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Autor Thema: Geschichten aus der Geschichte  (Gelesen 94513 mal)

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asien-karl

  • Gast
Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #435 am: 23. Oktober 2020, 10:38:18 »

Die Unterzeichnung ging Ruck-zuck.9 Unterschriften mussten geleistet werden,8 davon
mit blau-schwarzer Tinte ,nur der oesterreichische Aussenminister unterschrieb mit
gruener Tinte.(Das war seine private Entscheidung und hat nichts mit Protokoll zu tun.)
Unterschriften & Stempel (Weltweite Industrie), wie ich dieses Spiel liebe.
Da müssen nicht selten, je nachdem welche Länder oder Institutionen beteiligt sind.
Einige Dokumente in Blau, dann welche in Schwarz, mit und ohne Stempel versehen werden.
Da müssen spezielle Stempel erst noch aus dem Hauptsitz organisiert werden, zum teil mehrer 100KM weit entfernt. Was natürlich erst kurz vor der Unterzeichnung auffällt und wo dann der Stempel im Restaurant zu später Stunde und nach hohem verbrauch des Alkohols noch drunter kommt.  ;D

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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #436 am: 26. Oktober 2020, 10:00:14 »

Abspann

Dieser Tage habe ich mir das Angebot der Immobilien in der Kurstadt Baden bei Wien
zur Gemuete gefuehrt.

Nach den alten Roemern gefaellt mir diese biedermeierliche erhaltene Stadt,wo die
Schwefelquellen sprudeln,das Spielcasino einladet,im Sommer der Kurpark seine Pracht
entfaltet u.s.w.

Dort will ich wohnen,wenn ich wieder nach Europa gehe.

Eine huebsche Villa,erbaut um 1870, hat daher grosszuegig geschnittene Zimmer,nebst
gepflegten Garten wird um knapp 5,0 Mio Euros angeboten.

Nach Ueberpruefung meines Kontostandes muss ich mich von dem Vorhaben verab-
schieben und feststellen,dass ich um Jahrzehnte,fuer einen Kauf zu spaet dran bin.

1950 waere der beste Zeitpunkt gewesen,eine Immobilie in Baden zu kaufen.

Die angesprochene Villa,waere damals um 50.000 ATS zu haben gewesen sein und doch
hat sie niemand gekauft.
Viele der Immobilienbesitzer wollten ihr Eigentum so rasch wie moeglich verkaufen
und in die westlichen Bundeslaender ziehen.Raus aus dem russischen Besatzungsgebiet,
hin,wo man einen privaten oder geschaeftlichen Start wagen kann und wo man sich halb-
wegs sicher fuehlen konnte.

In Baden befanden sich einige russische Behoerden,viel sowjetisches Militaer und die ge-
fuerchtete Villa Nicoladoni,die als Gefaengnis verwendet wurde.
Willkuerlich verhaftete Personen verbrachten Monate dort,dann bekamen sie aus Moskau,
ohne Verhandlung,das Urteil,das entweder auf Hinrichtung lautet oder auf 25 Jahre Ge -
fangenschaft in einem sibirischen Gulag,wegen Spionage fuer die USA.
Die Hinrichtungen erfolgten unmittelbar in dieser Villa.

Es ist daher nachzuvollziehen,dass die Oesterreicher im russischen Besatzungsgebiet,
den Staatsvertrag mit groesserer Erleichterung,als in der amerikanischen,englischen
oder franzoesischen Besatzungszone,empfanden.
Die 3 Alliiierten wurden zwar auch nicht als willkommende Freunde betrachtet,aber unter
deren Besatzungsgebiet entwicklelte sich bald so etwas wie Normalitaet.

Die Wirtschaft zog an,die ersten Investitionen wurden getaetigt und erste Anzeichen
des Tourismus waren bemerkbar.
Hingegen war der russische Sektor totes Land und immer noch gepluendert.
Zwar sind die einzelnen Uebergriffe der Angehoerigen der roten Armee bis 1955 stark
zurueckgegangen,doch die in USIA - Betrieben erzeugten Gueter,waren nicht fuer die
oesterreichische Bevoelkerung bestimmt,sondern wurden in die Sowjetunion ausge-
fuehrt.
Was man als Positivum anfuehren soll,ist die ausgezeichnete Entlohnung fuer die oester-
reichischen Arbeiter in diesen Betrieben.
Damit wollte man guten Wind fuer den einzufuehrenden Kommunismus machen.

Wie sehr eine Last in der Bevoelkerung des Waldviertels durch den Staatsvertrag weg-
fiel,zeigte sich daran,dass mein Onkel erst im Herbst 1955 ein Lieferauto kaufte,ob-
wohl er es auch schon 3 Jahre frueher haette kaufen koennen,da er nicht an Geldmangel
litt.
Aber die Angst,dass es vielleicht die Russen akquirieren konnten,liess ihn zuwarten.

Nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages dauerte es noch bis zum 27.Juli 1955
bis der Vertrag ratifiziert war.
Kurz danach das letzte oeffentliche Auftreten der Alliierten.
Im Zuge der Schliessung der Hochkommissiariate einmal noch eine praechtige Parade.

Die Flaggen wurden eingeholt,Militaerparden am Stalinplatz und viel Marschmusik.

Die Wiener schauten dem Spetakel zu und applaudierten nur beim Radetzkymarsch,
dann gingen sie nach Hause oder wieder zur Arbeit.

Unspetakulaer der Abzug der Besatzugsmaechte selbst. Die Sowjets waren bereits im
September abgezogen,dann folgten die Franzosen,die ihre 542 Mann starken Maechte
nach Frankreich oder Deutschland verlagerten,alsbald die Amerikaner und als Letzte die Englaender.

10 Jahre spaeter wurde der 26.Oktober zum Staatsfeiertag erhoben.

Von der heutigen Jugend wird dieser Gedenktag in seiner Bedeutung nicht mehr richtig wahrgenommen.Im Laufe der Zeit ist er verblasst und aber eine gute Gelegenheit,sich
auf Halloweenparties zu verplanen.

Jock








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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #437 am: 28. Oktober 2020, 08:37:01 »

Der Lockdown

Es ist das Gespenst unserer Zeit.Alle Regierungen versuchen,den Einschnitt in unser
Leben zu verhindern.

Muss er verordnet werden,kostet es neben Lebensqualitaet auch gewaltige Einbussen
im privaten,wirtschaftlichen und staatsaerarischen Bereich.
Die Arbeitslosenrate und die Verschuldensrate des Staates schnellen empor und bilden
Sorgenfalten auf den Stirnen der Oekonomen.

