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Autor Thema: Yaowarat  (Gelesen 6331 mal)

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Yaowarat
« am: 24. August 2008, 17:00:44 »

Im alten Forum hatte ich eine Serie über die Bedeutung von Strassennamen in Bangkok angefangen.

In einer der Episoden ging es um die Thanon Yaowarat. Ein Wort, welches sich auch für einen, der nicht der Thaisprache mächtig ist, ziemlich "unthai" anhört, zumindest was den allgemeinen Sprachgebrauch betrifft.

Ich glaube, dass dies ganz gut in diese Rubrik "Thailändisch lernen, Thailand verstehen" passt. Deswegen noch einmal hier die "Yaowarat" Episode.

Thanon Yaowarat

Diese Strasse verläuft in etwa parallel zu einem Abschnitt der Thanon Charoen Krung.

Sie beginnt an der Thanon Chakphet gleich am Khlong Ong Ang oder in seiner Gesamtlänge als Khlong Rop Krung bezeichnet, der zweiten Verteidungslinie für die Altstadt Rattanakosin.

Rop = drum herum
Krung = Stadt

An diesem Kanal entlang befand sich einmal die Stadtmauer der alten Königsstadt. Ihre Spuren sind getilgt. Lediglich ein paar gänzlich neu erbaute Bruchstücke mit nachempfundenen Stadttoren sind wieder entstanden und erinnern an alte Zeiten, als Mauern noch einen sinnvollen Schutz vor Angreifern boten.

Die Thanon Yaowarat beginnt also vor den Toren der damals befestigten Altstadt und mündet schliesslich unweit des dritten und äusseren Kanalringes, dem Khlong Phadung Krung Kasem, in die Thanon Charoen Krung.

Mit dem Fahrrad, China Town Stil, in 5 Minuten leicht zu bewältigen oder auch nicht. Das windschnittige Schutzblech, kunstvoll graviert mit „Tom&Jerry“, verspricht speed und Zuverlässlichkeit..    


Dieser Strassenname wird gerne mit China Town gleichgesetzt. Das ist OK. In manchen Publikationen, besonders im Internet, gewinnt man aber zuweilen den Eindruck, dass dies auch die Übersetzung von Yaowarat wäre. Da im www meist jeder von jedem abschreibt, weil selber zu faul zum Recherchieren, ist diese Ansicht wohl weitverbreitet. Die ersten 100 Treffer bei Google, ob Deutsch oder Englisch, sind  im Sinne der kollektiven Verblödung besonders hilfreich.


Ja, die Thanon Yaowarat liegt in China Town. Ja, die Atmosphäre mutet sehr chinesisch an, wie überall auf der Welt, wo es China Towns gibt, aber ihr Name beinhaltet nicht den geringsten Hinweis auf China oder Chinesen.


Wenn man pingelig (Kölsche Ausdruck) sein will, durchquert sie eigentlich nur einen Teil von China Town. Denn China Town zieht sich entlang der Thanon Charoen Krung gen Süden bis jenseits der Soi 52 (Soi Wanglee) und des Wat Yannawa hin. Von den Vierteln zwischen der Yaowarat und dem Chao Phraya Fluss ganz zu schweigen.

Möchte aber keine Erbsen zählen. Hier geht es ja um die Bedeutung des Namens Yaowarat.

Vor dem Bau der Thanon Yaowarat bestand dieser Teil China Towns ausschliesslich aus verwinkelten engen Gassen. Für den Aussenstehenden absolut verwirrend und unübersichtlich. So manch Fremder ging hinein und ward nie mehr gesehen. Chinesische Gangs herrschten dort über ihre „Untertanen“ und zockten die Nachbarschaft ab, völlig unabhängig vom Königshaus, der Gerichtsbarkeit und der Polizei. Opium Dens, Spielhöllen, Kneipen und Bordelle sorgten für das alltägliche Vergnügen. Das Leben war hart und man gönnte sich ja sonst nix.


Die Puffs befanden sich in den „green light“ Bezirken. Bordelle waren mit grünen Lampen am Eingang gekennzeichnet. Ahnungslose europäische Rotlicht-Freier mögen vergeblich nach Entspannung gesucht haben, falls keine Schlepper vor der Tür standen.

Die Farbe Rot ist bei den Chinesen für „good luck“ und allem, was Wohlstand verspricht, reserviert.

