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Thailand-Foren der TIP Zeitung => Sammelsurium => Thema gestartet von: Profuuu am 23. August 2008, 05:10:46

Titel: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 23. August 2008, 05:10:46
Vorwort

Der Buddhismus ist laut offizieller Lehrmeinung über 2500 Jahre alt. Man begegnet dem idealisierten und mystisch verklärten Abbild des Gründervaters auf Schritt und Tritt in den Ländern, wo man ihn verehrt.

Buddha Statuen...aus Fels gehauen, aus Gips, aus Gold, aus Silber, aus Bronze, aus Glas, aus Holz, aus Ziegelsteinen, aus Zement, aus Beton, aus Plastik, aus Blech, aus Porzellan, aus Halbedelsteinen. Bunt bemalt oder mit Goldfarbe überzogen. Kaum ein formbares Material, welches nicht genutzt wird.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/PhraChinarat-1.jpg)


Woher kommen sie? Seit wann gibt es sie?

Ein Reisender, der durch Sri Lanka, Thailand, Burma, Laos und Kambodscha zieht, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Darstellungen Buddhas als Statue schon immer zum Buddhismus gehörten, wie die Luft zu den Schwingen, das Wasser zu den Flossen, wie das Krähen zum Hahn, dass sie eine ureigene Erfindung und Idee der Künstler dieser Länder seien.

Dem ist nicht so.

Über viele Jahrhunderte hinweg war eine Darstellung der Person Buddhas als Statue undenkbar, wenn nicht sogar ein Frevel. Der Buddhismus jedoch, die Lehre, hatte seine abstrakten Symbole, die in Skulpturen, Fresken und Bildern ihren Ausdruck fanden. Auf die kommen wir noch zu sprechen.

Heute geht man davon aus, dass griechische und später römische Einflüsse nicht unschuldig an der Entwicklung hin zu heutzutage überall verbreiteten Buddha Statuen waren. Da wir uns schwer vorstellen können, dass die antiken Griechen und Römer bis nach Thailand und Kambodscha vorgedrungen sind, und es dafür auch keine historischen Quellen gibt, zumindest meines Wissens nicht, hat die Kunst der Buddhastatuen offensichtlich einen langen Weg hinter sich.

Welches ist die Geografie, in der sich West und Ost begegneten? Wer waren die historischen Personen? Zu welcher Zeit spielte sich dies alles ab? Wann adoptierte der Buddhismus die Idee, Buddha als Statue mit menschlichen Zügen darzustellen? Wie und wann kamen sie nach Sri Lanka, Burma, Thailand und Kambodscha? Mal ganz abgesehen von Malaysia, Indonesien, Vietnam, China und Japan.

Die Beschäftigung mit diesem Thema eröffnet einen tiefen Blick in jene Zeit, der weit über den Buddhismus hinausgeht. Sie öffnet den Vorhang zu einem tragischen Theaterstück über Aufstieg und Fall von Weltreichen und wechselnden Herrschergeschlechtern, über aufblühende und sterbende Kulturen. Aber auch über weise Könige, ganz im Sinne des Buddhismus, über friedlichen, fruchtbaren und philosophischen Gedankenaustausch zwischen West und Ost, und schließlich über einen einschneidenden Wandel, den der Buddhismus durchmachte.

Manches mag uns noch dunkel aus dem Geschichtsunterricht in Erinnerung geblieben sein. Ja stimmt, das Reich Alexander des Grossen reichte kurzzeitig bis nach Nord-Indien hinein. Manche mögen von dem indischen König Asoka gehört haben, der die Geburtsstätte Buddhas mit einer Säule gekennzeichnet hat und dessen Sohn Sri Lanka zum Buddhismus bekehrte. Aber wer käme darauf, welch unermesslich wichtige Rolle die Menschen und Herrscher in der heutigen Geografie eines Landes gespielt haben, dass seit Jahrzehnten unter Bürgerkrieg und kriegerischer Einmischung von außen leidet, über das seit dem 11. September 2001 täglich im CNN und anderen Nachrichtensendern berichtet wird?

Afghanistan!

Versuchen wir also diese faszinierende über lange Strecken leidhafte Geschichte aufzurollen.

Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 23. August 2008, 05:27:01
Vorhang auf zum ersten Akt - Alexander der Grosse.

Nach Buddhas Tod fristete die Sangha (Buddhistische Mönchsgemeinde) ein recht begrenztes Dasein. Der Buddhismus blieb auf dem indischen Kontinent eine Sekte, beschränkt auf die Umgebung, in der Buddha zu Lebzeiten wandelte. Der Einfluss der Brahmanen mit ihren Feuer-Zeremonien und Schlachtopfern blieb unerschüttert. Der Brahmanismus blieb die unumstößlich stärkere Kraft. Aber wie im antiken Griechenland brodelte es in den Köpfen unzähliger Denker auf dem Indischen Kontinent. Sie stellten sich Fragen:

Welche Mechanismen bestimmen unser Schicksal?

Welchen Sinn hat unser Leben?

Wie kann man sich in dieser Welt zurechtfinden, ohne Schaden zu nehmen?

Noch war es nicht die Zeit, in der Götter und Heilsbringer bildhaft oder als Statuen dargestellt wurden. Was zählte, waren die Opferzeremonien der Brahmanen und deren in Sanskrit zitierten Verse aus den Veden auf der einen Seite. Der Lebenswandel eines Samana’s, Wandermönch, im Sinne der Sangha und das Wort Buddhas, Dhamma, sein Lehre in Pali, auf der anderen Seite. Noch war es nicht die Zeit, in der brahmanische und später hinduistische Götter und Buddha in steinernen und irdischen Tempeln wohnten. Die darstellende Kunst hatte sich deren noch nicht angenommen. Die stilisierte Lotus-Blüte und das stilisierte Rad, erstere für die Reinheit Buddhas und zweiteres für seine Lehre, mögen aber schon ihre symbolische Verbreitung gefunden haben. 

Alexander der Grosse war wohl der erste, der westliches Gedankengut und hellenistische Kunstgedanken tief nach Nord-Indien bis in Buddhas Wirkungsstätten hineintrug und der umgekehrt östlichen Denkweisen einen Weg nach Westen ebnete. Dem Autor sind im Augenblick aber keine historischen Begebenheiten zur Zeit Alexanders des Grossen bekannt, die im Zusammenhang mit dieser kleinen Abhandlung über Buddhastatuen eine Rolle spielen könnten.

Alexander bezahlte einen hohen Preis für seinen unstillbaren Drang nach erobertem Territorium. Im Jahre 326 BC fiel er in den Punjab ein, stieß bis zum Hydapses Fluss vor und schlug den damals mächtigsten indischen Fürsten Poros, auch Porus genannt. Ein Jahr später meuterten seine Truppen, wollten umkehren, da sie dem ungebändigten Vorwärtsdrang ihres Feldherrn nicht mehr folgen wollten und auch wohl nicht mehr konnten. Ein gewisser Horror vor den ungewöhnlichen indischen Kampf-Elefanten mag dabei eine Rolle gespielt haben. Das aus westlicher Sicht mit archaischer Mystik überladene Indien mag auch seinen Teil dazu beigetragen haben.

In kleinem Kreise und furchtlos bewegte sich Alexander weiter in Indien. Überquerte sogar den Indus. Es schien, als suchte er das Ende der Welt.

Obwohl als Aggressor ins Land gekommen, wurde Alex jahrhundertlang als unbesiegbarer Eroberer und weiser Philosoph von so manchen Indern verklärt. Seine angeblich ernsthaften und mit aufrichtigem gegenseitigem Respekt geführten Gespräche mit den Brahmanen haben bei den Einheimischen Herrschern tiefen Eindruck hinterlassen. Im Jahre 324 BC geht er den Weg alles Vergänglichen und hinterlässt ein Machtvakuum in Nord-Indien.     

Nach dem Zerfall von Alexanders Großreich war der Nord-Indische Kontinent für den Westen erschlossen, war kein weißer Fleck mehr auf der damals noch, aus westlicher Sicht, reichlich unvollständigen Weltkarte.


(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Map-Alexander1.gif)

 
Der Fluss Indus markiert die temporäre Grenze des Alexander-Großreiches im Osten

Hier schließt sich der Vorhang zum ersten Akt. Die Fortsetzung ist völlig offen. Wir befinden uns im letzten Viertel des 4-Jahrhunderts vor Christi Geburt. Noch könnte Buddha mit seiner Annahme, dass seine Lehre eine Lebenserwartung von mindestens 1000 Jahren hat, zu optimistisch gewesen sein. Noch könnte es eine zukünftige Welt ganz ohne Buddha-Statuen geben. Noch könnte dem modernen Süd-Ost-Asien-Reisenden etwas fehlen, falls er es denn wüsste, wenn es anders gekommen wäre.

Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 23. August 2008, 19:04:21
Der zweite Akt – Die Mauryans

Schon zwei Jahre nach Alexanders Tod beginnt der Aufstieg des Geschlechts der Mauryans. Sie erobern und vereinen rücksichtslos und kaltblütig das wieder in kleine Fürstentümer zerfallene Nordindien, füllen das entstandene Machtvakuum wieder vollständig aus. Sie kommen aus Magadha, dem Wirkungsbereich Buddhas. Die historischen Jahreszahlen werden dank Megasthenes, einem griechischen Historiker, ab jetzt recht verlässlich. In der Schrift „Indica“ ist er sehr spezifisch.

Demnach vereinte König Chandragupta Maurya Nord-Indien während seiner Regentschaft von 322 BC bis 296 BC.

Sein Sohn Bindusara (296 – 273 BC) setzte diesen Trend fort   

Der Enkelsohn des ersten Mauryan Herrschers ist König Asoka, 273 BC bis 232 BC.

Verschiedene Quellen weichen geringfügig um ein paar Jahre voneinander ab. Asoka verbleibt nach unerklärlichem Tode von all seinen Brüdern der einzige Sohn seines Vaters Bindusara und wird damit traditionsgemäß sein Nachfolger, obwohl nicht der älteste männliche Nachfolger. Das „unerklärlich“ ist wie immer eine Behelfskonstruktion der Jubelhistoriker für unschöne Ereignisse, deren geschichtliche Tatsache man nicht abstreiten kann.

