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Autor Thema: Geschichten aus der Geschichte  (Gelesen 81875 mal)

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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #465 am: 30. Januar 2021, 12:54:14 »

Die Gewalt an Maenner

Hoert man aus einer Wohnung eine hochemotionale Maennerstimme,die mit ueber-
schlagender Tonlage ruft : " Schiass doch,schiass endlich" muss man nicht gleich an
eine eskalierte eheliche Auseinandersetzung denken.

Es kann auch sein,dass gerade im Fernsehen eine Fussballuebertragung laeuft.

Frauen,wenn sie Gewalt ausueben,bevorzugen subtilere Methoden,als ein lautes Schiess-
eisen und verabreichen lieber Gift oder sie zwingen ihre Maenner zur Einkaufsbegleit-
ung.

Letzteres ist ein besonders perfides Mittel und macht deutlich,wie sehr das starke Ge-
schlecht versklavt ist.
Nicht der Kauf von Lebensmittel oder der Kauf einer Jeans fuer ihn,ist das Problem.

Ein Mann,der eine neue Jeans braucht,betritt das Geschaeft,schluepft hinein,sagt passt,
zahlt und geht.Dauert keine 10 Minuten.

Aber wehe,Madame gibt sich einen Einkaufsexzess fuer die neue Fruehjahrsmode hin
und besteht darauf,dass der Partner sie begleitet.
Da stehen qualvolle Stunden bevor und bald wuenscht er,mit Tantalus zu tauschen.

Es beginnt schon damit,dass samstags frueh,die zweite Tasse Kaffee gestrichen wird,
damit man beim Einkaufszentrum noch einen Parkplatz ergattert.Es folgen dann qual-
volle Stunden ohne Tageslicht in einem Menschengewurrl.

Es sammeln sich Einkaufstaschen mit Pullover,Handtaschen,Schuhe,T-Shirts und Kleid-
chen,das sehr gut zu den Stiefeletten passt.
Immer wieder wird der Mann ermutigt,doch seine Meinung zum Geburtstagsgeschenk
fuer Tante Hilde zu aeussern,obwohl er sich das Gehirn zermartert,wer denn Tante Hilde
ist und ob er sie ueberhaupt jemals gesehen hat.

Eine kurze Rast in einem der Gastrobetriebe wird strikte verboten,obwohl die Kehle
nach einem kalten Glas Bier giert und das Mittelfussgewoelbe nach Erleichterung schreit.

Maenner,die noch Glueck im Unglueck haben,sitzen bepackt mit Einkaufstaschen auf
einer Treppe und verfallen in ein kurzes Nickerchen.
Doch die Ruhe waehrt nicht lange.Bald ist er aufgestoebert und wird,einem Schlacht-
vieh gleich,ins naechste Geschaeft getrieben.

Ganz anders beim @Jock.

Hoert er den Ruf,sie beim Einkaufsbummel zu begleiten,huepft sein Herz vor Vorfreude,
denn er will eine elegant gekleidete Partnerin,wo fuer er weder Kosten noch Muehe
scheut.

Geduldig wartet er in der Dessousabteilung vor der Umkleidekabine,bis er den Ruf:
"Kannst du mal schauen"vernimmt.
Da ist immer die Chance,einen Blizzer zu erhaschen gegeben.Stets redet er ihr zu,doch
die etwas teuere Handtasche zu nehmen und promotet den edlen Seidenschal von
Versace in hoechsten Toenen.

Nur beim schicken Kostuemchen von Chanel,das den Wert eines 3 fachen Monatsein-
kommens entspricht,ist Diplomatie gefordert,um dem finanziellen Ruin zu entgehen.

Zwar umtaenzelt er das gute Stueck und zupft da und dort an einem Faeltchen,und
drueckt seine Bewunderung mit:" Wunderschoen,passt perfekt" aus.

Doch die Bemerkung,dass dieses Modell nur aeltere Damen tragen,bewirkt,dass dieses
Kleidungsstueck flugs wieder am Kleiderbuegel haengt.

Beim Bezahlen haelt sich @Jock immer vor Augen,dass das letzte Hemd keine Taschen
hat und vermeidet damit,dass ein Schatten auf seine gute Laune faellt.

Abends,wenn sie schnurrend wie eine Katze fraegt,was er gerne zum Abendessen will,
weiss er,er hat alles richtig gemacht.

Jock




















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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #466 am: 03. Februar 2021, 14:38:05 »

Airbus A380

Als der erste Flieger A 380 startete und sicher wieder landete,ueberschlug sich die
Presse in Superlative.

Bis zu 850 Passagiere (nicht Sardinen) koennen transportiert werden,dabei bei einem
Ersparnis von 15 % an Kerosin und Piloten waren aus dem Haeuschen,weil der Koloss
quasi mit dem kleinen Finger zu steuern ist.

Durch die Hype kam in Vergessenheit,dass es schon laengst ein Fluggeraet gab,das
eine hoehere Transportkapazitaet hatte,voellig emissionsfrei war,jedermann zur Ver-
fuegung stand,platzsparend im Wohnzimmer untergebracht werden konnte und nie
einen Servicebedarf hatte.

Wir sprechen vom fliegenden Teppich.

Die Berichte aus uralten orientalischen Sagen,ueberliefern uns,dass Koenig Salomon
auf einen Teppich nicht nur seine ganze Armee unterbrachte,sondern er auch bequem
Platz fand,als er aufbrach um die messingende Stadt zu besuchen.

Das sind doch phantastische Entwicklungsmoeglichkeiten fuer die deutsche Automobil-
industrie,auf der Weise die elektrische Mobilitaet zu ueberspringen und sich auf die
zukuenftigen Standards des Transportes zu konzentrieren.

Fachkundiges Personal,das Know how und tausendjaehrige Erfahrung mitbringen,sind
schon lange im Lande.

Doch sie werden scheel angesehen und es wird versucht,sie so schnell als moeglich
nach dem Maghreb und Orient auszuweisen.

Ob man damit nicht einen Fehler macht ?

Der fliegende Teppich scheint aus dem Gedaechtnis gekommen zu sein.Angeblich
soll es im Orient und im Maghreb noch einzelne Expemplare geben,die in einer Ecke
verstauben und darauf warten,wiederentdeckt zu werden.

Auf der Suche nach so einem Prachtstueck,begleiten wir ein deutsches Ehepaar.

Auf nach Marrakesch ! (demnaechst)

Jock




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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #467 am: 04. Februar 2021, 15:09:47 »

Auf dem Weg zum "fliegenden" Teppich

Wohin soll man sich auf den Weg machen ?Zu den Arabischen Emiraten oder in die
Berge Persiens,vielleicht doch besser zu den Taelern von Kurdistan ? Der Maghreb
waere auch eine Alternative.

Die relative Naehe von Europa zu dem Maghreb,erleichtert  die Entscheidung bald.

Und man hoerte ja,dass in Marocco,besser,in der Roten Stadt Marrakesch,besonders
wertvolle Teppiche billig zu kaufen sind.

