Aktienschützer prüfen Facebook-Informationen
Rechtsanwalt: "Zur Not muss in den USA geklagt werden"Von Kai Stoppel und unseren Agenturen
BRAUNSCHWEIG. Der verpatzte Börsengang von Facebook wird zum Fall für Aufsichtsbehörden und Gerichte. Anleger reichten erste Klagen ein. Auch deutsche Aktionärsschützer prüfen rechtliche Schritte. Nord-LB-Analyst Jan Christian Göhmann prognostiziert Facebook eine schwierige Zukunft.
Nach dem holprigen Börsenstart von Facebook mehren sich die Zweifel, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Die Kanzlei
Glancy Binkow & Goldberg aus Los Angeles reichte gestern im Namen ihres Mandanten Klage vor einem kalifornischen Gericht ein. Die Anwälte werfen Facebook, den Alteigentümern und den Banken vor, die Börsenunterlagen schlampig zusammengestellt und wichtige Informationen zum Geschäft und dessen Aussichten verschwiegen zu haben. Die Kanzlei strebt eine der gefürchteten Sammelklagen an und
fordert Wiedergutmachung im Namen aller Geschädigten.
Auch der deutsche Aktionärsschützer und Rechtsanwalt Alexander von Vietinghoff-Scheel, niedersächsischer Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, prüft derzeit, ob ein eventueller Anspruch auf eine sogenannte Prospekthaftung bestehe. "Dafür müssten sich aber zunächst die Informationen, die Facebook vor dem Börsengang veröffentlicht hat, als fehlerhaft herausstellen", sagte von Vietinghoff-Scheel. Wenn das der Fall wäre, könne sogar eine Klage vor amerikanischen Gerichten infrage kommen.
Unterdessen scheint die Talfahrt der Facebook-Aktie vorerst gestoppt: Gestern hielt sich der Kurs in Frankfurt auf dem Niveau von etwas mehr als 25 Euro. Der Ausgabewert am vergangenen Freitag hatte noch 30,5 Euro betragen.
Dennoch ist das Unternehmen immer noch rund 90 Milliarden Euro wert. Denn viele Anleger legen immer noch Hoffnungen in ein starkes Wachstum des Unternehmens. Aus Sicht von Jan Christian Göhmann, Analyst bei der Nord-LB, ist es jedoch fraglich, ob das Wachstum von Facebook auf einem ausreichend hohen Niveau gehalten werden kann. Genau so unklar sei, ob das Geschäftsmodell noch erweitert werden kann, um die Werbeeinnahmen weiter zu erhöhen.
Glauben Sie, dass Facebook mehr Wachstum verspricht, als es halten kann?
Die Facebook-Aktie hat seit vergangenem Freitag an der New Yorker Börse rund 17 Prozent an Wert verloren.
Braunschweiger Zeitung: 24. Mai 2012, Wirtschaft, Seite 08
© Braunschweiger Zeitungsverlag, 2012
