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Vergessene Fussballhelden

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jock:
Einst jubelten ihnen die Massen zu,spaeter wurden sie vergessen,verarmten und
irgendwann starben sie.

Lassen wir sie also nochmals Revue passieren.Zur Erinnerung und auch aus Gruenden
der Nostalgie.

Karl Pekarna war so ein Held.

Wiener,Brieftraeger,ausgezeichneter Torwart und der erste Fussballlegionaer aus
Oesterreich in Schottland.

1881 geboren,spielte er als Torwart bei der First Vienna FC 1894.Zum 10 jaehrigen
Bestand des Vereines luden sie verschiedene Mannschaften zu einem Turnier in Wien ein.
Darunter war auch die Mannschaft des Glasgow Rangers.

Als sich der Torwart der Schotten verletzte borgte die Vienna seinen Torwart dem Team
der Glasgow Rangers,damit sie nicht wieder eine Niederlage  9:0 einstecken mussten.

Karl Pekara ueberzeugte durch seine Leistung und in Folge darauf unterbreiteten sie
ihm ein Angebot,doch als Profi in Schottland zu spielen.Noch im selben Jahr reiste er
nach Schottland.

Als Gehalt bekam er 3 1/2 Pfund die Woche,was damals viel Geld war,wenn man als
Vergleich den Verdienst einen Arbeiters heranzieht,der zwischen 7 und 10 Shillinge in
der Woche  als Lohn verdiente.

Mit seiner Leistung ueberzeugte er vollends und die Schotten boten ihm einen noch viel
besser dotierten Vertrag an.
Aber das Heimweh nach Wien war groesser,und so verliess er Schottland bereits wieder
nach einem Jahr.

Nach seiner Heimkehr blieb er dem Fussball treu.Spielte noch ein paar Jahre und stand auch
beim FC Bayern zwischen den Pfosten,von wo er den Torhueter der deutschen Nationalelf
verdraengte. Sein Engagement bei den Bayern war von " nicht unerheblichen Zahlungen" be-
gleitet,wie die damalige Presse es vornehm ausdrueckte.

Bereits als Trainer taetig,er beendete die aktive Laufbahn 1919,ereilte ihn 1926 ein Schlag-
anfall und er blieb halbseitig gelaehmt zurueck.

Nach und nach von Freunden und der Oeffentlichkeit vergessen,starb er vereinsamt 1946.

Jock


jock:
Der " Papierene " ist nicht als Person oder als Fussballspieler vergessen.

Vergessen ist sein subtiler politisch-motivierter Widerstand gegen das Nazi-
Regime.

Seinen Spitznamen erhielt Matthias Sindelar wegen seiner schmaechtigen
Statur und seinem Bestreben,mit dem Gegenspieler moeglichst keinen Koerper-
kontakt,zu bekommen.

Das praegte seine Spielweise und er war der eleganteste Spieler in der Zwischen-
kriegszeit.Trotzdem war er als Torschuetze sehr erfolgreich. Die Schweiz wurde
mit 8:1 geschlagen,Deutschland,besser das Deutsche Reich,mit 6:0 weggeputzt.
Und immer waren seine Tore mit dafuer verantwortlich.

Matthias Sindelar entstammte aus aermster Familie.Seine Mutter hatte fuer 4 Kinder
zu sorgen und seine einzige Chance aus diesem Milieu zu kommen war das Fussballspiel.
Auch als der Erfolg da war,blieb er in seiner Lebensweise bescheiden.Bis zu seinem Tode
wohnte er in der kleinen Zimmer/Kueche-Wohnung seiner Mutter und arbeitete nebenher
noch als Abteilungsleiter in einem Sportgeschaeft.

Nach dem Einmarsch der Deutschen in Oesterreich,organisierten die neuen Machthaber
ein "Anschlussspiel" Altreich vs. Ostmark.

Der " Papierene" war Kapitaen des Ostmark- Teams und als solcher setzte er durch,dass
die Mannschaft,entgegen der alten Tradition in schwarz-weissen Dressen aufzulaufen,in
rot-weiss-rote Garnituren schluepfte. Bei diesem Match war seine Spielweise besonders
herausfordernd. Beim 2:0 Sieg fuehrte er uebertriebene Freudentaenze auf,die der auf
der Ehrentribuene sitzenden Bonzen die Zornesadern auf die Stirn trieb.

10 Monate spaeter war er tot.Man fand ihn und seine juedische Freundin im Bett liegend
auf.Offiziell war von einer Kohlenmonoxid - Vergiftung die Rede,doch der Befund des Rauch-
fangkehrers stellte keine Maengel fest und oberdrein verschwand bald der Ermittlungsakt.

Heute ruht er in einem Ehrengrab der Gemeinde Wien.

Jock

jock:
Die Schlagzeile : Pep Guardiola fuer 6 Wochen an den FC St.Pauli verliehen,
ist einfach nicht vorstellbar.

Doch es waere nicht das erste Mal,passierte es,dass ein Trainer,trotz aufrechten
Vertrags bei einem Club,kurzzeitig eine andere Mannschaft betreut.

Jimmy Hogan,einer der Pioniere des Fussballsportes,fand auf diese Weise immer
wieder reizvolle Aufgabenstellungen.

