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Autor Thema: Meliodose - eine tickende Zeitbombe  (Gelesen 2552 mal)

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Ozone

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Meliodose - eine tickende Zeitbombe
« am: 31. Juli 2010, 14:44:20 »

Vor kurzem wurde die 3 Sat Produktion aus dem Jahr 2008 hier ausgestrahlt

Das Bodenbakterium Burkholderia Pseudomallei verursacht Meliodose, eine Krankheit die schwer zu erkennen ist und für die Opfer meist tödlich endet. Durch die Erreger sterben jedes Jahr an die 900 Reisbauern, allein in Thailand**. Weil das Bakterium eingeatmet wird oder Menschen sich über kleine Risse in der Haut infizieren, gelten die Erreger unter Experten als ideale Bio-Waffe.


Ueberlebenschance bei Kontamination ist lediglich 50 %. Die Inkubationszeit erstreckt sich i.d.R von 1 Tag bis 3 Wochen, kann vereinzelt aber  auch  mehrere Monate/Jahre dauern.



 Das Bakterium interessiert Tropenärzte wie Bio-Terroristen gleichermassen. Fakt ist, das mehrere Länder das Bakterium als Bio-Waffe entwickelt haben. Interessant scheint mir, dass  u.A. gerade die Japaner im 2. Weltkrieg dabei waren.


Artikel zur Sendung  inkl. Stream der TV Produktion hier
http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?query_string=Tod+aus+dem+Labor&days_published=365&scsrc=1

Hier noch was zum Erreger. Alleine 2-5000 Ansteckungen jährlich in Thailand.
http://biogefahr.shopkeeper.de/cgi-bin/nw/biogefahr-de/process?mv_todo=search&fi=bio_ba_db&se=bio_004&sf=code&sp=bio_ba&druck=nein




a) Gibt es Member aus der Region Ubon, die von Krankengeschichten aus der Nachbarschaft wissen ?

b) Eine Frage an dich Wolfram, die vermutlich aus dem Stehgreif schwierig zu beantworten ist;   vielleicht weisst Du selber, aus einschlägiger Literatur  oder eventuell Kollegen ja mehr darüber:

Gibt es inzwischen neue Erkenntnisse betreffend Ursachen, Vorbeugung ( ausser Gummi Stiefel?) und Bekämpfung ?  Aus dem 2 jährigenTV-Bericht geht nur hervor, dass sich neben dem deutschen Bio-Waffen Experte Dr. Jan van Aken auch  die Mahidol und Oxford Universität, neuerdings auch die amerikanische Armee der Sache angenommen hat.


**Auffallend ist, das die meisten Opfer aus der Provinz Ubon Ratchathani stammen. Todesursache wurde früher gerne mit Tuberkulose verwechselt, bevor ein simpler Bakterien-Nachweis zur Verfügung stand. Warum es fast ausnahmslos nur diese Provinz betrifft, halte ich eben irgendwie für merkwürdig. Die Japaner waren u.a. über Indochina (Ubon grenzt an Laos und Kambodscha) in Thailand einmarschiert. Ubon war für die Japaner ein strategischer wichtiger Besatzungsort.

Ist jedoch nur so ein Gedankengang, das mit den Japsern und ihrem damals breits entwickelten Kampfstoff. Kann ja sein, dass da etwas entwichen ist oder entwichen wurde... :-\



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drwkempf

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Re: Meliodose - eine tickende Zeitbombe
« Antwort #1 am: 31. Juli 2010, 15:07:10 »

Ich zitiere der Einfachheit halber den ausgezeichneten Beitrag aus cirurgie-portal.de, der vor einigen Jahren dort erschien.

Melioidose

"Die Melioidose gilt als eine schwer verlaufende, bakterielle systemische zoonotische Infektion mit Multiorganbeteiligung, die meist berufsbedingt auftritt. Als Folge der Überschwemmungen durch den Tsunami Ende 2004 kam es in den Folgemonaten in Indonesien zum vermehrten Auftreten von Melioidosen.

Auch aus Mauritius wurde vor kurzem der erste Fall dieser ingesamt seltenen bakteriellen Infektion gemeldet. Über importierte Infektionen von Reisenden liegen vereinzelte Berichte vor.