Das Macht-Symbol Asokas ist ein vierköpfiger Löwe. Vier Köpfe, die im rechten Winkel voneinander in die vier Windrichtungen zeigen. Diese Löwenköpfe zieren seine überall in seinem Machtbereich aufgestellten Asoka-Säulen. Auch die im Lumbini-Park, Buddhas Geburtsstätte.


Das Löwen-Symbol Asokas thronte auf dem Kopf einer jeden Säule

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Asoka-Loewen2.jpg)           (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Asoka-sarnath-column.jpg)
                                     
Asoka-Säule mit einer gut zu erkennenden Inschrift

Wer nach übergreifender Symbolik in der Fremde sucht, findet in dem Löwen-Symbol einen globalen Anker. Es ist ein Symbol der Macht in Süd-Ost-Asien. Und fast alle Länder in dieser Geografie haben ein gemeinsames Wort dafür. Sing(h)a = Löwe. Singapur schmückt sich mit einem wasserspeienden Löwen als Wahrzeichen. In Thailand übernimmt das Singha-Bier die Macht über die Birne des begnadeten Trinkers. Weiter westlich in Mykene, Griechenland, hat Schliemann das Löwentor neu für das Abendland entdeckt und in Bayern symbolisiert das Löwenbier die Macht der Brauereien.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/LoweSingapur.jpg)            (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Loewensingha-beer.jpg)
                       
Singapur                                                                                     Singha Bier Thailand


(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Loewntormykene1.jpg)         (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/loewenbraeu1.jpg)
                         
Löwentor Mykene                                                 Löwenbräu


 
             
Asoka wütet ohne Erbarmen wie sein Vater und Großvater mit dem Ziel, seinen Machtbereich zu vergrößern. Unter ihm erfährt Indien die größte Ausdehnung seiner Geschichte. Im Süd-Osten über Kalinga bis nach Sri Lanka, wohin er seinen Sohn schickt. Im Norden die gesamte Indus-Ebene und große Teile von Afghanistan, im Osten Teile vom heutigen Burma umfassend.

Pakistan wird in diesem Zusammenhang zu Nord-Indien gezählt, da eine relativ neuzeitliche Konstruktion, erwachsen aus der verzweifelten Sehnsucht Mahatma Gandhis nach Frieden zwischen Hindus und Moslems auf dem indischen Kontinent.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Map-Asoka2.jpg)

 
 
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: crazythaiteeak am 23. August 2008, 19:39:22
@ Profuuu
Donnerwetter zu deinen Berichten hoffentlich bekommst Du viel Lob
   MFG Andy

sorry kleiner fehler  es zeigt Löwenbräu Schorndorf   
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 23. August 2008, 19:43:16
Asokas Bekehrung zum Buddhismus

Der Legende nach war es nach der siegreichen und blutigen Schlacht um Kalinga, man spricht von 100,000 Toten, als Asoka geschockt vom Anblick der unzähligen verstümmelten Krieger auf dem Schlachtfeld beschließt, ein Leben im Sinne der buddhistischen Moral zu führen und seinen Herrscherstil danach auszurichten.

Der Begriff „Buddhistische Moral“ ist hier bewusst gewählt, im Gegensatz zu „Buddhistische Lehre“. Die spirituellen, psychologischen und philosophischen Aspekte interessierten Asoka nur am Rande. Der Buddhistische Heiligenschein wurde ihm erst im Laufe der geschichtlichen Verklärung aufgesetzt.

Auf seine überall verbreiteten Steinsäulen ließ er Verhaltensregeln meißeln.

•   Eltern, Ältere, Lehrer, Diener und Heilige ehren ist gut
•   Vermeidung des Tötens von Lebewesen aller Art ist gut
•   Auf Schlachtopfer verzichten ist gut
•   Großzügigkeit gegenüber der Familie, Freunden, Asketen und Heiligen ist gut
•   Moderates Sparen und moderates Ausgeben ist gut
•   etc.

Und ja, Agenten im gesamten Herrschaftsbereich wachten über die Einhaltung dieser Regeln. Asoka erfand die Sharia (islamische Gesetzgebung) des Buddhismus. 

Mit Asoka beginnt die Steinzeit des Buddhismus. Er lässt überall  Stupas errichten, lässt Höhlen in die Felsen meißeln, in denen die buddhistischen Mönche während der Regenzeit verweilen können, baut steinerne Unterkünfte für die Sangha, buddhistische Mönchsgemeinde, und stellt überall Säulen auf, auf denen Inschriften Verhaltensregeln verkünden, die seine Untertanen zu umgänglichem Lebenswandel  auffordern. Er verbietet brahmanische Tieropfer und preist eine vegetarische Ernährungsweise an.

Schließlich gibt er auch das exklusive Privileg der Herrschenden auf, das Privileg der Jagd. Seinen Untertanen erlaubt er allerdings das Erlegen von Tieren zum Stillen des Hungers. Es gibt keinen Winkel in seinem Einflussbereich, in dem nicht Stupas errichtet werden. Eine mit Vorsicht zu betrachtende Überlieferung besagt, dass es deren 84,000 gab.

Stupas sind die ersten steinernen Zeugen des Buddhismus, die bis in die heutige Zeit überlebt haben. In Thailand werden sie Chedis genannt. Ursprünglich bestanden sie aus einem quadratischen Sockel, auf dem eine Halbkugel ruht. Die Halbkugel ziert eine steilaufragende Spitze, die mit einem schirmartigen Gebilde geschmückt ist.
 
Später setzte sich in Süd-Ost-Asien die konische Form des Spitzhutes durch. In der Khmertradition sieht ein Chedi wie ein Maiskolben aus und wird als „Prang“ bezeichnet.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/chedi388px-Ko_Kret_leaning_chedi.jpg)        (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/prang1.jpg)
                   
Chedi (Koh Kret)                                                    Prang (Ayutthaya)     



Die Stupas dienen der Aufbewahrung von Reliquien, z.B. von Knochensplittern, Zähnen und Haaren Buddha’s. Falls irgendjemand mal die Stupas mit Reliquienzähnen Buddhas zählte, käme es wohl zu großem Staunen, ob seines übermenschlich riesigen Gebisses.

 
Die wohl älteste und wieder restaurierte Stupa ist die in Sanchi, Indien. Vermutlich zu Asokas Zeiten errichtet und über die Jahrhunderte immer wieder erweitert.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Sanchi1850.jpg)
         
Die Sanchi Stupa, wie sie 1850 vorgefunden wurde


(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/SanchiStupa2-1.gif)

Die Sanchi Stupa heute

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/SanchiStupaKopf.gif)        (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/SanchiStupa1-1.jpg)
 
       
Die Buddha Büsten auf dem Rundgang der Sanchi Stupa wurden erst viele Jahrhunderte nach Asoka hinzugefügt.

Später werden wir sehen, dass es eine Nachempfindung dieser Anlage in Thailand gibt, die an Kontakte mit dem Asoka Reich und den ersten Berührungen mit dem Buddhismus erinnern soll. Der Phra Pathom Chedi, in Nakhon Pathom unweit von Bangkok.     

Diese Stupas sind nicht etwa eine Erfindung Asoka’s, sondern den damals weitverbreiteten Grabhügeln für die vergangenen Herrscher nachempfunden. Im Laufe der Zeit entwickelten sie eine eigene mit Symbolik behaftete Architektur.     

Den buddhistisch verklärten Aufzeichnungen nach schickt Asoka nach einem buddhistischen Kongress in Patna, Nordindien, 247 BC, drei buddhistische Mönche nach Gandhara, Afghanistan und in andere Länder um den Buddhismus zu verkünden. In Wirklichkeit sind es Gesandte, die Indische Kräuterheilkunde zum Wohle aller Menschen verbreiten sollen. Sozusagen als Gastgeschenk für eine eventuelle Aufnahme von diplomatischen Beziehungen oder gar dem Vorschlag, sich Asoka und seinem Reich anzuschließen.
 
Asoka selbst bereist die vier heiligen Stätte Buddhas.

Lumbini, den Geburtsort, an dem 1895 eine seiner Säulen, vor langer Zeit von Blitzschlag gefällt, ausgegraben wurde,

Bodh Gaya, den Ort der Erleuchtung,

Sarnath, den Ort der ersten Predigt,

Kusinara, den Ort des Todes.

Er schickt Buddhistische Missionare, historisch korrekt wäre Botschafter, nach Nord-Griechenland, Syrien, Ägypten und weiter nach Nord-Afrika, bis ins heutige Libyen hinein. Sie wandeln auf Alexanders Spuren. In umgekehrter Richtung.

Afghanistan genoss seit Asokas Zeiten unter der Schirmherrschaft Buddhistischer Regeln viele hundert Jahre lang ein relativ entspanntes Leben in Wohlstand und Frieden.
 
Asoka spielt in der indischen Historie eine herausragende Rolle. Im Jahre 2001 wurde sein Leben bollywoodmäßig verfilmt. Es ist eine reine Seifenoper, die nur den Titel mit dem historischen Asoka gemeinsam hat.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/asoka1.jpg)
Asoka, das Film-Plakat

Niemand hat bis heute die Stupas in seinem alten Reich gezählt. Unzählige Ruinen im heutigen Pakistan und ganz besonders in Afghanistan bleiben stumme Zeugen dieser Zeit. Die Stupas erregten dort auch in der moslemischen Zeit kein besonderes Missfallen, da abstrakt und nicht etwa ein lebendiges Wesen darstellend. Letzteres ein „no no“ im Islam. Sie wurden einfach ihrem natürlichen Zerfall überlassen.

Nord- Ost- und Zentral-Indien, das heutige Pakistan, Afghanistan und Sri Lanka sind nun buddhistisch, folgen dem verheißungsvollen achtfachen Pfad. Buddhas Lehre, Dhamma, hat eine unverhoffte Chance erhalten, 1000 Jahre alt zu werden. Zeugnisse aus Stein, wie die Stupas und vielleicht auch die ersten Fußabdrücke gaukeln zum ersten mal Unvergänglichkeit vor. Aber noch gibt es keine bildhaften Darstellungen Buddhas, auch nicht die der sich langsam entwickelnden hinduistischen Götterwelt. Es sollte anders kommen.

Hier fällt der Vorhang des zweiten Aktes.
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 24. August 2008, 03:57:17
Der dritte Akt - Melinda.

