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Autor Thema: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung  (Gelesen 13158 mal)

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Lung Tom

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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #105 am: 09. Mai 2020, 18:02:08 »


Noch eine kleine Nachlese zum gestrigen Tag. Meine schwarze Fahne als Zeichen des Widerstandes hab ich auch wieder eingeholt:

Die blockierte Trauer


Genau 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges stellt das Dritte Reich die absolute Referenzgröße für das politische, kulturelle und das Geistesleben der Bundesrepublik dar. Aus Anlaß der zentralen Ausstellung zum 8. Mai in Berlin – die nur virtuell stattfindet – wurden in der Stadt Plakate angebracht, die Fotos der zertrümmerten Reichshauptstadt zeigen. Darüber ist in großen Lettern zu lesen: „Am Anfang war die Wahl“, „Eine Wahl und ihr Ergebnis“, „Willst du, was du wählst?“

Damit auch der Letzte versteht, worauf der ahistorische Unfug abzielt, erscheint die Schrift in Blau, der Farbe der AfD. Dem Abweichler von der politischen Generallinie eine NS-Kontaminierung zu unterstellen, statt auf seine Argumente einzugehen, ist Normalität im Land. Entsprechend blüht die Denunziationslust. Die öffentliche Rede durchzieht ein scheinheiliges Mantra, das da lautet: Wehret den Anfängen! Nie wieder! Der Schoß ist fruchtbar noch!

In den Kontext gehört auch die Beflissenheit des Bundespräsidenten, der bei seinen Auftritten in Yad Vashem und Auschwitz bei einem internationalen Publikum Eindruck zu schinden versuchte mit der Kunde, in Deutschland zeige „das Böse“ des Nazismus „sich heute in neuem Gewand“, nämlich im antisemitischen, völkischen und autoritären Denken.

Selektive Erinnerung

Er schrieb damit der NS-Ideologie nicht nur eine gleichsam metaphysische Macht zu, der die Deutschen potentiell erneut zu verfallen drohten, er verriet auch eine Wahrnehmungsstörung. Denn die aktuelle Judenfeindschaft in Deutschland entspringt ganz anderen Quellen als dem imaginierten braunen Sumpf.

Es ist paradox: Einerseits sind Politik, Verbände, Kirchen und Medien sich einig darin, daß der 8. Mai ein „Tag der Befreiung“ war; viele wollen ihn sogar als staatlichen Feiertag inthronisieren. Andererseits wollen sie partout nicht dulden, daß Deutschland sich aus Hitlers Schatten befreit und das NS-Regime endlich Vergangenheit sein läßt. Jetzt, da die letzte Erlebnisgeneration abtritt, besteht eines der wichtigsten Probleme angeblich darin, Strategien und Mittel zu kreieren, um die Erinnerung an die Zeit von 1933 bis 1945 „wachzuhalten“, also Geschehnisse aus der Vergangenheit künstlich zu vergegenwärtigen, damit sie sich wie etwas Selbsterlebtes in die Psyche einsenken und das Ich emotional und geistig weiter prägen.

Es handelt sich um eine selektive Erinnerung, die ihren Trägern die Überzeugung einpflanzt, Erben eines Täter- und Verbrecherkollektivs zu sein. Der Widerspruch zwischen dem Postulat der Befreiung und dem gleichzeitigen Unwillen der Befreiten, sich von ihrer NS-Fixierung freizumachen, hängt zusammen mit dem Konflikt zwischen dem herrschenden politisch-normativen Geschichtsbild und dem kommunikativen Gedächtnis, also der Geschichtserfahrung im Rahmen individueller Biographien, die meistens mündlich und über drei bis vier Generationen weitergegeben wird.

Unter Vormundschaft gestellt

Zur privaten Erfahrung gehören auch die Verletzungen durch Bombenkrieg, Vertreibung, Vergewaltigung, Ausraubung und Entrechtung. Nach wie vor ist es kaum möglich, sie im öffentlichen Raum zur Sprache zu bringen und über eine kollektive Trauer endlich zur Katharsis zu gelangen. Der Konflikt um die blockierte Trauer wird nicht nur zwischen politischen Lagern ausgetragen; vor allem spielt er sich in den Einzelnen ab, die die geschichtspolitische Norm als Über-Ich verinnerlicht haben.

