Lieber Jock,
das hätte ich auch nicht besser schreiben können. Und es stimmt schon, auch in China wachsen die Bäume nicht in den Himmel.
Was von den meisten unterschätzt wird, China hat weit mehr als eine Milliarde Einwohner und da ist dann alles um Dimensionen grösser als uns vertraut. Nehmen wir einfach mal an, China habe eine Arbeitslosenquote von 3%, dann sind das mehr als 30 Mio. Menschen.
Lt. Wikipedia spielt China beim Bruttosozialprodukt pro Kopf so in einer Liga wie Tunesien, die Dominikanische Republik Jamaika. Auch wenn Chinas Städte glänzen, es ist also immer noch ein armes Land.
Allerdings, in den letzten 10 Jahren hat China gewaltig zugelegt. So ist auch eine recht zahlreiche Mittelschicht entstanden. Ich empfehle mal:
http://www.wiwo.de/politik/ausland/wohlstand-chinas-mittelschicht-entdeckt-den-konsum/6895698.html Das Bild von den relativ wenigen, die von dem wirtschaftlichen Aufschwung profitieren, denen darbende Massen gegenüber stehen, stimmt so nicht.
Im April war ich 4 Wochen lang in China und habe mit dort mit vielen jungen Chinesen unterhalten. Für die war die „soziale Spaltung" des Landes kein Problem. Solange Chinas Wirtschaft weiter wächst, wird die Zahl der Armen weiter abnehmen. Die wussten auch aus der Erfahrung ihrer Eltern, Gleichheit bedeutet vor allem, gleich arm. Das ist natürlich nicht repräsentativ, diese jungen Leute waren gut ausgebildet und sprachen in aller Regel ein ausgezeichnetes Englisch.
Mit anderen Worten, wirtschaftliches Wachstum ist für China Pflicht!
Das Problem Chinas ist seine Landwirtschaft. Große Teile des Landes sind gebirgig oder sehr hügelig. Geht dort Landwirtschaft, dann nur, wenn Terrassen gebaut werden. Das aber wiederum heißt, der Einsatz von Maschinen ist nur sehr sehr eingeschränkt möglich. Felder, nur so breit, dass von den Rändern aus Unkraut gejätet werden kann.
Hinzu kommt, viele Teile des Landes sind sehr regenarm. Peking z.B. zapft heute bereits fossiles Grundwasser an.
So wird dann in China vielfach Ackerbau mit Methoden betrieben, die jedem Kleingärtner ganz vertraut sind. Bilder, wie wir sie z.B. aus den USA kennen, eine Kolonne von vielen Mähdreschern erntet riesige Felder ab, wird es aus China nie geben.
Dass man mit einer solchen Landwirtschaft auf Dauer keinen Blumenpott gewinnen kann, ist leicht einsichtig. Und so ist dann auch die Ein Kind Politik Chinas, die 1979 begann, verständlich. Erst wenn es nicht mehr notwendig ist, solche Grenzböden zu bewirtschaften, können die Masseneinkommen substantiell steigen.
Um die Größenordnung dessen zu verdeutlichen, was da gerade abläuft, derzeit wird damit gerechnet, dass die Bevölkerung Chinas bis 2033 auf 1,5 Mrd. Menschen anwachsen und dann auf 1 Mrd. sinken wird.
Also, China hat noch auf geraume Zeit vor allem mit sich selbst zu tun!
Alleine den Chinesen schulden die USA über 1, 4 Billionen Dollar das sind 1400 Milliarden! Und es werden Tag für Tag mehr.
Na und? Herzliche Grüße aus Griechenland!