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Im Paradies auf Erden

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madaboutsingha:


Am Pool kamen wir uns näher. Der nordische Mann und ich. Ich wollte meinen Gedanken nachhängen, aber das ging nun nicht mehr, denn Mr. Blondhaar, so nennen wir ihn mal, der in der tadellos gepflegten Condo-Anlage am Meer wohnte, brauchte Unterhaltung. Er war nun schon eine Woche in Thailand und des Lobes voll. Die Wärme, das tägliche Bad im Meer und der überaus entbehrliche nordische Kleidercode – wie hatte er das sechzig lange Jahre vermisst!!! Mr. Blondhaar war noch nie zuvor in Thailand gewesen, und inzwischen kommt es ihm vor, als sei er hier in einem Traum aufgewacht, von dem er schon lange nicht mehr glaubte, dass er in diesem Leben noch einmal Wirklichkeit werden könnte.

Zu verdanken hatte er dies alles einer glücklich gefügten Internet-Chat-Bekanntschaft. Die junge Frau aus dem tropischen Wohlfühlland hatte im Cyberraum wohl solch magischen Charme versprüht, dass es ihn magnetisch in den Bann schlug, und er tatsächlich seinen Koffer packte und nach Thailand reiste. Hier fiel er in kein schwarzes Loch, denn am Flughafen erwartete ihn die heiße Chatbraut samt eigenem Auto und fuhr ihn schnurstracks in jenes Holiday-Domizil am Meer, wo sie ihn für die lächerliche Monatsmiete von 35 000 Baht in einem jener fabelhaften Condos unterbrachte.

Die bestrickende Cybercirce entpuppte sich als gewiefte Geschäftsfrau, die ein eigenes Geschäft besaß und über ihr Handy Telefonkarten verkaufte, womit sie offenbar recht erfolgreich war. Ferner stellte sich heraus, dass die Dame nicht nur clevere Geschäfte übers Telefon abwickeln konnte, sondern es auch verstand, vorteilhafte Eigenfotografien zu fabrizieren, die die weniger pässlichen Seiten der Physiognomie galant ausblendeten. Das mag in der irrealen Cyberwelt noch dahin gehen, doch spätestens, wenn man sich beim realen Show-down gegenübersteht, haben alle süßen Täuschungsmanöver ausgespielt. Glücklicherweise hatte Mr. Blondhaar aber keine Tomaten auf den Augen und entdeckte den charmanten Schmu sogleich. Des weiteren verfügte er auch noch über die aus der nordisch klaren Logikwelt herübergerettete, unverfälschte Urteilskraft und teilte der netten Chatkollegin etwas sehr unthailändisch seine unverhohlenen Eindrücke geradeheraus mit. Hiernach war klar, dass die Bewerberin aus dem Rennen war, denn eine schiefe Nase und eine schmerzhafte und fortdauernde Krebserkrankung im Genitalbereich waren doch des Guten zu viel für ihn. Er wollte seinen Spaß haben und keinen Samariter spielen.

Die Lady, die wegen des blatanten Gesichtsverlusts nur schwer die Contenance halten konnte, berappelte sich schnell, was seine guten Gründe hatte, und da konkurrierende Anwärterinnen auf den Liebesposten weit und breit nicht auszumachen waren, hielt sie sich weiterhin in seiner Nähe auf, wobei sie es geschickt verstand, durch unauffällige Telefonanrufe ein unsichtbares Fang- und Spionagenetz über den unbedarften Mr. Blondhaar zu werfen.

Der nordische Mann im Thaiparadies war nicht unvermögend. Zeitlebens war er ein einfacher Mensch gewesen, bis er begann hobbyweise eine Webseite zu entwickeln, die über die Jahre eine außerordentlich vielzählige und beständige Fangemeinde anzog. Angeblich verfolgte er nie die Absicht, daraus Profit zu schlagen und war daher auch – wie er sagte - reichlich verdutzt, als ein namhafter Verlag Interesse an seiner Arbeit anmeldete. Tatsächlich wurde man sich nach einigem hin und her handelseinig und er konnte seinen Webauftritt für eine traumhafte Summe verkaufen, die ihm für den Rest seines Lebens ein sorgenfreies Leben gestattete.

