Besitz und Krokodile in Hinterindien März 2012
@Bruno und all die anderen freundlichen Tipper
Seit ich mich vom mühsam zusammengerafften Wohlstandsgerümpel in Europa trennen durfte, verzichtete ich
fortan auf unnötigen Besitz und Wertsachen wie Atombomben (H, Pu, U), Schwarzwäldertorten und Hämorrhoiden.
Alle (meine) Dinge sind nur geliehen, auch wenn ich sie kaufe. Leihen bedeutet für mich nicht stehlen, wie es
in Lan Na Land praktiziert wird. Meine Philosophie erlaubt es, auf Zeit geliehenen Besitz zu verteidigen.
Über die Jahre wurde mir klar, daß Dicks sogenannte Familie mit wenigen Ausnahmen, ein raubgieriger, seelen-
loser Haufen von Wegelagerern ist. Von gelebtem Buddhismus sind beim besten Willen, außer bescheidenen
schauspielerischen Fähigkeiten, weder Spuren noch Ansätze vorhanden. Ich hätte in den kühnsten Träumen
nicht gedacht, daß solche Menschen ohne Ketten frei herumlaufen. Samuispezis Ergänzungen sind richtig.
Dick mußte einsehen, es wird profitiert, solange es etwas zu holen gibt, wie Land, Auto, Moped, Geld. Sie war
lange Zeit als einzige Gönnerin der Familie überglücklich. Seit dem Tod des Vaters wird kaum noch Landwirt-
schaft betrieben. Man könnte über nicht realisierte Erträge auf Dutzenden Rai nachdenken. Für uns gilt:
KAOS! (1) Wovon wollen diese Faulpelze in Zukunft leben?
Dick hat neben einem starken Sohn nur noch eine einzige Vertrauensperson, einen etwas konfusen Farang,
der behauptet: “Man kann in einem Fußballstadion mit fünfzigtausend Menschen sehr einsam sein.“
Weit entfernt lebt meine Tochter, der ich zum Glück vertrauen darf. Sie hat als junge Mutter mit eigener Familie
ihre eigenen Probleme. Familie ist leider nur noch in Fragmenten, mehr Qualität als Quantität, vorhanden.
Es werden weitere ruppige Episoden folgen. Mut und Gelassenheit waren vorhanden, die Realität schonungslos
zu schildern. Zu viele Bekannte brachen unter unerkennbaren, exotischen Lasten zusammen. Sie vergaßen ein
wichtiges Wort: “Nein!“
Dazu gesellten sich falscher Stolz, gestützt von Alkohol. Glücklicherweise entwickelte ich Nerven wie Staub-
saugerschläuche, dick, dehnbar und flexibel. Sollte ich dennoch aufgeben, oder zum Schweigen gebracht
werden, sind einige Hintergründe bekannt.
hmh, vergiß die Sorgen. Das Verfalldatum des Besuchs war der 14. Dezember 2011. Ich weiß, du magst keine
Daten in den Texten. Für mich sind sie lebenswichtig.
Die hirnlose Alte ist keine Dame, sondern höchstens eine bösartig degenerierte Reisbäuerin. Großzügigerweise
billige ich zu, wegen Demenz vergaß sie den letzten Rest Anstand. Den suchte ich in letzter Zeit auch bei ihren
Kindern vergeblich. Es gibt Enkel, die mehr Zeit in Gefängnissen verbrachten, als in der Schule. Der alte Herr war
Klasse. Er hielt die Bande in Schach und verbreitete wortlos Würde.
Warum ist Dick anders? Sie wuchs bei ihrer Großmutter auf.
Das alles hindert Bruno nicht, an winzige Bademoden im Briefmarkenformat zu denken. Klaus dagegen beschäftigt
sich mit Intelligenz und Haarfarben. Dabei benötigt er endlich einen anständigen Bootsführerhut mit golden
gestickter Bezeichnung: NOK! Neuer Ober Khlongfahrer.
Klaus, mit der Beurteilung liegst du richtig.
Es gibt Tage, da würde ich im Boot einem Schwimmer zur Pflege der Irokesenfrisur geschwind ein ästhetisch
geformtes Ruderblatt aus erstklassigem Tropenholz über den Schädel ziehen. Die Schiffsschraube ließe sich in
übermästeten Fettsäcken als Kettensäge verwenden. Ich würde Entsorgungsfahrten mit eingeübten Unfällen
planen. An kritischen Stellen würden versteckt, zähneknirschend hungrige Krokodile auf Frisch-, eher Gammel-
fleisch warten. Die restliche Arbeit dürften laut mitfühlendem Tierfreund Piranhas verrichten. Noch gibt es keine
Zahnprothesen für Krokodile.
Am Ende der letzten Episode fühlten sich Egoisten klüger. Ich gebe jedem Vertrauten eine zweite Chance.
Ohne immense Großzügigkeit und das unbegrenzte Vertrauen meiner Vorgesetzten, wäre mein Leben, eine
triste Banalität geblieben.
Zeigen die absurden Aussagen die nackte Angst um die eigene Existenz? Die Alte verpfuschte in ihrem Leben
mehr, als die erwähnte Summe. Es waren Menschen und Millionen. Schweizer würden sagen: Frank furt.
Für mich geht es um ein eingeschränkt paradiesisches Dasein, das mir kein Alters- oder Pflegeheim bieten kann.
Keiner hat seinen Platz auf sicher. Jeder Tag kann mit einem totalen Absturz enden. Unsere Gastgeber
landesweit und teilweise Besucher in Bad Thaya zeigen es. Die Zeitungen sind voll mit entsprechenden
Meldungen.
(1)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg1016435#msg1016435Wasserbüffelexkrement-Index:0.17
Anmerkung für Rechtsgelehrte:
Da ich nicht verheiratet bin, gibt es keine Schwiegermutter.