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Thailand-Foren der TIP Zeitung => Mein Tagebuch => Thema gestartet von: Low am 11. Dezember 2008, 15:54:51

Titel: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 11. Dezember 2008, 15:54:51
Die Erlebnisse hier im Dorf faszinierten mich und ich begann darüber nachzudenken. Solche Geschichten waren versteckt in meinen Erinnerungen:
„Die soziale Dynamik des Dorfes wird präzise geschildert. Gegenseitige Schuldzuschreibung, schnell vergessene Kollektivschuld und das Schicksal von Außenseitern, die von der Gemeinschaft leichtfertig zu Sündenböcken gemacht werden.
Er kämpfte gegen die Ausbeutung der Kinder aus armen Familien. Er verlangte Massnahmen gegen den Alkoholismus.
Er setzte sich für die Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht ein.
Seine Romane spiegeln in einem zum Teil erschreckenden Realismus das bäuerliche Leben im 19. Jahrhundert.“
Die Rede ist von Jeremias Gotthelf, Albert Bitzius. Er malte mit seinen Romanen und Erzählungen ein gewaltiges Bild des Emmentals und seiner damaligen Bewohner.

Das Emmental ist noch heute typisch für die Eigenständigkeit, Kultur und Sprache einer bodenständigen Minderheit.
Wie nah er mit den Schilderungen der Menschen über Hundertfünfzig Jahre später in Thailand kommt, ist gleichzeitig beängstigend und faszinierend.
In diesem Sinne erlaube ich mir, ein paar wahre Geschichten zu erzählen, leider ohne die Fähigkeiten eines Gotthelf, eines redegewandten Pfarrers.
Der Ort der Handlung, die Zeit, die Kommunikation und auch die Sprache wandelte sich.

Siam gehörte zur Zeit Gotthelfs geografisch zu Hinterindien. Deshalb der Titel.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 11. Dezember 2008, 15:57:11
Im Schlangental

Im malerischen Schlangental, etwas oberhalb des kleinen Wasserfalls, am Elefantenhubel gibt es ein Dorf mit einer Schule. Der Lehrer, etwa 27 Lenze, verdiente nicht schlecht. Zwölf Thaler im Monat. Davon musste er sechs an Väterchen Staat zurück erstatten, weil der seine Ausbildung finanzierte. Der junge Mann lebte in bescheidenem Wohlstand und vertrug sich gut mit der Bevölkerung.
Eines Tages traf er eine 18 jährige Frau aus dem Dorf. Die lud ihn zu ihren Eltern zum Abendbrot ein. Da es im Vorratsschrank des Lehrers eher karg aussah, nahm er das Angebot gerne an.
Er grüsste freundlich, setzte sich auf den Boden zu den Andern und ass und trank, was ihm reichlich dargeboten wurde. Die Auswahl liess nicht zu wünschen übrig. Es gab roten, grünen und schwarzen Curry, Reis, verschiedene Gemüse, Fisch, Huhn, Ente. Dazu wurde Wasser, Eis und Whiskey gereicht. Während des Essens verspürte er plötzlich ein Flimmern in den Augen. Danach konnte er sich an nichts mehr erinnern.

Als er erwachte, lag er in der Schlafkammer der jungen Frau. Die Eltern polterten und lärmten ob des unschicklichen Vorfalles und holten den Gemeindeobmann. Der faselte etwas von Missbrauch der Gastfreundschaft und was man in einem solchen Falle wohl machen könnte.
Die Eltern erklärten einstimmig, dass innerhalb zwei Wochen geheiratet werden müsste. Der Lehrer, der die junge Frau weder kannte, noch liebte,
weigerte sich anfänglich standhaft. Doch der Gemeindevorstand hatte die Trumpfkarten in der Hand. Er hätte eine unwürdige Entlassung der Lehrkraft einleiten können.
So wurde man sich schnell auf den Brautpreis einig: Fünfundsiebzig Thaler in Gold für die Braut, hundert Thaler Brautpreis. Und zwei Wochen danach wer der Termin.
Der Lehrer besass kein Vermögen, nichts. Seine Eltern waren mausarm. Er musste sich die Summen rasch von Freunden leihen.
Als mir einer der Geldgeber die Geschichte erzählte, sagte ich sofort:
“Da ist etwas faul. Die Geschichte stinkt zum Himmel. Die junge Frau ist sicher schwanger!“
Der Lehrer war bereit, den geliehenen Betrag meinem Informanten am Tage nach der Hochzeit zurück zu zahlen, denn dieser besass selbst bloss die ausgeliehenen zehn Thaler. Er lebte mit einer Frau zusammen, die er liebte und bald heiraten wollte.
Anlässlich der Rückzahlung erzählte der Lehrer, dass ihm die Frau in der Nacht weinend gestand, dass sie im zweiten, vielleicht dritten Monat schwanger sei.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 11. Dezember 2008, 17:20:26
hallo Low,

interessant. Was ist die Grundlage deiner Geschichten? Ich hoffe, da kommen noch mehr....
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 11. Dezember 2008, 17:55:43
Damit ich mein Deutsch nicht verlerne, schreibe ich seit 8 Jahren jeden Monat einen Bericht. In diesem Material stecken noch viele selbst erlebte Geschichten. Vielleicht sind einige davon geeignet, vom Frust mit dem Gastland abzulenken.
Ich denke, dass einige Leute sogar im heutigen im Emmental auf den Boden der Realität zurück geholt und erfahren würden „wo Bartli den Most holt.“

Darfst also hoffen Profuuu, und stoppen, wenn’s langweilig oder penibel wird.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Wild Ost
Beitrag von: Low am 11. Dezember 2008, 18:21:15
Wild Ost

Der Vater pumpte Wasser aus seinem Teich, um Mais anzubauen. Die verbleibenden Fische, meist Welse und Ale, wollte er verkaufen.
Die Tochter Tom beobachtete, wie Diebe (Nachbarn) die Fische stahlen. Sie stellte sie zur Rede. Die Saubande gab zur Antwort, der alte Mann sterbe sowieso bald, der brauche keine Fische mehr. Dann fielen sie über sie her. Sie lästerten, sie hätte seit längerer Zeit keinen Mann gehabt, deshalb sei sie wirr im Kopf. Sie drohten, sie zu vergewaltigen.
Sie rannte in Haus, ergriff eine alte Schrotflinte, schoss über die Köpfe der feigen Angreifer und verscheuchte die Bande.
Die bestahlen seit Jahren die Farm regelmässig und versorgten sich gratis mit Hühnern, Schweinen und Sackweise Reis. Sie waren selbst zu faul um auf ihrem Land etwas anzubauen. Stehlen war einträglicher und müheloser als arbeiten.
Die vertriebenen Gauner besuchten darauf den Dorfvorstand. Sie wollten Geld von Tom, wegen dem Schuss. Der Dorfvorstand gab den Dieben recht und verknurrte Tom zu einer Geldstrafe. Wahrscheinlich wollten die Kerle teilen.
Weil Tom kein Geld besass, versuchten die Missetäter einen Onkel zu erpressen. Als der kein Geld herausrückte, zogen sie zur Mutter und verlangten vergeblich Zaster. Sie hatten Glück, dass sie nicht von den anwesenden Bauarbeitern verprügelt wurden, denn die liebten Tom.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Magie
Beitrag von: Low am 11. Dezember 2008, 19:29:58
Magie und Hausbau

Wir bauten ein neues Haus für die Eltern. Die Erdarbeiten für das Setzen der Pfähle waren fast fertig. Nun warteten Arbeiter und Familie auf den Magier.
Ich hatte mein Buch über Bräuche und Unsitten ( Monks and Magic, B.J. Terwiel ) und einen Kompass im Gepäck. Deshalb konnte ich den richtigen Pfahl und die beste Zeit mühelos ermitteln.
Es ging darum, die Nak oder Naga, eine Art Schlange, sowie Erdgeister, die im Boden leben, zu besänftigen. Die Nak dreht sich alle drei Monate. Im November liegt der Schwanz im Norden, der Kopf im Süden, der Bauch im Osten und der Rücken im Westen. Es wäre gefährlich, die Schlange durch falsches Lochen zu reizen. Trifft man beim Graben zuerst den Schwanz, würde die Tochter einen Menschen umbringen. Reizt man den Rücken, würde der Hausherr schwer erkranken. Nur den Bauch darf man ungestraft  zuerst penetrieren. Das bringt später Glück und Fröhlichkeit ins Haus.
Ich wusste nicht, dass der Schwiegervater mich gleich noch als Hexer engagierte. Er wollte nicht, dass irgend ein zahnloser Greis aus dem Dorf sein sauberes Land mit billigem Fusel besapperte. Er dachte vielleicht, ich sei nicht der beste Geisterbeschwörer, aber ich hätte den teuersten Schnaps.

(Bei der Zeremonie für mein Haus trank der Schriftgelehrte praktisch den Branntwein allein und blies schwankend kleine Dunstwolken über das Grundstück.)
Im erwähnten Buch sind einige Formeln in Pali aufgeführt. Am Donnerstag den 14. um 15 37 errichteten wir den ersten Pfahl und ich rezitierte:
„Om phra Phum, Phra Thorani, Krungpali, sahaprivaraya ehi sathaya agacchantu paribhunjantu svahaya.....“
Dass ein Farang Pali sprach, war neu für die Dorfbewohner. Einige Leute  behaupteten sogar, sie hätten mich verstanden. Und weil es so schön war, hing ich auf Berndeutsch dann noch einige Gedanken und Segenswünsche a la Jeremias Gotthelf “us em bluemete Trögli *“ daran.

*Strassenfegende Radiosendungen von Radio Bern – Beromünster um die 50er Jahre. Das „Trögli“ war die mit Blumen (Bauernmalerei) bemalte Truhe, in der die Töchter im Emmental ihre Aussteuer für die Hochzeit aufbewahrten.

Der Zauber wirkte offenbar. Zwei Wochen nach dem Umzug krachte das alte Haus bei einem schweren Sturm zusammen, während dem die alten Leute fröhlich im Neubau sassen.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Hochzeit anulliert
Beitrag von: Low am 11. Dezember 2008, 21:23:10
Hochzeit anulliert

Unsere Haushälterin wollte am 9. 11. 2006 einen freien Tag und nach Mae Sariang fahren, um dort die Hochzeit ihres Sohnes zu feiern. Letzten Monat reiste sie zur Familie der Braut, um die Angelegenheit zu besprechen. Man verhandelte den Brautpreis und wieviel Gold die Braut erhalten würde. Man besprach die Einzelheiten des Festes, wie Verpflegung, Blumen, Gäste. Wir waren ebenfalls eingeladen.

Am 3. teilte uns die Haushälterin mit, die Hochzeit werde wahrscheinlich nicht stattfinden. Die Braut verlangte den Goldschmuck vorzeitig und erhielt ihn auch.
Ende Oktober verschwand die Siebzehnjährige, ohne sich von den Eltern zu verabschieden. Die Spuren führten nach Bangkok.
Die junge Frau arbeitete bereits vier Jahre dort. Was machte sie wohl?
Mae Sariang ist ein Armenhaus in der Provinz Chiang Mai.

Der erzürnte Bräutigam sollte sich glücklich schätzen, dass er nicht, wie mein Grossvater zu sagen pflegte, mit den schönsten Kleidern in den Dreck fiel.
Üblich ist, dass die Familie der Braut, sofern die Braut es sich anders überlegt, den doppelten Preis zurück erstatten müsste. Diese Familie war arm. Die Haushälterin war mit dem Realersatz zufrieden.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Merit making
Beitrag von: Low am 12. Dezember 2008, 11:37:15
Merit making

Loy Krathong und Tod Kathin wurden in einigen Tempeln am gleichen Tag gefeiert.
Wat Khon Khaew in der Amphur HangDong gelegen, ist einer meiner Lieblingstempel, ganz in rot und Gold, abseits vom Touristenstrom.
Der kranke alte Abt und die Mönche kannten uns. Dies führte oft zu persönlichen Gesprächen.
Die Gläubigen und Gönner reisten am Vortag der Feier mit mehr als einem Dutzend doppelstöckigen Bussen aus Bangkok und Udon Thani an.
Der prächtigen Tempel mit dem riesigem Parkplatz bot den Besuchern Unterkunft.
Das Areal verwandelte sich flugs in eine riesige Garküche. Die Nacht verbrachten einige wenige Gäste in Mönchszellen, andere in Vorhallen, auf Bänken oder in den Bussen.

In den frühen Morgenstunden schleppten die Anwohner frische Blumen, Krathongs und andere Geschenke her. Aus den Bussen holte man verschnürte Pakete. Mit all dem Zeugs wurde vor den grossen Halle imposante Stände mit bunten Opfergaben aufgebaut.

Während der morgendlichen Ansprache des Abtes, dösten viele Menschen in den Bussen weiter. Vielleicht vierzig Unverzagte hörten dem Abt in der gewaltigen, fast leeren Versammlungshalle zu.
Doch als die Geschenke mit einem Wai an den Abt übergeben wurden, rannten die Siebenschläfer in Scharen aus den Bussen los zur Halle.
Kurios war, dass die Gegenstände, die nach dem Darreichen an den Abt von Mönchen aus der Halle geschafft, von neuen Hände ergriffen und das selbe Zeug dem Abt erneut dargeboten wurden. Es war ein ungeheuer spannender und unglaublicher Kreislauf. Recycling pur.
Dick und ich schüttelten die Köpfe ob dem Unsinn.
Später erzählte uns der Abt traurig, dass die Besucher nicht nur ihren Dreck überall liegen liessen, sondern den Tempel durch alkoholische und sexuelle Exzesse schändeten (es waren keine Langnasen dabei) und dazu sämtliche beweglichen Gegenstände stahlen.

In Englisch nennen Thais dieses Verhalten: Merit Making.
Das ist zu Deutsch: Addition guter Taten für eine glückliche Wiedergeburt.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Trauerfeier
Beitrag von: Low am 12. Dezember 2008, 13:47:26
Die Trauerfeier

Dick sagte mir eines Abends: „Morgen um elf Uhr kommen die Mönche ins Dorf. Wir gehen an die Trauerfeier.“
Ich erwiderte: „Wir kennen diese Leute nicht. Wieso denn?“
Vorsichtigerweise versuchte ich, uns möglichst aus allen undurchsichtigen Dorfgeschichten fern zu halten.  
„Kundin von mir,“ meinte Dick und die Angelegenheit war besprochen.

In einem Haus, etwas kleiner als Dick´s Beauty Salon, lebten drei verwandte Familien, Brüder, Schwestern und ihre Ehegatten. Der Verstorbene war Alkoholiker, mindestens eine Flasche Schnaps pro Tag. Die anderen Männer waren Drogenkonsumenten.
Diese Leute kamen aus Phichit und Kamphaeng Phet und wohnten erst seit einigen Monaten im Dorf. Ich wusste nur, dass sie Geld verliehen - zu zwanzig Prozent im Monat, maximal 3000 Baht pro Schuldner, rückzahlbar in täglichen Raten. Bei Zahlungsrückständen griffen die Leute schamlos zu: Moped, TV, Kühlschrank etc. Sie beschäftigten Kuriere zum Geldeintreiben. Deshalb schrumpfte der Ertrag auf die Hälfte. Man konnte bei ihnen auch Geld anlegen, allerdings nur zu fünf Prozent.

Ein Zelt mit Tischen und Stühlen versperrte die Strasse. Grosse, fleckige und verbeulte Aluminium-Töpfe mit meist übel riechenden Lanna Spezialitäten kühlten langsam ab. Fliegen umschwärmten geschälte Früchte. Geschirr, auf Mauern gestapelt, wartete auf Esser. Hässliche alte Köchinnen, vielleicht ehemalige Bargirls, begutachteten die Besucher mit grimmigen Blicken.
Die Mönche chanteten im Haus.
Die meisten Gäste, schwer mit Gold beladene ältere Frauen, sassen mit gefalteten Händen unter dem Zeltdach, aber plauderten uneingeschränkt miteinander, während andere fleissig telefonierten. Hie und da fuhren junge Männer mit ihren Motorrädern stinkend und lärmend durch die Trauergemeinde, stellten den Töff irgendwo ab und gesellten sich dann zu den Gästen. Die meisten warteten eigentlich nur auf das Leichenmahl.
Aber die Mönche mahlten zuerst.
Ich vernahm, dass der Verstorbene bloss 22 Jahre alt war. Er hinterliess eine Frau von 21 Jahren und ein kleines Mädchen.
Die Familien stritten sich bereits um Motorrad, Auto, Kühlschrank und TV. Um die junge Witwe mit Kind kümmerte sich keiner.

Eines nachts klagte der junge Mann, ihm sei übel und er hätte Atembeschwerden. Er ging ins Spital, eine Privatklinik.
Ein Arzt untersuchte ihn kurz, gab ihm Paracetamol und schickte ihn nach Hause zurück. Zwei Tage später war er tot.
Wahrscheinlich wurde er vergiftet. Die junge Frau wollte nach dem plötzlichen Tod ihres Gatten die Polizei rufen und den Fall untersuchen lassen. Doch die Schwester des Verstorbenen hatte eine schnelle Kremation bereits in die Wege geleitet. Der Leichnam wurde sofort auf einen Pick-up verladen und nach Kamphaeng Phet gekarrt, ungefähr 350 km südlich, und dort sofort eingeäschert.
Die Trauerfeier, die fand jetzt statt.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Nachbarschaft
Beitrag von: Low am 12. Dezember 2008, 18:23:36
Nachbarschaft

Einer der Nachbarn, ein Schurke, der alles stiehlt was nicht festgenagelt ist und der papierlose Burmesen ausnimmt, hatte Probleme. Seine Frau arbeitete und lebte seit Jahren mit den beiden Kindern in Krabi. Er wohnte nun auf dem Gelände der Birmanen, wo er wie ein Hund alles bepinkelte.
Dieser Kerl ging zum Haus seiner früheren Nachbarin und verprügelte die über Fünfzigjährige und drohte sie umzubringen, weil sie angeblich mit seiner Gattin in Krabi telefonierte und erzählte, er hätte eine neue Frau. (Eine der hilflosen Burmesinnen.)
Die attackierte Frau bestritt vehement die Vorwürfe. Der Lärm weckte ihren Vater. Der musste wohl über siebzig Jahre alt sein.
Er nahm einen Holzprügel und hieb dem Angreifer eins auf den Schädel. Blutend suchte der Hilfe im Spital, wo sie ihm die Wunde nähten. Darauf ging er zur Polizei und klagte gegen die Frau und ihren Vater. Er forderte 10´000.00 Baht Schadenersatz und Schmerzensgeld. Die Polizei rückte zum Tatort aus und sah sofort, dass sie den Banditen, der schon zur Genüge bekannt war, nicht noch belohnen sollten.

Zu Weihnachten schenkte ihm wohl jemand eine Karaoke Maschine, mit der er bereits morgens um sechs Uhr seine geklauten Liegenschaften samt Burmesen und Burmesinnen beschallte, dass unsere Betten dank der Bässe vibrierten. Ich schmiedete bereits Abwehrpläne. Doch seit Neujahr ist wieder Ruhe in der Gegend, weil er an Sylvester seine Lautsprecher gegen Schnaps verscherbelte.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: juerken am 12. Dezember 2008, 22:54:06

Mensch Löw

Du bist Klasse - im anderen Thread Preiswürdige Beiträge und hier die Kurz Geschichten - nicht mehr zu toppen.

Gruß Jürgen
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 12. Dezember 2008, 23:08:06
erstaunlich, wie man mit relativ wenigen Worten soviel sagen kann. Die einzelnen Episoden sind rund, ohne Zeigefinger oder moralische Wertung und überlassen dem Leser seine eigenen Gedanken.

Einfach toll.  :)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: † Jhonnie am 12. Dezember 2008, 23:45:51
genau. geschichten aus dem Leben gegriffen, trocken und humoristisch gesehen.
einfach mit offenen augen durch die welt geschaut findet man es in jeder ecke.

weiter so, die storys sind koestlich, von welcher seite man es auch betrachtet.

Jhonnie
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 13. Dezember 2008, 12:41:44
Liebe Leser und Schreiber,

danke für das Lob, denn ich wusste nicht, ob die „Geschichten aus Hinterindien“ eine Leserschaft finden würden.

Bisher schrieb ich Artikel über die Paarung von Ionen im Ultrahoch- Vakuum, die Einsamkeit von Elektronen bei Strömen von unter E-18 Ampere und dergleichen. (Das Feedback war mager. Der Lohn stimmte.)

Ich hatte vor, meine private Berichterstattung ab 2009 aufzugeben.
Dank dem „Echo vom Doi Inthanon“ werde ich nun frohen Mutes weitermachen.

MfG 
Rolf
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Schlangen
Beitrag von: Low am 13. Dezember 2008, 12:44:09
Schlangen

Wir reisten von Phitsanulok nach Phichit und stellten uns vor, dass es am See ein Fisch-Restaurant und ein gutes Hotel gab. Wir suchten ein Zimmer. Die äusserlich schäbigen Hotels in der Stadt mit den miefenden Bruchbuden zu horrenden Preisen begeisterten uns wenig. Wir fuhren zurück zum See. Die teilweise kränkelnden Fische in den schlecht gewarteten Aquarien entzückten uns nicht. Zu Hause hatten wir die bunteren und muntereren Exemplare der Gurami Familie. Dann fütterten wir die Fische im See mit Popcorn. Das Futter hinterliess schlierige Ölspuren an der Wasseroberfläche.

Als wir im Tesco nach Bier suchten, rief Schwägerin Tuk aus ChiangMai an. Der Vater in NahmTuang sei beim Kartoffelpflanzen von einer Schlange gebissen worden. Sie befahl uns, sofort nach NahmTuang zu fahren und dem schwer Verletzten helfen.
Das hätte im besten Falle drei Stunden gedauert, ein fast sinnloses Unternehmen. Anstelle der verlangten Hilfeleistung sassen wir in einer Kneipe und bewahrten uns vor dem Hungertod.

Der Vater half sich bereits selbst. Er und sein treuer Hund töteten den Giftwurm. Dann säuberte er die Wunde so gut es ging und versuchte möglichst viel Blut heraus zu quetschen. Er steckte die tote Schlange in einen Beutel und ging ins kleine Gemeindespital. Der Arzt dort brachte ihn ins Bezirksspital nach Nakon Thai. Dieser Arzt hatte keine Ahnung, ob der Biss gefährlich war. Serum war sicher nicht vorhanden. Währenddessen machte Tuk halb Nordthailand verrückt. Sie telefonierte uns wieder.
Weil wir in Phichit handlungsunfähig waren, rief sie Dick´s Kinder an. Doch der alte Herr war bereits unterwegs ins Provinz-Spital nach Phitsanulok. Tuk machte den Kindern Beine und organisierte bereits einen Rücktransport für ihren Vater. Wir reisten ebenfalls zurück nach Phitsanulok, wo wir, wie üblich im La Paloma Hotel, in der Nähe des Spitals, übernachteten.
Der Sanitätswagen von Nakon Thai wartete und nahm den Verletzten wieder nach Hause. In der Nacht fühlte er sich nicht wohl. Der diensthabende Arzt in Nakon Thai, offenbar noch geschockt von Tuk´s Wortschwall, brachte den alten Mann wieder zurück nach Phitsanulok. Dort gab ihm der Mediziner Paracetamol und etwas Antibiotika. Dick´s Sohn fuhr dann Grossvater wieder heim, ohne dass wir ihn je sahen. Wegen Tuk´s Intervention, legte der alte Mann mit dem Schlangenbiss innerhalb 24 Stunden über 450 km zurück. Dank dem, dass er den Biss zuerst selbst sorgfältig behandelte, es war höchstwahrscheinlich  eine Ketten-Viper, Daboia russelii siamensis, überlebte er die Transporte.
Die Viper griff ihn nicht auf dem Acker an, sondern im Hühnerstall.
Eine Nachbarin, die davon hörte, hatte nichts gescheiteres zu tun, als nach Chiang Mai zu telefonieren.

Es gibt hier auch Spei Kobras. Die spucken das Gift über drei Meter Distanz direkt in die Augen. Dann beissen sie zu.
Vor Jahren wurde Vater von einer Kobra angegriffen. Wieder half ihm ein Hund. Der kriegte das Gift in die Augen, trotzdem tötete er die Schlange. Leider erblindete der Hund am Gift, weil es keine Möglichkeit gab die Augen sofort zu reinigen. Der Hund lebte danach noch fünf Jahre und folgte seinem Meister auf Schritt und Tritt.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Schönheit
Beitrag von: Low am 13. Dezember 2008, 15:03:57
Schönheit

Schönheitsoperationen in Thailand sind preisgünstig, leider manchmal mit Lebensgefahr verbunden. Das heisst nicht, dass Menschen auf dem Operationstisch abgeschlachtet werden.
In einem Bio Spital in der Nähe des alten Flughafens, verliefen nicht alle Eingriffe zu Gunsten der Patienten. Es gab Leute, die klagten gegen den Chefarzt, weil sie mit dem grösseren Busen oder dem neuen Gesicht unzufrieden waren. Komischerweise starben die Kläger alle an Bleivergiftung.
Irgend ein Intellektueller bei der Polizei, wie Inspektor Columbo - aber ohne Mantel, fand heraus, dass der ungeschickte Arzt offenbar Profikiller auf die Tadler ansetzte. Manche der Opfer wurden vor der eigenen Haustüre erschossen. Zumindest die Adressen stimmten.
Ein Täter wurde verhaftet. Er erhielt vom Bruder des Arztes angeblich 30 000 Baht. Der Geldgeber flüchtete nach Laos.

Etwas gutes hatte die Geschichte:
Ich bin jetzt mit meinem etwas angeknitterten Kopf und dem Bierbauch voll zufrieden. Alle Operationen wurden abgesagt.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Kopfschaden
Beitrag von: Low am 13. Dezember 2008, 15:07:35
Kopfschaden

Phitsanulok. Ein 48 jähriger Verwandter starb innerhalb dreier Tage an einem Genickbruch.
Er verblüffte seine angetrunkenen Freunde und Gäste öfters damit, dass er seinen Kopf drehte, bis die Wirbel krachten. Diesmal ging er mit seinem Imponiergehabe zu weit. Er überdrehte seinen Kopf allzu kräftig, bis zum endgültigen Knack.
Anstatt nach dem Bruch sofort das Spital aufzusuchen, frass und soff er sich zu Hause während Stunden die Birne voll.
Als sich dann die Augen langsam verdrehten, war es für jegliche Hilfe zu spät.
Seine Frau, ausgebildete Krankenschwester, war überfordert und wusste keinen Rat.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Wasserpumpe
Beitrag von: Low am 14. Dezember 2008, 12:02:03
Wasserpumpe

Unsere Wasserpumpe stellte verschiedentlich nach dem Erreichen des Nenndruckes nicht ab. Wir mussten den Strom manuell unterbrechen, oder die Pumpe lief heiss, bis der Thermoschalter reagierte. Weil wir eine Pumpe mit fünfjähriger Garantie kauften, riefen wir den Kundendienst an. Nach vielen Anrufen besichtigte ein Service Mann die Anlage. Er bemängelte, dass am Wassertank zwei Leitungen angeschlossen seien. Das sei nicht gut für die Pumpe.
Ich war mit der Erklärung nicht einverstanden. Darauf rief er das Werk an. Der Techniker erklärte ihm, der Tank hätte zwei Ausgänge. Die stünden beide zur Verfügung. Thais benutzen in der Regel nur einen.
Er telefonierte mit seinem Chef in Chiang Mai und verreiste mit dem Versprechen, dass die Pumpe in einigen Tagen ersetzt würde.
Wir waren ein paar Tage abwesend. Nach unserer Rückreise telefonierte Dick wieder mit dem Kundendienst betreffend Garantiereparatur. Zwei Tage später kamen zwei Mann. Die benutzten weder Schraubenschlüssel, noch ersetzten sie die Pumpe, sondern sie palaverten für zwei Stunden in ihre Telefone. Dann erklärten sie, der Garten sei zu gross, der Motor der Pumpe könnte nur eine Stunde lang arbeiten. Sie könnten die Pumpe ersetzen, aber nur gegen ein anderes Fabrikat.
Ich wurde unfreundlich und erklärte den Spezialisten, der Motor sei in Ordnung, aber der Druckschalter würde nach Erreichen des Nenndruckes nicht abschalten. Auf meine Aufforderung entfernten sie den Schalter. Ich kontrollierte die Kontakte mit einer Lupe. Sie waren in Ordnung.
Die Männer montierten den Schalter. Die Pumpe arbeitete, der Schalter stellte nicht ab.
Die Spezialisten wollten in Bangkok einen neuen Druckschalter bestellen und verreisten.
Ich liess die Pumpe achtundvierzig Stunden lang unter Vollast laufen und wässerte den grossen Teich. Danach stellte ich die warme Pumpe ab, drehte am Druckschalter an der Stellschraube des Bimetallschalters bis es klickte. Mit etwas Nagellack aus Dick´s Beauty Salon sicherte ich das Gewinde. Nach drei Minuten werkeln, stellte der Motor wieder automatisch ab und das seit über drei Jahren.

Als zwei Wochen nach dem Besuch der „Facharbeiter“ keine Rückmeldung erfolgte, schrieb ich die Firma direkt an. Die antworteten sogar::
„Lieber Kunde,
Wir freuen uns, dass sie unser Qualitätsprodukt kauften.
Wir bedauern, dass sie Probleme mit dem Schalter haben.
Wir müssen ihnen leider mitteilen, dass die 5 jährige Garantie nur den Motor betrifft. Einen Garantieanspruch auf den Schalter haben sie nicht.
Wir sind aber gerne bereit, ihnen einen neuen Schalter für THB 350.00 per Nachnahme zuzustellen.“

ACHTUNG:  Bei den meisten Geräten und Apparaten (Waschmaschine, Geschirrwaschmaschine, Kühlschrank und TV) beschränkt sich die 5 jährige Garantie auf den Motor. Die Laugen-Pumpe in der Waschmaschine hat zwar einen Motor. Die Pumpe als Teil unterliegt keiner Garantiepflicht. Beim Fernseher hat man Pech, weil dort garantiert kein Motor drin ist. Aber wer weiss das schon?
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Profuuu
Beitrag von: Low am 14. Dezember 2008, 12:04:38
@ Profuuu
danke für das Lob, ist fast wie Red Bull (verleiht Flügel)..... aber
während Du mit den fundierten, illustrierten Arbeiten prächtige Torten produzierst, übe ich am Kleingebäck.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Schokolade
Beitrag von: Low am 14. Dezember 2008, 12:14:13
Schokolade

Eines Abends genoss ich einen trockenen weissen Chateau de Loei (Chenin blanc, 2003, Thailand) und las in Umberto Eco’s Baudolino. Da läutete eines der Telefone. Es war Frau Ente, die mich zu einer Party einlud und zusätzlich nach Bier und Schnaps verlangte, denn Thais haben selten Vorräte im Haus. Diese Frauen tranken Unmengen. Ich wollte Leber und Kopf schonen und lehnte dankend ab.
Sie benutzte Trick 17 und sagte, meine Lieblingsfreundin Wen sei nach Monaten aus Krung Thep zurück, deshalb die Party. Wen möchte mich umgehend sehen. Zehn Minuten später kamen Wen und Pornthip ins Haus und begrüssten mich mit Herzen, Mund und Händen. 
Pornthip machte sich am Kühlschrank nützlich. Während dessen küsste ich Wen zwei oder drei mal, wer schaut da schon ganz genau und gab der Süssen etwas Süsses, eine Schokolade. Ich sagte, ich käme etwas später, ich müsse mich erst anziehen, was die Frauen begriffen.

Nach längerer umständlicher Toilette, in Thailand kann man sich für alles viel Zeit lassen, besuchte ich das Haus von Seng Lah. Die Frauen tranken schwatzend Bier und Gin Tonic.  Plättchen und Platten mit Essen gab es im Überfluss. Hierzulande serviert man rohes Gemüse, wie lange Thai-Bohnen, die müssen nicht gekocht werden, Koriander, Wasserspinat, Frühlingszwiebeln, Basilikum und dergleichen auf Eis. Ich staunte nicht schlecht, als ich mitten in der grünen Gemüseplatte die braune Schokolade entdeckte.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Sauftour
Beitrag von: Low am 14. Dezember 2008, 12:24:03
Sauftour

An einem Novemberabend kauften wir im neu eröffneten Kad Farang, bloss einige Minuten vom Haus entfernt, einige Lebensmittel.
Auf dem Rückweg knallte etwas am Auto, als wir links abbiegen wollten. Ich dachte, dass Dick einen leeren Ölkanister der benachbarten Werkstätte überfahren hätte. Doch dann schepperte rechts vom Auto funkensprühend ein Motorrad mit drei Mann, wie üblich ohne Helm, auf der Überholspur über den Boden. Ein zweites und ein drittes Motorrad krachten in das erste mit der Besatzung.
Der dritte Motorradfahrer drehte sofort seine Maschine und ergriff als Geisterfahrer die Flucht. Ich rief sogleich die Polizei in Hangdong an,
denn die Nummer war in meinem Handy gespeichert.
Währenddessen stürzten  weitere Motorräder in die Falle. Zwei Männer stoppten den Verkehr. Einige Töfffahrer forderten uns auf, abzuhauen. Ein Anderer sammelte Kleinteile und Flaschen und deponierte sie im Gebüsch. Wir warteten auf Ambulanzen und Polizei.
Der erste Motorradfahrer gab zu Protokoll, Dick hätte ihn angefahren.
Der Mann stank nach Alkohol und war stockbesoffen. Bier und Schnapsflaschen lagen immer noch um die Motorräder.
Dass der Motorradfahrer schuld war, zeigte der Schaden am Auto eindeutig, oder Dick hätte das Rad rückwärtsfahrend rammen müssen.
Am Sonntag ging sie zur Polizei für den Rapport für die Versicherung.

Dort zeigte sich, dass zehn Motorräder und ihre Fahrer an einem Rennen von Chom Thong nach Chiang Mai beteiligt waren.
Die Meisten der Herren waren angetrunken und hatten weder Fahrausweise, Nummernschilder noch Versicherungen.
Eines der Räder war ziemlich neu. Kaufbelege konnten nicht vorgezeigt werden. Wahrscheinlich war das Fahrzeug geklaut. Das Nummernschild war Eigenbau.
Ein Polizist besuchte mit Dick die Verletzten im Spital. Vor einem Zimmer sass eine weinende Frau. Sie wollte von Dick 30'000 Baht. Dick lächelte nur.
Der Polizist erklärte der Frau, wir hätten den Unfall nicht verursacht. Wer denn unseren Schaden bezahle? Darauf erzählte die Frau, dass sich die jungen Männer täglich betranken.
Ein besorgter Grossvater gab zu, dass die Missetäter bereits den vierten Unfall verursachten. Sie töteten bereits einen Radfahrer.
Den dritten, den flüchtigen Fahrer, erwischte die Polizei, als er im Spital seine gebrochenen Zehen behandeln lassen wollte.
Die Bilanz der Sauftour: Zwei Tote, mehrere Verletzte und ein Bagatellschaden hinten links am Auto.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Cognac
Beitrag von: Low am 14. Dezember 2008, 17:42:36
Cognac

Wie trinken wir einen Cocnac, einen Weinbrand?
Es mag Banausen oder Clochards geben, die setzen sich die Flasche einfach an die Lippen.
Geniesser nehmen ein schönes bauchiges Glas, wärmen es unter Umständen sogar an, giessen etwas XO Grande Champagne ein,
fassen den Kelch so zart an wie eine schöne Frau und...
riechen, lassen den Geschmack in der Nase entfalten und dann
benetzen sie die Zunge, den Gaumen mit kleinsten Mengen der goldenen Flüssigkeit.
Man schmeckt hundert Aromen und empfindet eine wohltuende warme Sensation im Hals.
Das erlebte ich schon lange nicht mehr. Nicht das weibliche Fluidum, ich meine edlen Cognac und schwelge in Erinnerungen.
Ein Cognac ist üblicherweise so kräftig, dass man ihn nur in kleinen Schlücken trinken kann.

Ganz anders ist es bei den Einheimischen in Hinterindien.
Es ist heiss. Man will ein richtiger Mann sein. Man zeigt, dass man Geld hat und knausert nicht. Da wird die teuerste Flasche für oft über hundert Euro bestellt. Dann müssen Teegläser her und Eis, viel Eis. Eis ins Glas, aufgefüllt mit Courvoisier, Hennessy, Martell, Remy Martin oder was immer das Haus anbietet.
Anstossen mit viel Lärm und Geschrei und dann den Inhalt in einem Zug hinunterstürzen.
Beim Trinken die Arme so halten, dass die goldene Rolex auffällt, das ist die Sitte hier.
Wenn man dann nach einigen Gläsern nicht mehr stehen kann, bringen dich die Saufkumpane nach dem Bezahlen sicher in den Benz.
Das ist internationale Folklore von HongKong bis Singapore.

Wo bleibt der Spass, wenn die lieben wie sie saufen?
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: nongphrue am 14. Dezember 2008, 19:04:09
@Khun Low,

Herzerfrischend!!!!

tschau
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: dii am 14. Dezember 2008, 19:24:22
...die sind so?  ;D   ...koennen halt nicht Dosieren, nichtma sich schoen langsam einsumpfen  ;D   ...die sind so  --C   ;D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien @ dii
Beitrag von: Low am 15. Dezember 2008, 12:55:02
@ dii

Du hast recht: Die sind so. (Ich kenne die Bilder)
Aber man könnte auch sagen, wir sind anders.

Positiv betrachtet ist es doch so,
dass wenn die auch anders wären, der ganze Spass, die Spannungen und vielleicht ein Teil der Exotik verloren gingen.

Dann gäbe es keine Geschichten aus Hinterindien.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Beziehungen
Beitrag von: Low am 15. Dezember 2008, 12:57:20
Beziehungen (Dez. 2004)

Wenn ich eine Frau treffe, wo auch immer, zum Beispiel an einer Party, sprechen die Frauen im Dorf sofort von Tengan – heiraten. So auch heute. 
Das geht hier leicht und unüberlegt. Hat man mal die Mia Luang, Hauptfrau, und sieht man ein besseres Stück, dann gibt’s halt zusätzlich  eine Mia Noi, Zweitfrau. Und Mia Noi kann man etliche haben. Gefällt die Nummer Eins gar nicht mehr, dann lässt man sie stehen. Thai Ehen werden selten registriert.
Ein Geisterbeschwörer, ein Stück Schnur um die Köpfe,  Bier, Schnaps und Essen für die Gäste, oder der blosse Klatsch reichen vollkommen.
Der Dorfklatsch klassifiziert die Verhältnisse, ob Paare verheiratet sind oder nicht. Meine angebliche Mia Noi ist Mia Luang eines Mannes, der in Krung Thep eine Familie hat, also ist sie bloss dessen Mia Noi. Weil aber Krung Thep weit weg ist, ist der Liebhaber laut Klatsch Ehemann Nummer eins, obwohl nie etwelche Zeremonie stattgefunden hat. Diese Mia Noi sah ich glücklicherweise Monate lang nicht mehr. Sie ist lieb, frisst Unmengen Futter, ist jedoch unglaublich dumm. Das ist hier normal, ohne dass die Leute geistig behindert sind.

Warum kam sie überhaupt ins Gerede als Mia Noi? Sie besuchte mich hin und wieder ohne Begleitung. Das war’s.
Als mir einmal eine Angestellte von American Standard einen Katalog ins Haus lieferte, wurde sie angehalten und gefragt, ob sie meine neue Mätresse sei.

Diese nicht Mia Noi hatte eine verheiratete gleichaltrige Freundin, die war schwanger. Darum wünschte sie sich auch ein Kind. Ihr Mann, der mit der Familie in Bangkok, machte zwar die Leibesübungen zu zweit öfters, wollte aber keine weiteren Kinder. Sein Nachwuchs mit der Mia Luang reichte ihm zur Genüge.
Sie kam zu mir und besprach ihr Problem. Ich sagte ihr, wenn sie unbedingt ein Kind wolle, solle sie die Präservative präparieren.
Sie verstand das sofort und wollte mit einer Schere die Spitze wegschnipseln. Ich konnte sie davon überzeugen, dass es schlauer wäre,
den Gummi mit einer Nadel zu perforieren.
Der Manager aus Bangkok war nicht auf den Kopf gefallen und blies die Gummis vorsichtigerweise vor Gebrauch auf.
Sie wollte unbedingt geschwängert werden und bot mir viel Geld an für meine Mitwirkung. Da ich die einzige Langnase weit und breit war
und ich mir das Getuschel im Dorf spätestens nach einer Geburt ausdividieren konnte, verzichtete ich schweren Sackes auf den lukrativen Nebenverdienst.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Abwasser
Beitrag von: Low am 15. Dezember 2008, 13:38:22
Abwasser  (Dez. 2003)

Wir haben keine Kanalisation. Das  Abwasser von Küche und Dusche geht in den Bach oder ins Reisfeld. Für die Fäkalien gibt es einen Tank, der hie und da entleert werden sollte. Thais finden das überflüssig. Das heisst, jedes Haus im Dorf, mit  seltenen Ausnahmen, steht in den eigenen Exkrementen die dann durch Überschwemmungen entsorgt werden. Moderne Septic Tanks müssen nicht mehr entleert werden. Sie enthalten eine eingebaute ARA, wer’s glaubt.
Als mein Dreck am Ostersonntag abgepumpt wurde, meinte Poo, das sei eine unnötige Ausgabe. Bei der Nachbarin Gäu habe danach die Toilette nicht mehr funktioniert. Sie warnte mich eindringlich, doch erfolglos.
Bei Poo füllt man zu viert seit 9 Jahren den Topf, bei dem die Kacke mittlerweile durch die Entlüftung unter dem Haus in die Umwelt gelangen dürfte.
In der Schweiz könnte man nach diesem System das Geld für die Abwasserreinigungsanlagen einsparen und damit die AHV subventionieren. 
Was früher Brot für Brüder hiess, heisst in Thailand Scheibenkleister für alle, oder geteilter Kot ist doppelte Freude.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: rh am 15. Dezember 2008, 14:49:24
@ Low

verzichtete ich schweren Sackes auf den lukrativen Nebenverdienst.


Wunderbar formuliert.
Ich hoffe,Du bist inzwischen anderweitig entschaedigt worden. :-X :-X :-X :-X :-X :-X
rh

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien @rh
Beitrag von: Low am 15. Dezember 2008, 15:54:29
@rh

In diesem Zusammenhang von Herzen zu sprechen würde an Blasphemie grenzen.
Schweren Herzens wird umgangssprachlich als widerwillig definiert.
Schweren Herzens = Weltliteratur
Schweren Sackes   = Forenliteratur

Anmerkung betreffend Entschädigung:
Sie war (ist?) ja nur Mia Noi. Du vergisst Mia Luang.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Grüner am 15. Dezember 2008, 17:18:38
Die Geschichten sind wirklich treffend und amüsant zu lesen. Danke und mach weiter!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: örni am 15. Dezember 2008, 23:53:30
Low ich bin über 20 Jahre in dem "Irrenhaus Siam " tätig.  --C --C --C Du triffst den Nagel auf den Kopf. (http://img519.imageshack.us/img519/5593/menschen144bo5.gif) (http://imageshack.us)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Elektromotorische Kraft
Beitrag von: Low am 16. Dezember 2008, 14:47:25
Elektromotorische Kraft

In einem kleinen Restaurant regte schon die Präsentation der Speisen mit den dekorierten farbigen Gemüsen die Verdauung an. Das Essen schmeckte fabelhaft. Der Service stimmte. Die Preise waren bescheiden. Kein Wunder, dass unsere Besucher das Lokal innhalb weniger Tage öfters besuchen wollten.
Die Gaststätte hatte nur ein Problem, ausser uns praktisch keine Kunden.
Als wir erneut dort waren, wurden wir freundlich begrüsst und bedient. Dick bestellte Huhn in Pandanusblättern, Frühlingsrollen mit Garnelen und Lychee und einen Fisch.
Weil die Kasse nicht stimmte wurde der kreative teure Koch gegen eine preisgünstigere Arbeitskraft ausgetauscht. Davon hatten wir keine Ahnung.
Das Resultat klärte uns auf. Die Frühlingsrollen waren ölig, das Huhn war keine Gaumenfreude wie üblich. Der Fisch war zu reich garniert.
Dessen Fleisch war nicht saftig und zart, sondern trocken und spröde.
Ich dozierte, der Fisch stamme aus dem Gefrierfach. Wir hatten in der Gegend längere Stromausfälle, er sei deshalb aufgetaut und wieder eingefroren.
Tags darauf hatte ich Fieber. Wir hatten heisses Wetter, bis 43 Grad am Nachmittag. Deshalb hielten wir Siesta im einzigen klimatisierten Zimmer.
Da passierte es plötzlich, dass mein Darm keine Luft, sondern stinkige Flüssigkeit abgab. Ich kannte nun den Grund der Übelkeit: Der Fisch.

Ich wollte mich im Badezimmer säubern. Da fiel der Strom aus.
Wenn wir keinen Strom haben, arbeitet die Wasserpumpe nicht, keine Klimaanlage, kein Internet, kein Licht, keine Waschmaschine. Nichts mit Duschen.
Mia holte Wasser aus dem Teich. Nach sieben Stunden endlich konnte ich dann duschen. Wir hatten Strom bis zum nächsten Nachmittag. Dasselbe Programm wiederholte sich. Ich war im Badezimmer .......

Durch starken Wind angetrieben, sägte ein Palmblatt an der Isolation der Stromleitung bis die Palme Feuer fing. Während dessen versuchte eine Frau etwa zehn Mal vergeblich die Behörde telefonisch zu informieren.

Die Leitung schmolz nach geraumer Zeit durch und fiel auf die Strasse. Schlangengleich und funkensprühend sprang das Kabelende hin und her. Ein paar Burmesen waren unterwegs, um ihr Moped zur Reparatur zu bringen. Sie erkannten die Gefahr nicht. Die unberechenbar zuckende Stromleitung tötete die Leute. Die dürften eigentlich weder ein Handy noch ein Motorfahrzeug benutzen.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Depressionen
Beitrag von: Low am 16. Dezember 2008, 18:46:55
Depressionen

Es war in den 70er Jahren. Bumser Bomber flogen von Europa nach Thailand, als Tripper Clipper starteten sie zurück.
Ich weilte in der Nähe, als ein Kommandounternehmen in U-Tapao ein paar B 52 Bomber sprengte.
Ich war im Land, aber nicht am Ort des Geschehens, als ein noch nicht 10 jähriges Mädchen gegen Bomben und Artilleriefeuer Gräben ausheben musste.
Sie musste zusehen, wie ein Teil ihrer Lehrer erschossen wurde.
Sie pflegte Verletzte. Sie versuchte auf der Strasse mit blossen Händen die Eingeweide Verwundeter zurück in den Bauchraum zu pressen.
Sie erlebte, wie ihr Vater zwangssterilisiert wurde.
Vor wenigen Jahren begleitete ich sie während Monaten ins Spital, wo ihre Depressionen endlich behandelt wurden.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Raumpflegerinnen
Beitrag von: Low am 17. Dezember 2008, 13:14:17
Raumpflegerinnen

Früher hiess das Putzfrau. Unter Raumpflegerin könnten sich Thais nichts vorstellen. Unter putzen schon: Man nehme hundert Liter Wasser und reinige damit einen Teller.
Merke: Je mehr Wasser, desto sauberer der Teller. TIT.
Die Vermieterin meines ersten Hauses wurde zugleich mein Mädchen für Alles.
Die attraktive Lady erklärte sich spontan bereit, mein Haus zu reinigen, mich zu bekochen und klar, auch die Wäsche würde sie waschen, bügeln, aufhängen etc., sofern der Preis stimmte.
Sie war eine gute Köchin für drei Tage. Dann verstarb ihre Schwester. Sie verreiste und ich richtete zwangsweise innert Stunden meine Küche ein.
Ich kaufte Reinigungszeug und war unabhängig.
Sie kam zurück, liebte meine Unabhängigkeit nicht und sie zeigte mir, wie sehr ich auf sie angewiesen war. Ich liess mich verwöhnen. Beim Frühstück demonstrierte sie täglich, wie geschickt sie mit ihrem Wedel den Staub aufwirbeln konnte. Dazu liess sie ihre Hinterbacken kreisen, dass ich die Eier ohne Speck verzehren konnte.
Die Häuser waren eng aneinander gebaut. Die dünnen Gipswände liessen mich an den sämtlichen Aktivitäten der Nachbarn teilhaben.
Jeder Furz war ein 3D-Spektakel. Manchmal dachte ich, die Kinder spielen in meinem Wohnzimmer und oh je, jetzt ist eines in WC gefallen.

Sie war eine Dame von Welt. Sie klärte mich auf:
„Du musst einen Fernseher kaufen. Ohne TV ist hier nichts mit Liebe machen und keine Frau wird dich je besuchen. Wenn du Damenbesuch hast, musst du den TV aufdrehen, sonst hören die perversen Schweine zu.“
Ich wusste nun, wenn abends ein Wagen vorfuhr, sie war meine Nachbarin, und darauf ihr Heimkino laut wurde, welche Sportart betrieben wurde.

Nach einigen Wochen hatten wir einen Verkehrsunfall.
Wir waren beide im Spital im selben Zimmer. Warum? Wir sassen beide im selben Wagen, also gehörten wir zusammen. Des Nachts schlief dann ihr Liebhaber neben ihrem Bett auf dem Boden und gewährte ihr Schutz vor dem Farang, denn im Zimmer hatte es einen Fernsehapparat.

Ihr rechter Arm war verletzt. Sie konnte ihre Geschäfte nicht mehr wahrnehmen. Als Generalunternehmerin besorgte sie mir eine neue Arbeitskraft, Khun Poo.
Poo kochte gut und leistete mir bei den Mahlzeiten Gesellschaft. Sie hatte Familie und deshalb seelische Probleme, die sich mit Bier lösen liessen.
Aber ich hatte noch immer keine Television.



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Ingo † am 17. Dezember 2008, 13:42:14

Aber ich hatte noch immer keine Television.

Und was nun lieber Low, hast Du einen?  :-)

Wir alle wohl sind richtig gespannt.

Gruesse von Ingo
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 17. Dezember 2008, 14:12:11
Jetzt weiss ich endlich, warum die Dörflerinnen immer zuerst nach der Remote suchen, bevor es zur Sache geht...  :D

Einfach köstlich, Low.  :)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Raumpflegerinnen 2
Beitrag von: Low am 17. Dezember 2008, 14:16:35
Ingo,
mein Los war nicht der TV. Mein Los war, dass ich die Hilfskräfte im LOS los wurde.

Raumpflegerinnen 2

Mein Mietshaus hatte einen Nachteil. An zwei Wänden war es mit den Nachbarhäusern zusammengebaut.  Zwei Seiten gingen grenzenlos zur  Strasse. Wie ihr wisst, ist es in Thailand bitter kalt. So kalt, dass man einen Diesel vor Gebrauch aufwärmte. Die Kinder mussten um 07 00 zur Schule, also starteten die Nachbarn ihre Pick up´s um ungefähr 06 30. Dann stank es gewaltig im Haus, denn um die Ecke konnten etwa 5 Fahrzeuge geparkt werden.
Ein Teil des Russes gelangte in meine Wohnung. Das gefiel mir nicht, denn dieser Dreck belastete meine Atemwege.

Etwa 250 m von meinem Domizil entfernt, entdeckte ich ein niedliches Häuschen in einer kaum befahrenen Nebenstrasse. Links und rechts davon war Dschungel. Gegenüber dem Haus wucherte Urwald. Kein Verkehr, nichts. In der Sackgasse standen bloss vier Häuser. Das kleine Haus war zum Verkauf ausgeschrieben. Nach einer kurzen Besichtigung der etwa 60 Quadratmeter, machte ich am Ostersonntag eine Anzahlung von 10 000 THB. Am Tag darauf verreiste ich Richtung Europa. Ich wusste, dass ich im nächsten Winter eine bescheidene aber gediegene Unterkunft hatte.
Während meiner Abwesenheit bezahlte die Haushälterin die Rechnungen des Mietshauses nicht, obschon das Geld in ihrem Besitz war.
Die Elektrizitätsgesellschaft kappte kurzerhand die Leitungen.
Also feuerte ich sie. Sie hatte auch kein Interesse am Haushalt im neuen Haus. Der Fussmarsch hätte sie zu sehr angestrengt. Ein Motorrad hatte nicht.

Ein Freund hatte eine Bekannte. Die suchte Arbeit. Sie hatte einen Universitätsabschluss als Lehrerin. Unterricht zu geben war ihr zu beschwerlich. Aber sie liebte das Kochen. Deshalb stellte ich sie ein.

Die junge Frau verbrachte zuvor einige Monate in Australien bei ihrem Freund. Ich dachte, die paar Quadratmeter eines Faranghaushaltes sollten für sie problemlos zu bewältigen sein. Bevor sie ihr Tagespensum bei mir begann, bereitete sie Frühstück bei Nachbarn und hielt wacker mit. 
Jeden Tag brachte sie ein paar Pflanzen für den Garten mit, die sie unterwegs klaute. Täglich fragte sie mich, ob ich den Pomelo Baum wirklich wolle.
Nach ungefähr einer Woche bemerkte ich, dass der Pomelo den Platz gewechselt hatte, er war etwa einen Meter vom alten Standort entfernt.
Einen Tag darauf wurden es zwei Meter, dann drei und vier Meter und nach zwei Wochen schmiss sie den Baum ungefragt weg.
Weil mir der täglich erneut gewedelte Hausstaub nicht passte, kaufte ich einen Staubsauger. Ein Besucher hatte Lachanfälle, als ich der Lehrerin den Gebrauch des Saugers erklärte. Waschlappen, Putzlappen, kleine Werkzeuge, Batterien, Briefmarken, Teile ihrer Kleidung und ihre Haare verschwanden ungewollt in der Teufelsmaschine und sie fand den Schalter nicht.

Einmal fragte sie nach dem Abwaschen, sie sei fertig mit der Hausarbeit,
ob sie ihr Motorrad reinigen könne. Ich hatte nichts dagegen.
Ich schritt aber energisch ein, als ich sah, dass sie dazu die Gerätschaften wie Gefässe, Bürsten und Tücher aus der Küche verwenden wollte.
Zu guter Letzt erlöste mich der Australier von dieser Hilfe und heiratete sie.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: SomTam am 17. Dezember 2008, 15:37:18

Super Stories  :D genial zu lesen ..... freue mich schon auf mehr mehr mehr  ;D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Ingo † am 17. Dezember 2008, 16:40:58
Zu guter Letzt erlöste mich der Australier von dieser Hilfe und heiratete sie.

Lieber Low,
immer haben deine Geschichten einen versoenlichen Ausgang.

Du bist ein Glueckspilz.

Gruesse von Ingo
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Raumpflegerinnen 3
Beitrag von: Low am 17. Dezember 2008, 19:51:31
Raumpflegerinnen 3

Poo benötigte Geld. Sie war bereit, erneut für mich zu arbeiten.
Sie kochte gut. Bei schönem Wetter dinierten wir vor ihrem Haus auf der Strasse. Selten kochten wir bei mir. Ihre Kinder liebten Pasta. Dann war ich der Chef. Manchmal lud mich die Familie sogar in Restaurants ein.

Die Hausarbeiten erledigte Poo zügig. Einen Staubsauger besass sie selbst. Ihr Problem war ihre Eifersucht.
Tratschtante Poo erzählte im Dorf freudig intime Geschichten, die sie sich beim Putzen ausdachte, wenn sie zufälligerweise mal ein langes Haar im Schlafzimmer fand.

Kurzhaarige Frauen sind hier Mangelware oder sie sind alt und nur bei Neumond zu gebrauchen.
Manchmal verlor die Masseuse etwas Kopfschmuck. Gewiss gab es hin und wieder ein Haar einer Besucherin. Mit der Zeit wusste Poo, welches Haar zu wem gehörte.

Um den Reizquotienten niedrig zu halten, saugte ich das Schlafzimmer nach heiklen Sitzungen eigenhändig, bevor sie zum Dienst erschien.
Richtig flippte Poo aus, als sie ihre eigenen Haare entdeckte und nicht wusste, wo sie das Zeug einordnen sollte. Dann streikte sie ohne Vorwarnung und nahm gleich ein paar Tage frei.
So war ich gezwungen erneut Ausschau zu halten.

Freundinnen aus der Stadt brachten hin und wieder Anwärterinnen für den heiklen Posten. Es waren immer lustige Stippvisiten mit mindestens einem halben Dutzend junger Frauen. Sie brachten allemal Essen mit und gute Laune. Ich stellte die Getränke, Geschirr und Besteck und dann wurde meistens draussen getafelt.
Als wir nach einer Mahlzeit gesellig zusammen sassen, hörte ich intensives Geschirrklappern im Hause. In der Küche war kein Mensch zu sehen. Aha, die Geräusche kamen vom Badezimmer. Ich sah nach. Da sass doch die zukünftige Haushalthilfe mit dem Abwasch auf dem Boden vor dem WC und spülte die Teller im Monoblock.

Zum Glück arbeitete Poo weiter, bis ich eine feste Beziehung hatte. Damit machte ich sie endgültig unglücklich, denn mittlerweile besass ich einen riesigen Plasma Bildschirm. Er war an die Wand geschraubt und so gross, dass mich Gäste immer wieder fragten: „Hast du eigentlich keinen TV?“

Die erste Raumpflegerin die ich hatte, ist eine fabelhafte Köchin. Sie hat ein gutes Verhältnis zur Mia Luang. Manchmal essen sie zusammen eine Kleinigkeit am Mittag, weil es für mich nur Früchte gibt.
Vor einigen Monaten machte sie der Mia Luang das Angebot:
„Eine fleissige Putzfrau habt ihr ja. Du selbst, der Garten, das Haus und das Auto gefallen mir. Für 6000.00 im Monat wäre ich gerne Mia Noi.“





Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: markusz am 17. Dezember 2008, 21:06:03
Habe erst jetzt rein gelesen. Erfrischende Geschichten...   ;)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Rasen
Beitrag von: Low am 18. Dezember 2008, 17:13:33
Rasen       Mai 2004

Rasen ist für die meisten Thais kein Thema. Das ist der Ort für den Abwasch, die Deponie für Hühnerknochen, Plastiksäcke, Zigarettenkippen, kurz – eine Müllhalde.
Zwei kleine Mädchen, ihre Mütter arbeiteten auf der Baustelle, besuchten mich im Gästehaus, weil sie sich langweilten.
Ich bot ihnen eine Verdienstmöglichkeit und bat ich sie, den Garten zu wässern. Sie gossen sämtliche Pflanzen, aber nicht den Rasen. Steine, Abfälle und Unkraut, welches ich mühsam aufgesammelt und zur Seite gelegt hatte, warfen sie kurzerhand wieder ins Gras.
Auf der Baustelle ist es dasselbe. Was nicht unmittelbar auf dem Boden landet, wird zum Fenster hinaus geschmissen. Bauschutt, leere Flaschen, Getränkedosen, Essen, Schrauben, Nägel und leere Zementsäcke. Ein Aufenthalt im Garten wäre lebensgefährlich.
Das ist ebenfalls bei vielen Thaihäusern der Fall. Der einzige Hinderungsgrund für die Entsorgung aus dem Fenster sind manchmal die Moskitogitter.

Das schönste Erlebnis dieser Art hatte ich im Haus eines Bekannten.  Seine Frau bereitete Nachtisch.
Für die Europäer gab es eine undefinierbare Creme englischer Bauart.
Die Thailänderinnen entschieden sich für Durian. Der Hausherr bat die Damen die Stinkfucht, die ihrem Namen alle Ehre machte,
draussen vor dem Haus zu essen. Ich zog die Frucht der scheusslichen Pampe vor, vielleicht weil ich bereits als Knabe im Handfertigkeitsunterricht Leim und Fischkleister verkostete.
Die Dame des Hauses legte ein Stück köstliche Frucht für mich auf einen Teller.
Ihr Gatte kam, schnupperte leicht, dann energisch, das Gesicht rötete sich und wütend schleuderte er meine Frucht samt Teller durchs offene Fenster in den Garten. 
Seine Frau beobachtete den kühnen Wurf, ging zur Bar, entnahm ein paar Flaschen Schnaps und schmiss mit lauten Worten die Alkoholika der Durian nach.
Dieses Rezept nennt sich dann:
Stinkfrucht mit Grand Marnier im Grasbett.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: tom_bkk am 18. Dezember 2008, 17:28:17
Meine Putzfrau kommt jeden Sonntag um 9.00 - dann putzt sie das ganze Haus und macht alles sauber - um 14.00 ist sie wieder weg. Das macht sie gut, und ich wuerde auf Teufel komm raus nie auf die Idee kommen, sie fuer mich kochen zu lassen ginge zu weit ... und liegt auch sicher nicht in ihrem Kompetenzbereich  ;)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: @ tom_bkk
Beitrag von: Low am 18. Dezember 2008, 17:57:00
@ tom_bkk

Tom, du lebst in der Stadt. Um die Ecke gibt es 100 leckere Garküchen.
Es hat Tausende von Restaurants.
Ich lebte hier alleine auf dem Land, inmitten von Reisfeldern.
Lanna Food ist nicht jedermanns Sache. Es gibt widerlich stinkendes Grünzeug. Dann Spezialitäten wie Raupen auf Akazienblättern, oder Reis mit gebratenem Bambuswurm. Unsere Nudelsuppenläden brauchen auf einen Liter Wasser mindesten 50 Gramm Zucker.
Für  eine Person zu kochen ist unsinnig und alleine essen ist langweilig.
Ich bin meinen Köchinnen für die erlesenen und gesunden Speisen und die Gesellschaft ewig dankbar.
Jetzt basteln wir unsere Menus zu zweit. Die neue Putzfrau putzt nur, denn Mia Luang könnte mit dem Lanna Zeugs auch nicht viel anfangen.

Mahlzeit
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: tom_bkk am 18. Dezember 2008, 18:05:23
@low

Und auch an 100 Garkuechen hat man sich schnell mal sattgegessen - zumal man sich die guten eh auf ein paar Quadratkilometern zusammenfahrenmuesste (Orginalton meine Frau) ... wir sind eh 4 Leute im Haus 2 Flgn / 2 Thai und dann machen wir unsere eigene Garkueche ... die geht vom Wiener Schnitzel bis zum Sauerbraten und alles an Thaifood ... auch westliches Essen ist zum Kochen fast der gleiche Preis. Aber alleine ist es Kacke ja  :(
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: dii am 18. Dezember 2008, 21:25:23
...jo, bei tom_bkk is gut futtern, he he  ;)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Unbezahlbare Kultur
Beitrag von: Low am 19. Dezember 2008, 12:53:07
Unbezahlbare Kultur              März 2004

Jährlich werden für Hunderte von Millionen Dollar Artefakte aus Tempeln gestohlen und ins Ausland verfrachtet. Der Handel blüht. Die Polizei ist fast machtlos oder selbst beteiligt.

Letzthin entdeckte ich in einer Schuttsammlung um meine ehemalige Lieblingskneipe einen Kopf im Khmerstil.  Es war mir nicht möglich nah heranzugehen. Ich machte ein Foto mit dem Teleobjektiv. Das Bild sah im PC vielversprechend aus.
Ich zeigte die Aufnahme Poo und bat sie, einen Preis auszuhandeln.
Poo und Mad fuhren mit dem Motorrad hin und erstanden das Ding ohne lange Umschweife für 350 Baht.
Sie legten den Brocken von etwa 15 bis 20 kg auf einen Gartentisch. Ich spritzte mit einem Schlauch den schlimmsten Dreck inklusive weisse Acrylfarbspritzer weg, denn offenbar waren in der Nähe Maler am Werk.
Dann war ich enttäuscht, denn zahlreiche Löcher waren mit grünem Kitt oder Kaugummi gefüllt. Der Kopf war teilweise grausig mit bräunlicher Farbe überschmiert. Mit Wasser und einer Zahnbürste konnte ich die billige Dispersion fast mühelos entfernen. Doch dann wurde ich plötzlich vorsichtig, denn durch die Farbreste schimmerten Goldfragmente. Wie alt der Kopf ist, lässt sich kaum sagen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wurde er aus einem Tempel geklaut.
Seit einem Erdbeben in Chiang Mai ist er noch wertvoller geworden, denn das Ding stürzte um und ein Teil der Nase brach weg.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Airport Plaza Chiang Mai
Beitrag von: Low am 19. Dezember 2008, 16:45:49
Airport Plaza Chiang Mai                                                  Januar 2005


Dies ist eines der Shopping Center in Chiang Mai, in der Nähe von Flugplatz und Immigration. Von Postamt, Banken über Lebensmittel bis zum PC Shop findet man fast alles.
(2 Tesco Lotus, 2 Big C, 2 Macro oder 2 Carrefour sind alle ausserhalb der Stadt.)
Im Gebäude gibt es Dutzende von Restaurants. Unten, in der Nähe vom Aquarium, etwas versteckt ganz hinten ist eine Thai Markt-Szene.
Angeboten werden unter anderem Lanna Delikatessen wie Raupen, frisch oder getrocknet, Heuschrecken, verschiedene Käfer oder Bambuswurm.  Buntgekleidete Frauen sitzen auf Matten am Boden und kochen, braten, grillen und würzen alles was das Herz, respektive der Magen begehrt.
Dahinter hat es Kneipen mit noch mehr Auswahl. Weiter gibt es im Haus Pizzerien,  McDonalds, Kentucky Fried Chicken, Ice Cream Buden, chinesische, japanische und westliche Beizen.
Im vierten Stock hat es praktisch nur Futtergelegenheiten. In der Nähe des Kinos kauft man eine Kreditkarte und wählt sich dann die Gaumenfreuden in verschiedenen Kiosken aus. Alles ist erstaunlich günstig. Für wenige Euro kriegt man mehr als genug.
Für mich gab es nichts, denn ich hatte vom Vorabend noch ein paar Tranchen Huhn mit pikanter Sauce im Kühlschrank.
Darum saugte ich bloss eine Kokosnuss aus, kaufte Insektenspray, Putzpulver und ein Vollkornbrot zum Huhn. Am frühen Nachmittag brachte mich ein Taxi wie geplant nach Hause zurück.
Ich verräumte die Einkäufe, öffnet die Brotverpackung und den Kühlschrank. Pech gehabt – das Huhn war verschwunden. Poo räumte auf.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: † Jhonnie am 20. Dezember 2008, 00:50:06
also Low

Bei Huhn verschwunden kann ich mitfuehlen, das gir mir mehr mals so.
(auch mit nicht "Huhn" sachen  ;D ) .

aergerlich wenn einen die tages- oder Vorfreude verdorben wird.

jhonnie
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Unbezahlbare Kultur
Beitrag von: Buci am 20. Dezember 2008, 02:47:41
Seit einem Erdbeben in Chiang Mai ist er noch wertvoller geworden, denn das Ding stürzte um und ein Teil der Nase brach weg.

Ich fürchte, das war Obelix der Gallier.   :D

Super Geschichten. Mach bloss weiter.   (http://www.smilies-and-more.de/pics/smilies/wink/034.gif)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: In eigener Sache
Beitrag von: Low am 20. Dezember 2008, 22:47:38
In eigener Sache.

Heute früh streikte die Hälfte meiner Festplatten,
eine SATA 160 GB. Möglicherweise meuterte der Motor.
Mit einer Knoppix Version 5.3 konnte ich vom DVD Laufwerk booten und sah,
dass die eine Platte als Floppy ohne Zugriffsmöglichkeit behandelt wurde.
Ein schlechtes Zeichen war, dass die Festplatten LED dauernd leuchtete.

Schadenfreunde, ich machte Backups bis im November
und verlor nur etwa 10 Geschichten aus Hinterindien.
Die Monatsberichte, aus denen die Geschichten stammen, waren vollständig gesichert.
Trotzdem verbrachte ich den ganzen Nachmittag, mein System
mit einer Festplatte wieder gesichert in Schwung zu bringen.

Den geschätzten Lesern wünsche ich schon jetzt frohe Festtage.
Den Anderen natürlich auch.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Literatur
Beitrag von: Low am 20. Dezember 2008, 22:50:22
Literatur                                        Feb 2005

Der Schriftsteller Peter Bichsel muss in Solothurn leider weiterhin billigen und sauren Wein trinken, denn sein Buch „ Rueng Lao Pid Waela“, dürfte mit 105 Baht pro Exemplar
kaum das grosse Geld bringen.
Der Übersetzer erhält ja ebenfalls seinen Obolus.
Ah ja, der Titel des Originals ist  „Geschichten zu falschen Zeit.“
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Visa-Run
Beitrag von: Low am 20. Dezember 2008, 22:54:20
Visa-Run                            Feb 2005

Das Chinesische Neujahrsfest feierte ich in Kuala Lumpur. Meine Einkaufspläne wurden zusammengestaucht, denn viele chinesische Händler schlossen ihre Geschäfte ab 8. Februar für eine oder zwei Wochen. Ich wollte morgens um zehn Uhr (Öffnungszeit) auf die Petronas Twin Towers (Wolkenkratzer). Doch die Leute standen schon um sechs Uhr in langen Schlangen für die wenigen Gratis Tickets an.

In meinem Pass gab es noch zwei angefangene und eine leere Seite. Die leere Seite war für das Thai Visum reserviert. Eine heimtückische Kopftuchbrillenschlange am Schalter im Flughafen in Kuala Lumpur knallte trotz meiner freundlichen Anfrage lächelnd ihren Stempel rücksichtslos auf die letzte leere Seite.
 
Drei Stunden harrte ich auf der Thai Botschaft aus, um mir dann erklären zu lassen, dass es für ein Visum eine leere Seite brauche. Sie würden mich ausnahmsweise am Nachmittag empfangen,
ich solle doch eiligst auf der Schweizer Botschaft einen neuen Pass besorgen.
Ich nahm an, dass der Herr Botschafter unbeschäftigt und daumendrehend nur auf Typen wie mich wartete und vergass deshalb die freundliche Empfehlung.
Die Folge war, dass ich nun alle dreissig Tage ein visumfreies Reislein machen durfte: Hallo Burma, Sabai Laos, Ni Hau Hongkong.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Literatur
Beitrag von: Buci am 20. Dezember 2008, 23:38:59
Literatur                                        Feb 2005

Der Schriftsteller Peter Bichsel muss in Solothurn leider weiterhin billigen und sauren Wein trinken,

TJaa.... Reden für Bundesräte schreiben waren wahrscheinlich einträglicher...   ???
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Hennen Kämpfe
Beitrag von: Low am 21. Dezember 2008, 17:25:38
Hennen Kämpfe                            Feb.  2005

Ab 20. Februar herrschte Kriegszustand im Dorf. Die Eifersucht war zum Teil grenzenlos. Eine geile alte Vettel aus einem Nachbardorf wollte mich unbedingt heiraten.
Rosen, die ich von der ihr unbekannten Pornthip am Valentinstag erhielt, reizten sie zusätzlich.
Nachdem sie trotz zweistündigen teils liebestollen, teils zähen Bemühungen bei mir abblitzte, inszenierte sie am Freitag das Chaos.
Sie spielte geschickt die anderen ihr bekannten Frauen des Dorfes gegeneinander aus. Die Saat gedieh prächtig übers Wochenende.
Poo kriegte am Sonntag nach dem Abendessen von der betrunkenen Coiffeuse eine Ladung Whisky ins Gesicht.
Ich versuchte mildernd einzugreifen und sie ins Haus zu bewegen. Einige Frauen unterstützten Poo. Andere ergriffen Partei für die angesäuselte Haarkünstlerin.
Poo aber blieb standhaft draussen, bestieg mit einer Bierflasche bewaffnet den Steintisch, trompetete laut ihre Unschuld in die sternenklare Nacht und wollte unbedingt Prügel.
Nachdem die Hennen das Gelände verliessen, kehrte ich grinsend zu meinem Haus zurück.
Die Räumung war nur eine Finte, denn als ich die Veranda erreichte, ging das Gegacker in der lauen Tropennacht von Ferne erneut los.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Parkplatz
Beitrag von: Low am 21. Dezember 2008, 17:31:56
Parkplatz                                             Feb  2005

Poo kaufte einen neuen VIOS, das heisst die Bank lieh ihr das Geld.
Doch wohin mit dem Fahrzeug, das eher ein Standzeug war.
Der Platz vor ihrem Haus war knapp, weil da schon ein Steintisch für unsere Mahlzeiten stand.
Mein Haus hatte einen überdachten Abstellplatz, der nicht genutzt wurde.
Sie fragte mich, ob sie ihr Fahrzeug dort parkieren dürfe.
Ich hatte anfänglich nichts dagegen und überdachte die Angelegenheit erst,
als ihr Mann den Wagen zu jeder beliebigen Zeit, vor allem spät nachts
oder früh morgens, holte oder brachte und ich im Schlaf gestört wurde.
Aus diesen Gründen fand ich es angebracht, den Wagen andernorts abzustellen.
Weil das Fahrzeug bei mir stand, tuschelten die Frauen im Dorf, Poo hätte den Wagen für geleistete Liebesdienste erhalten.

Wer? Bung

Wie werbewirksam Klatsch sein kann, zeigte sich einige Tage später.
Im Strässchen entdeckte ich eine herrlich herausgeputzte, ja aufgetakelte
junge Fremde. Sie suchte offenbar irgend etwas. Dann klingelte sie bei mir.
Ich begrüsste sie am Gartentor. Sie zeigte lächelnd ihre perlenweissen Zähne und redete und sprach:
“Sawas dee kaaaaaa…. Khun Love.
Yu fak  ...  mi car!”

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Anti-Korruption
Beitrag von: Low am 22. Dezember 2008, 12:17:10
Anti-Korruption                                                               Februar 2005

Um die wuchernde Korruption einzudämmen, ernannte die Regierung eine Antikorruptionskommission. Als erste Handlung sprachen sich die neun Herren eine Gehaltserhöhung zu.
Die bisherigen monatlichen Einkünfte von 110'000 Baht wurden um 45'000 Baht aufgestockt.
In Mae Sariang, ungefähr 150 km von Hangdong entfernt, lag das durchschnittliche monatliche Einkommen bei 658 Baht.
Das heisst, die meisten Menschen hatten weniger, weil doch einige wenige Bessergestellte mehr absahnten.
Die eigenmächtige Gehaltserhöhung war ungesetzlich. Deshalb stand die Antikorruptionskommission nun selbst vor den Richtern, alles Studienkollegen und Freunde, - und war amtsunfähig.
Infolgedessen wohl blühte die Korruption bis zum heutigen Tag munter weiter.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Meteorologie
Beitrag von: Low am 22. Dezember 2008, 12:27:05
Meteorologie                                                                   Feb 2005

Der Chef des meteorologischen Dienstes wurde nach der Tsunami Katastrophe in den Stab des Präsidenten versetzt. (Gefeuert.)
Er versäumte es, nach den registrierten schweren Beben die Bevölkerung zu warnen, behauptete aber steif und fest, sein Amt hätte sogar die Flotte informiert.
Der Admiral wusste von nichts.
In meinem Dezember Bericht, verwies ich bereits darauf, dass das Amt eher Wetter kommentierte, als vorhersagte.
Ende Dezember, ein paar Tage vor der Flut, teilte das Amt mit, dass es im Norden bis Mitte Februar kalt bleiben würde.
Seit Mitte Januar stiegen die Temperaturen in Chiang Mai am Nachmittag auf über dreissig Grad.
Der unfähige Beamte war zugleich Bildungs- und Forschungs-Minister. Entsprechend sah es in den Schulen aus.
Von den eingesetzten PCs waren laut Ermittlungen 63 % Schrott. Zum Teil liefen auf den Maschinen Programme von 1988 und älter.
Viele Lehrer verfügten nur über bescheidene Kenntnisse, d.h. sie konnten den PC  nur ein- und ausschalten.
 
Nach einem Gesetz aus dem Jahr 1996 können Beamte für Fehler und Fehlverhalten nicht haftbar gemacht werden.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Rechenaufgaben
Beitrag von: Low am 22. Dezember 2008, 19:17:55
Rechenaufgaben                          2008

Ende März bezahlte ich die Haushalthilfe. Sie ging nach Hause.
Ihr Bruder, arbeitsscheuer Profialkoholiker, nahm ihr das ganze Geld ab und versoff es innerhalb weniger Tage.
Für das Geld bekäme er 30 Liter 40 prozentigen Maekhong. Lao Khao gäbe es noch mehr.
Eine Woche später verstarb er. Wäre der Alkohol nicht vorher verdunstet, hätte es eine spektakuläre Kremation gegeben.

Ich flambiere hin und wieder Bananen oder Garnelen.

Am Tag darauf machte Dick einen Kondolenzbesuch. Die Dorffrauen halfen ohne viel zu denken beim Kochen und Einkaufen.
Sie schleppten unter anderem 10 kg Zucker heran. Der Zucker wird nicht für Süssspeisen verwendet, sondert geht in Suppen und Gemüse.
Weiter sah Dick 20 Liter Öl und hundert kg Fleisch. Rechnet man 150 Gramm pro Person, reicht das Fleisch für mehr als 600 Leute.
Keiner hat Geld. Keiner denkt. Hier gilt es als unhöflich, wenn nicht Unmengen von Speisen übrigbleiben.
Beim Essen wird in einer durchschnittlichen Familie die Hälfte weggeschmissen.
Ich bin Kriegsgeneration, ich kann das nicht.
Wir tun es nicht. Sind wir deshalb Ki Niaoh?
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khon_jaidee am 22. Dezember 2008, 19:29:02
Eine Woche später verstarb er. Wäre der Alkohol nicht vorher verdunstet, hätte es eine spektakuläre Kremation gegeben.

Ich flambiere hin und wieder Bananen oder Garnelen.


Der Übergang war Weltklasse! ;D
Die Geschichten sind es übrigens auch...toll geschrieben - weiter so!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Frauen
Beitrag von: Low am 23. Dezember 2008, 18:09:21
Frauen

Frauen im Allgemeinen geben viele Rätsel auf und sind oft undurchschaubar, auch wenn sie sehr ansehnlich sind.
Viele Thai Frauen sind feenhafte Wesen in jeder Beziehung. Man hat sie und man hat sie doch nicht.
Sie leben in der Milchstrasse, während sich die Männer den irdischen Dreck von den Füssen klopfen
und in klaren Nächten ohne Bierdunst die flüchtigen Sternschnuppen einzufangen versuchen.

Weniger poetisch:
Lieber einen Bierkalender and der Wand als eine Puppe am Firmament.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien:Köpfe
Beitrag von: Low am 24. Dezember 2008, 14:32:26
Köpfe                            Juni  2006


Banknoten, Münzen und Briefmarken sind mit dem Porträt des verehrten Monarchen geschmückt.
Ein Leserbrief in der Bangkokpost meinte zum Thema:
„Die 25 und 50 Satang Münzen sind in Bangkok beinahe wertlos, werden kaum angenommen und öfters weggeschmissen.
Aber man sollte diese Münzen nicht einfach wegwerfen, weil sie mit dem Kopf des Königs verziert sind.“

Der Schreiber meinte, die Prägeanstalt solle die Münzen weiter produzieren, aber nicht mit dem Kopf des Königs.
Beispielweise könnte man ein Bild von Taksin verwenden. Dann wären sie zum Wegschmeissen geeigneter.“


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Weihnacht
Beitrag von: Low am 24. Dezember 2008, 23:43:02
Weihnacht

Eine süsse junge, knackige und kurvige Dorfprinzessin fragte mich:
„Was kann ich tun an Weihnachten? Ich verlor meinen Job. (In der Bar.)
Ich brauche Geld.
Die Wasserbüffel sind krank. Die Eltern sind krank. Meine Geschwister sind krank.
Die Leute im Dorf husten. Das ganze Land ist krank.
Bitte hilf mir.“

Ich erklärte:
„Am Besten gehst du als Engel arbeiten.
Kleine Flügel am Rücken,
die die Freier entzücken.
Kleider brauchst du kaum.
Dann klopfst du dezent auf deine Sammelbüchse.
Es gibt nur wenige Farang, die deinem leeren Schlitz widerstehen können.“
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Stricher
Beitrag von: Low am 25. Dezember 2008, 16:37:17
Stricher                   April 2006

Ein Bursche vom Karen Stamm lebte vom vierzehnten Lebensjahr an in einem buddhistischen Tempel.
Die Mönche betreuten, schulten und führten ihn in die Lehre Buddha's ein.
Mit zweiundzwanzig Jahren trat er aus dem Tempel aus.
 
Anschliessend schaffte er als Strichjunge in Chiang Mai an und befriedigte meistens Ausländer.
Er hatte eine Freundin. Sie arbeitete in einem Supermarkt und wusste von seiner Geschäftstätigkeit.
Unverzagt planten die Beiden ihre Zukunft und wollten einen Gemüseladen eröffnen, (vielleicht spezialisiert auf Spargel und Stangensellerie.)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Wie fluchen eigentlich Thais?
Beitrag von: Low am 26. Dezember 2008, 10:14:07
Auszeit

Nach fast vierzig Beiträgen wundere ich mich, dass ich nicht angegriffen wurde. Die Geschichten sind doch ein und dasselbe billige Strickmuster:
Sex, Alkoholismus und Kriminalität.
Dem kann ich nicht widersprechen. Aber dies entspricht einem wesentlichen Teil meiner Erfahrungen in Thailand.
Bei Gotthelf waren im Emmental die Grundlagen ähnlich. Seine Verpackung war fabelhaft. Als Pfarrer kam bei ihm ein Brocken Religion und Ethik hinzu.

In einem Land mit vorwiegend animistischer Bevölkerung bin ich vorsichtig.
Die wundervollen Tempel, die Kunst um den Buddhismus, die Verehrung des Volkes gegenüber dem Lehrer Buddha, ohne jeglichen Bezug auf dessen Aussagen einzugehen,
erfordert eigentlich neue Bewusstseinsdimensionen.

Da steht mir der heimische Bauernknecht mit seinem herzhaften: „Heilanddonner!“ wesentlich näher.
Wie fluchen eigentlich Thais? Ich weiss, auf Thai. Aber was?

Wenn in Hinterindien in einer heftigen Diskussion um nichts die Argumente ausgehen, das ist sehr schnell der Fall, heisst es sofort:
„Ich bringe dich um,“ oder gefährlicher: „Ich lasse dich umbringen.“
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Wassertropfen
Beitrag von: Low am 27. Dezember 2008, 14:11:13
Wassertropfen                                                August 2006

Weil seit Jahren alle Wasserleitungen im Dorf leckten, schraubte der Kerl der Wasserversorgung aus Bequemlichkeit einfach den Druck auf ungefähr 0.8 Bar herunter.
Seit Wochen liefen die Waschmaschinen unserer Nachbarinnen nicht mehr an. Die Ventile öffnen bei etwa 1 Bar.
Spät in der Nacht, wenn keiner Wasser brauchte, stieg der Druck etwas an und theoretisch hätte man dann waschen können. 
Die meisten undichten Stellen könnten in etwa drei Tagen in aller Ruhe mit etwas Teflonband repariert werden.
Meistens tropfen nur die Verbindungen an den Zählern auf der Gemeindeseite und die Verbindungen an den T-Stücken.
Ich dichtete unseren Anschluss und der war in Ordnung, bis der Herr Inspektor anlässlich einer Kontrolle den Anschluss öffnete und nicht wieder sauber verschraubte.
Er tropft seit Jahren bis in alle Ewigkeit. Ich könnte ihn flicken und würde das defekte Absperrventil der Gemeinde ebenfalls erneuern.
Wenn das jedoch der Herr Inspektor beim Zählerablesen bemerkt, ersetzt er es gegen ein defektes Nadelventil aus seinem Fundus und verkauft mein neues Ventil.
Das ergäbe mindestens drei Flaschen Chang.
Nach dem Eingriff des Beamten würde die Verbindung wieder tropfen.

Dorf Wasser benötigen wir glücklicherweise selten. Wir haben unsere eigene Versorgung mit 2.8 Bar.
Auf meiner Seite des Wasserzählers montierte ich deshalb einen neuen Hahn, oder ich würde Wasser ins öffentliche System pumpen.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: ATM
Beitrag von: Low am 28. Dezember 2008, 00:43:54
ATM                                             Dezember 2008

Frauen, oft aus gescheiterten Thai Ehen mit einem Kind, fragen mich immer wieder, kennst du keinen Farang, der mich heiraten würde?
Da ist diese schnuckelige Witwe mit etwas Vermögen und einem fast erwachsenem Sohn. Eigentlich eine gute Partie.
Sie war nur Mia Noi, kam mit der Hauptfrau schlecht aus und half dem Ableben ihres wohlhabenden Mannes etwas nach.
Bei jedem, zum Glück seltenen Treffen, fragt sie erneut nach einem Gatten.

Ein Staatsbürger aus einem Land wo früher Wild West Romantik herrschte,
wurde in seinem Kondominium brutal überfallen und niedergeschlagen. Im Fallen konnte er eine Kurzwahltaste seines Telefons drücken.
Der Bekannte, der den Anruf annahm, aber keine Antwort erhielt, schaute umgehend nach.
Da lag der stattlich Mann in den besten Jahren bewusstlos in seinem Blut auf dem Boden.
Wüste Wunden am Hinterkopf und Halswirbelbereich liessen Böses erahnen.
Der Mann lag einige Tage bewusstlos auf einer Intensivpflegestation und hatte Lähmungserscheinungen, die sich jedoch schnell besserten.
Man kannte den Täter, der sich um etwa zwei Millionen, zum Teil Bargeld, Baht und Dollar, zum Teil Kreditkarten, bereicherte. Er war Thai und lebte im selben Haus.
Die Polizei fand, oh Wunder, keine Verdachtsmomente gegen ihren Landsmann.

Das Opfer erholte sich relativ rasch von den Verletzungen. Ein weiterer Aufenthalt im Spital war unnötig. Für gewisse Verrichtungen brauchte er jedoch Hilfe.
Seine finanzielle Situation war trotz des Raubes gesichert. Dank seinem Arbeitgeber verfügte er fast über unbeschränkte Mittel. Die Verluste deckten  Versicherungen.
Was er brauchte, war eine Vertrauensperson, die ihm in den täglichen Obliegenheiten helfen konnte. Für die attraktive Witwe war den Mann kein Unbekannter.
Sie wollte aber keine Hilfeleistungen erbringen. Sie benötigte bloss eine funktionierende AT Maschine.

Es fand sich eine einfache Bäuerin, nicht die Schönste, nicht die Klügste, nicht die Sauberste. Aber die Frau hat ein gutes Herz, ist furchtlos und kann zupacken.
Die Bäuerin machte den Haushalt und kochte. Sie massierte und half wo es nötig war.
Der Verletzte lebte seit Jahren in Hinterindien, spricht Thai, und wurde verschiedentlich von Angestellten wüst ausgenommen. Er sah, diese Frau ist anders.
Er traute ihr und zahlte ihr ein fürstliches Gehalt. Nach kurzer Zeit kaufte er auf ihren Namen ein Motorrad und ein Condo, wo beide für einige Zeit gefahrlos leben konnten.
Sie arbeitet wieder auf den Reisfeldern, fern von jeglicher ATM.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Die Klimaanlage
Beitrag von: Low am 28. Dezember 2008, 18:37:29
Die Klimaanlage                                                       Nov 2007

In unserem Büro gab es zwei Klimaanlagen. Eine von ihnen funktionierte nicht mehr. Was sollten wir tun? Klar, den Reparaturdienst anrufen.
Der Herr kam auch ziemlich schnell vorbei und wollte sich an dem Gerät, das unter der Decke hing, zu schaffen machen. Er wurde von uns noch gewarnt, die Wände seien frisch gestrichen, er solle bitte vorsichtig sein. Etwa eine Stunde später funktionierte die Klimaanlage wieder, doch die Wand war mit schwarzen Stellen übersäht. Das ließe sich bei einer Reparatur leider nicht vermeiden, wurde uns gesagt. Nun gut. Immerhin funktionierte die Klimaanlage. Jetzt riefen wir einen Maler, damit er die Flecken überpinselte. Jedem, der einmal gestrichen hat, ist bewußt, daß Weiß nicht gleich Weiß ist. Es gibt Hunderte von verschiedenen Weißtönen. Wir sagten dem Maler daher am Telefon, welche Farbe er kaufen mußte (Hersteller der Farbe und Nummer des Farbtons). Als er kam, wollte er erst einmal ein Lineal haben. Wozu er das denn bräuchte? Was wolle er vermessen? Nein, er müßte den mitgebrachten Farbeimer öffnen. Daraufhin gaben wir ihm einen Schraubenzieher. Der tat es auch. Doch dann stieß er auf das nächste Problem. Er hatte keinen Pinsel mitgebracht. Den mußte er erst einmal kaufen. Nachdem er mit einem Pinsel zurückkam, begann er die fleckigen Stellen zu streichen. Nach getaner Arbeit bewunderten wir sein Werk. Die Wand war immer noch fleckig, auch wenn sich die schwarzen Flecken in weiße verwandelt hatten. Es war der falsche Farbton. Nach einem Hinweis wurde uns vorgeworfen, die Nummer auf dem Farbeimer nicht kontrolliert zu haben. Damit verabschiedete sich der Maler, und wir riefen einen anderen an.

Der zweite Maler ging professioneller zu Werk, denn er hatte die richtige Farbe und sogar einen Pinsel mit. Da die Flecken nun ziemlich großflächig waren, mußte die komplette Wand gestrichen werden. Er wollte schon loslegen, als wir ihm sagten, es sei vielleicht besser, den Teppichboden mit Zeitungspapier auszulegen. Die Farbe würde tropfen. Der Maler bestritt, daß Farbe tropfen würde, ließ sich nach langen Diskussionen aber dazu überreden, Zeitungen zu kaufen und auszulegen. Natürlich tropfte die Farbe – auf das Zeitungspapier. Als der Maler fertig war, wurden wir gerufen, um sein Werk zu begutachten. Zuerst fielen uns weiße Fußspuren auf dem Teppich auf, die von der frischgestrichenen Wand zum Badezimmer führten. Darauf angesprochen meinte der Maler, daß dies nicht passiert wäre, wenn er den Boden nicht mit Zeitungspapier ausgelegt hätte. Dann hätte sich die Farbe nicht sammeln können, sondern wäre sofort von dem Teppichboden aufgesogen worden. Interessant fanden wir auch, was er mit den Bildern gemacht hatte. Er war nicht auf die Idee gekommen, diese abzuhängen, sondern hatte kunstvoll um diese herumgestrichen. Einige Rahmen waren übermalt, aber vielleicht darf man das nicht so eng sehen.

Nachdem der Maler gegangen war, riefen wir eine Teppichreinigungsfirma. Die kam, reinigte den Teppich und meinte nach fruchtloser Arbeit, wir hätten zu lange gewartet, die Reinigungsfirma anzurufen. Farbreste müsse man sofort entfernen.

Daraufhin entschlossen wir uns, einen neuen Teppich zu kaufen. Der Teppich wurde vermessen und geschnitten, der alte entfernt und der neue ausgelegt. Aber der Teppichverleger hatte schief geschnitten. An der frischgestrichenen Wand mit der Klimaanlage klaffte eine große Lücke. Darauf angesprochen meinte der Mann, der Teppichschneider sei schuld. Er habe seinen Boß schon mehrfach um ein neues Teppichmesser gebeten, aber dieser sei geizig. Wir (nicht er) kamen dann auf die Idee, den Teppich andersherum zu legen, die schiefe Stelle verschwand auf diese Weise unter einem Regal.

Nach dieser Aktion wußten wir zwei Dinge: Wenn man zwei Klimaanlagen hat, reicht eine aus.
Und wenn die funktionierende Klimaanlage ausfallen sollte, dann ist die Reparatur derselben auch nicht billiger als in Deutschland. la

Quelle:
TIP Zeitung für Thailand, Zweite Ausgabe November 2007
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Kälte
Beitrag von: Low am 29. Dezember 2008, 14:16:08
Kälte                                               Dezember 2008

Im Norden Thailands, besonders in den Hügeln um Chiang Mai, wird es im Winter kalt. So kalt, dass es auf Doi Inthanon Frost, Rauhreif, Nahm Kaeng – Eis gibt.
Das ist etwas so exotisches, dass viele Thai dort oben eine Nacht frierend, schlotternd und saufend im Zelt ausharren. Als gratis Souvenir bringen sie dann manchmal eine Bronchitis nach Hause.
Weniger spassig ist die Situation für die Menschen, die auf den Hügeln in armseligen Behausungen leben.
Seit Jahren werden in Chiang Mai Kleider und Decken für diese Bedürftigen gesammelt und vor dem Kälteeinbruch verteilt.
Vor allem Kleinkinder und ältere Menschen überleben den Winter trotzdem nicht.

Dieses Jahr wurden wir durch die Witterung ebenfalls geschädigt. Wir haben zwei Teiche. Darin schwimmen seit vier Jahren vor allem einheimische Fadenfische der Gurami Familie.
Die gibt es in vielen farbenprächtigen Varianten, wie die blau marmorierten Fadenfische oder die Mosaik-Fadenfische.
Es gibt gelbe und rötliche Fische und die grössten von ihnen die Speise Gurami, rot, dunkelgrau oder weiss, werden über 70 cm lang.
Der Nachteil der grossen Fische ist, sie fressen alles, wie Pflanzen, Frösche, Würmer und kleinere Fische.
Die Fische waren handzahm und kannten uns. Wir fütterten sie öfters mit Rüstabfällen aus der Küche, mit Bananen und Kokosraspel, den Resten unserer Kokos/Rum Cocktails.
Manchmal nahm ich die Angelrute und wir fingen ein leckeres Abendessen.

In den Aquarien hält man diese Fische bei einer Wassertemperatur zwischen 22 und 28 Grad. Da ist ihnen wohl und die Männchen bauen Schaumnester an der Wasseroberfläche.
Das beobachteten wir im Garten oft.

Wir erlebten einige Überschwemmungen. Die Teiche lagen 50 cm unter Wasser. Unsere Haustiere flüchteten nicht.
Die hatten zwar freien Ausgang, wir beobachteten sie unter Bäumen und Sträuchern. Dann kehrten sie ins Becken zurück.
Nach den Fluten verzeichneten wir Zuwachs an anderen Fischen, darunter Ale und Welse.

Die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember war kalt. Vielleicht neunzig Prozent des Fischbestandes fiel der Kälte zum Opfer.
Ich prüfte Nitrit und Nitratgehalt des Wassers. Die Werte waren einwandfrei.
Wir sezierten einige Fische: Kein Pilzbefall, keine Organschäden, die Weibchen trugen Laich.
Trotz Umwälzpumpe registrierten wir noch am Mittag in einem Meter tiefe nur 16 Grad Celsius.
Solarheizung? Denkste, das Wetter war kalt und es nieselte dauernd.
Hineinpinkeln hätte wenig gebracht, es sind etwa dreissig Kubikmeter Wasser.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Denkmal-Pflege
Beitrag von: Low am 30. Dezember 2008, 20:38:47
Denkmal-Pflege                  März 2006                            Nakon Haripunchai

In einigen Tempeln werden Schulkinder jeden Alters zum Tempelunterhalt missbraucht. Anstatt dass die Buben und Mädchen fleissig lernen,
begrüssen sie uniformiert am Eingang die Besucher mit einem freundlichen Wai.
Die meiste Zeit vertrödeln die Kinder schnatternd mit dem Warten auf Gäste. Sie flechten Blumengirlanden, die als Opfergaben verkauft werden.
Sie wischen und schrubben ohne jegliche Aufsicht oder Anleitung. So vergammeln Kulturdenkmäler.
 
Die Leidtragenden sind die Kinder, die um die Chance für eine bessere Zukunft  betrogen werden. Aber die erhalten ohnehin nächstes Jahr einen Laptop von Thaksin.
Sofern sie den PC booten könnten, könnten sie während dem Warten Solitär oder Raubkopien von Action Games spielen, bis die Akkus den Geist aufgeben.

Nach reiflichem Überlegen fand ich heraus, dass ich den Schülern zu unrecht unterstellte, ihr wischen und schrubben in der Tempelanlage sei dilettantisch.
Die jahrelangen Erfahrungen mit Handwerkern und Putzequipen lassen vermuten, dass Erwachsene den Dreck nicht besser verteilt hätten, als es die Kleinen anstellten.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Verkehr
Beitrag von: Low am 31. Dezember 2008, 14:26:32
Verkehr            Mai 2004

Wir ärgern uns immer wieder über Kinder zwischen sieben und fünfzehn Jahren, die ohne Helm, Ausweis, Nummernschild,
Versicherungen und ohne jegliche Fahrpraxis mit Motorrädern die Strassen unsicher machen. Meist sitzen gleich mehrere Bengel auf diesen Pubertierlafetten
Am Markt von Hangdong wurde ich Zeuge, wie eine Suppenküche vier junge Mädchen auf einem ungebremsten Moped spektakulär stoppte.
Die Alten fahren nicht besser, vor allem wenn sie stockbesoffen sind.

Ein Bekannter fragte mich:
„Heute ist wieder Freitag. Kommst du abends mit uns in die Loy Kroh Road?
Programm drei B, Bars, Bier, Bumsen?“
Ich mochte weder Bier noch die Idee, am frühen Morgen mit einem beduselten Fahrer nach Hause zu fahren. Ich hatte einen Unfall hinter mir.
Chiang Mai war ein Dorf. Wenn mich irgend ein Taxi oder Tuk-Tuk Fahrer in einer Bar sah und tratschte, hätte ich wieder Scherereien im Dorf.
Das waren genügend Gründe um abzulehnen.

Zudem zog ich die pflegeleichten Dorfschönen aus Bodenhaltung den Bargirls aus Stangenhaltung vor.
Das Fleisch war bedeutend frischer und nicht hundert mal betatscht, wie die von Schmeissfliegen umschwärmten Klösse auf dem Fleischmarkt.

Ich lebte in meinem Gästehaus, etwas entfernt vom Dorfzentrum. Vor dem Haus grasten Kühe und hinterliessen hin und wieder einen dünnen Fladen auf dem Strässchen.
Hinter dem Haus lagen Reisfelder. Nicht allzu weit entfernt erhoben sich im Dunst die Hügel mit dem Wat Phra That Doi Suthep Ratcha Woraviharn.

Es war eine schwül heisse Tropennacht. Schwitzend wälzte ich mich auf dem Bett. Ich sah die schwachen Lichter von Wat Doi Suthep und hörte den Fröschen und Zikaden zu.
In der Ferne heulten ein paar Hunde. Dann knatterte weit weg ein Moped und schaffte offenbar die Kurve in mein Strässchen.
Der Motor wurde lauter und verstummte nicht bis zu meinem Quartier. Morgens um eins ertönte die Klingel. Eine helle Stimme in der dunklen Nacht wisperte: „Khun Love.“

Flugs war ich aus dem Bett und schaltete die Beleuchtung ein.
Da stand sie, hohe Backenknochen, perlweisse Zähne. Das ovale Gesicht umrahmt von einer dunklen, gepflegten Haarpracht ohnegleichen.
Vier pralle Rundungen an den richtigen Stellen, kaum verhüllt von einem zarten Hauch von Kleidchen.
Ein Bild von Gauguin. Ein Sommernachtstraum.
Schlaftrunken bemerkte ich: Kein Nummernschild, kein Helm, keine Unterwäsche.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 31. Dezember 2008, 15:25:46
@Low,

beim letzten Satz habe ich herzhaft gelacht.  :D

Ist schon eine Kunst, wie du solche Pointen vorbereitest
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 02. Januar 2009, 12:49:08
Danke Profuu.
Ich hoffe, du warst nicht der Einzige mit einem Lacher.
Die Pointe übrigens, das war die Frau, die zur rechten Zeit erschien.
Zu früh oder zu spät und die Geschichte wäre im Eimer gewesen.

Nebenbei: Wisst ihr, warum die so spät kam?
Ich hatte noch immer keinen Fernseher.   (Siehe auch Antwort # 33)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Konsum
Beitrag von: Low am 02. Januar 2009, 12:52:48
Konsum            Dez. 2008

Früher bauten die Europäer Dome und Kathedralen zur Verehrung des Höchsten. Nach dem letzten Krieg waren es Paläste für die Banken.
Dann kamen die Shopping Center, welche elementare Geschäfte und den einfachen Glauben ersetzten. Das Wort wich dem Garantieschein.
Einkaufszentren sind hier ebenfalls beliebt. Vor allem bei tropischer Hitze bietet ein klimatisierter Grossraum am Wochenende viel Sanook für die ganze Familie.

Ihr wisst es. In diesem Land kauft man alles, nicht nur Lebensmittel.
Das fängt in der Schule an, wo man Noten nicht erarbeitet, sondern dem Lehrer bringt.
Das geht auf der Hochschule weiter, wo auf den Noten die Nullen wachsen. Die Universitäten ziehen gedeckte Schecks vor.

Ich wurde einmal gebeten, einem zukünftigen “Doctor of mechanical engineering“ bei seiner Dissertation behilflich sein.
Bald fand ich heraus, dass er nicht einmal einfachste technische Zeichnungen lesen konnte. Seine Experimente strotzen vor Fehlern.
Die ersten zwei Tage arbeitet er wacker mit. Dann verschwand er auf Nimmerwiedersehen. Er rief mich später an, wann er „seine“ Arbeit abholen könne.
Ich selbst benötigte keine Doktorarbeit und verschwendete keine weitere Zeit für ein unnützes Pamphlet, das ohnehin ein abgekupfertes Plagiat war.  
Aber den Titel, den bekam er.

Man kauft den Fahrausweis, nicht bei Tesco Lotus, sondern beim Amt.
Man kaufte Wählerstimmen für ein paar hundert Baht. Das ist verboten und wurde kürzlich vom Gericht geahndet. Die Regierung musste gehen.
Danach schienen vierundvierzig Millionen pro Kopf für den Kauf von Abgeordneten zur Bildung eines neuen Gremiums völlig legal zu sein.

Mann kauft Alkohol, Drogen, Potenzmittel und Frauen, stundenweise, tageweise.
Aber wenn einer für eine Ehegefährtin im “Land der freien Liebe“ Sin Sod, Brautgeld, bezahlen sollte,  dann finden diese Filous plötzlich tausend Ausreden.

Was ist der Unterschied zwischen der Lebensabschnittspartnerin und dem Bargirl?
Bar-Girls wollen Bar-Geld.



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: † Jhonnie am 02. Januar 2009, 13:51:17
Jo Low da haste recht mit dem Bargeld

aber wesentlich ist auch die Art und Moeglichkeit der Terminierung dieser ATM Beziehung.
(mancher wird auch terminiert)

Jhonnie

Bei dir gibts immer was zu lachen und zu scmunzeln in den Geschichten. bin eifriger Mitleser.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Shopping
Beitrag von: Low am 03. Januar 2009, 15:09:50
Shopping

Trotzdem fast alles käuflich ist, kann man nicht alles kaufen. Manchmal fehlt die Ware im Gestell oder im Lager.
Deshalb haben wir uns angewöhnt, wenn wir etwas sehen, das wir in absehbarer Zeit benötigen, zuzuschlagen und einzupacken.
Aber das war ein langer Lernprozess.

Vor vielen Jahren sah ich in Baan Tawai eine beschlagene Holztruhe. Es war ein altes, sehr gutes Stück, dreckig,  innen voller Spinnen und Käfer.
Ich fragte nach dem Preis. Die Verkäuferin wollte 2000 Baht. Ich sagte ihr, dass ich nur die Truhe wolle.
Die Käfer und Spinnen könne sie behalten. Ich würde das gereinigte Möbel in etwa einer halben Stunde abholen.
Als wir später zurück kamen sagte sie:
„Entschuldigen sie bitte, ich irrte mich im Preis, es sind 20 000 Baht.“

Einige Jahre später entdeckte ich einen Buddha Kopf, eine wunderschöne ältere Arbeit. Wieder fragte ich nach dem Preis.
„Zwölfhundert Baht!“ war die Antwort.
Ich wusste, dass es wieder der Faktor zehn war und zischte zur Mia:
„Hol das Auto, aber schnell!“
Um den Anbieter zu beschäftigen, handelte ich währenddessen noch zwanzig Prozent heraus.

Wenige Jahre zurück hatte Tesco Hangdong für zwei Monate kein Sodawasser. Sodawasser wurde nicht importiert.
Einheimische Brauereien füllten das Wasser selbst ab. Wir fragten wiederholt diverse Angestellte nach dem Wasser.
Die brachten uns zu den leeren Lagergestellen und schüttelten dann selbst die Köpfe.

Einmal fragten wir im selben Betrieb nach Tabasco, importierter Pfeffertunke.
Ein Angestellter lehnte blasiert an einem Gestell und versicherte uns, Tabasco mai mii, Tabasco haben wir nicht.
Darauf entfernte er sich gemächlich. Hinter seinem breiten Rücken versteckten sich etwa vierundzwanzig Flaschen.

Nach vier Jahren funktionierte der Rasenmäher nicht mehr. Es war kurz vor der Abreise in die Heimat und ich wollte keine Zeit mit langen und vor allem zweifelhaften Reparaturen verlieren.
Deshalb wollte ich einen neuen Mäher erwerben. 
Wir fanden ein geeignetes Gerät und waren kaufbereit.
Ich hatte nur eine Frage: „Gibt es Ersatz-Messer?“
Der Verkäufer: „Sicher.“
„Das will ich sehen – und gleich anschaffen,“ antwortete ich.
Er entfernte sich, kam nach geraumer Zeit zurück und sagte: „Mai mii !“

Unser Wäschegestell war reparaturbedürftig. Einige Schweissstellen waren durchgerostet. Die Farbe blätterte ab. Sämtliche Kunststoff Kastor Rollen waren beschädigt.
Wir entfernten sorgfältig die verrosteten Teile. Mit Schraubenzieher und Hammer trieben wir die Rollen mit den Gummipfropfen aus den Stahlteilen.
Auf dem Weg zum Baumarkt brachten wir die defekten Teile zum Schweissen.
Mia wollte grössere Räder. Ich war einverstanden, sofern das Zeug in die Gummipfropfen passte. Ein Angestellter zeigte uns die Rollen.
Ich zeigte ihm den Gummi. Er behauptete: „Gummi haben wir nicht.“
Ich wusste, die haben Gummi und wir suchten eine halbe Stunde im ganzen Geschäft nach den Pfropfen.
Dann kehrten wir zurück zu den Rädern. Unmittelbar daneben am Boden hatte es verschiedene quadratische Pfropfen, schön zu viert in Beutel verpackt.

Ich war unsicher wegen den Abmessungen. Einige zehntel Millimeter machten einen grossen Unterschied. Wir nahmen einen Beutel und besuchten die Werkzeugabteilung.
Wir brauchten eine Schieblehre. Die hatten geniale digitale Dinger. Ein freundlicher Verkäufer öffnete eine Schachtel. Das Ding funktionierte nicht, die Batterie war erschöpft.
Nach zwei weiteren Versuchen wurde er fündig. Ich mass die Pfropfen. Ein zehntel Millimeter fehlte. Das war mir egal.
Wir gingen zurück zu den Rollen und Mia bediente sich.

Ich war nicht sicher, ob ich einen geeigneten Bohrer für die Befestigung der Welle hätte. Deshalb besuchten wir wieder die Abteilung Messschieber.
Ich griff zur ersten Schachtel und konnte es nicht glauben. Der defekte Schieber hing wieder an der ersten Stelle!
Erst der Übernächste funktionierte: „Sieben Millimeter.“
Wir besuchten das Gestell mit den Bohrern. Es gab Holzbohrer, Steinbohrer und ganz am Rande waren Metallbohrer ausgestellt.
Es gab Bohrer in Zollmassen. Einige waren metrisch. Es hatte sämtliche Grössen, ausgenommen sieben Millimeter.




Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Abschied
Beitrag von: Low am 05. Januar 2009, 11:51:59
Abschied                                                         Januar 2005

Bei meinem ersten Besuch im Dorf war sie knapp dreissig und die Schönste, eine Augenweide.
Sie zerfiel zusehends, nun war sie tot, Khun Gäu. Sie hinterliess einen kleinen Sohn und den grössten Säufer im Dorf.
Manche sagten, sie hatte Leukämie. Familienangehörige spendeten öfters Blut. Böse Zungen behaupten, es war AIDS.
Für den letzten Spitalaufenthalt trug Poo sie eigenhändig ins Auto, so leicht war Gäu geworden. Sie wurde später im Haus aufgebahrt.
 
Mönche kamen und chanteten während vier Tagen. Im Gässchen vor dem Haus wurden zwei Zeltdächer aufgestellt. Erst dachte ich, das sei für die Mönche.
Es waren die Verpflegungshallen. Die Zelte waren nie leer. Vom Frühstück bis spät Nachts wurde gegessen und gebechert.
Aufgestapelte Kisten mit Wasser, Bier und Whisky gestatteten freien Zugriff.
Am ersten Abend wässerte ich die Pflanzen im Garten und hörte das geräuschvolle Gejohle der Angesäuselten.
Poo kam und lud mich zum Essen ein. Saufen für Gäu?  Ich lehnte ab mit der faulen Ausrede, ich hätte noch Zeugs im Kühlschrank, das sonst verderben würde.
Ich zog ein schönes Glas Wein im Hause vor und wollte damit ganz privat auf Gäu’s Seelenheil anstossen.

Schmähliche Erinnerung:
Wir sassen in den frühen Abendstunden am Steintisch vor Gäu’s Haus. Die Herren rauchten Zigaretten.
Die Sorte Freiheit und Abenteuer, der Cowboy als einzelner harter Mann inmitten der Weite des Wilden Westens im fernen Osten.
Dazu tranken sie einen billigen, starken Fusel. Auf dem Etikett stand: Scotch.
Das gehörte zum Image und zum Traum von der weiten Prärie in der Enge des kleinen Dorfes mit den winzigen Häusern, vollgepfropft mit Elektronikschrott.
Ich war weniger hart und genoss mit den Damen einen milden Rotwein. Irgend ein widerwärtiges Insekt ertränkte sich in meinem Glas.
Beim nächsten Schluck entfaltete sich eine bestialische Verpestung in meinem Gaumen. Ich spuckte, spülte mit Wein, spuckte wieder, der Gestank blieb.
Ich flüchtete nach Hause ins Badezimmer, reinigte die Zähne und benutzte die Munddusche.
Trotz meinen Bemühungen roch es weiter. Stinkfrucht war eine Delikatesse dagegen.
Ich kehrte zur Tafelrunde zurück und alle lachten.  Gäu’s Mann sagte: „Es gibt nur ein Reinigungsmittel: Scotch!“ und füllte gleich mein Glas.
Die Frauen beendeten ihren Wein und zogen sich zurück, während ich mit den angesäuselten Männern meinen Mief bekämpfte.
Als alle Schnapsflaschen leer waren, verspürte ich kaum noch etwas. Die Herren wollten sich ebenfalls zur Ruhe legen.
Gäu’s Mann schaffte stark angeschlagen die drei Meter bis zur Treppe.
Dort klappte er zusammen oder legte sich übereilt nieder und gab sofort laute Schnarchsignale von sich.

Am zweiten Abend musste ich mitmachen. Es gab eine unglaubliche Vielfalt und Mengen zum Essen. Noch viel mehr wurde weggeschmissen.
Es war paradox. Vom Hause her ertönten die eintönigen Gesänge der Mönche, während draussen das Volk lustvoll palaverte und gleichzeitig mit teilweise zum Wai erhobenen Händen vor den Biergläsern sass.
Der Tod hielt reiche Ernte in den letzten Wochen, auch in der Heimat. Deshalb war ich relativ ernst. Das gefiel den Ladies nicht. Totenfeiern mit besinnlichem ersten Teil und leichterem Abschluss waren mir geläufig. Hier wurde nur der zweite Teil gefeiert, meinte ich, denn das bunte Treiben war nur unter Umständen nur ein Spiel mit der Verlegenheit.
Am nächsten Tag bauten sie den Katafalk vor dem Haus auf, eine Riesenpyramide von fünf bis sechs Metern Höhe.
Ich erblickte das mit Lichterketten garnierte Ding erst beim Abendessen. Dazu plärrte aus gigantischen Lautsprechern von einem Lieferwagen Musik.

Gäu’s Mann scheute keine Kosten. Normalerweise fanden Trauerfeiern beim Leichenbitter statt und waren auf einen Tag beschränkt.
Vier Tage lang beteten, weinten, feierten, assen, tratschten, trauerten und tranken die Leute.
Mir fehlte die Eine: Gäu.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Jobs
Beitrag von: Low am 07. Januar 2009, 17:18:08
Jobs               2008

Khun Du, Familienangehöriger, arbeitete längere Zeit mit PC Grafik und verdiente gut. Vor einigen Jahren versprach ihm sein Chef eine Gratifikation von 50 000 Baht.
Anstatt der fetten Zulage erhielt der junge Mann eine Rechnung für einen Grossdrucker, den der Chef auf seinen Namen bestellte. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als eine neue Stelle zu suchen.

Du kennt Hard- und Software sehr gut und ist sogar nach westlichen Standards zuverlässig. Er versteht einiges von Programmierung und Grafikanwendungen dank Selbststudium.
Solche Leute wären bitter notwendig. Beispielweise sind die meisten Internet Seiten in Thailand total veraltet.

Derartige Arbeitsstellen bekam er jedoch nicht, weil ihm ein Diplom einer Hochschule oder einer Universität fehlte. Er hatte keine Papiere, aber wesentlich mehr Wissen und Erfahrung als die meisten der hoch dekorierten Mitbewerber. Einige Angebote lehnte er ab, weil er sein Spezialisten Salär auf Jahre hinaus mit seinen Vorgesetzten hätte teilen müssen.

Er verkaufte erfolgreich Kreditkarten für eine Bank. Als einem der erfolgreichsten Mitarbeiter wurde ihm als Bonus eine Reise nach Japan offeriert.
Er hätte einen Reisepass benötigt, Kleider, Koffer und so weiter. Ihm wäre Bargeld wichtiger gewesen.
Er verzichtete auf die Reise und verkaufte weiter emsig Karten, bis ihn sein Chef bei der Bank um die Provisionen betrog.

Er studierte Informatik an einer Universität in unserer Nähe. Gleichzeitig fand er einen neuen Job als Trainer in einem cleveren amerikanischen Fitnessladen.
Die benötigten gut aussehende Jünglinge mit viel Muskeln. Um seine Muskulatur zu fördern, gaben sie ihm eine Liste, was er täglich futtern müsse.
Dazu verkauften sie ihm eine Injektionsspritze mit den einschlägigen Mitteln Testosteron und Boldenon Undecylenat.
Der Instruktor erwähnte, diese hochwirksamen Präparate würden auch den geschätzten Kunden für Entgelt schnelleren Muskelzuwachs garantieren.
Auf der Packung Veboldex 250 steht: For animals only, for export only.

Wenn einer von den verehrten Lesern demnächst ein Radrennen gewinnen will, wisst ihr jetzt, wohin ihr euch wenden könnt.
Oh nein, nicht an Khun Du. Der “Schwarzenegger“ Fitness-Job wurde ihm zu heiss!



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Fürsorge
Beitrag von: Low am 09. Januar 2009, 11:58:32
Fürsorge                     8. Januar 2009

Früher wurden die USA gepriesen: “Jeder Tellerwäscher kann Millionär werden!”
Letztes Jahr erlebten wir: „Jeder Farbige kann in den USA Präsident werden!“

Das ist doch gar nichts verglichen mit dem Königreich Thailand.
Hier wird eine ehemalige Mama San Wirtschaftsministerin.
Wenn der Laden nicht rentiert hätte, wäre sie kaum in der polit Szene.
Hier kann sie ihre Fähigkeiten zum Wohle des Landes weiter entwickeln.

Eine Hilfskrankenschwester wird IT Ministerin. Als erfahrene Pflegerin
sieht sie sogleich, dass das von Lügen, Viren und Spam verseuchte Internet desinfiziert werden muss und ergreift sofort dementsprechende Massnahmen.
Schon Professor Semmelweis bewies um 1848, dass es galt Todesfälle durch Ausmerzen von schädlichen Einflüssen zu eliminieren.
Wer nie in einem von Seuchen heimgesuchten Krankenhaus gearbeitet hat, kann diese Frau nicht verstehen.
Und Seuchen gibt es zur Genüge, über Hühnerseuche, Denghi Fieber, HIV, Malaria, Feuersbrünste, Alkoholexzesse  .....

Liebe Gäste diese schönen Landes:
Vergesst nicht, dass ihr in einem der sichersten Länder der Erde weilt.
Gegen Tsunami gibt es mittlerweile Alarmanlagen.
Prostitution, eines der Grundübel der Zivilisation, ist hier verboten.
Die Polizei, dein Freund und Helfer, rekrutiert Gäste, die deine Sprache sprechen als Vermittler. Sie sind leicht zu erkennen an den modischen schwarzen Uniformen, die sie selber finanzieren dürfen.
Die Banken ziehen nach in den Sicherheitsbestrebungen:
Wenn ein Bösewicht deine heimische Kreditkarte mietet, klaut oder entwendet, kann er damit maximal 5000 Baht abheben.
Dies alles zum Wohle der ausländischen Gäste.  Aber dafür braucht es ein Einsehen.
?
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Ameisen
Beitrag von: Low am 12. Januar 2009, 14:02:28
Ameisen                                               2008

Seit letztem Sommer bekämpften wir ganz kleine Ameisen. Die Länge: Knapp einen Millimeter. Wenn ich die beobachtete,
wie sie kommunizierten, Futter suchten und neue Kolonien errichteten und bei drohender Gefahr einen zickzack Kurs einschlugen, dann fragte ich mich, Fuzzy Logic oder Supercomputer?