1889 kam es zu einem „Bürgerkrieg“ zwischen diesen Gangs. Erst ein Infanterie Regiment der Royal Army konnte für Ruhe sorgen. Die Polizei war chancenlos. Die Soldaten kamen entlang der Charoen Krung mit der Strassenbahn. Kein Witz. Die wurde zu jener Zeit noch von Pferden gezogen.

Die Royal Navy ergänzte die Aktion mit Kanonenbooten und sperrte flussseitig die Fluchtwege ab, damit nur ja keiner entkommen konnte. Man darf sich diese Angelegenheit ruhig als grandioses Gemetzel mit Kolateralschäden vorstellen. Die überlebenden Gangmitglieder wurden in grosser Zahl gefangengenommen, gruppenweise an ihren typischen Pferdeschwänzen zusammengebunden (man sagt zu je 100) und zu ihrer Schande durch die Strassen getrieben. Dabei ist wohl der ein oder andere versehentlich skalpiert worden, wenn Kollegen stolperten und sich flach legten.

Der Ort des Hauptgeschehens lag aber nicht dort, wo heute die Thanon Yoawarat ist, sondern weiter südlich in der Nähe der Soi Wanglee und des Wat Yannawa. Die Umgebung des Hafens mit all ihren Begleiterscheinungen war eine ziemlich düstere Gegend. Kein Wunder, dass sich die Wanglees nicht dort niedergelassen hatten, sondern schön im Grünen weiter östlich inmitten von Obst und Gemüseplantagen auf ihrem eigenen Grund und Boden, wo heute der Sathorn Thani Tower steht.

Im Ballungszentrum von China Town weiter nördlich hätte auch die Royal Army keine Chance gehabt, ohne dort vorher alles niederzubrennen und plattzumachen.

So ist es nicht verwunderlich, dass König Rama V kurz darauf im Jahre 1891 rein präventiv anordnete, eine Strasse quer durch das verschachtelte Herz von China Town zu bauen. Strassenbahn inbegriffen. Die hatte sich ja schliesslich beim Truppenaufmarsch vor zwei Jahren weiter im Süden bewährt.


Somit ist die Thanon Yaowarat aus rein militärischen und ordnungspolitischen Gründen entstanden und nicht etwa zum Wohle der Chinesen, die dort unbeschreiblich eng neben- und übereinander hausten. Von dort konnte die Polizei und auch das Militär leichter in den Irrgarten vorstossen, falls notwendig.

Ein eventuell notwendiger Krieg gegen die chinesischen Gangs in diesem Viertel sollte mit Heimvorteil geführt werden, nämlich von dieser Ader aus mit dem sinngemäss übersetzten königlichen Namen:

Strasse, von einem in jungen Jahren Gekrönten erbaut

...oder eben Thanon Yaowarat.

Dazu muss man wissen, dass König Chulalongkorn, Rama V, erst 15 Jahre alt war, als sein Vater König Monkut, Rama IV, starb, und er die Nachfolge antrat.

Ein Thaikönig jener Zeit, auch der weltoffene Rama V, hätte nie und nimmer bei der Namensgebung seiner eigenen Strasse einen Bezug auf das gemeine Volk der Chinesen einfliessen lassen. Das wäre absolut unnobel und überhaupt undenkbar gewesen.

Wie schon bei der Thanon Charoen Krung war eine altindische Pali-Bezeichnung die einzig angemessene. Sehen sich doch auch die Thaikönige in der Tradition der Khmers als Stellvertreter Lord Vishnus auf Erden. Als Teil der hinduistischen Triologie von Brahma dem Schöpfer, Vishnu dem Erhalter und Shiva dem Zerstörer.  

Gnädigerweise wurde die Yaowarat nicht wie mit dem Lineal gezogen quer durchs Viertel geschnitten, sondern nahm in ihrem Verlauf Rücksicht auf Gebäude und Gärten. Die Chinesen erfanden dann später den Mythos von der „Drachenstrasse“, weil sie sich leicht daherschlängelt. Ein Segen der Götter. Glücklich, wer an ihr wohnen und seinen Geschäften nachgehen durfte.

Der Drachenkopf liegt am östlichen Ende, dort wo sie in die Thanon Charoen Krung mündet. Der Bauch in der langezogenen Kurve im Mittelteil. Und wen wundert´s. Dort in der Plautze befinden sich die meisten Lebensmittelläden und Restaurants.

Ein Drachen ist immer hungrig und will ständig gefüttert werden. Auch mit Walpimmeln, wie der Volksmund diese Dinger nennt.


Vielleicht weiss jemand, was das wirklich ist. Eine Aufklärung ist willkommen.



