ThailandTIP Forum
Thailand-Foren der TIP Zeitung => Meine Gesundheit => Thema gestartet von: archa am 10. Mai 2011, 13:56:36
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Polymyalgia Arteriitica (Reumatica)
Allgemeine Muskelerlähmung oder auch Entzündung.
Hallo liebe Leser/Innen.
Hat jemanden bereits Erfahrung(en) oder ist in behandung mit dem "Kortisongenerika" PREDNISOLONE 5mg Tablets?
Soll für Muskelerlähmungen oder auch Muskelentzündungen eingenommen werden.
Da der eigene Körper selber Kortison "herstellt" und bei dessen versagen oder störungen mit Muskelerlähmungen 100% zu rechnen ist, müssen solche Tabletten eingenommen werden ansonsten der Patient sich nicht mehr, oder nur noch mit ernorme schmerzen, bewegen kann.
Zuerst eine hohe Dosis von ca. 25 mg pro Tag, anschliessend werden diese Dosis -nur durch ärtzliche Kontrolle- reduziert bis der eigene Körper wieder fähig ist selber zu produzieren.
Wer hat diese Krankheit: POLYMYALGIA Arteriitica, bereits selbs erlebt oder kann konkrete Auskunft geben, was gemacht, geschluckt oder wie er therapiert wurde?!
Ist PREDNISOLONE gleich so "gut" wie Kortison`?
Danke zu voraus für jede brauchbare Antwort.
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Hallo Archa,
da ich selbst seit 8 Jahren daran erkrankt bin, kann ich Dir so ziemlich alles daruber berichten.
In erster Linie ist die Anamnese sehr hilfreich und auch wegen der Therapie sehr wichtig, d.h. wie kam es zu diesem (spaeten) stadium, was war der Ausloeser? Dies ist wichtig zu wissen, um die Dauer der Therapie oder Abstaende mit "Kortisonen" bestimmen zu koennen. Pauschal kann ueber die Dauer der Einnahme und die Abstaende der einzelnen Wiederholungen nichts gesagt werden.
In meinem Fall z.B. waren die Ausloeser Borilien, was leider zu spaet erkannt wurde. Polymyalgien koennen aber viele "Ursachen" haben.
Da du prednisolone bereits erwaehnt hast, gehe ich mal davon aus, das ein Behandler bereits so ziemlich alles "ausprobiert" hat und nun zu diesen Schluss kommt mit kortisonen zu behandeln.
Sehr wichtig zu wissen ist, dass nach der Initialdosis von z.b. 25 mg die Dosis taeglich reduziert werden muss und am schluss noch fuer ein paar Tage bei der minimal dosis gehalten wird. Ansonsten kann dies sehr gravierende, zum Teil lebensgefaehrlich werden, wenn nach einer hohen initialdosis nicht reduziert wird und aprupt das Medikament abgesetzt wird.
Zumahl ist ebenso sehr wichtig ist, parallel dazu ein hochdosiertes Calciumpreparat einzunehmen um einer "Osteoposose" vorzubeugen.
All dies habe ich sehr vereinfacht wiedergegeben, als allgemeine Info an Dich.
Grundsaetzlich ist die Einnahme von Kortisonen (Decortine, prednisolone etc.) OHNE aerztliche "Begleitung" NICHT zu emphelen.
Dies sind keine Kopfschmerztabletten!
Wie gesagt, wenn Du fragen hast, kann ich Dir behilflich sein, allerdings zur selbsttherapie ist dies unter keinen Umstaenden zu empfehlen.
gruss
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Guten Abend Ventura,
Danke Dir für diese spontane Antwort und sehr Interessantes für mich. Teile Dir hiermit auch noch kurz mit, dass ich diese "Krankheit" bereits vor ungefähr 15 Jahren erleiden musste und der Arzt mich mit Kortisontabletten wieder "fit" machte. Wie Du auch schreibst, wurde dies therapiert mit immer kleinere Dosis und nach einem Monat war alles wieder gut. Keine Probleme mehr. Allerdings wurde das Blut sehr streng kontrolliert. Dies ano dazumal.