Ein PC verarbeitet nur zwei definierte Zustände, logisch 0 und 1.
Die Grundlage der Fuzzy Logic sind sogenannte unscharfe Mengen.
Schon der alte Grieche Platon postulierte, dass zwischen den Begriffen wahr und falsch ein dritter Bereich liege.
Sein Zeitgenossen Aristoteles dagegen begründete die Präzision der Mathematik darin, dass eine Aussage nur wahr oder falsch sein kann.
Platons Postulat wurde 1927 unterstützt durch den Physiker Heisenberg mit seiner Unschärferelation in der Quantenmechanik.
Sinnvoll ist die Verwendung von Fuzzy-Logik dann, wenn nur eine verbale Beschreibung eines Sachverhaltes vorliegt.
Wo ist diese Logik, welcher Art auch immer, in den Ameisen?

Ihre Fähigkeiten zum Einnisten waren phänomenal. Ihre Burgen waren in Fensterrahmen, Tischbeinen,  Steckdosen, hinter Fliesen und Kacheln, in Blumentöpfen,
unter einem Bronze-Buddha im Wohnzimmer, in sämtlichen Werkzeuggriffen mit Hohlräumen, in den Vorderradgabeln eines Fahrrades, in Weckern: „Beim dritten Ameisenei ist es sieben Uhr“,
in Radiogeräten und Fernsehapparaten - und sogar in den schlanken Prüfspitzen eines elektrischen Multimeters.

Einen Softdrink konnte man nur unter Beigabe eines Schluckes Alkoholika längere Zeit ameisenfrei halten.
Wenn wir die Fundamente des Hauses vergifteten, nisteten sie im Dach.

Vorläufig siegten wir. Jetzt ist Winterpause. Aber, die kommen wieder!
Die Dinger sind nicht nur sehr klein, sondern sie laufen unglaublich schnell und weit. Distanzen vom Nest zum Futterplatz von 20 Metern sind üblich.
Das sind 20 000 Ameisenlängen. Wenn ich das auf Menschen umrechne,
ca. 1, 6 m mal 20 000 ergibt 32 km für einen Weg. Wer ausser Marathonläufern geht noch freiwillig über solche Distanzen zum Futtern?
Zurück im Nest, ist man dann noch hungriger als zuvor, nicht unbedingt auf Sex, aber auf Zehrung. Es heisst ja Weg-Zehrung.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Tha Li und der Beauty Salon
Beitrag von: Low am 14. Januar 2009, 16:13:49
Tha Li und der Beauty Salon                                      Januar 2006

Am 14. Oktober 2005 bestellten wir in einem renommierten Fachgeschäft in Bangkok die Einrichtungsgegenstände für Dick’s Beauty Salon. Die Lieferung wurde auf November versprochen, garantiert.
Vielleicht dachten die Lieferanten an November 2006. Wir erhielten jedenfalls nichts.

Im Dezember reisten wir nach Loei und besichtigten das Weingut Chateau de Loei. Zwecks Visa Trip fuhren wir nach Tha Li an die laotische Grenze.
Weil dort die laotische Beamten keine Dokumente ausstellten, war der Trip ein Reinfall. Ausländer konnten nicht nach Laos reisen.
Während sich die Frauen erfrischten, unterhielt sich ein hoch dekorierter Beamter mit mir. Er sah das Chiang Mai Nummernschild und wollte genau wissen, wieso Tha Li und nicht Mae Sai?
Er sagte: „Die Laoten könnten pro Person ...zig Dollar machen, ..zig Dollar.
Kein Interesse. Wenn dann die Leute wieder nach Thailand einreisen – gratis, alles gratis!“
Ich nickte: “Ja, alles gratis, vor allem das Bier und der MaeKhong.“
Er grinste und wünschte uns eine angenehme Reise.

Am 22. Dezember erhielt Dick beim Frühstück im Hotel in Phitsanulok einen Telefonanruf. Der Chauffeur einer Spedition war in Chiang Mai.
Er hatte Dicks Namen, aber keine Adresse und wollte angeblich Möbel für den Salon abliefern.
Die sind so! Oder denkt ihr, dass ein LKW-Fahrer mit Ware von Salzburg ohne gültige Adresse nach Berlin aufbrechen würde?
Und wenn geschlampt wird, dann gründlich!

Wir setzten uns ins Auto und sausten nach Hause zurück. Die Lieferung entpuppte sich als magere Teillieferung von einem hydraulischen Sessel.
Empört telefonierte Dick nach Bangkok. Sie fand heraus, dass ihr Mobiliar bereits vor fünf Tagen an eine Frau mit gleichem Vornamen nach Tha Li an die laotische Grenze geliefert wurde!
Verdammte Vornamen. Die Telefonbücher sind ebenfalls nach Vornamen geordnet. Wir leben nicht in Tha Li, sondern in Thai Land. Weiss der Kuckuck, wo die diesen Namen herzauberten.

Am 23. Dezember gelang es Dick, den Grossteil ihres Mobiliars irgendwo in einem Lagerhaus in Chiang Mai zu ergattern. Nur die Waschliege war noch unauffindbar auf den Strassen des Königreichs unterwegs.
Am Weihnachtstag gab es als Geschenk endlich die Liege. Dick konnte sie in einem Dorf namens Tha Li, diesmal wesentlich näher, bei Lamphun, abholen.

Januar  2006

Dick bediente gleich am Monatsbeginn die ersten Kundinnen, nachdem die Tochter ihren Kopf beinahe täglich als Versuchskaninchen hinhielt, um all die neuen Maschinen und Apparate zu testen.
Drei Wochen später konnten von sechs Interessentinnen täglich nur deren vier bearbeitet werden. Gesichtsmassage, Manicure und Pedicure mussten ausfallen, oder Dick brauchte zusätzliches Personal.

Ein delikates Problem war das moderne WC, das manche Frauen nicht kannten.
In vielen Häusern steht eine Wassertonne mit einem Schöpflöffel in einem düsteren Raum mit einem Loch im Boden. Gelegentlich schwimmt in der Tonne ein Fisch, um Mückenlarven zu verspeisen.
Eine Sitzgelegenheit und interessanten Lesestoff sucht man vergeblich.

Dick’s WC mit Geberit Zweistufen-Spülung, Hygiene-Dusche, normale Dusche mit Warm- und Kaltwasser, ein weiterer Wasseranschluss für die Reinigung,  dazu ein Lavabo überforderte viele der Ladies.
Sie spritzten mit der Hygienedusche das WC- Papier nass, das sie zu Hause nicht in dieser Form benutzten, sondern als Serviette bei Tisch. Meist fanden sie die Spülung fürs WC nicht.
Ich hoffte nur, dass die Kloreinigungsbürste weder fürs Zähneputzen noch für hinterlistige Zwecke missbraucht wurde.

Ein Bauernknecht im Emmental gewann in einer Lotterie eines Dorfvereins eine modische, dezent gefärbte Klobürste. Ein paar Tage später sprach ihn im Dorf jemand darauf an.
Der Knecht meinte:
„Die Bürste ist schon recht, aber Papier finde ich wesentlich angenehmer.“

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien Intermezzo
Beitrag von: Low am 17. Januar 2009, 18:28:30

Intermezzo

Mit meinen Geschichten wollte ich keineswegs die Einheimischen beleidigen.
Es war mir eher ein Anliegen, ein bisschen Verständnis unsererseits für die uns oft fremden Handlungsweisen zu erwecken.
Ich ersetzte das Wort „Denkart“ durch Handlungsweise. Denn die Leute hier handeln oft, bevor vielleicht das Hirn eingeschaltet wird.

Weiter sollten wir berücksichtigen, dass auch wir teilweise an gewissen Macken leiden, ohne sie zu bemerken.
Profiliersucht und Aggressivität, auch in Foren, gehören dazu. Dazu kommt am PC, dass bei zu grosser Konzentration auf die umfangreiche Tastatur oft das Gedankengut etwas in Mitleidenschaft gerät.

Meine auf Erfahrung beruhende Warnung und Äusserung betreffend einer mechanischen Konstruktion:
"Die können auf der Schiebelehre nicht einmal den Nonius ablesen."
wurde ausgelegt als:
“Für mich ist das Antithaiismus“. Und  quasi als Garnitur:
„Aber das ist ja erlaubt.“

Ich habe einen Sohn. Er ist kein Thai. Er wusste mit zwanzig Jahren noch nicht einmal, was eine Schieblehre ist. Ob er es jetzt gelernt hat, weiss ich nicht,
weil ich seit acht Jahren im Ausland lebe.
Aber ich bin mir fast sicher, dass auf die Frage:
„Mein Sohn, kannst du mir bitte sagen was ein Nonius ist?“
die Antwort lauten würde:
„Sicher Daddy, das ist doch der Privatsekretär des Papstes.“
Weil ich pingelig bin und ein notorischer Rechthaber, müsste ich erwiedern:
„Nein, der heisst Nuntius und er ist nicht der Sekretär, sondern der ständige Vertreter des Papstes bei der Regierung eines Staates.“

Damit sind wir bei den Prioritäten. In meinen Aufsätzen wurden Betrug, Mord, Raub und Doping ohne jegliches Echo angesprochen.
Die Klicks waren da. Danke.
Doch Hits wie Käsekuchen oder wie perforiere ich publik,  nicht pervers aber perfekt, dennoch platonisch eine Masseussin, hatten praktisch mehr Echo als Klicks.

Ich werde möglicherweise an den Geschichten weiterschreiben. Es hängt davon ab, ob ich den Anschlag, der vor etwa 10 Tagen verübt wurde, überleben werde.
Brot! Es schmeckte schon beim Essen so fantastisch gut, dass  ich davor Angst bekam. Ich weiss nicht, war es Melamin, Rattengift oder Insektenpulver, aber mit Sicherheit sehr ungesund.

Die neueste Geschichte:
Es ist kalt inder Provinz Chiang Mai. Draussen auf dem Lande vielleicht 10 Grad in der Nacht. Mia werkelte morgens in der Küche:
„Darling, unglaublich! Es ist so kalt draussen, aber hier kommt warmes Wasser!“
Trotz meinem Fieberdelirium sah ich, es war kein Wunder. Der Kombihahn war auf heiss gestellt.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 17. Januar 2009, 18:42:53
@low,

das Thema der fehlenden schriftlich geäusserten Resonanz auf Geschichten ist nicht neu. Besonders dann, wenn sie wirklich aktuellen Bezug haben, wie nämlich bei dir, kann man sich schon wundern, warum dir keiner die Fetzen um die Ohren haut und eine Moralpredigt über das Gute im Thai hält. ;D

Jeder, der gerne schreibt, ist schonmal in der Situation gewesen, wo er sich fragte: warum mach ich das eigentlich?

Klicks helfen da schonmal, aber man kann es auch mal anders sehen...

Nimm das Medium Forum einfach als Übungsstunde. Als "draft" Erstellung sozusagen und träume davon, dies einmal in Schönform in einem Buch, Blog oder sonstwo zu veröffentlichen. Und...mach deinen Traum wahr.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: TSCHE am 17. Januar 2009, 18:51:10
an LOW

habe alle Deine Beiträge mit Vergnügen gelesen - herzlichen Dank -   :D

bitte weiter schreiben

mit Grusss               tscherardo
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: namdock am 17. Januar 2009, 19:06:56

Hinterindische Geschichten:


     Wahre Märchen für Erwachsene.

Schreibe ruhig weiter, Du hast deine Leser!

mfg

Dieter
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 19. Januar 2009, 14:27:03
Für die ermunternden Antworten danke ich.

Ich überlegte die Kritiklosigkeit der Leser am Fall Testosteron und kam zu folgenden Schlüssen:

In Euroland gibt es für Medikamente vor der breiten Abgabe den Tierversuch.
In Hinterindien als extrem tierliebendem Gebiet ist es gerade umgekehrt. Beispiel: Packung Veboldex 250, For animals only, (Getestet im Fitnessklub.)
(Extrem tierliebend = Bratpfanne oder Wok.)

Erst dachte ich, ausser Mia benutzt in Thailand eh keine (keiner) ein Fahrrad. Deshalb ist Doping kein Problem. Ich täuschte mich. Fahrradgeschichten findet man im Forum zum Beispiel unter:
Bissige Strassenköter.
Diese Radfahrer sind meist stramme Familienväter. Die benötigen an Hand ihrer Aussagen kein Testosteron, sondern eher Steinschleudern.
Forenteilnehmer, die dauernd vor den Flimmerkisten sitzen, findet man kaum in teuren Fitnessklubs und Schweisstreibeanstalten.
Solche Leute besuchen in der seltenen Freizeit eher Computershops und Internetcafes. Deshalb kommen sie kaum in die Versuchung zu nadeln.
Zudem erhöht sich die Lebensdauer der Tastaturen, wenn nicht zu viel Muskelkraft abreagiert wird.
Zu guter Letzt: Testosteron kann man sich gleichzeitig mit den blauen Pillen beim Drogisten posten. Dazu braucht man nicht einmal ein Fahrrad.

Deshalb war mein Satz:
„Wenn einer von den verehrten Lesern demnächst ein Radrennen gewinnen will, wisst ihr jetzt, wohin ihr euch wenden könnt“ eine Beleidigung.
Auf Beleidigungen würde ich auch kaum antworten.

Ich bitte um Nachsicht, nur bis zum hoffentlich nächsten Mal...
Low
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: illuminati am 19. Januar 2009, 23:00:15
Hallo,

ich weiss ja deine Geschichten kommen aus Hinterindien und ich kann nur vermuten wo das geografisch genau liegt.

Ich kenn mich nur in TH ein bisschen aus, muss aber feststellen, dass mit den Erfahrungen die ich hier gesammelt habe, wir in unterschiedlichen Ländern leben. Die ersten paar Geschichten waren ja recht amüsant und es gab Stellen, die ich auch selbst wiedererkannt habe.

Aber der Grundtenor dieser Geschichten bleibt immer gleich - es scheint dass du in einer Region lebst, in der die Einheimischen ein anderes Leben führen als du. Wenn du mit den Eigenheiten dieser Bewohner nicht klar kommst, so frage ich mich warum du immer noch dort lebst.

Wenn ich den Entschluss fassen würde in einer Affenpopulation zu leben, dann müsste ich auch bereit sein  die Eigenarten der Affen zu übernehmen, mindestens aber zu akzepieren, dass sie sich von meinen Gewohnheiten unterscheiden - das kann ich bei dir nicht feststellen.

Affen fressen nun einmal lieber Bananen - statt Wiener Schnitzel - die sind wirklich so.

Noch eine Anmerkung aus eigener Erfahrung:
Wir  eine Eingeborene (meine Frau) und ich haben in BKK einen Grossteil der Wohnungseinrichtung in dort unterschiedlichen Geschäften gekauft. Das alles wurde mit LKW in unseren Wohnort mehr als 800 km nach dem Süden verfrachtet. Alle Einzelteile und das waren einige sind vollständig und in korrektem Zustand angeliefert worden, es hat nichts gefehlt und es war nichts beschädigt.
Das alles hat oben genannte Eingeborene in ihrer eigenen Affensprache und mit ihren seltsamen geschriebenen Zeichen bewerkstelligt.

Warum das bei dir nicht geklappt hat, kann ich mir nur so erklären, dass du als weltmännischer Edelmann deinem holden Eheweib die Mühsal der Organisation erspart  und alles selbst in deine bewährten Hände genommen hast. Oder kann es sein dass ich mich irre?

Gruss

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 20. Januar 2009, 00:27:10
Ich hab's geahnt, he he.  Irgendein Hansel muss ja diese Geschichten in den falschen Hals kriegen.  :D  ;D

Na ja, immer noch besser, als gar keine Reaktion.   :P
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: † Jhonnie am 20. Januar 2009, 02:45:43
 :) seine ist eben anders  ;D

Low lass dich nicht aus der ruhe bringen, weiter so wie immer. mit leser hast du jedenfalls sicher, und mir gefallen deine Geschichten.

Jhonnie
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: illuminati am 20. Januar 2009, 08:39:25
Ich hab's geahnt, he he.  Irgendein Hansel muss ja diese Geschichten in den falschen Hals kriegen.  :D  ;D

Na ja, immer noch besser, als gar keine Reaktion.   :P

ich finde es schon interessant, wie viele Westler hier in TH ihr Dasein fristen - und sich über ihr Umfeld beklagen - und immer werden als Grund die lern resistenten Einheimischen mit ihrem nicht Europa kompatiblen Bildungsniveau sehr schnell als Ursache ausgemacht.

Das alles läuft unter dem Oberbegriff -- die sind so --  Für mich ist das alles weinerliches Gewinsel, von Leuten die in den Ring gestiegen sind und den Fresse poliert bekommen haben und jetzt schreien -- Kampfrichter Tiefschläge -- , aber noch nicht realisiert haben, dass es hier keine Kampfrichter gibt. Wer hier in den Ring steigt gewinnt oder verliert - ein Unentschieden gibt es nicht. Ebenfalls werden wenn es Regeln geben sollte - diese von den Einheimischen diktiert - entweder man kann das akzeptieren oder man ist so gut und gewinnt mit seinen Regeln - ohne zu vergessen, dass dann aus dem Hinterhalt ohne Vorwarnung noch ein Messerangriff erfolgen kann. --- ja die sind so ---

All denen die so etwas nicht würdig genug für einen echten Demokraten halten - die sollten bis auf gelegentliche Urlaubsaufenthalte (die den wirtschaftlichen Aufschwung der Einheimischen ermöglicht) , am besten dort bleiben von wo sie abstammen .

Also Leute reisst euch  am Riemen und unterlasst das ständige Gewinsel  :'( :'( :'( - es wird langsam peinlich

Gruss
der Hansel mit dem falschen Hals, dem es bisher bis auf ein paar Würgemale gelungen ist den aufrechten Gang beizubehalten

PS: solange der Landsmann für einen Expat im Normalfall die grössere Gefahr darstellt und zum Beispiel die Gruppe der Deutschen nicht in der Lage oder willens sind sich sinnvoll zu organisieren - solange werden die Einheimischen immer im Vorteil bleiben - es wäre doch mal ein guter Grund über diese Unfähigkeit ein paar Geschichten zu verfassen






Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 20. Januar 2009, 12:22:17
@Illuminati,

der einzige, der hier winselt, bist du.

Die Geschichten sind amüsant und locker geschrieben und wohltuend frei von empörend moralischer Bewertung. Die hast du als einziger hier rein gebracht.

Kann beim schlechtesten Willen in diesen Kurzepisoden kein Jammern oder ähnliches erkennen.

Hör einfach auf mit deiner tölpelhaften Missionierung ala Nittaya Hansel und verschone uns hier damit.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: kaktus am 20. Januar 2009, 13:07:16
Das dürfte nicht mal im Nittay durchgehen.

Das einzige mit dem ich übereinstimme ist der größte Teil seines letzten Abschnitts :

...........die Gruppe der Deutschen nicht in der Lage oder willens sind sich sinnvoll zu organisieren - solange werden die Einheimischen immer im Vorteil bleiben - es wäre doch mal ein guter Grund über diese Unfähigkeit ein paar Geschichten zu verfassen

Alles andere ist wieder mal nur so ein rosarotes Brillenheimchen Gequatsche --C --C --C --C :P :P


Ps: Ich lese die Geschichten übrigens auch recht gerne, man kann sich ja sein eigenes Urteil darüber machen, gut geschrieben sind sie meistens auf jeden Fall.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Louis am 20. Januar 2009, 13:10:58
es wäre doch mal ein guter Grund über diese Unfähigkeit ein paar Geschichten zu verfassen[/b][/i]

Er kann ja gerne mal ein paar Geschichten schreiben...
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: kaktus am 20. Januar 2009, 13:17:27
Gute Idee, dann kann er ja mal einen eigenen Thread aufmachen.
Bin schon ganz gespannt drauf.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 20. Januar 2009, 15:09:16
@illuminati

Danke, dass du versuchst etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Der Begriff Hinterindien ist definiert:

Im Norden grenzt die "zweiteilige" Hinterindische Halbinsel an das eigentliche asiatische Festland bzw. an China, im Osten im Rahmen der Indochinesischen Halbinsel an das Südchinesische Meer (mit Golf von Thailand und -Tonkin), ein Randmeer des Pazifischen Ozeans, im Süden durch die Malaiische Halbinsel an die Malakkastraße, welche zwei Nebenmeere von Indik und Pazifik miteinander verbindet, im Westen an Randmeere (Andamanensee und Golf von Bengalen) des Indischen Ozeans und im Nordwesten an Bangladesch bzw. Indien. Außerdem reicht Hinterindien mit der Südspitze der zuletzt genannten Halbinsel beinahe bis an den Äquator.
Singapore als Insel gehört nicht dazu, ist aber ein sogenannter Anrainerstaat.

Ich hatte das Vergnügen, die meisten Länder zu bereisen und in wenigen zu arbeiten.

"muss aber feststellen, dass mit den Erfahrungen die ich hier gesammelt habe, wir in unterschiedlichen Ländern leben."

Diese Beobachtung ist richtig. Der Unterschied zwischen Südthailand und dem Norden, Lanna Land, ist gewaltig. Nicht nur das Essen, sondern die Mentalität und auch die Sprachen sind unterschiedlich. Das Gebiet hier gehörte vor ungefähr 100 Jahren zu Laos.

„Affen fressen nun einmal lieber Bananen - statt Wiener Schnitzel - die sind wirklich so.“

Hier im Dorf assen wir noch nie Wienerschnitzel.
Bananen wachsen im Garten und liegen in der Fruchtschale.

„Wir  eine Eingeborene (meine Frau) und ich haben in BKK einen Grossteil der Wohnungseinrichtung in dort unterschiedlichen Geschäften gekauft. Das alles wurde mit LKW in unseren Wohnort mehr als 800 km nach dem Süden verfrachtet. Alle Einzelteile und das waren einige sind vollständig und in korrektem Zustand angeliefert worden, es hat nichts gefehlt und es war nichts beschädigt.
Das alles hat oben genannte Eingeborene in ihrer eigenen Affensprache und mit ihren seltsamen geschriebenen Zeichen bewerkstelligt.


Warum das bei dir nicht geklappt hat, kann ich mir nur so erklären, dass du als weltmännischer Edelmann deinem holden Eheweib die Mühsal der Organisation erspart  und alles selbst in deine bewährten Hände genommen hast. Oder kann es sein dass ich mich irre?“

Ja.
Von Lockenfräsen, Haarschneideautomaten und Dampfhochruckbehandlungshauben verstehe ich gar nichts. Mia, erfolgreiche Unternehmerin, richtete bereits ihr zweites Geschäft ein. Ich hielt mich daher wohlweislich zurück.

Allgemeine Aussagen vom ersten Aufsatz:
„Das Emmental ist noch heute typisch für die Eigenständigkeit, Kultur und Sprache einer bodenständigen Minderheit.
Wie nah er mit den Schilderungen der Menschen über Hundertfünfzig Jahre später in Thailand kommt, ist gleichzeitig beängstigend und faszinierend.
In diesem Sinne erlaube ich mir, ein paar wahre Geschichten zu erzählen, leider ohne die Fähigkeiten eines Gotthelf, eines redegewandten Pfarrers.
Der Ort der Handlung, die Zeit, die Kommunikation und auch die Sprache wandelte sich.“


Ohne jegliche Schuldzuweisung ist es eine unbestreitbare Tatsache, dass viele Menschen in Hinterindien, nicht nur in Thailand, einige Städte ausgenommen,
das Gedankengut und den Ausbildungsstand unserer Landsleute von 1850 haben.

Daher überfordert die ganze moderne Technologie, von den Fahrzeugen bis zur Elektronik, die lieben Leute total.
So lässt sich die Unfallhäufigkeit auf den Strassen und im Umgang elektrischem Strom ganz einfach erklären.
Wenn ich im Dorf lebensgefährliche Installationen sehe, klären wir die Leute auf und reparieren wenn erwünscht, gratis.

In den meisten Erzählungen kickte ich mich doch in den eigenen Hintern.
Ich antwortete  dii: #24
„Du hast recht: Die sind so. (Ich kenne die Bilder)
Aber man könnte auch sagen, wir sind anders.

Positiv betrachtet ist es doch so,
dass wenn die auch anders wären, der ganze Spass, die Spannungen und vielleicht ein Teil der Exotik verloren gingen.
Dann gäbe es keine Geschichten aus Hinterindien.“



Illuminati, bist du bereits so angepasst, dass für dich alles selbstverständlich ist?
Wie langweilig muss das Leben im Dorf sein?
Vermutlich hast du Fernsehen.





Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: madaboutsingha am 20. Januar 2009, 16:57:10
20. 1. 09

Ich kann mich nur wundern. Da schreibt einer amüsante und unterhaltsame Geschichten aus seinem Lebensbereich und dann kriegt ein anderer sie in den total falschen Hals.

Was ist schlecht daran, wenn einer aufschreibt, was er vorfindet? Und das auch noch wertungsfrei!

Doch dann kommt der Gipfel: Wer unter den Affen lebt, soll die Eigenschaften der Affen annehmen und Bananen essen. Illuminati, das geht zu weit!

Schwer tue ich mich auch mit deiner Auffassung, dass Thailand ein freies, gesetzloses Schlachtfeld für schneidige Draufgängertorreros nach Art der Illuminatis ist.

Wenn die Welt nur immer so einfach wäre! Hier schwarz, da weiß. Hier die strahlenden Gewinnertypen, die sich glorreich durch den Sumpf gefochten haben und dort die angeblichen Loser, die im Staub der Straße um Mitleid winseln. Dabei stimmt beides nicht!

Zum Schluß beantwortest du dir deine Schlussfrage auch noch selber:
An einem Zusammenschluß von Deutschen in der Fremde, kannst doch gerade du mal gar nicht teilnehmen, da du als mannhafter Einzelkämpfer im feindlichen Thairing viel zu beschäftigt bist, um zu merken, wie sehr du dich selber ins Abseits maneuvrierst.

Ich bin einigermaßen erschüttert über deine unbedachten und intellektuell unbegabten Darstellungen.



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: juerken am 20. Januar 2009, 17:10:00
Sehr geehrter Löw

Bravo -Bravo dein Sieg einstimmig.

Dieser Mann würde nie auffallen wenn er hier nicht posten könnte. Hier kann er  über sein angebliches überragendes Leben schreiben und die Vergleiche von sich zu anderen benutzen um als der wahre Farang zu gelten und andere
unter seiner Würde zu schreiben.

Kann ja möglich sein, daß jeder seiner Familie eine Elite Karte hat ( gibt es die auch für Thais? )


Low halt es so wie ich - Intelligenzbolzen leben auf einer anderen Welt man kann ihnen das reale Leben eben nicht erklären.

Aber ich bin sicher er meint es nicht so wie er schreibt er drückt nur falsch aus - wäre doch möglich?

Gruß Jürgen
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: illuminati am 20. Januar 2009, 17:43:57
Positiv betrachtet ist es doch so,
dass wenn die auch anders wären, der ganze Spass, die Spannungen und vielleicht ein Teil der Exotik verloren gingen.
Dann gäbe es keine Geschichten aus Hinterindien.“[/i]

Hallo,
schön, dass sich auch der Autor zu Wort meldet. Dem obigen kann ich ohne Probleme zustimmen - alleine die Ausgewogenheit (es werden fast ausschliesslich die Schattenseiten benannt) , haben mich auf den Plan gerufen  >:

Zitat
Illuminati, bist du bereits so angepasst, dass für dich alles selbstverständlich ist?
Wie langweilig muss das Leben im Dorf sein?
Vermutlich hast du Fernsehen.

Nein, ich würde mich eher aus unangepasst bezeichen und selbstverständlich ist für mich gar nichts - auch nicht in Europa.
Wir haben ganz bewusst einen Wohnort in einer mittleren Stadt - zur Miete ausgewählt, obwohl meine Frau auf dem Lande ein Haus ihr eigen nennt und ich bin wieder auf dem Sprung zurück zur Arbeit in die Schweiz nach jetzt 3 Monaten hier - ich kenne das Leben auf dem Dorf, wir sind ihm bewusst aus dem Weg gegangen.
Ja, wir haben Fernsehen - obwohl ich sehr selten schaue, Frau und Kind auch nur in Massen.

Wie gesagt, ich kenne jetzt TH über 18 Jahre habe auch schon 2 Jahre hier gelebt und gearbeitet und wenn ich es mit meinem ersten Besuch vergleiche ist es äusserlich ein neues Land. Die ganze Infrastruktur bis hin zu den Schulen ( ja richtig trotz mancher beschissenen Lehrer) ist hier in den letzten 20 J. ein riesiger Schritt gemacht worden, ohne weiteres Vergleichbar mit dem Wiederaufbau nach dem Krieg in D.

Das ist die andere Seite aus Hinterindien - die hier im TIP Forum besonders gezielt von diversen Schreibern ignoriert wird. Ich finde es sollten einfach etwas ausgewogener geschrieben werden - und deine Geschichten sind Realität ich habe ebenfalls manches erlebt und gut geschrieben sind sie auch.

Wie ich sehe kannst du jedenfalls ohne Probleme mit Kritik umgehen, was anderen Membern offensichtlich schwerer fällt.

Was mich noch mehr freuen würde, wenn aus deiner Feder einmal eine vergleichbare Episode eines Ausländers mit deren typischen Absonderheiten beschrieben würde .

Gruss






Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: illuminati am 20. Januar 2009, 17:51:40

Ich bin einigermaßen erschüttert über deine unbedachten und intellektuell unbegabten Darstellungen.


Hallo Paul,

über deine selektive Wahrnehmung bin ich nicht erschüttert, bei unserem kurzen Kennenlernen auf neutralem Boden war sie nicht zu übersehen. Trotzdem wünsche ich dir dass du deine Ruhe und dein Glück findest - wo immer das auch sein mag.

Gruss
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: illuminati am 20. Januar 2009, 18:00:55
@Illuminati,

der einzige, der hier winselt, bist du.

Die Geschichten sind amüsant und locker geschrieben und wohltuend frei von empörend moralischer Bewertung. Die hast du als einziger hier rein gebracht.

Kann beim schlechtesten Willen in diesen Kurzepisoden kein Jammern oder ähnliches erkennen.

Hör einfach auf mit deiner tölpelhaften Missionierung ala Nittaya Hansel und verschone uns hier damit.



Hallo,

deinen Beiträge sind oft sehr gut - z. B über den Tsunami in TH, aber viele Menschen haben 2 Gesichter - mit welchem soll ich mich jetzt auseinandersetzen?

Gruss
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 20. Januar 2009, 18:45:03

Bitte begrabt die Kriegstastaturen und begegnet einander mit Anstand und Würde.
Ich bin immer empfänglich für Kritik. Aber der Ton macht die Musik.

Illuminati’s Affentheater brachte mich zum Grinsen und ich benötigte mangels Wiener-Schnitzel dringend Bananen.
So böse habe ich das gar nicht empfunden.

Ich danke allen Mitstreitern für die Würze in der Suppe.
Low
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien Majestätsbeleidigungen
Beitrag von: Low am 20. Januar 2009, 18:49:49
Majestätsbeleidigungen                         19. Januar 2009

Mein verehrter Grossvater war ein erfahrener Sukkulenten- und Kakteenfreund.
Er hatte ein Gewächs namens Greisenhaupt, Cephalocereus senilis.
Trockenperioden machten dem Greisenhaupt nichts aus. Sie bewirkten sogar ein stärkeres Wachstum der weißen Behaarung.
Darum wird es, von Blondinen bevorzugt, gerne als symbolisches Geburtstagsgeschenk für den Herrn ab 50 verwendet.
Dem Greisenhaupt versuchte ich als unwissender Knabe das Schwimmen beizubringen. Grossvater rügte mich nicht.

In grossen Töpfen standen Riesenskulpturen aus Arizona, die im Hause überwinterten.
Grossvaters besonderer Stolz jedoch war die Königin der Nacht, Selenicereus grandiflorus.

Ohne Blüten handelt es sich um einen unscheinbaren Strauch mit halbkletternden Trieben.
Wenn sich die grossen Blüten mit 25 - 30 cm Durchmesser jeweils für eine Nacht öffnen und dabei einen wunderbaren Vanille Duft verströmen, wird die Pflanze zur Königin.
Diese Art stammt ursprünglich vermutlich aus der Karibik.

Weil ich feige bin und Probleme löse oder noch besser aus dem Weg gehe,
bevor irgend eine Gefahr entsteht, änderte ich den Namen im Gastland sicherheitshalber auf: „Duftender Nachtkaktus.“
Die Sukkulenten, respektive deren Anhänger, beschwerten sich postwendend.

Was sollte ich tun? Ich bin selber ein Greisenhaupt.
Jetzt arbeite ich fieberhaft an der Verbesserung der Duftkomponente der Nachtkakteen.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: illuminati am 20. Januar 2009, 20:28:18

Illuminati’s Affentheater brachte mich zum Grinsen und ich benötigte mangels Wiener-Schnitzel dringend Bananen.
So böse habe ich das gar nicht empfunden.


ich sehe du hast mich verstanden.  ;D
ich habe nur versucht, deiner bildhaften Darstellung vergleichbares entgegenzusetzen - schon möglich dass mir das nicht gelungen ist, aber man lernt ja jeden Tag dazu - böse war das nicht gemein, das würde anders aussehen.

Gruss
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: illuminati am 20. Januar 2009, 20:34:24
Genauso gespannt wäre ich darauf, etwas ähnliches von Illuminati aus seiner Sicht zu lesen.

Hallo,
ich habe schon öfter mit dem Gedanken gespielt - aber der Zeitpunkt ist noch nicht der Richtige, es sind einige Dinge die noch nicht ausgereift sind um sie verständlich darstellen zu können. Alles braucht seine Zeit .....

Jetzt übergebe ich wie gewünscht wieder an Low

Gruss
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 21. Januar 2009, 00:48:50
Bleibt mir nur noch nachträglich zu sagen:

Gut, dass wir mal drüber geredet haben.  ;)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: kaktus am 21. Januar 2009, 07:51:28

Illuminati’s Affentheater brachte mich zum Grinsen und ich benötigte mangels Wiener-Schnitzel dringend Bananen.
So böse habe ich das gar nicht empfunden.


ich sehe du hast mich verstanden.  ;D
ich habe nur versucht, deiner bildhaften Darstellung vergleichbares entgegenzusetzen - schon möglich dass mir das nicht gelungen ist, aber man lernt ja jeden Tag dazu - böse war das nicht gemein, das würde anders aussehen.

Gruss

Du hast überhaupt nichts vergleichbare versucht entgegenzusetzt, für mich war das einfach nur gelästere. Du warst auf dem Weg diesen sehr guten Thread zu verhunzen . Zum Glück hast du die Notbremse gezogen.
Wir warten alle drauf bis du gleichwertiges in einem neutralen  Stiel wie alle anderen hier bringst.
Hab da aber so meine Zweifel da deine Mama Mia alles für dich erledigen scheint.
Viele Geschichten die hier geschrieben wurden habe ich selbst auch genau so erlebt. Dieser Thread hat mich immer wieder zum schmunzeln gebracht und ich hoffe es wird in Zukunft so bleiben.
Ich wohne nicht im Norden Thailands oder im Isaan.  Solche Geschichten kann man überall in Thailand erleben. 
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Kleine und grosse Gauner
Beitrag von: Low am 21. Januar 2009, 12:52:23
Kleine und grosse Gauner                         Juni 2007

Wir sind uns gewohnt, dass viel geklaut wird. Diebesbanden aus dem ehemaligen Ostblock machten Euroland unsicher.
Hier sagt man, es seien Burmesen, die alles mitlaufen lassen. Vor kurzer Zeit wurde in HangDong eine Frau wegen 1000 THB und einem Handy umgebracht.
Gleichen Orts übten Burmesen einen Raubüberfall auf die Seven-Eleven Filiale aus. Die Beute war 15 000 THB. Die Polizei schnappte die Täter bereits wenige Stunden später.
In Vietnam klauten Diebe elf Kilometer Unterwasserkabel im Wert von 5.8 Millionen Dollar. Die Internetverbindungen brachen ein.
Hier werden Telefonleitungen und Stromleitungen samt Masten geklaut. Der letzte Horror waren fehlende Geländer an Fussgängerbrücken über Schnellstrassen.
Ob Leichtmetall oder rostfreier Stahl spielte keine Rolle. Die Spezialisten sägten und schweissten.

Viele Tempeltore bleiben geschlossen. Alte Buddhas sind Mangelware im internationalen Antiquitätenmarkt.
In NahmTuang mausten die Dorfbewohner sämtlich Papayas aus dem Garten, obwohl man annehmen kann, dass auf dem Lande Papayas im Überfluss vorhanden sind.
Abgeernteter Reis wird tonnenweise gestohlen. Teilweise scheuten sich die Diebe nicht, die Erntearbeiten in der Nacht gleich in die eigenen Hände zu nehmen.

In vielen kleineren Hotels gibt es keine Minibars mehr. Diese Kästen wurden samt Inhalt ins wartende Auto verschoben.
Als kleine Zugabe dienten die Fernseher. Andere Schlaumeier wiederum soffen den Whisky und füllten die Fläschchen mit Tee auf.
Im Hotel in Uttaradit gab es noch ein Handtuch pro Person, weil die Wäsche verschwand.
Sogar Bibeln, der Koran und die Lehre Buddha’s  in den Nachttischchen fanden Abnehmer, die sich aber kaum am Inhalt erbauten.
Beim Umbau des Beauty Salons verloren wir sieben Quadratmeter Fliesen. Wieviel Zement ich vergeblich bezahlte, entgeht meiner Kenntnis.

Dazu gibt es die Betrügereien ums grosse Geld. In der Silom Road steht der State Tower. Das Gebäude enthält unter anderem 400 Condos, das Lebua ***** Hotel und drei Top Restaurants.
Vor einigen Monaten wurde dort ein Abendessen zelebriert. Der stolze Preis: Eine Million Baht. Sechs mit  Michelin Sternen dekorierte Köche aus Europa verwöhnten 42 Gäste.
Weil nur 17 Idioten bezahlten, lud man 25  Mitesser ein.
Na und? Die Bangkok Bank möchte von den Gläubigern 9,6 Milliarden.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: FRUST
Beitrag von: Low am 22. Januar 2009, 16:15:03
Frust

Ich wurde gebeten, eine reine Farang Geschichte aus Hinterindien zu schreiben. Das ist relativ schwer, denn ich sehe immer das Spannungsfeld
Eindringlinge zu Eingeborenen. Wenn ein Farang stolpert, aus wessen Gründen auch immer, fällt er auf fremden Boden.

Die einzigen Ausnahmen sind das Internet und die Foren. Das ist oft ein Stück Heimat in der Fremde. Es gibt sie immer wieder, die Entwurzelten, die tagelang vor dem PC sitzen und warten.
Wenn in irgend einer Diskussion, ob über Bier oder das Verfallsdatum von Damenbinden - spielt keine Rolle, eine Antwort eintrifft, dann sind diese Haie sofort da und markieren ihre Ansichten überall
wie Hunde, die wahllos Zäune und Bäume bepinkeln. Solche eifrige Schreiber brachten es an manchen Tagen auf fast hundert Eingaben, ohne wesentliche Aussagen.
Das ist schon fast wie zeitgenössische Kunst westlichen Ursprungs.
Wie nenne ich sie als erfahrener Internetnutzer: „Hemmungslose Spammer, Schrecken der Moderatoren!“
Mit meiner selbstsicheren, überlegenen Art fühlte ich mich zuweilen als Retter des Niveaus deutschsprachiger Foren.

Es war beileibe nicht der beste Tag meines Lebens. Das sonst liebe Kind, ganz der Vater, quengelte den ganzen Nachmittag, vielleicht hatte es Fieber.
Beim Messen, verdammt, diese Thais können keine Minute still halten, fiel das Thermometer auf den Boden und zerbrach. Die Quecksilbertröpfchen stoben in alle Himmelsrichtungen.
In Euroland sind Quecksilberthermometer längst verboten. Welch rückständige Technologie!
Das Abendessen war eine halbe Katastrophe. Meine Gabel hätte die einfachsten Reinlichkeitsanforderungen nach ISO 9004 nicht geschafft. Der Parfümreis klumpte wie Klebreis.
Der Fisch roch etwas zu stark und war versalzen. Das eigentlich delikate Gemüse litt unter Fischsaucen-Vergiftung.
Die Köchin war verstimmt, hatte Migräne und, ich glaubte es nicht,  ihre Tage.

Das Fernsehprogramm nach zehn Uhr war unter allem Hund, bis auf einen Spielfilm, den ich mir bereits etwa zwanzig Mal angesehen hatte.
An frühen Schlaf war nicht zu denken. In der Nachbarschaft böllerte eine Karaokemaschine wuchtige Bässe in die Nacht. Glücklicherweise zog sich die Alte trotzdem ins Bett zurück.

Schlecht gelaunt öffnete ich den Kühlschrank: „Verdammt, kein Bier!“
Dann setzte ich mich an den PC. Ausser idiotischer Werbung keine Emails.
Warum nicht als Zeitvertreib youporn versuchen?  Das Einloggen ging problemlos.
Ich fand ein vielversprechendes drei minütiges Filmchen. Hölle: Die drei Minuten Stossverkehr entwickelten sich zum halbstündigen Opus in lausiger Qualität.
Jetzt platzte mir der Kragen endgültig und ich suchte mir das erstbeste Forum aus. Zielstrebig fand ich, was ich suchte.
Einen fiesen, leicht morbiden Kerl, der über die Qualitäten des Gastlandes räsonierte. Die Tiefe seiner Ermittlungen reichten offenbar nicht über die Länge seines zu kurz geratenen Pimmels hinaus.

Der gehörte endlich aufgeklärt. Ich hämmerte einen Monolog über die mangelnde Anpassungsfähigkeit der meisten Fremden in die Tastatur. Ich sei des ewigen Gejammers müde.
Der beste Rat für solche Typen sei doch, ein Ticket zu erstehen und sich unverzüglich in die Heimat zurück zu ziehen. Dann folgten noch ein paar nicht unbedingt nötige, aber um so derbere Sprüche, die ich von früheren Forenbesuchen her kannte und kopierte. Erleichtert sandte ich mein lehrreiches Spätwerk ab.

Ja, soviel Kenntnis über Kultur, Land und Leute, verfügten leider nur wenige. Das zeigte mir das Internet täglich erneut.
Zufrieden mit mir selbst, wanderte ich wieder zum Kühlschrank und öffnete nochmals die Türe.
Warum nur stellte das beste aller Eheweiber die Gurken stehend wie einen Phallus in den Kühlschrank? Müssten Gurken nicht liegen?
Doch hinter dem Gurkenwall versteckt entdeckte ich, oh Freude, ein Bier. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Behaglich trank ich ein paar Schlücke und sinnierte über das optimale Lagern von Gurken, das Leben im Allgemeinen und den vergangenen Tag im Besonderen.
Dann ging ich zurück an den PC und sah meine Auslegungen genau durch. Ja, dachte ich, nicht schlecht.
Da gibt es ein paar Kanten und Ecken, die ich vielleicht ausbügeln sollte.
Ich war genau drei Minuten zu spät.
Scheisstag. Fehlt nur noch, dass die beim Rückflug wieder den Flughafen blockieren.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Eine Praline
Beitrag von: Low am 23. Januar 2009, 11:36:43
Eine Praline                                            Januar 2009

Mit meinem Beitrag “Frust“ verliess ich den Pfad der Tugend beim Schreiben und ich genoss es, gezielt nach Bösartigkeiten zu suchen. Das beherrschte ein weiterer meiner sprachgewaltigen Lieblingsautoren.
Er stammte aus dem Emmental. Khun Fritz aus Knofligen. Etwas verständlicher: Friedrich Dürrenmatt aus Konolfingen.
Er wäre geplatzt ob der Ereignisse und Lebensart in Siam. Doch er benötigte Hinterindien nicht. Er fand die Opfer und Darsteller in seiner unmittelbaren Umgebung.
Es waren selten Bauern oder gar Dorftölpel. Nein, er jagte die Intellektuellen, die geistige Oberschicht.

„Der Richter und sein Henker“
„Der Verdacht“
„Die Physiker“
„Der Besuch der alten Dame“
„Grieche sucht Griechin“,
sind nur einige seiner unvergesslichen Arbeiten.
Ich habe seit Jahren keine Bibliothek mehr. Oder sollte ich seine Bücher etwa als Insektenfutter oder gar Pappmaschee nach Hinterindien verschiffen?

Grieche sucht Griechin empfehle ich bedenkenlos jedem frisch Verliebten. Die Geschichte könnte aus Pattaya oder Krung Thep stammen.
Reiste Fritz je nach Thailand?

Thai Küche ist sehr delikat und bekömmlich, sofern es sich nicht nur um Lanna oder Isaan Spezialitäten handelt.
Nach längerer Zeit jedoch verlangt fast jeder Farang Gaumen nach etwas handfestem westlicher Bauart.

Hier empfehle ich Dürrenmatts Spätherbst Rezept “Emmentaler Praline“.
(Ich weiss nicht, ob es das in gedruckter Form gibt.) Er erzählte einmal beiläufig davon. Von dieser Delikatesse kann ich nur träumen, weil es zwei Drittel der Zutaten schlicht nicht gibt.

Dürrenmatt nahm ein gut gelagertes, fettes Stück Emmentaler Käse mit grossen Löchern. Mit einem feinen Messer schälte er das grösste Loch sorgfältig aus dem Laib, dass es von einer dünnen Käseschicht umgeben war. Er legte eine süsse, pralle Traubenbeere in das Loch und füllte mit einem alten Burgunder auf.

Nach einigen dieser Pralinen darf man sich getrost Fragen:
„Hasste Fritz seine Landsleute und Gastgeber?“
Ich denke, er liebte seine Heimat und die meisten Mitbürger, auch sie wenn blindwütig herumwurstelten, denn aufbauende Kritik ist immer angebracht.


Drei Zitate von Fritz dem Grossen:

Die Welt ist eine Tankstelle, an der das Rauchen nicht verboten ist.

Je planmässiger Menschen vorgehen, desto wirksamer trifft sie der Zufall.

Vielleicht ist das Scheitern des Versuchs Einsteins, eine allgemeine Feldtheorie aufzustellen, für die Physik sein wichtigster Beitrag.


Mit freundlichen Grüßen
Low
 
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: No stress
Beitrag von: Low am 24. Januar 2009, 00:47:10
No Stress                                   Dezember 1977

Im Dezember 1977 genossen wir zu zweit ein paar Urlaubstage auf Penang, Malaysia.
Wir planten am Abend des vierten Dezembers die Familienangehörigen in Singapore zu treffen.
Doch zuerst wurde ich in Ipoh zu einer geschäftlichen Besprechung erwartet.
Ein Fahrer des Staatsbetriebes holte mich Punkt acht Uhr im Hotel ab. Die Schnellstrasse gab es damals noch nicht.
Wie viele Hühner, Hunde und Katzen in den Kampungs meine Reise mit ihrem Leben bezahlten, weiss ich nicht mehr.
 
Die Effizienz der Verhandlungen entsprach nicht meinem Wunschdenken. Meine Partner organisierten dazu noch einen völlig überrissenen Business Lunch.
Aber ich konnte diese Einladung nicht ausschlagen. Das wäre als sehr unfreundlich empfunden worden und nicht gerade förderlich für eine zukünftige Zusammenarbeit.
Die Zeit lief mir davon, obwohl unser Arbeitsthema einige hunderttausend Jahre betraf.
Nach dem Essen rief ich unser Hotel in Penang an  und fragte, ob wir das Zimmer eine weitere Nacht benutzen könnten.
Glücklicherweise erreichte ich auch meine Frau. Das war nicht einfach, denn Handys gab es noch nicht. Ich bat sie, unseren Flug irgendwann auf den nächsten Tag umzubuchen und ihre Mutter zu informieren.

Der Fahrer raste dann am späteren Nachmittag los, dass die Funken stoben.
Er kannte meinen Termin Kalender. Ich beruhigte ihn und sagte der Flug sei bereits verschoben. Ich würde ihm ein paar Ringit geben,
damit er die Nacht in Penang verbringen oder Freunde besuchen könne.
Wesentlich gemütlicher erreichten wir am Abend das Hotel, wo mich die Gemahlin sehnlichst erwartete.  Wir genossen ein Abendessen unter Palmen und dem Sternenhimmel,
während die Wellen zeitlos und unermüdlich den Strand anliefen.

Als wir am nächsten Morgen frisch geduscht und reisebereit beim Frühstück sassen, tuschelten die Damen und Herren am Büffet aufgeregt und zeigten auf uns.
Ein Kellner kam und gratulierte uns. Wozu? Weswegen?
Er legte die Morgenzeitung auf den Tisch:
Malaysia Airlines Flug MH 653 über Tanjong Kupang, Johor Bahru abgestürzt.

Die Ermittlungen zeigten, dass eine halbe Stunde nach dem Start um 19 21, genau um 19 54, der Pilot Subang Airport rief und meldete, es sei ein unbekannter Entführer an Bord.
Captain Ganjoor leitete den Sinkflug ein. Auf Subang bereitete man sich für eine Notlandung vor. Einige Minuten später meldete der Pilot, der Flug nach Singapore würde fortgesetzt.
Um 2015 war die Verbindung mit der Maschine unterbrochen. Um 2036 stürzte die Boeing 737 mit 100 Personen in einen Sumpf und explodierte.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Samuitilak am 24. Januar 2009, 08:54:55
Herzlichen Glückwunsch zum 32. Geburtstag kann man da nur sagen :) :)

LG nach Hinterindien

Walter
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Eine Karriere
Beitrag von: Low am 25. Januar 2009, 12:51:14
Eine Karriere

Wonach streben Menschen wirklich? Nach Geld, nach Gesundheit, nach beruflichem Erfolg? Das sind die Fragen, die sich Aristoteles zu Beginn der Nikomachischen Ethik stellte.
Aristoteles könnte hier zu Lande zu den unbekannteren Exoten gehören.
Die Geschichte dürfte einfacher zu verstehen sein als Aristoteles Antworten. Aber von Ethik ist sie soweit entfernt, wie Griechenland von Hinterindien.

Eine meiner Putzfeen hatte einen Bruder. Er war verheiratet und hatte drei Kinder.
Diese Familie lebte mehr schlecht als recht  in der Nähe von Fang an der burmesischen Grenze.
 
Seine Frau hörte Geschichten von Weibern, die in grossen Städten wie Chiang Mai, Korat oder Bangkok arbeiteten. Die konnten sich schöne Kleider leisten, hatten Goldschmuck,
Sanuk  und zwei oder mehr Telefone. Eines Tages lief sie weg. Er sass mit den drei kleinen Kindern fest.
Ich kannte ihn. Selten arbeitete er tageweise für mich. Dann verreiste er wieder in den Norden.
Es war sehr hart für ihn, nur das Geld für die Schuluniformen zu beschaffen. Als ich sah, wieviel meine Landsleute täglich an Alkohol konsumierten, erkannte ich,
dass es für mich eine Kleinigkeit war, den Kindern zu helfen. Diese Ausgaben betrugen zudem kaum Prozente, verglichen mit dem, was ich für meine Kinder ausgab.
Nach einigen Monaten reiste die Familie in den Grossraum Chiang Mai. Sein Verdienst war nun ausreichend und meine Unterstützung nicht mehr nötig.
Die älteste Tochter wohnte im Haus der Tante und besuchte von dort die Schule.

Die Tante war kein gutes Vorbild für das junge Mädchen. Sie hatte fast täglich Herrenbesuch. Sie spielten nicht Schach zusammen, sondern nur Damenopfer.
Sie versuchte dennoch, die Pflegetochter auf den schmalen Pfad der Tugend zu führen. Das hübsche Mädchen hatte gute Manieren und war stets eine Spur zu freundlich zu mir.
Nach dem Schulabschluss mit knapp 15 fand das junge Ding sofort eine Anstellung bei einem Grossverteiler. Der Filialleiter beförderte sie flugs zur Mia Noi.
Nun stellte die Pflegetochter plötzlich Ansprüche. Für den Arbeitsweg brauchte sie umgehend ein Motorrad.  Die Tante besass eine Maschine, die ihr vor einem halben Jahr ein sogenannter Husband hinterliess. Dieses Rad taugte nicht für sie, auch keine Billigmarke wie JRD. Ein anderes Gebrauchtfahrzeug für 25 000 THB kam ebenfalls nicht in Frage.
Nein, es musste eine neue, möglichst rote Yamaha sein. Weil kein Bargeld da war, erhöhte sich der Preis von 45 000 auf 60 000 THB, abzustottern in monatlichen Raten.
Dann hatte das Mädchen die Idee, eine weitere Schule zu besuchen. Das Schulgeld betrug nur etwa 30 000 THB pro Semester.
Ich erklärte, dass sie mit ihrem frisch erworbenen Diplom als Mia Noi kein weiteres Geld für Ausbildungszwecke verblasen müsse.

Als sie das rote Motorrad hatte, wollte sie nicht mehr bei der Tante wohnen. Sie brauchte eine Wohnung in der Nähe ihres Liebhabers in Chiang Mai.
Nach dem Umzug ging diese Rechnung nicht auf, weil der mittlerweile neue hübsche Kassiererinnen rekrutierte.
Eine Freundin fragte sie, warum sie sich für 7 000 THB den Rücken wund schufte.
Sie arbeite in einem Biergarten. Die Gäste seien stets gut gelaunt und sie verdiene wesentlich mehr. Welche Leistungen sie für ihren Mehrverdienst erbrachte, verschwieg sie wohlweislich.
Dennoch wechselte die junge Frau von der Kasse an die Bierfront. Sie war anfänglich zu scheu, um nach Feierabend die angesäuselten fremden Bierbäuche ins Hotel zu begleiten.
Dafür fand sie in dem Milieu ihre weggelaufene Mutter wieder. Unter Vermittlung der Tante kehrte sie nach einer Woche Bierverkauf und einem Minderverdienst von gut 500 Baht
erneut an die Kasse zurück. Nach drei Tagen quittierte sie ihren Job auf Anraten der Mutter trotzdem endgültig.

Dann hörte Tantchen eine Weile nichts mehr von dem süssen Fratz. Als sie in Begleitung von Frau Mutter neuerlich im Dorf erschien, benötigte sie 30 000 THB für eine Abtreibung,
weil ein öffentliches Spital für ihren kostbaren Leib nicht genügte. Eine Privatklinik musste es sein. Der Nachwuchs stammte nicht vom Herrn Filialleiter.
Die Tante war blöd genug, angeblich ihren Goldschmuck, ich glaube es nicht, zu Gunsten der Engelmacher zu verscherbeln.
Warum wurde die sonst knallhart rechnende Tande erpressbar? Ich habe den Verdacht, dass die Entjungferung noch im Hause der Tante gegen ein knallhartes Entgelt gefeiert wurde.
Nun warten die drei Grazien offenbar auf einen Bräutigam, damit sie beim Sinsod, Brautgeld, noch einmal abkassieren können.

Woher ich das alles weiss? Die waren doch doof genug, mich immer wieder um Darlehen anzubaggern.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: rh am 25. Januar 2009, 15:52:55
Low,
Deine Geschichten sind wirklich koestlich,ich hoffe,Du hast ein langes Leben bei voller Geistesstaerke !!!!!!!!!
Mach weiter. :D :D :D
rh
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khon_jaidee am 25. Januar 2009, 19:55:36
Eines Tages lief sie weg. Er sass mit den drei kleinen Kindern fest.

Meistens hört man vom umgekehrten Fall - schön, hier auch mal diese Variante zu lesen.

Tolle Geschichten, low. Weiter so!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 26. Januar 2009, 22:20:26
Ich danke für die guten Wünsche zum Geburtstag (?) und
für das lange Leben bei vollem Bewusstsein.
Die Geschichten mögen für euch toll sein.
Sie belasten mich.
Thailand ist in meinem Herzen anders. Es ist das Paradies in dem ich lebe.
Das Paradies hört leider bereits hinter der Gartentüre auf.
Trotzdem danke ich, dass ich auch die Schattenseiten erfahren durfte.
Denn nur so ist gezielte Hilfe möglich.

Einige Geschichten strotzen vor Ironie und Satire. Ich verzichtete auf Warnungen.
Bevor ihr ausflippt, ob Sekunden oder Stunden, bitte PM. Ich versuche zu helfen. Das ist meine Aufgabe.

Ehrlich,
Low
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Nachtrag zur Karriere
Beitrag von: Low am 26. Januar 2009, 22:29:05
Nachtrag zur Karriere

Ich habe ein gewisses Verständnis, dass die Frau den Verschlag in Fang, in dem sie mit Mann und Kindern lebte, verliess. Es sind unwürdige Unterkünfte, die sich diese Menschen mit Hühnern, Katzen und Hunden teilen. Die Idee, die Kraft und der Mut zum Ausmisten, zum Verbessern ihrer Situation fehlt vollständig.
Diese Frau verliess ihre Familie mit unrealistischen Vorstellungen. Sie dachte nur an Geld, Gold und Elektronik. Sie hatte mehr als fünf Jahre Zeit. Veränderte sich etwas in ihrem Leben?
Unter Umständen wurde sie noch selbstsüchtiger als zuvor.
Rein wirtschaftlich tat sich gar nichts. Sie konnte keinen einzigen Baht auf ein Sparbuch legen. Sie wurde älter, aber nicht klüger. Vielleicht holte sie sich eine Geschlechtskrankheit.
All ihr Streben hatte nur einen Zweck: Geld. Sofern sie etwas besass, opferte sie es im Tempel. Der Hintergedanken war, dass Buddha korrupt ist,
dass man ihn schmieren kann und er die Glücksnummer im Traum bekannt gibt. Sofern der Erfolg im Tempel nicht garantiert ist, gibt es die Wahrsager.
Ob man im Tempel opfert oder dem Wahrsager ist Nebensache. Die Hauptsache ist der Gewinn.
Denken die überhaupt, ob ein genauso geldgieriger Wahrsager eine Gewinnummer bekannt geben würde? Wenn zufälligerweise zwei oder fünftausend Baht hereinkamen, wurde sofort reinvestiert.

Ich weiss nur, dass diese Frauen zu zweit oder dritt in der Stadt in einem Zimmer ohne jeglichen Komfort leben. Dafür bezahlen sie im Monat 6000 THB oder mehr.
Wenn etwas Geld im Haus ist, wird untereinander gespielt, denn man will ja mehr und dies möglichst schnell. Die Buchmacher sind freundliche, entgegenkommende Menschen.
Sie verleihen auch Geld, maximal 3000 Baht, zu günstigen zwanzig Prozent im Monat!
Haben die Weiber eine Ahnung, dass sie einige Kilometer ausserhalb für 2500 Baht ein ganzes Haus mit drei Zimmern, teilweise möbliert, mieten könnten?
Es gibt wenige, die so etwas machen, und wenn, dann sind sie überfordert.

Ich kenne eine Hübsche, die hat ein möbliertes Haus. Sie hat so viel Köpfchen, Busen, Hintern, Arbeit, drei oder vier Farang als Dauerkunden und damit genügend Einkommen,
dass sie sich eine Putzfrau leisten wollte. Weil unsere Reinemacherin öfters am frühen Nachmittag  bereits mit ihrer Arbeit fertig ist, stellte sie kurzentschlossen die Aufräumerin eines Tages an.
Der Putzfrau verschlug buchstäblich es den Atem. Sie räumte einige Kubikmeter Mist aus dem kleinen Haus, vertrieb Ungeziefer, Ratten und Mäuse. Als sie sich bis zu den Schränken vorgekämpft hatte,  fand sie den einen Schrank vollgestopft mit ungewaschenen Kleidern und Katzenkot. Im andern, etwas aufgeräumteren Schrank säugte eine Katze ihre Jungen.
Noch am selben Tag gab sie ihre neue zusätzliche Stelle wieder auf.

Die grenzenlose Gier erlebte ich ebenfalls im Dorf. Eine meiner verheirateten Freundinnen gewann in der Staatslotterie 4 Millionen. Endlich wurde die Familie ihre Schulden los.
Man bezahlte das Haus und alle die Kleinkredite. Es blieb noch genug übrig für zwei luxuriöse Pickup Cars, etwas Schmuck und all den Schund, den man eigentlich nicht braucht,
aber den die Nachbarn gerne hätten.
Sie konnte es nicht lassen und kaufte nochmals ein paar Lose und wieder schlug das Glück zu. Abermals vier Millionen. Sie kauften viel Land am Fuss der Hügel und bauten dort Gemüse an.
Anfänglich ging jede Woche ein Laster voll Grünzeug nach Bangkok, dann zwei, später drei. Der Wohlstand mehrte sich, langsam und bescheiden.
Zu langsam für die verwöhnte Frau, welcher der Reichtum bereits das Hirn vernebelte. Sie begann zu spielen. Innerhalb von zwei Jahren verlor sie alles!
Der Ehemann versuchte es in einem letzten Aufbäumen vor dem endgültigen Ruin mit Drogenhandel. Die Polizei erwischte ihn. Ende.


Ich erinnerte mich an eine ähnliche Geschichte, weder Gotthelf noch Dürrenmatt:
Wieviel Erde braucht der Mensch? (russisch Много ли человеку земли нужно?) Lew Nikolajewitsch Tolstoi, Erstveröffentlichung 1885.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Ingo † am 26. Januar 2009, 22:56:08

Lieber Low,
Du bist ein begnadeter Traeumer.

Doch wenn ich dich richtig lese, dann hoeren deine Traeume am Gartenzaun auf.
Dort siehst Du sie, die Realitaet und denkst zu ihr.
Kehrst in dein Traumumfeld zurueck, und kannst diese gesehene, gehoerte so schreiben wie es ist.

Mich ueberrascht, dass deine Geschichten doch so wertfrei von Traeumereien sein koennen.
Es ist wohl die Distanz die Du einhalten kannst. Da, nicht direkt betroffen.

Einige Zyniker hier werden nie ein Haar zu ihrer Selbstdarstellung in deinen Geschichten finden.
Sie sind Geschichten sagst Du. Und dies ist gut so.

Ingo
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: illuminati am 27. Januar 2009, 00:45:04

Die Geschichten mögen für euch toll sein.
Sie belasten mich.
Thailand ist in meinem Herzen anders. Es ist das Paradies in dem ich lebe.
Das Paradies hört leider bereits hinter der Gartentüre auf.
Trotzdem danke ich, dass ich auch die Schattenseiten erfahren durfte.
Denn nur so ist gezielte Hilfe möglich.

Einige Geschichten strotzen vor Ironie und Satire. Ich verzichtete auf Warnungen.
Bevor ihr ausflippt, ob Sekunden oder Stunden, bitte PM. Ich versuche zu helfen. Das ist meine Aufgabe.

Ehrlich,
Low


Hallo,
vorweg muss ich sagen, dass ich Atheist bin und das ist kein Widerspruch zu meinem folgenden Gedanken.
Ich glaube , unabhänig welcher Religion du angehörst, es würde dir weiterhelfen, für eine gewisse Zeit in einen Tempel zu gehen. Die Wurzeln und das Verständnis zu TH sind dort zu finden - und ich vermute das suchst du. Oder bin ich auf dem Holzweg?

Gruss
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: hmh. am 27. Januar 2009, 01:16:44
Low, ich finde Deine Geschichten, die für mich schon mit Deiner Vorstellung hier anfingen, wirklich interessant und lesenswert. Die haben was. Zwar irgendwie rauh; aber angenehm rauh, nicht "glattgeschliffen". Insofern gewöhnungsbedürftig, aber wenn man mal drin ist, freut man sich auf jede Episode.

Irgendwann stellst Du das mal zusammen und machst eine kleine Broschüre daraus. Roy druckt die, jede Wette!
Ich hoffe, daß Dir noch viel einfällt und daß Du nicht müde wirst, uns das weiter zu erzählen. (http://babbelgosch.org/forum/images/smilies/green/icon_2thumbs.gif)

MfG hmh.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 27. Januar 2009, 15:21:06
Ja Low, erzähl weiter! Ich habe Deine Geschichten in einem Zug gelesen, ich habe lange nicht mehr so anhaltend geschmunzelt.
Danke für die schönen Stunden.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Pachpicha am 27. Januar 2009, 18:09:31
Zug   Bangkok - Kuala Lumpur oder Gelsenkirchen - Dortmund.  :D :D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Sabotage
Beitrag von: Low am 27. Januar 2009, 22:26:35
Sabotage         März 2007

Das neue Haus für die Eltern in Nahm Tuang, wurde mit einem Tag Verspätung am 10. März, rechtzeitig vor der Regenzeit, fertig. Nur die nicht unbedingt notwendige Vorfassade als Schattenspender unter dem Dach, althergebrachten Emmentaler Bauernhäusern nachempfunden, fehlte einstweilen. Ich wollte dazu Bretter des alten Hauses verwenden.
Der total verarmte Schwager beabsichtigte diese für seinen Bau nutzen.
Warum hatte der Schwager kein Geld? Er pflanzte Mais an und verkaufte ihn zu einem guten Preis. Eine Grossfirma holte das Gewächs tonnenweise ab, aber vergass einfach, ihn zu bezahlen.
Bei einem Anruf an die Firma antwortete die Sachbearbeiterin:
„Möglicherweise ist unser Buchhalter mit ihrem Geld durchgebrannt!“

Ich entwarf nicht nur das ganze Gebäude, sondern war für sämtliche Details zuständig. Meine Erfahrungen beruhten auf einem Neubau und zwei Renovationen in Chiang Mai.
Als ich sah, wie da gepfuscht wurde, musste ich mir sagen, dass ich das besser kann. Nicht das Pfuschen.
Mein Bauleiter in Chiang Mai, Khun Sand, hatte immer ein offenes Ohr für meine Anliegen und kopierte viele Ideen für seine eigenen Projekte.
Sobald er jedoch von den Baustellen verschwand, herrschte wieder Chaos.
Eine grosse Hilfe war, dass ich  sämtliche Pläne, Stück- und Preislisten im PC gespeichert hatte. Für jedes Detail gab es eine Zeichnung. Die Leute konnten keine Pläne lesen.
Aus Bildern wurden sie klug. Ich wusste, wie viele Backsteine für pro Quadratmeter benötigt wurden. Die Maurer hatten keine Ahnung.

Dick und ich planten und führten sämtliche Sanitär Installationen selbst aus,
nachdem wir am Neubau und nach den Renovationsarbeiten in ChiangMai monatelang Leckstellen reparierten.
Ich zeichnete die elektrischen Installationen mit geerdetem drei Draht System und FI Schalter. Ein Onkel, ein Schwager und Dick verdrahteten zusammen das ganze Haus nach meinen Anweisungen.
Während in Chiang Mai jede Farbe Phase sein kann, benutzten wir in Nahm Tuang gelb für Erde, blau für Neutral und braun für Phase.
Kabel, Dosen und Zuleitungen schleppten wir von Chiang Mai in die Provinz Phitsanulok und sparten so etwa fünfzig Prozent der Kosten.
An Ort hätten wir bloss überteuerte und veraltete Aluminium Kabel kaufen können. Für weniger Geld erstanden wir besser isolierte, verlustfreiere Kupferkabel.

Wir hatten ein gutes Verhältnis zu den Arbeitern. Die schliefen auf der Baustelle. Das hatte den Vorteil, dass kaum Material gestohlen wurde.
Fast jeden Abend gab es ein Festessen mit der Familie. Ich sorgte für geregelten Getränke Nachschub, dass die Promille Werte überschaubar blieben.

Beim Testen erlebten wir böse Überraschungen. Von sechs Lampen brannten anfänglich nur deren vier. Waren es meine unerfahrenen Elektriker?
Nein, die Armaturen der Lampen waren lausig verkabelt. Lose Schrauben verhinderten den Stromfluss.

Am schlimmsten war die Wasserversorgung. Dick und ich schlossen die alte Pumpe über ein zusätzliches Ventil ans neue Haus an. Der Wasserhahn an der Aussenmauer der Küche tropfte leicht.
Mit etwas Teflonband dichtete ich das Gewinde. Der Rest schien in Ordnung.
Nach einer halben Stunde spritzte Wasser aus den Keramikfliesen im Badezimmer.
Wir schlossen das Ventil und unser Arbeiter öffnete auf meine Anweisung die Badezimmermauer auf der Aussenseite. Merke: Einheimische Handwerker wollen immer Fliesen entfernen.
Unsere Anschlüsse waren dicht.
Er öffnete ein weiteres Stück Mauer rechts. Dort strömte das Wasser in Mengen von oben herunter, dass ich mir sagen musste, das es kaum Dicks oder mein Fehler sein konnte.
Ich befragte den Arbeiter, ob er beim Fliesenlegen zur Niveaukontrolle wie üblich Nägel und Schnur benutzte. Er sagte nein. Wir öffneten das Hauptventil erneut und ich prüfte das Lavabo.
Dort kam kein Wasser. Aber aus der Wand rechts sprudelte es nach wie vor.
Ich befahl dem Mann, die Wand aussen links aufzuspitzen. Dort fanden wir die Bescherung. Sein Kollege nagelte drei Löcher in die Wasserleitung, bevor er die Fliesen verlegte.

Der Grund: Beide Arbeiter hatten während dem Bauen ein Auge auf Dicks hübsche Schwester geworfen.
Bei Quetschungen und Verletzungen hatte sie stets eine lindernde Hand für die Verletzten. Das gefiel den beiden Handwerkern.
Der eine, der Nagler, war bereits verheiratet und hatte mehrere Kinder. Der blitzte ab.
Aus Rache sabotierte der geile Kerl die Leitungen im Suff und verschwand eine Woche zuvor von der Baustelle.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Samuijumbo am 28. Januar 2009, 11:05:58
Weiter machen. :-*
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Danke
Beitrag von: Low am 28. Januar 2009, 20:02:05
Danke                Jan 2009       Nov 2008

Ein Thread im Forum lautete:
„Woran liegt es, dass man leider so oft noch nicht einmal ein "Danke!" bekommt?“ Das Spektrum der Antworten war breit gefächert.
Ich hätte die Frage auf meine eher knappe Art abgerundet auf:
„Warum dankt mir keiner?“ oder breiter: „Warum bedankt sich keiner?“

Wenn jemand bei einer Anfrage nach Leistungen welcher Art auch immer, nicht bitte sagt, wird er wohl kaum danken.
Dagegen hilft mir das „10 kleine Negerlein“ Prinzip:

Fünf kleine Negerlein, die tranken bayrisch' Bier,
Das eine trank, bis dass es barst, da waren's nur noch vier.

Ein Farang-Bekannter, zu dem ich längere Zeit keinen Kontakt hatte, rief mich an und lud uns in ein Lokal der gehobenen Klasse zum Dinieren ein.
In so einem Schuppen kann man ja nicht von Essen sprechen.

Ich wusste, der Mann hatte schwierige Zeiten hinter sich. Seine Frau hatte Spielschulden. Die Familie in Bangkok verlangte nach einem neuen Wagen. Sie erkrankte an Krebs.
Sie war schlecht versichert. Die Behandlung verschlang einige Hunderttausend. Trotz allen Aufwendungen starb sie.

Er lernte eine weitere Thailänderin kennen. Sie sprach etwas englisch. Sie war anspruchslos und arbeitete. Sie hatte weder Kinder noch Eltern zu versorgen.
Trotzdem mussten sie in ein bescheideneres Haus umziehen. Sie erduldete den nicht gerade einfachen Patron, Berufsalkoholiker, Fussballfan, TV-Addikt, Golfspieler und freiwilligen Assistenten der Polizei.

Wir genossen die Tafelfreuden und schwemmten die Delikatessen mit teurem Wein hinunter. Die Vergangenheit unserer Partner berührte mich während dessen nicht im Geringsten.
Als  der Herr Ober die Rechnung auslieferte, waren unsere Gastgeber zufällig gerade auf Rauchpause.

Jetzt fehlt wieder eines.




10 kleine Negerlein:
Text der ersten deutschen Version (F.H.Benary,1885)
 

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 29. Januar 2009, 10:44:40
So wie sich das liest, wirst Du auch nicht pausenlos vom Glück verfolgt :-)

Schreig ja weiter!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Allmacht
Beitrag von: Low am 29. Januar 2009, 17:01:17
Allmacht

Neuerdings tummelt sich ein selbsternannter, auffällig wenig erleuchteter  Buddha im Tip Forum. Dieser Buddha hat bedauerlicherweise die Weisheit nicht mit dem Löffel gefressen.
Trotz der gediegenen Form der Orakel Sprüche offenbaren sie innere Hohlheit und Leere. Anstatt Ruhe und Weisheit verbreiten sie Unbehagen.

Irgendwo aus meiner Erinnerung drängte eine Geschichte ans Licht.

Buddha war kein Schöpfer, Buddha war ein Lehrer.
Der Schöpfer im Hinduismus heisst Brahma. Brahma wird meist mit vier Gesichtern und vier Armen dargestellt. Die berühmteste Brahma Skulptur in Bangkok ist im Erawan Schrein.
Dort bittet man um Geld, mehr Geld, Liebe, beruflichen Erfolg, Gesundheit und Erleuchtung.
Ich nehme an, Brahma würde es nichts ausmachen, wenn Forenteilnehmer aus Phuket nach Käsekuchen verlangen.
In Thailand wird Brahma Tao Mahaphrom oder kurz Phra Phrom genannt.

Brahma ist allmächtig.
Brahma is so mächtig, dass er einen Stein schaffen könnte,
so gross wie einen Berg und er könnte ihn heben wie ein Staubkorn.

Brahma ist allmächtig. Er ist so mächtig, dass er einen Stein schaffen könnte,
so gross wie die Welt und er könnte ihn heben wie einen Fussball.

Brahma ist allmächtig. Er ist so mächtig, dass er einen Stein schaffen könnte,
so umfassend an Grösse, dass er ihn selbst nicht heben könnte.
Aber wo bliebe da die Allmacht Brahma’s?



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 29. Januar 2009, 19:32:13
"Nicht ärgern, nur wundern", das hilft in vielen Fällen weiter.
Sensibilität lässt sich leider nicht anordnen, ich glaube, daß unser neuer "Buddha" nicht wichtig genug ist, um ausgiebiger diskutiert zu werden. Vielleicht merkt er das ja auch noch und kommt mit einem anderen Namen ins Forum zurück. "Es ist mehr Freude über einen reuigen Sünder als über 100 Gerechte."
Geben wir ihm doch einfach eine Chance. :-)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Kopfweh
Beitrag von: Low am 30. Januar 2009, 11:26:37
Kopfweh      Januar 2009

Special Forces als Wort gibt es meines Wissens nicht in Thai. Man stellte mir den Herrn als Polizei Armee, oder Armee Polizei vor. Eine Kampfmaschine von einem Mann, eine Art Sumo Kämpfer für den Urwald. Die springen mit 50 Kilogramm Gepäck am Rücken, zusätzlich die Waffe in der Hand, vom Helikopter in den Dschungel. Ist so etwas im Zeitalter vom Global Positioning System (GPS) noch sinnvoll? Fragt mich nicht warum die das tun, ohne Rücksicht auf Verletzte. Anscheinend weil es ein goldbetresster Ordensträger befiehlt.

Der Mann mit seinem dunklen glattrasiertem Schädel und Vollmondgesicht, Stierennacken, Händen wie Greifzangen und Amboss gleichzeitig, war furchteinflössend, aber er lächelte mich an wie einen alten Freund. Ich dachte mir, der Kerl kann einen 10er Nagel mit der blossen Hand zu zwei Dritteln in einen Balken schlagen und ihn nachher mit den Hinterbacken wieder herausziehen.

Er hatte einen Unfall. Er stürzte zu Hause. Der Sturz bewirkte eine starke Blutung im Schädel. Ob er stürzte, weil sein Gehirn beschädigt war, oder der Schaden durch den Sturz hervorgerufen wurde, interessierte niemanden.
Er überlebte. Anfänglich konnte er seinen Redefluss nicht mehr bändigen. Er plapperte Tag und Nacht, pausenlos. Zur Beruhigung erhielt er Psychopharmaka.
Die Kontrolle seiner Körperfunktionen litt. Das Gehen wurde mühsam. Kot und Urin flossen mehr oder weniger ungehemmt.

Er ist verheiratet  und hat drei stämmige Söhne zwischen zehn und fünfzwanzig Jahren. Beide Partner arbeiteten. Jeder hatte sein eigenes Haus, wenn auch nur ein paar Meter voneinander entfernt. Weil beide relativ gut verdienten, wurden die zwei Häuser mit unnötigem Krempel gefüllt, denn es war ein leichtes, Kredite zu bekommen.
Zusätzlich versorgte er eine Mia Noi mit einer nun elf jährigen Tochter mit 10 000 Baht pro Monat.

Die Kreditlasten blieben. Das Einkommen wurde kleiner. Die Frau sollte arbeiten und gleichzeitig ihren hilfebedürftigen Gatten pflegen. Ausweglos.
Die Eltern des Mannes stellten ohne lange Diskussion und Rückfragen für 3000 Baht eine Hilfskraft ein. Bezahlen durfte natürlich die Ehefrau, ohne jegliche Budgetplanung das Ende der Finanzen.
Die Angestellte war taubstumm. Dennoch pflegte sie den Mann so gut es ging. Sie zeigte ihm ihren Ärger, wenn die Hosen wieder mal voll waren.
Sie hielt den Patienten und die Häuser sauber. An ihrer Arbeit war nichts auszusetzen.

Nach einem Monat erhielt sie ihren Lohn und die Chefin sagte ihr, sie solle nach Hause gehen, sie könne sie unmöglich weiter bezahlen, es tue ihr Leid.
Die gehörgeschädigte Frau aber wollte nicht weg. Sie sagte, es gefalle ihr hier. Das Essen sei gut, die Arbeit sei nicht schwer und mache ihr Spass.
Der „General“ hatte seine Pflegerin, ob er sie mochte oder nicht.

Die Verständigung mit dem Soldaten wurde schwierig. Er lebte ein seiner eigenen Welt. Als ihm seine Frau gestand, sie hätte Probleme mit den Schulgeldern für die Söhne, antwortete er:
„Warum, ich habe doch Millionen!“ Darauf händigte er ihr seine Spielkarten aus.
 
Ich treffe ihn möglicherweise wieder, wenn er erneut Pillen für seinen kranken Kopf braucht.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Trinkwasser
Beitrag von: Low am 31. Januar 2009, 14:01:25
Trinkwasser         Juni 2007

Wir haben eine eigene Wasserversorgung. Trotzdem kauften wir aus Sicherheitsgründen Trinkwasser. In unserer Nähe gibt es eine halbprivate Trinkwasserverkaufsstelle. Sie wurde etwa vor zwei Jahren teilweise mit öffentlichen Mitteln erstellt. Zur Wasseraufbereitung dient das Umkehrosmose-Verfahren.
Man zahlte eine Depotgebühr für Harass und Flaschen. Für einen Baht pro Flasche erhielt man ein durchschnittlich gutes Wasser. Zur Beurteilung mass ich den  elektrischen Leitwert, den ph Wert und wir verglichen den Algenbefall auf Zeit. Mikroskopisch war das Wasser einwandfrei (Schulmikroskop).
Für den Leitwert könnte ich keine absoluten Zahlen liefern. Ich habe ein Standardglas, das für Vergleiche allemal genügt.

Neulich nahm die durstige Dick einen kräftigen Schluck. Wenige Minuten später erbrach sie alles.
Das Wasser in der Flasche roch eindeutig nach Seife. Vermutlich lagerte jemand Waschmittel in der Flasche, bevor er sie zum Auffüllen retournierte.
Wir brachten die fragliche Flasche zur Verkaufsstelle und beschwerten uns.
Als wir einige Tage später Wasser kaufen wollten, streikte das Personal und boykottierte uns.
 „Wenn unser Wasser nicht gut genug für euch ist und ihr so empfindliche Mägen habt, kauft doch teures, aber nicht besseres Wasser bei Tesco-Lotus!“

Konsumentenschutz gibt es hierzulande kaum. Zudem machen Thais keine Fehler. Wir waren nicht die einzigen Kunden, die mit diesem Hersteller Probleme hatten.

Ich baute seinerzeit ein riesiges Badezimmer. An der Schmalseite der Badewanne errichteten wir ein langes Podest für Blumen, Frauen und andere schöne Gegenstände.
Darauf konnten wir bequem einen kleinen Wassertank stellen und einen Abfüllplatz für Flaschen einrichten. Darüber an der Wand hängt nun unsere eigene Umkehrosmose-Filtrierung.
Und wenn Blondie mal vergisst den Hahn abzustellen, fliesst das Wasser in die Badewanne.





Vergleich: Gemessene Leitwerte im Standardglas
Unser Leitungswasser, ungefiltert     15 kOhm
Schlechtes gekauftes Trinkwasser     20 kOhm
Gekauftes       UK Osmosewasser      30 kOhm
Quellwasser am Doi Inthanon           30 kOhm
Neu    eigenes UK Osmosewasser      50 kOhm



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Ingo † am 31. Januar 2009, 14:20:03

Konsumentenschutz gibt es hierzulande kaum. Zudem machen Thais keine Fehler.

So ist es, @Low,

und da dies so ist, muss man hier sehr sorgfaeltig sein.
Und trotz aller Sorgfaeltigkeit, es erwischt dich doch. Oft genug.
Dem Wasser, das wichtigste Element fuer uns, wird hier zu wenig Beachtung geschenkt.

Ich weis mittlerweile warum die Einheimischen soviel Feuerwasser trinken,
oder bei Gerichten mit Feuergewuerz nicht geizen.
Und am Ende ihres Daseins auch das Feuer bevorzugen.

Ingo
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Buchungen
Beitrag von: Low am 01. Februar 2009, 17:05:54
Buchungen         April 2008

Für ein Visum der Botschaft im Wonnemonat Mai brauchte Mia ein bestätigtes Rundflugticket. Wir fuhren zum Business Park und wollten diese Bestätigung von Thai Airways,
weil wir gesammelten Meilen investieren wollten.

Die Firma war nicht mehr im Business Park tätig. Die neue Adresse war den Angestellten nicht bekannt. Darum fuhren wir zum nahe gelegenen Flughafen.
Diese Agentur konnte nur Jahres Tickets ausstellen, gab uns aber freundlicherweise die Adresse von Thai Airways International in Chiang Mai.
Die waren in einem imposanten neuen Gebäude zurück an der Propaklao Strasse. Von den zahlreichen Schaltern waren deren drei besetzt.
Zwei Damen waren mit Maniküre beschäftigt. Ja, diese Mädels wissen, was sich gehört und können der Kundschaft nur behilflich sein, wenn die Nägel ordentlich bemalt sind.
So zogen wir eine Nummer und warteten auf die bereits lackierte Bedienung. Nach einer Weile, in der wir die neuen Räumlichkeiten entsprechend würdigen konnten, wurde unsere Nummer elektronisch angezeigt.
Ich gab der Angestellten meine Computer-Liste mit unseren Namen, Flugdaten inklusive Flugnummern und sagte ihr, dass wir ein bestätigtes Rundflugticket für den Visumsantrag im Mai benötigen.
Die Tickets würde ich aber erst nach erhaltenem Visum bezahlen.
Sie tippte, schaute, tippte wieder, schüttelte den Kopf und wiederholte die Prozedur mehrmals angespannt. Irgendwo kratzte ein Nadeldrucker. Dann gab sie mir einen Fetzen Papier mit kaum lesbarem Druck und murmelte etwas, der Flug vom 26. sei noch nicht bestätigt, man würde mich aber anrufen.
Am nächsten Tag rief mich eine Mitarbeiterin von Thai an. Sie sagte, der Flug am 26. April sei perfekt.
Ich stutzte, 26. April? Mia’s Termin auf der Botschaft war am 7. Mai.
Die Schalterbeamtin war offenbar nicht in der Lage, die korrekten Daten von meiner Liste zu kopieren.
Ich nahm eine Lupe und versuchte, den Wisch von Thai Airways zu entziffern. Ich sah, dass die Flüge anstatt für Mai für April  gebucht waren.
Noch ärgerlicher war, dass meine Wenigkeit komplett vergessen wurde. Ich rief Thai an, und annullierte die Flüge.
Dann erinnerte ich mich. Es war kurz vor Feierabend. Die Damen bepinselten Ihre Zinken nicht für die Kundschaft, sondern für den Ausgang!

Wir fuhren wieder 20 Kilometer nach Chiang Mai. Dick parkierte den Wagen in einem idyllischen Tempel. Nach einem zehn minütigen Spaziergang erreichten wir mein vertrautes Reisebüro.
Ein paar Minuten später überreichte mir die Chefin mit einem Lächeln das lesbare Dokument mit den detaillierten Daten.

P.S. Wären keine Meilen involviert gewesen, hätte ich ausser der Bezahlung alles per Email erledigt, jedoch nicht bei Thai.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Hunger
Beitrag von: Low am 02. Februar 2009, 11:15:28
Hunger      1. Februar 2009


Gestern unterhielt sich auf der Strasse eine offenbar neu zugezogene Frau mit Mia.
„Du hast ein grosses Haus. Du trägst schöne Kleider. Man sagte mir, dein Mann ist Farang. Uns geht es sehr schlecht. Die Kinder haben kein Essen, sie hungern. Leihe mir 500 Baht.“
Mia antwortete:
„Mein Mann ist Farang. Er ist geizig. Er traut niemandem. Er gibt mir kein Geld. Er hat aber ein gutes Herz. Er will nicht, dass Kinder hungern. Komm in den Beauty Salon.
Ich gebe dir Reis und Gemüse, vielleicht hat es sogar etwas Fleisch oder Fisch.“

In der Tat sind 500 Baht eine Menge Geld. Man könnte damit zwei Kilogramm gutes Schweinefleisch, fünf Kilogramm Reis, kiloweise Gemüse und fünf Flaschen Bier
oder eine Flasche MaeKhong kaufen.
Doch wozu brauchen Kinder Bier oder Schnaps?

Mia wartete auf die Frau mit den hungrigen Kindern. Keiner kam.
Der Abend brachte des Rätsels Lösung: Keine hungernden Kinder, Karaoke Party.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Taxi driver
Beitrag von: Low am 03. Februar 2009, 09:56:02
Taxi driver

Er war stets gut zu mir. Er war freundlich, pünktlich und zuverlässig. Bei Einkäufen nahm er nie Kommissionsgelder. Er hatte Festpreise. Sein Wagen war fast neu und immer hervorragend gepflegt.
Er hatte ein paar Macken. Wenn er mich morgens abholte und eine Frau im Haus sah, dachte er jedesmal, das sei jetzt meine neueste Beischläferin. Er dachte es nicht nur, er fragte hemmungslos.
Ich hatte meine stereotype Antwort: „Ich spreche nicht über Frauen. In diesem Falle aber schon. Das war Khun Sun. Sie besorgt die Wäsche.“
Er hatte eine Frau in irgend einem Vorort auf der andern Seite der Stadt.
Er hatte einen Sohn, auf den er sehr stolz war. Aber er missachtete ihn. Wenn er ihn loswerden wollte, deponierte er ihn Stunden-, ja Tageland in einem Computer Shop.

Bei mehrtägigen Ausflügen an irgend einen Ort, hatte er stets seine Weiberbekanntschaften. Während ich mich meinen Aufgaben und Interessen widmete, rief er die flugs an,
ganz Mann von Welt und grosser Golfer, und vereinbarte Rendezvous.  Ich wusste, mit seinem Asthma passierte da nicht viel.
Neun Monate im Jahr stand er jederzeit auf Voranmeldung zur Verfügung. Drei Monate lang hatte er dann Kundschaft aus Schweden. Die Herren spielten Golf.
Er auch. Am Ende der Saison besass er manchmal weniger als zuvor.

Und eben, Frauen. Ich war mal mit seiner Familie und Schwägerin in einer Bar und spendierte ein paar Cocktails. Er konnte es nicht lassen und telefonierte vor vielen Zuhörern mit dem zarten Geschlecht. Sein Sohn, damals etwa zwölf Jahre alt, schämte sich in den Boden.

Anfänglich erzählte er mir, er möchte früh Feierabend machen und am späteren Nachmittag seinen Sohn von der Schule abholen. Sie wären für einige Monate  bloss zu zweit.
Seine Frau habe eine einträgliche Arbeit in Amerika. Sie habe dort eine Schwester.
Wir beide wussten nicht, dass es keine Schwester in Amerika gab. Sie war seit kurzer Zeit mit einem Amerikaner verheiratet. Der litt unter den Folgen eines Schlaganfalles. Sie pflegte und umsorgte ihn.
Als sie damals zurück kam, bemerkte sie, dass das fast abbezahlte Haus wieder zu hundert Prozent belehnt war. Sohnemann war vernachlässigt und krank, weil der Vater von gesunder Ernährung wenig verstand und sie meist von Junk Food und billigst Garküchen lebten.

Die Frau hatte ein schlechtes Gewissen, denn sie liebte den Sohn. Fortan widmete sie sich ganz der Familie in Thailand.
Der vereinsamte Amerikaner lernte eine andere Thailänderin kennen. Die lief nicht weg. Die beiden schmiedeten Heiratspläne. Das Problem war die bestehende Ehe, die aufgelöst werden sollte.
Anstatt sich mit der ersten Frau gegen eine bescheidene Abfindung von vielleicht 100 000 THB gütlich zu einigen, versuchte der Geldsack, die Frau wegen Bigamie einzuklagen.
Er hatte keine Ahnung, dass die Frau mit dem Taxi Driver einen gemeinsamen Sohn hatte, ohne je verheiratet zu sein.
Sin Sod, Brautgeld, floss in beiden Fällen nicht.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Rückblende
Beitrag von: Low am 04. Februar 2009, 13:42:35
Rückblende
Es stellen sich für mich ein paar Fragen.

Taxi Driver # 133

Anfänglich verurteilte ich meinen Fahrer stillschweigend wegen seinen Weibergeschichten.
Ich sah seine „Frau“ verschiedentlich. Sie war hübsch und im Vergleich zu meinen Dorffrauen bescheiden, fleissig und intelligent. Sie war weder Alkoholikerin noch
eine Spielernatur. Doch es zeigte sich, dass beide nichts taugten.
Welch ein Wahnwitz in zwei Beziehungen?
Leid tut mir der Sohn. Wie verkraftet man solche Eltern?

Trinkwasser # 129

Ich war erstaunt, dass der Artikel nur eine einzige Reaktion auslöste.
Dass Ingo das Wasser als wichtigstes Element ansieht, ist sein Problem.
Ich finde die Luft ist ebenso wichtig, denn ohne die Luft, käme das Bier nicht aus der Flasche.
Wasser, besonders Trinkwasser, ist doch schon heute eine weltweite Knacknuss.
Wie beim elektrischen Strom, der meistens aus der Steckdose kommt, sprudelt das Wasser aus dem Hahn oder aus der Flasche. Die Frage nach der Qualität scheint nebensächlich.
Sollte jemand spezifische Fragen haben, bitte PM.

Allmacht # 126

Ich ärgerte mich nicht über den selbsternannten Buddha. Meine innere Reaktion war die Geschichte über Brahma’s Allmacht.
Mia fragte mich, du hast so wenig Zeit für mich. Du spielst nur mit dem Computer. Was tippst du?
Ich sagte ihr, dass ich den Farang eine Geschichte über Phra Phrom erzähle.
Sie wollte genau wissen was. Sie war erstaunt zu erfahren, dass ich eine Geschichte kannte, die ihr ein Phra Yai vor langer Zeit auf einem Berg erzählte.

Danke # 124

Wer sagt denn, dass ich unglücklich war. Ohne diesen Kerl wären wir vielleicht zu Hause geblieben und hätten während unserem Kokos-Cocktail die Kartoffeln anbrennen lassen.
Vielleicht hätte das Haus Feuer gefangen und halb Nordthailand wäre ein Opfer der Flammen geworden.
Wegen den paar Baht gehe ich kaum pleite. Da bringe ich zur Zeit ganz andere Summen ins Spital.

Sabotage #122

Ich danke allen Geistern und Göttern in diesem Land dafür, dass der Arbeiter bloss die Wasserleitung vernagelte.
Hätte er die Stromzuleitung sabotiert, hätte das echtes Kopfzerbrechen ausgelöst. Oder hat schon jemand einen elektrischen Spannungsabfall aus einer Wand tröpfeln sehen?

# 115

Zitat:
„Thailand ist in meinem Herzen anders. Es ist das Paradies in dem ich lebe.
Das Paradies hört leider bereits hinter der Gartentüre auf.“
Daraus fabrizierte Ingo:
„Du bist ein begnadeter Traeumer.
Doch wenn ich dich richtig lese, dann hoeren deine Traeume am Gartenzaun auf.“

Träumer ist eine freundliche Unterstellung. Um das Paradies zu erhalten, braucht es Investitionen, Schutz und viel Arbeit.
Täten wir dies nicht, würden wir in absehbarer Zeit nicht im Paradies, sondern im Urwald leben.

Der Gartenzaun wirkt wie eine Lupe oder ein Fernrohr. Viele Menschen steigen auf einen Berg, um die Landschaft um sich herum zu beobachten, ziehen sich in einen Tempel zurück
oder benutzen die Dunkelheit, um ihre Augen zu öffnen.

Die Erlebnisse und Geschichten sind nicht Träume, sondern harte hinterindische Realität. Ich definiere mich als: „Daumenpeilender Real-Illusionist.“

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 05. Februar 2009, 09:10:27
Mir gefällt deine Art, das Leben um Dich herum zu betrachten. Erstaunlich ist, was Du Dir alles über die lange Zeit gemerkt hast - nun, es muss Dich doch sehr beeindruckt haben. Mehr noch gefällt mir, wie Du Dir über all die kleinen und großen Mißlichkeiten hinweg die Liebe zu Deiner neuen Heimat bewahrt hast.
Dein Schreibstil tut ein übriges. Mach weiter, ich warte jeden Tag auf eine neue Geschichte aus Hinterindien! ;)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Bildung
Beitrag von: Low am 05. Februar 2009, 16:53:38
Bildung

Diese Erzählung dürfte den meisten Einheimischen fremd sein.
So fremd, dass ihnen selbst die Fremden näherstehen. Warum wohl?

Zitat Profuuu – Short Time Buddha -
„Überall wird gehandelt und werden Dinge verkauft. Dieses Wat hat einen Ruf, ähnlich wie der Erawan Schrein, als Glücksbringer und wird deshalb täglich von sehr vielen Menschen mit dem Wunsch nach irgend etwas besucht. Tanha, Samsara, Karma, und die Illusion des Ichs liegen fühlbar in der Luft, und niemand scheint auch nur den winzigsten Gedanken an die Auslöschung dieser leidhaften Zustände zu verschwenden. Im Gegenteil. Ich will mehr...  ...
Er erkennt die Lehre Buddhas in diesem Treiben nicht wieder. Zu seiner Beruhigung wird er nicht von irgendwelchen Verkäufern belästigt. Seine Buddha Robe schützt ihn davor. Er glaubt, die Gedanken der betenden Menschen lesen zu können. Betet diese Frau dort für ein neues Auto, einen Gewinn in der Lotterie? Hoffentlich wenigstens um ihre Gesundheit, oder besser noch für die einer anderen Person; vielleicht um Erfolg im Beruf?“

Innere Einkehr. Selbstbesinnung. Meditation.
Der Novize fragt den Buddha:
„Buddha, was ist für dich eine Million Baht?“

„Eine Million Baht ist nichts. Du kannst sie nicht essen oder trinken.
Wenn du sie hast, lockt sie Gesindel und Diebe an. Du bemühst dich um den Schutz der Million und vergisst dabei die Freuden und den Sinn des Lebens.
Die Million schafft Verdruss, Abhängigkeit und Frustration.“

Der Novize fragt den Buddha:
„Buddha, was ist für dich eine Million Jahre?“

„In der kosmischen Zeitrechnung ist eine Million Jahre nichts.
Sie ist wie ein Bruchteil einer Sekunde im Leben eines erfahrenen, gereiften weisen Schülers.
Hast Du noch eine Frage?“

Der Novize fragt den Buddha:
„Buddha, gib mir bitte eine Million Baht.“

Der Buddha antwortet:
„Warte eine Sekunde.“


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 05. Februar 2009, 22:39:32
Die Antwort zu Bildung:
„Diese Erzählung dürfte den meisten Einheimischen fremd sein.
So fremd, dass ihnen selbst die Fremden näherstehen. Warum wohl?“

Während Buddha die Million Baht erst in einer Million Jahre blechen müsste,
gibt es immer ein paar Farang (aus Germoney), die in absolut absehbarer Zeit einen Tausender (oder viel mehr) veräussern.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Luftverschmutzung
Beitrag von: Low am 06. Februar 2009, 19:37:05
Luftverschmutzung                                            März 2007

In den letzten Wochen sahen wir auf unseren Reisen von gegen 800 km Wald- und Buschbrände beidseits der Strasse. Damit sind die Überschwemmungen der nächsten Regenzeit vorprogrammiert. Ohne Wurzelwerk geraten die Hänge ins Rutschen. Ich machte einige Fotos von Erosionsschäden in den Hügeln zwischen Den Chai und Lampang. Verbauungen an der Strasse, Orangengärten, Urwald, alles wurde abgefackelt. Wie üblich kauften wir im Hochland einige Kilogramm Orangen. Beim Schälen wurden die Finger schwarz. Die Früchte schmeckten wie frisch vom Grill.
Dick pflanzte vor einigen Jahren im Gebiet von Yaeng Gummibäume und investierte fast eine Million. Nach acht Jahren hätte sie Latex zapfen können. Drei Jahre nach der Arbeit brannten Neider alles nieder

Die Luftverschmutzung in Chiang Mai war erheblich. Wegen der schlechten Sichtverhältnisse fielen am 10. 11. und 12. März Flüge aus oder hatten Verspätung.
Als wir von Lampang nach Chiang Mai fuhren, litten wir an Atemnot und gähnten dauernd. Die Sicht war eingeschränkt wie im Schweizer Mittelland bei Nebel.
Die Sonne durchdrang die Dreckschicht kaum. Die Menge der Dreckpartikel kleiner als 10 Mikron, genannt Feinstaub, betrug am 13. März 290 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.
In der Schweiz lösten bereits 50 Mikrogramm  Dreckalarm aus.
Feuern und Abfall verbrennen wurden verboten. Trotzdem flackerten überall Brände. Seit Dezember rieselte wie jedes Jahr Asche vom Himmel, weil abgeerntete Reisfelder angezündet wurden. Grössere versengte Stücke, die wir ums Haus herum fanden, waren fünf bis acht Zentimeter lang. Am 18. März zeigte ein Satellitenbild fast sechshundert Brände, davon mehr als die Hälfte im Norden.
Wilddiebe legten Brände mit Räucherstäbchen oder Moskitospiralen um einfacher Beute zu machen. In einigen Provinzen suchten die wilden Elefanten Schutz in bewohnten Gebieten und zerstörten dabei Plantagen.
In der Provinz Phitsanulok fasste man einige Übeltäter. Hier im Norden gibt es die gesetzlichen Grundlagen ebenfalls. Die Gesetzeshüter aber blieben passiv.
Die Regierung in Chiang Mai erklärte, einen Woche zu warten. Auf was? 
Die Spitäler waren voller Patienten mit Atemwegserkrankungen. In Mae Hong Son zählte man am Samstag über dreihundert Patienten. Am Montag darauf waren es über dreitausend. Die dichter bevölkerten Gebiete um Chiang Rai und Chiang Mai hatten Zehntausende von Erkrankten.
Seit Jahren spürte ich in den Wintermonaten an gewissen Tagen einen unheimlichen, unerklärlichen Druck auf dem Brustkorb. Nun wusste ich endlich warum. Der Blutdruck stieg an solchen Tagen um zwanzig bis dreissig Einheiten.
Fast jeden Morgen improvisierten wir im Badezimmer ein Duett: Das Hust- und Räusper-Konzert, nicht von Antonio Vivaldi. Mehr Rock als Barock.

Die Asche rieselt im Jahr 2009 nach unserer Zeitrechnung ebenfalls.
Das Szenario wäre geeignet für ein Freilichtaufführung des Märchens Aschenputtel.

Christian Dietrich Grabbe, Aschenbrödel, (dramatisierte Form), 1835
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Rückblende
Beitrag von: Profuuu am 06. Februar 2009, 21:02:34

Ich definiere mich als: „Daumenpeilender Real-Illusionist.“


Dieser Ausdruck ist ein copyright wert. Alleine die bildliche Vorstellung....

low steht im Garten hinter seinem "Schutzzaun!", peilt mit seinem Daumen und scharfem Blick das nachbarschaftliche Umfeld zielend an, sieht das reale Leben und murmelt: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."  ;D

Ach ja, die Millionen-Story mit Buddha gefällt mir.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 07. Februar 2009, 06:45:56
Guten Tag liebe Leser,
Hallo Profuuu,

Die Millionen Geschichte ist nicht von mir. Irgend ein Abt, ich weiss leider nicht mehr sicher welcher, übte mit mir Unterstufen Buddhismus.
Ich konnte es nicht verkneifen, ihn mit den Untugenden, die ich bei den Mönchen im Umgang mit Geld beobachtete, zu provozieren. Er lächelte und er erzählte mir das Millionen Unding. Darauf lachten wir beide.

Wenn ich bisher etwas schrieb, musste ich immer Referenzen angeben. Das heisst, Literaturstudium, beispielsweise:“ Wer hat sich schon über „Fleischkäse mit Ameiseneiern“ geäussert?“
Seit vielen Jahren las ich kaum Belletristik. Die Ausnahmen waren:
Reisen in Thailand vor etwa 100 Jahren. Daneben genoss ich die Bestseller von Dan Brown. (Illustrierte Ausgaben in Englisch.)
Von all den neueren Büchern mit Geschichten aus Thailand las ich leider keines. G. Rufferts Erzählungen kenne ich nur auszugsweise. Sollten Themen ähnlich gelagert sein, kann es nur Zufall sein.

Ingo schrieb:
Antworten #24 am: 04. Februar 2009, 12:20:40 »
Low naehert sich mit seinen Geschichten dem Ende.
Wagt nicht in dem Stile weiter ueber "die Farangs" zu schreiben.
Obwohl hier mehr Themen liegen als in "Geschichten aus Hinterindien" ohne Farangbezug.

Ingo, jeder Tag, an dem ich nicht total zugenagelt spazieren gehe, offenbart mir neue Geschichten, ob ich will oder nicht. Vielleicht bin ich dann nur zu faul zum Tippen.
Das Ende der Geschichten liegt nicht in meiner Hand.
Nach üblen Erfahrungen distanzierten wir uns bewusst von den meisten Langnasen. Das ist der Grund, warum diese Sparte untervertreten ist.

Dennoch ein positives Beispiel:
Ich hatte charmanten Besuch aus Griechenland. Durch eine Vergiftung geschwächt, sass ich zitternd im Rollstuhl am Tisch auf der Veranda. Ein warmer Nachmittag, nach zu kühlen Wintertagen.
Wir sippten erfrischenden Schaumwein.
Sonex wollte mir nachgiessen. Meine Antwort:
„Nein danke, ich muss noch fahren.“
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 07. Februar 2009, 06:55:29
@low,

ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, dass bei deiner Bemerkung, du müsstest noch fahren, mir das gefüllte Glas auf halben Wege zum Mund aus der Hand gefallen ist und ich mir jetzt nachschenken muss.  :D :D :D

Was für eine Verschwendung im Putzlappen.  ;D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khon_jaidee am 07. Februar 2009, 10:51:24
@Profuuu

Langsam solltest du doch wissen, was es äußerst ungeschickt ist, sich beim Lesen low's Geschichten anderer Tätigkeiten als dem konzentrierten Lesen hinzugeben - besonders gegen Ende der Geschichte. Bei diesen Geschichten herrscht absolutes Eß- und Trinkverbot! ;D

@low
DANKE !!!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Das letzte Behältnis
Beitrag von: Low am 08. Februar 2009, 11:25:28
Das letzte Behältnis

Die alteingesessenen Chinesen der ehemaligen Straits Settlements in Penang und Melacca begannen ihre Laufbahn oft als einfache Kuli, brachten es aber durch Fleiss und Ausdauer zu bedeutenden Vermögen und gewaltigen Familienimperien. Sie investierten in Palmöl, Zinnminen, Tropenholz, Transporte und später Gummi.
Die Lebensformen der Malaien und der Einwanderer verschmolzen zur Peranakan oder Baba Kultur. Die Resultate waren einerseits eine faszinierende Architektur und andererseits die Nonya Küche.

In der chinesischen Tradition ist es üblich, dass man allen Vorvätern und besonders den Eltern Respekt und Ehrfurcht entgegenbringt. Es handelt sich im Wesentlichen um hierarchische Über- und Unterordnungsverhältnisse. Wer dem Anstand und der Sitte entsprechend lebt und sich für die Ahnen aufopfert, verändert sich allein dadurch zum Guten.
Aus diesen Überlegungen folgt, dass ein rechtschaffener Sohn seinem Vater bereits zu Lebzeiten einen währschaften und vor allem teuren Sarg besorgt.
Ich sah in Ipoh, Malaysia, viele Sargtischler, die wahre Prunkbauten aus polierten edlen Hölzern herstellten.
Der Sarg wird dann irgendwo im Hause gut sichtbar aufgestellt. Allfällige Besucher ergötzen sich daran und rühmen und würdigen die Loyalität des Sohnes entsprechend.

Im Todesfall variiert der Ritus je nach taoistischer oder konfuzianischer Glaubensrichtung. Die Chinesen gehen davon aus, dass die Seele des Dahingeschiedenen eine neunundvierzig tägige Reise mit zahlreichen Prüfungen durchmacht, bis das Jenseits erreicht ist. Für diese Expedition muss der Verstorbene materiell gerüstet werden, denn auch in der Hölle gibt es korrupte Beamte.
Früher gab man dem Verstorbenen Millionen von Won, Höllengeld, mit. Heutzutage genügt die Höllenkreditkarte und etwas Kleingeld.
Das ganze Haus mit all dem Tand, in dem der Verblichene wohnte, wird aus Papier nachgebaut. Der Strassenkreuzer, Moped und weitere Transportmittel dürfen nicht fehlen.
Selbst Toilettenartikel wie Zahnbürste, Kamm und Seife werden nicht vergessen.

Unter grösstmöglichem Lärm und Getöse wird dann das Ganze verbrannt.
Dagegen sind doch unsere Bestattungen, ob Erde oder Feuer, triste Trauerfeiern.

Wirre Fieberphantasien:
„Hey Mia, hat die Putzfrau meinen Sarg heute schon gewichst? Und eine Kiste Singha gehört dann auch zum Reiseproviant!“
Ich trinke Bier, aber ich mag es nicht. Darum doppelte ich nach:
„Nein, nein, kein Bier! Dom Pérignon 1998 muss es sein. Als begnadeter Träumer habe ich doch einen Sponsor. Die hochkarätige Nuttenbrause bezahlt Ingo!“









Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Distrikt Tratsch
Beitrag von: Low am 09. Februar 2009, 11:42:57
Distrikt Tratsch      9. Februar 2009

Ihre königliche Hoheit, Prinzessin Ubonrat besuchte gestern Hang Dong und die Umgebung.
Weil wegen dem Blumenfest sämtliche Termine bei den Coiffeusen ausgebucht waren, musste sie sich bereits um 01 00 frisieren lassen.
Später überreichte sie dann wie üblich Diplome an der Northern Chiang Mai Universität, die aber entgegen ihrem Namen im Süden von Chiang Mai, zwischen Hang Dong und San Patong zu finden ist.

Die Prinzessin half während Jahren entschieden mit, die Infrastrukturen auf dem Markt von Hang Dong zu verbessern. Die hygienischen Bedingungen für Fleisch und Fisch wurden so gut,
dass sogar Farang unbekümmert von den günstigen Preisen profitieren können.
Ein besonderes  Anliegen der Prinzessin waren die Toilettenanlagen. Sie forderte die Verantwortlichen auf, diese so zu erstellen, dass sie auch für Rollstuhlfahrer benutzbar wären.
Die Leute hörten der Prinzessin zu, nahmen den Umschlag mit dem königlichen Beitrag entgegen, verbeugten sich, Krap, Krap, Krap und machten sich an die Arbeit.

Ihre königliche Hoheit inspizierte gestern die Aborte. Die Rampe zu den Toiletten war ein Übungsplatz für Rückwärtssaltos.
Die Türen waren für einen Rollstuhl zu schmal. Dann gab es eine Stufe von etwa fünfzehn Zentimetern. In den Innenräumen gab es keine Sitze, sondern bloss Plumpsklos im klassischen Stil.
Dafür waren an den Wänden verchromte Stahlgriffe montiert.
Die Prinzessin schluckte dreimal leer, bevor sie sich mit relativ ernster Stimme an die Honoratioren wandte.

EDIT auf Wunsch von Low
Titel: Ubon Rattana Ratchakanya
Beitrag von: hmh. am 09. Februar 2009, 12:11:25
Kleine Ergänzung:

Die ehemalige Prinzessin Ubonrat, geschiedene Jensen, war und ist das beliebteste der Kinder von König Phumiphon und Sirikit. Nach ihrer unpatriotischen Heirat mit einem bürgerlichen Ausländer 1972 wurde sie jedoch von ihren Eltern verstoßen und verlor alle adligen Titel. Phumiphon, der ihr bis dahin sehr nahe stand und große Pläne mit seiner blitzgescheiten, sportlichen und äußerst hübschen Tochter hatte, verzieh ihr auch nicht, als sie sich acht Jahre später beim ersten Zusammentreffen mit ihrem Vater diesem 1980 zu Füßen warf. Schon nach vier Tagen flog sie wieder in die USA. Ihr einziger rechtmäßiger Titel ist das nichtadlige "Thanpuying".

Offenbar weil es derzeit nur zwei uneingeschränkt und überall beliebte Mitglieder des Königshauses gibt, nimmt sie aber wieder offizielle Termine für die Familie war. Sie ist aber auch nach ihrer Scheidung 1998 eine offiziell Verstoßene geblieben und trägt keinen einzigen offiziellen Titel. Das einfache Volk schert sich darum natürlich nicht, was ich noch sympathischer finden würde, wenn bei diesen offiziellen Anlässen nicht die allgemeine, seit den 1960er bis 1980er Jahren wieder überall eingeführte mittelalterliche gottkönigliche Bodenrutscherei mit verbunden wäre.

Ubonrat wohnt meistens nördlich von Nonthaburi in einem auffälligen Hochhaus direkt am Fluß gegenüber des Suan Kanchanaphisek. Wenn man die Khlong Om Tour nach Bang Yai aus dem TIP Führer Bangkok macht, fährt man daran vorbei, sollte sich aber der weißen Yacht im privaten Hafen unterhalb des Hochhauses besser nicht allzusehr nähern.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Ingo † am 09. Februar 2009, 12:21:22
Lieber Low,

2 oder 3-mal hast Du mich angesprochen. Moechte nun reagieren.

Verschmutzte Luft, oder verseuchtes Wasser?
Ich meine, im Wasser, dem Element aus dem wir stammen, schlaegt sich alles nierder.
Wird hier hineingespuelt.
Unsere Luftverschmutzung, unser sorgloser Umgang mit Chemikalien,
unsere Unsauberkeit im Umgang mit Faekalien, und ..................

Die Ruecksichtslosigkeit der Geschaeftemacher, die Faulheit und Bestechlichkeit der Behoerden,
und die Unaufgeklaertheit der Bevoelkerung finden wir hier.

Traume enden am Gartenzaun.

Die Welt deiner Muehen, entstanden aus deinen Traeumen hast Du dir eingegrenzt.
Der Zaun ist sichtbares Merkmal deiner Gestaltungsmacht.
Ausserhalb endet diese, und Du siehst, am Zaun stehend, dem Treiben zu, regestrierst, schreibst.

Dom Pérignon 1998 muss es sein. Als begnadeter Träumer habe ich doch einen Sponsor.
Die hochkarätige Nuttenbrause bezahlt Ingo!

Ja, die hast Du dir verdient.
Und wenn ich es finanziell allein nich schaffe, so werde ich meine Hand hier im Forum aufhalten.

Gruesse von Ingo



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Ingo † am 09. Februar 2009, 12:36:16

Lieber Low,

ich hatte dieses hier noch vergessen:

Du schreibst von:  "Nuttenbrause"
Hamburg schreibt von: "Nudden"

Ich denke mir, auch bei der so unterschiedlichen Schreibweise,
ihr meint die gleichen Erfreulichkeiten.

Ingo
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 09. Februar 2009, 21:33:29
Lieber hmh,

Besten Dank für deine wertvollen Ergänzungen.
Ich wusste etwas vom Schicksal (wie einst im Märchen) der verstossenen Prinzessin.
Aber ich konzentrierte mich voll auf den „metabolischen Übergang.“
Was zählen in Thailand Blut, Titel und Diplome?

Es freut mich, dass sich aus einem an sich banalen Ereignis eine Geschichte zum Nachdenken entwickelte.

Lieber Ingo,

ich bin dir dankbar, dass du mir den Scherz nicht übel genommen hast.
In einem Artikel, der dem Alter Ehrerbietung abverlangt, war die Bemerkung von einem jungen Schnösel nicht die Allerfeinste. So jung bin ich auch wieder nicht, vielleicht bloss fünf Jahre Differenz.
Dom Pérignon ist wirklich etwas vom Teuersten (für Angeber).
Es gibt kleinere Produzenten, wie z.B. Gosset, die zu vernünftigen Preisen Spitzenprodukte liefern. Wer kennt schon Gosset?
Hätte ich Gosset erwähnt, hätten die Leser unter besoffenen Umständen an Noni Saft gedacht.

An Alle,

Weil jeder neue Tag für mich wie ein Weihnachtsgeschenk ist, gibt es als nächstes eine Weihnachtsgeschichte. Irgendwie muss ich ja meinen Kopf aus dem Dunst der Fäkalien heraushalten. Ich bin kein Leuchtturm.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Stille Nacht
Beitrag von: Low am 10. Februar 2009, 12:04:13
Stille Nacht                                 geschrieben ca. 1981

Mehrmals verbrachte ich die Weihnachtsfeiertage in Südostasien. In Singapore gaben sich alle grossen Warenhäuser europäisch geschäftig. Bereits sechs Wochen vor Weihnachten wiesen einschlägige Dekorationen auf das kommende Fest hin. Überall war Sankt Nikolaus in roter Robe, mit wallendem weissen Bart und überdimensionierten Stiefeln, begleitet von lockigen blonden Englein anzutreffen.
Aus tausend Lautsprechern klirrten die altvertrauten Weihnachtslieder, nur
unterbrochen durch die letzten Hits. Zahllose grüne Kunststofftannenbäume, aufklappbar wie hierzulande Regenschirme, trugen grosse Wattebäusche als Schnee zwischen den relaisgesteuerten bunten elektrischen Kerzen.
Aus allen Zeitungen winkten Weihnachts-Spezialangebote. Firmen organisierten Partys für Angestellte und Geschäftsfreunde in den besten Restaurants.
Die Mädchen am Empfang des Hotels verteilten spendefreudig Hustenbonbons an die Gäste, die weder an Schnupfen noch unter Kälte litten.

Ganz ähnlich war die Vorweihnachtszeit in Penang. Möglicherweise war sie etwas beschaulicher, denn damals gab es noch keinen internationalen Flughafen und dementsprechend keinen Massentourismus.
Am Weihnachtsabend spielte ich mit einer Freundin nach dem gemeinsamen Abendessen mehrere Partien Billard.
Sie lud mich ein, sie zum Weihnachtsgottesdienst zu begleiten. Obwohl sie eine Chinesin war, beschloss sie, eine Tamilenkirche zu besuchen.

Die Kirche war ein einfacher, schmuckloser Bau. Vielleicht schien es nur so, weil alle Frauen prächtige Saris trugen. Dazu glänzte Schmuck aus Gold und Edelstein. Ohrringe, Armreife, Fingerringe, Halsketten, Broschen, Nasenringlein und Haarnadeln funkelten und glitzerten in der Tropennacht um die Wette.
An den Fussgelenken graziler Trägerinnen klimperten Glöcklein bei jedem Schritt. Die jungen Mädchen wirkten Schick in meist bescheidenen farbigen Baumwollstoffen.
Dagegen fielen ältere, wohlgerundete Damen durch reiche Brokatseiden auf. Quicklebendige Kinder hüpften überall herum. In den dunklen Haaren der Männer spiegelten sich in der Pomade die Laternen.
Diese Menschenmenge wogte dem Portal entgegen.
Alle Türen und Fenster des Gotteshauses waren weit geöffnet. Hunde rannten bellend durch die Menschenmassen in die Kirche und wieder hinaus. Keiner fühlte sich durch die teils räudigen Strassenköter belästigt. Wie kühne Flieger zogen Fledermäuse ihre Schleifen über den Köpfen.
Der Gottesdienst in Tamil war unverständlich für mich. Dennoch war es fühlbar die Weihnachtsbotschaft. Alle sangen, jubelten bekannte Weihnachtslieder mit mir unbekannten Worten.
Der Priester, offenbar ein Hellseher, erkannte mich als weissen Punkt inmitten all der dunkelhäutigen Tamilen. Er begrüsste mich in Englisch und betete dann das Vaterunser.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: juerken am 11. Februar 2009, 03:07:12
ja-ja mein lieber Low bei deinen ersten beiden Beiträge dieser Art war ich hellauf begeistert!

