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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 449796 mal)

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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien: Der wiederauferstandene Wasserbüffel
« Antwort #225 am: 23. März 2009, 20:03:10 »

Der wiederauferstandene Wasserbüffel         März 2009

Im Beauty Salon wird fleissig gearbeitet und getratscht. Die Geschichten, die ich von
dort höre sind phantastisch und wenn ich nicht einige Jahre Erfahrung mit den
Lebensumständen im warmen Klima mit den heissen Frauen hätte, fast ungeheuerlich. 
 
Dick betrieb ihr erstes Geschäft rund hundert Kilometer von der nächsten Stadt entfernt.
Sie hatte einen grossen Kundenkreis mit einem für mich unglaublichen Verdienst.
Sie machte mit ihren Mitarbeiterinnen in einem Monat so viel Kohle, wie hier im Jahresmittel
verdient wird. Ich glaubte es nicht, als sie es erzählte. Doch irgendwoher musste ihr
ansehnlicher Grundbesitz stammen. Nun sehe ich, wie es hier läuft.

Wenige der Damen sind reich. Nichtsdestoweniger lässt man für die Haare, Make up
und Manicure schnell mal einen Tausender oder mehr springen. In ihrem ersten Geschäft
auf dem Lande herrschte die heile Welt. Die Kundinnen diskutierten über Frisuren, Familie,
Mode, Rezepte und Gesundheit.
Dick war anfänglich schockiert über den rüden Umgangston im Salon im Dorf in der Nähe
von Chiang Mai. Es gibt nur ein Thema: Sex.

Irgend jemand muss sich ja um Haus, Hof und Garten kümmern, während meine Damen
mit Scheren und Schminke Charme vermitteln. Weil ich weder einen MP3 Chip mit mir
herumtrage und dauernd die Trommelfelle beriesle - noch meine Lauscherchen mit
Ohropax verstopfe, werde ich nicht selten unfreiwilliger Zeuge weiblicher Verbalerotik.
Dann stehen mir nicht nur die Haare zu Berge.
Damit verglichen ist der Forumsthread „Seitensprünge“ fade, fast wie seinerzeit
die Erzählungen aus der Sonntagsschule.

Beim näheren Überlegen ist es richtig so, denn die weibliche Seite investiert ebenfalls
in „unsere“ Abenteuer. Deshalb darf ich wohl auf Details verzichten.
Zusätzlich erspare ich den Moderatoren ein Streichkonzert.

Allen sind Bar Girls ein Begriff. Keiner, der etwas auf sich hält, mag zugeben,
dass er die Seine nicht aus einer Bar abgeschleppt hat. Es gibt es ja noch die guten
Frauen aus vermögenden und intellektuellen Kreisen. Das sei mein Thema:

Eine faszinierende Frau, aussehend wie knapp zwanzig, Alter um die Dreissig,
betritt im figurbetonenden Designerkostüm den Salon. Der Schmuck, nicht aufdringlich,
jedoch Klasse, Weissgold oder Platin. Vor dem Laden steht ein Wägelchen der oberen
Mittelklasse oder der unteren Luxusklasse. Sie trippelt auf Markenschuhen, die sie
offenbar im Vogue Magazin „Mode für gehobene Ansprüche“ entdeckte. Im zarten
Händchen ein Baguette Täschchen von Fendi.
Eine Frau, die so aussah, dass ich den dagegen enttäuschend lauen Leo Bierkalender
als Schutzeinlage im Mülleimer entsorgte. Wie versprochen: Keine Details.

Diese Frau arbeitet zeitweise als Verwaltungsbeamtin an der Uni ihres Ehemannes,
der gleichzeitig als vielbeschäftigter Dozent amtet. Weil der Gatte, von dem sie
wahrscheinlich das eine oder das andere Kind hat, dauernd schwer beschäftigt ist,
vielleicht vernascht er zwischen den Vorlesungen noch Studentinnen, hat sie einen
weiteren Thaimann.
Doch in ihrer Sammlung von Samenspendern existieren noch zwei Farang. Der Eine
aus Europa. Der Andere ein feuriger Caballero aus Südamerika. Diese Herren finanzieren
die Lady monatlich mit beträchtlichen freiwilligen Zuwendungen für den kranken
Wasserbüffel, etc. Die Edelnutte hätte nur ein Problem, wenn die beiden brünstigen
Kavaliere gleichzeitig in Thailand Ferien machen würden.
Zur Kommunikation mit all ihren Partnern und Familie warten in der Baguette von
Fendi fünf verschiedene Telefone und zu Hause der Zweitwagen.
« Letzte Änderung: 23. März 2009, 20:07:16 von Low »
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #226 am: 24. März 2009, 18:06:04 »

