ThailandTIP Forum

Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Erweiterte Suche  

Neuigkeiten:

Hier kommen sie zu den aktuellen Nachrichten auf ThailandTIP.info
Seiten: 1 ... 81 [82] 83 ... 121   Nach unten

Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 449543 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Kern

  • Globaler Moderator
  • Thailand Guru
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 17.726
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1215 am: 17. September 2010, 18:47:40 »

Hallo Cee


Ja Low schreibt schon wunderbar.  Aber Vorsicht!

Manchmal betätigt er sich als Räuber und beraubt dann ahnungslose Menschen ihrer Illusionen.
So dachte ich früher irrigerweise, dass alle Schweizer gleich wären und sich ständig jodelnd von einem Alpengipfel zum nächsten schwingen würden, falls sie nicht gerade mit der Wilderei beschäftigt sind oder gegen Landvogte aufmüpfen.   :-)



Hallo Low


Ich hoffe, dass Deine leichte Thai-Misanthropie durchs Dengue-Fieber bedingt ist und
dass Du Dich in Deinem Ort bald wieder wohler fühlst.     ;}



Hallo Wolfram


Das ist ein wunderbarer, treffender Satz:
"Aber der Charme in seinen geschichten kommt aus einem weiten Herzen und einem lebendigen Gehirn!"



Gruss   Achim
« Letzte Änderung: 17. September 2010, 18:51:26 von Kern »
Gespeichert

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Die kleine Kneipe in Hinterindien
« Antwort #1216 am: 19. September 2010, 13:31:16 »

@Cee
Danke. Anstatt dass ich meine Sprache in der Fremde verkommen liess, arbeitete ich seit zehn Jahren intensiv daran. Ausser meinem
Wortschatz habe ich keinen nennenswerten Besitz mehr.

@ dr.....
Geld und Geist: Das wahre Glück des Menschen ist eine zarte Blume. (Gotthelf) (1) Aber das kennst Du bestimmt aus Deiner Jugendzeit.

@Kern
Wenn ich könnte, würde ich trotz Fieber (ist eigentlich erledigt !) möglichst weit weglaufen und von Gipfel zu Gipfel hüpfend aus reiner
Selbstbefriedigung im In- und Aus-Land Landvögte umbringen. Die vermehren sich dank synthetisch geklonter Huren in Brüssel und Strassburg
inflationär.


Die kleine Kneipe

Bei Korn und bei Bier findet mancher die Lösung für alle Probleme der Welt.
...... beim Wirt hier hat jeder Kredit.
(Zitat: Peter (der Grosse) Alexander) (2)

Wenn das Leben so einfach wäre! Mit Bier, Korn und Kredit flüchtet Mann höchstens vor unlösbaren Problemen. Und wenn es in der kleinen
Kneipe allemal gemütlicher ist, als zu Hause, stimmt meistens irgend etwas nicht. Da würde ich entweder neu möblieren oder einen -
möglicherweise auch mehrere unfähige Hausdrachen austauschen.
Wir besuchen zwecks Nahrungsaufnahme ähnliche Betriebe. Für abendfüllende Zeitverschwendung in Gasthäusern haben wir wenig Zeit und
Verständnis, ausgenommen  unsere Gäste verstümmeln als geisttötende Nervensägen unsere Wecker und die Fische üben sich danach im
Rückenschwimmen.

Im Dorf gibt es mindestens zwei Orte, wo man sich gegen gutes Geld schlechtes Kopfweh einhandeln kann. Der eine Ort der Erlabung wird
von meiner ersten Betreuerin betrieben. Wegen ihres nach Aristoteles phlegmatischen Verhaltens, verbunden mit grenzenlosem, unheilbarem
Faulfieber und oft überrissenen Preisen hat ihr Betrieb eine eher schlechte Zukunftsprognose. (3) Sie benötigt weder Erdbeben noch Tsunami,
sondern Tsuhälter.
Das zweite, eher unseriöse als gemütliche Lokal, befindet sich im oberen Dorfteil am Platz, wo die Einwohnerversammlungen und Sonntags die
Märkte stattfinden.