Hab bis heute alle gelesen und weißt du was Low ich bin immer noch hellauf begeistert!!!  :-* :-* :-*

Gruß Jürgen
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Die Grenzen jeglicher Vernunft
Beitrag von: Low am 11. Februar 2009, 11:14:56
Die Grenzen jeglicher Vernunft

1

Wir trafen uns zufällig eines Nachmittags in einer kleinen Bar. Deine Frau arbeitete. Du fühltest dich einsam und suchtest Gesellschaft mit Landsleuten. Die gab es hier zu Hauf.
Mittelalterliche alleinstehende Ladies, um die sich kein Mensch kümmerte. Pensionierte Arbeiter, teilweise mit Ehefrau, die der winterlichen Kälte für ein paar Wochen entflohen.
Es waren meist pauschal Reisende mit wenig Kasse für Extras. Die konnten einen halben Tag bei einem Bier überleben. Alles freundliche dankbare Leute, die den exotischen Zauber schätzten,
ohne sich zu viele Gedanken zu machen.
Du selbst lebtest irgendwo auf dem Lande, kanntest den Weg nach Hause, aber wo deine Bleibe war, wusstest du nicht.
Nach einer Scheidung in Europa warst du frisch verheiratet und der glücklichste Mensch der Welt, ungeachtet der Tatsache, dass du dein Weib einem Freund ausgespannt hattest.
In der Bar galtest du unbestritten als erfahrener Held. Du wusstest angeblich alles über Chiang Mai und kanntest jeden.

Als du vernahmst, dass ich mein Geld in einem teuren Hotel investierte, suchtest du nach kostengünstigeren Lösungen für mich. Wir sahen uns Wohnungen in vielen Ausländerburgen an.
Mir gefielen sie nicht und auch meine zukünftigen Nachbarn schreckten mich eher ab. Ich konnte mir nicht vorstellen, längere Zeit in einer relativ vergammelten Grossstadt mit all dem Lärm und Gestank zu leben.
Einmal besuchte ich dich in deinem Dorf. Der kleine überschaubare Ort gefiel mir auf Anhieb. Dein Haus war fast das Richtige für mich.
Als ich dann in deiner Nähe eine Wohnung fand, freute ich mich. Nach fünf  Uhr erfrischten wir uns jeweils an einem kühlen Bier und hörten klassische Musik oder Jazz.
Du machtest mit mir Einkäufe. Bei der Frage nach der Lieferadresse, musstest du jedesmal deine Frau anrufen. Darauf liess ich im Behindertenzentrum Visitenkarten drucken.
Ich arbeitete dort einige Stunden täglich als Volontär.

Manchmal war ich als Gast bei dir. Deine Gemahlin kochte nebst Thai Essen immer etwas, das dir besonders mundete. Manchmal nach dem Essen, verabschiedete sich die Holde und sagte:
“Ich gehe Bingo spielen, bloss für hundert Baht.“
Wenn sie nicht spielte, legte sie sich aus Sofa, deckte sich mit drei Decken zu und stellte die Klimaanlage so ein, dass meine Ohren steif wurden.

Ihr wart lausige Gärtner. Oft brachtet ihr Kübelpflanzen von den Märkten
Dass die täglich Wasser benötigten, wusste keiner. So dörrte das Grünzeug vor sich hin, bis ich mich erbarmte.

Hie und da schauten wir in den gut bewachten und ummauerten Wohnsiedlungen, ob da ein schönes Stück Land oder gar ein günstiges Haus im Angebot sei.
Du wurdest schnell fündig und dachtest, ich würde das Nachbargrundstück erwerben. Ich hatte kein Interesse, weil sich deine Liebste zu sehr in meine Privatangelegenheiten mischte. Sie fand immer neue attraktive Freundinnen und Hausangestellte für mich und versuchte diskret alle meine Tätigkeiten zu überwachen.
Eine ihrer lukrativen Dienstleistungen war, Thaifrauen gegen jährliches Entgelt an geistig unterversorgte Ausländer zu vermitteln.

Der Beistand deiner Frau ermöglichte es mir, ein kleines Haus und ein paar Grundstücke im Dorf zu erweben.

Um dein neues Heim zu finanzieren, musstest du deinen Besitz in Grossbritannien verkaufen. Das dauerte einige Zeit. Aber du wolltest unbedingt mit dem Neubau anfangen. Irgend ein Landsmann streckte dir eine grössere Summe vor.
Und dann musste mehr Geld her. Du machtest ein Diplom und du gabst Englisch Unterricht. Spätestens als du auf eindringlichen Wunsch der Schulleitung falsche Zeugnisse ausstellen musstest, widerte dich die Tätigkeit an. Fortan gabst du nur noch Privatunterricht.
Ihr mischelten erbarmungslos bei den Kredithaien mit. Für Festangestellte mit Provision gab es mehrere Zehntausend Baht zu acht Prozent Zins im Monat.
Abends liefertest du unverzollten Schnaps in die Bars. Das Haus wuchs und gedieh. Als es fertig war, brauchte Madam einen neuen Wagen. Alle drei Monate beschädigte das eiserne Garagetor den Wagen, weil es nicht geöffnet war. Um Geld zu sparen, schmiertest du den Elektriker mit einem Tausender, damit er eine Verbindung für die vielen Klimaanlagen legte, die nicht über den Gebührenzähler lief.

Jeden Monat gab es Monsterparties mit viel Bier und noch mehr Freunden.
Die brachten ihre Frauen mit. Da wurde so viel gekocht, gegrillt und gebraten, dass immer Riesenhaufen übrig blieben.

Sonst warst du fast jeden Abend abwesend. Teils beschäftigten dich die Schnapslieferungen, teils warst du mit Freunden in Restaurants und Bars unterwegs. Deine vernachlässigte reiche Frau geriet in die Hände von Buchmachern und sonstiger schlechter Gesellschaft..
Wenn sie gewann, erzählte sie uns stets davon. Verluste erwähnte sie nie. Sie überzeugte dich, dass sie einen eigenen PC benötigte, um über den Fussball in Europa auf dem Laufenden zu sein. Sie könne nur gewinnen, wenn sie über die letzten Informationen der Mannschaften verfüge.
Während du illegalen Alkohol verkauftest und dich mit deinen Freunden in der Stadt amüsiertest, betrog sie dich und verspielte Millionen, ohne dass du etwas ahntest.
Als die Gerüchteküche brodelte und ich reine Spekulationen ausschliessen konnte, warnte ich dich erstmals mit der notwendigen Zurückhaltung.
Alles Lügen von Neidern, meintest du.
Einige Wochen später kamst du als gebrochener Mann angekrochen. Abgemagert, bleich, zitternd. An meine diskrete Warnung konntest du dich nicht mehr erinnern.

Fortsetzung folgt.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Ge-ben-ba? am 12. Februar 2009, 10:02:21
Hallo Low,
ich weiss Chiang Mai liegt nicht im Isaan, aber trotzdem hab ich das Gefuehl,
dass Dein Freund jetzt so was aehnliches wie den Isaan Blues hat,
und der geht so:

Direkt, oder mit Charter,
oder mit'm Bus in den Isaan.
Immer bin ich Dir irgendwie hinterher gefahrn.

Nein, damals hab ich keine Reise zu Dir versaeumt
und nachts konnt' ich nicht schlafen
oder wenn, dann hab ich von Dir getraeumt.

Du sagtest
"Hello"

in einer Bar in jener Gegend.
Ich sass immer auf der ersten Bank
und ich fand Dich so erregend.

"Hello"
Du warst eine Goettin fuer mich
und manchmal sahst Du mich an
und ich dachte "Mann oh Mann".....

....und dann war ich wieder voellig fertig.....


Hoffe, dass Udo nichts dagegen hat und nun viel Spass beim mitsummen.

Gruesse Ge-ben-ba?
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Die Grenzen jeglicher Vernunft 2
Beitrag von: Low am 12. Februar 2009, 10:46:48
Die Grenzen jeglicher Vernunft

2

Du erzähltest mir tief erschüttert, wie sich deine Geliebte nach dem Geständnis umbringen wollte und wie du sie vor dem sicheren Tod bewahren konntest.
Reine Show, wie ich später von der Frau selbst vernehmen durfte. Sie vermittelte kichernd die genaue Anleitung an die Dorffrauen weiter.
Dann kamen einige Gangster und sprachen erregt auf Thai auf sie ein. Sie sagte dir, die wollen sofort eine Million, andererseits hättest du eine Kugel im Kniegelenk.
Reines inszeniertes Theater. Dennoch batest du mich um ein Darlehen.
Sie überzeugte dich tränenreich, dass sie nie wieder spielen würde.

Ich versuchte dir zu erklären, dass die Spielsucht eine Sucht ist wie Alkoholismus.
Ohne fachkundige Behandlung gäbe es kein entrinnen.

Ihr Vater sass seit Jahren im Gefängnis. Warum? Spielschulden der Mutter.
Dummerweise versuchte er, sich und die Familie mit dem Verkauf von Drogen aus der Patsche zu helfen. Die Version deiner Gattin war, dass er das Geld benötigte,
um einem Angehörigen einen Spitalaufenthalt zu ermöglichen.


Während dessen lernte ich eine intelligente, nicht zu junge, dennoch sehr attraktive Frau kennen. Oh ja, ich kannte viele Frauen im Dorf, aber ich traute ihnen nicht.
Die Neue, ich musste ihr blind vertrauen, kam zur rechten Zeit. Unter teils dramatischen und relativ teueren Umständen, die Gemeinde wollte bei dem Handel auch profitieren,
gelang es uns, „meinen Besitz“ zu retten und die Dokumente umschreiben zu lassen.
Deine Frau wehrte sich wie eine Furie. Sie schrie dich an, sie beleidigte dich, trotzdem setztest du dich für mich und die Gerechtigkeit ein. Dafür danke ich dir.

Im Dorf wurde unserer Haushaltshilfe mitgeteilt, sie müsste sich bald eine neue Stelle suchen,  denn „mein“ Haus würde wegen Spielschulden demnächst verkauft.
Die Leute hatten keine Ahnung, dass die fiesen Pläne der Spielerin bereits platzten und nicht mehr umgesetzt werden konnten.
 
Dann machtest du Pläne zur Sanierung der unglaublichen Schulden. Das Haus, ihr Wagen, der Schmuck, alles war bereits verpfändet. Die Moneten hatten sich stillschweigend verabschiedet.
Du rechnetest, wieviel deine Kinder entbehren konnten und wie das Ganze refinanziert werden könnte. Ungebrochen machtest du dich an die Arbeit.
Es gab einen gut funktionieren Coffee Shop in der Stadt. Auf Wunsch deiner Frau wurde CCTV installiert, um angeblich die Kassiererinnen, alles Betrügerinnen, von Hause aus zu beobachten.
In Wirklichkeit wollte sie sehen, wann sie ungestört fremdgehen konnte.
Nach einem halben Jahr hattest du genug von dem unbezahlten 15 Stunden Job.
Deine Frau wollte dich beschäftigt sehen, denn nur so konnte sie ihrem Gewerbe unbehindert nachgehen. Darum wurde eine kleine Bar mit Kochgelegenheit in der Nähe deines Wohnortes eröffnet.
Ein paar Wochen zuvor warnte ich dich erneut und eindringlicher. Du meintest lachend, das seien bloss üble Gerüchte, sie kassiere für die Buchmacher gegen Prozente.
Als du jedoch mit den Kreditkarten bei den Banken Geld einlösen wolltest, musstest du zur Kenntnis nehmen, dass wiederum nur Negativbeträge vorhanden waren.
Während du dich um Coffee Shop und Bar bemühtest, verspielte sie weitere Millionen.
Zu jener Zeit nahmst du zu tiefst enttäuscht ohne jegliche Benachrichtigung den nächsten Flug nach Europa.

Fortsetzung folgt
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Die Grenzen jeglicher Vernunft 3
Beitrag von: Low am 13. Februar 2009, 00:20:31
Die Grenzen jeglicher Vernunft

3

Sie umgarnte dich weiter, telefonierte fast täglich mit dir. Sie sandte dir Mails. Sie brauchte Geld.  Sie wusste genau, wie und von wem sie es kriegte.
Du arbeitetest im kalten Winterwetter in einer Garage, um ihren neuen Wagen und die Miete abzustottern. Während deiner Abwesenheit machte sie mehrmals Busreisen an die burmesische Grenze zwecks Casinobesuchen. Auf ihr eindringliches Flehen und Drängen kehrtest du zurück nach Thailand.

Als du wieder da warst, wurde ich öfters gefragt, ob du in Thailand seiest, oder in England. Denn dein betrügerisches Eheweib hatte sich ein Liebesnest gleich gegenüber meinem Haus eingerichtet.
Ich konnte nicht verstehen, dass du nichts davon bemerktest, wie zum Beispel häufige unerklärbare Abwesenheiten.
Ich wusste vieles, von den Mahlzeitenlieferungen bis zu den Streitereien. Wieder wollte ich dich warnen. Du solltest mit deinen eigenen Augen sehen, was du nicht verstehen wolltest.
Das Schicksal schlug zu. Eine deiner Töchter verunfallte auf einer Wanderung tödlich. Du musstest unverzüglich zurück zur Familie.

Nach einer angemessenen respektvollen Trauerzeit, informierte ich dich ganz vorsichtig per Email. Meine Zurückhaltung war Gold wert. Ich fand rasch heraus, dass das Luder mit deinem Passwort deine Mails las, bevor du davon Kenntnis nehmen konntest. Wir, Mia und ich, sahen es an den Reaktionszeiten, denn die Frau verlor langsam ihre Beherrschung. Sie beschuldigte mich, ich sei ein bodenloser Lügner. Wie könne sie dem Glücksspiel frönen, wenn sie über kein Geld verfüge?
Ich musste dich aufklären, nachdem du bereits Millionen verloren hattest, dass sie bis tausend THB bar bezahlte. Darüber gab es Schuldscheine und Kredite.

Sie flötete dir telefonisch ins Ohr, in dem erwähnten Haus wohne doch eine Familie mit vielen Kindern, der Mann sei ein Fischhändler, zu dem sie früher geschäftlichen Beziehungen hatte.
Während die Kinder in der Schule waren und die Eltern Fische verkauften, wurde der Untermieter besucht. Jeder im Dorf kannte die Fahrzeugnummer dieses Mannes. Sie leugnete stur.

Ich wusste mit wem sie, an welchem Tag wieviel verspielte, weil sie immer wieder Geld aufnehmen musste.
Das Haus in meiner Nähe wurde zu exponiert. Die Fische begannen zu stinken. Die Familie zog weg.
Der dritte Mann war für kurze Zeit Gast in deinem Haus und benutzte nicht nur deine Frau, sondern auch eure Fahrzeuge.
Du zweifeltest an meiner Aufrichtigkeit, bis einer deiner Freunde zufälligerweise über deine Frau, das neueste Liebesnest und diesen Liebhaber stolperte. Sie gab nicht auf.
Sie erzählte dir, stets treu gewesen zu sein. In dem Haus hätte sie bloss dem Glücksspiel gefrönt!

Du warst Treuhänder für dieses Haus und den Wagen. Es war das Eigentum einer deiner Landsleute, respektive dessen Frau. Er war mit ihr für unbestimmte Zeit in Europa.
Sie verfügte schamlos über dessen Haus und Wagen, als ob es ihr Hab und Gut sei.

Trotz allem kamst du zurück. Warum nicht? Thailand ist gross.
Zwei Tage vor deiner Ankunft verliess sie das Land nach einer rauschenden Party mit Freundinnen und Freunden.
Du kehrtest in ihr Haus zurück. Du durftest feststellen, dass sie die Hypothek von 1.2 auf 1.6 Millionen erhöht hatte. Einige Wertsachen fehlten. Die Zinsen für die Hypothek, die du monatlich überwiesen hattest, wurden nie bezahlt. Die Ratenzahlungen fürs Auto waren ebenfalls in Verzug.
Du wechseltest Schlüssel und Schlösser.
Aber du behieltest die Haushälterin, die alle die Betrügereien deiner Frau bestens kannte und deckte, ohne dir je ein Wort zu sagen. Denkst du etwa, die sei loyal zu dir, falls die Betrügerin zurückkehren sollte?
Du gabst neulich eine Party, bei der die meisten Freundinnen deiner Frau anwesend waren. Alle kannten ihre Verfehlungen. Die lächelten und flirteten mit dir. Du dachtest in deiner Einfalt, es wären Komplimente. Einige liehen ihr grössere Beträge. Keine von den bösartigen Hübschen gestand dir je etwas. Nein, die feierten stillschweigend zusammen mit den Liebhabern deiner Frau. Die werden dich gemeinsam weiter betrügen. Du hast keine Ahnung, dass diese Weiber auf weitere 2 Millionen von dir warten.

Deine Zukunft ist für mich gelaufen. Ich werde deine Abenteuer nicht weiter verfolgen und werde fortan auf deine Gesellschaft verzichten.

Ich fragte mich ganz einfach und ernsthaft: Wie kann ein gereifter Mann so blöd sein?
Es ist nicht auszuschliessen, dass ich etwas verwirrt bin, weil ich vielleicht an beginnender Altersdemenz leide und deshalb Mühe habe, diese Geschichte und deine Handlungsweise zu verstehen.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Gefahr
Beitrag von: Low am 14. Februar 2009, 10:28:03
Gefahr

Die Winterkälte in der Heimat bewirkte Gelenkentzündungen mit beinahe unerträglichen Schmerzen. Deshalb verbrachte ich einige Wochen in Chiangmai.
Weil ich nicht den ganzen Tag im und ums Hotel herumhängen wollte und mich während Wochen tägliche Exkursionen und Besichtigungen zu sehr abgestumpft hätten, suchte ich eine Aufgabe.
Als ich einen der unbekannteren Tempel besichtigte, kam ich mit einem Europäer ins Gespräch.
Er sagte mir, dass sich wenige Meter entfernt ein Behindertenzentrum befinde. Im Angebot seien Massage und Internet. Gegenüber dem Zentrum gäbe es eine kleine Werkstätte, wo sogar Rollstühle gebaut würden. Wenn ich Zeit hätte, sei ich freundlich eingeladen die Einrichtungen zu besichtigen.
Ich nahm mir die Zeit. Weil Sparen angesagt war, lötete man mit Kochgas und verwendete gebrauchte Kugellager. Für knapp siebenhundert Baht hätte man zehn neue SKF Lager, made in Europe, kaufen können. Trotzdem war es erstaunlich, wie die Behinderten Rollstühle herstellten.

Das eigentliche Behindertenzentrum war genau so bescheiden wie die Werkstatt.
Die Rampe war zu steil, als dass ein Rollstuhlfahrer das Haus aus eigener Kraft erreichen konnte. Es gab einen Raum für die Sekretärin. Vielleicht ein halbes Dutzend PC erlaubten
den Internetzugang. Es hatte eine Toilette, welche ein Rollstuhlfahrer nur mit Mühe benutzen konnte, Türe schliessen war dann unmöglich.
Aber alle schienen zufrieden und vergnügt zu sein. Da war eine junge, auffällig hübsche Frau in einem amerikanischen Rollstuhl. Drei von ihrer Grösse hätten bequem hineingepasst.
Später fand ich heraus, sie war eine frühere Miss Teen Thailand. Ein Motorradunfall beendete ihre Karriere auf dem Catwalk.

Der Leiter des Zentrums unterhielt sich mit mir über die Probleme behinderter Menschen ich Thailand und die Hilfeleistungen an Ort. Er suche immer Freiwillige, Arbeit gebe es genug.
Es hätte eine Menge PC’s die halbwegs funktionierten und die eine fachkundige Hand erforderten. Er hätte einen defekten Elektrorollstuhl. In Chiang Mai sei kein Spezialist dafür vorhanden.
Ich hatte eine Ahnung von der Elektrizitätslehre und stellte mich spontan zur Verfügung.
Zur Reparatur des Rollstuhls benötigte ich ein elektrisches Multimeter. Ich suchte eine Woche danach. Als ich endlich so ein Gerät hatte, sah ich jeden zweiten Tag solche Instrumente.
Die Reparatur verlief erfolgreich.
Nachher beschäftigte ich mich mit den alten Computern. Im Zentrum gab es einen fähigen jungen Mann. Der vernetzte die ganzen Rechner mit Peripherie schon vor zehn Jahren erfolgreich.
Dieser Spezialist war sehr stark sehbehindert. Er sah so schlecht, dass er beim Programmieren fast in den Bildschirm schlüpfen musste, um etwas zu erkennen. Trotzdem arbeiteten wir erfolgreich zusammen.
Einmal fehlte an einem reparierten PC nur noch eine funktionierende Graphikkarte. Ein neues Modell hätte nicht auf die alte Platine gepasst. Wir benötigten eine ältere Steckkarte und diskutierten das Problem.
Er meinte, er könne eine solche Karte in einer halben Stunde beschaffen. Vor meinem geistigen Auge sah ich ihn mit dem Blindenstock den Weg ertasten und all die Unbill und Gefahr.
Es kam aber weit schlimmer. Als ich ihn fragte, wie er denn zum PC Laden laufe, sagte er: „Ich laufe nicht, ich habe ein Moped.“

 



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 14. Februar 2009, 14:41:25
"Ich suchte eine Woche danach. Als ich endlich so ein Gerät hatte, sah ich jeden zweiten Tag solche Instrumente."


Jo, he he. Das Gehirn will geeicht werden. Ging mir ähnlich mit versteinerten Amoniten. Mehrere Wochenenden vergeblich in den Saudi Canyons danach gesucht. Nachdem ich endlich den ersten fand, entwickelte ich sogar eine Art Röntgenblick. Es genügte schon, wenn nur eine unscheinbare Rundung dieses selben aus dem Geröll und Sand schaute. Plötzlich waren sie überall.

Ach ja. Die unerwartete Schlusspointe ist mal wieder köstlich.  :D     
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Malereien
Beitrag von: Low am 15. Februar 2009, 13:12:20
Malereien                              Februar 2009

Warnung:
Diese Geschichte könnte erotisch sensible Leser verletzen. Wenn sie unter achtzehn Jahre alt sind, oder durch vulgäre Sprache beleidigt werden, überspringen sie bitte diesen Beitrag.

In meiner kärglichen Freizeit malte ich während vielen Jahren Aquarelle, Acryl und Öl. Besonders die unzeitgemässen Formen und intensiven Farben von Paul Gauguin begeisterten mich.
Seine Gemälde aus französisch Polynesien sind wahre Farborgien und das bereits seit über hundert Jahren.
Ich kopierte einige seiner Werke, wie Nafea faa ipoipo (Wann heiratest du? Sammlung Stähelin, früher Basel, jetzt Amerika), Parau api, Mahana no atua, (Tag des Gottes  - Art Institute of Chicago),  Aha oe feii? (Bist du eifersüchtig? Pushkin Museum, Moskau).

Gauguin reizte nicht nur die Allgemeinheit mit seinen Bildern, sondern durch seinen Lebensstil in Tahiti die Missionare, die es ungern sahen, wie der Künstler nicht nur Unmengen von Wein,
sondern auch Frauen vernaschte. Bedauerlich ist, dass er zu seiner Zeit ein brotloser Künstler war und überall aneckte.
Hierzulande hätte er weniger Probleme mit christlichen Kirchen und Verwaltungen gehabt.
Der Frauentypus ist ähnlich, wenn auch die meisten Thais zierlicher gebaut sind als die Maoris, wobei es auch hier schwere und massige Frauen gibt.

Als Gauguin Kopist machte ich mich im Dorf sofort ans Werk. Modelle gab es genug. Ich trank etwas weniger als er und war auch sonst wesentlich unproduktiver im Bepinseln von Leinwand.
Ich malte die Frauen anständig bekleidet, zum Teil niedliche Rücken- und Gesässpartien oder Charakterärsche, wenn das Gesicht wenig hergab.

Der Auslöser dieser Erzählung war das Frauenbild, Antwort Nummer 8, aus Profuuu’s Tagebuch.
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1704.msg37812#msg37812
Als ich sie sah, erinnerte mich die Komposition sofort an Arbeiten von Henri de Toulouse-Lautrec. Lautrec war ein Meister der Lithographie. Profuuu dachte an Wasserfarbe.
Ich fand heraus, dass es die Nummer 142 von 300 Exemplaren ist.

Seit fünf Jahren habe ich einen ähnlich anmutigen Schmetterling im Haus. Ich liebe diese Frau, wie ich noch nie im Leben liebte. Ich kann mich nicht satt sehen und fühlen an ihrem langen dunklen Haar und an ihrem vollendeten Körper. Alle meine Sinne werden durch sie dauernd gereizt. Dazu benutzt sie ihre Körpersprache subtil und graziös. Wie Südseeinsulanerinnen hüllt sie sich gerne in einen Pareo.

Ihre Seele ist so ausgewogen wie ihr Körper. Sie ist kein Tempel Nummerngirl für Lotterien. Wir besuchen Tempel mit ausserordentlichem Anstand und Respekt und haben keine Eile.
Öfters  erfahren wir eine unbeschreibliche innere Ruhe. Wenn ich dann ins reale Leben zurück katapultiert werde, sehe ich: „Sie hat so schöne sanfte Formen, es ergäbe ein irres Bild.“
Ich kann sie leider nicht malen.
Jedesmal wenn ich zum Malgerät greife, schlägt mir der erigierende Pimmel den Pinsel aus der Hand.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: hmh. am 15. Februar 2009, 14:16:00
Den Insulanerinnen in der Südsee mußt Du nicht nachtrauern. Du hast nichts versäumt: Ich hatte mit 13, 14 oder so die Meuterei auf der Bounty mit Marlon Brando und seiner späteren tahitischen Frau gesehen. Die Bilder haben mich durch die ganze Pupertät verfolgt. Diese Mädels mußte ich mir einfach mal selbst anschauen.

Als ich dann endlich hin kam, war ich geschockt und erfuhr bald, warum. Die meisten Statistinnen waren für den Film aus den Philippinen importiert worden. Die Polynesierinnen waren schon zu meiner Zeit überwiegend riesig groß, hatten schwere, fleischige Füße und außerdem meist schon mit 12, 13 die meisten Zähne verloren: Sie aßen fast nur Dosenfutter, nicht mal mehr frisches Obst. Frische Fische gab es auch kaum, wegen Mururoa und so. Tahiti lacht überwiegend zahnlos. Fast alles wurde und wird in Tahiti importiert. Es gab einige wenige, atemberaubend schöne Mischlinge, aber die konnte man nur aus der Ferne sehen. Die Südsee war außerdem fromm...

Zwar traf ich später zweimal doch noch jeweils eine schlanke, hübsche, und blieb unter anderem deswegen lange in den Australinseln und auf Tonga (und verlobte mich in Tonga sogar), aber das ist eine andere, zu lange Geschichte. Die Gegend zwischen Singapur und Bangkok gefiel mir später besser, was gewisse Landschaften betrifft.

Malen kann ich leider nicht, höchstens Photographieren (was ich sogar mal für einen nie erschienenen Photoband gemacht habe), aber in meinen Kopf findet im Prinzip dasselbe statt, was Du beschreibst.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Ingo † am 15. Februar 2009, 14:19:49
Ich kann sie leider nicht malen.
[/b]

Lieber Low,
Du bist nicht der erste Maler der solch "Myterium" unterliegt.
Wohl aber einer, der darueber gluecklich sein kann.

Ingo
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: High Tech
Beitrag von: Low am 16. Februar 2009, 10:26:41
High Tech,                                       14. Februar 2009

oder wie schwer ist Umweltschutz?

Wir hatten letzten Herbst wieder einmal eine Überschwemmung im Dorf. Der Garten wurde langsam durch eine braunrote Brühe geflutet, dass es mir weh tat beim Zuschauen.
Doch was war mit dem Fäkalientank? Anstatt dass die Luft durch die Entlüftung kaum vernehmbar entwich, blubberte es hörbar und stinkend rund um den Deckel.
Als der Garten wieder begebar wurde, sah ich mir die Anlage genauer an.
Wir gruben etwas an der Hausseite. Ich entdeckte im flexiblen Gummiteil, der das WC mit dem Tank verband, ein unschönes Loch. Wir schlossen das Loch mit Aluminiumband provisorisch.
Die Entlüftung war im klassischen Thaistil ausgeführt. Das Entlüftungsrohr verlief wie ein umgekehrter Siphon. Das heisst, wenn einmal Wasser im Rohr war, wurde die Luftzirkulation weitgehend blockiert.
Diese Tage sanierten wir die Anlage. Vorher liessen wir den Tank fachgerecht entleeren.
Die Entlüftung hat nur noch zwei neunzig Grad Krümmer, anstatt fünf wie zuvor. Für die defekte Gummimanschette von zehn Zoll Länge fanden die Arbeiter einen Ersatz. Unser Vorarbeiter meinte,
anscheinend hätte eine Ratte am Gummi genagt.
Im Geschäft erklärte der Chef unseren Leuten, dass sie um den Gummi problemlos montieren zu können, vorher ein gut daumengrosses Loch hineinschneiden müssten! Das war doch genau das Loch, das ich reparieren wollte.
Mia wusste es besser. Sie bestrich die zwei Rohrenden von Tank- und Hausanschluss mit etwas Vaseline und schwups sass der neue Gummi, ohne ihn zu durchstechen.

Einer der Arbeiter gestand uns danach, dass er letzthin vierhundert Anschlüsse installierte, alle mit perforiertem Gummi!
Der Vorteil ist, diese Hauseigentümer brauchen ihre Tanks nie zu entleeren unter dem altbekannten Motto: Geteilter Kot ist doppelte Freude, denn der Nachbar pumpt sein Wasser bestimmt einige Meter entfernt von der undichten Anlage.


Nachtrag

Die Häuser stehen hier im Dorf viel zu dicht aneinander. Die Mindestbauabstände von 2 Metern wurden wegen den kleinst Parzellen nie eingehalten.
Am Beauty Salon sind es auf der einen Seite nur sechzig Zentimeter bis zur Trennmauer. Waren grössere Abstände da, erweiterten die Besitzer später ihre Häuser und benutzten teilweise die Trennmauern als Aussenmauern. Um Fäkalientanks und deren Abluft kümmerte sich nie jemand. Man sägte teilweise die sinnlosen Rohre einfach ab.
Als wir unseren Tank entleeren liessen, kam ein Nachbar und erkundigte sich beim Chef. Er habe ein grösseres Problem. Bei ihm im Schlafzimmer stinke es manchmal fürchterlich von der Entlüftung der Nachbarin, welche den Tank seit 10 Jahren nie entleerte. Er würde für die Reinigung dieses Behälters gerne bezahlen.
 
Die Nachbarin zierte sich. Für das Geld könne er ja eine Gasmaske kaufen! Und überhaupt, der Duft sei geradezu himmlisch, verglichen mit seinem Rasierwasser.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: ou1 am 16. Februar 2009, 11:55:25
Lieber Low,

geteilter Kot ....  ???, wunderbare Verknüpfung. Herrlich zu lesen.

Du hättest besser am Hang gebaut. Da müssten sich die anderen mit deinem Sch... beschäftigen. (sorry).
Rasierwasser  ..,na klar, ein Fake!

Auf ein frohes Wiederlesen!

ou1
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 16. Februar 2009, 14:40:08
Tja, genügend Abstand zu den Nachbarn ist wohl meistens die beste Lösung. Gerade auf dem Land sind doch auch größere Grundstücke noch bezahlbar.
Meine Freunde, die ihre Häuser auf größeren Grundstücken haben bauen lassen, kennen die von Dir so anschaulich beschrieben "Scheißprobleme" nur vom Hörensagen.
Deine Mia hat zusätzlich gezeigt, wie einfach manchmal kleine technische Probleme zu lösen sind. Ich gratuliere Dir - nicht nur aus diesem Grunde - zu Deiner außergewöhnlichen Ehefrau.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 16. Februar 2009, 15:23:11
Mit etwa 1000 Quadratmetern sind wir schon fast Grossgrundbesitzer im Dorf.
Deshalb haben wir abgesehen von Überschwemmungen fast keine Probleme.

Mit freundlichen Grüssen
Low
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: sam am 16. Februar 2009, 21:11:18
2 Rai sind besser.  ;D ;D ;D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 16. Februar 2009, 22:06:30
4 Rai sind noch besser.

Ich werbe um Verständnis für die Bevölkerung.
Die kleinsten Parzellen im Dorf dürften etwa 60 Quadratmeter betragen. Kein Quadratmeter ausserhalb des Wohnraums. Die Nachbarn parkieren ihren Diesel vor deinem Fenster.
Hast du Pech, kannst du nicht einmal die Türe öffnen, weil ein Wagen davor steht.
Es gibt kaum Grundstücke über 100 Quadratmeter.

Danke für die Ergänzungen. In Zukunft werde ich solche Kleinigkeiten nicht vernachlässigen.
Wir leben im Wohlstand und vergessen unsere Nachbarn.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Angeberei
Beitrag von: Low am 17. Februar 2009, 10:16:26
Angeberei

Der geschiedene Sohn eines Bekannten besuchte vor einigen Jahren Chiang Mai. Häufige Exkursionen von Vater und Sohn in die Loy Kroh Road gehörten zum regulären Abendprogramm.
Öfters kam der alte Herr alleine angesäuselt vom Ausgang zurück.

Der Junge prahlte am folgenden Tag mit seinen Erlebnissen und Ruhmestaten. Die Hübsche habe in zuerst gebadet und dann massiert. Danach hätte er mit ihr das ganze Kamasutra durchexerziert.
Peinlich war, als unvermutet die Wahrheit ans Licht kam und zeigte, die Geschichte war in Wirklichkeit harmlos und reine Abzockerei.
Nach mehreren Drinks und dem Lösegeld von 300 Baht durfte er das Bargirl nach Hause begleiten. Sie ging ins Bad, verrichtete ihre Notdurft, wusch sich und ging zu Bett – alleine.
Dem nicht mehr so jungen Mann wurde erlaubt, auf dem Sofa im Wohnzimmer schlafen. Am nächsten Tag gab er ihr 800 Baht fürs Übernachten mit Frühstück und reiste nach Hause,
wo er uns beim Bier abermals die tollsten Lügen auftischte.

Als die beiden nichtsahnenden Herren spät abends wieder die Butterfly Bar aufsuchten, reklamierte die Puffmutter lauthals, der Freier hätte noch Schulden – 200 Baht.
Dem ernüchterten Vater blieb nichts anderes übrig, als der geschäftstüchtigen Dirne den Restbetrag zu begleichen.



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Gastarbeiter in Thailand
Beitrag von: Low am 18. Februar 2009, 10:55:39
Gastarbeiter in Thailand               Sanitsuda Ekachai, Bangkok Post, 23. Dez. 2004

Welche immensen Fortschritte in Menschenrechtsfragen in den letzten Jahren nicht gemacht wurden, zeigt der folgende Artikel:

„Wenn Menschen ihre Sicherheit aufs Spiel setzen, um anderen zu helfen, verdienen sie unsere Bewunderung. Die thailändischen Behörden denken nicht so, obwohl dies laut Buddhismus ein Verdienst wäre.
Die Behörden in der Provinz Tak stürmten ein Büro einer Menschenrechtsorganisation und verhafteten einen jungen Mann Namens Aye Salam. Dieser Arrest stellt die Frage, welche moralische Rechtsgrundlage diese Behörde als Arbeitsrichtlinie hat, wenn so etwas überhaupt existiert.
Die Grenzstadt Mae Sot ist wegen den Billigstarbeitern aus Burma ein Paradies für die Bekleidungsindustrie. Diese Arbeiter haben ein schweres Los und leiden unter extremer Ausbeutung und ungerechten Arbeitsgesetzen. Ihr schuften grenzt an Sklaverei. 7 Tage Woche, 12  Stunden Tag für 3000 Baht oder weniger im Monat.
Sie haben weder Hoffnung auf anständige Entlöhnung, noch für würdige Arbeitsbedingungen oder Gesundheitsvorsorge, weil sie nicht Thai sprechen und die entsprechenden Gesetzesgrundlagen in Thailand nicht kennen.

Diese Schwächen nutzen die Arbeitgeber voll aus. Deshalb versuchen Organisation  wie „Migrant Assistance Programme“ oder „Yaung Chi Oo“ eine Art burmesische Gewerkschaft, den Arbeitern zu ihren bescheidensten Rechten zu verhelfen.
Diese Hilfe ist Gesetzeskonform.  Sie kümmern sich um das legale Vorgehen, wie Arbeiter ihre Löhne vor Gericht einfordern können.
Für diese Tätigkeit braucht es Leute, die Thai und Burmesisch sprechen. Der 18 jährige Aye Salam war einer der wenigen, die für diesen Dienst den notwendigen Mut
aufbrachten.

Warum braucht es Mut für einen Dolmetscherjob? Wie seine älteren Kollegen, die Gastarbeitern behilflich waren, wurde Aye Salam von organisierten Schlägerbanden, welche komischerweise nie gefasst werden, verprügelt. Wie seine Gefährten erhielt er Morddrohungen und er lebt täglich in Todesgefahr.
Die Razzia auf das Büro von „Yaung Chi Oo“ und die Arretierung von Aye Salam waren eine deutliche Warnung an die Vorgesetzten, das Büro zu schliessen.
Komischerweise war der Arrest zeitgleich, als die Organisation einen internationalen  Preis für ihren Einsatz zugunsten von Gastarbeitern erhielt.
Aber es ist ganz klar, wer davon profitiert, wenn die Menschenrechtsorganisationen von Mae Sot wegziehen.
Ausstände von Arbeitern waren in der Vergangenheit undenkbar. Jetzt nicht mehr. Das Entlassen von Arbeitern ohne Entlöhnung hatte System. Um die Entlöhnung zu umgehen, riefen die Arbeitgeber am Zahltag die Einwanderungsbehörden und liessen die nicht registrierten Fremdarbeiter verhaften und postwendend ausweisen.
Dank der Rechtshilfe der Menschenrechtsorganisationen und entsprechenden Gerichtsentscheiden, haben sogar nicht registrierte Arbeiter ein Anrecht auf angemessene Entlöhnung. Für viele Unternehmer war das ein Faustschlag ins Gesicht. Dies sollte auf Biegen und Brechen geändert werden.

Nach seiner Verhaftung wurde Aye Salam für drei Monate eingebunkert, weil er keine Arbeitserlaubnis hatte. Als Menschenrechtsorganisationen dagegen einsprachen, klagten die aufgebrachten Behörden, dass Salam einen für Thai Bürger vorbehaltenen Beruf ausübe, was sogar mit fünf Jahren Gefängnis bestraft wird.
Diese Auflagen zeigen die tägliche Ungerechtigkeit gegenüber Einwanderern.
Wie 400 000 ethnische Einwanderer, die Meisten sind Angehörige von Bergstämme, wäre Aye Salam berechtigt, einen Antrag auf Staatsbürgerschaft zu stellen. Diese Anträge jedoch bleiben im Filz der Bürokratie hängen  oder gehen verloren.

Das Gesetz erlaubt es nicht, dass die Leute für ihren eigenen Lebensunterhalt als Bauern sorgen. Die meisten Einwanderer sind so arm, dass sie die Jahresgebühr von 10 000 Baht für eine Arbeitsbewilligung nicht aufbringen können. Sie sind deshalb jederzeit einer Arretierung ausgesetzt.  Sie überleben nur, weil sie Erpresser bezahlen.
Anstatt diese unmenschliche Gesetze zu ändern, benutzen sie die Behörden um die Emigranten zum Schweigen zu bringen. Ist es recht oder gerecht, sich Geld und Macht zu unterwerfen? Wenn sich unsere Behörden nicht um diese Fragen kümmern gibt es wenig Hoffnung für die Unterdrückten und ihre Verteidiger.“


Ein netter Onkel:
In Chiang Mai kannte ich eine junge Thailänderin. Sie arbeitete für einen Verwandten. Die Schicht dauerte von 14 00 bis 02 00 Uhr. Sie erhielt 100 Baht pro Tag. Bei Absenzen wurden ihr 200 Baht pro Tag abgezogen.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Jetzt feiern sie wieder
Beitrag von: Low am 19. Februar 2009, 10:49:22
Jetzt feiern sie wieder


Am Montag war mein Blutdruck 20 Einheiten höher als üblich.
Am Dienstag war die Nase mit Schleim und Blut verklebt.
Seit Mittwoch gibt es wieder gratis Hustenkonzerte im Badezimmer.
Ich habe erneut diese Beklemmungen auf der Brust.
Die Luft über Lampang, Lamphoon und Chiang Mai ist  total verdreckt.

Das sollte natürlich heissen: JETZT FEUERN SIE WIEDER!


Hinweis an Menschen mit Atemwegserkrankungen und Asthma:
Der Verschmutzungsgrad wird gezeigt auf

http://www.pcd.go.th/AirQuality/Regional/Default.cfm

18-Feb-09
   
Site   SO2   NO2   CO   Ozone   PM10   AQI
Ayutthaya   1.9   25.2   0.5   36.0   126.2    120.0
Chacherngsao   3.2   5.7   0.5   31.8   50.5    69.0
Chiang Mai   0.9   20.5   1.1   48.8   90.6    109.0
Chiangmai               92.8    83.0
Chiangrai         1.2   34.2   120.0    100.0
Chon Buri   5.6   27.7   0.4   26.9   43.6    73.0
Hatyai   1.0   2.8   0.3   23.9   40.2    50.0
Khon Kaen   3.0   23.5   1.2   14.6   46.7    54.0
Lampang   0.6   4.4   0.5   42.5   201.2    135.0
Lumpoon   1.0   18.2   1.4   41.7   149.1    114.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Ingo † am 19. Februar 2009, 16:27:04
Erkrankungsgefahr

Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation haben das verstärkte Auftreten von Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen bei hoher Feinstaubkonzentration nachgewiesen. Personen mit bereits bestehenden Erkrankungen sind besonders anfällig. Studien ergaben eine messbare Verringerung der Lebenserwartung.
Grenzwerte und Messverfahren


Zum Schutz der menschlichen Gesundheit sind zum 01.01.2005 neue Grenzwerte für Feinstaub (PM10) in Kraft getreten. Der Tagesgrenzwert beträgt 50 µg/m3 und darf nicht öfter als 35mal im Jahr überschritten werden. Der zulässige Jahresmittelwert liegt bei 40 µg/m3. Über auftretende Feinstaubbelastungen und Überschreitungen soll die Öffentlichkeit möglichst schnell informiert werden. Daher wird ein kontinuierliches Messverfahren angewandt, dessen Ergebnisse Grundlage der Datendarstellung sind.


Und hier koennt ihr die Werte aller Luftverschmutzungsdaten in Deutschland holen:
http://www.env-it.de/umweltbundesamt/luftdaten/map.fwd?comp=PM1

Ich werde jedenfalls bald bessere Luft atmen.
Habe z.Z. auch grosse Probleme mit der Luft hier.

Der Russ in der Luft ist jedoch seit Tagen nicht mehr so extrem.
Davor, wie im Ruhrpott vor 50 Jahren.

Ingo
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Froschjagd
Beitrag von: Low am 20. Februar 2009, 10:54:43
Froschjagd         August 2004

Im neuen Teich, mitten in den Papyrusstengeln beobachtete Isa wie ein grünes Dreieck mit zwei Augen aus dem Wasser ragte. Sie dachte, es sei eine Schlange oder eine Echse.
Bei einem Regenguss im August sahen wir, dass es ein Frosch war. Der kleine Kopf sass auf einem grossen grünen Körper. Lange Beine mit Flossen Grösse Nummer 44 hielten den Frosch bewegungslos in den Pflanzen. Ich sah ihn hin und wieder. 
Wiederholt hatte ich Fischweibchen mit einem Körperumfang, der auf Nachwuchs schliessen liess. Jungfische sah ich aber nie. Ich denke, dass der Frosch sie frass, nebst all den farbenprächtigen Guppymännchen. Ich hatte Guppys, die aussahen wie Neonsalmler, leuchtend rot und blau. Die Überlebenszeit der bunten Männchen betrug knapp drei Tage. Danach waren sie unauffindbar. Den Ersatz fischte ich alle paar Tage aus dem ovalen Teich.
Das Wasser in den Teichen war wegen der Dreckluft dauernd überdüngt und voller Algen. In den zwölf Kubikmetern Wasser tummelten sich bloss neun Fadenfische, ein unidentifizierter gelber Fisch mit einem schwarzen Fleck im Gesicht und etwa zehn kleinere Fische aus der Familie der Zahnkarpfen. Die paar Fische produzieren nicht genug Fäkalien um das Wasser derart zu trüben. Als Abhilfe pflanzte ich Unterwasserpflanzen. Catoon setzte die Töpfe sorgfältig ins metertiefe Wasser.
Der mächtige Frosch mochte zu den Fischen auch Salat. Er wütete in den Unterwassergärten, riss Pflanzen aus den Töpfen und frass sich noch fetter.
Es ist eine sehr verbreitete Froschart im Dorf. Der Oberkörper ist grün, die Bauchseite weiss. Hin und wieder findet man diese Frösche auch auf der Strasse, flachgepresst, getrocknet und als Buchzeichen geeignet. Es müsste aber ein grosses Buch wie ein Bildband sein.

Thais mit Stirnlampen ausgerüstet durchsuchten des Nachts die Sümpfe und bejagten die Frösche um sie zu verspeisen. Ich wollte keinen Thai anstellen. Er hätte den Frosch rücksichtslos und sicher gefangen. Danach hätte ich den ganzen Teich und die Umgebung neu bepflanzen müssen.
Ich beschloss selbst zu handeln und den Frosch zu erschiessen. Vielleicht war er ja Träger der noch nicht entdeckten, jedoch berüchtigten tödlichen Froschgrippe. Die Jagdzeit war wegen den Sicht- und Lichtverhältnissen auf vier Uhr nachmittags beschränkt.
Den ersten Schuss gab ich aus etwa 3 Metern ab und verfehlte das Ziel. Mein Problem war, dass ich technisch auf 10 Meter Distanz auf Scheiben mit schwarz sechs übte. Wegen der wesentlich kürzeren Distanz war der Schuss durch die veränderte Flugbahn zu hoch angesetzt.
Am nächsten Tag war das Becken wieder voller ausgerissener, angefressener  Pflanzen. Ich entdeckte das kleine grüne Dreieck des Kopfes inmitten der Papyrusstengeln. Dann holte ich die Waffe, schob die Kugel in den Lauf und zielte sorgfältig auf etwa gleiche Distanz wie am Vortag in das Dickicht. Mein Ziel war etwa schwarz vier unterhalb der Augen. Die Schwierigkeit war enorm: Im grünen Wasser, zwischen grünen Stengeln, die sich im Wind leicht bewegten, den grünen Kopf annähernd zu visieren.  Mit höchster Konzentration bewegte ich den Finger am Abzug. Ein kurzes Plup, der getroffene Frosch spiralte etwa 8 Meter ans andere Ende des Beckens. Dort konnte ich den Körper, der wegen der Grösse nicht in eine Bratpfanne gepasst hätte, mit einem Netz aus dem Wasser heben. Ich betrachte den Kopf genau. Zwischen den Augen war kein Loch in der Froschhaut zu sehen. Weissgrauer austretender Schleim zeigte, dass ich das Tier, ich nenne es glücklicher Zufall, an der richtigen Stelle getroffen hatte.
Ich weiss, die nächsten Frösche kommen bestimmt. Bis dahin haben die Pflanzen etwas Zeit zum Anwachsen.  Wenn es ein kleiner Frosch ist, kann ich mit ihm leben, egal ob er Fische frisst oder nicht. Ich verzehre ja selbst Fisch.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Expertin aus Ceylon
Beitrag von: Low am 21. Februar 2009, 12:41:58
Expertin aus Ceylon                                 Sommer 2006


Erinnerungen. Europa. Erlebnis im äusseren Emmental.
Wir waren in einem Gourmettempel der alten Art. Da war eine Brigade am Werk, die an internationalen Anlässen immer wieder Goldmedaillen erkochte.
Dazu gehörte ein diskreter und gepflegter Service, wo das Personal den Gästen die Wünsche noch weitgehend von den Augen ablas.
Wir liessen uns die Köstlichkeiten der Küche auf den Zungen vergehen.
Dann wurde der Gaumen durch einen edlen Rebensaft stimuliert.

Ich unterhielt mich mit der attraktiven Lebensabschnittspartnerin leise auf Englisch.
Am Nachbartisch sassen drei betagte Herrschaften. Die radebrechten mühsam etwas englisch und sprachen fliessend französisch und deutsch. Aus den ganzen Sprachfetzen heraus interpretierte ich, dass die eine Europäerin, eine offenbar schwer reiche Dame, aus Ceylon zu Besuch war. Sie erzählte etwas vom Land und den hübschen jungen Leuten dort.

Hübsch und jung war offenbar das Stickwort für den Herrn, der verstohlen immer wieder zur Mia hinüberschielte.
„Ist das eine Ceylonesin dort am Tisch und wie alt dürfte sie wohl sein?“ fragte er seine weit gereiste Nachbarin galant auf französisch.
Die ältere Frau schaute kurz prüfend und gab dann zu Protokoll:
„Nein, ... aus Ceylon ist die nicht. Sie könnte aus einem Land stammen, welches bekannt für Sextourismus ist. Vielleicht sei sie von den Philippinen oder aus Thailand.
Ihr Alter liege ganz sicher zwischen fünfundzwanzig bis achtundzwanzig Jahren.“
Mia lachte peinlich laut auf, als ich ihr die Konversation deutlich vernehmbar übersetzte.

Dann wandte ich mich an die Leute am Nachbartisch:
„ Verzeihen Sie bitte den lauten Lacher meiner Frau. Ihr Kompliment mit den fünfundzwanzig Jahren ist ihr in den Kopf gestiegen. Sie ist fast zwanzig Jahre älter!

Sextourismus kannte man im Emmental schon vor einhundertfünfzig Jahren als kulturelles Erbe. Die Ausübenden benutzten kein Fluggerät, eine Leiter genügte.
Seinerzeit hiess das schlicht: Fensterln!“




Hallo Leser,
soll ich näher auf das Thema „Fensterln“ eingehen?

Anmerkung und Aufklärung:
In nördlicheren Regionen gilt „fensterln“ inzwischen als Hausfriedensbruch (Das Amtsgerichts Frankfurt am Main urteilte, dass „Fensterln“ in Hessen nicht als kulturelles Erbe, sondern schlichtweg als Hausfriedensbruch betrachtet wird, der den Ausspruch einer fristlosen Kündigung des Mietverhältnisses rechtfertigt. Urteil des AG Frankfurt a. M. 33 C 2982/99-67).

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Milch
Beitrag von: Low am 22. Februar 2009, 12:28:17
Milch

Die ursprünglichste, schönste und die beste Milch der Welt stammt von der Mamma, Mehrzahl Mammae, der Milchdrüsen der Frau. Seit dem die Ladies ihr Gesäuge in modische Stahlkorsetts,
genannt Brusthalter zwängten, um länger begehrenswert zu bleiben, nahm die Milchleistung dauernd ab.
Industrielles Dosen- und Mikrowellenfutter, Pestizide der Landwirtschaft, Medikamente,  Alkohol und Nikotin verschlechterten die Milchqualität dramatisch.
Die Entwicklung tonnenschwerer Messgeräte für Spurenanalysen im ppB Bereich, (ppB = part per Billion) und empfindlicher, gehörten einst zu meinem Lebenserwerb.
Ich war mehrmals an wissenschaftlichen Tagungen. Einmal referierte ein amerikanischer Analytiker über seine Arbeiten an Muttermilch. Als Techniker
war mir seine chemisch-medizinische Ausdrucksweise eher fremd und ich musste Nachfragen.
Er sagte für mich verständlich: „Khun Low, wenn diese Frauen Kühe wären, müssten wir Notschlachten!“
Die Resultate seiner seriösen Arbeiten führten zur geistigen Umnachtung. Der Herr Professor landete in der Klapsmühle.


Ein Abschweifen in die industrielle Milch- und Käseproduktion würde zu weit führen und den einfachen Rahmen meiner Kurzgeschichten sprengen.
Es schadet sicher niemandem, ausser einigen skrupellosen Händlern, ein paar Fakten über Milch zu wissen.

Für uns als Konsumenten gibt es die pasteurisierte Milch, welche gut gekühlt etwa eine Woche haltbar ist. UHT Milch dagegen kann ohne Kühlung bis sechs Monaten aufbewahrt werden.
Zwischen Pasteurisation und UHT gibt es für den Berner Kantonschemiker Urs Müller einen gewichtigen Unterschied:
Die konventionelle Past-Milch wird auf 85 Grad erhitzt - und enthält nach wie vor eine grosse Zahl naturbelassener Keime.

Im Ultrahoch-Temperatur-Verfahren UHT hingegen wird die Milch mit Dampf auf 150 Grad erhitzt. Dabei sterben alle Keime ab.
«Die Pasteurisation ist deshalb ein weit schonenderes Verfahren als UHT», so Müller. Beim UHT-Prozess werden zudem die Milch-Eiweisse verändert.

In Chumphon wurde dieser Tage an Schulkinder minderwertige, zum Teil stinkende Milch verfüttert.
Die Chinesen warfen vor einigen Monaten melaminhaltiges Milchpulver auf den Markt, das Zehntausende von Kindern vergiftete und einige davon tötete.
Dieses Pulver wurde erfolgreich exportiert.
Anstatt sämtliche Bestände an melaminhaltigen Nahrungsmitteln zu vernichten,
gab es Geschäftemacher in Hinterindien, welche die vergifteten Waren mit Rabatt anboten.

Milchbauern in Thailand produzieren pro Tag im Land zwischen 280 000 und 400 000 kg Frischmilch, die keine Abnehmer findet.
Das Überangebot an Frischmilch existiert nur, weil importiertes, zum Teil minderwertiges Milchpulver viel billiger ist.
Die daraus resultierende UHT Milch ist als Nahrungsmittel praktisch wertlos.
Das einzige was an Milch erinnert, ist die Farbe und der Eiweissgehalt.
Es gibt eine Verordnung, dass in Schulen pasteurisierte Milch mit einem Fettgehalt von mindestens 3.2 Prozent angeboten werden sollte.
Die Produzenten der Marke Thai-Danish möchten ihr Lager in an minderwertiger UHT Ware für zweihundert Millionen Baht loswerden.
Die wollen ihr Gesöff nicht wie die zu recht empörten Bauern auf die Strasse schütten. Die Geschäftsleitung denkt eher an Themen wie Profitmaximierung verknüpft mit Umweltbewusstsein.
Da kommen die Kinder doch gerade recht,
denn leider kann man die Milch noch nicht zu preisgünstigem Treibstoff verarbeiten.


http://www.thailandtip.de/tip-zeitung/nachrichten/news/stinkmilch-in-schulen//back/2/
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien:
Beitrag von: Low am 23. Februar 2009, 23:55:31
Warum reklamiert denn Keine®?

Der erste Teil von „Milch“ könnte doch als extrem frauenfeindlich taxiert werden. Das ist er aber nicht.
(Im Geheimen freute ich mich schon über eine Tittendiskussion. Die sind ja so hoch, das wären Beiträge mit Niveau geworden.)
Die Herren der Schöpfung leiden an den selben Giften. Die Aktivität der Spermien als auch die Zeugungsfähigkeit sind stark eingeschränkt.
Schuld an der Misere sollen auch zu enge Beinkleider im Genitalbereich sein.
Da hilft dann auch Freund Pfizers Viagra wenig.
(Diese Diskussion würde sich erübrigen, denn sie liegt unter der Gürtellinie, also ohne Niveau.)

Merke: Zu enge Hüte führen zu Dampfblasen im Kopf.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: hmh. am 24. Februar 2009, 11:14:32
Khun Low, wir reklamieren hier nicht, weil diese Geschichten einfach faszinierend sind und wir nicht genug davon bekommen können.  :)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Steuern
Beitrag von: Low am 25. Februar 2009, 10:49:42
Steuern

Wenn ich an die heimischen Steuererklärungen vor vielen Jahren denke, graut mir. Umfangreiches, Abende füllendes Papierwerk  ohne PC und das im Monat Februar.
Die Berechnungen waren schweisstreibend und das Bezahlen ein Albtraum.
Dank benutzerfreundlicher Software reduzierte sich die Arbeit neu auf wenige Stunden.  Nur das Bezahlen blieb ein Akt der Verzweiflung.

Dagegen ist es in Hinterindien etwas aufwendiger, vor allem wenn Liegenschaften im Spiel sind. Der Ort, die Gemeinde, in der das Grundstück liegt, kassiert.
Schriftlicher Verkehr findet nicht statt. Das heisst, begüterte Menschen reisen mit Taschen voller Geld im ganzen Land herum, um ihren Obolus zu entrichten.
Meine Grossgrundbesitzerin und Geschäftsfrau mit zwei Kleinstunternehmen bezahlt Steuern in fünf verschiedenen Gemeinden.
Je nach Verhandlungsgeschick, kann man die effektive Steuerlast zum Beispiel durch eine Pausen-Kaffeespende unter 200 Baht um bis zu 90 Prozent reduzieren.

Sofern Belege von Einkäufen, Anschaffungen, Treibstoff und  Versicherungen vorhanden sind, kann man durch das Einreichen dieser Dokumente mit grossen Abzügen rechnen.
Wir haben skrupellos unsere Weinbezüge geltend gemacht.

Dorfbewohner sammeln keine Belege, ob für Motorrad, Plasma TV oder Karaoke Anlage mit einunddreissig Lautsprechern. Da werden Rechnungen, bezahlt oder unbezahlt, gleichermassen entsorgt.
Keiner hinterfragt irgend etwas. Sogar die Steuerformulare landen ungelesen im Müll.

Die Veranlagungsbeamten gehen relativ grosszügig mit den Belegen um.
Die addieren die Beträge, ohne sich um die Rechnungsdaten zu kümmern und deponieren die Quittungen gleich im Papierkorb.
Besonders erfolgreich für die Steuerzahler sind solche Berechnungen, wenn zu den Beträgen das jeweilige Datum hinzugerechnet wird.
In einer grösseren Stadt kannte die Beamtin das Prozentrechnen nur vom Hörensagen. Als der Chef die Berechnung überprüfte, sah er, dass die Rechnung zu ungunsten der Gemeinde ausfiel.
Die Beamtin kassierte 180 THB und musste telefonisch eine Nachforderung von 250THB stellen. Ein Rundreise Busticket würde uns 1600 THB kosten.
Meine Holde bat die Frau Beamtin, die 250 THB zu begleichen. Sie würde dann eine private Postanweisung an sie machen.

Am Günstigsten kamen wir am Wohnort weg. Anstatt 1800 THB zu bezahlen, kamen meine Intelligenzbestie und das Mathe-Genie mit 1200 THB Cash zurück.
Sie wollte schliesslich all die bereits bezahlten Steuern vom Totalbetrag abziehen lassen.
Mia reiste an drei Tagen an die tausend Kilometer und besuchte die Verwaltungen sehr effektiv. Summa summarum bezahlten wir nichts.
Sie  hat ein grosses Wissen und mehrere Bücher. Eines betrifft die Lehre Buddhas des Erleuchteten, eines ist von Dalai Lama
und eines wurde verfasst unter Mitwirkung eines Adam Zwerg – nein, Riese.



Quellen:

The Art of Happiness
by His Holiness the Fourteenth Dalai Lama and Howard C. Cutler, MD.
Riverhead Books, New York, NY, USA, 1999

Der deutsche Rechenmeister Adam Riese schrieb mehrere Rechenbücher, wie zum Beispiel "Ein Gerechent Büchlein/ auff den Schöffel/ Eimer/ vnd Pfundtgewicht" (1533).
Riese verfasste seine Bücher zumeist nicht wie damals üblich in Latein, sondern in Deutsch.

Vielleicht stört sich jemand an meinen Quellenangaben.
Bedaure – im einen Falle reine Reinkarnation!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Steuern
Beitrag von: illuminati am 25. Februar 2009, 18:30:15
Sie  hat ein grosses Wissen und mehrere Bücher. Eines betrifft die Lehre Buddhas des Erleuchteten, eines ist von Dalai Lama und eines wurde verfasst unter Mitwirkung eines Adam Zwerg – nein, Riese.

Hallo,
ich sehe -- Deine ist anders -- herzlichen Glückwunsch, diesen Volltreffer zu landen war sicher nicht einfach. Anhand deiner Literaturliste würde ich vermuten, dass ihr relativ unbeschadet durch die schwierigen Zeiten kommt.

Gruss
PS: In TH kann Steuern zahlen ja regelrecht Freude bereiten - ist offensichtlich ein sehr kreativer Akt
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Isan Yamaha am 25. Februar 2009, 18:51:24
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                                                                  K Ö S T L I C H
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 26. Februar 2009, 14:46:18
Hat deine mia schon einmal darüber nachgedacht, sich als Steuerberaterin niederzulassen? Die einnahmen könnte sie dann ebenfalls kreativ versteuern! ???
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 26. Februar 2009, 15:27:21

Illuminati
„In TH kann Steuern zahlen ja regelrecht Freude bereiten - ist offensichtlich ein sehr kreativer Akt.“
Das hast du wahrlich recht. Vor allem wenn man es mit
“The Art of Happiness,” garniert und mit der Ahnung von Prozentberechnung.


Isaan Yamaha
Danke für das Gemälde.

Drwkempf
Sie berät mich in Lebensfragen und vor allem in allen Lebenslagen, damit ist ihr Terminkalender voll.

Anmerkung:
Hier im Dorf bezahlt praktisch niemand Steuern.
„Sogar die Steuerformulare landen ungelesen im Müll.“
Wenn alle so ehrlich wären wie Mia, würde der Staat drei Tage vor dem Fälligkeitstag Pleite machen.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Uniformen müssen es sein !
Beitrag von: Low am 27. Februar 2009, 00:04:39

Uniformen müssen es sein !

Momentaufnahme. Als ich sie erstmals sah, dachte ich: „Verdammt hübsch, schlechter Charakter, das gibt Ärger!“

April 2006

Sie besuchte eine höhere Schule in einer Provinzhauptstadt. Die Schule war so erbärmlich minderwertig, dass selbst die Leitung nicht in der Lage war, einen korrekt geschriebenen Briefkopf zu gestalten.
Ihre Mutter wusste, Bildung hilft viel im Leben. Sie investierte in die Tochter. Sie bezahlte einem Filipino Lehrer über 100’000 THB dafür, dass sie kein Wort Englisch lernte.
Die Studentin wollte einen besseren Schulabschluss: Payap University.
Sie schaffte die Eintrittsprüfung und bereitete sich ernsthaft auf das Studium vor.
Für den Schulweg benötigte sie ein Motorrad.

Juni 2006

Bereits am ersten Schultag wurde die bezaubernde Studentin in die Mangel genommen. Eine der leitenden Damen sagte ihr, sie müsse auf ihr Gewicht achten. Die neue Schülerin war eine der seltenen, gross gewachsenen Frauen an der Universität. Sie planten bereits, die Neue sollte an Loy Krathong als Nang Nopamas aufgetakelt und geschminkt den Wagen der Payap Universität schmücken. War das nicht ein grossartiges Studienziel?

Die Hübsche hatte seit Wochen einen netten Freund, einen Bankbeamten, der sich liebevoll um sie kümmerte. Er fiel nicht nur durch feine Kleidung auf, sondern hatte Anstand und gute Manieren.

Die Eltern verreisten ende Monat für einige Wochen nach Europa. Die junge Frau war um die zwanzig und somit alt genug, um auf sich selbst aufzupassen. Ferner gab es eine Haushälterin, sofern Probleme auftauchen würden. Um für sämtliche Eventualitäten gerüstet zu sein, erhielt sie einen anständigen Notgroschen. Bei schlechtem Wetter stand der Wagen der Familie für den Schulbesuch zur Verfügung.

August 2006

Als die Eltern zurückkamen, erfuhren sie, dass das Dorf überschwemmt wurde. Ihre Gebäude kamen dabei nicht zu schaden. Die Haushälterin betreute angeblich alles vorzüglich, auch die Tochter.
Väterchen stellte fest, dass sein PC vor Wochen einmal eingeschaltet, aber nie mehr abgestellt wurde. Das Internet funktionierte nicht, weil keiner die Telefonrechnungen bezahlte.
Die Kartengrüsse aus Europa warteten noch im Briefkasten. Dafür fehlten andere wichtige Dokumente.

September 2006

Die Studentin veränderte sich während der Abwesenheit der Eltern total.
Sie lebte seinerzeit selbständig in der Provinzhauptstadt und besuchte die Schule, während Mutter meist auswärts arbeitete. Sie hatte nur beschränkte Mittel.
Sie besass weder Motorrad noch ein Auto und benutzte öffentliche Verkehrsmittel.
Der plötzliche Wohlstand verdrehte ihr offenbar den Kopf. In der Schule war sie plötzlich ein flimmerndes Sternchen mit Geld, Motorrad, Auto und zehn Paar Schuhen.
Die Schülerin wurde ein seltener Gast zum Abendessen im Elternhaus.
Sie hatte dauernd dringende Termine, wichtige Hausaufgaben oder sie schlief bereits am Tisch ein.
Sie erzählte, die Universität würde abends Ballspiele veranstalten. Teilweise war sie bloss anfeuernde Zuschauerin, teilweise spielte sie offenbar mit.
Weil es manchmal spät wurde und stark regnete, übernachtete sie angeblich öfters bei einer Freundin.
Letzte Woche nun ging sie kaum mehr nach Hause. Die Eltern warteten fast täglich vergeblich mit dem Essen auf sie. Wenn sie kam, stellte sie Forderungen. Sie benötige unbedingt sofort High Speed Internet oder Mutter müsse sie zur Schule bringen. Auch am Wochenende blieb sie weg. Sie erklärte, am Sonntag sei ein grosser sportlicher Wettkampftag in der Payap Universität.

Fortsetzung folgt
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Uniformen müssen es sein ! 2
Beitrag von: Low am 28. Februar 2009, 09:41:37
Uniformen 2

Die besorgte Mutter telefonierte am Sonntag in die Schule und vernahm, dass die Spiele bereits am Samstag beendet wurden. Abends um neun meldete sich das Töchterlein am Telefon und erzählte scheinheilig, dass jetzt, nach den Spielen noch eine Party stattfinde und sie gerne bleiben würde.
Die Mutter stellte ihr ein Ultimatum und verlangte von der Herumtreiberin, dass sie sofort nach Hause kommen solle, andernfalls fliege sie raus. Sie kam nicht. Die Eltern erfuhren später, dass ihre Getränke an den zahllosen Partys gedopt wurden. Sie fühlte sich jedesmal high und war dem Stoff offenbar total verfallen.

Eine Schulfreundin machte sie vor Wochen mit einem schneidigen Armeeoffizier aus Phitsanulok bekannt. Mit dem unternahm sie während der Abwesenheit der Alten einige Spritztouren, bloss so an die 5000 km.
Der Dorftratsch hielt fest: Er war häufiger Gast in ihrer Unterkunft auf dem Anwesen der abwesenden Eltern.
In der Nacht vom 6. September holte sie mit seiner Hilfe und seinem Auto klammheimlich Bildschirm und PC aus ihrer Unterkunft. Maus, Tastatur und zahlreiches Zubehör liess sie liegen. Sie nahm weder ihre Kleider noch die zehn paar Schuhe mit, die sie vom Notgroschen gekauft hatte.
Der Vater tauschte darauf vorsorglich sämtliche Schlösser an den Türen aus.

Dann erfuhren die schockierten Eltern, dass sie mit dem unbrauchbaren PC im Haus einer Freundin des Offiziers in Din Daeng, im Grossraum Bangkok sei. Sie hatte aber keine Ahnung, wo in Din Daeng sie überhaupt war. Der Familie gelang es inzwischen auf eigene Faust, Auto- und Telefon-Nummern des sauberen Herrn zu ermitteln.

Die Telefone liefen heiss. Jeder wusste, dass sich die junge Frau in grosser Gefahr befand. Ihre beiden Brüder besuchten den Soldaten in seinem Büro in Phitsanulok und verlangten nachdrücklich die Rückkehr ihrer Schwester nach Chiang Mai.

Komischerweise kannte ein Familienmitglied den Vorgesetzten des Soldaten, rief diesen Lamettaträger an und erzählte ihm die Untaten seines Untergebenen.
Ferner verliere die junge Frau durch die begangenen Unüberlegtheiten ihre Bleibe bei den Eltern. Ein Offizier der königlich thailändischen Armee sollte für seinen Frevel geradestehen und der Frau in Zukunft eine Unterkunft finanzieren. Anderseits gäbe es ja eine Regenbogenpresse, welche die Leiden eines verführten jungen Mädchens genüsslich ausschlachten würde.

Einige Armeeangehörige waren damals in einen jämmerlichen, vielleicht fingierten Attentatsversuch gegen Taksin verwickelt. Weitere Skandale waren unwillkommen.
Der Militär gab zähneknirschend zu, dass er da wohl Fehler gemacht habe und dass er die Studentin in der Nacht zurück nach Chiang Mai bringen würde.
Am 8. September morgens um acht war sie wieder im Haus einer Freundin.

Mit der Verteidigungsbereitschaft dürfte es im Land während dieser Tage nicht besonders gut bestellt gewesen sein. Dafür waren die Fahrleistungen des besoffenen oder gedopten Soldaten um so beachtlicher.
6. Sept. Phitsanulok  - Chiang Mai
6. Sept. Chiang Mai – Bangkok     
7. Sept. Bangkok-Phitsanulok     (Büro teilweise besetzt)
7. Sept. Phitsanulok – Bangkok     
8. Sept. Bangkok - Chiang Mai     
8. Sept. Chiang Mai - Phitsanulok

Am späteren Nachmittag holte sie mit einer Tante ihre Sachen, Kleider, Schuhe und die restlichen PC Teile ab. Das Motorrad behielten die Eltern vorläufig als Faustpfand.
Die Hausschlüssel vergass sie im Auto des Militärs in Phitsanulok.

Die Eltern vernahmen, dass der Soldat ihre Getränke mit Methamphetamin (Ya-Ba = "Pferdemedizin") dopte, um sie gefügig zu machen. Sie waren sich einig, das sie nicht mehr nach ins Dorf zurückkehrt und dass sie keine weitere Unterstützung erhält.
Sie war eine gute Schülerin. Sie war die Beste in Accounting. Aber sie betrog und missbrauchte das ihr geschenkte Vertrauen grenzenlos.
Hätte die Polizei bei den Eltern Drogen gefunden, wären sie in Lebensgefahr geraten. Die Polizei einzuschalten war wegen des nachweisbaren Drogenvergehens unmöglich.
Das war die starke Waffe des Gangsters, offenbar der Chef einer ganzen Gruppe von Ganoven.
Dass die Eltern die Tochter sofort wegwiesen, erwies sich als Glücksfall, denn die Gauner hatten im Sinn, die Eltern zu erpressen, nachdem sie um ihre vermeintliche Beute geprellt wurden.

Vor Schulantritt testete Payap die Studenten auf Drogen und HIV.
Diesmal würde sie nicht bestehen.

Fortsetzung folgt
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: illuminati am 01. März 2009, 17:43:34
Hallo,
@low

wann geht´s weiter  :-) :-) :-) die Taschentücher liegen bereit  ;D
Gruss
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 01. März 2009, 17:57:02
@ Illuminati

Nein, bitte keine Taschentücher - Uniform und Achtungsstellung !
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Uniformen müssen es sein ! 3
Beitrag von: Low am 01. März 2009, 18:05:08
Uniformen müssen es sein !    3


Oktober 2006

Semesterferien.  Die Brüder des gefallenen Mädchens besorgten ihr einen Job bei einer Bank in Phitsanulok und fanden eine Wohnung für sie. Mit anfänglich über 10’000 Baht pro Monat sollte sie bestens auskommen. Der Kerl mit dem schlechten Einfluss dislozierte nach Bangkok ins Hauptquartier.

November 2006

Den Gangster, der die Studentin zu Drogen und Geschlechtsverkehr verführte,  einen PC stahl und sie danach nach Bangkok entführte, fand die Polizei tot mit zwanzig Messerstichen im Leib.
Bezahlte er die Drogen nicht oder kam er seinen jungen Fleischlieferungen nicht nach? Vielleicht begann er aus Liebeskummer Selbstmord.

Februar 2008

Die attraktive ex Studentin der Payap Universität fand vor Monaten einen neuen Liebhaber. Wieder war es ein Uniformierter. Dessen Vater war ebenfalls ein Militär.
Diese Familie wollte mehr als eine halbe Million in die junge anziehende Frau investieren. Sie hatten nur diesen Sohn und verwöhnten ihn entsprechend. Die jungen Leute wollten bereits im Mai heiraten.
Die Eltern des Bräutigams vertagten den Termin bei den lockeren Verhandlungen auf Dezember, um das Kleingeld zu organisieren, obwohl nie irgendwelche Forderungen betreffend Brautpreis gemacht wurden.
Weil Schwiegereltern, Bräutigam und Braut zusammen waren, fand auch die einst verstossene Tochter wieder eine Unterkunft in den Liegenschaften der Eltern.

April 2008

Die Bankkauffrau sollte für einige Wochen in Chiang Mai arbeiten und fragte,
ob sie während ihrer Tätigkeit einige Nächte im Gästehaus verweilen könne. Es war für die Eltern schlecht möglich begründet abzulehnen, nachdem eine Hochzeit bevorstand.

Mai 2008

Die Brautleute waren am Wochenende Gäste bei den Eltern.
Am Morgen drangen wilder Lärm und wüste Geräusche aus dem Gasthaus in den Garten. Die fürsorgliche Mutter schaute nach. Da hielt doch dieser junge Nichtsnutz vor dem Haus  seine zukünftige Frau an den langen Haaren fest und watschte sie ungefragt mehrmals links und rechts. Zuvor gab es eine Meinungsverschiedenheit im Wohnzimmer. Dabei verteilte der ungehobelte Kerl seine heisse Suppe ungeachtet seines Ranges als Gast in Anwesenheit der Putzfrau im ganzen Raum.

Die Mutter gab dem ungezogenen Rüppel eindeutig zu verstehen, dass er hier nicht länger als Gast geduldet oder je wieder willkommen sei. Ein Mann, der ihre Tochter, seine angehende Frau prügle,
sei für sie kein zukünftiger Ehegatte. Damit sei die Hochzeit für sie gelaufen.
Dann redete sie mit der Tochter ein ernsthaftes Wort. Diese teilte der Mutter mit, dass sie wahrscheinlich schwanger sei. Mutter empfahl ihr, den Fötus abzutreiben.
Solche Männer taugten nichts als Väter und würden sich vor jeglichen Verpflichtungen verkrümeln und ihr Liebesglück bei einer Mia Noi suchen.
Sofern sie diesen Mann trotz allem heiraten wolle, sei das ihre persönliche Angelegenheit. Die Eltern würden sich von allen Festivitäten fernhalten.

Sie ermahnte die Tochter und sprach mit ihr über die zahlreichen alleinstehenden Mütter im Bekanntenkreis, wie diese Frauen zwischen Beruf und Mutterpflichten hin- und hergerissen würden.
Sie solle sich von diesem Mann nicht ihre ganze Zukunft vermasseln lassen.

Weil das Mädchen ungebremst in Schwierigkeiten geraten wollte und auf die wohlgemeinten Ratschläge der Mutter keinen Wert legte, sondern sie herausfordernd beleidigte,
erhielt die junge Frau erneut Hausverbot.


Januar 2009

Die ledige Mutter gebar im Herkunftsort des Vaters, betreut von dessen Eltern, einen gesunden Sohn, möglicherweise einen zukünftigen General.

Uniformen müssen es sein!


 


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: illuminati am 01. März 2009, 21:46:50

@low

mein Fehler mit den Taschentüchern - es hätte der Rohrstock sein müssen - aber eine Gesichte die den Zeitgeist wiedergibt, leider.

Gruss
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Der andere Kriminalfall aus Mordthailand
Beitrag von: Low am 03. März 2009, 10:55:51
Die Ermittlung                              2004

Der andere Kriminalfall aus Mordthailand

Eine wunderschöne Frau, asiatisches Gesicht im Renaissance Stil, hatte Mühe einen Abend mit ihrem Partner in einem Dancing oder in einem Klub zu verbringen.
Sobald das Paar irgendwo erschien um das Tanzbein zu schwingen oder einen Cocktail zu geniessen, entleerte sich das Lokal blitzartig. Der Grund,
der Mann war ein erfolgreicher Fahnder der Drogenpolizei. Dummerweise wurde er eine lokale Berühmtheit wie ein Filmstar.
Darum verbrachte er in der Millionenstadt die meiste Zeit am Schreibtisch oder er brillierte bei Auslandseinsätzen in den Nachbarländern.
Seine hübsche Frau war meine Schwägerin. Als der Verwandte mit der hiesigen Polizei eine bedeutende Aktion erfolgreich durchgeführt hatte, verbrachte er einige Zeit bei mir.
Einerseits war er mit dem Resultat zufrieden. Andererseits sah er, dass geblockt wurde, weil offenbar allerhöchste Kreise involviert waren.

Eines Tages zeigte er mir nebenbei ein völlig neues, unbekanntes Chiang Mai. Bei einem kleinen Laden erläuterte er mir, dieses Geschäft sei die Tarnung eines vermögenden Buchmachers, Hehlers, kleinen Drogenhändlers, Geldverleihers und Zuhälters. Vor der Handlung stand ein altes ölverschmiertes Motorrad, mit dem der Mann zu Arbeit kam. Das Fahrzeug war derart verwahrlost, dass er getrost den Zündschlüssel stecken lassen konnte. Keiner würde sich auf so einen rostigen minderwertigen Plunder setzen oder sogar entwenden.
Paul erzählte, dass der Grandseigneur in einem Vorort eine prächtige Villa besass. Dort stand sein BMW. Seine Frau fuhr einen grösseren Mercedes. Seine Kinder besuchten die teuersten Privatschulen.

In der Loy Kroh Road klärte er mich über gewisse Freudenmädchen auf. Es war unwahrscheinlich, welche Details der Mann kannte. Ich fragte mich, ob er alles aus eigener Erfahrung wusste. Nein, dafür war seine Anwesenheit zu kurz.
Wir beobachteten die Szene über die Gasse. Er zeigte mir Su, die bereits einen Kunden betreute.
Sie war jung und hübsch. Sie war mittelgross, schlank und hatte etwas Busen. Das lange schwarze Haar kontrastierte mit den roten vollen Lippen und den weissen, teilweise leicht schief stehenden Zähnen. Doch das ovale Gesicht mit den Mandelaugen wirkte ungemein anziehend.
Er war viel älter, Europäer, vielleicht bereits Rentner. Ein Bierbauch zeichnete sich unter dem schweissgetränkten Hemd deutlich ab. In den krausen Brusthaaren teilweise versteckt hing eine massive Goldkette. Das Ding war so unübersehbar wuchtig, es wog mindestens zwölf Baht. Sein Gesicht war gezeichnet, nicht von einem Maler, sondern vom harten Leben. Ein paar schüttere graue Haarsträhnen schützten die Kopfhaut kaum vor der immer noch sengenden Abendsonne. Beide sassen in der offenen Bar an der Strasse. Sie nippte an einem Eiskaffe.
Er schlürfte ein Singha.  Weitere attraktive Frauen warteten gelangweilt und unbeschäftigt auf frühe Kundschaft.
Immer wieder starrte er auf ihre zierlichen Brüste, die sich durch die Bluse schwach, jedoch deutlich abzeichneten. Die viel zu engen Shorts liessen die gut proportionierten Hinterbacken prall erscheinen.
Er bezahlte. Sie und er gingen. Paul grinste und sagte nur: „Lebensgefahr!“
Ich verstand Bahnhof und fragte nach. Zu jener Zeit erklärte er mir bloss, dass Su unter den Nutten nicht den besten Ruf hätte.

Fortsetzung folgt
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Der andere Kriminalfall aus Mordthailand 2
Beitrag von: Low am 04. März 2009, 10:50:43
Die Ermittlung 2


Wir bummelten weiter, assen eine Kleinigkeit und wollten uns in der Nähe eines heruntergekommenen Hotels im Freien vor der Heimfahrt noch einen Schlummertrunk genehmigen.
Wir hatten kaum angestossen, als kreischend ein Streifenwagen vorfuhr, aus dem ein paar Beamte und ein Zivilist ausstiegen. Ein reich dekorierter Polizist schritt auf uns.
Ich dachte schon, was wir denn schlimmes angestellt hätten. Der Ordnungshüter begrüsste Paul freudig. Die beiden kannten sich vom Drogeneinsatz her.
Er sagte ihm, er sei leider dienstlich hier, ob er ihn begleiten möchte. Paul wollte.
Ich sass alleine da, sah die Uniformierten mit Paul im Hotel verschwinden und wartete.

Es dauerte für mich eine Ewigkeit, in Wirklichkeit etwa eine Stunde, bis Paul zurück kam. Dann erzählte er:

„Zufälle gibt es, die gibt es gar nicht. Diesen Polizisten lernte ich im Dienst kennen. Ein fähiger Beamter, der dazu perfekt englisch spricht.
Erinnerst du dich an den Spätnachmittag, an Su und ihren Freier?
Die beiden sind in diesem Hotel abgestiegen. Der Farang ist tot.
Su’s Spezialität. Sie erstickte ihn mit ihrer Muschi.
Ich entdeckte einige Sperma- und Blutspuren am Körper, aber vor allem im Bereich von Nase und Mund.
Zu Hause müsste ich die Mordkommission benachrichtigen. Hier wird keine Gewaltanwendung vermutet.
Die Polizisten durchsuchten das Zimmer und seine Sachen. Sie fanden seinen Pass, einige Kreditkarten und sogar die Armbanduhr. In einer Brieftasche lagen fast hunderttausend Baht.
„Raub oder Mord war es kaum“, meinte der leitende Beamte trocken.
Der Arzt bestätigte: „Herzversagen“.

Die Goldkette fanden sie nicht, ich schwieg. Indessen könnten wir die sicher beim Hehler abholen, denn Su hat Spielschulden. Doch das ist nicht mein Geschäft.
Den Kerl lassen wir vorderhand weiter arbeiten, denn eine bessere ahnungslose  Informationsquelle haben wir gegenwärtig nicht.“

Irgendwo im fernen Europa musste sich eine Witwe schnell entscheiden, ob sie den Leichnam für teures Geld überführen wollte oder als preisgünstigere Version, eine Urne mit der Asche des Verstorbenen.
Auf den seinerzeit versprochenen Goldschmuck wartet anhand der Kreditkarten Abrechnung von 120’000 THB die doppelt Geprellte noch heute.

Paul hofft immer noch auf heisse Informationen von mir. In meiner Nähe stehen vier Häuser leer. Alle Bewohner flüchteten, wenige Männer wurden festgenommen. Drogenvergehen.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Der andere Kriminalfall aus Mordthailand 2
Beitrag von: illuminati am 04. März 2009, 18:17:33

Su’s Spezialität. Sie erstickte ihn mit ihrer Muschi.


diese Variante kenn ich nicht - aber als Alternative für einen Selbstmord - ist mal was anderes  :-*
Wie sie das geschafft hat - würde mich schon interessieren.  >:

Gruss
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Su’s Spezialität
Beitrag von: Low am 05. März 2009, 15:30:01
Su’s Spezialität

Bei mir ist die Distanz von den Nasenlöchern bis zur Lippenmitte knapp vier Zentimeter. Bei geöffnetem Mund sind es bis zur Unterlippe sieben Zentimeter.
Wenn die Schamlippen nur acht Zentimeter lang sind, hat Su rein rechnerisch schon gewonnen. Die Voraussetzung ist, dass sie kein Bügelbrett, sondern geschmeidig wie eine Katze ist.
Ich wollte es genau wissen und hatte eine Partnerin, nicht von Chiang Mai und keine Verwandte von Su. Als wir die kritische Stellung erreichten, fragte sie mich:
„Willst du sterben?“ Offenbar kannte sie den Trick.
Sofern der Mann gleich reagiert, kann er die ungefähr fünfzig Kilogramm wegstossen. Sobald der Sauerstoffmangel eintritt, leidet das Gehirn und es folgen nur noch unkontrollierte Panikreaktionen.
Wenn jemand zehn Minuten lang nicht atmet und kein Sauerstoff in die Lungen gelangt, stirbt das Gehirn aufgrund des Sauerstoffmangels ab und das Herz bleibt stehen.
Bereits vorher gibt es Bewusstseinstörungen und Ohnmacht, auch Synkope genannt.
Ein Arzt wüsste mehr.

Ich hatte eine detaillierte Beschreibung des Vorganges, wollte sie jedoch aus leicht ersichtlichen Gründen hier nicht publizieren und entschärfte die Geschichte.


Ähnliche Praktiken findet man in:

G. Lim, Invisible Trade
Monsoonbooks, Singapore 2004
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: illuminati am 05. März 2009, 18:51:25
@ low

jetzt kann ich es mir vorstellen, aber das muss ja geschickt eingefädelt werden, wenn man ein solches Fliegengewicht ist.

Ich bin vorgewarnt - jetzt ist der Vorteil auf meiner Seite  ;D

Gruss
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 06. März 2009, 00:36:50
wow, low, was für eine aufregende Übung! 

Das nenne ich eine echte Recherche. ;D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Staats-Männer und Frauen
Beitrag von: Low am 06. März 2009, 14:54:28
Staats-Männer und Frauen

Beim Lesen der aktuellen Threads betreffend Wirtschaft und Staatsführung kam mir ein Schriftsteller und Denker in den Sinn, den ich vor vielen Jahren mit der Erzählung
„Silbermond und Kupfermünze“ kennen lernte. Er schrieb vor über siebzig Jahren:

„An den bedeutenden Staatsmännern, die ich kennenlernte, vermochte ich keine herausragenden Fähigkeiten zu entdecken. Ich schloss daraus, vielleicht etwas voreilig, dass nicht besonders viel Intelligenz vonnöten sei, um eine Nation zu regieren. Seitdem habe ich in verschiedenen Ländern zahlreiche Politiker kennengelernt, die hohe Ämter bekleideten. Noch heute staune ich über ihre intellektuelle Mittelmässigkeit. Ich fand, dass sie über die alltäglichen Dinge des Lebens kaum Bescheid wussten und dass sie nur selten differenziert dachten oder eine lebendige Phantasie besassen.“

Änderte sich etwas?

W. Sommerset Maugham
The Summing Up
William Heinemann London, 1938

Deutsch:
W. Sommerset Maugham
Die halbe Wahrheit
Diogenes Verlag Zürich, 1997

W. Sommerset Maugham
Silbermond und Kupfermünze
Deutsche Erstausgabe 1927
Alfred Scherz Verlag, Bern / Stuttgart 1963

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Staats-Männer und Frauen
Beitrag von: illuminati am 07. März 2009, 12:49:57

„An den bedeutenden Staatsmännern, die ich kennenlernte, vermochte ich keine herausragenden Fähigkeiten zu entdecken. Ich schloss daraus, vielleicht etwas voreilig, dass nicht besonders viel Intelligenz vonnöten sei, um eine Nation zu regieren. Seitdem habe ich in verschiedenen Ländern zahlreiche Politiker kennengelernt, die hohe Ämter bekleideten. Noch heute staune ich über ihre intellektuelle Mittelmässigkeit. Ich fand, dass sie über die alltäglichen Dinge des Lebens kaum Bescheid wussten und dass sie nur selten differenziert dachten oder eine lebendige Phantasie besassen.“


ein kurzer aber schöner Beitrag der zeigt, dass sich gewisse Kasten (z.B Politiker) schon zu allen Zeiten und in allen Ländern auf vergleichbaren Trampelpfaden bewegt haben - man sollte von ihnen keine Hilfe erwarten.

Gruss
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Arbeit versus Habgier
Beitrag von: Low am 07. März 2009, 17:29:06
Arbeit versus Habgier als manipulierbarer Lernfaktor

Vier Jahre lang hatten wir dieselbe Hilfskraft für Häuser und Gärten.
Sie war eine Bäuerin, die sich getraute, mit ihr unbekannten technischen Hilfsmitteln zu arbeiten. Der Verschleiss war enorm, weil sie zu viel Kraft hatte und ihren Verstand nur selten gebrauchte.

Die Rotweinkelche waren zu dünnwandig. Das Glas brach spätestens beim Abtrocknen. Staubsaugerschläuche liessen sich nicht auf die doppelte Länge ausdehnen, ob gekrümmt oder gestreckt.
Sie war eine waschechte Staubsaugerschlauch-Verbrecherin. Ich drückte ein Auge zu und dachte, sie würde dazu lernen, denn zu Hause hatte sie weder Weingläser noch Staubsauger.

Sie sah äusserst schlecht und putzte nach Schema, ob Dreck da war oder nicht. Um ihr die Arbeit zu erleichtern, kaufte ich eine Brille für sie. Trotz der Sehhilfe sah sie den Schmutz an Kühlschranktüren, Türen oder Griffen nicht. Dafür wischte sie täglich Staub unter meinen auf dem Schreibtisch abgelegten Dokumenten.

Messerspitzen sind gefährlich. Sie schützte uns davor. Sie knallte die Messer so gekonnt auf die Fliesen, dass sich die Spitzen rechtwinklig abbogen. Messerspitzen kann man überdies dadurch unschädlich machen, indem man das Messer als Schraubendreher benutzt oder zum Öffnen von Dosen und Flaschenverschlüssen. Schraubenzieher, Dosen- und Flaschenöffner brachten wir allesamt ins Brockenhaus.

Sie testete erfolgreich die Schutzschalter der Stromversorgung während unserer Abwesenheit. Der Kühlschrank arbeitete nicht mehr. Sie wusste nicht warum, rettete dennoch unsere Butter in den Beauty Salon.
Das Gefrierfach und die Garnelen darin übersah sie. Ihr Kühlschrank zu Hause hatte keine zwei Türen. Die Krustentiere roch ich bei unserer Rückkehr trotz erheblicher Luftverschmutzung auf zwanzig Meter bei Gegenwind.

Mia’s PC steht auf einem Tisch vor einem vergitterten Fenster. Weil Mia mit PC Reparaturen einiges Geld verdiente, legten wir diese Beträge in eine Schublade unter dem PC.
PC Geld sollte wieder in PC’s investiert werden.
Eines Tages wollte ich Zubehör kaufen und öffnete die Schublade. Kein Geld.
Wir fragten die Putzfrau, ob sie etwas wisse. Sie sagte:
„Das Geld war zu nahe am Fenster. Ich versorgte es in eine andere Schublade in einem Nachttisch, damit es keiner stehlen kann.“

Sie klaute nie etwas. Nur bei Regenwetter benutzte sie unsere Schirme – auf dem Motorrad notabene und vergass sie anschliessend zu Hause.
Unsere europäischen Reinigungstücher schmiss sie Vergesslicherweise mit dem Dreckwasser zusammen ins WC, ein Stück pro Woche. Unbezahlbar.

Für Gartenarbeiten war sie unschlagbar. Da griff sie zu und es machte ihr wirklich Spass. Weil Rasen ja nichts gilt, rechte sie das Gras bis zu den Wurzelspitzen.
In der Nähe vom Grill gab es eine einzigartige dreieckige Waschgelegenheit aus Keramik. Erst beim zweiten Versuch gab das Waschbecken endlich nach und löste sich in Scherben auf.

Bei längerer Abwesenheit unsererseits brachte sie ihren Fernseher von zu Hause mit und übernachtete mit ihrem Mann im Beauty Salon.
Wir haben drei Häuser und zwei Gärten. Dennoch war es leicht möglich, sämtliche Arbeiten in vier bis fünf Stunden zu erledigen. Wenn Sie um neun Uhr anfing, konnte sie gegen ein Uhr nach Hause.

Diese Frau lebte für lange Zeit in äusserst bescheidenen, um nicht zu sagen ärmlichen Verhältnissen. Alles Geld, das sie nach Hause brachte, wurde vom Bruder als Wandelanleihe behändigt und sogleich in Alkoholika umgesetzt. Anscheinend traute auch er der Stabilität des Baht wenig, denn mit zunehmendem Alkoholgenuss wird alles diffus und wackelig.
Nach seinem Tode konnte sie sich endlich ein goldenes Kettchen leisten, danach einige Kleider. Anschliessend erwachte ihre unbeschränkte Geldgier.

Mia zeigte ihr vor einigen Monaten, wie man Würste herstellt. Die Frau stand sehr früh auf, machte Würste und verkaufte sie nach sechs Uhr auf dem Markt, bevor sie bei uns arbeitete.
Nachfolgend verkaufte sie mit den Würsten illegale Lose. Noch einträglicher als Wurstherstellung und Arbeit war der ungesetzliche Losverkauf an Leichenfeiern und Veranstaltungen.
Am Lukrativsten war die Summe der drei Tätigkeiten.

Als ich im Januar erkrankte, wollte ich das Gepolter der Raumpflegerin nicht im Hause haben. Mir läuteten bei hohem Fieber die Ohren ohnehin, so dass ich auf die vertrauten Geräusche von fallenden Messern und klirrenden Gläsern gerne verzichtete. Ich bat Mia, die Frau im Garten zu beschäftigen.
Pietätvoll erkundigte sie sich:
„Verliere ich meine Stelle, wenn er stirbt?“

Sie hatte immer weniger Zeit für uns und arbeitete kaum mehr als zwei Stunden.
In dieser kurzen Zeit beschädigte sie mehr Gegenstände, als ich am restlichen Tag in Stand stellen konnte. Weil sie ihre Zeit meist bei mir verbrachte, hatte ich keine Ahnung, dass sie die beiden andern Häuser nicht mehr betreute. Wegen ihren Nebenerwerbstätigkeiten schlief sie kaum noch und brach fast wöchentlich bei Mia im Beauty Salon zusammen. Sie verheimlichte, dass sie krank war und Medikamente einnahm.
Farang und illegale Lotterien passen schlecht zusammen. Deshalb wollte ich sie nicht weiter beschäftigen. Bei den angebliche Medikamenten war ich übrigens nicht sicher, ob es irgendwelche ungesetzlichen Aufputschmittel waren.

Siehe auch:
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg29652 - msg29652
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 07. März 2009, 18:17:52
Lieber Low,
mehr noch als Deine Fähigkeit, wunderbar Geschichten zu erzählen muß ich allmählich Deine Geduld bewundern.
Wenn Du so weiter machst, verdienst Du Dir noch einen Heiligenschein und wirst dann zu St.Low :D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Lao Tse
Beitrag von: Low am 08. März 2009, 22:48:13
Lao Tse
Zitat


"Ich habe drei Schätze, die ich hüte und hege. Der eine ist die Liebe, der zweite ist die Genügsamkeit, der dritte ist die Demut. Nur der Liebende ist mutig, nur der Genügsame ist grosszügig,
nur der Demütige ist fähig zu herrschen."


Es ist nicht so, dass mir nichts mehr einfällt. Aber es gibt Dinge, die ich nicht besser erklären kann.

...

Lao Tzu, der Alter Meister, ist ein legendärer chinesischer Philosoph, der im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben soll. Je nach Umschrift wird der Name auch Laotse, Lao-Tse oder Lao-tzu geschrieben.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: @ drwkempf
Beitrag von: Low am 09. März 2009, 18:28:37
@ drwkempf

Merci für den St.Low!

Diese bösartige Geschichte existiert. Ich hoffe, damit keine religiösen Gefühle zu verletzen.
Für die Anteilnahme an meinen kranken Forumskollegen widme ich die nächste Erzählung „ Der Heiligenschein“ den Jüngern des Hippokrates und besonders dir.
Du vermittelst nicht nur Wissen, du verbreitest Hoffnung. Danke.

Quellen:
Hippokrates von Kos geboren um 460 v. Chr. auf der griechischen Ägäisinsel Kos; gestorben um 370 v. Chr. in Larisa, Thessalien gilt als der berühmteste Arzt des Altertums.
Hippokrates wurde schon zu Lebzeiten hochverehrt. Er gilt als Begründer der Medizin als Wissenschaft.

Ich hatte das Glück, Kos und auch Larissa zu bereisen, traf den berühmten Mediziner aber nicht mehr.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Bar Geschichte
Beitrag von: Low am 09. März 2009, 21:47:29
Bar Geschichte

Ich bedaure die Verzögerung. Die Beste aller Ehefrauen machte sich als studiertes Bar-Girl  an der Theke zu schaffen und lud zum abendlichen Cocktail ein:
Kokossaft mit Rum aus Kuba.
Seit Wochen gibt es hier keinen Rum aus Bermuda, von mir aus gesehen ein Aristokrat unter den Zuckerrohrschnäpsen. Aber man könnte ja auf Maekhong ausweichen.
Eine Flasche Rum gleich fünf Flaschen Maekhong.
Ich las einmal irgendwo, dass eine Kokosnuss den Vitaminbedarf eines Tages deckt. Man lebt ja nur einmal, aber meistens gesund.

Und jetzt, ein paar Stunden später, darf ich mich des Ruhmes voll, auf die Suche nach dem Heiligenschein machen.
Das ist auch eine Art Tagebuch, nein, eine Leidensgeschichte.

Quellennachweis:
Schumann’s Barbuch
Wilhelm Heyne Verlag München, 1984
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Der Heiligenschein
Beitrag von: Low am 09. März 2009, 21:54:45
Der Heiligenschein

Ein Antrag auf meine Heiligkeit wurde gestellt. Allerdings wollte ich keinen filigranen, zerbrechlichen Halo, wie er auf schönen, unbezahlbaren alten Gemälden dargestellt ist.

http://www.geschichteinchronologie.ch/steiner-terror/Steiner_klassenzimmer-d/027-Raphael-madonna-dell-granduca-m-blondem-jesusbaby.jpg

Mit Rücksicht auf unser eher schlecht als recht ausgebildetes Raumpflegepersonal, stellte ich das Gesuch auf einen eher rustikalen und pflegeleichten Heiligenschein in rostfreiem Stahl.
Gold kam für mich als Anfänger nicht in Frage, ausserdem wäre es viel zu schwer und würde zu erheblicher Transpiration im heissen Klima führen.
Eine Ausführung in Titan, eventuell Titankarbid, wäre für die Tropen wohl am Geeignetsten.

Weil ich in heiligen Dingen nicht sehr erfahren bin, halfen mir einige Leute beim Ausfüllen der Formulare, denn die sind noch schwieriger zum Ergänzen,als die Erhebungen der hiesigen Fremdenpolizei.
Ein ewig kichernder chinesischer Jurist mit Falsettstimme und Klumpfuss, Herr Doktor jur. S.A. Tan unterstützte mich mit seinen ausgefallensten Ideen.
Er meinte, dass ich im Vatikan keinerlei Erfolgschance hätte, denn dort müsse man vor der Heiligsprechung zuerst tot, zumindest scheintot sein. Der Chef daselbst sei der Massstab aller Dinge.
Dr. S.A. Tan äusserte sich unvorteilhaft über die Herren im Stato della Città del Vaticano, die in bunten Weiberröcken herumliefen, sich gegenseitig artige Komplimente machten
 und sich offenbar keinen Deut um das schöne Geschlecht kümmerten und dennoch auf Nachwuchs von dieser Seite angewiesen waren.

Deshalb wandten wir uns vielversprechend an:

Ihre Heiligkeit
Die Oberhirtin, Papesse Mamma
Muttikhan

Die Oberin war wenig erfreut an meinen dilettantischen Bemühungen um etwas Glorienschein und zeitlose Unvergänglichkeit. Sie wies mich harsch an ihre Materialabgabestelle,
Division A wie Asien, Unterabteilung T wie Thailand und dort and die sich in Auflösung befindliche Gruppe N wie Nord, mit der dringenden Aufforderung, ich solle mich sputen wegen der Umstrukturierung, sonst bräuchte ich mindestens zehn Jahre Geduld. Bis dahin wären dann meine Akten, wegen Umstellung auf EDV, bestimmt unauffindbar verlegt.
Dr. S.A. Tan freute sich am positiven Bescheid. Er lachte sich ins Fäustchen.
Verzeihung der Ausrutscher zu Geheimrat Goethe. Der Gesetzesverdreher machte sich feixend und mit viel Elan ans Werk, das ich nur noch zu unterzeichnen brauchte.  

Ich war fast auf alles gefasst, als die Antwort eintraf. Als ich den Wisch ungläubig betrachtete, entzog sich mir der Boden unter den Füssen und der Verputz bröckelte von den Wänden.
Dann verbrannte das Dokument in meiner Hand ohne Blasen zu hinterlassen. Dr. S.A. Tan polterte etwas Gips von der Decke auf den Schädel.
Zwei wüste Beulen entwickelten sich, so dass er geschwind seinen Hut nehmen musste. Der Jurist hinterliess bei seinem schnellen Abgang einen Hauch von Schwefeldioxid
und verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Es hiess da in etwa:
Betreff: Heiligenschein in Sonderausführung.
So etwas komme laut ortsüblichen negativen Erkundigungen nicht in Frage.
Ich hätte Dreck am Stecken, an welchem auch immer. Ich sei eines jener lumpigen Mannsbilder, die jungen Damen stets einen Knüppel zwischen die Beine werfen,
wenn sie sich auf dem beschwerlichen Pfad der Tugend zu irgend etwas aufraffen wollten.
Heiligenschein gäbe es keinen, nicht einmal eine Spezialversion aus OTOP (One Tambol One Product) Hundedreck käme für mich in Frage. Ja, der tiefste aller Hosenbandorden sei noch zu hoch für mich.
Entschuldigt mein Unwissen, Hosenbandorden oder Hodenbandorden kenne ich nicht, mir ist nur das Strumpfband geläufig.

Nur weil ich einmal einer verdurstenden Ameise das Leben mit einem Tropfen Urin rettete, (der allerdings nur wegen Parkinsonschem Zittern nicht im Urinal landete,)
könnte man mir auf einen weiteren Antrag einen allerdings klemmenden Reissverschluss aus einem Armeemagazin (Heilsarmee?) abgeben.

Da ich als halber Buddhist wenig Wert auf materielle Güter lege, verzichtete ich auf technisch minderwertige Reissverschlüsse.
Als Scheinheiliger brauche ich keinen Heiligenschein. Das wäre Materialismus pur.


Johann Wolfgang Goethe (1749 - 1832)
Faust. Der Tragödie erster Teil (1797/1806)

Halo:
http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-9531-2009-02-18.html


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 10. März 2009, 00:57:53
Habe ich mir gleich gedacht, dass der Teufel beim Heiligenschein seine Finger mit im Spiel hat.  >:
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 10. März 2009, 10:49:58
Siehst du Profuuu, ich bin bei dieser Prüfung sauber geblieben, getreu dem Spruch von Mia:
"Lieber Diadem als Kondom!"
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: pierre am 10. März 2009, 10:56:25
@Profuuu
zumindest bei der zuteilung des ebensolchigen. 8)

@Low
haettest eben besser gleich den scheinheiligenschein beantragen sollen.  ;D :D :D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 10. März 2009, 11:23:50
Mir fehlte der Schein für den Scheinheiligenschein.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Abfall
Beitrag von: Low am 11. März 2009, 04:23:05
Abfall

Als ich vor etwa acht Jahren ins Dorf zog, kümmerte ich mich nicht um den Abfall.
Ich produzierte praktisch keinen. Der Obmann in unserer Strasse kassierte dementsprechend nichts.
Ich roch hie und da einen stinkenden privaten Sammelwagen, einen uralten Pickup,
auf dem die Säcke über zwei Meter hoch gestapelt wurden.
Das meiste wurde aber nicht kostenpflichtig gesammelt, sondern kostengünstig verbrannt.
Für Dosen, Flaschen, gefüllte Plastiksäcke oder Elektronik gab es genügend Büsche beim Kinderspielplatz.
Für Abfälle bezahlten nur zugewanderte Idioten.

Die Lage änderte sich mit dem Bezug des neuen Hauses. Da wurde ich zur Kasse gebeten.
Anfänglich bezahlte ich fünfzig Baht im Monat. Manchmal wurde der Unrat wöchentlich eingesammelt,
dann einmal in zwei Wochen. Später wurde der Preis auf achtzig Baht erhöht. Als wir 
hundert Baht im Monat ablieferten, wurde die Abfallentsorgung ohne Voranmeldung eingestellt.
Die Polizei in Lampang, nur etwa hundert Kilometer von hier entfernt, erhielt Beschwerden
wegen unerträglichem Gestank. Sie ging der Sache nach und musste erfahren, dass der ganze Dreck
von Chiang Mai und Umgebung in der Nähe von Lampang in den Dschungel gekippt wurde.
Die zwei Orte tauschten nicht nur Freundlichkeiten aus.

Danach wurde abends vor den Häusern auf dem Strässchen wieder gefeuert.
Papier, tote Katzen und Gartenabfälle störten mich nicht. Das Problem sind PVC und Styropor.
Letzteres wird von Garküchen und Grossverteilern zum Verpacken von Fertiggerichten, Fleisch und Gemüse verwendet.

Wird PVC verbrannt bildet sich ätzender gasförmiger Chlorwasserstoff. Zusammen mit Wasser
oder Luftfeuchtigkeit bildet das Gemisch Salzsäure. Es entstehen hochgiftige Dioxine.
Die Verbrennung erfolgt unvollständig und russend. Rauch und Russ enthalten polykondensierte
Aromaten, wie Benzpyren, Pyren und Chrysen, die hochgiftig und karzinogen wirken.

Polystyrol verbrennt mit leuchtend gelber, stark russender Flamme und einem süsslichen Geruch
nach Styrol. Die Dämpfe sollten nicht eingeatmet werden, sie sind gesundheitsschädlich, weil sie
neben Styrol weitere Zersetzungsprodukte enthalten.
Polystyrol könnte vollständig rezikliert werden.

Die feuernde Mutter einer ebenfalls feuernden Nachbarin starb an Lungenkrebs. Die Nachbarin hat
selbst Krebs und macht gegenwärtig Chemotherapie. Die Familie, inklusive Tochter feuert weiter.
Es wäre ja möglich, dass die Krankheit vererbt wurde und nicht von der vergifteten Luft herrührt.

Ich sammelte Dosen, Flaschen und Zeitungen. Anfänglich wurde ich belächelt. Als die Dorfschönen
bemerkten, dass man aus Abfall Geld machen konnte, fand ich viele Nachahmerinnen. Mittlerweile gab
es in Hangdong am Marktplatz eine Abfallsammelstelle. Leider waren die Leute zu faul oder zu vergesslich
beim Marktbesuch gleich den Unrat mitzunehmen.
Erneut wollte man Müll einsammeln, für den überrissenen Preis von einhundertfünfzig Baht  pro Monat.
Der Grund für die Teuerung war, dass die Kassiererin fünfzig Baht pro Haushalt fürs Einziehen wollte
und dies bei nicht garantierten Abfuhrtagen. Wir fanden die Lösung darin, dass wir unserer Putzfee
im Monat hundert Baht zusätzlich gaben und sie sich um die Entsorgung bemühte. Sie machte dabei
ein gutes Geschäft, denn in ihrer Gemeinde wurde der Müll für vierzig Baht abgeholt.
 
Mit den Bemühungen um weniger Dreckluft organisierte die Gemeine eine geordnete Kehrichtsammlung
an zwei Tagen pro Woche. Für vierzig Baht erhalten wir nun zehn grosse Kehrichtsäcke pro Monat.
Wir haben Mühe, acht Säcke zu füllen.

Gegenüber unserem Haus gibt es ein kleineres freies Grundstück. Dorthin schmeissen unsere hochgeschätzten
Nachbarn des Nachts alte Fauteuils und andere grosse unerwünschten Dinge. Heute gab es von uns ein
Trinkgeld für die Kehrichtarbeiter, damit sie diesen Schrott ebenfalls einsammelten.
In Zukunft gibt werden die Sünderinnen und Sünder gefilmt. Danach wird sie unser Jurist Dr. S.A. Tan verzeigen,
oder sie landen allesamt ohne seine Mitwirkung in der Hölle.

Abfall, eben.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Marktnotizen
Beitrag von: Low am 12. März 2009, 09:59:53
Marktnotizen                                März 2009

Die Weltwirtschaftkrise wird im Dorf ausgebadet. Wie immer trifft es vor allem Unbeteiligte.
Kleine Leute, die hart arbeiten. Menschen, die keine Aktien besitzen. Arbeiter, die nicht wissen,
was ein Hedge-Fonds ist. Frauen, die sich keinen Deut um Devisen Kurse, dafür Haare scheren.
Diejenigen mit Aktienbesitz verschneit es noch härter.
Wie kann ich haushalten ohne zu leiden oder kann ich mit Spargel sparen?

Einige Beispiele liefert der Markt von Hangdong.
Ein Bauer erhält für ein Schwein von der Grossschlachterei 20 Baht pro Kilogramm Lebendgewicht.
Der Erlös zahlt ihm nicht einmal das Futter. Von Verdienst ist keine Rede. Wenn er selbst schlachtet,
verkauft er schönes Fleisch für ungefähr 80 Baht pro Kilogramm. Im Grossverteiler kostet dieselbe Ware bis 180 Baht.

Bäuerinnen boten Erdbeeren feil. Es gibt zwei Sorten. Die einen sind schön rot wie die in Europa,
haben ein angenehmes Aroma, sind aber kaum al dente, sondern ungewohnt hart für verwöhnte Farang Gaumen.
Wir kochen aus dieser Art ein hervorragendes Kompott. Die halbierten Beeren sind dann weich
und werden mit Vanille Eis zum Festschmaus.

Die andere Sorte ist etwas kleiner, weniger rot, aber sehr angenehm zum Essen.
Wir fanden diese Sorte Beeren, sie gehören eigentlich zu den Nüssen, nur selten.
Die Preise sind für beide Gattungen gleich. Zweihundertfünfzig Gramm kosten zehn Baht. 
Kauft man mehr, gibt es Discount. Drei Kilogramm kosten dann 100 Baht.
Beim Grossverteiler in Chiang Mai bezahlt man für weniger frische Ware 135 Baht für 250 Gramm.
Ein kleines Töpfchen Erdbeermarmelade kostet 135 Baht im Geschäft. Unser Selbstkostenpreis
pro Kilogramm dürfte unter 50 Baht liegen.
Das wäre für einen initiativen Kleinunternehmer durchaus ein Geschäft.

Unsere eigenen Bio Bananen sind sehr gut, leider unverkäuflich. Wir haben erfolgreich
versucht, Bananen mit Erdbeeren als Kompott im Verhältnis von eins zu vier zu mischen.
Für Dummies: Gewicht, nicht Anzahl!

Zuckererbsen, auch Kefen genannt, werden mit der Hülse gegart oder als Schote roh verzehrt.
Wenn die Erbsen bei hiesigen Temperaturen wachsen, werden sie manchmal über Nacht zu gross,
leider etwas zäh und sind nicht mehr zu verkaufen.
Die Bauern verschenken dann die Ernte auf dem Markt, weil sie nicht wissen, dass man die Erbsen
aus den schlecht geniessbaren Hülsen lösen könnte. Mia macht das perfekt.

Wir dämpfen gewürfelte Schalotten mit etwas Oliven-Öl und Butter glasig. Dann geben
wir die Erbsen zusammen mit feingeschnittenen Karotten und aromatischen Kräutern bei.
Etwas Petersilie genügt. Ich mag auch Koriander. Wenn wir für 10 Baht Karotten kaufen, (Tesco 45 Baht),
erhalten wir die Kefen gratis.

Den grössten Hit landete Mia bei den Spargeln. Das Stangengemüse ist mein Top-Favorit,
auch biologisch, denn Spargelpollenkörner können ohne Befruchtung keimen. Der entstehende
Embryo hat das gleiche Erbgut wie die Vaterpflanze und ist somit ein Klon derselben.
Unsere Gastgeber handeln oft etwas kopflos. Genauso kaufen sie Spargel.

Während Mia die Köpfchen nach Hause bringt, sind die Thais mit den Stengeln zufrieden.
Für uns ist das schlecht nachvollziehbar und dennoch nicht abwegig, denn einige
Farang ziehen für ihren Stengel kopflose Frauen vor.




Veronika, der Lenz ist da

Veronika, der Lenz ist da,
die Mädchen singen Tralala,
die ganze Welt ist wie verhext,
Veronika, der Spargel wächst,
ach Du Veronika, die Welt ist grün,
drum laß uns in die Wälder ziehn.
Sogar der Großpapa, sagt zu der Großmama:
Veronika, der Lenz ist da.

Text: Fritz Rotter







Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Marktnotizen
Beitrag von: Profuuu am 12. März 2009, 12:18:39

Während Mia die Köpfchen nach Hause bringt, sind die Thais mit den Stengeln zufrieden.
Für uns ist das schlecht nachvollziehbar und dennoch nicht abwegig, denn einige
Farang ziehen für ihren Stengel kopflose Frauen vor.


In dem Fall fällt der BJ schon mal flach.  ;)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Drei Gewichtseinheiten
Beitrag von: Low am 13. März 2009, 13:14:59
Drei Gewichtseinheiten

Vielleicht sind die grazilsten Frauen dieser Erde junge Inderinnen. Ihre vollendeten
Formen werden durch den Sari zusätzlich akzentuiert. An strategisch wichtigen
Punkten wird dezent etwas Haut gezeigt. Diese Frauen brauchen kein Beiwerk wie
Schmuck. Ihre glänzenden Haare, die funkelnden Augen, die wohlgeformten Lippen
und die Schatten der Wangenknochen sind im Idealfall perfekt aufeinander abgestimmt.

Wenn diese Ladies älter werden und der Körper etwas fülliger, möchten sie dennoch
ein paar Blicke auf sich ziehen. Das tun sie gekonnt, indem sie zum Hausherrn sehr
nett sind, ihm schmeicheln und über ihre verbleichende Schönheit und nervende Migräne klagen.

Der gepflegte Mann von Welt weiss, dass seine einstmals heiss Geliebte keine Medizin
und keine Kopfwehtabletten will. Sie braucht Karat in der Form von Granat, Lapislazuli,
Smaragd,  Spinell, Saphir, Rubin, Tigerauge, Zirkon, auch Diamanten – Top Wesselton – dürfen es sein.
So kommt es, dass selbst gereiftere indische Damen immer noch Blicke auf sich
oder zumindest auf ihre glitzernden Edelsteine ziehen.

Glücklicherweise haben viele Thailänderinnen diese Magie der farbigen Klunker nur
halb entdeckt. Ein paar Fingerringe und Anhänger für die Ohren reichen. Die Frauen
haben ganz andere Ansprüche: Der Baht in Form von Gold. Ein Baht wiegt genau 15.16 Gramm.
Diese Gewichtseinheiten gibt es in Form von Ringen, Kettchen und Ketten für Hals, Hand
und Fuss im Bereich von etwa 0.5 bis 100 Baht. Besonders reizvoll wirkt beispielsweise eine
30 Baht Garnitur im Nabelbereich. Für molligere Körper empfehle ich auf 50 Baht oder mehr aufzustocken.

Sollte sich der Besitzer einer solch aufgewerteten Schönheit eines Seitensprunges erdreisten,
verzeiht die Dame gnädig mit dem Hinweis, sie hätte da in der Auslage des Juweliers ein Collier
gesehen und ein paar Brillanten, die ihre gesundheitlich Verfassung erheblich verbessern könnten.

Mia sah in den Lauben von Bern in einem Schaufenster Bernsteinketten.
„Welch ein Zufall?“ meinte sie.
„Dass es so etwas gibt? Wäre dies nicht eine schöne Erinnerung an Bern?“
Meine Einwände, dass Bernstein nicht aus Bern kommt, sondern aus der Ostsee, liess sie nicht gelten.

Reine Erpressung, was diese Asiatinnen bieten, sagen die Herren der Schöpfung zu schnell.
Sie haben dabei die Frauen der westlichen Welt vergessen. Diese emanzipierten Wesen
kombinierten nämlich die Begriffe von Karat und Baht in das Wort Kabarat, bekannter als
Cabaret oder zu Deutsch Kabarett.
In der Öffentlichkeit sind das Lachnummern. Im häuslichen Intimbereich dagegen
sind es gefürchtete heisse Rituale zur Erlangung von äusserst fraglichen Erzeugnissen von
Kürschnern, Juwelieren, Geldvernichtungsinstitutionen und Autobauern wie:
Bugattilamborghiniferrarimaseratidetomasopagani.

Was für bescheidene Wesen doch wir Männer sind. Uns genügt ein Fussballspiel
am Fernsehen, vielleicht ein Bier dazu. Es dürfen auch zwei sein.
Ich verzichte auf den Fussball, ziehe einen alten Portwein vor und dazu eine
aromatische kubanische Zigarre, handgerollt auf dem fleischigen Schenkel einer
feurigen Kubanerin.
Wenn dann Fussball und Portwein fertig sind, die Zigarre sich in Rauch aufgelöst hat,
dann gibt’s nur eines. Eine Frau. Nur sie weiss, wie das Nachspiel endet:
Karat, Baht oder Kabarett.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 14. März 2009, 02:28:56
Kompliment, low.

