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Autor Thema: Vollendung in Bangkok  (Gelesen 5913 mal)

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Khun Han

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Re: Vollendung in Bangkok
« Antwort #30 am: 23. April 2022, 16:26:44 »

Die letzte Ehe, die wir gestiftet haben, geht nun ins 21. Jahr. Wir wurden gefragt, ob wir nicht jemand hätten/wüssten, gern auch dominant. Wir ließen eine Verwandte von Dengs Ex kommen und es passte. Wir gingen auch zusammen auf Partys, aber ob das Freizeitvergnügen schlag gebend, äh ausschlaggebend war, kann ich nicht beurteilen. Es ist ein harmonisches Paar und wir pflegen freundschaftlichen Kontakt. Wie in den meisten Fällen ist auch hier jemand in Thailand, der auf Unterstützung wartet. Wobei ich den Eindruck habe, dass wie üblich die Überweisungen nicht groß genug sein können und ein Danke nicht im Wortschatz vorkommt.

Die andere Kuppelei endete nicht so problemlos. Ein Jahr nach den beiden Söhnen ließen wir auch Dengs Schwester nachkommen. Auf eine Anzeige in der Tageszeitung bekamen wir ca. 30 Zuschriften. Ich wählte einen aus, den ich dem Namen nach kannte, einen Bruder einer Grundschul-Klassenkameradin, einer aus einer 10-köpfigen Gärtnereifamilie, von Beruf stadtbekannter Stammtischpoet und Leserbriefschreiber. Er bezog eine ausreichende Frühpension, nachdem er aus psychischen Gründen aus dem Polizeidienst ausgeschieden war, Stichwort Stammheim. Er war gebildet, geistreich, hatte sogar ein Büchlein verfasst (über den Furz), er war selbstverständlich offen für und interessiert an Thailand und handwerklich begabt. Wir feierten große Partys in seiner Wohnung. Deng mochte ihn sehr und ließ sich durch ihn zum Biertrinken verführten. Die Schwester hätte zufrieden sein können, aber vielleicht hielt sie ihn für zu alt für sich oder hatte etwas gegen seine Kneipenbesuche. Jedenfalls fand sie einen Lover, bei dem sie blieb, auch nachdem dieser sie schlecht behandelt hatte. Wir mussten sie vom Krankenhaus abholen.

Der Schwager konnte es schließlich nicht länger ertragen und wanderte allein nach Thailand aus, ins Land der Elefanten, wie er sagte. Wir trafen uns in Bangkok und ein paar Mal in Chiang Mai, wo er lebte. Immer hatte er intellektuelle Freunde um sich. Er verstarb plötzlich an einem Bauchaneurysma. Die Schwester ist noch mit dem Lover verbunden, obwohl er in einer anderen Stadt lebt und sie zwischendurch auch einen anderen Egomanen hatte. Gelegentlich nimmt sie mal Kontakt mit uns auf, aber leider hat sie auf die Familie einen spaltenden Einfluss.

Genug über andere Leute geschrieben. Demnächst will ich zum Thema Essen und zum Thema Reisen berichten.

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Khun Han

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Re: Vollendung in Bangkok
« Antwort #31 am: 28. April 2022, 17:35:21 »

Kein Reiskocher, keine Fischsoße und keine anderen Zutaten aus einem Asienladen - die erste Zeit in der neuen Heimat war eine große Umstellung. Deng lernte schnell, wie hier gekocht wird, aber meistens stand Hähnchen auf dem Speiseplan. Sie kochte im Hotel mit und übernahm vieles von meiner Mutter. Noch heute kommt bei uns öfters Gulasch oder Paprigasch oder Reis mit Tomatensoße, dazu gekochtes Hähnchen mit Meerrettichsoße auf den Tisch. In den größeren Kaufhäusern gab es damals noch Kantinen mit einfachem Essen und sie bestellte in einem bestimmten Restaurant in unserer Stadt öfters Garnelen. Oder wir fuhren mit dem Zug nach Memmingen und aßen beim Griechen und speisten in München gerne im Shanghai am Stachus, einem Lokal, das es heute noch gibt. Gerne fuhren wir auch nach Lindau, mit dem Zug oder per Anhalter, und gingen dort in den Wienerwald. 

