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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 449394 mal)

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unsichtbar

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1275 am: 29. Oktober 2010, 13:10:15 »

Und Schlafwandler auch...

Ein guter Freund von mir musste wegen eines Verkehrsunfalles vor Gericht. Im Land des verschlafenen Lächelnds.
Vor der Verhandlung sollte er einen umfangreichen multiple-choice Fragebogen ausfüllen, mit allerhand Fragen bezügl. persönlichem Umfeld und der aktuellen Lebenssituation.
Darunter auch die harmlose Frage nach Hobbies, worauf einige zum ankreutzen aufgelistet wurden. Ein kleiner "Aha"-Effekt wiederfuhr meinem Freund als dort, unter den Hobbies auch "schlafen" zur Auswahl stand.
Schlafen als reguläres Hobby, das sagt einiges über die Mentalität dieses Volkes aus.

In Deutschland stünde dort evtl. "Briefmarken sammlen", oder "Gerichtsverfahren gegen den Nachbarn anstrengen". Hier in Thailand kann Schlafen auch aktiv als Hobby betrieben werden. Aha! Das erklärt doch einiges.


Low, um drohenden irreparablen Dachschäden im voraus aus dem Weg zu gehen, solltest du eventuell über ein neues Hobby nachdenken. Überleg es dir und schlaf mal eine Nacht darüber...
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Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen.   (Loriot)

Antares

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1276 am: 30. Oktober 2010, 04:21:39 »

Hallo miteinander, ich habe gerade ein schönes Zitat wiedergefunden, es passt zwar nicht so recht an diese Stelle aber hier ist es trotzdem:

"Ich glaube, dass manche Menschen fern von ihrer wahren Heimat geboren wurden. Der Zufall hat sie in eine bestimmte Umgebung gestellt, aber sie haben stets Heimweh nach einer Heimat, die sie nicht kennen. ...
Manchmal stösst ein Mensch auf einen Ort, dem er sich sich auf geheimnisvolle Weise verbunden fühlt. Hier ist die Heimat, die er suchte, und er wird sich hier niederlassen in Gegenden, die er nie zuvor gesehen hat und unter Menschen, die er nie zuvor kennengelernt hat, obwohl sie ihm seit seiner Geburt vertraut sind."

W. Somerset Maugham

Schönes Wochenende + Feiertag

Marcus
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Low

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Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1277 am: 30. Oktober 2010, 23:49:57 »

Danke.

Heimat ist dort, wo ein Herz etwas bewegen kann.
Seien es bloss Fäkalien in einem Kunststoffkübel.
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Low

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Jesus in der Gummizelle
« Antwort #1278 am: 04. November 2010, 12:32:07 »

Gibt es Begegnungen der dritten Art?
Pauwels und Bergiers Buch: “Aufbruch ins dritte Jahrtausend. Von der Zukunft der phantastischen Vernunft,“ zeigt die Beschränktheit unseres
Denkvermögens an Hand einiger amüsanten Geschichten. (1)  

Was ist normal? Wo beginnt der Wahnsinn?
Das sind Fragen, die ich mir nicht nur beim Lesen in Foren öfters stelle. Haben Delirium und Ekstase eine bestimmte Farbe?
Eine eher quälende Erfahrung der letzten Tage zeigt Wege in und aus dem Abgrund.


Jesus in der Gummizelle                                                                                                                                  18.  -  27. Okt. 2010

Der Titel ist eine Provokation. Für die Gläubigen, die Gutgläubigen und all die Ungläubigen, die Religion als Nebensache im grenzenlosen Raum
stehen lassen.
Ein Mann um die Dreissig muss die Welt erretten. Beispielsweise vor dem Weltuntergang am 21. 12. 2012. Seine Güte ist im Prinzip grenzenlos.

Jesu Zielvorstellung anhand übermittelter aufgezeichneter und von unzähligen Kanzeln lautstark verbreiteter Botschaften, war dagegen bloss  
die Erlösung, die Übernahme einer raffiniert konstruierten Schuld. Ähnliche Kompositionen waren in der Vergangenheit zur Erhaltung von
Machtstrukturen und zum Auslösen bewaffneter Konflikte durchaus üblich.

