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Autor Thema: "Geschichten aus Thailand, Band 1"  (Gelesen 2453 mal)

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Isan Yamaha

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"Geschichten aus Thailand, Band 1"
« am: 14. Januar 2011, 21:46:44 »

Teil 1.  :D :]

Alex wird in Pattaya eingeführt

- Ein verwitweter Pensionär kommt zum ersten Mal nach Pattaya und findet Gründe, den Ort zu lieben -

Alex und Hugo kannten sich seit vielen Jahren, sie waren Freunde geworden und hatten einige Gemeinsamkeiten, obwohl sie recht unterschiedlich waren. Alex war gerade sechzig Jahre alt geworden und wurde feierlich pensioniert. Er war mit Hugos älterer Schwester verheiratet gewesen, aber die war schon vor fünf Jahren verschieden. Hugo war 47, seine Frau war freiwillig geschieden. So lebten sie beide allein. Hugo war Kraftfahrzeugmeister, ein sehr praktischer Beruf. Er hatte sich schon lange selbständig gemacht, was auch praktisch war, denn so konnte er seine Arbeitszeit und seinen Urlaub selbst bestimmen. Alex war Lehrer, ein sehr unpraktischer Beruf, was man Alex auch deutlich anmerkte. War es auch seine Aufgabe gewesen, seinen Schülern das Leben zu lehren, so hatte er doch mit dem praktischen Leben selbst ganz erhebliche Probleme.

Er konnte sich nicht einmal sein Essen zubereiten, ernährte sich seit dem Tod seiner Frau von Keksen und Butterbroten und verließ kaum einmal das Haus. Deshalb war Hugo zu seiner Pensionierung erschienen und meinte, er könne das nicht mehr mit ansehen. Alex hatte seit dem Tod seiner Frau nach und nach seine Bekannten verloren und er hatte es auch nicht geschafft, neue Bekannte kennenzulernen, geschweige denn irgend eine Frau. Er würde jetzt nach der Pensionierung nur noch zuhause sitzen, Butterbrote essen und vielleicht sonntags eine Pizza bestellen.

Hugo bemühte sich, Alex zu überreden, mit ihm in Urlaub zu fahren. Bei der Feier zur Pensionierung hatte er das schon einmal versucht, doch Alex hatte abgelehnt und Hugo hatte gebucht. Nachdem Alex jetzt aber schon eine Woche alleine zuhause war, versprach Hugo sich bessere Chancen und tatsächlich hörte Alex ihm jetzt wenigstens zu und kam selbst zu der Überzeugung, daß es vielleicht gut sei, wenn er einmal etwas anderes sieht, als seine vier Wände. Bei einem Urlaub im Süden an der See könnte er sich in die Sonne legen, die ihm fehlte und er könnte vielleicht auch einmal richtige Mahlzeiten zu sich nehmen. Er sagte schließlich zu, daß er zu einem Urlaub an der See mitfährt.

Helles Entsetzen packte ihn jedoch, als Hugo sagte, daß sie nach Pattaya fahren. Nach einem sprachlosen Moment meinte er: „Da, wo fünfzigtausend Prostituierte ‘rumlaufen, fünfzigtausend geldgierige, ekelhafte Weiber, an deren Tür die geilen Männer Schlange stehen, Frauen, die am Tag mit etwa vierzig Männern ins Bett gehen und dabei noch auf die Uhr schauen, damit es auch schnell genug geht, weil sie noch mehr verdienen wollen, um sich Champagner, Pelzmäntel und Sportcoupés kaufen zu können, da willst Du hinfahren, um Dich zu erholen?“

Hugo mußte lachen und meinte: „Du liest zu viele Boulevardzeitungen!“ Dann rechnete er vor: „Wenn fünfzigtausend Prostituierte am Tag mit vierzig Männern ins Bett gehen, dann müßten in Pattaya zwei Millionen Männer sein, die in den knapp fünfzigtausend Unterkünften leben und jeden Tag zu einer Prostituierten gehen. Da die Touristen aber im Durchschnitt nur zwölf Tage bleiben, müßten sie im Jahr rund dreißig Mal abgelöst werden. Dann müßten im Jahr sechzig Millionen Männer nach Pattaya kommen, die jeden Tag mit einer Prostituierten ins Bett gehen. Letztes Jahr sind aber nur etwa zehn Millionen Touristen nach Thailand gekommen, Frauen und Kinder eingeschlossen, und die haben sich auf ganz Thailand verteilt. Nach Pattaya sind nicht einmal eine Million Touristen gekommen, Familien, Männer, Frauen und Kinder, keine sechzig Millionen Männer. Meinst Du nicht, daß an Deiner Rechnung etwas nicht stimmt? Deine Zahlen sind mindestens um das Einhundertzwanzigfache übertrieben.“

Alex schaute ihn groß an, sagte aber kein Wort, worauf Hugo fortfuhr: „Das, was Du hier in Deutschland als Prostitution kennst, sieht in Thailand ganz anders aus und was Du hier als ekelhafte Prostituierte kennst, sind dort junge Mädchen. Die meisten kommen vom Lande und haben nichts gelernt, manche können nicht einmal lesen und schreiben. Die meisten kommen, um ihre Familie zu unterstützen. Über ein Drittel der Frauen haben Kinder und es spielt keine Rolle, ob ihnen der Mann weggelaufen ist, was dort sehr häufig geschieht, weil der Mann praktisch nicht unterhaltsverpflichtet ist, oder ob sie dem Mann weggelaufen sind; wenn eine Frau kleine Kinder hat, kann sie nicht arbeiten gehen. Dann gibt sie die Kinder bei den Eltern oder anderen Leuten in Pflege und muß dafür bezahlen. Wenn sie als ungelernte Hilfskraft in einer Fabrik vielleicht im Monat dreitausend Baht bekommt, rund sechzig Euro, reicht das Geld nicht.