Der Ueberflug ueber das Atlasgebirge ist schon eine Wucht.Die schneebedeckten Gipfel
gruessen und heben sich vom wolkenlosen Himmel ab,bevor man im ockerfarbene Ge-
laende die Haeuser von Ortschaften sieht,wo man nicht begraben sein will.

Weiter weg liegt die nackte Sahara,wo Wind und Sand staendig an der Neugestaltung
der Landschaft arbeiten.

Der Flughafen von Marrakesch ueberrascht.

Lichtdurchflutende Terminals,so sauber,dass man vom Boden essen koennte und die Landesfarbe zeigt sich an Waenden,Decken und Ornamenten.Gepflegte Kakteenbeete
und Palmen,statt Geranien und Birken.

Jetzt weiss man,man ist in einem anderen Kulturkreis angekommen.

Aeltere Reisende vergleichen den Flughafen von Marrakesch mit dem Flughafen von
Kairo und sind angenehm ueberrascht.

In Marrakesch keine obdachlosen Familien,die im Gras lagern,keine aufdringlichen Taxi-
fahrer,keine laestige Verkaeufer,Fremdenfuehrer und dergleichen.

Schnell erreicht man die Stadt selber und taucht in ihr ein.

Das Einchecken im Hotel geht reibungslos,die Zimmer sind sehr ordentlich und trotz-
dem will man keine Zeit verlieren,den "fliegenden" Teppich zu suchen.

9 von 10 Touristen treibt es zum Djemaa el Fna,dem beruehmtesten Platz der Stadt.

Dort entfaltet sich die ganze Pracht maghrebinischer Lebensart und zieht Einheimische
wie Fremde an,wie Motten das Licht.

Im Menschengewuehl sind Maerchenerzaehler,Gauckler,Schlangenbeschwoerer,Wahr-
sager,Wasserverkaeufer und eine Art tanzender Derwische die Anziehungspunkte und Fotomotive der Besucher.

Berbermaenner mit wetterzerfurchtenden Gesichtern stecken in dicken Umhaengen,als
braeche demnaechst der Schneesturm los,verhuellte Frauen huschen nach dem Einkauf
hinter die schuetzenden Tueren ihrer Haeuser.Nur die Kinder auf der Strasse geben
sich heiter und dabei sind sie bereits in der Ausbildung zur Bewaeltigung ihres Lebens.

Sie alle,Maenner,Frauen und Kinder,sind Kinder ihres Landes und ihrer Kultur und Trad-
ition.

Die Maerchenerzaehler erzaehlen von Aladin und Scheherazade,wie es auch ihre Vaeter
schon getan haben,die Schlangenbeschwoerer erlernten den Fang einer Kobra vom
Grossvater und Vater und verwenden dafuer nicht mehr,als ein scharfes Auge,einen
Spiegel und einen schnellen Griff.

Von der Tageshitze und vom Zuschauen bekommt man Durst.Doch nur wenige Touristen
werden sich an den Wasserverkaeufer wenden.Zu offensichtlich ist Diskrepanz von
europaeischen und maghrebischen Hygienevorstellungen.

Das Wasser des Wasserverkaeufers ist in einem Ziegenlederbehaeltnis aufbewahrt und
ist lauwarm.Die Schuesselchen,wo das Wasser gereicht wird,traegt der Wasserver -
kaeufer an einem Riemen vor dem Bauch und kann sich nicht daran erinnern,wann
die Schuesselchen nach Verabreichung gereinigt wurde oder ob es ueberhaupt jemals
geschehen ist.

Rund um den Djemaa el Fna-Platz gibt es Dutzende kleine Restaurants und es ist auch
einem Anfaenger moeglich,dort eine eiskalte Cola zu erstehen.

Hat er jedoch einen kleinen Hunger und meint,ein kleiner Happen waere angebracht,
ist Vorsicht die Mutter der Geldboerse.

Die Speisekarte,wo die angebotenen Gerichte fotografiert sind und wo auch der Preis
deutlich angeschrieben ist,verlockt zur Bestellung.
Man zeigt auf der Speisekarte auf das gewuenschte Gericht und verzehrt dieses ohne
jede boese Ahnung.
Starr vor Schreck ist man dann,wenn die Rechnung kommt und feststellen muss,dass
der doppelte oder dreifache Betrag aufscheint.

Reklamation ist sinnlos,denn der zweite Blick auf die Speisekarte zeigt,dass tatsaech-
lich die Preisangabe mit der Rechnung uebereinstimmt.

Uebersehen hat der Anfaenger,dass in einem guenstigen Moment die Speisekarte aus-
getauscht wurde und jetzt hat er den Scherm auf.

Wird es abends,leuchten tausende Lampen den Platz aus und hunderte Garkuechen
wetteifern um Gaeste.
Der Schafskopf,gesottet oder gegrillt,ist der Renner.Aehnlich wie die hintere Schweins-
stelze im bayrischen Biergarten oder im Schweizer Haus.

Muede kommt man dann ins Hotel und geht bald zu Bette.

Morgen,ganz sicher wird man den fliegenden Teppich aufspueren und erwerben.

Jock








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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #468 am: 05. Februar 2021, 15:43:46 »

Der Erwerb des fliegenden Teppichs          (Am Beispiel eines fiktiven Ehepaares)

Wenn sich die Sonne aus dem Morgendunst erhebt,sind die Traeume besonders in-
tensiv.Gerne wuerde man da noch ein Stuendchen weiter schlummern.

Unser Ehepaar jedoch,wurde just zu dieser Zeit,brutal aus dem Schlaf gerissen.
Ein Hoellenlaerm war zu vernehmen und im ersten Moment dachten sie,das Hotel
steht im Flammen.

Es war jedoch nur der Muezzin,der seiner Pflicht nachkam und die Glaeubigen zum
Morgengebet rief.
Weit hin schallt der klagende und mahnende Ruf,der besonders weit dringt,wenn er
mit beiden Haenden die Ohren zuhaelt.
Da jedoch auch bei den Muezzinschulen Mangel an Schuelern festzustellen ist,und
Blinde ueberhaupt Mangelware sind,sind die Moscheen mit akustischen Geraeten aus-
gestattet,die,die auf hoechster Lautstaerke gestellten Lautsprechern,Allahu Akbar ver-
kuenden und damit auch sicherstellen,dass sehende Muezzins nicht in die Hoefe der
Haeuser blinzeln,wo Frauen ihrer Arbeit nachgehen.

Noch beim,frueher als geplanten,Fruehstueck des Paares,konzipierte der Herr aus
Duesseldorf einen scharfen Beschwerdebrief an sein Reisebuero,wo er die Stoerung
der Nachtruhe beklagen wird und einen saftigen Preisnachlass einfordern wird.

Ja,manche Herrschaften aus Deutschland haben in ihrer Doppelhelix ihres DNA-Stranges
dort unten einen Zacken,wo das Halbgoettliche ihren Sitz hat.
Das befaehigt sie,eine schnelle Auffassungsgabe zu haben,schneller als andere,sich
einen Durchblick zu verschaffen und der,der sie ueber den Tisch ziehen will,erst ge-
boren werden muss.