 
Der Erreger der Melioidose

Der Erreger kommt im Erdboden und im Wasser vor und gilt daher als Umweltsaprophyt. Daher sind endemische Gebiete insbesondere in Reisanbaugebieten zu finden. Verursacht wird die Melioidose durch das gramnegative Stäbchenbakterium, Burkholderia pseudomallei (frühere: Pseudomonas pseudomallei). Reservoirtiere sind Nager, Vögel und Reptilien.

Epidemiologie der Melioidose

Die Infektion kommt in einigen Regionen Südostasiens endemisch vor. Insbesondere werden regelmäßig Erkrankungen in Malaysia, Thailand, Vietnam, Kambodscha und Indonesien beobachtet. Sporadische Erkrankungen kommen zudem im Norden Australiens, in Afrika sowie Südamerika vor.

Infektionshäufungen treten meist während der Regenzeit auf. Die Übertragung des Keimes erfolgt durch Tröpfchen- und Schmierinfektion. Ein Eindringen des Erregers über Hautläsionen ist möglich. Kontakt mit kontaminiertem Erdreich oder aber eine orale Aufnahme des Erregers, z. B. beim Hand-MundKontakt, gilt als möglicher Ansteckungsweg. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch gilt als unwahrscheinlich. Erkrankungshäufungen wurden z. B. bei Kanalarbeitern in Singapur berichtet.

Klinik der Melioidose

Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit) beträgt in der Regel nur wenige Tage. Allerdings wurden Verläufe beschrieben, bei denen die Erkrankung erst Monate nach dem Kontakt aufgetreten ist. Klinisch kommt es bei der Melioidose zunächst zur akuten fieberhaften abszedierenden Bronchopneumonie mit Husten, Dyspnoe (Atemnot) und Hämoptysen (Bluthusten).

Nach wenigen Tagen erfolgt dann eine generalisierte Aussaat der Erreger, wodurch es zur multiplen Abszessbildung in verschiedenen Organen kommt. Ohne Therapie verlaufen bis zu 40% der Infektionen letal (sterblich).

Verläufe, bei denen es nur zu einer geringgradigen Symptomatik kommt, sind möglich. Nach einer erfolgter asymptomatischer Primärinfektion und Erregerpersistenz kann es in Folge einer Immunsuppression, Steroidtherapie oder Neoplasien zur Aktivierung der Infektion kommen.

 
Therapie der Melioidose

Die Therapie erfolgt durch Verabreichung von Antibiotika. Erschwerend kommt eine zunehmende Resistenzentwicklung gegen dieses Bakterium hinzu. Als Mittel der Wahl wird Ceftazidim kombiniert mit Trimethoprim-Sulfamethozaxol, Tetrazyklinen oder Chloramphenicol über mindestens 3 Wochen empfohlen. Wichtig ist eine orale Erhaltungstherapie mit Amoxycillin-Clavulansäure für 2 bis 6 Monate. Alternativ sind Imipenem, Meropenem sowie Cefotaxim wirksam. Die Rezidivrate (Rückfall) beträgt bis zu 10%.

Ggf. kann operative Sanierung befallener Gewebe, wie z. B. eine Resektion eines betroffenen Lungensegmentes, notwendig sein.

 
Diagnose der Melioidose

Der Nachweis des Erregers erfolgt durch kulturelle Anzüchtung. Als neuere Methoden stehen Nukleinsäureamplifikationstests zum Nachweis der bakteriellen DNA von Burkholderia pseudomallei in spezialisierten Labors zur Verfügung. Der Nachweis von Antikörpern ist mittels diverser serologischer Methoden möglich, ist aber jedoch bei der Abklärung einer akuten Infektion in der Regel ohne Bedeutung.

 
Meldepflicht

Die Melioidose gilt nach dem Infektionsschutzgesetz als nicht meldepflichtig."


Ich halte diesen Artikel für ausgezeichnet. Auf Zusatzfragen, die daraus herrühren, dass doch Verständnisprobleme aufgetreten sein könnten, gehe ich natürlich gern ein.

Wolfram
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Ozone

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Re: Meliodose - eine tickende Zeitbombe
« Antwort #2 am: 31. Juli 2010, 15:28:03 »

Danke für schnelle Reaktion.