Also geht sie in eine Bar, wo sie zwischen eintausendsechshundert und zweitausend Baht bekommt und hofft, daß sie in der Woche zwei- bis dreimal einen Mann findet, der sie mitnimmt, damit sie Geld nachhause oder für den Unterhalt der Kinder schicken kann. Viele Frauen arbeiten in einer Bar, weil sie hoffen, einen Mann zu finden, mit dem sie leben können, der sie versorgt oder vielleicht heiratet, einen Mann, für den sie dann auch alles tun, was sie können. Sicher gibt es dort auch Frauen, die an der Bar sind, weil es ein bequemes Leben ist, oder weil sie Geld machen wollen, aber sie wissen, daß sie von der Arbeit an einer Bar nicht reich werden. So sieht Deine furchterregende Prostituierte an Pattayas Bars aus. Es sind viele hilflose Mädchen, die nichts gelernt haben und es gibt natürlich auch geldgierige Weiber, die Dir jeden einzelnen Baht aus der Tasche ziehen. Aber man kann sich dort die Frau aussuchen, mit der man einen Tag, eine Woche, ein Jahr oder ein Leben lang verbringen will. Die Mädchen an den Bars wechseln die Männer nicht im dreißig Minuten-Takt, wie in einem Bordell in Europa. Sie gehen mit Dir mit und bleiben bei Dir, solange es Dir paßt und solange Du sie bezahlst oder versorgst.“

Alex war verwundert: „Willst Du sagen, denen kommt es nicht auf die halbe Stunde Sex und hohe Einnahmen an, sondern das sind richtige Freundinnen oder Geliebte?“ Hugo seufzte: „Nein. Die suchen sicher nicht eine halbe Stunde Sex, es kommt darauf an, was Du willst, die werden sich auf Dich einstellen. Sicher lieben sie Dich nicht spontan, weil Du so schön bist, weil Du sagst, daß Du sie mitnimmst und ihnen Geld gibst. Aber wenn Du sie mitnimmst, dann spielen sie die Geliebte und die spielen sie so gut, daß viele Ausländer glauben, daß sie die Ausländer wirklich lieben. Ob Du sie dann für eine Nacht ins Hotel mitnimmst oder einfach nur als Urlaubsbegleitung für einen Monat und sie nicht anrührst, das ist Deine Sache. Die werden sich auf Dich einstellen. Aber wenn Du zu ihnen nett bist, dann mögen sie Dich auch und es fällt ihnen viel leichter, die Geliebte zu spielen und dann können sie auch wirklich nett sein.“

Alex war verwirrt. Dann lief das in Thailand ja ganz anders ab, als in Deutschland. Aber Hugo mußte das wissen, denn der war ja schon öfter in Pattaya gewesen. Sie unterhielten sich noch längere Zeit über Pattaya, die Frauen, die Urlaubsmöglichkeiten und die Möglichkeiten verschiedener Ausflüge und anderer interessanter Unternehmungen, die Abwechslung bieten und schließlich meinte Alex, daß er wohl am besten einmal dorthin fährt und sich selbst ein Urteil bildet. Schließlich würde ihn ja niemand zwingen, in eine Bar zu gehen oder eine Frau kennenzulernen. Hugo hatte ohnehin schon gebucht und mußte also nach Pattaya fliegen und er hatte keine Lust, alleine in Urlaub zu fahren, also blieb ihm gar nichts anderes übrig, als zuhause zu bleiben oder mit Hugo nach Pattaya zu fahren.

Im Reisebüro erfuhr er dann, daß die Plätze in Hugos Flug schon voll ausgebucht waren. Er buchte daraufhin eine andere Maschine, die vier Tage später abflog und hatte ein Zimmer in demselben Hotel, in dem auch Hugo wohnte. Sie vereinbarten, sich erst am Tag nach seiner Ankunft beim Frühstück zu treffen, weil Alex vielleicht nach dem langen Flug müde sein und sich etwas ausruhen würde.

Die Zeit bis zur Abreise verging schnell und die Zeit im Flugzeug dank eines gesunden Schlafes noch schneller. Die Abfertigung an den Schaltern der Einwanderungsbehörde dauerte dagegen eine halbe Ewigkeit. Noch vor dem Ausgang wurde Alex von einem Taxifahrer abgefangen, der ihn für ,nur‘ zweitausend Baht nach Pattaya brachte, wo andere Neulinge es schaffen, einen Preis von 1.200 Baht auszuhandeln. In Pattaya kam er dann nach gut zwei Stunden Fahrt an seinem Hotel an und wurde mit einem Glas voll alkoholfreien rosafarbenen Wassers begrüßt, das man offensichtlich auf den Namen ,Cocktail‘ getauft hatte und mit dem man die Abneigung der thailändischen Regierung gegen Alkohol demonstrierte.

Alex packte seinen Koffer aus und legte sich hin. Da er im Flugzeug viel geschlafen hatte, war er aber nicht müde und stand bald wieder auf. Er zog sich seine Urlaubssachen an und wollte in der Hotellobby nach einem guten Restaurant fragen, denn das Essen im Flugzeug hatte seinen Magen nicht überzeugt. Die Spanier sagen, mit solch einem Essen würde man nur ,den Magen betrügen‘. Da im Empfangsraum gerade niemand war, setzte er sich in einen der großen Sessel, vor denen ein Tisch mit Zeitungen stand, die er sich interessiert anschaute. Doch er hatte kaum zu lesen begonnen, als eine dezent gekleidete schlanke junge Dame erschien und ihn begrüßte. Sie fragte, ob sie sich setzen darf und Alex glaubte, daß es sich um eine längere Information für touristische Gäste handeln muß.

Doch die Dame gehörte nicht zum Hotelpersonal, sondern erklärte, daß sie gesehen habe, wie er alleine angekommen sei und wie sehr sie das bedauere. Sie freue sich aber immer, wenn sie eine Gelegenheit findet, sich mit Ausländern zu unterhalten, weil sie dadurch ihr Englisch verbessern kann. Ohne Unterbrechung fuhr sie fort, von Ausländern zu erzählen, die nach Pattaya kommen und von Ausländern, die sie kennengelernt hatte, was die in Pattaya gemacht hatten und was sie bei sich zuhause taten, was Alex eigentlich nicht so sehr interessierte. Als sich nach mehreren Minuten eine Gelegenheit ergab, sie zu unterbrechen, fragte er sie, ob sie in der Nähe ein gutes Restaurant kennt und sie erklärte sich sofort einverstanden. Sie war auch bereit, mit ihm mitzugehen und ihm das Lokal zu zeigen, so daß er sie nun anstandshalber zum Essen einlud.

Das Restaurant war nicht weit entfernt, es war gut eingerichtet und das Essen schmeckte gut. Es hätte Alex allerdings noch besser geschmeckt, wenn seine Begleiterin auch hin und wieder einmal Luft geholt hätte, so wie andere Menschen das tun, wenn sie gleichzeitig essen und reden. Nachdem Alex auf ihre Erzählung über Ausländer nicht sehr begeistert reagierte, wechselte sie das Thema und sprach nun über das Leben auf dem Lande, die harten Lebensbedingungen und die ungerechte, schreiende Armut, die dort herrscht, die vielen Ernteausfälle und die grassierende Landflucht, bis es Alex doch einmal gelang, sie bei ihren angestrengten Bemühungen, ihr Englisch zu verbessern, zu unterbrechen.