Es dauerte lange, bis wir Asienläden fanden, in Zürich, in München und in Ludwigshafen. Später verkauften auch Vietnamesen aus Garagen heraus asiatische Lebensmittel.

Eine Geschichte will ich hier noch einfügen. Anfang 1980 bekam sie während der Arbeit heftige Bauchschmerzen. Ich brachte sie zum Hausarzt, der sie umgehend ins Krankenhaus schickte, wo sie gleich am Blinddarm operiert wurde. Der stand kurz vor dem Durchbruch. Ich versorgte sie und das ganze Zimmer täglich mit Hähnchen und Pommes und Blumen. Meine Mutter sollte dann für sie Reis kochen. Als ich ihn brachte, musste sie weinen. Meine Mutter hatte in guter Absicht Milchreis gemacht.

Die Bauchschmerzen blieben, die Wunde eiterte und wollte sich nicht schließen. Die anderen Frauen im Zimmer, mit denen sich echte Freundschaften entwickelten, versuchten sie immer zum Lachen zu bringen, was ihr ja Schmerzen bereitete. Nach einem Schwächeanfall auf dem Gang musste sie ins Zimmer zurückgebracht werden. Dennoch wurde sie entlassen. Der Hausarzt behandelte die Wunde täglich mit einer Silberlösung. Schließlich suchten wir wieder das Krankenhaus auf. Ein junger Arzt meinte, wir sollten nicht hinsehen, und als er daran drückte, quoll dicker, grüner Eiter heraus. Doch die Wunde war danach zu.

Um uns davon zu erholen, buchten wir eine Städtereise nach Amsterdam. Ich war ja bereits zweimal da, um von dort aus nach Indien zu fliegen. Als wir nach der nächtlichen Zufahrt am Hotel American ankamen, war ihre Stimmung auf dem Tiefpunkt. Das änderte sich aber schlagartig und alle Schmerzen waren wie weggeblasen, als sie das Innere des Hotels sah. Es gefiel ihr dann so gut, dass wir zwei Jahre später wieder in der Stadt Urlaub machten. Wir kauften damals auch eine Durian, wegen der die Leute in der Straßenbahn die Nase rümpften, und ich musste die Reste in der Nacht außerhalb des Hotels entsorgen.





Deng hat den schwarzen Gürtel im Kochen, wenn ihr etwas schmeckt, kocht sie es genau so nach. Sie probiert gerne neues aus, Kochsendungen sieht sie auch heute noch neben den Seifenopern am liebsten. "Das perfekte Diner" musste ich früher immer aufnehmen, wenn sie keine Zeit dafür hatte. Ihr Kochkünste und ihre Gastfreundschaft waren bekannt, Nachbarn und Freunde waren oft unsere Gäste. Sie macht Spätzle und Knödel selber, isst gerne Sauerkraut, Rotkohl, Schnitzel und Schweinebraten und ist zuhause eigentlich immer am Planen, Vorbereiten, Kochen oder Essen, sofern sie nicht mit den Pflanzen beschäftigt ist. Sushi braucht sie nicht mehr zu machen, aber sie kocht weiterhin gerne Japanisch. Vieles, das sie früher in Thailand gegessen hat, mag sie nicht mehr. Vielleicht sind auch nun die Zähne daran schuld.
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Kern

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Re: Vollendung in Bangkok
« Antwort #32 am: 29. April 2022, 04:51:01 »

Vielleicht sind auch nun die Zähne daran schuld.

 :D  :D ...  [-]
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Khun Han

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Re: Vollendung in Bangkok
« Antwort #33 am: 03. Mai 2022, 14:56:59 »

Ja, bei Hartem oder Klebrigem machen die restlichen Zähne nicht mehr mit.

Es ist mir übrigens gelungen, meinen vielleicht 20 Jahre alten Lexmark Drucker nach stundenlangen Versuchen und vielen Updates an das Notebook anzuschließen. Jetzt kann ich wieder Fotos einscannen. Das Ding rattert zwar und die Bildqualität ist nicht die beste, aber ich kann nun Texte mit den passenden Bildern untermalen.

