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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 449375 mal)

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Low

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Frische Luft aus Hinterindien
« Antwort #1470 am: 03. Mai 2011, 23:15:36 »

Frische Luft

Am 1. Mai verliessen wir Chiang Mai und liessen uns nach Singapore fliegen.
Die Fluggesellschaft machte offenbar bereits Bekanntschaft mit nicht nur leichten,  sondern leichtsinnigen Mädchen,
welche zu fragwürdigen Zwecken Reislein unternahmen und durften nachher unternehmungslustige, risikobereite junge
Damen ohne jegliche finanziellen Polster gratis und franko zurück transportieren.
Den Angestellten gefiel nicht, dass wir keine Retourflugscheine hatten. Dick musste deshalb einen vorgedruckten Wisch
unterschreiben, mit dem sie der Gesellschaft faktisch einen Persilschein ausstellte und sie aus sämtlichen Eventualitäten
betreffend Schwierigkeiten mit Einwanderungsbehörden reinwusch. Bei Einreiseproblemen müsste sie im Notfall aus
eigenen Mitteln im günstigsten Fall eine offene Rückflugkarte erwerben.

Der am Schalter waltende Offizier verabreichte uns anstelle gesalzener Schwierigkeiten nebst den obligatorischen
Singapur Stempeln - Süssigkeiten.
Wir schafften es ohne weitere Probleme bis nach Johor Bahru. Zwei Tage, drei Währungen. Der seelische Druck war
unseren Gesichtern anzusehen. Aus reinem Mitleid servierten uns die Kellner des Puteri Pacific Hotels ein Fläschchen
Assemblage 2006, einen richtigen Aufsteller von Dominique Portet, 110 Ringgit zu günstig. Das war aber nicht genug.
Um das, oder die Mass vollzumachen, erhielten wir dafür noch Gutscheine im Wert von zehn Prozent.

Auf unseren Erkundungen entdeckte ich das JB Hotel, ein stundenweise buchbares Etablissement für den einsamen
Herrn. Zur Erhärtung deren Standfestigkeit verkaufte ein hilfreicher Geist unmittelbar neben dem Eingang harte Drogen
wie AGRARIERVITA, Celeste Aida und allerhand ähnlichen gefälschten Gips- und Eisenbetonersatz. Schwer verhüllte
dunkle Madonnen lungerten so einfältig zweideutig herum, dass es nicht einmal der eigentlich aufgeklärten Dick einfiel,
dass es sich dabei um käufliche Gunstgewerblerinnen handelte.

In den nächsten Tagen werden wir die Westküste - Orte wie Pontian und Batu Pahat bereisen. Vielleicht finde ich
eine Alternative zu Thailand. Warum wir die Flucht ergriffen, wird auch für hartgesottene Weicheier aus dem später
folgenden Kapitel “feine Verwandschaft“ ersichtlich.
« Letzte Änderung: 03. Mai 2011, 23:29:05 von Low »
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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1471 am: 04. Mai 2011, 17:20:03 »

Low,

ich wünsche Dir, dass Du emotional und physisch bald wieder festen Boden
unter die kaputten Füße bekommst; wo auch immer das MIT DICK sein mag.

Gruß, kmr.
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Low

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Feine Verwandtschaft aus Hinterindien
« Antwort #1472 am: 07. Mai 2011, 15:08:26 »

Feine Verwandtschaft                                                                     29. April 2011

Eigentlich war meine Idee, Geschichten zum Schmunzeln oder zum lächelnd Nachdenken
zu schreiben. Als unabhängiger Beobachter der Szene bemühte ich mich, über den
Ereignissen stehen. Doch nun schleuderte ich selbst in Bedrängnis. Diese Begebenheiten
könnte ich grosszügig schweigend übergehen. Doch zum Spiel gehört eine Portion Fairness,
obwohl es bedeutend einfacher wäre, Mitmenschen durch den Kakao zu ziehen.
Die Frage ist, ob wir die Klippen gemeinsam umschiffen, oder ob es Einzelaktionen gibt.
Werde ich in absehbarer Zeit Einsiedler?
Nach vielen unerfreulichen Erfahrungen, über welche mutige Forenkollegen und ich
berichteten, bin ich mehr als gewarnt und ziehe täglich neue Schlüsse.

