Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde
Ich musste mir irgend eine Geschichte ausdenken, um zu erklären, warum ich trotz meiner gegenteiligen Ankündigung
weiter schreibe. Ich schämte mich fast, als ich bemerkte, dass wieder einige tausend Klicks verbucht wurden.
Herzlichen Dank für die Anteilnahme betreffend Freiheit und die zahlreichen Angebote.
Gestern rief uns der Apotheker an und informierte, dass 500 ml Packungen sterile Salzlösung in Mengen eingetroffen seien.
Meine Tochter wird mir am 19. Dezember letzte europäische Technologie mitbringen. Damit werde ich unabhängiger von
den Launen und Schrullen der geschäftsführenden Damen der Importfirma.
Sofern ihr die Beiträge sorgfältig lest, seht ihr, dass wir dauernd gefordert sind. Wir fochten gegen den Diebstahl von
Dicks Land. Wir kämpften für die Entlassung ihres Vaters aus dem Gefängnis. Wir wehrten uns erfolgreich für
Verbesserungen im Gesundheits- und Schulwesen in der Provinz. Wir kämpften gegen Umweltverschmutzung und setzten
uns für eine geregelte, kostengünstige Kehrichtabfuhr ein.
Jetzt schweigt des Sängers Höflichkeit, eventuell nur aus niedrigen und ängstlichen Gründen, zurück in die Kälte geschickt
zu werden.
Ich tönte es bereits an. Betadine, sterile Handschuhe, Kochsalzlösung und dergleichen könnte ich zu Farangpreisen
jederzeit in der Apotheke des RAM Spitals beziehen. Für mich würden die Kosten keine Rolle spielen, da meine Versicherung
die Rechnungen anstandslos bezahlt. Wenn ich günstige Bezugsquellen erschliesse, erweise ich nicht nur meiner Versicherung
einen Gefallen.
Das Beispiel Betadine:
Im RAM Spital kostet ein ml fast drei Baht. In einer Apotheke, welche einen Gewinn abwirft, kostet ein ml bloss einen halben
Baht beim Bezug eines halben Liters. (Kleinstbehälter mit 30 ml werden zu 38 Baht angeboten.) Das Spital verkauft sechs
mal teurer, obschon die das Zeug Gallonenweise sehr günstig einkaufen dürften. Unter Umständen benutzen sie beim
Abfüllen extrem teure Designerflaschen.
Durch meine Beschaffungsstrategien helfe ich armen Thai Patienten. Die sind sich nicht gewohnt, sich für Verbesserungen
einzusetzen und es gibt sie in Mengen. Die Patienten ebenfalls. Denkt an all die Verkehrsunfälle. Es dürfte jedes Jahr Hunderte
neuer Paraplegikerfälle geben.
Viele überleben die Akutphase in Universitätsspitälern problemlos. Nach der Entlassung gibt es nur äusserst selten
Nachbehandlungen, Physiotherapie und Wiedereingliederungsmassnahmen. Viele Behinderte krepieren dann zu Hause schön
langsam wegen fehlender Hygiene an Harnwegsinfekten oder an Druckgeschwüren. (1) Antidekubitus-Sitzkissen kosten
hierzulande an die 20 000 Baht. In Euroland sind sie eher teurer.
Fehlende Selbstdisziplin, Alkoholmissbrauch, mangelnde finanzielle Mittel, Geisterglauben und Mai Pen Rai Mentalität wirken
sich ungünstig auf die Lebenserwartung aus.
Die wenigen Rollstuhlfahrer, die sich bis zum Losverkäufer durchringen, sind Ausnahmen. Ich machte meine Erfahrungen
vor vielen Jahren in einem privaten, von Spendengeldern finanzierten Behindertenzentrum. Dort herrschte nur an Mangel Überfluss.
Als ich im Juni Spitalpflege benötigte, die in der Woche 200 000 Baht verschlang, fragte sich Dick, wie viele Thais sich einen
solchen Luxus leisten könnten. Diese Leute sind im Prinzip zum Tode verurteilt.
Wir erfahren dies in den kleinen Spitälern auf dem Lande, in erbärmlichen abgelegenen Dörfern. Es ist für uns sehr schmerzhaft,
all das Leiden zu sehen.
Aus finanziellen Gründen müssen wir unsere Hilfe meist auf die nächsten Angehörigen beschränken, denn für die 30 Baht
Versicherung gibt es weder teure Medikamente noch Spezialbehandlung auf Intensivpflegestationen.
(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Dekubitus