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Autor Thema: Wien,Wien,nur du allein  (Gelesen 22942 mal)

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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #210 am: 24. April 2019, 13:18:59 »

Wenn voraussichtlich im Herbst 2020 blank gewienerte schwere Limousinen am Berliner
Flughafen vorfahren,wird die hochverehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel und einem
Tross Minister die Honoratioren von Berlin und Brandenburg antreffen,um das Jahrhundert-
bauwerk eroeffnen.

Man wird das hochmoderne Gebaeude preisen und Berlin als an die Welt angebunden erklaeren.

Damit wird Berlin endgueltig,wenn auch mit kleiner Verzoegerung Weltmetropole.

Ein epochales Ereignis,das Wien schon lange hinter sich hat,denn was "Flughaefen" betrifft,
ist Wien einsamer Spitzenreiter,denn keine andere Weltstadt hatte mehr Flughaefen und
" Flughaefen"als diese Stadt.

Begonnen hatte es bereits 1909 als am Flugfeld "Simmeringer Haide"das erste Flugzeug ab-
hob und bereits ein Jahr spaeter zu einem Langstreckenflug startete.Die Strecke war Wien-
Wr.Neustadt-Wien - immerhin waren rund 90 Km zurueckzulegen.
Das Streckennetz reichte spaeter bis bis Lemberg und Kiew und wurde planmaessig beflogen.

1912 ging man das Projekt "Grossflugfafen Aspern" an.Als er ein paar Jahre spaeter eroeffnet
wurde,war er der modernste Flughafen Europas und hatte 3 Start und Landebahnen.

Das Flugfeld Fischamend,knapp ausserhalb aber im Einzugsbereich Wiens gelegen,war der
naechste Flughafen,der errichtet wurde.1917 wurde an diesem Standplatz der erste Windkanal
fuer Flugzeugentwicklung eingerichtet.

Der Flughafen Hennersorf haette der Ausgangspunkt fuer einen globalen Aviatikriesen werden
koennen,der Boeing oder Airbus als Hinterhofbastelstube erscheinen liesse.
Denn 1913 nahm die "Karosserie - und Flugzeugfabrik" Dr.Wilhelm von Gutmann die Produktion
von Flugzeugen auf,wo die Erprobungsfluege vom Flughafen Hennersdorf durchgefuehrt wurden.

Leider musste nach den Vertraegen von St.Germais alle Flugzeugfabriken eingestellt werden und
alle technischen Einrichtungen waren zu demontieren.

Nur der Flughafen Aspern blieb in Betrieb,weil die Entente-Maechte die Kontrolle uebernahm.

Die Wiener liessen sich nicht unterkriegen und eroeffneten im Mai 1923 den Flughafen Jedlesee
und fast gleichzeitig den Flughafen "Nussdorf".
Waehrend vom Flughafen Jedlesee die Strecke Wien - Muenchen geflogen wurde,war der Flug-
hafen Nussdorf auf der Strecke Wien - Budapest im Einsatz.
Man sollte jedoch hervorheben,dass Wien- Budapest mit Wasserflugzeugen bedient wurde und
z.B. in Budapest gleich neben den Hotel "Gellert"auf der Donau landeten.

Neben den "Flugplaetzen"Reichsbruecke,Winterhafen und Kahlenbergdorf ist noch der "Inter-
nationale Flughafen Mauer" zu erwaehnen.
Dieser hatte allerdings kein langes Leben,denn 1929 wurde ihm die Betriebsbewilligung entzogen.

Als Ersatz wollte man den Flughafen Inzersdorf errichten,doch das Projekt verlief sich.

Am 14.Mai 1938 war Hermann Goering bester Laune,da er den Spatenstich fuer Wien-Schwechat
vornahm.Gerne haette er,dass sein Name den Flughafen traegt und einige Spaet -und Neonazi
traeumen heute noch davon.
Konzipiert war er damals als Militaerflughafen,wurde aber nach dem Krieg als Zivilflughafen aus-
gerichtet und ist heute der groesste Internationale Flughafen Oesterreichs.

Die Tausendjaehrigen errichteten weitere Flugplaetze,wie Langenlebarn,Zwoelfaxing,Seyring,
Muenchendorf und Ebergassing,wobei nur Langenlebarn als Militaerbasis ueberlebt hat.

Nicht nur die Wiener haben an Flughaefen einen Narren gefressen,auch die Besatzungsmaechte
die da ab 1945 bis 1955 das Sagen hatten.

Flugs errichteten sie weiter Flughaefen,an die sich heute nur die Graubartigsten und Weisshaar-
igsten erinnern.

Zum Beispiel an den Flughafen Schoenbrunn oder an den Flughafen Heiligenstadt.Oder an das
britische Flugfeld Kuenigelberg,das zu einer Verstimmung im Alliierten Rat zur Folge hatte.

Die obigen Flugplaetze waren alle in Betrieb doch es reichte noch immer nicht.

Das Projekt "Grossflughafen Simmering" wurde in Angriff genommen.Ausschlaggebend dafuer war
die Blockade Berlins und man fuerchtete,dass die Sowjets Wien ebenfalls blockieren wuerden.