Er fragte sie, was sie in Pattaya macht. Nun stellte sich die Dame erst einmal vor. Sie hieße Samart, was soviel wie ,fähig‘ bedeutet, und sie komme auch vom Lande, wo sehr harte Lebensbedingungen und große Armut herrschen, wo Ernteausfälle die Einwohner zur Landflucht zwingen... Alex hob die Hand und unterbrach sie erneut, um nochmals zu fragen, was sie in Pattaya macht. Nach einer kurzen Pause erwiderte sie, daß sie am liebsten studieren würde, aber das sei sehr teuer und sie habe kein Geld und die Ausländer, die nach Pattaya kommen, glauben alle, daß es so einfach sei, zu studieren, doch sie kommt vom Lande... Wieder war es Alex gelungen, sie zu unterbrechen. Er beteuerte, daß es ihn interessieren würde, zu wissen, was sie in Pattaya macht. Sie hatte ihm gesagt, daß sie am liebsten studieren würde und daß sie kein Geld hat. Beides ist aber nicht sehr einträglich und auch keine gute Ernährungsgrundlage, deswegen möchte sie ihm doch bitte sagen, was sie in Pattaya macht und wovon sie sich ernährt.

Während einer kurzen Pause schien es Samart zu stören, daß Ausländer so ausgesprochen unhöflich sind; ein Thailänder hätte sicher nicht ein drittes Mal gefragt, nachdem sie der Frage bereits zweimal ausgewichen war, aber ein Thailänder hätte auch sofort gewußt, aus welchem Grunde sie sich zum ihm setzt. Doch nun antwortete sie mit dem entwaffnendsten Lächeln, daß sie seine Lady sei. Es wäre eine Tradition, daß alleinreisende Ausländer, die nach Pattaya kommen, eine Lady haben und nun wäre sie für die Zeit seines Urlaubs in Thailand seine Lady, die ihm seinen Aufenthalt in jeder Beziehung Tag und Nacht angenehm gestalten würde.

Danach berichtete sie weiter über das Leben auf dem Lande, was nicht uninteressant war, aber den Aufenthalt im Restaurant ungemein verlängerte, wodurch Alex Zeit hatte, nach dem Essen noch zwei Flaschen Bier zu trinken. Nachdem er endlich die Rechnung bezahlt hatte, führte Samart ihn mit einem ausgedehnten Spaziergang zum Hotel zurück und erklärte ihm, daß er dadurch Pattaya besser kennenlernt. Dieser Weg zum Kennenlernen der Stadt führte an einem Laden vorbei, in dem so eine entzückende Bluse war, die sie ja so gerne gehabt hätte, und nicht weit hiervon entfernt standen ein paar unglaublich süße Schuhe in einem Schaufenster, die Samart so sehnlich erwünschte, aber sicher niemals kaufen konnte, wo sie doch so arm ist, daß sie noch nicht einmal das erforderliche Geld für ihr Studium hat.

Daß sie diesen reizenden und äußerst preiswerten Sachen begegneten, war sicherlich ein reiner Zufall, der nichts damit zu tun haben konnte, daß Alex den Eindruck machte, an einer hilflosen Gutmütigkeit zu leiden. Gleichermaßen beeindruckt von ihrer Armut als auch von ihrer Figur entschloß er sich, sich in einem guten Licht zu zeigen, indem er die Sachen kaufte, an denen ihr so viel gelegen schien. Im Hotel angekommen gingen sie an die Hotelbar, wo Samart Alex noch bis in den späten Abend unterhielt, bis sie ihn schließlich auf sein Zimmer brachte. Nach einer weiteren Weile munterer Unterhaltung, die Alex nach der Einnahme eines Schmerzmittels der Firma Singha viel erträglicher erschien, führte sie ihn in das Doppelbett des Hotelzimmers, das sie nun gemeinsam belebten. Es dauerte zwar noch eine Weile, bis ihr Mundwerk verebbte, doch dann war es nicht schwer, Alex in Bewegung zu bringen, worauf er bald einschlief.

Von einem Kinnhaken getroffen, schreckte er plötzlich hoch und bemühte sich, die Situation zu erfassen. Neben ihm lag Samart friedlich schlafend. Nach einiger Zeit legte Alex sich wieder hin und schlief auch wieder ein. Ein Tritt in den Bauch war sehr schmerzhaft und sorgte dafür, daß er sich gekrümmt hinsetzte und auf die friedlich schlummernde Samart schaute, was nicht verhinderte, daß er nun eine Faust auf die Nase bekam.

Zweiter Teil folgt


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Isan Yamaha

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Re: "Geschichten aus Thailand, Band 1"
« Antwort #1 am: 15. Januar 2011, 02:14:46 »

Folge 2.


Ja, richtig, er erinnerte sich, ,Muay Thai‘ soll diese Kampfsportart genannt werden, ,Kickboxing‘. Aber er fände es besser, wenn Leute, die es in dieser Sportart schon zu einem gewissen Können gebracht haben, ihre Gegner wenigstens vor Kampfbeginn warnen, während Samart dabei ungestört weiterschlief. War der Abend noch zwischen erträglich und angenehm gewesen, so wurde die Nacht grauenhaft und Alex kam kaum noch zum Schlafen. Nach dem Morgengrauen schlief er einmal kurz ein, bis ein Schlag in die Rippen ihn wieder aufschrecken ließ. Noch einmal döste er ein. Beim Aufwachen sah er, daß Samart sich an seiner Hose zu schaffen machte, die über einem Stuhl hing. Sie entleerte die Taschen und sagte, sie muß unbedingt die Hose waschen, weil die schmutzig sei und sie keine schmutzige Wäsche verträgt. Alex stand auf und ging mit ihr frühstücken.

Zu seiner Überraschung saß Hugo dort schon mit einer begleitenden Anstandsdame. Der war verwundert, Alex bereits mit Begleitung zu sehen. Die jedoch schien sehr unangenehm überrascht und während die Freunde sich herzlich begrüßten, zog und zerrte sie an Alex, um ihn von dem unheildrohenden Hugo wegzuziehen. Schließlich sagte sie ihm, daß er ihr eine Goldkette versprochen hat und daß sie nun sofort losgehen müssen, diese Kette zu kaufen. Hugo fragte Alex, wo er diese Dame eingefangen hat, während sie weiter an ihm zerrte und auf ihn einredete. Alex erklärte, daß nicht er sie eingefangen hat, sondern daß es eher umgekehrt war und erzählte kurz die Tragödie der Bekanntschaft vom ersten Treffen über die Einkäufe bis zu seinen wiederholten Niederlage im Kickboxen während der Nacht und ihrem Waschzwang zur frühen Morgenstunde.