Einige Auszüge aus aktuellen, fragwürdigen Mails des Möchtegern-Wohltäters lassen aufhorchen. Es könnten teilweise Leserbriefe aus der
Regenbogenpresse sein.
„Danke, dass du mir mit den Schutzengeln die Augen geöffnet hast. Wie kann so etwas passieren? Zombies in London. Alien greifen uns „Engel,“
also Menschen an. Was geht da eigentlich vor?
Wie kann ich einen Buddhisten, bzw. Thailänder, der mit  den Engeln sprechen kann, holen?
Gemeinsam retten wir beide alle Menschenleben und die Natur mit all den Tieren.
Ich habe wirklich nicht mehr viel Zeit, aber gemeinsam schaffen wir all das.“


Wie retten wir diese Welt?
Wir könnten anstelle von Düsenjets Segelflieger benutzen.
Ganze Wälder könnten weiter wachsen, wenn Zeitungen weniger Lügen verbreiten würden.
Wir sollten Motoren konstruieren, welche durch Unwahrheiten und schlechte Energien angetrieben werden.

Das auserwählte Medium hörte Stimmen und Nachrichten aus mir verschlossenen Quellen. Er fürchtete sich vor seinem angekündigten
frühzeitigen Tod.
Gleichzeitig war er ahnungslos, wie er seine komplexe Aufgabe lösen sollte. Deshalb reiste er hilfesuchend nach Thailand. Er benötigte dringend
die Hilfe und den Rat eines unermüdlich beklickten Foren-Schreiberlings.

Unser erster Tempelbesuch war entweder gänzlich überwältigend oder eine grosse Katastrophe. Seine neueste Kamera überlebte jedenfalls
keine zehn Minuten in den provozierenden Spannungsfeldern lanna-buddhistischer Architektur.
Ehrfurchtgebietende, riesige bewachende Naga (2), erhabene Buddhafiguren überall in versteckten Winkeln und Nischen, unter schatten-
spendenden Bäumen inmitten riesiger Farne und Bromelien; filigrane, vergoldete High-Tech Links ins Nirwana, die attraktivsten Antennen
dieser Welt auf fast exponential geschwungenen mehrstufigen Steildächern der rot-goldenen Gebäude, hinterliessen vielleicht ausser-
gewöhnliche Eindrücke in einem nach Lösungen suchenden, notleidenden Geist.

                                                                                                          o

Viele Leser kennen die lebensgefährlichen elektrischen Wassererhitzer, welche in den meisten Badezimmern ohne Schutzleiter an die Wände
geschraubt sind. Üblicherweise ist ein stahlarmierter Gummischlauch mit zwei Muttern mit Halbzoll-Gewinden am Erhitzer und an einem Wasser-
anschluss befestigt. Dort fliesst in der Regel das noch kalte Duschwasser.

Unser Retter entdeckte nach einigen Tagen den armierten Wasseranschluss. Er war ihm als neu Zugereistem unbekannt. Er erkannte gleich
das Böse, die Gefahr des Unvollkommenen und all die negativen Kräfte dieser Verbindung. Ohne jegliche Zweifel an seiner Tat, riss er kraftvoll
die Verbindung gleichzeitig  aus beiden Verankerungen und war damit auf dem besten Wege, die Menschheit zu erretten.

In unserem Haus wäre das bloss Sachbeschädigung gewesen. Der Beschützer jedoch verschaffte sich nach drei Mahlzeiten und einer überflüssigen
Stärkung bei KFC gewaltsam Zugang zu einem fremden Haus. Er nahm jedoch an, es sei seine Unterkunft. Er verletzte die sich widersetzende
Bewohnerin leicht und setzte sein segensreiches Werk sogleich im Badezimmer mit seinem bereits erprobten Handgriff fort. Danach war die halbe
Elektronik in der elenden Hütte am Absaufen!

