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Wie funktioniert das mit den Bitcoins

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dbunkerd:
In einem anderen Thread wird längst über etwas debattiert, was mit dem Thema dieses Threads nichts mehr zu tun hat. Deswegen mache ich jetzt einen eigenen auf. Hier kann trefflich weiter über alternative Wirtschaftsformen gesprochen werden.

Da Bitcoins etwas mit Informatik zu tun haben, habe ich vor ein paar Jahren damit begonnen, mich mit Fragen der Wirtschaft, Währungsfragen usw. zu beschäftigen. Vorher hat mich das alles nie sonderlich interessiert, war mir zu trocken.

Also... Geld funktioniert nur, wenn die Geldmenge begrenzt ist und somit jeder bemüht ist, es zu bekommen. Idealerweise dadurch, dass er durch Arbeit etwas zur Volkswirtschaft beiträgt und dafür bezahlt wird. Dann hat er Geld womit er anderen etwas abkaufen kann, was er selbst braucht. Ist die Geldmenge nicht system-immanent begrenzt, ist das Geld wertlos, weil jeder welches "machen" könnte. Es ist zwar verboten, Euros zu drucken, aber Banken erschaffen Geld aus dem Nichts. Wer's nicht glaubt, dem belege ich das gerne.

Bitcoins existieren nur virtuell. Sie werden durch das Lösen sehr komplizierter mathematischer Aufgaben "erzeugt". Aufgaben, die nur sehr schnelle Chips lösen können, in der Regel sind das heute Grafikkarten-Chips. Auch ist sichergestellt, dass es erstens immer länger dauert bis neue Bitcoins gefunden sind und zweitens die maximale Anzahl begrenzt ist. Da man Bitcoins nur elektronisch verwenden kann, ist die Stückelung egal. Wenn etwas 0,0000032 Bitcoin kostet, dann kann man mit diesen Werten leicht umgehen.

Bitcoins haben auch einige Nachteile, auf die ich gerne zu sprechen komme, aber später. Mir war nur wichtig, dass der Thread erstmal da ist.

arthurschmidt2000:
Damit wir etwas mehr Futter in diesen Thread bekommen, und nicht gleich den einen oder anderen verstören, ein kurzer und sehr einseitiger  Abriss aus der Geschichte der Banken.

Als das Geld noch Gold war, bemerkte man ganz schnell, dass ein steigendes Handelsvolumen auch eine größere Geldmenge erforderte. Goldenes Geld konnte das nicht, also sann man auf Abhilfe.

Neudeutsch heißt das, die in einer Volkswirtschaft erforderliche Geldmenge ist nie konstant sondern vor allem konjunkturabhängig. Aber es gilt auch, je weiter die Arbeitsteilung fortschreitet, umso mehr Transaktionen sind erforderlich, Transaktionen, die finanziert werden müssen. Früher sprach man dann von einem blühenden Handel.

Die Finanzierung erfolgt damals wie heute über Geldschöpfung. Geldschöpfung aber funktioniert nur dann ohne schädliche Nebenwirkungen, wenn geschöpftes Geld  wieder vernichtet wird. Das geht leider nur so, indem Kredite getilgt werden. Gerade letzteres scheint mir heute ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein.

Ich habe meine Darstellung bewusst auf die Zeiten beschränkt, als Geld noch Gold war. Oder besser, Zeiten, in denen die meisten glaubten, Geld sei Gold.

Banken sind in etwa zeitgleich mit der Erfindung des Geldes entstanden. In der Literatur wird als wohl ältestes Institut der Tempel von Uruk genannt, der so 3300 vor Christus Bankgeschäfte betrieb und das Britische Museum zeigt voller Stolz Tontafeln der Bank Söhne des Egibi aus der Zeit der Assyrer.

Damals war bares Geld aus Edelmetallen geprägt jedoch damals wie heute  war der Transport dieser Metalle sehr gefährlich.

Also stellte die Filiale der Bank Söhne des Egibi in Assur gebrannte Tontafeln aus, die die Filiale dieser Bank in Babylon einlöste. Da der Handel in beide Richtungen lief, kauften die Händler in Babylon Tontafeln dieser Bank, um sie dann in Assur einlösen. Das Interessante daran,  Egibi und Söhne merkten, dass sie für ihr Tagesgeschäft viel weniger Gold benötigten, als sie für ihre Tontafeln erhalten haben. Vielleicht hatten die damals schon die Idee, das für ihr Tagesgeschäft nicht benötigte Gold gewinnbringend zu verleihen. Aber darüber haben wir keine Berichte.
 