Um die Versorgung der Bevoelkerung Wiens durch die Luft sicherzustellen,wollte man schnell
diesen Flughafen bauen.Ganz konnte man sich nicht einigen,wo er errichtet werden sollte und
schlug vor laengs des Zentralfriedhofs das geeignete Gelaende zu nutzen.

Bevor jedoch noch die Planungen abgeschlossen waren,hatte sich die Blockade Berlins aufgehoben
und darauf verzichtete man diesen Versorgungsflughafen zu errichten.

Damit die Projektplaner nicht arbeitslos werden,wurden weitere "Flughafenprojekte" iniziiiert.

Der Flugplatz Dornbach,der Flugplatz Nussberg,der Flugplatz Krottenbachstrasse und der Flug-
platz "Schoenbrunner Schlosspark" standen am Pruefstein.

Gottseidank wurde keines der Projekte ausgefuehrt.

Heute ist Wien das einzige Bundesland,das keinen eigenen Flughafen auf seinen Territorium hat,
denn Schwechat liegt in Niederoesterreich.

Jock

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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #211 am: 09. Mai 2019, 09:32:06 »

Der bemerkenswerte Harndrang im Cafe Kolonitz

Das Cafe Kolonitz war im 3.Wr.Gemeinebezirk beheimatet.Der 3.Bezirk ist an und fuer sich ein "Nobelbezirk",denn Prinz Eugen von Savojen liess sich dort ein "Haeuschen" errichten und viele
auslaendische Botschaften haben entlang des Rennweges und Abseits ihre Adresse.

Nur an den Raendern franst das "Noble" etwas aus.Im Erdberg waren einst einige drollige und
auffaellige Figuren zu Hause und in der Gegend zur Weissgerberlaende vermeint man heute noch
den Kohldampf zu riechen.

Genau dort,Naehe Weissgerberlaende,ereigneten sich vor 51 Jahren,am 9.Mai im Cafe Kolonitz
zwei bemerkenswerte Ereignisse.

Zuerst eine Schiesserei und im Laufe dieser,diesen bemerkenswerten Harndrang.

Der Schauplatz hinterliess eine tote Frau und schwerverletzte Unterweltkoenige,sowie 20 Maenner
die das Ereignis allerdings verpassten,da sie alle,wie sie dem Gericht berichteten,gleichzeitig auf
der Herrentoilette waren.

Schiessereien,zum Zwecke geschaeftliche Auseinandersetzungen zu regeln,waren zu dieser Zeit
nicht ungewoehnlich.

Unvergessen die Schiesserei in der Ausstellungsstrasse,wo 2 Unterweltler 37 Mal aufeinander
schossen,ohne zu treffen.
Nach dem 37.Schuss beendeten sie die Schiesserei und begaben sich wahrscheinlich zu ihren
Augenaerzten um ihr Sehvermoegen ueberpruefen zu lassen.

Alle,der Schoene Ederl,der Gschwinde,der Notwehrkrista,die Schmutzer Buam u.v.a. trugen statt
eines Haarkammes eine Puffn in der Tasche und eine goldene Rolex am Arm.

Ein mittlerweile verstorbener Bekannter,der in Thailand lebte,verdiente sich eine vergoldete
Nase,indem er bei seinen Wienbesuchen,gefakte "goldene" Rolexuhren mitbrachte und sie an
die Zuhaelter,den Saugern und den Gorillas verkaufte,die damals noch nicht die Bonitaet hatten,
eine originale Rolex zu kaufen.

Die Schuesse im Cafe Kolonitz markierten aber auch den Anfang des Endes der Platten.Ein Stru-
kturwandel erfasste die Unterwelt und Mitglieder der osteuropaeischen Unterwelt eroberten nach
und nach das suendige Nachtleben am Guertel und im Prater.

1978 erschien ein Werk mit dem Titel "Der Minusmann".Der Autor,ein Unterweltler mit dem Namen
Heinz Sobota,beschrieb nicht nur das Milieu sondern auch sein Leben als Krimineller.

Besonders realistisch beschreibt er,wie eine junge Frau zur Prostituierten "abgerichtet" wird
und sparte dabei nicht die sexuelle Methode dazu aus.

Da diese Methoden Katholiken unbekannt sind,war zu erwarten,dass das Buch ein Renner wird.

Und tatsaechlich,die Erstauflage von 600.000 Exemplaren war innerhalb eines Tages ausverkauft.

Herr Sobota,der oft im Gefaengnis sass und substandardig wohnte,wurde bei seiner Lesereise in
Luxushotels untergebracht und kam kaum mit dem Geldzaehlen nach.

Zudem verliebte sich eine reiche Frau aus Muenchen in ihn,sodass er "ausgesorgt" hatte.Er
wohnte in einer Villa,hatte zwei Jaguars in der Garage,doch ganz konnte er sein Milieu nicht ab-
streifen.

Die schwere goldene Panzerkette war immer am weit aufgeknoepften Hemd sichtbar und nach wie
vor rauchte er filterlose Gitanes.

Er war einer der letzten bekannten Unterweltler,nach dem sich der "Rote Heinzi" aus dem Fenster
gestuerzt hat und auch das "Cafe Kolonitz" gibt es so nicht mehr.

Heute nennt sich das Lokal " Kolonitz Beisl "und wirbt mit Hausmannskost.