Die Lady aus dem Thaiparadies hatte wohl nicht nur ein ausgesprochen glückliches Händchen bei ihren Geschäften, sondern auch einen feinfühligen Geruchssinn für das verführerische Bukett von großem Geld. So steckte sie es locker weg, dass sie als wenig begehrliche Liebespartnerin ausgeschieden war, schließlich winkten höhere „Ziele“.

Geschäftlich musste sie zwar bald wieder nach Bangkok zurückkehren und ihren Goldjungen in dem einsamen Condo schmählich zurücklassen, doch standen ihr ja alle modernen telekommunikativen Kontakteinrichtungen zur Verfügung, um ein Mindestmaß an Überwachung aufrechtzuerhalten. Dabei registrierte sie begeistert, dass Mr. Blondhaar im Überschwange seines Thailandtaumels mit der Zeit löbliche Ideen für eine Sesshaftwerdung entwickelte und im Zuge dessen die bewohnte Condo-Anlage eines näheren Augenscheins unterwarf. Ja, er nahm sogar eigenständig Kontakt zu einem Immobilienagenten auf und besichtigte in dessen Beisein verschiedene zum Verkauf stehende Condos. Nur als der nordische Kauffantast während telefonseliger Gesprächsrunden auch noch davon faselte, dass er sich praktisch schon für ein spezielles Condo entschieden hätte, war es für die Cybermime höchste Eisenbahn zurückzukehren um die außer Kontrolle zu geratenen Geschicke durch ihr beherztes Eingreifen in die rechten Bahnen zu lenken.

Der Immobilienagent – ein junger Kerl, der fließend englisch sprach – hatte ein geräumiges Condo im zweiten Stock der Anlage für einen Kaufpreis von 6,3 Mio. Baht offeriert, in dem nicht nur die Umschreibungskosten und die Steuer, sondern auch sämtliche Möbel und Einrichtungsgegenstände enthalten waren. Mr. Blondhaar monierte zwar, dass man aus dem zweiten Stock den Blick aufs Meer vermissen würde, doch signalisierte er starke und nachhaltige Kaufbereitschaft, da er den Kaufpreis für eine günstige Offerte hielt. Die flugs herbeigeeilte Chatlady fand den nicht vorhandenen Meeresblick ebenfalls äußert misslich und wusste darüber hinaus mit raffinierten beiläufigen Andeutungen auf mögliche Unzuverlässigkeiten während des Übertragungsprozesses die Integrität des Immobilienburschen zu erschüttern. Ergänzend und selbstverständlich völlig überraschend erinnerte sie sich zur großen Freude des nordischen Mannes an eine sehr gute Freundin, die wiederum zufälligerweise einen Condobesitzer kannte, der doch tatsächlich sein Condo im 10. Stock in der gleichen Anlage verkaufen wollte, in dem selbstverständlich ein sichtschutzfreier Meeresblick gegeben war. So ein Glücksfall aber auch! Der nordische Mann deutete die vielen wundersamen Fügungen als naturgegebene Eigenheiten dieses faszinierenden Wunderlandes und nahm auch den um mehr als eine ganze Million Baht teureren Kaufpreis gelassen hin. Geld als Entscheidungskriterium war ihm ja ohnehin nicht mehr im Wege. So besichtigte er nach einer von ihr vorbereiteten Kontaktaufnahme das Condo und traf sich mit dem Eigentümer. Inzwischen stehen die Kaufverhandlungen vor sehr konkreten Vertragsentwürfen und die Anzahlungsleistungen stehen ebenfalls unmittelbar bevor. Womit endlich alle zufrieden wären, besonders die gerissene Chatlady, die aus dieser anfangs sich wenig ersprießlich entwickelnden Beziehung doch noch kräftig Honig saugen konnte. 3 Prozent von 7,5 Millionen Baht macht immerhin 225 000 Baht, ein schönes Sümmchen, für das sie noch viele Jahre Telefonkarten hätte verkaufen müssen.