Dieses Über-Ich verhindert die Realisierung und Bearbeitung der Kriegstraumata, die deshalb transgenerationell weitergegeben werden und zu Verhärtung und Autoaggression führen. Wenn das antifaschistische Fußvolk „Deutsche Täter sind keine Opfer“ ruft und auf der akademischen Etage über „Selbstviktimisierung“ – die angemaßte Opferrolle – räsoniert wird, ist das weniger auf fehlende Moralität oder Unwissen, sondern auf eine Kollektivneurose zurückzuführen.

Die Bundesrepublik benimmt sich wie ein unter Bewährung gestellter Delinquent, der lebenslang seine Resozialisierung nachzuweisen sucht, obwohl das Aufsichtspersonal längst den Dienst quittiert hat. Nach sechs Jahren Krieg waren die Deutschen eine physisch und psychisch zermürbte, unter Vormundschaft gestellte Population.

Denunziationseifer und Unterwürfigkeit

Sie befanden sich in West wie Ost in einer Extremsituation, in der es um das nackte Überleben ging und sich der Überlebenstrieb einschaltete, der die vegetativen Abwehrkräfte aktiviert. Unter solchen Umständen sind Menschen zur äußersten Anpassung an die Verhältnisse bis zur völligen Unterwerfung bereit und schalten ihre geistigen und moralischen Kräfte, die sich ihrer Regression entgegenstellen, ab.

So konnte auch die Fremdzuschreibung des metaphysischen Weltbösewichts in das Selbstverständnis eindringen. Aus Angst vor neuer kollektiver Bestrafung gehen die Angehörigen eines besiegten Kollektivs sogar dazu über, sich gegenseitig zu kontrollieren, ob sie die an sie gestellten Vorgaben erfüllen. So werden Denunziationseifer und Unterwürfigkeit zu staatlichen Tugenden.

Laut Umfrage stimmt eine Mehrheit der Deutschen zwar der Auffassung zu, daß endlich ein Schlußstrich unter die manische Beschäftigung mit der NS-Zeit gezogen werden müsse, doch beim Ertönen des antifaschistischen Mantras schwenken sie sofort auf die vorgegebene Generallinie ein. Um die Unfreiheit aufzuheben, die im Namen der Befreiung herrscht, genügt keine historische Aufklärung mehr, dazu braucht es den Psychiater.

JF 20/20
Quelle + gute Kommentare:
https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2020/die-blockierte-trauer/





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Lung Tom

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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #106 am: 11. Mai 2020, 18:28:56 »


Geschichtsinteressierte finden zur Zeit einen interessenten Artikel in der Online-Ausgabe der Junge Freiheit. Einfach zusammen mit Prag eingeben, wurde gestern veroeffentlicht. Ich hab dazu schon mal was angedeutet. Ein Lesetipp ohne Link dürfte wohl in Ordnung gehen.
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Lung Tom

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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #107 am: 15. Mai 2020, 19:07:39 »

Heute mal ein Liedchen. Wird ja immer gefordert, nicht sone alten Schmonzetten. Zu Amri gibts ja schon wieder Neues. Aber man kann nicht mehr drüber weinen, solch Schwachsinn wie BKA, etc. pp verzapfen - wenns nicht Kalkül ist, Luni bringts bei "Anus" auf den Punkt  :o



..aus den Kommentaren:
Es ist nur noch zum heulen, weil es einfach wahr ist.
« Letzte Änderung: 15. Mai 2020, 19:58:30 von Lung Tom »
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Lung Tom

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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #108 am: 17. Mai 2020, 20:29:43 »


Frankenhausen 1525: Mehr Abschlachten als Schlacht


Was als Aufbegehren gegen die adlige Obrigkeit begann, verselbständigte sich rasch in unkontrollierbare Raubzüge der Bauern im südlichen Teil des Deutschen Reiches. Im Rückblick mag es überraschen, wie es den Aufständischen im Bauernkrieg ab 1524 gelingen konnte, eine Reihe von Städten unter ihre Kontrolle zu bringen und über mehrere Monate plündernd durch die Lande zu ziehen. Dabei kam ihnen die Auseinandersetzungen des deutschen Kaisers Karl V. zugute.