Vor ungefähr 3 Monaten nach dem ich/wir eine sehr langen spaziergang machten hatte ich am anderen Tag "muskelkater". Na ja, ich dachte dies geht schon wieder vorbei. Aber leider war diese Hoffnung falsch. Ich erlitt wieder das gleiche Schicksal wie vor ungefähr 15 Jahren. Nach einer Woche "nichts tun" also kein Arztbesuch, hatte ich sehr grosse Probleme und konnte mich kaum noch im Bett kehren. Das Aufstehen machte mir grosse Mühe und ohne meine Frau wäre ich nicht mehr im stande gewesen dies alleine zu tun. Wir fuhren dann sofort ins Spital und wurde von einem Artz (Knochenspezialist) zum einem anderen Artz in die Neurology geschikt. Dieser untersuchte mich gründlich und stellte eben "Polymyalgia" fest. Ich bekam eine Spritze glaube es war auch das medikament "Prednisolone" intravenös eingespritzt und musste am anfang 25 ml Tablets der gleiche "marke" täglich wärend 4 Tage schlucken, dann 4 Tagen nur noch 20mg, etc, etc. Als ich bei nur noch 2 Tabletten (1o mg) angekommen bin gab es eienen Rückschlag. Er sagte mir, ich müsse 3 Tabletten wärend 10 Tagen einnehmen, dann nur noch 2 pro Tag, dies wärend einen Monat. Anschliessend 2 Tabletten pro Tag und am anderen nur noch eine, dies wärend wieder 1 Monat. Nun bin ich eben soweit und schlucke einmal 2 und einmal 1 Tablette. Habe bis jetzt keine Probleme. In 14 Tagen kann oder darf ich mit einer Tablette pro Tag weiter therapieren. Es reagiert nicht jeder Mensch gleich.
Mal abwarten und sehen wie sich dies weiter entwickelt. Darum habe ich hier dieses Thema eröffnet um nachzu fragen ob jemanden bereits mit dieser Krankheit Erfahrung hat. Bin schon einige Jahren über 70 und mache mir da auch keine grosse Sorgen mehr.
Ueberrascht bin ich jedoch, dass Du bereits über 8 Jahren von diesem Uebel erkrankt bist. Habe immer gedacht, dass nach einige Zeit sich dies wieder ergibt.
Nun, warten wir ab, denn wir leiden ja unter einer sehr seltene Krankheit und hoffen das Beste.
Ob Kortison nicht besser (effizienter) wäre als diese Tabletten unter der Marke :Prednisolone?
Wünsche Dir alles Gute
Gruss archa.
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Hallo archa,
mich hat es leider schon in jungen jahren "getroffen". Bin erst 38! Meine Ursache liegt wie gesagt in einer Borreliose, was durch zecken uebertragen wird. Wurde aber erst im 3. stadium erkannt, da ich nicht das Glueck hatte in D einen Arzt zu finden, der damals die Ursache richtig interpretieren konnte.
Nun ja, dies ist auch der Hauptgrund weshalb ich in Thailand lebe und arbeite, die hiesigen warmen Temperaturen machen das Leben fuer mich ertraeglicher.
Noch einen kleinen Tip: Da diese myalgyien immer schubweise auftreten nehme ich bei den ersten Symtomen regelmaessig "Celebrex 200". Ist hier in Thailand in fast jeder apotheke frei zu erwerben. Dadurch laesst sich bei mir die kortison theraopie "hinauszoegern", d.h. nur so alle 2 Jahre ist es noetig. Versuchs mal damit, bei den ersten Anzeichen sofort mit Celebrex 200 (3 x taeglich je eine Kapsel) zu therapieren.
Gruss und alles gute
Ventura
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Hallo Ventura,
danke für deine weitere Antwort.
Deine Krankheit wurde also durch Borreliose (Zeckenbiss) verursacht und ist nicht gerade dasselbe unter dem ich leide.
Du leidest bereits seit 8 Jahren darunter und regelmässig erscheint diese Krankheit wieder.
Bei mir war der erste Auftritt seit ca 15 Jahren durch Polymyalgia Arteriica (Rheumatica) aufgetreten und wurde durch Kortison wieder "fit" gemacht.
Nun erleide ich das gleiche wieder neu und bin im AEKSpital in Udon thani in behandlung. Dort wurde mir nicht Kortison sondern das Medikament Prednisolone zur therapie abgegeben. Prednisolone ist eine weitere entwiklung von Kortison.
Bis heute kann ich nicht klagen und es geht mir etwas besser. Brauche noch etwa einen Monat bis sich -hoffe es jedoch- wieder alles "eingefädelt" hat.
Meine Frage war ja am Anfang: Wer kennt das Medikament Prednisolone und wer hat bereits Erfahrungen gemacht.
Deinen Tip: das Medikament Celebrex 2oo hilft sehrwahrscheinlich bei deinen regelmässigen wiederkehrende Krankheit (Schmerzen). Auch ist dieses Medikament nicht gerade das Non-Plus-Ultra und ist vor ungefähr 6 Jahren in die Schlagzeilen von verschiedenen Zeitungen gekommen als sehr gefährlich. Habe etwas gegoogelt.
Nochmals vielen Dank, Ventura. Auch ich wünsche weiterhin alles gute und schmerzfreihe Tagen.
archa
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@archa, @ventura
Ich versuch mal, etwas allgemeinverständliches zur Polymyalgia rheumatica (arteriitica/idiopathica) zu formulieren.
Mir ist nicht ganz klar, ob ihr beide eine echte Polymyalgia rheumatica habt oder ob ihr nicht - etwas wahrscheinlicher - an einer Muskelerkrankung leidet, die sehr ähnliche Symptome aufweist.