Die Dinge stehen schlecht für den Buddhismus und noch schlechter für eine künstlerische Darstellung. Das Geschlecht der Mauryans geht den Weg alles Vergänglichen. Asoka stirbt 232 BC, und 195 BC ermordet der Armee General Pushyamitra den letzten Herrscher der Mauryans während einer Truppenparade. Das Großindische Reich zerfällt. General Pushyamitra stellt sich auf die Seite der Brahmanen, Tieropfer werden wieder eingeführt und Brahmanen füllen wichtige Staatsposten aus. Aber Pushyamitra vernachlässigt seine Pflichten als Beschützer seines hinterhältig errungenen Reiches. Die Kelten fallen in ein geschwächtes Nord-Indien ein.

Die Kelten? Ja. Dies ist einer der Gründe, warum moderne Esoteriker die Kelten Irlands und Englands gerne buddhistisch gefärbt sehen. Etwas gewagt. Merlin mit Sichel, Distel und Buddha im Herzen. Zu schön um wahr zu sein. Es gibt allerdings einige Historiker, die meinen, dass die Kelten an die Wiedergeburt im buddhistischen Sinne glaubten und ganz vielleicht eine eigenwillige Idee von Karma hatten.

Die Beweise sind dünn, aber nicht ohne faszinierende Logik. Die rudimentäre Gemeinsamkeit der Sanskrit-Sprache zwischen indischen Worten und denen der Kelten, selbst in Irland, deuten auf eine gewisse linguistische Verwandtschaft hin. In der heutigen Zeit zeigen die Worte der Balten, besonders in Litauen, die größte Gemeinsamkeit mit dem Sanskrit der Brahmanen.

Faszinierenderweise können Historiker anhand von Funden und Sprachforschung die Herkunft und Verbreitung der Kelten immer besser entschlüsseln, die Pfade ihrer Wanderschaften im kontrastlosen, alles verschluckendem Nebel der fernen Vergangenheit  allmählich in verschwommenen grau-weiß Tönen entschlüsseln.

In Bactria, dem heute nördlichen Afghanistan und südlichen Usbekistan, sowie Tajikistan haben griechische Könige, den Spuren Alexanders folgend, ihre Herrscherhäuser errichtet. Sie bringen Münzen, Architektur und hellenistische Kunst mit und breiten sich schließlich bis nach Nord-Indien aus.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Map-IndoBactrianEmpires.jpg)
                                         

Bactria ist die Heimat Zarathustras. Sein Geburtsjahr liegt im völligen Dunkel der Geschichte. Manche meinen, er hätte sich um 600 BC in Bactria aufgehalten. Seine Herkunft aus Persien, früher Parthia, ist ziemlich unbestritten, lediglich die völlig spekulierten Jahreszahlen liegen um Jahrhunderte auseinander.

Beteiligen wir uns nicht an den Spekulationen um Jahreszahlen, betrachten wir seine Botschaft. Sie ruht auf drei Pfeilern:

   Gut zu denken
   Gut zu reden
   Gut zu handeln

Dies alles in Eigenverantwortung und ganz ohne das Versprechen vom Paradies oder der Hölle bei Zuwiderhandeln. Zarathustra unterstellt das Prinzip der Ursache und Wirkung. Gutes Denken, Reden, Handel führen zu guten Geschehnissen.

In der Neuzeit hat Nietzsche den Zarathustra in seinem Essay: „Also sprach Zarathustra“ wieder neu erweckt. Die Vertonung ist allen Science Fiction Fans aus dem Film: „Space Odyssee 2001“, ein Kultfilm, als unter die Haut gehende Filmmusik bekannt. Nebenbei, der Komponist ist Johann Strauss. 

Die griechischen Könige in Bactria kommen mit dieser Lehre zwangsläufig in Berührung und als sie ihr Reich bis nach Nord-Indien ausdehnen, begegnen sie dem Buddhismus, der ihnen wegen des Wissens um Zarathustras Lehre gar nicht befremdlich vorkommen kann. Eher als eine Weiterführung und Fortentwicklung. Ihnen mag Zarathustra wie ein Vorgänger Buddhas vorgekommen sein.   

Der wohl herausragendste griechische König Melinda, 155 BC bis 130 BC, herrschte über weite Gebiete Nord-Indiens und Afghanistans.  Sein Versuch, auch das Ursprungsgebiet des alten Mauryan Geschlechtes, nämlich Magadha mit seiner Hauptstadt Pataliputra einzunehmen, schlug fehl. Trotzdem schien er vom Buddhismus beeindruckt zu sein, und nimmt schließlich diesen Glauben an.

Es besteht der begründete Verdacht, dass während seiner Herrschaft die ersten Ideen für Buddhastatuen entstanden. Aber noch zögern die Theravada (Weg der Älteren) Buddhisten, ihren Heilsbringer als Statue darzustellen. Warum auch? Was zählt, ist seine Lehre, Dhamma. Was zählt, ist alleine die Kraft, der Wille und die Einsicht des Einzelnen, von Samsara, dem leidhaften Kreislauf von Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt erlöst zu werden, und genauso wie Buddha, wie eine Flamme zu verlöschen. Welchen Zweck sollen Buddhastatuen in diesem Zusammenhang erfüllen? Und hatte Buddha nicht selber gesagt, dass die Verehrung seiner Person, besonders durch bildliche Darstellungen nur von dem einzig wichtigen Ziel, nämlich der Erleuchtung, ablenkt?

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Menander-Coin1-1.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Menander-Muenze1.jpg)                     (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Menander-Muenze2.jpg)
                         
Münzen mit der Darstellung Melindas

Melinda indisch,
Menander lateinisch,
Menandros griechisch,

ist berühmt für seine Bemühungen, westliches und östliches Gedankengut auszutauschen. An seinem Hofe treffen buddhistische Betrachtungsweisen auf die der griechischen Philosophen. Es ist der erste schriftlich niedergelegte Gedankenaustausch dieser Art. Seine philosophischen Diskussionen mit dem Buddhisten Nagasena sind in der altertümlichen Abhandlung:

„Milinda-Panha“ (Die Fragen des Melinda)

festgehalten und überliefert. Nagasena bedeutet: Schlangen-Armee, da man ihm übersinnliche Kräfte unterstellt. Die Chinesen stellen ihn gerne als ausgefuchste Person dar, der sich im Ohr kratzt, falls er etwas Ungebührliches hört.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Nagasena.jpg)


Der Legende nach gab Melinda gegen Ende seines Lebens sein Königsreich auf, konvertierte zum Buddhismus und starb schließlich als Arhant, Heiliger.

Laut Geschichtsschreiber Plutarch starb Melinda in seinem Armee-Camp während einer Schlacht, berichtete aber auch, dass Melinda den buddhistischen Glauben angenommen hatte.   

Es sei hier aber erwähnt, dass der Verdacht, Melinda hätte die ersten Buddha-Statuen angeregt, nur eine nahe liegende Spekulation ist. Wie wir wissen, war diese Art der Präsentation des griechischen Parthenons durch ästhetisch gestaltete Skulpturen in der hellenistischen Welt weit verbreitet. Es gibt jedoch keine historisch belegte Begebenheit, die besagt, dass Melinda seinen Zeigefinger erhob und sagte:

 „Lasst uns Buddha ein Antlitz geben. Meine Handwerker und Künstler kennen sich da aus.“

Wir wissen noch zu wenig über eigenständige künstlerische Entwicklungen in dieser Geografie. Zu viele der historischen Spuren wurden in Afghanistan und dem heutigen Pakistan unter dem Einfluss des Islam unwiederbringlich getilgt, ganz besonders wegen des islamischen Verbotes, lebende Wesen, auf welche Art auch immer, bildhaft darzustellen.

Anmerkung des Autors. Auch in der Neuzeit kam es zu ernsten Konflikten wegen dieses islamischen Verbotes. Als Saudi Arabien in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts das Fernsehen einführte, gab es Demonstrationen konservativer Moslems in den Strassen Riyadh’s, die blutig und nicht ohne Tote, niedergeschlagen wurden.

Nun stehen wir also an der Schwelle einer bildlichen Darstellung Buddhas. Wir befinden uns im zweiten Jahrhundert vor Christus. Noch ist sie nicht populär. Noch ist sie die Ausnahme, wenn überhaupt.

Ausgerechnet ein Grieche, ein Vertreter der westlichen Welt, legte womöglich den ersten zarten Grundstein für diese Entwicklung. Eine Entwicklung, die dem aufgeschlossenen Reisenden aus dem Abendland immer wieder aufs Neue Staunen und Faszination beschert, wenn er in Süd-Ost-Asien voller Vorfreude den Flieger verlässt.

Die Hindus greifen die Idee der bildlichen Darstellung ihrer Götter schon jetzt begeistert auf. Ihr offensichtlicher Erfolg bei den einfachen Leuten lässt auch die Buddhisten über neue Wege nachdenken. Welche, werden wir noch sehen.

Ein König der alten Welt, der „farang“ Melinda, macht sich stark für den Buddhismus, gibt ihm noch einmal eine Chance in seinem Großreich.

Aber es ist wie so oft im historischen Zeitenlauf, in einer persönlichen Lebensspanne übrigens auch, wie wir alle wissen. Gerade fühlen sich alle in Sicherheit, sehen eine rosige Zukunft vor sich und plötzlich wird sie von dunklen Wolken aus einer gänzlich unberechenbaren Richtung beschattet.

Der Buddhismus wird in eine schmerzhafte Zange genommen.

Im Süden Indiens, in Sri Lanka fallen die Tamilen zum ersten mal ein. Die ansässigen Singhalesen, in der Mehrzahl Buddhisten, befinden sich in Lebensgefahr. Dort ist die vermeintlich sichere Enklave des Buddhismus gefährdet.

Im Norden Bactrias fallen chinesische Nomaden-Stämme ein, verdrängen die griechischen Könige in ihre Enklaven in Nord-Indien, bis sie schließlich gegen Ende des 1. Jahrhunderts BC ganz von der Bildfläche verschwinden. Der Osten ist wieder unter sich, auf seinem eigenen Territorium. Die Expatriate-Bücher Asiens werden geschlossen.

Wie ist es möglich, dass Nomaden-Stämme etablierte und wohlorganisierte griechische Königsreiche überrennen können? Woher kommt die Motivation, die Energie und der offensichtlich unwiderstehliche Druck? Nun, wir wissen heute, dass sich in China ein Großreich entwickelt. Die chinesischen Herrscher verdrängen alles, was sich ihnen nicht anschließen oder anpassen will. Eigensinnige Nomaden passen da nicht ins Bild. Diese weichen in Scharen und unwiderstehlich auf andere Territorien aus. Zuerst Bactria, dann Nord-Indien.