Ähnlich wie es früher im weiteren Alpenraum Unsitte war, den Bedienungen das Hintergeschirr zu betatschen, wird bei kurzen Röcken und hohem
Lao Khao Pegel, bei sehr hohem Pegel sogar bei langen Röcken, manuell intensiv der verborgene Oberschenkelraum erkundet. Die resultierende
Ausdünstung an den befallenen Greiforganen fördert eventuell die Bekömmlichkeit des Lao Khao, ganz sicher aber den Umsatz von allerhand
Alkoholika und Drogen. Diese widerlichen Schlampen würde ich kaum unter Vollnarkose ertragen, obwohl ich ein bestandener Forschertyp bin.
(Nicht forscher Typ!)

Die verkappte Räuberhöhle findet grossen Anklang bei jungen Mopedfahrern, die mit ihren wahllos parkierten Fahrzeugen rücksichtslos die ganze
Strasse blockieren. Der Nebeneffekt ist, dass oftmals auf dem Heimweg befindliche Fahrer von ihren Fahrzeugen gerissen und unsanft, gegen ihren
Willen und unter Androhung von Prügel in die Kneipe geschleppt werden, um einige Runden zu finanzieren. Wir verfügen über einschlägige
Erfahrung.

Eines unschönen Abends näherte sich einen neuerer Transporter.
Er hätte die Strasse ohne mehrere Kratzer am Lack und beschädigte Motorfahrräder kaum passieren können. Der vorsichtige Fahrer stoppte,
senkte das Fenster und rief freundlich:
„Hallo ihr Burschen, stellt bitte einige Mopeds weg. So kann ich unmöglich durchfahren!“
Die törichten Trinker höhnten ihn aus und antworteten:
„Wir sind zu betrunken, um unsere Feuerstühle zu bewegen!“

Er stieg wortlos aus und begann gemächlich, auf der Strasse Platz zu schaffen. Einige Angesäuselte mit glasigen Äuglein näherten sich mit
unsicheren Schritten und lallten:
„Das kkk... kannst du  nnn... nicht tun! Nimm deine   vvv... verdammten  ddd... Dreckpfoten von unseren fff... Fahrzeugen!“
Sie sprangen ihn an und zerrissen sein Hemd. Es entging den Hohlköpfen, dass ein zweiter Mann in der Kabine sass. Der stieg aus, fasste einen
der Volltrunkenen und warf ihn mitten in die Gruppe der Randalierer. Zu zweit schafften sie leicht den Weg von der Strasse bis ins Lokal und
verteilten auf Wunsch freigiebig Hiebe und Schläge an die aggressiv zugedröhnte Mehrheit.
Nach einiger Zeit wütenden Gerangels, zwei gegen viele, erschienen die bekannten braunen Ordnungshüter. Die wussten ganz genau, dass
von den zahlreichen Säufern ausser den unbezahlten Mopeds nichts zu holen war. Darum erpressten sie ihren Obolus von den fairen Fahrern.
Die Polizisten vergassen leider die Anwesenden darauf hinzuweisen, dass Betrunkene keine Motorfahrzeuge benutzen sollten.

So peinlich genau programmiert die örtliche Polizei die Verkehrstoten.
Im Umkreis eines halben Kilometers von der Kneipe, kratzen kulante Kraftfahrzeugfahrer nach Kollisionen regelmässig Körperteile von der Strasse.

(1)
http://www.zeno.org/Literatur/M/Gotthelf,+Jeremias/Romane/Geld+und+Geist
(2)

(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Phlegmatiker

Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

hmh.

  • Globaler Moderator
  • Thailand Guru
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 3.780
    • This England is So Different
Re: Die kleine Kneipe in Hinterindien
« Antwort #1217 am: 19. September 2010, 15:51:33 »

Ausser meinem Wortschatz habe ich keinen nennenswerten Besitz mehr.

Das ist ein großartiger Satz, den man gut weiterdenken kann.

Ich habe, anders als Du, mein geerbtes Haus aus dem 16. Jahrhundert, Familienbesitz seit dem 19. Jahrhundert, noch nicht verkauft, aber besitze ich deshalb mehr als Du...?