Dabei ist das Phaenomen "Lockdown"keine neuzeitliche Begebenheit,denn es gab ihn,
von Zeit zu Zeit,schon immer.

Auch in der Stadt Zwettl im Waldviertel,anno domini 1679 musste ein Lockdown ver-
fuegt werden.

In der am 26.August 1679 stattgefundenen Ratssitzung,berichtet der Stadtrichter
Johann Georg Fux,dass in Wien die Pest ausgebrochen ist und man Massnahmen er-
greifen muss,um die Seuche abzuwenden.

Es war den Ratsherren noch im Gedaechtnis,dass 30 Jahre frueher (1649) die Pest
136 Menschen aus 68 Haeusern das Leben gekostet hat.Ein hoher Zoll,bei vielleicht
1.500 Einwohnern.

Die Ratsherren handelten schnell und die erste Massnahme war,dass sie die Waechter
an den Stadttoren um je 2 Mann verstaerkten.
Die hatten den strikten Auftrag,die herumziehenden Bettlerscharen das Betreten der
Stadt zu verbieten,aber auch Ortsfremde abzuweisen.

Sodann wurden die Viehmaerkte verboten und ortsuebliche Maerkte eingeschraenkt.
Dadurch wurde Fleisch zur Mangelware und die Preise schnellten in die Hoehe.
Die Einwohner wurden dadurch zwangsweise zu Halbvegetariern.

Trotz dieser Massnahmen kam die Pest in die Stadt.Und sofort weigerte sich der Toten-
graeber,an Pest Verstorbene,zu bestatten.
Daher suchte man Ersatz und fand sie in den Herren Bernhard Mayr und Leopold Resch.

Der ausgelobte Lohn betrug woechentlich je 1 Gulden und zusaetzlich einen weiteren
Gulden fuer jeden Bestattungsvorgang.
Um das einzuschaetzen,muss man wissen,dass das Jahreseinkommen einer vielkoepfigen
Familie bei 60 - 80 Gulden jaehrlich lag,wovon die Familie gut leben konnte.

Schon zwischen September und Dezember 1679 verzeichnete man 41 Pesttote und die
Kurve ging 1680 weiter nach oben.
Nachdem die Pest Mitte/Ende 1680 verebbte,war Herr Mayr ein wohlhabender Mann.

Herr Resch hingegen wurde in einem Raufhandel verstrickt und verstarb an seinen Ver-
letzungen.Der Schlaeger,eingewisser Herr Hans Zwoelfer,wurde zu einer Geldstrafe von
5 Gulden verurteilt und musste weitere 5 Gulden an die Witwe zahlen.

Damals war man der Pest hilflos ausgeliefert.Die Ansteckung erfolgt durch Bissen von
infizierten Floehen und Laeusen.Und diese Tierchen hatte man so "lieb"dass man sie
sogar am Leibe trug oder im Bett schlafen liess.

Die Tueren der Haeuser,wo Pestkranke wohnten,wurden durch weisse Kreuzzeichen
markiert,was die sozialen Kontakte einschraenkte.

Mund-Nasenschutzmasken waren unbekannt,haetten aber ohnehin nicht geholfen.
Die einzigen Maenner die Masken trugen,waren die Transporteure,die die Leichen zum
Friedhof brachten und bestatteten.
Die schnabelartigen Gehaenge sollten weniger einer Ansteckung vorbeugen,sondern
mehr,den Gestank der Leichen ertraeglich machen.
Im Schnabel waren naemlich wohlriechende Kraeuter verpackt.

Wir haben also Reisebeschraenkungen,eine Art von Lockdown und die sozialen Kontakte
sollten durch die Markierungen abgeschreckt werden.

Kommt das 2020 jemanden bekannt vor ?

Als dann 1680 die Pest "austrocknete" schaetzt man,dass in NOe 60-80.000 Menschen
an der Pest verstorben sind.

Von einer Demonstration,die sich gegen die Massnahmen auflehnte,ist nichts bekannt.

Jock
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Kern

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #438 am: 28. Oktober 2020, 14:05:16 »

Herrlich geschriebener "Lockdown-Spagat"   ;}   {*

---
Die schnabelartigen Gehaenge sollten weniger einer Ansteckung vorbeugen,sondern
mehr,den Gestank der Leichen ertraeglich machen.
Im Schnabel waren naemlich wohlriechende Kraeuter verpackt.


Beispiel:
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #439 am: 29. Oktober 2020, 07:05:13 »

Das Hotel de Paris und sein beinamputiertes Pferd.

Das weltberuehmte Hotel Sacher und das noch weltberuehmtere Hotel de Paris in
Monaco haben derzeit etwas Gemeinsames.

Die Rezeptionisten haben ihre Arroganz und Hochnaesigkeit abgelegt und die Nach-
frage nach einem Zimmer,beantworten sie,indem sie die Wahl anbieten,zwischen
1.,2.,3.Etage,parkseitig,meerblickseitig,opernseitig,casinoseitig oder strassenseitig.

Beide Luxushotels leiden unter Gaestemangel und die Preise fuer Uebernachtungen
liegen tief.Nur,umgerechnet 25.000 THB pro Nacht sind feil,das Fruehstueck inklusive.

Haette ich die Qual der Wahl,wuerde ich mich fuer das Hotel de Paris entscheiden.

Das "Sacher" wirkt ein bisschen verstaubt,hingegen beim Hotel de Paris,Elegance pur.
Besonders wird von den weiblichen Gaesten hervorgehoben,dass die "Coussin erotique"
haerter und groesser seien,als die im Sacher.

Betritt man die Lobby des Hotel de Paris,begruesst einem eine Reiterstatue in Bronze, dessen Pferdchen ein Bein amputiert und durch eine Prothese ersetzt werden musste.

Denn es ist ueblich,dass Hotelgaeste das rechte Bein des Pferdes beruehren um sich
Glueck beim Gluecksspiel im gegenueberliegenden Casino wuenschen.
Mit der Zeit war das Bein so abgegriffen und duenn geworden,dass man es ersetzen
musste.
Das Hotel selber,das Ende des 19.Jhd.eroeffnet wurde,ist im Stil des "Belle Epoche"-
Zeitalters errichtet worden und ist,mit Ausnahmen von Kriegs - und Coronazeiten,im-
mer ausgebucht.

Eine goldene Aera erlebte das Hotel vor und nach der russischen Revolution 1917,
wo russische Adlige in Scharen kamen und ihr Vermoegen in Monte-Carlo verspielten
oder versoffen.