Sofern der Weltuntergang 2012 stattfindet, sind die Ordnungshüter in Chiang Mai und ich schuld daran.
Wir lieferten den Wohltäter anfänglich gegen seinen Willen in die Psychiatrie ein. Dort beruhigte er sich hinter wenig dekorativen Stahl-Gittern,
unter schreienden, johlenden und wild gestikulierenden, teils onanierenden, meist durch Alkohol und Drogen schwer geschädigten, geistig
umnachteten Wesen. (3)
Bereits einen Tag später durfte der Patient in eine angenehmere, immer noch streng überwachte Umgebung umziehen.
Alles lief gut, bis er die menschheitsbedrohende Duschbrause an der Decke im Badezimmer bemerkte. Die konnte er mit sämtlichen Tricks nicht
herunterreissen. Die Folge war ein katastrophaler Wutanfall.

Darauf verbrachte der verhinderte Helfer der Menschheit einige Zeit in einer Gummizelle, wie er mir lächelnd berichtete.
Die Welt in dieser Form kann er kaum bewahren.
Hoffentlich gelingt es ihm, sich letztendlich selbst vor dieser Gesellschaft aus Haien, Blutsaugern, Bankern, Politikern, anderen Betrügern und
vielen falschen Heilsverkündern zu schützen.

(1)
http://www.amazon.de/Aufbruch-Jahrtausend-Zukunft-phantastischen-Vernunft/dp/3442140153
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Naga_(Mythologie)
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Einer_flog_%C3%BCber_das_Kuckucksnest

« Letzte Änderung: 04. November 2010, 13:10:27 von Low »
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Kern

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1279 am: 05. November 2010, 10:17:36 »

Kraeftiger Applaus!
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Kern

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1280 am: 06. November 2010, 09:08:59 »

Zu Mowglis Gedaechtnisleistungen faellt mir ein kleines franzoesisches Bonmot ein:

Schueler hoeren nur die Haelfte von dem, was die Lehrer sagen.
Sie begreifen die Haelfte von dem, was sie gehoert haben.
Sie behalten die Haelfte von dem, was sie begriffen haben,
und sie nutzen die Haelfte von dem, was sie behalten haben.   :-)
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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1281 am: 06. November 2010, 19:49:42 »

Antwort @ Kern

Hallo Achim

Dein Zitat war nicht vollständig:
-   also letzten Endes herzlich wenig.
Francois Lelord, Hector und die Entdeckung der Zeit

Eine Diskussion ist unmöglich mit jemandem, der vorgibt, die Wahrheit nicht zu suchen, sondern sie schon zu besitzen.
Romain Rolland

Ich suche noch.
Low
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Kern

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1282 am: 06. November 2010, 21:51:27 »

Hallo Low


Touche. Genau der war es.

Und wieder bin ich beeindruckt.


Gruss  vom suchenden Achim
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Low

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Reis aus Hinterindien
« Antwort #1283 am: 09. November 2010, 18:51:00 »

Reis

Wir ernähren uns nicht nur von Brot, Pasta und Kartoffeln.
Unser bescheidener Reisvorrat in beiden Küchen ging zur Neige. Wir hatten die Qual der Wahl, neuen Reis zu besorgen.

Das erinnerte ich mich an meine erste Bahnfahrt zu Beginn der siebziger Jahre von Bangkok nach Butterworth, Malaysia. (1) Der Express dieselte
in den frühen Morgenstunden mit etwa vierzig Kilometern pro Stunde im Süden Thailands durch Reisfelder, deren grün ich nie vergass.
Ich sagte mir, diese relativ unangenehme, vor allem lange Bahnreise mache ich nie wieder.
Der Kluge reist im Zuge, der Gescheite jettet in die Weite.
Dennoch bestätigten zwei weitere Bahnreisen meine frühere Beobachtung. Es gibt im Norden viele Reisfelder. Die Intensität der Farben ist
aber, ähnlich den Lichteffekten in der Provence, nicht vergleichbar. Unvergessliche Farbkleckser im Süden wie im Norden dagegen waren die
Arbeiterinnen und Arbeiter in den Reisfeldern. Schon deren Hüte sind beachtenswert.
Getragen werden Spitz-Hüte, die in der Seitenansicht einem Dreieck ähneln. Sie sind von China über Vietnam bis nach Indonesien verbreitet.
Weiter beobachtete ich grosse geflochtene, sombreroartige, schattenspendende Kopfbedeckungen.
Den Thai-Superhut mit eingebauter Klimatisierung sah ich im Reisfeld eher selten. Dagegen tragen ihn die Frauen auf den schwimmenden
Märkten öfters. Ein geflochtenes Gestell auf dem Kopf trägt einen wundervoll geformten Schattenspender. Das entstehende Luftkissen
zwischen Hut und Kopf wirkt äusserst angenehm. Dieser Hut wurde in den Weingärten des Lavaux getestet und eindeutig als Sieger beurteilt.