Zu Hilfe, zu Hilfe, ich lach mich schon wieder schlapp :D :D :D :D :D
Bitte um Foertsetzung!
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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien: Mitgefühl
« Antwort #227 am: 25. März 2009, 12:11:05 »

Mitgefühl

Während euch diese Geschichte erheiterte, denkt vielleicht der gehörnte Professor
an Selbstmord. Im Tip liest man ja immer wieder davon! Möglicherweise aber hat
der einen ganzen Harem zur Verfügung, so dass er um den Mitarbeiter froh ist,
der seine Gattin ausserhalb der Touristen Saison begattet.

Mir kam nach einer Weile die Angelegenheit vertraut vor. Ein mir bekannter Farang
hatte ein ähnliches Problem mit der Frau seiner Albträume. Sie verfügte möglicherweise
über eine mongolische Doppelschublade. Er hatte nur zwei Thai Nebenbuhler. Von denen
weiss er heute noch nichts. Für die Unsummen, die er dort nicht in den Anus steckte,
die andere Gegend ist geografisch nicht allzu weit entfernt, hätte er während Jahren
die Damen ganzer Strassenzüge beschäftigen und damit die Weltwirtschaftskrise
verhindern können.

Sollte Mia mit einer Tasche von Gucci, Fendi, Armani, Ricci oder von wem auch immer,
gefüllt mit Telefonen von Sony Ericsson, Nokia, Motorola, Samsung oder woher auch immer
antanzen, würde ich bestimmt ganz langsam und unvoreingenommen Verdacht schöpfen.

Darüber allerdings würde ich keine Geschichte mehr schreiben, denn über solche
Schweinigeleien habt ihr nun genug gelacht.
« Letzte Änderung: 25. März 2009, 12:14:19 von Low »
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #228 am: 25. März 2009, 12:20:51 »

Also ich könnt noch ein bischen weiterlachen :D :D :D
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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien: Lady in red
« Antwort #229 am: 26. März 2009, 14:34:41 »


Lady in red            2009

Früher war das Dorf von Reisfeldern umgeben. Nun wird überall Erde aufgeschüttet
und gebaut; Kleinsthäuser auf Mini-Parzellen, wie seit Jahren - ohne jegliche Privatsphäre.
Das Akustikpanorama der Nachbarschaft reicht von der Morgentoilette bis zum
Gutenacht-Furz, inklusive Radio, Fernsehton und dem Getöse der Computerspiele.
Die Duftnoten der Speisen, von angebrannten Heuschrecken bis zu gedämpften Zwiebeln
mit Noten von Knoblauch und rotem Chilli schwängern die Luft zu jeder Zeit, weiter
angereichert durch Wohlgerüche von verbranntem Plastik und mottenden Autopneus. 
Natur pur.

Wann wird das letzte Feld mit den letzten Fröschen verschwinden?
Beidseitig der Strasse, etwas tiefer gelegen, wird heute noch an wenigen Stellen
Reis angebaut. Dieses Strässchen eignet sich je nach Tageszeit und Verkehr bestens
zum Radfahren.
Mia kämpft für ihre Figur. Sie möchte, dass Hintern und Beine weiterhin wohlgeformt
schlank und kurvig bleiben, damit meine Augen ein festes Ziel haben. Sie weiss,
dauernd nach attraktiven Weibern schielen führt bei alten Knaben zu chronischem
Astigmatismus. Deshalb fährt sie Rad, nicht nur Motorrad.

Von einer Reise brachte sie lange rote Radlerhosen zurück und ein passendes Top.
Das lieferte einigen Dorffrauen genügend Stoff, um eine Woche lang darüber zu
philosophieren. Eine ganz Beherzte besuchte die Airport Plaza und erstand sich für
teures Geld etwas Ähnliches. Doch schlussendlich fehlte ihr entweder der Mut, die
Radlerwäsche anzuziehen oder ihr Fahrrad hatte einen Platten.
Gegen die sengende Sonne schützte eine rote Mütze mit Solarzellen betriebenem
Ventilator Mias langes, dunkles Haar. Mit diesem Kampfanzug ausgerüstet, setzte
sie sich vor einigen Wochen aufs Rad.