Denn die Kämpfe auf dem italienischen Kriegsschauplatz banden dort zu jener Zeit die Truppen des Habsburgers. Die fehlten im Reich, um dort die Unruhen im Keim zu ersticken. Nach dem Sieg Karls bei Pavia am 24. Februar 1525 kehrten die nun beschäftigungslosen Veteranen wieder nach Norden zurück. Im Auftrag der Schwäbischen Reichsstände warb der Truchseß von Waldburg, Georg von Waldburg-Zeil, die ins Reich strömenden Landsknechte für den Kampf gegen die Bauern an. Zuvor hatte er mit unterlegenen Kräften die offene Schlacht gegen die Bauernhaufen vermieden und hatte sie durch Verhandlungen hingehalten. Doch im Frühjahr 1525 konnten die Werber des Truchseß aus den Vollen schöpfen und genügend Söldner verpflichten.

Die deutschen Landsknechte waren im 15. und 16. Jahrhundert als Söldner in ganz Europa wegen ihrer disziplinierten Kampfweise geschätzt, auch wenn sie bei ausbleibendem Sold zu Plünderungen neigten. Mit ihren Piken, Schwertern und frühen Handfeuerwaffen waren die gerüsteten Kämpfer den ungeordneten Bauernhaufen weit überlegen.

Müntzer predigte gegen die Obrigkeit


Georg von Waldburg-Zeil machte sich mit seinem Söldnerheer daran, in Schwaben die Bauernhaufen nach und nach zu zerschlagen. Er verfolgte auch die fliehenden Bauern bis in ihre Dörfer, ließ sie foltern und hinrichten. Wegen seines selbst für die damalige Zeit harten Vorgehens, bekam er bald den Spitznamen Bauernjörg.

Hier gibts noch einen Nachschlag, bzw. komplett:
https://jungefreiheit.de/wissen/geschichte/2020/frankenhausen-1525-mehr-abschlachten-als-schlacht/
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Lung Tom

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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #109 am: 19. Mai 2020, 18:56:33 »


Noch ein kleiner Nachtrag zum Beitrag vom 15. Mai 2020:

Die offizielle Anschlagsgeschichte wird immer bizarrer

Untersuchungsausschuss entdeckt auf Handy von Amri Fotos vom Breitscheidplatz nach der Tat - BKA meint, eine App habe sie automatisch installiert

Der Untersuchungsausschuss (UA) des Bundestags hat entdeckt, dass sich auf dem HTC-Handy des angeblichen Attentäters Amri, das in einem Karosserieloch des LKW lag, zwei Fotos befinden, die nach dem Anschlag gemacht wurden. Sie zeigen die Unfallstelle und das zerstörte Fahrzeug. Wer die Fotos gemacht hat oder wie sie auf das Smartphone gelangt sind, kann auch das BKA bisher nicht schlüssig erklären. Der Sachverhalt zeigt, wie bizarr sich die Aufklärung des Terroranschlages entwickelt.

Wo die Abgeordneten graben, stoßen sie auf Details, die nicht mit der offiziellen Anschlagsgeschichte zusammenpassen, wie sie beispielsweise ein BKA-Ermittler im Bundestag erneut formuliert hat: Die Tat sei die eines Einzeltäters gewesen. Amri habe sich des LKW allein bemächtigt und damit den Anschlag begangen. Die Möglichkeit habe sich erst am 19. Dezember ergeben. Als Amri am Abend des 18.Dezember mit Ben Ammar zusammensaß, habe er noch nicht gewusst, dass er am nächsten Tag die Tat begehen werde. So der Erste Kriminalhauptkommissar (EKHK) A.M. jetzt als Zeuge im Ausschuss.

Als ihm die zwei Fotos aus dem HTC-Handy vorgelegt werden, muss er passen: Er habe sie noch nie gesehen, er habe keine Erklärung dafür.

Die Fotos müssen einige Zeit nach dem Anschlagszeitpunkt um 20:02 Uhr entstanden sein. Der Tatort ist bereits abgesperrt, Polizisten und Rettungskräfte sind zu sehen. Dass Amri, der den LKW gefahren haben soll, sie selber gemacht hat, ergibt für den BKA-Mann keinen Sinn. Dann wäre der Täter ja noch stundenlang vor Ort geblieben. Zumal er gegen 21:30 Uhr in seiner Unterkunft gewesen sein soll, um seine Sachen zu holen, ehe er flüchtete.