Nun kommt zu dem amüsanten Inhalt auch Form und Stil.  8)



 
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Dienstboten-Exotik
Beitrag von: Low am 14. März 2009, 14:07:24
Dienstboten-Exotik

Verschiedentlich schrieb ich Geschichten betreffend mein Personal in Hinterindien.
Ich verwies gelegentlich auf die Schriften von Gotthelf mit seinen Schilderungen
über Land und Leute. Dass es vor über 150 Jahren im Emmental damit nicht
unbedingt besser bestellt war, zeigt ein Ausschnitt aus:

Uli der Knecht

Es lag eine dunkle Nacht über der Erde; noch dunkler war der Ort, wo eine Stimme
gedämpft zu wiederholten Malen »Johannes!« rief. Es war ein kleines Stübchen in
einem großen Baurenhause; aus dem großen Bette, welches fast den ganzen
Hintergrund füllte, kam die Stimme. In demselben lag eine Bäurin samt ihrem Manne,
und diesem rief die Frau: »Johannes!«, bis er endlich anfing zu mugglen und zuletzt
zu fragen: »Was willst, was gibts?«
»Du wirst auf müssen und füttern! Es hat schon halb fünf geschlagen und der Uli ist
erst nach den zweien heimgekommen und noch die Stiege herabgefallen, als er ins
Gaden wollte. Es dünkte mich, du solltest erwachen, so hat er einen Lärm verführt.
Er ist voll gewesen und wird jetzt nicht auf mögen, und es ist mir auch lieber, er gehe
so gestürmt mit dem Licht nicht in den Stall.«
»Es ist ein Elend heutzutag mit den Diensten,« sagte der Bauer, während er Licht machte
und sich anzog, »man kann sie fast nicht bekommen, kann ihnen nicht Lohn genug geben,
und zuletzt sollte man alles selbst machen und zu keiner Sache nichts sagen. Man ist nicht
mehr Meister im Hause und kann nicht eben genug trappen, wenn man nicht Streit haben
und verbrüllet sein will.«
 
»Du kannst das aber nicht so gehen lassen,« sagte die Frau, »das kömmt zu oft wieder;
erst in der letzten Woche hat er zweimal gehudelt, hat ja Lohn eingezogen, ehe es
Fasnacht war. Es ist mir nicht nur wegen dir, sondern auch wegen Uli. Wenn man ihm
nichts sagt, so meint er, er habe das Recht dazu, und tut immer wüster. Und  dann müssen
wir uns doch ein Gewissen daraus machen; Meisterleut sind Meisterleut, und man mag sagen,
was man will, auf die neue Mode, was die Diensten neben der Arbeit machen, gehe niemand
etwas an: die Meisterleut sind doch Meister in ihrem Hause, und was sie in ihrem Hause
dulden und was sie ihren Leuten nachlassen, dafür sind sie Gott und den Menschen verantwortlich.
Dann ist mir noch wegen den Kindern. Du mußt ihn ins Stübli nehmen, wenn sie zMorge gegessen
haben, und ihm ein Kapitel lesen.«

Jeremias Gotthelf,  Pseudonym von Albert Bitzius
* 4. Oktober 1797 in Murten, Kanton Freiburg;
† 22. Oktober 1854 in Lützelflüh, Kanton Bern

Uli der Knecht, Uli der Pächter, Doppelroman, 1846-1849

Zusammenfassung:
Demnächst werde ich Rattana ins Stübli nehmen und ihr ein Kapitel lesen!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: pierre am 14. März 2009, 14:46:49
hat sich nicht viel geaendert, die letzten 150 jahre.
       (http://freegifs.123gif.de/schilder/schilder-0299.gif)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Fortschritt durch Innovation
Beitrag von: Low am 15. März 2009, 16:16:16
Fortschritt durch Innovation

Wanduhren mit ihren Sekundenklicks sind ein weltweit vertrautes Bild.
Wie funktioniert eine solche Uhr?
Seinerzeit lautete die Aufgabe an die Herren Ingenieure, eine sehr genaues,
möglichst preiswertes Uhrwerk mit  minimalen Strombedarf zu schaffen.
Die Lösung war ein elektronisch – mechanischer Hybride.
Ein sehr genauer quarzstabilisierter Schwingkreis erzeugt eine Frequenz,
nehmen wir der Einfachheit halber an, von 6 Millionen Schwingungen pro Sekunde.
Ein integrierter Schaltkreis von knapp einem Quadratmillimeter Fläche teilt
diese Frequenz durch 6 Millionen. Das bedeutet, dass jede Sekunde ein Impuls
am Ausgang des Schaltkreises anliegt.
Mit diesem Signal wird nun ein im Vergleich zum elektronischen Schaltkreis
stromfressender Elektromagnet gespiesen. Dieser Magnet treibt ein Zahnrad
mit einer Untersetzung von eins zu sechzig. Das ist zugleich der Antrieb des
Sekundenzeigers.
Das Sekundenrad treibt über ein weiteres Rad, ebenfalls eins zu sechzig,
den Minutenzeiger. Für den Stundenzeiger reicht dann die Untersetzung mit
eins zu zwölf.
Eine übliche AA 1.5 Volt Batterie treibt solche Uhren während Jahren.

Vielleicht stört dich der juckende Sekundenzeiger mit dem hörbaren Klick,
klick, klick, nicht. Aber der reizte den Herrn Direktor einer Firma in Hinterindien.
An einer dringend einberufenen Kadersitzung vermittelte er seine neueste
hervorragende Idee den von ihm aus gesehen unfähigen und überbezahlten
Technikern und sagte:
„Es ist ganz einfach meine Herren. Wir ändern den elektronischen Teiler der Uhr.
Anstatt durch 6 Millionen, dividieren wir nur durch 600 000. Das spart Strom
im integrierten Schaltkreis, der pro Sekunde am Ausgang fortan 10 Impulse liefert.
Die treiben den Sekundenzeiger unsichtbar wie ein Elektromotor. Das Klicken wird
zu einem unhörbaren 10 Hertz Summen. Klar, das erste Zahnrad braucht
dann eine sechshunderter Teilung. An die Arbeit, meine Herren!“

Das Resultat war wie gedacht eine Uhr mit einem gleichförmig rotierenden
Sekundenzeiger. Alles klatschte Beifall. Der Herr Direktor grinste händereibend
selbstgefällig.
Einige Ingenieure waren nicht erstaunt, als der Geniestreich ihres
Vorgesetzten bereits nach einigen Wochen stehenblieb, denn der Elektromagnet
benötigte den zehnfachen Strom gegenüber dem Standardmodell.
Der Herr Direktor war um Lösungen nicht verlegen. Er feuerte den Chefingenieur
fristlos und baute flugs eine Batteriefabrik.

Woher ich das Geheimnis kenne?
Ich kaufte vor einigen Jahren so einen Zeitmesser im Ausverkauf in Chiang Mai.
 
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Fortschritt in der Medizin 1
Beitrag von: Low am 16. März 2009, 16:12:11
Fortschritt in der Medizin         1

1957 hatte ich einen Unfall, welcher mich bis heute fast täglich nachhaltig beschäftigt.
Trotz allen Widerwärtigkeiten erlernte ich einen Beruf, hatte Freundinnen, fuhr ein Auto
zu Schrott, bereiste die halbe Welt, heiratete, baute mehrere Häuser, pflanzte Bäume,
hatte Kinder, Scheidung und alles, was einem ein reich erfülltes Leben bieten kann.

Als ich nach Chiang Mai kam und sah, dass ich hier längere Zeit verweilen würde,
dachte ich es wäre nicht schlecht, wenn ich einen Arzt besuche, bevor ich seine Hilfe in
Anspruch nehmen müsste.
Hierzulande ist es doch so, dass wenn einer mit einem infektiösen Pimmel bei einem
Arzt auftaucht und tausend Ausreden erfindet, der Arzt trotzdem annimmt, dass die
Infektion aus einer sexuellen Beziehung stammt und zum Penicillin greift.

Mein Problem ist, dass ich unter Harnwegsinfekten leide. Ich suche dann nicht einen
Spezialisten für Haut- und Geschlechtskrankheiten auf, sondern einen Urologen.

Eines schönen Morgens ging ich ein Privatspital mit gutem Ruf. Als neuer Patient füllte
ich am Empfang einige Formulare aus. Die Fragen nach Blutgruppe, Rhesusfaktor und
Allergien fand ich vernünftig. Für ein rentierendes Privatspital war die Frage nach dem
Kostenträger fast obligatorisch.
Ich wurde gebeten, ein Kroki (1) betreffend Wohnlage zu erstellen, damit man mich im
Notfall finden und abholen könnte.
Auf dem Weg zum Urologen prüften vor allem junge, hübsche, lächelnde Krankenschwestern
Temperatur, Blutdruck und Puls, der sich merkbar beschleunigte.
Ich erinnerte mich, in der Vergangenheit vor allem von älterem, ernsthaft dreinblickendem
Pflegepersonal betreut zu werden. Die hätten mit ihrem zum Teil griesgrämigen Gesichtsausdruck
eher Essiggurken oder Sauerkraut verkaufen können.

Nachher traf ich den Arzt, einen sympathischen älteren Herrn in einem kleinen, relativ
dunklen Arbeitsraum. Die Wände waren mit Postern von Pharmafirmen wie Pfizer, Sandoz
und Konsorten verziert. Er hörte sich meine Krankengeschichte interessiert an und sagte mir,
dass er mir im Falle eines Falles gerne Beistehen würde.
Rechnung gab es keine, weil ich ja nicht krank war.

Einige Monate danach hatte ich einen Infekt. Ich brachte eine Urinprobe ins Spital. Nach etwa
dreissig Minuten übermittelte das Labor den Befund an den Arzt.
Er begrüsste mich freundlich und erkundigte sich eingehend nach meinem Befinden. Ich erzählte,
dass es mir noch sehr gut gehe, dass ich aber ohne Medikamente in kurzer Zeit hohes Fieber
verbunden mit Schmerzen erwarte.

Er schaute geschwind in sein Kompendium (2) und schrieb darauf auf einem vorgedruckten
Formular eine Verordnung. Eine Krankenpflegerin begleitete mich anschliessend zur
Kasse und gab mir eine Nummer für die Warteschlange. Nach einigen Minuten, es hatte
Zeitungen um die Wartezeit angenehmer zu gestalten, wurde meine Nummer aufgerufen.
Nach dem Bezahlen, Bargeld oder Kreditkarte, ging ich mit dem Computerformular zur Apotheke
an die Medikamentenausgabe, Schalter Nummer sieben. Bevor man mir die Pillen aushändigte,
wurde ich nach bestehenden Allergien gefragt. Das ganze Prozedere dauerte vielleicht neunzig Minuten.

Ich sah den Urologen in der Folge häufiger und ich begrüsste seine zum Teil unkonventionellen
Methoden. Ein milder Faustschlag in die Nierengegend ersetzte ein Röntgenbild. Der Schmerz
löste einen Krampf aus und ich hieb ihm unwillentlich mein Knie in seinen Bauch. Er lächelte
und sagte: „Nierenbeckenentzündung, zwei weitere Wochen Antibiotika. Auf Wiedersehen.“



1 Ein Kroki ist eine Skizze mit nur den zur Orientierung wichtigen Details. Im Gegensatz zur
  Karte wo alle Details eines Gebietes massstabgetreu kartiert sind.

2 Ein Kompendium ist ein Nachschlagewerk, eine zur Fachliteratur zählende, meist in ihrem
   Gebiet erschöpfende Datensammlung, in diesem Falle Medikamente betreffend.

Fortsetzung folgt.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Fortschritt in der Medizin 2
Beitrag von: Low am 17. März 2009, 15:17:34
Fortschritt in der Medizin         2

Als ich einmal erkrankte und den Urologen im Spital ohne Voranmeldung
besuchen wollte, war er abwesend. Er nahm an einem Kongress in Bangkok
teil. An seiner Stelle arbeitete ein jüngerer Professor, der mich genau unter
die Lupe nahm. Er verordnete mir nichts, ohne zuvor Röntgbilder und eine
Blutanalyse anfertigen zu lassen und Ultraschall Untersuchungen durchzuführen.

Als er die Bilder sah, wurde sein Gesicht ernst und er war nicht besonders freundlich
mit mir. Ich klärte ihn auf, dass ich nach fünfzig Jahren keine besseren Bilder
erwartet hätte und dass man mir 1957 eine Lebenserwartung von bloss sechs
Wochen gab. Ja, damals meinte der Mediziner, der für eine gute Spitalstatistik
zuständig war, flüsternd zu seinen Kollegen: „Den Infekt etwas abklingen lassen
und dann zum Sterben nach Hause senden!“
Vor etwa zehn Jahren wollten einige Urologen in der Schweiz an mir eine Totalrevision
durchführen. Ich lehnte dankend ab. Der Chefarzt war wütend, mit der Begründung,
man wolle mir doch helfen und meine Lebensqualität verbessern. Der Psychoterror
nützte nichts. Ich war mit meinen Einschränkungen glücklich und zufrieden.
Als ich später sanierte Leidensgenossen antraf, war ich dankbar, dass mich die Natur
mit einem harten Schädel und etwas Gehirnmasse verwöhnte. Meine Frage danach war,
was gewisse Mediziner unter Lebensqualität verstehen.

Der Professor gab mir nach der eingehenden Untersuchung nicht nur Antibiotika gegen
die Infektion. Er verschrieb mir rund ein halbes Dutzend Medikamente. Auf die Meisten
verzichtete ich, wegen den mir bereits bekannten Nebenwirkungen wohlweislich.
Ich wollte auch kein „Red Bull“, denn „Red Bull“ verleiht Flügel!
Als Junggeselle stellte ich mich früher sehr oft für Medikamententests zur Verfügung.
Nach der Verheiratung wollte ich von Pharmatests nichts mehr wissen. Besonders als
ich nach einer Überdosis Valium hilflos, doppelsichtig  mit brummendem Schädel leidend
in einer Ecke sass und sich meine frisch verheiratete Gattin Sorgen machte und mir nicht helfen konnte.

Ich sah den Herrn Professor in Chiang Mai noch einige Zeit. Danach kehrte ich wieder
zum freundlichen, mir wohlgesinnten alten Arzt zurück.
Im Spital kehrte allmählich der Fortschritt ein. Die TV Ungetüme auf den schweren Metallgestellen
wurden durch Flachbildschirme ersetzt, ohne dass sich die gezeigten Programme verbesserten.
Der Herr Doktor trug einen schwarzen Blazer mit der Aufschrift „Urologie“ am Rücken. Die Schwestern
erhielten anstatt einem - zwei Rechner mit neuen Bildschirmen. Für die Ausdrucke ratterten immer noch
die bewährten alten Nadeldrucker.

Im kleinen Arbeitsraum des Urologen stand nun ein Laptop auf dem Tisch. Der Doktor
hantierte unsicher mit der Maus, tippte drei Buchstaben und der PC fand dann das ganze Wort
des Medikaments mit der Auswahl oral oder intramuskulär beziehungsweise intravenös.
Der Arzt gab die Dosierung ein. Darauf fragte das Programm ob die Prozedur zu Ende sei.
Er war nicht sicher, ob er jetzt "Yes" oder "No" anklicken sollte. Eine hilfreiche Pflegerin schloss
dann das Dossier auf dem Laptop.
Jetzt begann in irgend einer Ecke unten auf einem Gestell ein Kleindrucker im Postkartenformat zu
scheppern. Der Herr Doktor stand auf, drehte sich, machte ein oder zwei kleine Schritte, beugte sich
und versuchte verzweifelt, dem Drucker einige Etiketten zu entreissen.

Ich fragte mich ernsthaft, ab es sinnvoll war, den alten Herrn mit diesem Laptop zu beglücken.
Von Hand arbeitete er wesentlich sicherer und schneller. Die Daten des Tages könnte eine
erfahrene Sekretärin oder auch Pflegerin in einer halben Stunde eintippen um die jeweiligen
Krankengeschichten zu aktualisieren.
Das Schöne ist, dass die Versicherungsrapporte nach wie vor von Hand ausgefüllt werden.
Eine junge Dame begleitete mich mit Mia im Schlepptau zur Kasse. Als ich meine quittierte
Rechnung erhielt, wandte ich mich an den Schalter sieben. Dort runzelte die Apothekerin die Stirn.

Oh je, der dumme Computer irrte sich. Er verschrieb mir eines der Medikamente als intramuskuläre
oder gar intravenöse Injektion. Ein Telefon zum Urologen entschärfte die Behandlung und ich
erhielt wie heutzutage in Europa viele Radfahrer - Pillen.
„Forza, Low – prendi pillole!“

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Fortschritt durch Information
Beitrag von: Low am 18. März 2009, 18:19:55
Fortschritt durch Information

Ich nehme nicht an, dass einer das folgende Geschwafel auf Anhieb versteht oder
zu ernst nimmt. Vielleicht gehört der Artikel eher auf Freund Boehms Witzseite.

 
Die Wirtschaft von Thailand ist immer sehr viel basiert auf hat dezentralisiert freie
Marktwirtschaft gewesen, und die Gesetze sind sehr ähnlich zu jenen in den freien
Wirtschaften vom Westen. Sektoren mögen Datenfernübertragung, Energie und
andere Infrastruktur sind gewesen mehr wie die europäischen Quasimonopole als
Amerikanisch Deregulierung.
Die Infrastruktur von Thailand ist ausgezeichnet, besonders die Autobahnen, alle
über dem Land. Kraft, Telefone und Internet sind alle gute. Thailand genießt eines
der besten Verhältnisse von Qualitätinfrastruktur zu BSP pro Kopf.
Die Wirtschaft von Thailand war eine der Fastenzeiten, die in der Welt in den 1980er
Jahren und den frühen 1990er Jahren (in Begriffen des Prozents von BSP jährlich)
wachsen, aber das das Asien von 1997 wirtschaftlicher Sturz war das Ende zu das.
Es wächst momentan an ungefähr 4 zu 5% pro Jahr.
Äußerste Armut ist niedrig, und Sie sehen viele hungrige Bettler auf der Straße nicht.
Es gibt einige Schlüsseleinschränkungen zu Ausländern, wie zum Beispiel besitzende
Firmen und Eigentümer, als diskutiert im „, Geschäft Arbeitend“ Abschnitt von dieser
Website. Änderungen sind bald unwahrscheinlich. Nichtsdestoweniger gibt es
verschiedenen workarounds und diese Ausgaben sind Hauptbarrieren zu den meisten
Ausländern nicht, die legitimes Geschäft haben, in Thailand zu machen.
Trotz Thailands groß, sind die Sprache und die Kultur ziemlich Uniform, mit keinem
bedeutsamen ethnischen Geklirr. Zivile Unruhe ist praktisch nicht existierend, außer
mit einem Rand Muslimisch Separatisten im weiten Süden nahe der Rand mit Malaysia
(und von den Muslimen in jenem Gebiet, ist onl eine sehr kleine Minderheit Separatist).
Periodische Probleme entlang des Rands mit Birma sind gewöhnlich auf Unterdrückung
oder Steuerung vom unerlaubten Drogenhandel bezogen. Inneres Thailand, regionale
Unterschiede sind ziemlich klein.

Historisch war Thailand eine Absolute Monarchie vom späten 13. Jahrhundert bis 1932,
als es eine Verfassungsmäßige Monarchie mit einem gewählten Parlament geworden ist.
Die Monarchie hat nichtsdestoweniger eine Hauptrolle in Gesellschaft, obwohl nur gelegentlich
und immer kurz in Politik, durch die neue Tradition gespielt.
Zwischen 1932 und 1992, die Regierung von Thailand, das zwischen Demokratie und Diktaturen
abgewechselt wird, manchmal mit blutigem Geklirr, das letzten, von dem in 1992 schließlich zum
Ende von irgendeiner Chance von einer anderen militärischen Übernahme geführt hat. Ein neues „
die Verfassung von Leuten“ in 1997 bedeutend hat die Kontrollen raffiniert und hat System ausgeglichen
und hat etwas politische Stabilität hinzugefügt.
Der Regierung öffentlichdienst von Thailand ist die stäbilisierendste Kraft über den Jahrzehnten,
mit am meisten von ihm gewesen, der mehr oder weniger das gleiche bedient, ohne Rücksicht auf den in Kraft war.

www.thaiguru.de


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khon_jaidee am 18. März 2009, 19:33:50
Köstlich! Selten so gelacht. :)

Besonders die Affinität zum "Geklirr" - muß ich mir merken. ;D
Ein dreifach "Hoch!" auf Computerübersetzungen!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Fortschritt im medizinischen Labor
Beitrag von: Low am 19. März 2009, 16:53:46
Fortschritt im medizinischen Labor                                    2003

Ich hatte Ende November einen Harnwegsinfekt. Anstatt sofort mein Medikament
zu schlucken, reiste ich nachts um elf Uhr 16 Kilometer ins Spital nach Chiang Mai
um die Möglichkeit wahrzunehmen, eine Urinkultur zu machen. Da ich vorher anrief,
wurde ich freundlich als Khun Love empfangen, meine Akten waren bereit.
Der diensttuende Arzt erklärte mir, das Augmentin, das ich bei mir habe, sei eher für
Atemwegserkrankungen geeignet als für Harnwegsinfekte. Er sehe die Chance, dass
es wirke bei einem Prozent. Das eine Prozent zeigte aber hundert Prozent Erfolg.

Eine Woche später wurde ich bitter enttäuscht. Das Labor fand drei Organismen im Urin.
Anstatt Kulturen zu machen, gossen sie die Brühe weg. Ich bat den Urologen um eine
Wiederholung. Diesmal fanden die Laboranten vier Organismen und schmissen mein Wasser wieder weg.
Wir hatten danach eine ernsthafte Unterhaltung. Die Leute sagten mir, ich müsste den
Penis besser reinigen, Handschuhe tragen, etc. Ich erwiderte, dass ich seit über vierzig
Jahren Urin für Kulturen liefere, dass mir mal ein Fehler passieren könne, aber zweimal
hintereinander eher nicht.
Die Schnapsidee war, mit einem Katheter sauberen Urin aus der Blase zu beschaffen.
Ich erklärte, dass damit der nächste Infekt provoziert würde, denn der Infektionsherd
sitze meines Wissens in der Harnröhre. Der saubere Urin aus der Blase würde kaum helfen.
Der Arzt lächelte wie immer und sagte: “Neuen Urin, neue Kultur.“

Darauf ging ich zur Oberschwester am Patientenempfang, einer jüngeren Frau mit Brille
und Magengeschwür. Ich erzählte ihr mein Ungemach mit den Urinproben.  Sie erkannte
die Wichtigkeit eines Befundes und schrieb darauf in Thai, dass bei mehreren Erregern
mehrere Kulturen anzulegen seien, anstatt den Urin wegzuschmeissen.
Als ich nach Anfangs Januar  nach dem Resultat fragte, strahlten die Leute, weil ein Befund
da war und dazu sämtliche Antibiotika als sensitiv bezeichnet wurden.
Ich konnte das Resultat nicht glauben und nagende Zweifel forderten meine Gehirnzellen, denn:

Das Labor lieferte den Bericht nur über eine Kultur. Der Erreger: Staphylococcus epidermis.
Das ist ist ein grampositives Bakterium, das die menschliche Haut und Schleimhaut besiedelt.
Im Weiteren ist es auf Lebensmitteln zu finden. Für Menschen mit normaler immunologischer
Abwehr bedeutet der Keim wenig Gefahr. Aber im Krankenhaus kann er bei abwehrgeschwächten
Menschen bei Unsauberkeit die Ursache für schwere Erkrankungen sein.

Üblicherweise ist einer der Bösewichte in meinem Falle Escherichia coli.
Escherichia coli ist ein säurebildendes, stäbchenförmiges, begeisseltes Bakterium,
das normalerweise im menschlichen und tierischen Darm vorkommt.
Den Namen hat es  nach seinem Entdecker Theodor Escherich 1919.

In der Harnblase führt es bei mir zu Infektionen mit Schmerzen und Fieber.
Wie konnte das Labor ohne einen Arzt zu konsultieren entscheiden, welche
Resultate weitergeleitet werden und welche Kulturen gemacht werden?
Die entscheidende Frage ist aber, wie viele Patienten dank dieser Politik ins
Jenseits befördert wurden? Thais hinterfragen selten oder nie.

Die Moral von der Geschichte ist: Selbstverantwortung.
Wollten die Laboranten einfach Schwierigkeiten vermeiden?
Es könnte ein finanzielles Problem sein. Drei oder vier Kulturen kosten mehr als
eine Einzige. Auf der Preisliste war vielleicht kein Betrag für Mehrfach-Kulturen
vorgesehen. Ferner ist es möglich, dass die Ausbildung solche Analysen noch nicht berücksichtigte.




Einen herzlichen Dank an all jenen Laborantinnen und Laboranten, die nie einen
Urin ohne Untersuchung weggossen und während Jahren wertvolle Resultate lieferten.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Bier-Idee
Beitrag von: Low am 20. März 2009, 20:37:31
Bier-Idee

Tesco Lotus verkauft 33 cl Flaschen Tiger Bier verpackt in Kartons zu 24 Stück.
Aussen am Karton ist die Menge inklusive Bar Code klar ersichtlich.
Der Scanner an der Kasse erkennt den Code nicht. Das Kassenpersonal muss
die Verpackung öffnen, den Code von einer Flasche scannen und mit vierundzwanzig multiplizieren.
Das nenne ich Fortschritt in der Bekämpfung des Alkoholmissbrauches.

Prost
Low
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Blackmicha am 20. März 2009, 23:01:57
Die wollen eben nicht , das du dich vergiftest mit dieser guelle ! :D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 21. März 2009, 00:16:37
Ich vergifte meinen Fusspilz damit,
weil wir öfters Stromausfall und deshalb kein Wasser haben.
Heute nur 2 x.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: namtok am 21. März 2009, 08:15:18
Ich vergifte meinen Fusspilz damit,


...und was sagt die Langzeitstudie  im Selbstversuch dazu, ist ein signifikant positiver Effekt  ;D bei dieser Therapie des "Hongkong-Foot" (= Bezeichnung für Fusspilz auf orichinal  ;) Thai) nachweisbar ?
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Bier-Idee
Beitrag von: rh am 21. März 2009, 08:32:26
Bier-Idee

Tesco Lotus verkauft 33 cl Flaschen Tiger Bier verpackt in Kartons zu 24 Stück.
Aussen am Karton ist die Menge inklusive Bar Code klar ersichtlich.
Der Scanner an der Kasse erkennt den Code nicht. Das Kassenpersonal muss
die Verpackung öffnen, den Code von einer Flasche scannen und mit vierundzwanzig multiplizieren.
Das nenne ich Fortschritt in der Bekämpfung des Alkoholmissbrauches.

Prost
Low


Sei doch froh,dass das Maid so gut rechnen konnte,mit 24 multiplizieren.

Ich dachte erst,die haette alle Flaschen rausgeholt und dann einzeln gescannt. :D :D :D :D :D :D
rh
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Bakterien
Beitrag von: Low am 21. März 2009, 10:40:43
Bakterien

Bakterien sind Mikroorganismen ohne echten Zellkern und gehören zu den ältesten
bekannten Lebewesen. Ganz bösartig könnte ich fragen:
„Hast du heute deine Bakterien schon gegessen?“
Im Mund leben etwa 10E10 Bakterien. Das ist eine Eins mit zehn Nullen. Küsschen gefällig?

Brot, Joghurt, Käse, Bier und Wein sind Produkte, die zur Entstehung Bakterien benötigen.
Beim Traubenmost scheiden sich die Geister merkbar. Mit der falschen Bakterie entsteht
kein Wein, sondern Essig.

Neben den nützlichen Bakterien gibt es einige, die krank machen.

Ein ganz spezielles Wesen ist Escherichia coli, abgekürzt E. coli. E. coli ist Teil der Darmflora.
E. coli teilt sich schnell. Unter optimalen Bedingungen alle 20 Minuten. Andere Keime,
die dem Körper schaden könnten, können sich deshalb nicht ausbreiten. Ausserhalb des
Darms jedoch kann E. coli Infektionen hervorrufen, da es sich am falschen Ort befindet,
etwa Harnwegsinfekte, eine Bauchfellentzündung oder Hirnhautentzündung bei
Neugeborenen, bei einer Infektion während der Geburt.

Es war in den 60er Jahren, als mich im Spital ein ganz junger Assistent mit dem
Laborbericht in der Hand besuchte. Er blickte mich ziemlich unfreundlich an und
sprach fast bösartig:
„Ich habe ihren Laborbericht. Sieht nicht gut aus!
Wie kommt es, dass sie ein Darmbakterium, E. coli, im Harnwegstrakt haben?“
Warum fragt mich der Mediziner so etwas? Der sollte doch Bescheid über
Krankheiten und deren Ursachen wissen, sagte ich mir.
Er hackte nach und fragte wieder. Dann bemerkte ich, dass der Mann offenbar
schlecht über mich dachte und ich antwortete recht launig:
„Ich muß sie leider enttäuschen, Herr Doktor. Ich bin weder praktizierender 
Schokoladenstecher noch Mastdarmakrobat. Ich lebe hier im Spital. Das ist
der Ort, wo der Infekt herkommt.“

Etwa fünfzehn Jahre danach erkrankte ich erneut. Ich wollte ich meinen Arzt,
er war mittlerweile Professor, besuchen. Er weilte in den Ferien. Der Oberarzt,
der mich ebenfalls kannte, war kurz abwesend. Die Schwestern verwiesen mich
an den diensttuenden Arzt.
Ich stellte mich kurz vor, erzählte ihm flüchtig die Krankengeschichte, erwähnte
den Infekt und bat ihn um Antibiotika.
Er lachte hämisch und meinte:
„Da kann jeder daherkommen. Sind sie sicher, dass es ein Infekt ist und nicht
die Lustseuche? Wann waren sie das letzte Mal im Ausgang?“
Ich antwortete:
„Herr Doktor, ich habe es nicht nötig, mich mit Huren herumzutreiben.
Ich bin verheiratet und meine Frau ist sehr hübsch.“
Der Arzt wollte nicht nachgeben, ja er wurde ausfallend:
„Sind sie sicher, dass ihre Frau nicht fremd geht?“
Ich musste mir diese Unverschämtheiten bieten lassen, denn ich war auf den
Flegel angewiesen. Er hatte als Waffe den Rezeptblock in der Hand.

War er die Reinkarnation von ..... ?

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: @namtok
Beitrag von: Low am 22. März 2009, 11:49:33
Ich vergifte meinen Fusspilz damit,


...und was sagt die Langzeitstudie  im Selbstversuch dazu, ist ein signifikant positiver Effekt  ;D bei dieser Therapie des "Hongkong-Foot" (= Bezeichnung für Fusspilz auf orichinal  ;) Thai) nachweisbar ?

Danke für das medizinische Interesse.
Die Behandlung des erkrankten Fusses erfolgt nach Dr. Low wie folgt:

Ich entnehme die gekühlten Tigertropfen samt Flasche dem Kühlschrank.
Dann giesse ich die Flüssigkeit langsam in den Durchlauferhitzer.
Einige Zeit warten. Nachher die warme Flüssigkeit gekonnt zwischen die Zehen pinkeln.
Vorsicht:
Diese Behandlung ist bei textilen Bodenbelägen nicht angebracht.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Party-Geflüster
Beitrag von: Low am 22. März 2009, 17:42:08
Party-Geflüster            22. März 2009

Als ich vor sechs Jahren die BEFRAZ, die beste Frau aller Zeiten,
anlässlich einer Kopfwäsche, - nicht Gehirnwäsche -,
kennen lernen durfte, war sie auffallend scheu und zurückhaltend,
vor allem in der Konversation. Nur beim Essen zeigte sie wenig
Hemmungen und schlug voll zu.
Ganz anders war es, als sie mich hin und wieder anrief. Für einen
kurzen Besuch war der Weg von etwa vierhundert Kilometern einfach* zu weit.

Am Telefon plapperte sie munter wie ein Wasserfall. Ich verstand das nicht*.
Zum Glück begriff sie mich ebenfalls nicht immer, denn manchmal war ich zu
Beginn des Gesprächs trotz aller Vorsicht nicht sicher, welches Engelchen da am Telefon flötete.

Erst gestern, als auf einer Party genügend Wein geflossen war und der Alkohol
den Damen die Zungen lockerte, erzählte sie, wie sie das seinerzeit anstellte.
Sie war zu ängstlich und unsicher mit dem Englisch. Deshalb bereitete sie ihre
telefonischen Texte vor. Sie schrieb das Englisch in Thaisprache auf einen Spickzettel
und las dann fliessend ab, wie eine Nachrichtensprecherin von BBC.

*  zweideutig (spart Zeit beim Herunterladen)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Blackmicha am 22. März 2009, 20:13:44
(http://www.der-einsatzplan.de/uploads/forum-18/59ed02da0381479568325d974be03047.JPG)

dieses Buch gibts fuer viele Branchen !  :D

English in Thai geschrieben !  damit kannst du perfekt english !  ;D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Der wiederauferstandene Wasserbüffel
Beitrag von: Low am 23. März 2009, 20:03:10
Der wiederauferstandene Wasserbüffel         März 2009

Im Beauty Salon wird fleissig gearbeitet und getratscht. Die Geschichten, die ich von
dort höre sind phantastisch und wenn ich nicht einige Jahre Erfahrung mit den
Lebensumständen im warmen Klima mit den heissen Frauen hätte, fast ungeheuerlich. 
 
Dick betrieb ihr erstes Geschäft rund hundert Kilometer von der nächsten Stadt entfernt.
Sie hatte einen grossen Kundenkreis mit einem für mich unglaublichen Verdienst.
Sie machte mit ihren Mitarbeiterinnen in einem Monat so viel Kohle, wie hier im Jahresmittel
verdient wird. Ich glaubte es nicht, als sie es erzählte. Doch irgendwoher musste ihr
ansehnlicher Grundbesitz stammen. Nun sehe ich, wie es hier läuft.

Wenige der Damen sind reich. Nichtsdestoweniger lässt man für die Haare, Make up
und Manicure schnell mal einen Tausender oder mehr springen. In ihrem ersten Geschäft
auf dem Lande herrschte die heile Welt. Die Kundinnen diskutierten über Frisuren, Familie,
Mode, Rezepte und Gesundheit.
Dick war anfänglich schockiert über den rüden Umgangston im Salon im Dorf in der Nähe
von Chiang Mai. Es gibt nur ein Thema: Sex.

Irgend jemand muss sich ja um Haus, Hof und Garten kümmern, während meine Damen
mit Scheren und Schminke Charme vermitteln. Weil ich weder einen MP3 Chip mit mir
herumtrage und dauernd die Trommelfelle beriesle - noch meine Lauscherchen mit
Ohropax verstopfe, werde ich nicht selten unfreiwilliger Zeuge weiblicher Verbalerotik.
Dann stehen mir nicht nur die Haare zu Berge.
Damit verglichen ist der Forumsthread „Seitensprünge“ fade, fast wie seinerzeit
die Erzählungen aus der Sonntagsschule.

Beim näheren Überlegen ist es richtig so, denn die weibliche Seite investiert ebenfalls
in „unsere“ Abenteuer. Deshalb darf ich wohl auf Details verzichten.
Zusätzlich erspare ich den Moderatoren ein Streichkonzert.

Allen sind Bar Girls ein Begriff. Keiner, der etwas auf sich hält, mag zugeben,
dass er die Seine nicht aus einer Bar abgeschleppt hat. Es gibt es ja noch die guten
Frauen aus vermögenden und intellektuellen Kreisen. Das sei mein Thema:

Eine faszinierende Frau, aussehend wie knapp zwanzig, Alter um die Dreissig,
betritt im figurbetonenden Designerkostüm den Salon. Der Schmuck, nicht aufdringlich,
jedoch Klasse, Weissgold oder Platin. Vor dem Laden steht ein Wägelchen der oberen
Mittelklasse oder der unteren Luxusklasse. Sie trippelt auf Markenschuhen, die sie
offenbar im Vogue Magazin „Mode für gehobene Ansprüche“ entdeckte. Im zarten
Händchen ein Baguette Täschchen von Fendi.
Eine Frau, die so aussah, dass ich den dagegen enttäuschend lauen Leo Bierkalender
als Schutzeinlage im Mülleimer entsorgte. Wie versprochen: Keine Details.

Diese Frau arbeitet zeitweise als Verwaltungsbeamtin an der Uni ihres Ehemannes,
der gleichzeitig als vielbeschäftigter Dozent amtet. Weil der Gatte, von dem sie
wahrscheinlich das eine oder das andere Kind hat, dauernd schwer beschäftigt ist,
vielleicht vernascht er zwischen den Vorlesungen noch Studentinnen, hat sie einen
weiteren Thaimann.
Doch in ihrer Sammlung von Samenspendern existieren noch zwei Farang. Der Eine
aus Europa. Der Andere ein feuriger Caballero aus Südamerika. Diese Herren finanzieren
die Lady monatlich mit beträchtlichen freiwilligen Zuwendungen für den kranken
Wasserbüffel, etc. Die Edelnutte hätte nur ein Problem, wenn die beiden brünstigen
Kavaliere gleichzeitig in Thailand Ferien machen würden.
Zur Kommunikation mit all ihren Partnern und Familie warten in der Baguette von
Fendi fünf verschiedene Telefone und zu Hause der Zweitwagen.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 24. März 2009, 18:06:04
Zu Hilfe, zu Hilfe, ich lach mich schon wieder schlapp :D :D :D :D :D
Bitte um Foertsetzung!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Mitgefühl
Beitrag von: Low am 25. März 2009, 12:11:05
Mitgefühl

Während euch diese Geschichte erheiterte, denkt vielleicht der gehörnte Professor
an Selbstmord. Im Tip liest man ja immer wieder davon! Möglicherweise aber hat
der einen ganzen Harem zur Verfügung, so dass er um den Mitarbeiter froh ist,
der seine Gattin ausserhalb der Touristen Saison begattet.

Mir kam nach einer Weile die Angelegenheit vertraut vor. Ein mir bekannter Farang
hatte ein ähnliches Problem mit der Frau seiner Albträume. Sie verfügte möglicherweise
über eine mongolische Doppelschublade. Er hatte nur zwei Thai Nebenbuhler. Von denen
weiss er heute noch nichts. Für die Unsummen, die er dort nicht in den Anus steckte,
die andere Gegend ist geografisch nicht allzu weit entfernt, hätte er während Jahren
die Damen ganzer Strassenzüge beschäftigen und damit die Weltwirtschaftskrise
verhindern können.

Sollte Mia mit einer Tasche von Gucci, Fendi, Armani, Ricci oder von wem auch immer,
gefüllt mit Telefonen von Sony Ericsson, Nokia, Motorola, Samsung oder woher auch immer
antanzen, würde ich bestimmt ganz langsam und unvoreingenommen Verdacht schöpfen.

Darüber allerdings würde ich keine Geschichte mehr schreiben, denn über solche
Schweinigeleien habt ihr nun genug gelacht.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 25. März 2009, 12:20:51
Also ich könnt noch ein bischen weiterlachen :D :D :D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Lady in red
Beitrag von: Low am 26. März 2009, 14:34:41

Lady in red            2009

Früher war das Dorf von Reisfeldern umgeben. Nun wird überall Erde aufgeschüttet
und gebaut; Kleinsthäuser auf Mini-Parzellen, wie seit Jahren - ohne jegliche Privatsphäre.
Das Akustikpanorama der Nachbarschaft reicht von der Morgentoilette bis zum
Gutenacht-Furz, inklusive Radio, Fernsehton und dem Getöse der Computerspiele.
Die Duftnoten der Speisen, von angebrannten Heuschrecken bis zu gedämpften Zwiebeln
mit Noten von Knoblauch und rotem Chilli schwängern die Luft zu jeder Zeit, weiter
angereichert durch Wohlgerüche von verbranntem Plastik und mottenden Autopneus. 
Natur pur.

Wann wird das letzte Feld mit den letzten Fröschen verschwinden?
Beidseitig der Strasse, etwas tiefer gelegen, wird heute noch an wenigen Stellen
Reis angebaut. Dieses Strässchen eignet sich je nach Tageszeit und Verkehr bestens
zum Radfahren.
Mia kämpft für ihre Figur. Sie möchte, dass Hintern und Beine weiterhin wohlgeformt
schlank und kurvig bleiben, damit meine Augen ein festes Ziel haben. Sie weiss,
dauernd nach attraktiven Weibern schielen führt bei alten Knaben zu chronischem
Astigmatismus. Deshalb fährt sie Rad, nicht nur Motorrad.

Von einer Reise brachte sie lange rote Radlerhosen zurück und ein passendes Top.
Das lieferte einigen Dorffrauen genügend Stoff, um eine Woche lang darüber zu
philosophieren. Eine ganz Beherzte besuchte die Airport Plaza und erstand sich für
teures Geld etwas Ähnliches. Doch schlussendlich fehlte ihr entweder der Mut, die
Radlerwäsche anzuziehen oder ihr Fahrrad hatte einen Platten.
Gegen die sengende Sonne schützte eine rote Mütze mit Solarzellen betriebenem
Ventilator Mias langes, dunkles Haar. Mit diesem Kampfanzug ausgerüstet, setzte
sie sich vor einigen Wochen aufs Rad.

Dort wo der Weg über dem Reis eine leichte Kurve beschreibt und ein munteres
Bächlein plätschert, pfupften und heulten ihr vom Nachbardorf zwei Mopeds entgegen.
So viel knallig kurviges rot hatten die Beiden auf so knappem Raum schon lange nicht
mehr gesehen. Die Schwachköpfe schauten zurück, erwischten die Kurve nicht und
pflügten mit ihren Maschinchen unfreiwillig das Reisfeld.


Chris De Burgh
Lady in red
Übersetzung: Google

I've never seen you looking so lovely as you did tonight
Ich habe noch nie gesehen Sie suchen so schön wie du heute Abend
I've never seen you shine so bright
Ich habe noch nie gesehen Sie leuchten so hell,
I've never seen so many men ask you if you wanted to dance
Ich habe noch nie so viele Männer fragen, ob Sie tanzen wollte
They're looking for a little romance, given half a chance
Sie sind auf der Suche nach ein wenig Romantik, da eine halbe Chance
I have never seen that dress you're wearing
Ich habe noch nie gesehen, dass Sie Kleidung tragen.....

Irgendwie müssen das die Mopeddeppen so gesehen haben.

P.S. Diese Geschichte erscheint für die Hamburger demnächst in gelb.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Alfred am 27. März 2009, 01:58:22
-Low-

A bisserl staenkern kann ja net schaden, net woa!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 27. März 2009, 04:41:27
Ich habe Dich nie so schön aussehen gesehen wie heute Nacht
Ich habe Dich nie so hell strahlen gesehen
Ich habe nie so viele Männer gesehen die Dich fragten, ob Du tanzen wolltest...
Schönes Lied, wirklich!

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 27. März 2009, 11:02:27
Alfred

Das hat mit stänkern nicht viel zu tun. Du siehst das bloss falsch.
Meine Erklärung: (Ob glaubwürdig oder nicht entscheidet jeder Leser persönlich.)

Als Hobbymaler brauchte ich noch einen Farbklecks.
Die Farbe des Bächleins ist undefiniert.
Die Frau ist rot.
Das Haar ist schwarz.
Da fehlte einfach das Gelbgold.

Die drei schönsten Farben der Welt. (Mindestens beim Fussball.)


Ich wollte den Song:

"Chris De Burgh
Lady in red"

verlinken. Antwort:

This video is not available in your country.
Warum? Zu viel rot?
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Wege zur Schlitzohrigkeit - Schlitzobrigkeit
Beitrag von: Low am 28. März 2009, 20:51:06
Wege zur Schlitzohrigkeit    (auch Schlitzobrigkeit)  März 2009

Dieser Aufsatz wartete seit einiger Zeit im PC des Gebärvaters. Aus aktuellem Anlass
stellte ich ihn heute fertig.

Eine Frage, die das Forum neulich bewegte, betraf Dummheit. Die Fragestellung war
nicht besonders glücklich gewählt. Der Autor unterstellte damit indirekt und unfreiwillig,
dass an die germanischen Stämme soviel Klugheit verteilt wurde, dass insbesondere
für Hinterindien nicht viel davon übrig blieb.
Wie das Hierzulande so üblich ist, ist Mangelware teuer. Daraus folgt, nur die Reichen
können sie erstehen. Dies wiederum bestätigt, die meisten Armen sind dumm.

Sind sie arm, weil sie dumm sind? Das könnte zutreffen, denn für Dumme gibt es keine
Planung, keine Berechnungen und keine Kausalität.
Hat man Geld, kauft man planlos ein. Dann werden Unmengen gekocht und danach die
Hälfte weggeschmissen. Man hat ungeplant Kinder. Die gehen so gedankenlos zur Schule,
wie sie wieder nach Hause finden. Hausaufgaben sind eine Schikane für die ganze Familie.
Weil die Eltern nichts Wissen, werden die Kleinen nicht kontrolliert. Einen geregelten
Tagesablauf kennen weder Eltern noch Kinder. Man isst, wenn der Magen knurrt, oder
wenn die Nachbarn etwas feiern. Zehnjährige glotzen zu jeder Unzeit in den Fernseher.
PC Spiele ballern rund um die Uhr, geschlafen wird dann in der Schule.

Sind sie dumm, weil sie arm sind? Ich kenne einige Wenige, die trotz bitterer Armut lernten.
Wenn sie nicht zu träge und zu faul waren, schafften sie eigenständig den Weg zu mehr
Bildung und damit zu bescheidenem Wohlstand.

In meinem Bekanntenkreis sind einige wohlhabende Familien. Die fördern ihren Nachwuchs
bestens. Das geht soweit, dass die Eltern in Phitsanulok leben und die grösseren Kinder in
Chiang Mai zur Schule gehen, weil es am Wohnort nichts vergleichbares gibt.

Das Nicht-Denken für sich ist nicht das Buddhistische Erwachen. Viele Buddhisten haben es
leider völlig aufgegeben, das Erwachen zu erhoffen - obwohl es die zentrale Botschaft des
Buddha ist, dass jeder das Erwachen selbst erlangen kann.

Aber eines können die Armen und die Reichen: Sich verdrücken und Problemen aus dem Weg
gehen. Da besteht bei uns noch ein grosser Nachholbedarf.
 
Ich kenne einige Farang, die suchen Probleme, ziehen sie an oder sie schaffen sie sich selbst.
Die sind unglücklich, wenn sie keinem erzählen können, wie tief sie im Schlamassel sitzen.
Helfen kann man solchen Individuen nicht. Dies bewog uns, Kontakte mit dieser Art
Erdenbewohner streng zu meiden.

Brauchst du geschäftlich eine Telefonnummer, aber du hast kein Handy?
„No problem“, da ist doch eine Nummer am Beauty Salon. Also wird man die angeben.
Weil Klein-Burma gleich um die Hausecke lag, dudelte das Handy bis zur Einführung
der 08 Vorwahl Tag und Nacht.
Wenn kein Geld da war, um ein Handy zu kaufen, ging man zur Kreditfirma und fragte
mal für 10 000 THB. Die erhielt man bei einer guten Wohnlage leicht.
Als Adresse diente wiederum der Beauty Salon.
Das ging so weit, dass Frau Tochter, die nicht hier wohnte, für ihre Zwecke unsere
Haustelefonnummer angab. Ich brauche das Telefon nur fürs Internet. Die meisten
Anrufe nehme ich gar nicht mehr entgegen.
Wenn ihre Freundinnen Kredite nutzen wollen, war unsere Anschrift stets die erste
Adresse. Weil sie ihre Zahlungsaufforderungen nicht bezahlte, erhielten wir die frei Haus.
Wir ermahnten die junge Frau, die überdurchschnittlich verdient, sie solle gefälligst ihre
Rechnungen bezahlen.
Das Ergebnis war, dass sie beim Telefon sofort die SIM Karte wechselte. Solcherart sind
die Leute nicht zu fassen. Ich kenne einige, die dreimal pro Jahr eine SIM Karte austauschen.
Zu diesem Zweck haben doch die Telefon-Firmen ihre Promotionen.

Da sind wir Europäer doch ganz anders. Wir behalten unsere Telefon-, Versicherungs-
und Geheimnummern wenn immer möglich lebenslänglich. Besonders die Frauen versuchen
noch nach vielen Jahren die Kleidergrössen aus ihrer Jugendzeit mit wechselndem Erfolg zu tragen.

Unsere ehemaligen Hausbesitzer und ihre zweit und dritt Frauen, benutzten noch nach
Jahren das nicht erstattete TabienBan, das Haus Dokument, um teure Anschaffungen auf Kredit zu machen.

Wenn die hier im Dorf eine elende Holzhütte zusammen nagelten, in der man in Euroland
wegen dem Tierschutz keinen Hund halten könnte, gingen die nachher zur Bank und erhielten
ein Darlehen. Mit dem Geld wurde alsdann der neue Pick-up teilfinanziert.

Es gibt riesige Töpfe mit ebenso grossen Pflänzchen. Einer allein kann so ein Ding nicht
vom Fleck bewegen. In der Apotheke suchte ich vergeblich nach Antigravitations-Salbe.
Deshalb benötigte ich einige Leute, die ich für wenige Minuten Hilfe fürstlich entlohnt hätte.
Keiner der Nachbarn hatte Zeit.

Als ich aber erwähnte, wir hätten da etwas gegrilltes Schwein, Bier und Schnaps,
standen die Leute Schlange. Ich erklärte dann:
„Zur Vereinfachung des Nahrungsbezuges müssen wir erst das Töpfchen schieben“.
Sie staunten und halfen. Nur einer meinte, er habe seine besten Kleider an, er gehe mal
das T-Shirt wechseln. Als der Topf verschoben war, stand er in denselben Klamotten
wieder da und griff zum Schwein.
Schwein gehabt.



Jegge, Jürg
Dummheit ist lernbar
Erfahrungen mit Schulversagern
Zytglogge

Georg Litsche
Wille versus Kausalität
http://paradigma.subjekte.de/

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 29. März 2009, 02:01:15
Sehr interessanter Blog. Thx low
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 29. März 2009, 13:44:46
ProfUE3

Wenn dir der Link gefallen hat, hier ein weiterer:

Die Buddhistische Leere aus moderner Sicht
Essay
von Roman Liedl
Innsbruck
Herbst 2007

Medienturm A-6060 Hall in Tirol
www.ablinger-garber.at
ISBN 978-3-9592285-2-6

http://homepage.uibk.ac.at/~c70203/Liedl_Leere_Lizenzausgabe.pdf
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Fortschritte in der IT
Beitrag von: Low am 31. März 2009, 16:33:22
Fortschritte in der IT

Etwa 1970 erhielt ich meinen ersten Computer. Man nannte das Ding: "Pprogrammierbarer
digitaler Prozessor, PDP". Hersteller war die Digital Equipment Corporation, Boston, Massachusetts.
Irgend ein Marktforschungsinstitut behauptete nämlich, dass ausser der Firma IBM niemand mit
Computern Geld verdienen könne.

Mein Maschinchen, für etwas über 100 000 Fr. in der Grundausstattung, war gross wie ein kleiner
Küchenschrank. Das Ding hatte nur 4 096 Worte mit 12 Bit handgestricktem Magnetkernspeicher,
organisiert in 32 Seiten zu 128 Worten. Der Memory und Maschinen Instruktionszyklus betrug
etwa 1.2 Mikrosekunden (etwa 0.8 Mhz). Der Magnetkernspeicher behielt die Informationen auch
im ausgeschalteten Zustand.

Die Ein- und Ausgabe-Einheit war ein Fernschreiber der Marke Teletype. Elektronische Bildschirme
gab es noch nicht. Die Speichermedien waren Lochstreifen. Ein BIOS suchte man vergebens.
Man gab am Rechner selbst eine Startadresse ein und tippte danach die Befehle im Binärcode,
dass die Maschine den Lochstreifenleser des Teletype erkannte. Danach konnten die weiteren
Instruktionen und Programme von Lochstreifen eingelesen werden.

Als Programmiersprachen ausser dem Maschineninstruktionssatz PAL8 dienten Basic, FORTRAN IV
und später FOCAL.

Wir waren zu zweit. Mein junger, unerfahrener Programmierer hatte als einzige Reputation
zwei mal einen Grossrechner mit seinen Künsten ausgetrickst. Der Zugang zum Rechenzentrum
wurde ihm darauf nicht nur untersagt, sondern verboten.
Als das Gerät geliefert wurde, sassen wir 36 Stunden begeistert davor. Kein noch so attraktives
kurviges Filmsternchen hätte unsere Blicke auf sich lenken können.
Wir hebelten an den Schaltern der Register, fanden gefallen an den vielen blinkenden Lichtern
und kopierten Lochstreifen, die wir mit Büroklammern an eine improvisierte Leine hefteten.
Als einen Tag später unsere Chefin die „Abteilung elektronische Datenverarbeitung“ besuchte,
konnten wir die ersten Erfolge vorweisen.
Wir tippten 1 + 1 ? auf der Teletype. In den Registern blinkten einige Lämpchen.
Der Fernschreiber klackte: " = 2".

Wir brauchten die Maschine als Number Crasher - zur Datenreduktion und Berechnung von
Verhältnissen im Interpolationsverfahren. Ich hatte ein integrierendes Digitalvoltmeter, das
Tausende von Daten an einen Drucker sandte. Die Daten mussten damals mühsam von Hand
eingetippt werden.

Meine erste Aufgabe bestand, die 36 Bit Daten vom Messgerät in den 12 Bit Rechner zu bringen.
Wir lösten das Problem mit einer Multiplexkarte, mit der wir drei mal 12 Bit einlesen konnten.
Das Ding funktionierte auf Anhieb so gut, dass der Softi einige Stunden benötigten um
herauszufinden, dass nicht nur die Bitgruppe A, sondern auch B und C bereits in der Maschine waren.

Als wir die Daten erfassen und Berechnen konnten, benutzte ich den PDP zur Steuerung
unserer Analytikgeräte. Das konnte ich mit den integrierten Schaltkreisen der Firmen Burr Brown,
Fabrimex und Motorola in relativ kurzer Zeit erledigen. Die Daten wurden über Bündel von 50 poligen
Flachbandkabeln transportiert.

Schaltkreise, wie einen multiplizierenden Digital zu Analog Konverter, der wenigen Jahren
zuvor einen Ballsaal gefüllt hätten, quetschte ich in sogenannte neunzehn Zoll Einheiten.
Den Wert und die Qualität unserer Arbeiten konnte ich erst beurteilen, als ich später einige
Wochen in Amerika arbeitete. Ich bemerkte, dass wir dort die einschlägige Firmen überholt hatten.

Uns störte ein Problem. Die Ionisationseinheiten arbeiteten mit Zehntausend Volt und einiger
Leistung. Wenn es hie und da einen unkontrollierten Durchschlag in der Ionenquelle gab,
beschädigte der die Kommunikationskarte für den Befehlsempfang, obschon alle meinen digitalen
Signalleitungen durch Optokoppler isoliert waren.
Das elektrische Signal wurde im Opto-Koppler von einer Diode in Licht umgesetzt und in einiger
Entfernung  (mm) von einem lichtempfindlichen Transistor wieder in Strom verwandelt. Die
beiden Baugruppen hatten getrennte Stromversorgungen. Die Isolation war hervorragend.
Wir hatten Weltraumzeitalter und es gab Schutzdioden, die in einer Picosekunde,
(0.000 000 000 001 Sekunde) die zerstörenden Transienten ableiten konnten. Dann verbot das
Verteidigungsministerium den Export solcher Bauteile. An Konferenzen und Meetings von Digital,
musste man sich verpflichten, die Informationen nicht weiter zu geben. Ein absoluter Witz, wenn
man bedenkt, dass heutzutage Intel wesentlich leistungsfähigere Chips in China fertigt.

Welch ein Quantensprung im Computerbau stattfand, sehen wir an den PC die hierzulande
angeboten werden. Doppel und Vierfach CPU’s, die mit einigen Gigahertz getaktet sind. Die
Signale auf dem Bus laufen mit einem Gigahertz. Die Random Access Memory fassen rund zwei
Gigabyte. Man könnte sogar höher bestücken, aber dummerweise berücksichtigt die meiste
Software die Riesenspeicher nicht mehr. Harddisks speichern einige hundert Gigabyte. Zu was
werden solche Supercomputer in Thailand gebraucht?
Ich glaubte es anfänglich nicht: Für Spiele und Karaoke und wenn es ganz hoch geht fürs Internet.
Dass man so ein Gerät zum Rechnen und Arbeiten benutzen könnte, wissen die meisten nicht.
Dazu sind die meisten PC total verwanzt, weil sich niemand um einen Virenschutz bemüht.
Wie repariert man einen verwanzten PC in Chiang Mai? Nein, man benötigt kein Virenschutzprogramm,
sondern ersetzt gleich die Festplatte.
Die Viren, die zusammen mit den Karaoke Titeln oder mit den schwarz kopierten Spielen auf CD
und DVD gebrannt wurden, sind spätestens beim Kopieren wieder im PC.

NOSTALGIE pur:

Reinhard Mey
Klagelied eines sentimentalen Programmierers
 
Die 11x/13 war meine Passion,
Sie war meine Liebe, mein Stolz und mein Lohn!
Einst waren wir glücklich, und was uns verband,
War viel mehr als nur Symbole auf magnetischem Band!
Sie war eine Venus aus Drähten und Chrom,
Ich war Programmierer, hatte grad‘ mein Diplom.
Ich dichtete Tabellen
Für ihre Speicherzellen.
Ich liebte sie platonisch,
Sie liebte elektronisch.
Ich hörte ihr Rattern und ihr Fiepen so gern,
Und mir leuchteten ihre Lämpchen grad‘ als wie die Stern‘!

Die 11x/13 war meine Passion,
Sie war meine Liebe, mein Stolz und mein Lohn!
Und was in ihr vorging, ahnte ich allein –
Oder glaubte zumindest, der einz‘ge zu sein.
Bis vorige Woche Herr Bröselmann kam,
Ein „Heimlehrgangsprogrammierer“ vom Büro nebenan.
Sie hat mich belogen,
Mit Bröselmann betrogen.
Er hat sie gefüttert!
Und was mich erschüttert,
Ist, daß ich tags drauf eine Lochkarte fand,
Auf der „Oh, du göttlicher Bröselmann“ stand!

Die 11x/13 war meine Passion,
Doch es war nur Berechnung und eiskalter Hohn ...
Aber jetzt nehm‘ ich Rache und schneide ihr – knapp –
Hinterlistig und gemein das Stromkabel ab!
 
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Eiskratzer
Beitrag von: Low am 01. April 2009, 00:12:08
Sollte jemand meine faulen Sprüche vermissen, ist es nicht wegen ... !!!

Meine radelnde rote Mia redete rebellisch: „Wir fliegen zur Zuvielisation. Vielleicht kaufst du etwas für mich.“
„Ja“, sagte ich. „Einen Eiskratzer für die Windschutzscheibe haben wir noch nicht in Chiang Mai. Möchtest du
die Ausführung mit Rubinen oder Diamanten?“
„Gibt es das nicht mit Smaragden?“
„Nur in Bronze für Linkshänder!“
Sie hat gar keine Windschutzscheibe am Fahrrad. Wir verreisen trotzdem nach Singapore.
Wir sind mit oder ohne Kratzer nächste Woche zurück, wenn .... !!!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 01. April 2009, 00:48:30
Gute Reise und bring ein paar Bonmots aus Singapur mit zurück.  :)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Die Treibjagd – Songkran
Beitrag von: Low am 06. April 2009, 11:27:34
Die Treibjagd – Songkran                            2004


Ich verliess das Gästehaus kurz vor Mittag und wollte in mein eigenes Revier
zurückkehren. Dann sah ich die Gefahr: Ein kleines Mädchen von vielleicht sieben
Jahren, die dunklen Haare zu zwei Zöpfchen geflochten. Die Äuglein blinzelten listig.
In den Händen hielt es eine Riesenspritze. Ein Schlauch ging zum Rücken. Dort trug
es wie einen Tornister einen Wassertank von vielleicht zehn Litern.
Sie, Mädchen und Spritze, hatten es auf mich abgesehen. Ihr handeln war nur darauf
ausgerichtet, mir einen kräftige Dusche zu verpassen. So einfach sollten sie mich nicht
bekommen. Ich beschleunigte etwas. Sie folgten mir. Der schwere Wassertank bremste
das Kind. Ich schaute, dass die Distanz zwischen uns etwa gleich blieb, hatte Freude
am Spiel und drehte eine zusätzliche Runde um einen Häuserblock. Die Wasserträgerin
watschelte als Schwerarbeiterin angestrengt immer schön hintennach.

Ein Teil des Geländes war unbebaut und diente den Dorfbewohnern als Müllhalde.
Äste, Plastiksäcke jeglicher Grösse und Farbe, Bier und Getränkedosen und weiterer
Abfall bereicherten das Grundstück. Weil das Kind nur auf mich orientiert war,
übersah es einen Knebel auf der Strasse, stolperte und fiel.
Der schwere Wassertank drückte es hilflos auf den Boden. Die Spritze lag für das Kind
in unerreichbarer Distanz. Die Arme waren zu kurz. Ich näherte mich ungefährdet und half
dem Mädchen beim Aufstehen.
Es bedankte sich und spritzte mir dann leicht verlegen etwas Wasser auf die Füsse.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 07. April 2009, 01:41:25
Schön, dass Du wieder da bist. Du bist vermisst worden. Aber jetzt geht es ja weiter...
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: April Fool
Beitrag von: Low am 07. April 2009, 14:21:56
April Fool         2009

Morgenstimmung auf der Veranda. Leise säuseln die kleineren Bambuslanzen
in der leichten Brise. Die grossen matt-grau-grünlichen Palmwedel rechterhand
dagegen knarren etwas.
Ich blicke weiter hinüber zu den reich blühenden Orchideen. Sie schaukeln kaum
wahrnehmbar in den hängenden Tontöpfen. Dazwischen durchdringen die
saftiggrünen Blätter dreier verschiedener Dieffenbachia, Araceae –
Aronstabgewächse, verschiedenen Farnarten im Steinbett. Das einst schmucklose
Steinbett schützt den Garten bei starken Regengüssen, dass keine Erde weggespült
wird. Unterschiedliche Farnarten siedelten sich selbst an. Weltweit gibt es etwa
zwölftausend Sorten.
Zwei der Aronstabe blühen. Die eine Pflanze zeigt einen schwarzen Stab.
Der andere Giftaron hat mehrere weisse Blüten. Die Giftigkeit der Dieffenbachie ist
seit langer Zeit bekannt. Während der Sklavenhaltung wurden unliebsame Zeugen
durch die Stummpflanze vorübergehend zum Schweigen gebracht, indem sie mit der
Pflanze ausgepeitscht wurden.
Ein empfehlenswertes Hausmittel gegen quengelnde und quasselnde Quälgeister.
Der Stengel könnte in der Form von Gurkenscheiben konsumiert werden.

Der Papyrus (Cyperus papyrus), eine Pflanzenart aus der Gattung der Zypergräser
ist wieder zu dicht und sollte reduziert werden. Einige der drei Meter langen Halme
blockieren den Zugang zum Haus.
Von Papyrus her plätschert es friedlich feucht. Ein Elefäntchen spuckt gepumptes
Wasser gekonnt in die Halme. Bei der Lieferung des Steinkolosses beschädigten
die Arbeiter seinerzeit die Fliesen am Boden. Als ich reklamierte, meinte der Lieferant
platonisch: “Elefant schwer!“
Hie und da plantscht ein Fisch bei der Nahrungssuche aufs Wasser.
Ich brauche die Nahrung nicht zu suchen. Mia bereitete in einer hübschen Keramikschale
zartfrische, gelbe Mango und rötliche, aromatische Papaya in mundgerechten Stücken zu.
Bei langen Essenspausen meinerseits greift sie zur Gabel und füttert mich. Die Vögel
zwitschern und zirpen, nur ein Beo stört mit lautem Klageruf.
Bis im Dezember und dem kältebedingten Fischsterben holte sich ein schillernder Eisvogel
sein Frühstück im Teich. Im Dickicht neben dem Gartentor versteckt sich hie und da ein
kupferroter Fasan. Fasane leben polygyn: Auf einen Hahn kommen 5 bis 6 Hennen. In den
stattlichen Wedeln der Palme sind Webervögel mir dem Nestbau beschäftigt.
Und ewig lockt das Weib. Ich will auch wieder ins Nest.


Film:
Und ewig lockt das Weib (1956) von Roger Vadim

Die Wiedergeburt der Venus auf der Leinwand, eine fleischgewordene Männerphantasie
wie Brigitte Bardot. "Et dieu creé la femme".

Anton Tschechow
Fürchte den Bock von vorn, das Pferd von hinten und das Weib von allen Seiten.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 07. April 2009, 17:53:57
Jetzt hab ich tatsächlich ge-googelt.

Manche Pflanzen und Tiernamen verbanden sich in meinem Hirn nicht mit einem Bild von diesen selben.

Wusste gar nicht, dass der 0-8-15 Aron, (vorher wusste ich gar nicht, dass der so heisst) den wohl jeder in irgendeiner Form ums Haus herum hat, giftig ist.

Kann man den auch rauchen?  ??? Ich frage natürlich nur für einen Bekannten, der jemanden kennt, der...  ;D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 07. April 2009, 18:21:35
Lieber Profuuu

Hast du etwa Brigitte ge-googelt?
Unter Umständen hat dii ein Bild von BB im Archiv.

Apropos Rauchen: Man kann alles rauchen, sofern es gut getrocknet ist
Ich könnte mir vorstellen, dass das getrocknete Blatt eines Aronstabgewächses,
gerollt auf einem weichgeklopften Oberschenkel einer heissblütigen Lannarierin
(Copyright), mehr als einen Versuch wert wäre. Ich meine rauchen, nichts anderes.
Vielleicht könnte ein Chemiker oder ein Arzt die LD* berechnen.

Als Gegenmittel könnte man dann Holzkohle rauchen oder Kohle einnehmen.
Doppeldeutig: dieses "Kohle einnehmen".

MOESCHLIN fordert in Haushalten mit Kindern und / oder Haustieren die Pflanze nicht
zu halten oder noch besser die Dieffenbachie komplett aus dem Handel zu nehmen.
Ich weiss nicht welcher Moeschlin.


Ich bedaure, dass ich keine Bilder in die Texte einfüge. Einerseits habe ich es noch nie gemacht.
Andererseits würde es meiner Faulheit Vorschub leisten, mich in den Texten verschwommener
auszudrücken. Eine einzige Ausnahme würde ich mir gestatten: Die Frau in rot.

* Die letale Dosis (LD) ist die für ein bestimmtes Lebewesen tödliche Dosis eines bestimmten Stoffes.
Demgegenüber bezeichnet man eine aus der Umgebung des Lebewesens wirkende
Stoffkonzentration mit gleichem Effekt als letale Konzentration (LC von lethal concentration).
Beide sind statistische Werte, das heißt sie werden als Mittelwerte innerhalb einer repräsentativen
Population gewonnen und sollten daher nicht als maßgebend für ein Individuum betrachtet werden.
Ein tödlicher Effekt kann also auch erst bei wesentlich höheren oder schon bei niedrigeren
Dosen/Konzentrationen auftreten, zum Beispiel bei einer Schwächung durch Krankheit.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 07. April 2009, 23:37:36
Normalerweise bestimmt man die "LD50". Das ist die Dosis, bei der 50% der Probanden die finale Grätsche machen. >: >: >:
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 08. April 2009, 11:59:32
Also, wer versucht einen Joint Dieffenbachie?
Bitte zuerst bei drwkempf melden. Er führt dann die LD 50 Statistik.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 08. April 2009, 14:49:32
Klar doch, mach ich gern. Ich glaube nicht, dass darüber je irgendetwas veröffentlicht wurde.
Wenn was dabei herauskommt werde ich das entstehede Krankheitsbild "Morbus Low" nennen. Dann wirst Du womöglich noch unsterblich (und bei allen zukünftigen Medizinstudenten verhasst, weil sie diesen Exoten auch noch auswendig lernen müssen). :D :D :D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: April Fool, die andere Seite
Beitrag von: Low am 08. April 2009, 15:37:54
Morgenmief auf der Veranda.
Fast die ganze Aussicht ist durch Bambus blockiert. Das beengt wie ein begrenzter Käfig.
Wo ist das unendliche Meer, wo sind die Gipfel der Berge? Himmel, ich brauche frische Luft,
nicht dieses tropisch schwüle, geruchgeschwängerte Dunstgemisch.
Um die Küchenecke sendet ein Jasminstrauch Wolken, die an Mixturen von Billigstrasierwasser
und Schweiss erinnern. Ausreissen, ausreissen, ausreissen, sagte ich schon wiederholt!
Etwas weiter eine schlappe Bananenstaude. Die sollte man sofort umlegen. Ich kann diese
schleimigen Erektionsfrüchte nicht ausstehen. Eine Palme steht so doof, dass ich der Nachbarin
nicht ins einzige Fenster sehen kann.
Widerliches Grünzeug wohin das Auge reicht. Das grenzt an botanische Befriedigung
niedrigster Instinkte. Farnstauden voller Insekten, wenn möglich Mücken,
die Malaria und Dengue verbreiten. Ich bin in ständiger Lebensgefahr. Dazwischen lauern
Echsen, ekliges Kriechzeug und Ameisen in unglaublichen Mengen. Frösche, Unken, Käfer,
Schnecken, Asseln, Zehntausendfüssler und Hilfe: Skolopender!
Manchmal kaum sichtbar eine Schlange. Diese Giftwürmer sollte man vernichten.
Schilf, drei Meter hohe Billigstausgabe,  erschwert meinen Weg in die Kneipe. Ausreissen,
roden, zerstören, liquidieren! Ich vegetiere noch nicht in einem Dschungel.

Unmöglich. Jetzt kommt die dreiste alte Schlampe auch noch mit Frühstück.
Dabei stösst mir das Sauerkraut von gestern weiterhin auf. Was ist denn das für
Zeug da im Fressnapf, na?
Ekelerregende Farben, gelb und orangerot. Ist doch überhaupt keine Harmonie,
haut den schönsten Appetit in die Binsen. Das riecht übel und sieht aus wie frisch gekotzt.
Das soll ich fressen? Die ist doch total bescheuert. Was Pango und Mamaya? 
Gin yourself, häh? Ist das doch die Möglichkeit?
Ich will leckeren Leberkäse oder deutschen Käsekuchen, Brot, Eier, Speck und ein Bier.
Ein deutsches Bier!

Mein Schädel brummt seit gestern. Schuld ist die kaum saufbare Brühe, die sie hier
Bier nennen. Ist sicher nicht nach deutschem Reinheitsgebot gebraut.
Die allgegenwärtigen Vögel, piependes Kleinvieh, gehen mir auf den Wecker.
Wo sind die stolz kreisenden Adler? Ich suche dich, scharfäugiger Turm- und Wanderfalke.
Wandern? Ja, zurückwandern ins schöne Vaterland. Mit richtigen Früchten: Äpfeln und Erdäpfeln.
Und frischer, kühler Luft. Über Ostern noch mal so richtig mit den Skiern ins Gebirge.
Ist wohl auch nichts, mit dem Hüftgelenk aus Edelstahl von Sulzer. Hab ich Schwein,
dass meine Eier noch nicht aus Porzellan sind.
„Hey Nok, I go ran aharn jerman, dschogg di!“


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Skolopender
Beitrag von: Low am 08. April 2009, 18:26:15
Nachtrag zum Beitrag #248  April Fool.
Skolopender:

http://www.youtube.com/watch?v=Ps82VSoLQY4&feature=related
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: April Fool, die Dritte Version
Beitrag von: Low am 09. April 2009, 18:25:46
Mittlerweile kennen fast alle Leser den Vorgarten mit seiner Flora und Fauna.
Doch die Beschreibungen sind unvollständig. Beobachten wir Heiri Huber und
sein Verhalten während einigen Morgenstunden in dieser Umgebung.

Herr Huber steht pünktlich um sieben Uhr auf. Eine zehntel Sekunde ab Beginn
des Weckalarms, stellt er ihn bereits ab. Frisch und munter steigt er aus dem Bett
und geht ins Badezimmer. Er pinkelt im Sitzen. Er rasiert sich. Am liebsten würde er
das mit seinem schweizerischen Militärsoldatenarmeemesser erledigen. Er putzt sich
die gepflegten Zähne, gurgelt, grinst. Dann duscht er kichernd kalt und dementsprechend
kurz. Er trocknet sich ordentlich ab. Kämmt sich einen schnurgeraden Scheitel durch
das etwas schüttere melierte Haar und steigt in seine frisch gebügelte Khaki Uniform*.
Sprayt sich etwas Rasierwasser, Duttweilers Morgengruss,** unters Kinn und an die Wangen.

Er geht zum CD Spieler, startet Rossinis: „Willhelm Tell Ouvertüre“. ***
Er wandert fest entschlossen zum Kühlschrank und giesst sich etwas Orangensaft in ein Glas.
Dann nimmt er fast würdevoll ein rotes Tuch aus einem Gestell und schreitet zum Motiv
„Leise lächelt der See“ in den Garten.
Er achtet darauf, dass das Mückengitter der Türe im Eiltempo geschlossen wird.
Er schaut sich um und geht nach vorne zum Zaun, faltet andächtig das Tuch auseinender.
Im Hintergrund röhrt nun der Rossini richtig los. Huber pfeift dazu etwas falsch den
„Sechseläuten Marsch“# und zieht stolz und stramm die Schweizer Fahne im letzten 
Aussenposten der Zivilisation hoch.
Gioachino  Rossini als italienischer Fremdarbeiter beschäftigt ihn nicht. Er denkt nur an Tell
und das weisse Kreuz. Das ist billiger als das Rote Kreuz, mit seinen ewigen Spendenaufrufen.

Heiri, der Pflanzennarr, giesst die Orchideen mit einer kleinen Handspritze, wie sie Frauen
zum Bügeln verwenden. Dann nimmt er ein Scherchen, keine Pflanzenschere, Qualitätsstahl
aus Solingen, und schnipselt liebevoll am Bambus herum. Der Rossini ist vorübergehend
etwas ruhiger, bis das Orchester zum fulminanten, grandiosen Finale ansetzt.
Nun schnipselt Huber taktlos weiter.
Dann wechselt er die Schere, solides Gartenmaterial. Er schneidet ein paar dürre Zweige
aus dem drückend duftenden Jasmin, den bunte Schmetterlinge umflattern. Einige Schritte
weiter entfernt er mit einem speziellen Messer angedörrte Bananenblätter gefühlvoll. Dann
geht er zum Papyrus und schneidet knapp unter der Wasseroberflache vorsichtig ein paar
braune Stangen weg. Wie ein Sämann streut er Fischfutter auf das spiegelglatte Wasser,
in welchem es nun zu brodeln beginnt. Er arbeitet am Farn. An den Dieffenbachie schneidet
er ein trockenes Blatt weg und überlegt kurz, ob man das wohl rauchen könnte.
Bei der Frangipany## schmerzt ihm das Herz, als er viele der pastellfarbenen, wohlriechenden
Blüten im Grase liegen sieht.
Doch jetzt wird es Zeit für ihn, sich aufs Sofa zurück zu ziehen. Seine Zugehfrau Nok, sie ist
mit einem Deutschen liiert, kommt gleich. Und er schaut ihr gerne bei der Arbeit zu, wie sie
freundlich lächelnd hantiert. Manchmal, wenn sie unter dem Sofa staubwedelt, kann ihr
Heiri Huber in die Bluse sehen. Öfters kickte sie ihn bewusst mit ihrem gut proportionierten
Fahrgestell an. Jetzt getraut sich Herr Heiri Huber bereits, sie, wie früher die Serviererinnen,
in den Hintern zu kneifen.
Wir verlassen die Szene, bevor sie peinlich wird. Herr Huber schaut verzweifelt auf die Uhr.
Nok ist wie gewohnt unpünktlich.


*Das Wort Khaki stammt aus dem Persischen und bedeutet staubfarben.
Die erste militärische Einheit wurde 1846  in Indien mit Khaki-Uniformen ausgestattet.
Offizier: Sir Harry Burnett Lumsdens.

**Gottlieb Duttweiler. 1888-1962 Zürich. Migros-Gründer und Sozialpolitiker

***Die Oper Wilhelm Tell / GuillaumeTell (Guglielmo Tell) von Gioachino Rossini Uraufführung 1829 in Rom. 
Ouvertüre - ca. 12 Min.

#Sechseläuten-Umzug: Nächstes Mal am Montag, 20. April 2009
Der Sechseläutenmarsch wurde Ende des 17. Jahrhunderts von Jean-Baptiste Lully in Paris komponiert.
Friedrich II. taufte die Melodie Jägermarsch und Alexander II. machte daraus einen russischen Militärmarsch.
Der Sechseläutenmarsch ist die Zürcher Nationalhymne.
In Zürich-West = Bern bläst man den Berner-Marsch. (sympathischer)

##Frangipany = Plumeria

Es war mir ein Anliegen, den Aufsatz googelfrei verständlich zu gestalten.


Für Reklamationen betreffend Verletzung der eidgenössisch schweizerischen Souveränität,
Neutralität, oder des Bankgeheimnisses, Herr Heiri Huber war Bankbeamter, bitte die Prügelecke benutzen.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: April Tagebuch - Singapore
Beitrag von: Low am 14. April 2009, 12:12:02
April Tagebuch - Singapore

Anfangs April besuchten wir Singapore, bloss drei Flugstunden von Chiang Mai entfernt.
Gleichzeitig liegen Welten dazwischen. Freundliche Beamte bei der Einreise gaben
Süssigkeiten ab. Keine Taxischummeleien am Flughafen! Sämtliche Verkehrsteilnehmer
gehorchten den Regeln. Bei rot wurde an den Ampeln zu einhundert Prozent angehalten.
In Chiang Mai stoppen nur die Ambulanzen bei Rotlicht.

Meine erste, seit über einem viertel Jahrhundert geschiedene Frau, stammte aus Singapore.
Ich dachte nach der Scheidung anfänglich, in Singapore wird für mich nicht mehr gut Kirschen
essen sein. Ich irrte mich gewaltig. Die  Familienmitglieder feiern noch immer mit mir.
Die neue Lady wurde vor fünf Jahren nicht etwa kühl empfangen, sondern gleich voll
in den Clan integriert. Die ehemalige Schwägerin und sie sind beste Freundinnen.

In Singapore musste ich erkennen, dass ich alt und schwach geworden bin. Dank der frischen
Luft erholte ich mich etwas.  Am Samstag jedenfalls bummelten mein Freund und ich von
der Coleman Street via Sir Stamford Raffles* Landeort zur Esplanade**.
Dort trank ich in Harry’s Bar einen Shirley Temple***, etwas undefinierbar süsses rötliches
ohne jeden weiteren Geschmack. Während dieser Zeit legte Dick ungestört Kohle in Textilen an.
Nach achtzehn Uhr trafen wir uns im Club bei Thunfisch Häppchen mit Anchovis, **** und Kapern,
sowie Schaumwein bis Onkel’s Gesichtzüge leicht rosafarben wurden. Merke: Chinesen –
es mag Ausnahmen geben, sind keine Cüpplitrinker.
So verschafften wir uns freien Abend.


*
Sir Thomas Stamford Bingley Raffles (* 6. Juli 1781 in Port Morant, Jamaika;
† 5. Juli 1826 in Baret, England)
Am 29. Januar 1819 landeten seine Schiffe vor der Insel Singapur.

**
Das Esplanade - Theatres on the Bay wurde am 12. Oktober 2002 eröffnet
und gehört zu den weltweit bekanntesten Kunstzentren

***
Shirley Jane Temple (* 23. April 1928 in Santa Monica, Kalifornien, USA) ist eine ehemalige
amerikanische Schauspielerin und Botschafterin, einer der größten Kinderstars der Filmgeschichte.

Cocktail Shirley Temple: Zutaten
4 cl Kirschsaft
2 cl Zitronensaft
10 cl Ginger Ale
Eiswürfel

****
Anchovis, Anschovis oder Anchois (von gleichbedeutend spanisch anchoa) ist eine andere Bezeichnung
für die Europäische Sardelle (Engraulis encrasicolus).


Fortsetzung folgt.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: April Tagebuch - Kommunikationsprobleme
Beitrag von: Low am 15. April 2009, 10:08:06
April Tagebuch - Kommunikationsprobleme

Ab dem sechsten April setzte ich meine Beiträge täglich fort. Am neunten April ab achtzehn
Uhr wurde das Einloggen zur Geduldsache. Nur mit viel Mühe konnte ich meinen Artikel laden.
Das Ausloggen erwies sich als Glücksspiel.
Bei einer weiteren Anmeldung kurze Zeit später erhielt ich die Meldung:

Forbidden
You don't have permission to access /tip-forum/ on this server.
Additionally, a 403 Forbidden error was encountered while trying to use an
ErrorDocument to handle the request.
 
Apache/2.2.11 (Unix) mod_ssl/2.2.11 OpenSSL/0.9.8e-fips-rhel5 mod_auth_passthrough/2.1
mod_bwlimited/1.4 FrontPage/5.0.2.2635 Server at www.thailandtip.de Port 80

Später wurde das Einloggen passwortgeschützt teilweise möglich. Ich war erstaunt,
wie schnell das im Netz zirkulierte.
Dann kam die nächste grosse Panne. Mein Provider Maxnet hatte ebenfalls Probleme
und war über 24 Stunden gestört. Der Callcenter 1103 half wie üblich - gar nicht.
Nicht einmal die obligatorische Ausrede: „Wir rufen zurück“, wurde eingehalten.

Vor vielen Jahren, in der guten alten Zeit des vorigen Jahrhunderts, besuchte ich
die Eichstätte des Bundesamtes für Mass und Gewicht.
Da stand ein Turm für irgendwelche Mess- und Versuchszwecke. Innen war eine hübsche
Treppe. Ich erinnere mich nicht, ob sie aus Holz war. Eines weiss ich bestimmt. Im Turm
waren in regelmäßigen Abständen Wasserschläuche mit Strahlrohren installiert. An einer
dieser Brandbekämpfungsstationen hing ein Hinweis mit der Verordnung (eines Witzboldes):
„Alle Schläuche müssen zwei Wochen vor Brandausbruch auf Dichtigkeit geprüft werden!“

An diese Geschichte erinnerte ich mich, als ich sah, wie Roy und sein Team
auf das Serverproblem reagierte.
Am 11. informierte mich Markusz, dass der Tip in Kürze wieder erreichbar sein sollte.
Auch Maxnet arbeitete wieder.
Ich gratuliere den IT Leuten zur Glanzleistung in rekordverdächtiger Zeit.
Roys Zeitberechnung ging auf.
Roy, in irgend einer Welt hast du Freunde, seien es Bits, Bytes oder Elektronen, vielleicht gar
die Roten, die mit den Aktionen zuwarteten, bis deine Nachrichtenbörse wieder flott war.
 
Als der Tumult richtig ausbrach, war der TIP wieder die erste Informationsquelle!
Am meisten online (gesamt): 263 (13. April 2009, 15:34:51 )
EGAT blockierte uns mit einem soliden Stromunterbruch während sechs Stunden. Dumm war nur,
dass ich während dieser kritischen Zeit meine Hose sauber halten musste, denn wir hatten ohne
Pumpe kein Wasser.
Ich habe ein altes Sony Kurzwellenradio mit Tastatur für die Frequenzwahl, meine letzte Verbindung
zur Aussenwelt im Krisenfall bei Stromausfall.

Fortsetzung folgt.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: April - Verkehrsprobleme
Beitrag von: Low am 16. April 2009, 14:17:18
April - Verkehrsprobleme

Weil ich nicht sieben Stunden im Auto sitzen wollte, besuchten uns Dicks Eltern mit
unserem Pflegesohn über die Songkran Feiertage. Dicks Bruder brachte die Gäste.
Sein sechsjähriger Sohn erklärte ihm zuvor:
„Mein Onkel hat mich gern. Ich will ihn sehen. Ich will auch nach Chiang Mai.“
Weil ich mit mehreren Kindern, wie sich letztes Jahr zeigte, überfordert bin,
wollten wir nur den einen Knaben für längere Zeit.
Wenn uns Kinder besuchen, lassen wir sie nicht an den TV, sondern wir lernen und
spielen mit ihnen. Beim Kochen sind sie als Küchenhilfe tätig, bereiten als Kellner
den Tisch vor. Beim Essen lernen sie Tischmanieren, mit Messer und Gabel hantieren.
Sie erfahren, dass man Speisen nicht wie in der Schule, wie ein Hund hinunterschlingt.
Es gibt ja genug für alle. Sie lernen, dass man nicht mit vollem Munde spricht oder trinkt,
und dass es nicht die feine Art ist, sich in den Ärmel zu schneuzen.
Weil der Altersunterschied zu gross war, war es schlecht möglich, beide Buben gleichzeitig
hier zu haben.
Der Kleine erhielt meine Absage vom Vater. Der Knabe bettelte, weinte, maulte und wehrte
sich. Er musste den Onkel sehen.
Als die zukünftigen Gäste im Morgengrauen den Pickup bestiegen, war der Kleine nicht zu
finden. Mutter würde es schon richten. Etwas über hundertfünfzig Kilometer später verrutschte
eine Plane auf der Ladefläche. Darunter versteckte sich mein jüngster Besucher.
Er war glücklich, vierundzwanzig Stunden mit uns zu verbringen und reiste gegen ein Handgeld
fast freiwillig mit seinem Vater zurück.

Eigentlich kaufen wir an Wochenenden nicht bei Grossverteilern ein. Es gibt kaum Parkplätze.
Die Einkaufszentren sind im April mit Menschen überfüllt, die bloss einen klimatisierten Raum suchen,
um der Hitze zu entfliehen.
Letzten Samstag mussten wir wegen den Besuchern eine Ausnahme machen. Wir fanden mit
Mühe einen Platz fürs Vehikel und kämpften uns durch die Menschenmassen. Die benehmen sich
beim Einkaufen genau so, wie im Strassenverkehr: Rücksichtslos.
Der Carrefour ist etwa zwanzig Kilometer vom Dorf entfernt. Unter Benutzung von Ringstrassen
und Superhighway ist der Zeitaufwand trotzdem geringer, als ein Besuch im wesentlich kleineren,
aber näher gelegenen Carrefour Hangdong.
Als wir uns auf dem Rückweg der Ausfahrt Flughafen näherten, winkte Einer ganz rechts am
Superhighway mit einer Flagge. Ich konnte Dick überzeugen, das Tempo zu mässigen und links
zu halten. Einige Fahrzeuge kamen uns als Geisterfahrer entgegen und machten dann wieder
eine hundertachtzig Grad Kurve weg vom Highway.
Die Roten sperrten den Highway Chiang Mai - Lampang südlich der Ausfahrt Flughafen für zwei Tage.
Oben auf der Autobahnbrücke parkierten die Verkehrsteilnehmer ihre Autos und schauten dem roten
Treiben zu. Ich bin sicher, dass bei längeren Blockaden dort oben Garküchen und Eisdielen eingerichtet
würden, wie gehabt bei den Überschwemmungen, wo die Gaffer von den Brücken aus, mit Mango
und Klebreis in den Händen, ihre Landsleute beim Absaufen beobachteten.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: April - Verkehrsprobleme
Beitrag von: illuminati am 16. April 2009, 17:33:48

......., dass bei längeren Blockaden dort oben Garküchen und Eisdielen eingerichtet
würden, wie gehabt bei den Überschwemmungen, wo die Gaffer von den Brücken aus, mit Mango
und Klebreis in den Händen, ihre Landsleute beim Absaufen beobachteten.


erinnert mich irgendwie an die Reality Shows bei den Privatsendern, die niemand anschaut, aber jeder kennt.
-- wir sind halt so --  >:

Gruss
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Putsch
Beitrag von: Low am 17. April 2009, 22:51:58
Putsch                             September 2006

Im September hatten verschiedene Herren im weissen Haus Schweissausbrüche, als P.M. Taksin
in New York weilte. Aus Thailand wurde aufgeregt gemeldet, dass ein General – ausgerechnet
ein Moslem - einen Putsch durchführe. Dschihad ? Wollen die Moslems das buddhistische Thailand
übernehmen? Es war alles halb so wild.
Am frühen Abend rollten im chaotischen Verkehr Bangkoks die Panzer zu den strategisch
wichtigen Orten. Einige Panzerfahrer beobachteten sogar das Rotlicht an den Kreuzungen.
Taksins telefonischer Befehl, General Sonthi sofort abzusetzen, wurde ignoriert, denn sein
Stabschef war bereits zum Feind übergelaufen. Einen direkten Appell aus New York an Kanal 9
im Fernsehen unterbrachen die Militärs nach wenigen Minuten.
Um Mitternacht rapportierten die Generäle beim König, die Operation sei ohne Blutvergiessen
durchgeführt worden.
Die Erleichterung in der Bevölkerung zeigte sich darin, dass Soldaten und Panzer mit Blumen
dekoriert wurden. Die Militärs erhielten spontan Essen und Getränke. Der Putsch gedieh zur
Armeeshow. Kinder und Touristen machten Fotos mit all dem Kriegsgerät.
In Chiang Mai wurden wichtige Zufahrtsstrassen überwacht. Das zivile Leben war nicht
beeinträchtigt. Die meisten Armeeeinheiten kehrten nach wenigen Tagen wieder in die Kasernen
zurück. Ein Grossteil der Bevölkerung begrüsste die Aktion der Armee. Gegner waren in der
Studentenschaft zu finden. Die wollen weder Taksin noch die Armee. TRT Aktivisten fackelten
einige Schulen ab. 
Taksin lud einige Wochen zuvor etwa 100 Taxifahrer zum Frühstück ein, um Probleme zu
besprechen. Seit damals waren die Taxifahrer seine Freunde. Anti-Taksin Fahrgäste standen
öfters auf der Strasse. Der Taxifahrer Namthong Praiwan aus Nonthaburi war mit dem Putsch
unzufrieden. Er drehte mit seinem Wagen einige Runden vor dem Königsplatz (Royal Plaza)
und fuhr dann mit Vollgas in einen Panzer. Dem Panzer passierte nichts. Das Taxi wurde zur
Ziehharmonika und Namthong musste 10 Stunden lang beatmet werden, weil Brustkorb und Rippen
beschädigt wurden. Die Ärzte bestätigten, sein Gehirn sei in Ordnung. Noch im Spitalbett erklärte
der Kamikazefahrer, er würde es wieder tun.
Oktober 2006
Der Taxifahrer, welcher seinerzeit den Panzer in Bangkok rammte, den die Ärzte im Spital
darauf zusammenflickten, erhängte sich Ende Oktober.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: illuminati am 17. April 2009, 23:38:38
Hallo,
deine Geschichte bringt das ganze Dilemma in TH auf den Punkt. Auf der einen Seite die -- Elite uneinig -- auf der anderen Seite die --Wähler Taxifahrer--. Die jeweiligen Gruppen leben in unterschiedlichen Welten - und die Frage stellt sich, welcher Gruppe traut man am ehesten zu die Zukunft zu meistern.

Der Taxifahrer hat seine individuelle Lösung gefunden - auf gesellschaftlicher Ebene wird sehr wahrscheinlich der Einäugige über den Blinden dominieren - was zumindest kurzfristig die bessere Lösung sein dürfte.

Gruss
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Der Besuch
Beitrag von: Low am 19. April 2009, 08:43:31
Wieder einmal werfe ich einen Blick zurück (ins Emmental) und realisiere,
es hat sich wenig geändert seit 1854. Gefärbte Brillen kannte man schon
damals. Das zeigt ein Ausschnitt aus:


Der Besuch

Jeremias Gotthelf            1854

Das gute Weibchen meint, es habe absolut recht in allen Dingen, und unbedingt und
ungeprüft müsse das Mannli b sagen, wo es a gesagt. Ja, das ist ein schwer Ding,
und begreiflich bringt es nicht jeder Mann übers Herz, denn da läuft kein Weib
ohne Brille in der Welt herum, und dieselben sind bunt gefärbt, oft anders,
oft das eine Glas grün, das andere rot. Und da immer recht geben unbedingt,
ohne Einrede - denn jede Einrede, von Widerspruch wollen wir gar nicht reden,
wird als Zeugnis von Feindschaft, wenigstens als ein Mangel von Liebe und Vertrauen
aufgenommen - selb ist eine harte Sache. Die Weiber haben wirklich die auffallendste
Ähnlichkeit mit den politischen Despötlein, die jede andere Meinung verdammen,
die unbedeutende Schattierungen in den Ansichten als Vaterlandsverrat verschreien.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Die Kuh und das Veilchen
Beitrag von: Low am 20. April 2009, 15:30:24
Die Kuh und das Veilchen                                         1982

Für die meisten Hindus sind Kühe unantastbar. Der Sanskrit-Name aghnya, die Unantastbare,
weist darauf hin. Selbst bei denjenigen, denen sie nicht heilig, sondern nur ein wichtiges Symbol
ist, hat sie einen hohen Stellenwert. Das Töten von Kühen ist für Inder undenkbar.
Nicht alle Hindus sind Vegetarier. Doch ist es für die Mehrzahl ausgeschlossen, Rindfleisch zu essen.
In einigen Regionen gilt nicht nur die Berührung der Kuh, sondern bereits ihr Schatten als rituell
verunreinigend.
Für mich fast paradox ist die Tatsache, dass sie für viele arme Bauern in Indien das einzige Zugtier
und damit eine beachtliche Stütze der Landwirtschaft ist. Für Millionen Menschen in Städten und
Dörfern ist ihr Dung das wichtigste Heizmaterial zum Kochen. Zum Bau der Häuser in den Dörfern
ist Dung unerlässlich. Mit Wasser gemischt, reinigt  man damit nicht nur Haus und Hof, sondern
auch die Plätze für den Gottesdienst.
Wir empfinden diese Praxis als unhygienisch und abergläubisch. Doch der Dung erwies sich als
wirksames Insektizid und Desinfektionsmittel. Entsprechende Produkte werden gewerbsmässig
hergestellt. Dung und Urin von Rindern setzt die traditionelle Volksmedizin Ayurveda gegen
verschiedene Krankheiten ein. Viele Europäer können nicht genug ayurvedische Kuhfladen in
getrockneter oder flüssiger Form, wie auch immer, konsumieren. (Suchtmittel wie Alkohol?)

Europäer in Indien beurteilen die wandernden und weidenden Kühe auf den Strassen als typisch.
Viele Bauern lassen ihre Kühe laufen (wie in Hinterindien die Hunde), damit sie sich von Abfällen
selbst ernähren. Ob Blumen- oder Gemüseladen-Besitzer ihre Freude daran haben, wage ich zu
bezweifeln, denn es wäre unschicklich, die Tiere beim Mahl zu stören und weg zu jagen.

Indien hat einen der grössten Viehbestände der Welt. Zahlreiche Bundesstaaten haben ein
Kuhschlachtverbot. Die meisten Tiere sterben eines natürlichen Todes.Vor einigen Jahren verendeten
viele Kühe, weil Plastiksäcke in den Mägen die Tiere elendiglich verhungern liess. Darauf verbot die
Regierung die Abgabe von Plastiksäcken bei Einkäufen.
Die Häute der verendeten Tiere werden von den Angehörigen der untersten Kasten abgezogen und
verarbeitet. Diese Kasten sind diskriminiert und ausgegrenzt. Dazu gehört, dass sie am Dorfrand leben
müssen, kein Land besitzen, und weder selbst Wasser vom Brunnen holen noch einen Tempel betreten
dürfen. Dennoch ist Indien einer der grössten Rindslederexporteure der Welt.

Wir arbeiteten in Ipoh, Malaysia, an einem erdwissenschaftlichen Projekt. Einer unserer fähigsten
Mitarbeiter war indischer Abstammung. Er war nicht nur zuverlässig, sonder ein begnadeter Fußballspieler.
Nur deshalb erhielt er die Anstellung in einem Staatsbetrieb.
Wir freuten uns alle darauf, am Wochenende seine überaus hübsche Braut zu sehen. Bei einer wüsten
Balgerei am Mittwoch, zog er sich ein blaues Auge zu. Ein richtiges Veilchen. Sein Aussehen war ihm
peinlich. Er kam zu mir und bat um Rat. Ich sagte ihm, er solle meinen Kollegen, der in kürze seinen
Doktortitel (in Geologie) erhalten würde, fragen.
Der angehende Doktor erklärte ihm, ohne viel zu Überlegen:
„Du musst ein saftiges Stück Rindfleisch auflegen!“

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Hinterindische Tragik-komödien
Beitrag von: Low am 24. April 2009, 09:46:08
Hinterindische Tragik-komödien         2009

Viele der spassigen Geschichten sind eigentlich Tragödien mit den schicksalshaften Konflikten
der Hauptfigur. Ihre Situation verschlechtert sich ab Eintreffen der Katastrophe. Das Scheitern
der tragischen Gestalt ist dabei unausweichlich. Die Ursache liegt oft im Charakter der Figur
und in deren Überheblichkeit. Will sie dem vorbestimmten Schicksal durch fragwürdiges Handeln entgehen?

Eine Komödie ist ein Lustspiel mit erheiterndem Handlungsablauf. In der Regel endet es glücklich.
Die unterhaltsame Wirkung entsteht durch eine übertriebene Darstellung menschlicher Schwächen.
Die Leser fühlen sich zu Figuren hingezogen, oder sie blicken auf sie herab. Sie verlachen sie, weil
sie Schwächen haben, die als ungehörig normiert sind. Eventuell gehören sie anderen Gesellschaftsschichten
oder Minderheiten an.
 
Schwankt die Haltung gegenüber den komischen Figuren, spricht man von einer Tragikomödie.
Die Leser sollten nicht nur die Rolle eines passiven Konsumenten inne haben. Eigenständigen Nachdenken
ist angesagt, denn ich hinterfrage allgemein Anerkanntes. Ich formuliere schonungslos die Widersprüchlichkeit
der gesellschaftlicher Strukturen und die Verbindung von scheinbar Unvereinbarem.

Die Vorgaben sind die Unterschiede und ebenso die Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen
in Hinterindien und uns aufzuzeigen, und damit eine Verbesserung des Klimas und der Beziehungen
zu ermöglichen.
Dass ich dazu Übertreibungen, Sarkasmus und Doppeldeutigkeiten verwende, möge
mir mein Publikum verzeihen. Manche Aussagen sind eventuell zu komprimiert, um sie auf Anhieb
zu verstehen. Ich werde mir Mühe geben in Zukunft einfacheren Klartext zu verwenden.

Wie weit ich als Beobachter die Szenen beschreiben kann, ist täglich eine neue Herausforderung.
Es gibt Ereignisse, die ich nicht verarbeitet habe und über die ich kaum berichten werde. Ich brauche
immer etwas Distanz zu den Figuren, besonders wenn sie mir nahestehen.

Vor allem beim kritischen Betrachten mancher Zeitungsartikel darf man sich fragen, ob das jetzt
ernst gemeint, eine unglückliche Wortkombination oder ein Witz sei.

Es darf trotzdem gelacht werden!



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Hinterindische Tragik-komödien
Beitrag von: khon_jaidee am 24. April 2009, 11:37:39
Dass ich dazu Übertreibungen, Sarkasmus und Doppeldeutigkeiten verwende, möge
mir mein Publikum verzeihen. ... Ich werde mir Mühe geben in Zukunft einfacheren Klartext zu verwenden.

Bloß nicht, low! Gerade die Übertreibungen, Doppeldeutigkeiten und der Sarkasmus in deinen Geschichten machen diese so lesenswert.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Die Bürgermeisterin
Beitrag von: Low am 25. April 2009, 10:34:33
Die Bürgermeisterin

Der TIP berichtete:
Die Bürgermeisterin von Chiang Mai, Duentemduang na Chiang Mai, darf nach einem Urteil
des Oberverwaltungsgerichts nicht die Bürgermeisterin von Chiang Mai sein. Knapp zwei
Jahre nach den Bürgermeisterwahlen von Chiang Mai wurden diese vom Oberverwaltungsgericht
für ungültig erklärt. Die Gewinnerin und jetzige Bürgermeisterin Duentemduang na Chiang Mai
wurde auf Antrag der Wahlkommission (EC) disqualifiziert. Nun gibt es Neuwahlen.
http://www.thailandtip.de/tip-zeitung/nachrichten/news/chiang-mai-buergermeisterwahlen-ungueltig//back/2/

Wir in der Provinz waren glücklich mit der Lady. Sie versuchte mindestens, sich gegen den
alten Schlendrian durchzusetzen. Die kleinen Gemeinden verfügten plötzlich über spezielle
Fahrzeuge für eine geregelte Müllentsorgung.
Die energische Frau schuf ein Feuertelefon, das Tag und Nacht besetzt war.
Wenn die Anwohner durch Rauchschwaden belästigt wurden, konnte man telefonieren.
Von der Amtsstelle aus wurden die Gemeindeobmänner beauftragt, der Sache nach zu gehen.
Das passte diesen Herren nicht in den Kram.
In der Nähe des Hauses eines Obmannes entdeckten wir im Acker zahlreiche Feuerstellen.
Als es neben uns rauchte und stank, telefonierte Dick. Einige Minuten später kam der
Gemeindevorsteher mit Beobachter-Gehilfe per Motorrad und schaute sich die Sache beim
Nachbarn, der bereits öfters gebüsst wurde, an.
Er betrachtete das Feuer und erklärte uns überraschend:
„Das ist kein Feuer. Ich sehe keinen Rauch!“

Ich konnte mir bereits damals vorstellen, dass die Dame rauchlos gefeuert würde.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Glaubwürdigkeit im Internet und im Forum
Beitrag von: Low am 26. April 2009, 17:56:27
Glaubwürdigkeit im Internet und im Forum

Die Glaubwürdigkeit stellt im Allgemeinen ein wesentliches Fundament der zwischenmenschlichen
Kommunikation dar. Langfristige interaktive Kommunikation bestimmt den Handlungsspielraum
von Einzelnen, Unternehmen und Organisationen. Auf Glaubwürdigkeit aufbauend entstehen
weiterführende Bindungen wie Goodwill und Vertrauen.

illuminati
„Re: Über Expats und Ausländer in Thailand und Rückkehrer
« Antworten #84 am: 08. März 2009, 19:24:54 »

„wer mehr als 3 Jahre in einem fremden Land lebt - und nicht mindestens die Grundkenntnisse
der Sprache in Wort und Schrift beherrscht, der hat für mich als geouteter Analphabet keine
sonderliche Glaubwürdigkeit.“

Sofern ein Yugokrat oder der Ali aus den Schluchten des wilden Kurdistan eine Geschichte erzählt wie:
„Weiss du ey. hab ich gesucht lampe für meine dusch ne.
War in Obi und bin gegang zu Infotussi, hab gefrag:
“Duschlampe?“ Ey, jetzt krass: Hausverbot!“,
ist das zum Schmunzeln.

Wenn einer den Satz:
„Er sprach Schweiz er Deutsch, -  er sprach Schweizerdeutsch,“
nicht auf Anhieb versteht, kommt er sich unter umständen wie ein kleinasiatischer Fremdarbeiter
vor. Wenn er bei der Ankündigung des Metzgers: „Rohess Speck!“, denkt , oh, ich hab nicht
gewusst, dass man rohes Speck mit drei s schreibt, steht es relativ schlecht um die Rechtschreibung.

Spricht die gleiche Person vom Hühner Bock und meint den Gockel, dann hat illuminati recht.
Da würde ich einen Deutschkurs vor der Rückkehr empfehlen. Ich bin der gestörte Kerl mit den Sprachschwierigkeiten.
Darum begann ich als Notlösung zur Verbesserung vor
neun Jahren meine Monatsberichte zu schreiben.
Bei der Konversation verstehe ich meistens den ersten Satz nicht, weil ich die Sprache suche.
Erst dann kann ich mich dem Inhalt zuwenden.

Aber illuminati meinte natürlich die Thai Sprache. Da muss ich leider passen.
Vielleicht kann ich ein einzelnes Wort erkennen. Ob ich es richtig ausspreche ist dann
bereits eine Glücksache. Wenn die Wörter wie eine Güterzugskomposition aneinandergereiht
sind, ohne Interpunktion und ähnliche Hilfsmittel, bin ich machtlos und ein Analphabet.
Dazu kommt meine altersbedingte progressive Sehschwäche. Anders ist es, wenn Thai mit
fremdsprachigen Fachbegriffen durchsetzt ist, dann sitzt der Thai meistens in der zweiten Reihe.
Ich weiss es, weil ich einmal an einer Dissertation mitarbeitete.

Apropos Wortschlangen, die haben bereits abgefärbt. Im Artikel # 207
„Drei Gewichtseinheiten“ brauchte ich den Ausdruck:
Bugattilamborghiniferrarimaseratidetomasopagani.

Vor langer Zeit hatte ich eine Freundin auf Phuket. Sie sprach Thai mit mir.
Zuerst wenig, dann immer mehr. Als ich in den Norden kam, dachte ich: „Thai sollte kein Problem sein.“
Keiner verstand mich, ausser einer Frau aus Bangkok. Und Lanna Thai, das kapiert nicht mal Mia.
Sie lebt bald über 44 Jahre im Land.

Güterzugskompositionen von Wörtern kennen auch die Maori:
"Taumatawhakatatangihangakoauaotamateapokaiwhenuakitanatahu."
Anders als Thai ist das unkritisch zum Aussprechen, reine Silbenbetonung. Zu Deutsch:
„Der Platz, an dem Tamatea, der Mann mit den großen Knien, Berge glättete, erklomm und
verschluckte, bekannt als der Landesser, der für seine Geliebte die Flöte spielte.“
Das ganze ist der Name eines Hügels auf der Nordinsel Neuseelands an der Hawke Bay.

Kei te pehea koe? heisst auf Thai: Sabaideemaikrap?
Gekonnt finde ich viele Gesänge der Maori. Die vokalreiche Sprache kommt teilweise sehr
nahe an die Kunstfertigkeit italienischer Arien.
Wer grosse Sopranstimmen liebt, kennt vielleicht Kiri te Kawana, eine Maori aus der Nordinsel.
Sie sang 1981 anlässlich der Hochzeit von Prinz Charles mit Lady Diana „Let the bright Seraphim“ von Händel.

Zurück zur Sprache:
Plural (Mehrzahl), Deklination (Beugung der Substantive, Adjektive, Pronomen und Numeralien)
und Konjugation (Beugung der Verben) gibt es nicht, wie im Malaischen. Diese blumige Sprache
war mir sehr nahe. Ab ungefähr 1970 wurde das Bahasa Melayu reformiert. Eltern klagten mir,
dass Schüler teilweise für dasselbe Wort in wenigen Jahren fünf verschieden Bezeichnungen lernten.

Wahrscheinlich fehlte vor etwa 1000 Jahren nicht allzuviel, und man hätte auch in Thailand eine
Malay-Polynesische Sprache gesprochen. Vielleicht wissen Profuuu oder hmh mehr darüber.

Wenn ich sehe, wie flüchtig viele Beiträge gelesen und zum Teil gar nicht oder falsch interpretiert
werden, dann liegt die Unglaubwürdigkeit nicht beim Verfasser, sondern beim Leser. Viel Information
geht durch vergessen verloren. Dies betrifft vor allem deutsch, nicht nur Fremdsprachen wie Thai oder Englisch.



„Let the bright Seraphim“ mit Kiri te Kanawa:
http://www.youtube.com/watch?v=7FGitvRRJug

Ich bevorzuge die Aufnahme mit W. Marsalis, Trompete und K. Battle
http://www.youtube.com/watch?v=M7PzO2x9k0o
Titel: Claire Rawstron alias Kiri Te Kanawa
Beitrag von: hmh. am 26. April 2009, 19:05:49
Kiri te Kawana, eine Maori aus der Nordinsel.
(http://www.mainpost.de/storage/pic/dpa/starline/leute/2169712_0_jpeg-2iph0128-20090301-img_21031162.original.large-4-3-800-0-59-2000-1556.jpg)  Frau Claire Mary Teresa Rawstron, verheiratete Park, spielt, marketingtechnisch gesehen, hervorragend auf der Multikulti-Klaviatur. Ähnlich Barack Obama wuchs sie als Mischlingskind in einer wirtschaftlich gut gestellten Familie auf, die sie adoptierte. Ihre Eltern sind unbekannt. Es kann nur vermutet werden, daß unter ihren Vorfahren Maoris waren. Ihr Adoptivvater hatte jedoch tatsächlich Maori-Vorfahren, ihre Adoptivmutter war Irin.

Quelle: Wikipedia u. a.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: @ hmh
Beitrag von: Low am 26. April 2009, 19:25:49
@ hmh

Danke für die Verbesserung der Glaubwürdigkeit.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: illuminati am 26. April 2009, 19:27:52
Hallo,
........

illuminati
„Re: Über Expats und Ausländer in Thailand und Rückkehrer
« Antworten #84 am: 08. März 2009, 19:24:54 »

„wer mehr als 3 Jahre in einem fremden Land lebt - und nicht mindestens die Grundkenntnisse
der Sprache in Wort und Schrift beherrscht, der hat für mich als geouteter Analphabet keine
sonderliche Glaubwürdigkeit.“

.........

ich sehe das aus meinem persönlichen Blickwinkel und der sieht ungefähr so aus:
wenn ich mich in meinem Geburtsland befinde also in D und ich treffe mit Menschen aus anderen Ländern zusammen, die länger als 3 J. hier leben, dann erwarte ich, dass sie sich Grundkenntnisse der Landessprache angeeignet haben.

Es sollte reichen sich im normalen Leben alleine zurecht zu finden - ohne fremde Hilfe. Solche Ausrutscher wie beim Ali - können dabei schnell einmal passieren  ;D  wahrscheinlich könnte er denn Lapsus auch richtigstellen.

Sind nach 3 J. eines Gastaufenthaltes so gut wie keine Sprachkenntnisse vorhanden, dann unterstelle ich jedem sich hier in keiner Form integrieren zu wollen. Wenn sollen Leuten das Bleiberecht untersagt wird - meine Stimme hat er.

Soviel zu Deutschland...  jetzt kommen wir zu TH. Den gleichen Anspruch, den ich an Menschen die nach D kommen, stelle ich auch in gleicher Form an mich, wenn ich in ein fremdes Land ziehe und dort längere Zeit lebe >3 J. Ebenso beurteile ich Landsleute von mir in  Bezug darauf, wieviel Mühe sie sich geben haben zum Erwerb von Sprachkenntnissen - soviel zum Allgemeinen, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Fakt ist hier in TH ganz sicher eines: die Mehrheit aller Residenten die hier schon längere Zeit leben, sind über ihren Bar-Wortschatz in Thai nicht herausgekommen, erwarten aber von den hiesigen gebildeten Thais als vollwertigen Gesprächspartner akzeptiert zu werden - mit welchem Recht??

Wenn mir in D ein Ali begegnet der nur ein paar Wörter auf Deutsch daherstottert, mit dem unterhalte ich mich auch nicht über die grosse Politik oder beginne mit ihm über Gott und die Welt zu reden - ist doch eigentlich logisch oder ?

Ich bin auch kein begnadeter Fremdsprachenkünstler, es fällt mir sogar recht schwer die Thaisprache richtig zu treffen, aber dann hab ich halt das gemacht was ich am besten kann, erst einmal schreiben und lesen gelernt - das Erste ist nichts anderes als wenn man Normschrift lernt in einem technischen Beruf und das Lesen ist stumpfes üben.... es gibt viele Wege die zum Ziel führen, der Wille versetzt den Berg - an dem messe ich meinen Gegenüber.

Aber jetzt übergebe ich wieder an dich Low - damit du uns weiter mit deinen Geschichten beglückst - am besten weiter in Deutsch und nicht in Thai  ;D

Gruss

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 27. April 2009, 13:45:29
hmh:
Ähnlich Barack Obama wuchs sie...

Ja, da las ich Barock und hörte im Hinterkopf bereits die Klänge von Vivaldi, Händel,
Stradella und Scarlatti, und vernahm die Stimmen von Cecilia Bartoli, Kathleen Battle
und Kiri te Kawana.
Barock, Rock und Jazz lassen mich manchmal den hinterindischen Alltag vergessen.
Erst im Nachhinein verstand ich den Namen und das Amt und kehrte flugs brutal ins
Bananen- und Internet-Zeitalter zurück.

Danke illuminati, dass ich weiter in Deutsch schreiben darf. Das fordert mich genug.

Glaubwürdigkeit wird, wie der kritische Leser bemerkt, eher klein geschrieben.
Ich versuche es trotzdem. Und wenn dann etwas unglaubwürdig ist, sind immer meine
Quellen und Informanten schuld.

Die nächste Geschichte, Seitensprünge, folgt in den Abendstunden, nach dem
nochmaligen Überprüfen der Fakten. Sollte jemand zwischen Uttaradit und Phetchabun
eine Rauchwolke beobachten, stimmt alles.



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Seitensprünge
Beitrag von: Low am 27. April 2009, 17:29:57
Seitensprünge      27. April 2009

Etwa im Jahre 2000 unserer Zeitrechnung suchte er in Thailand eine Pflegerin oder
eine Haushalthilfe. Bezahlung etwa 20 000 THB pro Monat. Arbeitsort Deutschland,
denn seine Frau war krank, sterbenskrank.

Die Pflegerin war vom Land. Ausgebildete Krankenschwester. Nicht vom Isaan,
dennoch gab es dort viel wohlfeiles Land. Als seine Frau verstarb, konzentrierte er
seine Visionen auf diese Frau aus Thailand.
Er war zufrieden mit ihr. Er baute ihr dort ein Haus. Ein grosses Haus mit viel Umschwung.
Das grösste Haus in der Gegend. Ich sah es, es war sehr auffällig. Deshalb kenne
ich einen Teil der Geschichte.

Er war älter, öfters pflegebedürftig. Speziell wenn er wieder nach Thailand reiste.
Sie brachte ihn immer wieder auf Vordermann. Nach dem er sich erholte, wollte er
mit ihr in einen Swingerclub. Sie liess sich erklären, was das war. Sie lehnte entschieden ab.
Darauf verreiste er. Allein. Nach Bad Thaya. Nach der liebevollen Pflege der Krankenschwester
benötigte er den Kitzel der Bargirls. Dringend.
Das ging so für ein paar Jahre.

Vor einigen Tagen fühlte er wieder das extreme Kribbeln in den Eiern. Er zitterte vor Erregung
und verreiste wieder alleine nach Bad Thaya. Möglicherweise schluckte er dort nicht nur Potenzmittel,
sondern auch Drogen* um den GTF, den Great Tsunami Fuck zu erleben.

Heute Montag, am  27. April wurde sein Leichnam kremiert.
Am selben Tag wie er, bissen in Pattaya drei weitere Guestfucker in die Seegrasmatratzen**.
Keine spektakulären Stürze von hohen Balkonen oder Verandas, nur Seitensprünge.

RIP



*  Poppers und Viagra zusammen haben fatale Folgen.
**Betreffend Matratzen kann ich nur spekulieren.


GTF : Nana Plaza, Christopher G. Moore, Bangkok
http://www.kaliber38.de/leseprobe/union/3293202047.htm

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Noch eine Kremation!
Beitrag von: Low am 28. April 2009, 16:09:11
Noch eine Kremation!
Hochzeit annulliert, die Zweite         27. April 2009

Am ersten Mai sollten wir in den Süden reisen, aus den flachen Hügeln in die hügelige
Ebene. Eine heisse Hochzeit war angesagt im Wonnemonat Mai. Ich war bereits voll
am Karaoke- und Leber-Training mit Mikrofon und Schnapsflasche. Meine Stimmung war
überdurchschnittlich gut. Ich verwechselte bereits Flaschen und Mikrophon.

Heute Nachmittag erhielten wir eine Absage.
Der Bräutigam erlitt in den frühen Morgenstunden, genau um 02 00 03, einen tödlichen
Verkehrsunfall. Offenbar war ein Orientale namens Al Kohol beteiligt. Vielleicht war es
Mr. MaeKhong oder der berüchtigte Laote, Khun Khao.
Alles falsch.
Wie die Untersuchung ergab, war der Mann voller Methamphetamin* (Ya-Ba = "Pferdemedizin").

requiescat in pace

Sollten wir uns darüber Gedanken machen, was der zukünftigen Gattin und ihren Kindern
erspart blieb?  Es ist nicht auszuschliessen, dass die Brautleute bereits etwas übten und
sie guter Hoffnung ist. Nach (unglaubwürdiger) Statistik sind in Hinterindien 50% der Mütter
unter 35 Jahren nicht verheiratet.
War dies der Eingriff einer höheren Macht? Auf alle Fälle.
Das war die berüchtigte Chemie Keule. (Tischlein deck dich, Knüppel aus dem Sack.)**
Warum eröffnete noch kein pseudo-Intellektueller einen Thread: „Chemie, Fluch oder Segen?“

*Methamphetamin wurde 1893 erstmals durch den japanischen Chemiker Nagayoshi Nagai
in flüssiger Form! synthetisiert. 1919 wurde die Substanz im Zuge der Strukturaufklärung
von Ephedrin erstmals in Reinform von Akira Ogata kristallisiert und 1921 patentiert. In
Deutschland wurde ab 1934 in den Berliner Temmler-Werken an einem weiteren Verfahren
zur Herstellung von Methamphetamin geforscht. Im Oktober 1937 reichten die Temmler-Mitarbeiter
Werner Dobke und Friedrich Keil dazu ein Patent ein, das am 31. Oktober 1937 als Deutsches
Reichspatent No. 767186 erteilt wurde. Methamphetamin wurde 1938 unter dem Markennamen
Pervitin® von den Temmler-Werken auf den Markt gebracht und bis 1988 hergestellt.
Quelle: Wiki

**
http://de.wikipedia.org/wiki/Tischchen_deck_dich,_Goldesel_und_Kn%C3%BCppel_aus_dem_Sack

oder schöner, weniger Realitätsfremd:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30108/1.html

Wer das Wirken von Bankstern und Zentralbankstern verstehen will, kommt nicht umhin,
sich mit der größten Betrugsmaschine, den Staatsanleihen, zu beschäftigen. Hierbei gilt es
folgende Fragen zu beantworten: Wer emittiert eigentlich Staatsanleihen, die größte Versuchung
zur Kapitalvernichtung, seit es Junk Bonds gibt? Wer kauft diese abgehalfterten Garantien des Staates,
die nicht mal das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind? Und was passiert anschließend mit
diesen Fiat-Verbriefungen?

Solche Fragen verführen zu Drogen Missbrauch!
Low, mit Schnapsflasche anstelle von Megaphon.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 28. April 2009, 16:15:51
Prosit, Low!

Du scheinst "geistige Getränke" im wahrsten Sinne des Wortes zu Dir genommen zu haben. Sie haben es offensichtlich ganz gut bei Dir gehabt.!