Der teilweise erfolgreiche Einbruch ins Paradies machte mich nachdenklich. Wir versuchten
seit Jahren, unsere Privatsphäre zu schützen.
Für Besucher steht in etwa 200 Metern Entfernung ein komfortables Gästehaus. Für Feste
und Gartenparties diente der Beautysalon als Küche und Toilette.
Nur noch wenige ausgewählte Personen gelangen in unser Heim, nachdem wir ärgerliche
Erfahrungen mit taktlosen und aufdringlichen Besuchern aus dem Abendland samt
einheimischem Gefolge machten.
 
Der Trick mit der Nagelburg war ein absoluter Volltreffer. Dick fehlte das Rückgrat,
den Sohn aus dem Salon zu verbannen. Der eigentliche Fehler geschah vor Monaten,
als sie ihm dort Gastrecht für seine Elektronikverkäufe im Dorf gewährte. Für wenige
Tausender setzte sich der Schmarotzer fest und breitete sich in Windeseile aus.
Mit dem Einkommen seiner drei Tage-Arbeitswoche kann er mit den unerwarteten
Schulgeldern für seine Tochter natürlich keine Darlehen zurückzahlen. Andererseits
hindere ich ihn nicht, zusätzlich zur Elektronik, Frauen- und Hundehaltung, eine weitere
lukrative Tätigkeit auszuüben.

Dick lernte im Spital noch wesentlich feinere Verwandte kennen.
Mir war bekannt, dass zwei der Schwestern und der älteste Bruder immer Mühe mit
Besitzverhältnissen und fremdem Eigentum hatten. Als arbeitsscheue Hohlköpfe bestahlen
sie sich gegenseitig und lebten auf Kosten des Rests der Familie auf grossem Fuss,
bis kaum mehr etwas zu holen war.
Während Dicks zweiter Sohn kürzlich im eigenen Haus seine Notdurft verrichtete,
erleichterte ihn Tantchen zusätzlich um hart erarbeitete zwanzigtausend Baht. Als er
sich die Summe durch deren Moped zurückholen wollte, bemerkte er, dass es bereits
verpfändet war.

Eine der Frauen verlor mit ihrem Mann zusammen, einem grossmäuligen Golfer und
Besserwisser in sämtlichen Lebenslagen, innerhalb weniger Jahre zwei spektakulär
erschlichene LK-Häuser, zwei Mittelklassewagen und Schmuck im Wert von einer halben
Million Baht. Sie fanden immer wieder Dumme, welche für sie gratis arbeiteten und
kassierten deren Löhne.
Die Kinder, eines ausgeschlossen, erbten diese fast krankhaften Veranlagungen und sind
Schurken und Vaganten von Buddhas Gnaden, die für ihre unbezahlten, teils gestohlenen
Mopeds sogar den Treibstoff aus Autos, die der Familie eingeschlossen, klauen. Deren
fragwürdige Zukunft liegt in Diebstahl, Drogen, Hehlerei und Zuhälterei. Mit ganz grossen
Anstrengungen landet vielleicht einmal einer bei der TukTuk Mafia, oder einer anderen
wichtigen, für den Tourismus unentbehrlichen Organisation.
Wie sich Dick aus dem Gemetzel heraushallten konnte, weiss ich nicht bestimmt. Es ist
nicht auszuschliessen, dass sie mindestens zeitweise erpresst wurde.

Sie und einer ihrer Brüder kümmerten sich diese Tage rührend um den operierten Vater.
Am Tage darauf stellte sich die Frage, ob er noch einmal unters Messer müsste.
Das Ärztegremium beriet lange. Die Herren waren unsicher und schlossen grössere
Probleme ein. Die Erfolgsquote lag bei knapp fünfzig Prozent. Die Ärzte waren der Meinung,
die Angehörigen müssten mit ihrer Unterschrift entscheiden.
Da stellte sich heraus, dass die zwei missratenen Töchter mit Sohn bereits in der Stadt
anwesend waren, ohne den Patienten je zu besuchen.
Sie erschienen in Begleitung eines Juristen mit vorbereiteten Erbschaftsdokumenten im
Spital!
Der Vater hatte eine (nun lebensbedrohende) Todesfallversicherung über dreihundert-
tausend Baht bei seiner Bank.
Die drei Hungerneider waren selbstverständlich für die riskante Operation, denn je riskanter,
desto Nibbana.
Dick, ihr helfender Bruder und Mutter waren dagegen. Der Stichentscheid lag beim Patienten,
welcher einen erneuten Eingriff ebenfalls ablehnte.
Dann log er frei von der Leber weg, er habe seine Bank bereits beauftragt, den Betrag an
Dick zu überweisen, welche seit Jahren seine Spitalaufenthalte bezahlte.
Die drei drolligen Kinder verloren ihre Beherrschung und bedachten Dick noch im
Krankenhaus mit Morddrohungen. Dick brachte ihre Eltern nach Hause und machte sich
auf den Weg nach Chiang Mai.