Dass die Bilder von einem Mittäter gemacht wurden, bezweifelt der BKA-Ermittler ebenfalls. Schließlich würde das die offizielle Einzeltäter-Theorie zum Einsturz bringen. Da es die Nachtat-Bilder aber faktisch gibt, kann man durchaus fragen, ob sie vielleicht zum Anschlagsplan gehörten und eine Botschaft damit verknüpft werden sollte. Zum Beispiel die einer Tätergruppe.

Die Frage der ungeklärten Bilder war schon in der vorherigen UA-Sitzung kurz Thema. Offensichtlich hatte sich das BKA zwischenzeitlich darauf vorbereitet. Als jetzt der BKA-Zeuge A.M. mit den Funden konfrontiert wurde, meldete sich der Sitzungsvertreter des Bundesinnenministeriums (BMI) zu Wort und sagte, das BKA habe ihm "gerade" eine mögliche Teilerklärung unterbreitet, die er vorlesen könnte.

Danach könnten die Bilder, so das BKA, über eine App, möglicherweise eine Google-App, automatisch auf das Handy gespielt worden sein. Beispielsweise gäbe es bei I-Phones die Technik, per App "Nachrichten des heutigen Tages, die Dich interessieren könnten" anzubieten und sie dann im Hintergrund auf dem Handy zur Verfügung zu stellen. Die Fotos auf Amris HTC-Handy fänden sich, so das BKA, auch auf Nachrichtenseiten von jenem Tag.
Amris HTC-Handy

Der Ausschuss will das klären lassen. Unabhängig davon knüpfen sich an das HTC-Handy, das für die Amri-Einzeltäter-These konstitutiv ist, bereits zahlreiche Fragen. Das Gerät soll einem Schweizer Touristen in Berlin Ende September 2016 geklaut worden sein. Der Eigentümer, Eric B., meldete das Telefon bei der Polizei zwar als gestohlen, gab dann aber eine falsche Adresse an, ein Bergdorf in Frankreich, wo er gar nicht wohnte.

Amri soll das Handy ab dem 2. Oktober 2016 besessen haben. Mittels der Geodaten wollen die Ermittler Amris Bewegungen in Berlin rekonstruiert haben. Etwa 30 "Ereignisse" hätten identifiziert werden können.

Quelle, bzw. hier gehts weiter:
https://www.heise.de/tp/features/Die-offizielle-Anschlagsgeschichte-wird-immer-bizarrer-4722838.html
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Lung Tom

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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #110 am: 21. Mai 2020, 21:07:43 »


Leider stand und steht der Feind nicht nur im Äußeren, sondern vor allem im Inneren. Nicht erst heute, sondern schon vor hundert Jahren (eher noch länger), wie auch folgende Geschichte es aufzeigt:


Weltkriegsflieger Rudolf Berthold
Späte Ehre für „den Hauptmann“

Hysterisch kreischende Weiber, zum kommunistischen Gruß erhobene Fäuste der Männer hinter ihnen säumen die Gasse, durch die das Freikorps „Eiserne Schar“ des Hauptmanns Berthold mit Tritten und Gewehrkolbenhieben getrieben wird. Die Frontkämpfer, Retter der Republik und Baltikumveteranen werden aus der Menge bespuckt, geschlagen, beschimpft, niedergerissen und wieder geschlagen.

Einige überleben es nicht. Unter diesen ist ihr Anführer, Hauptmann Rudolf Berthold. Mit 44 Luftsiegen war der unzählige Male Verwundete Träger des Orden „Pour le Mérite“ einer der erfolgreichsten Kampfflieger des Ersten Weltkriegs. Der am 24. März 1891 in Naumburg geborene spätere Hauptmann führte bis 1918 das Jagdgeschwader II. und stellte 1919 sein Freikorps „Eiserne Schar“ zur Bekämpfung der roten Aufstände in der Reichshauptstadt und anderen Städten in Berlin auf.

Nach Einsätzen gegen die Kommunisten in Deutschland folgte er dem Ruf der lettischen Regierung und setzte seine „Eiserne Schar“ im Baltikum ein. Dann rief das Reich ihn und seine Männer wieder. Am 15. März 1920 wird der nur noch von Scharnieren, Bändern und Stahlplatten zusammengehaltene Körper des Hauptmanns – bis zur Unkenntlichkeit von der Masse zertreten – als ein blutiges Bündel in Harburg am Wegesrand entdeckt. Nur anhand seines Armbandes und der vielen Prothesen kann er identifiziert werden, sein Gesicht ist nur noch eine rote Masse. Was war geschehen?