Alles was nicht in unserem Hirn ist, ist nur Leihgabe. Und auch der im Hirn befindliche Besitz ist weg, sobald der Strom und die Chemie abgeschaltet wird.

Also nutzen wir weiter unsere Tage.

Gespeichert

Cee

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.116
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1218 am: 19. September 2010, 19:53:57 »

@ Low Heute um 13:31:16

Nachdem @hmh. zu Deiner Botschaft an mich bereits gekonnt geantwortet hat,
will ich Dir berichten, welcherart Sturmflut Deine Zeilen an @ Kern, beim mir
ausgelöst hat.

Ich fühlte mich wie auf dem Gepäckträger vo Hugo Koblet sitzend, während dieser den Gotthard
nach Airolo hinunterraste - dem Sieg entgegend.

 ;)
Cee
« Letzte Änderung: 19. September 2010, 19:57:57 von Cee »
Gespeichert

Antares

  • kommt langsam in Fahrt
  • ***
  • Offline Offline
  • Beiträge: 19
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1219 am: 20. September 2010, 03:27:32 »

Hallo miteinander, ich habe dieses Forum vor 3 Tagen entdeckt und bin von Low's Geschichten berührt, es spiegeln sich dort eigene Erfahrungen aus vielen Thailand Urlauben wieder. Schönes und skurieles, erschreckendes und lustige Begebenheiten. In manchen Dingen habe ich (natürlich) eine andere Sichtweise der Dinge.
Trotzdem bin ich fast süchtig geworden nach den Geschichten aus Hinterindien.

So peinlich genau programmiert die örtliche Polizei die Verkehrstoten.
Im Umkreis eines halben Kilometers von der Kneipe, kratzen kulante Kraftfahrzeugfahrer nach Kollisionen regelmässig Körperteile von der Strasse.


Eine hohe Unfallrate hat es auch auf Koh Samui meiner Lieblingsinsel, leider ist auch hier der Alkohol oft Schuld. Ich selbst fahre kein Zweirad in Thailand, ich fahre immer mit dem Mietwagen oder zur Not auch mit einem Taxi. Bin halt etwas feige oder vorsichtig, oder zu sehr Hedonist als das ich mir den hart erarbeiteten Urlaub durch Schmerzen oder gar Verstümmelung verderben lasse! Die Verbände an Armen und Beinen der Touristen sprechen für sich. Als "Samui Tatoo" beschreiben die Einheimischen ihre Narben welche sie bei Verkehrsunfällen davongetragen haben.

Ich wünsche ich könnte Low etwas zurückgeben von dem Vergnügen welches ich habe wenn ich seine Geschichten lese.

Grüße aus dem herbstlichen Rheinland

Marcus
Gespeichert

khun mai ru

  • ist voll dabei
  • ****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 368
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1220 am: 21. September 2010, 23:47:53 »

@Antares
Willkommen im Forum.

mfg kmr
Gespeichert

hmh.

  • Globaler Moderator
  • Thailand Guru
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 3.780
    • This England is So Different
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1221 am: 22. September 2010, 22:53:07 »

Bei der ersten Runde der Druck-Vor-Vorbereitung der Geschichten aus Hinterindien bin ich soeben beim Beitrag 544 vom 6. September 2009 angekommen. Auf einem DIN A 4 Blatt in 10 Punkt Garamond bei Zeilenabstand 11,7 verteilen sich die Beiträge (Stand soeben) auf genau 200 Seiten.
Es ist eine Menge mehr Arbeit, als ich mir je vorgestellt hätte.:}

Außerdem wurde mir beim Wiederlesen im Zusammenhang eines deutlich: In vielen Fällen sind auch die Antworten Teil der Geschichte geworden. Man kann sie nicht einfach rausschmeißen, ohne Zusammenhänge zu zerstören oder auf die Geschichte insgesamt zu verzichten.