Das Spielcasino war der Mittelpunkt ihres abendlichen Treffens.Hoechste Diskretion,
beim Zutritt des "Salon privileg"(Mindeseinsatz umgerechnet 5.000 Euros) und bei
den Verlusten der Pechvoegel.

Gaeste,die vergessen haben,den Vorderlauf des Pferdes zu beruehren und im Casino
Hof und Hund verspielten,hielt das Casino einen besonderen Service bereit.

Beim Portier konnte man sich einen silbernen Revolver ausleihen,der auch den Weg
zum Gebuesch wies.
Sobald der Schuss zu hoeren war,beseitigten zwei Hausburschen diskret die Leiche
und brachte sie zum "Cimentiers frontiers",einem inoffiziellen Friedhof zur Zwischen-
bestattung.
Die Saerge trugen keine Namen,nur eine Nummer mit einem "S"."S" stand fuer Suizid.

Andertags konnte man in den grossen Pariser Zeitungen lesen,dass Monsieur xy ueber-
raschend verstorben sei.

Nur einmal ging die Sache schief.

Ein italienischer Industrieller,der feststellte,dass man ihn im Casino ausgesackelt hat,
frug nicht nach den Revolver,sondern erhaengte sich an einer Palme vor dem Casino.

Da die zwei Hausburschen bereits nach Hause gegangen waren,hing die Leiche bis
zum Morgen und schwang leicht im warmen Wind.

Der Presse gegenueber,die von der Sache Wind bekommen hatte,bestritt man die Be-
gebenheit,gab aber dann doch zu,dass es in diesem Jahr bereits der 4. Vorfall war.

Gentlemen,die heute in die Verlegenheit kommen,standesgemaess die Konsequenzen
zu ziehen,werden nach der Frage nach dem Revolver,abschlaegig beschieden.
Dafuer ueberreicht ihnen der Portier einen Gutschein fuer die Taxifahrt zum Hotel.

Zurueck zum Hotel de Paris.

Nicht nur die Ambiente ist erstklassig,auch die Kueche und besonders der Weinkeller.

Dort lagern tief im Untergeschoss 600.000 edle und sehr teure Weine.Eine Nachfrage
nach einer Flasche "Duernsteiner Flohhaxen" oder nach einem "Bruennerstrassler"
kann man sich sparen.
Der Sommelier bekaeme nur einen Herzinfarkt.

Gusterstueckerln fuer Weinkenner,sind die lagernden Flaschen "Chateau d'Yquem"
Jahrgang 1880 und "Chateau Margaux"Jahrgang 1929.Kostenpunkt 10.000 Euro pro.

Die zwei Jahrgaenge sind im Weinkeller in besonderen Behaeltnissen versperrt und
koennen nur geoeffnet werden,wenn der Sommelier und der Hoteldirektor gleichzeitig
mit ihren verschiedenen Schluesseln aufsperren.

Diese Vorsichtsmassnahme soll verhindern,dass sich ein Sommelier vergreift und eine
Flasche koepft,sich ein Glaeschen einschenkt und die Differenz mit Leitungswasser
ausgleicht und wieder verschliesst.

Einen derartig geschaendeten Wein,kann man nur wegschuetten oder zu Herrn Lefnaer
zu Tisch bringen.

Die Gaeste im Hotel sind international.Franzoesisch,Englisch,Italienisch sind die meist
benuetzten Sprachen und immer mehr Russisch.
Deutsche Sprache hoert man zuweilen im Sparmarkt in Monaco,wo schwaebische
Millionaere,Ausschau halten,ob es ein guenstiges Angebot an Champagner gibt.

Hoert man in Monaco einen zu kurz geratenen,aeltern Herren,der mit wienerischem
Zungenschlag sich mit einer jungen,vollbusigen russischen Blondine unterhaelt,kann
man ihn mit 'Guten Tag Herr xxx,alles gut mit ihrem Penthouse und Woerthersee -
schloss ?",begruessen.

Jock

P.s. Wenn Kollegen nichts mit dem "Coussin erotique" anzufangen wissen,gegen
eine kleine Gebuehr zu Gunsten meines Kontos,klaere ich sie gerne auf.



« Letzte Änderung: 29. Oktober 2020, 07:12:24 von jock »
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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #440 am: 05. November 2020, 11:59:41 »

Traeume von der Junggesellenzeit

Sonntags wars,der Tag des Nichtstun,des Luemmelns und des Seelenbaumelns.

Kaum war es 9 h,als meine Frau,pfauchend frug,ob ich denn schon geduscht haette ?
Nein,sagte ich,das hat ja noch Zeit.Und rasiert bist du auch nicht,fuhr sie fort.Wie
du ausschaust !

Ich gab nach,liess den Kaffee kalt werden,um den Rest der Salami kuemmerte sich
der Hund und ging ins Badezimmer.

Der Blick in den Spiegel zeigte kein ungewoehnliches Bild.Bei diesem Aussehen,er-
innere ich mich,attestierte mir mal meine Frau,dass ich "handsome" sei.

Allerdings war das vor der Hochzeit.

Kurz danach schliff sich ein strenges Regiment ein.Es ist nicht mehr moeglich,ein
leeres Glas dort stehen zu lassen,wo man es ausgetrunken hat u.s.w.

Zwangslaeufig erscheinen da Bilder aus einer gluecklichen Zeit des Junggesellenda-
seins,wo man Tun und Lassen konnte was man wollte,sich zum Fruehstueck unge-
kaemmt und unrasiert niederlassen und die gelesene Zeitung einfach auf den,seit
Wochen nicht mehr gesaugten Teppich,fallen zu lassen.

Das Klirren der leeren Bierflaschen,wenn sie aneinander Rollen,klang schoener als Beethovens Neunte.Und der Turm des unabgewaschenens Geschirrs war keine Aus-
wirkung der Faulheit,sondern dem Genius der architektonischen Statik zu verdanken.

Mit Freunden wieder um die Haeuser ziehen,nach dem 10.Bier zum Zaehlen aufhoeren,
ohne Gewissensbisse und Ringen um Ausreden,spet nachts heim kommen und bis
13 h an die Polster horchen - dieser Gedanken graebt sich tief und tiefer ein.

Gibt es eine Moeglichkeit,zumindest zeitweise,diesen Zustand zurueckzuholen und da-
bei die "Grosse Schwester"abzuschuetteln ?