Gleich noch welche von einer Thaihochzeit nachgeliefert. Einfach um zu zeigen, dass meine liebe Gattin selbstbewusst und offen für Neues war/ist. In unseren Schlafzimmern (Plural, weil wir 5 Mal umgezogen sind und seit Jahrzehnten getrennt schlafen) ging es immer gesittet zu. Wenn wir auch mal was Neues ausprobiert haben, so wurde doch keiner zu etwas gedrängt. Es lag auch ein wenig an der Mode dieser Zeit, wie sie in Musikvideos gezeigt wurde.





Essen gingen wir auch mit Freunden in Kluft, wie ein Freund es nannte.


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Re: Vollendung in Bangkok
« Antwort #34 am: 30. Mai 2022, 22:08:53 »

Ich würde mich freuen wenn du deine Erlebnisse
hier weiter fortsetzen  würdest.[-]
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Khun Han

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Re: Vollendung in Bangkok
« Antwort #35 am: 31. Mai 2022, 17:16:12 »

Danke für den freundlichen Anschubser! Das hilft Schreibblockaden zu überwinden. Denn eigentlich wollte ich weitermachen mit dem Aufzählen von Reisen ins benachbarte Ausland, der aufenthaltsrechtlichen Seite bis zum Aushändigen des Deutschen Passes und dem Geschehen danach, aber ich finde keinen Einstieg und ziehe nun ein anderes Thema vor.

Eines Tages gab mir ein Arbeitskollege ein paar Schriften und ich wusste sofort: "Das ist es! Danach habe mein Leben lang gesucht. Das kann sich keiner ausdenken. Da passt alles." Es waren Hefte des Heimholungswerkes Jesu Christi, später umbenannt in Universelles Leben (UL). Da sprach Gott und Christus und andere Wesenheiten durch die Prophetin Gabriele Wittek. Es war das Urchristentum, alle waren Brüder und Schwestern, es gab keine Mitgliedschaft, keine Priester, keine Sakramente oder Rituale. Erklärt wurden die 7 Eigenschaften Gottes, die göttliche Schöpfung, die himmlischen Welten und die Heimkehr Seiner vollkommenen Kinder aus der freiwillig gewählten Gottferne über mehrere Wiedergeburten. Angeboten wurden ein zweiteiliger Meditationskurs und der Siebenstufige Pfad. Alles war im Prinzip bis auf Bücher und Zeitschriften kostenlos.

Mit dem Kollegen fuhr ich von da an nach Kempten, wo wir uns mit anderen privat trafen und uns die Offenbarungen auf Kassetten anhörten. Wir erlebten die Prophetin dann live u.a. in Karlsruhe, Heidelberg oder sogar in Paris. Machtvoll ertönte Gott Vater durch sie und ihre Stimme wurde leise und fein, wenn Naturwesen durch sie sprachen. Über 10 Jahre machte ich die Entwicklung des UL mit, zwar nicht in vorderster Front, aber mit ganzem Herzen. Es gab da wunderbare Tage und Zusammenkünfte, in Großstädten und in den Bergen über Innsbruck. Gerade diese Wochen in Götzens in der Natur oder beim Tanzen im Gemeindehaus bleiben unvergesslich. Beim letzten Mal passierte übrigens der Reaktorunfall in Tschernobyl. Ich lernte meinen Menschen mit seinen Schwächen kennen und manchmal entströmte meiner Seele ein Gebet, das mich so mit Glückseligkeit erfüllte, dass ich dachte, ich könne jetzt genauso gut sterben - schöner wird mein Leben nicht mehr.