Daher weiss unser Paar,dass man nicht an der Rezeption nach einem Teppichgeschaeft
fraegt,denn die sind hundertprozentig mit dem Inhabung verbandelt und teilen sich den
Erloes.

Besser man fraegt auf der Strasse einen unverdaechtigen Einheimischen.Nur so bekom-
mt man eine ehrliche Antwort.

Unweit des Hotels,fand man bald die geeignete Person.

Ein alter,weissbaertiger Mann,sass da in einem Kaffeehaus und genoss eine Wasser -
pfeife,waehrend unablaessig an der Gebetskette (Misbaha)fummelte.

Das Paar trat zu ihn hin und wollte erfragen,ob er vielleicht einen Teppichladen kenne,
der einen "fliegenden"Teppich zu verkaufen hat.

Der alte Mann hatte beste Marnieren.Sofort frug er die Dame,ob sie wohl die Helene
Fischer sei,die weltberuehmte Saengerin und von wo sie herkomme ?

Die Dame,eine Endfuenfzigerin mit XL - Rubensfigur empfand ab diesen Moment ganz
grosse Sympathie fuer den Herren und stufte ihn,als absolut vertrauenswuerdig ein.
Ja,"Dusseldorf" kenne er.Die wunderschoenen alten Haeuser,der gruene Inn und die
Bergkette,wo man so gut Skifahren kann.

Bei der Frage nach dem Teppichgeschaeft,dachte er lange nach und sog ein paar Mal
an seiner Wasserpfeife.
Ja,er kenne ein Teppichgeschaeft,wo man wertvolle und guenstige Teppiche erwerben
kann und wo nur an einheimische Kunden verkauft wird.Er ist aber kein Kunde davon,
koenne aber die Adresse nennen.

Mit Adressen ist es in Marrakesch keine leichte Sache,sie auch zu finden.Besser man
laesst sich von einem Fuehrer hinleiten.

Ein junger Mann,im weissen Kaftan sah so aus,als haette er Zeit.

Gegen ein Bakisch in der Groessenordnung eines halben Wochenlohnes fand er Zeit
und fuehrte das Paar zu der angegebenen Adresse.

Der Laden sah aus,als waere die Eroeffnung mit dem Datum der Geburt Abrahams
zusammengefallen.Doch im Inneren lagerten unerwartete Schaetze.

Die Waende mit Kelims behaengt,der Boden mit Farahans bedeckt und in der Mitte
ein meterhoher Stapel mit wunderschoenen Kehschan,Tabriz,Maschad u.s.w.

Der ueberaus freundliche Geschaeftsinhaber servierte erst Tee,dann eiskalte Cola und
reichte kleine Imbisse,waehrend er nach Begehr frug.

Der Kunde vermied das Wort " fliegender Teppich" sondern umschrieb seinen Wunsch
mit antiken Knuepfprodukten aus der Zeit von 1000 und 1 Nacht.

Anschliessend blaetterte man den Teppichstapel von oben nach unten durch.Bei jeden
Stueck eine blumenreiche Erklaerung ueber die Bedeutung der Motive,Farbe,Herkunft,
Knotendichte und Alter.

Nochmals blaetterte man von unten nach oben und von oben nach unten durch.

Dabei fiel dem Paar auf,dass ein bestimmter Teppich im Stapel,wortlos ueberblaettert
wird und man versuchte,das Stueck rasch mit einen anderen Teppich zu ueberdecken.

Was ist mit dem da ?frug der Germane und legte seine schwere Hand auf den Teppich.

Der Teppichhaendler ueberhoerte die Frage und wollte zum naechsten Stueck ueber -
gehen.Doch da ist er bei einem Deutschen an den Falschen geraten ?

Was mit dem da ist ?insistierte der Mann und seine Stimme nahm den scharfen Ton
eines Feldwebels an.

Der Teppichhaendler wand sich wie ein Aal und versuchte sich um eine Antwort zu
druecken.Ein anderer Kunde haette bereits sein Interesse an dem Stueck bekundet,
gestand er ein doch das foch dem Kunden nicht an.

Ich will ihn haben,diesen und keinen anderen,bekraeftige der Kunde nochmals und
war ueberzeugt,ein besonders kostbares und rares Stueck vor sich zu haben.

Jetzt knickte der Teppichhaendler ein und trat in die Preisverhandlung,die sich ueber
Stunden hinzog,ein.
Bei einem hohen 5-stelligen Eurobetrag wurde man sich handelsein.

Der Teppich wurde zusammengerollt auf auf den Schultern zweier Laufburschen zum
Hotel gebracht.

Dort war man schon geuebt,mit dem Ausfuellen der Zollpapiere und versprach,den
Teppich morgens,mit der selben Maschine,die das Ehepaar fuer den Heimflug be-
nuetzen wird,zum Versand zu bringen.

Jock

Was dann geschah,ist demnaechst zu lesen.



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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #469 am: 06. Februar 2021, 13:37:43 »

Der Flug des "fliegenden"Teppichs

Waehrend die Sonne ueber Marrakesch sich in eine rote Scheibe verwandelte und
sich anschickte der Nacht die Herrschaft zu ueberlassen,ruestete man sich im Haus
des Teppichhaendlers fuer ein grosses Fest.

Seit Stunden werden Hammeln am Spiess gedreht,das Atrium des Hauses mit
bunten Lampions geschmueckt,auf einem niedrigen Podest,stimmte eine marok-
kanische Band ihre Instrumente und in einem Nebenzimmer,wartete eine Bauch-
taenzerin auf ihren Auftritt.

In der Kueche waren und wurden Kostelichkeiten der marokkanischen und berber-
ischen Kueche zubereitet,deren Duefte die Wasser im Munde zusammenlaufen lies-
sen.

Die Familie des Teppichhaendler,hat sich festlich gekleidet und das Oberhaupt ge-
gruesste die erweiterten Familienangehoerigen.Alle Cousins und Cousinen,Onkeln
und Tanten waren gekommen,um das "Wunder" zu feiern.

Neben der Familie waren auch eingeladen,die Gehilfen im Geschaeft,der Fremden-
fuehrer und auch der alte,weissbaertige,wuerdige Mann.

Dieser wurde mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt,das Salem alkeikum alleine
genuegte nicht,sondern er wurde ausserdem mit feuchten Wangenkuss willkommen
geheissen.

Bevor die Gesellschaft zugriff,die orientalischen Weisen erklangen,gedachte man
Allah dem Allmaechtigen.

Diesem grossen Gott ist zu verdanken,dass er ihnen einen Kunden gesandt hat,der
nicht nur geldmaessig grosszuegig war,sondern auch half,den Ladenhueter an Tep-
pich anzubringen.

Nachdem der Teppichhaendler beim Barte des Propheten schwur,bei der naechsten
Hadsch dabei zu sein,ging es hoch her,bis die spaete Nacht die Gesellschaft zer-
streute.

Auch in Duesseldorf,in der Villa des Ehepaares,wurde zu einer kleinen Party geladen.

Die Gaeste,Freunde,Bekannte,Geschaeftspartner und Nachbarn,bestaunten den aus-
gelegten Teppich und wagten kaum,ihn zu beruehren oder gar zu betreten.

