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Südtiroler Wein passt zu Speckknödeln und Thai-Küche
Im Schutz der Alpen gedeihen in Italiens nördlichster Provinz bemerkenswerte Tropfen.
Von Heidemarie Pütz
Bozen. Das Weinland Südtirol überzeugt Kenner mit seinen Tropfen. Dabei nutzen die Winzer des "Landes im Gepirg", wie Südtirol im Mittelalter hieß, die Gegensätze von alpinen Höhen und mediterraner Landschaft. Im einstigen Massenrotweinland wird heute mehr Weiß- als Rotwein gekeltert. Unter den Tropfen finden sich passende Begleiter zur hausgemachten Speck- und Knödelküche. Spitzenweine bereichern aber auch exquisite internationale Gerichte aus der Sterneküche.
Südtirols Weinkultur zählt zu den ältesten in Europa. Ein Beleg dafür ist ein in Stufels bei Brixen gefundenes Tongefäß mit Trauben, das auf 500 vor Christus datiert wird. Die Reben wachsen auf Höhen von 200 bis zu 1000 Metern in den Tälern der Etsch zwischen Schlanders im Vinschgau und Salurn im Unterland sowie der Eisack zwischen Bozen und Neustift oberhalb von Brixen.
Südtirols Weine sind so vielfältig wie die Lagen: karge Hänge im Vinschgau, warme Hügellagen im Unterland und alpine Weinberge im Eisacktal. Die Alpen schützen im Norden vor kalten Winden, und gen Süden ist das Land offen für mediterrane Wärme. Das Weinland ist ein Flickenteppich von oft nur ein bis zwei Hektar großen Flächen. "65 Prozent des Weins werden genossenschaftlich vermarktet", erläutert Zanotti.
Der renommierte italienische Weinführer Gambero Rosso hat in seiner aktuellen Ausgabe 26 Südtiroler Weinen die Höchstnote gegeben. In der Kategorie der "Tre Bicchierie"-Weine (Drei-Gläser-Weine) liegen unter den Weißweinen vor allem Rieslinge und Weißburgunder vorn. Bei den Roten dominieren die heimischen Sorten Vernatsch und Lagrein.
Hendrik Thoma, Master-Sommelier und Betreiber des Wein-Blogs "Wein am Limit", rühmt die kühle Frische der Tropfen: "300 Sonnentage im Jahr, nachts kühlt es sich ab. Diese Weinlage bringt einen alpinen frischen Stil, Weine mit Säure und Frische." Es seien keine überladenen Tropfen, sondern "Weine mit Anspruch, ohne kompliziert zu sein". Für den Hamburger Thoma ist Südtirol eine "Melange von preußisch-deutsch und lässig italienisch". Besonders die Deutschen genießen das "deutsche" Italien, was den Winzern zugutekommt: "Wir haben den Vorteil, dass die Deutschen uns als Urlaubsland kennen. Sie haben eine enge Verbindung zu Wein", sagt Zanotti.
Südtirols Erfolgsgeschichte basiert für Thoma unter anderem auf einer "selektiven Arbeit im Weinberg und Keller mit dem Bewusstsein für den richtigen Standort". In den vergangenen Jahren haben sich rund 20 Rebsorten etabliert. Internationale Sorten wie Sauvignon Blanc, Chardonnay, Blauburgunder oder Merlot würden aber teilst schon seit 100 Jahren angepflanzt.
Daneben erleben alteingesessene Trauben wie der Gewürztraminer oder die roten Sorten Vernatsch und Lagrein eine Renaissance. Lange dominierte der ertragreiche Vernatsch, die Südtiroler Variante des Trollingers, den Weinbau. "Der Vernatsch hat sich gesund geschrumpft", sagt Paul Tauferer von der Kellerei Kurtatsch. Heute wächst die Traube nur noch auf etwa 1000 Hektar, früher war es das Doppelte. Sie bringt leichte, gerbstoffarme Rotweine - gute Begleiter für Südtirols Speck- und Knödelküche.
Der Lagrein hat seine Wurzeln in Südtirols Hauptstadt Bozen. "Wir sprechen von der Sorte seit 1314", sagt Christian Werth von der Klosterkellerei Muri-Gries in Bozen. Topweine der Traube, aus der samtige Weine mit Aromen von Waldbeeren und Kirschen gekeltert werden, finden mittlerweile international Beachtung.
Gewürztraminer, der in seinem Heimatort Tramin im Unterland schon im 13. Jahrhundert erwähnt wurde, hat eine eigene Stilistik: "In Italien ist er nur als frischer, trockener Wein bekannt. Die Italiener trinken ihn als Aperitif", sagt Thoma. Mit seinem Duftspektrum von Rosen, Nelken, Litschi und tropischen Früchten eigne sich der Tropfen auch zu asiatischen Speisen und Krustentieren.
Der Sortenspiegel Südtirols bietet auch noch Raritäten wie weißen Goldmuskatteller. "Den Goldmuskatteller empfehlen wir als Aperitif oder beispielsweise zur scharfen Thai-Küche.
Er balanciert die Schärfe gut aus", sagt Michael Graf Goess-Enzenberg vom Weingut Manincor in Kaltern. dpa