Ja,die gibt es und der Loesungsansatz heisst :

Paris- La Faffayette - Schuhabteilung

Auf 3.400 m2 stehen tausende Schuhmodelle im Angebot und buhlen um die Herzen
der Kundinnen.
Alles was Rang und Namen hat,wie Karl Lagerfeld,Fendi,Valentino,Gucci,Bally u.s.w.
praesentieren sich rot,schwarz,weiss,gruen,gelb und in 100 andere Farben.

Bei einem Besuch zusammen mit meiner Frau,haette sie augenblicklich vergessen,
dass ich in den letzten 20 Jahren an die 200 Paar Schuhe fuer sie gekauft habe.

Die Kusshand,die ich ihr zuwerfen wuerde,wuerde sie nicht mitbekommen und waere
fuer die naechsten 3 Tage verschollen gewesen.

Das waere die Stunde,wo sich fuer mich und viele Maenner,das Tor zur Freiheit oef-
fnen wuerde.

3 Tage unfrisiert und unrasiert,nur Katzenwaesche,weil der Duftspray zu schwach ist,
keine Erklaerung,warum man sich die 5 .Flasche Bier aus dem Kuehlschrank holt und
der Aschenbecher uebervoll ist.

Einfach eine herrliche Zeit !

Doch das Grauen naehert sich mit riesigen Schritten.Wenn Frauchen nach 3 Tagen
wiederkommt,hat sie 15 Schuhkartons an der Hand und die Rechnung weist einen
Betrag aus,wo ich mir nicht sicher waere,ob sie vielleicht den halben Eiffelturm ge-
kauft hat.

Jock


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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #441 am: 11. November 2020, 10:19:44 »

Kaiser Friedrich der Dritte hat Prinzessin Eleonore von Portugal geheiratet !

Na und,wen interessiert das ? Eigentlich niemanden !

Aber damals um 1410 war das ein politisches und finanzielles Ereignis,das zu be-
leuchten,einen Blick wert ist.

Friedrich,der roemisch-deutsche Koenig war bereits 36 Jahre alt und noch immer
nicht verheiratet.
Langsam macht man sich Gedanken,was sein koennte,wenn er ohne Erben ver-
stuerbe.
Zerfaellt dann sein Reich,zieht ein Nachfolgekrieg auf ?

Und gestorben wurde in dieser Zeit ganz unvehofft.Eine Blinddarmentzuendung,ein
Reitunfall oder eine Wunde nach einem Kampf fuehrten leicht zum Tode.

Auch Friedrich reifte der Gedanke,sich zu verehelichen und setzte erste Schritte
in diese Richtung.

Zuerst wurden Erkundigungen bei den Herrscherdynastien eingeholt,welche Aspirant-
innen ueberhaupt in Frage kommen.Es gab ja so Vieles zu beachten dabei.Politische
Ueberlegungen,das Finanzielle und auch das Aussehen und Bildung der Braut.

Am portugiesischen Hof fand man eine geeignete Person.Portugal spielte keine be-
sondere Rolle auf dem europaeischen Kontinent,war aber eine Seemacht und galt
als gutverwaltetes Land mit finanziellen Ressourcen.

Die Fotographie war noch nicht erfunden und Skype schon gar nicht.Die zukuenfigen
Eheleute kannten sich persoenlich ueberhaupt nicht und wussten nichts ueber ihre
Wesensarten,Neigungen oder Kultur.

Aber eine "Katze im Sack zu kaufen",kam fuer Friedrich nicht in Frage.

Nachdem seine Abgesandten,die eine Verehelichung erkunden mussten,nicht abge-
wiesen wurde,versuchte Friedrich sich ein Bild ueber seine Zukuenftige zu machen.

Die beschrieben die Braut als zierliche Gestalt,mit fester Brust,ordendlichem Gebiss,
ohne Mundgeruch,keinen Oberlippenbart und lebendig,sowie belesen.

Ich verstehe den Friedrich sehr gut.Die selbe Sorgfalt wuerde ich auch walten lassen,
wenn ich mir einen Boxerwelpen anschaffen sollte.

Portrais der koeniglichen Familienmitglieder gab es zuhauf.Gemalt von hofeigenen
Malern,die Meister des Luegens mit dem Pinsel waren und die ihren Job nicht verlieren
wollten.

Sicher ist sicher,dachten man an beiden Hoefen und sandte eigene Maler zu den
Hoefen um ein detailgetreues Bild des zukuenftigen Hochzeitspaares anfertigen zu
lassen.
Nicht das einem Braeutigam der Schreck in die Knochen faehrt,wenn er seiner Braut
erstmals gegenuebersteht.

Waren sich die Familien eins und auch keine kirchenrechtliche Verhinderung zu er-
warten ist,konnte der zweite Akt zur Heirat angegangen werden.

Dass sich der Habsburger fuer eine portugiesische Prinzessin entschieden hat,liegt
auch darin,dass Portugal eine Seefahrernation war und Friedrich nicht einmal ein
Stueckchen Meereskueste besass.
Schon gar nicht hatte man hochseetuechtige Schiffe,aber auch keine Lust Geld da-
fuer auszulegen.
Daher war man von vornherein bei der Expansion Richtung Indien ausgeschlossen..
da wie ein Prellbock auf dem Landweg,Richtung Indien,das Osmanische Reich quer-
lag.

Zwar dauerte es noch bis 1492,bis Columbus auf dem Weg,Indien zu finden,Amerika
entdeckte,doch Spanien und Portugal waren,trotz kirchlicher Ansicht,die Erde sei
eine Scheibe,der Ueberzeugung,die Erde ist eine Kugel und hatten die Vision,dort im
Osten ihre Reiche zu vergroessern.

Auf keinen Fall,dachte Friedrich,dass eine Verbindung zum portugiesischen Koenigs-
haus ein Fehler ist und gab gruenes Licht,die Heiratsverhandlungen aufzunehmen.

Davon bald.

Jock











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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #442 am: 12. November 2020, 12:05:06 »

Die finanziellen Aspekte einer Fuerstenhochzeit

Haben die Eltern der Braut und der Braeutigam prinzipiell einer Verehelichung zu-
gestimmt,begannen die Verhandlungen ueber die Hoehe der Mitgift und finanz-
ieller Absicherung der Braut.

Eine Braut wurde kaum jemals gefragt,ob sie mit der Ehe einverstanden ist.

Die Verhandlungen wurden normalerweise nicht zwischen den Eltern der Brautleute
gefuehrt,sondern man betraute damit verlaessliche Abgesandte.

Grundsatz war immer,je haesslicher die Braut,umso hoeher die Mitgift,oder,wenn die
Tochter in eine hoeherrangige Familie einheiratet,machte sich das bei der Mitgift
bemerkbar.