Ich freue michs schon auf die nächste Folge  der GaH. :)
Wolfram
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Nachruf
Beitrag von: Low am 29. April 2009, 18:21:07
Nachruf         29. April 2009

Bereits im Aufsatz # 259 „Hinterindische Tragik-Komödien“  wies ich darauf hin,
dass die teils makabren Geschichten oft einen ernsten Hintergrund haben.   

In den letzten acht Tagen wurden uns drei Todesfälle gemeldet.
Ein Spitalbesuch von Dick endete als Kremation.
Eine Hochzeit wurde kurzfristig umgeplant.

Wo sind die wesentlichen Unterschiede zwischen Hochzeit und Kremation?
A.   An der Kremation gibt es kein Karaoke.
B.   An der Kremation gibt es einen Betrunkenen weniger als an der Hochzeit.

Ich übte (für die Hochzeit):

Oh wie so trügerisch - sind Weiberherzen,
mögen sie lachen, mögen sie scherzen,
oft schwebt ein Lächeln - um ihre Züge,
- ist alles Falschheit, ist alles Lüge.
(La Donna è Mobile)

Als ich sah, wie Luciano Pavarotti** dazu becherte und trank,
wollte ich mein grosses Vorbild nicht vergrämen.
Deshalb sind Kommentare wie:
„Du scheinst "geistige Getränke" im wahrsten Sinne des Wortes zu Dir genommen zu haben.
Sie haben es offensichtlich ganz gut bei Dir gehabt.!“, völlig unnötig und zeigen mangelnde
Sachkenntnis. Die einzige Entschuldigung ist, dass der Verfasser meine themenbezogene
Titelauswahl und deren Tücken nicht kannte.

Luciano Pavarotti - La Donna È Mobile:
http://www.youtube.com/watch?v=xCFEk6Y8TmM

*
Giuseppe Fortunino Francesco Verdi
* 10. Oktober 1813 in Le Roncole bei Parma; † 27. Januar 1901 in Mailand.
Italienischer Komponist der Romantik. Berühmt für seine Opern.
La Donna è Mobile, aus Rigoletto von Giuseppe Verdi*
Die Uraufführung fand am 11. März 1851 in Venedig statt.

**
Luciano Pavarotti * 12. Oktober 1935 in Modena; † 6. September 2007
Pavarotti war einer der berühmtesten Tenöre aller Zeiten.


Bei der Durchsicht dieser Zeilen stellte ich fest, dass leider Verdi und Pavarotti auch
verstorben sind. Zudem kriege ich im Juni meinen Mietwagen nicht und kann deshalb
nicht nach Hause reisen, um meine Kinder zu sehen. Ferner verpassen wir die Spargelsaison.
Merke: Ein Unglück kommt selten allein! Nun brauche ich wirklich einen Psychopater, oder
etwas Schöngeistiges.
Ich muss ja schliesslich trotz allem noch die Vogel-, Schweine-, Fisch- und Fliegen-Grippen bekämpfen.
Mein PC hat einen Virenschutz. Ich nicht.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Planung
Beitrag von: Low am 30. April 2009, 23:04:41
Einkaufsplanung         23. / 30. April 2009

Aus den vorhergehenden Erzählungen erkennt ihr deutlich, dass wenn einmal der Wurm
im Gebälk bohrt, er kaum mehr zu vertreiben ist. Genauso erging es uns.

Chiang Mai ist zur Zeit temperaturmässig ein heisses Pflaster.
Die vorhergesagten 42 – 45 °C erlebten wir dank den frühen Regenfällen noch nicht.
Aber bei 38 °C die Klimaanlage einzuschalten war uns ein echtes Bedürfnis.
Doch unsere Fernbedienung war im Eimer.

Wir planten Farang-gemäss unsere Einkaufstour.
1. Nyomphanich für eine neue Fernbedienung.
2. AIA, Versicherungsprämien bezahlen.
3. Computershops, Zubehör kaufen – Schublade für Wechsel-Festplatten.
4. Samsung – Fernbedienung. 2. Anlaufstelle, falls Nyomphanich erfolglos.
5. Auf dem Rückweg: Wein kaufen und einige Kleinigkeiten fürs Abendessen.

Wir reisten zu Nyomphanich, in der Einkaufstasche die Fernbedienung RC 937.
Die Bedienung waren sehr nett und erzählte uns:
In den letzten Wochen erhielte Nyomphanich ungefähr fünfhundert defekte
Fernbedienungen. Samsung Chiang Mai oder Thailand hat keine Ersatzgeräte
am Lager! Auf Ende Monat erwartet Nyomphanich dreissig Fernbedienungen von
Samsung Singapore.

Deutlich angeknickt fuhren wir zu AIA. Die grosse Pleitefirma in Amerika. AIA Thailand
sandte uns mehrere Schreiben, dass der Laden in Thailand gesund sei und von der
Krise nicht betroffen. Es gab keinen Parkplatz bei AIA. Die Strasse links nach AIA führte
nicht zu einem Parkplatz, sondern zum streng behüteten Golfplatz der Armee.
Die müssen dort getarnt üben, denn der nächste Krieg wird nicht mit Atombomben,
sondern mit Golfbällen ausgetragen. (Mitteilung streng geheim.)
Dick parkierte dann auf meine Anweisung vor einem Restaurant. Ich schlürfte dort als
einziger Gast unauffällig einen ungeliebten amerikanischen Softdrink, während sie Geld
verteilen wollte. Aber AIA, der Pleitebetrieb, nimmt neuerdings keine Prämien mehr entgegen,
obwohl in dem Versicherungspalast mehrere hundert Leute angestellt sind. „Zahlen sie bei einer Bank!“
Neben AIA ist eine Bank von AIG. Dort hat Dick eine Reiseversicherung.
Die AIG Bank nimmt keine Gelder für die AIG Versicherung entgegen. Diese Bank ist vielleicht bloss
auf Geldwäsche spezialisiert. Ich weiss es nicht. Wir wurden jedenfalls an eine AIG Filiale verwiesen,
welche aber an der angegebenen Stelle nicht existierte.

Weil wir Samsung nicht mehr besuchen mussten, strich ich bei 40 °C im Schatten den
Computerladen ebenfalls.

Die Chefin im Weinladen, hoch soll sie leben, hatte erbarmen mit dem leidenden Farang
und spendete eine Flasche Negroamaro für den Euro-Neger.

Ich opferte darauf dem Buddha etwas Weihrauch. Unglaublich. Gestern bezahlten wir die
Versicherungsprämien. Heute holte ich bei Nyomphanich eine neue Fernbedienung aus
Singapore ab. Der ex Bräutigam wurde erfolgreich eingeäschert. Das alles dank einem kleinen Opfer meinerseits.

Spenden auf Konto: ....
EDIT: Kontonummer gelöscht!

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 02. Mai 2009, 12:37:58
Das EDIT war kein EDIT.
Das sollte ein Scherz meinerseits sein.
Aber es ist ja nicht der 1. April. Es ist Mai. Wonnemonat.
Sollte ich damit jemanden gekränkt haben, bitte ich um Verzeihung.

Weiter hiess es nicht:
Heute holte ich bei Nyomphanich eine Nymphomanin, sondern eine Fernbedienung.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Der fromme Angler
Beitrag von: Low am 02. Mai 2009, 15:10:06
Einige Threads: „Politik und Religion,“ „Bibel und Kichenkritik,“ „ Christliche Mission in Thailand“ 
und ähnliche sind im Wesentlichen nichts anderes als gigantische Worthülsen, endlose Zitate,
ohne Inhalt und Verpflichtungen.
Es gibt eine Erzählung, welche den meisten religionsgefärbten Threads den fruchtbaren Boden entzieht.

Der fromme Angler
Kurt Tucholsky

Bei Ascona im Tessinischen lebt ein Mann, der hat es mit der Frömmigkeit und liebt die Lebewesen
und alles, was da kreucht und fleucht. Gut. Nun angelt der Mann aber sehr gern. Und da sitzt er denn
so manchmal am Lago Maggiore und läßt die Beine baumeln, hält die Angelrute fest und sieht ins Wasser.
Und dabei betet er.
Er betet nämlich: es möge kein Fisch anbeißen.
Weil sich doch Fische immer so quälen müssen, wenn sie am Angelhaken zappeln, und das möchte
der Mann nicht, und da sendet er denn ein heißes Gebet nach dem andern zum lieben Gott,
Abteilung Lago Maggiore-Fische: es solle auch gewiß keiner bei ihm anbeißen. Und dann angelt er weiter.
O meine Lieben! Ist dieser Mann nicht so recht eine Allegorie, ja, ein Symbol? Das ist er. Dieser Mann muß
entweder ein alter Jude sein, oder, verschärfter Fall des Judentums, er ist bei den Jesuiten in die Lehre
gegangen. Er hat das Höchste erreicht, was Menschen erreichen können: er hat die himmlischen Ideale
mit seinen sündigen Trieben zu vereinen gewußt, und das will gekonnt sein. Den Fischen, die da bei ihm zappeln,
wird das ja gleich sein; aber ihm ist es nicht gleich, denn er hat nun beides: die Fische und die Seelenruhe.
Schluß, allgemeiner Ausblick:
Da sitzen sie am Ufer des Lebens ... oder am Meere des Lebens, das ist eigentlich noch schöner ...
da sitzen sie am Meere des Lebens und baumeln mit den Beinen und halten die Angelrute ins Wasser,
um den Erfolg zu fischen. Aber wenn sie schlau sind, dann beten sie dazu und sind: Fromme Huren;
soziale Bankdirektoren; demokratische Militärs und privatest die Wahrheit liebende Journalisten.
Sie angeln und sie beten.

Peter Panter
Die Weltbühne, 21.10.1930, Nr. 43, S. 632,


Kurt Tucholsky * 9. Januar 1890 in Berlin; † 21. Dezember 1935 in Göteborg.
Deutscher Journalist und Schriftsteller. Er schrieb auch unter den Pseudonymen
Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Oh wie so trügerisch...
Beitrag von: Low am 03. Mai 2009, 14:33:48
Oh wie so trügerisch...

Im Rahmen einer ausgewogenen Berichterstattung informiere ich in diesem Artikel chronologisch
über das schöne und mehr oder weniger zarte Geschlecht, nachdem ich zuvor über männliche
Untugenden schrieb. Beim blossen Betrachten der meist anmutigen hinterindischen weiblichen
Wesen kann man kaum ermessen, welche Abgründe uns da erwarten können.

Der TIP Zeitung vom 27. April entnahm ich, dass am 11. April eine 18 jährige Mutter in Sattahip
ihr sieben Monate altes Baby erstach. Danach versuchte sie vergeblich, sich umzubringen.
Als der 35 jährige Ehemann und Vater nach Hause zurückkehrte, erklärten ihm Schaulustige,
seine Frau sei unzurechnungsfähig und geistig gestört, weil sie Drogen nahm.

Bereits am 8. April beschwerte sich ein 31 jähriger Mann bei der Polizei, dass seine gleichaltrige
Frau ihm Untreue vorgeworfen und ihm aus Wut in den Penis gebissen hatte. Der Leidende
musste sein kostbares Stück im Krankenhaus behandeln lassen. Hoffentlich hatte die Therapeutin
ein zartes Händchen.

Am 3. April wurde die Polizei wegen eines Eifersuchtsdramas ins Banglamung Spital gerufen.
Die 43 jährige Gattin stach ihren 37 jährigen Mann mit einem Messer(chen) zweimal in die Seite.
Der Mann verzichtete auf eine Anzeige.

Vor einigen Wochen wurde Dick eine schöne Uhr von Gucci für 60 000 THB angeboten. Zwei Thai
Touristen aus Amerika hätten beim Spielen viel Geld verloren und müssten diesen Gucci Zeitmesser
quasi verpfänden. Sie würden die Uhr später zu einem wesentlich höheren Preis zurück kaufen.
Nicht all zu  weit entfernt von unserer Bleibe, steht eine Thailänderin seit kurzer Zeit auf der Strasse.
Ihr Mann feuerte sie, nachdem sie ihm Geld und eben diese Gucci Uhr klaute,
trotz monatlichem Taschengeld von 20 000 THB.

Gab es bei mir ähnliche Vorkommnisse? Ja, ich erlebte mehrere sehr kritische Augenblicke.
Das heisseste Ereignis war, als mir eine feurige Geliebte mit einer frisch geschliffenen
ein Kilogramm Axt den Scheitel etwas nachziehen wollte.
Bis ich mich geistig orientiert hatte und die Kontrolle übernahm, pinkelte ich mir vollautomatisch
erst einmal die Hose voll. Das realisierte ich erst später, denn die Axt hätte ja auch ins Auge gehen können.

Und welche weltbewegenden Nachrichten erlebt oder lest ihr? Schweinegrippe und Zugangsprobleme im Internet.

Für mich geht’s ab zur Schweinerippe. Lecker!
Da kann Mia ihre Beisserchen trainieren und obendrein mit einem Messer nach Lust und Laune herumstochern,
mit oder ohne Uhr, beide nicht von Gucci.

Mit trockenen Beinkleidern,
Low
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Blackmicha am 03. Mai 2009, 15:05:50
Zitat
Und welche weltbewegenden Nachrichten erlebt ihr?

Eilmeldung !!!

in der Thai Lounge im Susibum gibts keinen Alkohol  mehr ! >:(

nur noch Bier im Angebot !

Scheiss Kriese ! :'(
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Pachpicha am 03. Mai 2009, 18:44:50
Frage

BIER nur bleifrei.

Chang 6,4 Prozent  Singha 5, 2 Prozent
Alles ohne ALLOHOL
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Verträge
Beitrag von: Low am 05. Mai 2009, 12:45:51
Verträge      Mai 2009

Die Regierung benötigt Geld. Viel Geld. Die letzten Ressourcen werden erschlossen.
Jetzt werden auch die kleinen Marktfahrer und die Bauern zur Kasse gebeten.
Leute, die nie rechnen lernten. Wie sollten sie, wenn die Lehrer zu den grössten
Schuldenproduzenten der Nation gehören?
Wenn da eine alte zahnlose Frau den lieben Tag lang auf einer Bastmatte auf
dem Boden sitzend für eine Unmenge Kraut hundert Baht einnimmt, darf sie davon
sieben Baht abliefern. Die ganzen Aufwendungen und die Arbeitsleistungen dahinter
werden nicht berücksichtigt. Für den luxuriösen Sitzplatz werden ein paar extra Baht gefordert.

Die Lychee Pflanzer protestierten. Noch vor einem Jahr galt das Kilogramm zwanzig
bis fünfundzwanzig Baht. Dieses Jahr wurde der offizielle Preis auf fünf Baht festgelegt.

Aus familiären Kreisen vernahm ich, dass eine Firma einen Vertrag über den Anbau von
Ananas abschloss. Bei Abschluss wurde ein Preis von fünf Baht pro Frucht per Kilogramm
ausgehandelt. Jetzt, wo die Früchte reif sind, distanziert sich der Grossabnehmer von der Abmachung.
Zum Glück wurden nur zehntausend Setzlinge gepflanzt. Andere Bauern sitzen auf einer Million
und mehr Früchten fest. Solche Verträge sind offenbar nur für die Produzenten bindend.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Stuss
Beitrag von: Low am 06. Mai 2009, 14:25:05
Stuss         6. Mai 2009

Stets bin ich um ein gutes Verhältnis zu Menschen und Tieren bemüht. Ich versuchte
nicht nur mit den Menschen zu kommunizieren, sondern experimentierte immer wieder
mit Tieren. Mit den Hunden heulte, knurrte und bellte ich, sogenanntes Bell Canto*.
Zu Katzen war ich immer relativ kurz angebunden. Aber ich spiele gerne mit den Miezen.
Es müssen nicht Vierbeinige sein.

Und ich zwitschere gerne einen.

Neulich verrenkte sich Mia vor lachen fast die Kiefer, als ich in der Abenddämmerung
mit einem Frosch quakte. Der antwortete erneut lautstark autark** und wir konnten uns
während des Dialoges anschleichen.

Heute in der Frühe kam so ein Multisprachtalent von einem Piepmatz vors Schlafzimmerfenster
und meinte stinkfrech mehrmals zwitschernd:
„You have finished, Ki Niao!“
Der meinte sicher die Lebensabschnittpartnerin, wenn sich nicht irgend ein hinterlistiger
Nebenbuhler im Kleiderschrank versteckte. Ich vergass nachzusehen, bevor ich im Garten
den Fischen einen guten Tag wünschte.

Als ich diese meine Gedanken etwas später einordnete, erinnerte ich mich, dass ich nicht
der erste bin, der zu Tieren sprach. Es gibt einen berühmten Vorgänger, Bruder Franz von Assisi.***
Ich war seinerzeit in Assisi, allerdings nicht zu linguistischen oder rhetorischen Ausbildungszwecken.
Dort in der Nähe, in Torgiano, gibt es ein berühmtes Weingut mit dem Rubesco von Lungarotti im
Gutsbetrieb, Hotel und Restaurant Tre Vaselle.

Mit dem bescheidenen Wortschatz und der direkten Kommunikation, dürfte der heilige Franz
wesentlich weniger Stuss****, jedoch Reden mit essentiellerem Inhalt verbreitet haben, als dies
die (christlichen) Jünger der Hochtechnologie des Internets zuweilen in Foren zu tun pflegen.


*
Belcanto (von ital.: bel canto „schöner Gesang“) bezeichnet in der Musik die Gesangstechnik,
die in Italien zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit der Oper entstand. Bis etwa 1840 war
der Belcanto die bevorzugte Technik für den Gesang in der europäischen Oper.


**
autonom
selbstständig, eigenständig


***
Franz von Assisi, italienisch: Francesco d'Assisi;
gebürtiger Giovanni Battista Bernardone;
* 1181/1182 in Assisi, Italien; † 3. Oktober 1226 in der Portiuncula-Kapelle.

Er lebte streng nach dem Vorbild des Jesus von Nazaret (sogenannte Imitatio Christi),
wie er selbst sagte, das Evangelium sine glossa, das heißt nach der Bibel ohne aufgesetzter Deutung.
Franziskus gründete den Orden der Minderen Brüder (siehe auch Franziskaner OFM,
lat. ordo fratrum minorum und Minoriten, lat. ordo fratrum minorum conventualium)

****
Über das Jiddische in die Neuzeit überliefert.
Seit der Rechtschreibreform ist Stuß Stuss.
Stuss wird in aller Regel durch Reden oder Schreiben produziert.
Die Menge des seit der Antike entstandenen Stusses ist bereits so unüberschaubar gross,
daß die Grammatik eine Pluralform des Wortes nicht mehr zulässt.

http://www.3vaselle.it/it/index.php
Titel: Die sexy Puppe und die Nudelsuppe
Beitrag von: Low am 07. Mai 2009, 13:20:11
Die sexy Puppe und die Nudelsuppe      2000 / 2009

Die Regierung benötigt Geld. Viel Geld. Die letzten Ressourcen werden erschlossen.
Ich weiss, ich wiederhole mich.

Eine vergangene Flamme, eher rundlich und sehr sexy, ihre Blusen waren am Busen
ständig am Zerreissen, brachte viele Farbkleckse in mein bis anhin eher unbeschriebene
Tagebuch.
Sie sah mich in meiner Wohnung, als sie meine Nachbarin besuchte. Alsdann zeigte sie
mir ihre schrill bunt gekleidete, wohlgeformte Üppigkeit relativ hautnah. Sie konnte nicht
schwimmen, aber sie wollte mit mir baden gehen. Bereits beim Betrachten meiner
europäischen Bademode, wurde ihr prallgefülltes Höschen etwas feucht.

Wenn sie mich besuchte, entdeckte ich öfters blaurote Würgemale am Hals.
Der ganze Körper war mit Schlagspuren und Blutergüssen in sämtlichen Farbtönen
von hellgelb bis dunkelviolett garniert.
Das sei ihr Mann gewesen, erklärte sie auf meine Frage. Ein guter Kerl, meinte sie.
Doch wenn er besoffen sei, verprügle er sie regelmässig unmässig.

Ich besuchte sie mal in ihrem Hühnerstall. Das heisst, ich sah mir eine bisher unbekannte
Gegend näher an. Reisfelder, Dämme, Kanäle, Scheunen, Hühner. Ein paar räudige Köter
verbellten mich. Ich suchte nach einigen Steinen um die lästigen Biester zu vertreiben,
die Tollwutgefahr* im Hinterkopf. Da heulte es plötzlich aus einem himmeltraurigen Verschlag
in Strassennähe wie aus einem überdrehten Lautsprecher:
„Low, Looooooow!“
Das war sie. Stolz präsentierte sie mir ihre Kinderschar. Von blond bis tiefschwarz
mit Kraushaar war alles vertreten. Väter von mindestens fünf Kontinenten!
Plötzlich hatte ich etwas Verständnis für den Mann, der Familienpflichten erfüllte,
ohne Vater eines einzigen Balges zu sein. Da blieben ihm wohl nur noch die schlagenden Argumente.

Sie war eine Frohnatur und nicht allzu doof. Sie eröffnete eine florierende Nudelsuppenküche,
nur für Mittagessen. Letzthin sprachen Beamte bei ihr vor und forderten Dreissigtausend Baht Abgaben.

Margen werden, wenn überhaupt, sehr knapp kalkuliert in Hinterindien. Wenn eine Suppe
zu zwanzig Baht verkauft wird und davon zwei Baht in die eigene Kasse fliessen, macht sie
bei hundert Suppen im Tag zweihundert Baht. Davon wird eine Familie satt. Vor allem,
wenn daneben noch etwas Landwirtschaft betrieben wird.
Bitter allerdings sieht es aus, wenn wir die Steuern berechnen. Die Dreissigtausend Baht
entsprechen dann Fünfzehntausend Suppen. Bei hundert verkauften Suppen im Tag,
arbeitet sie dann hundertfünfzig Tage im Jahr nur für die Steuern.

Was kann sie tun? Die Suppen verteuern?
Den Laden einem Polizisten verkaufen, der dann bestimmt keine Steuern bezahlt?
Einen Polizisten heiraten?
Sie macht vorläufig weiter.
Ihr Laden ist eine Kontaktstelle für viele Menschen. Sie verfügt über bemerkenswerte
gunstgewerbliche Fähigkeiten, die sich leicht vermarkten lassen. Ihr ist nicht wohl,
wenn sich während mehreren Stunden keine Kerle mit ihr abgeben.
Lieber Schläge als gar keine Liebe.



*
Die Tollwut ist eine seit Jahrtausenden bekannte Virusinfektion.
http://de.wikipedia.org/wiki/Tollwut
Titel: Kuhdung und Altertümer
Beitrag von: Low am 14. Mai 2009, 15:04:57
Kuhdung und Altertümer

Ein typischer alpenländischer Kuhfladen hat einen Durchmesser von etwa dreissig Zentimetern
und wiegt nass bis zu zwei Kilogramm. Der Fladen enthält stabilisierende unverdaute
Pflanzenfasern. Eine Kuh erwerkelt acht bis zehn Fladen am Tag. Aus deren Energie könnte
man ein Kilowatt Strom erzeugen.
Hinterindische Fladen enthalten mehr Flüssigkeit und etwas weniger Fasern.
Vergleichende wissenschaftliche Arbeiten betreffend Geschmack und Wurfeigenschaften
fand ich bisher keine.

Eine Sage zur Entstehung eines kulturhistorischen Meisterwerks.

Das attraktive Mädchen, besser die junge europäische Frau mit etwas chinesischem Charme,
war etwa tausend Wochen alt.
Sie sass auf einem dieser neumodischen Dinger, genannt Biciclette oder Fahrrad.
Hinter ihr schnaufte ein älterer Herr im Sattel schwer in der lauen, feuchten und
duftgeschwängerten Tropenluft, um den kurzen Abstand zu halten.
Es war nicht irgend ein Farang, der sich in eine Einheimische verliebte und mit ihr in den
noch kaum bekannten Ruinenfeldern um Sukothai radelte. Er war der Vater der übermütigen
sportlichen Schönheit.
Dann schlug ein unbarmherziges unausweichliches Schicksal zu. Das Rad der jungen Dame
geriet derart unpässlich in einen sukothailändischen Kuhfladen, dass der untadelig bekleidete
Herr mit den Bügelfalten durch die stinkige, gelblich-braune Jauche vollgespritzt wurde.
Die schuldbewusste junge Dame hielt kurz darauf an, sah ihren kotbespritzten Herrn Vater
und wollte sich sofort entschuldigen. Doch dem vernebelte der Lao Khao Frühschoppen
das Hirn derartig, dass er im Jähzorn einen Knüppel ergriff und seine leibliche Tochter mit
kurzer Hand erschlug.

Der leblose weisse Frauenkörper lag kaum in den Blättern und Farnen, da erkannte
der Mörder blitzartig, was er angerichtet hatte. Er prüfte hoffend Atem und Puls. Zitternd,
schluchzend, voller Schuldbewusstsein, sah er, dass er seine geliebte Tochter unwiderruflich
eigenhändig vom blühenden Leben in einen schweigend kalten Tod befördert hatte.
Seine Knie gaben nach.  Er schwitzte. Ihm wurde übel. Er verfluchte sich selbst.
Moskitos stachen ihn. Blutegel fanden ihr Opfer und brachten ihn gnadenlos zur Gegenwart
zurück.
Er wollte etwas tun, etwas Gutes, etwas Ausserordentliches. Vor allem wollte er diesen
kostbaren Körper nicht einfach irgendwo im Dschungel vermodern lassen.
Er sah sich um und gewahrte im hohen Gras und Gebüsch, herumliegende Säulenteile.
Stein-Skulpturen, Unmengen von Zeug. In monatelanger Arbeit errichtete er über dem
Leichnam eine Gedenkstätte, die heute als Wat Mahathat verehrt wird.

Epilog

Wat Mahathat habe ich nicht errichtet.
Ganz in der Nähe erlebte ich jedoch mit meiner Tochter einen Unfall dieser metabolischen
Art. Wir lachten uns damals fast krank. Noch heute kann man in meinem Gesicht und auf
den Armen Laubflecken oder Sommersprossen beobachten, die sich wenig von den
Jauchespuren unterscheiden.
Ich war mit Dick vor einigen Tagen am Wat Mahathat.
Vorsicht:
Ausserhalb des eingezäunten historischen Parkes sind die Wege immer noch mit Kuhfladen vermint.



Metabolismus ist ein Fremdwort für den Begriff Stoffwechsel.


Titel: Re: Kuhdung und Altertümer
Beitrag von: Buci am 14. Mai 2009, 16:59:19
Ganz in der Nähe erlebte ich jedoch mit meiner Tochter einen Unfall dieser metabolischen
Art.

Und was lernt man(n) daraus??   ???

Ein gutes und kompletes Fahrrad hat Schutzbleche über den Rädern. Man nennt die Dinger auch Kotflügel.   ;D

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 14. Mai 2009, 17:15:18
Wer weniger vornehm ist, kann statt "Kotflügel" auch "Scheißklavier" sagen! :D :D :D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 14. Mai 2009, 17:32:45
Was ist besser:
Keine Schutzbleche und eine Geschichte?
Schutzbleche und keine Geschichte?

Der grosse Unterschied ist:
Ein Qualitätstourist wie Buci hätte ein Fahrrad mit Kotzflügeln gemietet.

Resultat: Im Kanton Graubünden der vereinigten Eidgenossenschaft gibt es trotz grossem
Viehbestand kaum buddhistische Tempel.

Ich habe darüber philosophiert:
Indien hat einen grossen Viehbestand.
In Indien gibt es viele Tempel.
Folglich haben die Fahrräder in Indien keine Schutzbleche.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Schutzblech
Beitrag von: Low am 14. Mai 2009, 22:10:59
Philosophie: Leeres Geschwätz.
Das Qualitätsfahrrad, Marke Crocodile Sports,
hatte  Schutzbleche. (ohne Kotmagnet)
Titel: Susu Kambing
Beitrag von: Low am 15. Mai 2009, 13:54:47
Susu Kambing

Susu ist Malay und heisst Milch. Kambing bedeutet Ziege. Zusammengesetzt:
Ziegenmilch. Und ich handelte wie ein Schafskopf.

Als wir vor einigen Jahren aus der Schweiz nach Thailand zurückreisten, betonte Dick
immer wieder, sie benötige eine italienische Seife. Sie werde nur von Tesco-Lotus
verkauft.
Während zwei Wochen kauften wir bloss im Central Airport Plaza ein. Dick drängte nun
und wollte unbedingt die italienische Seife.
Also fuhren wir zu Tesco. Gleich am Haupteingang musste sie linkerhand auf die Toilette.
Ich besuchte rechterhand die Bank.
Danach kehrte ich zurück Richtung Bedürfnisanstalten. Ich sah eine grossgewachsene
Thailänderin an einem Verkaufsstand ausserhalb von Tesco intensiv auf Dick einreden.
Während dem rieb sie ihr geschäftstüchtig eine Salbe ein. Ich fand heraus, dass es sich
offenbar um ein malaysisches Schönheitsprodukt aus Ziegenmilch, Susu Kambing, handelte.
Die Dame quasselte unermüdlich auf Dick ein, die schlussendlich etwa achthundert Baht für
das Produkt hinblättern sollte und mich um Geld bat.
Ich wollte sie vor der beredten Verkäuferin und der malaysischen Ziegenmilch bewahren
und zeigte ihr demonstrativ meinen leeren Geldbeutel. Denn eigentlich waren wir unterwegs,
um italienische Seife zu kaufen.
Sie kramte in ihrer Tasche, fand einen Tausender und bezahlte ziemlich unglücklich, weil ich
sie offenbar blossgestellt hatte. Nachher rollte ich nach hinten in die Kosmetikabteilung von
Tesco, wo ich Dick dringend bat, nun die italienische Seife zu kaufen. Sie blickte mich
verständnislos an und wollte nicht.
Ich beharrte auf dem Kauf, schliesslich seien wir nur deswegen hierher gereist. Sehr betrübt
kramte sie nun in ihrer Tasche und gab mir die Seife. Ich hatte recht, das Zeugs war aus Malaysia. 
Ich fragte sie, warum sie kurzfristig zur Malayenseife wechselte.
Sie sagte, sie hätte diese Produkte jahrelang in ihrem Geschäft gut verkauft.
 
Ich erwiderte, das sei billiges Zeugs aus Malaysia. Die Seife bestehe in Wirklichkeit
wahrscheinlich bloss aus Palmöl unter Beifügung von einigen Prozent Ziegenmilch.
Sie erklärte mir, dass die italienische Seife halt leider eine Malaysische sei. Ihr sei
das Produkt vor Jahren als italienisch angeboten worden. Sie las weder die Verpackung,
noch die Beilage. Aber Sie liebte die schaumige Seife und deren Duft. 
Tesco selbst hatte keine Susu Kambing im Angebot. Die fanden wir ein andermal
zu einem Zehntel des Preises im Airport Plaza!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Buci am 15. Mai 2009, 21:13:19
Was ist besser:
Keine Schutzbleche und eine Geschichte?
Schutzbleche und keine Geschichte?

Der grosse Unterschied ist:
Ein Qualitätstourist wie Buci hätte ein Fahrrad mit Kotzflügeln gemietet.

 :o  :o Du glaubst nicht etwa, dass ich in der Affenhitze, die meist herrscht, wenn ich mal da bin, mich auf einen Drahtesel schwingen würde?   :o  :o

Zitat
Resultat: Im Kanton Graubünden der vereinigten Eidgenossenschaft gibt es trotz grossem
Viehbestand kaum buddhistische Tempel.

Das ist auch gut so. Schliesslich haben wir genug Halleluja Hallen. In fast jedem Dorf und ist es noch so klein, zwei davon.   ;D

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 16. Mai 2009, 09:53:44
@ Buci

Mit einem Motorrad, dickere Reifen und höhere Geschwindigkeit, fliegt theoretisch
der Dreck noch weiter. Ob im Park Motorräder zugelassen sind, bezweifle ich.
In der Sukothai Kuhdreck Region dagegen sind Motorräder willkommen.

Vorsichtigerweise waren wir diesmal in einer Reisschüssel unterwegs.
Titel: Willkür und Gnade
Beitrag von: Low am 16. Mai 2009, 09:58:44
Willkür und Gnade                   15. Mai 2009

31. Januar 2009
Einem Engländer afrikanischer Abstammung wurde die Ausreise aus
Phuket nicht gestattet, weil angeblich sein Pass (Foto) manipuliert war.
Der Mann verlor seine Beherrschung und beschimpfte die Beamten.
Darauf wurde er verhaftet und erhielt einige Wochen Knast.

Eine Notiz der Einwanderungsbehörde sagt aus, dass Unhöflichkeit gegen
Beamte mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft werden kann.

27.4.2009
Das Gericht verurteilte den Engländer zu fünfhundert Baht Busse,
nachdem er seine Schuld eingestand.
Er erhielt seinen Pass mit dem nun ungültigen Visum zurück.
Für seinen verpassten Flug gab es keine Entschädigung der Fluggesellschaft.

15.Mai 2009
Ein Hotelier aus Phuket kaufte für den unglücklichen Gast ein Ticket.
Die Maschine startete heute Freitag um 15 00 Uhr, jedoch ohne den vom Pech
und der Behörde verfolgten Mann.
Die Immigrationsbehörde gab ihm keinen Ausreisestempel, sondern beorderten
das Opfer zu weiteren Abklärungen in das Büro in Phuket-Stadt. Unmöglich den
Flug noch rechtzeitig zu erreichen. Es dürfte relativ hart gewesen sein, lächelnd
die Klappe zu halten.

Freunde versuchen nun, für den Geprellten noch heute einen Flug zu finden.
Der erfolglose Muay Thai Boxer hätte anstatt zu maulen, vielleicht besser ein
paar saftige Maulschellen verteilt.
Der Name des Herrn: Simon Burrowes.
Ich wäre ja mit meiner mittlerweile bekannten subtilen Bösartigkeit imstande
gewesen, die Geschichte zu erfinden oder aus den Daumen zu saugen.

Vorsicht:
Ähnliches könnte jedem von uns zustossen.
Ich meine nicht das Daumensaugen. Persönlich bevorzuge ich Romeo & Julieta,
wenn mir schon eine Zigarre verpasst wird. Das ist dann Gnade.



http://www.zigarren-havanna.de/romeo-y-julieta-zigarren.php
 
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Louis am 16. Mai 2009, 23:24:44
Der Name des Herrn: Simon Burrowes.

Der wohl inzwischen berühmteste Tourist, der je in Thailand war. Im TIP eine unendliche Geschichte...
Titel: Fünf Hochzeiten und ein Todesfall
Beitrag von: Low am 17. Mai 2009, 16:22:10
Fünf Hochzeiten und ein Todesfall               Mai 2009

Eine kurze Reise verwies auf wirtschaftliche Schwächen in Nordthailand.

In Aufsatz 268 erwähnte ich eine Hochzeit, die am zweiten Mai stattfinden sollte.
Der Bräutigam vernebelte sich mit Drogen und brachte sich mit dem Auto unfreiwillig
am 27. April um.
Aus der geplanten Hochzeit wurde eine improvisierte Kremation.
Man kann sich getrost fragen, was länger hält.

Die nächste Verehelichung war für den 10. Mai angesagt.
Im Hotel in Uttaradit waren die Leute am 9. Mai mit weiteren vier Eheschliessungen
beschäftigt. Die Küche war total überfordert.

Früh um sieben Uhr verliessen wir Uttaradit, um die Strecke bis zum festgesetzten Termin
um 09 30 zu bewältigen. Da wenig Verkehr herrschte, waren wir bereits kurz vor neun Uhr
am Bestimmungsort. Keine Minute zu früh, wie sich zeigte. Die Menschen formierten sich
bereits zum Einzug in die Halle.

Es war die teuerste Braut, seit ich Hochzeiten besuchte. Der Sin Sod belief sich auf
200 000 THB. Dazu 20 Baht in Gold. Das sind etwa 300 Gramm. Zum Abrunden als
Sahnetörtchen noch ein Karat Diamanten. Ich weiss nicht welche Qualität, vielleicht
Top Wesselton v.v.s.i.. Und es war kein Schaukaufen.

Die Braut hat eine jüngere Schwester. Die dürfte mindestens so viel wert sein.
Ich witzelte einmal, ich hätte noch einen unverheirateten Sohn. Diese Nachricht
nahmen die Eltern mit Freude zur Kenntnis.
Ich bemerkte unter den Zuschauern an der Seite sitzend eine besser gekleidete Frau.
Sie hatte chronische Telefonitis. Kaum war ein langes Gespräch zu Ende, meldete sich
das Handy erneut. Sie war die Mutter des Bräutigams. Ob all der fernmündlichen
Konversation war es ihr unmöglich, dem Sohn während der Zeremonie beizustehen.

Diese Hochzeiten sind echte Börsen. Da wird säuberlich notiert, von wem wieviel.
Da unsere Gastgeber Dick bei ihrer letzten Party mit 6000 THB unterstützten, gab
Dick 7000 THB zurück. Wegen der Kremation verlor sie vorläufig fünftausend. Hoffentlich
findet die nie verheiratete Witwe bald einen Andern. Dann klingelt auch bei uns die Kasse.
Weil es sehr heiss wurde und sich einige Herren bereits in den Morgenstunden nicht
der feierlichen Handlung, sondern dem Alkohol widmeten, setzten wir uns frühzeitig ab.

Wir reisten über Wat Senat zum Amari Lagoon Hotel in Phitsanulok. Der Hotelbetrieb
ist etwas angeschlagen durch die Rezession. Von drei Restaurants wurden zwei geschlossen.
Trotzdem bieten sie ein reichhaltiges Mittagsbuffet zu hundertsechzig Baht, am Abend
zu zweihundert Baht an. Das Mittagsbuffet wird vor allem von Gruppen in Bussen frequentiert.
Im Hotel Meridien in Chiang Mai sind alle drei Restaurants geschlossen.

Mittags assen wir eine Kleinigkeit und bestellten eine Flasche Weisswein. Der war leider
so warm, dass wir ihn gut gekühlt erst nach den Tafelfreuden geniessen konnten.
Meine leichte Mahlzeit war ein Hühnersalat Hawaii. Hawaii bedeutet in Gastronomiechinesisch:
mit Ananas. Beispielsweise gibt es das Steak Hawaii und den Toast Hawaii. Das fein geschnittene
Fleisch wurde mit frischer Frucht gemischt appetitlich in einer halben Ananasschale serviert.

Am Abend stürzten wir uns aufs Buffet, warm und kalt, international, japanisch und Thai
mit einer fantastischen Auswahl an Früchten und Süssspeisen.
Wir bestellten einen Rotwein von Concha y Toro*. Weil der Weinkastenschüsselverwalter
nicht aufzufinden war, warteten wir eine halbe Stunde auf den Tropfen.
Währen dem trafen die ersten Terroristenhorden ein. Eine ältere übergewichtige Frau
war enttäuscht, als sie die japanischen Fischspezialitäten sah und äusserte sich lauthals,
dass sie hier keinesfalls essen könne. Dass es noch zwei Dutzend andere Angebote wie
Saltimbocca, Cordon bleu, vier verschiedene Sorten Teigwaren mit eben so vielen Saucen,
darunter Bolognese und Carbonara, Fisch, Curry, Bratkartoffeln, Reis, Salate, Thaifood und
weitere Leckereien gab, bemerkte sie anfänglich nicht.
Aus der Ferne beobachteten wir dann, wie sie stundenlang alles mögliche in sich hineinstopfte.


Fortsetzung folgt
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Buci am 17. Mai 2009, 17:40:52
Also.... Ich mag Low's Geschichten.   ;D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 18. Mai 2009, 00:38:41
Hallo low,

manchmal wünsche ich mir, ich könnte mit dir zusammen auf Beobachtungstour gehen.

Das könnte der echte Überdrüber werden.  ;D

Titel: Fünf Hochzeiten und ein Todesfall II
Beitrag von: Low am 18. Mai 2009, 11:40:19
Fünf Hochzeiten und ein Todesfall


Am nächsten Tag reisten wir in die Gegend von Nakon Thai. Wir installierten bei den Eltern
eine Waschmaschine mit korrekten elektrischen Anschlüssen, Nullleiter, Erdung und Phase
über FI Schalter. Im Badezimmer tauschte ich die Wasserfilter aus.
Danach fuhren wir über Yaeng nach Phitsanulok zurück. Üblicherweise übernachteten wir
dort im La Paloma in einer etwas vernachlässigten Suite, Wohnzimmer, Schlafzimmer,
grosses Badezimmer zu 1250 THB. Diesmal verlangten die Leute 2500 THB, ohne dass
an den Räumen irgend etwas verändert oder saniert wurde. Dick war nicht bereit, für die
miefenden Zimmer so viel hinzublättern und wir kehrten problemlos ins gepflegtere Amari zurück.

Buffet gab es nicht. Die Ankömmlinge erhielten eine reich illustrierte Speisekarte,
damit auch sprachunkundige Gäste ihre Lieblingsspeisen bestellen konnten.
Wir waren spät dran und sahen, wie die wenigen Gäste bezahlten und sich in ihre Zimmer
zurückzogen.
Der Tisch mir der fetten, schnäderfrässigen Frau von gestern erregte Aufsehen. Die Kellner
rannten aufgeregt hin und her und überliessen schliesslich das Schlachtfeld einer jungen
englischsprechenden Auszubildenden.
Sie informierte uns über den Sachverhalt. Der weibliche Gast bestellte Huhn Hawaii, ohne
sich das Bild anzusehen. Anlässlich der Rechnungsstellung beschwerte sie sich, dass sie
Ananas nicht essen könne und deshalb nicht bezahlen würde.
Diese Gäste hätten die 120 Baht für einen Hühnersalat finanziell kaum belastet.
Dass das Personal für 2500 Baht im Monat schuftet, wissen sie nicht. Fehlbestellungen
und Zechprellerei gehen voll auf den Verdienst, gleich Minusverdienst. Ich als Kellner hätte
die Polizei gerufen, vor allem, weil irgendeiner am Tisch das halbe Huhn auffrass.
Anstatt zu beten: „ Gütiger Herr im Himmel, hilf ihr! Amen,“ ersetzte ich der geschockten
jungen Frau den erlittenen Schaden durch ein anständiges Trinkgeld.

Am nächsten Vormittag reisten wir gemütlich nach Sukothai, wo wir im angeblich besten
Hause mit Museum und Galerie nach einem Zimmer fragten. Leider funktionierte der Lift nicht.
Den konnte man wegen mangelnden Finanzen nicht reparieren.
Auf die Frage nach den Mahlzeiten wurde Dick erklärt, dass man die Logistik ausgelagert
habe und die Speisen von Drittanbietern zugekauft würden.
Mit diesem eher ernüchternden Bescheid reisten wir weiter.

Im Notfall gab es ja noch das Paylin Hotel.
In der Stadt fanden wir einen gemütlichen Kleinbetrieb. Die Lady wollte Cash fürs Zimmer,
weil die Kunden in letzter Zeit oft das Bezahlen vergassen.
Auch dort wurde das Personal zu den selben Dumpingpreisen entlöhnt. Nein, von entlöhnen
kann man da nicht sprechen, eher von bescheissen.

Wir besuchten die historischen Sehenswürdigkeiten ausserhalb des Parkes mit dem Auto.
Gähnend leere Parkplätze um das Areal verdeutlichten den Besucherrückgang. Eine Radtour
durch den Park war für den frühen Morgen vorgesehen.
Wir hatten etwas Mühe, Treibstoff zu tanken. Viele Tankstellen waren geschlossen.
Andere führten Khaonüng (91) nicht.

Das Hotel bot nur Thai Biere, keinen Wein, an. Der Chief Executive Officer liess es sich
nicht nehmen, Dick höchstpersönlich ins Weingeschäft zu chauffieren.
Nachher verwöhnte er uns eigenhändig mit seinem Spezialrezept, Spare Ribs süss sauer.

Das Wetter am nächsten Morgen war angenehm zum Radfahren. Wieder war der Parkplatz
am Haupteingang leer. Vor vier Jahren sah das etwas anders aus. Bei etwa
achtundzwanzig Grad knipsten wir einige gelungene Bilder. Der Lichtmangel im Gehölz liess
mich mit meiner Olympus SLR etwas albern aussehen. Für die schattigen Stellen benutzten
wir die empfindlichere Fuji Kamera.
Die Verkausbuden, ohne jegliche Kundschaft, boten den üblichen Ramsch an. Ein Buch
über Sukothai suchten wir vergeblich.
Gegen elf, als wir zum Big C weiterreisten, traf dann doch noch ein Bus mit einer Reisegesellschaft
ein. Im Buchladen fanden wir etwas Literatur, um Dicks viele Fragen zu beantworten.

Später reisten wir über die Nebenstrasse1327 Richtung Tung Saliam, dann auf der1048
nach Thoen und auf dem Highway Nummer 1 nach Lampang. Danach stoppten wir
am Rastplatz Kuntan. Wir kauften dort öfters preisgünstige Keramikgefässe für unsere
Orchideen ein, weil die Holzkistchen nach wenigen Monaten verrotteten.
Problemlos fanden wir einen Parkplatz in der Nähe des Eingangs. Doch das grosse
Verkaufsareal war verwaist und mangels Kundschaft geschlossen.


Nach der allzu trockenen Reiserei, möchte ich hier noch ein „Feuchtgebiet“ vorstellen:

*
Concha y Toro ist ein riesiger Betrieb in Chile mit 5100 Hektaren. Meine Tochter teilte
mir mit, dass allein die Bewässerungsleitungen etwa 2000 km lang seien.
Jahresproduktion über 130 Millionen Liter, nicht Wasser, sondern Wein.


http://de.wikipedia.org/wiki/Concha_y_Toro

http://www.zeit.de/2004/37/Concha-y-Toro


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien: Korrektur
Beitrag von: Low am 18. Mai 2009, 18:31:51
Entschuldigt, verehrte Leser, ich machte einen Fehler.

Bevor ich an den Pranger gestellt und als Schlitzohr deklariert werde,
nehmt bitte zur Kenntnis:
Das Hotel in Phitsanulok heisst nicht Amari Lagoon,
sondern Amarin Lagoon.

Weitere Auskünfte über Unterküfte erteile ich gerne mit PM.

Low, ohne Schutzbleche
Titel: DVD Betrügereien
Beitrag von: Low am 19. Mai 2009, 15:56:17
DVD Betrügereien               18. Mai 2009

Schwarz- oder Raubkopien sind seit Jahren im Handel erhältlich.
Jetzt kommt neue Technologie und damit ein weiteres Betätigungsfeld für Bauernfänger
und Beutelschneider.

Wisst ihr, was Blu-ray ist? Das ist der Nachfolger der DVD. Ein neues technisches Spielzeug
mit riesigen Speichermöglichkeiten. Pioneer erklärte bereits vor einem Jahr, bis zu 400 GB
auf einer 12 cm Multilayer Scheibe speichern zu können.

Technische Daten im Vergleich:

                                            CD             DVD             Blu-ray
Wellenlänge                    nm    780              650              405
Laserpunkt Durchmesser   um    2.1               1.3               0.6
Speicher Kapazität           GB    0.7               4.7                25

Blu-ray heisst die Technologie, weil der Lichtstrahl tiefblau ist, wesentlich kurzwelliger als rot.

Die Geräte und Software werden seit etwas mehr als einem Jahr angeboten. In Thailand sind
erste Einheiten auf dem Markt.
Vor etwa zwei Monaten erhielt ich die erste Blu-ray Disk. Ich wurde fast verführt,
im April in Singapore ein Abspielgerät zu kaufen. Wegen dem extremen Preiszerfall
verzichtete ich vorläufig darauf. Ferner betrug die Reaktionszeit nach dem Einlegen
einer Platte über eine halbe Minute.

Gestern nun stupste mich der Teufel und sagte zu mir:
„Schmeiss doch mal deine Blu-ray in deine DVD Maschine.“
Ein Wunder geschah: Mein fünfjähriges Gerät konnte Blu-ray lesen!
Unmöglich. Das war eine als Blu-ray getarnte DVD.


Gestank

Ich kaufte in Singapore bei Borders einige legale DVD. In Chiang Mai finde ich teilweise
die neuesten Filme, dafür aber sämtliche Revolver- und Horror-Platten. Ältere, oder
anspruchsvollere Titel suche ich meist vergeblich.
Einige Tage nach der Rückkehr aus Singapore stank es im Büro hin und wieder, wie wenn
mir einer auf den Schreibtisch gekackt hätte.
Ich schnüffelte und suchte. Ich schaute mir die Luftspalte zwischen den Elektronik
Einheiten an. Ich bearbeitete mein Aktenberg – Batch-Processing. Im Stapel fand ich nichts
anrüchiges.
Am nächsten Tag regte mich der Gestank erneut auf. Ich vermutete ein totes, vermoderndes
Tier hinter den Schreibtischen – nichts.
Einige Tage später fand ich die Ursache. Der farbige Aufdruck auf den DVD reagierte mit
der feuchten Luft und verursachte den Gestank.

Illegale Kopien aus Chiang Mai stinken neuerdings auch. Offenbar ist die Druckfarbe dieselbe.
Abhilfe: Neue DVD einige Zeit im WC aufbewahren! Dort ist der Gestank eher heimisch und
stört weniger.


Titel: Unerklärbares Verhalten von Hausangestellten
Beitrag von: Low am 20. Mai 2009, 16:13:25
Unerklärbares Verhalten von Hausangestellten                                                        19. Mai 2009

Nachdem wir unsere Bäuerin feuern mussten, arbeitete eine jüngere ledige Frau
ohne Kinder für uns. Sie war sehr gewissenhaft und notierte alle unsere Instruktionen
fein säuberlich. Sie arbeitete in unserem Haus rationell und sauber.
Nach etwa zweieinhalb Stunden war alles blitzblank und stubenrein. Sie half Mia bei
den Gartenarbeiten. Daneben hatte sie das Gästehaus zu betreuen und ebenso das
Haus mit dem Beauty Salon. Sie lebte dort.

Über Songkran wollte sie ein paar Tage Urlaub, den wir gerne gewährten und bezahlten.
Sie wollte bei ihren Eltern einen Mann treffen, der offenbar ein Auge auf sie geworfen hatte.
Die fleissige Frau hatte rund eine halbe Million auf ihrem Sparbuch. Ich vermute, dass er
die über dreissig Jährige vor allem um ihre Ersparnisse erleichtern will. Denn das Wort
Heirat fiel während dem Songkran Fest nie.
Der Mann reiste eines Tages mit zwei Kollegen an und als grosser Liebhaber verabschiedete
er sich bereits nach drei Stunden. Grundlos, wie mir scheint, denn an Songkran arbeitet kein
Thai, wenn er nicht in einem Supermarkt oder Krankenhaus angestellt ist.

Wir waren kürzlich einige Tage abwesend. Ich kehrte gerne in unser Anwesen zurück. Alles
wirkte sauber und gepflegt. Ganz anders war es im Haus mit dem Beauty Salon.
Die Frau benutzte tagelang das Badezimmer, ohne je die Haare auf dem Boden
zusammenzukehren, oder den fast blinden Spiegel zu polieren. Vor dem Kochherd in
der Küche glitt Mia auf dem Fett- und Öl-Film beinahe aus.

Wir beide, Mia und ich, verstehen das kaum. Solange Mia kommandierte, war die Wohnung
im Beauty Salon rein. Ohne Mias Aufsicht lebte sie dort offenbar so, wie sie es sich von zu
Hause gewohnt war. Gemütlich grauslich. Sie ist nicht die erste Frau, die sich so verhielt.
Wir kennen mindestens zwei weitere Fälle, wo die Sauberkeit im eigenen Hause eine
Nebenrolle spielte. Das sind die Hälfte.
Aber es ist ja möglich, dass der Fehler auf unserer Seite liegt und wir einfach zu pingelig sind.
Bei mir wäre das einfach erklärbar. Ich arbeitete mit Spurenanalytikern zusammen. Da waren
10E-11 Gramm Dreck bereits fünfzig Prozent. Analyse sinnlos.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.

Faust I, Vers 1112 1117
Johann Wolfgang von Goethe


Jetzt ist sie weg, Kremation eines Familienmitgliedes. Wir werden sie wohl nicht wieder sehen
(bis ihr Geld weg ist). TIT.
 
 


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 20. Mai 2009, 21:58:19
 :D :D :D
Gemütlich grauslich!!!
Werde ich in mein Ausdrucksrepertoire aufnehmen.
dass Thaifrauen durchaus Bemerkenswertes beim Putzen leisten können, weiß jeder, der in den großen Bangkoker Hotels gewohnt hat.
Ich kenne aber auch thailändische Privatwohnungen, die picobello sauber sind.

Erinnerst Du Dich an die klassische Thaibauweise, an die Holzhäuser mit den unzählichen offenen Winddurchlässen? In einem solchen Haus war Staub eine Normalität, man konnte sicher kaum so schnell putzen wie alles wieder verdreckte...
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 21. Mai 2009, 09:58:05
Unser Problem ist nicht, dass Thais nicht putzen können.
Das Wohnhaus ist meistens so sauber, dass man Birchermüsli vom Boden essen könnte.

Die Sache ist die, dass dieselbe Dame, die unser Haus putzte, selbst in unsäglichem Dreck lebte.
Das Haus gehörte  ihr nicht. Sie lebte dort auf unsere Kosten.
Solange ihr Mia daselbst täglich die Arbeit zuwies, war alles in Ordnung.
Als wir weg waren, kümmerte sie sich nur noch um unseren Wohnsitz und lebte selbst biblisch:
„Asche zu Asche, Staub zu Staub,“

Wir verstehen ein solches Verhalten schlecht. Es scheint aber zumindest in Chiang Mai üblich zu sein.
Unsere, beziehungsweise meine Raumpflegerinnen leben bis auf zwei Ausnahmen gerne mit
Schmutz und Kakerlaken zusammen. Geselligkeit?

Meine Schwiegermutter lebte jahrzehnte in einem Holzhaus, wie es drwkempf beschrieb.
Sie gewöhnte sich schnell an ihr neues Heim. Wenn sie nicht gerade krank ist, ist immer
alles blitzsauber, oder die erwachsenen Kinder sind zu Besuch.
Dann herrscht Chaos. Neuerdings lässt sie Chaoten gar nicht mehr ins Haus.

Als die Familie Songkran bei uns verbrachte, hatte der alte Herr eine Mordsfreude am Staubsauger.
So ein Ding musste er unbedingt auch haben.
Als er nach Hause zurückkehrte, gewann er einen Sauger in der Lotterie der Bank.
Titel: Sprachprobleme
Beitrag von: Low am 22. Mai 2009, 13:10:16
Sprachprobleme

Der TIP Kirchen- und Religions-Thread steckte in Personalfragen fest.
Ich erinnerte mich an den bekannten, auf Kernspaltspuren (1) (Fission Track) spezialisierten
Geologen Anthony J. Hurford. Wir arbeiteten eine Zeitlang im selben Labor. Tony stammte
aus England und sprach ein reines, schönes Englisch, nicht wie ich, mit Oklahoma Slang.
Tony datierte damals den bis anhin ältesten Menschen.(2) Ich betitelte meinen Beitrag im
Thread mit: „Adams Grossvater“  und verwies auf A. J.  Hurford.
Im Rückblick erinnerte ich mich an einige Geschichten aus dieser Zeit.

Anfangs der 70er Jahre nahmen Chinesen und Amerikaner über die Ping Pong Diplomatie (3)
erste Kontakte auf. In der Folge öffnete China seine Pforten weltweit.
Das einst komplett isolierte Land suchte plötzlich Kontakte aller Art.
Ein Gremium der besten Wissenschaftler Chinas mit fundierten Kenntnissen der neuesten
Fachliteruhr bereiste die Welt. Die wussten genau was sie wollten.
Sie brauchten Ausbildungs- und Forschungsplätze für ihre Spitzenkräfte. Ich konnte mich
dem China Trend nicht entziehen und durfte mit meiner damaligen Gemahlin, einer Chinesin
aus Singapore, an einem chinesischen Essen, gesponsert von der Volksrepublik China, teilnehmen.

Später konnten meine beiden Kinder gratis in den chinesisch Unterricht. Das ging so lange gut,
bis der kleine Sohn, vom Aussehen her damals ein Stockchinese, fliessend Chinesisch sprach.
Er gab spontan längere Monologe mit Showeinlagen, wundervoll, mit den richtigen Klängen
und Betonungen. Doch niemand verstand ihn, weil er das Chinesisch nur imitierte.
 
Plötzlich war sie dann da, die chinesische Spezialistin mit einer eindrücklichen Liste von
veröffentlichten Arbeiten. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, die Dame am ersten Morgen
in die Grundlagen neuer Technologien einzuführen.
Ich war mich gewohnt, mit Menschen aus dem asiatischen Raum zu arbeiten und sprach
dementsprechend langsam und deutlich. Fachwörter notierte ich extra. Etwa nach zwanzig
Minuten meinte die Pekinesin zu mir:
„Khun Low, bitte sprich Englisch mit mir.“

Als sie am Nachmittag mit dem englisch sprechenden Anthony J. eine weitere Diskussionsrunde
hatte, bat sie ihn nach kurzer Zeit:
„Lieber Herr Doktor Hurford, sprechen Sie bitte Englisch mit mir!“
In China lernte sie offenbar nur Chinglish.

Einige Zeit später, es war Winter, schneite mein Lieblingschinese, Herr He, ins Haus.
Ein Onkel war ein hoher Funktionär und Herr He hatte entsprechende Beziehungen.
In China gab es damals nur wenige Telefone. Vielleicht auf 100 000 Menschen eines.

Wenn das Telefon im Labor klingelte, nahm Herr He gerne den Hörer ab, hielt das Ding
ans Ohr und hörte fasziniert stillschweigend zu, bis der Anrufende mehr oder weniger
frustriert wieder auflegte.
Ich erklärte meinem Schüler, dass er sich, nach dem Abheben des Hörers, mit seinem
Namen melden sollte.
Als es wieder klingelte, rannte er zum Telefon, riss den Hörer an sich und schrie ins Mikrofon:
„He !,“ dass man es im ganzen Hause vernahm.
Nun geschah das in der Schweiz, im Kanton Bern. Aus dem Berndeutsch in Schriftsprache
übersetzt bedeutet das kurze „He“:
„Entschuldigen sie bitte, ich habe sie nicht verstanden. Würden sie so freundlich sein und ihre
Aussage wiederholen.“
Die passende Antwort auf Berndeutsch wäre:“ Äuä!“ „Für wie blöd hältst du eigentlich
deine Umwelt?“ oder ähnlich zu übersetzen.  Es könnte ebenfalls vielleicht bedeuten.

Ich benötigte einige Tage, um Herrn He beizubringen, sich mit: „Universität, Doktor He
am Apparat,“  anzumelden.
„He?“

In einem Ramschladen fand Herr He Schlüsselanhänger, die auf Pfeiftöne antworteten.
Herr He war fasziniert von soviel Technologie auf engstem Raum und kaufte sich solch
ein preisgünstiges Wunderwerk. Er hatte damit nur ein Problem. Herr He konnte nicht pfeifen.

Eigentlich wünsche ich mir so ein Telefon.
Äuä.


1
http://www.wer-weiss-was.de/theme51/article1077959.html
2
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=662.msg54063#msg54063
3
http://de.wikipedia.org/wiki/Ping-Pong-Diplomatie

Ein Italiener, Massimo Rocchi, studierte die Phänomene um Äuä und He.

http://www.massimorocchi.ch/start/index.php

http://de.wikipedia.org/wiki/Massimo_Rocchi
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: namtok am 22. Mai 2009, 14:47:24
Zitat
Danach stoppten wir am Rastplatz Kuntan. Wir kauften dort öfters preisgünstige Keramikgefässe für unsere
Orchideen ein, weil die Holzkistchen nach wenigen Monaten verrotteten.
Problemlos fanden wir einen Parkplatz in der Nähe des Eingangs. Doch das grosse
Verkaufsareal war verwaist und mangels Kundschaft geschlossen.

Meinst Du damit den Thung Kwien Markt am Highway, also normal ist da immer was los  ???
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 22. Mai 2009, 15:34:44
Der Rastplatz Khuntan befindet sich einige km nach dem Elefanten Camp an der Strecke Lampang -  Chiang Mai.
Relativ gut signalisiert. Restaurant, WC, etc.. Ein richtiger Rastplatz, wie in Euroland, vielleicht etwas klein geraten, kein Markt.
Zugang vom Highway Chiang Mai - Lampang möglich.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: namtok am 22. Mai 2009, 21:37:24
Den offiziell ausgeschilderten Khuntan Rastplatz kenn ich auch, nur hab ich da noch nie irgendwelche Verkaufssände gesehen.

Aber ein Stop am Thung Kwian Markt, einige km nach dem Elefantencamp in die andere Richtung (Lampang) lohnt sich sehr, und auch mal weiter hinten schnuppern, für viele Thais ein Pflichtstop nach dem Trip in den Norden.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 22. Mai 2009, 22:35:38
Verkaufsstände gab es nicht. Nur ein Ladenlokal links vom Haupteingang.
95 % Ramsch. Die restlichen 5 % bereiteten mir zum Teil schlaflose Stunden, wie eine
Schnitzerei einer Guan Im, Kwan Yin. Bevor ich so etwas kaufe, schlafe ich immer eine Nacht.
Der Siebenschläfer hat verloren.
Oh nein, wenn das letzte Stündchen schlägt, verbietet der Kuckuck, etwas einzupacken.
Guten Abend, gut Nacht...
Titel: Geld, Money und Moneten
Beitrag von: Low am 24. Mai 2009, 14:06:15
Geld, Money und Moneten

Profuuu beschreibt jeweils schön, was die Mädels alles so draufhaben, den Reichtum
ihrer Ideen und die schnelle Analyse der Opfer.
Das ist in Nordthailand nicht wesentlich anders. Es gibt obendrein immer wieder Damen,
die ihre Ideen als semikriminelle Energie verwenden.
In der Geschichte:
„http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg51482#msg51482“
berichtete ich über die geklaute Uhr von Buci, die verkauft werden sollte.
Entschuldigt bitte, Es handelte sich natürlich um eine Uhr von Gucci!
Dieselbe Dame leidet kaum an Ideen zur Monetenbeschaffung: Ihr Farang-Gatte
kaufte seinerzeit einen Pick-up gegen Barzahlung. Sie fand später eine Bank, die
das Fahrzeug mit 400 000 THB belehnte. Wie die Bank den Kredit ohne Einbezug
des Ehemannes bewilligte, ist eine andere, fast unglaubliche Geschichte!
Der Ärmste ist krank im Spital. Jetzt will sie den Pick-up schnellstens für 100 000 THB
plus Bankschulden verhökern.

Wir suchten eine neue Raum- und Gartenpflegerin. Ohne viel Aufwand meldeten sich in
kürzester Zeit zwei Frauen. Die Erste wog vielleicht einen Doppelzentner.
Man sah ihr die Trägheit und das Fressvermögen von weitem an. Sie konnte sich nur schlecht
bewegen und musste bestimmt alle zwanzig Minuten futtern. Ohne sich je umzusehen,
verlangte sie gleich mal mehr Lohn. Ich befürchtete unter anderem verstopfte Toiletten,
Mehrarbeit für mich, und legte mein Veto ein.

Die zweite Bewerberin arbeitete bei einer mir bekannten Thai-Familie. Die haben vier Wagen.
Einen aus Japan, einen aus München und zwei aus Stuttgart. Dann stehen noch mindestens
zwei Mopeds herum. Ob der Fahrzeugpark bezahlt ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich weiss nur,
der Putzfrau wurde ein anständiges Gehalt versprochen, so dass sie zusagte. Leider erhielt sie
in zwei Jahren nie den vollen Lohn, nur Teilbeträge und sie wurde stets auf später vertröstet.
Weil sie eine typisch arme, schlecht geschulte Thai ist, führte sie keine Buchhaltung und kennt
den Gesamtbetrag, den sie verloren hat, nicht.
Sie arbeite dort lange Stunden, betreute die kleine Tochter des Arbeitgebers des Morgens und
bereitete sie für den Schulbesuch vor. Abends war sie öfters Babysitter.
Wenn die Wohnung endlich sauber war, verschmutzen ein paar unerzogene Hunde den Platz.

Die Frau hat eine siebzehnjährige Tochter. Ihr Mann, arbeitsloser Trinker, durstige Seele und
Lao Khao Spezialist, kurz - eine verschnapste Dreifaltigkeit, wollte sich vor sechs Jahren im Suff
am Mädchen vergehen. Darauf schmiss sie ihn raus.
Was die Mädels alles so draufhaben!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Buci am 24. Mai 2009, 16:18:06
Ich musste wieder in den Keller..  :D  :D  :D  Weitermachen!
Titel: Hammelfleisch und Steckrüben
Beitrag von: Low am 25. Mai 2009, 17:48:58
Hammelfleisch und Steckrüben

Ähnliche Gedanken, verschiedene Schreibweisen, dargeboten zur Auflockerung vom
gedrängt numerischen Low Stil. Einige Sätze eines erfolgreichen Suchenden,
eines grossartiger Schriftstellers:

Philosophen und Moralisten haben den Körper immer mit Skepsis betrachtet. Sie verweisen
darauf, dass die Befriedigung seiner Lust von kurzer Dauer ist. Ein Vergnügen ist aber
trotzdem ein Vergnügen, auch wenn es nicht ewig dauert. Es ist schön, an einem heissen
Tag in kaltes Wasser zu springen, auch wenn unsere Haut die Kälte schon nach kurzer Zeit
nicht mehr empfindet. Weiss wird auch nicht weisser, wenn es statt eines Tages ein Jahr lang
hält. lch betrachtete es seinerzeit als Teil meines Lebensentwurfs, alle sinnlichen Freuden
zu geniessen. lch fürchtete mich nicht vor Unmässigkeit. Ein gelegentlicher Exzess kann
durchaus anregend wirken. Er verhindert, dass Mässigung zu einer abstumpfenden Gewohnheit
wird. Es stärkt das System und beruhigt die Nerven. Der Geist ist oft dann besonders frei,
wenn der Körper satt und zufrieden ist; ja, manchmal scheinen die Sterne für den, der in
der Gosse liegt, noch heller als für den, der sie vom Gipfel eines Berges aus betrachtet.
Das stärkste Vergnügen, das der Körper empfinden kann, ist die geschlechtliche Vereinigung.
lch kenne Männer, die ihr ganzes Leben dafür gegeben haben; sie sind jetzt zwar alt, doch
ich habe, nicht ohne Überraschung, festgestellt, dass sie ihr Leben als erfüllt ansehen. Es ist
mein Pech, dass ich mich, bedingt durch meine anspruchvolle Natur, diesem speziellen
Vergnügen weniger intensiv hingegeben habe, als es möglich gewesen wäre.
Ich habe Mäßigung geübt, weil ich schwer zufriedenzustellen war. Wenn ich das eine oder
andere Mal die Personen sah, mit denen die großen Liebhaber ihre Bedürfnisse befriedigten,
war ich eher erstaunt über die Derbheit ihres Appetits, als daß ich neidisch auf ihre Erfolge
gewesen wäre. Offensichtlich muß man nicht oft hungern, wenn man willens ist, sich von
Hammelfleisch und Steckrüben zu ernähren.


W. Somerset Maugham
Die halbe Wahrheit
Diogenes Verlag Zürich, 1997


William Somerset Maugham   * 25. Januar 1874 in Paris; † 16. Dezember 1965 in Saint-Jean-Cap-Ferrat bei Nizza

http://de.wikipedia.org/wiki/William_Somerset_Maugham
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Buci am 26. Mai 2009, 02:42:20
Ähmmm... Schönsausfen ist auch möglich. Aber... nicht empfehlenswert. Irgendwann erwacht man(n) nämlich am nächsten Tag...   ;D

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Blackmicha am 26. Mai 2009, 02:47:15
Ähmmm... Schönsausfen ist auch möglich. Aber... nicht empfehlenswert. Irgendwann erwacht man(n) nämlich am nächsten Tag...   ;D



einfach nicht hinschauen ! absolut ignorieren ! 

ist nur mist , wenn du noch nicht bezahlt hast !   >:(
Titel: Das Wirtschaftswunder
Beitrag von: Low am 26. Mai 2009, 17:46:24
Das Wirtschaftswunder             Mai 2009

In der Geschichte 112 „Keine Karriere“ erwähnte ich die Ereignisse um eine strauchelnde
junge Frau. Sie ist gewiss nicht vom Schicksal begünstigt und eine Pechsträhne löste die
Andere ab. Zur Zeit ist sie in Behandlung im Universitäts-Spital. Sie hat irgendwelche
Probleme im Blut. Dem Lebenswandel entsprechend gäbe es einige unschöne Möglichkeiten.
Arbeiten kann sie nicht.

Ihre Tante, früher eine Art vermögender Dorffeldwebel, vielleicht sogar im Generalsrang,
wurde in den Strudel unschöner Erfahrungen mitgerissen. Zuerst finanzierte Tantchen
ein neues Motorrad, welches das Mädchen innerhalb von drei Jahre abzahlen sollte.
Nach nur zehn Monaten ist das ungepflegte Moped voller Kratzer, von zahllosen Notlandungen
auf dem Asphalt und sieht wesentlich älter aus, als das Rad der Tante, welches das verwöhnte
Kind verschmähte.
Dann verjubelte die Tante irgendwelches Gold für die Göre für eine Abtreibung in einer Privatklinik.
Später zeigte sich, dass die Tante vor etwa vierzig Jahren im Süden einmal verheiratete war
und zwei Söhne hatte. Trotz den zwei strammen Stammhaltern war sie nur eine von vielen
Frauen und sie ergriff damals empört und ausser sich das Hasenpanier, die Flucht in den Norden.
Hier wütete sie rachsüchtig und zerstörte unter selbstmörderischem Körpereinsatz möglichst
viele Familien, solange ihre Kasse stimmte. Sie hatte viele Männer, Husband genannt. Sie war
jedoch nie wieder verheiratet. Ihre Vergangenheit blieb ein Geheimnis.
Sie wurde älter und begnügte sich mit einem oder zwei zahlungskräftigen Kunden oder Liebhabern.
Vor einigen Monaten fanden die gewitzten Bübchen heraus, dass da ja noch irgendwo eine
Mutter war, die man nach Strich und Faden ausnehmen konnte, nach dem der Vater die beiden
Tagediebe und Taugenichtse (1) in die Wüste geschickt hatte.
Die Frau wehrte sich gegen die drohende Armut und versuchte auf verschiedene Weise
wieder etwas Bargeld zu ergattern. Sie kaufte im Ausverkauf ein paar Fernsehapparate,
die sie gewinnbringend weiterverkaufen oder zumindest vermieten wollte. Sie machte
die Rechnung, ohne die fiesen Tricks ihrer Landsleute zu berücksichtigen.
Die Mietapparate verlor sie innerhalb kürzester Zeit. Die Thais zahlten eine zu kleine Kaution
und die erste Miete. Dann wechselten sie samt TV das Domizil mit unbekanntem Aufenthalt.

Einer ihrer Wunderknaben, etwa dreissig Jahre jung, arbeitsscheu und partygeil,
vertrödelte einige Zeit in einem Tempel. Ich bitte um Verzeihung, wenn sich jemand durch
diese Wortwahl und Rücksichtslosigkeit angepöbelt führt, aber vertrödelt ist in diesem Falle
einzig richtig. Der Novize (2) ging nämlich zu Mütterchen und erzählte, wie stinklangweilig
es im Tempel sei, kaum auszuhalten und er benötige unbedingt einen Fernsehapparat um
überleben zu können.
Der Mutter perlten Tränen, die selbstlose Opferbereitschaft ihres Herzblutes anerkennend
und sie förderte das spirituelle Denkvermögen des geistlosen Idioten im Tempel mit einem Fernsehapparat.

Währenddessen lösten sich ihre Ersparnisse zusehends auf. Es gab Familienmitglieder zu
ernähren und Raten abzustottern. Vor allem das Moped war mit 60 000 THB ein rechter
Brocken, speziell, weil die junge Frau erwerbsunfähig ist.
Und sie alle, alle, Söhne, Brüder, Schwägerin, Nichten, Neffen sitzen im Haus der Tante und
warten alle auf Essen und ein Wunder,
das im fernen Bangkok von einem Herrn Abhisit angekündigt wurde.(3)

(1)
Gottfried Keller: Der Taugenichts
Gottfried Keller * 19. Juli 1819 in Zürich; † 15. Juli 1890 ebenda
http://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Keller
http://www.mittelschulvorbereitung.ch/content/ssv/TE56kTaugenicht.pdf
http://www.zeno.org/Literatur/M/Keller,+Gottfried/Gedichte/Neuere+Gedichte/Jahreszeiten/Der+Taugenichts
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Novize
(3)
http://www.thailandtip.de/tip-zeitung/nachrichten/news/optimistischer-abhisit-wirtschaft-wird-schwarze-zahlen-im-vierten-quartal-2009-schreiben//back/2/
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 26. Mai 2009, 21:23:16
Ich geh mit Buci in den Keller! :D :D :D
Titel: Buci mit drwkempf im Keller
Beitrag von: Low am 26. Mai 2009, 21:44:59
Dann geh mit Buci in den Gottfried Keller:

Der Taugenichts

Die ersten Veilchen waren schon
Erwacht im stillen Tal;
Ein Bettelpack stellt' seinen Thron
Ins Feld zum ersten Mal.
Der Alte auf dem Rücken lag,
Das Weib, das wusch am See;
Bestaubt und unrein schmolz im Hag
Das letzte Häuflein Schnee.

Der Vollmond warf den Silberschein
Dem Bettler in die Hand,
Bestreut' der Frau mit Edelstein
Die Lumpen, die sie wand;
Ein linder West blies in die Glut
Von einem Dorngeflecht,
Drauf kocht' in Bettelmannes Hut
Ein sündengrauer Hecht.

Da kam der kleine Betteljung,
Vor Hunger schwach und matt,
Doch glühend in Begeisterung
Vom Streifen durch die Stadt,
Hielt eine Hyazinthe dar
In dunkelblauer Luft;
Dicht drängte sich der Kelchlein Schar,
Und selig war der Duft.

Der Vater rief: "Wohl hast du mir
Viel Pfennige gebracht??"
Der Knabe rief: "O sehet hier
Der Blume Zauberpracht!
Ich schlich zum goldnen Gittertor,
Sooft ich ging, zurück,
Bedacht nur, aus dem Wunderflor
Zu stehlen mir dies Glück!

O sehet nur, ich werde toll,
Die Glöcklein alle an!
Ihr Duft, so fremd und wundervoll,
Hat mir es angetan!
O schlaget nicht mich armen Wicht,
Laßt Euren Stecken ruhn!
Ich will ja nichts, mich hungert nicht,
Ich wills nicht wieder tun!?"

"O wehe mir geschlagnem Tropf!?",
Brach nun der Alte aus,
"Mein Kind kommt mit verrücktem Kopf,
Anstatt mit Brot nach Haus!
Du Taugenichts, du Tagedieb
Und deiner Eltern Schmach!?"
Und rüstig langt' er Hieb auf Hieb
Dem armen Jungen nach.

Im Zorn fraß er den Hecht, noch eh
Der gar gesotten war,
Schmiß weit die Gräte in den See
Und stülpt' den Filz aufs Haar.
Die Mutter schmält' mit sanftem Wort
Den mißgeratnen Sohn,
Der warf die Blume zitternd fort
Und hinkte still davon.

Es perlte seiner Tränen Fluß,
Er legte sich ins Gras
Und zog aus seinem wunden Fuß
Ein Stücklein scharfes Glas.
Der Gott der Taugenichtse rief
Der guten Nachtigall,
Daß sie dem Kind ein Liedchen pfiff
Zum Schlaf mit süßem Schall.
Titel: Nässe
Beitrag von: Low am 29. Mai 2009, 15:34:41
Nässe, am Liebsten in Flaschen abgefüllt.

Manchmal möchte ich ebenfalls in den Keller. Vor allem wenn ich mich daran erinnere,
dass da noch eine ältere Flasche Strohwein (Vin Jaune) aus dem Jura lagert.
Hierzulande ist leider nicht an Unterkellerung zu denken. Der Grundwasserspiegel ist
im allgemeinen zu hoch. Als wir seinerzeit im März bauten, war das Wasser etwa auf
einhunderachtzig Zentimetern tiefe. Beim Anbau des Beauty Salons waren wir nach
zehn cm im Wasser. Dieses Frühjahr hatten wir Schwierigkeiten aus neun Metern tiefe
genügend Wasser zu pumpen.
Vor den Rodungen und der Erstellung der Grossgartenanlagen Flora Rajapruek, warnten
verschiedene Experten vor einem Grundwasserrückgang in der Region Hangdong.
Auch ohne Keller brauchen wir auf die niedlichen Kellerasseln nicht zu verzichten.
Sie sind, wie viele Zeitgenossen, nachtaktiv. Asseln gehören nicht zu den Insekten,
sondern zu den Krebstieren.

Wesentlich interessanter einen Keller zu haben wäre es, wenn die Strassen im Dorf einen
Meter unter Wasser liegen. Man müsste bei so einer Gelegenheit einen Notsäuferausweis
haben, um all die schönen Flaschen retten zu können. Ich erinnere mich an das letzte richtige
Hochwasser. Da brachte die rührige Gemeindeverwaltung, war es vor den Wahlen, warmes
Essen und Kerzen zum Dorfeingang.
Wer der Flut widerstand, konnte sich die Schätze abholen. Ältere oder kranke Menschen
gingen meist leer aus. Man stelle sich einen Familienvater mit drei kleinen Kindern vor, wie er
die gespendeten Nahrungsmittel, säuberlich in Styropor verpackt, mit beiden Händen über
dem Kopf balancierend durchs Hochwasser watete.
Am Tag darauf war jeweilen Matratzentag.  Da wurden alle gefluteten Matratzen auf den
Strassen ausgestellt und getrocknet. Endlich wusste ich, warum verschiedentlich asiatische
Teesorten ein Aroma wie muffigen Matratzen entwickeln.
Titel: Horlogerie
Beitrag von: Low am 31. Mai 2009, 10:36:29
Horlogerie

Eigentlich sollte hier fast das Ende einer lange recherchierten Uhren Geschichte stehen.
Weil ich manchmal eine Nacht zuwarte, fand ich heraus, dass wir uns gegenwärtig mit
der Publikation selbst gefährden könnten.
Ich werde das Pamphlet bei der nächsten Gelegenheit unverändert einfügen.
Hier ist nur der Schluss des Aufsatzes:

Wenn einer in Hinterindien einen Kriminalroman schreiben will, braucht er keine
überwältigende Phantasie. Dumm stellen, Sehnerven aktivieren, Gehör einschalten,
die Klappe halten und das Gehirn nicht mit Alkohol oder andern Drogen (Frauen) betäuben.
Dann braucht es die Fähigkeit, die unglaublichen Darbietungen leicht verarbeiten können.
Das sind häufig die Grundlagen der Geschichten aus Hinterindien.
Es gibt Mitmenschen, die lachen sogar darüber. Ja, ich auch. Das ist vielfach der einzige
Weg,  dem Irrsinn zu begegnen.
Titel: Der barmherzige Samariter
Beitrag von: Low am 31. Mai 2009, 21:09:00
Der barmherzige Samariter       (1)     31. Mai 2009

Wenn ich in meiner alten Heimat irgendwo, vielleicht auf der Strasse, einen verletzten
Menschen antreffe und keine Hilfeleistung erbringe, mache ich mich strafbar.
Anders ist es in Hinterindien. Meistens flüchten die Fehlbaren bei einem Verkehrsunfall
sofort. Breite Zuschauerkulissen feiern das Ereignis gebührend und bewundern die
verblutenden Verletzten bis Fachleute von Polizei und Ambulanzen eintreffen. Das ist besser
als jegliches Fernsehen, denn das Blut ist echt. Stöhnen und Schreie sind wie in Dolby
Surround Pro Logic (2). Dazu kommen erregende Gerüche von Schweiss und Blut, Erbrochenem,
angesengter Technik, heissem Gummi und Schwaden von Verbrennungsrückständen der
Motoren, der in den klimatisierten Fahrzeugen sitzenden Neugierigen.

Reiseapotheken sind in vielen westlichen Ländern in Fahrzeugen als Standardausrüstung
vorgeschrieben. Warndreiecke sind seit Jahrzehnten gesetzlich verordnet, neuerdings
auch Rettungswesten. Eine Grundausbildung in Nothilfe ist für den Führerscheinerwerb
unerlässlich. Die sachgerechte Lagerung von Verunfallten wird geübt. Ausnahmesituationen,
in welchen Konstellationen man Opfer nicht bewegen darf, werden zumindest diskutiert.

Sofern man hier Glück hat und von einer Spitalambulanz geborgen wird, darf man damit
rechnen, dass die Sanitäter eine knappe Grundausbildung im Rettungswesen genossen haben.
Schlimm ist es bei privaten Rettungsfahrzeugen, teilweise ausgemusterten Überlandtaxen,
die Patienten gegen Provision in Krankenhäuser einliefern. Unausgebildete Personen schieben
die Opfer erbarmungslos, dafür rasch und ohne jegliche Triage (3) auf einer nackten Blechbahre
in die Karre und ab geht die Post über Stock und Stein.

Wenn hier vereinzelt Äste auf den Fahrbahnen anzutreffen sind, kann sie ein Sturm
heruntergerissen haben, oder sie markieren eine Panne oder einen Unfall.
Vielleicht ist die Pannenstelle bereits geräumt und die Fahrer vergassen schlicht,
Steinbrocken und Grünzeug zu entfernen.

Es könnte im LOS durchaus gefährlich sein, Verletzten auf der Strasse beizustehen.
Sofern keine Zeugen existieren die aussagen könnten (vor allem wollen), ist nicht
auszuschliessen, dass später die Gesetzeshüter annehmen, man kümmerte sich als
Unfallverursacher und Täter um die Opfer.

Mir erging es in den letzten Tagen ähnlich. Ich musste ohne jegliche Hilfeleistung anbieten
zu können zur Kenntnis nehmen, wie ein Mensch offensichtlich langsam abkratzt, oder krass,
wie hier  „Sterbehilfe“ (4) praktiziert wird. Zu meiner Entlastung kann ich anfügen, dass ich
das Opfer kaum kenne. Wir sahen ihn früher bloss, wenn er seinen Hund spazieren führte.
Doch fragte ich mich nach Ablauf der Ereignisse ernstlich, ob Ärzte, Pflegepersonal und Banken
nicht ihre Sorgfaltspflicht verletzten.

Übertrieben ausgedrückt war es, wie wenn einer beispielweise in Pattaya an den Ohren
in den siebenten oder neunten Stock geschleppt wird, bevor er aus einer Nische oder
einem Fenster stürzt und die Ordnungshüter später den fachgerechten Selbstmord eines
lebensmüden Farangs diagnostizieren.
Der Adler ist noch nicht gelandet. (5)

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Barmherziger_Samariter
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Dolby_Surround
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Triage
(4)
http://www.uwenowak.de/arbeiten/sterbehilfe.xhtml
(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Neil_Armstrong
Titel: Sparen mit und ohne Köpfchen
Beitrag von: Low am 02. Juni 2009, 15:38:00
Sparen mit und ohne Köpfchen                                             Mai 2009

Von den Reichen lernt man sparen, von den Armen lernt man kochen.
Sparen ist eine Tugend, Geiz eine Krankheit.
Sparen darf man nicht mit Horten verwechseln, bei dem Geld im Sparstrumpf,
unter der Matratze etc. zurückbehalten wird, ohne es anzulegen. So viel lernte ich
vom Internet über die Sittsamkeit des Sparens.

Im Dorf gibt es eine Familie, der in den letzten Jahren Millionen von Baht zu flossen. Die Frau
und Mutter schloss immer wieder Versicherungen für nahe Verwandte ab, die komischerweise
danach alle innerhalb weniger Monate verstarben. Vater, Bruder, Schwester. Sie wurden
ausnahmslos relativ rasch in der Nähe von Bangkok kremiert.
Einen Teil des Geldes investierte sie im Dorf unglücklich in Immobilien, ohne die Wohnsituation
der Familie zu erleichtern oder zu verbessern.
Vier erwachsene Personen leben auf etwa siebzig Quadratmetern mit mindestens vier
Klimageräten, deren Abwärme kaum entweichen kann. Der Wirkungsgrad der Kühlgeräte
ist bedingt durch die schlechte Isolation kümmerlich. Es gibt praktisch kein Gelände für
genügend Kühlung und Luftzufuhr.
Trotz dem dreifachem Hausbesitz im Dorf, fanden sich dessen ungeachtet keine Parkplätze
für die Fahrzeuge der Familie.

Noch gibt es unbebautes Land. Mit einem Teil des Geldes hätte ich mir da ein grosszügiges
Häuschen mit etwas Umschwung gegönnt. Doch seit dem die Leute über finanzielle Reserven
verfügen, wird hinterindisch akribisch (1) gespart.

Die Hausfrau und Mutter erklärte uns, wie sie im Monat alleine viertausend Baht für
elektrischen Strom einspart. Stichwort: Klimaanlagen.
Etwa zehn Kilometer von hier gibt es einen neuen Grossverteiler. Also morgens nach
dem Aufstehen, Duschen und der erfolgten Kriegsbemalung wird flugs das Ausgangstenue
angezogen, Klimaanlagen: AUS! Ab ins Auto und bereits zum Frühstück in den Grossmarkt.
Dort in der gekühlten Halle lässt es sich den ganzen Tag wohl sein. Hin und wieder nimmt
man ein preisgünstiges Häppchen, zum Beispiel SomTam zu nur neunzehn Baht, zu sich
und trinkt bei Bedarf etwas. Weil man das ganze zu zweit durchführt, spart man doppelt.
Sollte man sich langweilen, gibt es einen Beauty Salon.
In der Abteilung für Unterhaltungselektronik kann man sich jederzeit gratis einen Werbefilm
zu Gemüte führen. Manchmal ist die Tochter dabei. Damit wird der Sparfaktor verdreifacht.
Am Wochenende, nachdem der fleissige Ehemann zu Hause die Wäsche gewaschen und
gebügelt hat, erhöht sich der Multiplikator sogar auf vier.

Kluge Köpfe werden einwenden, das Auto benötigt doch Sprit. Zudem ist die Durchgangsstrasse
in Hangdong ständig so verstopft, dass das Fahrzeug eher mehr als zehn Liter auf hundert
Kilometer verbraucht. Ja, man tankt aus Spargründen Gasohol und das als Staatsangestellter
bei der volkseigenen Gratistankstelle. Schon wieder doppelt gespart!

Bei uns ist so ein Sparpotential leider nicht gegeben. Der Grund ist, dass die Stromrechnung
trotz des mindestens zweifach so grossen Hauses mit viel Umschwung keine tausend Baht beträgt.
Pech gehabt.



http://de.wikipedia.org/wiki/Sparen
(1)
http://de.wiktionary.org/wiki/akribisch
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 02. Juni 2009, 22:59:58
Da wirst Du ja nun auf vieles verzichten müssen ;)
Warum hält sich mein Mitleid mit Dir in so engen Grenzen???

Ich sach ma: Spare in der Not, denn da hast Du Zeit!

Unsparsame Grüße aus der sonnigen Pfalz
Wolfram
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: namtok am 02. Juni 2009, 23:27:59
was ist eine "volkseigene Gratistankstelle  ??? " , jetzt wo die Spritpreise wieder anziehen wär das ganz praktisch  8)

Titel: Der Manna und Nektar Thread
Beitrag von: Low am 03. Juni 2009, 17:21:35
Der Manna und Nektar Thread

Fortsetzung der Geschichte „Sparen“.

Kilo Wattstunden und die Ewigkeit

Manche verstehen darunter auch Klo Wattierungen, oder gar nichts. Ich rechnete an Hand
meiner Stromrechnungen nach, wieviel die reiche Thailady auf siebzig Quadratmetern
Wohnfläche verbraucht. Von mir aus gesehen, ergibt das 2548 kWh im Monat. Wenn sie nur
die Hälfte verheizt, spart sie die viertausend THB.
Wieviel sie allerdings im Grossverteiler für das leibliche Wohl und die Schönheitspflege ausgibt,
darüber schweigen die Götter.

Zum Vergleich:
In der Küche vom Beauty Salon stehen zwei Kühlschränke. Im Salon gibt es ein Klimagerät
mit 9000 BTU, das nur bei Hitze läuft. Es hat ein kleines Heisswassergerät mit 2500 Watt
Leistung, vorwiegend für das Haarwaschen. Im Salon stehen zahlreiche elektrische Apparate
und einige Haartrockner.
Weiter versorgt das Haus die Wasserpumpe für zwei Häuser mit Strom.
Die Netto Wohnfläche entspricht etwa derjenigen des Hauses mit dem 2500 kWh
Bezug. Der Verbrauch im Beauty Salon liegt im Monat bei etwa 150 kWh.

Der grosse Unterschied ist, es hat etwas Umschwung mit schattenspendenden Bäumen
und Sträuchern. Der Wärmeaustauscher heizt das Haus nicht zusätzlich auf.

Eine Lösung für die fast 100 Kilo Baht pro Jahr Stromfresser wäre eventuell ein zentraler
Wärmeaustauscher etwas weg vom Haus, an der Strasse, der die vier Kühlgeräte über
isolierte Leitungen versorgen würde. Eine bessere Isolation des Hauses dürfte sich in kürzester
Zeit bezahlt machen.

Trotz kleinerem Stromverbrauch hätten wir ein wesentlich höheres Sparpotential.
Ich könnte den Weinverbrauch auf Null Flaschen pro Tag reduzieren und die Spitalbesuche
und ebenso die Medikamente streichen. Da wären bald einmal 25 000 Baht gespart. Aber was
habe ich im Nirwana oder in den westlichen Gefilden, wie Hölle oder Himmel davon?
Dort bleibt mir nur die Hoffnung, auf genügend Manna und Nektar Vorräte.(1)
Ich weiss nicht, wie bekömmlich Manna und Nektar sind. Vielleicht sind diese Delikatessen
geflügelten Posaunenbläsern und Harfenistinnen vorbehalten.

Überhaupt, irgendwo habe ich gelesen, im Himmel sei die Hölle los: (2)

Die Lobgesänge sind verstummt,
kein Schwein sing Hosianna.
Statt Nektar gibt es Alkohol
und Junkfood anstatt Manna.

Livebericht:
Ludwig Thoma * 21. Januar 1867 in Oberammergau; † 26. August 1921 in Rottach am Tegernsee.
Ein Münchner im Himmel (3)

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Manna_(Bibel)
(2)
http://www.verunsicherung.de/diskografie/im_himmel_ist_die_hoelle_los_texte.html
(3)
http://peterpanch.wordpress.com/2007/09/29/video-des-tages-ein-munchner-im-himmel-von-ludwig-thoma/
Deutsche Erklärung:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ein_M%C3%BCnchner_im_Himmel

„luja sag i,“
Low, immer noch ohne Scheinheiligenschein  .....

Möge der Herr Gnade walten lassen und Pfälzer und andere Fremdsprachige
sich an den bajuwarischen Offenbarungen erlaben lassen.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 03. Juni 2009, 22:34:40
"Möge der Herr Gnade walten lassen und Pfälzer und andere Fremdsprachige
sich an den bajuwarischen Offenbarungen erlaben lassen."

hat er, mein Lieber, hat er! :) :) :)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 04. Juni 2009, 17:35:50
Dafür will ich ein Opfer bringen. Ich werde etwas Weihrauch abbrennen.
"Luja..."


Dick hatte Mitleid mit einer blinden Losverkäuferin und kaufte ein Ticket.
Zur Zeit holt sie 4000 THB ab.

"Luja nomal, sag i."
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: namtok am 04. Juni 2009, 21:27:58
Das Wasser ist immer noch umsonst  ;D , vor einem halben Jahr kostete der Strom noch die Hälfte, bei langer Abwesenheit im kühlen Dezember einmal sogar nix  8) , nur bei der einen angeblichen "Gratistankstelle"  ??? war uns das Gedränge immer zu gross,  lieber woanders getankt und auf die 40 Satang Angestelltenrabatt verzichtet...
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 04. Juni 2009, 23:35:35
Sorry Namtok,
diese Tankstelle ist nicht öffentlich, dafür umso gratis.
Weitere Tips findest du weder im Tip, noch bei mir.
Stichwort: Eigenbedarf Regierung.
Titel: Haustiere
Beitrag von: Low am 04. Juni 2009, 23:49:41
Haustiere

Wir überlegten lange, wer die ohnehin im Garten lebenden Tiere ergänzen könnte.
Wir mochten keine aggressiven oder laute Tiere. Deshalb schieden Katzen, Hunde
und Hühner aus. Nachbars Katzen wüten bereits mörderisch im Vogelbestand.
Die alleingelassenen Hunde der Anlieger heulen fast Tag und Nacht. Gockel krähen zu jeder
Zeit, wenn sich einer des Nachts eine Zigarette anzündet oder irgendwo in einem Badezimmer
ein Licht angeht. Ein weiteres Problem ist der Kot.
Wir kriegen gratis Nachbars Katzenkot mit extremer Duftnote. Fremde Hunde kacken vor
dem Zaun auf die Strasse. Die Fäkalienbelastung sollte deshalb möglichst nicht vergrössert werden.

In einem Gästehaus in Sukothai weideten Kaninchen sauber das Gras ab.
Sie hoppelten durch das ganze Gelände, waren überall anzutreffen ohne zu belästigen.
Manchmal suchten sie gezielt den Kontakt mit den Gästen.
Die Kotbelastung war äusserst gering. Kaninchenkot ist relativ klein, lässt sich einfach
entfernen und bietet praktisch keine Geruchsbelästigung.

Wir improvisierten einen einfachen Stall aus Backstein mit einem Holzdach und einem Holzrost im Innenraum.
Dann erwarben wir drei junge Tiere. Zwei weisse und ein dunkelbraunes, zwei Weibchen und einen Rammler.
Wir setzten die Tiere vor dem Stall aus. Dort gab es Wasser und das gewohnte Trockenfutter.
Sofort begannen sie, mit den Grashalmen zu spielen und dann fingen sie an, das Gras zu essen.
Es folgten zaghaft kleine Exkursionen, einige Meter nur, dann hoppelten sie zum Stall zurück.
Nach drei oder vier Stunden erkundete das erste Tier die Veranda, setzte sich auf die Mauer
und begann in einem Orchideentopf zu nagen. Die zwei anderen Kaninchen erlabten sich
im Farngarten. Das kleine Schwarze spezialisierte sich später auf orange-rote Blumen.
Zwei der Tiere verbrachten die Nacht nicht im Stall. Sie bevorzugten die spärlich beleuchtete
Veranda. Am Tag darauf nahmen sie nur noch wenig Trockenfutter.
Dafür verwöhnte sie Dick mit Karotten.
Der Aktionsradius vergrösserte sich dauernd. Sie galoppierten mit weiten Sprüngen in die
abgelegensten Ecken. Sie entdeckten den Garten hinter dem Haus. Sie frassen alle wilden
Papayatriebe ab und verlustierten sich am Unkraut. Das grösste war der Chompuu,
der Rosenapfel Baum. Es gab unten noch einige wenige Früchte. Die genossen sie, bis sie
sich faul im Grase streckten. Nach einem kurzen Nickerchen, versuchten sie, die höher
wachsenden Früchte zu erreichen.  Sie standen auf die Hinterbeine, streckten sich,
wedelten mit den langen Ohren, vergeblich. Zu zweit schafften sie es, neue Früchte
zu ernten. Das Trockenfutter beachteten sie nicht mehr.
Dieffenbachie und anderem giftigen Grünzeug gehen sie aus automatisch dem Weg.
Kundinnen im Beauty Salon begutachten sie neugierig. Dick musste die jungen Chili Sträucher
vor ihnen schützen. Die Blätter wurden gnadenlos abgerupft. Demnächst wird wenig Suppe
serviert werden, weil das Gemüse fehlt. Dafür verzichteten sie freiwillig auf Lauchstangen.

Gegenwärtig bin ich am Bau des Lanna-Prunkschlosses aus edlem Tropenholz für die
muntere Bande. Ich kann nur hoffen, dass es rege benutzt werden wird.
Und in einigen Monaten wird einst Polenta mit Kaninchen in Rotwein unsere Menukarte
bereichern. Im Winter, wenn es dann in Chiang Mai kalt wird, kriegt Dick einen
Bikini Badeanzug aus Kaninchenfell.

 
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 05. Juni 2009, 03:22:07
Du wirst Dich wundern, wie sehr Dir Deine Pelznasen ans Herz wachsen können!
Von wegen Polenta, von wegen Angora-Bikini.
Man hat an solchen Hausgenossen solche Freude, vor allem, wenn sie richtig zahm werden...
Ich hatte über Jahre Farbratten als Haustiere. Sie waren absolut zahm, waren meine Kumpels, die sich an Feierabend mit mir auf der Couch herumgelümmelt haben. Ihr Tod ist mir in jedem einzelnen Fall entsetzlich nahegegangen.
Titel: Neues von Gucci – Die Hexe
Beitrag von: Low am 06. Juni 2009, 15:07:09
Neues von Gucci – Die Hexe      30.Mai 2009 / Juni

Vergleiche Einführungen:
(1)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg51482#msg51482“ 
(2)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg54521#msg54521

Aus leicht ersichtlichen Gründen musste ich bei dieser Top aktuellen Geschichte
etwas Vorsicht und gleichzeitig Zurückhaltung von Detailinformationen üben.
Der schwer kranke Farang, er verlor das Gehvermögen, wollte trotz allem vom Spital
nach Hause zurück, denn er hat den berühmten 49 / 51 Prozent Vertrag.
Seine betrügende Gattin, dies schien mittlerweile unbestritten, sprach mit Freundinnen
und erklärte: “Wenn er zurückkommt, gebe ich ihm den Rest.“

Offensichtlich ging es ihm noch schlechter. Er war nicht mehr in der Lage zu sprechen.
Es ging das Gerücht um, dass ihn Frau „Gucci“ vergiftete. Ich nahm an, es sei ein Nervengift.
Wie gesagt, das war bloss ein Gerücht.
Mia versuchte, beim Pick-up Verkauf als Interessentin in die Nähe des Hauses zu gelangen.
Ein kleiner Versuch, dem schwer Kranken Hilfe anzubieten. Die Festung liess sich leider nicht
knacken. Weiter exponieren konnten wir uns nicht.
Kein Gerücht war, dass Frau „Gucci“ bereits einen weiteren Farang an der Leine hatte.
So blieb mir bloss die Möglichkeit folgende Warnung auszusprechen:
„Sollte ein Farang in CNX in den letzten Tagen, vielleicht Wochen, eine attraktive Frau
gefunden haben, die ihm eine original Gucci Uhr anzudrehen versuchte, Hände oder noch
empfindlichere Körperteile weg, es besteht gegebenenfalls spätere Lebensgefahr.“

Im Dorf suchte sie dringend nach einem Darlehen von 50 000 THB. Es war nicht
auszuschliessen, dass sie Kapital für eine erforderliche baldige Flucht suchte.

Meine unbescheidene Frage ist, wo ist all der Zaster, es dürfte sich gegen eine halbe
Million Baht handeln, geblieben? Aber wenn wir die Summe mit den verschwundenen
Schulgeldern vergleichen, sind das Bagatellunfälle. Vielleicht suchten ja unsere Freunde
und Helfer im Chiang Mai Zoo nach Schulschwänzern. (3)

3. Juni
Die Situation für den Mann verbesserte sich. Seine Frau bekam eventuell kalte Füsse und
stellte die Behandlung ein. Sie konsultierte abermals ihren Wahrsager, der sie seinerzeit
mit dem Hausmittelchen für den Gatten versorgte. Der einstmals Kranke sprach,  ging und
vor allem  b e z a h l t e  wieder.
Meine Frage ist: Wie lange?
Da die einheimischen Weiber die Gepflogenheit haben bei Unsicherheit stets in Gruppen
zu agieren, erhielten wir von einer Zweifelnden, sie wollte Dicks ausserordentliche Fähigkeiten
in Anspruch nehmen, die Mitteilung:
„Der berühmte berüchtigte Wahrsager sollte erneut gegen uns eingesetzt werden. Er teilte
den entsetzten und enttäuschten Kundinnen mit, dass Dick offenbar eine Gross-Meisterin
der Magie sei und dass leider seine überirdischen Kräfte ihr nicht gewachsen seien.“

Da könnte ich ja der geliebten Hexe für die Johannisnacht (23.24. Juni) einen neuen Besen schenken. (4)

Johannis-Feuer sei unverwehrt,
Die Freude nie verloren!
Besen werden immer stumpf gekehrt
und Jungens immer geboren

Johann Wolfgang von Goethe 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar

(3)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=2545.0
(4)
http://books.google.com/books?id=rP546IAEBpIC&pg=PA42&lpg=PA42&dq=Hexen+Johannisnacht&source=bl&ots=k5JELzdQLH&sig=kI5xCGYrsHLHlqbILC0-8U0mbkU&hl=de&ei=nw0qStDgKYGHkQXdmeDwCg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=10#PPA42,M1

Wenn einer in Hinterindien einen Kriminalroman schreiben will........


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 06. Juni 2009, 20:21:52
Du bist halt ein Glückspilz! Nicht nur eine hübsche, charmante, liebevolle und auch noch intelligente Mia, jetzt hat sie auch noch überirdische Power!!!!
Aber das wußtest Du doch eh' schon längst...

Kein Wunder, dass ihr beneidet werdet. Deine liebe Mia hat es schließlich mit Dir auch nicht gerade schlecht getroffen.

Der arme Teufel mit seiner Qualitätslady dagegen kann einem nur leid tun.
Titel: Gesiebte Luft
Beitrag von: Low am 06. Juni 2009, 21:12:13
Wolfram danke.

Welche Droge wirkt so, dass ein Kerl gehbehindert wird,
nicht mehr sprechen kann und nach einigen Tagen ist alles wieder
normal?
Ich habe ein paar wüste Erinnerungen an meine Tage in der Pathologie.
Das waren durchwegs Einweg Medikamente.
Die Anwender wurden gefasst und es gab für sie gesiebte Luft für Jahre.
Titel: Ochsen und Esel
Beitrag von: Low am 07. Juni 2009, 15:33:08
Ochsen und Esel         Juni 2009


In einer Siedlung des gehobenen Mittelstandes, mit trutzig uniformierter, dennoch absolut unfähiger Wachmannschaft,
Mäuerchen, welche zum Hochsprung animierten und weiteren unsichtbaren Sicherheitsmassnahmen, gab es Gärten,
die gemäht werden mussten.
Der oberste Chef, ein Batzenklemmer und Leuteschinder erster Güte, dachte verzweifelt nach, wie er in der jetzigen 
Flaute ein paar Satang sparen könnte.
Er ersetzte den Mann mit dem Rasenmäher, der die Gärten jahrelang klaglos betreute, durch einen Bauern mit
einigen Ochsen, offenbar ohne seine Kunden, die Haus- und Gartenbesitzer zu befragen oder zumindest in Kenntnis zu setzen.

Eine alleinstehende ältere Witwe hatte als einzigen Beschützer einen kleinen Hund. Eines Morgens, als sie Köterchen
in den Garten liess, herrschte alsdann ein wüstes Gebell und Gekläffe. Sie schaute nach und entdeckte, dass das Hunterl
(nach Schwejk) Grund und Boden gegen zwei grosse Ochsen verteidigte. Er biss den einen ins Bein und vielleicht etwas
schmerzhafter, in den Sack. Dem andern Eindringling bellte er ein Lied ins Ohr und biss dabei einige Male kräftig zu.
Der Frau gelang es, das Hündchen zu beruhigen. Sie telefonierte einem Veterinär, der die verletzten, blutenden Ochsen
behandelte. Später kam der Bauer, nahm seine lädierten Tiere in Empfang und trottete mit ihnen davon.

Einen Tag darauf stand der Bauer vor der Tür. Er wollte Geld. Er sagte: „Der Ochs ist tot.“
Die Frau wollte wissen, wo der tote Ochse sei. Der Bauer sagte, er hätte ihn eingegraben, beerdigt. Die Frau
hakte nach und fragte, wo der Ochs begraben sei. Der Bauer meinte, im Boden. Die Frau antwortete, ohne
toten Ochs kein Geld und liess den verdutzten Bauern stehen.
Einen Tag später kamen drei Männer. Sie wollten Geld für den dahingegangenen Ochsen. Die Frau wiederholte,
ohne Ochs kein Geld, wo der Kadaver sei?
Nun lautete die Auskunft, sie hätten ihn in den Fluss geschmissen.
Darauf wurden sie eindeutig frech und drohten: „Wenn du nicht bezahlst, bringen wir dich um!“
Die mutige Frau rief die Polizei. Als sogar die Beamten die offensichtlichen Widersprüche und Lügen der drei
Ganoven bemerkten und diese unverblümt die Frau weiter bedrohten, nahmen sie die unverschämten Kerle mit.
Die sassen über Nacht im Gefängnis. Ihre wenig putzigen Weiber besuchten sie, flennten, zeterten und keiften,
bis die verdatterten Lümmel zugaben, den Ochsen im Suff teilweise verzehrt zu haben.
Vermutlich benutzen die geistreichen blauäugigen Sachbearbeiter in der Siedlung „zur eingeschränkt frohen Aussicht“
in Zukunft wieder hunderesistente Gärtner mit Rasenmäher.




Schwejk
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_brave_Soldat_Schwejk

 


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Kern am 08. Juni 2009, 05:40:07
Hallo, Low

Du bist ein zynischer, aufmerksamer Poet.

Beim Lesen deiner "Ergüsse" (?) durchrieseln mich Gefühle in erstaunlicher Fülle.    Weiter so!
 

Glückwunsch und Grüsse

Achim
Titel: Danksagung
Beitrag von: Low am 09. Juni 2009, 14:13:44
Danksagung

Unter Umständen fragten sich einige kritische Leser:
„Warum sitzt der Kerl ungeachtet seiner bösartigen, sarkastischen und zynischen (1)
Geschichten aus Hinterindien trotz allem in Thailand?“
Die Antwort ist einfach. Ich mag diese Erlebnisse. Wenige berühren mich direkt.
Meistens besteht eine gewisse Distanz. Wir lernen aus den Geschehnissen und agieren
in ähnlichen Fällen unter Umständen richtig. Das führt in extremen Situationen zu einer
Art Inseldasein. Das stört mich kaum. Irgendwie bin ich ein geborener Insulaner. Anstatt
Flaschenpost gibt es die zuverlässigere Email.
Wie viele Flaschen versandte ich in meinem Leben, in Aare, Rhein, Nordsee, Mittelmeer,
Mississippi, Südchinesische Meer, Mekong, ohne je eine Antwort zu erhalten?

Gibt es in Europa nicht ähnliche Begebenheiten?
Ich verwies bereits am Anfang meiner Erzählungen auf die Schriften von Jeremias Gotthelf,
der vor Hundertfünfzig Jahren die Bewohner einer kleinen Region, des Emmentals,
durchleuchtete und eingehend beschrieb.
Die Schulung der Menschen veränderte dort vieles. Der Grundtenor, die flatterhaften Seelen
und die uneinsehbaren Abgründe im Denken, die launige Triebhaftigkeit blieben in vielen Fällen konstant.
In meiner näheren Umgebung hierzulande  beobachte ich ähnliche Phänomene.(2)


Meine Gegenfrage lautet, wäre es anders in Europa?
Ganz bestimmt.
Würde ich mich leichter damit abfinden?
In gewissen Fällen sicher.
Wem Recht, Verträge, Garantien, Versicherungen, und geregelte Abläufe ein ernsthaftes
Anliegen sind, hat es in Fernost bestimmt nicht einfach.
Ein Pedant (3) kann sich das Leben hier zur Hölle machen. Es gibt Liebhaber solcher Praktiken,
geistige Masochisten (4), die sich bemühen, anzurennen und anzuecken und sich selber
toll finden. Ohne speziell danach zu suchen, traf ich immer wieder solche Mondkälber.

Mir machen die Unzulänglichkeiten des Gastlandes und der meisten Bewohner wenig aus.
Im Laufe der Zeit verschenkte ich die meisten meiner gesammelten angehäuften, teuren,
schönen aber im tiefsten Sinne nutzlosen Gegenstände in Europa.
Ich beschränkte mich anfänglich auf weniges in Thailand. Dennoch belastet mich wieder
eine Sammlung von schönen Dingen, die ich eines Tages nicht mit mir nehmen kann.

Die allerletzte Frage:
„Könnte ich hier alles aufgeben und in Europa leben?“
Wenn ich das machen würde, wäre es ein schmerzhafter, langsamer Selbstmord,
denn ich ertrage die Kälte kaum noch. Sogar in einem gut beheizten Haus beeinflusst mich
die Kältestrahlung negativ. Das ist schlecht erklärbar, aber in meinem Falle eine Tatsache.
Es gibt Thais, die anhand meiner Ohren behaupten, ich sei kein richtiger Farang.

Deshalb geniesse ich mein Dasein im Fortsein. Ich erfreue mich an der Wärme
des Klimas und meiner Lebensabschnittsbegleiterin.  Eine reife Frau. Trotzdem ein romantisch
veranlagtes Mädchen, wie ich es in meinen Träumen während Jahren vergeblich suchte.
Ich danke für dieses Glück, wem auch immer der Dank gebührt.

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Zynismus
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomen
(3)
http://de.wiktionary.org/wiki/Pedant
(4)
http://de.wikipedia.org/wiki/Masochismus
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Ge-ben-ba? am 09. Juni 2009, 18:08:52

Du sprichst mir aus der Seele.

Großen Dank auch an Dich,
daß Du Deine Erfahrungen
hier mit uns teilst.

Grüße
Ge-ben-ba?
Titel: Gründe und Abgründe
Beitrag von: Low am 11. Juni 2009, 09:59:16
Gründe und Abgründe

Möglicherweise war ich etwas kurz mit meinen Begründungen, warum ich in Thailand lebe.
Ein weiterer gewichtiger Grund ist sicher, dass ich mir hier eine solide Infrastruktur mit Häusern
und Gärten aufgebaut habe. Ich wäre wohl nicht mehr in der Lage, diese Leistungen irgendwo zu wiederholen.
Andere Gründe sind die gute Erreichbarkeit von Spitälern mit ausgebildeten Fachkräften und deren vorbildlichen
und preisgünstigen Dienstleistungen.
Die Einkaufsmöglichkeiten im Raum Chiang Mai erreichen fast westlichen Standard.

Es ist mir klar, dass ich dass ich ohne Dicks Hilfe kaum überlebt hätte. Sie kam
zum richtigen Zeitpunkt und sie ist eine Ausnahme.
(1)
 
Ich war mich gewohnt, wissenschaftliche Apparate auf Eignung und Spezifikationen zu überprüfen. 
Das machte ich dann auch mit den hiesigen Damen, wobei ich wissenschaftlich wegliess. Viele Eignungstests
waren interessant, aber nicht mehr. Nach einer harten Scheidung bemühte ich mich während Jahren vergebens,
eine angenehme Begleiterin zu finden.

Dazu erinnere ich mich an die folgende Zote.(2)
Kurt verlor seine Frau. Ich weiss nicht, ob sie davonlief oder verstarb.
Ein Freund fragte: "Kurt, du bist einsam, du siehst schlecht und ungepflegt aus. Möchtest du nicht wieder heiraten?"
Kurt antwortete entschieden: "Nein."
"Warum denn nicht?"
Kurt meinte darauf:
"Eine bessere Frau kriege ich nicht,
und eine gleiche will ich nicht mehr!"

Vor mehr als dreissig Jahren arbeitete ich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Arbeit machte wirklich
Spass und die Technik war phantastisch. Dennoch wusste ich nach kurzer Zeit, dass ich mit der Mentalität
der meisten amerikanischen Frauen etwas Mühe hatte.
Ganz schlimm fand ich es im mittleren Westen, wo man Mädchen unter sechzehn Jahren verheiratete,
nur um zuvor zu kommen, dass die Nachkommen zu früh kommen.
Mir wurde wiederholt die Möglichkeit geboten, im mittleren Westen zu leben und zu arbeiten. Doch die Denkweise
im privaten Bereich, die beziehungslosen, oft fehlenden Begriffe von Kultur, die Lebensgewohnheiten mit den
schrillen Partys blieben mir fremd. Das einzige Lebensziel war oft die Anhäufung von Dollars.

Im Staat Oklahoma herrschte immer noch die Prohibition. Ich wohnte in Tulsa im Hotel Hilton. Als ich dort
an einem heissen Augusttag ankam, war es nicht möglich, ein Bier zu bestellen. Ich musste erst Klubmitglied werden.
Dafür erlebte ich, unvergesslich, eine für mich eigentlich erledigte Vergangenheit, das unsichtbare Reich,
die Jahresversammlung des Ku Klux Klans mit Zipfeltenues und brennendem Feuerkreuz.(3)

Ich kannte damals bereits einige Länder Südostasiens. Der ferne Osten lag mir bedeutend näher, als der wilde Westen.

(1)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg37756#msg37756
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Zote
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Ku-Klux-Klan

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 11. Juni 2009, 20:47:04
Lieber Rolf,

Dick und Du sind einfach ein erfolgreiches Gespann.
Aber wie Du schon sagst, eben doch eher die Ausnahme von der Regel.

Ich glaube ja, dass man auch ohne Thai-Anhang in Thailand ganz gut leben kann - jedenfalls wenn man finanziell hinreichend abgesichert ist :-)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 11. Juni 2009, 21:56:10
Hallo Wolfram,

Du hast recht. Man könnte ohne Thai Anhang gut in Thailand leben,
sofern man Miethäuser, Mietwohnungen oder Hotelunterkünfte schätzt.
Eine Vertrauensbasis für Mietobjekte ist jedoch kaum gegeben.
Ein Vermieter kann über dich jederzeit nach Gutdünken verfügen.

Das war einer der Gründe in Europa, mich von den Landvögten unabhängig zu machen.
Dasselbe geschah dann in Thailand. In letzter Sekunde konnte Dick die gefährdeten Besitztümer
übernehmen. Ich lebe in vertragslosem Zustand auf reiner Vertrauensbasis.
Auf Dicks Latifundien hätten wir wohl bauen können. Nach unserem Gutdünken
wären wir einfach einige hundert Kilometer zu weit entfernt von meiner zeitweise benötigten
Infrastruktur gewesen.
 
Titel: Kopflos
Beitrag von: Low am 12. Juni 2009, 15:17:53
Kopflos         12. Juni 2009

Im Beitrag Haustiere schrieb ich über unsere Karnickel. (1) Seit drei Wochen erfreuten
wir uns an den munteren Tieren und sie hatten den Plausch an uns. Meistens waren sie
nicht aufzufinden. Wenn Dick sie rief und mit ihren Schlüsseln klapperte, kamen sie aus ihren
Verstecken und marschierten und hoppelten mit ihr ums Haus herum zur Veranda.
Als besondere Leckerbissen fütterte Dick etwa grüne Mango, Karotten oder einen Broccoli Strunk.
Wenn mich das Männchen im Haus hörte, kam es in wilden Sätzen die Treppen hoch und
bettelte um Futter.
Die Ställe, die wir extra bauten, benutzten sie anfänglich gerne. Dann entdeckten sie unter
einer Steinskulptur versteckt im Bambus am Teich ein kühleres Plätzchen. Sie reinigten
den Ort, schauten öfters den Fischen zu, ruhten und übernachteten teilweise dort.
Tagsüber lagen sie manchmal im dichten Farn, von der Sonne geschützt und gut versteckt,
wenn sie nicht an den Blättern zupften.

Heute in den frühen Morgenstunden kam irgend ein Untier und köpfte eines der
grasenden Kaninchen. Wir hörten gar nichts, obwohl der Tatort unmittelbar in der Nähe
eines Schlafzimmerfensters lag. Der Kopf mit den langen Ohren fehlte vollständig.
Wer macht so etwas? Der Garten ist von Mauern umgeben. Die wenigen Meter Chromstahlzaun
sind zusätzlich durch feines Maschengitter geschützt. Es muss ein Tier sein, das die Mauer
überwinden konnte.  War es etwa eine Katze oder Fuchs, Marder, Wiesel oder Iltis?
Oder war es gar Selbstmord mit besonderen Umständen?
Einmal mehr gab es einen kopflosen Bewohner in Thailand.


(1)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg56385#msg56385

Titel: Re: Kopflos
Beitrag von: hellmut am 13. Juni 2009, 03:27:40
...Heute in den frühen Morgenstunden kam irgend ein Untier und köpfte eines der
grasenden Kaninchen. Wir hörten gar nichts, obwohl der Tatort unmittelbar in der Nähe
eines Schlafzimmerfensters lag. Der Kopf mit den langen Ohren fehlte vollständig.
Wer macht so etwas? Der Garten ist von Mauern umgeben. Die wenigen Meter Chromstahlzaun
sind zusätzlich durch feines Maschengitter geschützt. Es muss ein Tier sein, das die Mauer
überwinden konnte.  ...

@ Low, mein Beileid zum Tod des Kaninchens.

Mich würde interessieren woraus du folgerst das der Täter dem Tierreich entstammt.
Eine Katze, von Tiegern und Löwen abgesehen, könnte das nicht, da das Gebiss viel zu klein wäre um einen Kaninchenkopf abzubeißen.
Meine Katze macht das bei Vögeln, bzw. sie lässt den Kopf übrig, jedoch nicht bei Mäusen.
Grundsätzlich würde sich ein Tier zunächst am "Filetstück" verköstigen, ehe es an die Extremitäten geht. Auch sind Raubtiere so gestrickt das sie so schnell wie möglich an das Fleisch heran wollen. Den Kopf abzubeißen ehe es ein Stück Fleisch verputzt hätte, wäre unlogisch.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 13. Juni 2009, 10:13:43
Hellmut, danke für die guten Worte und die förderlichen Überlegungen.
Ich rechnete eigentlich von Anbeginn mit Verlusten. Wenn eine Python (1) das Maul aufreisst,
ist das Kaninchen fast chancenlos. Dann aber liegt auch kein Kadaver im Gras.
Dass kräftiger Zug angewendet wurde, zeigten die herausgerissenen Eingeweide.
Eigentlich hätte ich das tote Tier fotografieren müssen. Anstatt zur Kamera zu greifen,
machte ich eine Knarre bereit.

