Warnung: Dieser Artikel behandelt Technik: Elektronen, Bügeleisen, Dampfkochtöpfe und Kernkraftwerke. Für Menschen,
welche lieber Anteil an menschlichen Schicksalen nehmen, empfehle ich herzergreifendere Geschichten, wobei das
Ingenieurwesen wie dargelegt wird, engstens mit heutigen Heimsuchungen verflochten ist.
Frust aus SteckdosenSpannungsschwankungen sind alltäglich. Dabei handelt es sich nicht etwa um sogenannt billigen Atomstrom.
Elektrischer Strom besteht aus Elektronen. Elektronen umkreisen üblicherweise Atomkerne. Es gibt noch keine
großtechnischen Verfahren, um Elektronen direkt aus den Atomen zu elektrischem Strom zu extrahieren. Darum
gibt es im eigentlichen Sinne keine Atomkraftwerke. Mit Hilfe der Kernenergie wird in thermischen Kraftwerken,
anstelle von Erdöl, Kohle oder Gas, Wasser erhitzt. Der Dampf treibt riesige Turbinen und Generatoren an, welche
ihrerseits begehrten elektrischen Strom erzeugen.
Ähnlich wie gewisse Hausfrauen Probleme im Umgang mit dampferzeugenden Produkten, wie Bügeleisen oder
Kochtöpfen haben, können leider Störfälle in größerem Umfang auftreten.
Kühlmittelpumpen im Druckwasserreaktor wälzen das Kühlmittel zwischen Reaktor und Dampferzeuger um. Der
Durchsatz dieser Zentrifugalpumpen beträgt bis zu 10'000 l/s, bei Drücken bis zu 175 bar und Temperaturen
bis 350 °C. Unglaubliche Werte, wenn wir an Bier, gebratenen Speck und Spiegeleier denken. Die Katastrophen
in Japan werden verständlich!
Geringer sind Leistungen von Dampfkochtöpfen. Während Großmutter mit diesen Geräten während Jahren
pannenfrei hantierte, produzierte meine Mutter mehrmals einen GAU. Es gelang ihr nicht, das pfeifende
Sicherheitsventil unverschmutzt funktionstüchtig zu halten. Der unbeaufsichtigte Topf entwickelte Druck. Ein
Gummipfropfen knallte als letzte Sicherung aus dem Deckel des Topfes. Der GAU:
Gegartes
Apfelmus
Unter der Decke. So etwas hätte jederzeit ebenfalls ins Auge gehen können.
Wie viele Brände, ausgelöst durch einsame Bügeleisen, sah ich selbst oder las in Zeitungen davon? Unsere Perlen
übten Brandstiftung und versengten regelmäßig gleichermaßen Kleider und Bügelbretter.
Zurück zur Steckdose. Die Wechselspannung pulsiert nicht nur mit annährend fünfzig Schwingungen pro Sekunde,
sondern unterliegt täglichen langsamen Schwankungen. Das war mich interessant genug, ein analoges Voltmeter
zu basteln und anzuschließen. Sobald ich kritische Schwankungen beobachte, schalte ich teure Elektronik aus und
zünde abends vorsichtigerweise Kerzen an. Manchmal bin ich schneller, als die automatische Notleuchte.
Was mir Sorgen macht, sind überlagerte kurze Impulse von einigen hundert Volt im Mikro- und Nanosekunden-
Bereich. Sie lassen sich nur mit Oszilloskopen beobachten und zerstören Bauteile der Mikroelektronik. Auf meinem
Gerät sehe ich die kurzen Spannungsspitzen nicht, aber weiß aus Erfahrung, daß es sie gibt.
Vor kurzem schlugen solche randalierenden Elektronen zweimal ungebremst zu. Ich benutzte im PC Festkörper-
speicher, sogenannte SSD. Da rotierte keine Festplatte mehr. Bits und Bytes werden stoßsicher und geräuschlos
auf kleinstem Platz gespeichert. Der Zugriff war unglaublich schnell. Ein Klick, Betriebssystem, Office, Corel, Adobe,
was auch immer - war da.
Ich tippte an einer Geschichte und verspürte Durst. Auf dem Weg zur Küche sah ich das Voltmeter: fast unglaubliche
zweihundertfünfzig Volt. Ich prüfte die unterbrechungsfreie Stromversorgung, UPS oder USV. (1)
Je nach Aufbau sollte eine USV die angeschlossenen Systeme vor folgenden Störungen schützen: Stromausfall,
Unterspannung, Überspannung, Frequenzänderungen und Oberschwingungen.