Sie war kaum weg, als die Geldbeschaffungsfraktion vorfuhr. Die wussten, Mutter hatte
zwei Baht Goldschmuck. Das sind dreissig Gramm.
Frech verlangten sie nach dem Gold. Ein Schuss von Dicks zweitem Sohn in einen Reifen
des Fahrzeuges vertrieb die schlechte Gesellschaft. Sie rollten zur Polizei und wollten
hunderttausend Baht Schadenersatz. Der Beamte grinste und erklärte, dass sei kein
Schuss, sondern ein legaler Nagel und überliess die Schlaumeier ihrem Schicksal.

Sie reisten des Nachts hundertfünfzig Kilometer zurück nach Phitsanulok und besuchten
Verwandte. Unter dem Vorwand, sie müssten Vater für eine dringende Operation nach
Bangkok bringen, verlangten sie nach Gold. Als Sicherheit würden sie ihr (gemietetes)
Fahrzeug an Ort stehen lassen. Ein Telefonanruf zu Dick nach CNX wirkte klärend und
vereitelte den fiesen Plan.

Am  28. April überzeugten sie sich persönlich vor Mutters Haus, ob Vater doch nicht lieber
in ein erstklassiges  Krankenhaus nach Bangkok gebracht werden möchte. Sie quengelten
den ganzen Tag und meinten: “Dicks Farang sollte es möglich machen!“

Innerlich kochte ich aus ohnmächtiger Wut. Dick hatte schwere Magenprobleme.
Sollten sie hier erscheinen, sind zwei Kilogramm zauberhaftes Feuerwerk vorbereitet.
Danach wären nicht nur die Reifen des Fahrzeuges frisch vulkanisiert!
« Letzte Änderung: 07. Mai 2011, 15:17:44 von Low »
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crazyandy

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1473 am: 07. Mai 2011, 15:19:15 »

man man Low, zu der Verwandtschaft kann man Dir echt nur herzliches Beileid wünschen. 
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† Jhonnie

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1474 am: 07. Mai 2011, 15:35:44 »

man oh man. Das geht einem ja an die Nieren .
das lesen dieser machschaften ist ja die eine seite, aber wer sich dann noch versucht in deine , lieber Low, Lage zu versetzen bekommt unweigelich probleme.
von Wut bis leck mich doch alle am A...

Aber so lange wie mit deiner Dick alles stimmt ist mal wenigtes eines in Ordnung.
Halte durch und bewahre Kuehlen Kopf (auch wenn man innerlich kocht wie ich mir vorstellen kann)

Joachim
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.... In der Bibel steht geschrieben: " Liebe deinen Naechsten " UND das Kamasutra zeigt  " WIE ES GEHEN KOENNTE". auch fuer RUD's behaftete geeignet.

Isan Yamaha

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1475 am: 07. Mai 2011, 16:08:15 »

Ich denke,die Bande macht euch fertig.
Nix wie fort da man oh man DAS GIBTS DOCH NICHT.
Ich wär schon Explodiert.
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dart

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1476 am: 07. Mai 2011, 22:10:14 »

Low, du hast mein aufrichtiges Mitgefühl, aus deinen Berichten kann jeder rauslesen, das du nicht nur im dörflichen Umfeld, sondern auch im familiären Umfeld tief ins Klo gefasst hast.
Bei all den anstehenden Fragen zur Lösung, musst du dir eventuell auch mal die Frage selber stellen, "Wie du es erstmal soweit hast kommen lassen konntest?"
Versteh mich nicht falsch, du bist und warst immer so stolz auf deinen kritischen Blick aus dem Inside of Thaivillage. Was hat es dir am Ende gebracht, außer Entäuschungen?
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hiro

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1477 am: 08. Mai 2011, 09:16:18 »

als begeisteter Leser der Beitraege von @low nimmt die Sache nun eine Wende die ich nie erwartet haette.
Das gibt Anlass zum Nachdenken und einen Plan B zu haben sollte einem selbst aehnliches widerfahren. Meine Lage ist aehnlich der von @low was das Umfeld anbelangt und mit einer solchen Situation waere ich ueberfordert.
Ich denke ich wuerde meine sieben Sachen packen, der Frau anbieten mit mir zu gehen, und das Weite suchen.
Ich habe bislang nur feststellen koennen das alles was mit dem Tod und der Vererbung von Land oder anderem Eigentum zu hat zu Konflikten innerhalb der Thai Familie fuehren kann. Warum das so ist weiss ich nicht, vielleicht haben ja andere member aehliche Erfahrungen gemacht. Sicherlich ein Thema das einen grossen Teil der Tip member interessiern koennte ( sollte )
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namtok

