Kukup, Pontian und Batu Pahat
Wir verliessen den Gastrotempel in Johor. Dazu buchte ich ein Taxi nach Pontian.
Der Fahrer und Dick überredeten mich, erst nach Kukup zu fahren. Das einzige grössere
Hotel ist das Golfhotel. Männer, die den lieben Tag lang bloss Bälle einlochen und damit
angeben, wirken auf mich meist pervers angehaucht. Golf ist oft ein profilierender
Prestigesport für kleinkarierte Angeber und unbescheidene Hochstapler, nichts für
drittklassige Proletarier wie unsereiner. Da legt man schon für ein stilgerechtes T-Shirt
Fr. 199.00 in die Ladenkasse, nein, man zückt den Goldzahn leckend, seine Platin-
Kreditkarte. (1) Materialtechnik vom Feinsten, Titan und schwarzer Chrom befinden
sich in Händen von modebewussten Gecken und unsportlichen Taugenichtsen.
Die Thai Armee besitzt mehrere gepflegte Golfanlagen, eventuell mehr als die Schweiz
Waffenplätze hat. Dort betreiben die hochkarätigen Retter der Nation ihre Ballistikstudien,
die sie später erfolgreich gegen heilige Tempel angreifende Feinde einsetzen.
Ich vestehe es schlecht, wie ein geistig und körperlich einigermassen fitter Kerl durch
gekonntes Bällchen versenken Millionen macht, welche er dann mit seinem Pipiprügel
desgleichen häufig in läufigen Weibern verlocht. Warum ich auf Golfer schlecht zu sprechen
bin, illustriert zusätzlich das Kapitel “Feine Verwandtschaft“. Bällchen, Bälle, Ballone,
Wassermelonen, all die kreativen Stunden damit - und einlochen sind mir symphatisch.
Ich weiss, es gibt hochanständige Golfer. Vielleicht treffe ich morgen einen.
Vom Golfhotel jedoch entfernten wir uns diskussionslos.
Kleine Unterkünfte, teils auf Stelzen, sind in Kukup gängig. Wer dorthin reist und denkt,
man hätte freie Sicht aufs Meer, wird als erstes arg enttäuscht. Die Strasse endet abrupt
an einem enorm wuchtigen Betonklotz, der Schiffstation.
Von dort verkehren Fähren auf die nahe Insel Pulau Kukup, angeblich ein ideales Liebesnest
für verheiratete Paare. Wir mussten passen. Wir erdulden unsittliches Konkubinat und ich
fühle wenig Lust, diesen Zustand aufzugeben.
Die meisten Boote fahren in den zweitgrössten Mangrovenbestand Malaysias – Sungai Pulai.
In diesen Gewässern tummeln sich (verheiratete?) Seepferdchen.
Das Reservat erstreckt sich über 9’126 ha. Fast die Hälfte der Mangroven fielen zwischen
1955 bis 1998 illegalem Holzschlag zum Opfer und wurden zu Holzkohle verarbeitet.
Das Meer ist nicht strahlend blau, eher eine bräunliche, an Milchkaffee erinnernde Brühe.
Rechter Hand der Hauptstrasse liegt der wenig malerische, armselige Fischerhafen.
Hinter unzähligen, teils qualmenden Fahrzeugen versteckt, Dieselgestank wetteifert gegen
Fischgeruch, bieten einige Buden gebratene, gesottene und gegrillte Fische und Garnelen an.
Ob es ebenfalls Seegurken, Seepferdchen, Muscheln und Austern gibt, weiss ich nicht.
Pontien verwöhnt mit mehr milchkaffeefarbener Meersicht. Die eigentlich ideal gelegenen
Hotels bieten bloss bescheidenen Komfort. Lifte und weissen Wein zum frischen Fisch,
gibt es nicht, dafür schattenspendende Kasuarinen am rechteckig gemauerten Strand.
In Batu Pahat stiessen wir auf allerhand Merkwürdigkeiten. Dort gedeihen wunderschöne,
vollaromatische Durian. In den Hotels sind sie verboten. Es gibt etwa ein Dutzend meist
neuere, grosse und halbleere Anlagen. In einer verirrten wir uns. Sie war noch im Bau,
wie wir später an Kabeln, Werkzeugen und Handwerkern herausfanden.
Wir benötigten viele Stunden und Tiger, um einen Geldwechsler zu finden. Die Maybank,
welche eigentlich in diesem Bereich tätig ist, durfte trotz Informationstafeln aus
irgendwelchen unbekannten Gründen nichts umtauschen. Als wir ihn endlich fanden, nahm
der offizielle Geldwechsler keine harten Franken an.
Im Hotel lebten wir im dreizehnten Stock. Von dort ging es direkt in den Fünfzehnten!
Ist vierzehn in Batu Pahat eine Unglückszahl? Der Aufenthalt brachte Glück in Form der
besten und dazu preisgünstigsten Pekingente, die wir bisher weltweit verzehrten.
Der ideale trockene Wein dazu stammte aus einem winzigen, abgesonderten Raum für
Ungläubige im Kerfor (Carefor), allgemein bekannt als Carrefour.
(1)
http://www.golfpro-shop.ch/