Dieser Beitrag erschien als Artikel am 24. März 2008 im TIP. Es steht auch im TIP Führer Bangkok ( http://www.thailandtip.de/tip-shop/reise-fuehrer/bangkok/ ); und natürlich hier:
Bangkok von innen und Thailand für Anfänger. Der einzige Stadtführer mit allen Bus- und Bootslinien und original Bangkok Guide™ Stadtplan. / Von Hans Michael Hensel. - 7. Aufl.. - Segnitz : Zenos-Verl., Juli 2008. - 391 S. : Ill., Kt. ; 26 cm, 700 gr., ISBN 978-3-931018-07-8 : EUR 29.80, sfr 47.80.
Der TIP Führer Bangkok enthält 50 Seiten Tips, wie man solche Ausflüge mit öffentlichen Booten organisiert. Zum Beispiel auf den Khlongs Phasi Charoen, Maha Sawat, Bang Chüak Nang, Bang Waek, Dao Khanong, Prawet Burirom, Sam Wa, Song Ton Nun, Om und Bang Kruai.
Siehe dazu im Forum: http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=568.0 http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=786.0
Auf dem Khlong Phra Khanong คลองพระโขนง klO:ng prá¿ kà¿ no:ng?
zum Wat Maha But und fast zum Seacon Square ซีคอนสแควร์ si: kO:n sà¿ kwae:
Auf diesem jederzeit möglichen und völlig problemlosen Ausflug kann man ein Stück wirkliches Bangkok erleben - und die Menschen, die hier seit Jahrhunderten am, vom und auf dem Wasser lebten. Dieses dennoch fast allen Touristen unbekannte Bangkok befindet sich nur wenige Schritte von der Th. Sukhumvit.
999,9 Promille aller Touristen, die in dieser ausländer- und schlepperverseuchten Straße die Hochbahn nutzen, haben keine Ahnung davon, daß zwischen den Stationen Phra Khanong und Onnut, also genau dort, wohin seit dem Bau der Hochbahn fast keiner mit Langnase mehr hinfindet, eines der reizvollsten Stadtgebiete beginnt. Hier mündet der Khlong Phra Khanong, der eigentlich ein echter Fluß ist, östlich des Hafens südlich der Th. Pridi Phanomyong (= Sukhumwit 71) in den Chaophraya. Über den Khlong Phra Khanong und dessen künstliche Verlängerung, den Khlong Onnut (heute Khlong Prawet Burirom, kurz Khlong Prawet) lief einst der Nachschub für die Eroberungs- und Raubzüge der Thais im benachbarten Kambodscha.
Der sehenswerteste Tempel am Khlong ist das วัดมหาบุศย์ wád má¿ ha? bùd Wat Maha But.
(http://i6.photobucket.com/albums/y207/tawee/tip/tip057.jpg)
Das Wat Maha But befindet sich genau an der Stadtteilgrenze zwischen Suan Luang und Watthana. (Karte gesendet von dii)
Leider sind die Zeiten vorbei, als man von hier aus mit Linienbooten für 18 Baht über den Khlong Latphrao nach Khlong Bang Bua in die Nähe des alten Flugplatzes Don Müang, oder, mit Umstieg in Khlong Tan, entweder nach Bangkapi oder in die Innenstadt (Ratchadamnoen) schippern konnte. Es gibt zwar noch ein paar private Boote, die diese Touren frühmorgens und abends in der Stoßzeit machen, aber das dürfte in diesen Nußschalen spätestens bei der Überquerung des Khlong Saensaep in der Hauptverkehrszeit nicht ohne Klongwasserdusche abgehen...
Zu normalen Zeiten könnte man am Phra Khanong Pier aber wohl immer noch eines der größeren Boote einfach chartern. Offiziell legt hier aber derzeit nur noch eine einzige reguläre Linie ab: in der Hauptverkehrszeit befahren etwa 20 Boote pausenlos die Strecke zwischen dem Phra Khanong Pier und dem Srinakharin Pier in der Nähe des Seacon Square.
Zur Th. Srinakharin (si:? ná¿ ká¿ rin, was das bedeutet, steht hier: http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=242.0 ) fährt man etwa 30 Minuten je nach der Zahl der Stops.
In jeder Auflage des TIP-Führers Bangkok soll es was Neues geben, also wurde es Zeit, wieder mal den Khlong Phra Khanong abzufahren. TIP-Chefredakteur Roy begleitete mich, staunte gewaltig, und photographierte ausgiebig fürs TIP Archiv.
Wir nahmen Bus 38, der alle fünf Minuten in der Asok gegenüber der Siam Society hält. Nach Phra Khanong dauerte es am Freitag gegen 14.30 Uhr keine 20 Minuten. Man steigt am letzten Haltepunkt vor der hohen Khlongbrücke aus, nicht zu übersehen (sofort nach der letzten Fußgängerbrücke über die Sukhumwit). Wer mit der Hochbahn fährt, muß entweder ab Onnut fast einen Kilometer zurück- oder von Phra Khanong fast zwei Kilometer vorlaufen. Durchblicker sind also per Bus ab Asok grundsätzlich schneller am Phra Khanong Pier als mit der Hochbahn.