Ich hatte verschiedentlich die Gelegenheit, die faszinierenden Arbeiten in den Reisfeldern von Indonesien bis Thailand zu beobachten, vom
Setzen der Pflanzen bis zur Ernte und dem Dreschen. Wenige Bilder, diese Diapositive wurden leider mit etwa 15 000 anderen entsorgt, sind
nur noch im Kopf vorhanden:
Im Vordergrund ein kleiner Bauer mit zwei mächtigen Wasserbüffeln an der Leine im Schlamm, auf einem schmalen Damm trippeln einige Frauen
in Sarong Kebaya (2) und Kinder als Farbtupfer in Einerkolonne, im Hintergrund grüsst statisch die kolossale Tempelanlage von Borobodur. (3)
Während in den ersten Jahren hier am Dorfrand noch von Hand gedroschen wurde, benutzten die Leute bald Maschinen für die harte Arbeit.

Reis wird aus der Reispflanze, (Oryza sativa) gewonnenen.
Das deutsche Wort Reis stammt aus dem mittellateinischen risum, das dem lateinischen oriza entspricht.
Im chinesischen Mandarin wird Reis dào oder mifàn genannt. Das erste Wort ist die botanische Bezeichnung. Das zweite bezeichnet den Reis
als Nahrungsmittel.
Die Wichtigkeit von Reis im täglichen Leben in China läßt sich aus dem Gruss:
„Che fan la ma,“ essen reis, Vergangenheit la, Frageform ma, erahnen. Etwas verständlicher, weg vom chinesischen Telegrammstil :
„Hast du Reis gegessen?“

Reis hat zwei Wildformen: Oryza rufipogon, einjähriger, klassischer Wildreis und mehrjährigen Oryza nivara . Beide sind untereinander und mit
domestiziertem Reis kreuzen.
Die nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung wichtigsten Unterarten von Oryza sativa sind:
Oryza sativa ssp. indica,    Langkornreis wie Patna-Reis, Basmati-Reis
Oryza sativa ssp. japonica, Langkornreis, auch Klebreis sowie Risotto-Reis
Oryza sativa ssp. javanica, Mittelkornreis
Oryza sativa var. glutinosa wird zum Beispiel in China oder Thailand angebaut.

Die Kulturreispflanze bildet bis zu 30 Halme aus. Sie werden 50 bis 160 cm hoch und tragen schmale überhängende Rispen. An ihnen sitzen
80 bis 100 einblütige Ährchen. Eine Pflanze trägt damit bis zu 3000 Früchten.
Ein Kilogramm Reis hat je nach Korngrösse etwa 30 000 bis 60 000 Körner.
Die Frucht besteht wie bei andern Getreidearten aus Keimling, Mehlkörper, Aleuron- oder Wabenschicht, Samenschale und Fruchtwand. Beim Reis
werden die drei letzteren Silberhäutchen genannt.

Wild gewachsener Reis wurde in Höhlen von Yuchan und in Xianrendong im Jangtse-Tal gefunden. Wilder Reis wurde vermutlich vor 8000
Jahren gesammelt.
Vermutlich domestizierter Reis wurde bereits in der Lijiacun-Kultur am Gelben Fluss, 7000–6000 v. Chr., in Hunan in der Yuchanyan-Kultur,
9000–8000 v. Chr., genutzt.
   
Seit 400 v. Chr. wird Reis in Mesopotamien angebaut. Bereits die Römer kannten Reis. Vermutlich wurde er aus Ägypten importiert. Die Mauren
brachten Reis nach Europa. Mit den Türken gelangte der Reis in den Balkan. Australien erreichte der Reis im 19. Jahrhundert
Reis wird seit dem späten 17. Jahrhundert in Nordamerika gepflanzt und wird seither in einigen traditionellen amerikanischen Reis-Gerichten,
wie rote Bohnen mit Reis, Jambalaya und Gumbo, zubereitet.