Dort wo der Weg über dem Reis eine leichte Kurve beschreibt und ein munteres
Bächlein plätschert, pfupften und heulten ihr vom Nachbardorf zwei Mopeds entgegen.
So viel knallig kurviges rot hatten die Beiden auf so knappem Raum schon lange nicht
mehr gesehen. Die Schwachköpfe schauten zurück, erwischten die Kurve nicht und
pflügten mit ihren Maschinchen unfreiwillig das Reisfeld.


Chris De Burgh
Lady in red
Übersetzung: Google

I've never seen you looking so lovely as you did tonight
Ich habe noch nie gesehen Sie suchen so schön wie du heute Abend
I've never seen you shine so bright
Ich habe noch nie gesehen Sie leuchten so hell,
I've never seen so many men ask you if you wanted to dance
Ich habe noch nie so viele Männer fragen, ob Sie tanzen wollte
They're looking for a little romance, given half a chance
Sie sind auf der Suche nach ein wenig Romantik, da eine halbe Chance
I have never seen that dress you're wearing
Ich habe noch nie gesehen, dass Sie Kleidung tragen.....

Irgendwie müssen das die Mopeddeppen so gesehen haben.

P.S. Diese Geschichte erscheint für die Hamburger demnächst in gelb.


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Alfred

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #230 am: 27. März 2009, 01:58:22 »

-Low-

A bisserl staenkern kann ja net schaden, net woa!
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #231 am: 27. März 2009, 04:41:27 »

Ich habe Dich nie so schön aussehen gesehen wie heute Nacht
Ich habe Dich nie so hell strahlen gesehen
Ich habe nie so viele Männer gesehen die Dich fragten, ob Du tanzen wolltest...
Schönes Lied, wirklich!

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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #232 am: 27. März 2009, 11:02:27 »

Alfred

Das hat mit stänkern nicht viel zu tun. Du siehst das bloss falsch.
Meine Erklärung: (Ob glaubwürdig oder nicht entscheidet jeder Leser persönlich.)

Als Hobbymaler brauchte ich noch einen Farbklecks.
Die Farbe des Bächleins ist undefiniert.
Die Frau ist rot.
Das Haar ist schwarz.
Da fehlte einfach das Gelbgold.

Die drei schönsten Farben der Welt. (Mindestens beim Fussball.)


Ich wollte den Song:

"Chris De Burgh
Lady in red"

verlinken. Antwort:

This video is not available in your country.
Warum? Zu viel rot?
« Letzte Änderung: 27. März 2009, 11:36:55 von Low »
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Low

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Wege zur Schlitzohrigkeit    (auch Schlitzobrigkeit)  März 2009

Dieser Aufsatz wartete seit einiger Zeit im PC des Gebärvaters. Aus aktuellem Anlass
stellte ich ihn heute fertig.

Eine Frage, die das Forum neulich bewegte, betraf Dummheit. Die Fragestellung war
nicht besonders glücklich gewählt. Der Autor unterstellte damit indirekt und unfreiwillig,
dass an die germanischen Stämme soviel Klugheit verteilt wurde, dass insbesondere
für Hinterindien nicht viel davon übrig blieb.
Wie das Hierzulande so üblich ist, ist Mangelware teuer. Daraus folgt, nur die Reichen
können sie erstehen. Dies wiederum bestätigt, die meisten Armen sind dumm.

Sind sie arm, weil sie dumm sind? Das könnte zutreffen, denn für Dumme gibt es keine
Planung, keine Berechnungen und keine Kausalität.
Hat man Geld, kauft man planlos ein. Dann werden Unmengen gekocht und danach die
Hälfte weggeschmissen. Man hat ungeplant Kinder. Die gehen so gedankenlos zur Schule,
wie sie wieder nach Hause finden. Hausaufgaben sind eine Schikane für die ganze Familie.
Weil die Eltern nichts Wissen, werden die Kleinen nicht kontrolliert. Einen geregelten
Tagesablauf kennen weder Eltern noch Kinder. Man isst, wenn der Magen knurrt, oder
wenn die Nachbarn etwas feiern. Zehnjährige glotzen zu jeder Unzeit in den Fernseher.
PC Spiele ballern rund um die Uhr, geschlafen wird dann in der Schule.