Berichte haben wir aus dem alten Griechenland.

Dort gab es Banker, die gegen ein Entgelt Edelmetelle in Verwahrung nahmen. Eigentlich war es ihnen verboten, mit diesem Vermögen eigene Geschäfte zu betreiben, aber auffallen tat das nur wenn der Banker pleiteging und außerdem waren die Banker hoch angesehene Leute, die so viel öffentliches Vertrauen genossen, dass ihnen die Menschen ihr Geld anvertrauten.

Und die Versuchung war natürlich riesengroß, sehr riskante Geschäfte zu finanzieren. Der Gewinn blieb ihnen und die Einleger trugen das finanzielle Risiko.

Natürlich merkten die damals Regierenden, dass diese Banker die erstaunliche Fähigkeit besaßen, Geld aus dem Nichts zu schaffen, indem sie einfach ihnen anvertrautes Geld ausliehen und dabei auch noch reich wurden. So gründeten dann auch die Ptolemäer in Ägypten die erste staatliche Bank. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass auch die ihnen zur Aufbewahrung gegebenes Geld für eigene Geschäfte (mis) brauchte.

Aber die damals Regierenden entdeckten auch, dass die merkwürdige Fähigkeit der Banker, Geld aus dem Nichts zu schaffen, eine ergiebige Quelle der alternativen Staatsfinanzierung ist.

So musste die einstmals berühmte Bank der Fugger ihre Schalter schließen, als die Krone ihre Zahlungen einstellte.

Das ging dann so weit, dass in Zeiten der Not die Edelmetalle der Bank beschlagnahmt wurden und sie als Gegenleistung eine Schuldverschreibung erhielt. Damals nannte man das, es wurde mit Tinte bezahlt.

Selbst die damals hochangesehene Bank von Amsterdam, die weder Kredite gewährte noch Wechsel diskontierte und nur den Zahlungsverkehr abwickelte, scheiterte nach rd. 200 Jahren erfolgreicher Geschäftstätigkeit, als die Stadt Amsterdam in Zeiten der Kriegsnot Bares brauchte und auf die Reserven gemünzten Geldes dieser Bank zurückgriff.

Und im 19. Jahrhundert gestaltete John Law das französische Bankensystem zum Wohle der Staatsfinanzen so um, dass in Frankreich noch lange Zeit später die Worte Betrug und Bank synonym gebraucht wurden.

Ausdrücklich verweise ich darauf, dass damals Konjunkturprogramme und dergleichen völlig unbekannt waren und es auch keine Sozialstaaten zu finanzieren galt.

Aber das erklärt dann sehr gut, warum Banken heute noch sehr viele Freiheiten genießen.

Übrigens:

Der Papst Callixtus I (gestorben 223) begann seine Karriere als  Banker, der die Gutgläubigkeit seiner christlichen Mitbrüder fuer Spekulationsgeschaefte auf eigene Rechnung ausnutzte und dabei bankrottging. Da er später als Märtyrer starb wurde er heiliggesprochen. Seine Karriere hätte ihn eigentlich zum Schutzheiligen der Bankiers prädestiniert.

Würde das Neue Testament heute noch einmal übersetzt, wäre da nicht von Geldwechslern sondern richtigerweise von Bankern die Rede.

dbunkerd:
Also, wie gesagt, machen wir hier weiter um den anderen Thread bei seinem Thema zu lassen. Geldpolitik passt perfekt zu den Bitcoins.  :)


--- Zitat von: arthurschmidt2000 am 26. August 2014, 17:46:07 ---
--- Zitat ---Ich habe noch nie gesehen, dass ein Tier irgendwo Miete zahlt oder eine Kreditkarte zückt um sein Fressen zu bezahlen.
--- Ende Zitat ---

Richtig, wenn der Loewe Hunger hat, dann frisst der Dich.
--- Ende Zitat ---

Es ist nicht gesagt, dass er mich frisst. Er frisst irgendjemand. Fressen und gefressen werden ist ein Gesetz der Natur und kann schon deshalb kaum unmoralisch sein. Wichtig scheint mir nur, dass zumindest eine Chance besteht, nicht gefressen werden. Bei Banken hat man diese nicht (mehr).


