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Geschichten aus der Geschichte

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jock:
Es ist jetzt auch schon wieder eine Zeit her,als die Tochter meiner
Frau,ihr Diplom fuer den erfolgreichen Abschluss,vom Kronprinzen
ueberreicht bekam.

Aber was war das fuer ein Aufwand !

Obwohl nur der engste Kreis der Familie geladen war,also an die
30 Personen,ergingen strenge Verhaltensregeln.
Alle mussten zum Friseur und sich anstaendig kleiden.Die Auswahl
des richtigen Kleides zur passenden Handtasche und Schuhen,war
zeitraubend und wurde mit aeusserster Sorgfalt vorgenommen.

Endlich kamen wir,ueberpuenktlich,am Festgelaende an.
Dort warteten schon findige Geschaeftsleute,die Matten,Blumen und
Luftballons anboten.Auch fuer Speis und Trank war reichliches Angebot
vorhanden.
Nur die fliegenden Fotografen verhielten sich auffallend ruhig.

Nach einer guten Stunde des Wartens,kam eine Wagenkolonne.
Vorab Polizei auf schweren Motorraedern,dann an die zwanzig Autos
(alle in rot) und anschliessend der wunderschoene,alte Rolls mit dem
Kronprinzen in seiner weissen Galauniform samt Saebel.Den Abschluss der
Kolonne, bildeten weitere Autos und Polizei .

Die Garde salutierte und das Dekanat begruesste den hohen Gast.

Was in den naechsten Stunden innerhalb des Gebaeudes vorsich ging,
wurde in den Festzelten an den Monitoren sichtbar.

Es dauerte Stunden,bis die frischgebackenen "Akademiker" zu ihren
Familien zurueckkamen.
Diese hatten sich zwischenzeitlich mit Blumen und Ballons versorgt und
stellten sich gerne den Fotografen,die eifrig Bild um Bild schossen.

Es kam eine Menge davon zustande,denn jeder wollte einzeln mit dem
Stolz der Familie abgelichtet werden,dann in der kleinen Gruppe,dann
in der grossen Gruppe u.s.w.
Schon kurze Zeit spaeter,wurden die Fotos gegen eine horrende Summe
an Geld,der gluecklichen Familie ueberreicht,die sich die gute Laune aber
nicht verderben liess,da ja ein Festessen in einem gehoberen Restaurant
bevorstand.

Besonders gluecklich waren jene Familien,die in ihrem Kreise einen Farang
hatten,der das alles,zwar zaehneknirschen,aber doch bezahlte.
Er bezahlte aber auch das vorgeschriebene Training der Absolventen,damit
der Ablauf der Zeremonie reibungslos vonstatten geht,den Friseur,die neuen
Schuhe und den Talar,sowie das Foto,dass den Moment festhaelt,wo das
Diplom ueberreicht wurde.

Dieses Foto wird zu Hause so geschickt platziert aufgehaengt,dass der Blick
eines Besuchers unweigerlich darauf faellt.

Abends,im Fernsehen,sieht man ja nur Ausschnitte von dem Ereignis,aber
es faellt auf,dass der Kronprinz bei der Ueberreichung,nie laechelt.
Verstaendlich,sind doch an solchen Tagen 2.500 vormittags und 2.500
Diplome, nachmittags zu ueberreichen.

Das ist eine Leistung,die Respekt verdient.

Niemals wurde der Kronprinz dabei beochachtet,dass er waehrend der
Ueberreichungen,kurz innehaelt und sich die linke Schulter kratzt,weil sie
juckt.

Das nenne ich Selbstbeherrschung und die verdient meine Hochachtung !


Jock


somtamplara:
Wie ich diese Ueberreichungszeremonien finde, traue ich mich nicht hier offen hinzuschreiben aus bekannten Gruenden (habe momentan meine uebliche IP Adresse und haenge an einer DSL Leitung). Auch das mit dem Laecheln sollte man bekanntlich besser nicht kommentieren und schon gar kein Buch darueber schreiben.

Wo ich dir aber recht geben muss: die physische Leistung und Selbstbeherrschung sind beachtlich.

jock:
Es war ein wunderschoener Herbstnachmittag,als der Generalvikar
Godfried Marschall,die paepstliche Nuntiatur zu Wien verliess.

Er war bester Laune denn nicht nur das Essen war vorzueglich gewesen,
sondern auch die gereichten Weine hatten ausgezeichnete Qualitaet.
Und erst das Gespraech,dass er mit dem Nuntius gefuehrt hatte !

Dieser eroeffnete ihm,dass er zur Berufung zum Kardinal vorgesehen
sei. Endlich war er am Ziel !

Nicht ganz,den er stolperte die letzten Meter- ueber eine Frau.