Sind sie dumm, weil sie arm sind? Ich kenne einige Wenige, die trotz bitterer Armut lernten.
Wenn sie nicht zu träge und zu faul waren, schafften sie eigenständig den Weg zu mehr
Bildung und damit zu bescheidenem Wohlstand.

In meinem Bekanntenkreis sind einige wohlhabende Familien. Die fördern ihren Nachwuchs
bestens. Das geht soweit, dass die Eltern in Phitsanulok leben und die grösseren Kinder in
Chiang Mai zur Schule gehen, weil es am Wohnort nichts vergleichbares gibt.

Das Nicht-Denken für sich ist nicht das Buddhistische Erwachen. Viele Buddhisten haben es
leider völlig aufgegeben, das Erwachen zu erhoffen - obwohl es die zentrale Botschaft des
Buddha ist, dass jeder das Erwachen selbst erlangen kann.

Aber eines können die Armen und die Reichen: Sich verdrücken und Problemen aus dem Weg
gehen. Da besteht bei uns noch ein grosser Nachholbedarf.
 
Ich kenne einige Farang, die suchen Probleme, ziehen sie an oder sie schaffen sie sich selbst.
Die sind unglücklich, wenn sie keinem erzählen können, wie tief sie im Schlamassel sitzen.
Helfen kann man solchen Individuen nicht. Dies bewog uns, Kontakte mit dieser Art
Erdenbewohner streng zu meiden.

Brauchst du geschäftlich eine Telefonnummer, aber du hast kein Handy?
„No problem“, da ist doch eine Nummer am Beauty Salon. Also wird man die angeben.
Weil Klein-Burma gleich um die Hausecke lag, dudelte das Handy bis zur Einführung
der 08 Vorwahl Tag und Nacht.
Wenn kein Geld da war, um ein Handy zu kaufen, ging man zur Kreditfirma und fragte
mal für 10 000 THB. Die erhielt man bei einer guten Wohnlage leicht.
Als Adresse diente wiederum der Beauty Salon.
Das ging so weit, dass Frau Tochter, die nicht hier wohnte, für ihre Zwecke unsere
Haustelefonnummer angab. Ich brauche das Telefon nur fürs Internet. Die meisten
Anrufe nehme ich gar nicht mehr entgegen.
Wenn ihre Freundinnen Kredite nutzen wollen, war unsere Anschrift stets die erste
Adresse. Weil sie ihre Zahlungsaufforderungen nicht bezahlte, erhielten wir die frei Haus.
Wir ermahnten die junge Frau, die überdurchschnittlich verdient, sie solle gefälligst ihre
Rechnungen bezahlen.
Das Ergebnis war, dass sie beim Telefon sofort die SIM Karte wechselte. Solcherart sind
die Leute nicht zu fassen. Ich kenne einige, die dreimal pro Jahr eine SIM Karte austauschen.
Zu diesem Zweck haben doch die Telefon-Firmen ihre Promotionen.

Da sind wir Europäer doch ganz anders. Wir behalten unsere Telefon-, Versicherungs-
und Geheimnummern wenn immer möglich lebenslänglich. Besonders die Frauen versuchen
noch nach vielen Jahren die Kleidergrössen aus ihrer Jugendzeit mit wechselndem Erfolg zu tragen.

Unsere ehemaligen Hausbesitzer und ihre zweit und dritt Frauen, benutzten noch nach
Jahren das nicht erstattete TabienBan, das Haus Dokument, um teure Anschaffungen auf Kredit zu machen.

Wenn die hier im Dorf eine elende Holzhütte zusammen nagelten, in der man in Euroland
wegen dem Tierschutz keinen Hund halten könnte, gingen die nachher zur Bank und erhielten
ein Darlehen. Mit dem Geld wurde alsdann der neue Pick-up teilfinanziert.

Es gibt riesige Töpfe mit ebenso grossen Pflänzchen. Einer allein kann so ein Ding nicht
vom Fleck bewegen. In der Apotheke suchte ich vergeblich nach Antigravitations-Salbe.
Deshalb benötigte ich einige Leute, die ich für wenige Minuten Hilfe fürstlich entlohnt hätte.
Keiner der Nachbarn hatte Zeit.