Da Samart weiterhin an Alex herumzerrte und zog und dabei auf ihn einredete, fragte er, ob Alex etwa vorhabe, sich seinen ganzen Urlaub lang mit dieser Frau zu erholen. Auf dessen entsetztes Gesicht hin riet er ihm, ihr fünfhundert Baht zu geben, damit sie ihn in Ruhe läßt und geht. Alex zückte seine Brieftasche und gab ihr fünfhundert Baht, aber sie wollte nicht gehen. Sie fing nun vielmehr an, mit beiden Männern zu schimpfen, daß sie nur nach Pattaya gekommen sind, um die armen hilflosen Frauen auszunutzen, daß sie schlechte Menschen sind, die überhaupt nicht in ihr Land kommen dürften, weil sie nur die Armut der Menschen ausnutzen wollen und einen schmutzigen Charakter haben. Die fünfhundert Baht wären für sie überhaupt kein Geld für den Schaden, den sie ihr angetan haben und sie wollte wenigstens fünftausend Baht als Entschädigung haben.

Dabei steigerte sich ihre Stimme zusammen mit ihrer Wut, in der sie das Gewürzkästchen vom Tisch nahm und auf den Boden warf. Als Alex wieder seine Brieftasche zückte, wehrte Hugo ab. Im Kreise der Zuschauer, die sich eingefunden hatten, waren auch zwei Männer des Hotelpersonals, die Hugo nun herbeiwinkte. Er erklärte ihnen kurz, daß die Dame fünfhundert Baht erhalten hat, aber noch weitere fünftausend haben will und bat, daß man ihr doch bitte die Tür öffnen möge, die sie nicht zu finden schien, was die Männer mit Vergnügen und tatkräftiger Unterstützung taten. Nun hatten sie ihre Ruhe und Alex versuchte zunächst, sich bei Hugos Begleiterin zu entschuldigen, aber die winkte ab und meinte, daß das Mädchen einen schlechten Charakter hat und bestimmt etwas verrückt sei.

Hugo erklärte Alex nun, daß das eine ganz seltsame Nudel gewesen ist, wie man sie in Pattaya nicht oft trifft und daß man sich vor solchen Leuten in acht nehmen muß. Der normale Weg wäre, daß man sich in einer Bar ein Mädchen aussucht, das man nett oder sympathisch findet und dann die Auslösung bezahlt. Das ist eine Summe, die man dem Barinhaber offiziell als Entschädigung dafür zahlt, daß die Mitgenommene nun an diesem Tag nicht mehr in der Bar arbeitet, eine Entschädigung für die entfallene Arbeitszeit. Die Auslösung beträgt meistens einhundertfünfzig oder zweihundert Baht und ist nur in Go Go-Bars höher. Was man dann mit dem Mädchen macht oder nicht macht, ist eine Sache der Absprache mit dem Mädchen. Wenn man nichts abmacht, dann ist es üblich, daß man mit ihm ins Bett geht und daß es während der Nacht im Hotel bleibt. Am nächsten Morgen sollte man dem Mädchen dann normalerweise fünfhundert Baht oder die am Abend vereinbarte Summe geben und sich überlegen, ob es weiterhin bleiben soll oder nicht.

Um Enttäuschungen zu vermeiden, sind die Barfrauen in den letzten Jahren dazu übergegangen, ihre Preise vor der erwarteten Leistung auszuhandeln und je nach Aussehen und eingebildeter Qualität der Dame werden siebenhundert bis achthundert Baht recht häufig verlangt und auch Forderungen von 1.000 Baht haben nicht gerade einen Seltenheitswert. Wenn man nicht ein ganz unangenehmer Kunde ist, wird das Mädchen versuchen, ihren Job zu behalten, aber die Entscheidung darüber hat man schließlich selbst. Im übrigen sei es ratsam, von Frauen Abstand zu halten, die sofort Kleider und Goldkettchen haben wollen, weil die es meistens nur darauf absehen, ihren Kunden auszunehmen, während andere Mädchen das Verhältnis als einen klaren Arbeitsvertrag sehen; sie bekommen für ihre Arbeit ihr Geld und davon können sie sich dann auch ihre Sachen kaufen. Wenn man ein Mädchen besonders nett findet, kann man ihm sicher auch etwas kaufen, aber möglichst nicht, wenn das Mädchen etwas verlangt.

Vor allen Dingen sollte man sich vor den Mädchen hüten, die man nicht an einer Bar trifft. Die Barmädchen haben normalerweise regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen und vor allen Dingen hat die Bar eine Kopie ihrer Identitätskarte mit Name und Heimatanschrift. Wenn solch ein Mädchen mit der Brieftasche verschwinden sollte, kann man zur Polizei gehen und das wissen die Mädchen, für die es dann sehr unangenehm wird. Die freiberuflichen Künstlerinnen haben hingegen keine Gesundheitsuntersuchungen und es kann durchaus sein, daß sie freiberuflich arbeiten, wie es viele Mädchen am Strand tun, weil sie wegen Geschlechtskrankheiten an keiner Bar ankommen, oder weil sie darauf aus sind, daß man sie nicht finden kann, falls sie mit einem Kunden gehen und in dessen Zimmer zufälligerweise etwas Wertvolles finden.

Eine Anzeige mit der Personenbeschreibung: „...nennt sich Lek, ist klein und hat schwarze Haare“ habe außer dem Gelächter der Polizisten keinen weiteren Erfolg. Nachdem sie sich ausgiebig unterhalten hatten, vereinbarten sie, daß Alex erst einmal seinen versäumten Schlaf nachholen sollte. Man würde sich dann gegen sechs Uhr nachmittags in der Hotellobby treffen.

Alex war rechtzeitig wach geworden und hatte sogar schon eine Zeitung gelesen, als Hugo mit seiner Begleitung erschien. Er schlug vor, daß sie vor dem Abendessen noch in eine Bar gehen. Sie gingen in eine von den offenen Bars, die in einer Reihe standen, vor der sie schon von vielen Mädchen empfangen wurden. Hier saß eine Schar knapp und sexy gekleideter kleiner Mädchen und sehr junger Frauen hinter der Theke, wo die meisten noch mit ihrer Füllung als auch einer kosmetischen Runderneuerung beschäftigt waren, um das Aussehen kleiner Schulmädchen mit einem farbenfrohen Schmetterlingsanstrich zu übertünchen.