Über Monate hinweg absolvierte ich den Meditationskurs in Zürich, zusammen mit dem Arbeitskollegen. Meine Frau war da stets dabei, zumindest beim Stadtbummel. Wenn ich alle drei Wochen nach Würzburg fuhr oder bei anderen Veranstaltungen wie in München oder Berchtesgaden weilte, nützten wir die Zeit zum Einkaufen oder um Urlaub zu machen. Eine Woche verbrachten wir in Würzburg beim "Bienen", sie half in der Küche und ich auf einer Baustelle. Sie fühlte sich auch bei den Geschwistern der "Inneren Geist Christus Kirche" in Kempten wohl, deren Leitung mir später übertragen wurde. Sie glaubt auch an Jesus und Maria, sagt sie, aber ich versuchte nie sie zu missionieren oder sie von etwas zu überzeugen. In ihren ersten Monaten in Deutschland, als wir noch bei meinen Eltern wohnten, gehörte der gemeinsame Kirchgang zum Sonntag. Sie machte alles bereitwillig mit. Um sie aber dann bei den zahlreichen Zusammenkünften nicht allein zuhause lassen zu müssen, entschied ich mich, ihre beiden Söhne zu uns nach Deutschland zu holen. Das war im Jahr 1988. Doch das ist ein anderes Thema.

Das UL vergrößerte sich, viele folgten dem Ruf in die Dörfer um Würzburg und bauten Häuser mit eigenwilliger Architektur, es entstanden Betriebe, Kliniken und Bauernhöfe und ein großes Einkaufszentrum und eine Schule kamen hinzu. Es wurden Urgemeinden gegründet, bei der in München war ich natürlich dabei. Es entstanden aber auch Konflikte mit Naturschützern und den großen Kirchen. Prozesse wurden geführt, ein Sicherheitsdienst wurde notwendig. Eine Gruppe von Männern um die Gabi nahm Einfluss auf das Geschehen. Sogenannte Jungpropheten wurden rausgedrängt, Gemeindemitglieder intern wegen Nichterfüllung der Gebote angeklagt. Manche verloren ihren materiellen Einsatz und litten seelisch. Die Entwicklung vom Urchristentum zur Inquisition war kurz. Im Internet kann man neben den Angeboten des UL auch Berichte über Aussteiger finden. Mein Ausscheiden fand 1991 statt, als mir u.a. vorgeworfen wurde, dass durch meine Gedankenwelt schwierige Menschen zu den Treffen der Kirche angezogen wurden. Da es keine Mitgliedschaft gab, war ich frei zu gehen. Es kam nur noch ein Brief, in dem mein Ausscheiden als ein Fußtritt gegen Gott bezeichnet wurde. Aber ich fühlte mich frei und dazu der Liebe Gottes näher. Und ich sparte eine Menge Zeit und Benzingeld.

Ich ging den Weg für mich allein weiter. Ein Wiedereinstieg durch einen erneuten Meditationskurs in Bregenz scheiterte dann durch meine angefangene Ausbildung zu Altenpfleger, bei der ich ja jedes zweite Wochenende im Heim arbeiten musste. Von Eckhart Tolle wurde ich nun mehr angezogen als von den Schriften des UL. Vor der Auswanderung brachte ich Bücher und Unterlagen zur Kirche in Kempten. Es hatte sich nichts geändert, außer dass nun nur noch 2 Schwestern der übertragenen Offenbarung lauschten. Wenn ich gewusst hätte, dass es seit vielen Jahren ähnliche Kreise z.B. in Nürnberg gab, die durch das Wort Gottes geführt wurden, hätte ich mir das mit der Auswanderung vielleicht noch überlegt. Nun bin ich glücklich, im Internet darauf gestoßen zu sein. Doch darüber auch später.

Nur noch eine Episode: Bald nach der Ankunft in Bangkok wurde ich auf den Bruno Gröning-Freundeskreis aufmerksam gemacht. Geleitet wurde er hier von einer lieben, älteren Dame, die auf der Deutschen Botschaft gearbeitet hatte und mit einem Thai verheiratet war. Die Zusammenkünfte in einem Raum neben dem Goethe-Institut schätze ich bis heute, wenn auch hier das Sektiererische mich letztlich abstoß. Immerhin heilte mich Bruno Gröning von meiner Nikotinsucht. Das habe ich schriftlich. Es ging mir damals körperlich so schlecht, dass ich dachte, genauso gut könnte ich nun mit dem Rauchen aufhören. Schuld war wohl ein Nierenstein, der dann doch auf natürlichem Wege abging. Aber über meine gesundheitlichen Sachen in Bangkok werde ich auch später berichten.
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Khun Han