Kommunisten töteten Berthold bei Verhandlung

Als das Freikorps auf Hamburg marschierte, um den dort ausgebrochenen Generalstreik zu beenden und den von streikenden Arbeitern verhafteten Kommandeur des Harburger Pionierbataillons, Major Hueg, zu befreien, wurde es von Regierungsverantwortlichen in der Heimfelder Mittelschule in der Nähe von Harburg einquartiert, da keine Züge mehr nach Hamburg fuhren. Am nächsten Tag waren sie von bewaffneten kommunistischen Arbeitern eingeschlossen und mußten sich nach verzweifelten Verteidigungskampf ergeben.

Die Ereignisse gingen als „Harburger Blutmontag“ in die Geschichte ein. Berthold versuchte allein mit den roten Anführern zu verhandeln, da schlugen und traten sie ihn tot. In einigen Quellen wird beschrieben, daß er zunächst mit dem Band seines „Pour le Mérite“ erwürgt worden sei. Solche Beschreibungen seines Todes finden sich bei Ernst von Salomon in „Die Geächteten“, Edwin Erich Dwingers „Auf halbem Wege“ und Thor Gootes „Kamerad Berthold“.

An einem trüben Novembermorgen werden die Überreste des Hauptmanns auf dem Invalidenfriedhof in Berlin beigesetzt. Doch es soll nicht seine letzte Ruhestätte bleiben. Als der Mauerbau beschlossene Sache ist und die Bauarbeiten fortschreiten, bleibt der Invalidenfriedhof nicht verschont. Dieser bedeutendste deutsche Soldatenfriedhof in der Mitte Berlins entstand 1749 durch eine Instruktion Friedrichs des Großen. Eine Liste der dort Ruhenden liest sich wie die Aufzählung großer Männer der preußischen und deutschen Geschichte. Wir lesen Namen wie die von Scharnhorst, von Schlieffen, von Moltke, von Seeckt sowie von Richthofen, Mölders und Udet.

Hier gehts, etwas positiver noch weiter, bzw. komplett:
https://jungefreiheit.de/wissen/geschichte/2020/spaete-ehre-fuer-den-hauptmann/
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Lung Tom

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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #111 am: 23. Mai 2020, 18:45:21 »

Zur Zeit kommt ja wieder eins zum anderen, und auch der 23. Mai hat es in sich. Im folgenden Artikel wurde die extreme Entwürdigung bei der Festnahme der Reichsregierung nur kurz angeschnitten (und der voelkerrechtswidrige Aspekt nicht gewürdigt) aber es gibt Schlimmeres:


„Heute starb das Deutsche Reich“

Am sonnigen Morgen des 23. Mai 1945, zwei Tage nach Pfingsten, „starb in Flensburg das Deutsche Reich“. So meldete das US-Magazin Time seinen Lesern. Um „historische Bilder“ vom Ende der Reichsregierung zu liefern, wurden mehrere Dutzend Fotoreporter eigens aus Paris eingeflogen. Großadmiral Dönitz, Generaloberst Jodl und Rüstungsminister Speer mußten sich wie Verbrecher vor einem schußbereiten Maschinengewehr an die Wand stellen, die „fotografische Exekution“ wurde – trotz heftiger Proteste der Delinquenten – mehrfach wiederholt.

Die Welt verlangte nach Symbolen des Sieges. Die rote Fahne über dem Reichstag genügte nicht. Und da Hitler am Ende nicht einmal als tote Trophäe zur Verfügung stand, mußte ein anderer seinen Kopf hinhalten: Karl Dönitz.