Die Verhandlungen zogen sich oftmals ueber Wochen und Monate und wurde auch
kurzerhand abgebrochen,wenn sich eine besserer Option anbot.
Der politische Wind kann sich drehen,eine interessante Erbschaft ist erwartbar etc.

Ein gutes Beispiel fuer eine erfolgreiche Verhandlung ueber die Mitgift zeigte Maxi-
milian(spaeter Kaiser von Mexico),der die Tochter des belgischen Koenigs auserkoren
hat.
Das belgische Koenigshaus hatte keine jahrhundertealte Patina,sondern galt als neu-
reiche Emporkoemmlinge.Es war jedoch mehr als wohlhaben,denn der Koenig besass persoenlich den Kongo und beutete das Land nach Strich und Faden aus.

Maximilian verhandelte persoenlich mit dem Koenig und presste ihn wie eine Zitrone
aus.Die Geldbetraege und Aktien reichten locker aus,sein Schloss Miramare fertig-
zustellen und es praechtigst zu moeblieren.

Auch die Verhandlungen im Fall der Eleonore gingen gut voran.

Ihre Eltern gaben ihr 60.000 Golddukaten als Mitgift und erreichten,dass Friedrich
die selbe Summe ebenfalls aufzubringen hatte.Zudem bekam Eleonore noch,von ihrem
Gemahl einige Herzogtuemer,deren Fruchtgenuss ihr zustanden.

Auch ueber das Liegegeld und Morgengabe kam es zu Einigung.

Eine ausreichende Mitgift war wichtig.Sie diente der Vorsorge,dass wenn der Ehemann
vorzeitig stirbt oder eine Scheidung in Haus steht,dass die Witwe ihr standesge-
maesses Leben weiter fuehren kann.

Die Mitgift war bar auf den Tisch des Hauses zu legen.Aber es kam auch vor,dass
Ratenzahlungen vereinbart wurden,die sich ueber Jahrzehnte erstreckten.

Sind alle Verhandlungen positiv abgeschlossen,wird der Hochzeitstermin festgelegt.
Dieser kann sich Monate oder sogar Jahre spaeter auf dem Kalender abbilden.

In der dazwischenliegenden Zeitspanne lauerte eine grosse Gefahr,ob der Hochzeits-
termin ueberhaupt eingehalten werden kann.
Um dieser Gefahr auszuweichen wurde meist zum Mittel der Eheschliessung "per
prokuratem",auch Handschuhehe genannt,gegriffen.

Im Fall der Eleonora streckte ein Abgesandter des Braeutigams,sein nacktes Knie
unter eine Bettdecke und beruehrte dabei das ebenfalls nackte Knie der Braut.

Dieser Vorgang wurde von hochrangigen Zeugen beobachtet und damit war die Ehe
rechtlich geschlossen.
Das bedeutete jedoch nicht,dass die Ehe vollzogen worden war.
Dieses Hintertuerchen liess man bewusst offen,denn ohne Vollzug tat sich der Papst
leichter,die Eheverbindung aufzuloesen.

Die erste Begegnung des Friedrichs mit Eleonore soll in Siena stattfnden.Dorthin
wollte der Koenig reisen,seine Braut "uebernehmen" und sich im Rom zum Kaiser
kroenen lassen.
Bei der Gelegenheit,in einem Aufwaschen,auch die 15 jaehrige Eleonore zur Kaiserin
zu kroenen,war geplant.

Bis es soweit war,verstrichen Monate.Gute Monate fuer die Portugiesen,denn um
den Koenigshof entfachten die Heiratsvorbereitungen ein richtiges Konjunkturhoch,
wo auch die lokale Bevoelkerung seinen Anteil abbekam.

Der Rubel rollte bis zur ersten Begenung und stellte den Aufwand fuer die Hochzeit
zwischen Prinz Harry und seiner Meghan weit,weit in den Schatten.

Jock



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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #443 am: 14. November 2020, 06:14:57 »

Heiraten ist teuer

Nachdem alles ausgeschnapst war,wurden die konkreten Schritte zur Brautuebergabe eingeleitet,wofuer ebenfalls eine Menge Geld umgesetzt wurde.

Umgerechnet 24 Mio Euro war die Mitgift der Eleonore seitens der Eltern.Nochmal so viel,seitens des Friedrichs.
Dazu kamen noch Hochzeitsgeschenke,die von vornehmen Familien bei den Gold-
schmieden in Auftrag gegeben wurden.Die Schneider waehlten aus kostbaren Stoffen,
Waegen gebaut,Pferde angekauft,Schiffe gechartert u.s.w.

Je naeher der Abreisetermin kam,umso pompoeser die Festlichkeiten die veranstalt-
et wurden.Das befruchtete die Umsaetze der Schlaechter,Koeche,Schauspieler,Musiker
u.s.w.

Da die Brautuebergabe in Siena stattfinden soll,musste der Vater der Braut bis dort-
hin alle Kosten tragen.
Nicht nur die Rechnung fuer die Gueter,die auf die Seereise geschickt wurden,darunter
100 Waegen,600 Pferde und 150 Rossknechte,machte eine Stange Geld aus,sondern
auch die Verschiffung der Braut mit 300 Personen ihres Gefolges,ging ins Portemonaie.

Mit 3 Schlaegen (Lissabon - Ceuta -Marsailles-Siena)bewaeltige man die Strecke.

Herbstliche Stuerme,Seekrankheit und Piraten,setzten der Reisegesellschaft zu,die
Tage brauchten,um wieder auf die Beine zu kommen.

Im Begleittross waren auch zwei Abgesandte des Braeutigams dabei.
Man haette sich erwartet,dass hohe Adlige dafuer ausgewaehlt werden,doch der gute
Friedrich bestimmte zwei niederrangige Kleriker.

Die brauchten Wochen bis sie in Portugal ankamen,wurden unterwegs ausgeraubt
und kamen nur mit dem Leben davon,weil sie einen koeniglichen Reisebrief hatten.

In Lissabon wurden sie festgesetzt und in ein Kloster verbracht,wo sie entlaust,ent-
floht und gebadet wurden,bevor man ihnen Baerte und Haare stutzte.In praechtige
Kleider gesteckt,durften sie erst dann sich der Brautbegleitung anschliessen.

In Siena,im Rahmen eines Festbanketts,trafen sich Friedrich und Eleonore zum ersten
Mal.
Die Begenung,die hochemotionell ist,verlief zufriedenstellend.Weder ein OMG seitens
der Eleonore noch ein "Jessasmariadjosefe"von Friedrich war zu hoeren.

