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Vollendung in Bangkok

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schiene:
Wann geht's weiter?

Khun Han:

Es wurde ein Kloster etwas außerhalb Tokyos gefunden, das Ausländern die Möglichkeit bot, Zen zu praktizieren. Dass ich aus Indien kam, war wohl ein Türöffner. Wie gesagt, die Geschehnisse liegen 47 Jahre zurück und ich erinnere mich nicht mehr an alle Zusammenhänge. Jedenfalls gab es da am Nachmittag, nachdem ich Quartier bezogen hatte, die Gelegenheit zur "Freien Meditation". Ich nahm meinen Platz in der Meditationshalle ein, aber als ich meine Sitzposition änderte, stieß der Aufsicht führende Mönch einen Schrei aus, der mir durch Mark und Bein ging und mich fortan regungslos machte. Niemand gab mir eine Einweisung, weder zu Zen noch zu den Tagesabläufen und so hatte ich Mühe beim Abendessen mitzuhalten beim Befüllen lassen und Reinigen der einzelnen roten Eßschalen.

Ich setzte mich zu den anderen in der Meditationshalle. Ich weiß nicht mehr, wie ich versuchte zu meditieren. Zwei Jahre zuvor hatte ich in Madras bei Goenka einen Kurs in Vipassana-Meditation absolviert. Nun lief ein Mönch die Reihen ab, einen langen Stock vor sich hertragend und er blieb gelegentlich vor einem Meditierenden stehen und korrigierte durch jeweils zwei Schläge auf jede Schulter die Sitzhaltung. Als mein Sitznachbar durch Verbeugen um die Aufmunterung bat und krachend die Hiebe auf ihn niedergingen, sagte ich mir: Das ist nicht mein Weg zur Erleuchtung! Und bei der nächsten Pinkelpause kehrte ich nicht mehr an meinen Platz zurück.

Ich war auf einem fremden Planeten gelandet. Nicht nur die Kleidung und die Sprache waren ungewohnt, man konnte nicht mal eine Tür hinter sich zumachen, Schiebewände öffneten sich mal zu dieser Seite, dann zur anderen. Am anderen Tag konnte ich mit einem Mann in die Hauptstadt zurückfahren.

Das Kloster unterstand dem Zenmeister Omori Sogen. Später besuchte ich ihn in seiner Residenz in Tokyo. Er empfing mich in vollem Ornat. Ein junger Amerikaner dolmetschte. Von dem Gespräch weiß ich nur noch, dass ich sagte. "Ich suche den Neuen Menschen." Die Antwort des Meisters: "Sei es selbst!"

Khun Han:
Da war ich nun, fern von der Familie in einem fremden Land, ohne genaue Aussicht für die Zukunft, und fühlte mich dennoch nicht unwohl, denn ich war voll Vertrauen in den höheren Plan. Die nächsten Wochen fand ich Unterkunft bei P. Gereon Goldmann, in seiner Gemeinde im Stadtteil Itabashi. Dieser Mann hatte während des Krieges viel erlebt und hatte viel für die Menschen in Japan geleistet, wofür er auch später vom Kaiser ausgezeichnet wurde. Es gab da eine Kirche und ich hatte nebenan im Pfarrhaus bei einigen Franziskanerpatres ein Zimmer für mich allein. Zur U-Bahn-Station war es nicht weit und von hier aus erkundete ich die Stadt und besichtigte einige Tempel und Sehenswürdigkeiten. "Simasen! Entschuldigung!" war ein Wort, das ich oft gebrauchte, wenn ich nach dem Weg fragte. Kyoto und den Fuji wollte ich auch noch sehen. Und das alles ohne Handy und Internet. P. Goldmann brachte mich zum Ausspannen nach Karuizawa, wo ich in einem während der Ferien leeren Schulungszentrum wohnen konnte und vom Hausmeisterehepaar versorgt wurde. Die Bedeutung des Ortes, besonders für christliche Ausländer, war mir damals nicht bekannt. Ich erinnere mich nur an den großen Saal mit den Doppelbetten, in dem alles aus Holz war. P. Goldmann führte mich auch zu P. Hugo Enomiya Lassalle, der wohl damals schon Weltruf hatte. Dieser wollte mich davon überzeugen, dass alles, was ich suchte, ebenso in der katholischen Religion zu finden sei. Dem konnte ich nicht zustimmen.

