Lebensqualität 21. Januar 2010
Faktoren, welche die Lebensbedingungen in einer Gesellschaft, beziehungsweise deren Individuen bestimmen, nennen wir Lebensqualität.
Ein wesentlicher Faktor, vermutlich wird ihm zu hohe Bedeutung zugewiesen, ist der materielle Wohlstand. Dazu kommen andere Einflüsse
wie Bildung, Berufschancen, sozialer Status, Gesundheit und Umwelt. Lebensqualität umfasst unser gesamtes leben, denken und handeln,
ohne dass wir uns stets damit befassen.
Wer steht schon mit dem Gedanken auf: „Heute will ich Lebensqualität.“
Unser Geistesgut ist eher auf Alkohol, Bargirls, Chip-Tuning bis Pferdestärken, Zaster und Zinseszins ausgerichtet. Für einige Zeitgenossen ist
Lebensqualität all das, was sie bedingt durch ihre Geld- und Raff-Gier verpisst haben.
Die Welt wartete kaum auf mich. Nur wenige Auserwählte liebten mich. Die ersten fünfundzwanzig Jahre waren hart, sehr hart. Ich war kein
Wunschkind; Urlaubskind eines Soldaten, gezeugt in einer kalten Winternacht. Als ich es verstand, geiferte und keifte die Mutter über den
seinerzeitigen Mangel an Pfennigen und Präservativen. Die Grosseltern boten mir Liebe und Geborgenheit, Mangelware im Elternhaus.
Ein Sportunfall bedrohte mein Leben. Jahrelange Spitalaufenthalte folgten. Ich vertrödelte wenig Zeit mit Selbstmitleid. Lernen war angesagt.
Meine kleine Chance im Alltag zu bestehen, war einzig die bessere Qualifikation. Trotz allem wehten dann Winde der Verheissungen. Es lockten
Frauen, Freiheit, fremde Länder und Abenteuer. Doch meine Unabhängigkeit blieb stets eingeengt.
Der Nachahmungstrieb liess mich heiraten, Häuslein bauen, Bäume pflanzen, Kinder zeugen, unnütze Dinge sammeln. Die bessere Hälfte
verlangte nach immer mehr. Das Haus wurde ihr zu klein. Gleichzeitig bereitete es ihr zuviel Arbeit. Nachbars Gras war grüner. Meine Zeit mit
ihr war kommentarlos abgelaufen. Während Monaten wurden keine Worte erwidert.
Die Scheidung mit Trennung von Kindern und viel Krempel setzte mich brutal in die Nesseln der Realität. Die Winter danach waren kalt und
einsam.
Seit zehn Jahren ist das Klima milder geworden. Mich umschleichen keine helvetischen Universal-Möchtegern-Pädagogen mehr, nur noch
geldgierige Hyänen und Schakale. Kritisch betrachtet bin ich Gefangener in einem selbstgewählten, fast luxuriösen Knast. Ein Ausbruch wäre
sinnlos und schlicht unmöglich.
Bereits bei meiner Geburt kriegte ich offenbar lebenslänglich aufgebrummt. Aber ich will nicht jammern, denn manche leben in grenzenloser
Freiheit eingeschränkter als ich. Der Unterschied ist, sie bemerken ihre Sachzwänge nicht oder verdrängen sie.
Zwei unretuschierte Bilder, zwei Schnappschüsse, geben Einblicke in die unmittelbare Vergangenheit und Gegenwart. Erinnern sie sich an die
fast peinliche Schilderung des Schlafgemaches in der Bettlektüre? Brannte die Phantasie des Erzählers wieder durch? Nein, ich suchte in
Gedanken lange nach diesem Schlafzimmer. (1) Ich fand es, nur sechs Stunden von hier.
Die Wirklichkeit übertraf mein bescheidenes Vorstellungsvermögen. Wie ein schnüffelnder Kriminalkommissar hob ich unbeobachtet am Tatort
hier eine Decke und öffnete dort eine Türe. Zwischendurch tippte ich meine Beobachtungen in den Laptop. Der Knüppel traf mich unerwartet
voll in die Magengrube.
Vor einigen Jahren bauten wir dieses Haus. Danach möblierten wir es mit viel Liebe und Sorgfalt. Einige gerahmte Bilder verzierten die Mauern.
War ich zu anspruchsvoll?
Versinnbildlicht eine aufgehängte rostige Schere an einer Wand nicht die neorealistische Illustration eines üblicherweise wenig beachteten
Gebrauchsgegenstandes? Ich hätte eine geschmierten Fahrradkette vorgezogen. Sie symbolisiert mit all ihren Gliedern eindeutig zweideutig
das System und den unabwendbaren Fortschritt des Landes durch Schmieren und Treten.
Der illusionslose Trümmerhaufen, den wir vorfanden, bereicherte meine Einführung in die Bettlektüre. (2) Er zeigte mir einmal mehr die
unterschiedlichen Bedürfnisse der Erdenbewohner unter dem Stichwort Lebensqualität.
(1)
10./11. Januar
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg156012#msg156012http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg156223#msg156223(2)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg157020#msg157020Lebensqualität
http://de.wikipedia.org/wiki/Lebensqualit%C3%A4thttp://www.jetzt-lq.com/willkommen.html