Als sie sich setzten, rief ein Mädchen Alex zu: „Eh you, farang, ring bell!“ Als der seinen Arm hob, um die Glocke zu läuten, sagte Hugo: „Willst Du wohl Deine Finger da weglassen“, doch Alex meinte: „Aber sie hat doch gesagt, ich soll die Glocke läuten“, hielt aber in der Bewegung inne. „Ja, hat sie gesagt“, bestätigte Hugo. „Und wenn Du das tust, dann bezahlst Du eine Lokalrunde mit zwölf Ladydrinks à achtzig oder neunzig Baht und jedem Gast ein Glas von dem, was er gerade trinkt. Das ist hier so üblich, wenn ein Gast die Glocke läutet. Manche Leute machen das, wenn sie ankommen oder wenn sie Geburtstag haben.“

Schon kamen mehrere Mädchen, die alle Ladydrinks haben wollten, doch Hugo schüttelte nur mit dem Kopf und bestellte ihre Getränke. Danach sagte er zu Alex: „Das ist hier eine Bar, die lebt vom Durchgangsverkehr. Hier versuchen sie, aus jedem Gast so viel Geld wie möglich herauszuholen, mit ,Glocke läuten‘ und ,Ladydrinks‘ und Du mußt anschließend aufpassen, ob die Rechnung stimmt oder ob sie sich um ein paar Gläser oder mit den Preisen ,vertan‘ haben. Die rechnen nicht damit, daß die Kunden noch einmal wiederkommen. Deshalb nehmen sie ihren Kunden so viel Geld ab, wie irgend möglich ist, auch wenn sie damit Kunden verlieren. Morgen kommen ja wieder neue, die man ausnehmen kann.

Als Alex meinte, daß das dann ja richtige Betrüger sind, lachte Hugo und sagte: „Schau sie Dir an. Das sind kleine Mädchen. Die haben keine Ahnung, die glauben, daß jeder Farang endlos reich ist und alles bezahlen kann. Die denken nicht viel und sie überlegen nicht, ob dem Farang das schadet, was sie machen, sie tun, was ihnen befohlen wird. Der Farang ist denen vollkommen gleichgültig. Aber sie verhalten sich immer nur so, wie es der Inhaber von ihnen verlangt. Er bringt ihnen das Verhalten und das Benehmen bei und sagt ihnen, was sie an seiner Bar zu tun haben.“

Als Alex meinte: „Dann ist also der Inhaber ein Betrüger“, meinte Hugo: „Das will ich nicht ausschließen.“ Dann fügte er hinzu: „Ich wollte Dir diese Bar nur einmal als ein Beispiel zeigen, damit Du weißt, wo Du besser nicht hingehst. Wenn Du hörst, daß man Dich ,Eh you, Farang!‘ ruft, dann ist das bei den für gewöhnlich äußerst höflichen Thailändern außerordentlich rüde; es heißt soviel wie ,Eh, du Ausländer‘. Thailänder rufen ihnen nicht bekannte Menschen ,Khun‘. In anständigen Lokalen ruft man Dich vielleicht ,Mister‘ oder aus Scherz ,Darling‘. Dort, wo Du „Eh, you, Farang!“ gerufen wirst, brauchst Du gar nicht hinzugehen, Du darfst davon ausgehen, daß man Dich nicht als Gast, sondern als Schlachtschwein betrachtet und daß es ein Nepp-Lokal ist. Und wenn man Dir sagt, Du sollst erst einmal die Glocke läuten oder diverse Ladydrinks spendieren, gehst Du am besten gleich wieder raus, wen Du noch kein Getränk bestellt hast und keinen Ärger suchst.“

Nachdem sie ihre Getränke erhalten hatten, meinte Hugo: „Die ganzen Mädchen, die wir unterwegs an den Bars gesehen haben und die Mädchen, die hier vor Dir sitzen, sind die berüchtigten, entsetzlichen Prostituierten, von denen Du in Deutschland gesprochen hast. Du brauchst hier aber nicht in der Schlange stehen, bis Du drankommst, hier stehen sie Schlange und warten auf Dich. Wenn Du ein Mädchen nett oder sympathisch findest, dann bezahlst Du an der Bar vielleicht zweihundert Baht Auslöse und das Mädchen geht mit Dir mit. Wenn Du mit dem Mädchen mehrere Wochen oder Monate zusammenbleiben willst, dann machst Du mit ihm einen Pauschalpreis aus. Aber Du solltest dann schon wissen, ob Du mit dem Mädchen zurechtkommst oder ob es Dich nur ausnehmen will. Du solltest wissen, was Du selbst suchst, ob Du Dich mit dem Mädchen verstehst und ob Du Dich mit ihm verständigen kannst.“

In diesem Augenblick kam ein Uhrenverkäufer vorbei. Alex suchte sich eine Uhr aus und fragte nach dem Preis. „6.500 Baht“, sagte der Mann und Alex fragte Hugo: „Du hast gesagt, ich soll die Preise herunterhandeln. Soll ich ihm fünftausend bieten? Hugo seufzte: „Das sind doch keine echten!“ Alex meinte, das wäre klar, aber diese eine Uhr gefällt ihm. Hugo sah ihn an, als wäre er ein hoffnungsloser Fall, sagte aber: „Dann schenk’ ich sie Dir. Paß’ ‘mal auf.“ Zum Verkäufer gewandt sagte er: „Okay, I give you twohundred.“ Der schüttelte den Kopf und antwortete: „Cannot, I need money, too, give me twohundred-fifty“, worauf Hugo zweihundertfünfzig Baht gab und die Uhr erhielt.

Alex saß mit offenem Mund da und sagte: „Das ist ja glatter Wucher!“, worauf Hugo meinte: „Es gibt in Thailand keinen Wucher. Wenn ich Dir mein kaputtes Kofferradio für zehntausend Euro verkaufe, dann bin ich hier kein Wucherer und kein Betrüger, sondern ein geschickter Geschäftsmann. Wenn Du hier für tausend Baht ein Hemd aus reiner Seide kaufst, das aber aus Plastik ist, dann ist der Verkäufer kein Betrüger, sondern ein geschickter Geschäftsmann, nur Du bist der Dumme.“ Alex meinte erschüttert: „Dann kann man hier ja gar nichts kaufen.“

Erleichtert nickte Hugo: „Richtig. Hier versucht jeder, Dich übers Ohr zu hauen. Aber das macht nichts, wenn Du es weißt. Hier gibt es ,Farang -Preise‘, das heißt, extra teure Preise für die westlichen Ausländer, die hier Farang genannt werden. Du zahlst extra hohe Preise für Zigaretten, für den Friseur, für Deine Teebeutel, für Hemden, das Taxi und alle Waren, die nicht ausgezeichnet sind. Weil die Farang so dumm sind. Manche sagen auch, weil die Farang so reich sind. Wenn Du Dich nicht auskennst, kannst Du in Thailand nichts kaufen, was nicht mit einem Preisschild versehen ist. Du kannst in den Läden von ,seven eleven‘ , bei ,Foodland‘, bei ,Tops‘, im ,Big C‘ und in allen Warenhäusern Sachen kaufen, wenn die Preise ausgezeichnet sind. Das sind Preise für Käufer, nicht unterschiedlich für Thailänder oder Ausländer. Manche Leute suchen gar keine Kunden, sondern Idioten, die sie reinlegen können.