Mit dem Shinkansen fuhr ich zum Fuji. In einer Stadt am Fuße des Berges wohnte ich drei Tage in einem Ryokan, einem traditionellen Hotel. Inzwischen genoss ich das Leben in Japan, die Menschen sind zuvorkommend und Essen bestellen ist einfach, die Speisen sind ja in Wachs ausgestellt. Mit dem Bus ging es zur Talstation des Berges. Ein Schweizer begann mit mir den Aufstieg, aber er lief schneller als ich und ich weiß nicht, ob ich den Aufstieg ohne die Dose Sake geschafft hätte, die ich zuvor aus einem Automaten gelassen hatte. Vier Stunden brauchte ich hoch und zwei runter.

Ich unternahm noch eine geführte Busreise um den Berg herum und bestieg wieder den Shinkansen nach Kyoto, wo ich die berühmten Tempel und Zengärten besichtigte. Unterkunft fand ich in einem Guesthouse, in dem einige Ausländer abgestiegen waren. Da lauschte ich dann den Erzählungen vom Mönch sein in Thailand und von den thailändischen Frauen. Ich hatte schon einen Brief an Hood geschrieben und auch eine Antwort erhalten. Sie schrieb, d.h. eine Freundin tat das für sie, dass sie mich auch liebte, nicht mehr arbeitete und die Familie Geld bräuchte. Mein Entschluss stand fest: Entweder werde ich buddhistischer Mönch in Thailand oder ich ziehe mit der Frau, die ich kennen gelernt hatte, durchs Land.

P. Goldmann teilte mir mit, dass er mich nicht mehr bei sich wohnen lassen konnte, nachdem ich zwar zur Kommunion ging, aber nicht zur Beichte angetreten war. Ich machte von meinem falschen Studentenausweis Gebrauch und wohnte noch einige Tage in einer Jugendherberge, bis ich in den Flieger zurück nach Bangkok stieg.

Khun Han:
Anmerkung 1.
Wer Zeit und Interesse hat, kann nach den genannten Personen googeln. Die Lebensläufe von Goenka, P. Gereon Goldmann, P. Hugo Enomiya Lassalle, Omori Sogen und anderen Personen, die ich in Indien kennenlernte, sind vielleicht nicht uninteressant.

Anmerkung 2.



Mit Hideji hatte ich noch Briefkontakt von Thailand aus und auch noch von Deutschland. Das Bild zeigt uns mit den Eltern beim Picknick in Kamakura. Ich habe es eben mit einer foto scanner app von einem Foto aufgenommen. Als ich mir vor einiger Zeit eine 4. HD zugelegt hatte, wollte ich alle gespeicherten Fotos auf einer zusammen führen und habe dabei irgendwie einige Tausend Bilder gelöscht. Mit Ashampoo Getback konnte ich viele retten, muss sie aber nun wieder sortieren. Ich habe viele Papierbilder (auch eines, das mich auf dem Gipfel des Fuji zeigt), die ich jetzt einscannen möchte. Mit der App geht das zwar ganz gut, aber einfacher wäre es mit einem Scanner. Ich habe zwar einen mit nem Drucker, aber der PC dazu müsste erst wieder eingerichtet werden. Ein neuer Scanner/Drucker, den ich am Notebook anschließen kann, würde mindestens 3 500 Baht kosten, wobei ich keinen Drucker brauche oder will. Ob auch Fotogeschäfte das Einscannen übernehmen?

Anmerkung 3.
Meine Frau und ich sind richtige Japan-Fans geworden. Nicht nur dass wir einmal in der Woche im Fuji essen (fast immer dasselbe), denn nur da kann sie sich richtig satt essen, sie kocht auch gern japanisch. Wir haben eine Unmenge an Japan Artikeln, CDs und Geschirr mitgebracht, auch Bücher über japanische Küche und Gärten, die ich irgendwann mal wieder lesen wollte, wenn ich Zeit dafür als Rentner hätte, dazu die Tatamimatten und -kissen, die wir vor vielen Jahren im Isetan, das sich früher neben dem Central World befand, gekauft, umständlich verpackt, nach Deutschland verschickt und im Teehaus in unserem Japangarten ausgelegt hatten. Und auch den Steinbrunnen, die Oribe-Laterne und eine weitere Steinlaterne, die unseren Japangarten mit Koiteich schmückten, haben wir im Container mitgenommen.

Bruno99:

--- Zitat von: Khun Han am 22. März 2022, 18:59:17 ---... wollte ich alle gespeicherten Fotos auf einer zusammen führen und habe dabei irgendwie einige Tausend Bilder gelöscht.

--- Ende Zitat ---

Hoffe, du stellt von den wiederhergestellten Bilder so das eine oder andere hier auch noch rein.

Vielleicht hast du diesen Thread bereits entdeckt, wenn nicht... viel Spass:

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