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Re: Vollendung in Bangkok
« Antwort #36 am: 05. Juni 2022, 16:16:56 »

Die beiden alten Pässe meiner Frau sind voll mit Visas der Nachbarländer und mit Ein- und Ausreisestempeln. Der dritte landete nach ihrer Einbürgerung im Papierkorb unter dem Tisch des Thailändischen Botschafters. Wir reisten gerne herum, anfangs, als ich weder Auto noch Führerschein besaß, mit dem Zug oder mit anderen Thaipaaren, aber ich will uns hier die Jahreszahlen ersparen, zumal wir gar nicht mehr wissen, wie die Visas aus Stuttgart oder München in die Pässe kamen. Geblieben sind einzelne Momente, schöne oder bemerkenswerte Erinnerungen.

Die erste Reise in Deutschland führte uns im Zusammenhang mit Besuchen von Verwandten und der Familie meines Bruders bei Hannover bis nach Flensburg, wo wir uns mit einem Deutsch-Thailändischen Ehepaar trafen, das wir schon im Flug über Moskau kennen gelernt hatten. In Hamburg Altona blieben wir über Nacht, aßen dort zum ersten Mal Schnecken und hatten das Glück, durch einen schnellen Rückzug dem Fußtritt einer daherstürmenden Prostituierten zu entgehen, als wir uns dummerweise in diesen Quartieren umschauen wollten.

An einem Ort in Österreich, der mir nicht mehr einfällt, wollte ich eine Vipassana-Meditationswoche absolvieren, aber der Tagesablauf war zu streng und meine Gattin hatte nichts zu tun, sodass wir uns entschlossen, weiter nach Wien zu fahren. Wir konnten bei Verwandten in Groß-Enzersdorf bleiben, sahen uns Schönbrunn an und fanden in der Innenstadt ein Thairestaurant. Das alles ohne Internet, GPS und Handy. Deswegen konnten wir auch Mailand nicht finden, als wir mit einem anderen Paar eine Italienreise machten. Wir fuhren zurück nach Verona und übernachteten in Südtirol. In und um Terlan gefiel es uns sehr.

Mit diesem Paar und einem weiteren unternahmen wir eine Busreise nach Paris. Die Damen freuten sich schon auf eine Suppe, als sie die Schüsseln bei der Selbstbedienung in der Raststätte sahen. Aber die Franzosen trinken ja ihren Kaffee daraus. Wir stiegen auf den Eiffelturm und wollten in der Nähe des Moulin Rouge mal Austern essen. Als Drahtgestelle in der Mitte der Tische platziert wurden, meinten die Frauen, dass auf diesen gleich gegrillt werde. Doch die Austern wurden da auf Eis serviert und ich durfte fast alle alleine verspeisen.

Freundschaften, die in diesen ersten Jahren entstanden, als noch nicht in jedem Dorf eine Thai lebte, bestehen bis heute. Wir waren drei Tage in München, wo wir kauften, was man eben so braucht, Strohhüte und Sommermäntel und im Restaurant Shanghai am Stachus ein Teeservice, als jemand meine Gattin von hinten an die Schulter greifend fragte, ob sie auch eine Thai sei. Das Paar wohnte in Harthaus und später in Germering bei München und wir besuchten uns in all den Jahren oft und gerne gegenseitig. Wir wurden Taufpaten der Tochter, fuhren gemeinsam in den Thailandurlaub und besonders oft in die Schweiz, wo noch heute eine Schwester wohnt. Die Reisen nach Österreich und in die Schweiz wurden übrigens viel einfacher, nachdem von der Gemeinde meiner Frau eine Grenzgängerkarte ausgestellt worden war.