Manche Ausländer finden das auch noch gut, denn sie haben diese Preise zu bezahlen „weil die Thai ja so arm sind“. Und dann stecken die wohlhabenden aber geldgierigen Geschäftsleute wie auch Beamte von den dummen Farang oft das Mehrfache von dem ein, was Thailänder zu bezahlen haben, weil die Thai ja so arm sind. Wenn sie dabei lächeln, dann kommt das nur daher, daß sie sich über die dummen Farang amüsieren, die nicht merken, daß dieses Geld in den Taschen der dicken Geldgierigen bleibt und kein Baht an die wirklich armen Thailänder weitergegeben wird, von denen die meisten auf dem Lande leben, die sogar zu ehrlich und zu stolz sind, von Ausländern, die sie als Gäste des Landes ansehen, auch nur einen Tip anzunehmen. Was wir mehr zahlen, als jene, die nicht aus dem Westen kommen, wie neben den armen Thai etwa die armen Saudis, die armen Leute aus Hongkong, Brunei, Taiwan und Singapur, das bleibt in den Taschen derer hängen, die wir für korrupte Betrüger halten, die aber hier als geachtete und geschickte Geschäftsleute gelten, auch wenn sie zufälligerweise nebenher Beamte sind.

Dritter Teil folgt

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Re: "Geschichten aus Thailand, Band 1"
« Antwort #2 am: 15. Januar 2011, 02:17:53 »

Folge 3 das war dann.

„Aber dann sollte man doch gar nicht in so ein Land fahren, wenn das alles Kriminelle und Betrüger sind“, meinte Alex entsetzt. Doch Hugo schüttelte den Kopf: „Wir müssen uns nur darauf einstellen. Die Betrüger versammeln sich in den Städten und besonders in touristischen Orten. Sie gehen in die Politik, sind Geschäftsleute oder Beamte. Die Mehrheit der Thai aber ist ehrlich, auch wenn es meist die armen Leute sind. Auch in Pattaya gibt es anständige und ehrliche Leute, gute Leute, mit denen es Freude macht, Kontakt zu haben. Wir müssen nur sehr vorsichtig sein, wenn wir uns die Leute aussuchen, mit denen wir zu tun haben. Das ist im Grunde gar nicht so schwer. Du mußt nur sehen, ob sie Achtung vor anderen Menschen haben und überprüfen, ob es nicht etwa nur Angst ist, wenn sie vor jemand Respekt zeigen. Wenn ein Mensch andere Menschen achtet, auch wenn sie ärmer, kleiner, dümmer oder schwächer sind, dann kann man mit diesem Menschen Gemeinsamkeiten aufbauen und kann annehmen, daß es kein Betrüger und kein Krimineller ist.“

Nachdenklich sah Alex auf und sagte: „Du meinst also, wenn jemand zu mir sagt: „Eh you farang!“ oder mir sagt, ich soll erst mal die Glocke läuten oder eine Runde Ladydrinks ausgeben, dann soll ich mich gleich umdrehen und weitergehen?“ Kuno nickte und meinte: „Am besten ja. Du kannst natürlich sitzenbleiben und ein Bier trinken, wenn Du mit der Situation fertig wirst. Aber Du solltest wissen, daß Du für diese Leute genau so viel wert bist wie Du ihnen gibst und ansonsten ein feuchter Kehricht. Aber Du kannst in Thailand noch sehr viele, sehr gute Menschen kennenlernen, auch unter den Mädchen, die hier an einer Bar arbeiten.“

Hugo wurde unterbrochen, als ein Junge kam, der Feuerzeuge verkaufen wollte, die auch in der Form von nackten Frauen, Hämmern, Feuerlöschern oder Toilettentrümpfen zu haben waren. „360 Baht.“ Alex schaute auf Hugo und fragte scherzeshalber: „Was soll ich dem jetzt anbieten, zehn Baht?“ Alex lachte und meinte: „Der normale Preis für Feuerzeuge ist einhundert Baht. Du kannst ihm auch noch zwanzig Baht Tip dazugeben, aber am besten kaufst Du hier gar nichts, wenn Du nicht wirklich etwas brauchst, außer vielleicht Zigaretten. Die sind zwar geschmuggelt, aber die Verkäufer haben einen Einheitspreis von fünfzig Baht für ein Päckchen Marlboro und der Preis ist fair. Allerdings wird der Verkauf geschmuggelter Zigaretten seltener, seit das Risiko gewachsen ist und dieselben in Thailand hergestellten Zigaretten etwa denselben Preis haben“

Er zeigte auf ein etwa vierjähriges Mädchen, das nicht weit entfernt mit einem Bauchladen herumlief und Kaugummi anbot. „Besonders Kindern sollte man kein Geld geben, gleich, ob sie etwas verkaufen oder betteln. Viele Kinder werden von ihren Eltern dazu gezwungen, andere Kinder werden durch fremde Leute von ihren Eltern für fünfzig Baht am Tag ,ausgeliehen‘, um zu betteln oder Sachen zu verkaufen, während die Eltern zuhause sitzen und Karten spielen. Manche Kinder werden auch irgendwo in der Provinz oder bevorzugt in Kambodscha gekauft, aufgeschnappt und entführt und dann von zwei, drei Erwachsenen zum Betteln gezwungen. Wenn wir nichts geben, brauchen sie nicht zu betteln oder Sachen zu verkaufen, dann können sie spielen und zur Schule gehen. Nur wenn wir aus Mitleid Geld geben, dann bringen sie Geld ein, sie sind dann ein Geschäft und müssen arbeiten. Wenn Du schon mit einem Kind Mitleid hast, dann kauf’ ihm ein Fleischspießchen oder Obst oder was Du gerade in der Nähe findest, aber gib ihm kein Geld.“