--- Zitat von: arthurschmidt2000 am 26. August 2014, 17:46:07 ---Auch hier ist es wieder alles ganz einfach. Gäbe es keine Zinsen, gäbe es auch keine Kredite.
--- Ende Zitat ---

Das trifft nur zur, wenn man Geld als etwas Abstraktes sieht, oder als Selbstzweck gewissermassen. Es trifft aber nicht zu, wenn Geld als so etwas wie ein Rohstoff wie Kupfer, Eisen oder Getreide gesehen würde. Die Bank, als Dienstleister, "verkauft" Geld (als Kredit) und verlangt dafür einen Preis, den sie ja braucht wie jeder andere, um davon leben zu können. Wesentlich dabei ist aber, dass die Bank dieses Geld wieder ausgeben muss, weil sie davon lebt. Und es eben nicht dem Kreislauf entzieht und es somit unmöglich macht, die Schulden nebst Zinsen zurück zu zahlen, weil es ja gar nicht da ist.

Das ist übrigens nicht meine geniale Erfindung, sondern das war genau so früher einmal. Bis es schließlich für die Banken gar nicht mehr um Geldverdienen ging, das interessiert die nämlich gar nicht. Es geht unterdessen um Macht. Und die behält man am ehesten, wenn man im alleinigen Besitz des Druckmittels ist. Geld.

dbunkerd:

--- Zitat von: arthurschmidt2000 am 26. August 2014, 18:56:01 ---
Die Finanzierung erfolgt damals wie heute über Geldschöpfung. Geldschöpfung aber funktioniert nur dann ohne schädliche Nebenwirkungen, wenn geschöpftes Geld  wieder vernichtet wird. Das geht leider nur so, indem Kredite getilgt werden. Gerade letzteres scheint mir heute ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein.
--- Ende Zitat ---

Naja sicher ist die Rückzahlung wichtig. Das ist aber nicht in Vergessenheit geraten, sondern durchaus gewünscht. Dadurch erlangt man die Macht, die man eigentlich will.

Die Geldmenge erhöht sich zwangläufig durch Produktion, dann ist das gesund. Zinsen und Zinseszinsen sind krank, wenn sie nicht mehr erwirtschaftet werden können. Es ist doch ein Unding, dass die Deutsche Bank mit weniger als 3% Eigenkapital arbeitet und sich dann bei Forderungen nach mehr, hinstellt und sagt "ja woher sollen wir denn das nehmen?". Wenn das ein Handwerker macht, ist der längst pleite. Darüber hinaus hat die Politik jeden Einfluss auf die Banken verloren.

arthurschmidt2000:

--- Zitat ---Dadurch erlangt man die Macht, die man eigentlich will.
--- Ende Zitat ---

Das ist keine Machtfrage, das System der Geldschöpfung funktioniert nur dann, wenn geschöpftes Geld durch Tilgung der Kredite wieder vernichtet wird. Wäre das anders, könnte man auf Steuern verzichten und stattdessen den Laden kreditfinanzieren.

Kauft jemand sein Traumhaus, muss er die Zinsen mit einkalkulieren. Gäbe es keine Zinsen, die Nachfrage nach Traumhäusern wäre riesig. Will die eine Bank dann ihr Geld zurück, darf sie das nicht, weil sie damit eine ungerechtfertigte Macht ausuebt.


--- Zitat ---Zinsen und Zinseszinsen sind krank, wenn sie nicht mehr erwirtschaftet werden können
--- Ende Zitat ---

Umgekehrt wird ein Schuh draus, wären  Banken bei der Kreditvergabe vorsichtiger, hätten sie  davon abgesehen, ein solches Vorhaben zu finanzieren. Eine Investition, die sich nur unter sehr glücklichen Umständen rechnet, sollte besser unterbleiben. Und letztlich trägt in unserer Wirtschaftordnung der Investor das Risiko einer Fehlinvestition. Ist für den dann Genuss ohne Reue angesagt, siehe Traumhaus.

Und dass Regierungen über Zinsen stöhnen, wenn sie sich z.B. Geld leihen, um eine Fußball Weltmeisterschaft zu veranstalten oder ein Loch in der Rentenkasse zu stopfen, ist lächerlich.

Regierungen haben grundsätzlich immer die Möglichkeit, sich über Steuern zu finanzieren. Das scheuen die aber wie der Teufel das Weihwasser, denn dann würde sofort dem Dümmsten klar, was das alles wirklich kostet.

Der wichtigste Grundsatz der Nationalökonomie lautet, there is no such thing as a free lunch!


--- Zitat --- Darüber hinaus hat die Politik jeden Einfluss auf die Banken verloren.
--- Ende Zitat ---

Ich tippe da eher auf eine heimliche Komplizenschaft. Siehe meine kurz gefasste Geschichte der Banken.




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