Statt jedoch unmittelbar nach dem Dessert die Ehe zu vollziehen,nahm Friedrich eine
kalte Dusche.
Die mitgereisten KLeriker rieten von einem Vollzug ab und meinten,man sollte doch
die Kaiserkroenung abwarten.

Friedrich muss ein Idiot gewesen sein.Statt die Kleriker zu stanzen,hielt er sich daran.

Die Reise von Siena nach Rom fiel beinahe ins Wasser.Der Friedrich hatte kein Bar-
geld mit,keine Travellerschecks und auch keine Bankomatkarte.
Ein Onkel der Braut streckte einen ausreichenden Betrag vor,damit die Reise weiter-
gehen konnte.

Ob er sein Geld wiederbekam oder nur ein,in warmen Worten verfassten Dankesbrief,
weiss man nicht.

Nach der Kaiserkroenung ging es heimwaerts nach Wr.Neustadt.Dort endete die 7
monatige Reise der Eleonore und sie war enttaeuscht.

Wr.Neustadt war und ist bis heute keine funkelnde Metropole,sondern schlicht lang-
weilig.
Prinzessinnen,die suedlich der Alpen aufwuchsen,waren es gewoehnt,recht freizuegig
zu leben.Sie konnten sich unters Volk mischen,beim Karneval mittanzen und auch
Ausfluege zu unternehmen.

Friedrich jedoch sperrte seine Eleonore und ihr weibliches Gefolge in die Frauenge-
maecher,die sie nur zeitweise verlassen durften.

Das kalte Klima,die ungewohnte Kost,das Heimweh und die Langeweile nagten an der
Gesundheit der Eleonore,die daraufhin bald erkrankte und mit 32 Jahren starb.

Zuvor gebar sie noch 6 Kinder,die nur Maximilian und Kunigunde ueberlebten.

Jock
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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #444 am: 19. November 2020, 09:17:56 »

Friedrich der Schoene und die Stadt Weitra

Das Staedtchen Weitra im oberen Waldviertel hat heute knapp 3.000 Einwohner.

Zu Zeiten Friedrich des Schoenen,vielleicht 1.200,wenn man die umliegenden
Doerfer dazuzaehlt.

Im Jahr 1331 verstarb der gute Friedrich und ist in Weitra noch immer in guter Er-
innerung,denn er vergab das Privileg zum Bierbrauen nicht nur der Stadt selbst,
sondern auch den Einwohnern.

Die Buerger nutzten dies und brauten Bier,Bier und nochmals Bier.

Die Chronik vermeldet,dass im Jahre 1645 an 33 Stellen Bier gebraut wurde,neben
der Schlossbrauerei und der Stadtbrauerei.
Fuer Bierliebhaber ein Paradies,denkt man sich.

Bier war zu dieser Zeit nicht nur ein Durstloescher,sondern auch fluessiges Brot.Tat-
saechlich wurden Biere hauptsaechlich fuer den Eigenbedarf hergestellt und die Be-
voelkerung trankt Bier zum Fruehstueck,Mittagsessen und zum Abendbrot.

Vom Kleinkind an bis zu den Grosseltern.Besonders war das Bier in Zeiten des Lebens-
mittelmangels willkommen.

Die damals gebrauten Biere,waren oebergaerig,truebe und schmeckten leicht suess-
lich.Der Alkoholgehalt war niedrig und das Bier wurde auch warm getrunken.

Da die Stadtkasse zum Aerger der Brauer,eine Biersteuer einhob,wurde grossflaechig
mit den Mengenangaben getuerkt und die Beamten bestochen.

So mancher Brauer,der das uebertrieb,wurde an den Pranger gestellt,doch ihn wieder-
fuhr keine Verachtung,sondern Verstaendnis.

Jeden Bierkenner-und Liebhaber schuettelt es bei den Gedanken an dieses Gesoeff
und dankt dem Lieben Gott und Herrn Dreher,das man heute ein herrliches Pils hinter
die Binde giessen kann.

Von all diesen Braustaetten,die es einst in Weitra gab,blieben nur die Stadtbrauerei
und eine Hausbrauerei uebrig.

Trotzdem ist Weitra einen Besuch wert und wenn ich wieder in Oesterreich bin,werde
ich in Weitra ein Bier zum Gedenken des Friedrich des Schoenen trinken.

Jock
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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #445 am: 23. November 2020, 09:41:35 »

Der Steireranzug

Aeltere Damen und Herren aus Schrems lachen noch immer,wenn das Gespraech
auf die Kleidung des Lehrkoepers in den Jahren 1950 - 1960 kommt.

Sie alle waren trachtenmodisch gewandet,die Herren im Steireranzug,die Damen
in Steiererkostuemen.

Die Steireranzuege,die aus grau-gruenen Loden gefertigt waren,hatten grosse gruene
Aufschlaege ( Reverse)und geknoepft waren sie mit Hirschhoerneren.
Gaudium waren die breiten gruenen Doppelstreifen an den Hosen.
Manche Lehrer trugen dazu bockige Goiserer im roetlichen Farbton.

Damit gaben sie kund,dass sie staatstreu und konservativ sind,dem Glockenschlag
der r.k.Kirche puentklich nachkamen und auf ihren Stimmzettel die OeVP angekreuzt
haben.

Wir Schueler haben unseren Augen nicht getraut,als eines Tages ein junger Lehrer
in unsere Schule versetzt wurde,der ein normales Sakko mit passender Hose trug
und dazu Slipper anhatte.

Er wurde von den Kollegen und Kolleginnen deswegen gemobbt,und liess sich an
eine andere Schule versetzen.

Es war nicht immer so,dass der Steireranzug die Gewaehr ausdrueckte,dass der Da-
rinsteckende ein absoluter treuer Unterthan ist.

Um 1800 wurde der Steireranzug als Dienstanzug eines gefaehrlichen Revolutionaers
angesehen,den man verdaechtigte nur Unruhe stiften zu wollen.

1823 wurde das Tragen des Steireranzuges,bei Strafandrohung,den Staatsbeamten
verboten.

Den Ukas verdankte man den Erzherzog Johann,der in der Steiermark die lokale
Tracht,bequem und praktisch fand und sie auch selbst trug.

Da er jedoch a) eine Postmeistertochter heiratete und b) einen Bauernaufstand gegen
Napoleon unterstuetzte,wurde er vom Hof in Wien misstrauisch betrachtet.