Ediert: Links zu den ursprünglichen Bildern wieder eingesetzt.
« Letzte Änderung: 11. Januar 2011, 15:28:17 von hmh. »
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Re: Yaowarat
« Antwort #1 am: 24. August 2008, 17:05:49 »

Kürzlich stolperte ich dann über eine andere verenglischte Schreibweise einer Thai für Yaowarat, als sie mir ein Bild von den 11111 Mönchen zu Ehren von Königin Sirikits Geburtstag schickte.

Ihre Schreibweise:

Yaowaraj

Mein erster Eindruck, dass dies wohl ein Flüchtigkeitsfehler war, relativierte sich gehörig, als ich hmh's Abhandlung über End-Konsonanten in Thaiwörtern las und zwar im Zusammenhang mit dieser Aussage:

" .sa¿ mák sun? toh:n wét früher den Regeln des königlichen Sprachinstituts entsprechend korrekt übertragen: Samak Sunthornvej."


Deswegen hier meine Frage an hmh.

Könnte die Schreibweise von Yaowarat mit "j" am Ende beabsichtigt gewesen sein?



Ediert: Toten Link zum Bild ersetzt
« Letzte Änderung: 11. Januar 2011, 15:29:11 von hmh. »
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Yaowarat - Yaowaraj: Same same but different
« Antwort #2 am: 29. August 2008, 05:44:57 »

Das "-j" in Yaowaraj bedeutet für Thais genau dasselbe wie ein "-t" an gleicher Stelle.

Beim letzten Zeichen in เยาวราช jao wá¿ râd handelt sich um (tschO: tschá:ng), das am Silbenanfang für "tsch-" steht, wie in "tschüß" oder "Tschechei" bzw. englisch to chill. Es ist "aspiriert", wird also mit einem spürbaren Lufthauch gesprochen).

(Im Gegensatz zum unaspirierten dschO: dscha:n wie in จตุจักร dschà¿ dtù¿ dschàg (Chatuchak), also deutsch wie zum Beispiel Dschungel bzw. englisch judge oder Jim)

Am Silbenende, wo im eigentlichen Thai im Gegensatz zu den als "höher" erachteten indischen Lehnwörtern weder noch jemals vorkommt, entsprechen beide Buchstaben stets einem deutschen -d (ohne Hauch, unaspiriert, sogenannter Verschlußlaut), obwohl beide nach den offiziellen Regeln dann -t geschrieben werden.

Wenn man diesen Buchstaben im Deutschen so ausspricht, wie er geschrieben wird, wäre es aspirierter (gehauchter) Buchstabe und damit für Thai-Ohren automatisch falsch ausgesprochen und damit oft unverständlich.

Die Buchstabenfolge in เยาวราช jao wá¿ râd ist, Zeichen für Zeichen in lateinische Lautzeichen übersetzt, eja w raj bzw. etwas flexibler übertragen (Sprachwissenschaftler schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, es hilft aber...) ajo w rat.

Thais lesen ihre Schrift nämlich, außer in den ersten vier bis sechs Schulklassen, nicht wie wir Buchstabe für Buchstabe, sondern wie eine Bilderschrift: Silbe für Silbe. Das vermeintliche Kauderwelsch ist also gar kein Kauderwelsch, sondern ergibt Sinn, zumal sich durch Tonzeichen sowie hoch- und tiefgesetzte Vokale markante Wortbilder ergeben, die das Erfassen der Begriffe "auf einen Blick" sehr erleichtern.

In ราช râd steckt, wie man sich wohl denken kann, der indische (Maha)radscha, der auf Thai zum มหาราช (má¿ ha:?) râ:d zusammengestutzt wird.

Bei der Übernahme ins Thai fällt in solchen Fällen (am Ende eines Begriffs) fast immer die letzte Silbe weg, man spricht sie nur in Silbenverbindungen, wie zum Beispiel in ราชการ râ:d tschá¿ ga:n, also dem allerhöchsten königlichen Regierungswerk, Ratchagan.

เยาว์ steht für "jung", heranwachsend, bzw. jugendlich. Wenn es alleine steht, spricht man es   jao aus; in Verbindungen jao wá¿-  

Wenn man Yaowarat in lateinischen Lettern Yaowaraj schreibt, interessiert das nur Ausländer, denn für Thais gibt es kein "-j" am Silbenende. Keine Ausnahmen.

Different, but same same.

Wenn ein Thai englisch "-j" schreibt, fällt das in den meisten Fällen ursprünglich, wenn es aus der Feder einen hohen Regierungsbeamten floß, unter das Stichwort "hohes indisches Wortgeklingel", das unter anderem die Ausländer und das einfache Volk sehr stark beeindruckt.

