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Autor Thema: Ist das Medizinstudium nicht mehr begehrt?  (Gelesen 1966 mal)

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dart

  • Gast
Ist das Medizinstudium nicht mehr begehrt?
« am: 29. Mai 2011, 20:33:32 »

Wenn ich mir folgende Meldung anschaue, wird mir Angst und Bange.

Fast 700 Praxen schließen 2010 - Ärzte finden keine Nachfolger
http://www.n-tv.de/politik/Aerzte-finden-keine-Nachfolger-article3450566.html

Ok, die Arbeitsbedingungen in einem KKH sind am Anfang sicherlich kein Zuckerschlecken, und um ein guter Arzt zu sein, muß es eher Berufung als Beruf sein, aber das es offensichtlich nur wenig Interesse gibt um Arztpraxen zu übernehmen ist schon ein weinig (oder auch mehr) erschütternd. ???
Oder sind das alles alte Butzen ohne jedwedes hochwertige Equipment?
« Letzte Änderung: 29. Mai 2011, 20:42:13 von dart »
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drwkempf

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Re: Ist das Medizinstudium nicht mehr begehrt?
« Antwort #1 am: 29. Mai 2011, 21:40:00 »

hallo dart,

nein, meist sind das durchaus keine "alten Butzen"!
Das Problem liegt mehr darin, dass es heute unwahrscheinlich schwierig ist, den wirtschaftlichen Erfolg einer Praxis zu kalkulieren. Man kann bei voller Arbeit  leicht baden gehen. Wer im Krankenhaus bleibt, hat ein sicheres Einkommen, sicheren Jahresurlaub, eine gesicherte Versorgung im Krankheitsfall und bei einigem Fleiss ein auskömmliches Einkommen.

Dagegen stehen die Risiken einer freien Kassenpraxis, in der man zum Weiterarbeiten verpflichtet ist, selbst wenn man dabei finanziell drauflegt - und das geht ganz schnell!!

Unternehmertum muss sich lohnen, sonst ist es nicht attraktiv.

Wolfram
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dart

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Re: Ist das Medizinstudium nicht mehr begehrt?
« Antwort #2 am: 29. Mai 2011, 21:53:04 »

Hallo Wolfram
Das unternehmerische Risiko ist doch heute nicht höher als vor 10-20-30 Jahren, und das in jeder Berufssparte der Großteill der arbeitenden Bevölkerung lieber in einem lohnabhängigen Beschäftigungsverhältniss arbeitet ist ja nun auch keine neue Entwicklung.
Gruss, Reiner :)
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drwkempf

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Re: Ist das Medizinstudium nicht mehr begehrt?
« Antwort #3 am: 29. Mai 2011, 22:04:04 »

Nein Reiner,

tut mir leid, aber da hast Du nicht recht.
Vor 20 Jahren gab es keine Budgetdeckelung, man wurde im Wesntlichennach seiner leistung bezahlt. Wer erfolgreich eine große Praxis führte, hatte durchaus Chancen, ein sehr gutes Einkommen für seinen hohen Arbeitsaufwand zu erzielen. Dafür gibt es genug Beispiele.
Durch die Budgetdeckelung hat sich das radikal verändert. Wer heutzutage "teure" Patienten hat - die er nicht ablehnen darf - arbeitet rasch "für umme" oder legt auch ganz schnell mal drauf.
Dabei steigen die Praxiskosten aber stetig, für sie gibts leider keine Deckelung.
Die meisten meiner Kollegen, die sich in den letzten 10 Jahren niedergelassen haben, haben diesen Schritt längst bereut. Man spricht aber nicht drüber, sondern schämt sich im Stillen und beneidet die Kollegen, die im Krankenhaus geblieben sind.
Wer heute nicht einen großen Privatpatientenanteil vorweisen kann, ist und bleibt ein armes Schwein.
Privatpatienten sind aber gerade auf dem Land und in Deutschlands Osten dünn gesäht.

Ich habe mich Gott sei Dank nie niedergelassen, obwohl ich das durchaus ursprünglich auch fest vorhatte.
Und unter den aktuellen Umständen würde ich nicht einmal in finsteren Alpträumen daran denken.
Dann schon lieber in Kambodscha für Gotteslohn arbeiten...

Wolfram
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dart

  • Gast
Re: Ist das Medizinstudium nicht mehr begehrt?
« Antwort #4 am: 29. Mai 2011, 22:16:18 »

Danke für die aufklärenden Worte, Wolfram.
Wie siehst du selber die zukünftige Entwicklung, immer weniger private Praxen, dafür endlose Schlangem von Patienten in den Krankenhäusern?
Zumindest würde ich dann junge Menschen verstehen, die sich gegen ein Medizinstudium entscheiden, es ist ja nicht jedermanns Sache ein lebenlang in "Lohn und Brot" zu arbeiten.
« Letzte Änderung: 29. Mai 2011, 22:24:15 von dart »
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drwkempf

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Re: Ist das Medizinstudium nicht mehr begehrt?
« Antwort #5 am: 30. Mai 2011, 15:52:14 »

Hallo dart,

ich weiß nicht, wie's weitergehen wird.
Unser gesundheitssystem ist vor die Wand gefahren.
Ursache dafür ist m.E. nicht, dass nicht genügend Beiträge bezahlt werden, sondern dass viel zu viel Geld in der Verwaltung verschwindet.
Der Gesamtverwaltungsaufwand im Gesundheitswesen beträgt mehr als 33%, 10% bis 15% wären ein gesundes Verhältnis. Mit dem eingesparten Geld könnte man sonst was bezahlen, Eigenleistungen wären nicht mehr nötig, vieles ginge viel schneller.
Von der Budgetdeckelung in der aktuellen Form könnte man sich verabschieden, eine rein leistungsabhängige Bezahlung im Gesundheitswesen wäre wieder möglich, Leistung wäre wieder attraktiv, ein unternehmerisches Risiko wäre wieder vertretbar.
Dazu müsste sich allerdings auch der Gesetzgeber erheblich umorientieren und auf einen ganz erheblichen Teil des Dokumentationsaufwandes verzichten.
Das ist für Juristen - unsere Regierung besteht in der Legislative zu großen Teilen aus Mitgliedern dieser Berufsgruppe - allerdings so, als müsste der Teufel in Weihwasser baden!!!

Wolfram
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