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1478 am: 08. Mai 2011, 15:28:05 »

Da bin ich nun wirklich wie wohl die gesamte Leserschaft baff.   :-X


Ich wünsche Low und Dick nach all dem Stress als erstes erholsame Tage (oder gar Wochen  ??? ) im selbstgewählten Exil. 
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† Jhonnie

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1479 am: 09. Mai 2011, 00:28:18 »

@ namtok
also von exil hat unser Low noch nix geschrieben, aber eventuell in erwaegung gezogen.

Da ich ja selbst einmal 2 jahre Thailand hinter mir habe (aber auch nur gezwungen dazu) gehts mir in malaysia und anderes SOA Laendern viel besser.
Aber natuerlich nicht gerade in Batu Pahat oder eben sonstwo in west-malaysia. Es gibt da mehere stellen (als auch hindernisse) wo man was findet kann.
 Zwar nicht jedermanns sache (boerse) als auch Einsicht etc. Aber trotzdem alles moeglich.

Ich wuensche jedenfalls unserem Low das BESTE von allen BESTEN.
Ich denke er wird  finden was er braucht oder einen Weg finden um wieder zufrieden zuleben.

Aber unter der Linie sollten bei den Expats in Thailand immer dieser fade geschmack von , Low's Leidensweg momentan, im Hintergedanken sein.

Joachim
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max

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1480 am: 09. Mai 2011, 00:58:45 »

Ich habe bislang nur feststellen koennen das alles was mit dem Tod und der Vererbung von Land oder anderem Eigentum zu hat zu Konflikten innerhalb der Thai Familie fuehren kann. Warum das so ist weiss ich nicht

hiro,
das findest du überall auf der Welt und nicht nur in Thaifamilien

warum wohl: jeder will nur "dein Bestes"
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Low

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Kukup, Pontian und Batu Pahat in Hinterindien
« Antwort #1481 am: 11. Mai 2011, 13:24:09 »

Kukup, Pontian und Batu Pahat

Wir verliessen den Gastrotempel in Johor. Dazu buchte ich ein Taxi nach Pontian.
Der Fahrer und Dick überredeten mich, erst nach Kukup zu fahren. Das einzige grössere
Hotel ist das Golfhotel. Männer, die den lieben Tag lang bloss Bälle einlochen und damit
angeben, wirken auf mich meist pervers angehaucht. Golf ist oft ein profilierender
Prestigesport für kleinkarierte Angeber und unbescheidene Hochstapler, nichts für
drittklassige Proletarier wie unsereiner. Da legt man schon für ein stilgerechtes T-Shirt
Fr. 199.00 in die Ladenkasse, nein, man zückt den Goldzahn leckend, seine Platin-
Kreditkarte. (1) Materialtechnik vom Feinsten, Titan und schwarzer Chrom befinden
sich in Händen von modebewussten Gecken und unsportlichen Taugenichtsen.

Die Thai Armee besitzt mehrere gepflegte Golfanlagen, eventuell mehr als die Schweiz
Waffenplätze hat. Dort betreiben die hochkarätigen Retter der Nation ihre Ballistikstudien,
die sie später erfolgreich gegen heilige Tempel angreifende Feinde einsetzen.
 
Ich vestehe es schlecht, wie ein geistig und körperlich einigermassen fitter Kerl durch
gekonntes Bällchen versenken Millionen macht, welche er dann mit seinem Pipiprügel
desgleichen häufig in läufigen Weibern verlocht. Warum ich auf Golfer schlecht zu sprechen
bin, illustriert zusätzlich das Kapitel “Feine Verwandtschaft“. Bällchen, Bälle, Ballone,
Wassermelonen, all die kreativen Stunden damit - und einlochen sind mir symphatisch.
Ich weiss, es gibt hochanständige Golfer. Vielleicht treffe ich morgen einen.
Vom Golfhotel jedoch entfernten wir uns diskussionslos.