Ein paar Jahrzehnte spaeter war der Steireranzug ein MUSS fuer die Aristokratie
und beim gehobenen Beamtenstand,denn der Kaiser trug ( bei der Jagd) den Steirer-
anzug.

Durch die folgenden Jahrzehnte war der maennliche oesterreichische Mensch in Steirer-
anzuegen gehuellt.
Winters warf man sich einen "Hubertusmantel" ueber und am Kopf trug man einen
Steirerhut mit breitem gruenen Hutband.Geschmueckt wurde er mit einer angesteckten
Auerhahnfeder oder mit einem Gamsbart.

Vor Jahren,beim Bummeln durch die Getreidegasse in Salzburg,sah ich in einem Trachtengeschaeft einen echten Gamsbart und glaubte mich versehen zu haben.

5.500 Euro sollte er kosten.Gut ja,das Gefaelle war tadellos und der Reif ausgepraegt.

Gamsbaerte aus China sind schon fuer 35 Euro zu haben,allerdings das sieht man auch.

Mit der Zeit wurde das Tragen eines Steireranzuges in Wien altmodisch.Nur in den
Landeshauptstaedten gehoert er noch zum Strassenbild.

Doch ploetzlich,so um 1985 kam der Trachtenjanker in Wien wieder fuer 2-3 Jahre in Mode.Alle Welt in Wien trug den Janker zu Jeans und man trat damit sogar im Fern-
sehen auf.

Aber bald wurde er wieder ausgemustert und man kehrte zu Brioni oder C&A zurueck.

Auch beim Herrn Bundeskanzler Kurz haengt ein abgeaenderter Steiereranzug im
Schrank.Er traegt ihn bei Besuchen in den Bundeslaendern und gibt damit zu verstehen,
dass er Einer von Euch ist,und eure Anliegen eine Herzenssache sind,die ganz oben
auf seiner Agenda stehen.

Spaetestens,wenn er wieder zurueck ist und in den "Slim-fit" schuepft,ist es wieder
vergessen.

Jock


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franzi

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #446 am: 23. November 2020, 10:36:46 »

Zitat
Ein paar Jahrzehnte spaeter war der Steireranzug ein MUSS fuer die Aristokratie
und beim gehobenen Beamtenstand,denn der Kaiser trug ( bei der Jagd) den Steirer-
anzug.

Einen solchen ging ich mit einer meiner Mia nois mit gutem Geschmack kaufen (da kann man sich vorstellen, wie alt die war- zwei Jahre aelter). Was mir unvergesslich bleibt, der hat im Sommer extrem "gebissen", wenn man nur eine kurze Unterhose anhatte.
Das war ungefaehr 82.

fr
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Wenn ich nur "hier" schreibe, meine ich Nakhon Si Thammarat und Umgebung

malakor

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #447 am: 23. November 2020, 13:37:36 »

Was fuer einen Anzug der steirische Bauer wohl anhatte, als er mit seinen Kuehen in Wien ankam und Hallo Wien sagte  ?

Darueber weiss wohl auch Google nix zu berichten.
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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #448 am: 26. November 2020, 09:33:02 »

Das lederne Geld

Manchmal erzaehlte meine Grossmutter von der Hl.Sybille aus Prag und ihren Weis-
sagungen.

Das meiste davon habe ich vergessen,doch zwei Saetze blieben mir in Erinnerung.
Russland wird sich bekehren und dass das lederne Geld kommen wird.

Als Kind,war mir die Bekehrung Russlands wurscht,aber das lederne Geld beschaeftigte
mich doch.

Schliesslich hatte ich ein kleines Vermoegen in Schillingen angehaeuft und in meiner Sparbuchse verwahrt.Wie wechsle ich das um,wenn das lederne Geld kommt ?

Mit der Zeit verflog auch diese Sorge und geriet in Vergessenheit.

1983 waren wir in Prag.Schon an der Grenze in die Tschechoslowakei drueckte die kommunistische Stimmung auf unser Gemuet.
Schwerbewaffnete Grenzsoldaten standen herum und ihren angeleinten Schaeferhunden
sah man an,dass sie oesterreichisches Menschenfleisch als Delikatesse auserkoren
haben.

Wir sprachen kaum,als wir darauf warteten,dass die Grenzformalitaeten erledigt werden,
und erstarrten,als ein Grenzbeamter mit einem Grenzsoldaten,der mit einer Maschinen-
pistole ausgestattet war,an unser Auto herantrat.Kurz sahen wir uns bereits in einem
sibirischen Gulag gelandet.

Doch der Beamte frug nur unwirsch,ob wir denn keinen elektrischen Rasierapparat mit-
haetten ?
Ich trug damals Vollbart,doch mein Freund war glattrasiert und der gestand klein-
laut ein,einen Apparat der Marke Remington mitzuhaben.

Die Nummer des Apparates ist in die Grenzpapiere einzutragen,wies man ihn hin.

Dieses Versaeumnis konnten wird begradigen und schon waren wir auf dem Weg nach
Prag.Heute wissen wir,dass das Formular,wo die Nummer des Rasierapparates einge-
tragen wurde,ueber hunderte von Jahren in einem Staatsarchiv aufbewahrt wird.

Prag ist bekannt als "Goldene Stadt".Hoch droben thront der Hradschin,wovon die
"Kleine Gasse" mit den pittoresken kleinen Haeusern in die Altstadt fuehrt.

Aber von Gold war nichts zu bemerken.

Seit Jahrzehnte wurde nichts mehr in die Erhaltung der Gebaeude investiert,die Fas-
saden grau und schmutzig und die niederdrueckende Stimmung war auch bei den
wenigen Passanten anzumerken,die schnell an uns vorueberhuschten,als haetten wir
die Pest.

Mittlerweile war es Mittag geworden und wir hungrig.Wir betraten ein Wirtshaus,das
sich durch ein eindrucksvolles Gewoelbe auszeichnete,und sahen,dass alle Tische be-
setzt waren.
Schon wollten wir enttaeuscht umdrehen,doch der Wirt verscheuchte einige Gaeste
und machte uns einen Tisch frei.

Wir bestellten,da das grosse Dinner fuer den Abend geplant war,nur Guylasch und da-
zu Budweiser - Bier.

Es war eins der besten Essen.

Der Guylaschkessel wurde 1673 erstmals heiss gemacht und ist seither niemals mehr
kalt geworden.Das Fleisch war zart wie die Haut einer Mandelaeugigen und der Saft,
milde und gleichzeitig scharf gewuerzt,schmiegte sich um die Zunge.