Ist jetzt alles verloren? Stehen wir nun vor dem endgültigen Aus des Buddhismus? Unzivilisierte Nomaden, Viehzüchter und Wanderer, oft am Rande ihrer Existenz. Können die etwa mit den Gedankengängen Zarathustras und Buddhas etwas anfangen? Sind die überhaupt zu philosophischen Betrachtungen fähig? 

Ist nun absolute Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit angesagt?

Die Chinesen haben nur einen Begriff für „Problem“ und „Chance“, und nicht zwei, wie wir in der westlichen Welt. Der Begriff besteht aus zwei chinesischen Schriftzeichen, eines steht für „Krise“ und das andere für „Chance“. Zusammen ergeben sie den Begriff „Problem“. Zwei Seiten einer Münze, die unzertrennlich sind. Jedes Problem birgt also auch eine gute Chance in sich. Nämlich die Möglichkeit für eine positive Entwicklung. Wie wahr dies auf die Weiterentwicklung des Buddhismus zutrifft, zeigen die nächsten paar hundert Jahre ganz deutlich.

Nur so viel sei hier verraten. Die unten abgebildete Münze enthält die erste geschichtlich verbürgte und einigermaßen datierbare Buddha-Darstellung. Sie entstand im 1. bis 2. Jahrhundert nach Christi Geburt in Gandhara, Nord-Indien, während der Herrschaft der eingewanderten chinesischen Nomaden. Ein Wunder? Nein, nur die andere Seite der Münze.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/coin-Buddha-Kanishka.gif)


Hier fällt der Vorhang zum 3. Akt. Wie es zu den ersten Darstellung Buddhas kam, sehen wir im 4. Akt...
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 25. August 2008, 12:00:39
Der vierte Akt - Kaniskha.

Im Morgenland folgen drei weise Könige einem verheißungsvollen Stern. Eine Zeitenwende steht kurz bevor, die bis heute den internationalen Geschäfts-Kalender bestimmt.

Die Großreiche Alexanders, Asokas und Melindas sind zerfallen. Der Buddhismus fristet wieder einmal ein sektiererisches Dasein, jedoch ohne seine Stärke bei seinen Anhängern zu verlieren.

Nordchinesische Nomaden-Horden lassen sich in Bactria nieder und schicken sich an, Nord-Indien zu erobern. Weiter im Osten, in China, entsteht ein Großreich, das keine Gnade für Unangepasste kennt.

Die historischen Jahreszahlen werden unzuverlässiger, da die griechischen Chronisten zusammen mit ihren Königen diese Geografie verlassen haben, und wir ab jetzt auf die Kunst der Harmonisierung der indischen, chinesischen und griechisch/römischen Kalender angewiesen sind.

Buddha manifestiert sich weiterhin „nur“ in seiner Lehre und visualisiert sich nach wie vor lediglich in Symbolen:


   Stupas (Reliquien)
   Rad mit Speichen (Dhamma = Lehre)
   Mönchsbehausungen für die Regenzeit (Sangha = Mönchsgemeinde)
   Lotusblüten (Symbol der Reinheit)
   Bodhi-Baum (Erleuchtung)
   Fußabdrücke in Stein gehauen
   reiterloses Pferd (Askese, als Absage an sein hochherrschaftliches Leben)
   leerer Thronsessel (als Erinnerung an die Vergänglichkeit und sein Entschwinden ins Pari-Nirvana)


Aber es geschieht etwas, was jedem Vorurteil gegenüber den sog. unzivilisierten, wilden Reiter- oder Nomadenvölkern Hohn spricht.

 
Es entsteht eine neue Kultur in Nord-Indien, deren künstlerischer Ausdruck seinesgleichen sucht. Das Herrscherhaus der Kushanas, Nord-West-Chinesischer Abstammung, mit seinem König Kanishka, setzt vorher nie gekannte, neue Maßstäbe in der darstellenden Kunst.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Map-Kushan-Empire-AD150.jpg)

Manche datieren Kanishka auf  78 – 128 AD, andere auf 144 – 172 AD.

Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 25. August 2008, 12:09:20
Die Ghandara Kunstrichtung

Fest steht, dass im 2. Jahrhundert nach Christus die darstellende Kunst des Hinduismus und Buddhismus eine Blütezeit erlebt. Diese Kunst hat einen Namen, nämlich Ghandara Kunst, benannt nach dem Landstrich, dem sie entsprang. Heute Nord-West-Pakistan, Ost-Afghanistan.

Typisch, für die Darstellung Buddhas, ist der griechisch/römische Faltenwurf des Gewandes und die manchmal Römisch senatorenhaften Gesichtszüge. Diese verbreitet sich zusammen mit dem Mahayana-Buddhismus Richtung Norden auf dem Landwege, über Bactria, die Seidenstrasse entlang, bis nach China hinein, wo sie später eine weitere Metamorphose zur Dickleibigkeit erleben.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Gandhara-Buddha-griech-roem2.jpg)     (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Gandhara-Buddha-griech-roem1-1.gif)    (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Gandhara-Buddha3.gif)                             
Typischer griechisch / römischer Faltenwurf des Gewandes


(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Gandhara-Buddha1.jpg)      (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Gandhara-Buddha-Kopf2.jpg)      (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Gandhara-Buddha-Kopf3.jpg)
                         

Die Gesichter der Gandhara Buddhas lassen schon das geheimnisvolle Lächeln erahnen, welches heute so weit verbreitet ist.
       
 
Besonders die leider von den Taliban im Jahre 2001 zerstörten, riesigen Felsen-Buddhas in Bamiyan, Afghanistan, einem Knotenpunkt der Seidenstrasse, 230 km nord-westlich von Kabul, gehörten zu den Vertretern der Ghandara Kunstrichtung.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Bamiyandestroyed.jpg)

Welch atemberaubenden Eindruck muss der Blick in das Tal bei den während der späten Nachmittagsstunden herannahenden buddhistischen Pilgern und Händlern hinterlassen haben.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Bamiyan-Hoehlen-Abendsonne-1.jpg)



(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Bamiyan-fresco01.jpg)

Buddhistischen Höhlenfresken in Bamiyan.


(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Bamiyan-Buddha2350.jpg)      (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Bamiyan-Buddha1350.jpg)   

Der männliche Buddha, 53 Meter hoch         Der weiblich Buddha, 38 Meter hoch


Aber es gibt noch eine grössere Buddha Statue...
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: sam am 25. August 2008, 20:42:44
Wieso gibt es einen weiblichen Buddha?
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 25. August 2008, 23:24:29
Hallo Sam,

Phylosophisch gesehen verkörpert der weibliche Buddha den weiblichen Aspekt in uns allen. Wir haben ja schliesslich alle eine Mutter.

Dieser weibliche Buddha nimmt aber erst im Mahayana Buddhismus Gestalt an. Genauer gesagt im Vijrayana Buddhismus, welchen man als eine Unterart vom Mahayana Buddhismus bezeichnen kann. Dort heisst sie Tara (Stern)

Im Vergleich zum in Thailand, Burma, Laos und Kambodscha üblichen Theravada Buddhismus ist der Mahayana äusserst bunt und barock. Er ist geradezu bevölkert von göttlichen Wesen und eben auch von weiblichen Buddhas.

Um sie ranken sich unzählige Legenden. Da spielt chinesischer Einfluss eine Rolle. Siehe auch Tibet.

Hat aber nix mit der ursprünglichen Lehre zu tun, sondern ist ein Kompromiss an die Laienschaft, die schon in vorbuddhistischen Zeiten nicht ohne farbenfrohe Götter auskommen konnte.

Tschuldigung, falls sich das alles zu theoretisch anhört. Aber so isses nu mal.

Der gelebte Buddhismus ist keine absolute Sache, sondern immer an die jeweilige Kultur und Gebräuche des Landes angepasst, wo er praktiziert wird.

Anders bei den wirklich gelehrten Mönchen. Die brauchen solch ein Brumborium nicht. Das sind nur Drogen fürs Volk.  ;)     
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 26. August 2008, 00:13:06
Ehe es weiter geht mit der Chronik der Buddha Statuen, ein kleiner Abstecher nach Leshan...


Der Riesen-Buddha von Leshan

Fälschlicherweise spricht man oft im Zusammenhang mit Bamiyan von den größten Buddha-Statuen der Welt, 53 und 38 Meter hoch. Dabei wird eine Statue in China vergessen, die im 8.Jahrhundert n. Chr. nach langer 90jähriger Bauzeit, zwischen 713 und 803 während der Tang Dynasty, fertiggestellt wurde. Sie sitzt in Leshan, einer Stadt in der südwestlichen Provinz Sichuan, einer Provinz, die an den Norden der Yunnan Provinz angrenzt....

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/LeshanSichuanmap3.jpg)


(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/LeshanSichuanProvinzmap1.gif)


...direkt am Min Jiang Fluss und schaut auf die Mündung des Dadu He Flusses.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/leshansinchuanmap2reduced.jpg)


Sie ist 71 Meter hoch, davon der Kopf alleine 15 m, Schulterbreite 28 m. Ursprünglich war sie unter einem 23 Stockwerken hohen Holztempel vor Regen und Wind. Dieser wurde aber während der Yuan Dynasty (1279 – 1368) völlig zerstört. Seitdem nagt das Wetter an der Statue.

1996 hat die UNESCO den Leshan Buddha als Welt-Kultur-Erbe anerkannt. Die Chancen für eine regelmäßige Instandhaltung oder gar eine Generalüberholung stehen gut.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/LeshanBuddha8reduced.jpg)



(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/LeshanBuddha11reduced.jpg)


(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/LeshanBuddha9Fuss.jpg)
   
             
                     
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 26. August 2008, 00:13:32
....
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 26. August 2008, 00:13:50
....
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 26. August 2008, 00:14:11
....
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 26. August 2008, 00:14:28
....
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: wiff am 26. August 2008, 16:31:43
Also Profuuuu, meinen allerhöchsten Respekt.  Besseres hab ich selten gelesen.
Du solltest (oder sicher hast du das schon) das ganze nicht nur hier veröffentlichen.
Danke, Merci, Thank you......
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: namtok am 26. August 2008, 22:43:00
Mal wieder ein beeindruckender Reisebericht „back in time“ vom "Prof"


Die Welt zu dieser vorchristlichen Zeit wirkt schon erstaunlich modern, die Horizonte haben sich erweitert , auch der Erdumfang wurde das erste Mal schon sehr genau vermesen, Kultur und Handel blühte in den grossen Metropolen mit Einwohnerzahlen von hunderttausenden herrschte Multikulte, man kann schon fast von einer ersten Globalisierung sprechen.

