entstand.

Die Raben flogen in den Wald,Grossmutter holte noch einen Eimer Wasser vom,seit Mo-
naten mit Stroh verpackten, Hausbrunnen und ausreichend Brennholz aus dem Schuppen.

Dann wurde es still - sogar totenstill,jetzt war Warten angesagt,denn man konnte nichts
mehr unternehmen.

Und dann begann es !

Zuerst nur einige Schneeflocken und kurze Zeit spaeter sah man das Nachbarhaus vor dichtem
Schneetreiben nicht mehr.Ueberall brannten in den Zimmern das Licht,selbst die Strassenbe-
leuchtung wurde eingeschaltet.

Und es schneite den Nachmittag,dann den Abend und durch die Nacht.

Mein Onkel kam am Abend und versuchte den Zuweg freizuschaufeln,waehrend ich be-
reits unter der Tuchend lag und das Kratzen der Schaufel auf den Pflastersteinen hoerte,
faltete ich die Haende und schickte ein Gebet zum Himmel.

Lieber Gott,sprach ich,lass es bitte so lange schneien,bis die Schule nicht mehr erreich-
bar ist.

Am Morgen nach dem Aufwachen,schneite es immer noch,doch die Schule war erreich-
bar und ich musste den schweren Weg gehen.
Mein Gebet war nicht erhoert worden und in diesem Moment fiel ich vom Glauben ab.

Die Schule war damals im Schloss untergebracht und jeder Klassenraum hatte einen
riesigen Ofen,indem jede Stunde der Schuldiener einige Holzscheite nachlegte.

Manche meiner Klassenkameraden kamen aus den umliegenden Doerfer - zu Fuss,denn
einen Schulbus gab es noch nicht.
Wenn sie ankamen,waren sie ueber und ueber mit Schnee bedeckt.Sie konnten ihre
Oberbekleidung ablegen und auf ein Gestell neben dem Ofen aufhaengen,damit sie dort
trockneten.

Auch waehrend der Unterrichtszeit schneite es und es schien,dass es niemals mehr auf-
hoeren werde.

Doch,innerhalb einer Viertelstunde stoppte zur Mittagszeit der Schneefall und der Himmel
riss auf.

Eine strahlende Sonne,ein blauer Himmel und der unschuldweisse Schnee boten eine
wunderschoene Kulisse.

Die Daecher aechzten unter der Schneelast,die immergruenen Tannen beugten ihre
Aeste zu Boden und die hoelzernen,mit Eisen verstaerkten Schneepfluege mussten erst
freigeschaufelt werden,bevor man sie vor ein Lastaute befestigte.

Kein privates Auto fuhr,nur uralte Postautos der Marken Magirus Deutz, Steyr und Bues-
sing quaelten sich in die Nachbarorte.

Es dauerte Tage,bis die Strassen und Trottoirs wieder frei waren und lange noch saeumten
Schneewaende entlang dieser.

Doch jedermann fuehlte,das war der Beginn des Endes der Herrschaft des Winters.

Und einigen Wochen spaeter,anfangs Maerz,raeumte er das Feld.

Zum fruehen Osterfest lagen nur mehr Reste des Schnees in den schattigen Lagen und wir
froren in unseren kurzen Hosen,wenn wir zur Auferstehung zur Kirche getrieben wurden.

Jock



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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #299 am: 29. Oktober 2018, 13:45:32 »

Sehr schön und poetisch geschrieben!
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