@archa, @ventura
Ich versuch mal, etwas allgemeinverständliches zur Polymyalgia rheumatica (arteriitica/idiopathica) zu formulieren.
Mir ist nicht ganz klar, ob ihr beide eine echte Polymyalgia rheumatica habt oder ob ihr nicht - etwas wahrscheinlicher - an einer Muskelerkrankung leidet, die sehr ähnliche Symptome aufweist.
Die Polymyalgia rheumatica gehört zu den Autoimmunerkrankungen, in der Zusatzbezeichnung "idiopathica" kommt schon zum Ausdruck, dass man die exakte Ursache dieser Gesundheitsstörung nicht kennt.
Muskelschmerzen, wie sie nach vereinzelten Infektionskrankheiten (Borreliose u.a.) auftreten können, lassen von ihren Symptomen her an eine polymyalgia rheumatica denken.
Die Polymyagia rheumatica (PR) betrifft fast ausschließlich Menschen über 60Jahre, Frauen dabei weit häufiger als Männer.
Ihre Symptome sind klassisch:
Symmetrisch auftretende Schmerzen in den rumpfnahen Muskeln der Arme und Beine sowie im Bereich des Schulter- und Beckengürtels. Die betroffenen Patienten können sich vor allem morgens schmerzbedingt kaum aktiv bewegen, die passive Beweglichkeit der schmerzenden Muskulatur ist merkwürdigerweise aber nicht eingeschränkt.
Die Patienten fühlen sich krank, depressive Verstimmungszustände treten häufig begleitend auf.
Im Labor findet man üblicherweise eine massiv erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit, auch andere Entzündungsparameter können stark erhöht sein.
Nicht selten sind Arterien von der Entzündung mitbetroffen. Bei massiven Schläfenkopfschmerzen ist an einen Entzündung der Schläfenarteien zu denken, die man Arteriitis temporalis (im engl. Sprachgebrauch Bing-Horten-Disease) nennt.
Die Diagnose kann man durch Gewebeentnahmen aus der betroffenen Muskulatur oder entzündeten Arterien sichern.
Die Behandlung ist einfach:
Man beginnt mit einer höheren Dosis eines Kortikoids, also eines Kortisonpräparates, die hohe Dosis muss über einige Tage beibehalten werden.
Der prompte Behandlungserfolg bestätigt die Verdachtsdiagnose ein weiteres Mal.
Um einem Wiederaufflackern der Entzündung vorzubeugen muss ein schrittweise reduzierte Kortikoiddosis über eine lange Zeit (ca 2Jahr) beibehalten werden, eine begleitende Vorbeugung gegen Osteoporose und Magenschleimhautentzündungen ist dabei unabdingbar.
Kortikoide, also kortisonähnliche Substanzen, sind meist mehrfach wirksamer entzündungshemmend als das vom eigenen Körper produzierte Kortisol.
Prednisolon ist zum Beispiel 5-mal so entzündungshemmend. Auf dem deutschen Markt erschien Prednisolon als "Sulu-Decortin" der Firma Merck, gehört also zu den seit langem erprobten Arzneimittelgut.
Wie alle Kortikoide ist eine kurzzeitige Einnahme auch in hoher Dosis üblicherweise unproblematisch, eine stufenweise Reduzierung der Anfangsdosis ist immer zu empfehlen.
In der Langzeittherapie liegen weit größere Probleme, weshalb kortisondauerpatienten ärztlich überwacht werden sollten.