So erscheinen die nachfolgenden Jahrhunderte wie ein Rückschritt der Geschichte.



Auch die Chinesen hatten in den Jahren nach Asoka  ihre erstes Grossreich geschaffen, mit dem Mauerbau begonnen und über die Seidenstrasse etablierte sich der Handelsweg bis Europa.

Na, wie schon gesagt, Asokas Missionierungsversuche in alle  Himmelsrichtungen waren  damals im Osten, darunter dem Goldland Suwanaphum um einiges erfolgreicher als in Richtung Westen , wo die Message erst jetzt, gut 2000 Jahre später Interesse findet.



Ein im damals griechisch beherrschtem Westen viel begehrterer indischer Exportartikel war dagegen der  indische Kriegselefant, der damals sicher mächtig Eindruck geschunden hat und die nächsten mindestens hundert Jahre die Schlachtfelder auch im Westen dominierte.


312 v.Chr überlies Seleukos, der mächtigste der Diadochen, der sich den grössten asiatischen Teil des Alexanderreiches unter den Nagel gerissen hatte, dem Mauryakönig Chandragupta die schwer zu haltenden abgelegenen indischen Eroberungen Alexanders gegen 500 Elefanten, welche ihm in den Kriegen gegen seine Konkurrenten gute Dienste leisten sollte.


Im Lauf der Zeit bekamen die Kriegsgegner  aber doch spitz, dass sich die in vorderster Front eingesetzten furchterregenden Elefanten doch relativ leicht erschrecken liesen und sich dann in Panik auch gegen die nachrückenden eigenen Reihen wandten.

Gerade die Römer, die selbst nie Kriegselefanten einsetzten, perfektionierten diese Technik um sich so formidablen Gegner wie Phyrrhos und Hannibal zu erwehren, und waren  fortan nicht mehr aufzuhalten.




So kam der Kriegselefant im 2. Jahrhundert v.Chr. aus der Mode, die Gegner der Römer mussten sich vertraglich verpflichten, keine Elefanten mehr zu halten, einen der letzten Kampfeinsätze kann man in der Bibel nachlesen, als  sich die Juden im Makkabäeraufstand  von der Herrschaft des zerbröckelnden Seleukidenreiches befreien konnten.


Die Filmszene der Schlacht gegen Poros von 326 v.Chr  des Alexanderfilmes von 2004  wurde übrigens vor 5 Jahren in Thailand im Dschungel des  KhaoYai gedreht,  wohl mit denselben Dickhäutern, die normalerweise ihr Dasein fristen, in dem sie Touris durch die Gegend schaukeln um von Shows wie das Suriner Elephant Round up solche Spektakel und  simulierten Kampfeinsätze gewohnt sind.




Das ganze kann man auf diesen historischen Karten „global“ betrachten, die Files sind etwas gross drum stelle ich nur den Link dazu rein, auch die ersten Thaistämme erscheinen, zum Thema passen die Karten von
323  BC (Tod  Alexanders),  200  und  100 BC


http://www.thomaslessman.com/History/Maps.html (http://www.thomaslessman.com/History/Maps.html)
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 27. August 2008, 00:07:17
@wiff,

Danke! Freut mich immer, wenn solch ein Thema auf Interesse stösst. Wie immer habe ich mich was gefragt. So fängt es immer an. Nach dem Laien-Studium des Buddhismus und einer kurzen Zeit in einem Buddhistischen Kloster habe ich nicht mehr verstanden, was all diese Buddha-Statuen überhaupt sollen. Im Grunde genommen sind sie ja konträr zur ursprünglichen Idee des Heilsverkünders. So entstand dann diese Abhandlung.

@namtok,
solche Ergänzungen wie deine weiss ich überaus zu schätzen. Sie zeigen ja, dass auch du dich mit dem Thema beschäftigst. Mach ruhig weiter, wenn dir noch was einfällt. Es werden noch 3 - 4 Folgen.   

Und danke für den Karten Link. Kannte ich noch nicht.

Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 27. August 2008, 00:11:09
Die Mathura Kunstrichtung

Als ob die Zeit reif wäre, entwickelt sich im 2. Jahrhundert n. Chr. noch eine zweite Kunstrichtung neben der von Gandhara, nämlich die Mathura Kunst. Diese stellt Buddha in indischem Gewande dar.

Mathura, eine Stadt, von der Buddha nach seinem einzigen überlieferten Aufenthalt dort einmal sagte:

Mathura hat fünf Nachteile.
Welche?
Der Stadt-Grund ist uneben.
Es gibt dort zu viel Staub.
Die Hunde sind aggressiv und grimmig.
Es gibt dort teuflische Geister.
Und es ist sehr schwierig beim morgendlichen Rundgang Almosen zu erhalten.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Mathura-Buddha1-1.jpg)    (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Mathura-Buddha2-2.jpg)    (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Mathura-Buddha3-1.jpg)
             

Breite Schultern und schmale Taillen sollen die Kraft Buddhas ausdrücken. Die Kraft eines Tigers.                                                       
 
In Burma tauchen Glas-Buddhas auf, wahrscheinlich indischer Herkunft, deren Erschaffungszeit auf das 1. Jahrhundert n.Chr. geschätzt wird.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Burma-Glas-Buddha1-1.jpg)     (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Burma-Glas-Buddha2-1.jpg)
                                         
Glas Buddhas, gefunden in Burma


Was war geschehen? Man spricht von einer fast industriellen Herstellung von Buddha-Statuen während der Ghandara / Mathura Periode (100 – 300 nach Christus). Warum legten die Buddhisten ihre Scheu vor einer bildlichen Darstellung ihres Heilsverkünders ab? Nun, wir wissen es nicht genau, kennen kein überliefertes schlechtes Gewissen.
 
Wir hören Geschichten über den König Kanishka. Man nennt ihn auch den „Vollender der Taten Asokas“. Er tritt, genauso wie er, zum buddhistischen Glauben über, und er vereint einen Grossteil Asiens im Buddhismus.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/kanishka-1.jpg)      (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Kanishka-statue2-color-1.gif)
     
König Kanishka

Aber was ist das für ein Buddhismus, mag sich mancher fragen? Des Rätsels Lösung: es ist ein Kompromiss an die nicht ohne himmlische Überwesen auskommende menschliche Schwäche. Und die Schwäche, einen Heilsbringer bildhaft vor sich haben zu müssen, um ihm in Andacht zu gedenken. Letzterem haben lediglich die Moslems und Juden bis heute konsequent widerstanden.

Während Kanishkas Herrschaft findet das 4. buddhistische Konzil statt. Danach trennen sich die Buddhisten in Theravadas (Weg der Älteren) und Mahayanas (grosses Rad). Letztere nennen die Theravadas ab jetzt, nicht gänzlich ohne eine gewisse Geringschätzung, Hinayanas (kleines Rad).

Im Mahayana-Buddhismus wird Buddha als „Allwissender“ überhöht und, einem Gott nicht unähnlich, auf das höchste Podest gestellt, das die Menschen zu vergeben haben, den Himmelsthron. Den nicht der Selbstdisziplin und individueller Anstrengung Fähigen werden „Erleuchtete“, die Bodhisattvas, zur Seite gestellt, die aus Erbarmen mit den Leidenden ihre Unterstützung auf dem Wege ins Nirvana anbieten. Der uns allen bekannte Dalai Lama und unermüdliche Kämpfer für ein freies Tibet versteht sich aus dieser Tradition. Übrigens dem Buddha gar nicht unähnlich, der 45 Jahre lang seine Lehre, trotz ernsthafter Bedenken aber wegen Mitleid mit den Menschen verkündete. Dabei befand er sich nach seiner Erleuchtung schon im Zustand des Nirvana,  bis er schließlich im Alter von 80 Jahren bei seinem Tode ins Pari-Nirvana entschwand.

Die Mahayanas übernehmen die bildhafte Darstellung ihres Verkünders ohne Scheu und den Theravadas blieb wohl nichts anderes übrig um nicht gänzlich unterzugehen.

Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 27. August 2008, 00:23:06
Das Gupta Reich

Die Herrscher des Gupta Reiches kommen wie Asoka aus Magadha, dem Kernland des Buddhismus. Dort, wo Buddha zu Lebzeiten wandelte. Ihre Herrschaft dauerte vom 3. bis zum 6. Jahrhundert n. Chr. Diese 300jährige Periode wird auch das „Goldene Zeitalter“ auf dem Indischen Kontinent genannt.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Map-IndiaGuptaEmpire.jpg)

Die Guptas sind typische Vertreter ihrer Zeit. Einer Zeit, gekennzeichnet durch eine Vielfalt von Religionen, die allerdings friedlich nebeneinander existieren. So kommt es, dass von Staatswegen keine Religion erzwungen oder unterdrückt wird. 

Dem Buddhismus folgt nur eine Minderheit. Der Hinduismus erlebt seine erste Blütezeit. Kunstvolle Shiva und Vishnu Tempel werden errichtet. Brahmanen führen nach wie vor ihre Rituale durch. Astrologen üben sich im Vorraussagen der Zukunft. Dies alles in der Sanskrit Sprache.

Wieder einmal ist es nicht gesichert, dass der Buddhismus eine Zukunft hat und je eine größere Rolle spielen könnte.     

Aber in dieser friedlichen und künstlerisch kreativen Zeit der Gupta Herrscher nimmt Buddhas Antlitz schließlich den unergründlich lächelnden und entrückten Gesichtsausdruck an.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/GuptaBuddha2.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/GuptaBuddha1-1.jpg)
Buddhas der Gupta Periode

Etwa 800 Jahre nach Buddhas Tod ist es den Künstlern endlich gelungen, seiner friedlichen Botschaft das mystisch faszinierende Antlitz zu verleihen, wie wir es heute kennen.

Und so gehen die Buddha Statuen auf Wanderschaft. Auf dem Landwege verbreiten sie sich entlang der Seidenstrasse bis nach China hinein. Bamiyan in Afghanistan wird zu einem Buddhistischen Zentrum ausgebaut.