Hier stank es verschiedentlich nach Marder. Ich kenne den Geruch, weil zeitweise
einer bei schlechtem Wetter in meiner Garage hauste, ohne jedoch die Autoelektronik
zu zerstören, wie das in Euroland so üblich ist.
Ich kenne das Verhalten von Mardern nicht. Ich wusste nur, dass damals ein Bekannter
die Tiere mit Mohrenköpfen! als Köder fing.

Nehmen wir an, es war ein zweibeiniger Kaninchenjäger mit Schwert (Kill Bill) am Waidwerk,
der die Trophäe neben Löwen- und Tigerköpfen an die Wand hängt!


(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Pythons
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 13. Juni 2009, 12:51:53
Die Schwerter in "Kill Bill" verursachten nur saubere präzise Schnitte.  ;)

Vielleicht war es auch ein Waran? Und er wurde gestört? Du erwähntest ja "unter dem Schlafzimmerfenster". Verfällst du vielleicht gelegentlich dem Spontan-Schnarchen? Das würde so einiges erklären.  ;D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 14. Juni 2009, 17:01:23
Ja Profuuu, wie ich lernte, gibt es mindestens zweierlei Schwerter.
Die eine Machart wird in Kill Bill verwendet.
Wir haben ein antikes Stück, vielleicht vom Ende des vorletzten Jahrhunderts mit dem Ursprung
Nordthailand oder Laos im Beautysalon (zum Rasieren). Wenn du mit diesem Säbel auf eine
Kartoffel einschlägst, hast du nicht zwei halbe Kartoffeln, roh oder gekocht spielt keine Rolle,
sondern du und die nähere Umgebung sind von Kartoffelbrei bespritzt.
Solltest du mehr Brei benötigen, nimmst du eine Wassermelone!

Dieser Brei st ein gutes Mittel gegen das Schnarchen.
Titel: Armseligkeit
Beitrag von: Low am 14. Juni 2009, 19:09:24
Armseligkeit

Das ist die Fortsetzung der kopflosen Geschichte. Aus einem Ereignis ergibt sich das Nächste.
Plötzlich sieht man Zusammenhänge. Vielleicht ergeben sich Rückschlüsse, wie in diesem Falle.

Wir reisten mit dem Auto und unserem Kistchen zum Kaninchenhändler nach Chiang Mai.
Dick erzählte vom Attentat auf dreiunddreissig Komma drei Prozent unserer Tiere.
Die Kaninchenexperten antworteten, das sei in der Tat ebenfalls ein Problem für sie.
Öfters würden ihre Kaninchen von rabiaten, herrenlosen und hungrigen Katzen angegriffen und geköpft.
Wir erstanden einige neue Pelznasen. Der Vorrat dürfte hochgerechnet für die nächsten
fünfzehn Wochen bei gleichbleibender Katzenpopulation reichen.

Die Schlussfolgerung ist, es gibt nicht nur die Soi Dogs. Es gibt im Raum Chiang Mai auch
viele unbehütete, furiose Katzen. Je nach Bedürftigkeit stehen sie abends teilweise knapp
betucht vor den Getränkeschuppen für den gepflegten, aber vor allem müssiggehenden Herrn herum.


Zwei Dorfbewohner, Weiblein und Männlein, verkauften mit den berühmten blauen Vehikeln,
ausgerüstet mit Lautsprechern und kratzendem Sound, in der ganzen Gegend Eiskrem eines
schweizerischen Lebensmittel Konzerns. Der Firmensitz ist in Vevey am malerischen Genfersee.
Ich nehme jedoch an, dass die Glace für Thais von Thais in Thailand angerührt wird.
Ganz In der Nähe von Vevey ist Montreux mit dem Schloss Chillon, eine der schönsten
Wasserburgen der Schweiz.(1)

Der ältere Eismann wurde plötzlich sehr krank. Die Frau kümmerte sich nicht um den
angeheirateten Patienten. Sie brauchte Geld und verkaufte ohne Rücksicht auf den
Hilfebedürftigen weiterhin ihr Eis.
Der sich sorgende Sohn sah, dass es seinem Vater äusserst schlecht ging und nahm ihn
zur Pflege auf. Er war ziemlich aufgebracht über das herz- und erbarmungslose Verhalten
der Frau und verbot ihr sofort die weitere Nutzung des Hauses.
Nun war das Haus leer, bis auf etwa fünfzehn herrenlose Katzen, die teilweise bereits
Junge säugten. Diese Katzen verunreinigten alles. Es stank so grässlich, dass die gestressten
Nachbarn nach geraumer Zeit einen Katzenfänger beauftragten und bezahlten, die halbwilden
Tiere zu fangen und sie in einen Tempel zu bringen!
Wie reagierte die skrupellose Eisverkäuferin? Sie färbte sich die Haare und pries bereits nach
wenigen Wochen wieder, ihre Ware im Dorf an.

Anstatt über den vermutlichen Wirkungsgrad des Katzenfängers zu diskutieren, erzähle
ich eine Hundegeschichte. In der Nähe hatte vor kurzer Zeit eine Hündin acht Welpen.
Da die Familie bereits ausgiebig mit Hunden gesegnet war und diese immer neue
Mischlingskinder in die Welt setzten, gab die Dame des Hauses einem Kehrichtsammler
hundert Baht mit der Bitte, die Hündchen umzubringen.
Der Kehrichtexperte nahm das Geld und die Hunde. Dann reiste er hausierend mit den Welpen
von Tür zu Tür. Innerhalb von kurzer Zeit war er die jungen Tiere los.
Solange die noch nicht trocken und verspielt sind, werden sie verhätschelt und gefüttert.
Sind die Hunde nach ein paar Monaten ausgewachsen und fressen jeden Tag das Fleisch
eines halben Elefanten, gibt es - oh Wunder, neue Soi Dogs - heimatlose Strassenköter,
ungeimpft und unkastriert. Das kostet ja etwas.

(1)
http://www.chillon.ch/de/
Titel: Mundgeruch und Fuzzy Logik
Beitrag von: Low am 16. Juni 2009, 15:17:07
Mundgeruch und Fuzzy Logik

Es gibt immer wieder Pessimisten, welche behauten, man könne hier
nichts zum Besseren verändern. Ich behaupte, dass dies nicht richtig ist.
Wir alle haben eigentlich  eine Vorbildfunktion. Wir wissen, wie erfolgreich
die Menschen beim Kopieren sind, sei es Software, Kleidung, Handtaschen,
Gebrauchsgegenstände, Bilder, Skulpturen oder Uhren. Sehr selten nur
besteht eine Chance, dass sie etwas anderes, Grundsätzliches übernehmen.
Aber eine geringe Möglichkeit besteht.

Ich kann mich nicht beklagen, denn ich wurde nur zu oft kopiert, zum Beispiel
Recycling, Gestaltung des Lebensraums, Hilfsmittel im Haushalt, nur um ein
paar Beispiele zu nennen.
Sofern wir nicht allzu träumerische Massstäbe verwenden und genügend Zeit
einsetzen, lassen sich kleine Fortschritte durchaus verwirklichen.
Am Einfachsten ist es bestimmt, bei jüngeren Leuten, vor allem bei Kindern
den Hebel sachte und mit viel Gefühl anzusetzen.
Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass reifere Menschen aus Euroland fast
unmöglich aus ihren eingefahrenen Verhaltensmustern zu bringen sind.
Alterssturheit und Starrsinn sind weit verbreitet. Ich beobachte solche Effekte
leider schon bei jüngeren Landsleuten.
Warum denn sollte es in einem Entwicklungsland wesentlich anders sein?

Ich erwähnte bereits, dass wir einen Pflegesohn nicht nur finanziell unterstützen,
sondern dass er oft seine Ferien bei uns verbringt. Bei dieser Gelegenheit
bringen wir ihm Kleinigkeiten bei, die in der Schule kaum auf dem Lehrplan stehen.
Wir konnten ihn überzeugen, dass durch reichlichen Gebrauch von Wasser und
Seife die Hände nicht absterben. Wir zeigten ihm, dass der TV sogar einen
Abstellknopf hat. Für hartnäckige Fälle empfahlen wir ihm, den Netzstecker zu ziehen.
Er kann eine Waschmaschine bedienen. Er weiss, dass wir schmatzen, spucken und
schneuzen beim Essen wenig schätzen. Wir zeigten ihm, dass beim Rülpsen, Niessen
und Husten eine Hand vor dem Mund angebracht wäre.
Ich hatte oft das Gefühl, zu hart oder zu pingelig mit ihm zu sein. Aber er schätzt
meine Pedanterie mittlerweilen. Kaum ist er weg, vermisst er mich. Er hat begriffen,
dass ich nicht auf Fuzzylogik (1) stehe, dass es für mich vorläufig nur richtig oder falsch gibt.

Er wendet seine neuen Kenntnisse täglich an, obwohl er, gelinde gesagt, oft auf
Verständnislosigkeit trifft.
Im Schulbus musste er neulich niessen.  Als anständiger Mensch hielt er seine Hand
vor den Mund. (Er wollte seine Weggefährten nicht alle mit den verschiedensten
Grippe-Viren infizieren.)(2)  Einem seiner Kollegen passte das gar nicht ins eigene,
anspruchslose Konzept. Er lachte ihn aus und meinte, er handle wie ein Ladyboy!
So was gehöre sich nicht für einen edlen Thai.
Zu guter Letzt rülpste er ihm eine delikate Mischung aus Magensäure, halb vergorenem
Som Tam und drei Wochen ungepflegten Zähnen direkt ins Antlitz, dass dem Jungen
kotzübel wurde. Der vergass ob dem Gasangriff, dass der ungezogene Rüppel zwei Jahre
älter war und verpasste ihm einen anständig gezielten Faustschlag mitten ins Gesicht.
Jetzt bekam der Lümmel zum Mundgeruch auch noch Nasenbluten.
Was denkt ihr, was das Mütterchen des Schwerverletzten unternahm?

Sie ging mit dem blutverschmierten Charakterdarsteller zum Dorfvorsteher und
verlangte Bar-Geld, Zaster, Mammon von dem aggressiven Boxer. Vielleicht war
ja Mütterchen einmal Bar-Girl.
Als der Obmann die unglaublichen Geschehnisse begriff, sandte er die Kläger grinsend weg.
Nachher versuchten es die offenbar Unbelehrbaren bei der Polizei. Ein Team von
Beamten ermittelte anschliessend in der Schule. Nach der Einvernahme mehrerer Zeugen
wurde die Klage abgewiesen.

Welch ein Aufwand wegen Anstand und einigen Kubikzentimetern warmfeuchter Luft!


(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Fuzzylogik
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Infektion


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 17. Juni 2009, 04:32:38
Lieber Rolf

in einer Abwandlung eines Paul Mc Cartney Liedes:

"maybe I'm amaized the way you are telling your stories..."

Wolfram

Titel: Wie ist der Tarif ?
Beitrag von: Low am 17. Juni 2009, 13:19:59
Wie ist der Tarif ?

Der Artikel „Mundgeruch“ bereitete  mir fast eine schlaflose Nacht.
Über den Mief habe ich lange fleissig nachgedacht.

Sollten Sie, verehrte Leser und Reisende erster bis fünfter Klasse,
draussen in der einsamen Provinz einen Thai Jungen mit guter Kinderstube
antreffen, dann ist es möglicherweise mein Pflegesohn. Wenn ihr ganz
sicher sein wollt, lasst euch bitte einen Faustschlag versetzen.
Bei Nasenbluten ist er echt. (Der Faustschlag.)
Wir werden die Schlagtechnik so optimieren, dass Nasen nur bluten,
jedoch sicher nicht brechen. Drwkempf ist als Zinkenklempner bereits beschäftigt
genug, sonst müsste er womöglich für die nächste Reise einen Privatjet buchen,
um die Moneten überhaupt verjubeln zu können.

Wie ist der Tarif?
Diese Frage bezieht sich nicht auf die aktuellen Flugreise-Angebote.
Ich las irgendwo im TIP, dass ein Messerstich vom Staat mit THB 000 000 030.00
(in Worten: dreissig Baht) entschädigt wurde. Mich interessiert aus aktuellen
Gründen der Preis für Nasenbluten.
In der Liste könnten dann auch Zigarettenkippen, Biermatten und andere luxuriöse
Wertgegenstände im bewährten Doppeltarif für Thais & Farang aufgeführt werden.

Für die ertragsarme Nebensaison empfehle ich dem Herrn Finanzminister einen Zuschlag
von fünfzig Prozent.
Man könnte das Angebot touristenfreundlicher gestalten, indem man den Aufpreis
bereits in die Grundtarife hineinmultipliziert und dann in der Hochsaison freundlicherweise
einen Bar-Rabatt von dreissig Prozent gewährt.
Der Bar-Rabatt wäre speziell interessant für Biermatten in Bier-Bars mit Bar-Girls
und müsste dann gleich an Ort wieder in Tranksame umgesetzt werden.
Zwischen 14 00 bis 17 00 nur für Softdrinks verwendbar, oder man bestellt mindestens
2,5 Gallonen, jedoch strikt für Eigenbedarf.
Sollten weniger Gallonenfeste nach dem Konsum mit dem Schädel auf dem Tresen aufschlagen,
würde bei eventuellem Kolbenbluten automatisch der Nasentarif wirksam, sofern nicht noch
exquisite Biermatten in Mitleidenschaft gezogen würden.

Euer Biermattenmathematiker
Low

Für Vergessliche oder Alkoholgeschädigte:
http://www.thailandtip.de/tip-zeitung/nachrichten/news/phuket-australierin-wegen-biermattendiebstahls-verhaftet//back/2/
Titel: Gemütliches Nasenschlagen
Beitrag von: hellmut am 17. Juni 2009, 18:51:19
Wie ist der Tarif ? ...

Normalerweise sollte das für jeden (nicht nur Qualitätstouri  :) ) bezahlbar sein.
Erfahrungsgemäß gibt es keine feste Preisliste, sondern wird individuell von Polizei oder Gericht festgelegt.
Dabei fallen mir aus Zeitungsberichten aus den Pattayamedien drei Kategorien auf:
1) Farang vs Farang: Meist bleibt es bei einer gegenseitigen Ermahnung keine öffentliche Aufregung zu verbreiten.
2) Farang vs Thai: Das kann für den Farang einige Tausender kosten, egal wer angefangen hat. Im  Anschluss an das Gerangel erscheint es durchaus sinnvoll, möglichst schnell die Stadt mit unbekanntem Ziel zu verlassen.
3) Thai vs Thai: Kostet im Regelfall nix (siehe Farang vs Farang), kann jedoch Tage oder Wochen später eine Bleivergiftung nach sich ziehen.

Einen Fall, der ca. 10 Jahre zurück liegt, kenne ich persönlich:
Uwe vs Erwin (Udon-Thani Erwin)
Es ging ums Wetter. Tatort war das Shopping Center im Stadtzentrum.
Da die Polizei nicht an dem Fall interessiert war, ging Erwin zur gerichtlichen Instanz.
(Schnell-)Urteil: 100 Baht Schmerzensgeld sowie Verpflichtung zu einem Mindestabstand für Uwe. ... Trotzdem hatten die beiden am gleichen Abend wieder zusammen gesoff ...  :-X   (--C )
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Samuitilak am 18. Juni 2009, 15:35:49

"Trotzdem hatten die beiden am gleichen Abend..........."

Sicherlich auch schon tagsüber, sonst hätten sie sich 1. nicht geschlagen und 2. wäre man nicht zum Gericht

So sind sie halt :o :o :-)

Walter
Titel: Nothilfe durchs Internet
Beitrag von: Low am 19. Juni 2009, 10:55:51
Nothilfe durchs Internet           19. Juni 2009

Schläuche wie bei der Feuerwehr. Nur weniger Querschnitt. Ich trug
weder Uniform, Axt, Seil noch Helm:„Hydrant dreiundzwanzig - Wasser!“

Einhändig sass ich vor dem Laptop. An der anderen Hand schraubte
eine zierliche Pflegerin sachte einen Infusionsschlauch an die Nadel,
die auf dem Handrücken mit reichlich Klebeband gesichert war.
Dann fixierte sie den Schlauch in der Elektronikeinheit  und drückte
wenige Tasten. Es piepste quittierend. Sie verabschiedete sich:
„In etwa einer Stunde ist die Tropferei erledigt!“

Am Bildschirm amüsierte ich mich an den gewaltigen Mathematikkenntnissen
betreffend Prozentrechnen des Herrn Tourismusministers. (1) Zweifelsohne
hatte er an dem Tage, als der Dreisatz in der Schule behandelt wurde, die
asiatische Standardgrippe, oder eine Verdauungsbeschleunigungserscheinung
nach überreichlichem Som Tam Verzehr, die ihm den Ausgang verunmöglichte.
Der Blähton wurde bereits 1917 von S.J. Hayde in Birmingham – USA, erfunden..........

Während des Surfens weckte mich der Alarm der Elektronik aus meinen
Gedankenspaziergängen, als keine Flüssigkeit mehr nachtropfte.
Ich rief um Hilfe.
Keiner hörte mich. Ich rief lauter. Dann rief ich noch lauter. Mehr Volumen konnte
ich nicht aufdrehen.
Was sollte ich tun? Der Alarmknopf war unerreichbar in etwa fünf Metern Entfernung
am Bett und grinste mich, ich war durch Plastikschläuche gefesselt und unbeweglich,
einäugig dämlich an.

Ein Adrenalinstoss, wo gibt es heutzutage noch etwas gratis, kickte das Gehirn
aus der Ruhephase.
(Adrenalin ist ein Stresshormon und schafft als solches die Voraussetzungen für
die rasche Bereitstellung von Energiereserven, die in gefährlichen Situationen das
Überleben sichern sollen. Im Zentralnervensystem kommt Adrenalin als
Neurotransmitter in adrenergen Neuronen  vor. Wicki) (2)

Ich ergoogelte die Nummer des Spitals, rief die Zentrale an, liess mich mit der
Station im zehnten Stock verbinden und teilte der erstaunten Pflegerin mit,
dass bei Khun Low im Zimmer einen Alarm ausgelöst worden sei.

Kein Traum – die Injektionsnadel steckt immer noch in der Hand.
Vielleicht benutze ich sie demnächst als Zahnstocher.

Tags darauf erkannte ich die brutale, erbarmungslose, ungeschminkte Wahrheit:
Die Telefonnummer des Spitals ist sowohl auf der Verpackung von Trinkhalmen
als auch auf Gläseruntersätzen aufgedruckt.
Welch sinnlose Adrenalinverschwendung! Schäme dich, Low! Schande über dich.
Das Niveau des Forumsbeitrags ist wirklich low = tief. Ein Tiefpunkt. (3)

Ich sehe das positiv. Von jetzt an geht es aufwärts.


(1)
http://www.thailandtip.de/tip-zeitung/nachrichten/news/tourismusindustrie-benoetigt-dringend-hilfe//back/2/
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Adrenalin
(3)
http://dict.leo.org/ende?lp=ende&lang=de&searchLoc=0&cmpType=relaxed&sectHdr=on&spellToler=on&chinese=both&pinyin=diacritic&search=Low&relink=on



Titel: Fehler
Beitrag von: Low am 20. Juni 2009, 17:59:31
Fehler

Ich bedaure, einen Fehler verbreitet zu haben.
Nach der Bewegung zu schliessen, schraubten die Pflegerinnen die Infusionsleitungen an die Nadel.
In Wirklichkeit werden die Verbindungen über einen feinen Konus gesteckt.

Warum reklamierten die Fachleute oder die zahlreichen Patienten nicht?
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Binturong am 20. Juni 2009, 18:23:15
Nee, nee. Stecken vielleicht.
Aber in der Hauptsache: Drehen.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 20. Juni 2009, 19:07:22
Was passiert eigentlich, wenn der Tropf längere Zeit nicht tropft?  ???
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Pachpicha am 20. Juni 2009, 19:13:53
tropft nicht Zeit laengere Tropf der wenn, eigentlich passiert Was.   :D :D :D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 20. Juni 2009, 19:17:01
Prost! ich geh jetzt auch auf die Rolle, he he....
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 20. Juni 2009, 19:19:11
@#347

doch, meistens wird geschraubt, die Beobachtung als solche war also richtig. Da es unterschiedliche Infusionsystem gibt und da ich euer Modell in Chiang mai nicht kenne, will ich eine andere Verbindungsmöglichkeit nicht zu 100% ausschließen.

@#349

kommt auf die Infusionslösung an, die verwendet wird/wurde. Zuckerhaltige oder fetthaltige Lösungen können die Lichtung der Plastikkanüle verlegen, so dass sie mit etwas Kochsalzlösung freigespült werden müssen. Nach längerer Liegezeit können auch die Wände der Venen, in denen die Verweilkanüle liegt, durch den Fremdkörperreiz anschwellen oder sich entzünden, sodaß die Vene sich verschließt. Die Verweilkanüle muß dann entfernt und durch eine neue Kanüle an anderer Stelle ersetzt werden. Manche Infusionslösungen und Medikamente reizen die Venenwand sehr stark, auch das verkürzt natürlich die Gebrauchsdauer.
Üblicherweise sind Verweilkanülen für etwa 3 bis 5 Tage verwendbar, wobei erfahrungsgemäß die Gebrauchsdauer mit größerem Kanüleninnendurchmesser länger ist.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 21. Juni 2009, 10:44:03
Das Tagebuch ist ein Powerbuch.
Seitdem ich die Geschichte „Ein Münchner im Himmel“ erwähnte, wechselten darauf
einige Member den Aufenthaltsort. Ich denke, sie wurden mit äolisch (1)
harmonischen Fanfaren willkommen geheissen.
Ich befand mich in einer ähnlichen Situation. Nur wusste ich nicht genau,
ob ich Werkzeuge oder Instrumente fassen würde.
Für Flügel alleine genügt bekanntlich Red Bull.

Auf Drängen von Dick suchte ich Hilfe im Spital, wo weissgeschürzte Engelchen
mit weissen Häubchen anstatt Harfen Spritzen in den Händen trugen.

Ich bedaure, dass Jürgen und ich fast gleichzeitig eine Medizinerserie eröffneten.
Auf diesem unüblichen  Wege: „Meine besten Wünsche - Jürgen.“

Einen grossen Dank für das Leserecho und speziell an Drwkempf, der mit
den Beschreibungen der Infusionsbestecke und dem Tropfen wieder einmal
das Tüpfchen aufs i setzte.
Ich war leider zu schwach und zu angebunden, um alles abzuklären.

Mir wurde endlich klar, warum viele Menschen bei Verwendung eines konisch
phallischen Teils die Bezeichnung schrauben verwenden.

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84olischer_Modus



Titel: Geschäftslokal Bestanlage
Beitrag von: Low am 21. Juni 2009, 14:19:44
Geschäftslokal Bestanlage

Das möchte fast ein jeder. Ein Traumhaus oder eine Wohnung
annähernd zum Nulltarif. Wer rechnen kann, sieht schnell ein, dass dies fast unmöglich ist.
Ausnahmen gibt es, wenn A, der Eigentümer nicht ganz gebacken, B, Philanthrop (1) ist,
oder C, schlicht durch Dritte betrogen wird. So etwas ist nicht ganz unmöglich.

Als unser Dorf gebaut wurde, gehörte das Land einem gerissenen Spekulanten.
Zusammen mit einer der grössten Banken machte er Millionen. Die Bank wird
noch heute dauernd betrogen, holt sich trotzdem ihre Profite. Dies alle paar Jahre
aufs neue, wegen der Lehrer, die unter dem Banner des Pleitegeiers Rechenkünste
mit Schulden verwechseln, solchen Humbug Schülern vermitteln und dafür noch
Honorare erhalten.
Es gibt Einwohner, die ihr gleiches Wohnhaus stur drei bis viermal kauften. Sie sahen
nicht ein, dass sie, wenn immer möglich mit zweit und dritt Frauen und Autos
auf mehrere Lokalitäten verteilt, über ihre Verhältnisse lebten.

Sofern die Schuldner ihre Hypotheken weder abbezahlten noch  Zinsen entrichteten,
ging das Eigentum nach einiger Zeit an die Bank zurück. Viele Häuser fielen nach einer
fetten Anzahlung und einigen Monaten mühsamen Abstotterns, spätestens nach dem
zusätzlichen Erwerb eines neuen Fahrzeuges wieder and das Finanzinstitut  zurück.
Halbschlaue versuchten sich mit der zerstörerischen Assistenz von Kredithaien aus dem
Schlamassel zu retten. Zinssätze zwischen minimal acht bis maximal zwanzig Prozent
pro Monat entzogen jedem Mittelständler sofort die Existenzgrundlagen, sofern er nicht
durch einen Lotteriegewinn über Nacht zum Millionär gestylt wurde.
Andere wiederum versuchen ihr Glück mit illegalen Wetten und frönen dem Spieltrieb.
Dass man ein kleines Grundstück mit einem Haus ganz legal erwerben könnte, glaubt keine
dieser Spielernaturen. Wer mehr hat, ist in ihren Augen einfach der durchtriebenere Gangster
und besser geschulte Betrüger.

Der Spekulant und Siedlungsgründer hielt sich einige Geldquellen offen. Er kassiert nach
wie vor für die öffentliche Beleuchtung vierzig Baht pro Monat pro Haus. Er ist Wasserlieferant
für sieben Baht pro Kubikmeter. Unterhaltsarbeiten an Pumpen, Filtern und  Leitungssystem
werden separat in Rechnung gestellt.
Um diese Beträge einzuziehen, gibt es einen Kassier, der gleichzeitig Aufsichtsperson und
Wartungsfachmann ist. Böswillige Mitbewohner klauten das Wasser unterirdisch.
Bei tausend Kubikmetern im Monat liessen ihn ein paar Flaschen Schnaps im Monat nicht
ganz erblinden und der Schwindel flog auf. Der Wasserdieb versuchte es dann mit  Elektrizität,
bis der erzürnte Kassier wütend die Polizei holte. Kenner der Geschichten ahnen, dass dies
wieder einmal mein nicht  ganz unbescholtener Nachbar war.

Am fast Hauptsträsschen steht ein Block mit mehreren Ladenlokalen. Die Eigner konkurrenzierten
sich teilweise gegenseitig und entzogen sich durch Neid und Missgunst jegliche wirtschaftlichen
Grundlagen. Wie viele Kneipen, Nudelshops, und Friseure zweihundert Leute benötigen, wurde
nie überlegt. Deshalb ist es nicht zum Verwundern, wenn noch heute die meisten Lokale,
mit wenigen Ausnahmen, keine Mieter haben. Ich erwähne ausdrücklich keine Mieter haben,
denn leer sind diese Buden selten. Bei allfälligen Auktionen werden die unverkauften Häuser
von der Bank mit Preisangabe und Auktionsdatum gelb beschildert.
Seit Jahren vertreibt dort ein gewitzter Geschäftsmann erfolgreich aufgewärmte Pampe,
genannt Schnellimbiss, rein synthetische Schrottmahlzeiten - am natürlichsten sind die
Verpackungen oder Zeitungspapier, ohne dass ihm der Laden gehört.
Sofern die Bank ausschildern lässt, werden die Auktionshinweise dort diskret und
raschmöglichst entfernt. Unbehelligt durch das menschenverachtende Kreditinstitut
und dessen teuflischen Absichten geht der Mann täglich seinem zweifelhaften Gewerbe nach.
Anstatt ordentlicher Miete bezahlt er dem Wasser- und Beleuchtungskommissar
eintausend Baht im Monat. Ob mit oder ohne Nebenkosten, entzieht sich meiner
bescheidenen Kenntnis.
Ich will ja nicht alles wissen. Die Hälfte genügt.


(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Philanthropie

Titel: Fehlende Mutter, wo bleibt die Mutterliebe?
Beitrag von: Low am 22. Juni 2009, 10:31:27
Eine fehlende Mutter, wo bleibt die Mutterliebe?

Die Infusionsbestecke wurden von Dr. Kempf genau beschrieben.

Es ist richtig, dass auch in meinem Fall die Verbindungen geschraubt werden.
Ein kleiner Konus wird durch eine Überwurfmutter aus Kunststoff in ein Gegenstück
gepresst und gesichert.
Ich wurde das Opfer einer Unzulänglichkeit.  Weil die Kunststoffmutter brach, fehlte
und aus irgendwelchen Gründen nicht vorhanden war, stöpselte die gewitzte Pflegerin
die Verbindung von Hand zusammen. Nur weil sich die ungesicherte Verbindung nach
kurzer Zeit löste, schaute ich mir die Sache genauer an.
Die funktionierende! Elektronikeinheit verhinderte den Verlust des Medikaments.
Beim wiederholten Einsetzen des Konus wurde einfach etwas mehr Druck ausgeübt.
Die Verbindung hielt auf alle Fälle während der nächsten fünfundvierzig Minuten.

Kräftige Finger können im Notfall eine Mutter ersetzen.
Titel: Speck, Scotch und Tip
Beitrag von: Low am 23. Juni 2009, 00:47:37
Speck, Scotch und Tip

Im Dorf munkelt man über meine Krankheit und mein bevorstehendes Ableben.
Dick unterstützt sämtliche Gerüchte und Spekulationen mit tunlichst schlechten
Nachrichten.

Ich beschrieb unsere feuernde und krebskranke Nachbarin und deren Chemotherapie.
Wir leisteten Hilfe, als ihr Vater stürzte und blutend in die Notfallaufnahme gebracht
werden musste.
Anfänglich benutzte die hübsche, junge Tochter unseren Garten als Abfallkübel, bis
unsere Haushalthilfe den Dreck postwendend zurück schmiss. Diese Sprache wurde verstanden.
Ich grüsste den Vater, einen Polizisten stets freundlich. Weitere Kontakte gab es kaum.
Wegen übler Nachrede distanzierten wir uns später von dieser Familie.
 
Eines Tages parkierte die Frau angeblich ihren Honda City zum Teil vor unserem Garten,
teilweise vor ihrem Grundstück und liess bei laufendem Motor die Autotüren offen.
Mit der Hochleistungsklimaanlage des Wagens versuchte sie womöglich, die im Dorf
herrschende Hitze etwas zu lindern, während sie im Haus irgendwelche Dinge erledigte.
Später fand sie heraus, dass im Fahrzeug Papiere und dreissigtausend Baht fehlten. Dick wurde
darauf im Dorf des Diebstahls beschuldigt. Wir brachen jegliche Kommunikation ab.
Nach einigen Tagen fand die Frau heraus, dass sie das Geld mit den Dokumenten bloss verlegt hatte.

Gestern sprachen diese Leute plötzlich wieder mit Dick. Die Frau, deren Leber wohl etwas
angegriffen ist, ihre Haut ist gelb grünlich und ziemlich welk, wollte wissen, welchen Tempel
Dick für meine Verbrennung ausgewählt habe. Der Polizist wurde wesentlich deutlicher und fragte,
mit wie vielen Millionen sie denn rechnen könne und ob der Betrag bereits überwiesen sei.

Dann gibt es natürlich die herzerfrischende Anteilnahmen. Die sexy Puppe mit der Nudelsuppe,
zu der ich lange Zeit keinen Kontakt hatte, hörte Gerüchte um mein Wohlergehen und wollte
mich umgehend besuchen.
Eines frühen Morgens stand eine strahlende jüngere, anmutig knackige Lady im Spitalzimmer.
Dreifache Mutter, erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie verbrachte die Nacht auf Dienstreise in Chiang Mai.
Um welche Art von Dienstleitungen es sich handelte,  überlasse ich gerne den erotikgetunten
Leserphantasien.
Der erfolgreichste Figaro der Gegend reiste persönlich per Moped zum Beauty Salon und anerbot
Dick, im Trauerfall die Blumenarrangements zu besorgen

Morgen geht’s nach Hause zurück. Da muss ich dann wohl als erstes um siebzehn Uhr mit
Freund Dong am Steintisch vor seinem Haus einen Scotch hinunterstürzen, bevor er sich nicht
mehr erinnern kann, dass er mich überhaupt gesehen hat.

Wie ich meine Fische verärgere, weiss ich. Ich sitze am Teichrand und verspeise die Köder selbst.
Wie ich mich gegenüber dem pietätsschwangeren Bullen verhalte, weiss ich noch nicht.
Kann mir jemand einen Tip geben?











Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Samuitilak am 23. Juni 2009, 01:00:51
 
Wie wäre es denn, wenn Du nachts um 12 mit weissgeschminktem Gesicht und einer Kerze
in der Hand ,an sein Schlafzimmerfenster klopfst :o :o :o :o

Vielleicht erbt dann seine Frau :D :D :D :D

 ;D ;D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 23. Juni 2009, 01:47:03
Lieber Rolf,

Thais sind oft abergläubisch, das kannst Du vielleicht ausnutzen.
Lass doch von Dick verbreiten, daß Deine Befindensverbesserung Folge einer geglückten Behandlung durch einen Zauberer wäre, der im Gegenzug dafür den größten Teil Deines Vermögens eingefordert habe, sodaß nach Deinem Ableben ohnehin nichts zu erben sei.
Dafür würden aber zeit Deines Lebens die Erträge reichlich sprudeln.

(Seine Frau ist krebskrank, richtig? Die gelbliche Verfärbung ihres Hautkolorits könnte auf eine schwere Beteiligung der Leber an der Grunderkrankung, z.B.Lebermetastasen,schließen lassen, sodass der Bulle evtl. mit dem absehbaren Ableben seiner Gattin rechnet.
Hat der Misthund etwa schon ein Auge auf Deine Dick geworfen? Das würde das Interesse am Finanzstatus Deiner lieben Mia erklären.)

Es muß irgendwie klar herauskommen, daß von Deinem Ableben auf gar keinen Fall irgendwer im Dorf auch nur den kleinsten Profit erwarten darf.

Eine nette Frage an die Frau des Bullen wäre, welchen Verbrennungstempel sie sich denn in Würdigung ihrer Erkrankung bereits auserkoren hat.

Auch der Vorschlag von Samuitilak gefällt mir ausnehmend!

Für Dich erst einmal weiter gute , rasche und anhaltende Besserung
Wolfram
Titel: Kein Scotch
Beitrag von: Low am 24. Juni 2009, 08:48:21
Kein Scotch

Die Heimkehr verlief nicht ganz so wie geplant.
Die Dorfmusik hatte sich weder uniformiert noch zum Ständchen eingefunden.
Einzig die Haushälterin öffnete mit einem tiefen Wai das Garagetor.
Einige Kaninchen hoppelten zwischen den Farnen und Sträuchern herum,
ohne sonderlich Notiz zu nehmen. Das Grünzeug war ihnen wichtiger.
Für diese undankbaren Pelzträger schraubte ich einen Stall aus teurem Teakholz zusammen
und opfere mein karges Taschengeld für Futter. Undank ist der Welten Lohn!
Mia wollte auf den Markt nach Hangdong.

Kurz vor fünf Uhr nahm ich meinen Hut und wollte Dong besuchen.
Dort bellten mich hinter Gittern zwei schwarze Pudel an. Kein Eis, kein Scotch, kein Dong.
Ich machte eine Verlegenheitsrunde zum Beauty Salon und bemerkte einige drohende Wolken.
„Es regnet bald“, dachte ich und flüchtete zum Haus zurück.

„Kein Scotch, aber ein Bier darf es sein“, sprach ich zu mir selbst.
Ich nahm keinen Bierkrug, sondern ein kleines Glas aus der Bar. Das Glas war knapp nach bloss
einer kleinen halben Dose voll.
Es schmeckte mir gar nicht, aber auf Verordnung sollte ich trinken, trinken, trinken.
Das bisschen Bier gab mir den Rest. Ich bemerkte, wie sich mein Sehfeld verdüsterte und flüchtete ins Bett.
Welch ein Glück, dass mein Freund, der geeichte Tages- und Quartalssäufer abwesend war.
Nach dem Scotch hätte ich eine Ambulanz benötigt.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 24. Juni 2009, 09:13:09
Jo Mann, low. Lass es langsam angehen. Du hattest doch gerade deinen Rausch im Hospital vorher, he he.  ;D

Wie soll ich es sagen. Deine Gelassenheit, wie sie zumindest in deinen Worten rüberkommt, ist mir ein Vorbild für Zeiten der garantiert kommenden körperlichen Not, wie wir sie wohl alle mal irgendwann erleben werden, falls uns nicht ein LKW gnädig und kurz und bündig vom Moped schmeisst.

Ich lerne auch von dir.

Habe mich beim Studium des Buddhismus lange dagegen gewehrt, beim Keislauf des Lebens (Geburt, Leben, Krankwerden, Sterben) das Krankwerden zu registrieren. Geburt-Leben-Sterben hört sich ja im Vergleich dazu recht angenehm an. Krankwerden ist da nicht eingeplant. Das werden immer nur die anderen.

So wünsche ich mir deine Gelassenheit, falls es dann mal soweit ist und hoffe, mit den Krankenschwestern trotz allem so manches Spässchen zu treiben. Zur Not auch hier im Forum.  ;D   



 
Titel: Kein Scotch Römisch II
Beitrag von: Low am 24. Juni 2009, 12:09:27
Kein Scotch Römisch II

Lieber Profuuu

Danke für deine Anteilnahme, dass ich zur Zeit kein halbes Bier erledigen kann.
Das ist die wahre Krankheit, das Leiden, das dich urplötzlich zu Hause überrascht.
Schlimm ist, dass ausser dir so etwas keiner ernst nimmt.
Arm-, Bein-, und Schädelbruch wirken optisch viel dramatischer. Das sind doch nur reine, mitleiderregende Schaunummern.
Ich besprach bereits im Spital mit Mia, dass ich mich in Zukunft schonen würde und keinen Weinkarton mehr anhebe.
Ich würde meine Anstrengungen auf Einzelflaschen beschränken. Glücklicherweise kennt sie das komplette Sortiment nicht:
·   0,25 Liter: Piccolo oder Viertel-Flasche
·   0,375 Liter: Halbe Flasche, Demi (Frankreich), half bottle(USA/UK), Stifterl (Österreich), dreiachtel (Schweiz)
·   0,5 Liter: Französischer Pot oder auch Dumpy (USA/Südafrika)
·   0,62 Liter: Clavelin-Flasche (nur im Jura), s. auch Vin Jaune
·   0,7 Liter: fast ausschließlich Spirituosen vorbehalten, manchmal in der Schweiz anzutreffen. Für deutsche Weine bis 1971 üblich.
·   0,75 Liter: Flasche, Normalflasche, Bouteille in Frankreich und Österreich (nicht für Sektflaschen), Bottle (USA/UK/ZA) häufigstes Volumen beim Bocksbeutel, entspricht ungefähr dem American fifth = 4/5 eines Quart = 0,757 l, wird in der Gastronomie oft auch als 1/1 (eintel) Flasche bezeichnet
·   0,8 Liter: ein französischer Litron, vor der Französischen Revolution gebraucht
·   1 Liter: Literflasche
·   1,5 Liter: Magnumflasche = 2 Flaschen
·   2 Liter: Doppelliterflasche (ugs. "Doppler")
·   2,25 Liter: Marie-Jeanne (veraltet, nur noch bei alten Bordeaux bis ca. 1970) auch Tregnum oder Tappithen = 3 Flaschen
·   3 Liter: Doppelmagnum (Bordeaux), Jeroboam (Champagner) = 4 Flaschen
·   4,5 Liter: Jeroboam (Bordeaux), Rehoboam (Champagner, Burgunder) = 6 Flaschen
·   5,0 Liter: Jeroboam (moderne Größe, seit ca. 1978 ausschließlich für dieses Format benutzt)
·   6 Liter: Methusalem (Champagner, Burgunder)
·   6,4 Liter: Imperiale (Bordeaux)
·   9 Liter: Salmanazar (nur für Champagner/Burgund) = 12 Flaschen
·   12 Liter: Balthazar (nur für Champagner/Burgund) = 16 Flaschen
·   15 Liter: Nebukadnezar (i.d.R. für Champagner, manchmal Burgund) = 20 Flaschen
·   18 Liter: Goliath bzw. Melchior = 24 Flaschen
·   20 Liter: Solomon = 28 Flaschen
·   26,25 Liter: Sovereign (nur für Champagner)
·   27 Liter: [Primat (nur für Champagner) = 36 Flaschen
·   30 Liter: Melchisedech (nur für Champagner)
·   45 Liter: Demi-John, entspricht einer 60-fach-Flasche
·   50 Liter: ebenfalls Sovereign = 67 Flaschen
·   98,5 Liter: Adelaide
Zum Glück heiss Mia nicht Adelaide.
Jo, ich muss noch viel üben, bis ich bei Dong wieder einen kleinen Scotch schaffe.
Geduld ist angesagt, oder eine Geschichte aus Hinterindien, wo ein Magentröster
unersetzlich, ja medizinisch verordnet würde.
Titel: Kurzgeschichten
Beitrag von: Low am 26. Juni 2009, 19:48:52
Kurzgeschichten

Seit mehr als einem Monat haben wir eine neue Haushalthilfskraft für Häuser und Gärten. Die Frau betreute unser
Eigentum bestens ohne Instruktionen als wir im Spital waren. Sie arbeitet sauber und kümmert sich liebevoll um
Flora und Fauna, ohne jegliche beschwerden. Während unserer Abwesenheit richteten sich die Kaninchen auf
der Veranda häuslich ein. Sie zeigten durch ihre Exkremente, wer den Ton angibt. Sie liess die putzigen Tiere
gewähren und entfernte den Dreck stillschweigend.
Seit unserer Rückkehr besuchen sie die Veranda zeitweise zum Spielen, Kraulen oder für ein kurzes Nickerchen.
Die Nächte verbringen sie im Stall, wegen den Katzen.
Nur das kleine Schwarze versteckt sich kurz vor der Dämmerung unauffindbar für uns.

T I T

Unser Wohnhaus hat etwas mehr als vier Ecken. Aber an den wichtigsten vier Orten gibt es je zwei Wasseranschlüsse.
Der eine Schlauch ist mir einem Rasensprenger ausgerüstet. Am andern Schlauch befindet sich eine regulierbare
Messingdüse. Am ersten frühen Morgen entfernte unsere neue Maid alle Rasensprenger, die ihr unbekannt waren,
um danach mit den nackten Schläuchen von Hand zu wässern.

Im Spital wartete ich eines Abends ungeduldig auf Mia. Hatte sie etwa einen Verkehrsunfall?
Sie war immer relativ pünktlich. Ich kannte die Fahrzeit vom Dorf zum Spital je nach Tageszeit und Verkehrsaufkommen.
Telefonieren wollte ich nicht, um ihre  Aufmerksamkeit nicht von der Strasse abzulenken.
Als sie endlich kam, erzählte sie, dass einem Fahrgast im Lift des Spitals das Handy so unglücklich entglitt
und in den Schacht stürzte, dass die Kabine für längere Zeit blockiert war.

Der Urologe, ein älterer Arzt mit viel Erfahrung, instruierte den Patienten:
„Zum Sterilisieren kann man den Katheter(1) auskochen. Vor der Benutzung sollte man ihn tunlichst abkühlen lassen!“

So heiss sind hier gewisse Bräuche!


Bei Dong zum Scotch war ich noch nicht.       Oder heisst es:
Zum Scotch bei Dong war ich noch nicht.


(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Blasenkatheter




Titel: Unglaublich, aber wahr
Beitrag von: Low am 27. Juni 2009, 15:28:24
Unglaublich, aber wahr                                  27.Juni 2009

Dick reiste in verschiedene Apotheken um ein Desinfektionsmittel zu kaufen.
Leider führten die Geschäfte nur Kleinstpackungen, etwa zur Behandlung eine Flohbisses.
Ich benötigte grössere Mengen davon. Bei der Apotheke in Hangdong wurde ihr beim Anfragen in Bruchteilen
einer Minute der Motorradhelm gestohlen.
Für uns war es kein grosser Verlust. Es war ein Billighelm, den sie sowieso gelegentlich durch ein besser
schützendes Produkt ersetzen wollte.

Am Tag darauf liess sie ihr Gesprächs-Guthaben auf der SIM-Karte erhöhen. Es piepste in ihrem Telefon.
Sie nahm an, das sei die Quittung. Ohne lange Nachzusehen, kehrte sie zum Patienten nach Hause zurück.
Als sie ihr Telefon in die Hand nahm, sah sie, dass das Kapital unverändert tief war.

Sie nahm das Moped und fuhr gleich kopf- und helmlos  zwecks Beanstandung zum Telefonladen zurück.
Es stellte sich heraus, die Bedienung hatte eine falsche Nummer gewählt. Während des Wartens auf ihr
neues Guthaben kam per Moped ein weiterer Kunde.
Dick staunte. Der Kerl trug genau so einen Helm wie der Typ, der ihr entwendet wurde. Sie fragte,
ob sie kurz in den Helm blicken dürfe, andernfalls müsste sie die Polizei avisieren.
Sie schaute in den Helm und fand ihre Kennzeichnung. Der ertappte Dieb ergriff  blitzartig die Flucht,
ohne auf sein Retourgeld zu warten.
Titel: Anständige Antwort auf # 360 Profuuu
Beitrag von: Low am 28. Juni 2009, 09:51:47
Antwort auf # 360 Profuuu

Ich schulde eine anständige Antwort auf # 360.
361 war eine unnötige Protzerei und Kraftmeierei meinerseits.

Gelassenheit in Worten klingt gut. Ein unnötiges, bedrohendes Ereignis führte dazu, dass ich an Profuuus Worten nage,
wie ein alter Hund an einem Knochen.

Ich hatte das Gefühl, dass ich über den meisten Dingen stehe. Das war vielleicht so für einige Jahre. Ich wusste um den Tod.
Ich bereitete mich darauf vor. Nicht dass ich extrem religiös wurde, traurig, unglücklich oder apathisch. Nein, ich genoss das
Leben in vollen Zügen. Jede grössere Reise, die ich seit zehn Jahren mit meiner Tochter unternahm, betrachtete ich als die Letzte.

Ich startete Ballast abzuwerfen:
Meine Sammlungen, in welche ich viel Zeit,  Liebe zum Detail, Wissen und Geld investierte. Von Briefmarken aus Grossvaters Tagen,
zu alten Radios, antiken wissenschaftlichen Geräten, Bibliotheken, Schallplatten und Bildersammlungen. Das Meiste verschenkte ich.
Was brauchte ich diesen Tand in einem fremden Land? (1)

Dann tritt plötzlich diese eine Frau ins Leben und holt dich zurück mit der Macht der Liebe, zu den Sterblichen und du bist
plötzlich wieder verwundbar.

„.....falls uns nicht ein LKW gnädig und kurz und bündig vom Moped schmeisst.“
Sollte mir das passieren, ist es bestimmt nicht der schnelle, barmherzige Tod.
ich würde als Tetraplegiker aufwachen, mit künstlichem Darmausgang, Stoma(2)
unter Einbüssung mindestens eines Auges und einer Niere.
Ich möchte mit meinen kritischen Äusserungen keinesfalls die Möglichkeiten
eines  jüngeren Tetraplegikers (3) schmälern. In Euroland üben solche Leute einen Beruf aus,
fahren Auto und gewinnen Auszeichnungen für sportliche Leistungen.

Aber es ist ein grosser Unterschied, ob dich ein solches Schicksal in jungen Jahren oder im Alter,
bereits im Ruhestand, nach einem erfüllten Leben trifft.

Dann müsstest du deine Liebste überzeugen, dass dein Lebensfunke am erlöschen ist. Du müsstest davon reden,
dass du in diesen langen Jahren viel gutes und schönes erleben durftest, und dass vielleicht die Nacht gekommen ist,
wo du leichten Herzens, dennoch mit einem Plastiksack einschlafen möchtest.

Wenn der Schmerz überwiegt, hören die Spässchen mit den Krankenschwestern
automatisch auf. Dann herrscht Leere, Finsternis und Einsamkeit.

Ich weiss nicht recht, ob diese besinnlichen Worte nicht eher in meine Prügelecke gehören.  Eigentlich sollten die
Geschichten aus Hinterindien vor allem Heiterkeit und Lebenslust vorgaukeln, trotzdem ich immer wieder auf die
eigentlich tiefgründigen Tragikömodien hinwies.

Soll ich für die Schwarzmalereien in Zukunft die Prügelecke verwenden?
Ich hätte unter Umständen noch mehr zu beichten.


(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Tand
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Enterostoma
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Tetraplegie

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 28. Juni 2009, 11:47:46
@low,

danke für deine Antwort auf meine so leicht dahingeworfene Bemerkung. Nun darf ich darüber nachdenken...

Nur soviel vorab. Schwarzmalerei sehe ich in deinen Worten nicht.



Titel: Die Abnormalverteilung
Beitrag von: Low am 30. Juni 2009, 14:10:25
Die Abnormalverteilung

Einem geschätzten Mitglied danke ich, dass ich seine Erlebnisse und Tagebuchaufzeichnungen anonym verwenden darf.
Daneben versuche ich, möglichst Klartext zu gebrauchen. Im Zweifelsfalle bitte Nachfragen.

Die Normal- oder Gauß-Verteilung (nach Carl Friedrich Gauß) ist ein wichtiger Typ kontinuierlicher Wahrscheinlichkeitsverteilungen. (1)
Ihre Wahrscheinlichkeitsdichte wird auch Gauß-Funktion, Gauß-Kurve, Gauß-Glocke oder Glockenkurve genannt.
Die besondere Bedeutung der Normalverteilung beruht unter anderem auf dem zentralen Grenzwertsatz, der besagt,
dass eine Summe von n unabhängigen, identisch verteilten Zufallsvariablen im Grenzwert n bis unendlich  
normalverteilt ist. Das bedeutet, dass man Zufallsvariablen dann als normalverteilt ansehen kann, wenn sie
durch Überlagerung einer großen Zahl von unabhängigen Einflüssen entstehen, wobei jede einzelne Einflussgrösse
einen im Verhältnis zur Gesamtsumme unbedeutenden Beitrag liefert.

Ich versuche hier das Gegenteil zu beweisen: Die Abnormalverteilung!

„Für wen bin ich eigentlich unglücklich? Für wen verpasse ich alle Gelegenheiten,
alle großen Lose, alle günstigen Zuganschlüsse? Wenn es eine Wahrscheinlichkeitsrechnung gibt, dann muss
doch auch eine andre Seite da sein; ich werfe die schwarzen Scheiben, gut, aber einer muß doch dann auch
die weissen werfen ... »Unter 2786 Würfen sind nur 2 ... « Ich bin unter den 2784 – die helfe ich auffüllen,
Komparse fremden Glücks, Hintergrund glatter Aktschlüsse des andern.
.......
Ich bin es, der es ihm gibt. Er hat es nur durch mich. Damit die göttliche Wahrscheinlichkeitsrechnung aufgehe,
verpasse ich die Züge, die er erwischt; horche ich den Lärm auf, um den er herumwohnt; gewähren sich mir
plappernde und bunte Frauen und versagen sich zur Unzeit wie kann man so undelikat sein dergleichen
aufzuschreiben; für mich geht alles schief, damit es ihm gerade gehe.“

Kurt Tucholsky alias
Kaspar Hauser, in
Der Andere
Die Weltbühne, 29.11.1927, Nr. 48, S. 843
(2)

Ich gestatte mir, Jokurt als Paradebeispiel auszuwählen. Anhand der Tagebucheinträge sehen wir,
dass Jokurt von verschiedensten Leiden gleichzeitig betroffen ist und deshalb unterschiedliche
pharmazeutische Erzeugnisse schlucken darf. Er ist seit Jahren ein ungenannter Sponsor und Arbeitgeber für viele.
Würde die Normalverteilung zutreffen, könnte er seine Leiden doch mit anderen Personen aufschlüsseln.
Mit Leuten, welche jahrelang Krankenkassenprämien bezahlen, ohne je eine Leistung zu beziehen.
Warum sollte eine einzige Person mehrere Krankheiten und deren Folgen täglich spüren, während andere
an nichts zu leiden haben, nicht einmal an Fussschweiss oder Mundgeruch?

Warum ich mich auflehne? Ich bin dieser Normalverteilung müde geworden. Seit fünfzig Jahren lehne ich mich
im täglichen Leben dagegen auf. Für wissenschaftliche Versuche mag diese Statistik einen hervorragenden
Vergleichsmassstab bieten. Für die medizinische Forschung wandte ich sie in jungen Jahren auf Hiroshima
oder war es Nagasaki, oder über die Vermehrung von Krebszellen an. Erschreckend und genau.

Im täglichen Leben eines Einzelnen taugt sie meistens nichts.
Es gab einmal einen Thread über die Ausgaben fürs Leben, Nahrung, Miete, Vergnügen, Frauen, Weiber,
Nutten, Freunde, Freundinnen, usw.
Es war sehr eindrücklich zu sehen, mit welch bescheidenen Mitteln sich einige Fremde in der Fremde begnügen müssen.
Die Verteilung der Finanzen scheint ebenfalls nicht normal, oder man geht davon aus, dass etwa zehn Prozent
neunzig Prozent besitzen, oder die restlichen neunzig Prozente sich mit zehn Prozent arrangieren müssen.

Deshalb hatte ich keinen Schock, als mich letzthin neun Tage Kranken-, respektive Tropfhaus über THB 200 000.00 kosteten.
Das sind pro Tag mehr als 20 000 THB für eine Lebensqualität eher am unteren Ende der Skala. Normalverteilung?
Und wenn der Rubel einmal rollt kann er kaum gestoppt werden. Folgekosten sind zu erwarten.
Was kriege ich dafür? Gesundheit? Nein. Beschränkte Lebensfreude vielleicht. Im günstigsten Falle gibt es etwas Zeit.
Die Rechnung ist einfach: Lohnt sich der finanzielle Aufwand abzüglich der täglichen Einschränkungen plus Schmerzen?
Es kommt sehr darauf an, wie ich die gekaufte Zeit vertrödle.
Da gibt es Leute, die über Alkohol als gemeines Rauschmittel diskutieren.
Das gehört dann offenbar wieder zur Normalverteilung. Die Frage ist, von was?


(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Normalverteilung
(2)
http://www.textlog.de/tucholsky-der-andere.html




Titel: Die Grenzen jeglicher Vernunft
Beitrag von: Low am 01. Juli 2009, 22:59:14
Die Grenzen jeglicher Vernunft                                                                     Juli 2009

Ich weiss, der Titel ist nicht neu, es ist bloss ein neues Kapitel einer unendlichen Geschichte.

Die Beiträge 151 bis 154 zeigten, wie ein blauäugiger, vielleicht vom überbordendem Biergenuss hirngeschädigter
Inseleuropäer, von einer einheimischen Frau abhängig und von ihr total ausgenommen wurde.
Als sie ihn vor wenigen Monaten erneut betrog und bestahl und andere nahestehende Personen und Freunde die
ehebrecherischen Handlungen und die  Diebstähle ebenfalls bemerkten, liess er endlich von seiner unendlich
geliebten Gattin ab. Er sagte ihr zu guter Letzt kaltherzig und fernmündlich, dass ab jetzt Feierabend und endgültig Schluss sei.

Sie musste Chiang Mai verlassen, denn es gab praktisch niemanden, dem sie nicht Geld schuldete. Allein auf dem Flugplatz
bürgten einige Angestellte für mehrere Millionen THB. Sie arbeitete fleissig auf dem Strichgang in Europa in einem neutralen
Land. Ihre Spuren im Internet waren für mich nachvollziehbar.
Der Mann kehrte vom kalten Europa in das frühere gemeinsame warme Heim zurück. Er sah, dass die Hypothek von 1,2 auf 1.6
Millionen THB erhöht wurde, obwohl er die Zinsen und Abzahlungen pünktlich überwiesen hatte. Bei seiner Nachbarin stotterte
er 20’000 Baht ab, die sein teures Weib vor der Abreise noch rasch organisierte.
Innerhalb von einer Woche beobachteten wir zwei Feiern. Erstens der Abschied der rührigen Betrügerin und dann die Rückkehr
des gehörnten Ehemannes.
Der Mann verlustierte sich zuerst mit einigen billigen, um so willigeren Studentinnen, bis er eine neue feste Freundin fand.
Als das Visum der freischaffenden Nutte ablief, kehrte sie wieder nach Chiang Mai zurück. Sie lebte mit ihrem Thai-Freund
in einem Nachbardorf und schmeichelte sich rasch wieder bei ihrem Mann ein. Sie verwöhnte in täglich mir speziell präpariertem
Frühstück. Zwei erfahrenen Köchinnen konsultieren für ähnliche Zwecke den gleichen Wahrsager. Vergleiche: Neues von Gucci - Die Hexe # 325.

Klatschfreudige Frauen klärten ihn in der knappen Freizeit über die unmittelbare Vergangenheit seiner geliebten Angetrauten auf.
Zwischendurch frönte die unverbesserliche Herzdame erneut dem Glücksspiel. Ich weiss nicht, wie viele der Informationen seine
vielleicht durch giftige Präparate und ebenso denkbar durch Opiate geschädigten Hirnzellen erreichten.
Der hirnverbrannte Dummkopf, vielleicht leidet er sogar an Alzheimer und vergass bereits all ihre Untaten, sandte die Kleider seiner
neuen Freundin in ein Nachbarhaus, das Haus wohin er zuvor die 20’000 THB in Raten tilgte.
Wöchentlich gab dann das Gaunerpärchen grosse Parties, welche ich unfreiwillig mitfinanzierte und mit verfolgte.
Die beiden Weiber, alt und neu, boten eine Riesenshow auf dem Markt in Hangdong, als sie lautstark verbal begleitet von einigen
kräftigen Hieben gegen einander antraten.
Die Neue zog den kürzeren und verliess vorläufig das Schlachtfeld. Das könnte unter schlechten Umständen ein wüstes Nachspiel geben.
Das feine Ehepaar verzog sich dann jedenfalls rasch nach Grossbritannien, nachdem sie zuvor das Haus schleunigst an einen Farang vermieteten.

Verglichen mit dieser absolut unberechenbaren* Wildkatze ist Frau Gucci doch eine fast unbescholtene Primarschülerin. Sie beschäftigt sich
zur Zeit intensiv mit meinem eventuellen Ableben und Dicks zukünftigem Wohlergehen. Recht hat sie.
Ich war immer noch nicht bei Khun Dong zum Scotch.

*Schadensumme minimal 20 bis eher 30 Millionen THB, eventuell mehr.

Darf ich die verehrten Leser und vor allem Leserinnen fragen: Ist der Aufsatz mit  den Querverweisen geniessbar, oder wünschen sie
eine verständlichere Geschichte, das heisst Neufassung?
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: hmh. am 02. Juli 2009, 01:44:13
Low, du weißt, daß ich ein absoluter Fän Deiner Geschichten bin, also nichts für Ungut. Wenn Du schon fragst, dachte ich aber, sagst ihm eben mal die Meinung:

Rein typographisch gesehen sind Verweise grundsätzlich dann in Ordnung, wenn das Erfassen dem Leser keine Mühe macht, also wenn Fußnoten zum Beispiel wirklich am Fuß der Seite stehen und nicht irgendwo auf Seite sowieso, wohin man mühsam blättern muß. Ich persönlich meide solche Bücher wie die Pest.

Das gilt auch im übertragenen Sinne im Internet: ich habe hier im Forum noch kein einziges Mal (wirklich nicht!) etwas nachgelesen, wenn einer zum Beispiel schrieb "siehe Antwort Nummer sowieso...". Ich halte solche Verweise als Leser, ebenso wie etwa bei den Themen Kleinschreibung, Gestaltung (Absätze und Hervorhebungen ohne aber mit Farbe oder Großschrift zu "brüllen"!) oder Zeichensetzung, für eine Zumutung. Es ist nun mal insgesamt rationeller und auch logischer, wenn sich der Eine anstrengt, der schreibt, und nicht die Tausende, die Lesen. (Copyright: Grüner)

Außerdem, wer soll bei ständigen Textverweisen denn den Überblick behalten, von unseren frommen Satanserzählern, die ja auch alle Bibelstellen auswendig kennen, vielleicht mal abgesehen? Zeit haben wir doch alle auch immer weniger; einige Rentner und Foren-Vielschreiber vielleicht mal ausgenommen.

Ich meine zum Beispiel solche Nervereien des geplagten Lesers:

Zitat
Antwort auf # 360 Profuuu

Ich schulde eine anständige Antwort auf # 360.
361 war eine unnötige Protzerei und Kraftmeierei meinerseits.

Denkst Du wirklich, daß da einer durchblickt, oder sich gar die Mühe macht, da das Durchblicken zu lernen? Also ich jedenfalls nicht!

Mit anderen Worten:
Alles, was mir nicht selbst so wichtig erscheint, daß ich es für den Leser lesefreundlich aufbereite, ist garantiert auch für die meisten Leser nicht wichtig genug, als daß sie umständlich dorthinblättern oder Hin- und herklicken wollen oder würden. Jeder Schreiber, der gelesen werden will, steht im Wettstreit mir anderen. Und falls die das besser können, dem Leser den Zugang zu ihren Gedanken zu ermöglichen, dann lesen sie dort. So einfach ist das.

Eine Alternative, allerdings auch eine nicht gerade perfekte, wäre allenfalls noch ein "interner Link". Den kann man hier in die Texte einsetzen, indem man im Firefox entweder die Link-Adresse der entsprechenden Zwischenüberschrift (Re: blablabla usw.) mit der rechten Maustaste anklickt und kopiert, oder ebenfalls in die Zwischenüberschrift klickt und dann den Link aus der Adreßzeile kopiert.

So, und jetzt schreib weiter, ich freue mich schon auf Deine nächste Geschichte, deren Verweisen ich aber auch künftig sicher nicht folgen werde.  ;D

MfG hmh.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Buci am 02. Juli 2009, 16:44:33
@Low

Auch mir gefallen deine Geschichten. Bei der letzten Erzählung hatte ich aber ein bisschen Mühe zu erkennen, wann welche Frau gemeint war. Irgendwie musste ich es mir erahnen...

Mach bloss weiter...   :)
Titel: Danke für das Echo, hmh und Buci!
Beitrag von: Low am 02. Juli 2009, 18:05:59
Hallo hmh

Danke für die ausführlichen Erklärungen und die aufbauende Kritik.
Ich freute mich über Deine Antwort.

Offenbar lese ich anders als du und die Mehrzahl. Als ich bezahlte Arbeit leistete, gab es  kaum Internet. Bei den Suchmaschinen war
Google noch unbekannt. Erst 1996 hing die Digital Equipment Corporation, DEC, ALTAVISTA ans Netz. (1) Diese Informationsquellen
litten ausserdem unter Kinderkrankheiten.

Ich war froh über jeden technischen Literaturhinweis und ich vertrödelte Unmengen Zeit mit Nachforschungen nach Autoren,
Artikeln und dem Suchen und Organisieren von Literatur. Anders als meine Kollegen wurde ich durch namhafte Firmen unterstützt.
Es gab einige Damen, die waren Spezialistinnen. Meistens waren sie durch Aufträge der Herren Chefs total überlastet und standen
für Studenten und Angestellte selten zur Verfügung, oder man gewann so eine Fachperson, meistens unansehnliche Brillenschlangen
und etwas verstaubte Bücherwürmer (Herrgott, was ist die weibliche Form von Bücherwurm?) zur Freundin.

Unsere Geldgeber erwarteten bei den Publikationen Mengen von Quellenangaben und Querverweisen. Verdankungen, von Gönnern
und Finanzierenden, über den Chef, die Kollegen und Mitarbeiter bis zur Putzfrau, durften nicht fehlen. Das war meine Ausgangssituation.

Übrigens wirst du im Internet keine einzige Arbeit von mir finden.  Alle wurden vom grossen Bruder sauber entfernt. Ich fand letzthin
einen Artikel von einem Amerikaner aus dem Jahre 1947.  Meine genaueren Resultate zum selben Thema von 1977 suchte ich im Netz
vergeblich. Auf die persönliche Anfrage eines Kollegen hin, konnte ich das Gewünschte dennoch liefern.

Ich las die Geschichte noch einmal durch. Sie ist ohne Berücksichtigung der Querverweise verständlich. Mit den Hinweisen offenbart sich
jedoch das ganze Chaos. Für mich selbst sind diese Anhaltspunkte bei Nachforschungen vor allem bei den unendlichen Geschichten hilfreich.
Davon gibt es glücklicherweise nur zwei.

Anhand der Klicks dürften meine Aufsätze trotz vieler Unvollkommenheiten einige Leser ansprechen. Ich werde kaum sauer, wenn es etliche mehr werden.
Deshalb suche ich einen geeigneten Weg.

Mit Google und Wiki fing ich an, als Profuuu himself mir eines Tages antwortete:
„Jetzt habe ich tatsächlich gegoogelt!“

Danke für die Aufmerksamkeit!



Hallo Buci

Leider konnte ich weder Namen nennen, noch zu präzise werden.
Es sind nur drei wichtige Frauen im Spiel.
A. Die verheiratete Spielerin, welche ihren Mann mehrmals finanziell ruinierte und ihm nun offenbar mit Drogen noch den restlichen Verstand ausbläst.
    Sie hat gleichzeitig einen Thai Freund und arbeitete letzthin für drei Monate als Nutte im Ausland, weil sie hier überall Schulden hat und flüchten musste.

B. Die Ersatzfrau, die der verheiratete Kerl nach seiner Rückkehr fand und die von der wütenden Gattin in die Wüste geschickt wurde.

C. Frau Gucci. Sie erwähnte ich nur, weil sie den gleichen Giftmischer oder Wahrsager wie A. aufsuchte. Frau Gucci arbeitete daran,
    ihren Gatten umzubringen, gab aber vor wenigen Wochen auf.

Beides sind für mich endlose Geschichten. Der Fall A läuft seit fast sechs Jahren!
Frau Gucci wurde vor mehreren Monaten aktiv. Die zwei Fälle sind für mich noch nicht abgeschlossen. Diese ausgetüftelten Ränkespiele überstiegen
sehr oft meine bescheidene Vorstellungskraft.

Zum Glück gibt es die echten Kurzromanzen.

Danke für die Meldung!


http://de.wikipedia.org/wiki/AltaVista
 
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: farang am 04. Juli 2009, 02:22:31
Low mach bitte weiter so.Deine Geschichten sind köstlich zu lesen.
Ich habe über deine Links sehr viel gelehrnt.Ich bin zum Beispiel nicht gerade Fan von den Links über Oper und Operette,aber
auch von denen kann ich was abschneiden.Habe hier in der Schweiz einen Händler gefunden der mir den Wein von Monsoon Valley
liefert.Mache dann mit Mia und ihren Freundinnen eine Verköstigung,aber vermutlich wird der Wein von Thailand ja bei Thais nicht
negativ abschneiden.

Grüsse Walo
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 04. Juli 2009, 10:51:57
Hallo Walo

Es freut mich, dass mindestens einer die Links benutzt.
Betreffend Monsoon Valley kann ich sagen, dass es einige sortentypische Weine und einige Assemblagen (mehrere Traubensorten) gibt. (1)
Wir kauften bis vor kurzen den Syrah. Jetzt ist Schluss, weil der Preis von 475 auf 550 Baht angehoben wurde.
Für diesen Betrag gibt es in TH Weine, die uns besser munden, beispielsweise der Negroamaro aus Salento, Italien.

Prost Walo


(1)
http://www.wein-plus.de/glossar/Assemblage.htm
Titel: Gold, Tafelfreuden, Minamata und Mikimoto
Beitrag von: Low am 04. Juli 2009, 13:48:42
Gold, Tafelfreuden, Minamata und Mikimoto

Warnung: Das Lesen dieses Artikels kann zu extremen Hungergefühlen, in Ausnahmefällen, sofern dem inneren Drang
nachgegeben wird, zu Fettleibigkeit und hohem Blutdruck führen. Jegliche Haftung des TIP wird ausdrücklich ausgeschlossen.


Ich mache wieder einmal einen Zeitsprung zurück zu Jeremias Gotthelf und ins Emmental. Von dort jedenfalls ist nicht nur der Käse
mit den übergrossen Löchern bekannt.
Die Bettstatt ist gefüllt mit getrocknetem Gras, die Tücher sind aus Leinen, die Möbel aus Urgrossvaters Zeiten. Um 150 Jahre
zurückversetzt fühlt sich, wer sich im Emmental wie einst Gotthelf bettet. Eine Waschschüssel ersetzt das Badezimmer, romantisches
Kerzenlicht die Leuchtstofflampen.
Wenn die Sonne in der Morgenfrühe lacht,
geht’s ausgeruht zur Goldwasch-Schlacht.

Eiszeitliche Gletscher brachten goldhaltiges Material aus den Alpen. Die Abtragung der Gletschermoränen durch Flüsse und Bäche
führte zu den heutigen Flussgoldvorkommen. Die Goldvorkommen am Napf sind wahrscheinlich die ältesten bekannten Lagerstätten
der Schweiz. Mit Napf meine ich nicht den gemeinen Spucknapf, sondern den Hügel aus Nagelfluh mit eingelagerten Sandstein- und
Mergelschichten und einer Höhe von 1408 Metern.  
Die Helvetier, das keltische Volk, das bereits vor Christus auf dem Gebiet der heutigen Schweiz siedelte und die Besetzer, die Römer,
suchten vermutlich schon nach Napfgold. Heute sind die Täler und Bächlein des Napfgebietes bei Goldwäschern sehr beliebt.
Die fast unberührte, natürliche Landschaft und die Möglichkeit, schnell ein paar Goldflitter im Flusskies zu finden, machen den Napf
zur perfekten Goldwasch- und Erholungs-Region.

Sollten ausnahmsweise starke Unwetter das Goldwaschen verunmöglichen, tröstet der Mann von Welt seine Begleiterin mit einem Schmuckstück
aus einer Bijouterie, am besten von achtzehn Karat an aufwärts.
Wenn die schmucktragende Dame später Ermüdungserscheinungen zeigt, empfehle ich die Kemmeriboden-Bad-Meringue, eine üppige Schöpfung
aus Eiweiss und frischem Rahm, unverfälscht aus dem Napf geschöpft. (2)
Als Vorspeisen für starke Esser preise ich an: Duo von aromatischen Tomaten und Schangnauer Büffelmozzarella im Strudelteig gebacken,
dazu ein Salatstrauss in Balsamicodressing,
gefolgt von einem Apfelschaumsüppchen mit frischer Minze verfeinert, dazu Preiselbeermeerrettich.
Als Hauptgang: Filetmedaillons vom „Schangnauer-Säuli“ mit einem Grillwürstchen auf zweierlei Spargeln, angerichtet an einer Sauce
von roten Zwiebeln mit Pilawreis, begleitet von einem Fläschchen Château Pavie 1er Grand Cru Classé 1998.

Das mag ja gut sein nach acht Stunden Goldsuche im knietiefen, kalten und mineralienreichen Wasser. Nach zehn Jahren Nordthailand
hätte ich nach dieser Speisenfolge nachhaltiges Herzklappern und später Verdauungsprobleme. Der Preis für die einfache Emmentaler
Bauernmahlzeit zu zweit würde die Ausgaben für zehn Tage Restaurantbesuch in Chiang Mai decken. Deshalb rasch zurück ins
kalorienfreundlichere und wärmere Som Tam Land.

Spezielle Anmerkung für Bucisten und andere Qualitätstouristen:
Es ist mir bekannt, dass die Engadiner Nusstorte noch ein paar bescheidene Kalorien mehr aufweist, als die Kemmeribodenbadmerängge
aus biologischer Bodenhaltung.  Nüsse wachsen dummerweise an Bäumen. Kühe und Hühner sind erdgebundene Wesen.
Ich weiss, dass es hervorragende Bündner-Spezialitäten gibt. Ich kenne Bündnerfleisch, sowohl luftgetrocknet als auch bargeräucht
mit einem Glenmorangie-Stich (3), Wildheugeschmack im Haar und dem Duft von Romeo y Julieta im blumigen Designerkleidchen.
Es gibt einige Goldvorkommen im Kanton mit Restriktionen: Buddeln am Sonntag verboten. Bündner Herrschaftsweine sind absolute
Qualitätstropfen. Aus Rätien stammen fantastische Erzähler und weltberühmte Maler. Vergebt mir, wenn ich bei den fanatischen Sektierern
des Emmentals verweilte. Es lag mir geographisch einfach näher.

Fortsetzung folgt.

(1)
www.goldwaschen.ch
http://de.wikipedia.org/wiki/Goldwaschen
(2)
http://www.kemmeriboden.ch/Kulinarik/Meringues/
(3)
http://www.glenmorangie.com/
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Buci am 04. Juli 2009, 18:13:35
Na, dann darf ich natürlich nicht mit einem Link geizen zu einem Rezept für die Bündner Engadiner Nusstorte:

http://www.schweizer-kochrezepte.ch/rezepte/schweiz/tuorta_da_nusch.html

Auf Romanisch: "Tuorta da nuschs"

NB: Im Romanischen werden grundsätzlich nur Satzanfänge und Namen gross geschrieben. Also, Nüsse = nuschs = rischtisch!  KeinWitzimfall!   8)

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 04. Juli 2009, 18:56:14
Danke Buci.
Dann kann ich zur Torte bloss noch die Musik liefern:

http://www.engadinerlaendlerfruenda.ch/
Titel: Gold, Tafelfreuden, Minamata und Mikimoto
Beitrag von: Low am 05. Juli 2009, 03:12:48
Gold, Tafelfreuden, Minamata und Mikimoto
      
Teil 2

Zusammenfassung:
Im ersten Teil beschrieb ich die Goldsuche im Napfgebiet, Schweiz, und gab eine kurze Anleitung, wie sich dort und im
entfernten Graubünden der Hungertod vermeiden lässt. Buci steuerte als Kalorienbombe noch eine Engadiner-Nuss-Torte bei.
Deshalb rasch zurück ins kalorienfreundlichere und wärmere Som Tam Land.

Etwa 400 km südlich von Bangkok, in Bangsaphan Yai waschen heute noch vorwiegend ältere Frauen Gold. Ein Italiener,
Ingenieur Luzatti erhielt 1885 und 1887 von der siamesischen Regierung zwei Konzessionen für den Goldabbau.
Ich fand in anderen Landesteilen und Flüssen einheimische Goldwäscher an der Arbeit. Teilweise benutzen sie lebensgefährliche Methoden.

Eine der wenigen Flüssigkeiten, die Gold angreift, ist Quecksilber. (4) Sie können das Experiment selbst nachvollziehen.
Legen sie ihren Ehering in einen Kubikzentimeter Quecksilber und fortan können sie den Ring im Fläschchen spazieren führen.
Der Behälter kann alsdann mit „Amalgam“ etikettiert werden.

Diesen Trick benutzen Goldsucher, sofern feine Goldäderchen in Steinchen eingeschlossen sind. Nach dem Auswaschen des Goldes
mit dem Quecksilber, muss nur noch das Quecksilber vom Gold getrennt werden. Dazu diente den Hightech Experten eine Bratpfanne
und ein kräftiges Feuer. Dass der Quecksilberdampf hochgiftig ist, wusste beim Hantieren keiner. Am Ende verblieben in der Pfanne
einige Goldklümpchen, welche die Schatzsucher nach dem Abkühlen in Plastiktüten verwahrten. Weil der Tag so erfolgreich verlief,
feierten sie das Ereignis mit viel Schnaps, der in den selben Flaschen wie das Quecksilber gelagert wurde. Weil ein Liter des Stoffs
ungefähr vierzehn Kilogramm wiegt, fanden nur kleine Flaschen Verwendung. Als kulinarischer Höhepunkt wurde dann noch Fisch
in der einzigen Bratpfanne gegart.
Mir wurde übel, ob dem grausamen Geschehen. Vergessen konnte ich diese selbstzerstörerischen Szenen nie mehr.

In jungen Jahren war ich mehrmals durch Quecksilberunfälle mit grösseren Mengen gefährdet. Zur Erzeugung von Hochvakuum benutzten
wir damals Quecksilber-Diffusions-Pumpen (5) mit Kühlfallen, die mit flüssigem Stickstoff, Temperatur minus 196 ° C, beschickt wurden. (6)
Nach etwa einer Woche klebte der gesamte Schwermetallvorrat an den eisigen Wänden der Kühlfallen.

Ich erzählte die Goldsucher Erfahrungen eines Abends Mia, die eifrig mit dem Kopf nickte. Als ich die hohe Giftigkeit des flüssigen
Schwermetalls erwähnte, wusste sie, warum thailändische Goldsucher selten alt werden. Sie machte ähnliche Beobachtungen.
Möglicherweise sterben diese verwegenen Glücksritter an der Minamata Krankheit, wenn sie nicht von goldgierigen Räuberbanden
vorher umgebracht werden. (7)
1999 konnten japanische Wissenschaftler sogar bei Indianern am Amazonas die Minamata-Krankheit nachweisen. Auch hier gelangte
Quecksilber beim illegalen Goldwaschen in das Flusswasser.
Bereits vor Jahrzehnten sah ich, wie Indonesier das selbe billige, aber extrem gesundheitsgefährdende Verfahren benutzten.

Bei extravaganten verheirateten Ladies wird selten die Mikimoto Krankheit beobachtet. Dieses Leiden ist relativ harmlos und belastet
nur den Geldbeutel oder die Kreditkarten des Gatten.
Mikimoto San eröffnete im Jahre 1899 seinen ersten Zucht-Perlenladen auf der Ginza in Tokio. Von da an expandierte (leider) sein Geschäft auch im Ausland. (08)
Das Mikimoto Syndrom sollte vom Gatten sehr ernst genommen werden, da es oft mit dem Goldfieber einher geht.



(4)
http://de.wikipedia.org/wiki/Quecksilber
(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ldiffusionspumpe
(6)
http://de.wikipedia.org/wiki/Stickstoff
(7)
http://de.wikipedia.org/wiki/Minamata-Krankheit
(08)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kokichi_Mikimoto
http://mikimotoamerica.com/


Titel: Grippeähnliche Erkrankungen
Beitrag von: Low am 06. Juli 2009, 17:11:55
Grippeähnliche Erkrankungen

Da die Schweinegrippe H1N1 in Thailand äusserst selten ist und kaum vorkommt, vor allem dank der Prävention
am Flughafen in Phuket, benutze ich den Ausdruck „grippeähnliche Erkrankungen“.

Dazu ein Ausschnitt des Beitrages von Ozone:
Am Phuket Airport hat man die Lösung gegen die Verbreitung der Schweinegrippe gefunden. Die Angestellten wurden
angewiesen, während ihres Händewaschens das Lied „Happy Birthday“ zu trällern, damit sichergestellt ist,
die empfohlene Händewaschdauer von 20 Sekunden nicht zu unterschreiten.

Des weiteren wurden sie angewiesen, in Zukunft nicht in die Hände zu niesen, sondern auf die Schultern (ihrer Uniform) zu zielen.

Wenn ihr also in Zukunft grün-gelbe verklebte Eiterkrusten an den Schulterpatten des Immigrations-Officers seht..... ...

http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=2334.msg60445#msg60445

Auf Neudeutsch:

http://www.phuketgazette.net/news/index.asp?id=7522

Letzte Woche erhielten wir einen Telefonanruf aus dem Dschungel. Unser Patensohn hatte Fieber.
Wir statteten ihn vor etwa einem Jahr mit einem Quecksilberthermometer aus und zeigten ihm, wie die Körpertemperaturen
exakt gemessen werden.
Ich erklärte ihm, dass er die Temperaturen mit Zeit und Datum versehen, notieren sollte.
Seine Temperatur kletterte gegen 39 °C und wir empfahlen fernmündlich, einen Arzt zu konsultieren.
Im Spital schoben sie ihm einen Papierthermometer* in den Mund und lasen wenig später bloss 37,0 °C ab.
Das Knäblein meinte, das stimmt nicht, und zeigte dem Pflegepersonal seine Aufzeichnungen.
Die fragten schnippisch: „Bist du ein Arzt?“
Der Bub antwortete: „Mein Farang Onkel hat mir gezeigt, wie ich die Temperatur richtig messen kann.
Dazu braucht es keinen Arzt sondern einen genauen Thermometer.“
Als der Arzt kam, wurde die Messung mit einem Alkohol- oder Quecksilberthermometer wiederholt.
Die Messung von zu Hause wurde bestätigt.
Er hatte Fieber.
Das Spitalpersonal war froh, den kritischen Teenager wieder nach Hause zu entlassen, wo offenbar gute
medizinische Versorgung garantiert war. Das Krankenhaus war voll besetzt, vor allem mit jungen Fieberpatienten.

*
Diese billigst Papierthermometer mag ich gar nicht. Nachts schlucke ich die im Halbschlaf vor Wut und Ärger.
Wenn ich längere Zeit in ein Krankenhaus muss, packe ich den ThermoScan von Braun ein.
Ideal für Kinder, nach drei Sekunden hat man das Resultat aus dem Ohr.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 07. Juli 2009, 03:26:56
Tja, Rolf, gutes Equippment und dazugehöriges Know How zahlen sich eben aus ;)

Aber man sieht am Beispiel, wie groß Dein Einfluß auf Deinen "Ziehsohn" ist. Du kannst stolz darauf sein!
Dass die Thainurses froh waren, als Dein Patensohn das Weite gesucht und gefunden hatte, glaube ich sofort. :D :D :D

Fieber bei Kindern
erreicht meist schnell beeindruckende Werte, ohne daß gleich wirklich schwere Erkrankungen dahinterstecken müssen.
Ich rate zu reichlich Flüssigkeit und einer gehörigen Dosis Paracetamolsaft oder auch -tabletten - und natürlich zu einer Temperaturkontrolle 90 Minuten später, nicht mit einem Papiertermometer, sondern mit einer etwas verlässlicheren Meßvorrichtung. Sollte das Temperatur trotz dieser Maßnahmen erhöht, also über 38 Grad Celsius bleiben, dann sollte man einen Arztbesuch allerdings auch nicht auf die lange Bank schieben.

Wolfram
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 07. Juli 2009, 11:52:29
Hi Drwkempf,

Wie viele Papierthermometer muss ich schlucken, um LD 50 zu erreichen?

Der Junge ist wieder fieberfrei.
Das Trinken hat er auch bei uns gelernt. Wir haben dort im Haus einen
Wasserfilter installiert. Vor allem in der Trockenzeit sinkt die Wasserqualität.
Das angebotene Wasser der Trinkwasserverkäufer ist nicht immer einwandfrei.
Ich meine nicht die Grossverteiler, sondern die kleinen Gauner.
Low


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Blackmicha am 07. Juli 2009, 12:42:58
Hi Drwkempf,


Ich meine nicht die Grossverteiler, sondern die kleinen Gauner.
Low




in Laos ist letztes Jahr eine Firma aufgeflogen , die Wasser in gebrauchte PET Flaschen füllte , und als NEU verkaufte !  >:(
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 07. Juli 2009, 12:53:36
In Laos ist das schon möglich. Hier nicht.

Ich meine, dass so eine Firma auffliegt.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Samuitilak am 07. Juli 2009, 12:56:33
Zitat drwkempf

"Fieber bei Kindern
erreicht meist schnell beeindruckende Werte, ohne daß gleich wirklich schwere Erkrankungen dahinterstecken müssen.
Ich rate zu reichlich Flüssigkeit und einer gehörigen Dosis Paracetamolsaft oder auch -tabletten - "

?????
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0920/wissenschaft/0100/index.html (http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0920/wissenschaft/0100/index.html)

Panikmache??

LG

Walter
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 07. Juli 2009, 13:06:50
Vor langer, langer Zeit gab man den Kindern (in CH) ein Stück Würfelzucker mit ein paar Tröpfchen Absinth.

http://de.wikipedia.org/wiki/Absinth

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 07. Juli 2009, 14:24:53
Da habe ich mich wieder einmal nicht klar genug ausgedrückt ??? ??? ???

Erhöhte Temperatur, also Temperaturen bis 38,0Grad Celsius sollte man nur beobachten, dabei auf reichliche Flüssigkeitszufuhr achten. Da braucht man keine Medikamente. Zwischen 38,0 und 38,5 Grad Celsius helfen durchaus auch einfach einmal kalte Wadenwickel. Über 39,0 Grad Celsius sollte man dann doch ein Medikament geben, allerdings nicht als Dauertherapie, sondern eine großzügig bemessene (auf das Kindesalter/-gewicht bezogene) Dosis Paracetamol eimalig. Ist ein Fieberschub einmal durchbrochen, bleibt die Temperatur oft im Anschluss in verträglicher Höhe.Meist sind Entzündungen Auslöser hoher Temperaturen. Entzündungen sind ja bekanntlich auch schmerzhaft, sodass die medikamentöse Behandlung mit Paracetamol nicht nur das Fieber senken, sondern auch die Schmerzen lindern soll.

"Dennoch sei Paracetamol Mitteln wie Aspirin oder Ibuprofen vorzuziehen, schreiben die Forscher. Es solle aber erst dann verabreicht werden, wenn das Fieber beispielsweise auf mehr als 38,5 Grad Celsius steige. (bro.)"

Wirksame Medikamente ohne potentielle Nebenwirkungen? Ein Märchen!

Allergische Erkrankungen - Asthma bronchiale gehört bekanntlich dazu - wird meines Erachtens nach heute häufiger durch einen übertriebenen Hygienefimmel ausgelöst aals durch Medikamente, auch wenn das prinzipiell möglich ist. In der heutigen Kindergeneration ist kindgerechtes Spielen auch mal im Dreck oft nicht mehr gewünscht, der kindliche Organismus "verpasst" so die Gelegenheit, ein robustes Immunsystem auszubilden. Zu viel Sauberkeit ist hier also auch von Übel (wie eben fast alle Extreme).
Wolfram
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 07. Juli 2009, 14:41:13
@383

Lieber Rolf,

daß Du als Schweizer an die Verwendung des Absinth verweist )rein historisch natürlich!), verwundert mich nicht. Auch ich weiß, daß der Schweizer Absinth qualitativ der beste war den es für Geld zu kaufen gab. Die Schweizer produzierten nicht nur den höchstprozentigen Absinth, sie vermieden auch meist die Verwendung billiger Alkohole, die wohl maßgeblich für die oft geschmähten Nebenwirkungen des Absinthgenusses verantwortlich waren.
Kinder Alkohol zu geben? Das war in der Tat weit verbreitet. Ich eerinnere da z.B.an den viel verwendeten Schnapszipfel, einen in Schnaps und Zucker getauchten Leinenzipfel, den man früher z.B. zahnenden Kindern in den Mund schob. Man hat die Kinder damit erfolgreich ruhiggestellt.
Alkohol ist allerdings ein hochpotentes Nervengift, bei kleinen Kindern extrem wirksam! Also nicht zur Nachahmung empfohlen.
Wolfram
Titel: Absinth
Beitrag von: Low am 07. Juli 2009, 15:27:23
Hallo Wolfram

Ein halbes Stück Würfelzucker mit zwei maximal drei Tropfen Absinth
war ein gängiges, trotzdem sehr selten angewandtes Hausmittelchen meiner Grossmutter.
Ich denke nicht, dass diese geringe Menge Alkohol bereits toxisch wirkt bei einem vielleicht
siebenjährigen Kind. Sonst müsste ja man auch beim Salat mit hausgemachtem Weinessig zurückhaltung üben.
Auf alle Fälle litt ich bei den Grosseltern nie unter Würmern, denn Absinth ist ein Wurmkiller.

Eine schöne Arbeit über die grüne Fee (Absinth) fand ich unter:
http://www.pharmazie.uni-wuerzburg.de/Studium/Lmc/Seminare/Thujon.pdf

Ich sah in CNX in einem Geschäft eine Flasche Absinth.
Der soll angeblich den Bauchraum beeinflussen. Ich kaufe mir dann mal eine Flasche und versuche Absinth anstatt Librax.
Vielleicht erhalte ich später für den selbstlosen Versuch den Nobel-, oder irgend einen anderen Preis.
In meiner Bar, etwa 10 000 Kilometer entfernt, steht noch eine angebrochene Flasche aus dem Jura. Dick fand das Getränk
ausgesprochen witzig mit der Aromenvielfalt und dem Farbwechsel beim Eingiessen.

Meine Frage betreffend gefressener Papierthermometer blieb bisher unbeantwortet. Am ThermoScan lutsche ich nicht einmal.

Danke für die Paracetamol Empfehlung. Das wird hier im Dorf pfundweise konsumiert. Es wird ab Lautsprecher-Pickup günstigst
angeboten. Asthma konnte ich nicht beobachten. Ich selbst rühre das Zeug nicht an.






Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 07. Juli 2009, 17:23:44
Lieber Rolf,

das hier ansässige Expertenteam streitet sich noch;die Frage, wieviele gefressene Papierthermometer bei 50% der Papierthermometerfresser zum Tode führen, ist offensichtlich gar nicht so leicht zu beantworten ???
Mit gefressenen Quecksilberthermometern hätte sich das Team viel leichter getan :-) >: :D

Über die präzise Schädlichkeit nur weniger Tropfen guten schweizer Absinths gibt es auch noch keine abschließenden Erkenntnisse.
Es wurde aber schon ins Auge gefasst, eine Flasche Absinth zu erwerben, um einen Selbstversuch wenigstens bei Erwachsenen zu starten.
Sollte ich in naher Zukunft nur noch dummes Zeug von mir geben, dann ist der Schuldige wenigstens schon ermittelt!

Herzliche Grüße nach Nordwestthailand
Wolfram
Titel: Diensteifer
Beitrag von: Low am 08. Juli 2009, 11:47:38
Diensteifer

Vor nicht allzu langer Zeit gab es noch keine Digitalkameras.
Man hantierte mit lichtempfindlichem Filmmaterial.

Ich benötigte aus Amerika Spezialfilme für ein Elektronenmikroskop.
Die Firma lieferte prompt. Es gab nur ein klitzekleines Problem am Zoll.
Der diensthabende Beamte öffnete das Packet gewissenhaft.
Damit waren die Filme belichtet und unbrauchbar.

Ich reklamierte beim Zoll. Die Beamten waren nett und bedauerten den Vorfall.
Ich machte sie auf eine baldige Neulieferung aufmerksam.
Der selbe Absender, derselbe Empfänger, derselbe Inhalt: Lichtempfindliche Filme.
Die Firma lieferte prompt.
Der diensthabende Zollbeamte sagte sich: „Köpfchen!“ Er öffnete die Verpackung nicht.
Sein Kollege benutzte die Röntgenanlage zu Belichtung der Filme.

Es war nicht Thailand.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: ou1 am 08. Juli 2009, 14:40:36
Diensteifer

Es war nicht Thailand.




Schade, lieber Low, dass Du das schon so früh verraten hast. Ich hätte gerne mal die üblichen Reaktionen derjenigen gelesen, die das Brett mit der Aufschrift
Vorurteil
vor dem Kopf haben.

MfG
ou1
Titel: Seldwyla ist überall!
Beitrag von: Low am 08. Juli 2009, 17:03:59
Hallo ou1

Ja, ich kann noch einen draufhauen und behaupte:

Seldwyla ist überall!

Seldwyla bedeutet nach der älteren Sprache einen wonnigen und sonnigen Ort ....
Die Seldwyler: Sie sind fast schon südländisch temperamentvoll, stets lustig und zu Vergnügungen aufgelegt
und nicht wenig leichtsinnig. Was ihnen fehlt, ist Sparsamkeit, Zielstrebigkeit und ausdauernder Gewerbefleiss.
Lieber lassen sie andere Leute für sich arbeiten, spekulieren und leben auf Borg.

Das Grosshirn und die Hormone melden: "Das muss das LOS sein!"

Die meisten Worte und Ueberlegungen sind nicht von mir, sondern von:
Gottfried Keller * 19. Juli 1819 in Zürich; † 15. Juli 1890 Zürich (2)

Da bin ich ja wieder einmal im altbekannten Fahrwasser – 150 Jahre zurück.
Bloss, vor 150 Jahren steckte die Fotografie in den Kinderschuhen und
Elektronenmikroskope waren kaum weit verbreitet, vor allem in Seldwyla.

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Leute_von_Seldwyla
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Keller
Titel: Seldwyla ist vorbildlich!
Beitrag von: hmh. am 08. Juli 2009, 17:58:08
Nach Wengen, wo ich in meiner wilden Zeit Chef-de cave im Hotel Eiger war, einer meiner beiden Lieblingsorte in der Schweiz.

Warum? Man lese

Dieter Wieland: Gebaute Lebensräume, Düsseldorf 1982

Inhalt u. a.:

Die Welt nach Plan oder Der Tod der Räume, Fließbandstädte oder Räume ohne Halt usw.

Als Alternative dazu: Seldwyla oder Eine Stadt zu Fuß: Neue Umarmungen, Die Rückkehr der Gassen und Höfe, Gebaute Nachbarschaft, Alternativen zum Normalen, Häuser zum Anfassen, Das kleine Einmaleins der Lebensräume etc. pp.

Titel: Mikrowellen als Gefahren- und Geld-Quellen
Beitrag von: Low am 10. Juli 2009, 01:53:13
Mikrowellen als Gefahren- und Geld-Quellen

Mikrowellen sind elektromagnetische Wellen, deren Wellenlänge zwischen 1 m und 1 mm liegt.(1) Dies entspricht einem
Frequenzbereich von etwa 300 MHz bis etwa 300 GHz.
Verwendet werden diese Frequenzen in Radaranlagen und zur drahtlosen Kommunikation, wie Satelllitenfernsehen, Telefon und WLAN

Sie erkennen sofort, dass nicht nur der Mikrowellenherd, sondern auch neuere PC Mikrowellengeräte sind. Alle diese Geräte
verseuchen die Umgebung mit einer gewissen Strahlung. Sie wird bemerkbar, wenn man beispielsweise einen
Kurzwellenempfänger einschaltet. Wenn es ein Superheterodyn Empfänger ist, strahlt der auch.(2)

Über die Schädlichkeit der Mikrowellenstrahlung gibt es nichtssagende Gutachten und ebensolche Gegengutachten. Bereits 1989 machte
der Schweizer Nahrungswissenschaftler Dr. Hans-Ulrich Hertel beunruhigende Entdeckungen über Mikrowellenöfen. Er behauptet:
Jede Nahrung, die in der Mikrowelle gekocht oder aufgetaut wird, kann beim Verzehr Veränderungen im Blut verursachen. Ein ähnlicher
pathologischer Prozess, der auch bei Krebs nachwiesen werden kann. (3)
Es gibt mittlerweile weitere Wissenschaftler, welche ähnliche Hypothesen publizieren.

Eine unserer Bekannten bekam ein Angebot einer bekannten Yuppie Phone Firma, auf ihrem Grundstück eine Antennenanlage zu errichten,
gegen eine feste jährliche Mietgebühr. Das passte den Nachbarn nicht ins Konzept, weil ja da einer Geld verdienen konnte. Sie fanden faule
Ausreden, wie die Antenne würde sie beim Hausbau behindern und versuchten das Geschäft mit allen an- und unanständigen Mitteln
zu verhindern. Den einzigen Punkt, es sei nicht bewiesen, dass Mikrowellen keine Schäden im menschlichen Organismus bewirke,
kannten und benutzten sie nicht.
Sie machten ihre Rechnung ohne die Spezialisten der Telefongesellschaft, die bereits zuvor beim Gemeindeobmann vorgesprochen hatten.
Ich kann nicht ausschliessen, dass bereits hier etwas Schmiermittel eingesetzt wurden.

In Euroland gibt es viele gescheite Menschen, die Angst vor den elektrischen Wellen und Strahlung im allgemeinen, wie Erdstrahlen,
kosmische Strahlen haben. Gegen Erdstrahlen und Wasseradern verkaufen gewitzte Scharlatane teure, nichts bewirkende Geräte,
die vor schädlichen Einwirkungen wie Schlaflosigkeit, erektiler Dysfunktion (Impotenz), und sogar Krebs schützen sollen.(4)
Sofern  diese Theorien zutreffen, würde vermutlich die Firma Pfizer beim Kauf von hundert Viagra Pillen zwecks Umsatzförderung gratis
einen Mikrowellenherd abgeben.

Ich wurde mehrmals gebeten, sogenannte Strahlenschutzgeräte zu reparieren und konnte keine erklärbare Funktionen erkennen. Etwas Draht,
ein Begrenzungswiderstand für ein Lämpchen, Schalter, und bei besonders teuren Geräten ein als Monode (eindrahtig) angeschlossener
Elektrolytkondensator in einem soliden, meist Hammerschlag lackierten Blechgehäuse, das war’s.
Die selben Leute stellten einen Rosenquarz als Strahlenschutz auf ihren Monitor

In der Schweiz, im Schwarzenburgerland, gelang es vor über zehn Jahren, den organisierten Hochfrequenzgegnern mit dem Stichwort Elektrosmog,
den Betrieb des sowieso veralteten Kurzwellensenders, Baujahr 1939, einzustellen. (5) Der wäre auch ohne diesen Aufstand still gelegt worden.
Kurzwellen sind keine Mikrowellen.
Wetten wir, dass die meisten damaligen Protestler heute über Mikrowellenherd und Mobiltelefon verfügen und mittels WLAN einen Laptop nutzen,
sofern sie nicht bereits gestorben sind.

Gegen Antennenanlagen für die drahtlose Telefonie werden regelmässig Einsprachen gemacht. Meistens von Leuten, die dauernd mit dem Handy
am Ohr anzutreffen sind, denn die eigenen Geräte strahlen bekanntlicherweise nicht und sind absolut unschädlich.

Seit 1997 gilt in Deutschland die "Verordnung über elektromagnetische Felder" auf der Grundlage des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (26. BImSchV).  (6)
Im hochfrequenten Bereich regelt sie, im Konsens mit internationalen Regelungen, den Schutz der Bevölkerung vor der Abstrahlung ortsfester Sendeanlagen.
Bisher sind schädliche Gesundheitswirkungen bei Expositionen unterhalb der Grenzwerte der Verordnung wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Wie wirken hochfrequente Felder auf den Menschen?
Im menschlichen Körper treten elektrische Ladungen in Wassermolekülen und anderen polaren Molekülen, an Zellwänden und als Ionen auf.
Ionen sind geladene Atome oder Moleküle. Ladungen verschieben sich unter dem Einfluss elektromagnetischer Felder; polare Moleküle richten sich
im ständig wechselnden Feld stets neu aus. Sie schwingen im Takt der angelegten Frequenz. Ionen werden hin und her bewegt. Durch diese Wirkungen
werden HF-Felder im Körper aufgenommen. Es entsteht Wärme. Die beschriebenen Vorgänge sind von der Frequenz abhängig.
 Anwendung: In der physikalischen Therapie, Kurzwellengerät.

Ich denke nicht, dass ein Mobiltelefon mit bescheidener Leistung ein Ohr oder gar das Gehirn aufwärmt. Schädigungen sind bei Dauergebrauch
nicht auszuschliessen, konnten aber bis heute nie eindeutig nachgewiesen werden.
Verschwörungstheoretiker behaupten, die Telefonfirmen und Elektronikgiganten würden negative Resultate mit allen Mitteln bekämpfen.

Durch Karaoke- und Disco-Anlagen (Niederfrequenz) dagegen sind weltweit Schäden im Hörbereich belegbar.

Vor leistungsfähigen Radio und TV Sendeanlagen fürchtet sich keiner. Eher vor langweiligen Programmen.
Wir werden ständig mit Strahlung berieselt. Teilweise stammt sie aus dem Weltraum, teilweise ist sie hausgemacht. Sie kann aus
der wunderbar glasierten Keramikschale stammen, wenn zum Färben Uranoxyde verwendet wurden.
Besonders stark ist die Strahlung im Flugzeug. Jede Wechselstromleitung im Haus gibt ein niederfrequentes Signal von fünfzig Hertz ab,
bekannt als Brummen der Transformatoren.
 
Eine Sendeantenne im Garten möchte ich nicht unbedingt. Wir verzichten auf elektronische Geräte im Schlafzimmer. Wir benutzen
als Slow Food Anhänger keinen Mikrowellenherd.
Aber ich weiss, dass die Strahlung des PC praktisch im ganzen Haus vorhanden ist, sofern die Geräte eingeschaltet sind.
WLAN hätte ich gratis, von irgend einem strahlenden Nachbarn.
Die Feldstärken des Elektrosmogs in Thailand dürften mit den neuen kommenden Mobilfunkfrequenzen weiter zunehmen.
Statistiken darüber fand ich keine.
Bei Depressionen, einer typische Elektrosmog Erkrankung anhand bestehender Literatur, könnte in Hinterindien wie bisher Lao Khao helfen.


(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Mikrowellen
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberlagerungsempf%C3%A4nger
(3)
http://www.zentrum-der-gesundheit.de/mikrowelle.html

Beachten Sie rechts oben auf dem Bild die Dame mit dem Drahtlostelefon.
Unschädlich, logisch? Das ist etwa so, wie wenn bei einem Film aus dem Mittelalter, die Herren Ritter Rolex und Omega Uhren tragen.
(4)
http://de.wikipedia.org/wiki/Erektile_Dysfunktion
(5)
http://www.sgti.ch/uploads/media/In-Ku-26.pdf
(6)
http://www.bfs.de/de/bfs/druck/strahlenthemen/radio_mikrowellen.html
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: farang am 10. Juli 2009, 03:45:38
Mikrowellen als Gefahren- und Geld-Quellen

In der Schweiz, im Schwarzenburgerland, gelang es vor über zehn Jahren, den organisierten Hochfrequenzgegnern mit dem Stichwort Elektrosmog,
den Betrieb des sowieso veralteten Kurzwellensenders, Baujahr 1939, einzustellen. (5) Der wäre auch ohne diesen Aufstand still gelegt worden.
Kurzwellen sind keine Mikrowellen.

Durch Karaoke- und Disco-Anlagen (Niederfrequenz) dagegen sind weltweit Schäden im Hörbereich belegbar.
Ich bin auch ein Nummer 5 Geschädigter.War da in der RS auf deutsch(Armeeausbildung).Ich habe die Antenne xmal am gleichen Tag gesehen ,
von allen Seiten und ganz nahe, in der Nacht hat sie geleuchtet war sehr gut für die Orentierung,die Karte kann man drehen die Antenne blieb immer stehen.Hatte leider nur Sprengstoffatrappen dabei,aber dafür 20 KG nutzloses Gepäck.
Für das Karaoke geduddel empfehle ich anstatt Lao Khao einen Appenzeller (1) oder Kaffee Biberfladen

www.appenzeller.com (http://www.appenzeller.com)
Titel: Der Weg ins Nirwana (Nibbana) wäre mit Mahlzeiten gepflastert
Beitrag von: Low am 12. Juli 2009, 17:29:39


Der Weg ins Nirwana (Nibbana) wäre mit Mahlzeiten gepflastert

Kurz nach der Morgendämmerung, teils von Nebelschwaden begleitet, ziehen die Mönche durch Thailands Städte und Dörfer.
Sie nehmen Lebensmittel und andere Spenden der Gläubigen entgegen. Mit den Spenden erwerben sich die buddhistischen
Gläubigen Verdienste für ihr zukünftiges Leben.
Deshalb ist der Buddhismus in Thailand auch ausserhalb der Tempel und Klöster allgegenwärtig. Rund 95 Prozent der
Bevölkerung Thailands bekennen sich zum Buddhismus.
So war es einmal und so steht es noch heute  in vielen Reiseführern.

In der Nähe unseres Dorfes gibt es etliche Tempel. Mehrere kleinere Dorftempel stehen neben einer prunkvollen Repräsentationsanlage.
Wenn frühmorgens die Hähne krähen und die Mönche mit ihren Schalen losmarschieren, stossen sie hier meist auf verschlossene Türen.
An Hunderten von Häusern sind bloss vier oder fünf Türen geöffnet, um Essen für die Mönche auszugeben.

In den Tempeln leben nicht nur alte, wohlproportionierte,  gestandene Männer, sondern kleine Buben in Safran gehüllt. Ihre Eltern waren
zu arm, um für Nahrung und Kleidung zu sorgen. Gerade für diese Jugendlichen während des Wachstums ist es wichtig, dass sie
am Morgen zwei vollwertige Mahlzeiten zu sich nehmen können.

Mia reiste etwas herum und liess sich die Ernährungssituation von bekannten Äbten, Tempelangestellten und spendewilligen Frauen erklären.
Mönche dürfen sich nicht ungünstig oder abfällig über die Gaben äussern.
Dennoch lautete das triste Resultat: Die Lebensmittelversorgung in den meisten Tempeln ist bedenklich. Menge und Qualität sind kaum
dauernd gewährleistet. Wenn einige Tempel nicht zeitweise eine Köchin hätten, müssten Mönche darben.
Die Qualität des Essen hat abgenommen. Viele Frauen bereiten das Essen für die Mönche bereits am Vorabend zu und lassen es mehr
oder weniger ungeschützt herumstehen, bevor es am Morgen gespendet wird.

Weil Mia in schweren Stunden der vergangenen Monate in den Tempeln Zuflucht, Trost und Vertrauen fand, war es ihr ein Anliegen,
während des Fastens einige Mönche in der Umgebung mit gutem und warmem Zweit-Essen gegen elf Uhr zu versorgen.
Bereits am ersten Tag war ein Mönchsknabe, oder ein Knabenmönch überglücklich. Er verzehrte gleich zwei Portionen,
weil der rundliche Abt zu seinen Gunsten auf das Essen verzichtete. Das Knäblein erkundigte sich flüsternd geflissentlich,
ob sie bereits am nächsten Tag wieder kommen würde. Öfters gebe es nämlich Lanna Essen, mit dem er seine liebe Mühe habe.
Er wurde traurig, als sie sagte, sie käme erst in einigen Tagen wieder.

Ein ganz alter Abt wollte ergründen, wie es um die Ernährung des Mönches zu Hause stehe. Er gab Mia einen kleinen Buddha für mich mit.

Erst jetzt verstehe ich, warum ich gelegentlich in Grossverteilern Mönche beim Einkaufen sehe.


http://de.wikipedia.org/wiki/Nirwana
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 12. Juli 2009, 21:49:37
Tja, im Land of Smile hat nicht jeder was zu lachen!
Den neureichen Superäbten und Mönchen stehen viel mehr arme "Bettelmönche" gegenüber, denen der vierte Wunsch unseres Vaterunsers deutlich aus den Augen leuchtet.
Deine Mia ist ein guter Mensch - aber das wußtest Du ja schon!
Meine Bewunderung aus der Ferne ist ihr gewiß.
Wolfram
Titel: Maskenball im Paradies
Beitrag von: Low am 14. Juli 2009, 11:21:24
Maskenball im Paradies

Der Titel ist so schön wie falsch, denn die meisten Menschen tragen keine Masken, sondern einen Mundschutz.
Ich war gestern in Chiang Mai. Leute ohne Mundschutz fallen auf. Bei den Schutzträgern gibt es gewaltige Unterschiede
in Machart und Farbe. Einige Leute tragen primitive Staubschutzmasken aus dem Baumarkt. Andere wiederum haben
ein hausgemachtes Baumwolltuch vorgespannt. Diese hausgeschnurpften Schutzvorhänge dürften wegen fehlenden dpi
(dot per inch) garantiert vor Fliegen, aber nicht vor den unendlich viel kleineren Viren schützen. In Hangdong auf dem Markt
werden sie für zehn Baht angeboten. Einigen missbrauchen den Schutz als Stirnbinde. Andere tragen ihn in der Kinn und
Halsregion.  Während des Essens bleibt der Schutz an einem Ohr angehängt, oder er schützt die Haare vor Som Tam Spritzern.
Man kann auch rauchen mit dem Mundschutz. Demnächst will ich eine Maske mit Zigaretten- oder Zigarren-Öffnung in
der Mitte patentieren lassen. De Luxe Ausführung mit Reissverschluss.
Dann gibt es Zeitgenossen, die den Mundschutz zwecks Nasenbohren, Popeln, anheben! (1)
Ich empfahl Mia, das Spaghettisieb aus der Küche, Schutzfaktor drei, möglichst modisch um das Gesicht zu drapieren.

Warum die Maskerade? Die Furcht vor der Schweinegrippe treibt den Menschen den Angstschweiss aus den Poren.
Zwölfhundert werden in Thailand sterben. Es werden die Anderen sein. Von der Krankheit selbst kennen die meisten
Menschen nur den furchterregenden Namen.
Ich versuchte, einige Eigenschaften zu ermitteln.

Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung,wird  Inkubationszeit  genannt und ist  von der Art
des Influenza-Virus abhängig. Bei normalen Erregern einer saisonal bedingten Influenza beträgt diese 1-4 Tage,
bei den Erregern der aviären Influenza "Vogelgrippe" hingegen 2-5 Tage.
Die genaue Inkubationszeit des neuen A/H1N1 Influenza Virus ist noch unbekannt, könnte sich jedoch in den erwähnten
Zeiträumen bewegen. Wichtig zu wissen ist es, dass die Virusübertragung bereits innerhalb der Inkubationszeit über
die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raums erfolgen kann. Die Virenausscheidung erfolgt durchschnittlich bis zu sieben Tage.
Menschen mit einem schwächeren Immunsystem scheiden die Viren auch länger aus.
Die Übertragung von H1N1 kann auf mehreren Wegen erfolgen:

per Tröpfcheninfektion, durch Einatmen von Atemluft, die kontaminierte Aerosolpartikel enthält (Exspirationströpfchen)

per Kontaktinfektion, durch direkten Körperkontakt mit einem Erkrankten
 
per Schmierinfektion, durch Berührung von Oberflächen, auf denen
kontaminierte Sekrete haften (Türgriffe, Telefone, Keyboards, PC-Mäuse etc.)
 
Ein Mundschutz vermittelt dem Träger ein sicheres Gefühl, aber hilft eine Atemschutzmaske auch wirklich gegen eine Infektion?
Wir wissen nicht, ob ein medizinischer Mundschutz den Träger auch wirklich schützt. Menschen mit akuten Atemwegsinfekten
schützen damit zumindest ihre Umwelt, da die Erreger nicht in der gesamten Umgebung verbreitet werden.

Wer sich selbst schützen will, sollte wissen, dass Viren sehr klein sind und gängige Staubmasken, wie sie in Baumärkten
vertrieben werden, unter Umständen durchdringen können. Viren sind deutlich kleiner als Staubpartikel.
Hygienemasken, auch als Op-Masken oder medizinischer Mundschutz angeboten, halten dagegen auch kleinere Partikel ab.
Es nützt gar nichts, wenn jemand einen Mundschutz trägt, aber dann mit seinen schmutzigen Fingern die Augen berührt!

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Nasenbohren
Tip Forum
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=2334.0



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 14. Juli 2009, 17:07:34
Lieber Rolf,

Großes Kompliment!!!

Du hast ganz mühelos die 25 000er Marke genackt. Auf zur nächsten 25 000 ;)

Wolfram ;D
Titel: Traktate und Traktoren
Beitrag von: Low am 14. Juli 2009, 17:48:00
Traktate und Traktoren

Lieber Wolfram

Danke.
Erst verstand ich dich gar nicht. Ich dachte, was – bereits über 25 000 Grippe Fälle?

Dann erst kapierte ich, dass ich all die Bibelforscher samt Traktaten (1) und Traktoren überholt hatte,
- dank vielen fleissigen Lesern. Ehrlich, ich klickte nicht alleine, obwohl ich in der Lage wäre, einen Klickomaten zu programmieren.

Nun muss ich leider bald in der guten Stube einen Platz suchen, um den Nobelpreis für Forenliteratur zu plazieren.
Stellt man ihn auf eine Rosenholz-Anrichte, würde Teak genügen, nagelt man ihn an die Wand, oder ist er nützlich
für moussierende, (2) kohlensäurehaltige alkoholische Getränke?

Low

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Traktat
(2)
http://de.mimi.hu/wein/moussieren.html


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 14. Juli 2009, 23:08:51
Letzteres, mein Bester, letzteres wäre meine persönliche Empfehlung gewesen :-) :-) :-)
Titel: Fastenzeit im Wat
Beitrag von: Low am 16. Juli 2009, 12:50:24
Fastenzeit im Wat            16. Juli 2009

Mia nahm sich vor, manche würden es ein Gelübde (1) nennen, während dieser Zeit die Robenträger in
einigen Tempeln der näheren Umgebung mit Nahrung zu versorgen. In den meisten Tempeln gibt es praktisch
nur kalte, höchstens lauwarme Küche. Sie aber wollte den hart chantenden Kehlen um elf Uhr eine letzte
warme Mahlzeit darbieten. Ab Mittag darf dann nichts mehr gegessen werden.

Sie startete bescheiden im Alleingang. Nun benötigt sie die Mithilfe unserer Hausangestellten. Das Projekt gibt
viel zu reden im Dorf und offenbar auch in den Tempeln. Von einem entfernteren Wat wurde sie angerufen,
sie sei herzlich eingeladen, den Tempel zu besichtigen.

So gegen neun Uhr kriege ich meine Henkersmahlzeit, nein - nichts warmes, sondern ein grosses Glas mit frisch
gepresstem Orangensaft. Dann verschwindet sie im modischen Sarong Kebaya (2) mit einigen Utensilien ausgerüstet
in ihr Kochstudio  im Beautysalon. So werde ich durch die Düfte nicht beunruhigt und meine Magensäfte werden nicht
unnötig gereizt. Für mich gibt es während des Tages nur Früchte.

Weil einmal ein Spitalbesuch ihre Kochkünste verunmöglichte, orderte sie in der Dorfkneipe ein halbes Dutzend
Mahlzeiten, die sie anschliessend auslieferte.
Gestern rief ein Witzbold aus einem Tempel, den Dick noch nie besuchte, die Köchin in der Kneipe an und bestellte
das Essen, das die Tussi (3) tunlichst mitbringen solle.
Auf diesen Lieferservice können sich die Spassvögel garantiert ein Loch in den Bauch hungern.

In einem andern Tempel wurde das Essen gnädigst entgegen genommen.
Dann zeigte man der Spenderin, dass hier ein paar Quadratmeter Dach angebracht wären und dort einige hundert
Fliesen verlegt werden sollten. Freiwillige Zuwendungen wären zu jeder Zeit willkommen.

Eher ungewöhnlich war eine Szene mit dem Oberen des kleinen, fast gemütlichen Dorftempels. Er bedankte sich
mit einem Wai für das beste Essen in vielleicht dreissig Jahren. Das ist gegen die Regel. Üblicherweise freut sich
der Spender darüber, dass seine Gabe angenommen wurde.

Der Abt des grössten Tempels hat auch die grössten Probleme. Er ist ein ernster, kranker und geduldiger Mann,
der sich an die Vorschriften hält und das gleiche von seinen Mönchen erwartet. Wer in seiner Zelle kifft, darf seine
Robe sofort abgeben und wenn sich während des Fastens einer unabgemeldet aus dem Tempel absetzt, fliegt er auch.
Für diese harte Linie haben die meisten Eingeborenen kein Verständnis, wie sie auch kein Einfühlungsvermögen
für die Lehre Buddhas erübrigen.
Da ging doch ein Paar zu diesem Abt und wollte ihm ein Stück Land verkaufen. Er hätte doch sicher viel Geld mit all
dem Gold und der Pracht im Tempel.
Der Abt erklärte, er sei ein Mönch, er folge der Lehre des Buddha. Er sei kein Händler, kaufe und verkaufe nichts.
Darauf verlangten die Leute etwas schwarze Magie von ihm, so dass sich das Land besser verkaufen lasse.
Aber auch da musste er passen. So machtlos stellten sich die geldgierigen Landverkäufer den Abt eines grossen Tempels nicht vor.
Als der Abt dann Dick einige Bücher überreichte, wollte das Paar auch buddhistische Schriften. Lesen konnten sie beide nicht.
Wenn er keine Schriften aushändigt, werden sie gestohlen, wie alles im Tempel, von der Kücheneinrichtung über Bettwäsche,
Pflanzen, Früchten zu Buddhafiguren.

Dass viele Äbte ihre Jünger entgegen aller Regeln auch während des Fastens zu viel Freiheit gewähren, zeigen mir
täglich die vielen jungen Mönche in den Computerläden.

Gestern war der Abt des grossen Tempels auf der Verpflegungsliste. Dick brachte die Speisen. Der Abt hatte Gäste.
Dafür war das Essen zu knapp bemessen. Im Tempel hat es eine Haushälterin. Zwei weitere Frauen verbringen dort
eine Meditationswoche. Diese bequemen Weiber wollten in der Nähe Fertiggerichte einkaufen. Der Tempel hat ja Geld.
Der Abt fragte Dick, ob sie in der Küche etwas zubereiten könne.
Die gut ausgerüstete Küche verfügte über sämtliche Lebensmittelvorräte, die man sich vorstellen kann. Es gab eine
Wasserfiltrieranlage und mehrere prall gefüllte Kühlschränke. Dick und unsere Hausangestellte bereiteten in kurzer Zeit
ein paar leckere Sachen zu, dass Mönche und Gastgeber nur staunten.

Beim Aufräumen sah Dick etwa zehn Kilogramm Klebreis, Reste vom Morgenessen. Sie fragte die Tempelangestellte,
was sie damit mache.
„Fortschmeissen“, war die Antwort.
Dick fragte den Abt, ob sie über den Reis verfügen könne.
„Sicherlich“, meinte er.
Es gab genügend Verpackungsmaterial in der Küche. Sie wärmte den Reis und machte davon etwa sechzig Portionen.
Diese verteilte sie an bedürftige und alte Menschen in der Umgebung. Jeder griff mit Freuden zu.