Man schreibt es, vereinfacht dargestellt, insofern einfach in lateinischen Lettern so, wie es korrekt wäre, würde man es aus dem ursprünglichen indischen Wort übertragen, das man aber mittels des Thai-Alphabets geschrieben hat (puh! das war jetzt Arbeit). Siehe (indisch) "Suvarnabhumi" für Thai Suwannaphum, das übrigens zuerst überall korrekt nach den Regeln des Sprachinstituts geschrieben wurde (also Suwannaphum), bis die jedem patriotischen Thai elektrisierende Geschichte die Runde machte, daß der König allerhöchstpersönlich hinter dieser großartigen Wortwahl stünde...

Hinzu darf man getrost die Tatsache rechnen, daß man die Thais, die wirklich Sanskrit beherrschen, an ein paar Händen abzählen kann. Es gibt überhaupt nur in Bangkok und auch dort nur an zwei (2!) Universitäten die Möglichkeit, einen Magisterabschluß in Sanskrit zu machen und der Andrang ist alles andere als überwältigend.

Aber auch die Pali-Kenntnisse sind in Thailand allgemein nicht weltbewegend: Zwar lernt jeder Mönch ein paar Pali-Sprüche auswendig, aber wenn man in diesen Kreisen konkrete Fragen stellt, wird man, selbst wenn es sich um höhere Mönche handelt, sehr oft nur ein geheimnsivolles Lächeln als Antwort erhalten. Vielleicht bewundern ja deshalb so viele Europäer die thailändische Variante des Buddhismus.

Gewöhnlichen Thais, also all denen, die die allerhöchsten Wortschöpfungen ihrer königlichen Beamten abschreiben, kann man aber keinen Vorwurf machen. Somchai Durchschnittsbürger, zumal wenn er von Upcountry kommt, kann sich gar nicht vorstellen, daß uns so etwas Selbstverständliches, wie die Tatsache, daß ein "-j" am Silbenende immer als -d ausgesprochen wird, irgendwelche Probleme bereiten könnte: Die sind eben so, diese Ausländer... und sehen überall Probleme, wo überhaupt keine sind.

Alles weitere dazu steht im Anhang von Bangkok von innen und in der Einführung zum TIP-Bildwörterbuch, dessen aktuellste Fassung hier zu finden ist: http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=384.0

Dieses Beispiel, das keineswegs ein ungewöhnliches Wort betrifft, genügt, um zu zeigen, wie schwer es für erwachsene Mitteleuropäer ist, Thai auch nur annähernd korrekt auszusprechen, solange man keine Thai Buchstaben und Tonzeichen entziffern und einordnen kann.

Wenn einer dennoch behauptet, er könne es, empfehle ich folgendes, was auch Thais tun, wenn sie solche Ausländer hören:
höflich lächeln und kräftig loben: pû:d tai gèng Phut Thai Keng. . .

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« Letzte Änderung: 03. Februar 2011, 20:06:22 von hmh. »
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namtok

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Re: Yaowarat
« Antwort #3 am: 29. August 2008, 12:15:39 »

Zitat
Mit dem Fahrrad, China Town Stil, in 5 Minuten leicht zu bewältigen oder auch nicht


Am Sanam Luang, Ecke Eingang zum Königspalast, werden kostenlos Fahrräder der BMA (Bangkoker Stadtverwaltung) ver"mietet", man muss aber seinen Pass vorweisen, Führerschein reicht nicht sonst hätte ich das vor ein paar Tagen getestet.

Mit dem typischen Thaidamenrad ohne Gang braucht man proportional zum Körper mindestens so kurze Beine wie die Thais, und ausser einer schattigen Runde um den Sanam Luang, wo derzeit fleissig für die abschliessende Zeremonie der Trauerfeierlichkeiten der älteren Schwester des Königs gewerkelt wird, bietet sich auch keine vernünftige Fahrstecke bei diesem Verkehr in der Tageshitze an
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hmh.

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Yaowarat - Synonym für das alte Sampheng, Bangkoks Chinatown
« Antwort #4 am: 22. September 2009, 06:01:29 »

Yaowarat wurde zum Synonym für Chinatown, obwohl man den Stadtteil früher allgemein als Sampheng kannte.