Man sieht - Alles wird wieder gut.

Jock
« Letzte Änderung: 09. Mai 2019, 09:37:29 von jock »
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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #212 am: 14. Juni 2019, 07:40:38 »

Der Einfluss der Faschingskrapfen auf den Niedergang eines grossen Konzern.

Auch in der Kleinstadt Schrems gab es ein Arbeiterviertel.

Die Familien wohnten sub- substandard in den umgebauten Wirtschaftsgebaeuden des
Schlosses und in einem Neusiedlungsgebiet am westlichen Stadtrand.

Dort waren die Gruende billig und alle,die konnten,errichteten kleine schmucklose Ein-
familienhaeuser.Vier Waende,ein Dach und ein kleiner Obstgarten rundherum.

Strategisch gut gelegen,ein graues,von Staub und Russ geschwaerztes Gebaeude mit der
fast nicht mehr sichtbaren Aufschrift " Konsum",sollte der kostenguenstige Nahversorgung
dienen.

Nie betrat das " Buergertum " dieses Geschaeft,aber auch die Frauen der Arbeiterschaft
kauften nur das notwendigste.
Alle Jahre wieder war die Geschaeftsbilanz blutrot und das haette der Zentrale in Wien eine
Warnung gewesen sein sollen.

Die Konsumgenossenschaften,schon vor hundert Jahre zuvor gegruendet,hatten als Ziel,
dem Proletariat und den Genossen,vor den preistreibenden Praktiken der meist buergerlich-
en Kaufleute zu schuetzen.

Von Anfang an,bedingt durch zu duenner Kapitaldecke,waren die Genossenschaften,wovon
es in Oesterreich hunderte gab,von einem Auf und Ab geschlagen.

"Wenn du glaubst,es geht nicht mehr,kommt von wo ein Lichtlein her".Das Lichtlein war fuer
die Konsumgenossenschaften der Ausbruch des Ersten Weltkrieges.
Die Regierung damals,beauftrage die Genossenschaften mit der Lebensmittelverteilung und
schon wurde die Bilanz schwarz.

Nach dem Krieg bekaempften zugeschnittene Gesetze und der Staendestaat als solcher,die
Genossenschaften,bis nach dem Zweiten Weltkrieg,wieder ein Lichtlein kam.

Durch Zusammenschluesse,Buendelung der Ressourcen und freundlicher Unterstuetzung der
Gemeinde Wien zimmerte sich ein ernstzunehmender Konzern,auf dem Food und Non-Food
Terrain.Ueber 600 Filialen und eigene Lebensmittelfabriken standen dem Management zur
Verfuegung und Werbekampagnen suchte die Schar der Genossenschafter zu vergroessern,
damit der Absatz auf fester Basis steht.

Allen gutgemeinten Versuchen zum Trotz,die Geschaeftsergebnisse blieben schmal.Schmal-
hans regierte in der Finanzabteilung,die Geschaefte konnten den Nibus der Verstaubung nicht
ablegen und Kooperationen mit der schweizerischen coop oder Migros brachten keinen Durch -
bruch.

Da einzelnen Banken das Risiko zu gross wurde,schlossen sie sich zu einer Konsortialgemein-
schaft zusammen und finanzierten den Konsum bis Maerz 1996.

Dann,am 1.Maerz,beschlossen sie keine weiteren Kredite mehr zur Verfuegung zu stellen.

Das Management des Konsums versuchte den Konzern der Migros anzudrehen und flog zu
diesem Behufe in die Schweiz.Als Migros die Betriebszahlen sah,wurde ihnen schwarz vor den
Augen und lehnten ab,sich einen finaziellen Muehlstein um den Hals zu binden.
Auch andere Versuche,zu retten,was noch zu retten ist,fielen ins Wasser.

Am 31.Maerz war der schwere Gang zum Handelsgericht unausweichlich.

15.000 Arbeitsplaetze waren damit gefaehrdet,die Schulden erreichten je nach Berechnung
die gigantische Hoehe von 25 Mrd.ATS.
600.000 Genossenschafter,die ihre Genossenschaftsanteile nicht voll eingezahlt hatten,fuerchte-
ten Nachzahlungen,die gerichtlich eingetrieben werden sollten.

Am Abend des 31.Maeerz 1996 war der Generaldirektor des Konsums Gast im Fernsehen.

Er sprach Klartext und analysierte knallhart,die Gruende fuer die groesste Pleite in Oesterreich.

Weil,so sprach er,die Migros Mitten in der Faschingszeit die Faschingskrapfen aus den Vitrinen
nahm,wurde die Pleite eingeleitet.

Das meinte er bitterernst !

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #213 am: 15. Juni 2019, 13:08:07 »

Das Corporate Identity am Beispiel der Farbe

In Wien kann man 3 Haupttypen von Gastronomiebetrieben seit jeher im urbanen Gebieten,
feststellen.

Das gewoehnliche Gasthaus,das Kaffeehaus und die Konditorei.

Das Gasthaus steht fuer die Speisenaufnahme da.Der Stammtisch wird erst abendlich als
Kommunikationstreff benuetzt und wehe,ein Uneingeweihter nimmt dort Platz.