Mit ihnen wandert der Mahayana Buddhismus, der seinen Ausdruck in der Sanskrit-Sprache der Brahmanen findet. Es ist die Sprache der Gelehrten, obersten Kasten und Könige.   


(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Map-Silk-Road.gif)
                   

Die in die westliche Umgangssprache eingegangenen Begriffe wie „nirvana“ und „karma“ sind Sanskrit Worte.

Ebenso wie Radscha oder Maha-Radscha. König oder großer König.

maha = groß

radscha = König

maharadscha = großer König

Wir wissen jetzt, wie der Buddhismus in seiner Mahayana Färbung zusammen mit seinen Statuen nach China kam und auf dem Wege dorthin seine Spuren hinterließ.

maha = groß

yana = Rad

mahayana = großes Rad


Soweit so gut. Aber wie gelangten der Buddhismus und seine Statuen nach Süd-Ost-Asien?
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: jumbo am 27. August 2008, 03:13:32
@profuuu

Ist es richtig, dass der Riesen-Buddha von Leshan gebaut wurde, weil es dort am Zusammenschluss von drei Fluessen (Dreifluessekreuzung) Stromschnellen und Wasserturbulenzen gab und man geglaubt hat, dass durch den Bau der groessten Buddhafigur, diese aufhoeren???

Es soll dann tatsaechlich so gewesen sein, dass nach dem Bau und dem Verbringen des Bauschutts im Fluss die Turbulenzen, durch die durch den Bauschutt jetzt geglaetteten Unebenheiten im Flussbett, aufgehoert haben.....??? ???

Jumbo
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 27. August 2008, 13:04:28
@Jumbo,

um alle mehr oder weniger berühmten Buddha Statuen ranken sich Legenden. Um die Legende(n) des Leshan Buddhas habe ich mich noch nicht gekümmert.

Diese Legenden sind alle nett zu lesen, manchmal haarsträubend, manchmal einfach amüsant.

Du kannst ja mal die probe in Chiang Mai machen. Du wirst erstaunt sein, welch vielfältige Geschichten und Legenden sich dort um die Buddha Statuen ranken.

In der an Bangkok angrenzenden Provinz Chachoengsao z.B. gibt es die Legende von den drei im Fluss daher geschwommenen Buddhastatuen...die dann auf drei Tempel verteilt wurden. Als Bangkokianer oder Chonburianer ist es Pflicht, diese drei Tempel besucht zu haben. Lotteriegewinn garantiert. Einfach unter "Wat Sothon" googeln..... 

Wer's glaubt, wird selig oder geniesst wenigsten eine amüsante Geschichte.  8)

P.S. spiele schon seit Jahren mit dem Gedanken, ein Buch mit einer Sammlung von ausgesuchten Legenden zu schreiben. Während meiner vielen Rundreisen durch Thailand bin ich immer wieder auf sie gestossen. Sei es in kleinen Büchern oder Brochüren, die vor Ort ausliegen, oder durch Erzählungen der Einheimischen. Das gleiche gilt natürlich für Birma, Laos, Kambodscha, China, etc. auch.
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 27. August 2008, 23:12:33
Der fünfte Akt – Buddha auf hoher See

Der Theravada Buddhismus blieb bei Pali. Der Sprache, die einfache Leute zu Buddhas Zeiten verstanden. Pali Begriffe wie nibbana, (Sanskrit: nirvana) und Kamma  (Sanskrit: karma) sind uns nicht so geläufig.

thera = Ältere

vada = Weg (man beachte die Ähnlichkeit mit dem altrömischen „vadis“ aus „quo vadis“, wohin gehst du?)

theravada = Weg der Älteren

Die Verbreitung von Buddhas Worten zusammen mit seinen Statuen bis nach Süd-Ost-Asien hinein findet in Pali statt, der Sprache des Theravada.

Wie ist es eigentlich dazu gekommen? Ist uns etwa bei aller historischer Überlieferung über die Grossen und Mächtigen auf dem Indischen Kontinent etwas entgangen?

Es scheint so. Sehen wir mal von Asokas Sohn ab, der 500 Jahre vorher Ceylon auf den buddhistischen Weg führte. Die meisten Geschichtsbücher schweigen, da im Süden keine Weltgeschichte gemacht wird. Gäbe es nicht die Jahrtausende alten Ceylon Chroniken wüssten wir heute sehr wenig.   

Fernab von den Wirren der wechselnden Herrscherhäuser in Nord-Indien hat sich dort eine weitestgehend friedliche Handelsgesellschaft entwickelt, der Seefahrt nicht unkundig. Fast unentdeckt von aufsehenerregender Geschichtsschreibung gehen die Menschen dort einfach ihren Geschäften nach.

Buddha-Skulpturen der Mathura und Gupta Ära begleiten die Handelswaren in den Schiffsbäuchen  Ihr friedliches Lächeln übt auch auf die Handelspartner in Süd-Ost-Asien eine unwiderstehliche Faszination aus. Ganze Völkerwanderungen finden über den Seeweg statt. Süd-Indische Seefahrer bilden Niederlassungen überall in  Süd-Ost-Asien. Lassen ihre Familien, Handwerker und Künstler nachkommen, leben den Buddhismus und auch den Hinduismus vor.

Wir sind aber auch auf die Chroniken der Zielländer dieser Indischen Seefahrer angewiesen. Demnach gab es schon vor Christi Geburt Kontakte zu den Pyu, Vorgänger der Burmesen, sowie mit dem Vorgängerreich der Khmer, genannt Funan, mit Kern im Mündungsdelta des Mekong viel weiter östlich. Natürlich auch mit den Mon in Ost und Süd-Burma sowie im am unteren Chao Phraya Lauf.

Zwischen Burma, Kambodscha und Thailand herrscht ein geradezu religiöser Kampf, wer denn nun als Erster Kontakt zum Indischen Buddhismus hatte und wem die Ehre zukommt, sich Suvarnabhumi, das goldene Land, nennen zu dürfen.

Für die Burmesen hatte Pegu den ersten Kontakt. Für die Thais ist es Nakhon Pathom und für die Khmers natürlich das alte Funan Reich. Und wen wundert es, von Wunschgedanken beseelt, knüpften sich die ersten Beziehungen natürlich schon mit Asokas Großreich im 3. Jahrhundert v. Chr.. Die lokalen Buddhistischen Legenden gehen sogar noch weiter. Demnach ist Buddha höchstpersönlich an all diesen Orten in Burma, Kambodscha und Thailand gewandelt.

Prinzessin Sirindhorn hat mal laut einem Artikel im „Herald Tribune“ zum Thema „Indischer Einfluss auf Thailand“ den Gedanken lächelnd geäußert, dass es wohl wenig Zweck hätte, solch ein Thema öffentlich in Thailand zu diskutieren, da ja die meisten Thais sowieso glauben, Buddha wäre in Thailand geboren.

http://www.iht.com/articles/2003/01/07/edray_ed3_.php

Wie auch immer. Wir dürfen davon ausgehen, dass ab dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. auch Buddhastatuen in den Schiffsbäuchen an all diese Orte gelangten.
   
Spätestens vom 6. Jahrhundert n. Chr. an übernimmt das Dvaravati Reich der Mon am Unterlauf des Chao Phraya Flusses die Kunst der Herstellung von Buddha Statuen. Nakhon Pathom wird laut offizieller Geschichtsschreibung als religiöses Zentrum für den Buddhismus jener Zeit genannt.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/NakhonPathom350.jpg)      (http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/NakhonPathom3502.jpg)

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/NakhonPathom700.jpg) 
                                   
   
 
 
Im 8. bis 9. Jahrhundert  n. Chr. errichtet ein König der Sailendra Dynastie auf Java den Borobudur Tempelkomplex.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/borobudur1.jpg)


 
Etwas später können auch die Khmers trotz all ihrer Hinwendung zum Hinduismus nicht mehr widerstehen, übernehmen die Kunst der Herstellung von Buddha-Statuen neben der von Shiva und Vishnu und legen die Saat für ein später entstehendes Juwel,  Ankor Wat, welches wie schon zuvor in Borobudur Hinduismus und Buddhismus in sich vereinte.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/AnkorWat.jpg)

                                       
 
Im 13. bis 15. Jahrhundert erlebt die buddhistische Kunst in Sukhotai, dem ersten offiziellen Thai-Reich im Norden Thailands, einen ungeahnten Höhepunkt.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Sukhotai.jpg)


           
 
Ayutthya folgte auf dem Fuße.

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Ayutthaya.jpg)


 
Wir befinden uns nun am Ende des 15.Jahrhunderts n. Chr. Die buddhistische Lehre ist fast 2000 Jahre alt. Sie ist 1000 Jahre älter geworden, als Buddha je annahm. Sie hat ihre ursprüngliche Heimat gänzlich verloren. Außer in Sri Lanka, dem ehemalige Ceylon. Nord-West-Indien (heute Pakistan), Bactria, Afghanistan und ein gutes Stück entlang der Seidenstrasse sind schon seit mehreren hundert Jahren islamisch.
 
Die Verdienste Asoka’s, Melinda’s, Kanishka’s und die der friedlichen Händler in Süd-Indien bleiben für immer unvergesslich, solange der Buddhismus lebt. Ein „Käk“, ein „Farang“ und ein Chinese verhinderten den Untergang des Buddhismus. Halfen ihm über unruhige Zeiten hinweg, bis er schließlich eine neue Heimat fand. Der Mahayana in Groß-China, Tibet, Nepal und Japan (Zen), der Theravada in Thailand, Kambodscha, Laos und Burma. 

Dort gehören Buddha Statuen zum Alltagsbild, sind Bestandteil des sozialen und religiösen Lebens.

Kann uns Buddha verzeihen?
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Piichang am 28. August 2008, 16:42:16
Hallo Profuuu ,
Vielen Dank  für Deinen  Vortrag , ich bin sehr angetan davon .
Ich bewundere wie viel Arbeit du in deine Vorträge Investierst !

  M.f.G.
Piichang
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 28. August 2008, 22:20:19
Danke Piichang. Die Story ist schon 5 Jahre alt, habe aber die Gelegenheit genutzt, sie gründlich zu überarbeiten. Man lernt ja nie aus.
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 28. August 2008, 22:23:43
Nachwort.

Diese kleine chronologische Geschichte der Buddha-Statuen nimmt hier ein vorläufiges Ende.