Kleine Unterkünfte, teils auf Stelzen, sind in Kukup gängig. Wer dorthin reist und denkt,
man hätte freie Sicht aufs Meer, wird als erstes arg enttäuscht. Die Strasse endet abrupt
an einem enorm wuchtigen Betonklotz, der Schiffstation.
Von dort verkehren Fähren auf die nahe Insel Pulau Kukup, angeblich ein ideales Liebesnest
für verheiratete Paare. Wir mussten passen. Wir erdulden unsittliches Konkubinat und ich
fühle wenig Lust, diesen Zustand aufzugeben.
Die meisten Boote fahren in den zweitgrössten Mangrovenbestand Malaysias – Sungai Pulai.
In diesen Gewässern tummeln sich (verheiratete?) Seepferdchen.
Das Reservat erstreckt sich über 9’126 ha. Fast die Hälfte der Mangroven fielen zwischen
1955 bis 1998 illegalem Holzschlag zum Opfer und wurden zu Holzkohle verarbeitet.
 
Das Meer ist nicht strahlend blau, eher eine bräunliche, an Milchkaffee erinnernde Brühe.
Rechter Hand der Hauptstrasse liegt der wenig malerische, armselige Fischerhafen.
Hinter unzähligen, teils qualmenden Fahrzeugen versteckt, Dieselgestank wetteifert gegen
Fischgeruch, bieten einige Buden gebratene, gesottene und gegrillte Fische und Garnelen an.
Ob es ebenfalls Seegurken, Seepferdchen, Muscheln und Austern gibt, weiss ich nicht.

Pontien verwöhnt mit mehr milchkaffeefarbener Meersicht. Die eigentlich ideal gelegenen
Hotels bieten bloss bescheidenen Komfort. Lifte und weissen Wein zum frischen Fisch,
gibt es nicht, dafür schattenspendende Kasuarinen am rechteckig gemauerten Strand.

In Batu Pahat stiessen wir auf allerhand Merkwürdigkeiten. Dort gedeihen wunderschöne,
vollaromatische Durian. In den Hotels sind sie verboten. Es gibt etwa ein Dutzend meist
neuere, grosse und halbleere Anlagen. In einer verirrten wir uns. Sie war noch im Bau,
wie wir später an Kabeln, Werkzeugen und Handwerkern herausfanden.
Wir benötigten viele Stunden und Tiger, um einen Geldwechsler zu finden. Die Maybank,
welche eigentlich in diesem Bereich tätig ist, durfte trotz Informationstafeln aus
irgendwelchen unbekannten Gründen nichts umtauschen. Als wir ihn endlich fanden, nahm
der offizielle Geldwechsler keine harten Franken an.
Im Hotel lebten wir im dreizehnten Stock. Von dort ging es direkt in den Fünfzehnten!
Ist vierzehn in Batu Pahat eine Unglückszahl? Der Aufenthalt brachte Glück in Form der
besten und dazu preisgünstigsten Pekingente, die wir bisher weltweit verzehrten.
Der ideale trockene Wein dazu stammte aus einem winzigen, abgesonderten Raum für
Ungläubige im Kerfor (Carefor), allgemein bekannt als Carrefour.

(1)
http://www.golfpro-shop.ch/
« Letzte Änderung: 11. Mai 2011, 13:33:10 von Low »
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† Jhonnie

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1482 am: 12. Mai 2011, 21:40:05 »

@Low

Zitat
Ist vierzehn in Batu Pahat eine Unglückszahl?

JA. Die meisten Bauten vermissen den 4 als auch den 14 Stock. alles was mit " 4 " zutun hat heisst : unglueck,tod etc.

dies ist ein uralter (was auch immer) glauben der Hokkien ,die sich wieder in verschiedene gruppen unterteilen. Die Hokkien ist nur eine algemeine
gruppen zusammenfassung der in Malaysia / Indonesia lebenden Chinesen.
nach zulesen bei : http://en.wikipedia.org/wiki/Malaysian_Chinese

In den Twin towers habe ich nicht aufgepasst im Lift, aber der is eh Muslmanisch regiert.
ich weiss nur nicht wenn die zahl "4" so schlecht ist was Hokkien Chinese dann machen wenn sie 44 sind oder 1944 geboren wurden ??? .
kenne einige die die " 4 ueberlebt haben. :o
Die in malaysia/Indonesia ansaessigen Hindu/Tamil (inclusive meiner holden ) dagegen schwoeren auf die #5 wie verrueckt .

gruss an dich Low. Geniesse alles in Malaysia.Leider bin ich total busy und zuweit weg als das ich dich in Pulau Mataking mit rotem Teppich empfangen koennte.
aber jederzeit ueber PM erreichbar.