Achtzig Prozent der Weltreisernten werden im Nassreisanbau erzeugt. Pro Kilogramm Reis werden einige Kubikmeter fliessendes Wasser
benötigt. Fliesst das Wasser zu schnell, werden Bodenbestandteile und Nährstoffe abgeschwemmt. Fliesst es zu träge, bilden sich Algen.
Im Tiefland kann Nassreisanbau mit Bewässerung über Brunnen zu sinkendem Grundwasserspiegel führen.
Die chinesische Regierung verbot rund um Peking den Reisanbau, weil sich der Grundwasserspiegel bis zu drei Metern senkte.

Nassreisanbau ist sehr arbeitsintensiv, ermöglicht aber sehr viel höhere Erträge als das Streusaatverfahren. Die Arbeitsgänge sind:
- Die Aussaat in ein relativ trockenes Pflanzfeld. Es zeigt sich, dass der Reis keine echte Wasserpflanze ist. Direkt ins Wasser gesät, keimt
  er kaum.
- Die Durchmischung des Bodens auf dem Reisfeld mit Wasser, meist mit Pflügen hinter Motoren oder Wasserbüffeln.
- Das Umsetzen der Setzlinge vom Pflanzfeld in das Reisfeld per Hand. Seltener mit Setzmaschinen.
- Die Bewässerung der Felder während der Wachstums- und Reifezeit.
Probleme entstehen, wenn der Wasserspiegel während der Regenzeit zu stark ansteigt oder wenn der Monsunregen zu gering ausfällt.
 
In den Bewässerungsgräben der Reisfelder gediehen in einigen Regionen  Kleinfische und Krustentiere. Sie waren oft die einzige Proteinquelle
der Bauern. Durch Pestizideinsatz wurden diese Lebewesen leider weitgehend ausgerottet.    
- Nach etwa vier bis sechs Monaten werden die Felder trockengelegt. Die Ernte erfolgt mit Hand-Sicheln oder Sichelringen,
- Die Bündelung der Pflanzen und Abtransport oder Dreschen vor Ort.
- Das Stroh wird leider meist auf den Feldern verbrannt. Das führt bei uns zu intensiven Ascheregen.

Man berechnete, dass der Nassreisanbau 17 Prozent des Methans in der Erdatmosphäre erzeugt. Das sind jährlich etwa 60 Millionen Tonnen.
Dies entspricht dem Wert von etwa 300 Millionen Tonnen Kohlenstoff, beziehungsweise 1,1 Milliarden Tonnen CO2.
Methan ist nach CO2 das wichtigste anthropogene Treibhausgas. Durch die Wässerung des Bodens entsteht ein fast sauerstofffreier Lebens-
raum für anaerobe  Archaea, Methanbildner. Die Methanerzeugung lässt sich etwas reduzieren, wenn man den Boden austrocknen lässt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Reis
(1)
http://en.wikipedia.org/wiki/Butterworth,_Penang
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Sarong_kebaya
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Borobudur



Fortsetzung folgt
« Letzte Änderung: 09. November 2010, 19:09:47 von Low »
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Cee

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1284 am: 09. November 2010, 22:47:44 »

@ Low Heute um 18:51:00

Ich freue mich oft an Zufällen.

Der von Dir beschriebene "Thai - Superhut", der nach Dir selbst in den Weingärten der Lavaux
getestet und eindeutig zum Sieger gekürt wurde, diente mir hier im Hausbau - Thread als
Vorbild für ein optimal unterlüftetes Dach. Dessen Umsetzung in Architektur, ist für mich
ein Baustein in die Richtung zu einem angenehmen Raumklima in den Thai - Häusern, das
ohne den Einsatz von Kühlgeräten.

Von den Bauern lernen!

 :)
Cee
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Low

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Reis-Brei und Reise-Brille
« Antwort #1285 am: 10. November 2010, 22:11:46 »

@ Cee

Danke, dass die Hutmodenschau Dein Interesse weckte.
An der Westküste von Malaysia, zum Beispiel in Port Dickson, haben viele Häuser Kamine, welche alleine der Luftumwälzung dienen. Dabei ist
dort das Klima weit gemässigter, als etwa im Raum Chiang Mai mit kalten Wintermonaten und extrem heissem April-Mai.