Alex meinte, daß er langsam hungrig wird und Hugo stimmte zu: „Am besten gehen wir zum Heinz in das ,Noble House‘, das ist nicht weit entfernt an der Strandstraße.“ Als Alex wissen wollte, ob das etwas Besonderes ist, antwortete er: „Es ist nicht das billigste Restaurant und Du bekommst da kein Eisbein für 98 Baht, aber das Essen ist gut und wird immer von einem gelernten Koch bereitet. Das Lokal ist gemütlich und die Bedienung ist gut. Du sitzt da in einem tropischen Garten und es herrscht eine nette Atmosphäre. Der Inhaber ist Heinz, ein deutscher Rheinländer, der war früher Kapitän auf Passagierschiffen, der kennt gute Gastronomie und auch die Küche. Der ist schon über zwanzig Jahre in Pattaya und gehört zu den Pionieren. Heinz kennt sich auch hier in Pattaya aus und wenn Du einmal Probleme hast oder einen dringenden Rat brauchst, kann es sein, daß er Dir helfen kann und Du kannst sicher sein, daß Heinz nicht versucht, Dich übers Ohr zu hauen oder auszunehmen, der ist immer fair und es ist wichtig, daß man solche Leute hier kennt, wenn man fremd ist. Außerdem kann es auch schon einmal vorkommen, daß er aus der Vergangenheit Pattayas und von den illustren Leuten erzählt, die hier in den letzten zwanzig Jahren gelebt haben, dann wird’s immer lustig.“

Das Essen hatte etwas länger gedauert, weil sie noch mit einigen Leuten von einem Nebentisch ins Gespräch gekommen waren, die schon länger hier leben und es war ganz lustig geworden und für Alex sehr aufschlußreich. Alex meinte, daß sie noch ein letztes Glas in einer Bar nehmen sollten und so brachen sie auf. Hugo steuerte auf eine Bar zu, die nicht so laute Musik laufen ließ und wo die Mädchen auch nicht mehr so ganz jung waren. Ein etwas älteres Mädchen brachte ihnen die Getränke und zog auch gleich verschiedene Spiele unter der Theke hervor, mit denen sie sich beschäftigen konnten. Alex entschied sich für Domino, weil man das auch mit mehreren Personen spielen kann, so daß Alex und seine Freundin mitmachen konnten. Die Frau sprach etwas Englisch, aber sie fragte Alex nicht etwa, wie es sonst üblich ist ,Where you come from‘, ,where your wife‘ und ,where you stay‘, sondern sie wollte wissen, wie es ihm geht und welchen Eindruck er von Pattaya hat.

Während Alex ihr beim Spiel antwortete, musterte er sie und fragte sie anschließend über ihre Person. Sie war 29 Jahre alt, hieß Noi und kam aus Korat. Noi hatte zwei Kinder im Alter von zehn und zwölf Jahren, die bei Verwandten in Bangkok lebten und zur Schule gingen. Noi verdiente gerade genug für den Unterhalt, die Schulkosten ihrer Kinder und ihr eigenes Leben, es blieb kaum etwas übrig. Aber sie wollte, daß ihre Kinder eine bessere Schulbildung und ein besseres Leben haben, als sie, und wenn sie es sich erlauben konnte, dann fuhr sie alle zwei oder drei Wochen einmal nach Bangkok, um ihre Kinder zu besuchen.

Während des Spiels sagte Alex auf einmal: „Du, Hugo, wie ist das eigentlich mit den Ladydrinks, das habe ich noch nicht ganz verstanden.“ Der schaute zu Alex und dann zu Noi hinüber, die nicht nach einem Ladydrink gefragt hatte und meinte: „Wenn Du eine Lady hast oder haben willst, kannst Du ja einen bestellen. Aber in der Regel ist das immer Nepp, mit Sicherheit, wenn die Mädchen Dich an einer Bar damit begrüßen, daß sie von Dir Ladydrinks verlangen. Die Ladydrinks sind normalerweise ein Glas mit einem wässerigen Irgendetwas und kosten Dich achtzig oder neunzig Baht. Die Ladies bekommen davon aber zehn oder fünfzehn Prozent Kommission, deshalb schreien sie alle nach den Ladydrinks, obwohl sie ihnen meist nicht schmecken. Die jungen, die noch nicht lange hier sind, mögen keinen Alkohol. Wenn Du nicht selbst auf den Gedanken kommst, einen Ladydrink zu spendieren, ist es meist der Inhaber der jeweiligen Bar, der den Mädchen die Anweisung gibt, nach Ladydrinks zu fragen oder zumindest nicht die Anweisung gibt, daß sie nicht danach zu fragen haben. Manche Inhaber wollen damit die Einkünfte verbessern. Nur in den Go Go-Bars sind die Ladydrinks üblich, aber dort setzt sich die Lady, die den Drink erhält, dann auch meistens zu Dir.“

„Ich kann doch einem Mädchen irgendein Getränk bestellen, das es mag, ohne, daß es ein Ladydrink ist“, meinte Alex. Hugo schüttelte den Kopf und meinte: Dann erzähl’ ich Dir ‘mal, wie das in einer Bar zugeht, die gar nicht weit weg von hier an der Second Road ist. Du kommst da hin und dann erzählt Dir ein Mädchen, daß es krank ist und so einen schrecklichen Durst, aber keine Geld hat, Du möchtest ihr doch bitte ein Glas Wasser oder einen Orangensaft bestellen. Was machst Du dann?“ Alex sah auf und meinte: „Dann bestelle ich einen Orangensaft und sage dazu, daß es kein Ladydrink ist, weil ich keine Lady suche, das ist doch ganz einfach.“ Hugo grinste: „Ja, und dann bekommt das Mädchen einen Orangensaft und Du bekommst eine Rechnung für neunzig Baht, weil der Eigentümer beschlossen hat, daß Du einen Ladydrink zu bezahlen hast.“ Alex schüttelte den Kopf: „Dann bezahl’ ich sofort und geh’ in eine andere Bar.“ Hugo meinte, das wäre ein Irrtum: „Dann gibst Du zweihundert Baht, es dauert eine Weile, dann kommt das Mädchen und gibt Dir fünf Baht zurück.“ Alex stutzte: „Das kann ja nicht stimmen, bei einem Mekong und 90 Baht. Dann laß’ ich mir die Rechnung zeigen und reklamiere.“ Hugo grinste wieder: „Dann darfst Du noch eine Viertelstunde da stehen, bis der Inhaber das Wechselgeld für Dich frei gibt.“ Alex war entrüstet: „Dann sind das ja richtige Verbrecher, die Thai!“

Doch Alex schüttelte den Kopf und meinte: „Nein. Denn erstens war das eine einzelne Bar und nicht ,die Thai‘, und zweitens ist der Inhaber ein Deutscher.“ Nun war Alex entrüstet: „Ja, ist der denn nicht ganz dicht im Kopf?“, worauf Hugo feixte und meinte: „Du könntest da schon ein Problem sehr gut erkannt haben. Es ist schon möglich, daß da gewisse Probleme mit dem Kopf vorlagen, aber spätestens seit seine liebe Frau Gemahlin den platten Kopf des Barbetreibers zum Flaschenzerkleinern benutzt hat, ist Deine Frage natürlich gerechtfertigt. Aber das ändert nichts daran, daß Du Dir am besten mit etwas Vorsicht ein Stammkneipe suchen solltest, wo man Dich bald kennt und wo Du weißt, was Du zu erwarten hast.“

Sie hatten nun einige Spiele hinter sich und keine rechte Lust mehr zum Domino. Noi dachte, das sei ein Zeichen zum Aufbruch, berührte leicht Alex’s Hand und fragte: „Can I go with you?“ Alex schaute sie einen Augenblick an, dann nickte er mit dem Kopf und bezahlte die Auslöse. Aber sie bestellten noch ein Glas, blieben etwas sitzen und unterhielten sich über das ,Noble House‘ vom Heinz. Es dauerte nicht lange, bis ein Wagen mit einem Grill vorbeikam. Noi fragte, ob sie etwas essen wollten und sagte, was der Wagen anzubieten hat.