Wenige Stunden zuvor war der Großadmiral auf der „Patria“ eingetroffen, einem Luxus-Dampfer der Hapag, auf dem US-General Lowell W. Rooks residierte. Seit dem 8. Mai hatte man hier gemeinsam getagt, an diesem 23. Mai fehlte das sonst übliche Zeremoniell. Rooks erklärte, daß „die amtierende Regierung (…) mit dem heutigen Tag (…) als Kriegsgefangene in Haft genommen werde. Damit ist die amtierende deutsche Regierung aufgelöst.“

Zur gleichen Zeit stürmten britische Soldaten in Bataillonsstärke den „Sonderbereich Mürwik“, eine Enklave, die 500 Mitarbeitern als „Regierungssitz“ diente. Die „Operation Blackout“ war nur Vorspiel zu einem zweiten Fototermin. Alle Deutschen mußten sich vollständig entkleiden („Hosen runter!“), sich einer entwürdigenden Untersuchung unterziehen und dann vor dem Gebäude mit erhobenen Händen antreten.

Evakuierung aus dem Osten hatte absolute Priorität

Dönitz war sich von Anfang an sicher, daß seine Mission nur von kurzer Dauer sein würde. Als er am 30. April nach Hitlers Tod zum „Reichspräsidenten“ ernannt wird, nimmt er die Aufgabe ohne Zögern an. Sein preußisches Pflichtethos gebietet ihm, den schweren Gang zu gehen. „Schluß machen, Heldenkampf ist genug gekämpft, Volkssubstanz erhalten, keine unnötigen Blutopfer mehr“, lautet seine Devise.

Statt Volk und Heimat verloren zu geben, denkt Dönitz über das Kriegsende hinaus, setzt die Nerobefehle außer Kraft und wird für Millionen Deutsche aus dem Osten zum Retter. Diese Rettung der Soldaten und Flüchtlinge im Osten gebietet ihm, die Kapitulation im Osten so weit wie möglich hinauszuzögern. Dazu bildet Dönitz schon am 1. Mai eine geschäftsführende Reichsregierung mit Lutz Schwerin von Krosigk als Reichskanzler. Ribbentrop, Rosenberg und Himmler werden entlassen, letzterer mit entsicherter Waffe unter Dönitz’ Papieren.

Dönitz’ Ziel ist die geordnete Kapitulation, möglichst zeitversetzt in West und Ost. Die von den Siegern geplante Zonengrenze ist seit 1944 bekannt, ihr Verlauf diktiert das Geschehen. Für den Rückzug der Wehrmacht gilt es, acht bis zehn Tage Zeit zu gewinnen.

Als Lübeck fällt, zieht sich Dönitz am 2. Mai hinter den Nord-Ostsee-Kanal zurück und nimmt Quartier in der Kaiserlichen Marineschule in Mürwik. Hier hat er 1910 mit 19 Jahren als Seekadett begonnen. Jetzt wohnt er auf der „Patria“, die seit 1941 in der Förde vor Anker liegt.

Schon am 2. Mai kapituliert die Italienarmee unter Kesselring. Am 3. Mai verhandelt Friedeburg mit Montgomery und erreicht eine Teilkapitulation für den Nordwesten für den 5. Mai, 8 Uhr. Am 6. Mai trifft Jodl im alliierten Hauptquartier in Reims ein. Eisenhower verhandelt nicht. Er droht mit Bombardierung und Auslieferung aller Soldaten.

Hier gehts weiter, bzw. komplett:
https://jungefreiheit.de/wissen/geschichte/2020/heute-starb-das-deutsche-reich1/
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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #112 am: 24. Mai 2020, 02:52:45 »

Moin Lung Tom

Bitte vergiss nicht darüber zu schreiben, wie abscheulich die Römer vor relativ kurzer Zeit mit uns Germanen umgesprungen sind!
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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #113 am: 24. Mai 2020, 17:22:43 »

Moin Lung Tom

Bitte vergiss nicht darüber zu schreiben, wie abscheulich die Römer vor relativ kurzer Zeit mit uns Germanen umgesprungen sind!
Die Germanen waren ja "über dem Rhein", die Kelten "bis zum Rhein" (und vorher die Gallier) waren betroffen! Wenn schon, denn schon!
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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #114 am: 03. Juli 2020, 20:52:27 »



Traditionelles Abzeichen
Finnische Luftwaffe schafft Hakenkreuze ab

https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2020/finnische-luftwaffe-schafft-hakenkreuze-ab/

 ;)
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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #115 am: 10. Juli 2020, 19:27:34 »


Heute muss man nicht lesen, nur zuschauen:

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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #116 am: 01. August 2020, 20:51:56 »


Viel Spaß mit leichter Kost:

