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Autor Thema: Mein Tagebuch - Profuuu  (Gelesen 21477 mal)

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Profuuu

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Mein Tagebuch - Profuuu
« am: 08. Februar 2009, 16:53:18 »

8. Februar 2009

Reiseplanung

Er nimmt Formen, der Besuch meiner Holden im Wonnemonat Mai. Wie immer, voll durchorganisiert. Ohne detaillierte Planung würde sie sich gar nicht erst in den Flieger setzen. Das empfände sie als respektlos ihr gegenüber, wenn ich sie ohne vorherige Mühe hier empfänge. Sie ist auch damit einverstanden, dass wir an den Sonntagen ein bisserl länger im Bett bleiben. Geplant, wie gesagt.

Dieses mal benötigt sie nur ein Visum. Die Schweiz gehört nun zum Schengenraum. Sie hat gelernt, die Schweizer Botschaft in Bangkok der Deutschen vorzuziehen, obwohl sie bei letzterer auch nie Probleme hatte. Die Atmosphäre ist dort halt anders, weil so viele weibliche Wesen in den Schlangen stehen, die anders sind. Dann kommt sie sich selber immer anders als die anderen vor. Wo anders in Thailand muss man dies so als Thai über sich ergehen lassen? Ausserdem hält sie die Mädels, von denen die Farangs immer behaupten, dass gerade ihre anders sei, für völlig unpatriotisch. Wer als Thai anders als Thais sein möchte, möge doch bitte woanders in einem anderen Land seine unpatriotische Einstellung ausleben

Als einen der Höhepunkte ihres Besuches hat sie sich „Ost-Deutschland“ gewünscht. Dort hätten ja die Kommunisten gehaust, ähnlich wie in den Kalksteinhöhlen im Süden Thailands oder in den Wäldern Nord und Nord-Ost-Thailands in den 70ern. Es soll also ein echter Abenteuerurlaub werden. Von Dresden hatte sie mal was gehört. Dresden soll es sein.

Ich war sofort Feuer und Flamme. Wer meine Geschichte „Schwiegermütter“ kennt, ahnt warum. Dort kann ich ihr dann schon am Frühstückstisch die verkorkste Deutsche Seele erklären. Warum wir bis ins 7. Glied geschädigt sind und meine Vorfahren durch Feuerstürme, gegen die die Hölle gar nix ist, dafür bestraft wurden.

Ich werde ihr den neuen Bahnhof dort zeigen und ihr erklären, wie viele Menschen dort einmal umkamen. Sie wird ihn begeistert wieder verlassen wollen. Begeistert von den vielen Geistern der Toten, die dort unsichtbar immer noch auf die Züge aufspringen. Und falls ich dann in Hochform bin, werde ich ihr erklären, dass auch ihr Land eine Mitschuld trifft. Die Thais haben ja schliesslich damals Deutschland den Krieg erklärt. Ohne sie wäre es vermutlich nicht zu der totalen Zerstörung Dresdens gekommen, würde ich ihr dann rhetorische einwandfrei und logisch in sich geschlossen unterjubeln. Da sie ein einsichtsvoller Mensch ist, wird dann auch sie sich bis ins 7. Glied verkorkst fühlen. Ein weiterer Schritt in Richtung unserer Seelenverwandtschaft.   

Nicht genug damit. Ich werde ihr erklären wie die schwarz-weissen Geister auf den historischen Filmrollen mit den Schatten der Toten drauf, damals in der Gruft der Frauenkirche gestapelt, vom Glauben abfielen und Rache nahmen, indem sie das Gotteshaus mit ihrer Glut in Schutt und Asche legten. Das wird sie noch mehr begeistern.

Im patriotischen Sinne werden wir Hand in Hand entlang dem 101 Meter langen Fürstenzug stromern und den Reliefs von 35 sächsischen Herrschern die Ehre erweisen. Ich werde ihr das Wunder erklären, wie sie die Bombennächte fast unversehrt überlebten, obwohl der Rest von Dresden in Schutt und Asche lag. Das wird sie vor Ehrfurcht vor der sächsischen Elite erschauern lassen.