Als ich aber erwähnte, wir hätten da etwas gegrilltes Schwein, Bier und Schnaps,
standen die Leute Schlange. Ich erklärte dann:
„Zur Vereinfachung des Nahrungsbezuges müssen wir erst das Töpfchen schieben“.
Sie staunten und halfen. Nur einer meinte, er habe seine besten Kleider an, er gehe mal
das T-Shirt wechseln. Als der Topf verschoben war, stand er in denselben Klamotten
wieder da und griff zum Schwein.
Schwein gehabt.



Jegge, Jürg
Dummheit ist lernbar
Erfahrungen mit Schulversagern
Zytglogge

Georg Litsche
Wille versus Kausalität
http://paradigma.subjekte.de/

« Letzte Änderung: 28. März 2009, 20:56:59 von Low »
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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #234 am: 29. März 2009, 02:01:15 »

Sehr interessanter Blog. Thx low
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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #235 am: 29. März 2009, 13:44:46 »

ProfUE3

Wenn dir der Link gefallen hat, hier ein weiterer:

Die Buddhistische Leere aus moderner Sicht
Essay
von Roman Liedl
Innsbruck
Herbst 2007

Medienturm A-6060 Hall in Tirol
www.ablinger-garber.at
ISBN 978-3-9592285-2-6

http://homepage.uibk.ac.at/~c70203/Liedl_Leere_Lizenzausgabe.pdf
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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien: Fortschritte in der IT
« Antwort #236 am: 31. März 2009, 16:33:22 »

Fortschritte in der IT

Etwa 1970 erhielt ich meinen ersten Computer. Man nannte das Ding: "Pprogrammierbarer
digitaler Prozessor, PDP". Hersteller war die Digital Equipment Corporation, Boston, Massachusetts.
Irgend ein Marktforschungsinstitut behauptete nämlich, dass ausser der Firma IBM niemand mit
Computern Geld verdienen könne.

Mein Maschinchen, für etwas über 100 000 Fr. in der Grundausstattung, war gross wie ein kleiner
Küchenschrank. Das Ding hatte nur 4 096 Worte mit 12 Bit handgestricktem Magnetkernspeicher,
organisiert in 32 Seiten zu 128 Worten. Der Memory und Maschinen Instruktionszyklus betrug
etwa 1.2 Mikrosekunden (etwa 0.8 Mhz). Der Magnetkernspeicher behielt die Informationen auch
im ausgeschalteten Zustand.

Die Ein- und Ausgabe-Einheit war ein Fernschreiber der Marke Teletype. Elektronische Bildschirme
gab es noch nicht. Die Speichermedien waren Lochstreifen. Ein BIOS suchte man vergebens.
Man gab am Rechner selbst eine Startadresse ein und tippte danach die Befehle im Binärcode,
dass die Maschine den Lochstreifenleser des Teletype erkannte. Danach konnten die weiteren
Instruktionen und Programme von Lochstreifen eingelesen werden.

Als Programmiersprachen ausser dem Maschineninstruktionssatz PAL8 dienten Basic, FORTRAN IV
und später FOCAL.

Wir waren zu zweit. Mein junger, unerfahrener Programmierer hatte als einzige Reputation
zwei mal einen Grossrechner mit seinen Künsten ausgetrickst. Der Zugang zum Rechenzentrum
wurde ihm darauf nicht nur untersagt, sondern verboten.
Als das Gerät geliefert wurde, sassen wir 36 Stunden begeistert davor. Kein noch so attraktives
kurviges Filmsternchen hätte unsere Blicke auf sich lenken können.
Wir hebelten an den Schaltern der Register, fanden gefallen an den vielen blinkenden Lichtern
und kopierten Lochstreifen, die wir mit Büroklammern an eine improvisierte Leine hefteten.
Als einen Tag später unsere Chefin die „Abteilung elektronische Datenverarbeitung“ besuchte,
konnten wir die ersten Erfolge vorweisen.
Wir tippten 1 + 1 ? auf der Teletype. In den Registern blinkten einige Lämpchen.
Der Fernschreiber klackte: " = 2".

Wir brauchten die Maschine als Number Crasher - zur Datenreduktion und Berechnung von
Verhältnissen im Interpolationsverfahren. Ich hatte ein integrierendes Digitalvoltmeter, das
Tausende von Daten an einen Drucker sandte. Die Daten mussten damals mühsam von Hand
eingetippt werden.