Das typische Kaffeehaus dient der Entschleunigung der Zeit.Stundenlang kann man dort un-
gestoert verweilen,Zeitungen lesen und verlaesslich bringt der Ober ein frisches Glas Wasser.

Ein Mittelding war/ist die Konditorei.Eine ruhige Atmoshaere umgibt den Gast,wenn nicht ge-
rade das "elektrische Klavier" spielt.

Der Umbruch begann nach dem Krieg,als sich Espressos etablierten,inspiriert von den italien-
ischen Espressi,die auf eine schnelle Kundenfrequenz ausgerichtet waren.

Die fast hundert Jahre alte Firma "aida" gelang es,beide Betriebsformen zu vereinigen und
faellt auch den fremden Touristen bald auf.( Den Wienern ist sie ohnehin bekannt)

Es faellt ihnen auf,dass das Erscheinungsbild zuckerlrosa ist.

Ja,diese Farbe ist laengst schon zu einem Teil der "Corporate Identity" geworden .Verstaerkt
wird dieser Effekt noch durch allerlei,wiedererkennenswerte Details - wie Einrichtung,Personal-
kleidung u.s.w.

Da ist zunaechst der ueberall zu findende L-foermige Tresen mit der maechtigen Espresso-
maschine,der Stehtische fuer den schnellen Kaffee,die Verspiegelung an den Waenden,wovor
eine Sitzbank aus rotem Kunstleder steht.

Sitzbank und Stuehle sehen nur bequem aus,sind es aber nicht.Das ist Absicht,denn der Gast
soll nicht zu lange bleiben.
Die Tische sind klein gehalten,gerade 40 x40 oder 40 x 60 cm sind sie gross und verkleinern
sich durch den obligaten Zuckerstreuer und eventuell Aschenbecher noch.Auf jeden Tisch ist
eine Anbotskarte vorhanden und schon steht,kaum das man Platz genommen hat,eine Servier-
kraft da und nimmt die Bestellung auf.

Die Tische im Gastraum stehen dicht bei dicht.Jedes vertrauliche Gespraech hoert der Nachbar
unfreiwillig und gibt unter Umstaenden seinen Kommentar dazu ab.

Alle zu bedruckenden Papierflaechen sind in Rosa gehalten,egal ob Plakate,Speisekarte,Verpack-
ungsmaterial oder das Preisschild neben den Konditoreiwaren.

Die Arbeitskleidung der vorwiegend weiblichen Angestellten sind ebenfalls in rosa gehalten.
Auffaellt die farblich abgesetzte Servierschuerze,die vom Nabel bis zum Venushuegel reicht.
(Ich glaube es heisst Venushuegel,aber als Katholik weiss ich es nicht so genau)

Jedenfalls hebt die Servierschuerze eine erogene Zone der Frau hervor,die wiederum eine positive
Assoziation ausloest.Dabei steht nicht der erotische Aspekt im Vordergrund.
(Nachzulesen in der Diplomarbeit "Schurz und Schuerze")

Bei der "aida" wird auesserst behutsam von Zeit zu Zeit ein "faceliftig" durchgefuehrt.

Rosa wird immer bleiben.

Rosa ist auch die Erkennungsfarbe einer weiteren grossen Firma.

Mannerschnitten sind in einer rosafarbigen Verpackung erhaeltlich,wo sich der blaue Schrift-
zug "Manner" augenfreundlich abhebt.Irgendwo drauf gruesst auch der Steffl.

Allen Wienern ist auch das "Palmersgruen" bekannt.Die Aelteren erinnern sich noch an die
gruenlackierte Kutsche,die von einem Pony gezogen wurde oder an die Palmersgeschenkmuenz-
en,die ebenfalls das typische Gruen hatten/haben.

Vor vielen Jahren wurde die Tabakwerbung an den Formel 1 Autos verboten.

Trotzdem sind die Tabakkonzerne nach wie vor in der Formel 1 praesent.

Das farbliche Corporate Identity entschluesselt die Marke Marlboro,Camel oder Lucky Strike.
Red Bull muesste erst gar nicht namentlich an ihren Boliden genannt werden.Alleine die Lack-
ierung sagt alles ueber das Erzeugnis des Sponsors.

Jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #214 am: 03. Juli 2019, 08:52:50 »

Ascot in Wien

Ascot - das ist Elite.Ein Treffpunkt fuer die Koeniglichen,Adligen,Reichen,Wichtigen und einigen
Schoenen.

Jedoch Ascot ist weit,ist teuer und die Tickets sind rar,wenn man nicht rechtzeitig bestellt.

Ist die Krieau vielleicht eine Alternative ?

Auch Wien hat eine lange Tradition beim Pferdesport.Schon Mitte/Ende des 18.Jhd.fanden die
ersten Pferderennen statt.Fuersten,Grafen und ungarische Magnaten stellten ihre Pferde an den
Start,wetten hohe Summen,schluerften Sekt und nahmen den Kaviar gleich suppenloeffelweise
zu sich.

Doch dann kam eine laengere Durststrecke auf,die sich bis Mitte des 19.Jhd.erstreckte,bevor
sich von einer Renaissance abgeloest wurde.
Die Bahnen wurden erneuert,Tribuenen errrichtet und bis zu 40.000 Zuschauer kamen an
den Renntagen sowohl in die Krieau als auch in die Freudenau.Sogar eine eigene Strassenbahn-
linie wurde eingerichtet,die die Massen transportierte.

