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Die Mär vom Freund und Großen Bruder

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Dissident:
 Bei den Themen "Rettung des Abendlandes", "aus A-D-CH" sowie der "Arbeit der Bundesregierung" überschneiden sich einige Argumente, vor allem, wenn es um die Hintergründe geht. Ich habe mir mal Gedanken über einige geschichtliche Hintergründe gemacht (im Besonderen bezüglich auf US-D).

Darüber könnte man Bücher schreiben, deshalb habe ich es mal BILDzeitungsmäßig kurz gefasst und bediene mich auch der flapsigen Ausdrucksweise dieses Leitmediums. Daran sollte man sich also nicht stören - es geht nur um die großen Zusammenhänge, die man bei all der klein-klein-Erbsenzählerei einzelner Ereignisse schnell aus den Augen verliert.

Betonen muß ich, dass ich den folgenden Beitrag weder als links oder rechts-lastig verstanden wissen will - ich habe lediglich versucht - unabhängig von tendeziöser Lehrbuch-Geschichtsschreibung - ein möglichst neutrales Geschichtsbild zu zeichnen - ohne Rücksichtnamen und Beschönigungen.
Genug der Vorrede.

Dissident:
Die Mär vom Freund und Großen Bruder (Kurzfassung)

Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts betrieb die USA eine aggressive Expansionspolitik um die Erlangung und spätere Absicherung einer Vormachtstellung in der Welt.
Kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts führten die USA erstmals Krieg über ihre eigenen Landesgrenzen hinaus und begründeten ihre imperiale Annexionspolitik 1898 mit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg. Dabei ging es nicht nur um die Vorherrschaft auf den Phillipinen, sondern im gleichen Handstreich um die Perle der Karibik (Kuba) sowie die strategisch außerordentlich wichtige Hawaii-Inselgruppe.

Die heute über 250 weltweiten Armeestützpunkte und zahllosen Kriegsherde, wo die US gezündelt haben, spare ich mir hier aufzuzählen.
Frühzeitig wurde Deutschland als ein heranwachsender Konkurent erkannt - und bekämpft (ohne hier mal auf die bösen Einzelheiten einzugehen).

Nach dem Weltkrieg (1945) raubten die USA nicht nur die wissenschaftlich-technischen Spitzenkräfte, sondern plünderten auch das deutsche Patentamt (fast vergessen - auch die Goldreserven). Wie eine Frischzellenzufuhr von außen bewirkte das einen industriellen und wissenschaftlichen Aufschwung in den USA.

Nun gab es aber eine neue Situation mit dem Russischen Imperium und der "Gefahr" des Kommunismus. Ein neuer Gegner im - nun kalten - Krieg war geboren.
(West-)Deutschland bekam dabei eine sehr wichtige Aufgabe. Zum einen mußte es als Bollwerk gegen die "Rote Gefahr" hochgerüstet werden. Zum anderen mußte es als "Vorzeige-Ländle" für die Vorzüge und Überlegenheit des kapitalistischen Systems aufgepäppelt werden. Deutscher Fleiß und Arbeitswille waren ideale Zutaten.

Finanziell gab es bereitwillig amerikanische Kredite beliebiger Höhe, zwang man damit doch automatisch WD in amerikanische Hörigkeit/Abhängigkeit.
Abgerundet wurde das durch ein umfassendes amerikanisches Maßnahmepaket: D wurde wieder wie vor 1871 zerstückelt in verschiedene Bundesländer, unter amerikanischen Diktat wurde ein Währungssystem geschaffen, Zeitungen und Rundfunk zensiert gegründet, eine gemäßigte Parteienlandschaft (die keinem wirklich weh tut) mit Grundgesetz und Bundestag aus der Taufe gehoben.

Wer glaubt, das Sam das alles gemacht hat, weil er nach Kriegsende die Deutschen plötzlich innig in's Herz geschlossen habe, der soll weiterhin an den Weihnachtsmann glauben. Allerding muß man denen zu gute halten, dass sie genau das nach 45 permanent in der Schule und allen Medien eingetrichtert bekamen - und immer noch bekommen.

Zurück zum Thema. Die amerikanische Strategie ging voll auf. (West)Deutschland erlebte das sogenannte "Wirtschaftswunder" (auf Basis amerikanischer Kredite) und die Industrie entwickelte sich schnell zu alter Blüte.
 
So lange es den Osten als Gegenpart gab, hatte das alles noch seine Berechtigung. Als sich der Ostblock mit der Mauer auflöste, änderte sich die Situation - für die Alliierten, die nun in D. wieder eine Gefahr sahen (bezüglich wirtschaftlicher Vormacht). Diese deutsche Wirtschaftsmacht muß nun ständig zur Ader gelassen und gezügelt werden. Nur unter dieser Voraussetzung bekam die Birne seinerzeit das OK für den Ostbeitritt.