Ich hatte hier mal zwei oder drei Häuptlinge kritisiert, daß sie hier zuviel antworten und so eher den Lesefluß stören.
Das war ein Fehler aus meiner heutigen (Ein)Sicht.  ]-[

Ich habe noch keine Ahnung, wie ich der o. g. Tatsache in Verbindung mit der riesigen Datenmenge typographisch in Buchform Herr werde.* Aber spätestens ab Anfang 2011 könnt ihr die Geschichten aus Hinterindien erwerben, jedenfalls wenn ich das noch erlebe...
(*  Antworten in anderer Schrift setzen, als Fußnoten, als Marginalien, wie auch immer...  ??? )
Unbearbeitet waren es, mit "Luft" direkt aus dem Forum kopiert, erst mal fast 900 Seiten (A 4, Garamond 10 Punkt)  :o
Es ist eine Riesenarbeit, aber ich habe selten beim Bearbeiten von Texten soviel Spaß gehabt wie bei den Geschichten aus Hinterindien.  }}
Gespeichert

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Geschichten über Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1222 am: 23. September 2010, 15:07:13 »

Lieber hmh

Danke für Deine Bemühungen und danke für:
Es ist eine Riesenarbeit, aber ich habe selten beim Bearbeiten von Texten soviel Spaß gehabt wie bei den Geschichten aus Hinterindien.

Ich kann Dir und den Lesern versichern, dass von mir ebenfalls eine Menge Zeit aufgewendet wird.
Unter dreissig Fassungen geht praktisch nichts weg. Tanz am Vulkan brachte es insgesamt auf über hundert Versionen. Habe ich Pech, ist
Version eins besser als Nummer hundert. Leider speichere ich nicht jede Version einzeln ab. Es gibt also keinen Vergleich.
Im Tip sehen die Aufsätze etwas anders aus, als die Word Dokumente auf dem Bildschirm. Eine kurze Stunde nur habe ich dann Gelegenheit
für kleinere Änderungen. Das ist gut so, andernfalls wäre ich dauernd am Spielen.

Kleiner Hinweis:
Ich hatte hier mal zwei oder drei Häuptlinge kritisiert, daß sie hier zuviel antworten und so eher den Lesefluß stören.
Das war ein Fehler aus meiner heutigen (Ein)Sicht.


Vielleicht helfen Beiträge aus der Prügel-Lecke weiter.
Mit zartem Mitgefühl
Low,

“Bunte Abende am Reisfeld“ verfassend.
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

hmh.

  • Globaler Moderator
  • Thailand Guru
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 3.780
    • This England is So Different
"Work in progress" bzw. "Subject to change without notice"
« Antwort #1223 am: 23. September 2010, 19:30:41 »

Bei mir sind auch alle Arbeiten einer ständigen Überprüfung unterworfen. Ich lege gerne meine Worte auf die Goldwaage in dem Sinn, daß es mir Spaß macht, mit Sprache umzugehen. Mit der Begründung, meine Texte edieren und ggf. Fehler verbessern zu wollen, bin ich hier Moderator geworden.

Aus heutiger Sicht war das nicht unbedingt ein kluger Entscheid. Du warst jedenfalls sehr weise, das seinerzeit überbrachte Angebot, "Moderator" zu werden, auszuschlagen.

Somit bleibt Dir zuverlässig erspart, mit Absonderungen psychisch kranker Verschwörungstheoretiker, einäugiger politischer Demagogen, subversiver Multinickinhaber und anderen Zeitgenossen jonglieren zu müssen. Statt dessen kannst Dich weiterhin um Deine eigenen Geschichten kümmern.

Ich beneide Dich darum. Ich komme seit fast einem Jahr kaum noch dazu, hier auch mal selbst was zu schreiben.

Mit besten Grüßen von Seite 222 Deiner Geschichten...
Gespeichert

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Bunte Abende am Reisfeld in Hinterindien
« Antwort #1224 am: 24. September 2010, 12:58:35 »

Hoffen wir, dass Cee mittlerweile ganz in Airolo angekommen ist.

Währen dem ertastete ich langsam aber sicher Version 60 der folgenden Geschichte.
Wesentliche Änderungen betrafen den Schluss. Anstatt einem heuchlerischen Dank an das weibliche Geschlecht, brachte ich den realistischeren
Satz mit der Katz.