Trabi und Schwalbe kehren zurück - DDR Kult

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Lung Tom

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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #117 am: 06. August 2020, 18:43:13 »


Der Fall ist zwar noch nicht ganz Geschichte - koennte aber in sie eingehen. Hier ein interessanter Artikel aus der JF:

Todesfall George Floyd: Neue Aufnahmen stellen bisherige Deutung in Frage

Bislang galt der tragische Tod von George Perry Floyd, der weltweite Proteste und gewaltsame Ausschreitungen ausgelöst hatte, in den meisten Medien als geklärt. Die Geschehnisse am Abend des 25. Mai 2020 in der US-Metropole Minneapolis schienen eindeutig zu sein. Bilder einer Sicherheitskamera, die um die Welt gingen, zeigen den Polizisten Derek Chauvin, wie er Floyd auf rabiate Art und Weise festnimmt und daraufhin mehr als acht Minuten auf seinem Nacken kniet. Der 46jährige beklagt sich mehrmals mit den Worten „Ich kann nicht atmen“, die später zum Schlachtruf der „Black Lives Matter“-Bewegung wurden. Als der Krankenwagen eintrifft, ist Floyd bereits tot. Ein Aufschrei geht durch die USA – und später durch die ganze Welt.

Das „Davor“ jedoch wurde in vielen Berichten stets ausgeblendet. Die am Montag von der britischen Daily Mail veröffentlichten Videos der Polizei-Bodycams, die zwei der anwesenden Beamten am Körper trugen, zeigen nun erstmals genauer, was bei der Festnahme vor sich ging. Eines ist klar: So eindeutig wie bislang dargestellt, ist der Fall mit Sicherheit nicht.

Floyd widersetzt sich den Anweisungen

Es ist kurz vor 20:00 Uhr als George Floyd den Laden „Cup Foods“ betritt, ein Lebensmittelgeschäft in Minneapolis. Er kauft eine Schachtel Zigaretten mit einem 20-Dollar-Schein. Anschließend steigt er in seinen Pkw auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ein Angestellter des Ladens meint, eine gefälschte 20-Dollar-Note zu erkennen. Mit einem Kollegen läuft er schnellen Schrittes zu dem schwarzen SUV, in dem Floyd noch gemeinsam mit einem Beifahrer sitzt. Seine Ex-Freundin befindet sich auf dem Rücksitz. Er solle die Zigaretten zurückgeben, fordern die beiden Angestellten. Floyd weigert sich.

Um 20:01 Uhr ruft ein Mitarbeiter die Polizei an, um zu berichten, daß Floyd mit einer gefälschten Banknote bezahlt hätte, „schrecklich betrunken“ sei und „nicht unter Kontrolle“. Bereits sieben Minuten später treffen die zwei Polizeibeamten James Alexander Kueng und Thomas Kiernan Lane vor dem Laden ein. Hier beginnt auch das von der Daily Mail veröffentlichte Video.

Hier gehts weiter:
https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2020/245408/
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franzi

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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #118 am: 09. August 2020, 08:02:10 »


Frankenhausen 1525: Mehr Abschlachten als Schlacht


Was als Aufbegehren gegen die adlige Obrigkeit begann, verselbständigte sich rasch in unkontrollierbare Raubzüge der Bauern im südlichen Teil des Deutschen Reiches. Im Rückblick mag es überraschen, wie es den Aufständischen im Bauernkrieg ab 1524 gelingen konnte, eine Reihe von Städten unter ihre Kontrolle zu bringen und über mehrere Monate plündernd durch die Lande zu ziehen. Dabei kam ihnen die Auseinandersetzungen des deutschen Kaisers Karl V. zugute.

Denn die Kämpfe auf dem italienischen Kriegsschauplatz banden dort zu jener Zeit die Truppen des Habsburgers. Die fehlten im Reich, um dort die Unruhen im Keim zu ersticken. Nach dem Sieg Karls bei Pavia am 24. Februar 1525 kehrten die nun beschäftigungslosen Veteranen wieder nach Norden zurück. Im Auftrag der Schwäbischen Reichsstände warb der Truchseß von Waldburg, Georg von Waldburg-Zeil, die ins Reich strömenden Landsknechte für den Kampf gegen die Bauern an. Zuvor hatte er mit unterlegenen Kräften die offene Schlacht gegen die Bauernhaufen vermieden und hatte sie durch Verhandlungen hingehalten. Doch im Frühjahr 1525 konnten die Werber des Truchseß aus den Vollen schöpfen und genügend Söldner verpflichten.