Seit dem ist D der größte Zahlemann in der EU, blecht z.B. für Griechenland und hat nun die halbe 3. Welt als Flüchtlinge an der Backe.

Noch Fragen, Kienzle? (Nein Hauser)

Kern:
Hallo Dissident


1. Du hast nun ein neues Thema zu einer altbekannten Thematik eröffnet.
Ober-Thema: Politik ist einerseits ein schmutziges, verlogenes Ding und andererseits teilweise oft das traditionelle Erfolgsmodell für kleine, clevere Schritte in ihrem Zusammenwirken.
Oder auch: politische Allianzen auf dem Prüfstand der langjährigen Wirklichkeit.
Oder auch: Warum haben wir kaum Politiker mit eigenen nationalen Zielen, mit eigenem Rückgrat, mit Eiern in der Hose? Welche tragfähigen Alternativen gibt es?

2. Aber bitte tu etwas mehr "Butter bei die Fische", denn wir haben hier schon reichlichst Themen und Beiträge, die das mittlerweile für Europa (unterm Strich  ??? ) nachteilige Wirken der USA beleuchten.

3. Bessere Alternativen sind gefragt. Und hoffentlich lesen hier Merkel, Gabriel und Co mit.


Gruß   Achim

Dissident:
Ich habe dargelegt, warum D und USA keine "Freunde" sondern Konkurrenten auf wirtschaftlichem (also letztlich finanziellen) Gebiet sind. Und das grob skizziert über nunmehr 117 Jahre. Ziel meines Beitrags ist dabei einen Anstoß zu geben. Falls sich hier auf Grund meines Beitrags ein Diskurs ergeben sollte, kann ich (oder andere) ja Details im Einzelnen nachreichen.

- In der Politik geht es (abgesehen von der Kommunalpolitik) eigentlich immer nur um wirtschaftliche Interessen. Können die Politiker derlei Wirtschaftsziele nicht durchsetzen, kommen die Generäle ins Spiel. Wirtschaftliche Interessen mit militärischen Mitteln durchzusetzen ist dann der letzte, aber oft einfachste Weg. Religiöse Gründe oder weltanschauliche ("wir bringen Demokratie statt Diktatur") als Kriegsauslöser sind immer nur vorgeschobene Gründe, um das Fußvolk zu motivieren, damit es dann begeistert den eigenen Kopf hinhält.

- Das Politik ein schmutziges Geschäft ist und Diplomatie meist die der kleinen Schritte bedeutet - das war nicht mein Thema. Nebenbei - warum ist eigentlich die Politik so schmutzig? Viele Politiker in ihren Anfängen haben sehr vernünftige und gute Ziel, sobald sie dann aber in der politischen Kariereleiter nach oben kommen, um so weniger bleibt davon übrig - bis es (ganz oben) nur noch "Wischi-waschi" ist. Das bedeutet doch, dass sie Stück für Stück korrumpiert werden. Was ist da unsere Demokratie überhaupt noch wert? Das wäre aber wieder ein ganz anderes Thema.

- Auch die Frage "wie weit sollen Politiker die wirtschaftlichen Landesinteressen vor die der Europäischen Gemeinschaft stellen?" - gepaart mit der Frage "Was ist gesundes Nationalgefühl, und was ist übersteigerter Eigennutz?" sind eigentlich ein gesondertes Thema.

Zurück zukommen auf mein obiges Thema: Die Politik  D-EU-USA  der Gegenwart ist keine Politik auf Augenhöhe, sondern geprägt von Machtverhältnissen und Abhängigkeiten (wirtschaftlich/finanziel) - hervorgegangen aus der Historie. Nix mit "befreundet"er Gemeinschaft. Es hat auch nix mit Demokratie zu tun. Denn egal, wer gewählt wird, die Macht- und Finanzverhältnisse bestehen extern.

Es bedürfte eine außerordentlich charakterstarke Persönlichkeit als Spitzenpolitiker, der zumindest im Detail (z.B. in der Asylpolitik o.a.) einen konsequenten Kurs fährt und den dann offen vertritt.
Das es aber solch charkterstarke Persönlichkeiten nie an Spitzenpositionen bringen, liegt an der ganzen Parteienstruktur und dessen hirarchischen Aufbau. Es ist genau so, wie bei den Ämtern. Arschkriecher (uups) bevorzugt. Und das ist gewollt und das Kranke am System.

arthurschmidt2000:
Nationen haben keine Freunde, sie haben Interessen!

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