Joachim
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Low

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Leerlauf
« Antwort #1483 am: 17. Mai 2011, 11:53:10 »

Leerlauf

Mit Leerlauf Geld verdienen. Da müsste eigentlich jeder in Hinterindien steinreich und mindestens Dollar-Multimillionär sein. Anfangs
Mai brachte sich Gunter Sachs um. Er befürchtete, an Alzheimer erkrankt zu sein. Sein Großvater väterlicherseits war Geheimrat Ernst
Sachs, der Erfinder des Fahrrad-Freilaufs und Mitgründer des Unternehmens Fichtel & Sachs. (1)

Danke für das Mitempfinden. Unter den fast widerlichen Umständen litt ich wenig, sondern begrüsste den Kick, der mich endlich zum
Reisen animierte.
Dick dagegen erwischte es richtig. Ihre Haare ergrauten teilweise. Sie war von den Ereignissen gezeichnet. Sie wirkte unglücklich,
war aggressiv und äusserst ungeduldig. Sie fühlt, dass ich demnächst als ATM ausfallen könnte.
Ihrem Vater geht es gesundheitlich gemischt. Ich war darauf vorbereitet, dass sie möglicherweise vorzeitig zurück reisen müsste.

Leichenfledderei, zumindest als Vorspiel, kenne ich aus der eigenen Familie. Als meine betagte Grossmutter einen Oberschenkel-
knochenbruch erlitt, dachten meine Eltern, die begüterte, eigenwillige Alte läuft nicht wieder und sie würde das Krankenhaus nie
mehr verlassen. Sie begannen ohne jegliche Diskussionen oder Rückfragen, Grossmutters Haus zu räumen. Meine gutgemeinten
Ermahnungen nahmen sie nicht zur Kenntnis, so dass ich Polizei und Vormundschaftsbehörde einschalteten musste.
Für diese Aktion erhielt ich von meiner Sippe keinen Applaus. Hasserfüllte Briefe erschütterten einen jungen, noch unverdorbenen
Gerechtigkeitsfanatiker. Ich vergass diese Episode. Erst jetzt wurde ich wieder an ein düsteres Kapitel Vergangenheit erinnert.
Da kamen später mühelos noch einige Bände dazu.

Einige Monate nach ihrem Spitalaufenthalt reiste Grossmutter mit einer Gruppe nach Italien in die Ferien. Nach der Rückkehr der
über achtzig jährigen Frau fragte ich:
„Grossmutter, wie war es in Italien?“
„Eigentlich war es sehr schön. Störend waren nur all die alten Leute der Reisegruppe!“

Auf die zahlreichen Annehmlichkeiten und den Luxus in Chiang Mai könnte ich verzichten.
Dick stand mir bei zwei aussergewöhnlichen Ereignissen bei.
Als vor Jahren die ex Landbesitzerin mit “meinen“ Grundstücken ihre Spielschulden begleichen wollte, übernahm Dick die Papiere.
Die Investitionen waren unter grossen Abgaben an den Staat vorläufig gerettet.
Einige Jahre später überlebte ich dank ihrem Optimismus, ihrem kompromisslosen Handeln und unserem gemeinsamen hartem
Einsatz lebensbedrohende Infekte. Wir schafften es sogar, meine Lebensqualität wesentlich zu verbessern. Alleine ist fast alles mit
viel Mühe machbar. Am meisten bedrückt mich der Gedanke, eines Tages ohne Händedruck lieblos in irgend einem üblen Loch alleine
mit dem Sensemann zu ringen.  

Wir sind zurück im Irrenhaus, denn nach gedrucktem Fahrplan hätte heute die Schule beginnen sollen. Weil indessen die studierten
Pädagogen trotz empfangener Diplome aus blaublütigen Händen nicht planen können, entging ihnen, dass heute ein Feiertag,
Visakha Bucha, ist.
Während unserer Abwesenheit boten diese Lehrkräfte telefonisch über tausend Kinder zum vorgezogenen Schulanfang am vergangenen
Freitag auf. Sie verkündeten der versammelten Schar, dass die Schule nach zwei weiteren Tagen Leerlauf am Mittwoch definitiv anfängt.

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Gunter_Sachs

« Letzte Änderung: 17. Mai 2011, 12:06:13 von Low »
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rio0815

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1484 am: 21. Mai 2011, 10:52:33 »

Was Du gerade geschrieben hast, das hat mich angerührt und sehr nachdenklich gemacht.
Danke dafür.
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