Was geschieht morgen? Da wird der Reis von der Angestellten garantiert wieder weggeschmissen.

Vergleiche:
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg62383#msg62383

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Gel%C3%BCbde
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Sarong_kebaya
(3)
http://de.answers.yahoo.com/question/index?qid=20071008105348AAcYVyJ

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 18. Juli 2009, 02:28:37
@Low

Nach einem Fehlstart (bin neu im Forum und erwischte einen bereits geschlossenen Thread) las ich nun heute einige Deiner "Geschichten aus Hinterindien".

Für einen lernwilligen Farang wie mich ist das ein toller Einstieg in dieses Forum. Danke und Gratulation zu Deiner souveränen Art Dich auszudrücken!

Was mich betrifft, so bitte ich die etablierten LoS-Kenner und Forenexperten um Nachsicht,
wenn ich mich hier etwas "holpriger" ausdrücke und vielleicht die eine oder andere  "komische" Frage stellen werde.

mfg kmr
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 18. Juli 2009, 10:06:18
@khun mai ru

Danke fürs Interesse an den Geschichten.
Vor nicht allzu langer Zeit, es war im November, schrieb ich zaghaft meinen ersten Beitrag.
Dann holte ich, etwas mutiger, aus meiner Sammlung einige Witze.
Einen guten Monat später versuchte ich den Einstieg in die Geschichten aus Hinterindien.
Bis heute schrieb ich 563 Antworten.
Ich stellte viele Fragen in meinen Texten. Die wenigsten wurden je beantwortet.
Ich wünsche gute Unterhaltung im Forum und danke für den Beitrag.

Low
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 18. Juli 2009, 15:31:12
@Low

...die wenigsten wurden je beantwortet...

Um so mehr ist zu bewundern, daß Du Dich bisher nicht hast entmutigen  lassen.
Aber eines würde ich gerne wissen: Warum nennst Du Dich "Low"? Würde ich nur
annähernd Dein Wissen haben und es auf so gute Weise formulieren können,  so
wäre ich happy.

Dir und allen Forenmitgliedern alles Gute und ein schönes Wochenende.

mfg kmr
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 18. Juli 2009, 16:06:19
Aber, aber!
Die meisten Fragen habe ich für rhetorisch gehalten.
Wenn Du glaubst, Du könntest Dich hier für unwissend verkaufen -
 DAS KLAPPT NICHT!

Ich habe vielmehr den Eindruck, daß Du eifrig recherchierst, ehe Du etwas veröffentlichst.

Herzliche Wochenendgrüße aus dem heute kühlen und regnerischen Deutschland
Wolfram
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: hmh. am 18. Juli 2009, 17:10:21
Warum nennst Du Dich "Low"?

Das wissen wir Tipianer schon immer:

http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=297.msg20962#msg20962
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 18. Juli 2009, 19:51:24
@hmh.

Danke für den Link. Es ist doch schön, daß in diesem Fall "Low" nichts mit der
englischen Sprache zu tun hat, sondern ganz im Gegenteil auf einer charmant-
kreativen Thai-Interpretation von Rolf beruht.  

Low wünsche ich nach so massiven Negativ-Erfahrungen, nun noch viele gute 
und glückliche Jahre.

mfg kmr
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 19. Juli 2009, 10:34:32
@hmh

Danke dafür, dass du erfolgreich meine Geschäfte geführt hast.
Ich machte einen kurzen Spitalbesuch.

@.....

Schweinezeugs.

Ja, da gab es noch mehr Gesichtsmasken bei Personal und Patienten.
Mancher Schutz wurde dazu verwendet, um das Doppelkinn zu sanieren.
Nur mein Herr Doktor Urologe trug keine Gesichtsmaske. Er kam ja nur wegen mir in Krankenhaus.
Ich fragte Dick:
„Unser Doktor Urologe trägt keine Maske, wie schützt er sich denn?“
Dick antwortete:
„Mit einem Kondom.“

@khun mai ru

„Low wünsche ich nach so massiven Negativ-Erfahrungen, nun noch viele gute  und glückliche Jahre.“

Danke.
Ich denke, dass die rein negativen Erfahrungen bei weniger als fünf Prozent lagen. Die persönliche
Interpretation einer gelesenen Erzählung ist wichtig.
Für Optimisten ist ein Glas halbvoll, für Pessimisten dagegen ist dasselbe Glas halbleer.

In meinem Berufsleben spielte das Worst Case Szenario, die schlimmste aller
Möglichkeiten, eine wichtige Rolle. Sie wurde stets einberechnet, um Pannen und Unfälle zu vermeiden.
Diese Philosophie kann auch in Hinterindien erfolgreich angewendet werden,
sofern man Mentalität und Hintergründe kennt.
Geärgert haben wir uns praktisch nie, nur gestaunt. Das sind die täglichen Überraschungen, das Salz in der Suppe.

Seit über vier Jahren gibt’s es fast nur glückliche Tage. Etwas Kummer und Schmerz bereitet hin und wieder die Gesundheit.
Für Krankheiten und Beschwerden aller Art gibt es höchstens Versicherungen. Ausfechten und damit leben und umgehen muss jeder selbst.

@drwkempf
Du hast recht, einige der Fragen sind rhetorisch.
Bei einigen anderen hätte mich eine Antwort gefreut.
Im Hinterkopf habe ich oft das Bedürfnis, eine Umfrage zu starten. Vor allem bei einem zukünftigen Aufsatz sind zu viele Fragen offen.
Ich muss erst selbst nach Antworten suchen.

Einen schönen Tag, oder eine gute Nacht wünscht
Low
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: juerken am 19. Juli 2009, 10:46:32
Das wissen wir Tipianer schon immer:
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=297.msg20962#msg20962


Hallo hmh

Hab den Link nochmal angeklickt und in voll durchgelesen.

War wirklich interessant von der Vorstellung und der Entwickelung hier im Forum, äußerst bemerkenswert und
erstaunlich. Leider schreiben einige nicht mehr dafür andere um so mehr - klar ist ja auch ein Forum.

Gruß Jürgen
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 19. Juli 2009, 18:04:43
Lieber Rolf,
erst mal wünsch ich Dir und Deiner Dick einen schönen Sonntag.

Kannst Du nicht zu beantwortende Fragen mit einem zweiten Fragezeichen versehen?? ;)
Wolfram
Titel: Thai Küche ? Thai Küchen !
Beitrag von: Low am 19. Juli 2009, 18:32:05
Thai Küche ? Thai Küchen !

Dienstreisen führten mich einige Male nach Holland. Meine Hotels waren meist nicht die Allerfeinsten.
Deshalb verwunderte mich das Weinangebot im Speisesaal kaum: Boordeaux und Boojolais. Ja,
das gab es wirklich. Flaschen, die schlicht mit Boordeaux etikettiert waren.
Dafür wäre man damals in Frankreich nach französischem Weingesetz im Gefängnis gelandet.
Bordeaux ist eine Region. In der Region gibt es Gemeinden. In den Gemeinden gibt es Weinbaubetriebe.
Genau das und auch der Jahrgang sollte auf dem Etikett vermerkt sein. Manchmal findet man weitere
Angaben über Traubensorten und Mengen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Essen in Thailand. Ursprünglich war die Küche Thailands vom Wasser geprägt.
Auf den Tisch kamen vornehmlich Wassertiere und Wasserpflanzen. Veränderungen in den Kochgewohnheiten
brachten chinesische und japanische Einflüsse. Ab dem 17. Jahrhundert wirkten  europäische Kontakte.
Chilis, mit Ursprung Mittel- und Südamerika, wurden von portugiesischen Missionaren in Thailand eingeführt!
In unseren Gärten brachten nicht die Christen Chilis, sondern die Vögel. Daraus folgt nicht, dass manche Missionare
komische Vögel sind.
Thailand ist ein grosses Land verglichen mit Lichtenstein. Je nach Region sind die Angebote und Zubereitungsarten
sehr verschieden.

Der Norden des Landes grenzt an Myanmar und Laos, daher ist Aharn Phak Nuea von den Küchen dieser Länder
beeinflusst. Die Vorliebe für Kao Niau, Klebreis, in dieser Region wurde von Laos übernommen. Der Einfluss von
Myanmar äussert sich mit Kaeng Hanglay, eine Art stark gewürztes Gulasch mit fettem Schweinefleisch.
Die Mahlzeiten werden hier traditionell an einem flachen Tisch auf dem Fussboden sitzend eingenommen.
Diese Art die Gäste zu bewirten, nennt man Khan-Thoke. Sie ist heute in Chiang Mai zu einer Touristenattraktion geworden.
Spezialitäten sind verschiedene Chili-Pasten, die zu blanchiertem oder rohem Gemüse gereicht werden, wie
zum Beispiel Nam Phrik Ong − getrocknete rote Chili und Hackfleisch in einer würzigen Tomatensauce.
Zahlreiche Nudelgerichte haben ihren Ursprung in China, wie zum Beispiel Khao Soi.

Die Küche im Nordosten, dem Isaan, ist von Laos und Kambodscha geprägt. Am bekanntesten sind wohl Gai Yang,
gegrilltes Huhn, Som Tam,  ein scharf-saurer Salat aus grünen Papaya und Khao-Niao, Klebreis. Ein beliebtes Würzmittel
ist fermentierter Fisch, Pla Raa. Eine weitere Isaan  Delikatesse ist Laab. Ein Salat, der aus gehacktem Schwein, Huhn
oder Fisch besteht, mit Limonensaft, Manao, Fischsauce, Chili, frischen Minzeblättern sowie Khao-Khua-Pon, ungekochtem,
geröstetem und zerstossenem Reis gewürzt wird.

All die niedlichen Säugetiere, Kriecher, Nager, Würmer und Insekten in verschiedenen Stadien, die in Lanna- und
Isaan Küchen stark verwurzelt sind, beschreibe ich nicht nur aus Platzgründen nicht.

Aharn-Phak-Klang, die Küche Zentralthailands wird als die klassische Thaiküche angesehen. Es gibt Gerichte mit Kokosmilch
und vielen Gewürzen, die im Westen als Curries bekannt sind. Die bekanntesten sind Kaeng Khiao Wan, grüner Curry,
Kaeng Phet, roter Curry und Kaeng Phanaeng, ein Erdnuss-Curry.
Viele Gerichte werden im Wok zubereitet, wie Phat-Kratiam-Phrik-Thai, gebratenes mit Knoblauch und Pfeffer, Phat-Bai-Kaphrao,
gebratenes mit Basilikum, Phak-Bung-Fai-Daeng, gebratener Wasserspinat (Morning glory) mit Chili, Knoblauch und
schwarzen Bohnen oder Khai-Chiao, thailändische Omelette. Letztere wird mit Nam-Phrik-Si-Racha gereicht, einer orangefarbenen,
salzig-süssen Chili-Sauce mit viel Knoblauch.
Eine der beliebtesten Suppen ist die Tom Yam Goong, eine scharf-saure Garnelen-Suppe und Tom Kha Kai,
eine Hühnersuppe mit Kokosmilch.
Yam-Salate sind scharf-saure, feurige, ja blumige Salate, die Limonensaft, Chilis und frische Kräuter enthalten,
dazu Meeresfrüchte oder Gemüse, gebratenes Rind, Yam Nüah oder Schweinefleisch, Yam Moo.
Wir kreierten erfolgreich ein Yam Nüah mit zartem à point grilliertem Entrecote, Zwischenrippenstück, fein geschnitten
und zusätzlich einer Spur Khaeng Phet.
Diese Fleischqualität ist in Chiang Mai kaum erhältlich.

In den Südprovinzen zeigt sich die Nähe von Malaysia. Der Einfluss von Muslimen und Chinesen bestimmt die südliche Küche,
Aharn-Phak-Tai mit.  Dort gibt es Khanom Chiin Nam Ya, dünne chinesische Reisnudeln mit einer scharfen Fisch-Curry-Sauce.
Ein beliebtes Gericht, welches in moslemischen Restaurants angeboten wird, ist Khao-Mok-Kai. Das ist Biryani nach
südthailändische Art, bei dem Reis mit Huhn zusammen gegart werden, gewürzt mit Nelken, Zimt und frischen Kurkuma-Wurzeln.
Dazu wird eine milde Hühnerbrühe gereicht und ein Schälchen mit Gurkenscheiben, die mit Chili- und Zucker in Essig eingelegt wurden.
Populär sind hier Gerichte nach dem Vorbild indischer Curries, wie zum Beispiel der Kaeng Masaman, Moslem-Suppe.
Das ist im Süden ein Standardgericht. Je nach Menge der zugegebenen Chili wird es von mild bis feurig scharf empfunden.
Mittlerweile in ganz Thailand verbreitet sind Roti, eine Thai Abwandlung des Chapati, des indischen Fladenbrots.
Bereits zum Frühstück wird Roti-Kaeng, Roti mit einer beliebigen Curry-Sauce gegessen. Mataba ist ein mit gewürztem
Hackfleisch gefülltes Roti. Roti mit Bananenscheiben gefüllt ist Roti-Kluay.

Nicht zu vernachlässigen in der Thaiküche sind mehrere Spezialitäten, die aus asiatischen Nachbarländern annektiert und
stillschweigend übernommen wurden.
Beschreibungen weiterer Gaumen kitzelnder Thai Gerichte fand ich in den kostenlosen Magazinen des TIP, beispielsweise Nr. 7,
oder Nr. 10, 2009.

Ich frage mich, wo gibt es authentisches Thai Essen? Sind es die einfachen Garküchen auf der Strasse?  Erhält man
die besten Gerichte nur in luxuriösen Restaurants, von jungen Schönheiten in der Landestracht, möglichst aus Brokatseiden
mit reichlich Goldflitterschmuck oder Blumen im Haar, serviert?
Oder ist schlicht die heimische Küche der Ursprungsort, die Mutter aller unverfälschten Thai Spezialitäten?

Aus der Weltraumperspektive ist vielleicht sämtliches Essen, das in Thailand hergestellt und angeboten wird, Thai Food.
Aber aufgepasst, dann wäre auch Fast Food wie Pizza, Hamburger und Kentucky Fried Chicken plötzlich Thai Essen.
Thai Essen ist es erst, wenn solche Hormon- und Kalorienbomben von Thais gegessen, verdaut und ausgeschieden werden.

Wie sieht es denn bei euch aus? Habt ihr die kulinarischen Angebote vom Norden bis in den tiefen Süden genossen
und störungslos überlebt? Oder zieht ihr europäische Küche, von Italien bis Schweden vor?  Lebt ihr von Brot,
Wurst und deutschem Käsekuchen?
Ich kenne einige gemischte Paare, wo für Männlein und Weiblein separat gekocht wird. Die luxuriöse Farang Küche,
vor allem genutzt für Sandwiches, Bratspeck und Spiegeleier, befindet sich im Haus. Die delikaten und weit aufwendigeren
Thai Gerichte werden bescheiden draussen unter einem Dachvorsprung zubereitet. Diskriminierung?
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 19. Juli 2009, 20:06:53


@Low

...Diskriminierung...?

Glaube ich eigentlich nicht. Vielleicht ist es einfach so, daß auch die perfekte
Farang-Küche keine Garantie für Sanuk bedeutet.
Den hat Frau "draußen vor der Tür" ;-) möglicherweise eher, wenn Sie   nichts
vom Dorfleben verpasst, und Frau es sowieso immer so gemacht hat...  Sicher
bin ich allerdings nicht. Das können die Experten hier besser beantworten.

Dein Bericht jedenfalls war sehr appetitanregend und weil es ums Essen geht,
habe ich eine Frage zur Esskultur:  Fangen die Leute eigentlich immer wortlos   
an zu futtern? Ich habe noch nie bemerkt, daß da jemand so etwas wie Guten
Appetit wünscht.

mfg kmr
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Blackmicha am 19. Juli 2009, 21:46:54
Die wichtigste Essens Regel für Thai's ...... alle 3 Stunden MUSS es was zu essen geben !

ist wirklich schwer ne Thai zu 3 / 4 Mahlzeiten  pro Tag , möglichst zu geregelten Zeiten , zu überzeugen !  Aber ... warum auch ?  ???

und ... ich ess wirklich Alles hier !

Favoriten  :

Laab Muuh Tod

Phad Muuh sai tua

Muuh manau - höllisch scharf !

nam tok muuh  sai kao niau !   

das beste Grün Curry mit Chicken gibt es übrigens im Airport KKC !
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Gaeng am 19. Juli 2009, 22:17:58
@ Low

Lieber Low, alles, was Du schreibst, möchte man sich am liebsten ausdrucken und als Buch binden lassen, so interessant ist es und so lebendig beschrieben. Du kannst etwas, was Saint-Exupéry in einem der schönsten Erwachsenenkinderbücher geschrieben hat: „Man muss mit dem Herzen sehen.“ Bitte weiter so!

Antworten kann ich auf nix, leider, da ich nicht in Thailand lebe. Aber ich habe mal ein Essen bei einer Thai-Familie (Mutter und Vater beide Thai) miterlebt. Es waren gut 30 Leute eingeladen. Am Vortag hat sich die Frau Stunden und Stunden damit beschäftigt, aus fein geschnittenen Bananenblättern winzig kleine viereckige Körbchen zu flechten, jedes war ein Kunstwerk. Die Körbchen füllte sie mit einer weißen, rosafarbenen und türkisfarbenen Süßspeise. Am nächsten Tag standen die Frau und der Mann schon in aller Herrgottsfrüh gemeinsam in der Küche und kochten, einige Nachbarinnen halfen, die ganzen Zutaten klein zu schneiden.

Nachmittags kamen die Gäste, alle Altersklassen, bunt gemischt. Sofort bildeten sich - ganz selbstverständlich, ich staunte nur so! - zwei Lager: alle Frauen in dem einen Zimmer, alle Männer auf dem großen Balkon, es war ein altes offenes Thai-Haus auf „Stelzen“ am Meer, sodass der Wind angenehm durchzog. Diskriminiert fühlten sich die Frauen nicht die Bohne, das war ganz normal so.
Die Speisen - dabei viel frisches Seafood - wurden alle zugleich auf Matten am Boden angerichtet, man saß drum herum und aß und trank stundenlang und hatte Sanuk, es flossen auch Bier und Whisky in Strömen, nur bei den Frauen nicht. Ich pendelte zwischen den beiden Gruppen hin und her, saß mal bei den einen, mal bei den anderen. Bald kapierte ich, warum die Männer sich die Terrasse erobert hatten: War eine Flasche leer, wurde sie - schwupps! - über die Balkonbrüstung entsorgt. Am nächsten Morgen lag ein Berg von Flaschen da unten.

Die leckere Süßspeise in den Bananenblattkörbchen war innerhalb Minuten verputzt. Das Rezept fand ich in einem thai-amerikanischen Kochbuch:
Kanom Namdok My
3/4 Tasse Reismehl mit 1 EL Tapioka-Stärke, 1/2 Tasse Zucker und 1 Tasse Jasmin- oder Rosenwasser verrühren, durch ein feines Sieb passieren, Teile davon mit roter, grüner oder blauer Lebensmittelfarbe einfärben. Wasser im Steamer (Topf mit Siebeinsatz) zum Kochen bringen, leere kleine Teetässchen (oder Bananenblattkörbchen, falls man hat) auf den Siebeinsatz stellen, Deckel drauf, 3 Minuten erhitzen. Deckel runter, die Süßspeise in die Tässchen füllen, Deckel drauf, 15 Minuten dünsten. Abkühlen lassen, die Süßspeise mit Zahnstochern aus den Tässchen fischen und schön anrichten.

Aroy mak-mak, Gruß Gaeng 
   
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 19. Juli 2009, 22:57:07
@Blackmicha

Wärst Du so freundlich, einem lernwilligen Thailandfan zu erklären,
was man sich unter den von Dir genannten Lieblingsspeisen vorzu-
stellen hat? Khop khun khrap im voraus!  :)

mfg kmr
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Blackmicha am 19. Juli 2009, 23:47:36

Favoriten  :

Laab Muuh Tod  -  scharfe Buletten

Phad Muuh sai tua - gebratenes Pork mit grünen Bohnen in Art roter Curry sosse ( paneng )

Muuh manau - höllisch scharf !  gekochtes Pork in Zironen sosse mit Knoblauch und chilli / höllisch scharf und sauer !

nam tok muuh  sai kao niau !   pork mit basil und gerösteten reis ( gemahlen ) und Klebereis

das beste Grün Curry mit Chicken gibt es übrigens im Airport KKC !
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: peter51 † am 20. Juli 2009, 00:33:17
das beste Grün Curry mit Chicken gibt es übrigens im Airport KKC !

stimmt, und nicht nur das : das Kaijasai/stuffed Omlett dort war auch aroymakmak 8)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 20. Juli 2009, 01:25:08
Ich will ja hier als "Forenfrischling" nicht gleich lästig werden, aber gibt es beim
gemeinsamen Essen nichts was einem fröhlichen "Guten Appetit allerseits" ent-
spricht? Wird einfach locker drauflos gefuttert? Und wie ist das ab bei besonders
festlichen Anlässen wo evtl. Mönche anwesend sind?

Diese Dinge interessieren mich halt auch, damit man als Farang in so wenig Fett-
näpfchen wie möglich tritt. Ich habe zwar schon viel über Thailand gelesen,  aber
die Wissenslücken sind doch noch sehr groß.

mfg kmr
Titel: Tischsitten
Beitrag von: Low am 20. Juli 2009, 02:00:50
Tischsitten

Man futtert drauflos, ohne jegliche Anerkennung und Wünsche.
Wenn man redet, kann man ja nicht schlucken. Es ist wie beim Autorennen.
Wer zuerst fertig ist, hat gewonnen.
Wenn Mönche da sind, wird gewartet, bis die Mönche gegessen haben.
Die Reste sind dann fürs gemeine Volk.
Sofern man sich vollgefressen hat, sagt man nicht: "Danke sehr, es war sehr gut."
„Im läu“, genügt vollkommen.

Noch abstrakter ist es bei chinesischen Parties. Wenn die tausend Gäste an hundert Tischen beim letzten Gang
angekommen sind und den verputzt haben, stehen alle augenblicklich auf und rennen weg.

Ich sass im Rollstuhl. Zu Beginn gab es Cocktails und harte Drinks à discretion.
Der Alkohol wirkte schnell und die meisten Asiaten torkelten ziellos umher, fielen mit ihren vollen Gläsern über den Rollstuhl
und deckten mich und meine Kleidung, inklusive Krawatte und Schuhe, mit Schnäpsen und Cocktails ein.
Ich stank am Ende der Party schlimmer als eine Spirituosenhandlung nach einer Atombombenexplosion.
Sämtliche Taxifahrer weigerten sich danach, uns ins Hotel zu bringen.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Ozone am 20. Juli 2009, 02:18:44
Ich will ja hier als "Forenfrischling" nicht gleich lästig werden,....

Hallo Khun mai ru

Es gibt hier keine lästigen Forenfrischlinge
. Es ist jeder mit seiner Eigenart willkommen. Links-, rechts und politisch schnurzegaldenkende.  Wurscht !!! Wichtig ist meiner Meinung nach einzig die Konstruktivität in der Sache. Nur zu... :) !!!

Low war wie ich auch mal Frischling und zählt, zumindest für mich, heute mit seinen Erzählungen zu meinen bevorzugten Schilderungen. Vor allen  morgens  -   gibt einem manchmal einen anderen Input für den anstehenden  Tag.  ;)

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 20. Juli 2009, 02:47:03
@Low

Ich gehe davon aus, daß Du hier niemand veräppeln willst...Und ich tippe mal:
Von den Chinesen hat sich keiner entschuldigt, oder?

Also, wenn Du mit Worst-Case-Szenarien lebst, war das zwar etwas, was in die
"5%-Ecke" gehört, Du im übrigen aber sicher glücklich warst,  daß Dir die feinen
Gourmets - bei dieser Gelegenheit nicht auch noch ein paar Rippen brachen...

Ghin khao by F1 - und ich mache mir Gedanken wegen möglicher Fettnäpfchen. :)
Danke für die Info!

mfg kmr
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Ozone am 20. Juli 2009, 03:06:05
Ghin khao by F1 - und ich mache mir Gedanken wegen möglicher Fettnäpfchen. :)
Danke für die Info!

Sich dabei etwas denken ist immer gut. Vor was hast du denn konkret bedenken ?
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 20. Juli 2009, 05:29:20
@Ozone

Erstmal danke für Deine ermutigende Begrüßung.

Vorab; ich bin sicherlich kein "hauptamtlicher Bedenkenträger" und darum kann
ich das im Moment auch nicht auf eine Sache hin konkretisieren. Es ist eher so,
daß man - wie ich immer wieder las - in den Augen der Thais unbewußt vieles
"falsch" machen kann. Und offensichtlich habe ich den Begriff Kultur fälchlicherweise
auch auf die Esskultur bezogen.;-)  In der HiSo mag das anders sein.

Jedenfalls ist mir jetzt klar, warum mich meine Freundin des öfteren relativ
unsensibel anmotzte, wenn ich während des Essens etwas mit ihr reden wollte.
O-Ton "No speak - EAT !" - Klar auch, daß Lady immer "gewonnen" hat. :D

Dank Low und vielen anderen klugen Beiträgen hier werde ich mich sich immer
weniger wundern, immer mehr verstehen und tolerieren was ich sowieso nicht ändern
kann. Der Rest läuft dann unter mai bpen rai!

mfg kmr

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: hellmut am 20. Juli 2009, 05:59:36
Das kommentarlos "gefressen" wird ist IHMO ausschließlich nur bei den LoSo's üblich.
Kultivierte Thais wissen durchaus gutes Essen zu schätzen und sparen nicht mit Lob auf die Kochkünste des Gastgebers. Das man sich für das Essen bedankt ist ebenso selbstverständlich.

Allerdings kommen die wenigsten Farangs mit normalen bzw. gebildeten Einheimischen soweit in Berührung als das ihnen der krasse Gegensatz auffällt wie ordinär sich die "bucklige Verwandschaft" sowie deren Freundeskreis benimmt.  :-X
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 20. Juli 2009, 09:32:41


Dein Bericht jedenfalls war sehr appetitanregend und weil es ums Essen geht,
habe ich eine Frage zur Esskultur:  Fangen die Leute eigentlich immer wortlos   
an zu futtern? Ich habe noch nie bemerkt, daß da jemand so etwas wie Guten
Appetit wünscht.

mfg kmr

@kmr

ja, gibt es. Der Wunsch wird in etwa wie "tschoen" ausgesprochen.

Was soviel bedeutet wie: "greif zu"

In Laos wird nach einer uralten Legende Grossvaeterchen und Muetterchen zum Essen eingeladen. "Kommt, esst mit uns". Diese beiden haben einmal in uralten Zeiten unter Einsatz ihres Lebens die alte Tai-Rasse vor dem Untergang gerettet. Sie werden heute noch jaehrlich gefeiert.
Titel: Antworten
Beitrag von: Low am 20. Juli 2009, 16:33:56
@drwkempf
"Lieber Rolf,
erst mal wünsch ich Dir und Deiner Dick einen schönen Sonntag."

Danke Wolfram,
so schön werden leider unsere Sonntage nicht sein. Dick musste geschäftlich verreisen. Man versucht ihr wieder einmal,
wie alle Jahre wieder, ihren Grundbesitz um 150 ha zu verkleinern.
Ich wünsche Deiner Lady und Dir eine schöne Woche.


@Khun mai ru
Ganz klar ist das Diskriminierung. Speziell Lanna Essen entwickelt für westliche Nasen manchmal unübliche Düfte und Aromen.
So was kann man doch nicht im Haus haben, trotz effizienter Dunstabzugshaube made in Germany!
Dass ein Appenzeller- oder Limburger Käse in der Hitze annähernd wie eine Thai Deponie riecht, brauche ich eigentlich nicht
zu erwähnen. Trotzdem gibt Langnasen, die mit einem Stück Ziegenkäse im Mund und einem unbehandelten Fusspilz zwischen
den Zehen, schon vor einer Durian kapitulieren.

Hallo Blackmicha
Das Moo Manao, gebratenes Schwein mit Limonen, vergass ich leider, obwohl ich fast süchtig darauf bin.

@Gaeng
Danke fürs Lob:  „Man muss mit dem Herzen sehen.“
Im Hinduismus und Buddhismus nennt man das eher: Das dritte Auge.(1)
So hellsichtig bin ich wahrlich (noch) nicht.

Deine Geschichte ist eine wundervolle Ergänzung der hinterindischen Geschichten.
Die Entsorgungsart wurde bereits früher beobachtet und beschrieben.

@peter 51
Danke für die gefüllte Omelette. Mir läuft der Mund im Wasser zusammen.

Tischsitten
Bei den beschriebenen Tischsitten handelt es sich um Dorferlebnisse, Geburtstage und Sanuk Parties.
Oder denkt ihr, dass wir hier im Haus kommentarlos Tafeln, schmatzen wie die Schweine,
den Wein, wie durstige Büffel Wasser saufen, hinuntergulpen und ich mit einem krachenden Rülpser und folgendem
„Im Läu“ die Hausfrau zum Abwasch aufbiete?

Die Schnapsgeschichte spielte sich in einem der fünf Sterne Hotels an der Orchard Road in Singapore ab.  
Es waren etwa zweitausendfünfhundert Gäste an fünfundzwanzig Tischen eingeladen.

@Ozone
Gratuliere zur Beförderung und danke für die freundlichen Worte an unser neues Mitglied.

@Khun mai ru
Cocktails gehören nicht zu den Worst Case Szenarien. Ich war weder betrunken noch verwundet,
nur verwundert ob dem Gestank der Mischung.  Für Leberschäden habe ich seitdem volles Verständnis.

@hellmut
Bei den beschriebenen Tischsitten handelt es sich um Dorferlebnisse,
Geburtstage und Sanuk Parties. Die Einwohner sind meist Beamte in Verwaltung, beim Zoll, Lehrer oder
erfolgreiche Kleinunternehmer, keine bucklige Verwandtschaft.
Allerdings bemerkte ich bei den etwas höhergestellten Kreisen an verschiedenen Anlässen in Koolpuntville
und Royal View kaum bessere Manieren.
Die Häuser und Gärten waren bedeutend grösser. Anstelle reiner Selbstbedienung gab es liebreizende Assistentinnen.
Der Schnaps war teurer, die Cocktailkleider der Ladies waren neuer und die mehr schlecht als recht parkierten Wagen
gehörten einer höheren Preisklasse an.
Wir deklassierten uns selbst, weil wir per Fahrrad anreisten.

Mir stehen die einfacheren Dorfleute weit näher, als die arroganten Snobs und kleinkarierten Angeber in den
grossen bewachten Anlagen. Für Snob fand ich eine wunderschöne Erklärung:
Snob sei ursprünglich s. nob. geschrieben worden, als Abkürzung für „sine nobilitate“, lat.: ohne Adelstitel.

@profuuu
„Tschoen“ brauchen wir kaum. Mia versucht es mit: „E Guete“ und sehr oft: „Prost!“

@all
Ist eine erweiterte Zusammenstellung der Speisen Deutsch - Thai erwünscht?
Eventuell Deutsch, Englisch, Thai. Verwendbar als Spickzettel im Restaurant.
Beispiel:

Scharfe Garnelensuppe, Chili, Pilze, Ingwer, Zitronengras  - Tom Yam Goong
Gebratenes Huhn mit Cashew Nüssen, grünem Pfeffer - Gai Pad Med Mamuang



(1)
http://en.wikipedia.org/wiki/Third_eye
http://de.wikipedia.org/wiki/Drittes_Auge
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Snob


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 20. Juli 2009, 18:52:17


@all...Ist eine weitere Zusammenstellung der Speisen Deutsch - Thai erwünscht ?

@Low Ich meine, das ist eine gute Idee. Essen ist doch nun mal Topthema bei den
         Khon Thai. Du tust sicher "ein gutes Werk", nicht nur mich in dieser Hinsicht
         etwas sachkundiger zu machen.

         Wünsche allerseits eine gute Woche, kmr.
         
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: rio0815 am 20. Juli 2009, 19:22:06
Hallo Low,

habe in den letzten Wochen alle Beiträge hier im Thread (als Gast) gelesen,
und mich mal registriert, um ein DANKE loszuwerden.

Herrliche Ironie und Sarkasmus, grandios geschrieben!  :)

Mach bitte weiter so!

Gruß
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 20. Juli 2009, 19:30:24
Lieber Rolf,

"Snob sei ursprünglich s. nob. geschrieben worden, als Abkürzung für „sine nobilitate“, lat.: ohne Adelstitel."


Du liegst da fast richtig.

"Snob" ist tatsächlich die Abkürzung für "sine nobilitate". Damit ist aber nicht gemeint, daß der Bezeichnete keinen Adelstitel hatte, sondern daß er keine edle Verhaltensweise erkennen ließ, daß er nicht wie ein Edelmann erzogen war und sich "daneben" benahm.

Wolfram
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 20. Juli 2009, 20:12:18
Hallo low,

mir liegt eigentlich laufend was auf dem Herzen, wenn ich deine Essays lese. Denn das sind deine Beitraege mittlerweile im besten Sinne des Wortes.

Was mir auf dem Herzen liegt, ist eigentlich ein staendiges Lob ob deiner Beobachtungsgabe, deinen entsprechenden Assoziation und Reflektionen ueber Gesehenes, Gehoertes und persoenlich Erlebtes.

Weniger die Diskussion ueber den Inhalt. Ich weiss auch nicht warum.  Ich nehme es einfach dankbar hin, wenn mal wieder ein Beitrag von dir erscheint und freue mich beim Lesen, schmunzel, manchmal sogar lachend, aber nie schadenfreudig, sondern eher mit einem "jo, ha ha" auf meiner Stirn geschrieben.   

Oberflaechlich gesehen koennte man meinen, du beschreibst nur. Natuerlich aus der Sicht eines Europaeers in Hinterindien. Gerade das macht ja die Sache interessant fuer uns. Ich komme aber mehr und mehr zu der Ueberzeugung, dass du gruendlich reflektierst, bevor du dich einem Thema widmest. Mal von deinen offensichtlich sicher interessanten Gespraechen mit deiner Holden in diesem Zusammenhang abgesehen.

Uebrigens, auch wir sagen nicht "tschoen" vor dem Essen zueinander, sondern lediglich, wenn uns die Hoeflichkeit als ersten Schritt zur Versoehnung wg. vorangegangenen Unstimmigkeiten uebermannt.  ;D Dann gehen wir respektvoll miteinander um. Das ist das Signal zur Glaettung der Situation. Demnaechst werde ich die Hofsprache lernen...   :D Das waere dann der Ueberdrueber, he he.

Lese gerade den ersten von drei Baenden "Falcon" von John Hoskin. "Falcon ist die englische Uebersetzung fuer den griechischen Namen "Gerakis".  Er ist der Mann, der unter Koenig Narai in Ayutthaya und Lopburi im 17. Jahrhundert aussergewoehnliche Privilegien und als Aulaender eine Machtposition besass, die gleich nach dem Koenig kam. Die historischen Fakten werden in diesem Roman sehr praezise mit einbezogen. Interessant ist die Psychologie der Menschen Siams jener Zeit. Erstaunlich, wie wenig sich eigentlich seitdem geaendert hat. Da halte ich es mit Ferdinand. Erst die historische Sicht erlaubt eine intelligente Betrachtung der Situation heute.

Ich wuensche mir und dir, dass du uns noch lange erhalten bleibst, uns weiter mit deinen Essays erfreust und vor allen Dingen dein Leben geniesst.



   
   
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: namtok am 20. Juli 2009, 20:29:22
Hallo Low,

Zitat
Speziell Lanna Essen entwickelt für westliche Nasen manchmal unübliche Düfte und Aromen.

Da denke ich an Nam Pu.

Diese Pampe aus gestampften Reisfeldkrebsen ist weit weniger bekannt als der Pla Raa - Stinkefisch und stinkt auch nicht so da abgekocht und daher hygienischer, schmeckt aber fast genauso  >: ...

Khao Soi    :P statt Nudelsuppe jederzeit, exzellentes Lannafood auch ohne solche Geschmacksverstärker bringt meine Schwiegermama auf den Tisch:

Neben Nam Prik Ong und Gaeng Hanglay auch  gerne  Gaeng khanun   :P  aus junger Jackfruit  8)

Zitat
Man versucht ihr wieder einmal,
wie alle Jahre wieder, ihren Grundbesitz um 150 ha zu verkleinern.

Von meiner besseren Hälfte an Deine   das Angebot  ;) , ihren Grundbesitz um einen knappen Hektar ( 6 Rai) zu vergrössern, natürlich nur gegen entsprechende finanzielle Zuwendung  ;D ...

Das Grundstück  genau 1 km von der neugeteerten Cholaprathan Road entfernt zwischen Hangdong und Sanpatong ist für uns etwas weit vom Schuss  :-X, und jetzt im DACH- Land   erst recht...
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 20. Juli 2009, 21:45:55
@rio0815,

"habe in den letzten Wochen alle Beiträge hier im Thread (als Gast) gelesen,
und mich mal registriert, um ein DANKE loszuwerden."

Lieber Rio 0815,

das ist sicher einer der edelsten Gründe, sich in unserem schönen Forum registrieren zu lassen!
Sei also herzlichst willkommen.

In der Tat hat unser Forumsphilosoph mit seinen wunderbaren Geschichten in kurzer Zeit  fast alle anderen Threads hinter sich gelassen, wenn es um die Anzahl seiner begeisterten Leser geht.
Ich schließe mich da ganz dem Profuuu an, ein neuer Beitrag von Rolf is brightening up my day.
Du bist also ein hochwillkommenes Opfer in der Reihe der "Low-Süchtigen".
Viel Freude  am Mitlesen und Mitschreiben in unserem Forum.

Wolfram
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Blackmicha am 20. Juli 2009, 22:24:03
hier gibts ein grosses Angebot an Stinke Fisch :  Thalat Thai Rangsit

(http://lh4.ggpht.com/_vngpZxv7L_E/SlH1V30nRcI/AAAAAAAAGIY/jyLornTYfoM/s800/SDC12142.JPG)

(http://lh6.ggpht.com/_vngpZxv7L_E/SlH1X_LxV6I/AAAAAAAAGIc/1DpQsLUHSZ0/s800/SDC12143.JPG)

(http://lh6.ggpht.com/_vngpZxv7L_E/SlH1fsva9HI/AAAAAAAAGIo/9_Is9PKtU_A/s800/SDC12146.JPG)

alle Geschmacksrichtungen vertreten  :D ;D

(http://lh5.ggpht.com/_vngpZxv7L_E/SlH1l6jkApI/AAAAAAAAGI0/SlRuKdOwDgY/s800/SDC12149.JPG)
Titel: Sarkasmus und Snob
Beitrag von: Low am 20. Juli 2009, 22:54:28
@rio0815

Es freut mich, dass du meine Ironie und den Sarkasmus magst.
Vor etwa vierzig Jahren kannte ich eine hübsche Fee, die leider an meinen Gedanken verzweifelte.
Danke für den Dank.

@ drwkempf
Hallelujah, ich bin ein Snob!
Der Titel ist mir bedeutend lieber, als  Scheinheiliger ohne Scheinheiligenschein.
Ich bin kein Schwarzfahrer ohne Sicherheitsgurten mehr.

@Blackmicha
Danke.
Kannst du bitte die Geschmacksnoten nachliefern?

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 20. Juli 2009, 23:10:58
Lieber Rolf,

meine Antwort auf

"hurra, ich bin ein Snob!"

lautet

Quod esset demonstrandum  (Was noch zu beweisen wäre!)

Humor und bisweilen Sarkasmus verbunden mit einem stets wachen Adlerauge für alles um Dich herum erkenne ich wohl. Snobismus??? - da muß ich noch mal alles ganz aufmerksam von vorne l(n)achlesen (seufffffzzzz)!
Wolfram
Titel: Der Schlüssel zum Paradies
Beitrag von: Low am 21. Juli 2009, 14:52:05
Der Schlüssel zum Paradies

Hallo low,

mir liegt eigentlich laufend was auf dem Herzen, wenn ich deine Essays lese. Denn das sind deine Beitraege mittlerweile im besten Sinne des Wortes.

Was mir auf dem Herzen liegt, ist eigentlich ein staendiges Lob ob deiner Beobachtungsgabe, deinen entsprechenden Assoziation und Reflektionen ueber Gesehenes, Gehoertes und persoenlich Erlebtes.

Weniger die Diskussion ueber den Inhalt. Ich weiss auch nicht warum.  Ich nehme es einfach dankbar hin, wenn mal wieder ein Beitrag von dir erscheint und freue mich beim Lesen, schmunzel, manchmal sogar lachend, aber nie schadenfreudig, sondern eher mit einem "jo, ha ha" auf meiner Stirn geschrieben.   

Oberflaechlich gesehen koennte man meinen, du beschreibst nur. Natuerlich aus der Sicht eines Europaeers in Hinterindien. Gerade das macht ja die Sache interessant fuer uns. Ich komme aber mehr und mehr zu der Ueberzeugung, dass du gruendlich reflektierst, bevor du dich einem Thema widmest. Mal von deinen offensichtlich sicher interessanten Gespraechen mit deiner Holden in diesem Zusammenhang abgesehen.

Uebrigens, auch wir sagen nicht "tschoen" vor dem Essen zueinander, sondern lediglich, wenn uns die Hoeflichkeit als ersten Schritt zur Versoehnung wg. vorangegangenen Unstimmigkeiten uebermannt.  ;D Dann gehen wir respektvoll miteinander um. Das ist das Signal zur Glaettung der Situation. Demnaechst werde ich die Hofsprache lernen...   :D Das waere dann der Ueberdrueber, he he.

Lese gerade den ersten von drei Baenden "Falcon" von John Hoskin. "Falcon ist die englische Uebersetzung fuer den griechischen Namen "Gerakis".  Er ist der Mann, der unter Koenig Narai in Ayutthaya und Lopburi im 17. Jahrhundert aussergewoehnliche Privilegien und als Aulaender eine Machtposition besass, die gleich nach dem Koenig kam. Die historischen Fakten werden in diesem Roman sehr praezise mit einbezogen. Interessant ist die Psychologie der Menschen Siams jener Zeit. Erstaunlich, wie wenig sich eigentlich seitdem geaendert hat. Da halte ich es mit Ferdinand. Erst die historische Sicht erlaubt eine intelligente Betrachtung der Situation heute.

Ich wuensche mir und dir, dass du uns noch lange erhalten bleibst, uns weiter mit deinen Essays erfreust und vor allen Dingen dein Leben geniesst.

   

Danke Profuuu. Lobe mich nicht zu früh. Daraus könnten Hochmut und Einbildung entstehen.

Essays: Meine Vorbilder G. Benn, H. Böll, A. Camus, F. Dürrenmatt, U. Eco, H.M. Enzensberger, J. Gotthelf, Homer,
R. Katz, N. Kazantzakis, die verschiedenen Manns, Nietzsche und Orwell, F. Schiller, U. Sinclair, K. Tucholsky,
M. Walser und andere, hinterliessen sicher ihre unvergesslichen Spuren auf meiner Festplatte. Einige Inhalte waren
von Viren verseucht, die noch immer meine Denkmaschine beeinflussen. Dank Buddha habe ich keine Bibliothek mehr,
nur noch Fragmente, aber ein beinahe zufriedenstellendes Erinnerungsvermögen. Im Zweifelsfall hilft Google.

Die oft einfachen Geschichtchen sind Produkte stundenlanger Überlegungen, harter Wortklaubereien, manchmal
gesundheitsbedingt schlafloser Nächte, mit Gekicher meinerseits, wenn sich unverhofft eine Sternschnuppe
in den Hirnwindungen zeigt. Aber ich habe ungeheuren Spass daran, weil es offenbar Menschen gibt,
welche sich die Zeit zum Lesen, Überlegen, Reflektieren (2) und Geniessen gönnen.

Ich bin behindert, ähnlich oder mehr als seinerzeit Henri de Toulouse Lautrec. (3) Die Liebe zum Detail machte ihn
zum Schöpfer und Vater der Farblithographie. Wenn ich nur einige wenige literarische Farbtupfer im Bereich
Hinterindien hinterlassen kann, sind meine Aussagen mehr als gelungen.

Essay  (1)  Wiki:
„Die essayistische Methode ist eine experimentelle Art, sich dem Gegenstand der Überlegungen zu nähern und
ihn aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Das Wichtigste ist jedoch nicht der Gegenstand der Überlegungen,
sondern das Entwickeln der Gedanken vor den Augen des Lesers.
Viele Essays zeichnen sich aus durch eine gewisse Leichtigkeit, stilistische Ausgefeiltheit, Verständlichkeit und einen
nicht zu unterschätzenden Witz. Jeder neue Begriff wird eingeführt und vorgestellt. Handlungen werden chronologisch
erzählt und Zitate deutlich gekennzeichnet; meist ist es aber befreit von vielen Zitaten, Fussnoten und Randbemerkungen.
Zuweilen ist es auch schlicht eine stilisierte, ästhetisierte Plauderei.“
(@ hmh, zu viele Fußnoten und Querverweise. Ich will mich bessern, mehr feilen und weniger plaudern.)

Dies entspricht meinen beruflichen Überlegungen der letzten vierzig Jahre, die sich oft in einfache Formeln umsetzen liessen.
Einer meiner grössten, leider verstorbenen Lehrer, W. A. Hopper, Tulsa, Oklahoma, pflegte zu sagen:
„You can’t cheat (fool) mother nature.“
Ich versuchte oft, rein wissenschaftlich, über der Sache zu stehen. Aber meine Füsse waren stets festgemauert in der Erden. (4)
Oh, Hosianna, (5) wenn es nur Erde wäre. Ist aber es nicht. Ich bin gefesselt durch den Schlamm sich zersetzender,
oft stinkender Exkremente von Fast Food und Technologie. Vergass ich die Politik?

Ich bedanke mich für die guten Wünsche über das Erhaltenbleiben. Beim Geniessen musste ich in den letzten Wochen
schwerste Einschränkungen hinnehmen oder das letzte aller Abenteuer wäre programmiert gewesen. Noch habe ich
meine ungelösten Probleme damit.
Ohne Dicks Zuneigung und Unterstützung hätte ich längst aufgegeben. Eigentlich sind es jetzt Dicks Geschichten aus Hinterindien.
Leider ist sie zur Zeit abwesend. Ihre Transpiration, (6) oh nein, ihre Inspiration. fehlt mir!

Tschoen.
Ich denke, der respektvolle Umgang mit allem, ist der Schlüssel zum Paradies.

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Essay
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Reflexion_(Philosophie)
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Henri_de_Toulouse-Lautrec
(4)
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Lied_von_der_Glocke
(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Hosianna
(6)
http://de.wikipedia.org/wiki/Schwitzen

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 21. Juli 2009, 17:51:11
...der Schlüssel zum Paradis...

@Low

Ich habe lange auf diesen Text geschaut und darüber nachgedacht.
Der Schlüssel ist vielleicht auch in der Kombination Respekt UND Liebe zu finden.
Sie findet in Dick ja ihren speziellen Ausdruck und natürlich auch in Deiner Liebe
zur Sprache überhaupt.

Insofern sind Deine Geschichten auch ein Geschenk, dass heute noch viel wertvoller
erscheint, nachdem uns bewußt wird, zu welch hohem Preis es erkauft ist. Darum
denke ich auch, dass Deine erste Interpretation Deines Namens die richtige ist.

Mit respektvollem Gruß, khun mai ru


P.S.: Ich bin sicher, dass auch Toulouse Lautrec Freude an Deinen Stories hätte, wäre
        er noch unter uns. Aber wer weiß, vielleicht hat er ja einen besonderen Gast-Status
        und wartet wie wir auf weitere "Geschichten aus Hinterindien" ...

 



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: pierre am 21. Juli 2009, 20:29:52
will mich da nicht als besserwisser reinhaengen, nur soviel sei gesagt, in meiner familie ist "gin hai aroy krap" normal zu sagen, vor dem essen.

                    (http://img.dritimage.de/bilder/1244347537_koch_10.gif)

tschoen ist wohl mehr wie "welcome" im englischen zu verstehen.
tschoen saep ist im isaan gebraeuchlich, als guten appo.

                    (http://freegifs.123gif.de/affen/affe-0024.gif)

   
Titel: Viren
Beitrag von: Low am 22. Juli 2009, 18:05:01
Viren

Allgemeine Einführung: Viren sind im Gegensatz zu WC Papier eine absolut unnötige Erfindung.

Erst behaupteten die Macher in der Regierung, Schweinegrippe Viren seien kein Thema für Thailand.
Man ignorierte sie, nachdem die Nieten sie schlicht nicht verbieten konnten.
16.6. Das Gesundheitsministerium wies Angestellte des öffentlichen Dienstes und Mitarbeiter von Krankenhäusern an,
nicht mit den Medien über die Schweinegrippe zu sprechen. (Eindämmung der Viren.)
26.6. Nach den letzten offiziellen Meldungen erkrankten in Thailand über 1000 Personen an der Schweinegrippe,
mit steigender Tendenz.
Am 7.07. forderte man den Rücktritt des Gesundheitsministers. Warum Rücktritt, ich würde ihm den Vortritt lassen.
Nur eine Woche später fanden die Spezialisten heraus, dass die Krankheit nicht zu stoppen sei. Wozu auch?
Am Tag darauf wurden die staatlichen Schulen geschlossen.
Aber die Staatsmacht blieb am Ball:
16.7  Nachdem Ärzte und Pflegepersonal von der Regierung angewiesen wurden, nicht über die Anzahl der Fälle
von Schweinegrippe zu sprechen, wird die Regierung ab sofort offizielle Zahlen nur einmal pro Woche herausgeben.
Am 22. 7. sagte der Direktor des Gesundheitsamtes auf Phuket, Dr. Pongsawas Ratanasang, pro Tag gebe es nur
noch fünf neue Fälle der Schweinegrippe. Phuket hat die Schweinegrippe besiegt! (1)
Das ist klar. Die Insel leidet kaum am Virus. Nur Menschen werden infiziert.

Nach meinen Beobachtungen ist der Umgang mit Viren problematisch, weil jegliche Vorstellungskraft bei den Amtsstellen
und der Bevölkerung fehlt. (2)

 „Not the Nation“ schreibt, dass die Regierung 17 Milliarden Baht ausgeben sollte, um im berühmten Tempel von
Nakhon Si Thamarat 60 Millionen Amulette gegen Grippe herstellen zu lassen.(3)  Die Soldaten im Süden des Landes
müssen gegen Feindberührung ja ebenfalls Amulette tragen.

Dann gibt es die bösen Viren im Internet und im PC. Die kommen alle aus dem Ausland, wie die schweinemässige Seuche.
Bestialisches Zeug, das friedliche PCs zum Absturz bringt. Familienmitglieder arbeiten im Bereich der PC Problematik.
Virenentfernung inklusive Mundschutz und Desinfektion kostet zur Zeit dreihundert Baht, nicht pro Virus, sondern pro Gerät.
Auf richtig versauten PC entdeckten wir mehr als sechshundert Viren.
Die meisten Raubkopien in Chiang Mai sind verwanzt. Ich fand das Betriebssystem XP auf DVD mit eingebauten Trojanern.
Die Leute auf dem Lande sind dankbar, wenn sie nach einem halben Tag ihre reparierte und funktionierende Maschine
wieder abholen dürfen.
Nach einigen Tagen stehen dieselben Kunden wieder vor dem Laden, weil sie von ihren CD und DVD erfolgreich alle
die alten Viren wieder auf die Festplatte kopierten.

Vielleicht husten, rotzen und schniefen sie fiebrig mit dem kranken PC im Arm. Sie bringen zusätzlich zu den PC Viren
den H1N1 Virus ins Geschäft. Man sollte das nicht zu eng sehen:
Statistisch verbringt jeder Bundesbürger drei volle Jahre seines Lebens mit Schniefen und Husten.(4)
Das zeigt eindeutig, wie sinnlos viele Leute in Deutschland ihre Zeit nutzen. Können wir von Thais mehr erwarten?



(1) Tip Zeitung, mehrere Artikel:
http://www.thailandtip.de/tip-zeitung/nachrichten/news/phuket-hat-die-schweinegrippe-besiegt-fast//back/2/
(2) Maskenball im Paradies
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg62558#msg62558
(3) Not the Nation
http://www.notthenation.com/pages/news/getnews.php?id=810
(4) Schniefen
http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/art141,2405771
Allgemein: Schweinegrippe im Forum
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=2334.0
Hoffentlich haben die einen Virenschutz!

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 23. Juli 2009, 19:49:02
...beim Genießen musste ich in den letzten Wochen schwerste Einschränkungen hinnehmen...

@ Low

Mittlerweile habe ich schon viele Deiner "Geschichten aus Hinterindien" gelesen.
Bin jetzt bei Seite 9 und jede weitere Geschichte lese ich mit Bedacht, Freude
für mich oft neuen Erkenntnissen über das LoS außerhalb und innerhalb Deines
Gartenzauns.

In Deinen Erzählungen erlebe ich einen Menschen, der sicherlich als Allerletztes
lieber einen Tunnel verlängern würde, als sich über das Licht an dessen Ende zu
freuen. Darum, auf die obige Zeile bezogen, hoffe ich, dass Du immer wieder "die
Kurve kriegst" und es Dir inzwischen wieder besser geht.

mfg kmr
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: juerken am 24. Juli 2009, 10:21:28
Ich hab so c.90% seiner Beiträge gelesen keine Geschichte gleicht der anderen 

Wie macht der das bloß?  ???

Gruß Jürgen
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 24. Juli 2009, 11:25:28
Jürgen,

ich hatte Schwein. Die nicht gelesenen, restlichen 10 % gleichen sich wie ein Ei.
Ich habe ja die Beschränkung, nur 26 Buchstaben verwenden zu können,
nicht wie Thais oder gar die Chinesen.

Grüsse
Low


Titel: Internet Gebühren
Beitrag von: Low am 24. Juli 2009, 13:11:42
Internet Gebühren

Früher erhielt ich von MAXNET einmal im Monat eine sehr bunte Rechnung über 631.30 Baht für sogenanntes High Speed Internet.
Man bezahlte im Laden von MAXNET oder in einem 7-Eleven. In der Zeit vor Maxnet mit dem High Speed Internet, surfte ich
für 600 Baht mit einem Modem ein ganzes Jahr lang.
Wenn ein Brief der Firma in der Regenzeit etwas feucht wurde, war die Rechnung danach ein abstrakter Regenbogen.
Später wurde das Bezahlen einfacher. Man konnte dies praktisch bei jeder Bank erledigen. Ich suchte mir stets die Banken mit
dem kleinsten Kundenandrang aus.

Seit zwei Monaten versendet „TT&T Subscriber Services Company Limited“ vierseitige Rechnungen in einem Briefumschlag
von Maxnet. Teilweise sind sie 2 seitig bedruckt. Der Rechnungsbetrag ist unverändert.
Die Übertragungsgeschwindigkeit im Netz verbesserte sich trotz grossflächigen Versprechungen nicht. Im Gegenteil.
Sehr oft funktioniert die Kommunikation, vor allem mit dem Ausland, kaum.

Man muss ja die eingegangenen Zahlungen in etwas investieren. Auch wenn es bloss eine Papierfabrik ist. Nach meinen
Überlegungen handelt es sich pro Monat mindestens um einige hunderttausend Seiten. Bei Verdoppelung der Schriftgrösse,
eine willkommene Dienstleistung für sehschwache Rechnungsempfänger, liessen sich sechs Seiten mühelos bedrucken.

Die Zahlstellen sind nun eingeschränkt. Als Dick neulich bei TT&T Geld abliefern wollte, weigerte sich die Dame das Geld
entgegen zu nehmen mit der Begründung, wir seien zu spät. Die Banknote war neu und frisch aus dem Automaten,
also noch kaum mit H1N1 Viren verseucht. Sie erklärte schulmeisterlich, wir dürften den Betrag bei Tesco oder Krung Thai begleichen.

Die Service-Leistungen der Firma bei Störungen im Netz entsprechen der gediegenen Kundenabfertigung des Ladenpersonals.
Die Rufnummer des Call Centers sieht man nicht mehr in Grossschrift unten auf der Rechnung. Mit einer Lupe bewaffnet fand ich
sie gut versteckt, mitten im Rechnungsformular. Es lebe der Monopolbetrieb!

Ich befürchte,  dass wir in wenigen Jahren wieder Rauchzeichen oder Trommeln verwenden.
Abhörsichere Mitteilungen versenden wir dann mit Brieftauben.

Titel: Der Landvermesser
Beitrag von: Low am 25. Juli 2009, 21:28:46
Der Landvermesser

F. Kafka
Das Schloss (1)

„K. trifft in einem verschneiten Dorf ein, um dort eine Anstellung und eine Wohnung zu suchen. Er übernachtet im Brückengasthof.
Gleich nachdem er eingeschlafen ist, weckt ihn der Sohn des Kastellans (2) aus dem nahe gelegenen Schloss, fragt nach seiner
Aufenthaltsgenehmigung und überprüft die Angabe, er sei der neue Landvermesser, durch ein Telefongespräch mit der
Schlossverwaltung. Am nächsten Tag überbringt der Bote Barnabas einen Brief des Kanzleivorstehers Klamm, der K.'s Anstellung
als Landvermesser bestätigt. Man teilt ihm die beiden Gehilfen Artur und Jeremias zu, die angeblich schon früher für ihn arbeiteten
– doch Gehilfen hat K. noch nie gehabt.

Die Beamten der Schlossverwaltung verkehren nicht beim Brückenhof-Wirt, sondern im Gasthof Herrenhof. Dort lernt K.
die Schenkkellnerin Frieda kennen, die sich dem Fremden in den Bierlachen hinter dem Tresen hingibt, obwohl sie Klamms Geliebte ist.
Danach beabsichtigen K. und Frieda zu heiraten. Man tuschelt, K. habe sich an Frieda nur herangemacht, weil er damit rechne,
aufgrund ihrer Fürsprache einmal mit Klamm sprechen zu dürfen.

Obwohl es für einen Landvermesser nichts zu tun gibt, lässt Klamm K. ausrichten, man sei mit seiner Arbeit sehr zufrieden.
Der Dorfvorsteher erklärt K., dass dessen Berufung auf einen Irrtum vor einigen Jahren zurückgehe. Notgedrungen nimmt K. die Stelle
eines Schuldieners an und zieht mit Frieda ins Schulgebäude. Die lästigen Gehilfen Artur und Jeremias versucht er zu verscheuchen...

Franz Kafka zielt nicht auf konkrete Institutionen. Josef K. durchschaut die Gesetze nicht, nach denen das Gericht über ihn urteilt;
K. versteht nicht, wie das Dorf vom Schloss aus regiert wird – aber sie richten sich beide nach der anonymen, unnahbaren Autorität,
der sie hilflos ausgeliefert sind.“

Kafkas Schloss brachte Verwirrung in meine geordnete Welt. Ich hatte grosse mühe mit dem Text. Dennoch denke ich, Kafkas Werke
wären eine ideale Vorbereitung für Hinterindien. Kaum wegen dem Klima, eher wegen der undurchsichtigen Verhältnisse.
Ich denke mit Schaudern an den dunkelblauen Einband zurück, der ganz links unten im Büchergestell stand mit weiterem erschreckendem Inhalt.
Dürrenmatts Bücher waren Reisser. Kaffka war nicht langweilig, aber bedrückend düster, kafkaesk. (3) Mittelalter, es roch trostlos,
ausweglos nach verbranntem Hexenfleisch.

Dick besitzt ein grosses Stück Land, etwa vierhundert Kilometer von hier. Das bringt ihr seit Jahren nichts als Kummer und Ärger.
Sie investierte etwa eine Million und pflanzte Gummi. Vor der ersten Ernte wurde das Ganze abgefackelt.
Wir besichtigten die Parzelle vor einigen Jahren, ob sich das Gelände für Rebbau eignen würde. Als wir Kellereien besichtigten und
die ganze Problematik von Personal, Technik und Vermarktung begriffen, verzichteten wir wohlweislich auf jegliche Investition.
Jedes Jahr wird erneut von verschiedenster Seite versucht, das Land zu stehlen und umzuschreiben.

Auch dieses Jahr musste Dick fluchtartig verreisen, um ihren Besitz zu retten. Sie erhielt eine gesalzene Rechnung für
die Neuvermessung und sie sah sofort, dass die Grössenangabe des Grundstücks nicht stimmte. Nach zähen Nachforschungen
unter Beihilfe eines befreundeten Staatsanwalts,  ergab sich folgende Situation.

Der Landvermesser, verheiratetet, Kinder, mehrere Mia Noi in verschiedenen Ortschaften, logierte zwecks Vermessung einige Nächte
im Dorf und fand dort sofort eine feurige Geliebte, die offensichtlich arm wie eine Kirchenmaus war. Das ist in dieser Region der
übliche Standard, bloss dass es weit und breit keine Kirchen gibt. Dieser Staatsdiener und Landvermesser hatte offenbar Zugang
zu offiziellen Siegeln, Dokumenten und verschrieb Dicks Land sofort an acht verschiedene Familienmitglieder seiner neuesten Eroberung.
Von den wollüstig erregenden und stimulierenden Fähigkeiten solch einer ausserordentlich begabten Virtuosin vaginaler Sonderleistungen
kannst du nur träumen. Oder war der Mann  bloss ein einfältig unerfahrener, hinterindischer Liebeskasper, der bis dato an vorzeitiger Ejakulation litt?

Für mich ist alles Unverständlich. Ein Grundstücksamt ist doch ursprünglich eine vereidigte Amtsstelle und kein Selbstbedienungsladen.
Offenbar nicht in Korruptanien. Auf alle Fälle gab es ein paar Trittbrettfahrer, die sich für genügend Tea Money jeder Partei erkenntlich zeigen wollten.
Einige nach Besitz strebende Mitglieder buckliger Verwandtschaft warteten ebenfalls auf ein grosses Stück des Kuchens und hielten
sogar vor Morddrohungen mit bezahlten Killern nicht zurück. Ein freundlicher, schlecht bezahlter Profi rief an und erklärte, dass er für 10 000 THB
keine Kugel riskieren würden. Er dachten sich, vielleicht würde ich ein Mehrfaches für die Eliminierung der Auftraggeber bezahlen.
Dick entschied sich, das Land, bloss 150 ha, einem armen, aber fleissigen, verheirateten Onkel mit drei Kindern zu schenken. Vielleicht überleben wir es.
Weitere Recherchen gibt es aus gesundheitlichen Gründen, wie akute Bleivergiftung, Schädelbruch und Verkehrsunfall, zur Zeit nicht.
In den nächsten Tagen empfiehlt sich es sich für uns, sogar im Grossraum Chiang Mai besondere Vorsicht walten zu lassen.
Lieber an einer Schweinegrippe sterben, als an angewandter Missgunst oder an einem angedrohten Gewaltverbrechen. Ich bereitete mich darauf vor,
wenig willkommene Besucher mit Cocktails willkommen zu heissen. Die müssen ja nicht unbedingt aus dem Hause Raffles in Singapore stammen. (4)
In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich?

František Kafkas Schloss lässt Grüssen.  (5)


(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Schloss
(2)
http://www.google.com/search?hl=de&q=Kastellan&lr=&aq=f&oq=
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kafkaesk
(4)
http://en.wikipedia.org/wiki/Singapore_Sling
(5)
Franz Kafka, * 3. Juli 1883 in Prag, damals Österreich-Ungarn; † 3. Juni 1924 in Kierling bei Klosterneuburg, Österreich
http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Kafka


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 26. Juli 2009, 04:04:51
@ Khun Low

Schreibst Du eigentlich aus Thailand, oder aus Sizilien?

Vor einiger Zeit las ich, dass die Thais 13 Arten des Lächelns
haben. Wenn also nur eine Variante herzliche Zuneigung bedeutet,
könnte auch der beschenkte Onkel Probleme kriegen.

Ich war schon zu Beginn Deiner Geschichten erschrocken, ob der
aggressiven Missgunst, die da deutlich wurde. Plantagen abfackeln,
Leitungen anbohren usw. Und - das bringst Du immer noch bei der
Fünfprozentquote unter?

Low, ich denke eine Menge Leute hier wissen besser als ich, was
da abgeht und dass Daumendrücken alleine nicht genügt. Pass auf
Dich und Dick auf und kriege in jeder Hinsicht wieder Boden unter
die Füße! Auch wenn jetzt vielleicht hier manche grinsen werden;
ich mach´eine große Kerze für Euch beide an.

mfg kmr 
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 26. Juli 2009, 17:05:46
@ khun mai ru

Danke für die grosse Kerze. Haben wir im Haus wegen Stromunterbrüchen.
Eine grosse Flasche Schnaps gegen das Schlottern beim Zielen würde unter Umständen mehr bringen,
sicher solange ich nicht doppelt sehe.
Titel: Re: Der Landvermesser
Beitrag von: illuminati am 26. Juli 2009, 17:58:14
Der Landvermesser

Dick entschied sich, das Land, bloss 150 ha, einem armen, aber fleissigen, verheirateten Onkel mit drei Kindern zu schenken. Vielleicht überleben wir es.


Hallo,
da muss ich jetzt einmal nachfragen - 150 ha, (1 ha =10000m2) würde dann 150x10000=1.500.000m2 entsprechen, also ca. 940 Rai. Da auch in Hinterindien unter derzeitigen  Bedingungen der Landpreis nicht unter < 10000 Baht/ Rai liegen dürfte, reden wir hier von einer Summe von ca. 10 Mill. Baht rund 200.000 Euro.

Ich kenne zwar euren finanziellen Status nicht - aber für mich persönlich ist das eine Menge Geld und das sogar in Europa.
Das einfach zu verschenken ist aus meiner Sicht eine - ich sage es jetzt einmal so - sehr grosszügige Geste.  ???

Oder habe ich irgend etwas falsch verstanden ?
Gruss

Titel: Landvermesser
Beitrag von: Low am 26. Juli 2009, 23:23:30
@ illuminati

Du rechnest richtig. Der Krieg um das Land tobt, seit dem ich Dick kenne.
Für sie war es wichtig, dass das Grundstück in der Familie bleibt.
Sie verlor bei den sinnlosen Streitereien bereits etwa 2.5 Millionen. Das Geld ging einfach weg. Keiner profitierte.
Mit einer Knarre quasi am Hinterkopf ist es relativ einfach, grosszügig zu sein.
Für sie ist es auch kein Pappenstiel. Ihre Mutter besitzt das Nachbargrundstück mit ähnlichen Abmessungen.
Mutter ist ein paar Jahre älter als Dick. Bei ihrem Ableben dürfte sich der Streit potenzieren.
Mit einem echten Bargirl könntet ihr kaum in einen solchen Morast geraten.

Ich war nie ein sehr schlechter Schütze. Aber ich bin zu alt, um mit einem Karabiner im Anschlag im Dschungel
Tag und Nacht etwas Erde, die mir nicht gehört, zu verteidigen. Leider habe hier ich weder meine Artillerie noch
die Spezialmunition. Ich sollte wieder ein paar Combat Lektionen absolvieren. (1)
Ich beschränke meine täglich schwindenden Kräfte auf Dick und den hiesigen Besitz.
Sie hat noch etwa ein halbes Dutzend Liegenschaften, wobei keine annährend so gross ist.
In einem Rechtsstaat, mit gültigen Zeugenaussagen, wäre eine Klage und ein Verfahren problemlos.

Wir werden noch immer bedroht. Ich kenne die halbschlauen Schurken. Sie mich auch. Denen geht es rein ums Geld.
Ich nehme die Situation locker ernst. Wir haben soeben einige Passiv IR Schalter gepostet. Morgen gibt es Zielübungen
auf Katzen und Tauben. Die Tiere tun mir wirklich leid. Lieber Dick im Bett, als die Tauben auf dem Dach.

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Combatschie%C3%9Fen

Möglicherweise wiederhole ich mich:
Wieviel Erde braucht der Mensch? russisch, Много ли человеку земли нужно? Eine Erzählung von Lew Nikolajewitsch Tolstoi.
http://de.wikipedia.org/wiki/Wieviel_Erde_braucht_der_Mensch%3F


Titel: Die Räuber: Ein Trauerspiel
Beitrag von: Low am 27. Juli 2009, 18:26:45

Die Räuber: Ein Trauerspiel

Fortsetzung von: Landvermesser

Katzen und Tauben mieden wohlweislich heute meinen Garten.

Nach Auskunft der Anwältin, beteiligt sich nun der Staat an der Landverteilung.
Die wollen fünfzig Prozent, Onkel kriegt fünfzig und der Handel ist für Dick kostenfrei.
Da sind natürlich viele unzufrieden. Vor allem die gierig kläffende Meute.
Die wollen kein Land, weil sie zu faul zum Bebauen sind. Würden sie ein kleines Grundstück erhalten,
würde das sicher sofort veräussert. Denn Reis, Fisch, Geflügel und Gemüse erzeugt man nicht selbst.
Man müsste ja arbeiten. Die zarten Finger könnten schmutzig werden. Man stiehlt sich alles zusammen.

Die Forderungen, für was, wozu auch immer, gehen von 60 000 THB bis zur Million.
Eine hungrige Hyäne rief mich an und geiferte minutenlang lautstark ins Telefon, ohne dass ich viel verstand.
Als sie endlich Atem holen musste, fragte ich sie: „Was willst du denn eigentlich?“
Die Antwort war echt Thai: „Up to you.“
Die dachte wirklich, ich würde bezahlen.
Ich erzählte ihr darauf nicht gerade freundlich, aber um so ehrlicher:
„Wenn du Geld von mir haben willst, musst du mich vorher umbringen.“
Gesprächsende.

Diese Frau lieferte bereits interessanten Stoff für die Geschichten aus Hinterindien.
Ich warte gespannt auf ihr nächstes Kapitel.


Titel: Re: Landvermesser
Beitrag von: illuminati am 27. Juli 2009, 23:03:56
Du rechnest richtig. Der Krieg um das Land tobt, seit dem ich Dick kenne.

Wenn ich das richtig verstanden habe, sind die Problemverursacher keine Familienmitglieder. Ist die Familie deiner Frau nicht in der Lage oder Willens etwas zu unternehmen?


Zitat
Wir werden noch immer bedroht. Ich kenne die halbschlauen Schurken. Sie mich auch. Denen geht es rein ums Geld.
Ich nehme die Situation locker ernst. Wir haben soeben einige Passiv IR Schalter gepostet. Morgen gibt es Zielübungen
auf Katzen und Tauben. Die Tiere tun mir wirklich leid. Lieber Dick im Bett, als die Tauben auf dem Dach.

In TH lassen sich solche missliebigen Gesellen normalerweise durch ein angemessenes Honorar zurück in den Wiedergeburtskreislauf schicken (vielleicht sind sie im nächsten Leben bessere Menschen) - wäre so eine Investition nicht sinnvoller, in eurer Situation halte ich das für angemessen.

Gruss
Titel: Dank an die thailändische Zollverwaltung
Beitrag von: Low am 28. Juli 2009, 22:39:07
Dank an die thailändische Zollverwaltung         26. Juli 2009


Am 23. Juni schrieb ich prahlerisch, wie ich nach der Rückkehr vom Spital zusammen mit Freund Dong
am Steintisch Scotch vernichten würde. (1)
Einen Tag darauf musste ich nach 75 Milliliter Bier, das ist weniger als ein Deziliter, unplanmässig und
notfallmässig schnell mein Bett aufsuchen, weil sich das ganze Haus wie ein Karussell  um mich drehte.
Schottland und seine Destillate entrückten für mich darauf in die Ferne des Weltraums.
Erst am 14. Juli besuchte ich nach vielen anstrengenden Übungslektionen Dong. Er geizte nicht und
öffnete für mich eine schöne alte Flasche, während er selbst beim Red Label weiter machte. Dong arbeitet
beim Zoll und ist in Thailand nach mehreren Jahren harter Selektion mein einziger Freund.


Ich benötigte medizinische Hilfsmittel. Die Angebote im Spital waren sehr preisgünstig, aber leider
nicht auf dem letzten Stand der Technik. Ich fand im Internet eine Firma, welche die benötigten zeitgemässen
Artikel anbot. Die Frage war nur, ob sie das Ausland, in diesem Falle Thailand, beliefern würde.
Ich kontaktierte meinen Sachbearbeiter der Versicherung in der Schweiz telefonisch und erkundigte mich,
ob die Organisation Ware und Transport bezahlen würde. Mir ging es nicht sehr gut. Darum war ich sehr erleichtert,
als ich vernahm, dass es seitens der Versicherung betreffend Bezahlung keine Probleme geben sollte.

Vom Lieferanten erhielt ich die Nachricht:
Wir liefern auch Ware ins Ausland. Das ist so möglich. Für Auslandlieferungen bitten wir Sie, folgende Bedingungen zu beachten:
Export-Lieferungen sind in unserem Fall befreit von der MWST. Dem Empfänger entstehen bei der Anlieferung Kosten.
Diese unterscheiden sich je nach Ort. Wir können Ihnen leider keine Angaben machen, wie hoch diese in Thailand sind.

Darauf bestellte ich die Produkte per Email. Die Rechnung wurde direkt der Versicherungsgesellschaft zugestellt.
Ich befürchtete, dass ein diensteifriger Zollbeamter all die sterilen Verpackungen öffnen könnte und ich die Sendung
wegwerfen müsste. Ich hatte genügend Geld am Lager, um die mir unbekannten Importkosten abzugelten.
Gestern erhielt ich das Packet, Zoll- und Abgabefrei. Der sterile Inhalt war unberührt! Besten Dank meine Herren.


(1)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg59601#msg59601

(2)
Weniger glückliche Erfahrung: Diensteifer
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg61828#msg61828
Der diensthabende Zollbeamte sagte sich: „Köpfchen!“ Er öffnete die Verpackung nicht.
Sein Kollege benutzte die Röntgenanlage zu Belichtung der Filme.




Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Samuitilak am 29. Juli 2009, 16:46:33

Hallo Low,

da hast Du aber Glück gehabt.
Normalerweise braucht man für die Einfuhr medizinischer Produkte in
Thailand eine Zulassung der Food and Drug Administration. Die dauert lange
und ist teuer. Deshalb gibt es viele gute Produkte in Thailand nicht.

Hier ist die Zulassung meist mit dem Importeur verbunden und viele Firmen
finden es gar nicht toll, daß, wenn der Importeur bzw. Händler nichts taugt
und sie wechseln wollen, dann wieder eine neue Zulassung beantragt werden muss --C

Es kann aber sein, daß die Zöllner ein Auge zugedrückt haben, weil die Ware ja
nicht über einen Vertrieb oder ein Hospital eingeführt wurde, sondern privat.

Gute Besserung

Walter
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 29. Juli 2009, 22:23:19
@ Samuitilak

Danke für die freundliche Aufklärung.

Ich bin in meine Beiträgen immer etwas sarkastisch und akribisch übergenau und fühle mich so weit als möglich der Wahrheit verpflichtet.
Die Wünsche für gute Besserung sind willkommen.
Wenn ich aber ganz ehrlich bin, ist dies ausserhalb meiner Reichweite. Es handelt sich bei den Massnahmen bloss um eine Fristverlängerung.
Tage, Wochen, Monate?
Meine Zukunft wurde bereits 1957 von Spezialisten nach einem Unfall auf  sechs Wochen befristet.
Ich lernte, arbeitete, reiste um die halbe Welt, heiratete, baute ein Haus, pflanzte Bäume, zeugte Kinder
und wurde als letztes vom Schicksal nach Thailand torpediert. Was machte ich hier? Ähnliche Sinnlosigkeiten wie zuvor.
Wie mancher Junge beendete derweil sein Leben sinnlos mit einem Moped?
Wie viele sprangen von Balkonen, Brücken oder missbrauchten Plastiksäcke?

Vielleicht bleibt mir noch etwas Zeit, um meine Geliebte zu verwöhnen, ein bisschen Spass zu haben
und euch hoffentlich einige positive Geschichten zu erzählen.

Still going strong 
Low
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 29. Juli 2009, 23:05:17
"Vielleicht bleibt mir noch etwas Zeit, um meine Geliebte zu verwöhnen, ein bisschen Spass zu haben
und euch hoffentlich einige positive Geschichten zu erzählen."

Wenn's nach uns geht, mußt Du es noch eine ganze Weile aushalten!
Mit diesem ansinnen stehe ich hier sicher nicht allein :-) ;)

Wolfram

"Meine Zukunft wurde bereits 1957 von Spezialisten nach einem Unfall auf  sechs Wochen befristet."
...was einmal mehr beweist, dß nicht alle Ärzteirrtümer zu Lasten der Patienten gehen :D
Titel: Nachtruhestörung
Beitrag von: Low am 30. Juli 2009, 13:36:22
Nachtruhestörung         29. Juli 2009

Wenn ich mich des Nachts nach anstrengendem Tagewerk mit meiner Herzensdame zur Ruhe bette,
fühle ich mich wie im Paradies, mit einem Engel an meiner Seite.
Aber wenn ich des Morgens vor dem Augenöffnen mein Ohrensausen ohne Arpeggios (1)
und weitere Harfenklänge vernehme, weiss ich, dass ich trotz allem noch weit vom Paradies entfernt bin.
Zwischen diesen Ereignissen liegen Stunden. Stunden der Schmerzen. Stunden der Wahrheit.
Stunden seligen aneinandergekuschelten Schlafes.

Vor etwa fünfzig Jahren erfuhr ich zufälligerweise eine im Grunde banale, für mich jedoch erschreckende Tatsache.
Obwohl ich tief verletzt war, sprach ich nie mit jemandem darüber. Schamgefühle? Eigentlich war es Nonsens.
Ich vergass und verdrängte den Vorfall. Während Jahrzehnten dachte ich nie daran. Aber irgendwo
in meinem Körper nistete sich unbemerkt das Gift ein.
Letzte Nacht plötzlich erinnerte ich mich an diese Episode. Gefühle der Leere, des Ausgeliefert seins, absoluter Ohnmacht,
überfielen mich. Dagegen gibt es in den Flugzeugen dieser Welt Kotztüten. (2) Aber ich sass ja nicht im Flugzeug.
Ich lag im Bett. Verraten und verkauft.
Da umschlangen mich zwei zärtliche Arme. Ein warmer, weicher und sanfter Körper schmiegte sich an mich.
Das Toxin floss über die zarten Rundungen der Partnerin ins gegenstandslose Nichts. Ich konnte verzeihen,
vergeben und weiterschlafen.

(1)

Yngwie Malmsteen (Guitar Solo): Arpeggios From Hell   
http://www.youtube.com/watch?v=aS_IYe5JTZ4

(2)

http://www.kotztuete.net/
http://de.wikipedia.org/wiki/Spuckbeutel
Otto-Rieke, Gerd. Izmirübel. Das Buch zur Tüte. Verlag : Alabasta

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 31. Juli 2009, 11:50:24
Die Virtuosität von
Yngwie Malmsteen: Arpeggios From Hell   
http://www.youtube.com/watch?v=aS_IYe5JTZ4
verblüffte offenbar niemanden?
Ich frage ja nicht, ob euch der Lärm gefallen hat.
Ich erkundige mich auch nicht, ob sein Haartracht Anklang findet.
Aber ich dachte, anstatt eines Verweises auf Wikipedia  (Arpeggio), wäre ein Link
auf youtube sinnvoller.
Auf 200 Klicks erwartete ich eigentlich Kritik und wenn es nur eine Einzige ist.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 31. Juli 2009, 17:09:02
@Low

Nach meiner unmaßgeblichen Meinung ist ein Nichtantworten nicht unbedingt ein Indiz für mangelndes Interesse. Ich denke, die Menge der Klicks beweisen eigentlich das Gegenteil.
Abgesehen von sehr wortgewandten Vielschreibern haben sicherlich etliche Leute
 - wie auch ich - manchmal Probleme sich adäquat zu Postings zu äußern, die neben
einer sprachlichen Brillianz nun auch sehr persönliche Not deutlich werden läßt.

Ich kann es nicht besser ausdrücken, aber manchmal sind Menschen einfach sprachlos,  aber deswegen keineswegs teilnahmlos.

Die gleiche Erfahrung mache ich übrigens auch in einem Luftfahrtforum, wo es zwar nur um Technik, Fakten und Einschätzungen geht, aber das Verhältnis von Postern zu "Sehleuten" ist vergleichbar.

Low, ich wünsche Dir alles Gute,

mfg kmr
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 31. Juli 2009, 17:33:22
Brilliante Anmerkung, Khun Mai Ru,

Ich hätte das ganz ähnlich gesagt.
Was musikalische Vorlieben oder Abneigungen angeht (zumal in der Zusammenschau mit der Frisur? des Dirigenten), enthalte ich mich gern irgendeiner Bewertung,
zumal ich die Werke des Herrn M. nicht besonders mag (ganz vorsichtig ausgedrückt!).

Lieber Rolf,
die Anzahl Deiner Fans ist ja nachgerade schon phantastisch, Du näherst Dich unaufhaltsam der 30000, das muß Dir erst mal einer nachmachen.
Selbst die Bibelkundigen und sonstigen Schriftgelehrten können da nur (natürlich nur ohne unchristlichen Neid) bewundernd nach Thailands Nordwesten aufschauen ;)

Wolfram
Titel: Arpeggio
Beitrag von: Low am 31. Juli 2009, 22:50:32
Ich danke für die Stellungnahmen.

Anstatt rein theoretisch auf Arpeggios zu verweisen, wollte ich eher mit einem krassen Beispiel die Spielweise aufzeigen.
Yngwie Malmsteen ist einer der schnellsten auf seinem Instrument.
Mir persönlich gefällt die elektrische Gitarre nicht. Was ich damit demonstrieren wollte,
war die Fingerfertigkeit.
Es gibt Leute, die behaupten Malmsteen sei ein begnadeter Techniker, aber ein seelenloser Interpret.

In Zukunft werde ich Wikipedia sowohl als youtube zitieren. Auch die Bibel werde ich in nach Möglichkeit nicht vergessen.
Dann haben alle etwas davon.

Mir steht die Klassik wesentlich näher. Ein schönes Harfenstück zum Einschlafen ist eine Bearbeitung von Pachelbel:
http://www.youtube.com/watch?v=EVF4yhOfDK8
oder
http://www.youtube.com/watch?v=qWG9-eZ3alc&NR=1
Hier stimmen Technik und Interpretation.

Das selbe Werk auf dem Klavier:
http://www.youtube.com/watch?v=ABBzejbplVQ&feature=related

Im nächsten Aufsatz geht es dann wieder bedeutend weniger harmonisch zu.


Titel: Tempel und Selbstbetrug
Beitrag von: Low am 01. August 2009, 04:54:51
Tempel und Selbstbetrug

In der gedruckten TIP Ausgabe vom 27. Juli 2009  las ich auf Seite 9 unter dem Titel „Eine Nation von Gaunern?“:
„Eifersucht ist vielleicht nicht so offensichtlich, aber es ist Thais unmöglich kooperativ zusammenzuarbeiten,
obwohl dies bereits König Rama VI vorschlug.
Das beste Beispiel sind die Zehntausenden von Tempeln, die quasi nur Steinwürfe von einander entfernt gebaut wurden.
Anstatt sich in der Gemeinde auf den Standplatz für einen Tempel zu einigen, werden lieber zwei oder mehr Tempel gebaut.“ (1)

Dabei geht es kaum nur um Kooperation, sondern vielmehr darum, unsterbliche Verdienste im Jenseits zu erwerben.
Wenn einer skrupellos ein Riesenvermögen ergaunert und zusammengerafft hat, ist es oft die letzte Möglichkeit,
sich durch den Bau oder wenigstens an der Beteiligung am Bau eines Tempels, einen saubere Weste zu verschaffen.
Ich erlebe, wie sich zahlreiche Menschen keinen Deut um die Gebote Buddhas kümmern. Wie ungesühnter Mord, Totschlag,
Raub, Diebstahl und Ehebruch praktisch alltäglich sind. Fehlenden Respekt vor Lebewesen und auch von Sachwerten,
beobachten wir leider schon bei manchen Schulkindern. Morddrohungen und Betrug gehören zum üblichen Umgang,
nicht nur mit Ausländern. Die einzigen gepflegten Heiligtümer und stattlichen Denkmäler des Dorfes sind die Autos.
  
Die fehlende Moral im Lande wird eindrücklich dadurch demonstriert, dass die Regierung den Chef der Polizei, General Patchawarat
für einen Monat beurlauben will, um währenddessen wenigstens zu versuchen, den stümperhaften Attentatsversuch auf einen
der Anführer der Gelben, Sondhi, zu klären.
Nach letzten Meldungen unternimmt der Herr Polizeigeneral nun eine offizielle Auslandsreise. (2)

Einmal im Jahr wird Geld gesammelt. Jedes Mittel dazu ist recht, sogar das eigentlich unerlaubte Glücksspiel. Mit einer Art
Prozession wird dann das Zusammengescharrte möglichst werbewirksam mit zierlichen Geldbäumen, Musik, Lärm und Tanz
zum Tempel gebracht. Und die Götter staunen, ob soviel Barmherzigkeit, Wohltätigkeit, Herzensgüte und Nächstenliebe
und notieren im ewigen Buch die Namen der edlen Spender und die Beträge feinsäuberlich.
Je grösser und prunkvoller der Tempel ist, desto imposanter sind die Unterstützungsbeiträge, während kleinere,
ältere Tempel vergessen werden und oft leer ausgehen.
Ähnlich wie wir Bier kaufen, sichern sich viele Thais so zu Lebzeiten ihren Platz im Nibbana oder investieren mindestens
in einen zukünftigen Lotteriegewinn.

Dick sah bei ihrer Mahlzeitenaktion teilweise prekäre Situationen. (3) Es gibt zu viele Tempel. Ich fotografierte schon
vor Jahren Gebäudekomplexe ohne jeglichen Mönch. Wozu sollen die sich in abgelegenen Lokalitäten ohne namhafte  
Unterstützung durch die Bevölkerung für den Unterhalt abrackern und dazu mit schlechter oder gar ohne Nahrung darben?
Vor allem, wenn in der Nähe neue, farbenprächtige, glitzernde und gleissende Anlagen mit beinahe luxuriösen Lebensbedingungen
erstellt wurden.
Dazu fehlt es an qualifizierten und disziplinierten Mönchen.
Der beste Nachwuchs stammt oft aus den Hügeln, wo die Lebensbedingungen unter den armen Bewohnern sehr hart sind.
Diese Safranrobenträger bringen oft Kindermönche mit. Kleine, schlecht ernährte Buben aus ärmsten Verhältnissen,
zum Teil Waisenkinder, welche ihre Eltern bei Bränden, durch Krankheiten oder Waffengewalt verloren.
Wo sind ihre kleinen Schwestern?

In einem sehr alten und kleinen Tempel, fand Dick Neuzuzüger, die erst seit zwei Monaten dort lebten. Von unzähligen
Gebrauchsgegenständen hatten die neuen Bewohner keine Ahnung. Dick zeigte ihnen, wie man einen Staubsauger benutzt
und gab Anleitungen, wie man Zellen und Toiletten mit zeitgemässen Mitteln sauber hält.

In einem andern älteren Andachtsort mit Krematorium klagte ein fragiler ehrwürdiger Abt, es seien nicht genug Särge
für verstorbene arme Leute vorhanden und bat um Spenden. Wegen mangelnden Totenkisten könnten mehrere Leichname
nicht kremiert werden. Es bestehe eine Warteliste.
Warum ist die Sangha nicht in der Lage oder nicht bereit, wenigstens auf diesem Gebiet zusammen zu arbeiten? (4)

In einem weiteren Tempel fand Dick einige Frauen beim WC reinigen. Von Reinigung kann man kaum sprechen.
Die ungebildeten Weiber gossen pro Toilette eine Flasche zwanzig protzentiger Säure aus. Das war’s. Für solche Belange
benötigen wir in Euroland einen Giftschein.
Ob später den Mönchen beim Verrichten der Notdurft die Haut and den Füssen zerfressen wird, kümmert niemanden
und dass die Säure irgendeinmal ins Wasser gelangt, lernte man in der Schule nicht.

Aus Dicks einfachem Mahlzeitenservice entstand ein gewaltiges Anforderungsprogramm, dem die zarte Frau kaum
mehr gewachsen ist. Die Äbte scheuen sich nicht, Dick anzurufen und um Hilfe zu bitten.
Einer der Herren erkannte die Zeichen der Zeit und erwähnte in seiner Ansprache die anonymen, limitierten Dienstleistungen
einer Frau und bat die Gemeinde um weitere tatkräftige Unterstützung. Da kann er wohl lange warten.
Die Mentalität dieser Menschen zu verändern ist nicht einfach. Aber in ein paar Wochen überbringen sie mit viel Lärm
und Brimborium wieder ihre Geldbäume. (5)


Anmerkung: Sämtliche Fragen sind rhetorisch.


(1)
TIP 27.Juli 2009, Seite 9
http://www.bangkokpost.com/business/economics/19913/even-for-a-nation-of-thieves-it-s-never-too-late
(2)
http://www.bangkokpost.com/news/politics/150741/pm-patcharawat-to-go-abroad
(3)
Der Weg ins Nirwana (Nibbana) wäre mit Mahlzeiten gepflastert
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg62383#msg62383
(4)
http://de.wikipedia.org/wiki/Sangha
(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Brimborium



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 02. August 2009, 05:19:36
@Low

Der Geist ist willig,        ABER WO?
Das Fleisch ist schwach - UND WIE!

Nicht nur in Thailand und nicht nur im  Buddhismus.
Danke auch für diese hinterindische Realgeschichte!

Allerseits einen guten Sonntag,

mfg kmr
Titel: Grünfrieden gegen das Land der aufsteigenden Sonne
Beitrag von: Low am 03. August 2009, 10:31:57
Grünfrieden gegen das Land der aufsteigenden Sonne            Anfangs August 2009

Greenpeace ist eine 1971 von Friedensaktivisten in Vancouver, Kanada gegründete internationale politische
Non-Profit-Organisation. Sie hat den Umweltschutz zum Gegenstand. Sie wurde vor allem durch Kampagnen
gegen Kernwaffentests und Aktionen gegen den Walfang bekannt. Später konzentrierte sich die Organisation
darüber hinaus auf weitere ökologische Probleme wie Überfischung, globale Erwärmung, Zerstörung von Urwäldern
und die Gentechnik. Mit dieser teilweise problematischen Diversifizierung wurden mir die Aktivisten zunehmend
unsympathischer, obwohl für ich für gewisse Aktionen volles Verständnis habe.

Japan ignoriert ein Walfangverbot von 1986. Die Fischereiflotte tötete seitdem über 13.000 Grosswale.
Für 2007 setzte Japan eigenmächtig eine Fangquote für 1.010 Minkewale (160 im Nordpazifik + 850 im
Antarktis-Schutzgebiet), 50 Bryde- und 100 Seiwale, 10 Pottwale sowie je 50 Finn- und Buckelwale fest.
Die Fangquoten werden seit Jahren erhöht, und immer neue Arten, wie die bedrohten Finn- und Buckelwale, werden abgeschlachtet.
Walfleisch ist in Japan nicht ein dringend benötigtes Nahrungsmittel, sondern eine teure Delikatesse.
In japanischen Feinschmecker-Restaurants lässt sich nahezu jeder Teil eines Wales zu Geld machen.
Die Verkaufspreise betragen ungefähr 350 US$ pro Kilogramm Walfleisch. Wer isst denn schon ein Kilogramm?

Preise spielen für gewisse Leute schon lange keine Rolle mehr. Oder würdest du für ein Glas Bier aus dem schweizerischen
Jura in einer New Yorker Bar 25 Dollar hinlegen? Da fand ein findiger Brauer eine Geschmackslücke, dass sogar Leute in der
Schweiz für ein Fläschchen ab Brauerei 2400 THB bezahlen. Nur das Bier, die Aufwärterin nicht inbegriffen.
Zum Glück lebe ich in Chiang Mai. Bei der Wirtschaftsflaute kannst du zur Zeit für den Preis eine ganze Bar flachlegen.

Wir waren abends vom Spital auf dem Weg nach Hause. Mia parkierte den Wagen mehr schlecht als recht,
denn sie fühlte sich hungrig. Ich hätte auch gerne eine regionale Speise eingeworfen. Keine Chance, das nächste
Thai Restaurant war im ersten Stock. Für mich unerreichbar, etwa wie der Gipfel des Matterhorns.
Im Erdgeschoss vertrieb ein Japaner Sukiyaki, Teriyaki, Okonomiyaki,  Maki, Saki und andere kulinarische Spezialitäten,
womöglich aus Nagasaki. Der Mann war so liebenswürdig, uns in seinem Laden einen Tisch zur Verfügung zu stellen,
mit der freundlichen Aufforderung, wir sollen doch Thaiessen bestellen. Er rief die Bedienung im ersten Stock gleich selbst.

Nach dem Essen bedankten wir uns für die ausserordentliche Gastfreundschaft mit dem Versprechen, beim nächsten Besuch
japanisch zu Tafeln.
Letzte Woche war nihonesiche Küche angesagt. Auf dem Weg zum Restaurant akquirierte in dessen Nähe an einem Stand
Greenpeace neue Mitglieder.
Unvermittelt erkannte ich meine Gewissens-Probleme: Bei Greenpeace unterschreiben und ein paar Meter weiter bestelle ich
beim Japaner ein delikates Baby-Wal-Sandwich!
Nein bitte, eine Kawasaki. (2)

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Japan
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kawasaki_Heavy_Industries
(3)
Matthäus12,40-41
http://www.jesus.ch/index.php/D/article/317-Bibel/6364-Glauben_Sie_die_Geschichte_von_Jona_und_dem_Wal_wirklich/








Titel: Ein Fremdkörper oder zwei?
Beitrag von: Low am 05. August 2009, 10:55:40
Ein Fremdkörper oder zwei?         Ca. 2003

Von britischen Biertreffen her kannte ich den Mann in mittleren Jahren als starken Trinker und qualifizierten Lügner.
Seine stets gleichen Geschichten erzählte er je nach Bierpegel in Dutzenden von Variationen.
Zu Hause erledigte er jede Woche ein paar Karton Bier und eine Kiste Schnaps. Dabei war er als gut bezahlter Lehrer
dauernd in finanziellen Nöten.
Überall, wo ihm ein Bier offeriert wurde, fragte er nach kürzester Zeit nach einem Darlehen.
Seine Frau arbeitete bei anderen Farangs als Reinemacherin. Oft schaute er stets seine Kehle befeuchtend stundenlang zu,
wie sie arbeitete. Er scheute sich nicht, unaufgefordert als versierter Testtrinker die Kühlschränke ihrer Arbeitgeber
auf Tranksame zu untersuchen, bis sie ihn hinausschmissen.

Glücklicherweise konnte ich direkten Begegnungen meistens aus dem Wege gehen. Wenigstens bis an dem Tage,
wo er meine erste Unterkunft im Dorfe mietete. Er schleppte einige Kübel Farbe heran und ersetzte die teuren
Sanitärinstallationen, welche ich ungefähr ein Jahr zuvor austauschen liess, gegen Billigstangebote.
Ich fragte mich, wie er seine Investitionen wohl abwohnen würde, denn ich konnte an meinen Fingern abzählen,
mehr als drei Monate würde er es im Ort nicht aushalten.

Zwischen dem Gästehaus und dem Neubau blieb ich öfters bei Freund Dong hängen. Nach siebzehn Uhr sass
er am Steintisch am Strässchen, trank Scotch und wünschte sich Geselligkeit. Wir prosteten uns zu, während
Frau Pu in der Küche Leckereien richtete.
Da musste ich dann wacker mithalten. Pu ist keine Schnapstante. Aber einem Glas Wein war sie nie abgeneigt.
Einen guten Tropfen besorgte ich jeweilen in Minuten aus meinen Unterkünften. Schlussendlich ass und trank
das halbe Dorf mit. Einige Frauen brachten mit Schüsseln und Pfannen weitere Köstlichkeiten. Anstatt Behälter
und Gefässe brachten sie später mich nach Hause.

Das ging so lange gut, bis sich der angesäuselte Zweitfarang Gastrecht verschaffte. Dong wies nie jemanden weg.
Anfänglich hielt der Mann beim Schnaps mit. Auf Befehl schleppte danach seine Frau Bier an.
Dong ist Alkoholiker. Bier erträgt er trotzdem nicht, aber er spielte den starken Mann und hielt eifrig mit. Starke Schmerzen
trieben ihn am nächsten Tag ins Spital.

Es liess sich kaum verhindern, anfänglich bei einigen Bierorgien dabei zu sein. Als ich einige Zeit danach mit dem kranken
Dong sprach, der gegen seine Schmerzen bereits einige Zehntausend Baht im Spital ablieferte, stellte ich den
biergeeichten Engländer zur Rede.
In seiner verwahrlosten alkoholisierten Beschränktheit wollte er nicht einsehen, dass Dong kein Bier vertrug.
Ich bat Dong eindringlich, mit keinem Gast Bier zu trinken, weil es ihn krank mache.
Der Brite wurde wütend und meinte, ich könne keinem Thai verbieten mit ihm Bier zu bechern. Ich erklärte ihm, ich würde
noch im Dorfe leben, wenn er längst gegangen sei. Mir seien die Bewohner lieb und teuer. Einen Kranken mit Bier zu vergiften
sei strafbar, oder ob er sich mit Ärzten und der Polizei anlegen wolle.

Ich spekuliere, er verlor seine Stellen an den Schulen wegen seinen chronischen Bier- und Schnapsfahnen. Nach etwas mehr
als zwei Monaten zog er mit seiner Frau weg vom Dorf. Er eröffnete nicht all zu weit entfernt seine eigene Sprachschule im
neuen Mietobjekt, unmittelbar an der lärmigen Hauptstrasse.
Er macht eifrig Werbung für sein Projekt und zog dann gleich Schulgelder für drei oder mit Riesendiscount für sechs Monate ein.
Wenn mich jemand fragte, was ich denn von der Schule hielt, warnte ich die Leute, dass sie sicher betrogen würden,
denn die Schule würde keine drei Monate existieren. Meine Prognose war richtig.

Eine Schulgeschichte blieb in meinen Erinnerungen frisch. Dieser Englischlehrer
vergnügte sich eines schwülen Abends in mehreren Etablissements in der Loy Kroh Road. Er war schwer angetrunken
und lallte etwas von einem flotten Dreier bei sich im Hause.
Er fand eine mehr abgebrühte als abenteuerlustige Frau, welche sich mit dem überalkoholisierten Mann per Motorrad
Richtung Hangdong aufmachte.
Aus dem flotten Dreier mit Frau und Bargirl wurde nichts, weil er annähernd bewusstlos in die Falle kippte und gleich bis
am nächsten Morgen durchschnarchte, dass die Fenster zitterten.
Am Morgen wollte das Girl trotzdem Bares. Doch da war kein Satang im Hause. Sie musste sich gedulden, bis die Banken
öffneten und die blamierte Frau des geilen Säufers ein paar Baht Löhnung von ihrem Konto abheben konnte.

Kurz nach dieser Episode verschenkte er das Mobiliar an eine bedürftige Schule in den Hügeln. Der Schluckspecht wurde
danach weder an Bierfesten noch in der Loy Kroh je wieder gesehen. (1)

(1)
http://de.wiktionary.org/wiki/Schluckspecht





Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 05. August 2009, 22:56:12
@Low

Das schöne Porzellan...Manche Spechtarten  SIND SO !

Apropos teures Porzellan; hast Du eigentlich schon die
Thai/DACH/Speisekarte in Arbeit?

mfg kmr
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 05. August 2009, 23:22:45
Thai/DACH/Speisekarte in Arbeit?

Wir sind am Arbeiten.
Heute gab es Yam Nüah, nachdem wir vor zwei Tagen ein schönes Stück Rind ergattern konnten.
Ausnahmsweise war das Fleisch zart und delikat. Auch die verschiedenen Kräutlein, Salate, Chilis aus chemiefreiem
biodynamischem Eigenanbau, gedüngt mit frischem Kaninchenkot, waren blumig bombig.
Meine Frage an Mia dazu war, braucht es dazu die Fischsosse, oder nicht?

Aber bis alles gut zusammengestellt ist, dauert es, im ungünstigsten Fall zehn Jahre.
Ich kann nicht mehr als drei oder vier Speisen pro Tag verdauen.
Ich will auch nicht mit grossem Speichelfluss, vor Hunger in die Tastatur sappernd, am PC sitzen.
Für jede Hilfeleistung und Anregung bin ich deshalb empfänglich und dankbar.

Ein Bar Girl Report in den verschiedenen Lokalitäten im Vergleich wäre sicher weit erholsamer.
Krap
Low
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 05. August 2009, 23:44:49
Reiß Dich halt mal was zusammen !!

;-) kmr
Titel: Thai Menu Karte
Beitrag von: Low am 06. August 2009, 13:15:34
Unsere Thai Menu Karte (Deutsch Englisch Thai) ist mittlerweile auf vier Seiten angewachsen.
Noch bestehen grosse Lücken. Wir müssen weiterhin Kneipen besuchen. Das ist aufwendig und teuer.

Wer dringend Hilfe benötigt, dem empfehle ich das Magazin, Gratisbeilage, des gedruckten Tip.
Nummer 10, 2009, Seiten 18 und 19.

Wenn mir jede(r) ein Thai - Lieblingsgericht mitteilt, es dürfen auch mehrere sein, sind schnellere Fortschritte
zu erwarten.
Ich bedanke mich im Voraus.
Low
Titel: Speisekarte
Beitrag von: Low am 07. August 2009, 13:42:47
Speisekarte

Ich stelle mir ernsthaft die Frage, wo von leben Forenteilnehmer in Thailand?
Meine Anfrage um Mithilfe betreffend unserer Thai Ernährung stiess in vierundzwanzig Stunden auf rege Teilnahmslosigkeit.
Eine einzige private, um so wichtigere Mitteilung, fand sich im Briefkasten. Ohne dieses Mail wäre der Leckerbissen
"Muh daeng" vergessen worden.

Möglicherweise betrifft die Mitteilungsflaute ja nur Thai essen. Die Schwierigkeit der Umschreibung von Thai Namen
besteht und ich habe ein gewisses Verständnis. Wie ich aus den neuesten Beiträgen ersehen kann, trägt Maxnet
mit seiner Unfähigkeit, Daten schnell und sicher zu übermitteln, sicher eine Mitschuld!
Etwas anders sehen Umfragen und Inhalte betreffend europäische Lebensmittel aus.

Eine Frage nach Bratwurst in Phuket brachte vor einem Jahr immerhin 29 Antworten. (August 2008)
Brot war noch erfolgreicher mit 48 Meinungen. (Januar)
Blutwurst weckte im Februar 16 Mitglieder aus der Lethargie.
Der Bestseller war eindeutig der Leberkäse mit 65 Meldungen. (März)
Ebenfalls im März war der Käsekuchen mit 39 Beiträgen sehr gefragt.
All dies betraf nur Phuket, Samui und den Süden.

Eine italienische Pizzeria in Bangkok liess 15 Tippern das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Eine Frage nach Restaurants im Städtchen, von amerikanisch bis Zürich geschnetzeltes, rief im Mai immerhin 76 Meinungen hervor.

Der Spitzenreiter, für die Bayern ein Lebensmittel, für den Rest der Welt ein Getränk, ist Bier mit bis dato 104 Antworten.

Daraus schliesse ich, dass 60 Prozent der Mitglieder zum Bier einen Leberkäse geniessen.
Das Thai Essen lassen sie danach stehen. Richtig oder alles Käse?
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Isan Yamaha am 07. August 2009, 14:18:57
Auf meiner Speisekarte,ist nur Farang Essen.Ohne Bier!!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: rh am 07. August 2009, 15:34:28
Auf meiner Speisekarte,ist nur Farang Essen.Ohne Bier!!

So kannst Du aber nie ein richtiger Thai werden !!!    :D :D :D
rh
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Isan Yamaha am 07. August 2009, 16:19:36
Auf meiner Speisekarte,ist nur Farang Essen.Ohne Bier!!

So kannst Du aber nie ein richtiger Thai werden !!!    :D :D :D
rh

Mai Pen Rai,oder wie heist das? :D
Titel: Kaninchen
Beitrag von: Low am 08. August 2009, 18:04:43
Kaninchen                                              07.08.2009

Seit unserer Rückreise aus Sukothai im Mai, hoppeln einige Kaninchen im Garten herum. Die Farbe des Grases
wechselte auf dunkelgrün, ohne dass wir teuren Dünger streuen mussten.
Die Tiere fressen sämtliche Kanten und Ecken so sauber ab, dass es selbst für einen versierten Gärtner schwierig wäre,
die Präzision mit Werkzeugen nachzuahmen.
Schön ist, dass sie Unkräuter mögen. Jäten entfällt weitgehend. Aber sie vergreifen sich täglich an Farnen und
am Bambus. Das ist kein Problem, weil diese Pflanzen so schnell wachsen und ohnehin geschnitten werden müssten.
Weniger schätze ich es, wenn sie in den Töpfen der Orchideen sitzen und neue Triebe benagen.
Die giftigen Pflanzen wie Aronstab und Dieffenbachie meiden sie.

Es gibt mehrere Schlangen, Skolopender und Skorpione im Garten. Bisher gab es keine Probleme damit. Dennoch beklagen wir Verluste.
Dem ersten Kaninchen wurde von einem Miezekätzchen der Kopf abgebissen.

Das zweite Kaninchen hatte gerne Wasserpflanzen. Ich war erstaunt, als ich es nach einigen Tagen Angewöhnungszeit
ruhig vor einer delikaten Wasserpflanze auf Wasserpest und Wasserlinsen sitzend, mitten im Teich, gemächlich absaufen sah.
Leider vergassen wir den Fotoapparat!
Wir retteten es mit einem Fischnetz und setzten es zum Trocknen neben das Auto. Nach etwa vier Stunden badete
das unbelehrbare Viehzeug schon wieder. Solange wir dauernd Kontrollgänge absolvierten, war der Wasserpflanzenliebhaber
als militanter Nichtschwimmer kein Problem.
Als wir zum Einkaufen weggingen, ertrank das Kaninchen während unserer Abwesenheit aus drei Gründen:
A.   Es hätte vor dem Baden den Pelz ausziehen müssen.
B.   Es hätte einen Schwimmkurs besuchen müssen.
C.   Fehlende Schwimmweste, ein schweres Versäumnis unsererseits.
Wer hat Erfahrung mit Schwimmkaninchen?

Das dritte Tier, ganz klein, sehr hübsch und äusserst attraktiv, glänzend schwarz mit weissen Pfoten, bearbeitete eifrig
das Schutzgitter, bis es auf die Strasse entwischen konnte. Leider trottete Nachbars freundlicher Hund vorbei. Obwohl
diese Leute Christen sind, überlebte es die stürmische Begrüssung nicht. Genickbruch.

Jetzt haben wir noch zwei Tiere. Ein weisses und ein braun geflecktes. Die sind sehr anhänglich. Wenn sie die Haustüre
quietschen hören, rennen sie sofort zur Veranda. Wahrscheinlich warten sie auf Karotten und Salat.
Zwischendurch knabbern sie an Dicks Chili. Ganz sicher fressen sie die erreichbaren Blätter ab. Ob sie sich an den scharfen
Schoten vergreifen, kann ich noch nicht bestätigen.
Wir kauften seinerzeit einen Bock und vier Weibchen. Als das Weisse wiederholt das gefleckte Weibchen bestieg,
erwarteten wir Nachwuchs. Zur Zeit besteigt das gefleckte Weibchen das weisse Kaninchen. Nachkommen gab es bisher keine.
Wurden diese Tiere durch den Genuss von Chili heiss und sind nun lesbisch veranlagt, weil der Rammler bereits das Zeitliche segnete?
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 08. August 2009, 18:09:43
köstlich! Das Kaninchenleben scheint ja recht ereignisreich zu sein. Aber ein bisserl verblödet sind sie wohl schon  ;D

Stell mir das aber recht putzig vor, wenn sie da rumhoppeln.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: unsichtbar am 08. August 2009, 18:13:48
Ich finde das hört sich nach einem schlimmen Gemetzel an. Da stirbt ja eines nach dem anderen, einen möglichst skurilen Tod.  :o
Sag mal Low, was ist den die durchschnittliche Lebenserwartung eines Kaninchens in deinem Garten?

Titel: Kaninchen Antworten
Beitrag von: Low am 08. August 2009, 18:29:35
köstlich! Das Kaninchenleben scheint ja recht ereignisreich zu sein. Aber ein bisserl verblödet sind sie wohl schon  ;D

Stell mir das aber recht putzig vor, wenn sie da rumhoppeln.


Ja Profuuu...
Diese Tiere sind richtig angepasst und unterscheiden sich wenig von den andern Dorfbewohnern.
Nicht nur das hoppeln ist interessant.
Neulich kündigte ich mein Rentnerabo bei youporn.

Ich finde das hört sich nach einem schlimmen Gemetzel an. Da stirbt ja eines nach dem anderen, einen möglichst skurilen Tod.  :o
Sag mal Low, was ist den die durchschnittliche Lebenserwartung eines Kaninchens in deinem Garten?


Es sind nur sechzig Prozent Abgänger.
Für eine genaue Statistik brauche ich mehr Zeit.
Ich dachte sowieso an eine Polenta mit Zutaten während der Weihnachtszeit.
Die wird nun leider verschoben, die Weihnachtszeit.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: pattran am 08. August 2009, 18:34:11
Neulich kündigte ich mein Rentnerabo bei youporn.

Wau !!!!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Blackmicha am 09. August 2009, 01:17:29
Karnickel gibts bei mir nur in dieser Form ...

vorher

(http://www.der-einsatzplan.de/uploads/forum-19/7fa01e124d0bd9d29b87c52c810e6943.JPG)

nachher

(http://www.der-einsatzplan.de/uploads/forum-19/f6c637bfaca755332eab44c795145664.JPG)

 :D :D :D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: sanukk am 09. August 2009, 05:02:10
Ist ja  ein wenig kleiner geworden, das gute Stück:
Also das Rohkaninchen sah irgendwie vielversprechender aus, als das Gericht, was Du offenbar daraus gemacht hast.
Zu Kaninchen passen hervorragend Reis, Speck, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch etc., so ganz im Sinne der Paella aus Spanien.
Dein Knödelgericht wäre auf jeden Fall nicht meine Sache, womöglich noch mit Tütensauce dunkel? Echt durchschnittlich.......Die Sauce sieht jedenfalls wirklich nicht lecker aus, sorry about that. Da fehlt irgendwas.
Liegt vielleicht auch daran, dass ich grundsätzlihc kein Knödelfreund bin! Ich LIEBE  Kartoffeln und Reis. Keine Dickmacher.
Ausserdem: Das Auge isst mit.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 09. August 2009, 11:49:29
Das gehäutete Tier könnte eine Katze sein.
Früher auf dem Fleischmarkt mussten zur Identifikation die Pfoten am Körper belassen werden.
Ich hing die dann an meinen Silberpfeil, mein Fahrrad.
Ihr mögt es nicht glauben. Dadurch wurde es noch schneller.

Kaninchen in Rotweinsauce und Polenta, ein Gedicht.
Aus Pietätsgründen erwähnte ich in „Kaninchen Antworten“ nur die Polenta.

Low
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Isan Yamaha am 09. August 2009, 11:52:09
Karnickel gibts bei mir nur in dieser Form ...

vorher

(http://www.der-einsatzplan.de/uploads/forum-19/7fa01e124d0bd9d29b87c52c810e6943.JPG)

nachher

(http://www.der-einsatzplan.de/uploads/forum-19/f6c637bfaca755332eab44c795145664.JPG)

 :D :D :D

Ist das ein Hund ?? :D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Blackmicha am 09. August 2009, 11:56:35
womöglich noch mit Tütensauce dunkel? Echt durchschnittlich.......Die Sauce sieht jedenfalls wirklich nicht lecker aus

rezept schon mal hier :  http://www.chefkoch.de/rezepte/72961027346256/Wuerziger-Bierhase.html (http://www.chefkoch.de/rezepte/72961027346256/Wuerziger-Bierhase.html)

zur Sosse :  nix Tüte !!! >:(

nur mit Asiatischen Zutaten , mit schwarzer Soja paste für die dunkle Farbe ! Tapioka fürs andicken.

@ isaany

der Kopf sagt was anderes !  die Beisserchen unterscheiden vom dachhasen !  :D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: quaychang am 09. August 2009, 12:11:55
Na, das sieht doch (zumindest hinterher) lecker aus  ;)

Das mit der Katze wollte ich auch schreiben. Paragraph 1, kauf nie einen Hasen ohne Ohren  ;D

Aber Hund schmeckt nicht schlecht. Gibt es in der Mongolei oefters mal. Du must ihn allerdings marnieren  >:
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 09. August 2009, 12:18:37
Hi Blackmicha

Danke für den Tip mit der Tapioka.
Ich brachte von zu Hause Maizena mit.
Wo gibt es die Hasen?


Übrigens – die Thai Speisekarte umfasst dank einiger Hilfe
(auch von dir) nun sechs Seiten, ohne Wal oder Kaninchen.

Einen schönen Sonntag wünscht
Low
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Blackmicha am 09. August 2009, 13:53:59
@ low

was ist das mit der Thai karte ?  ich habs bis jetzt ( noch ) nicht geschnallt ?

wenn du Gerichte suchst , BILDER hab ich tonnenweise ! bin einfreak von solchen Fotos !


die Hasen  und manches exotische mehr gibts im Makro !
Titel: Speise Karte
Beitrag von: Low am 09. August 2009, 14:22:00
Blackmicha + Members

Die verflixte Arbeit begann mit

http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg63376#msg63376

Deine Antwort

http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg63398#msg63398

Dann khun mai ru

http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg63531#msg63531



@all...Ist eine weitere Zusammenstellung der Speisen Deutsch - Thai erwünscht ?

@Low Ich meine, das ist eine gute Idee. Essen ist doch nun mal Topthema bei den
         Khon Thai. Du tust sicher "ein gutes Werk", nicht nur mich in dieser Hinsicht
         etwas sachkundiger zu machen.


Seit damals bin ich an der Arbeit. Sechs Seiten. Pro Seite habe ich ein Kilogramm zugenommen.
Möchtest du eine Durchsicht und Kritik machen vor der Veröffentlichung.
Sollte sich jemand für die Korrekturen interessieren, kann ich das Word Dokument als Anhang zustellen.
kleinbunderlinerolf at hotmailpunktcom

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Blackmicha am 09. August 2009, 14:44:44
na dann will ich mal ne Kopie aus meinen Phone reinstellen :


Gung mä nam = nur schwänze 
Phad pig gähn muh sai tua = mit roten curry
Hed fah= gebratene pilze
Tom sep muh = suppe /gut   
Baa shon lui suan = fisch geil gekocht!
Phad muh sai satoor= mit art pistazien
Yam sam glaob = fritt getr pork mit salat <gut>
baa gapong =fisch m gedùnst gemûse in pfeffsauce
Lab goi= blutiges rindfl roh in blutsuppe
Som tam thai =papaya salat /  ohne Baala
Thord man gung = frittierte gung in ringen
Pat pack bung sai muh = gehacktes mit grunzeug
Patpet muh bah =pork mit cocos rot /
Pat bung = morning glory
nüa dead diau =frittiert 2 tage beef
muh tot gat thiem= reis mit fritt pork /
Tom yam mah mah =cellophan nudel mit gung kokos seafood/
Pat muh sai tua  = pork mit bohnen
tom yam mah mah sai muh  = nudel suppe cellophan
naam tok muh
tom pet=gekochte ente /
laab  pet /
patsiiyuu=nudel breit gebraten/
patkanah=pork+grunzeug /
phat thai =dünne nudel ohne suppe /
muh pak tua nooag= reis mit schwarte+sojaspr /
yam wun sen=scharfe glasnudeln/
muh manau = pork mit viel chilli

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: volkschoen am 09. August 2009, 14:51:37
Blackmicha, vielen Dank für Deine Info. Ich bin ebenfalls gerade dabei so eine Art Speisekarte Thai- Deutsch zu erstellen. Sehr nützlich und hilfreich
Gruß Volkmar
Titel: Thaispeisen Katalog
Beitrag von: Low am 10. August 2009, 13:44:54
                  LOW
Der kleine Thaispeisen Katalog

Deutsch  Englisch  Thai
Ausgabe 1 / August 2009

Die Verzeichnisse sind bestimmt unvollständig. Die Thai Schreibweise ist unterschiedlich wie Muh und moo für Schwein.
Ausgefallene Speisen wie Hunde, Katzen, Ratten, Schlangen, Elefanten, Affen und Raupen wurden (noch) nicht berücksichtigt.
Dagegen findet der fortgeschrittene Liebhaber Hühnerkrallen und Entenflossen.
Bei rohem Fleisch empfehle ich Vorsicht und Zurückhaltung.

Vorschläge und Ergänzungen sind willkommen.
Ich werde mir erlauben, in Zukunft den Katalog zu korrigieren und zu ergänzen.



Knabbereien                       Snacks

Gebratene Cashew Nüsse      Fried cashew nuts      med mamuang tod

Gebratene Frühlingsrollen      Fried spring rolls      popia  tod

Gebratene Erdnüsse              Fried peanuts      tua lisong tod

Gebratene Bananenscheiben  Fried bananas          gluai chab

Scharfe Thaisalate                Spicy Thai salads     Yam


Grüner Papayasalat                  Green papaya salad   som tam

Rindfleischsalat           Beefsalad                 Yam nüah

Tintenfischsalat                  Octopus salad       Yam plahmug

Gamelensalat                            Shrimp salad       Yam goong

Salat mit gehacktem Schweinefleisch, Isaan            Laab muh

Auch mit Huhn, Chicken - Gai, Ente, Duck - Ped, oder Fisch, Fish - Plah
oder weiteren im Isaan anzutreffenden Lebewesen.