Wir haben die Zeiten gänzlich ohne bildliche Darstellungen Buddhas kennen gelernt. Sie dauerte über 600 Jahre. Wir haben erfahren, wie zögernd die Buddhisten über eine symbolische Darstellung hinaus diese Art der Kunst übernommen haben und wie es gleichzeitig zu einer grundlegenden Zweiteilung der buddhistischen Gemeinschaft in Theravada und Mahayana kam.

Wir kennen den Grund des Zögerns. Buddha war gegen jeglichen Personenkult, besonders wenn er sich als Darstellung seiner Gestalt geäussert hätte.

Wir haben gesehen, wie im 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr. auf den Gebieten des heutigen Nord-Indiens, Pakistans und Afghanistans die Herstellung von Buddha-Statuen künstlerischen und schon fast industriellen Charakter annahm.

Wie die Gesichter der Buddha Statuen im 3. bis 6. Jahrhundert n. Chr. schließlich das mystisch geheimnisvolle und friedliche Lächeln annahmen. Wie sie sich im Rahmen des Handels über den Landweg der Seidenstrasse nach China und über den Seeweg nach Süd-Ost-Asien ausbreiteten.

Die lokalen Künstler Süd-Ost-Asien’s in Thailand, Burma, Laos, Kambodscha und Java übernahmen vermutlich ab dem 6. oder 7. Jahrhundert n.Chr. das Handwerk der Herstellung von Buddha-Statuen selber. Sie gaben ihnen ein eigenes Antlitz, eine eigene Gestalt, dessen Vielfalt dem interessierten Beobachter nicht verborgen bleibt und ihn immer wieder aufs Neue fasziniert.

In den Kriegen des 2. Jahrtausends n. Chr. zwischen den Völkern in Süd-Ost-Asien wurden Buddha-Statuen zu begehrten Trophäen. Unzählige Statuen verloren ihre Unschuld, sind mit Blut befleckt. Siegreiche Feldherren scheuten keine Mühen, neben geraubten Sklaven auch überaus schwere Statuen mitgehen zu lassen um sie als Zeichen der Macht in den Königsstätten der Siegermächte aufzustellen. Thailands Tempel, besonders in Bangkok, sind voller dieser Raubgüter.

Das gleiche galt einmal für Kambodscha auf dem Höhepunkt des Khmer Reiches. Nach der Eroberung durch die Thais wurde es aber ziemlich leergefegt. Im Gegensatz zu Burma. Dort befinden sich immer noch Buddha Statuen aus Thailand, die sie bis zur Zerstörung von Ayutthaya dort geraubt hatten.

Buddha wusste schon, warum er der künstlerischen Darstellung seiner Person abgeneigt war. Wie sich gezeigt hat, lenkt sie nicht nur von seiner Lehre ab, sondern kann sogar der Grund für kriegerische Beutezüge sein.

Wenn aber heute jemand von einer Buddha-Statue in seinem Innersten berührt wird, er sich daraufhin sammelt, unschöne Gedanken ablegt, kurzfristig seinen Geist von gierigem Verlangen, Tanha, befreit und versucht das Wesen des karmisch belasteten Kreislaufs, Samsara, zu begreifen, die Bedingungen für sein Leid, Dukkha, ergründet und aus tiefstem Herzen seine Zuwendung kundtut:

buddham saranam gacchami (ich nehme Zuflucht zu Buddha)
dhammam saranam gacchami (ich nehme Zuflucht zu der Lehre)
sangham saranam gacchami (ich nehme Zuflucht zu der Mönchsgemeinde)

Dann mag er ausnahmsweise in besonders andächtigen Momenten mit mahnendem Hinweis auf die Statue vor der er kniet ein leises Murmeln Buddhas vernehmen:

„Wenn es denn unbedingt nötig ist...“

(http://img.photobucket.com/albums/v492/profuuu/Buddha%20Statuen/Dharma-Wheel.jpg) 
                             
Dharma, das Rad der Lehre
Titel: Wo lag das sagenhafte "Suvarnabhumi"?
Beitrag von: hmh. am 30. August 2008, 04:02:17
Zitat
Zwischen Burma, Kambodscha und Thailand herrscht ein geradezu religiöser Kampf, wer denn nun als Erster Kontakt zum Indischen Buddhismus hatte und wem die Ehre zukommt, sich Suvarnabhumi, das goldene Land, nennen zu dürfen.

Für die Birmanen hatte Pegu den ersten Kontakt. Für die Thais ist es Nakhon Pathom . . .

Die Sache mit dem "Goldland", dem sagenhaften indischen Eldorado, wird klar, wenn man das Ausschlußverfahren wählt:

Nakhon Pathom gehörte zum Mon Reich mit Zentrum Pegu im heutigen Birma. Damit ist alles gesagt.

Sukhothai war ein Zentrum der Kultur des alten Ankor, das die in die Region eingefallenen Thais ebenso wie Nakhon Pathom annektierten.

Die Menschen, soweit sie am Leben blieben, wurden versklavt. Und ebenso wie es die germanischen Barbaren im goldenen Rom taten, stülpte man sich die vorhandene, viel höherstehende Kultur über. Diese wurde zwar noch nicht einmal von der winzigen Elite ansatzweise verstanden, aber man versklavte ja auch zugleich noch zum Beispiel das halbe kambodschanische Königshaus und verschleppte diese Leute ebenso wie die höchsten kambodschanischen Priester als Vermittler mit an den eigenen Hof. Schöne Frauen übernahm man natürlich auch gerne in die riesigen Harems der Thai-Herrscher, die wohl glaubten, dadurch einiges von der Magie der Gottkönige dieser alten Kulturvölker zu übernehmen.

Bezeichnenderweise wurde von früheren ausländischen Besuchern des alten Siam sehr selten von hohen eigenen Kulturleistungen der Thais berichtet. Wohl aber, und zwar auffallend oft, von der außerordentlichen Grausamkeit und Rohheit der Beherrscher dieses Volkes. Aufgrund der Vielzahl gleicher und ähnlicher Berichte erscheint es jedenfalls nicht völlig unglaubwürdig, wenn etwa ein Reisender namens Francesco Carletti im ausgehenden europäischen Mittelalter aus Siam berichtete, daß es am dortigen Hofe schon mal vorkam, daß der gottgleiche König von Siam fast seinen gesamten Harem "der sehr groß war", in Kupferkesseln im heißen Öl braten ließ, ihn so entsorgte und Platz für Nachschub schaffen ließ...

Durch die entführte, vor allem kambodschanische Elite der versklavten Länder entstand Rachasap, die "thailändische" Hofsprache, die nichts anderes war und ist, als das am Hof des alten Angkor gesprochene Kambodschanisch. Rachasap wurde, ebenso wie alle religiösen Pali-Texte des alten Siam, bis vor etwa 100 Jahren auch in Thailand von den wenigen Wissensträgern ausschließlich mit kambodschanischen Lettern geschrieben.

Die Thais sind also dasjenige unter den oben genannten Völkern, die garantiert nichts aus eigenem Verdienst heraus mit dem sagenhaften indischen "Goldland" zu tun haben (können).

Daran wird sich auch dann nichts ändern, wenn die sogenannte Elite in diesem so wunderbar selbstbewußten Land noch zwanzig Flughäfen, Ländereien oder Museen mit dem hochtrabenden Namen Suwannaphum benennt und diesen Namen, um uns Ausländer zu beeindrucken, nicht nach ihren eigenen Übertragungsregeln in lateinische Lettern übertragen läßt, sondern statt dessen zum  als noch "höher" erachteten thai-indischen "Suvarnabhumi" erhebt.

Als indische Missionare und Abenteurer einst ihren Landsleuten von einem sagenhaften Goldland berichteten, existierten noch keine Thais in diesem kulturell durch die Mon und Khmer zu "Hinterindien" gewordenen Land.

König Ashoka soll seine Missionare, wie auch die offizielle Thai-Geschichtsschreibung nicht anders behauptet, im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung ausgesandt haben. Archäologische Funde zeigen überdies, daß in den Jahrhunderten danach auf dem Gebiet des heutigen Thailand neben dem Buddhismus auch noch ältere indische Kulte verbreitet waren.

Nur von einem Volk hat man aus der fraglichen Zeit noch nie Spuren im heutigen Thailand entdeckt:
Von denen, die sich selbst Thais, also "Freie" nannten und nennen.

Der Unterschied zu anderen Völkern bestand darin, daß die Thai-Elite die Angehörigen der auf Raubzügen unterworfenen Länder, soweit nützlich, als neue Kriegs- und Arbeitssklaven ins eigene Land verschleppen ließ.

So brauchte man diejenigen unwürdigen Arbeiten, die das Leben eher unangenehm machen oder gefährlich sind, über Jahrhunderte hinweg nie selbst zu tun. Man konnte das Stubsnäschen immer schön hoch tragen, und auf die unfreien Nachbarvölker herabschauen, die obendrein, so man sie nicht auslöschte, jahrhundertelang nach Ayutthaya, später nach Bangkok, Tribut zu entrichten hatten.

Auf die lange freiheitliche Geschichte seines Volkes ist jeder patriotische Thai selbstverständlich zurecht äußerst stolz.
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: jumbo am 30. August 2008, 04:04:45
Hallo Profuuu,

hier die Bilder von dem chinesischen Buddha in Chiang Mai......!

(http://i450.photobucket.com/albums/qq226/Jumbo1954/Buddha-CMX-5-686.jpg)

(http://i450.photobucket.com/albums/qq226/Jumbo1954/Buddha-CMX-7-688.jpg)


Jumbo
Titel: Chinesische "Gnadengöttin" Kuan Im
Beitrag von: hmh. am 30. August 2008, 06:08:12
Es handelt sich nicht um eine Buddhafigur. Vielmehr dürfte es sich bei der etwas naiv wirkenden Darstellung wohl um ein Abbild der chinesischen (mahayana-) buddhistischen "Gnadengöttin" Kuan Im handeln.

Dieses Abbild findet man sehr häufig in Asien. Auch in Thailand ist es weit verbreitet.

Das populäre, neun Meter hohe Abbild in Ban Laem gegenüber von Mahachai zum Beispiel wird im TIP Führer Bangkok in Verbindung mit einem sehr lohnenswerten Ausflug per Eisenbahn aus der Stadtmitte heraus auf fast sieben Seiten beschrieben.
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: dii am 30. August 2008, 15:46:47
" Kuan Yin, originally a Chinese deity, was later identified with Avalokitesvara, the bodhisattva of compassion in Mahayana Buddhism. Known in Thailand as Guan Im, she is much venerated by Thais of Chinese ancestory. In her right hand is a flask from which issues an endless stream of compassion and mercy; in her left hand she holds a sprig of rice, a symbol of fertility.