Die Fahrt bis zum letzten Pier an der Th. Srinakharin mit dem Boot dauert ab 25 Minuten und kostet 10 Baht. Die Buslinie 1013, die in Phra Khanong gegenüber des Piers auf der anderen Khlongseite zur Flugplatzzufahrt nach Suwannaphum/Lat Krabang abgeht, kostet 8 bzw. 14 Baht klimatisiert und braucht in der Hauptverkehrszeit schon mal eine Stunde länger zur Th. Srinakharin.
Außerhalb der Stoßzeiten legt jede halbe Stunde in beiden Richtungen ein Boot ab, immer kurz vor der vollen halben Stunde, also 12.55 Uhr, 13.25 Uhr usw. Am letzten Pier unter der Brücke der Th. Srinakharin über den Khlong kann man, wenn man noch weiter will, direkt in den Bus 1013 einsteigen, der, weil er die Th. Srinakharin aus Verkehrsgründen nicht überqueren kann, unter dieser Brücke eine Wende macht und dann nach Lat Krabang/Suwannaphum weiterfährt.
Wer das machen will: Auf dem Bus steht als Ziel ลาคกระบัง lá:d grà¿ bang Lat Krabang oder หัวตะเข้ hua? dtà¿ ke: Hua Takhe. Letzteres ist der Name des Zentrums von Lat Krabang mit einem großen Markt.
Wer von der Srinakharin-Brücke gleich weiter zum Seacon Square will, läuft 200 Meter gen Süden zur Th. Onnut, überquert diese, und steigt dann in irgendeinen Bus nach Süden. Alles weitere, vor allem bezüglich der Rückfahrt, die außer per Taxi etwas komplizierter ist, im Bangkok-Führer.
(http://i6.photobucket.com/albums/y207/tawee/tip/tip058.jpg)
Karte von dii: Das Srinakharin Pier befindet sich unter der Khlongbrücke. Genau dort macht auch Buslinie 1013 aus der Th. Sukhumvit ihre Wende, da sie die Th. Srinakharin wegen der Verkehrsregelung nicht überqueren darf. Man kann von hier ab relativ staufrei zum Flughafen Suwannaphum nach Lat Krabang weiterfahren. Die Bushaltestelle ist 80 Meter südlich des Piers.
Vor der Abfahrt in Phra Khanong kassiert der Käpt’n das Geld ein (10 Baht), alle unterwegs Zugestiegenen zahlen dagegen später nach dem Ausstieg vom Pier aus. Wer an den kleineren Piers aussteigen will (das Boot legt auch an den Privathäusern an), muß Zeichen geben, wie im TIP Führer Bangkok beschrieben. Hinweis: Wer zwei Plätze im Boot belegt, muß auch zwei Plätze zahlen.
Diese Bootsfahrt ist ein Erlebnis, das ich jedem, der Bangkok kennenlernen will, ans Herz lege. Neulinge glauben kaum, was man hier noch sieht: Schon nach der zweiten Flußbiegung wird das Wasser erstaunlich sauber, stilvolle alte und moderne Holzhäuser wechseln sich mit den modernen Prunk- und Protzbauten der Baht-Milliardäre ab. Die Umgebung derjenigen Häuser, in denen erkennbar Mohammedaner wohnen, wirken oft auffallend stilvoll und gepflegt. In dieser Gegend wohnen neben den Nachfahren der aus Pattani und Kambodscha verschleppten ehemaligen Arbeits- und Kriegssklaven auch viele ethnisch indische Familien, die ihr Vermögen mit Grundstückgeschäften gemacht haben.
Leider ist kürzlich auf halbem Weg ein großes Grundstück „gesäubert“ worden und landesüblich wanderte sämtlicher Müll natürlich in den Khlong. Aber auch das gehört zu Thailand, im Grunde ist der allgegenwärtige Müll ja geradezu ein Erkennungsmerkmal dieses immer wieder erstaunlichen Landes.
(http://i6.photobucket.com/albums/y207/tawee/tip/tip056.jpg)
Dazu schrieb dii, der diese Luftaufnahme des Wat Maha But sendete: "...was ich klasse finde in Bangkok: kaum ist man von den Hauptstraßen weg, steht man im Gemüsefeld (http://i6.photobucket.com/albums/y207/tawee/fun/icon_thumbs1.gif) wird aber immer seltener. :'(
Während der Fahrt auf dem Khlong reiht sich eine Sehenswürdigkeit an die andere. Bis zur Th. Srinakharin sind es acht Tempel und zwei Moscheen. Leider legen nicht alle Tempel wert auf eine schöne Ansicht vom Khlong her, etwa die Hälfte fällt durch den leider landesüblichen Dreck auf. Dagegen wirken die beiden Moscheen zur Flußsseite hin offen, sauber und gepflegt. Leider ein generelles Problem: Auch in der Th. Onnut, über die diese Tempel ebenfalls erreicht werden, prägen gerade in den Sois, die zu den Tempeln führen, oft die Müll- und Schutthalden das Bild. Auch die Schwarzbauten der in Bangkok überall allgegenwärtigen Landbesetzer aus Upcountry sind natürlich nicht zu übersehen.
