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Autor Thema: Wien,Wien,nur du allein  (Gelesen 27699 mal)

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jock

  • Thailand Guru
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  • Beiträge: 6.146
Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #270 am: Gestern um 09:20:25 »

Haus des Meeres

Viele Jahre lang stand ein schwarz-graues Betonmonster mitten in Wien.

Ein ehemaliger Flakturm war die die Schande vom 6.Bezirk,doch die Stadtvaeter kon-
nten sich nicht entschliessen,diesen abzutragen.Die Kosten,die Kosten jammerten sie.

Doch nun hat er eine Funktion,indem das Haus des Meeres dort etabliert wurde.

Allerlei Meeresbewohner und sonstige exotische Tierchen tummeln sich auf 10 Etagen
in riesigen Wasserbehaeltern und Terrarien.
Aeffchen springen froehlich herum,die angeblich groesste,in Gefangenschaft lebende
Anaconda uebt sich in tagelanger Ruhestellung.Ein Hoehepunkt ist die Fuetterung der
Haie und der Kaffee in der Rooftop - Bar.

Nur ein Tier sucht man vergebens.Ein Wal hat noch kein Zuhause gefunden und kann
deswegen noch nicht begafft werden.

Da waren die Schremser,damals in den 50gern besser dran.Wir konnten den Wal nicht
nur begaffen sondern ihn auch inwaendig betreten.

Das kam so.

Vor dem Gasthaus Fichtenbauer war ein groesserer Platz und 3 Arbeitslose nuckelten
an ihren Bieren.Damals waren Arbeitslose eine exotische Spezie und noch war Arbeits-
losigkeit kein Berufsstand.

Die 3 rissen ihre Augen auf,als ploetzlich eine Zugmaschine,der einen 8 -achsigen Nieder-
fluranhaenger mitzog,vorfuhr.
20 Meter war der Anhaenger lang,4 Meter hoch und mit einer Plane zudeckt.

Darunter befand sich ein ausgehoehlter Wal.Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile
und bald schon stroemten Neugierige,Kinder,Greise und Krueppel herbei.
Die Kasse verlangte 2 Schillinge Eintrittsgebuehr,Kinder und Kriegsversehrte die Haelfte
und die Warteschlange erreichte eine beachtliche Laenge.
Selbst Sterbende verschoben ihre Absicht,nur um den "Walfisch" zu sehen.

Inseitig des Walfisches,der schon in einem erbaermlichen Zustand war und Risse in der
Walhaut mit schwarzer Pappe abgedeckt wurden,waren Fotos vom Walfang,eine Harpune
und ein Stueck Tau ausgestellt.
Die Schremser gafften,denn so ein Ungetuem hatten sie noch nie in Natura gesehen.

Wir Kinder waren natuerlich die Ersten,die den Wal besuchten und fuehlten uns dabei
wie der gute Jonas aus der Bibel,der ein paar Tage die Gastfreundschaft eines Wals ge-
niessen konnte,bevor er ausgespuckt wurde.

Um uns Schulkinder langsam auf das Berufsleben vorzubereiten,zeigten die Lehrer dann
und wann Filme,die einen Einblick in den Berufsalltag div.Berufe gaben.

Darunter waren die Korbflechter,Koehler und Kalkbrenner.

Diese Berufe wollte jedoch keiner von uns je ausueben.Die Maedchen wollten alle Film-
stars werden oder zumindest Friseurinnen,wir Buben entweder Automechaniker,Feuer-
wehrmaenner oder Lokomotivfuehrer.

Im Arbeiterkino lief,kurz bevor der Wal zu Besuch kam,ein Film ueber den Walfang.

Dramaturgisch geschickt gedreht mit meterhohen Wellen,weisser Gischt und dem uner-
schrockenen Mann an der Harpune,veranlasste 4 der Klassenkameraden Walfaenger zu
werden.

Es kam jedoch anders.

Einer wurde Koch,einer Schlosser,und einer uebernahm die Baeckerei seines Vaters.

Dem Vierten spielte das Schicksal uebel mit.Erst verfiel er dem Suff,dann dem Nikotin
und anschliessend einem samthaeutigen Mandelauge.

Heute lebt er verarmt und vergessen in einem fernen Lande.

Jock


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