Sampheng entstand als eine Art Flüchtlingslager. Und zwar zu der Zeit, als König Taksin, der bereits den alten Stadtgraben ausheben ließ, bzw. der Usurpator Thong Duan, der erste Chakri-Herrscher, um 1780 die Wohngebiete der Chinesen im alten Bangkok räumen ließen ... äh, Verzeihung: als man die Chinesen durch allerhöchste königliche Bedienstete höflich darüber informieren ließ, daß das zum Teil seit Generationen dort bewohnte Land jetzt für viel höhere Zwecke vorgesehen sei.

Daß Yaowarat heute ein Synonym für Sampheng ist, ist eine hochpolitische Angelegenheit.

Offiziell gibt es heute nicht einmal mehr die Trok Sampheng und auch nicht mehr den gleichnamigen Tempel (Wat Sampheng). Alles umbenannt, obwohl beide natürlich umgangssprachlich immer noch so heißen.

Für hochpatriotische bis chauvinistische thailändische Regierungen wäre es nämlich nie in Frage gekommen, einem ausschließlich von Chinesen bewohnten Gebiet auf heiligen thailändischem Boden etwa Namen zu gewähren, mit denen sich Chinesen wohlfühlten. Die wurden vielmehr seit der Herrschaft des ebenso nationalistischen wie verschwenderischen König Watchirawut, des sechsten Chakri ("Vajiravudh"), sogar ganz bewußt ausgegrenzt, wobei man andererseits anfügen muß, daß diese Menschen bis Ende des 19. Jahrhunderts in Thailand noch weniger bis gar keine Rechte hatten.

Watchirawut selbst schrieb einen leider berühmt gewordenen Aufsatz "Die Juden des Ostens", in dem viel von der Hetze europäischer Judenhasser auf Asien übertragen wurde.

Entgegen dem, was aufgrund der offiziellen Propaganda heute viele glauben, gab es auch in Bangkok noch zur Mitte des 20. Jahrhunderts rassistisch motivierte blutige Übergriffe von Straßenmob, Polizei und Militär gegen ethnische Chinesen mit zahlreichen Opfern. Seit jener Zeit, die in Thailand nie aufgearbeitet wurde, sind auch öffentliche chinesische Schulen verboten.

Es ging also keineswegs ohne "Nachhilfe" ab, daß sich gerade die chinesische Minderheit in Thailand heute sehr oft mit der hohen Aura eines 150 % linien- und königstreuem Patriotismus schmückt.

In Sampheng mußte auch bei den Ortsnamen selbstverständlich etwas ganz großartiges Indisches her, aus dem hervorgeht, daß es nur die allerhöchste Güte des gnädigsten höchsten Vaters aller Thais ermöglichte, hier dem niedrigen Volke eine großartige Straße quer durch Chinatown zu schenken.

Für die Yaowarat wurde nämlich so ungefähr (schätze ich mal) 20 Prozent des damaligen inneren Chinatown gegen den Willen der Bewohner einfach plattgemacht.

Gerade in dieser Gegend wimmelt es überall von allerhöchstem "Ratcha" & Co, anstatt daß man den Leuten dort etwas Identitätsstiftendes gewährt hätte, wie es die alten Namen ja in sich hatten. Multikulti ist in dieser eigentlich "internationalen" Gegend insofern absolut nicht zu finden, dafür aber überall Bezeichnungen wie Ra-chinee, Rat-chawong, Yaowa-rat usw. usf. bis zum Abwinken. Allerhöchste indische Namen, bei denen man als patriotischer freier Thai möglicherweise am besten schon gleich mal vorauseilend ein Wai macht, wenn man sie nur denkt.

Nachdenkenswert: Vielleicht ist gerade die jahrhundertelange chauvinistische Intoleranz der Thais gegen Ausländer ein Grund für die heutige relative Ruhe auf diesem Gebiet? Jedenfalls in Bezug auf die assimilierte chinesische Minderheit, die sich in Ländern wie Malaysia, Indonesien oder auf den Philippinen aus rassistischen Gründen auch heute noch oft ihres Lebens nicht sicher sein kann. In Thailand war die Motivation groß, die Thai-Kultur wirklich anzunehmen und thailändischer Bürger zu werden, denn als Ausländer hatte man hier schon immer keinerlei Rechte.



Oben wurde aufgeräumt. Alle toten Links zu den Originalbildern bis auf eines (das durch ein ähnliches ersetzt wurde) konnten wieder hergestellt werden.  :)
« Letzte Änderung: 07. März 2011, 18:34:58 von hmh. »
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Pedder

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Re: Yaowarat
« Antwort #5 am: 01. Februar 2011, 23:57:41 »

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