Sie selbst wollte nichts, Hugo und seine Freundin waren noch satt, aber Alex wollte zwei kleine Spießchen Hühnerleber probieren, die der Verkäufer auch bald brachte und Alex mit den Worten: „Fourty Baht“ hinhielt. Das war der Moment, als Noi anfing, zu schimpfen. Dann gab sie dem Mann zehn Baht und schickte ihn weg. Alex grinste, er sah, daß er sich wahrscheinlich nicht mehr viel um Alex zu kümmern brauchte, der bei Noi in den guten Händen einer Frau zu sein schien, die etwas gegen ,Farang-Preise‘ hatte und Alex wohl nicht ausnehmen wollte. Als sie ihre Gläser ausgetrunken hatten, gingen die Männer in Begleitung ihrer Damen ins Hotel, wo sie sich nach einem letzten Schlaftrunk für die Frühstückszeit verabredeten und trennten.

Alex nahm im Zimmer noch eine Dose Bier aus dem Kühlschrank und Noi trank einen Orangensaft. Er fragte sie nach ihren Kindern und Noi erzählte, bis die Gläser leer waren. Dann raffte sie sich auf, ging in die Dusche, kam eingewickelt in ein Handtuch zurück und legte sich aufs Bett. Alex ging anschließend. Als er zurückkam, hatte er eine modische Unterhose an und schaute auf Noi, die ihn mit großen Augen ansah. Sie schien sich gar nicht wohl zu fühlen. So schüttelte Alex nur seinen Kopf, lächelte schwach, sagte leise: „Maybe tomorrow“ und legte sich ins Bett.

Am nächsten Tag trafen sich die Vier zum Frühstück und Alex wollte wissen, was man eigentlich in Pattaya unternehmen kann. Hugo erklärte, außer den Stränden und den Bars hat Pattaya nicht sehr viel zu bieten. Es gibt einige Einkaufszentren fürs ,Shopping‘ und einige Strecken für einen ausgedehnten Einkaufsbummel, man kann an die Strände gehen oder einige Ausflüge in die Umgebung machen, über die das Tourismusamt und bessere Reisebüros informieren. Im Grunde sind es dann ab dem späten Nachmittag nur die Restaurants und die Bars, an denen sich die Ausländer aufhalten, weil es sonst keine interessanten Angebote gibt.

Unglücklicherweise hält die Regierung die Bars für Drogenzentren, das Trinken von Alkohol und den Aufenthalt an Bars für unanständig, weshalb auch die ,Neue soziale Ordnung‘ erlassen wurde, nach der alle ,Unterhaltungsbetriebe‘, wie Bars, Restaurants etc. um zwei Uhr morgens schließen müssen. Da es aber in Pattaya sehr viele offene Bars gibt, die keine Wände haben und die man auch gar nicht schließen kann, außerdem wohl auch Geschäftsleute wie Polizei die Regierung für etwas verschroben halten und nicht gerne die Kunden verjagen wollen, so schalten diese Bars um zwei Uhr nachts die Musik aus, dämpfen das Licht bis auf ein Minimum – und schenken getrost weiter Getränke aus, was den Vorteil hat, daß man nun in Ruhe dort sitzen kann, um sich zu unterhalten. Schließlich kommen die Ausländer ja nicht wegen der schönen Mittagshitze, sondern wegen der angenehmen Abende und Nächte.

Alex wollte mit Noi einmal an den Strand von Jomthien und sie verabredeten sich für den nächsten Tag zum Frühstück. Hierbei begegnete Hugo einem sehr aufgeräumten Alex, der ihm nach einiger Zeit eröffnete, daß er den guten Einfall gehabt hätte, Noi und ihre Kinder für das Wochenende zu einer gemeinsamen Fahrt nach Kanchanaburi einzuladen. Doch, Hugo freute sich. Alex schien im Moment wirklich in guten Händen zu sein.

Alex fand das auch. Er verlängerte seinen Urlaub um zwei Wochen und er war sicher, daß er jetzt öfter nach Pattaya kommen wird. Sicher konnte er Noi nicht als Ehepartner ansehen oder in irgendeiner Weise mit seiner verstorbenen Frau vergleichen. Aber sie war ein nettes Mädchen, dem er einen angenehmen und unterhaltsamen Urlaub zu verdanken hatte. Er hatte ohnehin nicht vor, noch einmal zu heiraten, aber es war doch angenehmer, die Zeit mit einem netten Menschen zu verbringen und es war auch schön, ein hübsches Mädchen in den Arm nehmen zu können. Er sagte Noi, daß er in drei Monaten wiederkommt. Und er würde sich überlegen, ob er sich in Pattaya ein Apartment mieten wird.
Anmerkung: Inzwischen wurde die Sperrstunde auf ein Uhr nachts festgesetzt. Das bedeutet, daß die Musik abgedreht un die Beleuchtung verringert wird. Aber Freunde eines ‘Schummerschoppens’ können dessenungeachtet noch lange Zeit weiter an den Bars verbleiben und sich viel besser mit den Mädchen verständigen.
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dart

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Re: "Geschichten aus Thailand, Band 1"
« Antwort #3 am: 15. Januar 2011, 03:58:40 »

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hmh.

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Re: "Geschichten aus Thailand, Band 1"
« Antwort #4 am: 15. Januar 2011, 15:43:06 »

Richtig, das sollten wir nicht nötig haben. Wir haben mehr als genug Tipianer im Forum, die sehr gut und originell schreiben können.

Erwas anderes wäre es natürlich, wenn der Autor es hier selbst einstellt oder Isan Yamaha versichert, daß der Autor nichts dagegen hat.
Also, wenn Isan Yamaha das noch beibringt, darf er weiterkopieren.
Aber einfach ohne zu fragen klauen, geht nicht,  {; außer es ist auf den ersten Blick klar, daß Inhalte "frei" sind, siehe z. B. Wikipedia.

Es handelt sich um einem Auszug aus diesem Buch:

Autor: Johann Schumacher

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