Die Hautevolee war fein herausgeputzt,Herren im Gehrock mit Zylinder,Damen mit Hueten und
Handschuhen,sowie die unvermeidlichen Sonnenschirme.

Es sind jetzt auch schon wieder fast 60 Jahre vergangen,als es mich juckte,einmal in die Welt
der Eliten hineinzuschnuppern und begab mich eines sonntags zu einem Pferderennen in die
Krieau.

Ich hatte das Bild von Ascot vor Augen und legte daher auf grossen Wert auf die Kleidung.Mangels
eines Cuts und Zylinger,nahm ich einen grauen Anzug,weisses Hemd,passender Krawatte zu den
auf Hochglanz polierten Schuhen.

Diese wurden in dem Moment,als ich die Anlage betrat,dreckig.Erschrocken besah ich das Malheur,
doch meine Bedenknisse verflogen,als ich die Schuhe der anderen Besucher sah.Sie alle waren
dreckig,denn es war fast unmoeglich den Pfuetzen auszuweichen.

Hatte ich Adlige,Reiche und Schoene erwartet,musste ich meine Erwartungen herunterschrauben.

Von den ca. 300 Besuchern auf der Anlage waren gut 80 % jenseits des Renteneintrittsalter.

Die stolzen ungarischen Magnaten waren einer Besucherschicht gewichen,die man nur unschwer
als Angehoerige der Roma und Sinti ausmachen konnte.
Sie steckten in zerknitterten Anzuegen und wenn sie den Mund oeffneten,blitzen goldene Zahn-
prothesen.Deren Begleiterinnen bevorzugten bunte Roecke und auffallend grosse Ohrringe.

Aber diese Maenner,die grueppchenweise zusammenstanden,waren die Experten.In der Hand
hielten sie lange Listen,wo die Leistungen der Pferde verzeichnet waren und worauf zu wetten
ist.
Waren sie sich in ihrem Urteil nicht sicher,so zogen sie uralte Maenner zu Rate,deren Lebensauf-
gabe sie darin sahen,ihrem Rheuma nicht achtend,in Allerherrgottsfrueh hinter Bueschen versteckt,
im taufrischen Gras die Morgenarbeit der Pferde zu beobachten.

Gegen ein kleines Trinkgeld gaben sie ihre Einschaetzungen preis und investierten dieses in ein
Achterl Wein.

Auch mich packte das Wettfieber.Mangels tieferer Kenntnis von Pferd suchte ich einfach die gut-
klingenden weiblichen Namen und setzte darauf auf Sieg.

Nur,es waren alles Nieten und ich sah mich gezwungen meine Einstellung zur Weiblichkeit neu
zu justieren.

Wenigstens bei Adel hatte ich ein Erfolgserlebnis.Einer Angehoerigen eines uralten Geschlechts
konnte ich die Ohren kraulen,bis sie mir die Hand abschleckte.
Es war eine wunderschoene Boxerhuendin,die den edlen Namen "Dascha von der Echsenschlucht"
trug.

Kulinarisch war es auch bescheiden.Gut,die Frankfurter wurden mit suessen oder scharfen Senf
angeboten.Die Schnitzelsemmeln konnte man nur dann essen,wenn man den gummiartigen Ag-
gregatzustand der Semmel ausser Acht liess.
Das Getraenkeangebot erschoepfte sich auf Bier,Wein,Traubisoda und Cola.

Was ich dem Rennveranstalter noch heute hoch anrechne,ist der pietaetsvolle Umgang mit den
Pferdchen.
Auf der ganzen Anlage wurde kein einziger Pferdeleberkaese verkauft.

Jock






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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #215 am: 11. Juli 2019, 19:03:29 »

Der Brief kam aus Wien.

Meine Frau nahm das Poststueck vom Brieftraeger entgegen und brachte es zu meinem
"Arbeitsplatz ".

Handschriftlich stand da ( frei uebersetzt)

An Seine Durchlaucht Jock von Jockstein und dann die Adresse.

Der Inhalt des Schreibens zeichnete sich durch eine ausgepraegte,klare Handschrift aus
und bedankte sich fuer eine Kondolenz anlaesslich eines Todesfalles.

Im selben Moment war ich beschaemt,denn ich hatte mein Beileidsschreiben mittels E-Mail
versendet und hatte mir nicht die Muehe genommen,mich hinzusetzen und ein paarZeilen zu
verfassen.

Dann ueberlegte ich,wann habe ich zum letzten Mal einen handschriftlichen Brief erhalten.

Ich musste lange Jahre zurueckgehen,dann erinnerte ich mich,dass vor 60 Jahren mir eine
Freundin schriftlich den Laufpass gegeben hat.

Langsam kamen handschriftliche Briefe aus der Mode.Man kommunizierte ab dann per Telefon
jetzt mit E-Mails und deren Abarten.

Das Einzige,wo man noch handschriftliche Mitteilungen bekam,waren die Glueckwunschkarten
zum Geburtstag,Ostern oder Weihnachten.
Aber auch diese werden immer seltener.