Kuan Yin is sometimes presented in male, sometimes in female form: pictures and statues, in both forms, can be found in Chinese and Thai temples all over Thailand. "

(http://i6.photobucket.com/albums/y207/tawee/tip/guanim.jpg)

" The temple at Samut Sakhon has a particularly beautiful inner shrine, often visited by couples who have yet to conceive their first child "
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Profuuu am 30. August 2008, 19:56:52
Die Angelegenheit scheint ja nun geklaert zu sein.

Moechte zusaetzlich noch auf diesen Beitrag hinweisen, wo die goettliche Dame schon in der Einleitung erwaehnt wird.

http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=11.0 (http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=11.0)

hmh hat es korrekt ausgedrueckt. Sie ist eine vom Mahayana Buddhismus vereinnahmte Chinesische Goettin.

Manche nennen sie den "weiblichen Buddha", was aber rein religionstechnisch gesehen falsch ist. Sie ist und bleibt eine Goettin und ist kein Buddha. Mittlerweile findet man sie ueberall in Thailand.

Wenn man schon von einer weiblichen Buddha reden kann, dann ist es "Tara". 

Die Schreibweise in lateinischen Buchstaben ist nu wirklich eine Krux. Zugegeben. Dii hat ja die Thai-Schreibweise genannt: "guan im". Vom Chinesischen verdenglischt waeren da garantiert wie ueblich irgendwo "x"e im Wort.

Kurz gesagt, Jumbo, die Dame ist nix besonderes. Hat zwar nix mit dem in Thailand ueblichen Theravada Buddhismus zu tun, sondern wird gerne von den Chinesen verehrt. Da sie sich schoen kitschig aufgemotzt darstellen laesst und den Ruf hat, Vegetarier zu sein, machen viele Thai-Maedels zu gewissen Jahreszeiten Tambun vor der Statue und und essen fuer ein paar Tage oder Wochen nur Gemuese. Schaden kanns ja nix.  ;D 

Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: jumbo am 31. August 2008, 02:55:37
@profuuu

Vielen Dank fuer die Aufklaerung....!


[Sachfremde Texte (auch anderer Mitglieder) und doppelte Beiträge entfernt.]
Titel: War die "Göttin" Kuan Im ursprünglich ein Mann?
Beitrag von: hmh. am 31. August 2008, 03:45:17
Auf Mandarin schreibt man die überall in Asien und auch in Thailand weitverbreitete Götzendame in der offiziellen Übertragung Guanyin (觀音, Kuan Yin in der herkömmlichen westlichen Übertragung). Es handelt sich um eine Abkürzung von Guanshi'yin (觀世音, herkömmlich Kuan-shih Yin ), was in etwa soviel bedeutet sie "Der/die die Scheie der Welt (bzw. der Menschheit) beachtet".

Guanyin soll sich ursprünglich aus dem herleiten, was man in Sanskrit als Avalokiteśvara (अवलोकितेश्वर) kennt - das war allerdings mal ein männlicher Heiliger.

In Reiseführern geht sie allgemein als "Gnadengöttin" durch. Die Chinesischen Taoisten beten sie auch an und halten sie für unsterblich. Ansonsten hat deren "Gnadengöttin allerdings absolut nichts mit Avalokiteśvara zu tun.

Nach verbreitetem offiziellen buddhistischen Glauben ist Guanyin eine andere Form des (männlichen) Avalokiteshvara. Tatsächlich ist es bei Sprachwissenschaftlern unstrittig, daß der Name "Guanshi'yin" daraus abgeleitet wurde.

Zudem gibt es Beweise dafür, daß das Abbild der Kuan Yim (und damit auch die Transformation zum weiblichen) von christlichen Marienbildern beeinflußt ist, jene nicht ganz zufällig keusche "Heilige", die man in der frauenfeindlichen christlichen Kirche ungefähr ein halbes Jahrtausend nach dem Tod ihres Stifters fürs einfache Volk erfand, damit auch Frauen, deren Sexualität man unterdrücken wollte, was vorbildhaft-jungfräulich erhebendes zum Anbeten und Aufschauen hatten.

In Thailand ist es กวนอิม guan ?im - die offizielle Übertragung ist Kuan Im.

Respektvoll sagt man พระแม่กวนอิม prá mâe guan ?im oder เจ้าแม่กวนอิม dschâo mâe guan ?im

Die Namen anderen Ländern:

Japan: 観音 Kannon bzw. Kan'on, formell Kanzeon (観世音); man sieht auch noch das ältere Kwannon.

Korea: 관음 Gwan-eum bzw. Gwanse-eum (관세음)

Vietnam: Quan Âm bzw. Quan Thế Âm Bồ Tát.

Indonesisch: Kwan Im bzw. Dewi Kwan (Dewi = "Göttin")



Wer sich wirklich über Buddhismus informieren will, sollte sich einmal im E-Sangha umsehen, die buddhistische Internet-Gemeinde.

Vor einiger Zeit gab es eine Diskussion über das thailändische Amulett-Unwesen, in dessen Rahmen auch über die vom christlichen Marienglauben beeinflußte Kuan Yin diskutiert wurde

( http://www.lioncity.net/buddhism/index.php?act=Print&client=printer&f=102&t=49187 - unteres Drittel dieses Kapitels, man muß sich aber anmelden, um dort lesen zu können)

Hier ein Auszug der Diskussion. Die Antworten sind von Dhammanando Bhikkhu, ein auch von Thai Buddhisten anerkannter europäischer Mönch, der in Bangkok gelegentlich öffentliche Sanskrit-Kurse gibt, zum Beispiel im Wat Benchamabophit):


Question: Does anyone know the role that Guan Yin and Mi Le Fo (chubby Chinese version of Maitreya) play in Theravadin popular worship?

Mostly for success in business, winning the lottery, and other mundane things. The popularity of Mae Kuan Im (the Thai name for Kwan Yin) is largely due to the strong Chinese presence here. As for the fat Buddha-like statues, these were not originally Mi Le Fo but Phra Songkhachai (i.e., the Buddha's arahant disciple Mahākaccāyana), who had a cult of devotees in ancient Mon Buddhist culture, which the Thais have partly inherited.

Owing to Chinese influence the form of Songkhachai is nowadays usually the same as that of Mi Le Fo, but Thais still call him Phra Songkhachai and think of him as Mahākaccāyana, not as Metteyya. If you ever go to the Siam Society in Bangkok you will find more details in an article in the Siam Society Journal by François Lagirarde.



Question: I have seen a number of wats where there are shrines to one or both of these deities. Are they regarded as Buddhas, Bodhisattas, or devas?

Most of the people that you'll see going around a wat, bowing and burning incense to every statue in sight (the Buddha, Ganesh, Shiva, Mae Guan Im...) are not likely to rationalize it in terms of what class of being the statue depicts.



Question: When people pray to them what is their reason/motivation for doing so?

Try asking them why they do it and the likely answer will be, "Because my grandma did."
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: thaiman † am 31. August 2008, 15:38:45
   
   Ein sehr sinnvoller, wie lehrreicher Bericht vom Buddhismus.
                                                                                                   Gruss thaiman
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: jumbo am 07. September 2008, 23:02:03
@profuuu

Hallo Profuuu,

nochmals vielen Dank fuer die ausfuehrlichen Erklaerungen.

Nur eines irritiert mich; ich habe diese Figur als sehr aussergewoehnlich in und fuer Thailand empfunden und fotografiert; wenn Du nun schreibst, das man die Goettin Kuan Im oder Kuan Yin mittlerweile ueberall in Thailand findet (was ich in keinster Weise in Frage stellen moechte !!! ) frage ich mich, warum findet man keine Bilder von den anderen Statuen der Goettin hier in Thailand.

Es muss doch auch andere Thailand-Besucher (oder Bewohner) geben, die aehnlich wie ich empfunden haben - oder bin ich wirklich so blind......??
Jetzt, wo ich weiss, um was es sich handelt, ist meine Verwunderung noch viel groesser - eine chinesische Goettin in Thailand....?? !!

Jumbo
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: dii am 08. September 2008, 00:53:40
...jumbo , musst leider warten  ;) Profuuu macht URLAUB!

...es sei denn h.m.h Antwortet  :)

...ich Antworte besser nicht  >:    ...aber ueberleg mal selber  ;)

Zitat
Jetzt, wo ich weiss, um was es sich handelt, ist meine Verwunderung noch viel groesser - eine chinesische Goettin in Thailand....?? !!

...dazu schau auch mal da  ;)

http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=489.0

 ;D
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: cibee am 08. September 2008, 01:09:53
                       (http://i515.photobucket.com/albums/t354/cibee/BanRiangHDR2DenoiseCustom.jpg)



Hier ist die Hübsche mal aus der Provinz Krabi!

Mia meinte nur: "Oh, she is only important for chinese People. Don`t care"

Man ist halt pragmatisch und aufgeschlossen. Echtes Multikulti  halt :-X


(http://i515.photobucket.com/albums/t354/cibee/GreenSmiles/smiley1509-2.gif)

Cibee
Titel: Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
Beitrag von: Grüner am 08. September 2008, 04:52:04
Kuan Im in Thonburi:
http://thailandforvisitors.com/central/bangkok/thonburi/kalyamit/kuanim.html + http://www.eslteachersboard.com/cgi-bin/asia/index.pl?noframes;read=76

Kuan Im in Bangkok: http://th.pagenation.com/bkk/Wat%20Chao%20Mae%20Kuan%20Im%20Temple_100.4794_13.6791.map

Kuan Im in Phuket: http://phuket08.wordpress.com/2008/07/21/phuket-information-place-pud-joh/

und ungefähr 3000 - 20 000 weitere Treffer bei Google mit "Kuan Im" plus "Bangkok" bzw. "Thailand", je nachdem, ob man nur auf Deutsch sucht oder "international".

Die Dame ist fast schon ne Plage.

Warum sollte die in Thailand was besonderes sein? Die haben hier doch sowieso noch den Geisterglauben, egal ob Sino-Thais oder Thais und würden jede Ameise anbeten, wenn ihnen einer in Safranrobe oder auf dem Wahrsagermarkt weismacht, daß sich das auszahlt.