Mr. Blondhaar ist inzwischen nun schon ganze 2 Wochen hier und noch immer im Wonnetaumel. Er sei im Paradies aufgewacht, beteuert er immer wieder. Hier will er wohnen, aufs Meer hinaus gucken und sich eine neue, ansehnlichere Gespielin suchen. Er will sich ein Auto kaufen, die Sprache lernen und sein Leben in vollen Zügen genießen. Doch zunächst fliegt er wieder zurück ins nordische Land, wo er sein Appartement vermieten und seinen Hausstand auflösen will, und wo er seiner 85jährigen Mutter, der er zeitlebens beigestanden hat, beibringen muß, welche Pläne er hegt. Das wird der schwerste Gang.

Ein Leben im Paradies. Ach, wenn es nur so wäre! Wir kaufen uns einfach ein Teil vom Paradies und sind bis ans Ende unseres Lebens nur noch glücklich. Herrlich! Doch das Paradies auf Erden ist leider eine Chimäre. Den wenigsten von uns mag sie begegnen. Thailand ist ein tolles Reiseland und es kann Erstbesuchern schon mal die Sinne verdrehen. Das kennen wir. Insofern empfinden wir Verständnis. Doch die meisten verlieren ihr Geld und ihren Kopf an zweifelhafte Investitionen auf zwei Beinen, die sich häufig genug im Nachhinein als wenig rentierliche Abschreibungsruinen herausstellen. Mr. Blondhaar mag etwas vorschnell handeln, doch DAS tut er nicht.

boehm:
Au weia!!! Wenn die Geschichte wahr ist, dann kann man Mr. Blondhaar nur wünschen, dass er sich auf den vielen serösen Seiten im Web gut informiert über das Leben in Thailand.

Geht die Geschichte noch weiter???? Hört sich jedenfalls sehr interessant an!

Gruß
Böhm

madaboutsingha:
Hallo Boehm,

sei gewiss: so bald die Geschichte weitergeht, werde ich berichten.
Doch es mag sich ziiiiiehen....

auweia, denke ich uebrigens auch. abwarten.

Roy:
Paul, Du musst mehr Predigten lesen hier im Forum. Dann lernst Du positiv zu denken und unseren Gastgebern, besonders solch süssen Mäuschen, die uns das Leben vergolden, sowie ihren Komplizen in Parlamenten, Polizeiwachen und Amtsstuben, POSITIV entgegenzutreten, möglichst im gelben Hemd mit Wappen. Ich ahne nämlich, dass Du wieder Thailands Image schädigen willst, Du ganz Schlimmer. Denk dran: Da will einer alles übersetzen und der Immigration zukommen lassen in diesem Forum. Die kommen dann nach Hua Hin und machen Dich haftbar für die Verschlechterung des Images und den finanziellen Schaden, der dem Land aus solcher Miesmache entsteht. Aber trotzdem, ich bin geil drauf, die Story in meine Wa(h)re Liebe zu übernehmen.

madaboutsingha:
Danke fuer den Hinweis, Roy!

Ich bin bereits auf der Suche nach einem konspirativen Schutzdomizil.

Da habe ich einen kleinen lokalen Radiosender hier im Auge, der stundenweise Sendezeiten vermietet.
Wie waere es, wenn wir ueber ihn unsere offenbar verkannten siamphilen Bekenntnisse zu unserer Entlastung verbreiteten?
Es muesst nur noch jemand dabei mithelfen, den erforderlichen Stream fuers Internet zu installieren,
damit wir auch weltweit die "Wahre Stimme Thailands" zu Gehoer bringen koennten.

Das duerfte unseren Widersachern schlagend allen Wind aus den Segeln nehmen und beweisen, wofuer unser atrophes germanisches Schwundherz - trotz aller Veraechtlichmachung - wirklich schlaegt.
Paul

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