Alfonso, Diogo und Low in Melaka
Etwa 1970 besuchte ich auf dem Weg nach Singapur Melaka. Halbnackte, opiumabhängige Kulis entluden in
der grössten Hitze über schaukelnde Planken Waren von Schoonern. Diese Boote pendelten hin und her, denn
Schiffe mit Tiefgang konnten nicht in Ufernähe ankern.
Damals gab es kein Hotelangebot wie heute. Ich stieg im Government Rest House ab. Das langgezogene ein-
stöckige Gebäude wurde 1912 von den Briten errichtet. Die offenen Sanitärinstallationen an der Rückseite waren
eine ungewohnte, besondere Augenweide. Klimaanlagen gab es nicht. Dafür hingen Moskitonetze über den
Betten. Riesige, langsam drehende Ventilatorenflügel verwirbelten die Luft an hohen Decken.
An späteren Nachmittagen trafen sich die leitenden Herren der Stadt zum Tee, diskutierten Politik, Geschäfte
und unterhielten sich mit raren Gästen. Dadurch hatte ich ausgesorgt und ein volles Tagesprogramm. Jeder bot
mir seine Transportmittel und seine Kenntnisse als Fremdenführer an. Zu Mahlzeiten und sämtlichen Anlässen,
Totenfeiern eingeschlossen, war ich ein willkommener Gast.
Das alte Rest House fand ich seit Jahren nicht mehr. An seiner Stelle steht ein grosser Klotz mit zweiundzwanzig
Stockwerken: Das Hotel Equatorial.
Das Management versucht, Traditionen am Leben zu erhalten. (1) Im Restaurant Seri Nyonya werden überlieferte
Rezepte der Peranakan Küche wie Ikan Tenggiri Masak Kuah Lada, Achar Nyonya, Otak-otak und Ayam Pongteh,
zubereitet.
In der näheren Umgebung liegt das Portuguese Settlement. Dort leben Nachkommen portugiesischer Seeleute.
Die Menschen erhalten ihre Traditionen wie Küche, Kleidung, die Sprache Cristang – einen portugiesischen Dialekt,
Religion, Tänze und Lieder, obwohl deren Ursprünge, zumindest für mein Verständnis, eher fragwürdiger Natur sind.
Es muss ein überwältigender Anblick gewesen sein, als vor 500 Jahren, am 24. August 1511 eine portugiesische
Flotte am Horizont auftauchte. Alfonso d’Albuquerque segelte mit seinen unübertroffenen Karavellen vom indischen
Goa her mit 18 Schiffen und 1200 Mann Besatzung. Es galt unter anderem, Gefangene einer früheren Expedition,
möglicherweise Gefährten des Kapitäns Diogo Lopes de Sequeira (1509), zu befreien.
Guillaume Thomas François Raynal schrieb 1783: Der Ort wurde angegriffen und nach vielen zweifelhaften hart-
näckigen und blutigen Gefechten erobert. Man fand darin unermesslich Schätze, grosse Warenlager…. (2)
Spanien und Portugal waren damals die tonangebenden Weltmächte. Das aggressiv- arrogante Verhalten selbst-
ernannter Machtblöcke änderte sich, mit Ausnahme der technischen Möglichkeiten, bis heute nicht.
Die Freude der Potugiesen am neuen Besitz in Melaka währte nicht lange. Die Holländer übernahmen die Herr-
schaft 1641. Diese beiden frühen Besatzer hinterliessen eindrückliche, heute noch sichtbare Spuren.
(1)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?PHPSESSID=0d5e22281b46df3ef117567e5c52f0a9&topic=1225.msg37124#msg37124Re: Geschichten aus Hinterindien: Das letzte Behältnis
« Antworten #142 am: 08. Februar 2009, 11:25:28 »
(2)
http://books.google.at/books?id=-Z5AAAAAcAAJ&pg=PA143&hl=de
EDIT: Link zu (2) korrigiert.