Aehnlich spaerliche Mitteilungen findet man auch auf Ansichtskarten aus dem Urlaub.

Viel Gruesse aus .... steht da und dann noch Hans und Grete,damit man weiss,wer im Urlaub
an die Zuhausegebliebenen denkt.

Einmal bekam ich eine Ansichtskarte,die den ueberfuellten Strand von Lignano zeigte.So in der
Mitte der Ansicht,war mit Kugelschreiber ein Pfeil eingezeichnet,wo daneben stand :"Wir sind
hier ".

Trotz Verwendung einer grossen Lupe,konnte ich die Gruessenden nicht ausfindig machen.

Da offensichtlich die Kommunikation per handschriftliche Briefe im Aussterben ist,werde ich
den eben erhaltenen,wie eine seltene Kostbarkeit hueten.

Ja,und vielleicht beginne ich auch wieder handschriftliche Briefe zu versenden.

Als einer der Ersten,die einen Brief von mir bekommen,ist der Herr Bundespraesident Dr.VdB.

Ich werde darin festhalten,dass mir seine Amtsfuehrung sehr beeindruckt und dass er sich
nicht graemen soll,wenn jemand,der seltsame Hosen traegt,ihn als halbaffigen Gruenen be-
zeichnet.

Jock

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franzi

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #216 am: 12. Juli 2019, 04:36:29 »

Schreibe zwar ungern in deinem Tagebuch OT, aber im diesem Fall doch.
a) Geschmaecker ueber Hosenmode sind Ansichtssache
b) Die seltsamen Hosen werden diesen gruenen Affen nicht interessieren.
c) Mode ist hauptsaechlich Frauensache. Und mit Weibern hat er ja schon in seiner Gruenen Partei schlechte Erfahrungen gemacht, indem er sich nicht gegen diese durchsetzen konnte.
d) Als Oesterreicher mit Migrationshintergrund seiner Eltern ist er ein Vaterlandsverraeter, der nicht davon abschreckt, Patrioten zu diskriminieren, welche die Goldstueckchenflut beenden wollten.
Empfehle dir, das von @schiene eingestellte Video zu begutachten.

https://www.facebook.com/145871682695048/posts/429736124308601/

Genau solche will der von dir geschaetzte Pseudooesterreicher noch mehr in unserem bis jetzt noch einigermassen lebenswerten Lande haben.

fr

Kannst einen Mod ersuchen, diesen Beitrag in den Saloon zu verschieben
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malakor

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #217 am: 12. Juli 2019, 04:56:55 »

Schreibt auch mal jemand ueber Innsbruck und Graz  ?
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franzi

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #218 am: 12. Juli 2019, 05:37:49 »

Nochmals OT (vielleicht daher verschieben)

Hier wurde Innsbrucks Immigranteneinfall thematisiert.

http://forum.thailandtip.info/index.php?topic=10341.msg1150155#msg1150155

Und da ueber Ibk und Umgebung (Politiklos)

http://forum.thailandtip.info/index.php?topic=10341.msg1210855#msg1210855

fr
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Bruno99

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #219 am: 12. Juli 2019, 09:10:49 »

Ja,und vielleicht beginne ich auch wieder handschriftliche Briefe zu versenden.

Wer weiss, ob du dich damit unsterblich machst, Voraussetzung ist aber, du schreibst auf Papyrus:

https://www.20min.ch/schweiz/basel/story/-Schick-mir-auch-die-Fischsosse--15977701
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Persönlich bin ich immer bereit zu lernen, obwohl ich nicht immer belehrt werden möchte. Winston Churchill

jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #220 am: 12. Juli 2019, 10:03:24 »

Was zeichnet einen Tiroler aus ?

Zunaechst die vorgetaeuschte sexuelle Potenz,dann die ausgepraegte Fremdenfeind-
lichkeit,speziell gegen die Wiener und die uebertriebene Einhaltung der Keuschheit.

Die vorgetaeuschte sexuelle Potenz manifestiert sich an den Hosen.Die Lederne hat
riesige Latzen,die mehr versprechen,als sie je halten koennen.
Das lockere Etwas an der Huefte des @franzis hat wohl den Karl Lagerfeld inspiriert,
den bekannten Satz in die Welt zu setzen.

Die Fremdenfeindlichkeit war in den 70er Jahren taeglich merkbar.Alles was oestlich
von Tirol war,war Ausland und mit entsprechendem Misstrauen zu begegnen.
Waehrend man die Salzburger ,Oberoesterreicher und auch Niederoesterreicher gerade
noch als Menschen akzeptieren konnte,war Wien und die Wiener Feindesland und von
Untermenschen besiedelt.
Wehe du fuhrst mit einem Kennzeichen aus Wien in das Heilige Land.

Die Tiroler damals,hatten wenig Hemmungen,sich als "Vaterlandverraeter" zu geben.

Die Speisekarten waren in DM ausgezeichnet und hatte man keine DM,wurde mit atem-
beraubenden Kurs auf Schillinge umgerechnet.
In Innsbruck existiert das monumentale Grabmal des Kaisers Maximilian I,bewacht von
den "Schwarzen Mander".
Aber nicht einmal der fuehlte sich in Tirol wohl und liess anderswo begraben.