Im Zwinger werden wir dann ungezwungen lustwandeln, falls es das Wetter zulässt. Wir dürfen uns nur nicht erwischen lassen. Nebenbei werde ich dann versöhnlich verlauten lassen, dass all dies Ungemach nichts anderes als eine vorauseilende Vorstrafe für den späteren Kommunismus in diesem Landstrich war und damit den tröstenden Schleier der Gerechtigkeit über all dies Ungemach breiten. Das Gesetz des Karmas ist schliesslich universell. 

Wir werden, wie eingeplant, noch viel anderes ungeplantes unternehmen. Der Elbe lauschen und uns gemeinsam vorstellen, wie Siamesische Langboote mit Siamesischen Soldaten dahergeglitten wären, falls der Krieg noch ein paar Jahre länger gedauert hätte und wie meine Eltern dann eventuell als Landarbeiter und Strassenbauer in Thailand gelandet wären und mein Thai nun von der Sprache der Einheimischen dort nicht zu unterscheiden wäre. Dann wird sie fragen: „Warum habt ihr auch so schnell aufgegeben? Meine Vorfahren waren schon auf dem Weg nach Dresden.“   

Hier in der Schweizer Nord-Provinz hat es die ganze Nacht lang geschneit. Es ist noch lange hin. Ich freue mich schon auf den Mai.
     
« Letzte Änderung: 12. Februar 2009, 20:57:34 von Profuuu »
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supawan

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Re: Tagebuch
« Antwort #1 am: 08. Februar 2009, 17:41:10 »

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aber hallooooo,wir können auch anders

dii

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Re: Tagebuch
« Antwort #2 am: 08. Februar 2009, 19:39:27 »

@ Profuu, wenn Du ins Grüne Gewölbe willst, dann ---> http://www.skd-dresden.de/de/museen/gruenes_gewoelbe/Online_Ticket_Buchung_HGG.html
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...Alkohol macht langsam dumm - egal,wir haben Zeit... kein Sklave mehr  >:

Profuuu

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Re: Tagebuch
« Antwort #3 am: 08. Februar 2009, 20:02:24 »

Danke für den Tipp, dii
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† Jhonnie

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Re: Tagebuch
« Antwort #4 am: 08. Februar 2009, 21:05:13 »

@dii

hmmmmmmmm? werbung anderer art?????

aber @Profuuu

musst du gesehen haben!!!! persoenlich !!!!!
nicht nur Internet.

da du ja bereist als auch belesen bist wirst du die Geschichte zu Wuerdigen.
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.... In der Bibel steht geschrieben: " Liebe deinen Naechsten " UND das Kamasutra zeigt  " WIE ES GEHEN KOENNTE". auch fuer RUD's behaftete geeignet.

Profuuu

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Re: Tagebuch
« Antwort #5 am: 08. Februar 2009, 21:40:50 »

War ja nie in Dresden, ei verpitscht noch a mol.
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juerken

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Re: Tagebuch
« Antwort #6 am: 08. Februar 2009, 23:47:33 »

Mei Güdster  :-) :-)
« Letzte Änderung: 08. Februar 2009, 23:57:53 von juerken »
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Oh Thailand oh Wunder

dii

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Re: Tagebuch
« Antwort #7 am: 09. Februar 2009, 00:52:01 »

...ja was?  :-[  Dresden besuchen ohne Grünes Gewölbe  --C geht doch nicht  ;)

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Re: Mein Tagebuch - Profuuu
« Antwort #8 am: 12. Februar 2009, 20:56:41 »

Donnerstag, 12.2.09

Die Schweizer Nord-Provinz versinkt im Schnee. Die Geräusche sind gedämpft.

 

Die zu frühen Vögel sind verstummt. Selbst die Krähen verzichten auf ihr lieblich krächzendes Lied 

 

Im Wallis ging eine gigantische Lawine runter. Bisher ein Toter.

Heute ist Home Office angesagt. Ein Dokument will fertiggestellt werden. Schreibarbeit. Die „secure connection“ zur Firma steht. Die interne e-mail hält sich in Grenzen.

Die Rentner-Band vergnügt sich im Stamm-Cafe.

 
Aushang in einem Kunstgeschäft

Diese Bild hat es mir angetan, als ich kürzlich daran vorbeischlenderte. Warum im Alter nach Thailand schweifen? Vielleicht finde ich eines Tages die Vorlage für dieses Gemälde. Dann bleibe ich hier.

Die Stimmen in der Schweiz: „Unser Bankensystem ist das vorbildlichste in der Welt und uns wird es kaum treffen.“ sind verstummt. Das wahre Ausmass wurde gestern bekannt.