Draussen,auf den Strassen pfiff ein kalter Wind und das Nebelgriesseln nahm uns
alle Absicht,die Stadt weiter zu durchstreifen.

Nach einigen Bieren zogen wir uns in unser Hotel zurueck um ein Nickerchen zu machen.

Vorm Einschlafen fielen mit Grossmutter's Erzaehlungen ueber die Hl.Sybille von Prag
ein und sinnierte ueber ihre Vorhersehungen.

Die gute Sybille (auch Sibylle geschrieben),lebte im 17.Jhd.und ihre Voraussagungen
waren/sind,wie alle Orakeln zweideutig.
Doch einige davon betreffen Erscheinungen,Erfindungen und Geschehnisse,die man
damals nicht kannte und sich auch nicht vorstellen konnte,dass sie Tatsache werden.

Gut,dass Staedte einer Feuerbrunst zum Opfer fallen konnten,war damals schon be-
kannt.Aber,dass aus einem "Pilz" Menschen darunter umkommen oder Fahrzeuge
unterwegs sein werden,die keine Raeder haben,ueberstieg jede Vorstellungskraft,
der damals lebenden Menschheit.

Mit ein bisschen Phantasie kann man den "toetlichen Pilz"als Atombombenabwurf
interpretieren und die Fahrzeuge ohne Raeder,mit fliegenden Flugzeugen oder mit
dem Hyperloop gleichsetzen.

Eingetroffen ist aus der Vorhersagung  auch,dass sich Russland bekehren wird.Man muss
es gesehen haben,wie Herr Putin mit Inbrunst die Ikonen kuesst und hinterher routin-
iert das Kreuzzeichen schlaegt.

Nur fuer das "lederne Geld" fand ich lange keine vernueftige Erklaerung,bis meine
thailaendische Frau in mein Leben trat.

Sie hat keine Schwierigkeiten damit umzugehen und sie kommt ausgezeichnet damit
zurecht.

Sogar so gut,dass ich manchmal Schwindelanfaelle bekomme.

Das "lederne Geld" ist die Bankomatkarte und damit ist ein grosses Geheimnis der
Hl.Sybille geloest.

Jock








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jock

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Re: Geschichten aus der Geschichte
« Antwort #449 am: 28. November 2020, 15:35:25 »

Hoch auf dem gelben Wagen

Als der Bundespraesident Walter Scheel mit rheinlaendischem Frohsinn,dieses Volks-
lied sang,kletterte es auf der Chartliste ganz weit nach oben.

Lusig muss es gewesen sein,damals mit der Postkutsche zu reisen.An den Poststel-
len gab es schaeumendes Gerstengetraenke,holde Gesichter lachten den Reisenden
zu und flugs wurden die Roesser getauscht,damit die Reise weitergehen kann.

Der Dichter des Textes klagt immer,dass er nicht hierbleiben kann,um die fliegenden
Roecke zu beobachten,doch scheint er keine Ahnung davon gehabt zu haben,wie die
Wirklichkeit war.

Die 4.Strophe des Liedes sang Herr Scheel nicht.Da ist von Gerippe die Rede,vom
Stundenglas und der Hippe und damit kommt man der Realitaet des damaligen Reisens
ganz in die Naehe.

Reisen in der Postkutsche war ein anstrengendes Abenteuer,wenn nicht ein Himmel -
fahrtskommando.

Reisende taten gut dran,wenn sie ihr Geld und ihre Schmuckstuecke im Saum ihrer
Kleider vernaehten und  den Herren war angeraten,sich mit einer Pistole oder mit
einem scharfen Saebel auszustatten.

Eine Reiseversicherung gab es nicht und mit der Bezahlung des Fahrpreises erwarben
sie nur das Recht von A nach B transportiert zu werden.

Wie lange die Reise dauert,war unbestimmbar.Es hing vom Strassenzustand und vom
Wetter ab und auch,ob der Kutscher ein durstiger Mensch war.

Die Reisenden waren der Gunst des Kutschers ausgeliefert.Manche wurden so durstig,
dass sie bei jeden zweiten Gasthof dem Gerstengetraenke zusprachen,dann sich den
Rausch ausschliefen und Ross und Reisende hatten geduldig zu warten.

50 Stockhiebe drohte man den Kutschern an,wenn sie die Pferde nicht sorgfaeltig
behandeln sollten.Bei nicht sorgfaeltiger Behandlung der Reisenden,drohten keine
Sanktionen.

Auch die Kutschen waren richtige Folterwerkzeuge.Vorerst noch ungefedert,spuerte
man jedes Schlagloch und jeden Stein.Unbequem waren sie auch noch.Nur Holz -
baenke,wo man eng an eng sass und kraeftig durchgeruettelt wurde,wenn die Pferde
in leichten Trab gefallen sind.

Und dabei lauerte schon die naechste Gefahr.Da die Kutschen schmal konstruiert waren,
konnten sie zwar enge Gassen passieren,doch dafuer wanderte der Schwerpunkt nach
oben und vergroesserte die Gefahr des Umstuerzen.

Brach ein Rad und die Kutsche kippte,waren Hautabschuerfungen oder Knochenbrueche
die Folge.
Reisende,die dabei zu Tode kamen,hatten ein Anrecht auf ein christliches Begraebnis,
was aber Vielen kein grosser Trost war.

War die Tagesetappe erreicht,freuten sich viele Passagiere,sich in ein weiches Bett
im Gasthof fallen zu lassen.Manche freuten sich zu frueh auf eine angenehme Nacht-
ruhe.
Die haetten besser auf die verwaschenen Blutflecken achten sollen,die darauf hin-
wiesen,dass der Gastwirt mit einer Bande unter der Decke steckte,die die Reisenden
in der Nacht ausraubten und mitunter erschlugen.

Hatte man es eilig und Postkutschen kamen nur langsam voran,konnte man sich an  den
Poststellen auch Reitpferde ausleihen.Die waren natuerlich viel schneller und man kon-
nte sie bei der naechsten Poststelle auf ein frisches Pferd wechseln.

Das war einerseits teuer und andererseits ,nicht an jeden wurden die Pferde herge-
geben.

Nach einer Anweisung der Generalpoststelle wurde untersagt,dass sich "Lateiner"
Pferde mieten koennen.

Unter die Lateiner fielen Geistliche und Aerzte.Diesen Herrschaften traute man nicht
zu,mit Pferden richtig umgehen zu koennen.

Auf die heutige Zeit umgelegt heisst das,dass sich Aerzte keinen Porsche leihen duerfen.

Jock







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