Dennoch: Aus dem Dreck und Lärm der Sukhumwit heraus wähnt man sich hier streckenweise um 60 Jahre zurückversetzt. Ein letzter Hauch des alten Bangkok, in dem früher nur die goldenen Spitzen der Pagoden aus dem grünen Blätterdach ragten, ist hier auf dem Wasser noch zu erahnen.
Der bekannteste Tempel der Gegend ist, wie bereits erwähnt, das Wat Maha But, ein reicher, gepflegter Tempel, bei dem sich der Ausstieg lohnt. Man hat mindestens 25 Minuten Zeit bis das nächste Boot vorbeikommt. Direkt am Khlong steht ein Glockenturm inmitten eines kleinen Friedhofs mit vielen Duftsträuchern. Ein friedliches Bild. Auf dieser Seite steht einiges über den Tempel:
(http://www.bangkok--travel.com/unseen-in-bangkok/images/mae-nak.jpg) http://www.bangkok--travel.com/unseen-in-bangkok/love-legend-of-mae-nak.html
Einige Sätze wie zum Beispiel dieser
The Muslims, the biggest ethnic group in this area, have migrated from Pattani since the Third Reign.
zergehen indes auf der Zunge. Für eine Übersetzung dieser landestypischen "offiziellen Version" empfehle ich die Lektüre von im Ausland erschienenen Büchern über die Geschichte dieses immer wieder so erstaunlichen Landes.
Auf einer weiteren Webseite, von der die beiden nachstehenden Bilder stammen, ist näheres über den Zockertempel zu erfahren: http://www.thaiasiatoday.com/index.php?option=com_content&task=view&id=649&Itemid=47
(http://www.thaiasiatoday.com/images/stories/lifeinthailand/day2day/Get_Rich/lottery_04.jpg) (http://www.thaiasiatoday.com/images/stories/lifeinthailand/day2day/Get_Rich/lottery_03.jpg)
Berühmt ist dieser Tempel allerdings aus einem eher diesseitigem Grund: Hierher kommen die Profi-Zocker ebenso wie die Lotteriespieler, um Glück zu erbitten oder ihm mit guten Werken, die dem Tempel zugutekommen, nachzuhelfen. Und auch vor Prüfungen soll es geistergläubigen Schülern und Studenten angeblich überhaupt nicht schaden, erst noch mal schnell in diesem Tempel die Geister mit einem Opfer zu bestechen oder mit Demut zu beeindrucken. Hier sieht man auffallende viele "chinesische" Gesichter.
Klar also, daß hier auch Werktags die riesigen Parkflächen gut genutzt sind. Es gibt viele Souvenirläden für religiösen Krimskrams. Das Wat Maha But ist bereits für das Jahr 1762 nachweisbar. Das wieder mal zu der in hiesigen Schulen auswendig gelernten offiziellen Version, wonach Bangkok erst 20 Jahre später vom Ursupator Thong Duan gegründet worden sei, der sich später den seiner Größe sicher angemessenen Namen Chakri gab, was unter anderem „Weltherrscher“ bedeutet.
Manche Thais finden heute noch die Geschichte erbaulich, die sich um diesen Tempel rankt. Eine Frau, Mae Nak Phra Khanong, oder bürgerlicher, Ya Nak, soll bei der Geburt ihres Kindes gestorben sein. Ihr „Geist“ allerdings lebte weiter mit ihrem Mann, der bei der Geburt des Kindes nicht dabei war. Schließlich „merkte“ er aber doch. daß sie ein „Geist“ war und floh in den Tempel, wie man sich erzählt.
„Zum Glück“, so steht es heute noch geschrieben, gelang es einem jungen Mönch, den „Geist“ unter Kontrolle zu bringen. Man hat jedenfalls nie mehr etwas von dem Geist gehört... Dieser Mönch soll später einer der berühmtesten des Landes geworden sein.
Ketzer lesen das natürlich anders: der sicher liebevolle und treusorgende Ehemann merkte erst, daß seine Frau ein böser Geist war, als sie alt und häßlich wurde. Ähnlich wurden ja auch in unserem Mittelalter gewisse „Hexen“ mit frommer Hilfe unseres Klerus entsorgt.
Aber ganz grundsätzlich kann man in Thailand die Existenz von Geistern nicht ernsthaft abstreiten. Daß es sie gibt, weiß hier jedes Kind, das nur einmal nachmittags im Fernsehen nachgeguckt hat.© Hans Michael Hensel und TIP Zeitung für Thailand 2008