UBS: 19,2 Milliarden Verlust
Credit Suisse: 8,2 Milliarden Verlust
SWISS re: „nur“ 1 Milliarde

Die Boni werden weiterbezahlt. Über 2 Milliarden werden an die Mitarbeiter ausgeschüttet.

In einem Leserbrief an den „BLICK“ drückt ein Schweizer namens Jürg seine patriotische Meinung aus: „Die Schweizer Banker trifft keine Schuld. Die Amis haben alles vermasselt.“

Der Bauer Daniel Jud im Kanton Thurgau wendet sich an die Öffentlichkeit. Bisher hatte er sog. Bauernhanf an seine Schweine verfüttert. Eine THC-arme Variante, aber trotzdem nicht ohne Wirkung.

 

Die Polizei hat es ihm und weiteren 50 Bauern in der Umgebung nun verboten. Daniel meint, das wäre eine Sauerei. Seitdem seine Säue auf Entzug wären, klappte es mit deren Sex nicht mehr so gut. Vorher seien seine Zuchteber zur Höchstform aufgelaufen und die Säue hätten die Begattung entspannt genossen. Schon fast zärtlich wären die Orgien im Schweinestall abgelaufen. Nun aber wäre die Agressivität wieder zurückgekehrt. Es käme wieder zu schlimmen Vergewaltigungs-Verletzungen.

Am anderen Ende der Welt in Australien rettet ein Feuerwehrmann einem Koalabär mit einer Flasche Wasser das Leben. Der bedankt sich lieb mit einem Handschlag.

 

In einem deutschsprachigen Forum mit dem Thema Thailand fragte jemand, wann denn der Regen nach Bangkok kommt. Die TIP Webseite ist seit heute morgen von hier aus nicht mehr erreichbar. „Server does not respond“. Alle anderen Webseiten funzen wie immer.

Die Thailändische Regierung arbeitet intensiv an einem Rettungsprogramm in dieser verhehrenden Finanzkrise und fordert die Kaufhäuser auf, mehr Discount zu geben.

Mein Rechtfertigungs-Dokument für einen 2 Millionen Investment Business Case muss noch einen bisserl warten. Der Fall will ja schließlich gut überlegt sein.

Die Kaffeemanschine hat ausgeblubbert. Der Kaffee ist fertig.

Jetzt um 15 Uhr Ortszeit nach etwa 8 Stunden Ausfallzeit ist der TIP wieder erreichbar....       
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Low

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Re: Mein Tagebuch - Profuuu
« Antwort #9 am: 12. Februar 2009, 22:48:21 »

Hi Profuuu

Das Bild ist stark.
Erinnert etwas an Henri de Toulouse Lautrec.
Wie gross?
Welches Material? Oel, Acryl?
KFr?
Ich malte selbst etwas, Fahrräder, Gartenzäune und ich kopierte Gauguin weltweit, wenn es die Zeit erlaubte.

Grüsse
Low


Ich habe gelesen, dass bis 50% der Vögel erfroren oder verhungert seien.
Eisvögel, no food.
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Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Profuuu

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Re: Mein Tagebuch - Profuuu
« Antwort #10 am: 12. Februar 2009, 23:03:49 »

@Low,
irgendwie habe ich geahnt, dass dir das Bild gefällt.

Es ist in Wasserfarben gemalt. Etwa 0.5 m breit, wenn ich mich nicht irre. Ich habe es durch das Schaufenster fotografiert.

Original Digi-Bild ist unterwegs zu dir....

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Profuuu

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Re: Mein Tagebuch - Profuuu
« Antwort #11 am: 30. März 2009, 05:07:41 »

Sonntag, der 29.3.2009

Jetzt ist es 9 Uhr Abends. Das Thermometer draussen funkt 8 C auf meine Innenstation. Tagsüber war es auch nicht viel wärmer. Was voriges Jahr schon hellgrün leuchtete, versteckt sich immer noch in den braunen geschlossenen Knospen. Wenn das mal gut geht. Aber was interessiert mich das Wetter draussen hier drinnen in meiner anheimelnden Bude in der Schweizer Nordprovinz und meiner neuen Errungenschaft, der BOSCH TASSIMO Kaffee- Tee- und Kakao-Maschine.