Meine erste Aufgabe bestand, die 36 Bit Daten vom Messgerät in den 12 Bit Rechner zu bringen.
Wir lösten das Problem mit einer Multiplexkarte, mit der wir drei mal 12 Bit einlesen konnten.
Das Ding funktionierte auf Anhieb so gut, dass der Softi einige Stunden benötigten um
herauszufinden, dass nicht nur die Bitgruppe A, sondern auch B und C bereits in der Maschine waren.

Als wir die Daten erfassen und Berechnen konnten, benutzte ich den PDP zur Steuerung
unserer Analytikgeräte. Das konnte ich mit den integrierten Schaltkreisen der Firmen Burr Brown,
Fabrimex und Motorola in relativ kurzer Zeit erledigen. Die Daten wurden über Bündel von 50 poligen
Flachbandkabeln transportiert.

Schaltkreise, wie einen multiplizierenden Digital zu Analog Konverter, der wenigen Jahren
zuvor einen Ballsaal gefüllt hätten, quetschte ich in sogenannte neunzehn Zoll Einheiten.
Den Wert und die Qualität unserer Arbeiten konnte ich erst beurteilen, als ich später einige
Wochen in Amerika arbeitete. Ich bemerkte, dass wir dort die einschlägige Firmen überholt hatten.

Uns störte ein Problem. Die Ionisationseinheiten arbeiteten mit Zehntausend Volt und einiger
Leistung. Wenn es hie und da einen unkontrollierten Durchschlag in der Ionenquelle gab,
beschädigte der die Kommunikationskarte für den Befehlsempfang, obschon alle meinen digitalen
Signalleitungen durch Optokoppler isoliert waren.
Das elektrische Signal wurde im Opto-Koppler von einer Diode in Licht umgesetzt und in einiger
Entfernung  (mm) von einem lichtempfindlichen Transistor wieder in Strom verwandelt. Die
beiden Baugruppen hatten getrennte Stromversorgungen. Die Isolation war hervorragend.
Wir hatten Weltraumzeitalter und es gab Schutzdioden, die in einer Picosekunde,
(0.000 000 000 001 Sekunde) die zerstörenden Transienten ableiten konnten. Dann verbot das
Verteidigungsministerium den Export solcher Bauteile. An Konferenzen und Meetings von Digital,
musste man sich verpflichten, die Informationen nicht weiter zu geben. Ein absoluter Witz, wenn
man bedenkt, dass heutzutage Intel wesentlich leistungsfähigere Chips in China fertigt.

Welch ein Quantensprung im Computerbau stattfand, sehen wir an den PC die hierzulande
angeboten werden. Doppel und Vierfach CPU’s, die mit einigen Gigahertz getaktet sind. Die
Signale auf dem Bus laufen mit einem Gigahertz. Die Random Access Memory fassen rund zwei
Gigabyte. Man könnte sogar höher bestücken, aber dummerweise berücksichtigt die meiste
Software die Riesenspeicher nicht mehr. Harddisks speichern einige hundert Gigabyte. Zu was
werden solche Supercomputer in Thailand gebraucht?
Ich glaubte es anfänglich nicht: Für Spiele und Karaoke und wenn es ganz hoch geht fürs Internet.
Dass man so ein Gerät zum Rechnen und Arbeiten benutzen könnte, wissen die meisten nicht.
Dazu sind die meisten PC total verwanzt, weil sich niemand um einen Virenschutz bemüht.
Wie repariert man einen verwanzten PC in Chiang Mai? Nein, man benötigt kein Virenschutzprogramm,
sondern ersetzt gleich die Festplatte.
Die Viren, die zusammen mit den Karaoke Titeln oder mit den schwarz kopierten Spielen auf CD
und DVD gebrannt wurden, sind spätestens beim Kopieren wieder im PC.

NOSTALGIE pur:

Reinhard Mey
Klagelied eines sentimentalen Programmierers
 
Die 11x/13 war meine Passion,
Sie war meine Liebe, mein Stolz und mein Lohn!
Einst waren wir glücklich, und was uns verband,
War viel mehr als nur Symbole auf magnetischem Band!
Sie war eine Venus aus Drähten und Chrom,
Ich war Programmierer, hatte grad‘ mein Diplom.
Ich dichtete Tabellen
Für ihre Speicherzellen.
Ich liebte sie platonisch,
Sie liebte elektronisch.
Ich hörte ihr Rattern und ihr Fiepen so gern,
Und mir leuchteten ihre Lämpchen grad‘ als wie die Stern‘!