Bunte Abende am Reisfeld                                                                                                                                        23. Sept. 2010

In den frisch angepflanzten Reisfeldern quacken Frösche. Sie sind ahnungslos, dass sie sogar in unseren Küchen zu Suppen oder
Froschschenkelragout à la mode du Patron mit einem Spritzer Mae Khong verarbeitet werden.
Mücken schwingen sich elegant mit zarten Flügeln zum Jungfernflug in den Himmel. Man glaubt gar nicht, dass die anmutigen Dinger tödlich
stechen könnten. Da besteht wenig Unterschied zu Bar-Girls, mit der kleinen Differenz, dass diese gestochen werden.

Wenn Mowgli um etwa fünf Uhr nach Hause kommt, muss er zuerst seine oft überreichlichen Schularbeiten erledigen. Dabei helfen ihm je nach
Sachgebiet Dick, eine jüngere Lehrerin im Ruhestand oder meine Wenigkeit. Zwischen sieben und acht Uhr sind Dick und ich in der Küche beschäftigt.
Der Knabe deckt, sofern die Zeit reicht, sorgfältig den Tisch. Danach gibt es Abendessen. Gestern waren es mit Garnelencocktail gefüllte
Avocadofrüchte und Knoblauchbrot.
Wenn er Glück hat, sind die Aufgaben bereits gemacht. Dann haben wir knapp Zeit für angeregte Diskussionen, hören Musik oder sehen
Bruchteile eines Films. Um neun Uhr muss Bübchen ins Bett, sonst verschläft er in der Frühe.

Vor einigen Wochen wurde Mowgli in der Schule eine Klarinette in die Hand gedrückt. Ich fragte ihn:
„Welche Firma baute das Instrument und wie alt ist die Klarinette?“
Bereits am nächsten Tag erhielt ich kompetente Antworten:
„Die Klarinette ist von Yamaha und sie ist sehr alt, von 1887.“
Unglaublich. Ich googelte und sah, 1887 wurde die Firma gegründet.

Die Schule hat ein Orchester und damit permanent Nachwuchsprobleme.
Die meisten Schüler zeigen wenig Interesse und geben nach wenigen Wochen wieder auf. Üben ist problematisch, denn die Instrumente
bleiben begreiflicherweise in der Schule. Die Gründe sind vielschichtig:
-   Mangelnde Sorgfalt,
-   Vergesslichkeit,
-   Beschaffungsdelikte:
    Die Instrumente werden von Familienmitgliedern gegen Drogen und ähnliche lebenswichtige Güter wie Motorräder eingetauscht.
-   Die Musikinstrumente gehen schlicht verloren.
Wie verliere ich eine Klarinette, oder noch besser, eine Tuba?

Dafür gab es Wochenend-Ausbildung in der Schule. Da wurden die jungen Bläser  Sonntags auf elf Uhr aufgeboten. Die erste Lehrkraft erschien
erst gegen ein Uhr. Mae wartete und protestierte nach Noten, es sind ja schliesslich Musiklehrer.
Die ersten Wochen blies der Knabe bloss. Keine Noten, nur Atemtechnik. Seine Kameraden bliesen bereits zwei Monate.
Ich zeigte Mowgli, dass man ähnlich wie Zahlen und Buchstaben Noten schreiben kann. Dann liess ich ihn Violinschlüssel zeichnen, denn wer ein
@ hinkriegt, sollte weitere Kurven mit Vergnügen schaffen.

Die Noten lernte er spielend auf
http://www.musica.at/musiklehre/notenspiel/notenspiel.html
wo er mit Mausklicks die richtigen Noten wie Enten abschoss.
Sobald der Violinschlüssel einigermassen beherrscht wurde, wechselte das perfide Programm in den Bassschlüssel.

Was Kurt Hiltawsky mit seiner Klarinette anstellte, demonstrierte ich mit einer alten Aufnahme von Gershwins “Rhapsody in Blue“,
Dirigent Kurt Masur. (1) Das waren noch VEB Zeiten!
Ganz andere, alte Tonaufnahmen mit Monty Sunshine, (2) noch älter mit Benny Goodman (3) oder Sydney Bechet (4) lagen Mowgli weit näher.