Mein Magen grummelt. Habe heute alle Sorten von den Tassimokapseln mal durchprobiert und dabei ganz den Alkohol vergessen. Mein lieber Schwan. Diese Maschine kann in die Trockensucht führen. Wehret den Anfängen.

In einem Anflug von Vernunft erinnerte ich mich an eine noch zu bewältigende Aufgabe. Am 31.3. ist letzter Abgabetermin für die Steuererklärung 2008. Bei meiner schlampigen Ordnung der relevanten Papiere und Unterlagen brauchte ich mir nicht lange den Kopf zu zerbrechen, wo ich die denn eingeordnet hatte. Nein. Ich begab mich einfach auf eine unsystematische Suche. Die ist in solchen Fällen am erfolgsversprechenden. Wer unsystematisch ablegt, findet am Besten nach dem Zufallsprinzip. Ist doch klar.

Vorher aber noch iTunes angeworfen und meine Lieblings-Playlist angeklickt. Classic Rock. Die Dinger sind sowieso zeitlos. Und Zeit habe ich nicht mehr so viel, wie früher. Zeit vergeht zwar mit fortschreitendem Alter schneller, aber meine Methode, mir dann einfach etwas mehr Zeit zu nehmen, hat bisher immer gut funktioniert.

Bei „Paranoid“ von Black Sabbath begab ich mich auf die Suche. Nach einiger Zeit wurde in einem Regal in einem Stapel Papier und Reklame fündig, den ich vor einer Woche im Ordnungswahn weggeräumt hatte, damit er nicht mehr als Blickfang wirkt. Diesen Stapel hatte ich in Reihenfolge der reinkommenden Post einfach aufgetürmt. Das war mir total entfallen, da ich das schon instinktiv ohne nachzudenken tue, nachdem ich die Schriftstücke überflogen habe. Ein zweiter Stapel auf dem Tisch nahm schon Höhe an. Der wird ein andermal versteckt. Die Briefumschläge hatte ich schon entsorgt. Mittlerweile war iTunes bei „Whiskey in a Jar“ von Thin Lizzy, aber ich warf meine BOSCH Tassimo zum zigsten Male heute an.

Ich ging den Stapel Blatt für Blatt durch. Und wie sollte es anders sein? Die Post meinte es gut mit mir. Sie hatte in weiser Vorraussicht alles nötige umsonst geliefert. Den Lohnausweis und alle möglichen Beiblätter zum Lohnausweis wie da sind: Einzahlungen in die 3.Säule bei meiner Bank, Treuhänderauskunft über meine Einkünfte durch Firmenaktien, Stand der Kapitalversicherung, Studiennachweis meiner Tochter, Bankauszüge für die Überweisung ihrer Unterstützung und dergleichen. Ich wusste es, mein System ist unschlagbar. Man braucht sich nur auf die Post zu verlassen. Insgeheim überlegte ich mir, ob ich diese Stapel nicht mit einem Schild versehe: Post von - bis. Aber das wäre viel zu aufwendig. Ausserdem, wenn meine Putzfrau die Schilder wegräumen würde, weil sie dann auf dem Deckblatt bequemer staubwischen kann, fände ich gar nichts mehr wieder. Auch sie als Thai hat einen unberechenbaren Ordnungsfimmel. Da befinden sich nach ihrem Putztag womöglich die Schilder schön geordnet an einem Platz und die Stapel woanders. Nee, nee. Das riskiere ich nicht. „Whole Lotta love“ von Led Zeppelin wummerte mit seinen Bässen. Da kommen Erinnerungen auf. An die Feten zu Schülerzeiten, wenn die reichen Eltern so mancher Kameraden auf Urlaub waren und wir deren Villa samt Swimming Pool auseinander nahmen, durch alle Schlafzimmer schnakselten (damals noch schüchtern zu zweit), die gesamte Hütte mit THC-Düften verpesteten und das Altbier in Strömen floss. Meine Putzfrau soll sich nur nichts darauf einbilden, dass ich im Zusammenhang mit ihr ans Schnakseln denke. Eine einmal geschnakselte Putzfrau ist nichts mehr wert. Die wechselt sofort ihren Beruf. Mit Saubermachen iss dann nichts mehr. Das musste ich leider mehrmals erfahren. Ihre bisherige konstante Liebe zu ihrem jetzigen Beruf werde ich mir wegen geiler Schülererinnerungen nicht vermasseln. Irgendwann muss man ja mal anfangen, aus Erfahrungen zu lernen. Wer das erst mit der Todeserfahrung macht, hat kaum noch Zeit, daraus zu lernen.