Trotzdem es heisst,ein Tiroler ist nur der,der am heiligen Boden Tirols geboren wurde,
gab und gibt es einzelne Persoenlichkeiten,die nicht der Voraussetzung ensprachen,aber
bei den Tirolern hohes Ansehen oder besondere Beliebtheit erfahren haben.

Der Oberoesterreicher Herwig van Staa wurde sogar Landeshauptmann,vielleicht auch
deshalb,weil er 2004 bereits fuer die Festsetzung von straffaellig gewordene Asylanten
eintrat und den Herrn Aussenminister Fischer als Schwein bezeichnete.

Ein besonderer Fall war Herr Waldemar Graciano,auch genannt Jacare.

Man konnte ihn schwer als "stark Pigmentierten" uebersehen,also als "Murl".
In Innsbruck betrieb er ein Schallplattengeschaeft und war mit einer waschechten Tiroler-
in verheiratet.
Das hinderte die Tiroler nicht,ihn freundlich zu begruessen,wenn sie ihn trafen.

Mit der uebertriebenen Keuschheit hatte ich so meine Schwierigkeiten.

Meine Frau machte damals Einschulungen an einer neuen Generation von Buchungsautomaten,
die die Firma Olivetti vertrieb.
Deswegen war sie in ganz Oesterreich unterwegs und musste unter der Woche an ihren
Einsatzorten uebernachten.

In Tirol war es schwierig,fuer sie als alleinreisende Frau,ein Zimmer zu bekommen.
Frug sie nach einem Zimmer,gab es stets die Gegenfrage,wie lange bleiben Sie ?

War die Antwort,eine Nacht,war das Hotel leider vollstaendig ausgebucht.

Einmal,als meine Frau in Tirol mit ihrer Einschulung fertig war,wollten wir ueber den Brenner-
pass nach Italien ans Meer fahren.

Ich fuhr mit dem Zug nach,trafen uns in Kufstein und fuhren dann Richtung Italien.Da 
schon die Dunkelheit einbrach,beschlossen wir nochmals im Heiligen Land Tirol zu ueber-
nachten.

Das kleine Gasthaus in einem kleinen Ort,abseits der Autobahn versuchten wir unser Glueck.

Die Wirtin gab uns zwei Zimmerschluessel.Wir mussten erst mittels unserer Reisepaesse glaub-
haft machen,dass wir schon lange verheiratet sind und auch zwei Kinder haben.
Erst dann durften wir in einem Zimmer uebernachten.

Spaeter war ich oftmals geschaeftlich in Innsbruck und ich muss sagen,obwohl Innsbruck eine
wunderschoene Stadt mit prachtvoller Kulisse ist,war ich froh,wieder gegen Osten abzureisen.

Da war/ist Graz ganz anders.

Jock



« Letzte Änderung: 12. Juli 2019, 10:17:20 von jock »
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franzi

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #221 am: 12. Juli 2019, 14:59:16 »

Jetzt hasts den Tirolern aber gegeben  :D. Und ich kann dir nicht mal widersprechen  :'(.
Etwas hat sich inzwischen geaendert: Die Tiroler sind nicht mehr heilig, sondern scheinheilig und die Wiener sind nicht mehr Feindesland, sondern nur mehr ein Wasserkopf (in A).

fr
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Wenn ich nur "hier" schreibe, meine ich Nakhon Si Thammarat und Umgebung

jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #222 am: 14. Juli 2019, 17:16:01 »

Die Operndiva und die weisse Maus

Die Operndiva,namens Ljuba Welitsch war in den 50 ger die Jahrhundertstimme,
stehend gefeiert,wenn sie in den Opernhaeuser von Mailand bis New York,die "Sa-
lome" gab.

Auch in Wien war sie an der Oper engagiert und bewohnte eine elegante Stadt-
wohnung Naehe des Rathausplatzes.

Als sie mit ihrem Rover mit dem Kennzeichen W 4.907 an einer roten Ampel wartete,
lachte sie ein Streifenpolizist an und sie laechelte zurueck.

Es dauerte nicht lange,und der 28 jaehrige Polizist stand vor ihrer Wohnungstuere.
Ihre Adresse fand in der Zulassungskartei,in die er illegal Einsicht nahm.

Aus dem Flirt wurde eine Liebschaft und 1956 heiratete die 43 jaehrige Diva den Poli-
zisten.Aus Frau Welitsch wurde eine Frau Schmalvogel.
Das Paar bezog eine noble Villa in Doebling und verkehrte in den "besseren Kreisen"

Das war eine Sensation.Tage-und wochenlang berichtete die Presse und die Wiener
nahmen regen Anteil daran.

Doch bald schon zogen dunkle Wolken bei Frau und Herrn Schmalvogel auf.

Man stritt sich ums Geld und dann kam noch Eifersucht ins Spiel.

Nach der Heirat blieb Herr Schmalvogel weiterhin bei der Polizei,wo er knappe 3.000
Schillinge verdiente und Frau Welitsch gastierte,wie gewohnt,auf den Weltbuehnen und
strich 5 stellige Gagen pro Auftritt ein.

Da es Herrn Schmalvogel nicht moeglich war,nach dem Grundsatz,der da lautet :" Haupt-
sache ich bin gesund und meine Frau hat eine Arbeit",zu leben,zog er aus und nahm
sich eine kleine Zimmer,Kueche,Kabinett- Wohnung in Favoriten.