Mit dem Champgnerglas in der Hand erzaehlte unser Mann stolz,dass er den ver-
langten Preis um die Haelfte herunter handeln konnte und er sich sicher ist,dass
das kostbare Stueck,einer der fliegenden Teppiche sei.

Da hat er nicht unrecht,denn der Teppich ist wirklich geflogen.

Von Marrakesch nach Duesseldorf,im Frachtraum des A 380.

Jock







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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #470 am: 18. Februar 2021, 13:32:29 »

Der reichste Mann der Welt

Bill Gates,Jeff Bezos oder Elon Musk ?

Nein,im Vergleich zum reichsten Mann der Welt,der jemals gelebt hat,sind die ge-
nannten Herren,eher arme Schlucker.

Auch die Herren Kroesus und Midas haetten dem reichsten Mann der Welt nicht das
Wasser reichen koennen.

Zu Lebzeiten des reichsten Mannes,war auch der maechstigste Herrscher aller Zeiten
am Zenit seiner Macht und in seinem Reich ging die Sonne nicht unter.
Der Wahlspruch A.E.I.O.U. (Aller Erdenkreis ist Oesterreich untertan)ist zwar nicht
vom ihm,wird aber gerne noch als Glorifizierung einer laengst untergegangenen Patri-
otisierung missbraucht.

Ja,Karl V. konnte mit Fug und Recht behaupten,dass in seinem Reich die Sonne nicht
untergeht,denn er beherrschte grosse Teile Europas,Suedamerikas und Teile von SOA.

Daher ist es erstaunlich,dass ihn ein Brief aus Augsburg die Sorgenfalten an die Stirn
trieb und er alle Haende voll zu tun hatte,einen Konkurs zu vermeiden.

Der Brief,der ihn erreichte,war zwar hoeflich im Ton,doch vom Inhalt unerbittlich.

Mit dem Brief wurde er aufgefordert,(endlich) seine Schulden zu bezahlen und endete
mit dem nachdruecklichen Hinweis,dass eine weiter Stundung nicht moeglich ist.

Der Brief trug die Unterschrift eines Jakob Fuggers aus Augsburg.

Von den Schulden,die gerade 500.000 Dukaten ausmachten,schaffte es Karl V.,indem
er alle seine Guthaben zusammenkratzte,415.000 Dukaten zu bezahlen,wobei er sich
nicht schaemte,auch Staedte (wie Loewen) als Garanten bzw.Zahler zu verpflichten.

Jakob Fugger war der reichste Mann der bisher jemals lebte.Sein Vermoegen laesst
sich auf Grund seiner Geschaeftsunterlagen hochrechnen und dabei kommt man auf
stolze 400 Milliarden Euro.

Die Familie Fugger war schon vor Jakob sehr wohlhabend und betaetigte sich im
Textilhandel.Erst unter Jakob hob sie ab und besass eine Reihe von "Fuggereien",war
einer der groessten Bankiers und war vor allen im Bergbau investiert.

Silber und Kupfer waren damals um 1500 die Cashcows und Fugger besass 8/9 der
Minen von Schwaz/Tirol.Diese Anteile knoepfte er dem Karl V.ab,weil der fast immer
in der Kreide des Jakob stand.

In Schwaz schuffteten 10.000 Bergleute und mit 13.000 Bewohnern war Schwaz die
2.groesste Stadt auf dem Gebiet von Oesterreich.Die Ertraege aus dem Silberabbau
gingen erst dann zurueck,als man begann die Silberminen in Suedamerika auszu-
beuten.

Noch heute gibt es Familienlinien der Fuggers.Das ganz grosse Vermoegen zersplit-
terte durch Erbteilungen,doch am Hungertuch nagen sie auch heute nicht.

Man sollte daher meinen,die Fuggers haben keine Sorgen,leben in geraeumigen
Behausungen,striegeln ihre Reitpferde und beachten die Sonderangebote von Ali und
Lidl nicht ernstlich.

Weit gefehlt - sie haben Sorgen und Befuerchtungen !

Es sind nicht die Aktienkurse,nicht die Negativzinsen oder Opfer der Pandemie zu
werden.

Es ist der Wind und der Borkenkaefer,die sie fuerchen,wie der Teufel das Weihwasser.

Jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #471 am: 25. Februar 2021, 11:16:37 »

Das Maerzkalb

In wenigen Tagen beginnt der 1.Maerz und vor diesem Datum hatte man sich ge-
fuerchtet.

Meist war es in einem Bauernhof im oberen Waldviertel,wo genau um 00.01 h der
Bauer durch Unruhe im Stall aus dem Schlaf gerissen wurde und er nach der Ur-
sache des  Scharrens und Muhens Nachschau hielt.

Zu spaet,um die Katastrophe abzuwenden.Die Stalltuere stand offen und das Kaelb-
chen war ausgebuext.
Ein Stueck lang konnte man die Spuren im Schnee noch verfolgen,doch im Wald ver-
loren sie sich bald.

Der Bauer verstaendigte seinen Nachbarn,der wieder seinen Nachbarn und bald wus-
ste das ganze Waldviertel,dass das "Maerzkeible" unterwegs ist.

Es war/ist ein gefaehrliches Tier und jedermann war angeraten,nicht von ihm gebis-
sen zu werden.
Besonders Kinder und alte Leute waren gefaehrdet.

Es gab aber auch eine troestliche Meinung ueber das Untier.Gelingt es,das Kaelbchen
am Schwanz zu packen,bekommt man einen Kuebel voll Gold und kann sich jeden
Wunsch erfuellen.

Wuensche hatte ich,als kleiner Bub einige.Eine elektrische Eisenbahn oder eine voll-
ausgestattete Cowboyausruestung mit zwei goldenen Kapselrevolver.

Todesmutig war ich auch und durchstreife den Vereinsberg in Schrems auf der Suche
nach dem Kaelbchen.
Leider fand ich es nicht.

Ist dann der Monat Maerz vorueber,kehrt das Kaelbchen wieder in seinem Stall zu -
rueck und wird Michkuh.
Angst und Schrecken sind dann vorbei.

Nicht nur im Waldviertel,sondern auch im oberoesterreichischen Vorland und auch im
Allgaeu ist das Maerzkalb schon gesehen worden.

Warum das Maerzkalb einen so schlechten Ruf erworben hat,ist auch geklaert.

Jaenner,Februar und Maerz sind die Monate mit den haeufigsten Sterbefaelle.

Die Bevoelkerung,vor Penicillin und Antibiotika,war durch die langen Wintermonate
und verbunden mit Verzicht auf frisches Gemuese und Licht,geschwaecht und besonders
anfaellig fuer Verkuehlungen.
Und die holte man sich,weil die Sonne schon stark genug ist,die Winterkleidung gerne
abzulegen und uebersieht dabei,dass es auf der Schattenseite noch kalt ist.

Schon hat man eine Verkuehlung aufgerissen,die fuer Kinder und Alte boese ausgehen
konnte.
Verstorbene in dieser Zeitspanne wurden gerne mit dem Biss des Maerzkalbes in Ver-
bindung gebracht.