Gedanklich leicht angedröhnt machte ich mich an die Teilung des Stapels. Der nächste Song: „Purple Haze“ von Jimi Hendrix, konnte meine systematische Arbeit am Ruhetag des Herrn nicht mehr verwirren. Die Klassenaufsätze im Fach Deutsch hatten wir ja schliesslich auch strukturiert mit Einleitung, Haupteil und Nachgesang trotz einer „Geladenen“ in der grossen Pause hinter uns gebracht. Nun ja, die ein oder andere Klassenarbeit hat unser Herr Oberstudienrat dann trocken zurückgehen und wiederholen lassen. Die haben nämlich vor lauter hochtrabender Phantasie seinen geistigen Horizont überfordert. Auch Oberstudienräte sind nur Menschen. 

Die unrelevanten Blätter links, die steuerrelevanten rechts. Binäres System. Damit kenne ich mich schon rein beruflich aus und ich war mal wieder stolz auf mich, dass ich sogar in der Lage bin, berufliche Erfahrungen im Alltag zu meinem Vorteil anzuwenden. Nennt man das Intelligenz? Ich halte das eher für hochbegabt.

Bei „The Zoo“ von den Scorpions schaltete ich schliesslich meinen 2. PC ein, legte die „Easy Tax“ CD rein und bald erschienen die ersten höflichen Fragen auf dem Bildschirm.

„Möchten sie die aktuellen Aktienkurse laden?“ Ja

„Möchten sie in der Zwischenzeit eventuell geänderte Steuervorschriften laden?“ Ja

„Möchten sie ihre Steuerdatei vom letzten Jahr laden?“ aber Ja doch 

Die macht nämlich das Ganze besonders einfach. Man braucht dann fast nur noch die Einkommenszahlen in den schon vorhanden Rubriken ändern und fertig. Wenn keine neuen Vermögensquellen hinzugekommen sind, eine leichte Übung. Gedanklich bedanke ich mich beim Schweizer Finanzamt meiner Stadt, wo die „Easy TAX“ CD seit Februar auslag. Kundenfreundlich nennt man sowas. Überhaupt, das Finanzamt meiner Aufenthaltsstadt ist äusserst Service orientiert. Dort ist man Kunde. Und ich weiss auch, dass ich den Termin 31.3. nicht unbedingt einhalten muss. Aber das ginge gegen meine Ehre. „She’s a Beauty“ von The Tubes warnte mich in dem Augenblick gerade: „Don’t Fall in Love“.

...aber ja doch hatte ich gerade geantwortet. Leicht dahergesagt. Wo ist diese verdammte Datei nur? Ist ja schliesslich schon ein Jahr her. Wenn ich die nicht mal umgeräumt habe? Dateien in bestimmten Ordnern zwecks Ordnung zu verstecken, ist ein Hobby von mir, während meiner sporadischen Ordnungsanfälle. Und dann sah ich die erlösende Frage:

„Möchten sie die Datei suchen?“ klar doch

„Auf welchen Laufwerken? Alle? Ja, das wird wohl am Besten sein.

„Suche erfolglos“ ach du schei....

„Smoke on the Water“ von den Scorpions im stetig voranschreitendem iTunes bekam für mich plötzlich einen anderen Sinn.
 
Da fiel mein Blick auf ein ausrangiertes USB Kabel unter mir auf meinem Zweit-PC. Gut, dass sich meine Putzfrau dessen noch nicht angenommen hatte. Glück gehabt.   Da war doch noch was? Oh ja, da hing mal eine externe Disk dran. Und wo ist die jetzt? Hab ich wohl in einem Ordnungsanfall irgendwo versteckt. So alle 6 Wochen hasse ich herumliegende Sachen, besonders, wenn die noch nicht mal angeschlossen sind. Oh Mann! Da mir schon einige externe Hard Drives über den Jordan gegangen sind, wusste ich, dass ich sie irgendwo weich gebettet hatte. Im Bett oder unter dem Kopfkissen auf’m Sofa garantiert nicht. So soft mitfühlend mit Hardware bin ich nu auch wieder nicht. Wo ist das verdammte Ding nur? „Rock of Ages“ von Def Leppard scheint mir was sagen zu wollen. Wenn alte Rockmusik genauso vergesslich ist, wie ich, werde ich wohl doch noch auf „House“, „Dance Floor“ und „Hip Hop“ umsatteln müssen. Das soll ja gedächtnisschulend sein.