Ich bedaure meine häufigen Fehler. Ich kann gegenwärtig kaum lesen und schreibe praktisch blind.
Das führt zu Sätzen wie:
Reis wird aus der Reispflanze, (Oryza sativa) gewonnenen. Es sollte heissen:
Reis wird aus der Reispflanze, Oryza sativa, gewonnen.
Eigentlich wollte ich gleich nach dem überstandenem Dengue Fieber eine neue Brille mieten. Ob sich in meinem Alter ein Kauf noch auszahlt?
Am 18. Oktober landete ich unerwartet anstatt beim Optiker in der Psychiatrie. Aber bis am nächsten Montag sollte die neue Sehprothese bereit
sein.
Dann werden meine Fehler nicht mehr optisch, sondern nur noch geistig bedingt sein.

Der Reis-Brei wird demnächst fortgesetzt unter Verwendung einer Reise-Brille.
MfG
Low
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hmh.

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1286 am: 10. November 2010, 23:01:06 »

Heute Nacht bin ich fertiggeworden mit der Vor-Redigierung der Low'schen Beiträge.

Einschließlich Antworten, die zum Verständnis nötig oder manchmal auch nur gut sind, runde 550 Seiten A 4 in 10 Punkt. (Ich mach das garantiert nie mehr...)
250 Seiten wurden rausgeschmissen, darunter aber vorerst kein einziger Beitrag von Low.

Allerdings hatte ich selten beim Redigieren eines Buches so viel Spaß wie bisher bei den Geschichten aus Hinterindien. Beim Redigieren muß man alles lesen und manche Perle, die mir früher entgangen ist, erreichte mich erst jetzt.

Hier ein paar willkürlich herausgegriffene:

Zitat
Ich schaltete den PC ein, riß die Tastatur einer hungrigen Ratte aus der Schnauze und schmierte die Maus mit Gleitfett. Nun mache ich Fingerübungen bis um siebzehn Uhr. Dann hole ich mir ein Bier aus dem Kühlschrank. Nachher beginne
ich mit dem Tippen der nächsten Geschichte.
  Warum ich das schreibe?
  Ganz einfach.
  Der neuen Trend bei den Tagebüchern ist, daß man seine Beiträge ankündigt.

Ganz großes Kino in vier Zeilen:

Zitat
Als ich ihn wieder sah, erkundigte ich mich sofort nach seinem Gesundheitszustand.
„Es geht mir blendend,“  meinte er.
„Du machst nicht mehr in die Hose?“ fragte ich.
Er erwiderte: „Doch, aber jetzt habe ich Freude daran.“

Das gnadenlos wirkliche Leben:

Zitat
Eines Tages, früher oder später, entdecken einige Stammgäste Risse und Flecken im Theatervorhang. Sie treten in einen groben Holzsplitter aus dem schlecht gehobelten Bühnenboden. Der schmerzt im Fuß und eitert. Mißmutig bemerken sie leere Eiskremtüten und Popkornverpackungen unter den Sitzgelegenheiten im nicht sonderlich sauberen Zuschauerraum. Es mieft von den Toiletten. Die Schminke in den Gesichtern der Schauspieler ist nicht echt. Sie war es nie.

Bildhafte Beschreibungen hinterindischer Genialität (Copyright khun mai ru):

Zitat
An ein Ereignis in der Nähe des laotischen Grenzgebietes erinnere ich mich gut, als wir wenige Tage in einem kleinen Weiler lebten. Die Mentalität der ungeschulten Menschen bedrückte mich. Sie hatten alle genug zu essen und beschäftigten sich schmatzend, rülpsend, furzend, mit schmierigen Händen ausgiebig damit. Sie standen früh mit den Hühnern auf und vertrödelten dann den Tag mit gelegentlichen Schlüpfrigkeiten, Nickerchen, Fickerchen und viel Schnaps, bis sie in der Dunkelheit vor dem TV wieder einschliefen.

Und noch ein paar gelungene Sätze:

Über die fetten Weiber der birmanischen Blutsauger-Elite:

Zitat
Sie trugen alle soviel Goldschmuck, daß sie Plattfüße hatten.

Zitat
Jeder Furz war ein 3D-Spektakel.