Die deutschen Landsknechte waren im 15. und 16. Jahrhundert als Söldner in ganz Europa wegen ihrer disziplinierten Kampfweise geschätzt, auch wenn sie bei ausbleibendem Sold zu Plünderungen neigten. Mit ihren Piken, Schwertern und frühen Handfeuerwaffen waren die gerüsteten Kämpfer den ungeordneten Bauernhaufen weit überlegen.

Müntzer predigte gegen die Obrigkeit


Georg von Waldburg-Zeil machte sich mit seinem Söldnerheer daran, in Schwaben die Bauernhaufen nach und nach zu zerschlagen. Er verfolgte auch die fliehenden Bauern bis in ihre Dörfer, ließ sie foltern und hinrichten. Wegen seines selbst für die damalige Zeit harten Vorgehens, bekam er bald den Spitznamen Bauernjörg.

Hier gibts noch einen Nachschlag, bzw. komplett:
https://jungefreiheit.de/wissen/geschichte/2020/frankenhausen-1525-mehr-abschlachten-als-schlacht/

Ein Konter von @jock, mir mit Mail gesendet.

Zitat
Am 17.Mai 2020 stellte @Lung Tom einen Artikel der "Jungen Freiheit"ueber Frankenhausen 1525
ein.
 
Darin wird beschrieben,dass der DEUTSCHE Kaiser Karl V.vorerst nicht entscheidend eingreifen konnte,
da er an anderen Kriegsshauptplaetzen gebunden war.
 
Liebe "Jungefreiheit",schreibt es euch hinter die Ohren,zu der Zeit gab es keinen deutschen Kaiser.
 
Der Titel war stets "ROEMISCHER KAISER DEUTSCHER NATION"wobei der Wortlaut"deutscher Nation"
keine politische Bewandtnis hatte,sondern gebietsmaessig gedacht war.
 
Was hier ablaeuft ist ein Diebstahl und der Diebe Herold ist @Lung Tom.
 
Mich wundert es,dass nicht gleich unsere Freunde @franzi und @rampo Einspruch erhoben und den
schaendlichen Versuch gebranntmarkt haben.
 
Schon einmal wollten unsere deutschen Brueder unseren Wolfgang Amadeus Mozart "stehlen"und ihn
als Deutschen ausgeben.
 
Wehret den Anfaengen ! Erst Mozart,heute Kaiser Karl V.und morgens Haunolds Alpenreich.
 
Das geht gar nicht.
 
Jock


Dazu eine kurze Bemerkung: Haunolds Alpenreich wurde Oesterreich eh schon vor ueber 100 Jahren von den Itakern "gestohlen". Was mir aber immer schon egal, um nicht zu sagen recht war, da es dadurch bis zur italienischen Grenze (Brenner) von meinem seinerzeitigen Wohnort nur 40 Kilometer zu fahren war. Und vieles war eben hinter dem Brenner guenstiger, auch vielfaeltiger (zB Alkoholika) und auch besser, wie Mortadella und Salami.
Ueberdies waren die Schmuggelfahrten immer fuer a bissl Spannung gut  :-X

fr
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Wenn ich nur "hier" schreibe, meine ich Nakhon Si Thammarat und Umgebung

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Re: Neuigkeiten und Altbekanntes aus der Geschichtsschreibung
« Antwort #119 am: 09. August 2020, 10:32:20 »

Aus Interesse hab ich mal in meinem alten Geschichtsatlas nachgekramt und einen entsprechenden Ausschnitt hier eingestellt.
Nachdem ich @Jock's Kommentar las (Zitat:"Der Titel war stets "ROEMISCHER KAISER DEUTSCHER NATION"wobei der Wortlaut"deutscher Nation" keine politische Bewandtnis hatte,sondern gebietsmaessig gedacht war.")

Mag der Titel "Römischer Kaiser Deutscher Nation" diplomatisch begründet sein, ein DEUTSCHES REICH gab es sehr wohl schon um diese Zeit und hatte durchaus auch entsprechende politische Bewandtnis/Bedeutung.



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