So waren wir gemeinsam oft in Wetzikon und in Zürich und wir erinnern uns gern an diese Fahrten und Begegnungen. Wenn das Paar in der ersten Zeit bei uns war, vergnügten wir uns bei Disko-Musik im dörflichen Tanzlokal, wo damals noch Livebands auftraten, so eine Frauenband aus den Philippinen, oder wir sahen uns in verschwiegenen Bars Filme für Erwachsene an. Videotheken gab es ja damals noch nicht. Der Ehemann und auch der Lebensgefährte sind inzwischen verstorben, aber wir hoffen die Freundin mit der Tochter sowie Ehemann und drei Kindern im August wieder einmal hier begrüßen zu können.
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Khun Han

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Re: Vollendung in Bangkok
« Antwort #37 am: 12. Juni 2022, 22:10:55 »

Zwei Wochen nach der Einreise bekam Deng vom Einwohnermeldeamt die Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr in den Pass gestempelt, danach für ein weiteres Jahr. Wir mussten in Bonn ja dann einen neuen Pass ausstellen lassen, der 5 Jahre gültig war und dann für weitere 5 Jahre verlängert wurde. Der Leiter des Einwohnermeldeamtes wollte wieder nur ein Jahr gewähren und auf meinen Protest hin meinte er zum Spaß, sie könne mir ja auch noch davonlaufen. Das fand ich nicht witzig und drohte mit einer Beschwerde. Sie erhielt daraufhin 3 Jahre und danach 5 Jahre, bevor sie dann eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis bekam. Der Leiter und ich grüßten uns fortan respektvoll, ja freundschaftlich. Eine 1984 ausgestellte Grenzgängerkarte, in die auch später die beiden Söhne eingetragen wurden, machte den Grenzübertritt nach Österreich und in die Schweiz leichter. Zwar nur für grenznahe Gebiete gedacht fuhren wir damit bis nach Zürich.

1992, nach 17 Jahren in Deutschland, beantragten wir auf dem Rathaus die Einbürgerung und sie erhielt ohne Deutschtest und ohne weitere Nachweise auf dem Landratsamt der Kreisstadt den deutschen Pass ausgehändigt. Zu zahlen waren 100 DM. Bedingung war, dass sie die Entlassung aus der thailändischen Staatsbürgerschaft betreibt. Ihren thailändischen Pass ließen wir gleich auf dem Amt, aber er wurde uns von der thailändischen Botschaft wieder zugeschickt, ohne weitere Erklärung und ohne ihn ungültig gemacht zu haben.

Nach einem Jahr forderte das Landratsamt von uns als Nachweis die Veröffentlichung der Entlassung in der thailändischen Regierungszeitung. Anderenfalls werde erwogen, die Einbürgerung rückgängig zu machen. Wir fuhren zur Botschaft, aber da konnte oder wollte uns niemand weiterhelfen. Wir sprachen dann mit dem Botschafter selbst. Der legte den Pass zu anderen unter seinem Schreibtisch und erklärte die Sache für erledigt. Zwei Jahre später verlangte das Landratsamt wieder den Nachweis mit der Androhung der Rücknahme der Einbürgerung. Es dauerte 5 Monate, bis wir einen Termin auf der Botschaft erhielten. Diesmal ließen wir uns bestätigen, dass wir den Antrag auf Entlassung aus der thailändischen Staatsbürgerschaft beantragt haben. Das kostete uns 1 DM. Die Veröffentlichung in der Goverment Gazette könne aber Jahre dauern und wir würden auch nicht informiert werden. Das Landratsamt forderte nach einem halben Jahr wieder den Nachweis und erst nach einem empörten Brief von mir war Ruhe. Vielleicht wurde da auch wie in anderen Bundesländern entschieden, die doppelte Staatsbürgerschaft bei Thais hinzunehmen.



Bei unserer Auswanderung ließen wir uns auf dem Amphoe eine Wohnsitzbescheinigung ausstellen. Als Eigentümer des Hauses war der Sohn eingetragen. Dabei wurde im Computer festgestellt, dass sie noch thailändische Staatsbürgerin ist, und nach Vorlage ihrer 30 Jahre alten ID-Karte wurde ohne ihr Verlangen eine neue ausgestellt. Seitdem ist sie auch wieder Thailänderin mit allen Rechten (Krankenversicherung und Rente) und Pflichten. Einen thailändischen Pass will sie nicht, sie fühlt sich als Deutsche. Sie muss also die 90 Tage-Meldung machen, die Jahresverlängerung bekommt sie ohne Umstände. Kostet halt das Übliche. Ihre neue ID-Karte ist auf Lebenszeit ausgestellt, ebenso wie meine rosa ID-Karte.


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