Zitat
Es genügt nicht, keine Ideen zu haben, man muß auch fähig sein, sie auszudrücken.

Zitat
Als vorausschauender Pessimist

Mit Grüßen an die Lannarierin, möge sie noch lange die BEFRAZ, die beste Frau aller Zeiten (Copyright Low), bleiben.

Und Dir weiterhin einen harten Schädel mit immer gesunder Gehirnmasse. :-X

Gruß Hans  :)



PS: Fast hätte ich es vergessen: Das Buch ist natürlich noch lange nicht fertig, da noch gar nicht angefangen... Geduld ist eine Tugend.
« Letzte Änderung: 11. November 2010, 05:57:19 von hmh. »
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Cee

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1287 am: 11. November 2010, 01:01:20 »

@ Low Gestern um 2:11:46

Zitat
"Ob sich in meinem Alter ein Kauf (einer Brille) noch auszahlt"

Kennst Du im Film "Das grosse Fressen" oder so, die Szene, als sie den alten, vestaubten,
vergessenen, in Spinngewebe eingeflochtenen Bugatti aus der Scheune schoben.

Einen von uns wird man nach seiner Zeit nicht mehr aus der Scheune rollen- können.

Tue alles, lieber Low, damit wir Dich weiterhin und noch lange geniessen können, versprochen!

@ hmh. Gestern um 23:01:06I

Ich habe ab Deiner Sammlung Low-scher Perlen, Tränen gelacht.

 :-[  :]
Cee

« Letzte Änderung: 11. November 2010, 01:10:32 von Cee »
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1288 am: 11. November 2010, 11:02:04 »

"Ich habe ab Deiner Sammlung Low-scher Perlen, Tränen gelacht."

...und das waren nur einige Perlen aus einm herrlichen Collier!!

Möglicherweise ist Low am Ende selber noch überrascht über einige seiner Juwelen ;)

Wolfram
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Tu ne quaesieris scire nefas quem mihi quem tibi finem di dederint

Low

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Grosse Schrift, Balsam fürs Auge
« Antwort #1289 am: 12. November 2010, 13:33:35 »

Grosse Schrift, Balsam fürs Auge

Hallo Hans,

besten Dank für Deine Arbeit.
Beim Lesen Deiner Zeilen dachte ich wirklich, wo klaute Low all diese Erleuchtung oder ist es der Lao Khao, der übermächtige Geist des Reises,
der meist unwahrnehmbar über den Wassern schwebt. Zudem umnebelt er dauernd meine hinfällige Partnerin und darauf unsere vereinten
Näbel.

Danke speziell für die Gross-Schrift. Balsam fürs alte Auge, wenigstens das Eine!

Bei den Zitaten stören mich teilweise die aus dem Zusammenhang gerissenen Einzeiler. Wie Bibelzitate stehen sie verloren im Raum und suchen
Heimat und tiefschürfende Interpretationen eines geschulten Referenten und geübten Rhetorikers.
Die erwähnte, schnoddrig klingende - dreidimensionale Darmsymphonie, bestehend aus umweltschädigenden Gasen, war eingebunden in ein
schicksalsträchtiges, unsichtbares Nebeneinandervegetieren verschiedener Kulturen auf engstem Raume mit baulichen Unzulänglichkeiten.
Diese wichtige Mitteilung, bringt das prägnant kurze Zitat: „Jeder Furz war ein 3D-Spektakel,“ nicht mit. Mein einziges verbliebenes Haar sträubt
sich und ich kann nicht darüber lachen!

Die Lannarierin stammt ursprünglich aus Laotistan, was sich bekanntlich nicht ausschliesst.
In meiner Briefmarkensammlung schätzte ich ein milde gezähntes Prachtstück, (1) in das ich mich total verguckte. Es war kein besonders teures
postalisches Wertzeichen. Nur bodenlos schön war es. Ich beherrschte mich damals und schleckte den Leim nicht weg.
Als ich die Sammlung aufgab und verschenkte, ahnte ich nicht, dass ich in ferner Zukunft laotischen Kleber möglichst mehrmals täglich aktivieren
würde.

Ewigen Schöpferkräften huldigend
Low

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Briefmarkentrennung


Die Fortsetzung von Reis folgt.
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