Der Schrecken,den das Maerzkalb verbreitet hat ist laengst vorueber und auch ist der
Monat Maerz kein Schrecken mehr fuer die Biertrinker.

Das Maerzenbier ist heute nur mehr eine Absatzaktion und keine beginnende Durst-
strecke,bis es wieder kalt geworden ist,um frisches Bier zu brauen.

Jock





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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #472 am: 09. März 2021, 12:25:24 »

Wie entledigen sich die Englaender ihrer Monarchie ?

Am einfachsten durch eine Volksrevolution,aber dazu finden sich nicht genug Be-
fuerworter.

Im Schnitt sind 69 % der Bevoelkerung fuer die Beibehaltung dieser Staatsform.

Auch das Interview,das Herr Harry und Frau Megham Windsor der Frau Oprah Winfrey
gegeben haben,ist nicht geeignet,das Koenigshaus so zu erschuettern,dass eine Re-
publik ausgerufen werden muss.

Zu abgesichert ist der Status der Royals und das,ohne dass eine geschriebene Verfas-
sung sie ausdruecklich schuetzt.
Ja nicht einmal selbst koennen sich die koeniglichen Mitglieder aus ihrer Rolle stehlen.

Stirbt die Queen,so tritt automatisch Prinz Charles als Koenig an.Es ist ihm nicht ohne
weiteres moeglich zu sagen: "Nein,vielen Dank".

Ein Verzicht waere nur dann wirksam,wenn das englische Parlament ein eigenes Ge-
setz verabschieden wuerde und ein gleichlautendes in den Parlamenten der Common-
wealthmitglieder,ebenfalls eines erlassen wird.

Dann waere Prinz Charles aus dem Schneider,doch dann traete sein Sohn William an
seine Stelle und muss Koenig werden.
Sagt auch der nein und alle anderen in der Thronfolge auch,faende sich bei dem,an
etwa 555.555.555,Stelle stehende @Jock jemand,der sagt:"ich machs".
Dem Reiz,mit tollen Autos herumgefuehrt zu werden,koennte er nicht widerstehen.

Koenig Edward VIII. hat es ja persoenlich mitgemacht,wie schwer es ist,sich aller Ver-
pflichtungen zu entledigen.
Zu heiraten,wenn er wollte und Koenig bleiben,sagte man ihn - geht nicht.Abdanken
nur dann,wenn andere Stellen zustimmen,die ihn verboten,sein Heimatland jemals
wieder zu betreten.

Auch wenn die Abschaffung der Monarchie einvernehmlich erfolgen wuerde,sind zuvor
gewaltige rechtliche Huerden zu beseitigen.

Briefmarken und Geldscheine sind schnell gedruckt und als Nationalhymne kann man
einen alten Beatlessong verwenden,aber eine neue Verfassung kann man nicht ueber
Nacht schreiben,die alte Privilegien und Vorrechte mit einschliesst oder ausschliesst.

Nicht nur auf der Insel sind Umwaelzungen zu erwarten.

Eide,die auf die Krone geschworen wurden,waeren dann nicht mehr wirksam.Schott-
land,Nordirland und Wales koennten sich unabhaengig erklaeren u.s.w.
Aber auch in Australien,Kanada und andere Staaten,die die Monarchin oder Monarchen
als Staatsoberhaupt fuehren,muessten sich neue Staatsoberhaeupter suchen.

Dass man ueberhaupt solche Gedanken spinnt,hat als Ursache,weil man sich darueber
den Kopf in der Familie zerbrochen hat,wie denn ein dunkelhaeutiges Kleinkind mit
roten Haaren aussehen koennte.

Ganz schoen altmodisch und von vor-vorgestern die Windsors.

Jock



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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #473 am: 15. Mai 2021, 13:58:04 »

Die Entschuldigung

Darling,floetete meine Frau,die hochgeruestet fuer eine koenigliche Hochzeit heraus-
geputzt war,ich gehe jetzt zu meinen "Ladyday"und wenn ich zurueckkommen,will ich,
dass du rasiert bist.

Beim zweiten Halbsatz hatte ihre Stimme einen rasiermesserscharfen Ton angenom-
men,der keinen Widerspruch erlaubt.

Tatsaechlich wucherte mein Bart wild dahin,weil ich wegen der Hitze einfach keine
Energie aufbrachte,ihn abzurasieren.

Waehrend ich mich ans Werk machte,fiel mir eine Geschichte aus der Schatzkammer
der "Tante Jolesch" ein und sofort beneidete ich den Onkel,der Mittelpunkt der Er-
zaehlung ist.

Tante Jolesch hatte einen Neffen,den Franzl,der wiederum einen Onkel hatte,den er
bei Gelegenheit immer wieder besuchte.

Der Onkel war eine ehrenwerter,hoechst respektabler,vermoegender Mann.Er sass als
wichtiges Mitglied im Gemeinde - und Kirchenrat,trug hohe Auszeichnungen an der
Brustseite seines Frackes und alle Buerger,die ihn auf der Strasse trafen,luefteten subalt-
ierend die Kopfbedeckungen.

Zu jener Zeit (1850 bis 1920),war es ueblich,dass diese Gesellschaftsschicht,jeden
Morgen den Besuch eines Barbiers bekam,der den Bart des Hausherren abnahm.

So auch beim Onkel.Seit vielen,vielen Jahren,kam dieser und erledigte seine Arbeit
zur aeussersten Zufriedenstellung.

Doch eines Tages gerieten sie wegen einer Kleinigkeit in Streit und der Onkel warf ihn
aus dem Haus.Der Barbier packte seine Sachen zusammen und ging grusslos davon.

Schon naechsten Morgen war der neue Barbier da.Doch seine Art zu Rasieren miss-
fiel dem Onkel und verabschiedete ihn bald.Auch die naechsten "Meister" hatten kein
langes "Arbeitsleben" beim Onkel.
Der eine schabte unfein,der andere patzte mit der Seife alles an,der naechste benoetigte
ueberaus viel vom Alaunstift,der weitere roch entsetzlich nach Alkohol u.s.w.

Gerade,als "Franzl"wieder einmal dem Onkel einen Besuch abstatten wollte,fand er ihn
fruehmorgens an einem Dienstag,vollausgestattet zum Ausgehen.
Der Frack war frisch gebuerstet,die Hose gebuegelt,die Gamaschen glaenzten,der Vater-
moerder ragte steil in die Hoehe,den Zylinder hatte auf dem Kopf,in der einen Hand
seinen Spazierstock in der anderen einen Korb mit erlesenen Weinflaschen.

Onkel,wo gehst du hin ?Die hl.Messe ist erst am Sonntag und die Gemeinderatsitz-
ung ist erst am Abend.

Der Onkel wollte die Frage ueberhoeren,doch Franzl sistierte nach.

Ich gehe zu meinem alten Raseur und entschuldige mich,antwortete der Onkel,denn
man muss auch eine Niederlage akzeptieren.