Irgendwann liess man sich scheiden und ging getrennte Wege.

Frau Welitsch ruht heute in einem Ehrengrab der Stadt Wien.Herr Schmalvogel jedoch
verschwand in den Weiten der Geschichte und kam in Vergessenheit,so dass niemand genau
sagen kann,ob er noch lebt.

Diese Begebenheit fiel mir ein,als ich gestern Serena Williams in Wimbledon sah.

Bei der Ueberreichung des Trophaeentellers,schwenkte auch die Kamera zu ihrem Gemahl,
der neben dem korperlichen Monument seiner Frau sehr zierlich wirkte.

Nur,glaube ich,er ist sehr clever und wird kaum in die Verlegenheit kommen,in eine Zimmer,
Kueche,Kabinett-Wohnung zu uebersiedeln.

Jock

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jock

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Re: Wien,Wien,nur du allein
« Antwort #223 am: 19. Juli 2019, 07:57:42 »

Hockenstad in Wien

Der Winter 1928/29 war ein strenger Herrscher. Seit anfangs November lag ueber Oester-
reich eine hohe Schneedecke und die Donau war von Hainburg bis in die Wachau mit einer
bis zu 50 cm Eisschicht zugefroren.

Die Temperaturen lagen ueber Wochen bei 26 Grad unter Null und alle froren,denn Heizmittel
waren teuer und rar.
Obwohl es verboten war,fuhren die Wiener in den Wienerwald und holzten ab,was ging.

Dazu kam noch eine allgemeine Angst vor der Arbeitslosigkeit,die man als Schande empfunden
hat.(1980 +  war Arbeitslosigkeit keine Schande mehr,sondern Berufsstand)

Wien zaehlte 180.000 Arbeitslose,die noch Arbeitslosengeld erhielten und nochmals an die
90.000 die keine Arbeit hatten und bereits ausgesteuert und angewiesen waren, das Notwendig-
ste von der oeffentlichen und privaten Fuersorge zu bekommen.

Die rund 270.000 Arbeitslosen sehen fuer den ersten Blick fuer eine Millionenstadt nicht all-
zuviel aus,bedenkt man aber,dass es ohnehin ueblich war,dass nur der Familienvorstand
fuer das Einkommen alleine zustaendig,die Frau nicht berufstaetig war,weil sie den Haushalt
versorgte und zahlreiche Kinder aufzog und zusaetzlich das "Doppelverdienergesetz" galt,
kann man ermessen,dass von 270.000 arbeitslose Menschen mindestens 700.000 Individuen
betroffen waren,die hungerten und froren.

Oftmals wurde die Entlassungen vor der Familie verschwiegen.Man verliess wie gewohnt in
der Fruehe die Wohnung und versuchte sich als Tagesloehner.

In den Strassen war es kein ungewoehliches Bild,wenn da wo ein Mann stand,der ein Papp-
kartonschild hielt,worauf stand :" Bin Ingenieur - Mache alles "

Verschaerfend waren die politischen Gegensaetze - hier die Regierung Ignanz Seipel,der
mit harter Hand einen austeritaetischen Kurs fuhr und die Sozialdemokratie bekaempfte und
auf der anderen Seite die Sozialdemokraten selbst.

Die Wunden,die dabei geschlagen wurde,drueckten sich im "Schattendorfer Schandurteil"
mit nachfolgenden Brand des Justizpalastes aus und fanden mit dem "Buergerkrieg"  1934
ihren Hoehepunkt.

Um die grassierende Arbeitslosigkeit zu bekaempfen,legte die Stadt Wien ein staedtisches Wohn-
bauprogramm auf. 30.000 Wohnungen sollten in kurzer Zeit errichtet werden und dann nochmals
30.000.
Der beruehmte Karl-Marx - Hof entstand so in den Jahren 1927 - 1934.

Die Architektur dieser "Hoefe" waren den sozialen Umstaenden geschuldet.Trutzburgenartig
und leicht zu verteidigen.Trotzdem,fuer die damalige Zeit,Wohnkomfort vom Feinsten.

Die Arbeitslosenrate blieb auch weiterhin hoch.Bis auf 1942,wo in Wien ein historischer Tief-
punkt erreicht wurde. In diesem Jahr waren nur 599 (fuenfhundertneunundneunzig) als Ar -
beitslose gemeldet.(Es war nicht alles schlecht,unterm Adolf)

Das "Doppelverdienergesetz" sollte verhindern,dass Ehemann und Ehefrau gleichzeitig ein
Beschaeftigungsverhaeltnis hatten und wollte damit erreichen,dass die vorhandene Arbeit
sich auf mehrere Familien verteilt.

Auch in Deutschland gab es ein aehnliches Gesetz.Bis 1958 war es in kraft und konnte be-
wirken,dass selbst Beamtinnen gekuendigt werden,wenn der Ehemann ein Beschaeftigungs-
verhaeltnis eingeht.

Allerdings 1958 war das Wirtschaftswunderland in voller Bluete,man brauchte jede Arbeits-
kraft und wurde daher nicht mehr vollzogen und spater abgeschafft.

Jock

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