Zuerst war er Fussballer und kam in England ohne jede weitere Kenntnis von einer
Trainertaetigkeit zur Betreuung eines Vereins.Seine Arbeit dort war erfolgreich und
bald darauf trainierte er die hollaendische Nationalmannschaft,bevor er 1912 nach
Oesterreich-Ungarn wechselte.
1914 wurde er,nach Ausbruch des WK I verhaftet und nach der Haft mit einer Aus-
reisesperre belegt.Da es waehrend des Krieges es keine Nationalmannschaft gab,musste
er sich seinen Lebensunterhalt als Hauslehrer bei einem Kaufhausehepaares verdienen,
indem er fuer deren Kinder Englischunterricht gab.

1916 gelang es den Ungarn ihn nach Budapest zu holen,wo er den damals beruehmten
Club MTK - Budapest trainierte und so den Grundstein fuer ein jahreslange gutes Abschneiden
des ungarischen Nationalteams,legte.

Nach Ende des Krieges kehrte er nach England zurueck, wo er vom englischen Fussball-
verband als Unterstuetzung 3 Paar Wollsocken erhielt.

In weiterer Folge ging er wieder auf Wanderschaft auf dem Kontinent.Er betreute Mannschaften
in Deutschland,der Schweiz,Frankreich,zwischendurch arbeitete er als Versandleiter bei
einem Unternehmen in England,bis er wieder zur Betreuung der oesterreichischen National-
mannschaft berufen wurde,um sie fuer die Weltmeisterschaft 1934 in Italien vorzubereiten.

Aber vom " Wunderteam" waren nur mehr Reste uebergeblieben.Viele der Leistungstraeger
spielten im Ausland,da sie dort besser verdienten und standen fuer Oesterreich nicht
zur Verfuegung.

Es war ein halbes Amateurteam,welches sich mit dem Zug auf den Weg zur Weltmeister-
schaft machte.Und als Kuriosum obendrauf - ohne dem Trainer Hogan und weiterer Betreuer.

Es war einfach kein Geld vorhanden,um ihnen eine Fahrkarte zukaufen.

Ewig schade drum,denn vom Potential her,war Oesterreich noch nie so nahe dran den Welt-
meistertitel zu holen.Zwei Skandalspiele,von bestochenen Schiedrichtern geleitet,verhinderten
ein Weiterkommen.

Und jetzt dauert es wieder 2 Mio Jahre,bis das oesterreichische Nationalteam an den Welt-
meistertitel so nahe herankommt.



Jock



jock:
Nachtrag zu oben :

Es ist offensichtlich,dass heute wieder Fussballclubs versuchen,
ohne Trainer auszukommen.

Zum Beispiel in der Bundesliga - der BVB und Schalke 04,obwohl sie
offiziell natuerlich die Trainerstelle besetzt haben.

Auf der anderen Seite sehe ich nur zwei Vereine,die sich einen Trainer
von Weltruhm leisten.

Der FCB ist der eine und der andere der FC Koeln.

Jock

jock:
Die Fussballspieler die sich nach dem WK II langsam wieder in den
Vordergrund spielten,zeichnete folgendes aus:

Sobald sie 100 Km staendig von ihrem Heimatort entfernt leben mussten,
leideten sie entsetzlich unter Heimweh.

Sodann waren sie ausgesprochen vereinstreu.Ein Spieler der damalien Zeit
war Karl Koller.Von 1949 bis 1966 spielte er bei der Vienna 414 Partien.

Und allen war eines gemeinsam,sie konnten das Wort " Cup" nicht aussprechen.

Wenn sie in der damaligen montaegigen Sportsendung von ihren Heldentaten,
die sie im Mitropa-Cup,im Karl Nausch-Cup u.s.w. vollbracht hatten, erzaehlten,so
war es der " Coep",der aus ihren Muendern kam.

Die Liste der Helden in den 50.gern und 60.gern ist lange.Allen war auch gemeinsam,
dass sie aus bescheidenen Verhaeltnissen stammten.

So  sorgten sie auch fuer eine buergerliche Existenz nach Beendigung ihrer Karrieren.Erwarben
Tankstellen,Tabak- Trafiken,eroffneten Espressos.

Walter Zeman eroeffnete in einem Arbeiterbezirk ein Schuhgeschaeft,Hans Buzek einen
Juwelierladen in Baden und Ernst Ocwirk eine Tankstelle mit 3 Zapfsaeulen.

Einer der Wenigen,die ihr Glueck im Ausland suchten war Helmuth Senekovitsch,der
nach Spanien ging.Dort nannte man ihn " der Mann mit der Pferdelunge".
Spaeter war er auch dabei,als Oesterreich eine spaete Rache wegen Koenigsgraetz nahm.

Speziell als Trainer sind Ernst  Happel und Max Merkel auch den deutschen Fussballinteres-
sierten bekannter,denn als Spieler.

Mitte der 60.Jahre bis Ende der 70.Jahre bluehte der oesterreichische Fussball nochmals
auf.Aber da hat  schon eine andere Zeitepoche fuer den Fussball begonnen.

Athletischer,Schneller und Kommerzialisierter.

Jock



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