Wo gibt es in meiner Wohnung noch was Weiches, was vielleicht auch noch entfernt was mit Computern zu tun hat? Das war in dem Moment die Frage aller Fragen. Mein Blick fiel auf die Fächer unter meinem Übereck-PC-Tisch. Da liegen die PC-Welt Magazine und andere fein säuberlich gestapelt, weil ich die nach Erhalt durch die Post sowieso nur auf dem Klo durchblätter. Der Anblick des fein säuberlich geordneten Stapels gibt mir aber das Gefühl, meinen PC voll im Griff zu haben. Trotzdem erinnerte er mich mal wieder daran, dass ich die PC-Welt abbestellen sollte. Sollte etwa...? Tatsächlich. Einsam und verlassen ruhte die kleine Kiste weich gebettet auf den Magazinen. Da soll mal einer sagen, ich mache sowas gedankenlos. Ihr Anblick und  „Rock On“ von David Essex versöhnten mich wieder mit der Welt.

Also das Ding rangehängt, den Laufwerkbuchstaben als „M“ identifiziert und noch mal meine „Easy TAX“ suchen lassen. Bingo. Gefunden. Ab dann war alles nur noch eine leichte Übung. Ein paar Zahlen eingetippt und fertig.

„Endgültige Steuerklärung drucken? Yes, Sir.

Und schon fing mein HP Laserjet leise an zu tuscheln. Die Papiere mussten nur noch händisch abgezeichnet werden. Von „Ich schwöre bei Gott und den Eidgenossen“ war glücklicherweise nicht die Rede. Da kriege ich sonst immer einen leisen Schauer. Bin nämlich abergläubig. „Shaking all over“ von Guess Who läuft da gerade ganz umsonst. Erinnert mich eher an Lord Uli aus Berlin. Die langhaarigen, geschminkten Lords haben mit dem Ding vor langer Zeit ihren Durchbruch als erste Beat Band in Deutschland erlebt. Es war meine allererstes Beat-Konzert, dass ich je besucht habe. In der Stadthalle meiner Heimatstadt. Mann, was haben die Jungs abgerockt. Am nächsten Tag habe ich mir eine elektrische Guitarre von meinen Eltern gewünscht. Mit sonem Ding konnte man womöglich alle Weiber aufreissen. War zwar erst 14, aber ich wusste, dass da kommen wird, was kommen musste.               

Nun ist es fast Mitternacht. Bei „Two Minutes to Midnight“ von Iron Maiden bin ich endlich fertig mit diesem Tagebucheintrag. Morgen am Montag werde ich mich cool zu meinem Finanzamt begeben und mit dem Gefühl eines erfolgreich gemeisterten Sonntags, an dem ich nämlich alles gefunden hatte, was ich brauchte, die Unterlagen persönlich abgeben.

Gute Nacht liebe Forenkollegen. 
« Letzte Änderung: 30. März 2009, 05:14:23 von Profuuu »
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drwkempf

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Re: Mein Tagebuch - Profuuu
« Antwort #12 am: 30. März 2009, 14:41:59 »

Ich dachte, Du wärst zur Zeit in Thailand. Ich war vergangenen Donnerstag in Basel, hätte Dich gern besucht und zum Kaffee eingeladen. Na ja, dann eben nächstes Mal.
Deinen Steuerfleiß kann ich nur bewundern. Bei mir macht das ein Steuerberater.
Schöne Grüße aus der heute sonnigen Pfalz
Wolfram
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Samuitilak

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Re: Mein Tagebuch - Profuuu
« Antwort #13 am: 31. März 2009, 05:47:27 »


Hi Profuuu,

"Smoke on the water" von den Scorpions ??? ??? ??? ???

LG

Walter
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Wie man in den Wald hineinruft, hallt es zurück. .

Profuuu

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Re: Mein Tagebuch - Profuuu
« Antwort #14 am: 31. März 2009, 10:56:23 »

Muss natürlich Deep Purple heissen. Wie konnte ich nur? :-[
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