Auf die Dauer genügten PC und Maus nicht mehr und ich kaufte ein Keyboard. Dort suchten wir erst nach dem C. Aus dem Internet druckte ich
“Happy Birthday“  und er begann relativ harzig zu lesen und zu spielen, jeden Tag ein Bisschen besser.
Eines Abends, beim Essen im Restaurant Regenwald, feierte jemand Geburtstag. Zum ersten Mal hörte er die ihm bloss vom Üben bekannte
Melodie. Das war der Durchbruch zum Sieg über die tückischen Noten.

Zur Zeit sind in der Schule täglich Prüfungen. Kurzerhand wurde der Musikunterricht für mehrere Wochen eingestellt. Nach meiner Meinung sollte
Mowgli sich täglich eine halbe Stunde mit der Klarinette beschäftigen, so dass Atemtechnik und Fingerfertigkeit erhalten bleiben.

Wenn er weiter vom Instrument begeistert bleibt, schreibe ich aus all diesen Gründen demnächst ein Inserat:
„Klarinette zu kaufen gesucht.“
Im Notfall könnte ich sie gegen Lao Khao eintauschen! Diese Instrumente beherrsche ich ausgezeichnet, denn Flaschen haben nur ein Loch.
Je mehr Löcher, desto komplizierter wird die Angelegenheit für mich, beispielsweise Frauen. Doch sie vermitteln den bunten Abenden am Reisfeld
viel Farbe. Und wenn dann unverhofft der elektrische Strom und damit die Beleuchtung ausfällt, sind schlagartig alle Katzen grau.

Facts, not Fiction aus anderen Galaxien.

Low

(1)
CD: DGG Favorit, Rhapsody in Blue, 423 771-2

Mit Paola Bruni:

oder

(2)

(3)

(4)





« Letzte Änderung: 24. September 2010, 13:15:19 von Low »
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Grüner

  • ist TIP-süchtig
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.913
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1225 am: 24. September 2010, 15:48:11 »

Anspruchsvolle MUSIK in Thailand ist was für ne extreme Minderheit. In Klassik-Events in Bangkok treffe ich immer die gleichen Leute. An langsamen Stellen und in Pausen wird grundsätzlich vorzeitig geklatscht und am Ende des Konzerts stehen ALLE Thais schlagartig auf, wie von der Tarantel gebissen, und rennen vor jeder Zugabe (die gibt s nur wenn überproportional Farang-Publikum da ist, die sitzenbleiben) schnurstracks zum Ausgang. Die sind in IMMER so, auch bei ihren eigenen Musikhelden.

Verstehen tun hier nur ganz wenige was von dem, was sie hören. Ich habe EINEN Thai kennengelernt, der von klassischer Musik Ahnung hatte und nicht nur mit Hörensagen-Wissen angab. Bei JAZZ kennen sie manchmal ein paar Namen, von denen sie glauben, daß ein gewisser King mit ihnen gespielt hätte. Einer, der mir das mal erzählen wollte, verwechselte Glenn Miller mit Louis Armstrong.

In einem schwarz eingebundenen Buch steht, was von der Hausmusik in einem bestimmten Palast zu halten ist, vielleicht wurde das Buch deswegen in Th. verboten.

Es ist bei Musik wie beim WEIN: Reiche Pinkel lernen ein paar möglichst teure französische Namen auswendig, mit denen sie dann um sich werfen, um ihre Landsleute zu beeindrucken..

Den folgenden Vorschlag erlaube ich mir nach hierher umzuleiten, weil er aus formalen Gründen bemerkenswert ist:

Wie bereitet Ihr den Kaffee zu ?

Irish Coffee: 99,99 % Whiskey.
Ich reagiere allergisch auf die Bohnen.

Jeder andere TIPIANER hätte WHISKEY mit 99%iger Wahrscheinlichkeit falsch geschrieben.
Gespeichert

supawan

  • ist voll dabei
  • ****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 413
  • Miau
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1226 am: 24. September 2010, 17:17:59 »




Jeder andere TIPIANER hätte WHISKEY mit 99%iger Wahrscheinlichkeit falsch geschrieben.