Die Dame hiess,damals,als er ein verhaengnisvolles Gespraech mit ihr
fuehrte,Graefin Sophie von Chotek und sie war die Auserwaehlte des
Thronfolgers.
Bei dem Gespraeh versuchter,im Auftrag des Kaisers,die Ehe mit dem
Thronfolgers zu verhindern und schilderte ihr in den waermsten Farben,
die Vorzuege eines kloesterlichen Lebens.
Das Bemuehen war umsonst.Graefin Sophie liess sich nicht umstimmen
und so wurde eine morganastische Ehe geschlossen,die zu ungeheuren
protokollarischen Herausforderungen fuehrte.

Der Thronfolger,Franz-Ferdinand,war ein herrischer Mann,den die halbe
Monarchie hasste und er auf die zweite Haelfte zurueckhasste.
Und er hatte ein Elefantengedaechtnis.

Er erinnerte sich an das vergebliche Bemuehen des Godfried Marschalls,
seine Ehe zu verhindern und verhinderte nun seinerseits,die Ernennung
zum Kardinal.

Rache ist suess,sagt man oder man kann auch die Lehre daraus ziehen,sich
niemals in die Beziehungsangelegenheiten anderer Leute einzumischen.

Jock

jock:
Die Keuschheitskommission

Es ist in Oesterreich ueblich,zur Loesung von Problemen eine Kommission
einzurichten.
So wurden ueber die Jahrhunderte,Aberdutzende Kommissionen gegruendet
und spaeter wieder vergessen,dass sie taetig waren.

Bis auf die Keuschheitskommission! Sie geistert dann und wann immer wieder
durch die Medien,und das seit 1752 als sie von Maria Theresia,wiedererweckt
wurde.

Die Gruende dafur waren, 1.) fuer sittliche Ordnung zu sorgen und 2.) die grass-
ierende Syphilis  einzudaemmen.
Im theresianischen Wien um 1.700 wurden 175.000 Einwohner gezaehlt,davon waren
rd.10.000 Dirnen.
Zum Vergleich,heute hat Wien rd.1.700.000 Einwohner und 3.300 registrierte "Hueb-
schlerinnen"`plus eine Dunkelziffer von nochmals sovielen " Bordsteinschwalben".

Die Kommission hatte ihre eigene Gerichtsbarkeit und konnte, im Wiederholungsfall,
drastische Strafen aussprechen.
Die Strafen waren Scheren des Kopfes,Ohr abschneiden,oeffentliches Auspeitschen vor
einer Kirche,bishin zur Teilnahme an den "Temesvarer - Schueben".
Entdeckten die Kommissare ein Paearchen in den Bueschen im Prater,konnte sie auch
eine Zwangsheirat verfuegen.

Der erste Vorsitzende der Kommission,war ein Jesuit namens Ignaz Parhamer,der es
sich nicht nehmen liess,selbst die Peitsche zu schwingen.Lag es an seinem missionarischen
Eifer,oder doch daran,dass die Deliquentinnen nackt waren,waehrend sie gepeitscht wurden ?

Kurze Zeit war der Kommission voller Erfolg beschieden und Wien war dirnenfrei,denn
keine einzige Verhaftung wurde registriert.
"Schuld" daran war ein Passus in den Durchfuehrungsbestimmungen,dass kein Maedchen
belangt werden durfte,das einen Rosenkranz mit sich trug.Und innerhalb von wenigen Tagen,
waren Rosenkraenze ausverkauft.

Nicht nur Casanova hatte seine liebe Not mit der Kommission,sondern auch der Sohn
Maria Theresias,der spaetere Kaiser Joseph II,der fluchtartig ein Bordell verlassen musste,
weil "zu ebner Erd" Kommissare an die Tuere pochten.

Er war es auch,der,als er Kaiser war,die Befugnisse  drastisch einschraenkte und Deportationen
nur mehr jenseits der Stadtmauern zuliess.

Leider gingen die Protokolle der Vernehmungen und Urteilssprueche 1929 in den Flamen auf,
sodass  Rueckschluesse heute nur mehr eingeschraenkt nachvollziehbar sind,ob die Prostitution
eingedaemmt werden konnte oder nicht.

Einer Polizeistatistik zufolge,waren im Jahre 1922 3.200 Anhaltungen wegen nach-
gewiesener "Hurerei" aufgelistet.

Darunter waren 377 Beamtinnen,8 Ehefrauen von Offizieren und je eine Tochter eines
Stadtrates und eines Arztes.


Jock

Bruno99:
 ;}  habe dies mit viel Spass gelesen... habe immer noch ein Laecheln im Gesicht  :D

besten Dank Jock und lieben Gruss

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