Aufbruch zum Lhotse
Was arbeiteten denn all die Menschen? Die meisten waren Spezialisten in einem kleinen Verantwortungsbereich. Waren sie in Grossprojekte
eingebunden?
Leider nein. Die Leute bearbeiteten meist wenig interessante Gesteinsproben von Ölgesellschaften. Die wollten bloss Resultate sehen und
lieferten selten genaue Daten über den Ursprung des Materials.
An den Massenspektrometern wurden internationale Vergleichsstandards gemessen, um zu überprüfen, wie genau und mit welchen Fehlern
die Resultate reproduzierbar waren. Da gab es ein Sorgenkind: Der Biotit Bern 4 B. Irgendwie war der unmessbar. (9)
Jim berief eine Sitzung ein. Er wollte Berichte von sämtlichen Stellen über Tätigkeit und Resultate. Insbesondere verlangte er, dass dieser
Standard aus Barn, (wo war diese miserable Scheune eigentlich?) endlich gemessen wird, denn was andere können, können wir auch.
Darauf hatte er einen Termin im Hochhausbüro von Daddy.
Er bedankte sich nochmals herzlich für den Einsatz und die unerwartete Grosszügigkeit aller Beteiligten.
Jim war nachdenklich, wurde sehr leise und meinte zu seinem Vater und Gönner:
„Wir verfügen über die besten Geräte. Die Mitarbeiter sind motiviert.
Was uns fehlt ist ein Grossprojekt, das international für Aufsehen sorgt.“
In Vaters Büro hing ein Kalender an der Wand. Das Bild zeigte wild vereistes Gebirge mit schroffen Felswänden unter stahlblauem Himmel.
Der Kommentar darunter: Lhotse, Himalaya.
„Da gibt es haufenweise Steine und viele offene Fragen,“ meinte Jim beiläufig, ohne viel zu Überlegen.
Daddy kratzte sich im schütteren Haar und sagte:
„Letzte Woche traf ich meinen Schulfreund Peter in Washington. Er arbeitet beim Aussenministerium und CIA. Die haben Probleme in der
Himalaya Region. Er könnte dir unter günstigen Umständen bei der Beschaffung von einigen Kieseln für dein Grossprojekt behilflich sein.“
Darauf griff er zum Telefon, während Jim sich einen Wrigley genehmigend, zu einem Treffen mit einem anziehenden, sich ausziehenden,
silikonverstärkten Countrygirl eilte.
Nach vielen Knacken in der Leitung und reichlich Sekretärinnen und Telefonistinnen hatte er Peter am Apparat. Sehr schnell kamen sie zum
wesentlichen Punkt.
„Peter, wie ist es in Napoli?“
„Ach, du meinst wohl Nepal.
Das ist ein verdammtes Problem!
Die Kommunisten sägen wieder einmal an einer Demokratie.“
Offenbar waren die selbsternannten Weltpolizisten in Washington ahnungslos, dass in Nepal ein Königshaus die wesentlichen Entscheide fällte.
„Peter, du erinnerst Dich, mein Sohn ist Erdwissenschaftler.
Er interessiert sich für Gesteinsproben aus dem Himalaya.
Gibt es für ihn einen Weg dahin?“
„Hey Man, das ist sehr, sehr interessant. Ich rufe Dich zurück! Thanks and bye.“
Das Aussenministerium und die CIA waren wahrlich erfreut über eine amerikanische wissenschaftliche Expedition ins ferne Nepal. Bei dieser
Gelegenheit würden sich problemlos einige zusätzliche CIA Beobachter ins Land schleusen lassen.
In unglaublich kurzer Zeit erhielten Jim und seine Gruppe die erforderlichen Genehmigungen und Visa.
Bombay
Jim reiste als erster. Er machte in Bombay, seit 1995 Mumbai, gummikauend einen Besuch in einem spezialisierten Laboratorium für Blei Isotope
aus dem Himalaya.
Seine Lendengegend schmerzte, wenn er die glutäugigen, gertenschlanken Inderinnen mit den tiefschwarzen Haaren in ihren bunten Saris
studierte.
Die Forschungsstätten befanden sich an einer stark befahrenen Strasse in einem schäbigen Bau. Einige Fenster waren geöffnet. An anderen
schepperten und brummten Klimaanlagen. Im Blei-Chemie Labor waren die Fenster weit aufgesperrt. Ein Kredit fehlte, um das defekte Klimagerät
zu ersetzen oder zu reparieren.
Im gekühlten Massenspektrometer-Raum waren die Temperaturen weit erträglicher, als in der heissen Hölle der Bleispuren Chemie.
Eine verdiente Wissenschaftlerin aus Europa fand an Ort später heraus, dass die Leute mindestens für Monate ihre Bleispuren-Analysen
vergessen mussten.
Benzin war damals verbleit. (10) Das Blei der Treibstoffe gelangte mit der allgemeinen Luftverschmutzung durch die geöffneten Fenster ins
Chemie Labor. Dort vermischte sich das Treibstoffblei mit den Spuren aus den Gesteinen. Alle gemessenen Isotopenverhältnisse erwiesen
sich damit als reine Telefonnummern.
Die Empfindlichkeit gegen Verunreinigungen wird deutlich, wenn man weiss, dass aus vielen Kilogramm Gestein knapp ein millionstel Gramm
messbare Probe gewonnen wird. Heutzutage genügen Mengen im Pico-Gramm (10E-12) Bereich für zuverlässige Messungen.
Die Kontaminationsgefahr wurde nicht geringer. (11)
Global
Die Erfahrung aus Bombay zeigt:
Gewissenlose Wissenschafts-Päpste mit wertlosen Analysen schwatzen der Menschheit immer wieder neuen grossartigen Unsinn auf.
Zwei Stichworte: Waldsterben und Influenza Pandemie.
(9)
http://de.wikipedia.org/wiki/Biotit(10)
http://de.wikipedia.org/wiki/Tetraethylblei(11)
http://de.wikipedia.org/wiki/Uran-Blei-DatierungBeinahe ging das
Fortsetzung folgt ...
vergessen.