Die 11x/13 war meine Passion,
Sie war meine Liebe, mein Stolz und mein Lohn!
Und was in ihr vorging, ahnte ich allein –
Oder glaubte zumindest, der einz‘ge zu sein.
Bis vorige Woche Herr Bröselmann kam,
Ein „Heimlehrgangsprogrammierer“ vom Büro nebenan.
Sie hat mich belogen,
Mit Bröselmann betrogen.
Er hat sie gefüttert!
Und was mich erschüttert,
Ist, daß ich tags drauf eine Lochkarte fand,
Auf der „Oh, du göttlicher Bröselmann“ stand!

Die 11x/13 war meine Passion,
Doch es war nur Berechnung und eiskalter Hohn ...
Aber jetzt nehm‘ ich Rache und schneide ihr – knapp –
Hinterlistig und gemein das Stromkabel ab!
 
« Letzte Änderung: 31. März 2009, 16:56:07 von Low »
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Re: Geschichten aus Hinterindien: Eiskratzer
« Antwort #237 am: 01. April 2009, 00:12:08 »

Sollte jemand meine faulen Sprüche vermissen, ist es nicht wegen ... !!!

Meine radelnde rote Mia redete rebellisch: „Wir fliegen zur Zuvielisation. Vielleicht kaufst du etwas für mich.“
„Ja“, sagte ich. „Einen Eiskratzer für die Windschutzscheibe haben wir noch nicht in Chiang Mai. Möchtest du
die Ausführung mit Rubinen oder Diamanten?“
„Gibt es das nicht mit Smaragden?“
„Nur in Bronze für Linkshänder!“
Sie hat gar keine Windschutzscheibe am Fahrrad. Wir verreisen trotzdem nach Singapore.
Wir sind mit oder ohne Kratzer nächste Woche zurück, wenn .... !!!
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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #238 am: 01. April 2009, 00:48:30 »

Gute Reise und bring ein paar Bonmots aus Singapur mit zurück.  :)
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Re: Geschichten aus Hinterindien: Die Treibjagd – Songkran
« Antwort #239 am: 06. April 2009, 11:27:34 »

Die Treibjagd – Songkran                            2004


Ich verliess das Gästehaus kurz vor Mittag und wollte in mein eigenes Revier
zurückkehren. Dann sah ich die Gefahr: Ein kleines Mädchen von vielleicht sieben
Jahren, die dunklen Haare zu zwei Zöpfchen geflochten. Die Äuglein blinzelten listig.
In den Händen hielt es eine Riesenspritze. Ein Schlauch ging zum Rücken. Dort trug
es wie einen Tornister einen Wassertank von vielleicht zehn Litern.
Sie, Mädchen und Spritze, hatten es auf mich abgesehen. Ihr handeln war nur darauf
ausgerichtet, mir einen kräftige Dusche zu verpassen. So einfach sollten sie mich nicht
bekommen. Ich beschleunigte etwas. Sie folgten mir. Der schwere Wassertank bremste
das Kind. Ich schaute, dass die Distanz zwischen uns etwa gleich blieb, hatte Freude
am Spiel und drehte eine zusätzliche Runde um einen Häuserblock. Die Wasserträgerin
watschelte als Schwerarbeiterin angestrengt immer schön hintennach.

Ein Teil des Geländes war unbebaut und diente den Dorfbewohnern als Müllhalde.
Äste, Plastiksäcke jeglicher Grösse und Farbe, Bier und Getränkedosen und weiterer
Abfall bereicherten das Grundstück. Weil das Kind nur auf mich orientiert war,
übersah es einen Knebel auf der Strasse, stolperte und fiel.
Der schwere Wassertank drückte es hilflos auf den Boden. Die Spritze lag für das Kind
in unerreichbarer Distanz. Die Arme waren zu kurz. Ich näherte mich ungefährdet und half
dem Mädchen beim Aufstehen.
Es bedankte sich und spritzte mir dann leicht verlegen etwas Wasser auf die Füsse.
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