Am Eingang lagen wirklich fast unstabile zweihundertfünfzig Volt. Der Ausgang war auf zweihunderfünf Volt geregelt.
Ich zweifelte an den Entwicklungsingenieuren, am Mikroprozessor des Gerätes und gleichzeitig an beiden.
Dann trank ich einen Schluck und schrieb weiter am nun fast spannungslosen Aufsatz, wechselte Programme,
schaute Bilder und begoogelte mich. Die Eingangsspannung normalisierte sich. Alles arbeitete scheinbar wieder
vernünftig.
Beim nächsten PC Start erkannte das BIOS die SSD nicht mehr, obwohl die PC-Platine mit sogenannter Anti-Surge
Hardware ausgerüstet ist, welche vor schnellen Impulsen schützen sollte.
Ein Griff in das Gehäuse, die Kabel von der SSD in die veraltete Festplatte gesteckt und der PC meldete sich,
langsam wie gehabt - aber sicher.
Einige Tage darauf: Regenzeit, Stürme, Gewitter. Das abendliche Spektakel mit Wasserspielen von Dach und
Palmen, grandiosem Feuerwerk am Himmel, begleitet von Dolby Donnergrollen, ließ mich die Elektronik ausschalten.
Eine Kerze brannte vorsorglich.
Ein heller, blendender Schein und praktisch gleichzeitig ein ohrenbetäubender Knall, der meinen Tinnitus zum
Läuten brachte. Wir rochen die ionisierte Luft förmlich.
Dieser Blitz schlug in unmittelbarer Nähe ein. Bei so kurzen Impulsen mit hunderttausenden von Volt wird jedes
Kabel zu Antenne. Blitze sind in der Lage, selbst in mehreren Kilometern Entfernung durch Induktion erhebliche
elektrische Spannungen zu induzieren. Ich rechnete mit Folgeschäden.
Nachdem sich Mutter Natur beruhigte, schaltete ich die unterbrechungsfreie Stromversorgung, dann den PC ein.
Am Flackern der roten LED erkannte ich, daß Zugriffe auf die Festplatte erfolgten. Mein schöner neuer, energiesparender
Bildschirm blieb schwarz, obwohl die LED der Netzanzeige leuchtete.
„Das darf nicht wahr sein,“ sagte ich zu mir und verdrängte im Geiste die rohe Gewalt des Blitzes. Erneute Versuche.
Der Schirm blieb schwarz.
Darauf spielte ich mit der äußerst unpraktischen Bedienung des Bildschirms. Ein mir unbekanntes Menu erschien.
Die Hälfte der Funktionstasten war blockiert. Mühsam klickte ich auf dem halbtoten Gerät herum und ich fand einen
Fehler. Der schädliche Puls setzte die interne Logik vom PC auf den Video-Eingang. Der Bildschirm war gerettet!
Die Schaltkreise hätten genau so gut schmoren können.
Zu weiteren Funktionstests benötigte ich einen raren Impulsgenerator, um USP und Netzteil des PC zu prüfen.
Dick lieferte mir das Prüfsignal ungewollt, als sie mit dem deutschen Staubsauger “Made in China“ hantierte. Der Motor,
verbunden mit einer hemdsärmeligen Regelung ohne jegliche Filter, erzeugte den Glitch, das gewünschte Signal.
Mein PC stürzte ab, startete automatisch neu und hing fest mit der Meldung:
„Anti Surge von XXX schützte den PC!“
Das Problem für viele Benutzer ist, die Funktion muss im BIOS aktiviert werden, sonst arbeitet sie nicht.
Meine Folgerungen daraus waren: Demnächst werde ich den Netzteil im PC und später die zweifelhaft funktionierende
USP ersetzen. Sie hilft einwandfrei gegen Unterbrüche. Wie meine Erfahrung zeigte, schützt sie schlecht vor Über-
spannungen und blockiert schnelle Impulse nicht.
Blitze lassen nicht nur Elektronik flink altern. Sie fordern sogar Menschenleben. Dafür genügen in Hinterindien bereits
Steckdosen. Sie sind weitaus gefährlicher als Gewitter!
(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Unterbrechungsfreie_Stromversorgunghttp://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=478.msg1006783;topicseen#top