Auf Zusatzfragen, die daraus herrühren, dass doch Verständnisprobleme aufgetreten sein könnten, gehe ich natürlich gern ein.

Thailand wird in diversen Artikeln im  Zusammenhang mit diesem Bakterium am meisten genannt. Reisfelder gibt es weltweit. Europa ist nicht affektiert.

Zitat
Reservoirtiere sind Nager, Vögel und Reptilien.

Warum ist in Thailand fast ausschliesslich Ubon betroffen. Reisfelder gibts ja landesweit.  Die genannten ReservoirViecher  halten sich ja nicht an Provinzgrenzen.  Ich finde 900 Fatalitäten pro Jahr einer einzigen Berufsgruppe, davon die meisten aus derselben Landesgegend, nicht unereheblich.

Ist ein Szenario wie im Eröffnungspost grundsätzlich denkbar ?
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drwkempf

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Re: Meliodose - eine tickende Zeitbombe
« Antwort #3 am: 31. Juli 2010, 16:06:21 »

Lieber Ozone,

ein derartiges Szenario ist prinzipiell denkbar.
Wahrscheinlicher ist allerdings, dass der Keim zu den "residenten" Keimen gehört, der sich nicht schnell weit verbreitet. (Eine solche Eigenschaft wäre ja auch für einen biologischen Kampfstoff sehr nützlich, nicht wahr!?)
Sehr wahrscheinlich erkranken die Überträger (Vögel, Reptilien, Nagetiere) selbst an dieser Krankheit und kommen so gar nicht dazu, die Bakterien über große Distanzen zu transportieren. Denkbar wäre auch, dass die Bakterien ganz spezielle Umweltbedingungen brauchen, um überleben zu können.

Das Thema selbst ist sicherlich hochinteressant, aber ohne ganz spezifisches Fachwissen bleibt das alles Spekulation.

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archa

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Re: Meliodose - eine tickende Zeitbombe
« Antwort #4 am: 01. August 2010, 07:02:58 »

Ein sehr interessanter Artikel  über  MELIODOSE findet man unter:

www.3sat.de/hitec/125221/index.html

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Re: Meliodose - eine tickende Zeitbombe
« Antwort #5 am: 01. August 2010, 07:25:28 »

@ Archa ,

ja sehr guter Bericht von 3 Sat , der den Sendungsinhalt der gestern von DW Asia ausgestrahlten Sendung
sehr gut wieder gibt.

Alex
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Ozone

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Re: Meliodose - eine tickende Zeitbombe
« Antwort #6 am: 01. August 2010, 07:47:29 »

Gestern noch diesen Link von Wolfram erhalten vom Centers for Disease Control and Prevention  der amerikanischen Regierungsbehörde:

http://www.cdc.gov/nczved/divisions/dfbmd/diseases/melioidosis/

Die Site ist für mich sehr aussagekräftig. Prävention nur äusserst beschränkt möglich.

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rexmundi

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Re: Meliodose - eine tickende Zeitbombe
« Antwort #7 am: 17. August 2010, 07:44:11 »

Den  Thailaendern ist die Krankheit auch bekannt als Look Tchi Nu (Rattenpisse) โรคฉี่หนู
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Re: Meliodose - eine tickende Zeitbombe
« Antwort #8 am: 29. August 2017, 16:40:03 »


Das Thema ist zwar schon etwas älter, aber nach wie vor aktuell.

Wie ich heute einer deutschsprachigen, roten Zeitung in Thailand entnehmen konnte, meldete die Behörde für Seuchenkontrolle (DDC) für den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 22. August landesweit 1.978 Infektionen und 21 Todesopfer.

Lt. Aussage der Zeitung ist das Melioidose auslösende Bakterium Burkholderia pseudomallei in diesem Jahr weiter verbreitet als üblich.

Artikel vom 28.08.2017



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h

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Re: Meliodose - eine tickende Zeitbombe
« Antwort #9 am: 02. Juli 2018, 01:55:21 »

Meloidose gibt es natürlich nicht nur in Ubon.
Jede Krankenschwester und jeder Arzt im Distrikthospital im Isaan kennt diese Krankheit.
Ich habe Fälle in Buriram und Mukdahan gesehen.

Verläuft oft trotz Antibiotikagabe chronisch mit Beteiligung diverser Organe.
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