Die Polymyalgia rheumatica gehört zu den Autoimmunerkrankungen, in der Zusatzbezeichnung "idiopathica" kommt schon zum Ausdruck, dass man die exakte Ursache dieser Gesundheitsstörung nicht kennt.
Muskelschmerzen, wie sie nach vereinzelten Infektionskrankheiten (Borreliose u.a.) auftreten können, lassen von ihren Symptomen her an eine polymyalgia rheumatica denken.
Die Polymyagia rheumatica (PR) betrifft fast ausschließlich Menschen über 60Jahre, Frauen dabei weit häufiger als Männer.
Ihre Symptome sind klassisch:
Symmetrisch auftretende Schmerzen in den rumpfnahen Muskeln der Arme und Beine sowie im Bereich des Schulter- und Beckengürtels. Die betroffenen Patienten können sich vor allem morgens schmerzbedingt kaum aktiv bewegen, die passive Beweglichkeit der schmerzenden Muskulatur ist merkwürdigerweise aber nicht eingeschränkt.
Die Patienten fühlen sich krank, depressive Verstimmungszustände treten häufig begleitend auf.
Im Labor findet man üblicherweise eine massiv erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit, auch andere Entzündungsparameter können stark erhöht sein.
Nicht selten sind Arterien von der Entzündung mitbetroffen. Bei massiven Schläfenkopfschmerzen ist an einen Entzündung der Schläfenarteien zu denken, die man Arteriitis temporalis (im engl. Sprachgebrauch Bing-Horten-Disease) nennt.
Die Diagnose kann man durch Gewebeentnahmen aus der betroffenen Muskulatur oder entzündeten Arterien sichern.
Die Behandlung ist einfach:
Man beginnt mit einer höheren Dosis eines Kortikoids, also eines Kortisonpräparates, die hohe Dosis muss über einige Tage beibehalten werden.
Der prompte Behandlungserfolg bestätigt die Verdachtsdiagnose ein weiteres Mal.
Um einem Wiederaufflackern der Entzündung vorzubeugen muss ein schrittweise reduzierte Kortikoiddosis über eine lange Zeit (ca 2Jahr) beibehalten werden, eine begleitende Vorbeugung gegen Osteoporose und Magenschleimhautentzündungen ist dabei unabdingbar.
Kortikoide, also kortisonähnliche Substanzen, sind meist mehrfach wirksamer entzündungshemmend als das vom eigenen Körper produzierte Kortisol.
Prednisolon ist zum Beispiel 5-mal so entzündungshemmend. Auf dem deutschen Markt erschien Prednisolon als "Sulu-Decortin" der Firma Merck, gehört also zu den seit langem erprobten Arzneimittelgut.
Wie alle Kortikoide ist eine kurzzeitige Einnahme auch in hoher Dosis üblicherweise unproblematisch, eine stufenweise Reduzierung der Anfangsdosis ist immer zu empfehlen.
In der Langzeittherapie liegen weit größere Probleme, weshalb kortisondauerpatienten ärztlich überwacht werden sollten.
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@drwkempf
Vielen Dank für Ihren wervollen Beitrag.
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Lieber archa,
alles gern geschehen.
Davon mal ab: Ich darf in unserem Forum bitte geduzt werden ;}
Wolfram
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Hallo Wolfram,
danke ebenso wegen des ausfuehlichen Beitrags, sehr aufschlussreich!
Als Autoimmunkrankheit wurde es letztenlich auch bei mir durch den Behandler als wahrscheinlichste "Ursache" belassen, nach immerhin 2 Jahren Behandlung/Betreuung. Die Symtome die Du beschreibst entsprechen sehr meinen Symptomen, weshalb mein damaliger Arzt auch etwas "suspekt" war, da er nicht glaubte das dies in meinem Alter vorkommt.
Wie auch immer, eine fast 2 jaehrige Therapie mit Decortin, d.h. 4 mal pro jahr und im ersten jahr zusaetzlich 3 mal 3 Monate Terapie mit doxycyline 100 haben es letztendlich so weit gelindert, dass es nunmehr nur 1 mal im jahr wieder zu diesen, wie von dir beschrieben schmerzen kommt. Diese kann ich allerdings mit Celebrex 200 oder besser mit arcoxia (wurde mir mal im Chiangmai Ram "verschrieben") so weit "im Griff" behalten.
Die "Schuebe" sind auch seit Jahren nicht mehr im Ansatz so schmerzhaft, wie am Anfang, wo z.b. Tilidin oder div. NSAR max. 4 Stunden "etwas Linderung verschaften.
Zusaetzlich habe ich immer einen permanenten "Druck" auf dem Brustkorb, als ob ein Elefant auf mir sitzt! Na ja, damals habe ich fast 1 jahr im sitzten schlafen muessen, in der waagerechten war es einfach nicht zu ertragen.
Mal sehen wie die naechsten Jahre verlaufen???
gruss
Ventura