Mein Bart ist nun ab,aber es war eine leidensvolle Angelegenheit.Der Rasierer war alt
und stumpf,die Reste aus der Rasierschaumspraydose bildeten keinen Schaum und
troepfelten duennfluessig in den Kragen.Meine Haut ist geroetet und verlangt Haut-
balsam.

Aber was blieb mir uebrig ? Unser Friseur im Ort weigert sich mich zu rasieren.Hab
ich ihn vielleicht unabsichtlich beleidigt ? Wartet er auf eine Entschuldigung ?
Und wie koennte die ausfallen,dass er sie akzeptiert ?

Mit einem Koerbchen Wein kaeme ich nicht weit,aber vielleicht mit einem Mercedes-
Benz,wie ihn unser Dorfdoktor faehrt.

Mal ueberlegen.Fuer eine gute Rasur sollte nichts zu teuer sein.

Jock






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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #474 am: 30. Mai 2021, 11:15:21 »

Leben am Eisernen Vorhang

Das Bahnhofsgebaeude in Gmuend II war ein schmuckloser,barackenaehnlicher
Zweckbau,den man nach dem WK II errichtet  hatte.
Dieser Bahnhof war die Endstation in Oesterreich von der Franz-Josefs-Bahn,die
Wien,Prag und Berlin verbinden sollte.

Der Gleisstrang Richtung Wien glaenzte silbern in der Sonne und die Bahnstationen
wie Vitis,Allentsteig und Siegmundsherberg hatten einen Klang,wie Kathmandu oder
Ulan Bator - zumindest fuer uns 5 jaehrige.

Wie ueberhaupt Wien als Nabel der Welt galt.Die Neonreklameleuchten bei der Kreuz-
ung Westbahnhof,liessen New York und den Times Square,als duestere Dorfbeleucht-
ung erscheinen.
Eine Stadt die niemals schlaeft,kam es uns vor,wo hunderte Spielwarengeschaefte
auf unseren Besuch warteten,wo an den Strassenbahnen Trauben von Menschen hin-
gen und man aufpassen musste,wenn man die Strasse ueberquerte.

Der Gegensatz war die Stille im oberen Waldviertel.

Der Gleisstrang von Gmuend Richtig Ceske Velenice,das ehemalige Gmuend III war
rostig,weil es so gut wie keine Zugsverkehre gab,die den Rost abschliffen.
Tote Grenze,tote Hose.

Jedoch das Gleisbett auf der 2 Km langen Strecke ,war das bestgepflegteste in ganz
Mitteleuropa.Kein Unkraut hatte eine Chance und die Schottersteine sahen aus wie gebadet.

Die Ursache dafuer war der Schmuggel der Bahnbediensteten diesseits und jenseits
der Grenze.
Unter dem Vorwand Gleispflege trafen sich die Eisenbahner im Niemandsland und
tauschten Gueter aus.
Kristallglasluester fuer Oesterreicher,kleine technische Geraete fuer die Tschechen.

Besonders begehrt waren Sicherheitsgurte,die sich treu kommunistische Funktion-
aere in ihre Trabant einbauen liessen und so ihre Bedeutung offenbarten.

Sonst war die Grenze zu.

Anfangs 1950 wurden nur 4.600 Einreisevisa fuer Oesterreicher ausgestellt aber nur
1.900 Tschechen erhielten die Erlaubnis nach Oesterreich zu reisen.

Als 1919 nach WK I Gmuend III den Tschechen zugeschlagen wurde,stoerte das die
Einheimischen wenig.
Die Grenzuebertritte waren formlos zu bewaeltigen und Kontakte jederzeit moeglich.
Zudem konnten die Alten sowohl Deutsch wie auch Tschechisch.

Nach WK II wurde die Grenze dichtgemacht und so Kontakte unterbunden.

Die Grenze war hochgesichert und bestand aus einem 3 teiligen Zaun.Von der tschech-
ischen Seite aus gesehen,erst ein Signalzaun,dann der elektrische Verhau und dann
einen Sicherheitszaun,der Oesterreicher abhalten sollte,in das Arbeiterparadies zu
fluechten.

Den 3. Zaun haette man sich ersparen koennen.So weit ich weiss,haben nur 2 Per-
soenlichkeiten vom Westen kommend,die kommunistische Erde gekuesst.Einer war
ein Papst,der andere ein zukuenftiger Kanzler aus Oesterreich.

Der Eiserne Vorhang war zwischen der Tschechoslowakei und Oesterreich ein sehr
gefaehrlicher.Insbesondere fuer die tschechischen Grenzschuetzer.

Mehr als 500 Personen davon kamen ums Leben.Meist durch Suizide.Einige wurden
beim Fluchversuch entweder erschossen oder kamen durch Unfaelle ums Leben.

Nach Fall des Ostblockes verschwanden nach und nach die Grenzkontrollen und Zoll-
schranken.

Die Grenze jedoch blieb.

Zwar fahren Waldviertler nach Tschechien um billiger Lebensmittel einzukaufen,
waehrend Tschechen die Staedte im Grenzgebiet frequentieren,weil es dort einige
Sachen gibt,die guenstiger angeboten werden,als Zuhause.

Ein richtiger kultureller Austausch findet nicht statt.Nur wenige grenzueberschreit-
ende Veranstaltungen im Jahr sind im Kalender zu finden.

Bei diesen Treffen und Veranstaltungen wird nicht mehr Deutsch/Tschechisch ge-
sprochen und verstanden,sondern Englisch.

Und das wird noch laenger so bleiben.

Jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #475 am: 21. Juni 2021, 13:15:45 »

Der Fremdenlegionaer

In 3 Wochen,am Nationalfeiertag der Franzosen,werden die Fremdenlegionaere wieder marschieren.

Das Kaeppi ist weiss,der Lederschurz ist hellbraun und die Axt ist ueber der rechten
Schulter geschultert.Gemessenen Schrittes (88 pro Minute) defilieren sie vor dem
Praesidenten und anderen Honoratoren,die salutieren.

Und alle haben Vollbart,ein Zugestaendnis an die Truppe.

Der Mythos,den die Fremdenlegion verbreitet,wird heftig akklamiert,dabei sind die
glorreichen Zeiten laengst vorbei.

Nur in Veteranenkreisen sind die Schlachten in den Karlistenkriegen (250 von 6.000
blieben am Leben) und Dien Bien Phu,die ebenfalls mit einer Niederlage endete,Ge-
spraechsthemen und Anlass zur Glorifizierung.

So ziemlich in allen Weltgegenden war die Fremdenlegion im Einsatz,besonders in
Nordafrika.

Im deutschsprachigen Schlagerraum wird die Fremdenlegion kaum besungen.

Freddy Quinn ist wahrscheinlich der bekannteste Interpret,der sich symbolisch der
Fremdenlegion anschloss und die Lage mit :"Brennend heisser Wuestensand" be-
schrieb.

Kurz danach folgten Mina und Conny Francis mit dem Schlager :" Heisser Sand und
ein verlorenes Jahr".Nur andeutungsweise kann man eine Verbindung zur Fremden-
legion herstellen,weil der schwarze Dino,nach einen Mord zur Legion fluechtete.