  {; Die haben nur mit 99,99% Sicherheit 1 Glas Schnaps zuviel   [-]  }{


Gespeichert
aber hallooooo,wir können auch anders

namtok

  • Thailand Guru
  • *******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 30.503
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1227 am: 25. September 2010, 14:21:45 »

Dann halt einen Kosakenkaffee  [-] Das schreibt sich leichter  {{
Gespeichert
██████  Ich sch... auf eure Klimaziele !

Kern

  • Globaler Moderator
  • Thailand Guru
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 17.726
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1228 am: 25. September 2010, 16:22:43 »

Whiskey: Schreibweise z.B. in Irland und USA

Whisky: Schreibweise z.B. in Schottland

Wischi: Schreibweise nach ausgiebigem Genuss von Irish Coffee (nach Lows Rezept).   :-)
Gespeichert

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Still going strong in Hinterindien
« Antwort #1229 am: 26. September 2010, 15:46:53 »

... still going strong                                                                                                                                                              24. – 26. Sept. 2010

Danke Grüner für die Blumen und den Musikkick.

Wie es scheint, beschäftigen die Destillate (geistige Getränke) und ihre Schreibweisen die Geister mehr, als kulturell gefärbte bunte Abende.  
Meine Meinung ist: „Whiskey buchstabiert man nicht, den trinkt man.“

Betreffend Schnaps würde ich Tipianern kaum Vorwürfe machen. Der Grund ist:

“As the world's greatest whisky house we're known for our big flavours and expert blends,“ schreiben die bereits blauen Experten des weltweit
grössten Produzenten, die - mit dem Kerl mit Hose, Spazierstock, Hut und der schneidigen Gangart, “still going strong.”
Die erklärten offenbar nicht nur den Lebern den Krieg, sondern ebenfalls der  Schreibweise. Eine Flasche Black Label am PC hätte ich nicht
unbedingt ausgetrunken, dagegen sicher die Etikette kopiert.

Whisky ist eine Kurzform von usquebaugh. Der Austruck stammt aus dem Gälischen. (Irish uisce beatha und Scottish uisge beatha). Diese
Bezeichnungen kommen von den altirischen Wörtern  uisce, "Wasser", und bethad, "des Lebens". Aqua vītae, wie der Lateiner sagt.


                                                                                                          * * *

Dick kaufte heute wieder Kaffeeersatz für Abende am Reisfeld, ein Fläschchen Highland Single Malt aus Ross-Shire. Die schreiben noch
anständiges Deutsch auf ihre Ware!

Das Gewandhausorchester erlebte ich im Nationaltheater in Singapore. Leider   nicht mit Rhapsody in Blue.  Am 29. November 1971 sass ich
für 10 Singapore Dollars in Reihe 1, Sitz 48.
Es wurde ein unvergessliches Erlebnis mit Kompositionen von Bach, Mozart und Haydn. Die Herren schwitzten openair im Frack. Über uns
die Sterne. Aus der Ferne dröhnten Motoren in die heiss feuchte Tropennacht.

Kaffee? Ist wirklich Geschmackssache! Als ich als Teenager dem Tod ins Auge schaute, testeten eifrige Ärzte meine Sinne mit verschiedenen
Gerüchen. Irgend ein mit Stethoskop bewaffneter, bebrillter, bösartiger und bärtiger Kerl hielt mir einen Löffel mit Kaffeepulver unter die Nase
und fragte arglistig:
„Was ist das?“
Ich antwortete:
„Ich liebe den Geschmack, meine Eltern benutzen das Zeug täglich. Ich kenne den Namen leider nicht, weil mich das Getränk krank macht.“
Mein und Dicks Gaumen kennen dafür den Unterschied zwischen blended und single malt.
Bohnen (nicht Kaffeebohnen): Gekocht, als Salate sind die ebenfalls am Reisfeld sehr bekömmlich.


http://www.johnniewalker.com/global/home/

http://de.wikipedia.org/wiki/Whisky
« Letzte Änderung: 26. September 2010, 15:52:06 von Low »
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.
Seiten: 1 ... 81 [82] 83 ... 121   Nach oben
 

Seite erstellt in 0.086 Sekunden mit 23 Abfragen.