Süss scharfer Salat mit Fisch und Garnelen
Sweet spicy salad with fish and shrimp                    Yam Bai Bua Bog

Glasnudelsalat mit Garnelen, Tintenfisch, Fisch, Knoblauch, Chili etc.
Spicy glass noodle salad, shrimp, squid, fish, garlic    yam wun sen


Eierspeisen                            Egg dishes                    Kai

Weich gekochtes Ei                  Soft boiled egg        kai luak

Hart gekochtes Ei                  Hard boiled egg       kai tom

Spiegelei                                Fried egg                 kai dau

Rührei                                   Scrambled egg          kai kon

Omelett mit Hackfleisch       Omelette with minced porc  kai dschiau muh

Omelett mit Chili sauce                                           Khai-Chiao

Reis                                        Rice                         Khao

Gekochter Reis                        Rice steamed            kao suey

Klebreis                                  Sticky Rice                kao niaoh

Gebratener Reis                       Fried Rice                 kao pad

Ungekochter, zerstossener, gerösteter Reis               Khao-Khua-Pon

Bratreis mit ..                        Fried rice with ..          Kao pad ...
  

Huhn                             chicken                    kao pad gai

Schwein                             pork                    kao pad moo

Garnelen                             Shrimps                    kao pad goong
         
Ei                                        egg                      Kao pad kai

Gemüse und Fleisch                  Vegetables and meat  Kao pad ruam mid
   
Omelett                              omelette                   kao kai djiau

Ananas, Fleisch und Gemüse      Pineapple                  kao pad sapparot

Suppen                                   Soups

Fadennudelsuppe mit Schweinshackfleisch
Noodle soup with pork                     guaitiau muh sap
   
Fadennudeisuppe mit Rinderhackfleisch     
Noodle soup with beef                     guatiau nüah sap

Fadennudeisuppe mit Fleischbällchen
Noodle soup with meatballs                      quaitiau luhg schin

Glasnudelsuppe mit Fleisch und Gemüse
Glass noodle soupwith meatand vegetables   kaeng dschued wun sen

Bandnudeln mit Fleisch und Gemüse
Noodles with meat and vegetables             rahd nah muh

Bandnudeisuppe mitTintenfisch   
Noodle soup with octopus                       rahd nah plahmug

Eiernudelsuppe mit rotem Schweinefleisch
Egg noodle soup with red pork             bami muh daeng

Reissuppe mit Fleisch und Gemüse   
Rice soup with meat and vegetables   kao tom muh

Reissuppe mit Tintenfisch oder Garnelen   
Rice soup with octopus or shrimps             kao tom plahmug,   goong
   
Scharfe Garnelensuppe mit Pilzen   
Spicy shrimps soup with mushrooms   tom jam goong

Hühnersuppe mit Kokosmilch
Chicken soup with coconut                       Tom Kha Gai

(Kokosnuss?) Suppe mit Schweinefleisch
Coconut Soup with pork                           Tom Kha Muu

Pilzsuppe von Soya Pilzen
Soy-Mushroom soup                                Tom Yam hed tua


Nudelarten:
sen mi = duenne Fadennudeln,
sen lek = dicke Fadennudeln,
sen jai =  breite Bandnudein

(Pikante) Thai-Gerichte                             (Spicy) Thai dishes

Seemuschein in Austemsosse
Clams with oyster sauce                                 hoi lai pad prig pao

Gebratene Nudeln mit Ei, Gemuese, Erdnuessen   
Fried noodles with egg,vegetables, peanuts             pad tai

Gebratene Bandnudein mit Fleisch und Gemüse   
Fried noodles with meatand vegetables             pad zih ju

Grobes Hackfleisch auf Reis, Sharf
Minced pork on a bed of rice, spicy              muh pad prig rahd kao

Schweinefleisch mit Limonen
Pork with Lime                                                 muh manao
Cake mit Bananenblüte, Papaya, Chili und Kräutern
Deep fried banana blossom, papaya, chili, herb cake     Krabongplee Malakor

Huhn                                               Chicken                         Gai

Grüner Curry mit Huhn in Kokosnussmilch
Green curry with chicken in coconut milk    gaeng kiau wan

Huhn mit Pilzen in Kokosnussmilch
Chicken and mushroom in coconut milk      tom ka gai

Hähnchenteile, Cashew-Nüsse, grüner Pfeffer
Fried chicken, cashew nuts, green pepper  gai pad mad mamuang

Gegrilltes Huhn
Chicken barbecue                                   Gai Yang

Reis mit Huhn, Beryani Style mit Kurkuma
Chicken rice, beryani style                      Khao-Mok-Gai

Huhn mit Massaman Curry
Chicken with Massaman Curry                 Massaman Gai

Hühner Krallen Salat
Chicken feet salad                                  Yam din Gai

Gebratenes Huhn mit knusprigen Knoblauch und Chili
Deep fried chicken with crispy chili and garlic    Gai tod prik

Ente      Duck                               Ped

Curry (verschiedene) mit Ente
Different Curries with Duck                      Kaeng .... Ped

Gegrillter Entenkopf
Barbecued duck head                              Yang hua ped

Salat von Entenflossen
Ducks feet salad                                     Yam din ped




Rind                                                 Beef                                  Nüah


Geschnetzeltes Rind mit Knoblauch und Pfeffer      
Sliced beef  with garlic and pepper      nüah gratiam prig tai
   
Geschnetzeltes Rind mit Austemsosse   
Sliced beefwith oystersauce                nüah nahm man hoi

Geschnetzeltes Rind suess-sauer mit Gemüse
Sliced beef sweet/sour with vegetables    pad piau wahn nüea

Gebratenes Rindsgehacktes an süssem Basilikum und Chilli
Minced beef fried with basil                      Kra prau nüah

Blutiges Rindfleisch roh, in Blutsuppe
Raw beef in blood soup                            Laab goi

Schwein                                            Pork                                 Moo

Schwein mit Pilzen
Sliced pork with mushrooms                    muh pad hed fahng

Geschnetzeltes Schwein süss-sauer mit Gemüse
Sliced pork sweet/sour with vegetables     pad piau wahn muh

Schweinefleisch mit Limonen und Chili
Pork with Lime and chili                           muh manao

Schweinbauch Curry burmesischer Art
Pork belly curry burmese style                  Kaeng Hanglay

Rotes Schweinefleisch                              Muh daeng
Chinesisch: Char siuw, phantastisch auch als Dumplings

Scharf gewürzte Hackfleisch Buletten
Spicy minced  fried pork                           Laab muh tod

gebratenes Scheinefleisch, grünen Bohnen, rote Curry sosse ( paneng )
Sliced pork, green beans and red curry      Phad Muuh sai tua

Schweinefleisch mit Basilikum
Pork with basil leaves                               nam tok muuh

Schweinsgeschetzeltes mit Knoblauch und Chili gebraten
Sliced Pork with garlic and Chili                 Muu tood kratiam prik thai



Aus Fluss, See und Meer                      Seafood

Gebratene Garnelen mit Spargel
Fried shrimps with asparagus             gung pad noi mai farang

Gegrillter Meeresfisch
Grilled ocean fish                           plah talae pau

Im Gemüse gedünsteter Flussfisch      
Riverfish, steamed in fresh vegetables    plah pae sa

Gebratene Gamelen            
Fried shrimps                                     goong tod gratiam prig tai

chinesische Reisnudeln mit Fisch-Curry-Sauce
Chinese Noodles with fish curry sause       Chiin Nam Ya

Schlangenkopffisch in saurem Curry
Serpent head fish in sour curry                 Plah chon kaeng som

Knuspriger Wels mit Basilikum
Catfish crispy fried with basil                     Pad ga pau glob

Tab tim Fisch, gedämpft mit Gemüse und Chili
Red ruby fish steamed, vegetables, chili      Pla tab tim nung nahm prig ta dang

Gemüse                                                Vegetables                     Pad

Gemischtes Gemüse, angebraten   
Fried mixed vegetables                 pad pag ruam

Wasserspinat mit Chili, Knoblauch und schwarzen Bohnen Phak-Bung-Fai-Daeng

Chinesischer Broccoli gebraten an Austernsauce
Chinese broccoli fried with oystersauce      Kanaa Pad nam mau hoi

Gebratenes Gemüse süss/sauer
Fried vegetables sweet/sauer                    Pad priau Wan

Gebratene Broccoli, Maiskölbchen, Pilze, Knoblauch, Frühlingszwiebeln
Broccoli, baby corn, mushrooms, garlic, fried        Pad Paak Ruamit

Gebratene Pilze
Fried mushrooms                                                   Hed fah

Wasser Spinat
Morning glory                                           Pat bung


Curry                                                       Curry                 Kaeng

Grüner Curry                                           Green Curry       Kaeng Khiao Wan

Roter Curry                                             Red Curry          Kaeng Phet,
  
Erdnuss-Curry                                         Peanut Curry      Kaeng Phanaeng

Jack Frucht Curry                                    Jackfruit Curry    Kaeng khanun

Moslem-Suppe – Curry Masaman              Curry Masaman   Kaeng Masaman

In den Curries werden verschiedenste Fleischsorten verarbeitet.

Fladenbrot                           Flatbread, Pita                    Roti

Fladenbrot (Ursprung Indien)      Chapati                     Roti

Roti mit Curry-Sauce                                                  Roti-Kaeng

Roti mit Schweinefleisch gehackt                                 Mataba

Roti mit Bananenscheiben                                           Roti-Kluay

Nachspeisen                             Desserts

Eiskreme                                  lce cream                 Ice cream

Fruechtesalat                              Fruit salad           salad ponlamai

Klebreis mit Suessmango   Glutinous rice with mango Kao niau mamuang

Fritierte Banane                      Fried banana           gluai  tod

Süssspeise aus Tapioka und Reismehl                         Kanom namdok my

Zutaten                                   Spices


Butter                                     Butter                noei

Chilipulver                              Chili powder      prig pon

Zucker                                    Sugar                      nam tahn

Essig mit Chili                    Vinegar with chili      nahm som prig dong

Oel                                     oil                          nahm man

Fischwuerze (Salzersatz)     Fish sauce                nahm plah

Rote Chilisosse              Red chili sauce      sohs prig

getrocknete Chili, Hackfleisch, Tomatensauce         Nam Phrik Ong

Grüne Chilisosse                  Green chili sauce       nahm plah prig

Gemahlener Pfeffer              Grounded black pepper   prig tai

Salz                                  Salt                                 gluea

Eis                                     Ice                             nahm kaeng



Mit bestem Dank an:
TIP Magazin
Tip Mitglieder
Restaurants
Heimische Küche

Leider ging die Formatierung aus Word.doc etwas verloren.

Mahlzeit
E Guete
Enjoy your meal





Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 10. August 2009, 19:23:25
Lieber Rolf,

Besten Dank, das wird mich weiterbringen. Hoffentlich verstehen die Servicekräfte, was ich da zu bestellen versuche. ;D ??? >:

Einmal bin ich allerdings schon gestolpert:

"Schweinefleisch mit Basilikum
Pork with basil leaves                               nam tok muuh"

Nam tok war bei mir immer ein Wasserfall ???

Wie passt das mit dem Basilikum zusammen?

Wolfram

Titel: Nam tok muu
Beitrag von: Low am 10. August 2009, 19:48:50
Hallo Wolfram

Der Lektor fehlte. Der Wasserfall ist aber dennoch lecker.
Danke für die Anfrage. Der Fehler wird in der nächsten Ausgabe korrigiert,

Nam tok muu
Schweinefleisch, Thaiminze, Koreander, Zwiebel, Chili, Kraut,

moo pat ga-prao.
Schweinefleisch mit Basilikum

Mahlzeit
Low
Titel: Der Koch
Beitrag von: Low am 11. August 2009, 16:07:26
Der Koch                                               11. August 2009

Im kleinen Dorf an den frisch angepflanzten Reisfeldern gibt es zahlreiche gute Köchinnen. Die haben ihr
Handwerk kaum in der Schule oder in einer Hotelfachschule, sondern von ihrer Mutter gelernt. Einige von
ihnen bieten ihre schmackhaften Häppchen an der Strasse an.
Dennoch gibt es einen richtigen Koch. Betreffend seiner Ausbildung oder der Qualität der Speisen kann
ich nichts sagen. Ich erlebte nur, wie er mehr trank, als er vertrug. Alsdann wurde er zum Bierfüssler.
Meistens sah ich ihn, wie er seine blendend weisse Berufskleidung trug, sich aufs ölig verschmutzte Moped
setzte und ab ging es, quer durch die Emissionen des Strassenverkehrs, zum Arbeitsort, dem Flughafen.
Das hatte mit Küchenhygiene wenig oder nichts zu tun, aber an so etwas denkt hier keiner.

In letzter Zeit baute sein Arbeitgeber, Schwerpunkt Luftverkehr, krisenbedingt etwas Personal ab.
Er sieht es selbst. Er hängt in der Küche herum und hat kaum etwas zu tun. Er befürchtet, dass er
seine Stelle ebenfalls verlieren könnte. Möglicherweise kriegte er den violetten Brief bereits.
Als hinterindisches Pokerface und professionelles Schlitzohr hält er bewusst seine Klappe.

Letzte Woche lud er Dick in sein Haus ein. Er zeigte ihre eine Sitzgruppe mit einem Tisch, alles schönes
Teakholz. Die wolle er für fünfzigtausend Baht verkaufen, meinte er beiläufig. Nach Dicks Beurteilung ist
das Holz gut, die Verarbeitung jedoch lausig wie üblich. Den Preis fanden wir beide überrissen.
Sie erzählte ihm, dass wir keine weitere Innenausstattung benötigen. Alle unsere Häuser seien voll möbliert.

Er erklärte ihr, dass er als leidenschaftlicher Fischer etwas Land mit einem Teich kaufen möchte. Gegen
Gebühr könnten dann Besucher bei ihm angeln. Er würde ein kleines Restaurant bauen und den frisch
gefangenen Fisch gleich zubereiten.
Dass er damit nicht der Erste in der Region Chiang Mai wäre und harte Konkurrenz drohte, überlegte er kaum.
Für uns war die Teak-Holz-Teich Geschichte erledigt. Aber wir machten die Rechnung ohne den Koch.

Am Montag früh vor sieben Uhr klingelte er beharrlich. Er brauche Geld. Er müsse die Sitzgruppe dringend
verkaufen. Dick sagte ihm, dass wir seine Möbel wirklich nicht benötigen. Er blieb hart und bat sie, mich
doch noch einmal zu fragen.
Sie sandte ihn weg.
Eine halbe Stunde später hörten wir sein Moped wieder. Er klingelte erneut. Wir antworteten nicht.
Für Geld sind Banken zuständig.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: farang am 11. August 2009, 16:28:01
Ja,ja wer Geld hat,hat viele Freunde und wenn du viele Freunde hast brauchsts auch viele Möbel. :D :D :D
Titel: Drucken der Speisekarte
Beitrag von: Low am 11. August 2009, 20:06:26
Drucken der Speisekarte

Geht auf die Seite in Geschichten aus Hinterindien.
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg67288#msg67288

Markiert den Text mit der Maus.
Das Markierte wird blau.
Drückt Ctrl C. (Kopieren)
Geht auf Word, öffnet eine Seite,
Drückt Ctrl V. (Einfügen)
Der Text ist auf drei Seiten verteilt.
Mit etwas Gefühl schafft ihr es, die ganzen Texte auf ein A4 Blatt zu drucken.
(Vorder- und Rückseite).
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Rangsit am 11. August 2009, 22:15:11
super  :-)  :-) danke

gruss
rangsit
Titel: Düstere Zeiten
Beitrag von: Low am 13. August 2009, 14:03:12
Düstere Zeiten                                  13.August 2009

Das Leben im Paradies wird zur Hölle, wenn man unvermittelt nur noch  Abgründe sieht. Plötzlich fühlt
man sich ausgeliefert an unfähige und korrupte Instanzen und Behörden. Die eigentlich üblichen
Verordnungen und Gesetze werden zur persönlichen Bedrohung. Dann braucht es nur noch kleinste
Spannungen in den persönlichen Beziehungen und man fragt sich: „Warum lebe ich eigentlich noch hier?“
All die Vorzüge des Gastlandes und die Annehmlichkeiten werden übereilt vergessen. Aus hübschen,
Sex verkaufenden jungen Frauen, entwickeln sich blitzartig hässliche Fratzen abzockender Weiber des
Gunstgewerbes. Man misstraut dem engsten Kreise, hat keine Freunde mehr und die einzigen wahren
Kumpels sind zehntausend Kilometer entfernt.
Die eigentlich angenehme Behausung mutiert zur miefenden Bruchbude. Die lebenswichtigen
Internetverbindungen klemmen und sind zu langsam. Im ursprünglich schönen Garten wächst nur noch
Unkraut. In den Büschen verstecken sich Moskitos, die Denghi, Chikungunya, Gelbfieber und Malaria
verbreiten. (1) Am Boden wimmelt es von Giftschlangen, Skolopendern, Kröten und Skorpionen.(2)
Das eigentlich delikate Essen ist zu scharf, stinkt nach Fischsauce und ist kaum lauwarm, wie die Pisse,
die sie hier Bier nennen.
Man traut keinem und fühlt sich an Leib, Leben und den knappen Finanzen bedroht. Man zweifelt, ob im
akuten Krankheitsfalle eine professionelle Betreuung gewährleistet sei, oder ob es sich empfiehlt, im Notfall
in die Heimat zu reisen.
In unseren dunklen Gedanken tobt ein Kleinkrieg: Thais gegen alle Ausländer.
In Wirklichkeit ist es doch ganz anders, freilich nicht viel angenehmer: Einzelne Thais gegen alle. Das zeigt sich
eindeutig bereits im Strassenverkehr.

Vor viele Jahren vergaffte sich in Thailand ein Amerikaner in ein funkelndes Filmsternchen. Donnerwetter, war
die strahlend hübsch. Er tat alles für die junge Schönheit, heiratete sie und brachte sie mit ins damalige Land
der unbegrenzten Möglichkeiten. Er häufte Berge von Dollars an und verwöhnte die verehrte Frau.
Nach einigen Jahren erhielt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft. Beiden fehlte in ihrem Wohlstand irgend
etwas und sie zogen zurück nach Thailand.
Der Mann erstand ein grosses Haus und einen schnellen Wagen für die Geliebte, erfreute sich einige Jahre im
exotischen Thailand und starb.
Der plötzliche Tod des geschätzten Ehemannes belastete die Gedanken der empfindsamen Thailänderin stark.
Sie wurde trübsinnig, apathisch, depressiv und hatte epileptische Anfälle in einem Ausmasse, dass nur noch ein
monatelanger Spitalaufenthalt helfen konnte.
Das Haus wurde von einer Angestellten betreut, welche ihre Dienste während zehn Jahren klaglos verrichtete.
Währenddessen die Frau die Spitalpflege benötigte, wütete die Raumpflegerin für uns absolut unerklärlich.
Sie klaute alles oder liess mit Gehilfenschaft alles klauen. Angefangen vom Kühlschrank, Fernseher, Möblierung
bis zum persönlichen Schmuck und Auto. Die Gangster scheuten sich nicht und versuchten gar Schecks auszustellen,
welche freilich von der amerikanischen Bank nicht honoriert wurden.
Als die wieder genesene Frau nach Monaten das Spital endlich verlassen konnte, traf sie zu Hause der zweite Schock,
allerdings nicht stark, denn sie verfügte über die notwendigen finanziellen Mittel, um die Schäden zu beheben.

Aber eigentlich ist doch alles viel besser, mindestens so lange wir nicht persönlich betroffen sind und die drückenden
Auseinandersetzungen nur im Kopf stattfinden.

Mach es wie die Sonnenuhr,
zähl die heitern Stunden nur.

Draussen tobt ein schweres Unwetter. In der Schweiz prügeln Schulkinder aus Langeweile ältere Passanten schrottreif.

(1) Stechmücken
http://de.wikipedia.org/wiki/Stechm%C3%BCcken
(2) Hundertfüssler
http://de.wikipedia.org/wiki/Hundertf%C3%BC%C3%9Fer



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: quaychang am 13. August 2009, 18:24:59
@drwkempf

Nam-dok-muuh ist eine ganz leckere Sache! Besser Du sprichst die zweite Silbe als D (also nicht T). Es gibt zwei Ausfuehrungen davon. Kalt als eine Art suess/sauren Salat (allerdings mit meinem ungeliebten Pak-tschi  (frischer Korriander) :o als Dreingabe. Ich bestelle immer ohne, was nicht immer klappt)

Oder als heisse Version
Schmeckt besonders lecker. So eine Mischung zwischen Gulasch und Sauerbraten mit Thailaendischen Gewuerzen!
Titel: Umfrage
Beitrag von: Low am 14. August 2009, 22:45:56
Ist
„Der kleine Thaispeisen Katalog“
langweilig und unnötig -
ein Kandidat für den Mülleimer?

Soll ihn verbessern und vervollständigen,
mit monatlichen Ergänzungen?

Ich weiss, Blackmicha braucht den kaum.

Mit freundlichen Grüßen
Low
Titel: Re: Umfrage
Beitrag von: illuminati am 15. August 2009, 00:20:41
Ist
„Der kleine Thaispeisen Katalog“
langweilig und unnötig -
ein Kandidat für den Mülleimer?
Low


weder noch - ich würde es aber für sinnvoll halten, alles noch in Thai -Schrift zu vervollständigen, denn in Thailand soll er ja auch zum Einsatz kommen.

Gruss
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 15. August 2009, 03:44:36
Lieber Low,

"Der kleine Thaispeisen-Katalog"
langweilg und unnötig -
ein Kandidat für den Mülleimer?"

der Vorschlag von illuminati hat sicher etwas für sich, obwohl er einem eher einfacher strukturierten Member wie mir nicht weiterhelfen würde - jedenfalls jetzt noch nicht. ;)

Nicht jeder ist so versiert wie Blackmicha und andere Members, sie haben einfach einfach einen Riesen-Vorsprung. Für mich ist so eine Zusammenstellung sehr, sehr wertvoll. Meine Frau hat sie sich bereits ausgedruckt, sie wird nicht die Einzige gewesen sein.

Wolfram
Titel: Re: Umfrage
Beitrag von: Blackmicha am 15. August 2009, 06:24:10


Ich weiss, Blackmicha braucht den kaum.



Irrtum ! hab ihn mir gleich aufs Iphone kopiert !

und wenn dann noch die Thai Schreibweise dazukommt .... Perfekt !

Danke @ Low !
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: hellmut am 15. August 2009, 06:59:57
@ Low, mach bitte weiter mit deiner Speisenkarte.

Zusätzlich Thai-Schrift, wie von illuminati vorgeschlagen, macht ihn noch wertvoller.

Wenn du weiter machst, und evtl. einige andere Mithelfen, könnte etwas großartiges daraus werden, vielleicht könnte mal daraus eine Rezeptsammlung werden.

Seit Jahren versuche ich ein Fischgericht nachzu"kochen", das ich einmal auf Koh Samui genossen hatte.

... Üblicherweise werden von th. Köchen Fische förmlich totgebraten, darüber hinaus wird oft die Haut bis durch die Gräten eingeschnitten, was nicht nur den Saft auslaufen lässt und das Fleisch trocken macht. - Zusätzlich mutet man dem Gast die Sisyphusarbeit zu, das vergewaltigte Fleisch nach Grätenstücken  zu sondieren.
Ein guter Koch scheidet die Gräten bereits im Rohzustand raus, was mir zumindest bei größeren Fischen halbwegs gelingt (aus dem "Abfall" lässt sich ein leckerer Sud kochen). Und Köche welche die Haut einschneiden damit das Biest schneller gar wird, sollte nur lieber nur noch an bayrischen Krustenbraten heran lassen, wenn überhaupt. ...

Der Strandkoch auf Samui bereitete seinen Fisch auf einem Grill zu.
Grätenfrei filetiert, jedoch mit Haut, die er rundherum schön kross grillte.
Innen, wo vorher die Gräten waren, hatte er das Tier mit allen möglichen passenden Gewürzen und Gemüsen "ausgestopft". Für den Zusammenhalt auf dem Grill sorgten einige Schnüre aus Bananenblatt, die der Grillhitze standhielten, doch zuließen das die Haut überall schön knusprig wurde.

Prinzipiell kriege ich das hin, statt der Bananenblattschnüre verwende ich solche aus zusammengerollter Aluminiumfolie.
Doch schmeckt es bei mir, aufgrund Unkenntnis von "allen möglichen passenden Gewürzen und Gemüsen" völlig anders als jener, damals mit allen Sinnen genossener Fisch.

Vielleicht kennt jemand das Rezept. Leider weiß ich nicht mal die Bezeichnung des Gerichts.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 15. August 2009, 11:59:53
Besten Dank für die Vorschläge.

Ich schreibe fast täglich an der Speisekarte.
 
Mit meinen Tastaturen kann ich kein Thai schreiben. Ich finde sicher ein Mitglied, das die Aufgabe übernimmt,
die Lautschrift in Thai umzusetzen.
Ich wage zur Zeit nicht, Dick zu fragen. Sie ist mit Haushalt, Krankenpflege, Geschäft und Tempeldienst
so beschäftigt, dass ich mir Sorgen um ihr Wohlbefinden mache. Ihren PC benutzt sie nur selten und wenn,
ist es um Mitternacht. In ferner Zukunft würde sie es bestimmt gerne machen.

Fische

Eine der einfachsten und zugleich schwierigsten Aufgaben ist das richtige Garen von Fischen.
Ich fertigte einen Grill an, bei welchem ich die Hitze der Kohle in Stahlbehältern, eine Art rechteckiger Körbe,
seitlich zuführe. Das hat den Vorteil, dass Öl und Säfte des Grillgutes nicht in die Kohle tropfen, sondern
in eine Schale aus rostfreiem Stahl. So vermeide ich die Bildung von Benzpyren weitgehend. Das Grillgut dreht
sich je nach Gegebenheit vor einem Kohlekorb oder im Extremfall zwischen zwei Körben.
Das gekonnte Einstellen der Idealdistanz eines Fisches zum Glühkorb führt im Idealfall zum Verzicht auf jegliche
Folien oder Bananenblätter. Zur Zeit mangelt mir diese Erfahrung, weil ich in dieser Saison noch nie am Grill sass.

http://de.wikipedia.org/wiki/Benzo(a)pyren

etwas einfacher:

http://www.infobitte.de/free/lex/allgLex0/b/benzpyren.htm


Titel: Ein Weg der Teenager
Beitrag von: Low am 16. August 2009, 00:05:22
Ein Weg der Teenager

Junge Menschen haben es schwer auf ihrem Weg. Einerseits sind da die mehr oder weniger geliebten Eltern,
die eigentlichen Vorbilder. Als grosse Einflüsse gelten etliche Fernsehprogramme, die oft auf die Jugend und
deren Konsumverhalten ausgerichtet sind. Andererseits erfolgt die grösste Beeinflussung durch Freunde,
Freundinnen und Schulkameraden. Die zeigen, welche Klamotten, Schuhe, Accessoires, Telefone und Motorräder in sind.
Hierzulande spielt nicht nur bei jungen Damen die Haartracht, nein, ebenso die Haarfarbe eine wesentliche Rolle.
Deshalb ist es kaum verwunderlich, wenn sogar in ärmsten Familien die Teenager Unsummen in Beauty Salons
liegen lassen. Für uns Farangs ist es schwer zu begreifen, dass neueste Mobiltelefone und gefärbte Haare Priorität
vor eigentlich dringend notwendiger Infrastruktur haben.

Mit meinen Kindern hatte ich kaum Probleme deswegen. Die hatten genügend Hirnsubstanz, um ihre Wünsche und
Präferenzen klar zu definieren. Einzig die Mutter dachte bei der Kleidung an führende Markennamen und zeitgemässe
Fashion Trends. Mir fehlte da jegliches Verständnis und entsprechend sehe ich leider aus.

Ein trauriges Beispiel gibt eine arme, mir bekannte Thaifrau. Sie ist kaum nach dem letzten Trend gekleidet und frisiert,
arbeitet hart und wird durch ihre reichen aber geizigen Thai-Arbeitgeber gebeutelt und betrogen. Sie ist alleinerziehende,
das bedeutet finanzierende Mutter einer hübschen, leider extrem egoistischen Tochter. Dazu betreut sie ihre schwer
krebskranke Schwester.
Das Mädchen, nicht zu dumm, um mit einem staatlichen Stipendium die Schulen zu besuchen, quetscht ihre gute Mutter
wie einen feuchten Schwamm aus. Monatliches, stumpfsinniges und teures Haarfärben sind obligatorische Pflichtübungen.

Ihre Mutter stotterte während Jahren ein Motorrad ab. Eigentlich wären ihrer Ansicht nach sämtliche Raten vor ungefähr
einem Jahr beglichen gewesen und sie hätte endlich den Fahrzeugausweis erhalten sollen. Dem war nicht so.
Das Töchterlein nahm, ohne ihre Mutter zu informieren, beim Verkäufer des Motorrads einen Kredit zwecks Anschaffung
eines Laptops auf. Die geprellte Mutter bezahlte monatlich weiter, ohne zu wissen wofür.
Ein Jahr darauf erhielt die Mutter endlich den lang ersehnten Ausweis. Die Tochter benutzte den neuen Schein sogleich,
um bei einem Finanzinstitut das Geld für einen elektronischen Übersetzer zu organisieren.
Diese Wunderwerke gibt es bereits für etwa tausend Baht. Sie spekulierte jedoch auf ein elektronisches Wörterbuch in
der Region um zehntausend Baht.
Dass sie für weniger als zweihundert Baht ein Übersetzungsprogramm auf ihren Laptop hätte laden können, wollte sie
weder verstehen noch begreifen. Sie benutzt die teure Maschine kaum noch und musste kürzlich bei einer einschlägigen
Firma zweieinhalbtausend Baht hinblättern, weil sie ihr Passwort vergass. Da es zu Hause weder Schränke noch Schubladen
gibt, könnt ihr euch kaum ausmalen, unter welchen Bedingungen der luxuriöse Laptop eingemottet ist.
Schliesslich hatten alle ihre Freundinnen diese klitzekleinen handlichen Gerätchen. Eben deshalb durfte es nicht das
preisgünstigste Modell sein. Nur das Teuerste ist gut genug, auch wenn es auf Pump ist und Mutter schwer arbeitend
wieder ein Jahr stottern darf. Das ist der Thai Weg. Weg ist weg.

Weh’ dem armen Schlucker, dem diese attraktive junge Frau eines Tages über den Weg läuft!

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 16. August 2009, 14:36:50
Moin moin Khun Low & geehrte Foristen!

War reif für die Seeluft und Kho Borkum.
Kein WWW, kein TV und - bewusst auch
kein Radio oder Zeitung. Tat gut.

Kaum ist man mal weg von Hinterindien,
sind´s hier schon über 3000 Klicks mehr.
Das Ganze sehr appetitanregnd. Klasse!

Wünsche einen schönen Sonntag.

mfg kmr

Titel: Persönliche Rätsel
Beitrag von: Low am 17. August 2009, 21:40:29
Persönliche Rätsel

Beim Schnuppern in den Geschichten aus Hinterindien kann für Aussenstehende leicht der Eindruck entstehen,
der Autor leide extrem unter negativen Erfahrungen und Bilanzen. Das ist sicher nicht der Fall, denn ich lache
auch über Verlierer, sogar wenn es mich persönlich betrifft. Eigentlich hinterlassen die wenigsten der Geschichten
tiefe Spuren. Sie lösen in mir weder grosse Bedenken, Schuldbewusstsein noch nagende Gewissensbisse aus.
Anhand der wenigen Antworten scheint das die zahlreiche Leserschaft ebenfalls zu betreffen.

Der Umgang mit Behörden mag manchmal schwierig erscheinen. Sofern wir die gesamte Kundschaft unter die Lupe
nehmen, sehen wir bald ein, dass es nicht nur eitel Freude ist, beispielsweise als Immigration Officer zu arbeiten.
Sogar in den Foren scheuen Moderatoren bösartige anonyme Internetnutzer manchmal weg.
Meine Wege in Thailand sind öfters mit Jasmin, Plumeria, Orchideen und anderen Blumen bestreut und ich erfreue
mich am Duft und der Schönheit aller Blüten.

Ganz anders ist es, wenn ich im Tip Forum herum klicke. Da sehe ich Massen riesiger Zweifel und ungelöster Fragen.
Ein Titel einer Serie lautet: Ich stelle mir nun ernsthaft die Frage, wieso lebe ich noch hier!
Die ganze Verzweiflung zeigt sich am Ausrufezeichen, wo wahrscheinlich ein Fragezeichen angebrachter wäre.
Diese Frage kann ich mir kaum stellen. Wenn man mehrmals im Leben zwischen Erde und Himmel, zwischen sein
und nichtsein schwebte, geniesst man jeden Augenblick und jeden neuen Morgen. Die Frage wo, erübrigt sich
komplett. Nein, doch nicht ganz. Arktische oder antarktische Temperaturen würden mich in kürze umbringen.

Wo lebe ich?

In meiner Jugendzeit malte ich ein etwas ausgefallenes Aquarell. Mein jüngerer Bruder mochte es. Das Bild war
im Grunde richtig trostlos, wenige Pastelltöne umrahmt von viel schwarz. Der Hintergrund zeigte ein paar
schmucklose Häuser einfachster Bauart. Quadrate mit aufgesetzten blassen Satteldächern. Rechts dahinter
überragte auf einem Gestell eine grosse metallische Kugel teilweise die Dächer. Eine fahle Sonne sandte ihre
Wärme durch bräunlich-graue Dreckluft. Im Vordergrund: Zwei Leitungsmasten einfachster Bauart, mit den
typischen Porzellan Isolatoren, damals gesuchte Ziele für Jungen mit Steinschleudern. Eine Menge von schwarzen
Kabeln und Drähten spannte sich zwischen den Masten. Malte ich Vögel auf die Leitungen? Ich weiss es nicht mehr.

Was ich heute weiss, ist trotzdem erstaunlich. Ein Ausschnitt der Aussicht vom Haus ins Dorf in Nordthailand
entspricht diesem Bild von etwa 1955. Dieses Dorf existierte zu der Zeit noch nicht. Von Thailand wusste ich
damals praktisch nichts.

                                                                                       * * *

Weiss ich heute wesentlich mehr? Ich lebe hier. Ich geniesse mein grenzenloses Dasein. Das grenzenlose Dasein rührt
von den Visaruns her. Die sind dank dem Nonimmigration Visum nicht mehr nötig.
Ich arrangiere mich mit Land und Leuten mit dem notwendigen Respekt und unter Einhaltung einer gewissen Distanz.
Aus Problemen anderer Menschen, seien es Thai oder Farang, halten wir uns seit geraumer Zeit möglichst heraus.
Trotzdem gibt es immer wieder diese oft niederträchtigen Augenöffner, die Geschichten aus Hinterindien, welches für mich
ein ungelöstes Rätsel bleibt.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 18. August 2009, 00:06:39
Du kannst eigentlich schreiben, was du willst, Low. Ist immer irgendwie erbauend und manchmal sogar tiefschürfend, wie dein letztes Posting. Danke.
Titel: Erinnerungen an die Zukunft?
Beitrag von: Low am 18. August 2009, 20:55:17
Danke Profuu.

Erinnerungen an die Zukunft?
Mein Gemälde von 1955 verfolgt mich.
Lebe ich greifbar real?
Bin ich in einer Klapsmühle und stelle mir alles nur vor?
Hinterindien läuft eventuell in Europa ab, wie ein schlechter Film.
Der Garten besteht aus einigen krepierenden, schlecht gepflegten Topf-Geranien.
Der pikante Glasnudelsalat entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Büchsen Ravioli.
Vielleicht ist die kurvige Mia in Wirklichkeit ein fetter, bärtiger, homosexueller Pfleger.
Ich habe wenig Einwände gegen diese spezielle Veranlagung, denn schon die alten Griechen pflegten diese Sportart.
Aber solche Typen verfolgten mich in der Schweiz, in Amerika, Frankreich und Malaysia in meinem früheren Leben
immer wieder, ohne dass ich annähernd gewillt war, irgendwelche Freundlichkeiten auszutauschen.

Karl May schrieb Winnetou und Old Shatterhand, bevor er 1908 für sechs Wochen Amerika bereiste.
Karl May wurde in diesem Zusammenhang Hochstapelei und Pseudologie (zwanghaftes Lügen) vorgeworfen.
May behauptete, das Ganze (sowohl die Old-Shatterhand-Legende wie überhaupt alle seine Werke) sei symbolisch aufzufassen.

Lügen will ich keine verbreiten, obwohl das Internet, speziell Maxnet, für mich absolut nicht greifbar ist.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 19. August 2009, 00:09:45
nee, nee, alles im normalen Bereich, he he.

Jeder hat Bilder im Kopf. Ab und zu passiert es halt, dass die Wirklichkeit an irgendeinem Ort diesen nahe kommt.

Bei Glasnudeln vs Ravioli wäre ich allerdings ein klein wenig misstrauisch.  ;D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 19. August 2009, 04:46:38
Hallo Low,

ich lese mich langsam aber begeistert immer weiter durch Deine hinterindischen
Geschichten. Und - je mehr ich lese, desto unbegründeter erscheinen mir   Deine
Zweifel, was den Kopf betrifft.

Was mich aber mittlerweile auch etwas nachdenklich macht, ist die oft geringe schrift-
liche Resonanz - nicht nur zu Deinen absolut bemerkenswerten Beiträgen.

Ich frage mich auch, warum so viele registrierte Leute noch NIE einen Beitrag schrieben.
Es wird ja keine Perfektion verlangt; die Vielfalt der Meinungen zählt und macht Foren
lebendig. Aber nur lesen? Kann man doch auch so...

mfg kmr 






Titel: Re: Umfrage
Beitrag von: samurai am 19. August 2009, 11:05:39
Ist
„Der kleine Thaispeisen Katalog“
langweilig und unnötig -
ein Kandidat für den Mülleimer?

Soll ihn verbessern und vervollständigen,
mit monatlichen Ergänzungen?

Ich weiss, Blackmicha braucht den kaum.

Mit freundlichen Grüßen
Low


Ich habe Ihn mir kopiert. Einem Freund habe ich die komplette Version ausdruckt, eine Möglichkeit für Ihn nebenbei sein Englisch aufzubessern. Ich werde mich mal dransetzen und ein paar Kürzungen vornehmen. So ist zB. "fritierter Entenkopf" nicht mein Fall. ;D

Die Thaischrift bauche ich nicht, mühsam genug das sprechen zu lernen. Ausserdem würde mich das dazu verleiten auf den Zettel zu zeigen um meine Wünsche zu äussern. Neee, dann lieber versuchen zu sprechen, ist auch lustiger .... und lehrsamer.  ---> mir reicht er wie er ist.


Vielen Dank für Deine Mühe
und das geile Tagebuch !

Rolf Samui
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 19. August 2009, 12:00:32
Vielleicht brauche ich einmal ein paar Tage Urlaub, etwas Distanz.
Den Schock einer geordneten, zivilisierten Welt.


Hallo Samurai

Dass Enten Kopf und Flossen dort stehen, hat seinen Grund.
Ich ass mal garnierte Schwimmflossen, weil ich nicht wusste, was es war.
Mit der prima Sauce zusammen konnte ich die Schlabberei sogar essen.
Es hatte etwa die Konsistenz von Holothuria, Seegurke. (Chinesische Delikatesse)
Die Übersetzung in der Kneipe war falsch. Es hiess Bein und nicht Flosse.

Meine Empfehlung, lasst Zeug, welches ihr nicht mögt auf der Speisekarte stehen, eventuell rot markieren.
Das könnte vor Fehlbestellungen bewahren.

                                                                        * * *

ZÜRICH – Eine bedeutende Stimme der Schweiz ist verstummt:
Der Schriftsteller Hugo Loetscher ist am 18. August, kurz vor seinem 80. Geburtstag nach einer Operation verstorben.
Titel: Requisition Burma Style
Beitrag von: Low am 19. August 2009, 13:51:05

Requisition Burma Style                                                August 2009

Weist die Hauptstrasse 108 von Chiang Mai nach Hangdong vier oder sechs Spuren auf? Wenn die
fliegenden Händler ihre Garküchen am Spätnachmittag am Strassenrand aufbauen und eilige, hungrige,
motorisierte Passanten ihre Vehikel unbekümmert ratternd stehen lassen, bleibt manchmal nicht mehr
viel Platz für den restlichen Feierabend-Verkehr.
Glücklicherweise gibt es um das Dorf Nebenstrassen und Schleichwege. Das ist günstig für Schulkinder,
die nicht von irgendwelchen Schulbussen und selbstabholenden, oft zu spät erscheinenden Müttern
abhängig sind, wenn sie ihre Fahrräder benutzen.

Letzte Woche pedalte ein Schüler auf einer ruhigeren Nebenstrasse nach Hause.
Ein arbeitsloser, öfters um seinen Lohn betrogener, hungriger Burmese, bemerkte das bunte Fahrrad
mit der Shimano Übersetzung. Leider sass da ein uniformierter Bengel drauf. Der Mann, nur wenig
älter als der trampelnde Schüler, wollte dieses Rad unbedingt haben.
Mit einem gezielten, kräftigen Stockschlag brach er das Genick des Knaben.
Danach nahm er seelenruhig das Fahrrad an sich, liess den Leichnam an Ort und Stelle liegen und
fuhr mit der schönen Beute in seinen tristen Verschlag.
Schädlich für ihn war, dass es Zeugen gab. Diese informierten sofort die Polizei,
die den Knaben mordenden Ausländer umgehend abführte.
Er war nicht allzu unglücklich im Gefängnis. Hier litt er wenigstens kaum an Hunger.

Die Reizschwelle für Morde liegt in dieser Gegend unheimlich tief. In Hangdong mussten Menschen für
ein Mobiltelefon und tausend Baht ihr Leben lassen.
Solche und ähnliche Delikte sucht man in den Zeitungen unter Unglücksfällen und Verbrechen vergeblich.


Titel: Schweizer Uhren ticken länger
Beitrag von: Low am 21. August 2009, 10:18:04
Schweizer Uhren ticken länger

Es gibt Geschichten, die sind beinahe peinlich, auch wenn sie wahr sind.

Am Samstag, dem 28. Juli 1945, war der Himmel  über New York neblig und trüb. Deshalb hatte sich der Pilot
eines B-25-Bombers verflogen. Gegen 9.40 Uhr flog er in den 78. Stock des Empire State Building.
Der Wolkenkratzer bebte, es brannte, und die Fahrstuhlführerin Betty Lou Oliver wurde schwer verletzt.
Rettungsteams versorgten sie notdürftig und liessen sie allein im Fahrstuhl nach unten fahren - nicht ahnend,
dass die Tragseile beim Crash beschädigt worden waren. (1) Die  Armbanduhr, Made in Switzerland,  
des verunglückten Piloten, überlebte.

Vor wenigen Jahren brachten wir auf speziellen Wunsch einem der Söhne eine Uhr aus der Schweiz mit.
Der Zahn der Zeit, die tropische Hitze und die extreme Feuchtigkeit nagten am Armband. Als es zerriss,
trug der Sohn die Uhr fortan an einer Halskette.
Erst arbeitete er als erfolgreicher Verkäufer in der Textilbranche. Infolge der weltweiten Krise brach sein
Markt auf den Märkten ein. Er fand eine neue Anstellung in Bangkok. Er war nicht nur Verkäufer,
sondern Beschützer und Fahrer eines Tunichtguts der Sonderklasse, des Sohnes seines Arbeitgebers.
Wie viele Thais, ist der junge Herr rettungslos dem Spieltrieb verfallen. Eines wüsten Abends konnte der
abgebrannte Unglücksritter seine Spielschulden nicht mehr begleichen. Die militanten Rausschmeisser
oder eher Geldeintreiber der illegalen Spielhölle machten einen Mordsspektakel und fuchtelten wild mit ihren
imposanten Schiesseisen herum. Kein Wunder, dass sich plötzlich ein Schuss löste.
Ein Thailand geht das komischerweise immer vollautomatisch. In Euroland muss dazu der Abzug, bei meiner
SIG waren es immerhin etwa ein Kilogramm, bewusst voll durchgedrückt werden.
Das ausgelöste Projektil drang nicht in den Körper des Leibwächters, sondern beschädigte nur die Uhr in
der Brustgegend. Sie tickte bis heute munter weiter.
Kein Wunder, dass der zweite Sohn nun auch eine (lebensrettende) Uhr möchte.

Bei Schiessereien nicht verzagen,
vorbeugend eine M-Watch tragen!


(1)
http://www.plagge-liftmanagement.de/58301.html


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Martin am 21. August 2009, 17:05:17
Na das nenne ich doch echte schweizer Qualität.

Aber auch die Qualität deiner Geschichten, Low, finde ich toll. Sie amüsieren oder regen zum nachdenken an. Du hast dich schon mehrfach dahingehend geäussert, du könntest nicht verstehen, dass du wegen deiner Erzählungen nicht mehr angegriffen würdest.
Dies kann ich wiederum nicht ganz nachvollziehen. So wie ich diese Erzählungen begreife, sinde es deine persönlichen Erlebnisse, Beobachtungen und Empfindungen und du lässt uns in deinem ganz eigenen originellen und homorvollen (ironischen?) Stil daran teilhaben. Ich bin zwar noch nicht ganz mit allen Geschichten durch, aber mich haben sie schon zum schmunzeln oder Nachdenken gebracht oder es gab ein sogenanntes AHA Erlebnis. Vielen Dank für die guten "fünf-Minuten-Pausen-Lektüren".

Gruss

Martin
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 22. August 2009, 13:42:33
Danke Martin

Es geht mir nicht nur um Angriffe, sondern um Reaktionen im Allgemeinen.

Ich zitiere aus # 467  - 7. August:
(Meine Anfrage um Mithilfe betreffend unserer Thai Ernährung stiess in vierundzwanzig Stunden auf rege Teilnahmslosigkeit.
Eine einzige private, um so wichtigere Mitteilung, fand sich im Briefkasten. Ohne dieses Mail wäre der Leckerbissen "Muh daeng" vergessen worden.
....
Etwas anders sehen Umfragen und Inhalte betreffend europäische Lebensmittel aus.
Eine Frage nach Bratwurst in Phuket brachte vor einem Jahr immerhin 29 Antworten. (August 2008)
Brot war noch erfolgreicher mit 48 Meinungen. (Januar)
Blutwurst weckte im Februar 16 Mitglieder aus der Lethargie.
Der Bestseller war eindeutig der Leberkäse mit 65 Meldungen. (März)
Ebenfalls im März war der Käsekuchen mit 39 Beiträgen sehr gefragt.
Eine italienische Pizzeria in Bangkok liess 15 Tippern das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Eine Frage nach Restaurants im Städtchen, von amerikanisch bis Zürich geschnetzeltes, rief im Mai immerhin 76 Meinungen hervor.
Der Spitzenreiter, für die Bayern ein Lebensmittel, für den Rest der Welt ein Getränk, ist Bier mit bis dato 104 Antworten.)


Die Diskussionslust im Tagebuch ist eher gering. Das ist vermutlich die Ecke der passiv Leser, der stillen Geniesser.
Ich danke den 3 Kollegen, die sich später noch meldeten.

So wie ich diese Erzählungen begreife, sind es deine persönlichen Erlebnisse...

Schweizer Uhren ticken länger

Bei der Schiesserei war ich nicht dabei. Sohnemann besuchte mich vor wenigen Tagen, sich unterwerfend,
im Kriechgang, Tränen in den Augen, im Stil, den HMH nicht mag.
Ich half ihm seinerzeit bei seinen Spekulationen mit Textilien. Er bezahlte die Kredite innerhalb weniger Tage zurück.
Für den Jungen bin ich der Beschützer erster Klasse. Da kann ich nichts ändern,
auch wenn ich nur eine günstige Uhr kaufte. Schade, es war keine Rolex oder klassische Omega. Die hätten sich vermarkten lassen.
Das grosse Erwachen kommt für den jungen Mann, wenn er die Batterie der Uhr wechseln sollte. Ich denke nicht,
dass dies noch möglich ist. Eines weiss ich, diese Uhr wird er nie wegschmeissen.
ABER, er hätte ja anstelle der Uhr ein Amulett tragen können!

Die nächste "fünf-Minuten-Pausen-Lektüre" wartet auf der Festplatte.
Vielleicht werden es sechs Minuten.

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 22. August 2009, 17:39:51
@Low

Du zählst offensichtlich zu den GEBERN und teilst darum auch deren oft ernüchternde
Erfahrungen, die meisten Nehmer betreffend.  So sieh es einfach als Tamboon an und
sammle weiterhin Verdienste  durch hoffentlich noch viele Beiträge, weit oberhalb des
Bratwurstlevels.  :)

Dir und natürlich auch Deiner von Dir oft als segensreich geschilderten Dick alles Gute!

mfg kmr
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 22. August 2009, 19:45:51
Ja, khun mai ru. Sehr schön gesagt. Kann man auch so sehen. Ich bin bei low auch immer auf der Empfängerseite. Irgendein guttuendes Hormon wird bei mir beim Lesen seiner Kurz-Essays immer ausgeschüttet.

Deswegen möchte ich mich auch in deren Namen bei low bedanken.  :)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 27. August 2009, 16:35:29
Low, wo bleibst Du???

wir sind schon schwer im "Geschichtenentzug".

Gib bitte ien Lebenszeichen ;)

Wolfram

Titel: Prozentrechnungen
Beitrag von: Low am 27. August 2009, 16:56:06
Prozentrechnungen                                  August 2009

Thai Schüler gehen jahrelang zur Schule. Im Allgemeinen gehören Lehrer trotz anständigen Löhnen
zu den hochverschuldeten Bürgern des Landes. Wie sollen sie den Kindern Mathematik beibringen,
wenn sie, die Dozierenden selbst, keine Ahnung von angewandter Zahlenlehre haben. Rechnen können
die meisten Thais bestimmt nicht.
Wozu auch, dafür gibt es billigste Taschenrechner, Made in China, vielfach vertrieben von den Herren
Oberlehrern persönlich. Trotzdem wäre es nicht schlecht, wenn viele arme Leute eine geringe Ahnung
vom Prozentrechnen hätten. Wie diese Menschen oft gnadenlos betrogen werden, zeigen folgende Beispiele.

Unser armer Onkel, der etwas Land erhielt, sah bei einem Seelenverkäufer irgend einen gebrauchten Pick-up.
Dick fand heraus, dass der Marktwert für das alte Gefährt etwa achtzigtausend Baht betrug. Der Onkel besass
knapp zehntausend für die Anzahlung.
Ein Verkäufer redete auf ihn ein und sprach und redete bis der Onkel nicht mehr mitdenken konnte. Als seine
Augenstellung dem Kenner verriet, dass der Denkapparat ausgeschaltet hatte, wechselte der Redner die Argumente
und geriet von den technischen Aspekten wieder zurück zur finanziellen Seite des Handels.
Der Verkäufer sagte, er hätte Verständnis und ein Herz für ihn, einen armen Bauern mit vielen hungrigen Kindern.
Er gebe ihm selbstlos Kredit. Der ausgezeichnete Wagen würde dadurch natürlich etwas teurer, etwa
zweihundertfünfzigtausend Baht. Dafür bezahle er dann während zehn Jahren jeden Monat nur bescheidene,
ja läppische fünftausend Baht.
Onkel rechnete nicht lange nach und benutzte Dicks Mutter als Garantieunterzeichnerin. Die alte Frau, die kaum
lesen und das Geschriebene nur schlecht verstehen konnte, unterschrieb den Wisch ohne jegliche Prüfung.
Dick rechnete nach und fand blitzartig heraus, dass der Onkel im Jahr sechzigtausend Baht abstottern würde.
Das ergibt in zehn Jahren sechshunderttausend Baht.
Sie erhob Einspruch und es gelang ihr mit Anzeichen von Migräne, die offensichtliche Gaunerei rückgängig zu machen.

Einer unserer Nachbarn fabriziert und verkauft Brillen. Er ist relativ wohlhabend und besorgte sich, möglicherweise für
die Zweitfrau, einen gebrauchten Zweitwagen. Wieviel der Schrott wert ist, weiss ich nicht genau. Aber ich denke,
dass dreihunderttausend Baht abzüglich zehn Prozent Rabatt, für mich das absolute Maximum gewesen wäre.
Der gute Mann verdient etwas mehr als unser Onkel und bezahlt für seine Karre deshalb im Monat etwas mehr, nämlich
zehntausend Baht. Das macht – Kopfrechnen – im Jahr hundertzwanzigtausend Baht. Sein Vertrag läuft fünf Jahre,
ergibt sechshunderttausend Baht. Das bringt eine unanständige Menge Kohle, zuviel für einen skrupellosen Halsabschneider
und Gebrauchtwagenhändler.

Eines fällt bei beiden Beispielen aus Chiang Mai und Phitsanulok auf, abzustotternde Gebrauchtwagen kosten jeweilen
sechshunderttausend Baht.

Dafür gibt es bei Toyota etwas Neues, mit Garantie.


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 27. August 2009, 22:16:22
Ein Thai, der rechnen kann, ist Chinese! Sag ich schon seit Jahren...

Schön, Dich wieder zu lesen, Low. Ich hab Dich wirklich vermisst!

Wolfram (mit tausend besten Grüßen an Deine Herzensdame!!!)
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khon_jaidee am 28. August 2009, 06:54:02
Der gute Mann verdient etwas als unser Onkel ...

Wieviel? ;D
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 28. August 2009, 07:39:34
Sechshunderttausend ist der vollendete 5. Zirkel des Dutzends.

720,000 als Sechster Kreislauf wäre eigentlich verdienstvoller. Für den Verkäufer sowieso. Aber für den Käufer ein absoluter Glücksfall. Noch nicht mal das können sie ausrechnen. Mit einem Mönch zur Seite während des Aushandelns des Ratenvertrages wäre das nicht passiert. Der hätte 720,000, als bessere Chance das Nirvana zu erreichen, vorgeschlagen.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 28. August 2009, 08:46:45
@khon_jaidee

mehr.....

ja, das ging leider im Internet verloren.


@ Profuuu

1'440'000 wäre noch schöner - drei Mönche. Aber....
Der will ja mit seiner Karre nicht unbedingt ins Nirwana. Nur vom Feld ins Haus,
wo vielleicht eine kleine Freude wartet, eine Mahlzeit oder etwas ähnliches.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 28. August 2009, 17:05:06
@drwkempf  ...Ein Thai der rechnen kann, ist Chinese! ...

Einspruch! M.i.a. = Meine ist anders!
Die hat ihren Kopf nicht nur dazu, damit es nicht in den Hals regnet!   :) 

Soviel zur Ehrenrettung der lächelnden Minderheit, zu der ja offensichtlich
auch Khun Dick gehört.

@Low: Schön, wieder was von Dir zu lesen. Alles Gute!

mfg kmr

 
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 28. August 2009, 22:00:43
Lieber khun mai ru,

Du weißt doch, dass es die Ausnahmen sind, die die Regel bestätigen ;)
Mir ist schon bewußt, daß wir verallgemeinern, wenn wir von den "Thais" oder den "Deutschen" oder anderen Übergruppen reden.

Aber eben von diesen wunderbaren Ausnahmen abgesehen ist es generell mit den Rechenkünsten der Thaibevölkerung nicht weit her - die Rechenkünste der Deutschen werden generall allerdings auch immer miserabler!

Dir gratuliere ich zu Deiner M.I.A., genau wie Low zu seiner Dick.
Aber Du gibst doch wohl zu, dass ihr ausgesprochene Glückspilze seid?!

Wolfram
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 28. August 2009, 23:00:02
@drwkempf

Klar; habe das schon richtig verstanden und hätte dies mit ´nem 2.  :)
deutlicher machen können.

Zum letzten Satz: Zustimmung. Wobei ich nur für mich sprechen kann, wenn ich hoffe,
dass M.i.a. nicht doch eines Tages zur M.i.n.a mutiert. ;-) Dann mai bpen rai zu sagen,
kann ich mir n i c h t so ohne weiteres vorstellen. Ya phuut...

Ich wünsche Dir und allen "Teilsiamesen" glückliche Verbindungen und jetzt erstmal ein
schönes Wochenende!

mfg kmr
Titel: Ungesunde Getränke, Preise und Löhne im Gastgewerbe in Bangkok
Beitrag von: Low am 29. August 2009, 00:09:26
Ungesunde Getränke, Preise und Löhne im Gastgewerbe in Bangkok                                Ende August 2009

Sie kennen die schlechten Nachrichten: Bankenkrisen, Krisenbanken, Wirtschaftsflaute, weniger Luftverkehr,
weniger Tourismus.
Wir verbrachten einige Tage in Bangkok. Ich buchte eines der einst führenden Hotels. Der Preis fürs gepflegte
Zimmer mit Frühstück war erstaunlich günstig.
Die Preise für klassische Thai Massage von tausenddreihundert Baht pro Stunde liessen bei  mir die Alarmglocken
klingeln. Im Norden bezahlen wir im kleinen Spital dafür hundert Baht. Der Preis fürs Internet lag bei schmerzenden
vierhundert Baht, nicht pro Tag, sondern pro Stunde.
Darauf kriegte ich in der Bar und in den Restaurants fast den immerwährenden Schluckauf.
Von drei Restaurants waren etwas mehr als die Hälfte geschlossen. Unmöglich, werdet ihr ausrufen. Doch,
das gibt es. Ein Lokal blieb geöffnet, die andere Verpflegungsgelegenheit wurde geschlossen. Das Thai-Restaurant
hatte einen stolpernden zwei Komma etwas Tage Rhythmus. Für Tänzer mag das attraktiv sein, für hungrige Mägen
die Hölle.
Als erstes besuchten wir die Bar für den offerierten Willkommensdrink. Die Getränkekarte verhiess nichts gutes.
Hundertachtzig Baht plus Service (10 %) plus Steuer (7%) für einen Softdrink sind schon fast kriminell.
Nur im Crazy Horse Saloon in Paris galt bereits in den siebziger Jahren der Einheitspreis. Eine Cola kostete dasselbe
wie ein billiger Champagner, Marke Chateau Mal de Tête.* Dafür waren sämtliche heissen Blicke auf die kaum bekleideten,
eher nackigen Weiber gratis.

Wir profitierten von der Happy Hour und bestellten Cocktails zu fast dreihundert Baht mit einem Nachlass von
fünfzig Prozent. Sofern der Mixdrink den internationalen Normen entspricht, wäre der Preis gerechtfertigt. Aber
die überzuckerten Getränke nach eigener Rezeptur schafften ihren Weg schlecht durch unsere verwöhnten
Cocktaildrainagen und wirkten eher appetitbremsend.(1)(2)
Mit verklebten Gaumen suchten wir darauf krampfhaft ein Restaurant, weil es draussen schüttete nach dem
modifizierten Motto (für die Moderatoren): Himmel, Hintern und Wolkenbruch.
Ein gelangweilter Koch sprach mit Dick und lud uns freundlich in sein Restaurant ein. Gähnende Leere herrschte im
mit Blumen hübsch dekorierten Speisesaal. Ein anständiges Buffet für teure achthundert Baht wartete vergeblich auf
Gäste.(3) Weil wir beide aus Rücksicht auf unsere Wespentaillen grosszügig auf das Buffet verzichteten, bestellten
wir wenige Thai Häppchen. Die Preise, deftige dreihundert Baht pro Gericht, förderten unseren Verzicht.
Die Qualität des Gebotenen war nicht zu bemängeln. Wir suchten dazu einen trockenen Weisswein. Die Weine wurden
meist zu über zweitausendeinhundert Baht angeboten. Wir bestellten einen völlig überteuerten Gato Negro, welcher
uns ein paar Tage später von einem Chinesen für bloss neunhundertdreissig Baht serviert wurde.

Vergleichsweise werden im Shangri-La in Chiang Mai ab eintausendreihundert Baht einige Raritäten (in Thailand) angeboten.
Seitdem ich im Spital für einige Tropfen Antibiotika zehntausend Baht pro Tag bezahlte, interessierten mich diuretische
Weinpreise kaum noch. (4)
Wir unterhielten uns mit dem einsamen Gastronauten. Er erzählte, er sei verheiratet und habe drei Kinder. Vor einigen Jahren
verdiente er siebenhundert Baht pro Tag. Zur Zeit sind es weniger als dreihundert Baht. Nach etwa einer Stunde erschien
doch noch ein älteres Ehepaar aus England zum Abendessen. Die amüsierten sich zu zweit am verwaisten Buffet und griffen
wacker zu.

Weitaus erfreulicher war die Lage der Angestellten im China Restaurant im Zen. Die verdienen pro Monat immer noch
zwanzigtausend Baht. Die Weine waren mit siebenhundertfünfzig Baht pro Flasche eher günstig und auch das Essen
war preiswert. Für Char Siew dumplings, Muh daeng, bezahlten wir für drei Stück achtunddreissig Baht.

Weil Herr Petrus eines Tages erneut die Schleusen öffnete, besuchten wir  während der Happy Hour wiederum die Bar.
Wir bestellten Mai Tai. Der Herr Schüttelmeister arbeitete alleine, ohne jegliche Kellner. Das Zeug war wieder überzuckert.
Ich fragte meine Süsse, ob sie noch einen Mai Tai schlürfen würde. Mir war eher nach einem Gin Fizz zu Mute. Der liess
sich kaum mühelos verzuckern, aber diese Banausen schaffen sogar so etwas problemlos.(5) Der Chef verschwand plötzlich.
An seiner Stelle stand eine junge Frau. Ob die möglicherweise Drinks mixen konnte?
Wohl kaum. Während einer halben Stunde telefonierte sie ausgiebig, ohne sich um ihre durstigen Gäste zu kümmern. Darauf
verlangte ich ermüdet vom Zuhören die Rechnung. Trotz des schlechten Wetters besuchten wir danach ein chinesisches
Fischrestaurant mit bescheidenen Preisen und hervorragendem Essen.

Die beiden älteren Eignerinnen unterhielten sich angeregt mit Dick. Vor dem Lokal wischte ein älterer Kerl etwa alle dreiviertel
Stunden imaginären Dreck. Der Mann verdiente zweihundert Baht im Tag bei freier Kost und Unterkunft.
Da er weder Familie hatte, noch trank, rauchte oder irgend einem Laster frönte, war der besessene Besenarbeiter mittlerweile
steinreich. Das kam den Besitzerinnen zu gute. Wenn bei Lieferungen dringend Bargeld benötigt wurde, missbrauchten
die alten Damen ihren wischenden Knecht als  ATM.

*zu Deutsch: Kopfweh, Schlossabfüllung

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Cocktail
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Drainage
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Buffet_(Speise)
(4)
http://de.wikipedia.org/wiki/Diuretikum
(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Banause



Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 29. August 2009, 18:37:24
@Low

Wobei wir wieder beim Thema "Essen" sind  und Du in BKK auch noch
einiges in den Thai-Restaurants zu schlucken hattest.. 
Du warst also zusammen mit Deiner Dick im schlechten Sinne "bedient".

Die "Logik" bei schwindender Nachfrage die Preise zu erhöhen muß man
wohl dem TIT-Faktor zuschreiben. Nun denn. Zahlen muß man trotzdem.
Aber, WIE äußert ein trotz allem höflicher Farang, dass er nicht ganz zu-
frieden war, ohne den Gastgeber auch nur in die Nähe eines Gesichtsver-
lustes zu bringen?Kein Trinkgeld zu geben kann ja auch beleidigend sein,
oder?

mfg kmr
Titel: Replik
Beitrag von: Low am 29. August 2009, 22:47:40
Replik

Meine Botschaft aus Bangkok wurde leider kaum verstanden. Zu mindest nicht von Khun mai ru.
Unter Umständen war seine Erwartungshaltung negative und sarkastische Berichterstattung.
Das war hier kaum der Fall.
Beschwerte ich mich über das Essen?
Nein.
Ich mochte bloss die Preise für die Speisen im Hotel und in der Bar die Cocktails nicht.
Das Thai Essen war sehr gut. Als wir den Koch für die delikaten Plättchen lobten, ging er zum Buffet
und gestaltete einen tollen Fruchtteller für Dick. Mich beschenkte er mit Satay. Für die Preise ist er nicht verantwortlich.
Das Zimmer gefiel uns. Das Frühstück war mindestens Mittelklasse.

Das Restaurant florierte bis vor einigen Jahren unter dem alten Besitzer.
Der machte alleine mit der Gaststätte im Jahr zwanzig Millionen netto.
Dann wurde das Haus verkauft. Seitdem ist der Laden rasant auf Talfahrt.

Wir assen nur einmal im Hotel, weil es draussen stürmte. Unsere Exkursionen
betreffend Essen und Einkaufen waren allemal erfolgreich.

Ein Vergleichsmassstab für Preise und Qualität in der Hotelbranche ist für mich zum Beispiel
das (neue) Shangri-La in Chiang Mai. Wenn jemand teurer ist, müsste er von mir aus gesehen
mehr Leistung bringen.
Vergleich Dinner – Buffet: Hotel BKK achthundert Baht für ein bescheidenes Buffet. Shangri-La CNX
dreihundert Baht für ein reichhaltiges Angebot. Dick besitzt sogar eine VIP Discount Card,
die sie leider immer zu Hause liegen lässt.
Wenn jemand gerne frische Brötchen isst, kann ich das Lokal wärmstens, wie das Brot, empfehlen.
Billig ist der Laden sicher nicht, höchstens preiswert.
Aber darüber liesse sich ein neuer Thread eröffnen.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: hellmut am 29. August 2009, 23:05:38
... WIE äußert ein trotz allem höflicher Farang, dass er nicht ganz zu-
frieden war, ohne den Gastgeber auch nur in die Nähe eines Gesichtsver-
lustes zu bringen?Kein Trinkgeld zu geben kann ja auch beleidigend sein,
oder? ...

In Restaurants die 10% Zwangstrinkgeld auf die Rechnung setzen, bezahle ich grundsätzlich mit Plastikkarte.

Wie schon von einigen bemerkt wurde, ist es gerade in einigen dieser teuren Läden üblich das bei Bargeldzahlung die Kellner noch ein Trinkgeld auf das Trinkgeld erwarten und sich dieses mitunter darüber beschaffen das sie sich vieeeeel Zeit lassen, eh sie mit dem Wechselgeld erscheinen. ... Nach Möglichkeit solange bis der Gast gegangen ist.

Paradebeispiel: Das früher-sehr-gute "Cabbages & Condoms" im "Birds & Bees Resort" in Pattaya.
 
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 30. August 2009, 16:32:27
@Low

Du hast Recht. Entschuldigung. Hätte aufmerksamer lesen sollen.

mfg kmr
Titel: Vergangenheit: Ganja
Beitrag von: Low am 02. September 2009, 15:07:51
Vergangenheit: Ganja                                                                 ca. 1973

Lockeres grünes Buschwerk und hohe schlanke Bäume säumten das mit tiefen Karrenspuren vernarbte
Natursträsschen. Darüber leuchtete ein strahlend blauer Himmel. Vögel zwitscherten. Insekten aller Grössen
schwirrten und brummten durch die feuchtheisse Luft. Blütendüfte vermischten sich mit weniger angenehmen
Modergerüchen. In weiter Ferne knatterte ein Motorrad. Menschliche Stimmen waren vernehmbar. Auf gerodeten
Plätzen standen stellenweise Häuser aus Rotholz auf dicken Pfählen. Unter einem Haus sassen im Schatten
drei Frauen auf dem Boden. Sie waren malerisch in handgewobene bunte Baumwolltücher gehüllt und plauderten.
 
In der Nähe scharrte eine Glucke mit ihren piepsenden Küken fleissig in der Erde. Scherben von zerbrochenen
Tontöpfen, nebst Schnüren, Seilen und Werkzeugen, lagen achtlos herum. Liegend, an einen Pfahl gelehnt,
blinzelte frech ein junger Hund in die Sonne. Eine Katze schlich sich vorsichtig unbemerkt davon.
Unter heruntergefallenen, bereits welken und feuchten Blättern suchte eine fette, warzige Kröte Schutz vor Licht
und Trockenheit.

Einer der Frauen war ein junges, keckes Mädchen. Die beiden anderen weiblichen Wesen waren Mutter und
Grossmutter. Sie schwatzen nicht nur. Sie bewegten sich und verrichteten irgend eine Tätigkeit.
Jede der Frauen hatte einen wohlgeformten Oberschenkel entblösst. Darauf rollten sie geschickt Stücke von
geschnittenen Bananenblättern. Diese Blätter enthielten getrocknete, kleingehackte Blätter und Blüten von
Hanfpflanzen. Das war eine der Zigarettenfabriken des Dorfes. Zehn Stück der Glimmstengel kosteten damals
sagenhafte fünfundzwanzig Satang. Für einen Baht verbunden mit einem Lächeln gab es fünfzig Stück.

Die ausserordentlich schönen Hanfpflanzen fanden frisch gepflückt in der Küche Verwendung in Suppen und Eierspeisen.
Ei, ei, ei.


http://en.wikipedia.org/wiki/Cannabis_(drug)
Titel: Don't bogart
Beitrag von: Low am 03. September 2009, 11:15:23
Als Ergänzung zum Aufsatz "Ganja“ fiel mir über Nacht der berühmte Song ein:

Don't bogart that joint, my friend
Pass it over to me.
Don't bogart that joint, my friend
Pass it over to me.

Roll another one
Just like the other one.
This one's burnt to the end
Come on and be a friend.

Don't bogart that joint, my friend
Pass it over to me.
Don't bogart that joint, my friend
Pass it over to me.

Ro-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-oll another one

Lyrics: Lawrence Wagner
Music: Elliot Ingber


Oder zum Hören, mit oder ohne Bock:

http://www.youtube.com/watch?v=EvGJvzwKqg0

für Freunde der Ukulele mit Frauenstimmen

http://www.youtube.com/watch?v=vkLvTV4-pX4&feature=PlayList&p=C254CAA6EE9AAF9F&index=0&playnext=1

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 03. September 2009, 17:10:41
Hallo Low, müssen wir uns Sorgen machen?  ???

mfg kmr

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 03. September 2009, 22:28:44
Ich rauche seit Jahren nicht mehr (Tabak).
Aber ich träume von Romeo y Julieta.
Letztes Jahr brachte ich eine meiner Pfeifen von zu Hause mit.
Trotzdem hat es noch zu viele Pfeifen in der Schweiz.
Leider vergass ich den Tabak.

Joints, Grass und all das vergiftete Zeug, rauchte ich vor vielen Jahren erfolgreich mit meinen Kindern bis sie kotzten,
um sie zu immunisieren.

Humphrey Bogart für mich ist immer noch ein grosser Schauspieler.
Der rauchte wie ein Vulkan (in Casablanca)!

Don't Bogart.....
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 03. September 2009, 22:45:29
@ khun mai ru

Wie du siehst, gibt es mindestens in jeder zweiten Geschichte etwas warmes.
Es muss nicht immer eine Mahlzeit sein.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 04. September 2009, 21:33:15
OK, aber ich stehe eher auf Heißes; auch was die Mahlzeiten betrifft.

Zu "bogart" fand ich bei LEO übrigens auch  > diese Definitionen < !  (http://dict.leo.org/ende?lp=ende&lang=de&searchLoc=0&cmpType=relaxed&sectHdr=on&spellToler=on&chinese=both&pinyin=diacritic&search=bogart&relink=on)

mfg kmr
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 04. September 2009, 22:08:49
Du hast doch die richtige Lösung gefunden

to bogart: selbstsüchtig verwenden

Don't bogart that joint, my friend, pass it over to me = Behalte den Joint nicht (selbstsüchtig) für Dich, gib ihn weiter an mich!!!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 05. September 2009, 00:14:51
So ist es.
Genauso zog Bogart seine Glimmstengel rein.
Titel: Der Unknall - Sterben im Dorf
Beitrag von: Low am 05. September 2009, 00:23:49
Der Unknall - Sterben im Dorf                                               3. Sep. 2009

Wie lange schuftet ihr, oder wie lange wartet ihr auf die Rente, bis ihr eure Mia, oder Mia Noi entlöhnen könnt?
Die UBS machte eine weltweite Studie über Arbeitsaufwand und Kaufkraft. Mias aller Arten blieben für uns
leider unerforscht.

Anders war es beim Big Mac. Da zeigte sich, dass man in Bangkok 45 Minuten werkelt, um sich einen Hamburger,
wo bleibt der eigentlich, hineinzuziehen. In Hongkong oder New York sind es bloss 14 Minuten.
Während man in der Reismetropole Bangkok für ein Kilogramm Körner 27 Minuten pickelt, tippt oder irgend
eine durchschnittliche Tätigkeit ausübt, sind es in London oder Barcelona nur 8 Minuten.

In Bangkok könnte ein i Pod Nano nach 66 Stunden erworben werden. In Delhi wartet man 122,5 Stunden aufs Geld,
während einem das Gerät in Zürich bereits nach neun Stunden nachgeworfen wird.
Da sind wir beim Thema. Thailänder haben ein Faible für technische Geräte. (1)
Die Häuser sind meist zu klein, um all den unbezahlten Elektronikschrott zu beherbergen. Wozu gibt es Kreditinstitute?
Wozu gibt es einen 20 Baht Mann?
Wenn keiner mehr Kredit gewährt, wenn das Haus bis unters Dach mit Hypotheken belastet ist und wenn auch die
benutzten Fahrzeuge längst fremdes Eigentum sind, wartet der freundliche zwanzig Baht Mann. Der verleiht Geld zu
zwanzig Prozent Zins im Monat. Nach der Auszahlung wird bereits am nächsten Tag rückgefordert. Und wenn einer
kein grenzenloser Elektronikfan ist, kann er immer noch mit dem Glücksspiel rasend schnell immense Schuldenberge kreieren.

Gestern und heute knallte es in der Nähe mehrmals ungestüm. Ich erschrak jeweils heftig. Meine Pulsfrequenz erhöhte sich.
Gleichzeitig sah ich, wie auf der Veranda die Karnickel verängstigt vor Schreck hoch in die Luft sprangen.
Später vernahm ich, dass ein Dorfbewohner aus reiner Verzweiflung wegen seinen unbezahlbaren Schulden Unkrautvertilger
trank und daran verschied. Wenn der Kerl schon finanzielle Probleme hatte, fragte ich mich, warum teure Chemie?
Warum konnte er es nicht, wie ein lebensmüder Farang, mit einem gebührenfreien Plastiksack machen? Warum benutzte er
nicht die physikalischen Gesetze der Schwerkraft? Letzteres ist einfach erklärbar: Schulen erteilen keinen Physikunterricht.
Newton und Gravitation sind unbekannt. (2, 3)

Bereits am Tag vor der Kremation explodierten die ersten schweren Knallkörper.
Als ich Dick beim Reparieren des Teiches besuchte, sah ich zwei Kaninchen unter unserem Auto. Die schliefen dort im
kühlen Schatten. Stunden später detonierten die ersten Feuerwerkskörper.
Als wir gegen Abend ausgingen, schauten wir wie immer vorsichtig unters Auto.
Da war ein Karnickel. Dick versuchte wie üblich, es wegzuscheuchen. Es reagierte nicht.
Es war tot.  Möglicherweise sprang es auf, wie die Tiere auf der Veranda und brach sich unter dem Wagen das Genick.
Vielleicht starb es einfach an akutem Herzversagen.
Seitdem ich vor etwa vierzig Jahren an Loy Krathong im Dusit Zoo sah, wie unvernünftige Idioten Knallkörper in die
Käfige warfen, finde ich es entsetzlich, dass solche Objekte an offenbar geistig behinderte Bastarde verkauft werden.

Pietätlos wie meistens,
Low

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Faible
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Isaac_Newton
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Gravitation


Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 05. September 2009, 02:15:11
...geistig behinderte B...Das ist schon heftig, Low. Deine Wut aber ist verständlich.

Da hat es dieses > "Farang-Kaninchen" <  (http://www.redaktion.hochschulradio-aachen.de/aircheck/bilder/2008-02-18-kaninchen01.jpg)  unter Polizeischutz schon etwas besser!

mfg kmr


Titel: Re: Der Unknall - Sterben im Dorf
Beitrag von: hellmut am 05. September 2009, 02:54:53
... Seitdem ich vor etwa vierzig Jahren an Loy Krathong im Dusit Zoo sah, wie unvernünftige Idioten Knallkörper in die
Käfige warfen, finde ich es entsetzlich, dass solche Objekte an offenbar geistig behinderte Bastarde verkauft werden. ...

Als Kind fand ich Zoobesuche klasse.
Wahrscheinlich ist jedes Kind begeistert das einen psychopathischen Tiger in einem gut vergitterten Käfig verzweifelt hin- und her-laufen sieht.
Auch harmlose Tiere interessierten mich, insbesondere wenn man sie streicheln durfte.
Eine Schlange, hinter dicken Glasscheiben gefangen, verfolgte mich jedoch bis in die Träume.

Lange über das "Zoobesucheralter" hinausgewachsen, besuchte ich erst wieder in Thailand einen Zoo.
Da konnte ich keinerlei Freude mehr empfinden, nur noch Mitleid.
Noch schlimmer war es in thailändischen Freizeitparks, wo Tiere für ein Foto mit Besuchern gequält werden.

Es ist noch nicht allzu lange her als auf europäischen Jahrmärkten "echte" N.eger und Indianer zur Schau gestellt wurden. - Das waren natürlich keine Sklaven, sondern Leute die ein (Trink-)Geld dafür erhielten das sie sich erniedrigten.

Tiere im Zoo kriegen jedoch kein Gehalt. Allenfalls, sofern von ihrer Gattung nicht zu viele da sind, gewährt man ihnen ein (befristetes) Lebensrecht. - Klein Eisbär Knut zieht mehr zahlende Besucher an als ein ausgewachsenes Tier, und warum sollte sich ein Zoo mit etlichen dauernd hungrigen Männchen abgeben, wenn doch eins auf 10 Weibchen reicht!

Nie wieder werde ich einen Zoo besuchen! Tiere gehören in ihre natürliche Umgebung und es ist keine Bildungslücke wenn ein Kind aufwächst ohne je einen lebendigen Tiger gesehen zu haben.

Mein Vater, nun 90 Jahre alt, der mich als Kind in etliche Zoos geführt hatte, war zuletzt in den 80ern mit einem Enkel im Allwetterzoo in Münster. Da hatten es die Tiere "verhältnismäßig" gut. Trotzdem wollte er danach nie wieder in einen Zoo.

Nun hat er auf seinem Grundstück einige Ecken verwildern sich renaturieren lassen. Die Tiere danken es auf ihre Art. Sehr gern sitze ich nun im Garten, schaue den Libellen, Fröschen, Hasen, Eichhörnchen, Fledermäusen ... zu wie sie ihr Refugium genießen. Von Annäherungsangst keine Spur, weder von meiner noch von deren Seite.
Tiger vermisse ich nicht, die gehören in andere Gegenden. Doch garantiert nicht in einen Zoo.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 05. September 2009, 10:55:25
Hellmut, danke für den Zoobeitrag.

Khun mai ru.
Ich war nicht wütend. Solche Gefühlsausbrüche leiste ich mir selten.
Die harte Beurteilung der Knallköpfe rührt daher:

Jedes Jahr werden hier im kleinen Spital bei Festen mit Feuerwerk ungefähr dreissig Hand- und Armverletzungen
behandelt. Wenn sich einer als Mutprobe mit einem Knallkörper einen Arm amputiert, habe ich nichts dagegen,
denn das ist offensichtlich sein Wunsch.
Wenn diese Verbrecher ihr Feuerwerk in dichtgedrängte Menschenmengen werfen und dadurch Leute jeden Alters,
ebenfalls Kinder, zu Schaden kommen mit Verbrennungen, Gehörschaden, Sehschäden, dann gehören diese Schurken
ins Gefängnis.
Haftpflichtversicherungen oder Vermögen zur Schadensbegrenzung haben solche Typen nie. Bei einer grösseren
Katastrophe Fersengeld geben, nur das können sie.

Lutz Röhrich: "Wer keine Kopfquote bekommt, muss Fersengeld geben."

http://de.wikipedia.org/wiki/Fersengeld

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Profuuu am 05. September 2009, 13:07:41
Schon 1837 führte Dr. Dan Beach Bradley den ersten modernen chirurgischen Eingriff in Siam (Bangkok) durch. 

Es war eine Armamputation bei einem buddhistischen Mönch nach einem Feuerwerksunfall.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 05. September 2009, 23:55:25
Daß so viele Knallkörper werfende Knallköppe - sicher nicht nur in Deiner Gegend -
nach dem Motto "no risk no fun" handeln ist tatsächlich schon schlimm genug. Das
diese Leute durch diesen Blödsinn dann auch noch  Krankenhausleistungen binden,
ist ein Hohn gegenüber den Menschen, die unverschuldet krank oder verletzt sind.

Übrigens Low, Deine Beispiele über die aufzubringende Arbeitszeit, um  bestimmte
Dinge dann kaufen zu können, fand ich sehr interessant. Dass man sich aber derart
unbekümmert in Schulden verstrickt...Geht es da auch wieder um "Gesicht", den der
ganze Krempel kurzfristig bringt? Die Kenner hier werden vielleicht wissend grinsen,
aber ich habe offenbar noch viel zu lernen. Also seid bitte nachsichtig. :)

mfg kmr
Titel: "Thailändische" Einrichtungsgegenstände
Beitrag von: Low am 06. September 2009, 16:15:04
"Thailändische" Einrichtungsgegenstände

Eigentlich wäre eine Geschichte über betrügerische Mönche angesagt gewesen.
Doch eine Frage von Khun mai ru ist ebenfalls interessant.
Meine Ausführungen darüber betreffen nur Nordthailand, keinesfalls den Vortaunus.

khun mai ru
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antworten #544 »
Dass man sich aber derart unbekümmert in Schulden verstrickt... Geht es da auch wieder um „Gesicht“,
den der ganze Krempel kurzfristig bringt?


Eine perfekte  Antwort, meinerseits etwas aus dem Zusammenhalt gerissen, lieferte
StrangeFruit
Re: Komme Anfang November nach Huahin
« Antworten #2 »

„Ja mein Lieber, so ist das moderne, neue Thai-Leben... ungebremst und ohne Mass. Wo ehemals ein
Wanderprediger (aka Buddha) den heiteren Verzicht auf Güter predigte, herrscht die „wanna have mentalität“
in Reinkultur. Ich glaube, der muss in einer anderen Gegend der Erde gewandert und gepredigt haben.
Thailand war’s sicherlich nicht......“


Wenn ein Thai Haus innerhalb kürzester Zeit zusammengeschustert ist, ich möchte keine Schuster beleidigen,
beginnt die eigentliche Bauzeit. Aussen sind die Häuser oft bunt bemalt und mit viel unnötigem Schnickschnack
versehen. Innen fehlt der elektrische Strom. Durchführungen für die Leitungen der Klimaanlagen müssen gebohrt
werden.
Der Dampfabzug in der Küche sitzt zwar etwas locker, dafür dekorativ an der falschen Stelle der Wand, aber
ein Durchbruch im Mauerwerk fehlt. Solche Kleinigkeiten bemerkt ausser einem pingeligen Farang niemand.
Die Schiebefenster stecken in den rautenähnlich montierten Rahmen fest. Trotz des geometrischen Lehrsatzes:
Gegenüberliegende Winkel sind gleich groß; benachbarte Winkel ergänzen einander auf 180°. Die Winkelsumme
der Innenwinkel beträgt folglich 360°. (1)
Beim Lavabo im Bad läuft das Wasser nicht durch den Überlauf ab, sondern ergiesst sich auf den Boden, weil
das Ganze, wie die Fensterrahmen, schief montiert wurde.

Dann hämmern die Spezialisten die Leitungen auf den Verputz, dass sich die Nägel biegen. Für Steckdosen
und Schalter genügen zwei, maximal drei Befestigungsschrauben, sofern die Kästen nicht direkt genagelt
werden können. Ganz selten trifft ein Nagel auf eine Wasserleitung. Öfters kracht ein schwerer Hammer
auf die Hochglanzfliesen. Diverse Bruchstellen beweisen dem Hausherrn, dass es sich beim Bodenbelag um echte,
teure Keramik handelt.
Schalter am Hauseingang gibt es nicht. Die werden drei, vier Meter von der Türe entfernt montiert. Das führt
dereinst beim spätabendlichen nach Hause kommen zu einer kleinen Nachtmusik, wenn die Bewohner auf
der Suche nach dem Lichtschalter über Töpfe, Flaschen, Hunde und andere Gegenstände stolpern. (2)

Ich will nicht kleinlich sein, das Haus ist nun bezugsbereit. Da gibt es zwei Möglichkeiten zur Einrichtung.
Ich schreibe ja über Innenarchitektur.

Die einfachere Version ist, dass in jedem Raum auf einem Tisch ein Fernseher steht. Da wird dann wieder gebohrt,
ach, nur kleine Löcher für die Antennen. Im Wohnzimmer genügt ein Fernseher nicht. Das muss ein sogenanntes
Heimtheater mit dreiundzwanzig Surround Lautsprechern sein. Dann wird wieder gebohrt, für die Satellitenschüssel.
Weil dort, wo die Fernsehgeräte stehen, üblicherweise keine Stromanschlüsse vorhanden sind, werden Stromleitungen
und Lautsprecherkabel dekorativ auf den Fussboden aus klebefreundlicher Keramik gekleistert. Solche Installationen
finden Ungläubige ebenfalls in modernen Einkaufszentren, wie Central World in Bangkok, Airport Plaza in ChiangMai
oder im Carrefour in Hangdong.

Nehmen wir an, die Fernseher funktionieren. Die Zuseher sitzen, durch einen Ventilator belästigt, auf dem Boden
und glotzen mit rotzenden Nasen und Nackenschmerzen zum Tisch, wo die Flimmerkiste steht.
Hausrat wie Schränke, Stühle, Tische und Bettgestelle gibt es in der bescheidenen Version nicht. Die Kleider liegen
auf einem dekorativen Haufen in einer Ecke.  Luxuriös ist es bereits, wenn zwischen zwei Wandhaken eine Schnur
gespannt wird. Da kann man nasse Sachen ebenfalls gleich trocknen.

In einer anderen Ecke lagern zwischen leeren Schachteln unbenutzte, vielleicht defekte Laptops, tragbare DVD Spieler,
DVD und CD in Stapelverarbeitung mit schlechtem Zugriff, abgefahrene Autoreifen, Prospekte der Grossverteiler,
Schulbücher und in Originalverpackung ein Stück Pizza vom Vorabend.
In der Küche wird auf dem Fussboden gearbeitet. Praktisch, weil da auch Töpfe, Pfannen und Geschirr stehen.
Merke: Klimaanlagen blasen bei geöffneten Fenstern merkbar kräftiger. Mückenschutzgitter gibt es nicht, auch bei Version zwei.

Bei der luxuriösen Version wird das Haus mit Einrichtungsgegenständen, meist westlicher Bauart, vollgestopft.
Schlanke Thais quetschen sich leicht durch eine überbordende Wohnlandschaft, die für kraftvoll gebaute Menschen
zum schweisstreibenden Hindernislauf wird. Der Parcours wird durch diverse an besonders kritischen Stellen plazierte
Vasen, Nippes, Photos und Kitsch aus Keramik und Plastik erschwert oder gar verunmöglicht. (3)
In den Räumen gibt es alle erdenkliche Art von Elektronik neuester Technologie. Sie wird durch improvisierte, meisterhaft
auf den Boden drapierte Kabel mit Strom versorgt. Bei zu hohen Strombelastungen dienen diese Kabel als Bodenheizung.
Meistens stehen mehrere Bildschirme herum. Im brechendvollen Haus steht erfahrungsgemäss ein weiteres Home Theater
im Schlafzimmer.

Wie auch immer, nicht nur das Haus, die ganze Einrichtung wird abgestottert. Schaut euch bloss einmal die einschlägigen
Prospekte und Kataloge der Firmen Tesco-Lotus, Carrefour, Big-C und so weiter an. Null Prozent bei vierundzwanzig
bescheidenen Raten. Wenn ein Gegenstand endlich bezahlt ist, ist er defekt, ausgeleiert, hat Lackschäden oder ist
technisch veraltet. Daher muss der Sin Sod, das Brautgeld, bar auf den Tisch gelegt werden.




(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Raute
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Eine_kleine_Nachtmusik
http://www.youtube.com/watch?v=Qb_jQBgzU-I
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kitsch

Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 06. September 2009, 18:12:27
Low, ist das tatsächlich im Nordosten allgemein so üblich, oder berichtest
Du scherzhafterweise über die aussichtsreichsten Teilnehmer eines großen
Messie-Wettbewerbs??

mfg kmr
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 06. September 2009, 18:38:54
Lieber Rolf,

ich habe mich wieder einmal herrlich über Deine Beschreibung thailändischen Baukünste auf dem Lande gefreut.
Fairerweise muss man zugeben, dass man inzwischen in Bangkok und auch schon anderswo Häuser sehen kann. die auch verwöhnten westlichen Ansprüchen genügen dürften.
Aber zurück zur rustikaleren Ausgabe thailändischer Baukunst:
Ein Bekannter aus Hua Hin, ein thailändischer Rechtsanwalt, der in der Schweiz zur Schule gegangen war und demzufolge in feinstem Schwitzerdütsch erzählt, berichtete uns die gesammelten Erfahrungen, die er mit seinem Hausbau in Hua Hin machen durfte.
Erstens wollt er kein Haus mit zwanzig Erkerchen und Dächlein, auf Schnörkel aller Art sollte weitestgehend verzichtet werden, das Haus sollte dafür hochwertig und praktisch sein, den Plan für das Haus hatten wir ein,zwei Jahre zuvor zusammen in einer Kneipe in Hua Hin im Groben ausbaldowert. Also vier gerade Wände und ein Dach drauf  mit ausbaubarem Dachgeschoss, genug Platz für eine Familie mit Kindern und einer isaanischen Haushaltshilfe/Kindermädchen.

Der Architekt übernahm den Plan gern, das sah ja auch einfach aus. Nicht einmal der große Extraraum, der als Vorratsraum, Autoabstellraum, Lagerraum (mit direktem Zugang zur Küche) war vergessen worden.
Der Architekt erstellt also aus der Vorplanung einen offiziellen Bauplan.
Die ersten Falten auf der Stirn bekam er, als er die Aluminium-Billigfenster durch wärmegedämmte Fenster und Türen europäischer Machart  austauschen sollte, die nächsten Falten kamen hinzu, als sich nicht nur die Anzahl der Steckdosen vervielfachte, sondern als eine Aufputzverlegung kathegorisch abgelehnt wurde, als auch alle Wasserleitungen unsichtbar unter Putz verschwinden sollten, als absolut glatte Wände ohne Dreckecken gefordert wurden, als das Dach mit PU-Schaum isoliert werden musste, und so weiter, und so weiter.
Jede Anforderung musste mit hohem Aufwand durchgesetzt werden, war sie aber erst einmal in die Tat umgesetzt, wurde sie allgemein als ganz ausgezeichnet befunden.
Da vieles von dem Lob auch vom Architekten für sich aquiriert werden konnte, glätteten sich im Laufe der Zeit die zuvor entstandenen Stirnfalten, um bei Beendigung der Bauarbeiten einem strahlenden Lächeln Platz zu machen, als er allgemein wegen seiner modernen, energiesparenden, ja geradezu wegweisenden Arbeit gelobt wurde. Vergessen war der zu Anfang bestehende verbissene Widerstand gegen die eigenwilligen Forderungen des Bauherrn.
Es wäre also alles in bester Ordnung gewesen, hätte nicht die Ehefrau meines Bekannten (aus Udonthani) nach Bezug des Hauses zu Anfang einige Schwierigkeiten mit der ungewohnten Perfektion gehabt hätte. :D :D :D
Aber das soll sich inzwischen auch gegeben haben...

Ich kann mir leicht vorstellen, mit was für Probleme Bauherren in Thailand zu kämpfen haben, wenn sie sich nicht bedenkenlos mit der weitverbreiteten thailändischen Art einer Problemlösung abfinden wollen. ???
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 06. September 2009, 23:18:15
Drwkempf und Khun mai ru

Unser Häuschen im Dorf wurde bis aufs Lanna Dach eher nach westlichen Massstäben gebaut.
Zwei weitere, Beauty Salon und Gästehaus, wurden unter unserer Aufsicht nach westlichen Vorgaben renoviert.

Ordnungssinn

Das ist nicht nur in Nordthailand, Region Chiang Mai, gebräuchlich.
Ich wurde von Frauen aus Zentralthailand gewarnt, die Ladies aus dem Norden seien sehr attraktiv, sexuell
eher possessiv aggressiv, aber leider oft etwas unsauber, um nicht deftigere Ausdrücke zu benutzen.

Dick besitzt ein sehr schönes Haus in Phitsanulok. Das wurde an eine Thaifamilie vermietet. Die Reparaturkosten
überstiegen die Mietzinseinnahmen bei weitem.
Die Leute waren offenbar wasserscheu. Die Wände waren geschwärzt mit öligen Fingerabdrücken. Die Installationen
im Badezimmer mussten total erneuert werden. Die Deckenlampen wurden heruntergerissen. Ein kleiner Balkon
musste saniert werden, weil der offenbar die Bremsen des Autos ersetzte.
Diese Menschen wohnten vielleicht vorher in einer Höhle in den Hügeln, kamen aus der Steinzeit in die Neuzeit und
waren für die Benutzung einer einfachen, aber gut eingerichteten Mietwohnung, vollständig überfordert.

Ich würde nie eines unserer Häuser an Thais vermieten. Es ist für uns weitaus einträglicher, die Wohnungen leer
stehen zu lassen und sie wöchentlich zu reinigen.

Über Dreck, dessen Entsorgung, Abenteuer im Badezimmer, Mietwohnungen und dergleichen, schrieb ich bereits
unzählige Geschichten.

Bedauerlich für mich an der letzten Geschichte ist, dass bisher niemand über den Schluss schmunzelte:

Wenn ein Gegenstand endlich bezahlt ist, ist er defekt, ausgeleiert, hat Lackschäden oder ist technisch veraltet.
Daher muss der Sin Sod, das Brautgeld, bar auf den Tisch gelegt werden.


Hätte ich mich deutlicher ausdrücken müssen?
Low







Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 07. September 2009, 02:14:53
Zitat
Bedauerlich für mich an der letzten Geschichte ist, dass bisher niemand über
den Schluß schmunzelte.

Lieber Low, bei allem Respekt vor Deinen vielseitigen Fähigkeiten, zu denen auch der
Durch- und Weitblick zählt, aber WIE willst Du DAS denn wissen?  ???  Ich schmunzle
jedenfalls immer noch...;-)

mfg kmr
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: drwkempf am 07. September 2009, 04:01:51
Den ersten Satz der Aussage habe ich verstanden, die kausale Anknüpfung des zweiten Satzes nicht so richtig. ???
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 07. September 2009, 11:08:13
Khun mai ru

Niemand äusserte sich: „Meine ist anders. Sie ist weder ausgeleiert, noch ist der Lack ab.“
Ganz anders bei Dick. Wenn sie im Garten richtig zupackt, müssen nachher unter Umständen die Nägel neu lackiert werden.


Danke Wolfram,

Ich dachte, nach all den Geschichten können sich die Leser ein Bild machen über unsere Wohnsituation.

Viele Farang haben ein Haus mit Blaudach, wie wir aus der einschlägigen Forenliteratur wissen.
Wir haben im Dorf nicht ein Haus, sondern deren drei. Alle ohne Blaudach.
Eines wurde von mir geplant und gebaut. Zwei andere Häuser, das Gästehaus
und den Beautysalon, Thaibauten, renovierten wir.
Der Beauty Salon liegt am gleichen Grundstück wie das Haupthaus. Da entfernten wir bloss ein Stück Mauer.
Wir haben Zugang durch den Garten.
Das Gästehaus dagegen ist etwa 200 Meter entfernt.
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 08. September 2009, 21:56:25
Nägel ?

Ich meinte die Fingernägel.

Sorry!
Titel: Kleider machen Leute
Beitrag von: Low am 08. September 2009, 22:01:46
Kleider machen Leute                                              Anfangs September 2009

Der Hintergrund der Geschichte: „Der Hauptmann von Köpenick“ dürfte den meisten Lesern und Leserinnen
bekannt sein. (1) Eine milde, hinterindische Variante davon erfuhr ich in den letzten Tagen. Doch bereits die
Vorgeschichte ist eine einzige Köpenickiade.

Einer der Söhne betreibt einen IT Laden draussen in der weit abgelegenen Provinz.
Er ist erfolgreich mit Geräteverkauf, Reparaturen, Virenbekämpfung und bietet nebst Schulung ebenfalls
Internetbenutzung an. Schulen und Ämter benutzen seine professionellen Dienstleistungen.
Er bildete sich vor Jahren auf PC Grafik aus, führte viele einträgliche Aufträge durch und wurde vom Chef dafür
um den Lohn betrogen. Danach studierte er einige Semester Informatik. Anstelle einer Einführung in die
Infinitesimalrechnung, sandte ihn die Schule von Chiang Mai in eine Firma nach Phitsanulok, wo er den
Spezialisten bei der Lösung von Problemen mit SQL Datenbanken behilflich war. (2, 3)
Die Lehranstalt kassierte dafür wacker ab. Ich dagegen beharrte auf Differential- und Integral-Berechnungen.
Die sogenannte Universität musste zugeben, dass es keine Lehrkraft dafür gab. Als er nach der Rückkehr selbst
bemerkte, dass er mehr wusste als seine Lehrer, gab er frustriert auf und eröffnete kurz darauf sein Geschäft.

Er startete konkurrenzlos in einem grösseren Dorf. Als einige Neider sahen, dass mit Personalcomputern einige
Baht zu verdienen waren, eröffneten sie ohne jegliche Kenntnis überdimensionierte Internetshops mit geliehenem
Geld. Sie boten darauf Internet zu Dumpingpreisen an, zehn Baht die Stunde. Ich bezweifle, dass sie damit Geld
machen können.
Als ihre Computer verwanzt waren und dauernd abstürzten, baten sie die Konkurrenz vergeblich um Abhilfe. Er
war mit seinen eigenen Aufgaben mehr als ausgelastet.

Am Wochenende herrscht im kleinen Fachgeschäft Hochbetrieb. Unser Pflegesohn, der noch zur Schule geht, aber
einige Erfahrung mit den Geräten hat, verreist jeweilen am Freitagabend zu Pi Du und hilft im Geschäft mit, wo er
einige Baht für seinen zukünftigen PC verdienen kann. Bisher häufte er siebentausend Baht an. Ich werde wohl noch
einige Satang drauf legen müssen.
Der Geschäftsinhaber verreist manchmal an die vierhundert Kilometer nach Chiang Mai um PC Ersatzteile oder neue
Geräte zu besorgen. Die Computer sind nicht der einzige Grund für seine Reisen, denn er kennt in Chiang Mai eine
hübsche junge Dame.

Der Pflegesohn führt dann das Geschäft selbständig zusammen mit einem etwas älteren Angestellten, der leider
arglos und einfältig ist, vor allem in rechnerischen Belangen.

Eines schönen Samstags kam ein Mönch in das Geschäft. Er wandte sich an den tölpelhaften Angestellten und erzählte ihm,
der Herr Geschäftsgründer borgte im Tempel fünftausend Baht, bezahlte die Schuld jedoch nie zurück.
Er möchte den Betrag sogleich einkassieren. Der gutgläubige Angestellte wollte bereits in die Kasse greifen, als sich der
Zwölfjährige einmischte.

Er fand die Geschichte reichlich komisch. Ein Tempel, welcher Geld ausleiht und erst noch an Pi Du? Er verbrachte selbst
bereits zwei Wochen in einem Tempel und wusste, dass Mönche kein Geld berühren sollten.
Er telefonierte flugs seinem abwesenden Chef und erklärte ihm den Sachverhalt. Phi Du instruierte ihn, er solle das Handy
dem Mönch übergeben. Er würde dann mit ihm sprechen.
Dem Jungen jedoch schien dieser Mönch suspekt. Er befürchtete, dass sich der Kerl in Mönchskutte mit seinem Handy in
der Hand aus dem Staub machen würde.
Er bat Phi Du, aufs Festnetz anzurufen. Dann könnte er mit diesem Telefon mit dem ehrwürdigen Mönch sprechen.
Der Junge informierte den Mönch beflissentlich, dass gleich das Telefon klingeln würde, dann könne er sich mit dem Chef
unterhalten, bevor die Zahlung erfolge.

Als es klingelte und der Junge behende das Telefon beantwortete, spurtete der Mönch plötzlich davon und verschwand
blitzartig im wartenden Pick up auf der Strasse.

Andere, weniger gewitzte Geschäftsangestellte im Dorf glaubten die erstunkenen und erlogenen Fabeln des Betrügers
und bezahlten zusammen an die 13’000 Baht, -wohl kaum für einen Tempel.

Sofern ihr Glück habt, klopft demnächst ein Mönch an eure Tür.


(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptmann_von_K%C3%B6penick
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Infinitesimalrechnung
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/SQL




Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 09. September 2009, 02:39:14
Das hat der Bursche clever geregelt. Zwölf Jahre Thai-Erfahrung zahlen sich
eben aus ;-) und dürften den Wunsch-PC mit der Unterstützung von Phi Du
sicherlich in greifbare Nähe gerrückt haben.

Ach ja, - was kostet eigentlich so ein safranfarbenes Gewand?  ;D

mfg kmr
Titel: Robe
Beitrag von: Low am 09. September 2009, 11:49:32
Die Mönchsrobe wird Ti civara genannt.
Sie besteht aus drei Teilen: die Unter-Robe (antaravasaka), die Ober-Robe (uttarasanga) und die Äussere Robe (sangati).

Ich empfehle die Geschichte: Short time Buddha von Monk UUU.
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1382.0

Üblicherweise schenkt jemand die Robe.
Siehe: Kathin

Die totale Verulkung im Internet:
Original 7teilige buddhistische Mönchsrobe Thailand gold. 95.95 €*. Original Buddhistische 7teilige Mönchsrobe zum wickeln !
www.preisroboter.de/ergebnis16951703.html

Damit bist Du dann richtig gewickelt, um Schulden einzutreiben!
Titel: Re: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: khun mai ru am 09. September 2009, 16:44:56
Trägt der korrekt gekleidete - sorry - Inkasso-Monk, zur  Businesswicklung
auch neue Sandalen, oder kann man das aufzubringende Startkapital durch
Nutzung der alten Treter etwas reduzieren?

Working Permit... ???  :)

ratlos, kmr
Titel: Geschichten aus Hinterindien
Beitrag von: Low am 10. September 2009, 00:31:10
Empfehle als Treter RAICHLE SKI GTX,
besonders für Anal-phabeten, welche die TripleU Geschichten nicht lesen oder verstehen wollen.
Dieses Schuhwerk ist besonders geeignet füt Tritte in den Allerwertesten und bietet gleichzeitig hervorragende HIV Prophylaxe.

http://de.wikipedia.org/wiki/Prophylaxe

Nächste Auskunft: Teuro 10.00
Titel: Mangelware Erziehung
Beitrag von: Low am 10. September 2009, 15:13:37
Mangelware Erziehung

Ich suchte vergeblich nach schönen, wahren, herzerfrischenden Geschichten, nachdem die Politik, Unglücksfälle
und Verbrechen, nicht viel Erfreuliches bieten.

Wir versuchen immer wieder, Menschen zu helfen, besonders wenn es die Familie betrifft. Manche Fälle sind
leider hoffnungslos.
Ich erzählte bereits von dem armen Onkel, der von Dick ein Grundstück von vierzig Rai ergatterte.
Er bebaute bis Ende August zusammen mit der Familie etwas Land auf Dicks Farm. Dann erhielt er ein verlockendes
Angebot, als Fahrer für eine Zement Firma zu arbeiten.
Das Bargeld verführte ihn wieder einmal, obwohl er bisher bei seinen profitablen Anstellungen jedesmal nach Strich
und Faden betrogen wurde und am Ende rein gar nichts übrig blieb. (1) Nach der letzten gewinnbringenden Anstellung
war er gezwungen, sein Auto zu verkaufen, um die entstandenen Schulden zu begleichen!
Trotzdem verliess er zu Gunsten der Zementfabrik den Hof.
Seine kranke Frau kehrte in ihr Dorf zurück. Einzig zwei unerzogene und bösartige Söhne blieben auf der Farm.
Die Mutter konnte die Sprösslinge nicht mitnehmen, da die Bengel wegen ihrer Missetaten dort in der Schule nicht
mehr geduldet werden.
Noch als der Onkel selten ein wachsames Auge führte, quälten die Schelme unseren jüngeren Pflegesohn, dass dieser
fortan den Grossvater und die Tiere auf der Farm nicht mehr besuchen wollte.
Ohne jegliche Aufsicht überbordeten die zwei Taugenichtse. Sie waren zu faul, um irgend eine sinnvolle Tätigkeit zu
verrichten. Während andere auf dem Feld arbeiteten, Reis pflanzten oder Unkraut jäteten, frassen die zwei
Unersättlichen deren Proviant auf.
Aus Langeweile begannen sie, Tiere zu quälen. Ihr Register nach nur einer Woche lässt kaum zu Wünschen übrig.
Sie brachen fünf Enten die Füsse.
Sie schossen zwei Ochsen mehrere Plastikkugeln in die Nacken, dass eitrige, madige Geschwüre entstanden.
Grossvater entdeckte die Geschosse in den Wunden und stellte die Missetäter zur Rede. Die hatten tausend faule Ausreden.
Danach wurden Hühner ihre Opfer. Sie verletzten einige so schwer, dass sie getötet werden mussten. Andere brachten
sie um und frassen sie sogleich auf. Die ganze Hühnerschar ist sichtlich verstört.

Es wird Dick nichts anderes übrig bleiben, als den Onkel und seine Sippe nach der Ernte aus dem landwirtschaftlichen
Familienbetrieb zu verbannen. Seine vierzig Rai sind sowieso etwa fünfzig Kilometer weit entfernt.

Vielleicht muss ich jemanden anstellen, der die beiden Halbwüchsigen für hundert Baht nach altüberlieferten
Gepflogenheiten verdrischt. Für qualifizierten Nachwuchs in der hinterindischen Ganovenszene hat Onkel jedenfalls
bestens vorgesorgt.
Eine faule und blasierte, bloss fordernde Tochter, welche die Schule beendete, dürfte demnächst die Gosse bereichern
und bald irgendwo in der einschlägigen Szene zu finden sein.(2) Ich verzichte bewusst auf die Schilderung weiterer
Einzelheiten, jetzt, wo es für viele letztendlich interessant würde.

Fakt nicht Fiction.


(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Nach_Strich_und_Faden
(2)
http://synonyme.woxikon.de/synonyme/blasiert.php

http://www.kirche-heute.ch/index.php?AusgabenNummer=35&Jahrgang=36&Id=8474

http://www.bundespraesident.de/dokumente/-,2.630996/Artikel/dokument.htm


Titel: Flatrate und Farbpalette
Beitrag von: Low am 12. September 2009, 15:25:16
Flatrate und Farbpalette                                                                                                   September 2009

In unserer Gegend grassieren gesetzeswidrige Geld- und Glücksspiele. Jeder ist nach schnellem Gewinn aus.
Letzte Woche erwischten die Ordnungshüter zwei Mal eine Nachbarin.
Einmal bezahlte sie den Gendarmen achthundert Baht. Nachher wurde sie um bloss dreihundert Baht erleichtert.
Die Beamten offerierten ihr grosszügig gegen eine monatliche Gebühr eine Jahres-Flatrate! (1)                    
Solche oder ähnliche Abkommen existieren ebenfalls mit Kredithaien. Die liefern gemäss meinen Informationen
zehntausend Baht pro Monat für ihren „Gewerbeschein“ ab.

Das Frauenzimmer, welches der Polizei zweimal ins Netz ging, hat zumindest einen Farang Gatten. Ob sie mit dem
verheiratet ist, weiss ich nicht. Doch existiert da ein Leibesfrüchtchen von zweiundzwanzig Jahren. Dieser Kerl wurde
mit achtundzwanzig Yaba Tabletten erwischt. (2) Er ist immer noch auf freiem Fuss, nicht auf Freiersfüßen und auch
das ist nicht auszuschliessen.
Er verunglückte vor einiger Zeit auf einem Trip (eindeutig Doppeldeutig) zusammen mit seiner Frau mit dem Motorrad.
Seitdem ist sie stark gehbehindert. Das hindert sie nicht am Drogenkonsum. Väterchen rückt täglich tausend Baht für
die „Ernährung“ der sauberen Pärchens heraus, denn der verwöhnte Nachwuchs lernte den eigenhändigen Broterwerb
nie kennen.

Diese jung Verheirateten besitzen einen Toyota Corolla. Das Fahrzeug wurde auf Gasbetrieb umgebaut. Seit drei Jahren
sind die Steuern überfällig. Versicherung gibt es meines Wissens kaum. Der abgeänderte Wagen wurde nie vorgeführt.
Im Forum werden dauernd die Gelben und die Roten erwähnt. Warum eigentlich? Die Braunen drücken bei diesen
Schwarzfahrern offenbar beide blauen Augen zu!

Während unserer Reisen fielen mir jeweilen am Jahresende auf den Schnellstrassen um Lampang oder Chiang Mai hunderte
geparkter Fahrzeuge am Strassenrand auf. Entweder hatten sie keine gültigen Kleber an der Windschutzscheibe,
die Fahrzeugpapiere waren nicht in Ordnung, fehlten oder die Fahrzeuge waren ganz einfach geklaut. Die warteten
stundenlang darauf, dass die Kontrollposten der Polizei demnächst aufgehoben würden.

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Flatrate
(2)
http://www.gifte.de/Drogen/yaba.htm

Fakt

Titel: Speisekarte Teil 1
Beitrag von: khon_jaidee am 12. September 2009, 16:08:11
@ Low, mach bitte weiter mit deiner Speisenkarte.

Zusätzlich Thai-Schrift, wie von illuminati vorgeschlagen, macht ihn noch wertvoller.

Dann wollen wir mal...



KHON JAIDEE & LOW
Der kleine Thaispeisen Katalog


Deutsch  Englisch  Thai
Ausgabe 2 / September 2009

Die Verzeichnisse sind bestimmt unvollständig. Die Thai Schreibweise ist unterschiedlich wie Muh und moo für Schwein. Ausgefallene Speisen wie Hunde, Katzen, Ratten, Schlangen, Elefanten, Affen und Raupen wurden (noch) nicht berücksichtigt.
Dagegen findet der fortgeschrittene Liebhaber Hühnerkrallen und Entenflossen.
Die Rezepte werden je nach Restaurant verschieden interpretiert und zubereitet.
Bei rohem Fleisch und ungekochtem Blut empfehlen wir Vorsicht und Zurückhaltung.

Vorschläge und Ergänzungen sind immer willkommen.


Knabbereien                          Snacks         Kong tarn lane       ของทานเล่น

Gebratene Cashewnüsse    Fried cashew nuts    med mamuang tod   เม็ดมะม่วง ทอด

Gebratene Frühlingsrollen    Fried spring rolls         popia  tod      ปอเปี๊ยะ ทอด

Gebratene Erdnüsse       Fried peanuts         tua lisong tod      ถั่วลิสง ทอด

Gebratene Bananenscheiben  Fried bananas             gluai tod      กล้วยทอด


Scharfe Thaisalate                   Spicy Thai salads        Yam         ยำ

Grüner Papayasalat                     Green papaya salad      som tam      ส้มตำ

Rindfleischsalat                 Beef salad                    Yam nüah      ยำเนื้อ

Tintenfischsalat                     Squid  salad             Yam plahmug      ยำปลาหมึก

Garnelensalat                               Shrimp salad          Yam goong      ยำกุ้ง

Salat mit gehacktem       minced pork salad   Labb (Isaan)muh   ลาบ(อีสาน)หมู
Schweinefleisch, Isaan          
Auch mit    Huhn   Chicken       Gai         ไก่
            Ente      Duck       Ped         เป็ด
 Oder   Fisch      Fish         Plah         ปลา
oder weiteren im Isaan anzutreffenden Lebewesen.
Or others with Isaarn seasoning ingredients

Süss scharfer Salat mit Fisch und Garnelen   Sweet spicy salad with fish and shrimp   Yam Bai Bua Bog  ยำใบบัวบก
                                 
Glasnudelsalat mit Garnelen, Tintenfisch, Fisch, Knoblauch, Chili etc.
Spicy glass noodle salad, shrimp, squid, fish, garlic       yam wun sen      ยำวุ้นเส้น



Eierspeisen                               Egg dishes             Kai         ไข่

Weich gekochtes Ei                     Soft boiled egg      kai luak         ไข่ลวก
Hart gekochtes Ei                             Hardboiled egg      kai tom         ไข่ต้ม
Spiegelei                                           Fried egg               kai dau         ไข่ดาว
Rührei                                           Scrambled egg       kai kon         ไข่คน
Omelett mit Hackfleisch                 Omelette with minced porc          kai dschiau muh saap    ไข่เจียวหมูสับ
Omelett mit Chili sauce                    Omelette serve with Chili sauce     Khai-Chiao kub sauce plick ไข่เจียวกับซอสพริก


Reis                                           Rice                                    Khao         ข้าว

Gekochter Reis                     Rice steamed                       kao suey      ข้าวสวย
Klebreis                                  Sticky Rice                           kao niaoh      ข้าวเหนียว
Gebratener Reis                   Fried Rice                      kao pad      ข้าวผัด
Ungekochter, zerstossener, gerösteter Reis                    Khao-Khua-Pon   ข้าวคั่วบ่น   

Bratreis mit ..                           Fried rice with ..                Kao pad ...      ข้าวผัด
  
Huhn                                  chicken         kao pad gai      ข้าวผัดไก่

Schwein                             pork                     kao pad moo      ข้าวผัดหมู

Garnelen                           Shrimps                  kao pad goong      ข้าวผัดกุ้ง
        
Ei                                        egg                     Kao pad kai      ข้าวผัดไข่

Gemüse und Fleisch              Vegetables and meat     Kao pad ruam mid   ข้าวผัดรวมมิตร
  
Omelett                                 omelette                 kao pad kai djiau   ข้าวผัดไข่เจียว

Ananas, Fleisch und Gemüse      Pineapple                     kao pad sapparot   ข้าวผัดสับปะรด


Suppen                                   Soups         ซุป

Fadennudelsuppe mit Schweinehackfleisch       ก๋วยเตี๋ยวหมูสับ
Noodle soup with pork                              guaitiau muh sap
  
Fadennudelsuppe mit Rinderhackfleisch         ก๋วยเตี๋ยวเนื้อ    
Noodle soup with beef                              guatiau nüah sap

Fadennudelsuppe mit Fleischbällchen         ก๋วยเตี๋ยวลูกชิ้น
Noodle soup with meatballs                     guaitiau luhg schin

Glasnudelsuppe mit Fleisch und Gemüse      ก๋วยเตี๋ยววุ้นเส้น
Glass noodle soupwith meatand vegetables         kaeng dschued wun sen

Bandnudeln mit Fleisch und Gemüse         ลาดหน้าหมู
Noodles with meat and vegetables                   rahd nah muh

Bandnudelsuppe mit Tintenfisch         ลาดหน้าปลาหมึก   
Noodle soup with squid                                rahd nah plahmug

Eiernudelsuppe mit rotem Schweinefleisch      บะหมี่หมูแดง
Egg noodle soup with red pork                      bami muh daeng

Reissuppe mit Fleisch und Gemüse         ข้าวต้มหมู  
Rice soup with meat and vegetables            kao tom muh

Reissuppe mit Tintenfisch oder Garnelen      ข้าวต้มปลาหมึก, กุ้ง
Rice soup with octopus or shrimps                   kao tom plahmug,   goong
  
Scharfe Garnelensuppe mit Pilzen         ต้มยำกุ้ง     
Spicy shrimps soup with mushrooms            tom jam goong

Hühnersuppe mit Kokosmilch            ต้มข่าไก่
Chicken soup with coconut                                Tom Kha Gai

Kokosnussuppe mit Schweinefleisch         ต้มข่าหมู
Coconut Soup with pork                                    Tom Kha Muu

Pilzsuppe von Soya Pilzen            ต้มยำเห็ด ถั่ว  
Soy-Mushroom soup                                         Tom Yam hed tua


Nudelarten:
เส้นหมี่    = sen mi = duenne Fadennudeln
เส้นเล็ก   = sen lek = dicke Fadennudeln
เส้นใหญ่ = sen jai =  breite Bandnudein


(Pikante) Thai-Gerichte                             (Spicy) Thai dishes

Seemuscheln in Austernsosse      หอยลายผัดพริกเผา   
Clams with oyster sauce                             hoi lai pad prig pao

Gebratene Nudeln mit Ei, Gemüse, Erdnüssen   ผัดไทย
Fried noodles with egg,vegetables, peanuts            pad tai

Gebratene Bandnudeln mit Fleisch und Gemüse      ผัดซีอิ้ว
Fried noodles with meatand vegetables                   pad zi hju

Grobes Hackfleisch auf Reis, scharf   หมูผัดพริกราดข้าว
Minced pork on a bed of rice, spicy          muh pad prig rahd kao

Schweinefleisch mit Limonen      หมูมะนาว
Pork with Lime                                              muh manao

Snack mit Bananenblüte, Papaya, Chili und Kräutern   กระบองปลี มะละกอ
Deep fried banana blossom, papaya, chili, herb cake      &nb