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Wien,Wien,nur du allein

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jock:
Die Sesselweiber

1864 gruendete sich ein "Start-up" - Unternehmen,das bis 1956 bestand.Der Ge-
schaeftsgegenstand war die Verleihung von Sesseln in den Wr.Parkanlagen,wofuer
es ein Konzession zu erwerben gab.

Der weibliche Anteil an dem ca. 50 Personen grossen Unternehmen,war ausge-
sprochen gross und die Firma machte gute Geschaefte.

Um 1930 stellte das Unternehmen 6.305 Sesseln zur Verfuegung und bestueckte
damit den Burggarten,den Stadtpark,den Augarten,das Belvedere u.a. grosse Parks.

37 weibliche Angestellte ueberwachten die die Sesseln und wenn sich jemand hin-
setzte,verlangten sie einen Obolus in der Hoehe von 17 Groschen bzw. 34 Groschen,
fuer einen besseren Sessel,der eine Rueckenlehne hatte.

Die mit dem Inkasso beauftragten Damen hatten schwarze uniformartige Kleidung
an und das eingenommene Geld verwahrten sie in einer schwarzen Ledertasche,die
sie vor dem Bauch trugen.

1956 wurde die Konzession nicht mehr verlaengert und die Stadt Wien uebernahm
die "Versitzung" in den staedtischen Parkanlagen.
Seither ist das kurze Ausrasten in den Parks und Gaerten kostenfrei.

Helmuth Qualtinger besang die Sesselweiber zusammen mit den Engelmacherinnen.

"Berufe",die es heute nicht mehr gibt.

Jock





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jock:
Staedtetourismus

Wenn beim Heurigen die Schrammeln (Kontragitarre,"picksuesses Hoelzl" und Knopferl-
harmonika)aufspielen,stimmen beim Lied "Heut kommend'Engerl auf Urlaub nach Wean"
gerne auch aeltere Damen,die das 6.Achterl intus haben,mit ein.

Sie haben meist ihr Ehemaenner am Zentralfriedhof deponiert,leben ganz gut von der
Witwenpension und machen sich keine Gedanken,welche historischen Hintergruende
das Liedchen hat.

Das Lied beschreibt den ersten Staedtetourismus - und die Folgen davon waren ge-
waltig und werden auch so in den heiligen Buechern der islamischen und christlichen
Religion beschrieben.

Harut und Marut heissen die "Urlauber" im Koran,Grigori jene Gruppe von Engeln bei
den Christen.

Der genannte "Suendenfall" ist fast indentisch.

Die Engeln wurden auf die Erde geschickt und dort wurden sie von den weiblichen Be-
wohnern der Erde verfuehrt,zu sexuellen Exzessen eingeladen,denen sie gerne folgten
und zeugten sogar Kinder.

Als der liebe Gott und auch Allah draufkamen,dass sie den Bock zum Gaertner gemacht
haben,musste eine Reaktion folgen.

Der Engelsturz war die Folge.Die suendigen Engeln stuerzten aus dem Himmel,wurden
zu Satane und Daemonen mitunter auch zu Bissgurnen.

Besonders der Erzengel Michael tat sich hervor und vertrieb mit flammenden Schwert
die suendigen Engel aus dem Himmel.Und die fanden sich alle in Wien wieder,wo sie
das horizontale Gewerbe gruendeten.

Zum Dank weihte man schon im 13.Jhd. eine Kirche im Zentrum von Wien auf seinem
Namen - die Michaeli-Kirche.
Im Altarraum befindet sich ein Relief,das den Engelssturz nachvollzieht.

Lange Jahrhunderte wurde die Prostitution in Wien von der Obrigkeit nicht beachtet.
Erst die grassierende Syphilis,war ein Grund das Treiben der kaeuflichen Liebe einzu-
schraenken.

Der Erfolg war,dass sich rund um den Graben,Blumengeschaefte etablierten,die neben
duftenden Rosen auch haariges Gestruepp verkauften.

Auch die Michaeli - Kirche wurde fuer die "Geschaeftsanbahnung" herangezogen.

Maedchen und junge Frauen knieten in der Kirche und folgten,einem versteckten Hand-
zeichen der Herren nachkommend,zu einem warmen oder kalten Hotelzimmer.

Das "warme" Hotelzimmer stand in einem Hotel zur Verfuegung,das sich auf kurzweil-
ig verbleibende Hotelgaeste spezialisiert hatte,wogegen das "kalte" Hotelzimmer meist hinter einem Gebuesch oder im finsteren Hauseingang zu finden war.

Derzeit liegt der Staedtetourismus brach und so mancher Hotel-oder Pensionsbesitzer
schickt in der Michaeli- Kirche ein Stossgebet zum Himmel.

Das darf er/sie - aber man soll es stehend machen,sonst kommt es zu Missverstaend-
nissen.

Jock



Suksabai:


Wien gilt als unfreudliche Stadt,
obwohl man gerade hier viele
zärtliche Begriffe für seine
Mitmenschen kennt:

Trottl, Fetznschädl, Wappler,
Pfostn, Voikoffa, Voidillo, Heisl,
Pleampl, Gfrast, Koffa, Nudlaug,
Pücha, Saubeidl, Krätzn, Oaschwarzn,
Sautrottl, Oasch mit Urn, Hirnschüssla,
Dreckantn, Hirni, Hinnicha, ....

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