Vico Torriani sang etwa zur selben Zeit :" Gefangen in maurischer Wueste,wo der
sterbende Fremdenlegionaer sich die Augen nach den Schwalben aussieht und nach deutschen Fluren sich sehnt.
Das selbe Liedchen haben auch die Ladiner zum Besten gegeben.In zuenftiger Leder-
hose vor dem Alpenpanorama auf der Ziehharmonika und Gitarre gespielt,wirkt es
wie die Faust aufs Auge.

Damals war die Fremdenlegion ein Zielpunkt fuer allerlei Gestalten,die die heimische
Justiz fuerchteten oder sich sonst aus der Bahn geworfen fuehlten.

Beim Eintritt in die Fremdenlegion wurde nicht besonders nach Name,Herkunft oder
Staatsbuergerschaft gefragt.
Nach 5 Jahren Dienstzeit und wenn man noch am Leben war und nicht desertierte,
bekam man die franzoesische Staatsbuergerschaft,und wenn gewuenscht ,sogar eine
neue Indentitaet inclusive Rentenanspruch.

Mittlerweile ist man nicht mehr so freizuegig.

Aber was war das fuer ein Zeitgefuehl damals,als 50.000 Deutsche nach WK II.in
der Legion dienten  ? (50.000 ist eine grobe Schaetzung des "Spiegels und entspricht
nicht der Realitaet)

Freddy Quinn wurde durch seine Lieder,die dem Mainstream entsprachen,erst bekannt,
dann geliebt und nebenbei auch reich.

Leider hat er sich von treudeutschen,ehrlichen,geraden Jungen,der so dumm war,ein
Haus direkt neben einen Fluss zu bauen,darauf hin seine Manuela sich sagte,einen
Deppen brauch ich nicht und ging,so dass ihn nur mehr eine Gitarre und das Meer
blieb,spaeter zum Spiesser gewandelt und das in seinem Song "Wir" ausdrueckte.

Zahlreiche Entschuldigungen halfen nicht mehr und so musste er wieder aufs Meer
hinaus.

Freddy ist (in seinen Liedern) hin-und her gerissen.Fuhr ein weisses Schiff nach Hong-
kong fuhr er mit.Aber schon am Landungssteg,wollte am Absatz umdrehen und wieder
nach Hause,wo die Taeler gruenen,die Weisswurst wartet und das Bier schaeumt.

Gibt es da Aehnlichkeit mit Farangs in Thailand,die schmerzlich knuspriges Brot ver-
missen aber unter dem Blaudach festgehalten werden ?

Jock





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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #476 am: 05. Juli 2021, 07:29:28 »

Meine Zahnaerztin und Kaiser Maximilian von Mexiko

Gestern musste ich mich von einem guten Begleiter fuer immer verabschieden.

Fast 70 Jahre waren wir Tag und Nacht zusammen,haben Freud und Leid geteilt,
haben gemeinsam gegessen und getrunken,kurz,wir waren unzertrennlich.

"Der" ist nicht mehr zu retten,verurteile die Zahnaerztin,"der" muss raus !Schweren
Herzens fuegte ich mich und legte mich auf den Marterstuhl.

Kaum lag ich,bekam ich eine Textilie ins Gesicht,was mir die Augen verdeckte,aber
durch das kreisrunde Loch den Mund freihielt.

Ich nahm es sofort weg und lugte auf die Vorbereitung der Bestecke fuers Zahn-
ziehen.
Was ich sah,machte mich ein wenig nervoes.

Eine Art Geburtenzange,Pinzetten,eine andere kleinere Zange,Spritzen wurden auf-
gezogen,die Aerztin schwer geschuetzt mit Mundschutz,Gesichtsvisier,Operations-
handschuhen u.s.w.

Als sie sah,dass mein Gesicht frei ist,legte sie wieder die Textilie an.Ich nahm sie
wieder weg.Das ging so 3-4  x so,dann frug sie,warum ich nicht will,dass meine
Augen bedeckt sind.

Waehrend wir warteten,bis die Betaeubungsspritze wirkt,erzaehlte ich ihr vom dra-
matischen Ende des guten Kaiser Max.

Wie er vor das Erschiessungspeloton gefuehrt wurde,jeden der Soldaten eine Gold-
muenze gab und die Augenbinde ablehnte.

Ich weiss nicht,wieviel von der Geschichte die Aerztin verinnerlicht hat,nur eines weiss
ich mit Sicherheit.
Das mit der Goldmuenze blieb ihr im Gedaechtnis haften und so musste ich sie bei
der Kasse,auch ablegen,in Form von 500 THB.

Jedenfalls habe ich wenigstens ueberlebt und sang zum Dank meinen Hunden "La
Paloma" vor.

Jock



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jektor

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #477 am: 05. Juli 2021, 19:52:26 »


Das mit der Goldmuenze blieb ihr im Gedaechtnis haften und so musste ich sie bei
der Kasse,auch ablegen,in Form von 500 THB.

Jock

Vor 2 Wochen musste ich fuer eine Zahnextraktion 1.000,-- Bath zahlen. Vielleicht hat deine Geschichte ja die Zahnaerztin sanftmuedig gestimmt.   ;)

Gruesse vom
jektor
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #478 am: 07. Juli 2021, 12:49:47 »

Robot und Zehent

Erst kuerzlich behauptet ein Politiker,dass Deutschlands das hoechstbesteuerte Land
der Welt sei.

Das ist es mit rd.38 % fuer Steuern und Abgaben nicht,aber es gab schon schlim-
mere Zeiten,insbesondere fuer die Bauern.

Das von den alten Roemern uebernommene Verfahren wurde bis teilweise in die
Mitte des 19.Jhd.praktiziert.

Demnach waren die "Leibeigenen" einer Herrschaft verpflichtet,erst unbegrenzt,ihre
"Steuerleistung",durch persoenlich zu verrichtetende Taetigkeiten fuer die Herrschaft
zu erstatten.

Rechnet es man es durch,ergibt sich eine Steuerquote von 110 %,da 100 % per-
soenliche Leistung und 10 Zehent des Ackerertrages gefordert wurde.

Erst spaet,1772 wurden die Lasten gemildert.Nur mehr 104 Tagen Robot konnte ab-
verlangt werden und zusaetzlich die 10 % des baeuerlichen Ertrages.
Kleinhaeusler,Hofstaetter,und Viertellehner gar nur 52 bzw.26 Tagen in Anspruch ge-
nommen.

Dadurch verringerte sich (rechnerisch) die Steuerleistung auf ca. 40 %,was nicht all-zusehr von der heute ueblichen Quote abweicht.

Trotzdem war man aeusserst unzufrieden mit der Regelung.

Der Lehensherr,weil er,durch die fehlenden Arbeitskraefte,nicht den Verpflichtungen
gegenueber den Lehensgeber ( meist  Koenig oder Kaiser)nachkommen konnte und
das Anlegen und Pflege der Verkehrswege in seinem Gebiet vernachlaessigen musste,
bzw. er Tageloehner rekrutieren musste,die er allerdings auch zu bezahlen hatte.

Auch persoenlich musste er Einbussen hinnehmen,da er seine eigenen Laendereien
nicht durch die "Leibeigenen" bewirtschaften konnte.Was ohnehin eine problem-
atische Angelegenheit war.

Zur Saat - und Erntezeit war unter Umstaenden nicht genug Personal verfuegbar,
da jeder Bauer trachtete,sein eigens bewirtschaftetes Ackerland zu bestellen oder zu
ernten.
Ein Windbruch im Herrschaftswald war eine Katastrophe,weil nur schwer das Bruch-
holz aus dem Wald gezogen werden konnte,das sonst ein Festessen fuer den Borken-
kaefer gewesen waere.

Von da weg,hatten sich einige Landwirte spezialisiert und wurden Fuhrwerksunter-
nehmer,deren Dienste vom Auftraggeber zu bezahlen sind.

Hat also der "Leibeigene" seine 104 Tage abgearbeitet,konnte er nicht mehr zu zu -
saetzlichen Diensten einberufen werden.

Auch die Bauern,waren sauer,wenn es darum ging,den Zehent bestimmen zu lassen.

Das abgeerntete Gut musste solange auf dem Feld verbleiben,bis eine Kommission
kam,und die "Steuer" bestimmte.

Da sie nicht ueberall gleichzeitig sein konnten,war die Ernte,durch Regen,Faeulnis,
Ungeziefer und Nager,mitunter schon in Leidenschaft gezogen worden,das sich im
kommenden Winter auswirkte.

Der eingehobene Zehent wurde in Lagerhaeusern aufbewahrt und wurde,meist in
Winterszeit oder bei Hungersnot,an die einheimische Bevoelkerung ausgegeben.
Der Lehensherr konnte nicht,gutsherrenartig verfuegen,sondern war der Kontrolle
der Beamten des Koenige/Kaisers unterworfen.

Die staedtische Bevoelkerung konnte man schlecht zur persoenlichen Dienstleistung
herangeziehen,sondern sie mussten durch Barabgaben zum Allgemeinwohl beitragen.

Den Vorteil den sie daraus zogen war,dass sie Chancen hatten,in der Legislative mit-
wirken zu koennen,indem sie in diverse Gremien gewaehlt werden konnten.

Da die Bauern nach wie vor und bis heute,mit den Begebenheiten unzufrieden sind,
haben sie diverse "Bauernaufstaende" angezettelt.

1848 wurde dann die Leibeigenschaft abgeschafft.Die Bauern konnten ihr Land kauef-
lich erwerben und wurde freie Bauern.

Der Staat war ihnen sehr behilflich dabei.

Den Wert des Landes wurde zu einem Drittel des Wertes als abgearbeitet angerechnet,
ein weiteres Drittel wurde vom Land den Grundherren erstattet und das letzte Drittel
konnten die Bauern durch Pachten abtragen.

Die Leibeigenschaft ist trotzdem noch intakt.

Ein strenger Blick,des Mandelauges und schon greift der Farang zum Wasserschlauch
oder startet den Rasenmaeher.

Jock




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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #479 am: 10. Juli 2021, 18:28:12 »

Am 11.Juli 1954 mass man den Pegelstand der Donau in Linz mit 9,62 m ab.

Es war bis heute das schlimmste Hochwasser entlang der oesterreichischen Donau.

Am Sonntag davor war ein wunderschoener Sommertag im Waldviertel,obwohl sich
die Wetterkatastrophe bereits in Bayern und in den noerdlichen Alpen abzeichnete.

An dem Sonntag war ich uebelgelaunt,denn ich musste zur hl.Messe in die Kirche
gehen und anschliessend war ein Familienmittagsessen bei Grossmutter angesetzt.

Nicht dass Grossmutter eine schlechte Koechin gewesen waere,aber der Zeitverlust.
Ich fuerchtete ich komme zu spaet zum Baden,meine Kameraden vermissen mich
beim Fussballspiel und ich komme zu spaet,wenn sich die Maedchen hinter einem Ge-
buesch umziehen.(Manche waren nicht g'schamig)

Zum Anlass des Mittagsessens und angesichts des schoenen Wetters,hatte man den
Kuechentisch ins Freie getragen.Rundum sassen dann die Tante,der Onkel,die Gross-
mutter und ich.

Der Onkel hatte leichte Arbeitskleidung an,der helle Anzug,denn er zum Kirchgang
getragen hatte,hing schon laengst im Kleiderschrank neben dem schwarzen Anzug,
der angeschafft wurde,bei Begraebnissen getragen zu werden und vor allem,dass
ihn die Leichenwaescher ueberziehen,wenn Onkel seine Seele aufzugeben gedenkt.

Sofort nach dem Essen wurde das Geschirr abgewaschen,der Onkel schlummerte
im Liegestuhl ein und Tante und Grossmutter beschaeftigten sich mit einer Handar-
beit.

Endlich durfte ich los,das Ziel war der 2 Km entfernte Schleiferteich,wo man sich in
die Fluten stuerzte.

Waehrend des Fussballspiels ein Blick in den Himmel.Noch war der Hintergrund ein
schoenes Blau,von wo sich Wolkengebirge,die tausenmal hoeher als der Himalaya
schienen,abhoben.

Ein zweiter Blick,nach diversen Tauchgaengen und Torserien,war das Bild schon be-
drohlicher.
Vor der schwarzen Wolkenbank zogen in Windeseile graue Wolkenschleier vorbei
und alle wussten,es ist Zeit heimzukommen.

Bei den ersten Tropfen erreichte ich das Haeuschen von Grossmutter.

Den Tisch hatte man ins Haus getragen,die Waesche von der Leine genommen und
alle Fenster geschlossen.

Donner,Blitz und Hagelstuerme neben Wasserguessen ohne Ende,trieben die Leute
in die Haeuser.
Ich machte es mir drinnen bequem.Himbeersaft und Soletti,sowie der "Lederstrumpf"
vertrieben die Zeit.

3 Tage spaeter hatte immer noch nicht der Regen aufgehoert.Mir kam es vor,als regnet
es schon 40 Monate.Die Bewohner von Schrems waren,wie Zuckerln in durchsichtige,
pastellfarbige Regenhaeute verpackt,wenn sie zum Einkauf gingen.
Nur unser Nachbar,der Herr Noah,hatte alle Haende voll zu tun - aber das ist eine
andere Geschichte.

Der Inn,die Isar und die Nebenfluesse versorgten die Donau mit reichlichem Wasser,
sodass das Donauumland absoff.

Tausende Rinder ertranken in den Fluten und die Hoefe mussten evakuiert werden.

In Wien,bei der Nussdorfer Schleuse zog die Feuerwehr die angeschwemmten Kadaver
aus dem Wasser und verbrachte sie in die Tierkoerperverwertung.

Es dauerte lange Zeit bis die Schaeden behoben waren.

Der Sommer erholte sich nur langsam.Bis in den August hinein,war es unbestaendig,
kuehl und regnerisch.

Zum Baden war es dann schon zu kuehl,einzig Fussballspiele wurden ausgiebig am
Sportplatz ausgetragen.

Jock




« Letzte Änderung: 10. Juli 2021, 18:33:14 von jock »
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